1894 Donnerstag den 20. September Nr.Mtt Erstes Blatt. Gießener Anzeiger Kmeral-Mzeiger. Zlints- Mitt' Aitzeigcblntt für den 'Kreis Gieren. Rcdaction, Expeditioa und Druckerei: Kchutstrcrtzc ^lr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger ^vonncmentsprel»: 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg. Die Gießener Aamitieavlälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelcgt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Gratisbeilage: Gießener Kamilienölätter. Neueste Wolff« telegrnphtsche« Lorrespond-n-- Burenn Berlin, 18. September. Der „Reichsanzeiger" meldet: Wegen der Klauenseuche in mehreren Schweinebeständev ist der Centralviehhof vom 17. September ab auch für den Abtrieb von Schafen und Rindern gesperrt. Paris, 18. September. Casimir Perier hielt tn Vaujours bei dem Frühstücksmahl', baß zu Ehren der Oberosfiziere veranstaltet war, eine Rede, tn der er auS- führte: Er wolle durch seine Anwesenheit bei den Festungß- manövern bekunden, daß die öffentlichen Gewalten und die ganze Nation mit lebhaftester Empfindung und mit Vertrauen die Thätigkeit der Heerführer und Soldaten begleiten. Er wolle dem tapferen General und treuen Freunde, der die Operationen leite, sowie Allen, die den General unterstützen, seine vollste Sympathie bekunden. Die französische Jugend bilde sich bei den Manövern für den Frieden und den Krieg aus. Die Liebe zum Vaterlande, die Achtung vor den Gesetzen und die Unterwerfung unter die rechtmäßige Autorität seien Tugenden des Soldaten wie des Bürgers. Der Präfriedens nur noch verstärken. Diese Stimmung kann auch durch die Betrachtungen, welche Graf Kalnoky im letzten Theile seines Exposes über Serbien, Bulgarien und Rumänien anstellte, nicht weiter beeinträchtigt werden. Hinsichtlich Serbiens bemerkte Kalnoky ausdrücklich, daß das Verhältniß Oesterreich.Ungarns zu diesem Balkanstaat ein viel besseres, als es vor !Vz Jahren gewesen, geworden sei. In Betreff Bulgariens erwähnte er den in Folge des Sturzes Stambuloffs eingetretenen Umschwung in den innerpolitischen Verhältniffen dieses Landes, wobei Kalnoky dem festen Regime Stambuloffs rückhaltlos Anerkennung spendete. Doch sprach er die Zuversicht aus, daß Bulgarien nach den bevorstehenden Wahlen wieder zur Ruhe gelangen und daß auch unter dem „neuen Cours" sich nichts Wesentliches in der bulgarischen Gcsammtpolitik ändern werde. Lebhaftes Lob spendete der österreichische Minister schließlich der dreibundsfreundlichen und loyalen Haltung Rumäniens, freilich fehlte es nicht an einem deutlichen Wink für die rumänische Regierung, die gegen Ungarn gerichteten Wühlereien gereifter Elemente in ihrem Lande ja hübsch zu überwachen. r„„ . Den Schluß der Kalnoky'schen Rede füllten in der Hauptsache handelspolitische Ausführungen aus, die in ihrem Ausgange indessen wieder rein politisch wurden. Einerseits erklärte Graf Kalnoky, daß Oesterreich-Ungarn nach tote vor daran festhalte, es dürfe keinerlei fremde Einmischung in die innere Entwickelung der Balkanstaaten, speciell Bulgariens und Serbiens, stattsinden. Andererseits versicherte er, die Gerüchte über eine geplante förmliche Annexion Bosmens durch Oesterreich seien völlig unbegründet, die österreichtsche Regierung denke an keine Veränderungen in den bestehenden staatsrechtlichen Verhältnissen der coupirten Provinzen. Annahm« von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Abonnements- Einladung Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das i. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebenst ein Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrrch- tcn-Bureaus sowie zahlreiche Mittheiluugen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur' Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gietzener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigclegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine Dretbundrpovrik Kalnokys. Der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten des DonaukaiserreicheS knüpfte ,unächst an die frledekündenden Aeußerungen des Kaisers Franz Josef beim Empfange der Delegationen an und konnte Graf Kalnoky die allerhöchste Auffassung von der gegenwärtigen so beruhigenden Lage Europas nur vgll bestätigen. Dann kam der Minister auf den Dreibund zu sprechen, dessen friedliche Ziele und Bestrebungen erneut betonend, auch verfehlte Graf Kalnoky nicht, gegenüber der immer wieder sich zeigenden Unzufriedenheit der ruffenfreundlichen Jung- czechen über den Verbleib Oesterreich-Ungarns beim Dreibund darauf hinzuweisen, tote gerade die Tripelallianz seit ihrem mehr als zehnjährigen Bestehen für Oesterreich-Ungarn von Vortheil gewesen sei. Im Grunde genommen, gesteht man sich dies selbst in den jungczechischen Kreisen trotz aller üblichen Schwärmerei für das „stammverwandte" Rußland heimlich ein, es kann aber nichts schaden, wenn öffentlich und officiell den Herren Czechen und sonstigen Widersachern des Dreibundes in der habsburgischen Doppelmonarchie das Vortheilhafte dieses