Nr. 245 Erstes Blatt. Freitag den I^October 1894 Der Hi,Heuer Anzeiger .’tfdjrint täglich, mit Ausnahme deS Montag». Die Gießener AamtktenvtLIIer werden bon Anzeiger wüchmtlich dreimal tzeigelrgt. Gießener Anzeiger Generat-Mnzeiger. vierteljähriger Av»nne»entsprei«r 8 Mark 20 Pfg. mit vringerloh». Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pjg. Redaction, Expedition und Druckerei: -chutstratze Zlr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für bei» "Kreis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamilienblätter. Alle Annonccn-Blireaux de« In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthums. Der Turnverein zu Hungen beabsichtigt, um die Vittel zum Bau einer eigenen Turnhalle zu gewinnen, eine «erloosung von Ausstattung»-, LandwirthschaftS-, Haus, und Gebrauchs-Gegenständen zu veranstalten. Seitens des Großh. Ministeriums desJnnern und der Justiz ist die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Der- loosung durch Entschließung vom 9. October d. I. unter der Bedingung ertheilt worden, daß nicht mehr als 10000 Loose zu 1 Mk. da» Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Gleichzeitig ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen gestattet worden. Gießen, am 15. October 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern.__________________ Deutsches Reich. nn. Darmstadt, 17. October. Die Abreise Kaiser Wilhelms von Darmstadt nach Wiesbaden erfolgte heute Nachmittag um 3 Uhr vom Main-Neckarbahnhof aus. Wie bet der Ankunft des Kaisers am Montag Morgen, so hatte sich auch heute ein nach Tausenden zählendes Publikum am Bahn- Hof und in den Straßen eingefunden, um den Kaiser noch- mals zu begrüßen. Punkt 3 Uhr fuhr der Kaiser mit dem Großherzog, beide in grauen Militärmänteln und Helm, im offenen zweispännigen Wagen zum Bahnhof, mit brausenden Hochrufen und Tücherschwenken begrüßt. Zur Verabschiedung vom Kaiser hatten sich noch im Bahnhof eingefunden Prinz Wilhelm von Hessen, Prinz zu Holstein, Graf und Gräfin Dönhoff, sowie ein distinguirtes Publikum. Nachdem sich der Kaiser von dem Großherzog, sowie von dem Prinzen Wilhelm und den anderen Herrschaften auf das herzlichste verabschiedet hatte, bestieg er den Salonwagen, worauf sich der Zug, der den Kaiser nach Wiesbaden führte, unter tausendstimmigem Hoch des Publikum« in Bewegung setzte. Zahlreiche Ordensverleihungen haben aus Anlaß der Anwesenheit deS Kaisers stattgesunden. Es erhielten Cabinetsrath Römheld den Kronenorden 2. Klasse, Excellenz General Wernher den Rothen Adlerorden 3. Klaffe, Oberbürger, meister Morneweg den Preußischen Kronenorden 3. Klasse, Polizetrath Fey den Rothen Adlerorden 4. Klaffe, ferner die Hauptleute v. Cleve und Werner vom 115. Regiment und Rittmeister v. Gelder und v. Normann den Rothen Adler- orden 4. Klaffe. Mit hohen preußischen Orden wurden ferner noch ausgezeichnet: Staatsmiuister Finger, Graf Dönhoff, preuß. Gesandter, Oberhosmarschall von Westerweller, Freiherr v. Riedesel, Oberceremonienmeister von Werner, Kammerherr von Bellersheim und von Frankenberg- LudwtgSdorff. Seine Königl. Hoheit der Großherzog verlieh dem Grasen Dönhoff das Großkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen und dem Secretär der preußischen Gesandtschaft Hofrath Kannengießer das Ritterkreuz 1. Klaffe demselben Ordens. Der frühere Präsident der Krieger- kammeradschaft Hassia, Oberst Gerlach, wurde zum General befördert. Berlin, 18. October. Die bekannte SensationS- affaire deSKanzlerSLeist vonKamerun hat soeben ihren gerichtlichen Abschluß gefunden. Am DienStag stand Leist vor der kaiserlichen Dtscipltnarkammer zu Potsdam, angeklagt der