W-iterg,ff,. n ra"c® öieferoog m i)tr Art, mW Hlvvdttgkrft.tÜ S872 Wo| 10 Psg. ^ßerst billig Sinin. » «nd 6842 v**?4 üll«1*' MMlN Syenit, rothem ndftein. arbeit Sandstein. ste Schrift^ ch einschlagenden weiten. M§MM Hefter &W- s-'P rechuer^^ r Fisen rbar, M presßW611’ jeM 6842 Maren iS Settetgafie, Lah«! 1894 Dienstag de« 21. Au»uft Nr. 194 Erstes Blatt. Rrdaction, Exp.diüoi» und Druckerei: Schutstrahe Mr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger ZVonuemeutsprelL: 2 Marl 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogerr. 2 Mark 50 Psg. Die Gießener I»amlrie«0tä1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der chleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Kiehener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Zimts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren. Hralisöeitage: Gießener Kamitienötätter. Amtlichem Theil Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Arrslaird. Rom, 18. August. Im Ministerium des Innern lief ein Telegramm aus Paris ein, welches die Namen und Signalements aller gegenwärtig in den größeren Städten Frankreichs sich aufhaltenden Anarchisten enthält. Paris, 18. August. Das „Journal" meldet, die Mitglieder desComplotts gegen Dupuy seien in Barcelona verhaftet worden. Lyon, 18. August. In der letzten Nacht hatte man eine rothe Fahne auf das Grab Caserios gepflanzt. Die Polizei entfernte dieselbe und traf Vorkehrungen, daß derartige Kundgebungen unterbleiben. Bordeaux, 18. August. Die Geheimpolizei constattrte die Anwesenheit einer Anzahl spanischer und italienischer Anarchisten im Hafen von Bordeaux. Die Signalements der Betreffenden wurden telegraphisch nach Barcelona übermittelt, weil man annimmt, daß unter diesen Leuten sich auch diejenigen befinden, welche die Verschwörung gegen Dupuy angezettelt haben. Inzwischen werden dieselben polizeilich scharf überwacht. — Fast zur selben Zeit, da der Meuchelmörder Las er io aus dem Schaffst zu Lyon den verdienten Lohn für seine Unthat empfangen hat, sind aus Frankreich sensationelle Meldungen über verschiedene gegen den Ministerpräsidenten Dupuy geplante Attentate der Anarchisten eingegangen — sollte Herr Dupuy wirklich bestimmt sein, der Rachsucht der Anarchisten zum Opfer zu fallen? Nach einer Meldung aus guter Quelle hätten spanische Anarchisten beschloffen, Herrn Dupuy in seinem gegenwärtigen Aufenthaltsorte, dem Pyrenäenbade Vernet-les-Bains, durch Dynamit zu tödten, während ein zweiter Anschlag zur Ermordung Dupuys in Vernet-les-Bains von französischen Anarchisten geplant sein soll. In dem genannten Badeorte sind daher umfaßende Vorkehrungen zum Schutze Dupuis getroffen worden. Noch aufregender nimmt sich jedoch eine Nachricht aus, der zufolge der französische Cabinetschef vergiftet worden sein soll, während es bislang hieß, er sei nierenkrank. Natürlich bleibt noch abzuwarten, was es mit dieser sensationellen Kunde auf sich hat, jedenfalls aber verschlimmert sich der Zustand Dupuis, wie neuere Depeschen aus Vernet-les-Bains besagen. Loudon, 18. August. Die japanische Gesandtschaft erhielt von ihrer Regierung eine Depesche, wonach das japanische Lazarethcorps während der Pflege der Verwundeten, wobei es keinen Unterschied zwischen Freund und Feind machte, von den Chinesen mit Granaten beworfen und niedergemetzelt worden sei. Afrika zurückkehren, da ihm bereits die Theilnahme an einer Expedition angeboten worden ist. Potsdam, 18. August. Während der heutigen Parade- täfel von circa 300 Gedecken erhob sick der Kaiser und trank auf das Wohl des Kaisers von Oesterreich mit folgenden Worten: „Ich trinke auf das Wohl des Kaisers Franz Josef, meines treuen Freundes und Bundesgenoffen- Seine Majestät Hurrah!" An der Tafel nahm auch der österreichische Botschafter Theil. Kattowitz, 18. August. Der Verein der Oberschlesischen Bergarbeiter, der dem deutschen Berg- und Hüttenarbeiter- Verband zugehört, wurde auf miffisterielle Anweisung aufgelöst. Kaiserslautern, 18. August. Ein Gesuch des Verschönerungsvereins, hier ein Denkmal für den Fürsten Bismarck zu errichten, wurde vom Stadtrath einstimmig Metz, 18. August. Heute Nachmittag fand bei Mo- gador die militärische Weihe des an jener Stelle errichteten Denksteins statt, wo König Wilhelm die Schlacht von Gravelotte leitete. Der Denkstein ist ein 280 Gentner schwerer Granitblock und vom Großherzog von Baden gestiftet. Anwesend waren der commandirende General Graf v. Haeseler und Deputationen der hiesigen Truppen und Vereine. Deutscher Reich. Berlin, 18. August. Bei bedecktem Himmel fand heute Morgen auf dem Tempelhofer Felde die große Herbstparade der Berliner und Potsdamer Garnison statt, welcher das Kaiserpaar, zahlreiche Fürstlichkeiten und viele fremd- ländische Offiziere, sowie ein nach Tausenden zählendes Publikum beiwohnten. Berlin, 18. August. Gegenüber dem von anderer Seite gebrachten Dementi hält das Depeschenbureau „Herold" die Nachricht, daß der Kaiser gestern ab Kiel Abänoerungen der Manöver wegen Verseuchung der Danziger Gegend telegraphisch angeordnet hat, aufrecht. — Die angekündigte Novelle zum preußischen Vereins- und Versammlungsrecht soll sich im Ministerium des Innern bereits in Ausarbeitung befinden, um wahrscheinlich bereits in der nächsten Landtagssesston vor- gelegt zu werden. Der Kernpunkt der Novelle besteht dem Vernehmen nach darin, daß ein bestimmtes Alter für die Theilnahme an politischen Vereinen und Versammlungen festgesetzt wird. — Mit den jüngst in Berlin erfolgten Verhaftungen zahlreicher Anarchisten hat die