Bündnisses für das Reich des Doppelaares immer wieder vor Augen geführt wird. Vom Dreibund ging Graf Kalnoky zu den Beziehungen Oesterreich-Ungarns vor Allem zu Frankreich und zu Rußland über, die er in dieser wie jener Richtung als überaus freundschaftliche bezeichnete. Speciell hob der Minister in Besprechung des österreichisch-russischen Verhältnisses hervor, tote nicht zum geringsten Theile der zwischen Oesterreich- Ungarn und Rußland abgeschlossene Handelsvertrag sich als förderlich für die guten Beziehungen beider R-lchc zu einander erwiesen habe. Auf Grund der unentwegten Fortdauer des Dreibundes tote des ausgezeichneten Verhältnisses Oesterreich-Ungarns zu Frankreich und Rußland kam nun Graf Kalnoky zu dem Schluffe, daß die gegenwärtige Lage Europas eine ungemein sichere sei und auch für weiterhin die Erhaltung des kostbaren Völkerfriedens mit Zuversicht zu erwarten stehe. Diese mit solcher Bestimmtheit verkündeten und aus dem Munde einer in der europäischen Politik so maßgebenden Persönlichkeit kommenden Versicherungen werden gewiß allenthalben in Europa ein lebhaftes Echo wecken und die vorherrschenden Empfindungen von der Sicherung des Welt- die ja gerade in der Jetztzeit für Deutschland erhöhte Be- beutung durch die immer schärfer und rücksichtsloser hervor- tretenden nationalen Bestrebungen des preußischen Polen- thums gewonnen hat. In großen Zügen und von großen Gesichtspunkten ausgehend, zeichnete der greise Staatsmann vor den mehr als 1700 Vertretern des Deutfchthums der Provinz Posen ein treues Bild des Verhältnisses zwischen den Polen und dem preußischen Staate während der beiden letzten Menschenalter. Er wies hierbei auf den unheilvollen Einfluß hin, den in früheren Jahrzehnten eine schwächliche und schwankende Polenpotitik der preußischen Regierung wiederholt auf die Entwickelung der preußischen und deutschen Verhältnisse ausgeübt hat, und wenn er dann die heutigen Zustände nur leise streifte, so bekundete sich selbst in die er erklärlichen Zurückhaltung eine genügend erkennbare abfällige Kritik der Polenpolitik Preußens von heute. Als den ent- schiedenen und verbissenen Gegner des Deutfchthums bezeichnete Fürst Bismarck den polnischen Adel, während er die gleiche Stellungnahme hinsichtlich der unteren Stände der polnischen Bevölkerung nicht gelten lassen wollte. Doch blickte Fürst Bismarck wegen der Polengefahr keineswegs pessimistisch in die Zukunft. Ec betonte, daß den 2 Millionen Polen doch 48 Millionen Deutsche gegenüberständen und daß ferner daß fortschreitende nationale Bewußtsein im deutschen Volke dem Deutschthume ebenfalls zu Hilfe komme. Jedenfalls stehe die Wacht an der Warthe und Weichsel ebenso fest rote die Wacht am Rhein; doch mahnte der Altreichskanzler die Deutschen, das Beispiel der Polen zu befolgen und auch ihrerseits einmüthig in Wahrung ihrer Bolksinteressen ohne- Parteiunterschiebe so zusammenzuhalten, eine Mahnung, ole gewiß außerorbentlich am Platze ist. Die gelammte Rede des Altreichskanzlers, die noch mancherlei bemerkenswerthe Momente aufwies, wurde von den vor dem Varzlner Schlosse versammelten Tausenden mit Begeisterung ausgenommen, für die Tagespreffe aber wird diese Kundgebung sicherlich zum Ausgangspunkte gar mancher Betrachtungen werden. — Fürst und Fürstin Bismarck haben diese Anstrengungen der Ewpfangssestlichkeiten vom Sonntag verhältnißmäßig gut überstanden. — Der sächsische Minister des Innern, von Metzs ch, empfing am Montag eine größere Deputatiou von Bergleuten aus bem Freiberger wie bem Potschappeler Revier. Die Deputation überreichte einen von 7244 Bergleuten unterzeichneten Protest gegen die von ben social- demokratischen Abgeordneten in der letzten Session des sächsischen Landtages vorgebrachten Anschuldigungen gegen königliche wie private Bergbaubeamte. — In Thüringen fanden letzter Tage zwei größere Partei-Versammlungen statt. In Gotha hielt die freisinnige Vereinigung für Thüringen am Sonnabend eine Vertrauensmänner - Versammlung ab und tn Erfurt waren die Delegierten der Deutsch- Conserv ativen Thüringens zu einer Berathung versammelt. — In Elsaß-Lothringen haben am Sonntag die Bezirkstagswahlen stattgefunden, welche als inbtrecte Wahlen zum Lanbesausschuß eine gewisse politische Bedeutung besitzen. Nach ben bisher bekannt gewordenen, allerdings noch spärlichen Wahlresultaten steht in der bisherigen Zusammensetzung der Bezirkstage keine wesentliche Veränderung zu erwarten. In Straßburg ist eine neue Wahl erforderlich, da keiner der von clericaler, freisinniger und socialistischer Seite aufgestellten Candidaten die nöthige Stimmenzahl erhalten hat. Derrtscher Reich. Berlin, 18. September. Der Kaiser traf am Sonntag Nachmittag am Bord der Yacht „Hohenzollern", welcher die Manöverflotte folgte, vor Hela (Danziger Bucht) ein. — Die Rede, welche Für ft Bismarck beim Empfang der Rtesen-Deputation der Deutschen Posens in Varzin am letzten Sonntag gehalten hat, erregt nicht nur wegen der Persönlichkeit des fürstlichen Redners, sondern auch