1894 Freitag den 20 Juli Nr. 167 Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, Bit Ausnahme des MontagS. Die Gießener Aamtkienökätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger. Vierteljähriger ASonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Aints- unb Anzeigeblcrtt für bett Ureis Gieren. chratisöeitage: Gießener Kamitienbl'ätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsches Reich. Berlin, 18. Juli. Die erste gemeinsame Nordlandsreise der kaiserlichen Majestäten hat jetzt in Dront- heim ihren Abschluß gefunden. 'Während der Kaiser von genannter Stadt aus die Weitersahrt nach Norden fortgesetzt hat, trat die Kaiserin die Rückreise nach Deutschland an. Auf derselben traf die hohe Frau am Dienstag Mittag in Christiania ein, hier von einer zahlreichen Menge auf das Lebhafteste begrüßt, und begab sich alsbald an Bord der Kreuzerfregatte „Stein". In Kiel soll die Ankunft diesen Freitag früh erfolgen- von Kiel begiebt sich Ihre Majestät direct nach Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel. — Fürst Bismarck weilt seit Dienstag früh in seinem hinterpommerschen Tusculum Varzin, in dessen ländlicher Ruhe er die Zeit bis etwa Anfang September zu verbringen gedenkt. Wie man vernimmt, ist die Ueber- siedelung von Friedrichsruh resp. von Schönhausen nach Varzin dem Fürsten ganz gut bekommen, er befindet sich trotz der großen Anstrengungen, welche die Reise für ihn mit sich brachte, durchaus wohl. Ein jubelnder, herzlicher Empfang wurde dem Altreichskanzler allerorten, wo er etwas länger Station machte, bereiter, so vor Allem in Berlin, dann Stettin, Stargard u. s. w. — In der inneren deutschen Politik herrscht sommerliche Stille, nach keiner Richtung hin ist ein bemerkcnSwertheres Ereigniß zu verzeichnen. Dafür fehlt es nicht an mancherlei sonstigen Angelegenheiten und Begebenheiten, welche immerhin von allgemeinerem Jnteresie sind. Hierher gehört namentlich der Bierboycott in Berlin, denn weit über die Mauern der Reichshauptstadt hinaus ist man auf den Ausgang dieses eigenartigen und von beiden Seiten mit größter Energie geführten Kampfes gespannt, der nun schon seit vielen Wochen zwischen den boycottirten Brauereien und der Socialdemokratie „tobt". Zunächst läßt sich indessen noch nicht mit Sicherheit beurtheilen, wer der unterliegende Theil sein wird- sollten aber die Socialdemokraten Sieger in dem Berliner „Bierkriege" bleiben, so dürften sich die politischen Wirkungen dieses Erfolges zweifellos in einer erhöhten Zuversicht der socialdemokratischen Partet zeigen. Viel Aufsehen erregt ferner der Zwischenfall mit dem clericalen Reichstagsabgeordneten für Metz, Herrn Haas, welcher Herr es als vereinbar mit seiner Stellung als Mitglied des deutschen Reichsparlaments gehalten hat, seinen Sohn zum französischen Offizier ausbilden j zu lassen. Die Gerüchte, welche wissen wollten, Herr Haas habe doch das, gelinde gesagt, Unpassende seiner Handlungsweise eingesehen und darum sein Retchstagsmandat niedergelegt, haben sich bis jetzt nicht bestätigt, man muß also mit der Möglichkeit rechnen, daß der proteftlerisch angehauchte Abgeordnete für die lothringische Hauptstadt dem deutschen Parlamente die unter den obwaltenden Umständen mehr als zweifelhafte Ehre seiner Mitgliedschaft auch fernerhin anthun wird. Wie sich die Metzer Wähler des Herrn Haas in diesem Falle zu ihrem bisherigen Vertreter stellen werden, das scheint noch nicht ganz klar zu sein. Um so mehr wird man aber von dem Reichstage selbst erwarten dürfen, daß er nöthigenfalls die Sache in eigne Hand nimmt und sich mit Herrn Haas auseinandersetzt. — Der neue Bischof von Fulda, Dr. Komp, hat sicherem Vernehmen nach die landesherrliche Bestätigung erhalten. Die Vereidigung und die Aushändigung der Anerkennungsurkunde wird voraussichtlich durch den Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau erfolgen. — Noch immer werden aus dem Ost en des Reiches vereinzelte tägliche Cholerafälle gemeldet, speziell aus der Weichsel Niederung. Jndefien giebt der Stand der Cholerakrankheit in diesen Gebteten nach wie vor nicht den mindesten Anlaß zu Besorgnissen. Es handelt sich in fast allen vorgekommenen Fällen um Personen, welche sich die Krankheit durch eigene Schuld, durch Trinken des verdächtigen Weichselwassers u. s. w. zugezogen haben. Außerdem sind behördlicherseits gegen eine etwaige Weiterverbreitung der Cholera die umfassendsten Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. neucfte Nachrichten. Wolffs telegrnphtfcheS Correfpondenr-Bureau Lübeck, 18. Juli. Die bacteriologische Untersuchung der Leiche eines auf dem Dampfer „Helix" auf der Reise von Petersburg nach Lübeck verstorbenen Schiffskochs ergab als Todesursache astatische Cholera. Die aus Rußland kommenden Schiffe sind ärztlicher Controlle unterworfen. Madrid, 18. Juli. Der Herzog von Sevilla ist auf See während der Uebersahrt von den Philippinen-Inseln nach Barcelona gestorben. Pera, 18. Juli. Heute Mittag fand eine ziemlich heftige Erderschütterung statt, ohne jedoch erheblichen Schaden zu verursachen. Depeschen deS Bureau .Herold". Berlin, 18. Juli. Der „Retchsanzeiger" veröffentlicht den Schriftwechsel zwischen Deutschland, Großbritannien und dem unabhängigen Congostaat, betreffend das zwischen der Großbritannischen Regierung und der Regierung des unabhängigen CongostaateS am 12. Mai 1894 getroffene Abkommen. Berlin, 18. Juli. Das „Berl. Tgbl." meldet aus Rom, die nunmehr auch in officiöse Blätter übergegangenen Nachrichten über den Schwächezustand des Papstes seien völlig grundlos. Das Befinden desselben sei befriedigend. Berlin, 18. Juli. Zur Erbauung eines Theaters großen Stils in der Gegend des hiesigen Zoologischen Gartens soll