Ueberschreitung seiner Amtsbefugniffe und eines unwürdigen Betragens innerhalb wie außerhalb seines bis- herigen Amtes. Die Anklage wirst Leist die bekannten Aus- schreitungen — Durchpeilschung der völlig entblößten Dahomey- Weiber und Benutzung der sogenannten „Pfandweiber", nicht nur zu Nationaltänzen, sondern auch zu unsittlichen Handlungen — vor, und bezeichnet diese Vorgänge als die directe Ursache des Ausstandes der Dahomey Soldaten. Weiter wird dem Angeklagten vorgeworfen, durch sein Verhalten das Ansehen und die Würde des Reiches geschädigt und die größte Erbitterung gegen Deutschland an der afrikanischen Westküste erzeugt zu haben. Nachdem diese Anklagen vom Geheimen LegationSrath v. Rosen, von Dr. v. Dierksen und von Dr. Vallentin näher ausgeführt worden waren, nahm Leist da« Wort zu seiner persönlichen Dertheidtgung, wobei er die einzelnen Anklagepunkte möglichst zu entkräften suchte,- immerhin mußte er seinen unsittlichen Umgang mit den „Pfand- roetbern" zugeben. Hierauf hielt noch der Vertheidiger Leisis, Rechtsanwalt Müseler, sein Plaidoyer zu Gunsten deS Beklagten, alsdann sprach der Gerichtshof nach kurzer Berathuug das Urtheil auS. Daffelbe erkennt auf Freisprechung von der Anklage, Leist habe durch sein Verhalten die Empörung in Kamerun direct verursacht, dagegen findet daS Urtheil den Angeklagten der Ueberschreitung seiner AmtSbefugniffe — wovon jedoch die Auspeitschung der Dahomeyweiber ausgenommen wird — unsittlicher Handlungen und Dienstvergehen für schuldig und verurtheilt ihn zur Versetzung in ein anderes Amt mit Verminderung seines Einkommens um ein Fünftel. — Leist ist also noch glimpflich genug weggekommen, er hätte für sein schimpfliches Verhalten recht gut die Strafe der Dienstentlassung verdient. Hoffentlich wird aber die deutsche Colontalverwaltung auS dem nun abgeschlossenen „Falle Leist" die Lehre ziehen, künftighin die zu einem größeren Colontalposten auserfehenen Beamten namentlich auch nach der Sette .ihrer moralischen Qualification hin einer schärferen Prüfung zu unterziehen. — In der ReichShauptstadt tobt der „Bierkrieg" seit dem definitiven Scheitern der Einigungsverhandlungen zwischen den beiden Parteien mit neuer Wuth weiter. In 27 von den Socialdemokraten einberufenen Volksversammlungen wurde am DienStag Abend beschlossen, den Boycott gegen die Brauereien mit allem Nachdruck weiter zu führen und die Berliner Arbeiter aufzufordern, bis zur völligen Beendigung deS BoycottS keine Festlichkeiten in den gesperrten Sälen zu veranstalten. Anderseits ist aber auch von den vereinigten Brauereien und Saalbesitzern beschlossen worden, den Kampf gegen die Soetaldemokrarte fortzusetzen, außerdem soll die Saalsperre aufrecht erhalten bleiben und schließlich an die ganze Berliner Bürgerschaft ein Appell um materielle wie moralische Hilfe gerichtet werden. Berlin, 17. October. Die Hopsen- und Gerste- auSstelluug ist heute im Beisein zahlreicher Betheiligten auS allen Thetlen des Reiches und Oesterreich-Ungarns eröffnet worden. Die Ausstellung wurde von 291 Gerste- und Hopfenbauern und 25 Industriellen besucht. Die meisten Preise in Gerste erhielt Schlesien, in Hopfen Bayern und die Provinz Posen. Ausland. — Das Ergebnis; der am vergangenen Sonntag voll- zogenen belgischen Parlamentswahlen steht endlich fest. Es sind in die neue Deputirjenkammcr gewählt 77 Clericale, 7 Liberale und Radicale und 12 Sozialisten, während 56 Stichwahlen vorzunehmen sind, bei denen die Sozialisten zweifellos noch eine weitere Reihe von Mandaten erringen werden. Im Senat werden, abgesehen von 9 noch vorzunehmenden Stichwahlen, voraussichtlich 54 Clericale und 23 Liberale