wegen des ungemein zeitgemäßen Inhalts dieser jüngsten öffentlichen Kundgebung des Altreichskanzlers allgemeines Interesse. Denn tn ihrem Mittelpunkte stand dte Polenfrage, Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme:» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" cntiy- Amtlichem Theil. Nr. 37 des Reichs - Gesetzblatts, ausgegeben den 18. ds. Mts., enthält: (Nr. 2195.) Bekanntmachung über die feiten« der Niederlande erfolgte Ratification der am 15. April 1893 zu Dresden abgeschlossenen internationalen Ueberemkunst, betreffend Maßregeln gegen die Cholera. Vom 9. Sept. 1894. iNr. 2196.) Bekanntmachung, betreffend die Beziehungen zu Griechenland wegen gegenseitigen Markenschutzes. Vom 14. September 1894. Gießen, am 19. September 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. ausgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postftei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. ' Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch), j Graf Kalnoky über die politische Lage. Der Wiederzusammentritt der österreichisch-ungarischen , Delegationen hat, wie sich erwarten ließ, eine bedeutsame Kundgebung des Grafen Kalnoky über die auswärtige Politik Oesterreich Ungarns und weiter auch über die allgemeine Sage überhaupt gebracht. Anlaß hierzu gab die im Budget- ' Ausschüsse der österreichischen Delegation am Montag statt- gefunbene Debatte über ben Etat des Ministeriums bes Auswärtigen unb das im Verlaufe berfelben beEunbete feinb« elige Auftreten ber jungczechischen Delegtrten gegen die fident schloß seine Rede mit den Worten: „Ihnen vertraut die Republik mit ihrer Fahne die Ehre und mit den Söhnen ihre Zukunft an. Wer, wie Sie, alles hochhält, was das Herz groß, den Willen stark macht, bereitet den Soldaten für die Vertheidigung, den Bürger für die Freiheit vor. Ich trinke auf die französische Armee." — Saussier dankte im eigenen Namen und in dem der Armee und versicherte den Präsidenten seiner Ergebenheit und verehrungsvollen Sympathie. Nichts möge den Präsidenten hemmen, seine ruhmvolle Bestimmung zu erfüllen. Möge er noch lange im Stande sein, für die Wohlfahrt und Größe Frankreichs zu wirken. — Nach dem Frühstück fuhr der Präsident zu Wagen n-ch Paris zurück. Madrid, 18. September. Nach einer Meldung des „Heraldo" aus Fez ist der Gesundheitszustand des Sultans von Marokko nicht befriedigend- der Sultan sei zu schwach, um zu Pferde zu steigen und habe am Freitag den 7. September zur Moschee getragen werden müsien. Haag, 18. September. Die Königin-Regentin eröffnete die Generalstaaten mit einer Thronrede, worin der Zustand des Landes als befriedigend bezeichnet wird. Die Viehseuche sei gehemmt, die Beziehungen zum AuSlande seien die freundschaftlichsten. Die Meinungsverschiedenheiten mit Venezuela, die von 1875 herrührten, seien freundschaftlich beendet. Marine und Armee seien lobenswürdig. Die Königin beklagt mit bewegter Stimme die ernsten Verluste der Armee in Indien und spricht die Hoffnung aus, daß trotz des Mißgeschicks die Ehre der holländischen Waffen in Lombok aufrecht erhalten würde. Schließlich wird erwähnt, daß eine ernstere Ausdehnung der Cholera dem Lande erspart worden sei. An Vorlagen werden angekündigt: Wahlreform, Revision der Personalsteuer, Militärstrafgesetzbuch, Modificationen des Handelsgesetzbuchs, Vorlagen zur Erneuerung des MartnematerialS, beffere Bewaffnung der Armee und Marine und andere militärische Vorlagen, ferner eine Vorlage über die Organisation von Arbeitskammern und Arbeitergesetze, eine Vorlage über die Erhöhung der Eingangsund AuSgangSzölle in Indien und über Maßregeln zu Gunsten Surinams. Die infolge des Congreffes für daS internationale Privatrecht abgeschloffenen Conventionen werden voraussichtlich vorgelegt werden. WB. Shanghai, 18. September. An der coreanischen Küste fand am 16. ds. zwischen der chinesischen und der japanischen Flotte ein heftiger Kampf statt. Die Chinesen verloren vier, die Japaner drei Kriegsschiffe- der chinesischen Flotte gelang es, eine Truppenmacht zu landen, während die japanische Flotte sich zurückzog. Deveschen btl Bureau »Herold*. Berlin, 18. September. Das Vorgehen der Criminql- polizet gegen die Wucherer zieht immer weitere Kreise. Gestern wurden wieder bei verschiedenen verdächtigen Personen Haussuchungen vorgenommen. Berlin, 18. September. Wie das „Berl. Tagbl." mit» theilt, har die Staatsanwaltschaft heute bei der Rheinisch- Westfälischen Bank eine Bücherrevision vorgenommen, was mit dem Proceß Zusammenhängen soll, welcher gegen die Bank wegen ihrer Beziehungen zu dem Actienbauverein Unter den Linden geführt wird. Berlin, 18. September. Major v. Wißmann hat sich, wie aus Lauterberg a. Harz gemeldet wird, mit Fräulein Hedwig Langen, Tochter des Geh. Commerzienraths Langen in Köln, verlobt. Frankfurt a. M., 18. September. Wie die „Frkf. Ztg." aus Belgrad meldet, wird König Alexander am 17. October Abends zum Besuch Kaiser Wilhelms in Berlin eintreffen. Der König wird im Königlichen Schlöffe