sich, dem Vernehmen nach, bereits eine Genossenschaft gebildet haben. Das Theater soll dem besseren Schauspiel und der Oper zugleich gewidmet sein und Raum für 2000 Sitzplätze bieten. München, 18. Juli. An Privatspenden für die durch das Unwetter bei Schwaben betroffenen Land- bewohner waren in München bis gestern Abend 14498 Mk. etngegangen. ~ Rom, 18. Juli. Crispi zeigt sich sehr beunruhigt wegen der zahlreichen anarchistischen Drohbriefe, welche ihm wiederum in den letzten Tagen zugingen und worin ihm mit- getheilt wird, daß man seine in Neapel wohnende Tochter tödten werde. Rom, 18. Juli. Bis jetzt find insgesammt etwa 3000 Anarchisten verhaftet worden. Lüttich, 18. Juli. Heute früh fand in dem nahegelegenen Hermalle ein Dynamitattentat statt. Die Bombe war vor dem Hause des Bürgermeisters Francotte ntedergelegt, sie zerstörte den Balkon und zertrümmerte die Hausthür und alle Fenster. Francotte ist als Professor der Universität Lüttich bekannt. Er befand sich allein im Haus, während Frau und Kind sich auf einer Villa befanden. Der Grund des Attentats ist unbekannt. Die Polizei soll dem Attentäter auf der Spur sein. Loudon, 18. Juli. Die „Times" meldet, daß der ehemalige Großvezier von Marokko, Mohammed el Arbi Ben el Moghtar, und sein Bruder, der ehemalige Kriegsminister Mohammed Ben el Arbi Ben el Moghtar, Der Cyklon in Bberdsyern. Es ist kaum möglich, eine anschauliche Schilderung der Verwüstung zu geben, welche die Windhose in dem schwer heimgesuchten oberbayerischen District angerichtet hat. Auf der ganzen langen Strecke, die sie durcheilte, ist kaum ein Haus, das nicht zerstört wäre. Ganze Häuser sind auf den Boden niedergedrückt, wie wenn sie mit einem fürchterlichen Schlag zusammengepreßt worden wären. Ein Theil. der Dachsparren ragt in die Luft hinaus. Die übrigen find zerknickt über die Umgebung verstreut. Dachschindeln, Schiefer, Blechbedachung und Ziegeln sind weit herumgestreut. Namentlich sind die Blechstücke weit getragen worden. Um die Dachsparren find die Strohvorräthe, die unter den Dächern lagen, ordentlich herumgewunden. In den Häusertrümmern und in den Höfen liegen die Dorräthe zerstreut. Die Mauern find oft weit ins Feld geschleudert, mächtige Trümmer sind im Ganzen auf ziemliche Entfernungen geworfen. Die Bäume sind nach allen Richtungen zerrissen und abgebrochen, sowie weit in die Felder geschleudert. An den Straßen find mächtige Bäume, darunter von Meter-Dicke, mit sämmtlichen Wurzeln und gewaltigen Ecdrundstücken aus dem Erdboden herausgezogen. In den Gärten sieht man nur zersetzte Baumstücke und wirr durcheinander liegende Holz, Schtndel- und Steinmassen. Die Zerstörungen an den Häusern zeigen die mannigfaltigste Gestalt. Bald ist eine Reihe von Häusern nur auf einer Seile völlig zerstört, die andere ist nahezu unversehrt- dann kommt eine Reihe solcher, die gerade an der entgegengesetzten Seite gefaßt find. Bald liegt ein Haus völlig in Trümmer und nur eine Ecke ist erhalten, bald find ganze Seiten im Ganzen abgerissen und auf die Seite geworfen. Bald find viertel und halbe Häusertheile geradezu umgestürzt. Die meisten Häuser find in dem kleineren Theile zu Wohnungen eingerichtet, während der größere Theil zu Scheunen- zwecken dient. Meist ist dieser letztere Theil vom Sturme ganz zerstört worden, während die Wohnungsabtheilung weniger hart, aber immer noch sehr schlimm mitgenommen wurde. Dies erklärt es auch, warum zum Glück die Menschen | so wenig Schaden genommen haben. Vielfach flüchteten die Bewohner sich auch in die Keller. Dabei sind die Häuser 1 durchweg gut und solid gebaut und man sieht ihnen in der Zerstörung noch an, daß sie sorgsam unterhalten und fortgesetzt in ihnen verbessert worden war. An vielen Wohngebäuden sind mächtige Stücke aus der Fayade gerissen. Namentlich von oben herab, unter der Wucht des Absprengens der Dachgiebel find die Wohnräume der oberen Stockwerke arg verwüstet, Betten, Möbel, Kleidertruhen zerstört, ihr Inhalt herausgertssen und zerstreut. Viele neugebaute massive Häuser sind völlig demoltrt, andere zeigen unter der Wucht der abgerissenen Dachtheile lange und breite Risse. WaS nicht vom Orkan zerstört ist, ist so zugerichtet, daß es abgetragen werden muß. Es ist traurig, zu sehen, mit welch tiefer Niedergeschlagenheit die Leute daran gehen, aufzuräumen und das Wenigs an Dorräthen und Hausrath, was noch geborgen werden kann, aufzuladen und zu Verwandten in der Nähe zu bringen. Don einem Erwerb ist auf lange Zeit keine Rede. An denjenigen Häusern, die völlig zerstört sind, sieht man die Familien in der Apathie stiller Verzweiflung herumstehen. Sie wissen nicht, wo sie anfassen sollen. ES ist eben nirgends anzufassen. Die Stätte langjährigen Erwerbes ist zu einem Haufen Schutt und ein riesiger Kehrichthaufen geworden, in dem die Hühner scharren. Von einem stattlichen Hause ist nur die Giebelfront stehen geblieben. Auch von ihr ist die Spitze abgebt öckelt und traurig sitzen die Tauben auf der Mauer. Sie wollen sich von der Stätte nicht trennen, auf der ihre Nester gewesen. Ein erschütterndes Bild bietet die ärmliche Aufbahrung des Jungen, der neben seiner Mutter vom einstürzenden Gemäuer erschlagen wurde. Der Knabe war von EberSberg, wo er bei seiner Tante weilte, nach Hause gekommen, weil ihm der Vater, ein allgemein als fleißig geschilderter Zimmermann, einen Sonntagsanzug für die bevorstehende Firmung kaufen wollte. Der Junge befand sich mit der Mutter und mehreren kleineren Geschwistern in der Wohnstube, als der Sturm losbrach. Der Windstoß riß das Dach des neugebauten Hauses auseinander und die Zimmerdecke drohte einzustürzen. Da flüchtete sich die Mutier über den Hausgang in die Zimmermannswerkftätte - als sie unter die