Polizei anscheinend einen wichtigen Fang gemacht. ES sollen nach allerdings noch nicht beglaubigten Meldungen aus guten Quellen bei den in den Wohnungen der verhafteten Anarchisten vorgenommenen Haussuchungen gefüllte und zum Gebrauch fertige Bomben vorgefunden worden sein, auch wird versichert, die Polizei babe erdrückende Beweise über die enge Verbindung d r Berliner Anarchisten mit den französischen Anarchisten in Händen. Schließlich heißt es noch, die Polizei sei von der beabsichtigten Verwendung des Sprengstoffes unterrichtet gewesen. Wenn sich das alles wirklich so verhält, dann ist allerdings an dem Bestehen einer gefährlichen anarchistischen Verbindung in der Reichshauptstadt kaum mehr zu zweifeln, dann aber wäre es in der That Zeit, daß man auch in Deutschland dem unheimlichen Treiben der anarchistischen Verschwörer mit aller Entschiedenheit endlich entgegenträte. Berlin, 18. August. Die Kaiserin hat dem Comitö zur Unterstützung der durch das Erdbeben in Konstantinopel Geschädigten 1000 Mk. überwiesen. Berlin, 18. August. Das „Berliner Tageblatt" meldet: „In derj Disciplinaruntersuchung gegen den Kanzler Leist und den' Affeffor Weh lau erhalten wir von gut unterrichteter Seite folgende Mittheilungen: Danach ist der Dr. Vallentin heute Vormittag im Auswärtigen Amte als Hauptbelastungszeuge vernommen worden und zwar handelt es sich heute um die Untersuchung gegen Wehlau. In Sachen contra Leist steht die Vernehmung Dr. VallentinS noch bevor. Wie wir erfahren, ist übrigens Dr. Vallentin definitiv aus dem Staatsdienst ausgeschieden. Er wird jedoch trotzdem nach Nerieste Nachrichten» WolffS telegraphische« Correfpondem-Bureau. Rom, 19. August. Anläßlich des Festtages des heiligen Joachim empfing der Papst heute 16 Kardinäle und mehrere Bischöfe und Prälaten. Der Papst unterhielt sich längere Zeit mit verschiedenen Persönlichkeiten und sprach u. A. von der günstigen Aufnahme der letzten Encyklika im Orient, von der Congregation de Propaganda fide, von der Reform des liturgischen Gesanges und der Reform des Predigervereins. Der Gesundheitszustand des Papstes ist ausgezeichnet. £ocoU» und prsuinrtellc». Sieben, den 20. August 1894. ** Hessischer Feuerwehrtag. Am Samstag Nachmittag 3 Uhr begannen hier in Steins Garten die Verhandlungen der Delegirten Versammlung. Den Vorsitz führte der Vorsitzende des Landesverbandes, Branddirector Ju stu S-Darm- stadt. Vor Eintritt in die Verhandlungen erhob sich Herr Provinzialdirector Freiherr v. Gage rn, um im Namen der Regierung die erschienenen Delegirten zu begrüßen. Die Regierung laste der Feuerwehrsache fortwährend ihre Fürsorge zu Theil werden, sie habe dafür unter Anderm durch Erlaß einer LandeSseuerlöschordnung Zeugniß abgelegt; diese Feuerlöschordnung stelle zwar erhöhte Anforderungen an die Feuerwehr, andererseits habe aber die Regierung es als ihre Aufgabe betrachtet, die Anforderungen der Feuerwehren an die Gemeinden nach Kräften zu unterstützen. Die freiwilligen Feuerwehren gäben durch ihr Bestreben, allen an sie heran- tretenden Anforderungen gerecht zu werden, ein schönes Beispiel von Bürgertugeud für alle Kreise- er schätze sich glücklich, sich heute als Dolmetsch des Interesses der Regierung für das Feuerlöschwesen, dessen schönste Blüthe die sreiw. Feuerwehr sei, zu betrachten- er hoffe, daß der Feuerwehrtag für alle Thetlnehmer befriedigend verlaufe. — Herr Oberbürgermeister Gnauth begrüßte Namens der Stadt die Versammlung- er stattete zunächst seinen Dank dafür ab, daß der Feuerwehrtag nach 25 Jahren wieder in Gießen eingekehrt sei. Daß dies nicht früher geschehen konnte, daran sei Gießen eigentlich selbst schuld, nicht weil es an Gastfreundschast mangele, denn in dieser Beziehung werde Gießen in diesen Tagen daS Gegentheil beweisen- die Versüssung der Feuerwehren, die Stellung der beiden Corps zu einander, die Opferwtlligkeit der Gemeinde und sonstige Umstände waren nicht immer so,zwie es hätte sein sollen. Heute sei erfreulicher Weise vieles anders und dies sei vielfach mit zu danken dem Einfluß des hessischen Feuerwehrverbandes. Die Lösch- einrtchtungen in Gießen seien sowohl durch bcstere Ausrüstung der freiwilligen Feuerwehren, wie durch Errichtung einer Pfltchtfeuerwehr in die Höhe gebracht worden, ein neues Geräthehaus sei errichtet und die Wasserversorgung erweitert worden- es blieben nur noch zweckmäßige Vorkehrungen im Meldewesen zu treffen. Die Stadt wie die Feuerwehr würden in diesen Tagen dankbar sein für jeden Wink und Rathschlag, den die Gäste ihnen ertheilten. Herr Oberbürgermeister Gnauth gab schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß ein guter Stern über den Verhandlungen walten und die Gäste alle frohe und angenehme Stunden verleben möchten. Mit diesem Wunsche heiße er die Erschienenen doppelt willkommen, im Namen der Stadtverordneten, im Namen deS FestauSschusteS. — Der Vorsitzende dankt den Vorrednern für tue ehrenden Worte und giebt der Freude über den herzlichen Empfang Ausdruck- daß es im Feuerlöschwesen anders geworden, sei auch mit den sreiw. Feuerwehren zuzuschreiben, die durch Ausdauer das zu erreichen suchten, was zur Hebung des Feuerlöschwesens noch nöthig sei- auch er hoffe, daß das Fest einen guten Verlauf nehmen werde und die Verhandlungen segensreiche Früchte tragen werden. — Es folgten nunmehr die Berichte der einzelnen Provinzialvorsitzenden über den Stand des Feuerlöschwesens- es ist daraus zu entnehmen, daß im Allgemeinen im Großherzogthum die Sache der sreiw. Feuerwehren günstig steht, besonders hat sich