absteigen und vier Tage in Berlin verweilen - er wird während seiner Anwesenheit einem größeren militärischen Schauspiele beiwohnen, indem der Kaiser in dieser Zeit die Verleihungen von Fahnen an die neuerrichteten vierten Bataillone fortsetzt. König Alexander wird vom Ministerpräsidenten und dem Kriegsminister begleitet. Kiel, 18. September. Die Kreuzercorvette „Prinzeß Wilhelm" ist während der Manöver in der Ostsee auf den Grund gerathen. Wien, 18. September. In Mährisch Ostrau ist ein Bergarbeiter an asiatischer Cholera gestorben. Lemberg, 18. September. In Otthnia hat die Cholera, da sich das Volk, wie vor einiger Zeit gemeldet, den behördlichen Maßregeln aus Aberglauben widersetzt, bedenkliche Dimensionen angenommen, besonders nachdem der Ortsvorftand, bewogen durch einen Ueberfall auf daS Choleraspital, bei dem die Beamten mißhandelt und zwei kranke Frauen entführt wurden, erlaubt hatte, die Kranken in ihren Häusern zu pflegen. In vergangener Nacht wurde das Haus des Ortsvorstehers in Brand gesteckt, weshalb noch heute ein RegierungScommiffar abgefandt ist. Paris, 18. September. Der „GauloiS" theilt mit, der gesammte Briefwechsel des Grafen von Parts solle demnächst veröffentlicht werden. Die Correspondenz sei sehr umfangreich und meist vom Grafen selbst geschrieben. Paris, 18. September. Präsident Casimir Perier, welcher gestern Abend hier eingetroffen ist, fährt morgen nach Chateaudun, wo er am Donnerstag sowohl nach der Truppenschau wie nach dem Esten eine große politische Rede halten wird. Brüssel, 18. September. Eine gestern Abend abgehaltene Versammlung der Arbeiterpartei lehnte einstimmig das von den vereinigten Liberalen angebotene Wahlbündniß ab, obwohl dastelbe von den Progressisten Feron und Janson warm befürwortet wurde. London, 18. September. Nach einer Drahtnachricht hiesiger Blätter aus Ping Hang betrug der Verlust der Chinesen in der Schlacht vom Freitag auf SamStag circa 17 000 Mann, lieber 14000 davon sind Gefangene, die in Abtheilungen zu je 1000 nach Japan gebracht werden sollen. . Auch fünf chinesische Generale und ein großer Theil des Generalstabs wurde gefangen genommen. Belgrad, 18. September. König Alexander beabsichtigt, auf der Reise nach Berlin den Kaiser von Oje st erreich am 12. k. M. in Pest zu besuchen. Belgrad, 18. September. Der Kreisphhsikus Radovan ovic, der Sohn des Mörders des Fürsten Michael, ist aus Furcht davor, daß er wegen Betheiligung an der Cebinac- Verschwörung zur Verurtheilung herangezogen werden könnte, plötzlich wahnsinnig geworden. Seit den Verhaftungen in der Cebinac Affaire zeigte Radovanovic bereits Zeichen ausbrechenden Wahnsinns - er glaubte fortwährend von Polizisten verfolgt zu sein. Sein jetziger Geisteszustand ist die wüthendste Tobsucht. Bukarest, 18. September. Bei den gestrigen Muni- cipalwahlen haben 37 Städte regierungsfreundlich und 8 oppositionell gewählt. In 5 Städten sind Stichwahlen erforderlich. Auch in Bukarest haben drei Stichwahlen stattzufinden. Petersburg, 18. September. Um einem allzu starken Zufluß fremder Staatsangehöriger nach dem Kaukasus vorzubeugen, soll demnächst durch einen Regierungserlaß eine besondere Bestimmung bekannt gegeben werden, wonach die Genehmigungen zur Ansiedlung geregelt werden. Algier, 18. September. Eine Abtdeilung französischer Truppen, welche das Fort Mac Mahon an der Saharagrenze verproviantiren sollte, wurde von Arabern überfallen. Die Truppen vertheidigten sich erfolgreich und tödteten eine Anzahl der Angreifer. Die Franzosen verloren nur fünf Mann. totale* tinb provinzieller. Gießen, den 19. September 1894. * * Gießener Omuibusgesellschaft. Heute Mittwoch Abend findet im Restaurant Bavaria die Generalversammlung statt, auf welche die Herren Actionäre der Tagesordnung wegen aufmerksam gemacht werden. (S. Inserat.) * * Daß der Obstreichthum in diesem Jahre durchschnittlich ein ganz bedeutender ist, geht daraus hervor, daß in der Maingegend der Centner gelbe Pflaumen zu 15 Pfg. versteigert wurde. * * Rückkehr an8 dem Mannöver. Der Stab und das 1. Bataillon des Kaiser Wilhelm-Regiments treffen heute Abend 1034 Uhr mit Sonderzug hier ein, das 2. u. 3. Bataillon um 1056 Uhr. * * Cholera. Als ein weiteres gutes Zeichen über Bürgeln bezeichnet das „Marb. Tgbl." die Mittheilung, daß Professor Dr. Fränkel auf einige Wochen nach seinem späteren Bestimmungsorte Halle verreist ist. Amtlich wird unterm 18. September weiter gemeldet: Vier Cholerakranke in Bürgeln gelangen heute zur Entlassung aus der Baracke. Die übrigen werden morgen und übermorgen entlasten. Voraussichtlich wird der Abbruch der Baracke am Freitag erfolgen können. * * In Amerika verstorbene Heffen. Newyork City, N. I.: Katharina Hangen, 41 I. alt, aus Zotzenheim. North Minneapolis, Minn.: Elisabeth Springer, 87 I. alt, aus Heimertshausen. Tuna Canyon, Cal.: John Lieser, 73 I. alt aus Darmstadt. * * Der Verband der Verwaltungsbeamten der Orts, krankeukaffen Deutschlands, der sich über ganz Deutschland erstreckt, wird am Sonntag den 