Thüre trat, brach jedoch die Decke ein und die Frau wurde bis zur Brust verschüttet. Die kleinen Kinder blieben im Gang, dessen Decke auch zur Hälfte niedergebrochen war, vor Angst stehen und kamen mit dem Schrecken davon. Die Mutter wurde später herausgegraben und ist unverletzt. Man vermißte den Knaben und hatte keine Ahnung, daß ihm etwas zugestoßen sei. Man glaubte, er sei im Schrecken nach Ebersberg zurückgelaufen. Als von dort die Nachricht kam, daß er nicht angekommen sei, grub man im Schutt nach und fand ihn tobt unter den Steintrümmern. Die Mutter, mit der er doch in die Werkstätte getreten sein muß, weiß nicht zu sagen, wie er hineinkam. Sie hat es aus Schrecken ver- gessen. Nun liegt der Junge in einem Kämmerchen. Auf zwet Stühlen liegt ein Brett, darauf ruht die Leiche, wie mau sie gefunden, mit zerschundenem, grauschwarz unterlaufenem Gesicht, in Wolleuhemd und Hose, ein Stück weißes Linnen über den unteren Theil des Körpers gebreitet. Der eine Arm ist wie zur Abwehr etwas in rechtwinkelicher Lage erhoben, die andere Hand auf der Brust gekrampft, über der das blaugeftreifte Hemd geöffnet ist. Zu Häupten brennt ein kleines Oellämpchen. Neben dem Z'mmerchen auf dem Schutte steht der unangestrichene Sarg, über den die zerrissene Gangdecke hereinhangt. Die Mutter, ein ärmliches dürftiges Weiblein, steht fassungslos unter der Thüre. Sie jammert um den Jungen und um die gleichfalls erschlagene einzige Kuh. Eben, als ich dies schreibe, wird das Militär alarmirt, da die Reste des Hauses einzustürzen drohen. Ein 12jahriger Knabe, der über die Felder nach Hause ging, wurde von der Windhose aufgehoben, fortgetragen, niedergesetzt, wieder aufgehoben, wieder fortgetragen, etwa eine Viertelstunde weit. Außer leichten Abschürfungen hat er keinen Schaden genommen. Ein zweijähriges Kind soll vom Sturme aufgehoben und fortgetragen worden sein, es ist angeblich noch nicht gesunden. Eine Frau, die vor ihrem Hause stand, wurde in die spitzen Eisenzacken einer Egge ge- verhaftet worden sind, weil sie einen Mörder gedungen hatten, um den Sultan und den neuen Großvezier zu ermorden. „ , Sofia, 18. Juli. Die „Swoboda" veröffentlicht ein amtliches Telegramm des ProcuratorS von Widdin, wonach am 11.Juli in Bregovatz ernste Unruhen stattgefunden haben. Zahlreiche Bürger wurden verwundet, viele Häuser wurden demolirt. Die wohlhabenden Einwohner flüchteten nach Serbien. In Tirnowa hat die Volksmenge die Villa Karaghosaw, in der Fürst Ferdinand gewohnt hat, demolirt. Belgrad, 18. jJuli. Die Einberufung der gelammten Miliz auf den 26. Juli ruft hier allgemeines Aufsehen hervor. — Die Verfügung des Kriegsministers, den Soldaten während der Erntezeit größere jBeurlaubungen zu gewähren, hat unter der ländlichen Bevölkerung lebhafte Mißstimmung und Unzufriedenheit hervorgerufen, weil dann die Concurrenz der Arbeitskräfte überhand nehmen wird. । Newyork, 18. Juli. In den Südwestgebieten Mexikos haben gestern schreckliche Erdbeben stattgefunden. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt, wie überhaupt Einzelheiten noch fehlen. Newyork, 18. Juli. In Virginien brachten Ausständige 200 Ladungen Grubenpulvers zur Explosion, wodurch 20 schwarze Arbeiter getödtet und 130 verwundet wurden. Sau Francisco, 18. Juli. In Oakland haben gestern abermals Strikende versucht, einen Eisenbahnzug mittelst Dynamit zu zerstören. Der Anschlag mißlang und nur die Maschine wurde beschädigt. Coetlts rm- p*oi>ritrteller. Gießen, den 19. Juli 1894. ** Verwaltungsdienst - Nachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: 1) den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz August Weber zum KreiSamtmann bei dem Kreisamte Bensheim - 2) den Regierungsaffessor Emil Wolff zu Erbach zum Kreisamtmann, 3) den Regierungsaffessor Dr. Karl Hamann zu Schotten zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Schotten, 4) den Kreisamtmann bet dem Kreisamte Groß-Gerau Dr. Karl Hsing er zum Kreisamtmann bei dem Kreisamte Mainz zu ernennen. ** Oberhessischer Bieueuzüchtervereiu. Unsere verehrlichen Leser machen wir auf die im Annoncentheil bekannt gegebene diesjährige Wanderversammlung des Oberhessischen Btenenzüchtervereins, welche am 22. und 23. d. Mts. in Steins Garten stattfindet, aufmerksam. Die Mitglieder des Oberhessischen Bienenzüchtervereins, sowie die verbündeten Vereine haben bei Vorzeigung ihrer Vereinskarten freien Zutritt, ebenso die Inhaber eines Looses. Eintrittskarten ä 30 Pfg. sind an der Kasse zu haben. ** Zuvalideudauk. Heute Donnerstag Abend veranstaltet unsere Regiments.Capelle ein Extra-Concert zum Besten des Jnvaltdendank, gleichzeitig den angenehmen Zweck des Wohlthuns hierdurch erfüllend. Der Fond des Jnvaliden- dank ist zur Unterstützung hilfsbedürftiger Invaliden der Armee und steuern unsere Regiments-Capellen durch ihr echt kameradschaftliches Wirken in dieser Beziehung nicht wenig zur Unterhaltung dieses Fonds bei. In allen größeren Städten gehören die Concerte für diesen Zweck zu den besuchtesten und wünschen wir, daß diese samariterliche Arbeit auch hier eine recht lohnende seine möge. ** Kirchliche Dieustuachrichteu. Der evangelische Pfarrer Friedrich Althen von Eberstadt wurde auf Nachsuchen aus dem Dienst der hessischen Landeskirche entlassen und dem Pfarrverwalter Hermann Eduard v. Heymann in Steinbach, Decanat Offenbach, die erledigte evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen. ** Militärdieustuachrichteu. Dr. Keller, Unterarzt beim 4. Großh. Heff. Jnf.