in Starkenburg und Rheinhessen die Einführung der Landesfeuerlöschordnung dem freiw. Löschwesen als förderlich erwiesen, während von der Provinz Oberhesten weniger Erfreuliches zu berichten war. Man hofft namentlich hier noch viel von dem Einflüsse der Kreisfeuer- wehrinspectoren. In Rheinheffen sind fast alle Gemeinden im Besitze sreiw. Feuerwehren (der Kreis Alzey besitzt 52), in Starkenburg die Mehrheit, während in Oberhesten, z. B. in dem Kreise Büdingen nur 3 beständen - am besten sind die Verhältnisse im Kreise Friedberg, befriedigend im Kreise Gießen. — ES wurde hierauf zu Punkt 2 der Tagesordnung, den Antrag des oberhessischen Feuerwehr-Verbandes, übergegangen. Der Antrag lautet: Der Landesverband möge bei Großh. StaatS- regierung vorstellig werden, den Feuerwehrleuten, welche Dele- girtenversammlungen besuchen, Fahrpreisermäßigung auf den Eisenbahnen zu gewähren und zwar in Form freier Rückfahrt auf ein gelöstes einfaches Militärbillet an Feuerwehrleute in Uniform. Der Antrag wird von dem Berichterstatter Feller-Lollar eingehend begründet und bargetegt, daß die Bewilligung von Fahrpreis-Ermäßigung bei gleichzeitiger Lösung von 30 Fahrkarten für die Feuerwehren zwecklos sei, selten kämen so viele Personen, die Delegirten-Versammlungen besuchten, zusammen, die Feuerwehren könnten einen gewissen Vorzug infolge ihres Berufs vor.anderen Vereinen gewiß beanspruchen, sie stellten Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Bekanntmachung, betreffend Schafräude zu Stangenrod. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß bei der Herde des Kilian Ulrich zu Stangenrod die Räude festgestellt worden ist. Wir haben die Sperre der Herde ver- fügt. Derselben wird durch Gr. Bürgermeisterei Stangenrod ein bestimmter Weidebezirk angewiesen werden, welchen sie nicht überschreiten darf. Es ist deßhalb bis auf Weiteres die Ausführung von Schafen aus der Gemarkung Stangenrod nur zum Zweck sofortiger Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholenden polizeilichen Erlaubniß zulässig. Gießen, am 18. August 1894. Großherzogliches Kreis amt Gießen. v. Gagern. ______________ Wieseck, am 18. August 1894. Betr.: Decanatsmissionsfest. Das Großh. ebangel. Dekanat Gießen an die Gemeinden des Decanats. Nächsten Donnerstag den 23. d. Mts., von Vormittag 10 Uhr wird in Oppenrod unser diesjähriges Decanatsmissionsfest gefeiert werden. Am Vormittag predigt Herr Pfarrer Adolph aus Rodheim v. d. H. über äußere, am Nachmittag Herr Pfarrer Volp aus Mendorf a. d. Lumda über innere Mission. Bet günstigem Wetter findet noch eine Nachfeier statt. Zur Theilnahme an rubr. Feste wird freundlichst eingeladen. Wahl. sich in den Dienst der Allgemeinheit, gerade wie das Militär, deshalb sei es recht und billig, ihnen auch besondere Vergünstigungen bei den Fahrten zu den Delegirten Versammlungen einzuräumen. Der Antrag wird angenommen, doch soll auf Antrag des Herrn Provinzial-Directors Frhr. v. Gagern darin gewahrt werden, daß die preußischen Eisenbahn- Directionen, soweit ihre Linien hessisches Gebiet berühren, ebenfalls um Gewährung der im Antrag erbetenen Fahrtvergünstigungen angegangen werden möchten. — Der vom Kreisfeuerwehr-Verband Darmstadt gestellte, von Fischer- Darmstadt befürwortete Antrag auf Errichtung einer Sterbe- kasse für die Mitglieder der Verbandswehren nach bayerischem Vorbild wurde, da es über die Art der Einrichtung noch an den nötigen Informationen fehlte, an eine aus den Herren Fischer-Darmstadt, Keller-Mainz und Müller-Offenbach bestehende Commission verwiesen, welche dem nächsten Abgeordnetentage in Frankfurt darüber Bericht erstatten soll. Wetter hat der Kreisfeuerwehr-Verband Darmstadt folgenden, ebenfalls von Herrn Fischer befürworteten Antrag eingebracht: Großh. Staatsregierung zu ersuchen, den § 17 der Ausführungsbeftimmungen des Gesetzes vom 29. März 1890, betreffend die Landesfeuerlöschkaffe, dahin umzuändern, daß der vorgeschriebene Dienstweg, den Gesuche um Unterstützung zu nehmen haben, möglichst vereinfacht, daß weiter die Gemeindevertretungen angewiesen werden, einem in ihrer Ge- • meinde verunglückten Wehrmann aus der Gemeindekasse einen noch zu vereinbarenden wöchentlichen Betrag auszuzahlen, welcher nach beendigter Unterstützung von der Landesfeuerlöschkaffe zurückgezahlt wird. Die an der Debatte betheiligten Redner sprachen sich in ihrer Mehrheit dahin aus, daß an dem bisherigen Instanzenweg wenig zu ändern sei, man war auch der Ueberzeugung, daß eine Aenderung nicht nöthig, da man nach den bisherigen Erfahrungen hoffen dürfe, daß, falls ein Feuerwehrmann verunglücke, Alles gethan würde, um ihn und seine Angehörigen vor Noth zu bewahren- rascher wie die Landesbrandkasse komme auch keine Privatversicherung ihrer Pflicht nach. Herr Provinzial-Director Frhr. v. Gagern bemerkte u. A., daß im Drtnglichkeitsfalle aus den den Kreisämtern zur Verfügung stehenden Mitteln Unterstützungen gewährt werden könnten und wird daraufhin beschlossen, die Großh. Regierung zu ersuchen, die Kreisämter anzuweisen/ in dringenden Fällen auf Rechnung der Landesfeuerlöschkasse dem jeweiligen Bedürfniß entsprechende Beträge vorzulegen. — Der Antrag der Feuerwehr Hainstadt: „Der Landesausschuß möge bei Gr. Brandversicherungskammer vorstellig werden, daß aus deren Mitteln Beiträge für Führerkurse bewilligt werden, indem es im Interesse oben genannter Behörde liege, wenn tüchtiges, gemeinschaftlich ausgebildetes Führerpersonal vorhanden ist", wurde angenommen. Der Berichterstatter legt dar, daß auf den Führerkurseu viel