23. September in Leipzig seinen Verbandstag abhalten. Ein großer Theil der Anträge gilt einer festeren Gestaltung der rechtlichen Verhältnisse der Kastenbeamten bezüglich ihrer Anstellung, Pensionirung rc. Weiter sind Anträge gestellt, die eine Ausdehnung des Verbandes auf die Beamten der Berussgenostenschaften bez. der Organisationen der gesummten socialpolitischen Gesetzgebung bezwecken. Sodann soll über eine an den preußischen Landtag zu richtende Petition Beschluß gefaßt werden, in der die Gleichstellung der Krankenkaffenbeamteu hinsichtlich der Com- munalbesteuerung beantragt wird. * * Der Bund der deutschen Gastwirthe führte in Leipzig am Freitag seine Verhandlungen zu Ende. Die vom Reichstage zurückgegebenen Petitionen auf Einführung gesetzlicher Bestimmungen, nach denen die Hersteller der Gläser für deren richtige Größe verantwortlich gemacht werden, und auf eine periodische Nachaiche sämmtlicher Fäffer sollen auf Antrag der süddeutschen Delegierten erneut an den Reichstag abgehen, lieber das Kapitel der Haftpflicht der Gastwirthe sprach Herr Weidc-BreSlau unter Bezugnahme auf den Entwurf des deutschen bürgerl. Gesetzbuches. Beschlossen wurde, der mit derAusarbeitung dieses deutschen bürgl.Gesetzbuches betrauten Commission in einem Memorandum die Wünsche der Gastwirthe zu unterbreiten. Im Wetteren bildeten die Sondersteuern der Gastwirthe den Gegenstand lebhafter Klagen. Bei der Reichspostverwaltung soll die Herabsetzung der Telephongebühr von 150 auf 100 Mark pro Jahr erstrebt werden. Landau wurde als Ort für den nächstjährigen Verbandstag bestimmt und die Leitung des Bundes dem bisherigen Vorstände überlasten, ebenso verbleibt der Sitz in Leipzig. * * Zur Sicherung der Sparkaffeubucheiulageu. Bekanntlich ist die Sicherung der Sparkassenbucheinlagen bis heute noch keine absolute gewesen, weil Unberufene noch hin und wieder die Einlagen abheben können. Um die Abhebung von Sparkassenguthaben durch unbefugte Personen thunlichft zu vermeiden, hat die Direction der Hannoverschen Capital- versicherungsanstalt eine, wie es scheint, sehr nachahmens- werthe Einrichtung getroffen. Sie hat nämlich für ihre Sparer von den Sparkassenbüchern getrennt zu haltende Controllnummern anfertigen lassen und zu deren Benutzung durch folgenden Anschlag in den Räumen der Sparkaste auffordern lassen: „Zur Nachricht. Es ist verschiedentlich vorgekommen, daß von unserer Sparkasse ausgegebene Sparkassenbücher ihren Eigenthümern entwendet und daß die Guthaben auf diese Sparbücher von Unberechtigten abgehoben sind. Um solchen Vorkommnissen für die Zukunft vorzubeugen, wird von jetzt ab jedem Einleger auf dessen Wunsch neben dem Sparkassenbuche eine besondere Nummer ausgehändigt werden, bie getrennt von dem Sparkassenbuche zu verwahren ist. Diese Nummer, die verschieden ist von der des Sparkassenbuches, muß mit dem letzteren bei jeder Abforderung des Guthaben- öder eines Theiles desselben vorgelegt werden, widrigenfalls die Auszahlung des zurückgeforderten Betrages so lange ab- gelehnt wird, bis die das Sparkastenbuch überreichende Person nachweist, daß sie zur Abhebung des Geldes berechtigt ist-" ** Vor fünfzig Jahren. Am 9. September 1844 veröffentlichte die Gesetzsammlung für das Königreich Preußen eine Cabinetsordre, betr. die Portoermäßigung für Briese und Briessendungen, die in jener Zeit als ein großer Fortschritt im Verkehrswesen lebhaft begrüßt wurde. Danach sollte das Porto für den einfachen Brief vom 1. October 1844 ab betragen: Bis zu 5 Meilen 1 Silbergroschen (— 12 preußische oder 10 Reichspfennige), über 5 bis zu 10 Meilen V]2 Silbergroschen, über 10 bis zu 15 Meilen 2 Silbergroschen, über 15 bis zu 20 Meilen 21/a Silber- groschen, über 20 bis zu 30 Meilen 3 Silbergroschen, über 30 bis zu 50 Meilen 4 Silbergroschen, über 50 bis zu 100 Meilen 5 Silbergroschen und über 100 Meilen für jede weitere Entfernung innerhalb des Staates 6 Silbergroschen. Das Briefschreiben war damals also eine ganz kostspielige Sache. Lumda, 16. September. Heute wurde in unserem festlich geschmückten Dörfchen die Einweihung des neuere Schulhauses gefeiert. Nachmittags um 2 Uhr versammelten sich die Schüler mit ihrem Lehrer, die verschiedenere Ortsbehörden, die erschienenen Vertreter der Kreisschulcommission und zahlreiche Festtheilnehmer an dem alten Schulhause, von wo aus nach einer kurzen Ansprache de- Herrn Schulrath Büchner und nach dem Gesang des Liedes „Unseren Ausgang segne Gott" sich der Zug nach dem neuere Schulhause bewegte. Nachdem man hier angekommen, richtete Herr Lehrer Keller herzliche Begrüßungsworte an die Festtheilnehmer, worauf bet Geistliche des Kirchspiels, Herr Pfarrer Ahlheim zu Wirberg, die Weiherede hielt. Herr Provinzialdirector v. ® tigern wies in seiner Ansprache darauf hin, welch großes Opfer die Gemeinde durch den Bau des schönen und allen Anforderungen entsprechenden Schulhauses gebracht habe und stellte der Gemeinde eine weitere namhafte Unterstützung aus Staatsmitteln in Aussicht. Zum Schluffe betonte