-Regt. Nr. 118, Dr. Weber, warfen und mit dieser vom Sturme eine Strecke fortgeschleist. Sie blieb während des Sturmes im Felde liegen und ist arg zugerichtet. Anfangs galt sie als tobt, scheint aber nun durchzukommen. Ein Bauer, der weinend in den Trümmern seiner Habe arbeitete, ohne zu wissen, was er eigentlich that, meinte, wenn er acht Jahre nacheinander Hagelschlag gehabt hätte, wäre er nicht so schlimm daran. Thatsächlich haben die Betroffenen meist ihr Alles verloren. Ihr Jammer ist herzbrechend, namentlich, da er sich nicht in lauten Ausbrüchen, sondern in stumpfer Betäubung äußert. Nicht selten hört man resignirt sagen: „Gott hat es uns geschickt, er wird uns nicht ganz verkommen lassen." Hilfe ist hier dringend nöthig, umsomehr, als die Betroffenen brave, fleißige Leute waren, die sich mit Mühe und Arbeit durchs Leben brachten und meist in sehr bescheidenen Verhältniffen sich befinden. Aber auch die besser Situirten stehen vor dem Nichts. Aus der Brandversicherung erhalten die Geschädigten nichts, da ihr Eigenthum nicht durch Feuer vernichtet wurde. Trotzdem an 300 Wohnhäuser und etwa 600 Firste zerstört find, ist nämlich nirgends ein Brand ausgebrochen, da das Unglück Nachmittags kam. Dort, wo der Orkan am schlimmsten hauste, hat der Hagel nur wenig Schaden an den Feldern angerichtet, aber die Leute können die Ernte nicht ein- und unterbringen. Die wohlhabenderen Bauern, die Waldungen und somit eine Hilfsquelle gehabt hätten, sind um diese gekommen, da die Waldungen fürchterlich zerstört sind. Sie können also auch da keine Versicherungsentschädigungen erhalten. Der Staat muß nun freilich eingreifen, aber daS genügt nicht, denn der indirecte Schaden ist noch größer als der directe, und was die Leute brauchen, ist rasche Hilfe! DaS Eisenbahnbataillon arbeitet zur Zeit daran, die gefähr- detsten Stellen zu sichern und die Reste der Häuser vor völligem Einsturz zu bewahren. Aber man hat schon ein- gesehen, daß noch mehr Militär zu diesem Zwecke bei- gezogen werden muß. Es werden deshalb wettere Verstärk- ungen eintreffen. (Frkf. Ztg.) Unterarzt beim 2. Großh. Heff. Jnf.-Regt. Nr. 116, mit Wahrnehmung je einer bei ihren Truppentheilen offenen Assistenz-Arztstelle beauftragt. * ♦ Bliudeuaustalt Friedberg. Pfarrverwalter Franz Schwabe in Selters wurde zum Director der Blindenanstalt Friedberg ernannt. * ♦ Technische Hochschule Darmstadt. Der ordentliche Proseffor an der Technischen Hochschule Dr. Rudolf Mehmke wurde auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. September 1894 an, seines Dienstes entlassen. — Der Ingenieur Heinrich Krauß zu Wien wurde zum ordentlichen Professor des Maschinenbaues an der Technischen Hochschule mit Wirkung vom 1. October 1894 an in der gedachten Eigenschaft berufen. Die Bibliothek Karl VogtS. Die rumänische Regierung hat, wie der Neuen Freien Presse mitgetheilt wird, die äußerst werthvolle wissenschaftliche Bibliothek Karl Vogts in Genf für eine Leibrente von jährlich 12 000 Francs angekauft. Nach dem Ableben des Gelehrten bezieht seine Frau eine Leibrente von 4000 Francs. ♦ ♦ Zm Juteresse de8 reiseudeu Publikums wird von Neuem auf nachstehende, im Bereiche der deutschen Eisenbahnen allgemein giltige Einrichtung hingewiesen: Reisende, denen auf der Reiseantrittsstation eine directe Fahrkarte nach ihrem Reiseziel nicht verabfolgt werden kann, können sich der drahtlichen Vorausbestellung der erforderlichen Fahrkarten und Gepäckscheine gegen eine Gebühr von 25 Pfg. bedienen. Die Fassung des Telegramms ist hierbei dem Stationsbeamten zu überlasten. Die auf diese Weise bestellten Fahrkarten und Gepäckscheine werden den Reisenden bei der Ankunft auf der Umlösungsstation an den Zug gebracht, sofern die Weiterfahrt von demselben Bahnhof aus stattfindet. ** Was soll der Zweck de8 TurueuS fein? — Das bekunden die kernigen Worte, welche Lehrer G. Schödel, der erste Turnwart des Turnvereins Hof, kürzlich über das Turnen sagte: „In unserer Zeit ist es nothwendtg, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wozu wir denn eigentlich turnen. Was ist der Zweck der ernsten Arbeit? Turnen wir der Preise wegen? Gewiß nicht! Freilich steigert das Wettturnen die eigene Leistungsfähigkeit, der schlichte Ehrenkranz ist gewiß erstrebenswerth. Aber des Preises wegen allein turnen, — da würde sich die Turnkunst bedenklich nach der Seite neigen, wo die Gymnastik zum Berufe wird. Turnen wir, um uns vorzubereiten für den militärischen Dienst? Nicht allein. Allerdings besteht ein Theil der Aufgabe der Turnvereine darin, die Wehrbereitschaft des Volkes zu heben und vaterländische Gesinnung zu pflegen. Daß ein tüchtiger Turner den Anforderungen des militärischen Dienstes leichter genügt, ist ein Erfolg des Turnens, der hervorgehoben werden muß. Aber der Knabe, der Jüngling, später der Männerriegler, denkt doch wohl zunächst an sich, den Körper und den Geist zu stählen gegen die Kämpfe, die keinem Menschenleben versagt bleiben. Die gekräftigten, gewandten Glieder, die erworbenen guten Eigenschaften braucht der Mensch auch noch zu anderen Zwecken. Darum geht das ideale Streben der Turnerei nicht allein auf die körperliche Ausbildung, sondern auch auf die Erziehung des ganzen Menschen. Durch die freiwillig übernommene angestrengte Thätigkeit der Körperbildung, durch das Gemeinturnen wird der Sinn der Pflicht und treuer Pflichterfüllung geweckt, der Sinn für das Gemeinwohl gepflegt, edle Selbstlosigkeit, Gehorsam und Unterordnung anerzogen. Gegenseitige Achtung und Freundschaft entstehen aus dem Verkehr ohne Unterschied des Standes. Die Energie, der Muth und das Selbstvertrauen, welche erworben werden, wirken wohlthätig auf den Character, Männer, wetterfest in den Stürmen des Lebens, bereit und geschickt zur Hilfe in der Noth, voll glühender Vaterlandsliebe werden erzogen. Also ein tiefgreifendes sittliches Stück Arbeit liegt in dem, was die Turnvereine wollen und anstreben!" ** Verhalten beim