Nr. 168 Erstes Blatt. Samstag den 21. Juli 1894 Der Hietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener AamilienStälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Kenerat-Mzeiger. Vierteljähriger Avonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg- mit Bringcrlohn. Durch die Post bezöge« 2 Marl 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Fr.7. Fernsprecher 51. Amts« und Anzsinct'lntt für den lCvct= Gieren. Feuilleton. Der falsche Preuße. Von Georg Paysen Petersen. (Nachdruck verboten.) Am Stammtisch des Gasthofs „Zur freien Stadt Hamburg" führte der Herr Commerzienrath Winkler das große Wort. Er that es gewöhnlich und fand selten Widerspruch, denn den Honoratioren des Kreisstädtchens galt der reiche, mit Titel und Orden geschmückte Mann als eine Autorität, und da Widerspruch seine Laune verdarb, wie man solches im Laufe des letzten Jahrzehnts zwei- oder dreimal erfahren hatte, widersprach ihm Niemand, weil Niemand es mit ihm verderben wollte. Mochte nun der Herr Commerzienrath die segensreiche Wirkung der Kornzölle preisen oder sich über die unverschämten Forderungen strikender Bergleute entrüsten, mochte er gegen Juden oder Socialdemokraten zu Felde ziehen, dem eisernen Kanzler eine Lobrede oder irgend einem „perfiden Reichsfeinde" eine Schmährede galten, gleichviel, man widersprach ihm nicht, und wer von der Tafelrunde ihm nicht ausdrücklich beipfltchtete, nickte doch wenigstens mit dem Kopfe. Heute hatte die liebe Schuljugend den Herrn Commerzienrath erzürnt und er ließ seinem Grimm wacker die Zügel schießen. Diese Schlingel! In seinen Obstgarten waren sie eingebrochen und hatten die Birnbäume geplündert- er hatte die Rangen zwar glücklich verscheucht, aber der Rädelsführer war mit unerhörter Frechheit im Baume sitzen geblieben und hatte vor den Augen des Erbosten weitergeschmaust. Der Herr Commerzienrath hatte den Frevler iudeß erkannt und sich daher am Abend aufgemacht, ihn bei seinen Eltern zu verklagen. Was ihm dort geboten worden, setzte aber aller Unverschämtheit die Krone auf: die Mutter des Schlingels versicherte nämlich, der Herr Commerzienrath müsie sich irren, sie wolle ihren August keineswegs in Schutz nehmen, wenn er es nicht verdiene- denn sie wifie sehr gut, daß er ein Ausbund und zu allen tollen Streichen aufgelegt sei, aber diesmal treffe ihn keine Schuld- er sei ganz elend aus der Nachmittagsschule heimgekehr« und sofort ins Bett gekrochen, der arme Jungel Da lag es nun wirklich auf seinem | Hralisk-ikage: Hi-ß-ncr Kamili-nMUcr. “•■.T? folgenden Tag erscheinenden Nummer biS Norm. 10 Uhr. tf Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Straßenarbeiten wird die Hollergaffe für den Fuhrwerksverkehr von nächsten Montag ab bis ans Weiteres gesperrt. Gießen, 19. Juli 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Deutsches Reich. Berlin, 19. Juli. Gegen den verantwortlichen Redacteur des „Vorwärts", Pötzsch, ist das Zengnißzwang- v er fahr en eingeleitet, weil er sich weigert, den Einsender der Verfügung des Niederbarnimer Landraths über die Kennzeichnung solialdemokratischer Rekruten zu nennen. Zunächst ist eine Strafe von 50 Mark oder sieben Tage Hast über ihn verhängt. In der Begründung heißt es, er müsse Zeugniß ablegen, da sichs nicht um eine Strafsache, sondern um ein Disciplinarverfahren gegen Ungenannt wegen Verletzung der Amtsverschwiegenheit handle. Dagegen ist Beschwerde eingelegt. Fr. Ztg. Neueste Nachrichten. Wolff« telegraphische« Correspondenz-Bureau. Paris, 19. Juli. Casimir Perier nahm heute Nachmittag vom Elyse Besitz. Zum Empfange waren die Offiziere deS Militärstaates anwesend. Kopenhagen, 19. Juli. Der Justizminister erließ heute eine sofort in Kraft tretende Verfügung, wonach Provenienzen aus Danzig vor der Landung einer ärztlichen Beob- a ch t u n g und Desinfection unterworfen werden. Die Einfuhr von Lumpen aus Danzig ist verboten. Lyon, 19. Juli. Die Anklagekammer beschloß die Verweisung Caserios vor das Schwurgericht. Die Acten werden sofort dem Präsidenten zugestellt. Sofia, 19. Juli. Die Zeitungsnachricht, daß die bei dem Sturze des Fürsten Alexander beteiligten bulgarischen Offiziere aus Rußland zurückkehrten, ist unbegründet. Nur Capitän Gherghinow ist mit Stambulows Erlaubniß zurückgekehrt. Depeschen de« Bureau »Hrroö*. Berlin, 19. Juli. Der „Localanzeiger" erfährt zur Affaire Kotze, die Untersuchung ist soweit gediehen, daß in 8 bis 14 Tagen die Entscheidung erwartet werden kann, ob das Hauptverfahren eingeleitet oder der ganze Proceß niedergeschlagen werden soll. Berlin, 19. Juli. Eine gestern Abend aus Rußland angekommene, hier wohnhafte Frau ist in der letzten Nacht unter choleraartigen Symptomen erkrankt- sie wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Die Wohnung wurde des- infictrt. Berlin, 19. Juli. In Altona sind gestern vier Personen wegen anarchistischer Umtriebe verhaftet worden. Leipzig, 19. Juli. Gestern Mittag führte Schneider Dowe von Mannheim seinen kugelsicheren Panzer einem geladenen Publikum im Crystallpalast vor. Anwesend waren die Spitzen der Behörden, beinahe das gesammte Osfiziercorps und Vertreter der Presse. Der Kunftschütze Martin gab aus einem Jnfanteriegewehr Modell 88 einige Schüsse auf den mit dem