Herr Schulrath Büchner, wie durch daS schöne, geräumige Schullocal nunmehr eine Bedingung zur ersprießlichen Wirksamkeit des Lehrers und der Schule erfüllt sei. Hauptsache sei jedoch, baß auch bie Eltern als Erzieher der Jugend ihrer Aufgabe voll und ganz gerecht würben und sich nach Kräften bemühten, ben Lehrer in seinem mühevollere Berufe zu unterstützen. Nachbem ber leitenbe Baumeister, Herr KreiSingenieur Stahl aus Gießen, mit entsprechenber Ansprache ben Schlüssel zum Hause unserem Herrn Bürgermeister überreicht hatte, schloß mit bem Gesang bes Liebes „Lobet ben Herren" die Einweihungsfeier. Hierauf wurden bie Schüler mit Bretzeln beschenkt, währenb bie Besucher be$ Festes eine Besichtigung bes schön unb zweckmäßig eingerichteten Schulhauses unb seiner Räume vornahmen. Friedberg, 16. September. Heute tagte hier eine Versammlung bes Bunbes ber Landwirthe, worin Herr Lucke-Patershausen bie besonberen Aufgaben bes BunbeS im Großherzogthum Hessen kennzeichnete. Reichstags- und Landtagsabgeorbneter Graf Oriola, ber zum Bezirksvorsitzenbere gewählt würbe, erklärte seine Zustimmung zu ben Forberungen bes Bunbes. Diese beziehen sich auf Steuern, Schullasten, Eisenbahnen, Bildungsanstalten für Lanbwirthe, Entschädigung bei Seuchen, Kaufstempel bei Immobilien unb finb besonders Aufgaben des hessischen Landtages und der Regierung. E. Echzell, 18. September. Sobald bie Nachrichten über bie Thätigkeit ber Dreschmaschinen ins Laub gehen, pflegen btejentgen Über Unglücksfälle bei ben Maschinen als hinkende Boten hintendrein zu folgen. In bem benachbarten Bingenheim war ein Mäbchen bei ber Dreschmaschine beschäftigt, es kam bem Treibriemen ber mit voller Dampfkraft arbeitenben Maschine zu nahe unb ber Riemen schnitt ber Bedauernswerthen bie Nase glatt weg. DaS Mäbchen, in ben zwanziger Jahren stehenb, sehr fleißig, brav unb tüchtig, steht im Begriffe, sich zu verheirathen. — Man kann ben Leuten nicht genug Vorsicht bei ben im Gange befinblichen Maschinen anempfehlen. D. Dauernheim, 18. September. Der Einbrecher, welcher einem hiesigen Einwohner 1200 Mk. ans ber Schublabe stahl, ist entbeeft und hinter Schloß unb Riegel gebracht worben. ES ist ein hiesiger Bursche, ber mit ben Localverhältnissen jenes Hauses, worin er bie Summe stahl, genau vertraut ist- er hat aber — wie bies bei ben meisten ber- artigen Dieben zu geschehen pflegt — burch sein Benehmen alSbalb ben Verbacht auf sich geloben unb sich selbst ver- rathen, benn er schaffte sich eine golbene Uhr mit golbener Kette an, hatte nicht weniger als vier goldene Ringe an den Fingern, legte sich einen feinen Ueberzieher und dementsprechenden Hut zu, kurz unb gut, er machte solche Depensen, baß man balb auf bie unerhörten Geldausgaben aufmerksam wurde. Auch an gutem Essen unb Trinken ließ eS ber junge Mann nicht fehlen. Die 1200 Mark sollen radikal verjubelt sein, benn in Friedberg konnte ber Bursche zuletzt seine WirthshanSrechnung nicht mehr begleichen. Der Bestohlene kann sich allenfalls noch an bie Uhr mit Kette und die goldenen Ringe halten, sonst wirb er bas Nachsehen haben. § NöSberlS (Kreis Lauterbach), 16. September. Heute würbe bie neue Brücke zwischen hier unb Wetd-MooS feierlich eingeweiht. Schlitz, 17. September. Am 11. ds. Mts. wurde hier seitens des Großh. Kreisbauamts Alsfeld das neuerbaute Amtsgerichtsgebäude seiner Bestimmung Übergeben- Sowohl die äußere als die innere Ausstattung lassen bas Gerichtsgebäude als ein allen Anforderungen, die man heutzutage in dieser Beziehung stellt, voll entsprechendes Bau- •rottl erscheine», daS insbesondere auch der Stadt Schlitz zur höchsten Zierde gereicht. Die innere Einrichtung der Dienst- räume ist eine zweckentsprechende und würdige zu nennen. Im Erbgeschoß befinden sich die Geschäftsräume des Großh. Amtsgerichts, während daS Obergeschoß dem OberamtSrichter als Dienstwohnung überwiesen ist. Die Pläne zum Neubau find hervorgegangen aus dem technischen Baubureau Großh. Ministeriums der Finanzen, Abtheilung für Bauverwaltung, die Ausführung der Arbeiten erfolgte unter der bewährten Leitung des Großherzoglichen KreiSbauaffefforS Diehm von Lauterbach. (Darmst. Ztg.) B. Büdingen, 17. September. Man hat bei uns mit der Herstellung von Obstwein begonnen und macht Ankäufe zu diesem Zwecke, wodurch Leben in das Obstgeschäft kommt. Der Büdtnger Aepfelwein erfreut sich eines trefflichen Rufes bis an die Nord- und Ostsee. Die Aepfelerme ist dieses Jahr bei uns nur eine mäßige, denn im Vorjahre brachen viele Bäume unter der Last ihrer Früchte. Für daS Malter (Doppelcentner) Kelter ob st werden 5 bis 6 Mark gezahlt. Birnen und Zwetschen gibt eS sehr reichlich, sind aber weniger begehrt. nn. Darmstadt, 17. September. Nachdem gestern, Sonntag, Nachmittag um 6 Uhr, die fünf Opfer der fo traurigen Familien-Tragödie in drei Leichenwagen nach dem Leichenhause auf dem städtischen Friedhöfe verbracht worden waren, fand deren Beerdigung heute Nachmittag um 3 Uhr start. Eine ungeheure Zahl Leidtragender, wie sie der stille Ort