Gewitter. In der jetzigen Jahreszeit halten wir es für angebracht, einige Verhaltungsmaßregeln während der Gewitter in Erinnerung zu bringen: Die mit Pflügen beschäftigte Person spanne sofort aus, wenigste ein Gewitter heranziehen sieht und treibe daS Vieh aus der Nähe des Pfluges, dessen eiserne und stählerne Bestandtheile leicht den Blitz anziehen können. Aus diesem Grunde sollen auch Mäher und Schnitter ihre Instrumente weglegen. Dann laufe man nicht schnell nach Hause, sondern langsam und auf der Mitte des Weges. Hat man Vieh oder Fuhrwerk bei sich, so gehe man etwas abseits oder hinter demselben, wenn es die Umstände erlauben. Auf keinen Fall aber halte man mit demselben unter einem Baum,- bei den meisten Fällen von Blitzschlägen spielen die Bäume eine Rolle. Darum ist es besser, bis auf die Haut naß, als untDc solchen Schutzdächern erschlagen zu werden. — Ober-Ohmen, 18. Juli. Der elfjährige Knabe einer hiesigen Wittwe bestieg gestern einen Kirschbaum, die Gefahr des Besteigens, verursacht durch starkes Regenwetter, nicht achtend. Hierbei glitt er aus, stürzte herab und fiel mit solcher Wucht kopfüber zu Boden, daß ihm der Schädel zersprang. Bewußtlos wurde der Knabe nach Hause getragen. Dle Verletzung ist eine lebensgefährliche. Das ist ! bereits der dritte schwere Unfall, der sich innerhalb acht Tagen durch das Kirschenpflücken ereignet hat. □ Vom Vogelsberg, 18. Juli. Die jetzige Wetterlage stellt sich als ein Wachswetter im vollen Sinne des Wortes dar. DaS Grummetgras, dem es Anfangs zu trocken war, wächst nun, nachdem der Boden gehörig durchfeuchtet, üppig hervor. Das Grünfutter, das durch den geringen Nachwuchs der zweiten Grasschur etwas mangelte, ist wieder reichlicher vorhanden. Die Grünfütterung erhält nun auch eine willkommene Bereicherung durch die Blätter der Hackfrüchte. Diese Hackfrüchte stehen in einer so vollkommenen Entwickelung, wie man sie nicht in allen Jahrgängen zu sehen gewohnt ist. Ein Krautmangel wie im vorigen Jahre ist ausgeschlossen. Dtckwurz wie alle Gemüsepflanzen sind schwarzfett. Dasselbe kann man von Hafer und Gerste sagen. Im Garten aber regnet es für Bohnen und Gurken bereits zu viel. Ueberhaupt ist eS des feuchten Segens nun genug,- denn „der Regen regnet jeglichen Tag." Die Kornernte wird durch das Regenwetter htnausgeschoben- bei besserem Wetter hätte man bereits mit dem Schneiden des Korns begonnen. Dessenungeachtet muß betont werden, daß der Regen, so reichlich er auch fließt, in einer günstig gelegenen Zett kommt- denn hätte die Kornernte bereits begonnen, so hätte sie Schaden erlitten. △ Mainz, 18. Juli. Die Trümmer der am Montag niedergebrannnten Heu- und Strohmagazine der hiesigen Garnisonsverwaltung rauchen noch sehr stark und ein penetranter Brandgeruch durchzieht die ganze Stadt. Ab und zu schlagen an der einen oder anderen Stelle die Hellen Flammen aus den Trümmern hervor, wodurch die durch Pioniere bethätigten Räumungsarbeiten häufig unterbrochen werden. Ueber die Höhe des entstandenen Brandschadens gehen die Ansichten sehr auseinander, doch dürfte derselbe sehr wett über 100 000 Mk. betragen. Wie verlautet, sollen die Magazine nicht mehr an derselben Stelle errichtet werden, sondern in verschiedenen Gegenden der Festung, möglichst weit getrennt von einander Aufstellung finden. — Der Riesenelefant, der bet dem verflossenen Bundesschießen als Aussichtsthurm diente, wird nächster Tage zur Ausstellung nach Antwerpen verbracht werden. Wegen dem Monstrum schweben noch eine ganze Reihe von Prozessen. Vermischtes. * Cobleuz, 18. Juli. Heute Abend 6V2 Uhr sind die Fundamentmauern eines von der Militärverwaltung zu errichtenden Fruchtmagazins zusammengestürzt und begruben drei Arbeiter unter den Trümmern. Pioniere arbeiten an der Rettung der Verunglückten. * Braunschweig, 18. Juli. Eine gestern Abend hier stattgefundene, von 3000 Personen besuchte socialistische Versammlung hat über sämmtliche hiesige Bierbrauereien den Boykott verhängt, nachdem der Letztere gegen drei Brauereien erfolglos geblieben war. * Quedlinburg, 17. Juli. Infolge eines zündenden Blitzes wurde gestern Abend der Pferdestall der 3 Escadron des Cürassier Regiments von Seydlitz, in welchem 140 Pferde standen, vollständig etngeäschert. Ein Pferd wurde vom Blitz getödtet, zwei schwer verletzt. Verbrannt sind die auf dem Bvd?n lagernden bedeutenden Stroh- und Futtervorräthe, Heu und circa 280 Centner Hafer. Sämmtliches Sattelund Zaumzeug wurde gerettet. Die Pferde wurden ins Freie gelassen und wurden bis zur hereinbrechenden Nacht 50 vermißt, welche das Wette gesucht haben. * Wien, 18. Juli. Der Hofrath a. D. Bayer aus dem Finanzministerium hat sich heute Mittag aus dem dritten Stock seines Hauses herabgestürzt und war sofort tobt. * Entführung eines Kindes. Aus Berlin wird berichtet: Wegen Entführung seines eigenen Kindes wird seit dem 4. d. M. der practische Arzt Dr. med. Max S. steckbrieflich verfolgt. Dr. S. heirathete im Jahre 1890 ein Fräulein G-- die Ehe war nicht glücklich und die junge Frau verließ bereits am 22. April 1892 ihren Gatten, um bei Verwandten Aufnahme zu finden. Im Herbste vorigen Jahres erfolgte die gerichtliche Scheidung der Eheleute und die am 23. September 1891 geborene Tochter Anna Marie wurde der Mutter zugesprochen. Der Mann gab jedoch das Kind nicht heraus. Täglich ließ er es in seiner Equipage in Begleitung zweier Frauen spazieren fahren und wachte mit Argusaugen über seinen Liebling. Erst im Januar dieses Jahres erfuhr er nun, daß ihm das Kind zwangsweise genommen werden sollte. Rasch entschlossen floh er mit seinem Töchterchen ins Auslands sein prachtvolles Haus und seine große Praxis im Stiche lassend. Der Steckbrief, den nunmehr die Staatsanwaltschaft gegen den Entführer erlassen hat, lautet: „Gegen den practtschen Arzt Dr. med. S., geboren am 7. September 1861, zuletzt hier (Berlin) wohnhaft, ist die Untersuchungshaft wegen Entführung verhängt worden. Verhaftung und Ablieferung in das nächste Justiz- gefängniß." Wie die „Börsenzeitung" erfährt, zieht die Miethe für den Grundbesitz in der X.