sitzen. Das hervorstechendste Charakteristikum der belgischen Wahlen ist also der Sieg der Sozialdemokraten, Dank dem neuen Wahlgesetz. Sie, die bisher noch überhaupt kein Mandat zur belgischen Volksvertretung besaßen, werden nunmehr in dieselbe gleich mindestens 25 Mann stark ein- ztehen, die verschiedenen Gruppen des Liberalismus, der ja die Kosten des Wahlsieges der Rothen fast ausschließlich bestreiten muß, zusammen werden nur wenig Mann mehr zählen. Der belgische Liberalismus hat demnach eine Niederlage erhalten, an der er noch lange, lange zu kauen haben wird. Mit einem blauen Auge sind die Clericalen davongekommen, da sie in beiden Häusern des Parlaments auch fernerhin über die Mehrheit verfügen werden, freilich kann dieselbe schon bei den nächsten Wahlen in die Brüche gehen. Unter den bevorstehenden Stichwahlen beanspruchen diejenigen in Brüssel das meiste Jntereffe. Hier stehen den 18 clericalen Candidaten 18 liberale und radikale Candidaten entgegen, die Sozialdemokraten geben den Ausschlag. Der Generalrath der Arbeiterpartei hat die Parteigenossen aufgefordert, bei Stichwahlen zwischen Candidaten^ der anderen Parteien für diejenigen Candidaten zu stimmen, welche sich schriftlich verpflichten, für das uneingeschränkte allgemeine Stimmrecht bei Communal- und Provinzialrathswahlen zu stimmen, aber gegen Schutzzölle zu votiren. — In Ungarn hat jetzt das Abgeordnetenhaus Stellung zu den kirchenpolitischen Entscheidungen des Oberhauses zu nehmen. Die liberale Partei des Abgeordnetenhauses beschloß, für die unveränderte Aufrechterhaltung der Gesetzentwürfe über die freie Religionsübung und die Juden- Rcception einzutreten. Dem Gesetzentwürfe über die Reli- * gion der Kinder will die Partei zwar in der neuen Fassung ! deS Oberhauses zustimmen, aber nur unter der Voraussetzung, daß in dem Gesetzentwürfe, betr. die freie Religionsübung, die vom Oberhause ausgemerzten Bestimmungen deS Gesetzentwurfes über die Religion der Kinder durch einen neuen Paragraphen wieder Aufnahme finden. — In der Dienstagssitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses legte Minister Dr. v. Plener den neuen Staats- Voranschlag vor und gab hierbei ein längeres finanz- und steuerpolitisches Exposü, daS vom Hause mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. Ikucftc Ha^ricWcn. Wolff» telegraphische» Correspondmz-Burem». Berlin, 18. October. DaS Petersburger NordbÜreau meldet: Der Zustand des Kaisers hat sich merklich ver- schlimmert, die allgemeine Schwäche (Herzschwäche) hat zugenommen. Potsdam, 17. October. Anläßlich des Eintreffens de« serbischen Königs war der Bahnhof festlich geschmückt. Zum Empfange waren der Kaiser, die Prinzen und fürst- lichen Gäste, der StaatSsecretär Marschall, der KrtegSminifter und die Generalität anwesend. Um 7 Uhr traf der König ein. Der Kaiser ging ihm entgegen und begrüßte ihn herzlichst. Nach der Vorstellung der Gefolge und Abschreiten der Ehrencompagnie fuhren der Kaiser und der König unter einer Escorte der Garde du CorpS nach dem Stadtschloß. Später sand eine Galatafel im neuen Palais statt. Potsdam, 17. October. Bei der Galatafel erhob fich der Kaiser und sagte: „Ich trinke auf das Wohl Seiner Majestät des Königs von Serbien!" Der König erwiderte sofort in deutscher Sprache, er danke für den Empfang und Toast, brachte ein Hoch auf den Kaiser und die Kaiserfamilie aus und schloß mit dem Wunsch, daß sich die sreundschaft- lichen Beziehungen zwischen Deutschland und Serbien immer mehr festigen möchten. Nach dem Festmahl sand Kaffee und Cercle im Muschelsaal statt. München, 17. October. Die „Neuesten Nachrichten" melden aus Nürnberg: Der