des Friedhofes kaum gesehen, hatten sich hierzu eingefunden. Insbesondere die Einwohner aus der Martins- gemeinde, in der die Wohnung der Opfer sich befindet, gaben den Verstorbenen das letzte Geleite. AlS um 3 Uhr die drei Särge, in denen sich je zwei Mädchen und zwei Knaben, sowie der Vater befanden, durch Friedhofsbedienstete aus der Leichenhalle zu Grabe getragen wurden, da blieb kein Auge thränenleer und überall hörte man lautes Schluchzen. Den Särgen folgten zwei katholische Geistliche, welche am Grabe für die jugendlichen Opfer eine Meffe und das Vaterunser lasen. Einen herzerschütternden Eindruck machte es aus die Versammlung, als später die Mutter mit ihrem achtjährigen Sohne Ludwig die Grabstätte besuchte, wo sie ihre Kinder und ihren Gatten zur letzten Ruhe schon eingebettet fand. Nur mit Mühe war die trostlose Frau von dem Grabe zu entfernen, in welches ihre ganze Hoffnung hinabgesenkt worden war. Dem Wunsche WölfelschneiderS entsprechend ruht derselbe zwischen seinen Kindern. nn. Darmstadt, 18. September. Zu den gestern an unserem Großh. Hoftheater stattgehabten Concurrenz- spielen um die zweite und vierte Contra - Bassistenstelle für die Hoftheatermusik waren 46 Meldungen aus aller Herren Länder eingelaufen. Zur engeren Concurrenz wurden nur 14 Herren geladen, welche vor einer besonderen Com1 (1) 1 Barometerstand 1 1 1 2 (2) 2 (2) 1 (1) 1 1 1 3 (2) Thermometer: min. + 3>/»°Ii., max. + 51 R. Mission spielten und ihr ganzes Können in die Waagschale warfen. AlS Sieger für die zweite Stelle gingen aus dem Wettstreit nach scharfer Probe hervor: Herr Hofmufiker Müller von hier, seitheriger Inhaber der dritten Basfistenstelle, sowie für die drttte und vierte ein Mufiker aus Leipzig und Braunschweig. Die übrigen Herren mußten ohne Erfolg von dannen ziehen, doch erhielten sie eine Vergütung für ihre Reisekosten. nn. Darmstadt. 18. September. Der Mühlenbau-Anstalt, Maschinenfabrik und Eisengießerei, vormals GebrüderSack in Darmstadt, wurde auf der Weltausstellung zu A n t w e r p e n die höchste Auszeichnung, bestehend in einem Ehren-Diplom, für gute Müllereieinrichtungen zuerkannt. — In gleicher Welse wurde die genannte Firma auch auf der diesjährigen internationalen Weltausstellung für Bäckerei, Müllerei n. s. w. in Amsterdam prämiirt. _ vom : 2.-lb.J«hr: 2 (2) wittermngsarrsfichten am 19. September Morgen« 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage) Hygrometer: „ Trocken und schön. I ... . Impcrlung: Di- punttirte «nie M der varom-terscala gibt dm Stand bei vorhergehenden Tages an. sag?, g 8 I < E« starbm «n: Zul«mmcn: Erw-chlw-: tm I. Lebensjahr Vermischter * Berlin, 18. September. Ein hiesiger Kaufmann wurde nach seiner Angabe von zwei Reservisten, mit denen er gekneipt hatte, auf der Hasenheide niedergeschlagen und beraubt. * Köln. 18. September. An dem Neubau der katholischen Kirche in Deutz brach daS Gerüst, infolgedessen mehrere Arbeiter aus beträchtlicher Höhe in die Tiefe stürzten. Ein Klempner ist tobt, zwei Personen sind schwer verletzt. Wen die Schuld trifft, ist noch nicht feftgestellt. » Mannheim, 18. September. Im Rhein ertrank heute ein Fuhrmann nebst zwei Pferden. * Würzburg, 18. September. Köhlers-Brauerei steht in Flammen. Der Schaden dürfte groß werden. * Bayreuth, 18. September. Die Staatsanwaltschaft theilt mit, daß die 18 j ä h r i g e B e e r e n s u ch e r i n Margaretha Wolfrum im Walde von Rehau ermordet aufgefunden wurde. * Genua, 18. September. In dem benachbarten Orte Oneg li o beschloffen zwei Mädchen von 18 und 20 Jahren, die densc.ben Mann liebten, einen Zweikampf mit scharf geschliffenen Meffern. Bald stürzte das ältere Mädchen in die Brust getroffen tobt nieder, worauf bas jüngere sich ben HalS burchschnitt. * Troyes, 17. September. Die 30jährige Wittwe Abamski erhielt mit ber Poft eine Schachtel Bonbons- kaum hatte sie von ben Süßigkeiten genossen, als sie unter furchtbaren Schmerzen verschieb. Die Untersuchung führte zur Verhaftung bes Apothekers R., ber früher in Beziehungen zu ber AbamSki stanb. mr v ♦ Unterschied. „Wer ist ber ältere Offizier zu Pserbe? — „Hier ber Regimentscommanbeur." — „Warum nur hier?" — „Weil zu Hause seine Frau bas Regiment führt." p xf erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck, fl & V 1 I mäßig abgefaßt und typographisch ange. <2/ ( I V I U messen ausgestattet sind, ferner die richt ig-- 2. Wahl der geeigneten Zertungen ge- tltintirrtl troffen wird. Um dies zu erreichen, wende UUtUl sich an die Annoncen-Erpeditton Rudolf Mosse, Frankfurt a.M., und Mannheim; von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kosten, frei ettheilt, sowie Jnseraten-Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original-Zeilmpreise der Zeitungen unter Bewllli. aung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Jnstttutes nebm den sonstigen großen Vottheilen eme Ersparmtz an Jnserationskosten erreicht wird. b746 Vertreter am hiesigen Platz'. Heinrich Wallach, ^Kaufmann Schiff-nachrichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 18. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Ems, Capitän W. Reimkasten, vom Nord- deutfchen Lloyd in Bremen, welcher am 8. September von Bremen und am 9. September von Southampton abgegangen wer, ist gestern 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Wöchentliche Urberficht der TodeSMe in Gieße«. 37. Woche. Vom 9. September bis 15. September 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militär) SterblichkettSziffer: 21,17°/« bezw. 9,41 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder Diphtheritis Lungen tuberculose Brechdurchfall Athrophie Altersschwäche Sonstige benannte Krankheiten - ___——— Summa: 9 (5) 4 (3) 2 3 (2) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben en, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. « e. Die Rechnungen der vier evangelische« Kirchengemeinden I SRßfflttttttnttlfiUUa vom 20. Sevtember d. I. an in den Wohnungen der Pfarrer OVUUUUUlUUJMHy Bekanntmachung. Bekanntmachung 20 Centner Kartoffeln (sogenannte Mäuschen), Ctr. n II 7602 zum 7681 Gnauth. Grüner Papagei Spitz, Lehrer, Sirinstraße 57 Weißkraut, Rothkraut, Wirsing, Lauch, Sellerie. untererdige Kohlraben, obererdige Kohlraben, Zwiebeln, rothe Rüben, Meerrettig, gelbe Rüben, nachbenannter Produtte auf dem öffentlichen Submisfionswege vergeben werden und zwar: 20 Centner Aepfel, (500 Ctr. magnum bonum 100 Ctr. Spätrosa), Die LieferungS'Bedingungen können auf dem Verwaltungsbureau der neuen Kliniken an den Wochentagen, Nachmittags von 3—5 Uhr, einge- fehen werden. Offerten sind verfchloffen, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis Verdingung. Die zur Herstellung eines Fuß- gängerbankets am Riegelpfad und von 560 qm Chaussirung längs des Anatomie - Gebäudes erforderlichen Pflaster- und Chanffirarbeiten sollen Montag, den 24. d. Mts., Bormittags 11V2 Uhr, im Wege des schriftlichen Angebotverfahrens auf dem Stadtbauamte vergeben werden. Arbeitsbeschreibunf und Bedingungen liegen daselbf während der Dienstftunden offen und sind Angebote auf vorgeschriebenem Formular bis zum genannten Termin dorthin einzureichen. Gießen, 18. Septbr. 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Stück H W n » 10 2 8 2 2 10 500 150 400 200 350 Hauer- und Setzerlöhne für den Gießener Stadtwald pro 1895/96. Die vorbemerkten Löhne sollen liegen vom 20. September d. I. an in den Wohnungen (die der Markusgemeinde im Pfarrhause der MatthäuSgemeinde), 8 Tage lang zu Jedermanns Einsicht offen. Gießen, den 19. September 1894. 7697 Mittwoch den IV.Octbr 1894, Bormittags 12 Uhr, auf das erwähnte Bureau einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Tage. Gießen, am 15. September 1894. Großherzogliche Direktion der neuen Kliniken. Aeikgevotenes. Neue «. gebrauchte Säcke, Strohsäcke, Strohsackleinen, Scheuertücher empfiehlt billigst 7694 Rob. Stuhl, Neustadt 23. fingerzahm, billig zu verkaufen. 7682 1 Geschw. «ro«, SelterSweg 25. I billig. Die vier evangelischen Kirchenvorstäude. Dr. Naumann. Schlosser. Dingeldey. vr. Grern. Anzahl g«te Bienenvölker Alice-Schule. Der Unterricht beginnt Montag den 1. Oktober. Aufnahme der Schülerinnen Morgens 9 Uhr. , . ~ , Vom 15. October bis 15. Deeember wird wieder em Curfus für Weihnachtsarbeiten eingerichtet. Nähere Auskunft durch „ . m 7671 Frl. L. Moeser, Gartenstraße Nr. 30. Dienstag, den 25. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, > im Saal des alten Rathhauses öffent- I lich versteigert werden. ' Gießen, 18. September 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.7680 Freitag den 21. d. Mts., Nachm. 5 Uhr, wird im Main-Weser- Bahnhos dahier eine Grube Dünger meistbietend öffentlich versteigert. Gießen, den 19. September 1894. 7673 Königliche Eisenbahn-Station. Montag den 24. Septbr. soll das Gemeinde-Obst der Gemeinden Holzheim und Bergheim, zum größten Theil aus Zwetschen bestehend, versteigert werden. Der Anfang ist am Baumgartenweg, Vormittags um 9 Uhr. Das Obst der Gemeinde Bergheim wird Nachmittags um 3 Uhr versteigert. Anfang am Bergheimer Brunnen. Holzheim, den 10. Septbr. 1894. Großh. Bürgermeisterei Holzheim. Klotz. 7696 600 „ gute Speisekartoffeln Für die Großherzoglichen neuen Betr.: Die Vergebung der Holz- Kliniken in Gießen soll die Lieferung Export-Ci6 .Deutschen Cognac : Berlin "J^ÖDESHEIM 'l x. VRheingau i 'Anerkanntfeinsteftfarke. Preis: von 2 Mk ab per Literflasche. Verkaufsstellen in Glessen: Cbr. Bieker, Phil. Herrmann, Fritz Lony Nacht, Ludw. Loth, Emil Orblg, Otto Schaaf, Gustav Walther; in Iwieseck: Hch- Voelzel II. [55721 7522] Wegen Platzmangel verkaufe eme Heute und morgen feinste, große Schellfische feinsten Cablian ohne «opf, offerirt 7695 Eduard Puckert Neuen Bäue 17. Schellfisch und Cabliau, 20 H per Pfd., fast täglich Zuf., garant. frisch [7633] int Rebstock. Gothaer Cervelatwurst in frischer, feinster Qualität, empfiehlt 7011] «mil Fischbach. Neue Linsen empfiehlt 7695 Rob. Stuhl, Neustadt 23. 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