-straß^ eine Schwester des Verfolgten ein, die sich standhaft weigert, den Aufenthalt ihres Bruders den Behörden anzugeben. * Moderne Seegespenster. Während der zunehmende Weltverkehr die alten See-Unholde, welche gelegentlich den Schiffer ängstigen, den Fliegenden Holländer, den Klabauter- man und alle ähnlichen Phantasiegebilde, vom Ocean vertrieben hat, stellten sich in neuester Zeit sehr viele Schreckgestalten auf den Hauptfahrgebieten des Atlantischen Oceans ein. Es sind dies die treibenden Wracks, deren Zahl nun schon sehr angeschwollen ist, daß die Regierung der Vereinigten Staaten Kriegsschiffe auSgesandt hat, um jene gefahrbringenden Jrrfahrer zu zerstören. Zunächst wurden die Kreuzer „San Francisco" und „Desuvius" sowie der „Kearsarge" beauftragt, besonders die an der amerikanischen Seite treibenden Wracks zu beseitigen, und neuerdings ist ein anderes Kriegsschiff ausgesandt worden, um zwischen der Küste und" West- Indien auf dieselben zu fahnden. Es steht zu hoffen, daß sich auch England an der Jagd auf die fliegenden Holländer betheiligen wird, wenigstens kann nur von einem Zusammenwirken der großen das Meer beherrschenden Staaten eine durchgreifende Abhilfe erwartet werden. Die monatlichen Lotsenkarten des Hydrographischen Amts in Washington bringen regelmäßig Mitteilungen über die Positionen, in denen Wracks auf dem Ocean angetroffen wurden. Diese Notizen sind von besonderem Werthe für den Seefahrer, indem sie wenigstens ungefähr die Gegenden angeben, in denen sich herrenlose Schiffskörper zur Zeit umhertreiben. Manche der letzteren machen höchst merkwürdige und lang andauernde Irrfahrten durch die Oceane. So ist besonders das Wrack des Schuners "Fauni E- Woolston" durch sein Umhertreiben im Atlantischen Ocean berüchtigt. Das Schiff wurde nördlich vom Cap Hatteras im October 1891 von der Mannschaft verlassen, weil Feuer an Bord ausgebrochen war. Das Wrack trieb aber munter ostwärts bis Mitte Juni 1892, wo es in 35 Grad nördl. Breite und 38 J/2 Grad westl. Länge gesehen wurde. Dann begann es eine Reihe von Zickzackfahrten und bewegte sich im Ganzen südwärts bis zum April 1893, worauf es nach Westen umbog und am 30. October südwestlich von den Bermuda-Inseln gesehen wurde. Seitdem hörte man geraume Zeit nichts mehr davon, aber am 12. Mai d.J. wurde es abermals gesehen in 33 Grad nördl. Brette und 73 Grad 41' westl. Länge. Man schätzt die Entfernung, welches dieses Wrack während der letzten 2V3 Jahre treibend durchmessen hat, auf mehr als 7000 Seemeilen. Ein am 13. März 1891 bei Cap Hatteras verlaffenes Schiff, der „Wyer G. Sargent", hat sich mit einer werthvollen Ladung Mahagoniholz bis zum December 1892 umhergetrieben und mindestens 5500 Meilen zurückgelegt. Versuche, das Wrack zu finden und hetmzuschleppen, sind jedoch fehlgeschlagen. Tne meisten Wracks waren, wie die statistischen Erhebungen ergeben, mit Holz beladen, und die Dauer ihres Umher- treibeus auf dem Ocean überhaupt ist durchschnittlich 30 Tage, jahrelanges Umherirren gehört also zu den Ausnahmen. Die Schwierigkeit, solche Wracks zu beseitigen, ist übrigens picht gering. Technische Fortschritte. — Das Reinigen von MaschinentheUen von Schmutz, verdickten, klebrigen Oelen usw. wird, wenn Terpentinöl nicht aus- retcht, durch folgende Lösung gut und schnell erreicht. In ein Liter Waffer bringe man 180 Gramm Soda oder 15 Gramm Aetznatron und koche dann die Lösung. V-.rptchte kleine Maschinentbetle legt man dann in das Gesäh und läßt sie entweder 2 bis 3 Minuten mitkochen oder 5 Minuten darin liegen. Alles verdickte Oel, Pech wird dadurch vollständig gelöst. Dre Maschinentheile müffen dann abgespült und abgetrocknet werden. - AnSbrüterr von Hühnereier« mit Hilf- der «lee- trietüt. Die Electricität, diese Tausendkünstiertn, bringt für die Geflügelzucht ein lohnendes Kunststück zu Stande. Wie dem „L. Tgbl." aus Pirna berichtet wird, hat eine Neuheit ganz besonderer Art zur Z it die Petrich'fche Mühle.zu Elbersdorf aufzuweisen, indem dort- ielbst der von Erfolg begleitete Versuch gemacht worden ist, die Electricität zum Ausbrüten von Eiern in Anwendung zu nehmen. Die Eier sind in dem sinnreich construtrten Brutapparat, der von den Töchtern des Mühlenbesttzers bedient wird, der electrtschen Einwirkung mit einer beständigen Wärmestärke von 28 bis 32® C. auS- aesetzt. In dem Bruttapparat befinden sich gegenwärtig auch Rebhuhneier. Literatur und Auirst. — Katechismus der Trigonometrie von Franz Bendt. Mit 42 in den Text gedruckten Abbildungen. Zweite, erweiterte Auflage. In Original-Leinenband 1.80 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Das mit größter Klarheit und Verständlichkeit verfaßte Merkchen eignet sich zum Selbststudium und ist für Leser bestimmt, die sich für einen practischen Zweck mit den Lehren der Trigonometrie vertraut^machen wollen. I — Erinnerungen einer Schwiegermutter. So betitelt stch der neueste Roman, der soeben in »EngelhornS Allgemeiner Romaubibliothek^ in Stuttgart erschienen ist. Wir haben selten eine so ersrischenb humoristische Erzählung gelesen, die mit lustiger Laune und feinem Spott die Schwiegermutter perfiflirt, ohne indesien in den Ton einer groben Witzhascherei zu verfallen. Indem der Autor, der rühmlichst bekannte englische Schriftsteller George R. Sims, eine Schwiegermutter selbst ihre Erlebnisse erzählen läßt, erkennt man leicht, daß im