gelernt werde, daß aber die Kosten für die betr. Feuerwehren zu hoch seien. Freiherr von Gagern sprach sich dahin aus, daß die Gemeinden verpflichtet würden, die Kosten zu übernehmen. — Eine eingehende Berathung entwickeltesich über folgenden, vonderFeuerwehr Bingengeftellten Antrag: In Erwägung, daß nach Absatz 4, Artikel 14 des Gesetzes, die Landesfeuerlöschordnung betr., für verunglückte Feuerwehrleute, bezw. deren Hinterbliebene im Todesfall Schadenersatz oder Unterstützungen nur nach Maßgabe der in der Kasse vorhandenen Mittel gewährt werden, sowie in weiterer Erwägung, daß im Falle der Unzulänglichkeit der Kasse unter besonderen Umständen möglicherweise die Haftpflicht auf die Führer ausgedehnt werden könnte, möge der hessische Feuerwehrtag in Gießen beschließen, bei Großherzogl. Hessischer Regierung um eine allgemeine Unfallversicherung der Feuerwehrleute auf Staatskosten nachzusuchen, resp. zu beantragen, daß die im gewerblichen Betrieb durch das Unfallversicherungsgesetz gewährleisteten Entschädigungen in gleicher Weise auch verunglückten Feuerwehrleuten bezw. deren Hinterbliebenen von Staats wegen gesichert werden. Bon Setten der Antragsteller wurde u. A. die Befürchtung geäußert, daß, nachdem vor zwei Jahren der Antrag des Abgeordneten Dr. Gutfleisch auf Erlaß eines, die Unterstützungen verunglückter Feuerwehrleute von Staatswegen regelnden Gesetzes zurückgewiesen worden, der Fall eintreten könne, daß der aus den Beiträgen der Landesbrandkasse gebildete Fonds aufgezehrt werde und demnach die verunglückten Feuerwehrleute ihres Anspruchs auf Unterstützung verlustig gehen würden. Dem wird von anderen Rednern entgegengehalten, daß die Antragsteller wohl zu schwarz sehen- sollte der Fall wirklich etntreten, so werde die Regierung Mittel und Wege finden, die Ansprüche zu befriedigen, das dürfe man der Regierung doch nicht zutrauen, daß sie einen verunglückten Feuerwehrmann in Noth gerathen lasse einfach deshalb, weil keine Mittel zu seiner Unterstützung in der LandeSbrandkasse vorhanden seien. Es wird schließlich ein von Herrn Lucius-Bingen gestellter, von Herrn Gräf- Bingen unterstützter Antrag angenommen: die Großherzogl. Regierung zu ersuchen, den in Artikel 14 des Gesetzes, die Landesfeuerlösch Ordnung betr. enthaltenen Satz „nur nach Maßgabe der in der Kasse vorhandenen Mittel" zu streichen. — Der Antrag der Feuerwehr Ortenberg: Was soll es mit dem angesammelten Vermögen der Landesverbandskasse geben? event. Beschlußfassung hierüber, desgl. über die Verwendung der Zinsen, war nach Mittheilung des Berichterstatters Ve tzberg^r-Ortenberg dadurch veranlaßt, daß der vom Ausschüsse gefaßte Beschluß, alljährlich Rechnung und Bericht zu erstatten, nicht aufrecht erhalten worden. In der Versammlung wurde einestheils die Meinung vertreten, die nach Inkrafttreten der Landesfeuerlöschordnung eigentlich entbehrlich gewordene Kasse eingehen zu lassen, anderntheils aber wurde empfohlen, sie für unvorhergesehene Fälle zu belassen. Es wurde darauf beschlossen, die mit der Behandlung der Frage wegen Errichtung einer Sterbekasse betraute Commission zu beauftragen, Rechnung und Belege einer Durchsicht zu unterziehen und dem nächsten hessischen Feuerwehrtage darüber Vorlage zu machen, ob die Kasse bestehen bleibenoderunterzweckmäßiger Verwendung des Vermögens aufgelöst werden solle. — Ueber den 7. Punkt der Tagesordnung : Wie ist die Prüfung der Schlauchkuppelungen mit gleichen Hälften Seitens des deutschen Feuerwehrausschusses verlaufen, resp. welche Kuppelung wurde angenommen? referirt Herr Justus-Darmstadt. Nach dem von der mit Prüfung der sog. Stürtz'schen Kuppelungen betrauten Commission erstatteten Bericht hat sich diese Kuppelung bewährt und wird ihre Anwendung, da sie der angeordneten Einführung des Metz'schen Normalgewindes nicht im Wege steht, empfohlen. — Der Antrag auf Einführung eines einheitlichen Feuerwehrgrußes wird von Herrn Justus unter Hinweis auf Ruder-, Turn , Radfahrer-Vereine re. begründet und dafür „Gut Wehr" in Vorschlag gebracht. Die Grußformel wurde einstimmig angenommen, worauf Herr Justus die Feuerwehrmänner ersuchte, dieselbe nun auch zu gebrauchen. — Die Abstimmung über diejenige Wehr, welche den nächsten, 1897 abzuhaltenden hessischen Feuerwehrtag übernimmt, geschah schriftlich. Gemeldet hatten sich Darmstadt und Heppenheim, für erstere Stadt trat Herr Fischer, für letztere Kretsfeuer- wehrinspector Lulley lebhaft ein. Die Abstimmung ergab 45 Stimmen für Heppenheim, 21 Stimmen für Darmstadt, trotzdem von verschiedenen Seiten bezweifelt wurde, daß die Wehr zu Heppenheim eine freiwillige sei. — Auf Antrag des Herrn Keller-Mainz wurde noch über zwei nicht auf der Tagesordnung stehende Gegenstände Beschluß gefaßt. Herr Keller schlug vor, den 18. Verbandstag, der beschlußgemäß im Jahr 1900 in Rheinhessen abzuhalten sei, schon 1899 abzuhalten uud zwar in Mainz, dessen freiw. Feuerwehr in genanntem Jahre die Feier ihres 50jährigen Bestehens feiere. Es wurde in diesem Sinne beschlossen. Der ebenfalls von Herrn Keller gestellte Antrag auf Streichung der Vorschrift, daß die Kreisfeuerwehrtage alle drei Jahre stattzufinden hätten, wird zum Beschluß erhoben. —Während den Verhandlungen war folgendes Telegramm abgesandt worden: „An Se. Kgl. Hoheit den Großherzog, Schloß Wolfsgarten. Die zahlreich in Gießen versammelten Delegirten hessischer freiwillig. Feuerwehren bringen ihrem hohen Protector ehrfurchtsvollen Gruß. „Gut Wehr! Justus, Vorsitzender." Die Zustimmung zur Absendung wurde mit einem dreifachen