Panzer bekleideten Dowe ab, bei dem nur ein leichtes Zucken nach jedem Schuß bemerkbar war. München, 19. Juli. Anläßlich der Streu- und Futternoth war im vergangenen Jahre eine außerordentlich große Anzahl von Forstfreveln begangen worden. Gemäß ihrem Gesuch wurde nun 877 Forstfrevlerrr die gegen sie s. Z. ausgesprochene Strafe völlig, 347 weiteren zu einem erheblichen Theile erlaffen. Wien, 19. Juli. Wie die „Pol. Corr." aus Rom meldet, erfahren die deutsch-feindlichen Erklärungen, welche der Abgeordnete Bonghi in Paris einem Redacteur gegenüber gemacht, in der italienischen Preffe eine vorwiegend abfällige Beurtheilung. Die Blätter meinen, Italien werde sich durchaus nicht vom Dreibunde, der eine Sicherung des Friedens sei, lossagen. Budapest, 19. Juli. Die Leitung der ungarischen i Socialisten agitirt auf das Lebhafteste für einen Generalausftand. Die Eisenbahnbediensteten sollen den Anfang machen. In der letzten Nacht hat in dieser Angelegenheit bereits eine Versammlung der Bahnconducteure stattgesunden. Rom, 19. Juli. Für die morgen beginnenden Verhandlungen gegen den Anarchisten Lega sind vom Ministerium des Innern und der Polizei die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Außer Advokaten und Berichterstattern wird Niemand zugelaffen. Paris, 19. Juli. Heute fand die Beisetzung des Präsidenten Carnot statt. Die Familie wohnte derselben bei und legte Kränze auf den Sarg nieder- letzterer wurde gegenüber demjenigen des Großvaters Carnots eingesetzt. Lyon, 19. Juli. Das Verhalten Caserios ist immer noch dasselbe wie früher. Er ißt viel, schläft sehr ruhig und trägt in allen Aeußerungen und Bewegungen eine cynische Gleichgültigkeit zur Schau. Madrid, 19. Juli. Die hier circulirenden Gerüchte, daß Oesterreich, Italien und Belgien ihre mit Spanien abgeschlossenen Handelsverträge gleich Deutschland zurückgezogen hätten, werden officiös für unbegründet erklärt. Belgrad, 19. Juli. Der Kriegsminister steht mit der Krupp'schen Fabrik in Essen wegen der Erneuerung des Artillerie-Materials in Unterhandlung. Zur Deckung der hierfür nothwendig werdenden Ausgaben soll der Restbetrag der vorjährigen Anleihe, deren Emission im September in Paris erfolgte, verwendet werden. __ Sitzung der Stadtverordneten am 19. Juli 1894. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Emmelius, Faber, Flett, Habenicht, Heß, Helfrich, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Petri, Scheel, Schiele, Schmall, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. In der Sitzung vom 5. Juli d. I. wurde die Rechnung der Realschule und deS Realgymnasiums über die sachlichen Ausgaben mit dem Vorbehalt genehmigt, daß über angeblichen Schmerzenslager, dies Häuschen Sünde! Der Herr Commerzienrath konnte sich durch den Augenschein davon überzeugen, und er überzeugte sich auch davon, daß er thatsächlich dec Birnendieb war - aber was halfs ? Der Mutter galt des kranken Söhnleins Wort so viel und mehr als dasjenige des alten Herrn, der sich „irren" mußte. Das kommt davon, wenn mans den schlauen Burschen androht, sie , bet ihren Eltern zu verklagen- sie treffen dann auf ihre Art ihre Vorsichtsmaßregeln und entwickeln dabei eine Verschlagenheit, um welcher sie mancher erwachsene Spitzbube beneiden könnte, dachte der Herr Commerzienrath und zog grollend ab, um seinem Aerger am Stammtisch Luft zu machen. „Es ist kein Auskommen mehr mit der Jugend unserer Tage, die von Jahr zu Jahr roher wird," klagte er, „aber verwunderlich ist solches kaum, denn unsere Humanitätsduselei züchtet die Schlingel förmlich." Diese Worte fanden bei der Tafelrunde der „freien Stadt Hamburg" überall Anklang. Wenn am Damenkaffeetisch die Rede auf die Dienstbolenplage kommt, kann die Zustimmung nicht allgemeiner sein, als es der Beifall war, den der Herr Commerzienrath heute erntete. „Mein Vater, Gott hab ihn selig," begann der greise, längst pensionirte Magistratssecretär Eichler, „hatte uns Jungens anders in Zucht, als es heutzutage üblich ist. Es war Anno 1813 und die Franzosen waren noch nicht lange wieder heimgeschickt, da —" „Da bekamen Sie jene berühmte Maulschelle von Ihrem seligen Herrn Vater," unterbrach der Commerzienrath die Rede des Alten, welcher sich anschickte, mit epischer Breite zum hundertsten Male zu erzählen, was allen längst schon bekannt war, „ja, mein lieber Eichler, damals waren auch noch bessere Zeiten, damals wußten die Eltern noch ihre Kinder zu erziehen, und wenn fie's nicht verstanden, fanden sie Rückenstärkung an löblicher Polizei- die aber hat sich heutigen Tages um ganz andere Dinge zu kümmern, um Straßenreinigung und Wahlversammlungen und, was weiß ich, um welche Teufeleien sonst noch- ob aber einem Bürger die Aepfel und Birnen am hellen Tage aus dem Garten ge- stöhlen werden, das ist ihr völlig gleichgiltig." Der Magistratssecretär nickte befriedigt mit dem grauen Haupte und verzichtete auf seine Erzählung. „Einsperren sollte man die Bengel," fügte Stadtkämmerer Kreuzer hinzu, „aber unsere Gesetze find viel zu zahm und ihre Handhabung wird leider Gottes immer zahmer- ist eS da ein Wunder, wenn die Zuchthäuser vom DlebSgefindel überfüllt sind? Man gewöhnt ja dem Zeug in der Jugend das Stibizen nicht ab." k v , ,, So gings noch eine geraume Weile