Magistrat beschloß die Schließung des socialistischen Mädchen- und Frauenbildungsvereins. Pari», 17. October. Casimir-Perier übersandte dem Institut Pasteur 5000 Franken zum Zwecke der Verbreitung des Diphtherie-Heilserums. Dcveschcn bet Outenu Berlin, 17. October. Die „Post" bestätigt die Nachricht, daß eine Sitzung des Staatsministeriums noch in dieser Woche stattfindet. Berlin, 17. October. In der Königlichen M u n 111 o n 0 • fabrit zu Spandau hat eine Lohn Herabsetzung statt- gesunden. Die Arbeiter wollen deswegen beim KriegS- ministerium vorstellig werden. Berlin, 17. October. Soeben begann im Zeughause unter großem militärischem Pomp die Nagelung der 132 Fahnen. Die Straßen und Plätze, die die allerhöchsten und höchsten Herrschaften passtren, sind von einer dichten Menschenmenge besetzt. Das Wetter ist klar. Die königlichen Gebäude haben geflaggt. Berlin, 17. October. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des mit Wahrnehmung der Geschäfte der Intendantur des Königlichen Theaters zu Wiesbaden betrauten Rittmeisters L la suite deS Garde-Kürassier-Regiments Georg von Hülsen zum Intendanten dieses Theaters und die Verleihung der Kammerherruwürde an denselben. Berlin, 17. October. Dem BundeSrath ist ein Entwurf von Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz betr. den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege, zur Beschlußfassung vorgelegt werden- ferner sind ihm folgende Theile de« Retchs^auShaltS-EtatS für 1895/96 zu- gegangen: Etat über den allgemeinen Pensionsfonds, Etat über den ReichS'Jnv.AtdenfondS, Etat der Reich« - Post-und Telegraphenverwaltung, Etat für die Verwaltung der Eisenbahnen. Berlin, 17. October. Die „B. N. N." melden: Zu den jetzt vorhandenen acht Cadetten-An st alten wird etwa in zwei Jahren eine neunte, in Naumburg a. S. zu erbauende Cadetten-Austalt treten. Die Intendantur in Magdeburg beschäftigt sich bereit« mit den Vorarbeiten für diesen Neubau. Köln, 17. October. Die „Köln. VolkSztg." schreibt in ihrer heutigen Abendausgabe: „Zur Kennzeichnung der gegen- »artigen Lage dürste ein Gerücht beitragen, welche« in sonst gut unterrichteten Kreisen umläuft, daß nämlich der Reichskanzler in der jüngsten StaatSministeriumS-Sitzung ange- kündigt habe, er werde feine Entlastung nachsuchen, falls er vom Staatsministerium überstimmt werde. Sollte er wirklich I diese Aeußerung gethan haben, wa« bezweifelt wird, so kann eS schon heute als feststehend bezeichnet werden, daß dem Gesuch keine Folge gegeben wird, da der Kaiser, gutem Vernehmen nach, nicht gewillt ist, sich aus solchem Anlaß vom Reichskanzler zu trennen." Brüffel, 17. October. Der französische Socialisten- sührer JuleS Guesde erklärte heute, er sei nach Belgien gekommen, um die belgischen Socialisten zu beglückwünschen und mit ihnen über die Grundlagen für die internationale focialistische Vereinigung zu berathen, damit in allen Ländern gleichzeitig dieselben Reformen von den Socialisten beantragt werden. Durch die Actionseinheit werde in absehbarer Zeit in Europa der große Tag der internationalen Revolution herbeigesührt. Dieser Vereinigung würden 30 belgische, 12 italienische, 50 französische, 40 deutsche, mehrere englische, spanische und dänische Parlamentsmitglieder angehören. Ueber die Stichwahlen äußerte Guesde, die Soctalisten müßten am nächsten Sonntag die Clerikalen stürzen, damit im Parlament eine Reaction gegen die Socialisten unmöglich werde. Für das Industrieland Belgien sei der Tag nicht fern, wo die Socialisten in der Kammer die Majorität haben werden und der König abdanken müßte. — Die Liberalen haben beschlossen, die Bedingungen der Socialisten