Hoch auf Se. Kgl. Hoheit gegeben und mit dreifachem Hoch auf das Wohl des hessischen Feuerwehroerbandes und die freiw. Feuerwehren die Versammlung geschlossen. — Erwähnt sei noch, daß Herr Keler-Mainz der Vesammlung einen Bericht über die Verwendung der Beiträge erstattete, die auf seine Veranlassung von den Hess, freiw. Feuerwehren zur Stiftung eines Hochzeitsgeschenkes für Se. Kgl. Hoheit den Großherzog gesammelt wurden. Die Sammlung hat den Betrag von 597 Mk. 57 Pf. ergeben und ist derselbe für eine Huldigungsadresse verwendet worden. Herr Keller nahm Angesichts dieses schönen Ergebnisses Veranlassung, den betheiligten Feuerwehren den besten Dank abzustatten. Herr Justus fügte die Mittheilung an, daß Se. Kgl. Hoheit die Adresse der Feuerwehren mit großer Freude entgegengenommen und die Versicherung gegeben habe, daß er stets, gleich seinem Vater, treu zur Feuerwehr halten werde. * * Vom Hessischen Feuerwehrfest. Das Fest, das von dem Comitö so schön arrangirt wurde, nahm mit dem am Samstag Vormittag erfolgten Eintreffen der Delegirten offiziell seinen Anfang. Das Wetter, das in den letzten Tagen so Manchen mit Besorgniß erfüllte, versprach zwar nichts gutes, immerhin sah man in der Bewohnerschaft freudig den kommenden Ereignissen entgegen. Der Zapfenstreich am Samstag, ausgeführt von der hiesigen Regimentscapelle, nahm um 7 Uhr Abends vom Neuenweger Thor seinen Anfang und bewegte sich durch die innere Stadt nach dem Festplatz. Hieran schloß sich ein Concert auf dem Festplatze. Obwohl die Betheiligung an diesem Abend eine verhältnißmäßig starke war, waren die meisten Restaurationshallen schwach besetzt, weil die Luft zu kühl, infolge deffen das Publikum vorzog, auf dem prächtig ausgestatteten Festplatz zu promo- nieren. Am Sonntag, Morgens 6^2 Uhr, sammelte sich die Feuerwehr mit Tambour- und Musikcorps auf dem Kreuzplatz zur Revetlle. Der Zug bewegte sich zunächst vor die Wohnung des Herrn Challier am Neuenweg und trachte ihm die Regimentsmusik zu Ehren seiner auf diesen Tag fallenden silbernen Hochzeit ein Ständchen. Präzise 11 Uhr Vormittags begannen auf dem Festplatze die Musterübungen der beiden hiesigen freiwilligen Feuerwehren, die mit einem Brandangriff auf das Merz'sche Haus endigten. Die Uebungen fielen zur Zufriedenheit der zahlreichen Zuschauer aus, nur erwies sich der Platz für die Bewegungen zu eng, denn es manöverirten 200 Mann mit 10 Fahrzeugen. Der bei den Uebungen bethätigte Eifer unserer freiwilligen Feuerwehren war gestern um so anerkennungswerther, als die Mannschaften nach der in der vorhergehenden Nacht erfolgten zweimaligen Allarmierung hart in Anspruch genommen waren. Die Ehrenpräsidenten Frhr. v. Gagern, Oberst v. Rosenberg und Oberbürgermeister Gnauth, sowie die Mitglieder des Festausschusses sahen der Hebung von der Festtribüne aus zu. An dem um 1 Uhr in Steins Garten stattfindenden Festessen betheiligten sich an 140 Personen. Provinzial- Director Frhr. v. Gagern brachte das Hoch auf Kaiser und Großherzog aus, Oberlehrer Fuhr, Vorsitzender des Ordnungsausschusses, toastete auf die Feuerwehr, Kreisfeuer- wehrinspector Keller- Mainz auf die Einwohnerschaft Gießens, Feuerwehrhauptmann Vetzberger von Ortenberg mit Hinweis auf das vor 25 Jahren hier abgehaltene Feuerwehrfest auf die Jubiläumsftadt Gießen, Branddirector Schmandt stattete den Festgästen den Dank für ihr Erscheinen ab. — Die Glanznummer des ganzen Festes war unstreitig der um 3*/i Uhr von der Ludwigstraße aus sich in Bewegung setzende Festzug. Wir gestehen, selten einen Zug von gleicher Schönheit und Ausdehnung hier gesehen zu haben- es schien allen Betheiligten, besonders aber den Vertretern des Sports daran gelegen, möglichst glanzvoll aufzutreten, und wer die Veranstaltungen der Ruderer und Radfahrer gesehen, wird sagen, daß ihnen dies gelungen. Die übrigen Vereine erschienen in Gala mit ihren Fahnen und trugen, : da sie über den ganzen Zug vertheilt waren, vortheil-- haft zu dessen Gelingen bet- fünf Musikcorps, darunter zwei treffliche Feuerwehrcapellen und mehrere Tambonr- und Hornistentrupps, trugen zur Verschönerung des Zuges bet. Das Interessanteste bot die 3. Abtheilung, die von Herrn Challier mit vieler Mühe ins Werk gesetzte Darstellung der Entwickelung des Feuerlöschwesens im 19 Jahrhundert. Die 1. Gruppe eröffnete ein mit Spieß, gewaltigem Horn, Schlüsselbund und Laterne ausgerüsteter Nachtwächter, an dem sicher unsere Urgroßeltern ihre helle Freude gehabt hätten- ihm folgte, von Handwerkern gezogen, ein schwerfälliger Wasserkasten, daran schloffen sich die zur Hilfe bereiten Handwerker aller Gattungen aus dem Anfang des Jahrhunderts mit Werkzeugen, wie sie ihnen gerade in die Hände fielen- die zweite Gruppe wies eine uralte Feuerspritze auf, hinter welcher ebenfalls mit den primitivsten Waffen zur Bekämpfung des Feuers ausgerüstete Handwerker marfchirren, hierbei kam der alte Gießener „Landgraf" neben seiner anscheinend älteren Schwesterspritze vorteilhaft zur Geltung - die dritte Gruppe zeigte uns die freiwillige Feuerwehr nach ihrer Gründung- die characteriftischen Merkmale der alten Gail'schen Wehr: weiße kurze Jacken und Ledermützen, riesen freudige Erinnerungen bei den alten Wehrmännern hervor- die vierte Gruppe zeigte das Ausrücken nach einem auswärtigen Brande, die fünfte die modernen Löschgeräthe vom Extincteur bis zur Dampfspritze, die durch lebhaftes Pfeifen ihr Erscheinen ankündigte - die sechste Gruppe endlich zeigte uns an einer Anzahl Feuerwehrleuten die Uniformirung der Freiwilligen hessischen