weiter und den halbwüchsigen Burschen des Kreisstädtchens mochten an diesem Abend die rechten Ohren weidlich klingen, denn zu ihrem Ruhm ward nicht ein Wörtlein gesagt- die alten Zetten aber und ihre derbe Kinderzucht wurden wacker gepriesen- auch darüber waren alle einig, daß die Handhabung der Gesetze eine viel zu milde sei, vornehmlich gegenüber der Jugend. „Haben Sie denn ganz Ihre eigenen Jugendstreiche ver. gessen und haben Sie sich niemals gefragt, meine Herren, was aus Ihnen geworden wäre, wenn man gegen Sie selbst die ganze Strenge der Gesetze hätte walten lassen?" fragte plötzlich ein Herr in rüstigem Mannesalter, welcher bisher schweigend der Unterhaltung gelauscht hatte. Am Biertische Reden zu halten, gehörte nicht zu den Gepflogenheiten deS Herrn Senators Erich, welcher, ein geachteter Kaufmann des Städtchens, durch das Vertrauen seiner Mitbürger in den Magistrat gewählt worden war, aber — wie kopfschüttelnd Commerzienrath Winkler von ihm sagte — „zu den ewig negirenden Reichsfeinden gehörte" und als solcher nicht selten wagte, sogar dem gestrengen Herrn Bürgermeister „durch Widerspruch und scharfe Kritik lästig zu fallen". Schier unbegreiflich wars, daß dieser solches geduldig über sich ergehen ließ und dem Nörgler dennoch stets mit unverkennbaren Zeichen der Hochachtung begegnete. „Den einen oder anderen dummen, auch wohl schlechten Jugendstreich," fuhr Senator Erich fort und betonte dabei das Wort „schlecht" gefliffentlich, „den einen oder andern schlechten Jugendstreich hat doch ein jeder von uns auf dem Gewiffen- wie, wenn man ihn dabei ertappt und ohne Erbarmen nach dem Buchstaben des Gesetzes gerichtet hätte?" Aller Augen sahen starr den Kühnen an, der nicht nur dem Herrn Commerzienrath, sondern der ganzen ehrenwerthen Gesellschaft Widerpart zu halten und solch ketzerische Gedanken ganz unverblümt vorzutragen wagte. (Forts, folgt.) Diese Ausgaben bezw. die Creditüberschreitung eine Erläuterung noch vorgelegt wird. Der der heutigen Versammlung vorgelegte ziffernmäßige Nachweis über diejenigen Ausgabeposten, bezüglich deren der Voranschlag überschritten worden, wurde gutgeheißen. Zwei Rechnungen über orts gerichtliche Gebühren und über Schulbücher für solche Kinder, deren Eltern eine Erklärung, daß sie zur Anschaffung der Bücher nicht im Stande seien, noch nicht abgegeben, erhalten die vorschriftsmäßige Decretur. Das Gesuch des Herrn W. Reinhold um Erlaubniß zur Aufstellung von Zierbäumen in Kübeln vor seinem Restaurant in der Schulstraße wird mit Rücksicht auf die große Trottoirbreite, aber unter der Bedingung und auf Widerruf genehmigt, daß die Kübel nicht mehr wie 70 Ctm. Raum nach der Straße hin beanspruchen. Das Gesuch des Herrn Peter Borre um Erlaubniß zum Verkauf von Obst auf einem städtischen Platze an der Südanlage wird mit Rücksicht auf die Oertlichkeiten, die von der Deputation aus mancherlei Gründen als ungeeignet bezeichnet wurden, abgelehnt. Gegen die von der Direction der Main - Weser - Bahn geplanten Wegv er leg ungen östlich und westlich des Bahnhofs, in Nähe der künftigen Güterbahnhofs, hat die Versammlung nichts zu erinnern, sofern die Steigungen das gegebene Maß von 1 :20 nicht überschreiten und für ungehinderten Abfluß des Waffers Vorsorge getroffen wird. Bezüglich des Gesuches des Herrn W. Noll um Erlaubniß zum Wirthschaftsbetrieb für das Haus Marktstraße 32 sprach sich die Versammlung gegen die Bejahung der Be« dürfnißfrage aus; sie erklärte in Uebereinstimmung mit der Commission, daß der häufige Wechsel der Wirthe in genanntem Hause ein Bedürfniß nicht erkennen lasse. Herr Ferdinand Schott in der Bahnhofstraße hat gelegentlich der nachgesuchten Erlaubniß zur Ausdehnung seines Weinwirthschastsbetriebs auf ein weiteres Local wiederholt um die Erlaubniß zum Ausschank von Liqueur nachgesucht. Die Versammlung beschloß Bejahung der Bedürfniß- irage, weil Gesuchsteller Concession zum Wirthschaftsbetrieb besitzt. Auch bezüglich des Gesuches des Herrn Louis Weiffenbach um Ertheilung der Erlaubniß zum Ausschank von Liqueuren und Branntwein in seiner im Rüger'schen Hause am Kreuzplatz errichteten Conditorei spricht sich die Versammlung für Bejahung der Bedürfnißfrage aus, weil für die Besucher einer Conditorei mit Cafe das Bedürfniß zu Genuß eines Liqueurs rc. vorhanden sei. Coeafcs ttirö KrsviirzteUe- Gießeu, den 20. Juli 1894. ** Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben AÜergnädtgst geruht: am 14. Juli den ordentlichen Professor Dr. Gaffky zu Gießen zum Rector der Landes-Universität für die Zeit vom 1. October 1894 bis dahin 1895 zu ernennen. ** Ernannt wurden: am 15. Juli l. Js. die Finanzaspiranten Georg Mas sing aus Griesheim, Daniel Lan- telm e vom Jllbacher Hof bei Reinheim und Julius I ö ckel aus Darmstadt zu Calculatoren, die Geometer 1. Klasse Adam Spam er aus Schotten, Christoph Löwer aus Laubach und Valentin Perschbacher aus Babenhausen zu Eisenbahngeometern, die Geometer 1. Klasse Ernst Seiler aus Stockhausen und Ludwig Betz aus Worms zu Wafferbaugeometern und Karl Fink aus Kohden zum Kunstwärter und Untererheber bei der Badeanstalt zu Salzhausen, der Kreisbauaufseheraspirant Wilhelm Bi er au aus Wieseck zum Straßenmeister. ** Grobe Mißhandlung. Ein am Leihgesterner