abzulehnen, welche die letzteren stellten, um am nächsten Sonntag für die Liberalen zu stimmen. Pari«, 17. October. Der Präsident der Republik hat den Prinzen Wladimir gestern Nachmittag in langer Audienz empfangen. Die Unterredung war eine herzliche. Cafimir-Perier wird heute dem Großsütsten seinen Besuch abstatten. Paris, 17. October. Die Großfürsten Wladimir und Alexis sagten infolge der ungünstigen Nachrichten über den Gesundheitszustand des Czaren alle officiellen Einladungen ab. Loudon, 17. October. Der Secretär der chinesischen Botschaft erklärt, daß sich durch die Haltung der Chinesen die Gerüchte von schwebenden Friedensverhandlunge.n von selbst dementiren. Loudon, 17. October. Die schottischen Gruben- besitz er haben einen Verein gebildet, um den Forderungen der Arbeiter zu widerstehen- gleichzeitig wurde eine Kasse mit 2 Millionen Lstr. gegründet, um diejenigen von ihnen zu unterstützen, welche eher den Betrieb ihrer Grube einstellen, als sich den Forderungen der Arbeiter fügen. Petersburg, 17. October. Vorletzte Nacht wurden 30 Studenten in ihren Wohnungen verhaftet, weil sie einem nihilistischen Geheimbunde »ngehören. Cocatcs unb Hrsvinzlevc- Gießen, den 18. October 1884. ** Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am 17. October u. A. den Kretsamtmann und Beremigungs-Commissar für Oberhessen Göttelmann aus Friedberg. ** Erlaubuiß zum Tragen fremder Orden. Seine König- ltche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen folgender von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Ordensauszeichnungen zu er- theilen: 1) des Rothen Adlerordens 2. Klasse: dem Ches des Großh. Hofmarstalls, Oberstallmeister und Kammerherrn, Major a. D. Moritz Riedesel Fretherrn zu Eisenbach. 2) des Rothen Adlerordens 4. Klasse: dem Hofkamerrath Friedrich Neßling, 3) der Medaille zum Rothen Adlerorden: dem Hofstallfouragemeister Georg Friedmann, Leibkurscher Christian Schneider, Hofwagenmeister Heinrich Kircher. 4) der Medaille zum Kronenorden: den Hofkutschern Karl Schneider II., Andreas Effler, Peter Götz und Georg Gerst. •* Von der Universität. Geh. Hofrath Prof. Dr. Oncken überreichte heute in Berlin dem Reichstagsbaumeister Paul Wallot das demselben von der philosophischen Facultät der Landesuniversität verliehene Ehren-Doctor-Diplom. Das Diplom ist elegant ausgestattet, auf Pergament gedruckt und mit silberner Kapsel versehen. ** Denkmal Großherzogs Ludwig IV. Ueber die Verhandlung der Jury über die Wettbewerb-Entwürfe des Landesdenkmals für Großherzog Ludwig IV. wird berichtet: Anwesend waren die Herren Graf von Schlitz genannt von Görtz, Erl., als Vorsitzender, Professor Eberle-München, Major von He yl'Darmstadt, Professor Hundrieser-Charlotten- burg und Geheimer Baurath Professor Dr. Wagner- Darmstadt. Entwürfe waren eingegangen von den Herren Professoren Don n d orf-Stuttgart, ein Gesammt- Entwurf und eine Statuette- Ebe rletn-Berlin, zwei Gesammt-Ent- würfe- Heer-Karlsruhe, ein Gesammt - Entwurf und eine Statuette- v. Rü mann-München, zwei Gesammt Entwürfe- Schap e r-Berlin, ein Gesammt-Entwurf. Die sämmtlichen Entwürfe der zum Wettbewerb aufgeforderten Künstler entsprechen den im Ausschreiben gestellten Bedingungen. Die Jury ging davon aus, daß die Gesammterscheinung des Denkmals, die Auffassung von Reiter und Pferd und die Darstellung der Individualität des Großherzogs die maßgebenden Gesichtspunkte sein sollten. Demgemäß bezeichnete die Jury als die gelungensten Entwürfe: vom ersten Gesichtspunkte aus denjenigen von Prof. E b e r l e i n (mit dem stehenden Pferde), vom zweiten denjenigen von Prof. Schaper und von von dritten Gesichtspunkt