Wesentlichen unsere ssocialen Verhältniffe daran schuld sind, daß die Schwiegermütter nicht ihrem vollen Werthe nach gewürdigt werden und daß ihre besten Absichten verkannt werden. | Der Humor, der in dieser amüsanten Erzählung zur vollen Geltung i gelangt, ift so fascinirend, daß sich jeder Leser, und wäre er auch der schlimmste Hypochonder, demselben auf Gnade und Ungnade ■ ergeben muß. Die vortreffliche Uebertragung ins Deutsche von F. Mangold liest stch wie im Original. Schrffsnachrichten. Hamburg, 18. Juli. sHamburg-Amerikanische Packetfahrt- ' Actien-Gesellschaft. Neueste Nachrichten über die Bewegungen der Dampfer der Hamburg - Amerika - Linie. Dampfer „Virginia", , von Newyork nach Stettin zurückkehrend, ist am 17. Juli, 4Vr Uhr Nachmittags, Butt of Lewis pafsirt. Postdampfer „Helvetia" ist am 17. Juli, 7 Uhr Abends, von St. Thomas via Havre in Hamburg angekommen. Doppelschrauben - Schnelldampfer „Augusta Victoria" ist am 17. Juli Morgens in Näs angekommen. Post- dampfer „Steinböft" ist am 17. Juli von Tampico in Neworleans angekommen. Postdampfer „Moravia", von Newyork nach Hamburg zurückkehrend, ist am 18. Juli, 3 Uhr Morgens, Lizard passirt. , Postdampfer „Thuringia", von St. Thomas via Havre nach Hamburg 'zurückkehrend, ist am 18. Juli, 5 Uhr Morgens, Lizard . passirt. 1 Verkehr, Catiö» r»nd Volkrwirthschaft. Limburg, 18. Juli. Fruchtmarkt. Rother Weizen 12.05, weißer Weizen X 12.00, Korn X 10.10, Gerste JL 7.60, Hafer 7.80. Temperatur der Lahn und der Luft u«ch Rmumur gemessen am 19. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Waffer 14, Lust 14°. Rübsamen'sche Badeanstalt. Sommerstoffe ä Mk. —.75 Pfg. per Meter in garantirt ächtfarbigen Waschstoffen versenden in einzelnen Metern direct an Jedermann. Erstes Deutsches Tuchversandtgeschäft Oettinger & Co., Frankfurt a. 91., Fabrik-Depdt. Modernste Muster bereitwilltgst fianco. 936 1200 deutsche Professoren und Aerzte haben Apotheker A.Flügge'S K* Myrrhen- Creme "ML «prüft, sich in 1'/,jährlgcn eingehenden Versuchen von deffen ciuhergcwöhnllchcr Wirk- samkelt überzeugt und selbigen daher warm empfohlen. Derselbe ist unter No. 63 692 In Deutschland patent > rt und hat sich als überaus rasch, sicher wirkende und dabei absolut unschädliche —=™ Wund heil salbe bet Verbrennungen, Verbrühungen, starker Schweissbildung, (Wund- scin) und sonstigen Hautverletzungen, sowie Hautleiden, Geschwüren k. durch seine hervorragend antiseptischen, neubildcnden und heilenden Eigenschaften vorzüglich bewährt. Flügge & Co. in Frankfurt a. M. versenden die 88 Sellen starkc Broschüre mit den ärztlichen Zeugnissen gratis und franko. Apotheker «.Flügge's Myrrhen-CrSme, welcher von vielen Acrzten allen anderen Mitteln vorgezogen wird, ist In Tuben L Mk. 1.— in den Apotheken erhältlich, doch genügt für geringes Wundseln, kleinere Bcrletzuugen k. die Tube zu bv Psg. Die Verpackung muh die Patentnumnor 63592 tragen. Myrrhen-Cröme ist der patenttrte ölige Auszug deS Myrrhenharzes. [5653] Bekanntmachung. Arbeitsvergebung Mi« linier Schulh.uft August Holl, Heut, lind morgen: [6021 ,u Oberbessingen erforderlichenArbeiten in der Schillerstraße sind anderweit Telephon 102. Bahnhofstraße 51. veranschlagt zu nämlich: JL 2376 6002] u 126 Gnau th. 5978 5963 Renting. 6001] ■ wird im Mam-Weser-Bahnhof dahier [6005 486 128 259 1348 179 66 // n bei 6016] Listmann, Bezirksbauaufseher. Listmann. Bezirksbauaufseher. Robert Stuhl, Neustadt 23. bei 6014 Robert Stuhl, Neustadt 23. Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden um Veröffentlichung dieser Versteigerung ersucht. Gießen, den 16. Juli 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ^fremden Reffet per Pfund JL 1.70 w fetzt an OuelitÄt weibe rtrofteu. Wer einmal probtrt, bleibt Set* Abnehmer. vorrälhlg in Carl Lchwaab'» DeUratekeuhdl*. Bekanntmachung. Montag den 23. Juli er., Nachmittags 5 Uhr dieser Schutzmarke. in Blechdosen ä 20 und 10 Pf. Soeben erschien: Adressbuch d. deutsch. Zeitschriften und der hervorr. polit. Versteigerung. Freitag, den 20. Juli l. I., Nachmittags Uhr, werden in dem Laden Seltersweg 46 (Wiener Feinbäckerei) gegen Baarzahlung versteigert: 1 Ladeneinrichtung bestehend aus 1 großen Ladenschrank mit Glas- thüren und Untersatz mit Schieb- kästen, 1 Marmortheke, 1 zweith. Theke, 1 Marmorgestell mit Spiegel, 1 vollständige Eiseinrichtung (Eis- conservator, Eismaschine, Eisformen, Eisaustragkasten), Glaskörbchen, Gon« fcctschaalen, Bonbongläser, AuStrag- kasten, an Möbeln: 2 Sophas, 2 große Spiegel, 1 Marmor- tischchen, 1 Mahagonispieltisch, 9 Stühle, 2 vollftänd. fast n eue Feldbetten, 1 Verticow, 1 Blumenständer, 1 gr. Teppich, 1 Comptoirstuhl, Bilder, 1 Regulator u. v. a. Ferner: 1 Wasserleitungsein- richtuug, Ahornbackmulde, 1 Mehl- kästen (zum Auseinandernehmen), eis. Backgestelle, 6 Backdielen, 2 Ladenleckern, 1 gußeiserne Platte, 1 Lebkuchenbreche, verschiedene Conditorei- fonnen, 2 kupferne Kessel, Backformen, ollen durch schriftliches Angebot vergeben werden. Interessenten wollen ihre Forderungen längstens bis zum 27. d. M., Nachmittags 2 Uhr an Großh. Bürgermeisterei Oberbessingen, bei welcher Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen gelegt sind, einreichen. Die Arbeiten sind veranschlagt: 1. Weißbinderarbeiten Mk. 350,50, 2. Schlofferarbeiten Mk. 24,00, 3. Schreinerarbeiten Mk. 274,02. Hungen, 18. Juli 1894. Aeikgeöolenes. Neue Grünekerne Bekanntmachung. Dienstag, 24. Juli d. Js., Vormittags 10 Uhr, sollen im Saale des alten Rathhauses nachfolgende im Gießener Stadtwald erforderliche Graben- und Wegbauarbeiten öffentlich vergeben werden, tn der Hirschapotbeke, in der Pelikanapotheke u. in der Engel« UniversttätSapothekr, sowie in den Drogerien von Benner «. Krumm, von Emil Fischbach, von Otto Schaaf und von A. u. G. Wallenfels. 