Weg mit Einernten von Roggen beschäftigtes Ehepaar gerieth heute Morgen ohne besondere Veranlaffung in Streit. Der Mann griff nach dem Bindeftock und schlug unbarmherzig auf seine Frau ein auf Rücken, Arme, Brust und Gesicht, und trat dieselbe, schließlich mit den Füßen. Die Frau brach zusammen. Anzeige ist erhoben worden. * * Laterueuwärler Wißner, welcher vor einigen Tagen i sich einen Schuß in die Brust beigebracht hatte, ist heute ji Morgen in der Klinik infolge der Verletzung gestorben, j * * Ein jugendlicher Brandstifter. Vorgestern wurde ein ' 8jähriger Junge dabei betroffen, wie er in einer Scheuer am Seltersweg das dort liegende Stroh in Brand steckte. Der kleine Thunichtgut erklärte auf Befragen, er habe nur mal sehen wollen wie es brenne. * * Uebersahreu. Gestern wurde in der Wallt horstraße ein Kind von einem Bäckerkarren überfahren. Wenn man zuweilen sieht, wie kleinere Kinder unbeaufsichtigt auf der Straße sich tummeln, ist es nicht verwunderlich, daß derartige Fälle vorkommen. * * Diebstahl. In der Nacht vom 18. auf 19. d. Mts. wurde von einer Bleiche an der Lahn eine Parthie Wäsche gestohlen. * x Ein Jubiläum. In diesem Sommer werden es 20 Jahre, daß die unter dem Namen Christine bekannte Obftverkäuferin am Neuenweger Thor ihre Waare dem Publikum feilbietet. Durch ihr freundliches Entgegenkommen dem Publikum gegenüber hat sich dieselbe bereits einen großen \ Kundenkreis erworben, den sie auch in jeder Hinsicht zu erhalten bestrebt ist. ** Regatta. Die Vorbereitungen zur bevorstehenden vierten Ruder-Regatta sind nahezu beendigt, die erforderlich gewesenen Baulichkeiten bedürfen nur noch der letzten Hand, namentlich des Decorateurs, und der Regatta-Platz wird, gleichwie in früheren Jahren, den Besuchern des interessanten Sportfestes ein schmuckes, allen billigen Anforderungen entsprechendes Aeußere bieten. Die Tribüne, welche ca. 300 bequeme Sitzplätze bietet, ist so angelegt, daß fast die ganze Wettfahrtstrecke übersehen werden kann und ist, trotz der dadurch verursachten beträchtlicheren Kosten, mit Holzfußboden versehen. Der für das Regatta - Comite und den Vorstand unbedingt erforderliche abgegrenzte Raum ist auf das geringste Maß beschränkt, im Uebrigen der ganze lange Platz zu beiden Seiten und hinter der Tribüne, welche die Aussicht nicht behindert, mitsammt dem Boothause der allgemeinen Benutzung der Inhaber von rothen Passe - Partout- sowie grünen und rothen dreieckigen Karten freigegeben. — Die Ehrenpreise für die einzelnen Nummern des Programms sind zum Theil Seitens der betr. Stifter selbst angekauft und werden, da sie durchweg aus prächtigen und gediegenen, zum Theil sehr werthvollen Kunstgegenständen bestehen, den als Siegern aus den einzelnen Wettkämpfen hervorgehenden Vereinen eine schöne Erinnerung an die vierte Gießener Regatta bieten. Es sei an dieser Stelle der noch immer ziemlich verbreiteten irrigen Auffassung begegnet, als ob im Rudersport der Preise wegen gerudert würde. Nichts weniger als dies. Die einzelnen Ruderer, welche sich zu ihrem eigenen Wohle dem schönen Rudersporte hingeben, haben nicht den geringsten materiellen Vortheil, wenn sie für ihren Verein einen Ehrenpreis erringen, wohl aber haben sie — dies zu bestreiten wäre nutzloses Beginnen — für ihre Person in körperlicher und gesundheitlicher Beziehung alle jene Vortheile, welche beispielsweise das Turnen bietet, das ist in erster Linie Stählung und Abhärtung des Körpers und Gewöhnung an strenge Disciplin, dann aber auch lernen sie den eignen Willen, die Sucht nach allen möglichen, dem Körper nicht zuträglichen Genüssen, den Interessen der Gesammtheit ihres Vereins unterordnen, damit ein bestimmtes Ziel erreicht wird, in dem Falle die Erlangung eines durch das sogen. Training zu erreichenden körperlichen Zustandes, der niemals schädigt und der sie befähigt, bei dem friedlichen Wettkampfe auf der Regatta den Sieg zu erringen. Derselben Vortheile werden auch diejenigen Ruderer theilhaftig, welche ohne sichtbaren Erfolg von der Regatta heimkehren, Alle aber haben bei der abendlichen Ausübung ihres schönen Sportes den, weder beim Turnen, noch bei irgend einem anderen Sporte vorhandenen großen Vortheil, daß die Leibesübungen in der köstlichen, staubfreien Atmosphäre des Wassers stattfinden, und daß die Schönheit der Landschaft, welche auf kilometerweite Entfernungen in Minuten durcheilt wird, das Auge entzückt. Nur in Folge aller dieser unbestreitbaren Thatsacheu findet denn auch gerade der Rudersport von allen Seiten ganz besondere Unterstützung- sämmtliche deutschen Fürstlichkeiten stiften und stifteten seit langen Jahren schon Ehrenpreise, meist in Form nie zu gewinnender Wanderpreise, ebenso staatliche, städtische und sonstige Behörden rc. Mögen diese Unterstützungen und Gunstbezeugungen dem edlen Rudersporte auch fernerhin zu Theil werden, möge insbesondere die Einwohnerschaft Gießens auch ihre, erst am ' vergangenen Dienstag Abend in so großartiger Weise bewiesenen Sympathieen bet der Regatta am Sonntage von Neuem bethätigen. ** Sechzehnter Hessischer Feuerwehrtag. Für die Delegirten- Versammlung des Verbandes freiw. Hessischer Feuerwehren am Samstag den 18. August, Nachmittags 3*/z Uhr, ist folgende Tagesordnung festgesetzt worden: Punkt 1. Begrüßung, Berichterstattung über den Stand des Feuerlöschwesens im Großherzogtbum. Punkt 2. Antrag des oberhesstschen Feuerwehr-Verbandes: Der Landesverband möge bei Großh. Staatsregterung vorstellig werden, den Feuerwehrleuten, welche Delegtrten- versammlungen besuchen, Fahrpreisermäßigung aus den Eisenbahnen zu gewähren und zwar in Form freier Rückfahrt auf ein gelöstes einfaches MtlitärbtUet an Feuerwehrleute in Uniform. Berichterstatter Feller-Lollar. Punkt 3. Antrag des Kreisfeuerwehr-Verbandes Darmstadt: 1. Errichtung einer Sterbekasse für die Mitglieder der Ver- bandöwehren nach bayerischem Vorbild. 