Feuerwehren. An dieser Abtheilung konnte man so recht sehen, wie viel besser wir mit unseren Löscheinrichtungen dastehen als unsere Vorfahren. — Das.anfänglich schöne Wetter schlug, als der Zug seinen Weg ungefähr ;zur Hälfte zurückgelegt hatte, plötzlich um; trotz des strömenden Regens hielten indeß die Theilnehmer zum größten Theile standhaft aus, ja, die Feuerwehren wußten der Störung manche humorvolle Seite abzugewinnen. Auf dem Festplatze angelangt, wurden die erschienenen Gäste von Herrn Oberbürgermeister Gnauth mit einer eindrucksvollen Begrüßungsrede empfangen. Concert und Tanz eröffneten den gemüthltchen Theil des Festes. Trotzdem daß Wetter zeitweise immer wieder seine üble Laune zeigte, hinderte dies die Festtheilnehmer nicht, Stand zu halten. Die zeitweilig eintretenden Regenschauer konnten nicht verhindern, daß der Zudrang zum Festplatze ein colossaler wurde - zudem war auch das reichhaltige Programm zu verlockend, als daß man dem Festplatze hätte fern bleiben können. Neben den trefflichen Mustkaufführungen der Capelle des Infanterie- Regiments Kaiser Wilchelm und der Offenbacher Feuerwehrcapelle zogen die Vorträge der Gießener Männergesangvereine, die Uebungen der Turner rc. das Publikum an. Das Abendprogramm kam des später eintretenden Regenwetters wegen nur theilweise zur Durchführung, so daß, falls das Wetter günstiger wird, der heutige Abcnd das gestern Ausgefallene nachträglich bieten wird. — Das 16. Verbandsfest hessischer freiwilliger Feuerwehren hat wieder einmal gezeigt, daß Gießen Feste zu feiern versteht. — Heute Morgen 7 Uhr sand abermals Weckruf statt. Der Vormittag ^.wurde der Besichtigung der Ausstellung in der Stadtknabenschule gewidmet, woran sich ein allgemeiner Frühschoppen mit Concert auf dem Festplatz anschloß. ** Feuerwehr-Ger'äthe-Ausstellung. Zur Ergänzung unseres Berichts in Nr. 193 wird uns von der Firma C. D. M a g i r u s in Ulm mitgetheilt, daß sie in den letzten Jahren etliche 80 große Feuerspritzen an hessische Gemeinden geliefert hat, worunter vor Kurzem auch eine solche für die Freiwillige Feuerwehr Gießen- letztere Wehr erhielt auch die neue große mechanische Leiter aus derselben Fabrik. Als Neuheit liefert diese Firma an den mechanischen Leitern selbftthätige Einfallhaken, welche beim Ausziehen und Einlaffen der Leiter ganz selbstthätig functioniren und an jeder Leiter, sowohl an zweitheiligen, als auch an mehrteiligen Leitern, ebenso auch an älteren Constructionen angebracht werden können. Diese Einfallhaken sind zum Patent angemeldet. (Heute, Montag Morgen, wurde die zur Ausstellung gebrachte mechanische Leiter an ihrer äußersten Spitze, oberste Sprosse der ausgezogenen Leiter mit einem Gewicht von ca. 6 Gentnern belastet, ohne daß die oberste Leiter das geringste Durchbiegeü zeigte, ein Beweis, daß diese Leiter eine ganz vorzügliche Verspannung besitzt.) — Weiter sei in Betreff der Ausstellungsgegenstände noch auf den auf dem Festplatz selbst in der Nähe des Ehrenpodiums von der Firma Koch u. Höring, Frankfurt a. M., angebrachten sogenannten Bopp u. Reuther'schen Hydrant-Brunnen aufmerksamgemacht, welcher ein besonderes Interesse verdient. Derselbe ist eine Vereinigung eines Ueberflur- Hydranten mit einem Ventilbrunnen, als welcher er z. B. auf dcm Festplatz tn^ebrauch genommen ist. Er dient gleichzeitig und zwar in der Benützung ganz unabhängig von einander, als Ventilbrunnen sowie als Ueberflur-Hydrant. Nach Angabe des Fabrikanten ist bet diesem Hydrant-Brunnen bei ausreichender Deckung ein Einfrieren nicht möglich, weil das im Steigrohr befindliche Wasser nach dem Gebrauch des Brunnens in ein Schachtrohr zurückfällt, von wo es beim jedesmaligen nächsten Gebrauch durch einen Jnjector wieder angesaugt und zum Ausfluß gebracht wird. ** Lebende Bilder znm Feuerwehrfest. Des gestern Abend eingetretenen Regenwetters wegen konnten die lebenden Bilder nicht gestellt werden. Die Bilder sollen heute Abend um 8 Uhr gestellt und das Feuerwerk punkt 10 Uhr abgebrannt werden. Die an den lebenden Bildern Miiwirkenden verweisen wir auf die im Inseratenteil befindliche Bekanntmachung des Vergnügungsausschusses. ** Dienstnachrichteu. Seine Königliche Hoheit der G r o ß- h erzog haben Allergnädigst geruht, am 16. d. Mts. den Districtseinnehmer der Districtseinnehmerei Vilbel Ernst Büttel in gleicher Diensteigenschast in die Districtseinnehmerei Friedberg, — den Districtseinnehmer der DiftrictS. einuehmerei Ortenberg Nicolaus Werner in gleicher Dienst- rigenschaft in die DistrictSeinnehmerei Groß-Gerau EL, — I den Districtseinnehmer der DistrictSeinnehmerei Sprendlingen | Georg Philipp Klein in gleicher Diensteigenschaft in die DistrictSeinnehmerei Bingen — zu versetzen. * • Technische Hochschule zum Darmstadt. Der Professor der Architectur an der Darmstädter technischen Hochschule, Herr E. Marx, hat einen Ruf nach Hannover erhalten. ♦ * Feuer. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde die Feuerwehr zweimal alarmirt und zwar um 2 und 4* 1/2 Uhr. Im ersten Falle brannte ein dem Gastwirth Ehr. Lony gehöriges Stallgebäude in der Mühlgasse, in welchem sich auch Stroh und Heu befand, nieder. Die Hauptaufgabe der Feuerwehr war, eine dicht am Gebäude stehende Scheune zu schützen, sodaß eine Ausbreitung des Feuers verhindert wurde. Im zweiten Falle brannte das dem Küfer Kohlermann in der Bleichstraße gehörige Waaren-Magazin. Die größeren Waarenvorräthe, welche für die Frankfurter Messe bestimmt waren, sind sämmtlich verbrannt, ebenso eine größere Menge bearbeitetes Holz. In beiden Fällen liegt Brandstiftung vor, und wurde gestern ein der Brandstiftung verdächtiger junger Mann von hier zur Haft gebracht. Derselbe war früher schon einmal wegen Verdachts der Brandstiftung in Untersuchungshaft, mußte aber wegen Mangel an Beweis wieder freigelassen werden. * * Kaminbraud. Am vorigen Freitag entstand im Hause Wetzsteingasse 48, infolge eines Kaminbrandes Feuer, welches aber noch rechtzeitig entdeckt und von den Hausbewohnern abgelöscht werden konnte. * * Verhaftungen. Am vorigen Samstag mußte ein Arbeiter aus den Backsteingruben an der Rodheimerstraße zur Haft gebracht werden, weil er seine Mitarbeiter bedrohte und belästigte und sich, nachdem er auS der Arbeit entlassen, von der Arbeitsstelle nicht entfernte. Da derselbe sich auch bei der Verhaftung widersetzte, wurde er auf einem Karren ins Haftlocal be- sördert. — Ein dahier bediensteter Knecht, welcher am Samstag Abend mit seinem mit Pferden bespannten Wagen übermäßig schnell durch die Stadt fuhr, namentlich aber durch die stark belebte Neustadt jagte und die Passanten im höchsten Grad gefährdete, widersetzte sich den ihn anhaltenden Schutzmännern derart, daß seine Verhaftung nöthig wurde. Derselbe wird -sich wegen Widerstand und Beamtenbeleidigung zu verantworten haben. * * Auf dem Festplatze waren gestern Diebstähle nicht zu verzeichnen. Eine angeblich gestohlene Uhr wurde als Fundgegenstand abgeltefert und dem Eigenthümer wieder zugestellt. * * Gestohlen. Einem Gartenbesitzer auf dem Nahrungsberg wurde das Gartenhäuschen erbrochen und von 7 darin befindlichen Stallhasen 5 getödtet und 2' entwendet • ’ Unfälle. Der erste Tag des Feuerwehrfestes verlief m ungestörter Weise. Leider sind zwei Unfälle zu verzeichnen. Ein Feuerwehrmann aus Offenbach fiel hin und erlitt einen Knöchelbruch- ein anderer aus Friedberg, der sich in der Nacht noch eilig nach dem Bahnhofe begeben wollte, fiel in der Weftanlage und erlitt einen Beinbruch- er mußte in die Klinik verbracht werden. * * Ab nach Cassel! Gestern Nachmittag, während sich die meisten der Stadtbewohner auf dem Festplatz befanden, trieben zwei „Schnorrer" ihr Handwerk ungenirt. Sie wurden in der Südanlage betroffen, und da sie reichlich mit Mitteln versehen waren, für ihr Geld nach Cassel befördert. * • Verein der „Freundinnen junger Mädchen". Am 31. Juli d. I. fand in Worms unter dem Vorsitze der Frau Gräfin von Erbach-Schönberg eine Versammlung des hessischen Zweigs jenes internationalen Frauenvereins statt, der unter obigen Namen seit 1877 sich von der Schweiz aus über die Länder Europas verbreitet hat. Der Zweck seiner Gründung ist die bewahrende Fürsorge für solche Mädchen, die in der Fremde und Ferne Dienststellen aufsuchen und vereinzelt, freundloS, schwierigen, in moralischer Hinsicht nur zu oft gefährlichen Verhältnissen begegnen. Das Mittel zur Erreichung des gedachten Zwecks ist, ihnen von der Heimath aus Adressen wohlmeinender Frauen zu geben, deren Namen in die Listen des Vereins sich eingetragen finden. Eine Liste dieser Adressen ist in der Hand jeder „Freundin", die somit leicht in der Lage ist, aus ihrem Ort abretsende Mädchen an eine „Freundin" des Mädchens am zukünftigen Aufenthaltsorte desselben zu empfehlen. Ist die Reise des Mädchens länger, so übernehmen unter Umständen auch an den Hauptverkehrspunkten „Freundinnen" die Fürsorge für den Schutz auf der Reise u. dgl. Ohne Frage ist dlese Einrichtung schon vielen zum Segen geworden. Sie könnte es in noch höherem Grade werden, wenn, wie dies vor Allem in der Schweiz der Fall ist, auch auf dem Lande, von woher ja die meisten Mädchen kommen, solche „Freundinnen" sich fänden und die Abretsenden mit Adressen und Empfehlungen versähen. Es ist daher besonders zu begrüßen, wenn recht viele Landpfarrfrauen dem Vereine beitreten und sich somit in die Lage bringen, ihren in die Ferne reisenden Pfarrkindern die nöthigen Weisungen und Adressen zu geben. Dienstmädchen, Bonnen, Verkäuferinnen, Erzieherinnen u. dgl. haben in diesem Vereine eine segensreich wirkende Stütze für ihren Aufenthalt in der Fremde. — Auch in anderer Weise hat der Verein, nach dem in Worms abgelegten Rechenschaftsbericht, zu wirken gesucht, durch Versammlungen der jungen Mädchen an freien Nachmittagen oder Abenden, durch Einrichtungen von Marthahäusern, wo reisendeMädchen anständige, liebevolle und gute Unterkunft finden, durch Gründung von Koch- und Haushaltungsschulen, wo derartige Einrichtungen nicht schon von anderer Sette, wie z. B. in Gießen, ins Leben gerufen wurden. — Auch in Gießen gehören eine Anzahl von Damen dem Vereine an, von denen jede gern bereit ist, jungen Mädchen eine Stütze zu bieten und mit Rath und Thal beizustehen. △ Reiskirchen, 19. August. Wie in früheren Jahren, so versammelte sich auch diesmal wieder der Kriegerverein zur Begehung der Gravelottefeier. Mit einer Vorfeier an der „Friedenslinde" wurde dieselbe gestern Abend eingelötet. Unter Musik, Reden und Gesang patriotischer Lieder nahm alsdann die eigentliche Feier, die im Gundrum'schen Saale stattfand, einen so animirten Verlauf, daß sich die Mitglieder erst nach Mitternacht trennten. Burkhardsfelden, 19. August. Der hiesige Kriegerverein veranstaltete unter Mitwirkung des Gesangvereins gestern Abend eine Gravelottefeier, die recht würdig verlief. K. Ranstadt, 17. August. Heute wurde unsere Gemeinde von einem seltenen und hohen Besuche beehrt. Es war dies der hier begüterte, frühere Vicekanzler, Fürst Stollberg- Wernigerode mit seinem Schwager, dem regierenden Fürsten Heinrich XXII. von Reuß. Nachdem sie die Güter besichtigt, fuhren sie zu einem Besuch des Grafen von Laubach nach dorten. Bei der Anwesenheit des Fürsten in Gedern wurde der dortige Oberförster Kircher zum Forstmeister ernannt, i *«* Mainz, 17. August. Gartenbau-Ausstellung.