4424 dicalen Beseitigung • -----------------—----- der Hühneraugen, i 5819] Gut erhaltener großer Herd zu Käuflich in der verkaufen, eventl. gegen kleineren zu dct* Adler • Drogerie, Selteraweg 39. tauschen- Näheres bei Carl Wetdig. Schweinefleisch, nicht ladenrein, per Pfd. 48 Pfg. Unübertroffen! als Schönheitsmittel u. zur Hautpflege, zur Bedeckung von Wunden u. In der Kinderstube Lanolin Tc°^ea“e" Lanolin der.Lanoflnfabrlk, Martlnikenfelde bei Berlin. Heute und morgen: Ochsensteisch, nicht ladenrein, per Pfd. 54 Pfg- Glas, Porzellan u. a. m. . Die Versteigerung findet be- — -----------—------------ ~ stimmt statt. I eine Grube Dünger meistbietend 5977] Geißler, 1 öffentlich versteigert. Großh. Gerichtsvollzieher. Königl. Eisenbahn-Station Arbeitsvergebung. Donnerstag den 26. ds. M, Vormittags VaU Uhr, sollen auf Großherzogl. Bürgermeisterei Muschenheim nachstehende zur Herstellung des Schulhauses erforderlichen Arbeiten durch mündliches Abgebot vergeben werden. 1. Weißbinderarbeiten veranschlagt zu Mk. 111,80 2. Spenglerarbeiten veranschlagt zu Mk. 72,45 Hungen, am 18. Juli 1894. 1. Lieferung v. Basaltsteinen 2. „ „ Basaltkleinschlag 3. Aufsetzen von Steinen 4. Planirarbeit 5. Chaussirarbeit 6. Ueberdeckenvonversteinten Sjxecken mit Sand 7. Herrichtung 2erDurchläffe 8. Herstellung u. Auffrischen von Graben Tagesblätter 35. Jahrg. 1894. gr. 8«. | 370 8. In Leinen geb. 4 M. baar. „Unbedingt weitaus das beste aller ! ähnlichen Werke.“ [Börsenblatt für den * . * a J , 1 Deutschen Buchhandel.] roh und gebrannt, in neuen Sortimenten, } — nur gute Qualitäten empfiehlt 5729 Emil Elschbach. Neues Gründern empfiehlt 6Q13 L. Kalkhof. Neue holl. Pollhärtnge, Sardellen, Rollmöpse empfiehlt [5998] Carl Petri. Neue holl. Dollheringe, Neue marinirte Heringe empfehlen billigst [5986 A. fit G. Wallenfels, 21 Mattiplatz 21. Expedition des Zeitschriften- Adressbuchs in Leipzig-R. Verlag von EmU Roth in Gietzen. Vorräthig i« allen Buchhandlungen. Kurs Gleiberg. Ein Führer für Fremde und Einheimische. (Zum Besten der Baukafse.) Preis 50 Pfg. Kl 8°. Mit vielen , Illustrationen, Situattons» Plänen u. einer OrientierungStafel. zyürstenanSgabe in Farbendruck auf holländischem Büttenpapier tnSaffian« etnband mit Goldschnitt Mk. 5.— Die Schrift enthält auf 80 Seiten eine erschöpfende historische und topographische Schilderung der mächtigen alten Burg, dieser herrlichen Zierde des Lahnthals, Mitteilungen über die dankenswerthen neueren Bestrebungen zur Erhaltung und Verschönerung der Burgräume und eine Fülle von woblgetroffenen Ansichten der i verschiedenen Teile der Burg und bildet so eine wertvolle freundliche Erinnerung an die jedem Freunde des Lahnthals un- ! vergeßliche Burg. Große Schellfische re. jeden Mittwoch und Donnerstag zu billigem Tagespreis 5952 im Rebstock. Garantirt frische Maare.___ Knorr s Hafergrütze und Hafermehl Nur ächt mit Zu haben in Zinntuben k 40 Pf. Gebt. Kaffee vorzüglich von Qualität bei Robert Stuhl, 6015]_____________Neustadt 23.__________ Heine Toilette Seifen, la. weiße und gelbe Kernseife, Teigseife Lchmierseife, Waschpulver, Waschcrystall, Stärke, Bläue und sonstige Zuthai en »nm Waschen empfiehlt zu billigsten Preisen 6000 Carl Petri. Bestellungen auf Stachelbeeren werden entgegengenommen Mäusburg 7 im Laden. Fchte türk. Zwetschen, Amerik. Apfelspalten, empfiehlt billigst 5002 Robert Stuhl, Neustadt 23. 6012] Ein sprechender buntgefiederter Papagei zu verkaufen. Hetz, Lahnstratze 5. Grossartiger Erfolg! Waamuths Hühneraugen- Ringe In der Uhr 8M7 Preis 1 Mark angenehmstes und bestes Mittel zur ra- Pa. Speise - Kartoffeln (Frührofa) !»635 per Malter 7 Mk., das Mätzchen 15 Pfg., empfiehlt CH. Nebe, Zozelsgaffe 9. Thee, Cacao, Chocolade empfiehlt [5999] Carl Petri. zu vermiethen. Näheres über Bedingungen und Preis ist bei der Bürgermeisterei — Zimmer Nr. 15 — zu erfahren. Gießen, 10. Juli 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 5805 VergehungvonSchreiner- und Maurerarbeit. In der zum Gymnasium dahier gehörigen Turnhalle soll ein neuer Fußbodenbelag aus imprägnirten in Asphalt verlegten Buchenriemen auf Betonunterlage und außerdem eine neue Wandvertäfelung ausgeführt werden. Der Fußboden mißt 235,— qm, Die Wandvertäfelung 97,— qm. An Beton kommen zur Verwendung ca. 28 cbm. Die Unterlagen für die Offerten sind im Amtslokal unterzeichneter Behörde einzusehen. Submissionstermin: Dienstag den 31. Juli d.J., Vormittags 11 Uhr. Zuschlagsfrist: zehn Tage. Beendigung der Ausführungen ist auf den 13. September d. I. festgesetzt. Gießen, den 17. Juli 1894. Großh. Kreisbauamt Gießen. I Tüssbodenanstricfie Otto Schaaf. 4916 5 Uhr, statt. 5992 neuester Bauart mit Eisen- oder Eiohen- holzbiet sind verbreitet in 10000 Exempl. p Das Local - ComitA 5967 •aS per sofort zu vermtethen. 3027 vermtethen. M. Michel 6538] LogiS, Götheftraße, 4 Zimmer —— -u verm. per Öct. beziehbar. L. Huh«. Kedacttonr Ä. Scheyda. — Druck ex* Verla« der Brühl'schm Druckerei (Fr. «hr. Ptetsch) to Gießen. Der Wirthschafts-Ausschuß. I. V.: L. Petri II. 99 5588] zu vermiethen. Heinrich Kiefer, Neuenweg 32. 5678] Wohnung 'm 2. Stock, siebe« Zimmer mit allem Zubehör, sowie Mansardenwohnung, 5—6 Zimmer vom 1. Oct. ab zu vermiethen. Rechtsanwalt vr. Jung, Babnbofstr. 44. Dauerhafteste Del- und Lack-Farben, Vorzügliche Fussbodenlacke, beste Parquetbodenwichse empfiehlt die Adler-Drogerie Seltersweg 39 Die Mitglieder des oberhess. Bienenzüchtervereins/ sowie die Inhaber eines Looses haben gegen Vorzeigung ihrer Legitimationskarten freien Eintritt. Eintrittskarten a 30 Pfg. sowie Loose sind, soweit der Vor- rath reicht, an der Kasse zu haben. 6003 ®