2. Großh. Staatsregterung zu ersuchen, den 8 17 der Aus- führungsbesttmmungen des Gesetzes vom 29. März 1890, betreffend die Landesseuerlöschkasse dahin umzuändern, daß der vorgeschriebene Dienstweg bet dem Gesuche um Unterstützung möglichst vereinfacht, daß weiter die Gemeinde - Vertretungen angewiesen werden, einem in ihrer Gemeinde verunglückten Wehrmann aus der Gemeindekasse einen noch zu vereinbarenden wöchentlichen Betrag auszuzahlen, welcher nach beendigter Unterstützung von der Landesseuerlöschkasse zurückgezahlt wird. Fischer- Darmstadt. (Punkt 4. Antrag der Freiw. Feuerwehr Hainstadt: Der Landesausschuß möge bei Großh. Brandversicherungskammer vorstellig werden, daß aus deren Mitteln Beiträge für Führercurse bewilligt werden, indem es im Interesse obengenannter Behörde liegt, wenn tüchtiges, gemeinschaftlich ausgebildetes Führerpersonal vorhanden ist. Hutter-Hainstadt. Punki 5. Antrag Bingen: In Erwägung, daß nach Absatz 4, Artikel 14 des Gesetzes Die Landesfeuerlöschordnung betr., für verunglückte Feuerwehrleute bezw. deren Hinterbliebenen im Todesfall Schadenersatz oder Unterstützungen nur nach Maßgabe btr in der Kasse vorhandenen Mittel gewährt werden, sowie in weiterer Erwägung, daß im Falle der Unzulänglichkeit der Kasse unter besonderen Umständen möglicherweise die Haftpflicht auf die Führer ausgedehnt werden könnte, möge der hessische Feuerwehrtag in Gießen beschließen, bet Großh. Hessischer Regierung um eine allgemeine Unfallversicherung der Feuerwehrleute auf Staatskosten nachzusuchen, resp. zu beantragen, daß die im gewerblichen Betrieb durch das Unfallversicherungsgesetz gewährleisteten Entschädigungen in gleicher Weise auch verunglückten Feuerwehrleuten bezw. deren Hinterbliebenen von Staats wegen gesichert werden. Punkt 6. Antrag der Freiw. Feuerwehr Ortenberg: Was soll es mit dem angesammelten Vermögen der Landesverbandskasse geben, eventuell Beschlußfassung Hierüber, desgl. über die Verwendung der Zinsen. Punkt 7. Wie ist die Prüfung der Schlauchkuppelungen mit gleichen Hälften Seitens des deutschen Feuerwehrausschusses verlaufen, refp. welche Kuppelung wurde angenommen. Punkt 8. Einführung eines einheitlichen Feuerwehrgrußes. Es wird hierfür „Gut Wehr" in Vorschlag gebracht. Punkt 9. Wahl derjenigen Wehr, welche den nächsten hessischen Feuerwehrtag übernimmt. ** Der Ausschuß der deutschen Turnerschaft hat 1 gegenwärtig in Gemeinschaft mit dem Centralausschuß zur ; \ Förderung der Jugend- und Volksspiele in Deutschland einen 1 Aufruf veröffentlicht, in welchem die Aufforderung an alle Freunde der Leibesübungen ergeht, thatkräftig für die Förde^ rung der Volksgesundheit einzutreten. In dem ansprechenden, wohlgelungenen Aufruf heißt es am Schluß: „Wohlan! Setzet nur ein mit kräftigem Wollen, überwindet in Leibesübungen die körperliche Trägheit, regt in frohem Tummeln Eure Glieder und gesundere Neigungen, Gewohnheiten und Sitten werden in Euch wieder zur Herrschaft gelangen! In turnerischen Hebungen Selbstvertrauen, Gewandtheit und Kräfte zu gewinnen, straffer Zucht nicht minder sich zu fügen, wie kecken Wagmuth zu erproben — in fröhlichem Spiel auf freiem Plan Unermüdlichkeit, Geistesgegenwart, Verträglichkeit und Gemeinsinn darzuthun — in munterer Wanderfahrt durch die Gaue der deutschen Heimath die Gottesnatur in ihrer Größe und Schönheit zu genießen und zu bewundern: Das ist rechte Volkserholung und Volkserziehung, das ist der Weg zur Gesundung unseres Volksthums! Darum geht unser Ruf hinaus in alle Gaue des Vaterlandes zur Mitarbeit an diesem schönen segenverhetßenden Werke! Unsere Zeit mahnt dringend dazu. Manches ist vorgearbeitet — das Meiste bleibt zu thun. Dazu aber bedürfen wir die Unterstützung durch selbstlose Männer und edle Frauen, sei es, daß sie sich an bestehende Vereine anschließen, sei es, daß sie aus eigener Kraft heraus neue Vereinigungen ins Leben rufen, sei es, daß sie, Beispielen hochherzigen Sinnes folgend, für diese echte Volkssache reichlichere Mittel stiften. Mögen sie Alle sich zusammen- schließen und unsere Jugend und das ganze deutsche Volk um das Banner schaar-n, auf dem geschrieben steht: „Durch Hebung des Leibes zur Gesundung des Volkes an Leib und Seele!" Der Aufruf ist von sämmtlichen Mitgliedern beider Ausschüsse unterzeichnet, vom Ausschuß der deutschen Turner- schast an erster Stelle von Profeffor Boethke - Thorn und Dr. med. Goetz - Leipzig - Lindenau und vom Centralausschuß für Jugend- und Volksspiele von dem Abgeordneten von Schenkendorff - Görlitz und Dr. med. F. A. Schmidt- Bonn. Die Veröffentlichung des gesammten Aufrufs durch die deutsche Presse