^ Am 15. August war der Schlußtermin für die Anmeldung zu der Ausstellung. Der letzte Tag brachte noch eine außerordentliche Menge von Anmeldungen (mit einer einzigen Poft liefen 95 auswärtige Meldungen ein), so daß nun auch noch der Garten der Stadlhalle in den weiten Ausstellungsbezirk einbezogen werden muß, um den Ausstellern einigermaßen gerecht werden zu können. Außerdem werden noch ein großes und verschiedene kleinere Treibhäuser für Orchideen und Warmhauspflanzen errichtet. Großartig wird auch die Obst- Ausstellung- aus allen Theilen Deutschlands werden die edelsten Früchte zur Schau gestellt, kurz, wir erhalten hier vom 15.—23. September eine Gartenbau-Ausstellung, welche alles in Schatten stellen wird, was auf diesem Gebiete früher hier geboten wurde. Gleichwohl werden die Eintrittspreise gegenüber denjenigen bet früheren Ausstellungen nicht erhöht, weil sich das Comitä der Hoffnung hingibt, daß die wesentlich vermehrten Ausgaben durch desto zahlreicheren Besuch wieder einkommen. Mit der Einrichtung der electrischen Beleuchtung ist begonnen worden. ES wird auf besondere BeleuchtungSeffecte Bedacht genommen, so daß die Ausstellung Abends einen feenhaften Anblick gewähren wird. Pemtifcbtes, * Frankfurt a. M.. 19. August. Das Stiftungsfest des Zoologischen Gartens mußte am 18. abgesagt werden und soll nun am Mittwoch, den 22. August, stattfinden. Das Programm bleibt unverändert, ebenso die Eintrittsbedingungen (Mk. 1—, Kinder 50 Pfg.). Der Vorverkauf von Btlleten zu 75 Pfg. findet nur bis Dienstag Abend statt. ___________________ Pcrfebr, £anö« «nt> voUrwirlyjchaft. Stüttberfl, 18.' August. Fruchtpreise. Weizens 13,40, Korn JL 12,36, Gerste X 11,02, Hafer JL 13,74, Erbsen JL 16,00, Linsen 00,00, Wicken JL 00,00, Lem JC 00.00, Kartoffeln JL 0.00, Samen X* 18,36.___________________ witterrrirgsausfichten am 20. August Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage). Barometerstand. SB & ts U' t£ 9- Thermometcrr min.yo, max. HO R. Hygrometer. Feucht. to 1 c 6) <5 r ö; 5 S Temperatur der Lahn zwischen 11 u. 12 Uhr Vorm.: 11 Grad Reaumur. Anmerkung: Die punktirtc Linie bei der Baromcterscala gibt den Stand des vorhergehenden Tages an. Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müfterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Die «eidenfabrik G. Henneberg (f. u. k. Hoflieferant) Zurich versendet gern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke oorto- und zollfrei ins Haus. 14" Dienstag den 2. October, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Wilhelm Kutzschrad in Gießen gehörige Hofraithe: Flur 1 Nr. 233V.o — 74 qm in der Kaplansgasse öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 18. August 1891. Großh. OrtSgericht Gießen. ___________I. A.: Bogt._______6861 Arbeitsbersteigenmg. Samstag den 25. August L I., Nachmittags 2 Uhr, werden folgende Arbeiten in hiesiger Gemeinde wenigftnehmend in Accord gegeben: veranschlagt zu 1. Herstellung einer Bösch- ungsmauer incl.Material- Lieferung 248 60 2. HerstellungeinerSchlauch- trockenvorrichtung a. Maurerarbeit incl. Materiallieferung 76 36 b. Zimmerarbeit 173 68 c. Dachdeckerarbeit 10 56 d. Schmiedearbeit 16 60 Klein Linden, den 18. August 1894. Großh. Bürgermeisterei Klein-Linden. 6862 - iGermer.__________ ÄL Schlachthaus. Freibank. [6872 Heute und morgen: Ochfensieifch, nicht tabenrein, per Pfd. 54 Pfg. PW-Mufer--Kitt ist das Allerbeste zum Kitte« zerbro- Ae«erGege«stLude,wieGlas,Porzellan- Geschirr, Holz u. s. w- Aecht in Gläsern zu 30 u. 50 Pfg. bei: Otto Sochssätter, Sieben. Sch. Wallach, , Georg Post, Grotzen-Liuben. [5278 Verdingung. Die zur Verlegung der Wieseck beim Bahnbof Gießen erforderlichen A> beiten, rund 7800 cbm. Erdbewegung einschließlich der Böschungsarbeiten sollen in einem Loos vergeben werden. Versiegelte Angebote mit der Aufschrift: »Augedot auf die Verlegung der Wieseck beim Bahnhof Gietzen* sind bis zum 5. Leptember d. IS. an bm Herrn Regierungs Baumeister Horstmann in Gießen portofrei einzureichen, bei welchem auch die Bedingungen einzusehen und gegen Einzahlung von 2,00 Mk. im baaren Gelde zu haben finb. DerEröffnungSterrnin der eingegangenen Angebote findet am 6. September, Mor, gens 11 Uhr im Büreau der unterzeichneten Dienststelle statt. . Zuschlagsfrist 8 Tage. Marburg, den 18. August 1894. KSnigl Eisendahn-Bau-Inspection 6860] Schwamborn. $ Wolkeps, Granit u. Satins zu Dccorahone- u. Polsterzwecken versende zu Fabrikpreisen direct an Private. — Muster franco gegen franco. E. Weegmaun, Bielefeld. Umfärbung in eigener Färberei billigst glatt und (agonnirt, bunt gewebt Plüsche < Moquettes । wie abgepasste Karneol- laschen in reizenden Mustern une Farbenstellungen. Flflsehdeeken in reichster Auswahl, Le inenplflsche w Grossartiger Erfolg! Wasmuths Hühneraugen- Ringe In der Uhr 5587 Preis 1 Mark angenehmstes und bestes Mittel zur ra- dicalen Beseitigung der Hühneraugen. Käuflich in der Adler ■ Drogerie, Seltersweg 39. Thurmelin Kauft Thurmelin ist j&cdas1 mit der Schutzmarke: „einJnsekten- jäger", fabrizirt non A. Thurmayr, Stuttgart, weil „Thurmelin" alles Ungeziefer, wieLchwaben,Russen, Wanzen, Motten, Fliegen, Flöhe, Ameisen u. Blattläuse radical vernichtet und nicht nur betäubt. 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