erscheint sehr erwünscht. Derselbe ist kostenfrei zu beziehen durch Dr. med. Goetz in Leipzig- Lindenau. Möchte der darin von so sachverständiger und begeisterter Seite gegebenen Anregung zum Wohle unseres Vaterlandes weitgehendste Folge gegeben werden. Wieviel Leid verschwände durch regelmäßige Leibesübung und wieviel Freud und Kraft würde geschaffen und in den Dienst des Vaterlandes gestellt. — Möchte dieser Aufruf auch Widerhall in unserer Stadt finden! Mit Schaffung eines Spielrasens würde der erste Schritt zur Einbürgerung der Jugend- und Volksspiele gethan werden. ** In Amerika verstorbene Heffen. Pittsburgh, Pa. Margaretha Fettig, geb. Freitag, 61 Jahre alt, aus Osthofen. Chillicothe,O. Georg Wintersheimer, 48 Jahre alt, aus Lampertheim. Sheboygan, Wts. Elisabeth Muth, geb. Vollert, 75 Jahre alt, aus Sandhof, Kreis Worms. ** Während der bevorstehenden Herb st Übungen werden auch der Cavallerie probeweise Radfahrer betgegeben werden, denen die Aufgabe zufallen wtrd, Erkundigungen einzuziehen und die Verbindungen zwischen den einzelnen Truppen- theilen aufrecht zu erhalten. Dadurch hofft man die durch die anderweitigen Dienstleistungen in Anspruch genommene Cavallerie ohne Beeinträchtigung der militärischen Bedürfnisse entlasten zu können. ** Beschädigte Reichsmüuzeu gelten, wie viel zu wenig beachtet wird, nicht als kassamäßiges Geld. Sehr häufig kommt es vor, daß offenbar aus purem Muthwillen beschädigte, gebogene und zerschlagene Münzen aller Sorten zur Ausgabe gelangen und namentlich im Kleinverkehr auch unbeanstandet genommen werden. Es sammelt sich im Jahre bet manchem Kleingewerbe ein ganz auftändiges Sümmchen solcher verkrüppelten Silber- ober Nickelmünzen, und den Schaden hat der zu tragen, welcher sie annimmt, weil sie von der Bank zurückgewiesen werden. Um sich vor solchen Schaden zu wahren, wird man also gut thun, derartige Münzen gleich von erster Hand zurückzuweisen. ** „Wir bekommen bessere Zeilen!", so beginnt der „Confect." die folgenden Ausführungen: Man begegnet jetzt häufiger der Ansicht, daß eine Besserung der Geschäftslage in naher Aussicht steht. Schon daß es möglich ist, diese Frage zu erörtern, weist darauf hin, daß diese Ansicht, in weitere Kreise dringt. Dadurch wtrd das Vertrauen gestärkt und Muth zu neuen Unternehmungen eingeflößt. Für die kommende Besserung der Geschäftslage wtrd Folgendes angeführt: In Amerika stehen gute Geschäfte in Aussicht. Man glaubt daselbst, daß die fünf kommenden Jahre zu den besten des Jahrhunderts gehören werden. England hat einen geschäftlichen Niedergang durchgemacht, wie er seit langen Jahren nicht dagewesen ist. Nach dieser rückgängigen Bewegung steht noj? dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge eine Erhöhung in Aussicht - daß ein günstiger Geschäftsgang in diesen beiden Ländern auch auf uns rückwirkend sein muß, kann nicht bezweifelt werden. Noch mehr aber als daS spricht die Thatsache für eine Besserung der Geschäftslage mit, daß die Vorräthe gering sind, daß die Production eingeschränkt worden ist, daß der leichte Geldstand seinen üblichen Einfluß ausüben muß, daß die herrschende Billigkeit einen vermehrten Verbrauch im Gefolge haben muß, daß, wenn die Arbeiter wieder Verdienst haben, sie auch wieder mehr ausgeben. Alle diese Umstände zusammengenommen, sollen eine Besserung der Geschäftslage herbeiführen, von der wir wünschen, daß sie recht bald in Erscheinung treten möge. -r- Vom Fuße des Hoherodskopf, 19. Juli. Bei uns wird etwas später Sommer als in den warmen Fluß- thälern der Ebene, daher kommt es, daß Heu-, Getreide- und Kartoffelernte viel später eintreten, als in warmen Lagen. Unsere Heuernte z. B. ist in verschiedenen Gemeinden wie Breungeshain, Crainfeld, Herchenhatn, Ilbeshausen u. a. O. 1 nur einschürig und wird erst gegen Ende Juli beendigt, ' denn bis zu diesem Termine müffen die Wiesen, wenn nicht besonders schlechte Witterung eintritt, geräumt fein. Die HeugraSpreise sind dieses Jahr wieder ziemlich normale geworden und gingen bei den kürzlich vorgekommenen Versteigerungen nur wenig über daS Taxatum hinaus. Etwas mehr macht es auf den forstfiScalischen Wiesen der Oberförsterei Grebenhain aus, wo 20 bis 25 pCt. über das Taratum erzielt worden sind. Mit dem diesjährigen Stande unserer Felder sind wir zufrieden. Darmstadt, 19. Juli. Eine hiesige Frau, welche sich „lang" am Woog umhertrieb und Miene machte in das Wasser zu springen, führte gestern Abend nach 10 Uhr ihren Entschluß aus, aber an einer Stelle, wo ihr das Wasser nur bis an die Waaden reichte. Schon zuvor rief sie fürchterlich um Hilfe. Der Militärposten an der Schwimmschule reichte ihr die Hand und zog sie die Mauer herauf. Hoffentlich ist sie jetzt von ihren Selbstmordgedanken curirt. △ Mainz, 19. Juli. Der Bau der neuen ausgedehnten Kasernements in dem nahen Gonsenheim, die im Ganzen zu 600000 Mk. veranschlagt sind, wurde gestern in engerer Submission bet einem Abgebot von 8 Procent der Baufirma Groh in Kastel übertragen. Von den übrigen concurrirenden Bauunternehmern überboten drei den Voranschlag, während ein vierter Unternehmer den Bau für die veranschlagte Summe ausführen wollte. Der Rohbau muß innerdalb vier Monaten sertiggestellt sein, weßhalb mit den Arbeiten gestern noch begonnen wurde und in den nächsten Tagen schon 600 Italiener für die Ausführung der Grundarbeiten eintreffen werden. In dem neuen Kasernement sollen neben einem Artillerieregiment eine Abtheilung Cavallerie und eine Abtheilung Pioniere untergebracht werden. — Die großen Pionierübungen, die im Laufe dieses Monats durch mehrere Abtheilungen der in Metz, Coblenz und Kastel garnisonirenden Pionierbataillone No. 8, 11, und 16 hier auf dem Rheine stattfinden werden, haben heute ihren Anfang genommen und zwar zunächst mit dem Aufschlagen einer Brücke oberhalb der hiesigen Straßenbrücke. Die Uebungen, die eine theilweise Sperrung der Schifffahrt erforderlich machen, erregen allseitiges großes Interesse und wird von den nicht militärischen Zuschauern, die sich ständig in großer Zahl auf der Straßenbrücke . aufhalten, hauptsächlich die rasche und exacte Ausführung des Brückenaufschlags bewundert. Die Gesammt' lettung über die Uebungen hat der Jngenieuroberst von Rhon aus Metz. Worms, 18. Juli. In der verflossenen Nacht verbrannte in seiner Kammer ein 16jähriges Mädchen. DaS Mädchen, das bei einem Bäcker bedienstet war, wollte wahrscheinlich arbeiten, dabei fiel die Petroleumlampe um und daS Mädchen gerieth in Brand. Als die Hilferufe der Unglücklichen ertönten, war es bereits zu spät. Vermischtes. * Frankfurt a. M., 19. Juli. Das seit 14 Tagen angekündigte Sommerfest im Zoologischen Garten verlief gestern geradezu glänzend. Während noch um V27 Uhr der Regen in wildem Gusse niederstürzte, schlug um 1I28 Uhr die Witterung plötzlich um. Wie auf Commando schwieg der heftige Wind und der Himmel klärte sich auf. Um 9 Uhr war die Illumination des Gartens vollendet; viele Tausende von Lampen und Lichtern erglühten aus den Büschen und von den Gebäuden und schufen die Parkwege zu feenhaften Wandelgängen um, in denen Ströme fröhlicher Menschen auf- und uiederwogten. Das Feuerwerk wirkte dadurch besonders effectvoll, daß die Gluthregen und Feuerkugeln aus der Tiefe des Weihers emportauchten. Vor dem glänzend illuminirten Bärenhause wurden unter den Klängen neapolitanischer Volksweisen südliche Weine und Speisen verabreicht. Das einzige, woran es gebrach, war Platz, und selbst wer nur an der Osteria vorübergcheu wollte, mußte sich jeden Fußbreit erkämpfen. An der anderen Seite des Gartens waren Stände für Süßigkeiten und Luxusgegenstände, in denen allerliebste Italienerinnen als Verkäuferinnen fungirten. Wer die niedlichen Gestalten ansah, mußte einsehen lernen, um wie viel kleidsamer die schmucke italienische Mädchentracht ist, als die der nordischen Mode. — Der Ball endigte um 4 Uhr unter lebhaftem Protest der tanzlustigen Jugend. » Koblenz, 19. Juli. Bet der Fundamentirung des Neubaues für das Körnermagazin des Militärfiskus an der Eisenbahnftraße wurden gestern Abend zwei Arbeiter in 9 Meter Tiefe ver schüttet. Die Pioniere haben sich die ganze Nacht und heute Morgen hindurch bemüht, die unzweifelhaft Tobten aufzufinden, bis jetzt aber vergebens. — Der „Franks. Ztg." wird weiter berichtet: Es sind zwei Arbeiter im Alter von 19, bezw. 22 Jahren verschüttet worden, ein dritter erlitt nur eine Armverletzung. Die Pioniere arbeiteten von gestern Abend 61/2 Uhr bis heute früh 3 Uhr, um zu den Verschütteten, die unter gewaltigen Erd- und Steinmassen liegen — die Fundamentgruben waren schon bis auf 9 Meter Tiefe gefördert — zu gelangen. Der anwesende Arzt erklärte, daß die Verschütteten tobt seien- darauf rückten die Pioniere ab. Die Leichen wurden während der Nacht theilweise freigelegt, konnten aber durch das Holzwerk, welches zwischen den Erdmassen liegt, nicht geborgen werden. Mit den Bergungsarbeiten der Leichen hat der Unternehmer des Baues heule Morgen beginnen lassen. Bis zur Mittagsstunde sind die Leichen noch nicht gefunden, da die losen Erdmassen — an der Baustelle befand sich früher ein Festungsgraben, der nur mit loser Erde zugeschüttet wurde — immer wieder nachstürzen. Wie das Unglück entstanden ist, läßt sich noch nicht sagen. Heute Nachmittag findet die richterliche Augenschetneinnahme statt, wobei durch Sachverständige festgestellt werden soll, ob bei der Abstützung der Erdgruben die nöthige Vorsicht und die dringend noth- wendigen Maßregeln zur Sicherheit der Arbeiter getroffen waren. * Düsseldorf, 18. Juli. Die „Rheinisch-Westfälische Wirthe-Zeitung" befaßt sich mit dem Concurse eines der ältesten hiesigen Gasthöfe, der erst kürzlich von dem jetzigen Besitzer in großartigem Stile umgebaut wurde. In dem Concurse gelangen im Ganzen 6000 Mk. zur Vertheilung an die Gläubiger, während die bisher angemeldeten Forderungen neben 488,000 Mk. Hhpothekenschulden und rückständigen Zinsen 48,000 Mk. betragen. Diese Forderungen stammen fast ausschließlich von Handwerkern und Händlern. So hat u. A. ein Fischhändler 1700 Mk., ein Hauderer 1030 Mk., ein Metzger 5500 Mk., ein Käsehändler 1360 Mk., ein Bäcker 1376 Mk. und schließlich ein Barbier 100 Mk. zu fordern. * Lübeck, 19. Juli. Die wegen Beseitigung eines Kindes zum Tode verurtheilte Hebamme Langmaak wurde vom Senate begnadigt. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl LooS und I. M. Schulhof. Bremen, 19. Juli. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Havel, Capitän Th. Jüngst, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 10. Juli von Bremen und am N. Juu von Southampton abgegangen war, ist gestern, 12 Uhr Mittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 19. Jali. fPer transatlantischen Telegraph.! Der Postdampfer Willehad, Capitän R. Ntertch, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 5. Juli von Bremen abgegangen war, ist gestern, 12 Uhr Mittags, wohlbehalten in Newyork ange- kommen. Der Dampfer „Pennsylvania" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 17. Juli wohlbehalten in Philadelphia angekommen. Atrchliche Anzeige« der Stadt Stehen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst Sonntag den 22. Juli. 9. Sonntag nach Trinitatis. In der Stadtkirche. * Vormittags 7»/< Uhr: Frühgottetzdienst mit Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der Markusgemeinde. Pfarrverwalter Dr. Grein. , _ Vormittags 9»/> Uhr: Professor Stamm. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer ^^Nmhmittags 2 Uhr Gottesdienst mit Christenlehre für die Neukonfirmirten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Schlosser. Die Kinderkirche fällt aus, und wird wieder gehalten: Sonntag den 29. d. M-, Vormittags 11 Uhr. Die Vorbereitung hierzu ist Donnerstag den 26. d. M, Nachmittags 4 Uhr in der Kirche. An der JoharmeSkirche. Vormittags 7»/. Uhr: Frühgottesdienst mit ^Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer vr. N a u m a n n. Vormittags 9'/,Uhr: Pfarrer Dingeldey. Die Ktnderktrche der LukaSgemeinde fällt aus und wird am künftigen Sonntag, 29. Juli gehalten werden. Katholische Gemeinde. Sonntag den 22. Juli. 10. Sonntag nach Pfingsten. Samstag: Nachmittag? um 4*/- Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 6»/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; „ um 6V» Uhr erste hl. Messe; „ um 71/» Uhr Austbeilung der hl. Communion; Vormittags um 8 Uhr zweite hl. Messe; „ um 91/» Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Andacht für bte Abgestorbenen. Gottesdienst in der Synagoge. Vorabend 7™Ubr, ^Morgen? 880 Uhr, Nachmittags 4°° Uhr Sabbathausgang 9,s Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast. Freitag Abend 7»° Uhr, SamStag Vormittag 8 Uhr, Nachmittag 4 Uhr, Sabbathausgang 915 Uhr. Temperatur der Lah« und der Luft nach Reaumur gemessen am 20. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14, Luft 14°. Rübs-men'sche Badeanstalt. 6024 Schule. 6044 Adler-Drogerie, Seltersweg 39, Otto Schaaf. 8 und bei E. Gerhardt. [4740 E 2 von e* ü) S <3 d» Gl B Treffe heute, Samstag, ein und eröffne heute den Cursus im Schönschreiben u. garantire, wie in M Gießen seit einer Atelier für Portraitsmalerei. Portraits nach Natur und Photographie in Oel und Kreide in künstlerischer Durchführung nach Carlsruher Meldungen von Damen, Herren und Kindern nehme heute, Samstag im Hotel Schütz Z entgegen. 6025 g Das Pferdefleisch ist das gesündeste Fleisch. 2 Pfd. Pferdefleisch kocht eine kräftigere und schmackhaftere Suppe als 3 Pfd. Ochsenfleisch. Empfehle prima Fleisch » Pfd. 30 Pfg. [6046 ______Keßler, Roßschlächter. 6028] Täglich frisch gebrochene Sauer- ttrsche« zu haben Pnlvermühle. Fabrikmässiger Betrieb ausgeschlossen. Otto Fritz, Kunstmaler, Bleichstrasse 24, Hinterhaus. Weirrsteinsäure, Tannin, Schwefelspa«, Schwefelfade«, Raffinade, Korke, Filtrirvapier, Pergamentpapier, lkolophoninm, SalieylsLnre, Hausenblase empfiehlt die Gührmaschinen, zur Bereitung von Obstwein unentbehrlich, empfiehtt 5728 Emil Fischbach. Jahren bekannt, in nur 5 Lectionen die besten Erfolge ;u erzielen. Honorar für Deutsch 15 Mk., mit Latein 27 Mk. Vermischte Anzeigen. Fechtverband GWuMr. Samstag de« 21. Anli, Abends 8 Uhr, Monats - Versammlung im Saale de8 Lenz'scheu Felseukellers. Tagesordnung: 1) Ständiges Vereinslokal, 2. Vorbesprechung zum 10. Stiftungsfest. 3. Dringende Besprechung in Vereinsangelegenheiten. 5971 Der Vorstand. 1 O. Gottlieb, Kalligraph. ? 's) Jeder Husten erschüttert und greift die Athmungs-1 organe an, auf deren regelmässiger I Function der Organisms beruht; bei I Nichtbeachtung sind leict ernste Hals-1 und Brustkrankheiten die Folgen. Alle an Husten u. Heiserkeit Leidenden sollten diese daher im Keime zu lindern suchen, wobei die Stellwerkschen Brust-Bonbons treffliche Dienste leisten. In versiegelten Packetchen zu 40 u. 25 Pfg. vorräthig in Giessen bei A. u. 6 Wallenfels, Ed. Fuokert, C. Hoffmann, L. Kalkhof Wwe., C. 6 Klelnhenn, E. 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Blattes. 5902 46311 und Frau. 99.50 ?7.90 28.80 33.60 91.11 391.62 221.75 167.80 117.30 114.80 82.90 12390 ec» 9.70 20.31 16.68 Früf 16.28 16.21 4.19 U.C9 st. 20.36 16.67 154.861 Ber. Köni-S-LimrOh^Ret- L«d«-t fest. 6. Ruder-Verein Mainz, 7. Ruder-Gesellschaft Oberrad, 8. Ruder-Gesellschaft Speyer, 9» Ruder-Club Wetzlar, 10. Ruder-Gesellschaft Gießen, 5995] Eine gebrauchte, noch gut erhaltene Ainkdadewanne zu kaufen gesucht. Angebote mit Preis unter A. B. an die > ffrnphiHnn ba WnHea erhtim. unter Betheiligung folgender Vereine: 1. Aead. Ruder-Club „Rhenns"-Bonn, 2. Ruder-Verein Cassel, 3. Ruder-Club Frankfurt, 4 Ruder-Club Heidelberg, 5. Ruder-Verein Ludwigshafen, Während der Regatta: Kiedacliou: Ä. Scheyd». — Lruck und Verlag b