den von Prof, von Rümann (mit dem stehenden Pferde). Da keiner dieser drei Entwürfe die anderen beiden so bedeutend überragt, daß er ohne Weiteres zur Ausführung gewählt werden könnte, so beschließt die Jury einstimmig dem Landesausschuß zu empfehlen, einen engeren Wettbewerb unter diesen drei Künstlern zu eröffnen. Die Aufforderung des stellvertretenden Präsidenten des Landes - Ausschusses, eine Ansicht über die Platzfrage auszu- ; sprechen, sprach sich die Jury einstimmig dahingehend aus, daß der Platz vor dem Großherzoglichen Schlöffe zu Darmstadt in der Axe der Rheinstraße für das zu errichtende Retterdenkmal sich am besten eigne. ** Eleetrifche MikroScop Demonstraliouea. Wir machen unsere verehrlichen Leser auf die heute Donnerstag Abend im Cafe Leib stattfindenden Separatdemonstrationen mittels eines electrischen Riesen-Mikroscops aufmerksam. Das gestern durch Inserat veröffentlichte Programm bietet des Interessanten sehr viel und verspricht demgemäß der Besuch ein recht lohnender zu werden. ** Ehrensold für die Kämpfer von 1870/71. Man schreibt unsf: Seit einiger Zeit gehen durch die Zeitungen Aufrufe der Erklärungen eines Würzburger Generalcomitäs der vereinigten Veteranen Deutschlands, worin die Kriegsveteranen von 1848—70/71 zum Anschluß an eine Petition, für Er langung eines allgemeinen Ehrensoldes für die Krtegstheil- nehmer aufgefordert werden. Inwieweit diese Aufrufe bet unseren hessischen Kriegern Erfolg gehabt haben, entzieht sich unserer Kenntniß, doch haben wir zu dem gesunden und ehrenhaften Sinn unserer tapferer Streiter von 1866 und 70/71 das Vertrauen, daß sie ihren schönsten Lohn finden in dem. Bewußtsein, für das Vaterland ihre volle Schuldigkeit gethan zu haben, daß sie es sich zur Ehre rechnen, für Deutschlands Ruhm und Größe gekämpft, uns das deutsche Reich geschaffen zu haben, und daß sie dafür keine besondere Bezahlung auf Kosten ihrer übrigen Mitbürger erwarten. Dcnn aus den vorhandenen Mitteln des Reichsinvalidenfonds kann der Ehrensold nicht bestritten werden, wie sich aus folgender Ausstellung ergiebt: Der Fonds besteht jetzt noch aus 463 Millionen Mark, 98 Millionen sind schon davon verbraucht - der Capitalwerth der jetzt schon auf ihm lastenden Verpflichtungen ist 403 Millionen Mark, so daß zur Zeit allerdings ein Ueberschuß von 60 Millionen vorhanden wäre. Demnächst muß aber eine Neu-Regulirung der Jnvaliden- pensionen erfolgen, weil diese vor 20 Jahren festgesetzt sind, der Geldwerth sich aber seitdem bedeutend verringert hat. Und dann ist es mit dem Ueberschuß vorbei. Außerdem würde der Jnvalidenfonds nur für die Invaliden, nicht aber für alle, also auch die gesunden, Kriegstheilnehmer geschaffen. Fragen wir uns, welche Summe wäre nöthig, um einen Ehrensold, der wirklich eine Hilfe im Kampf ums Dasein wäre, allgemein zu gewähren? Laut Generalstabswerk standen 1870/71 1 146 250 Mann im Felde, wovon 40 743 in den Schlachten gefallen oder ihren Verwundungen und Krankheiten erlegen sind. Die Zahl der seither verstorbenen Kriegsveteranen wird von sachkundiger Seite an der Hand statistischen Materials auf 344 000 Mann berechnet. Es wären also jetzt noch ca. 761 500 Kriegsveteranen int Reiche am Leben: Soll davon jeder nur monatlich 6—10 Mark erhalten, (gewiß nicht viel!) so wären jährlich 54 828 000 bis 91 400000 Mark von den Steuerzahlern mehr aufzubringen- welcher Reichstag wird das bewilligen? Der deutsche Soldat betrachtet es als eine Ehre dem Vaterland zu dienen — im Frieden wie im Kriege und daran wollen wir festhalten für alle Zeiten. ** Au8 dem ReichSverficherungSamt. Der Anstreicher Schmehl hatte sich durch einen Bauunfall eine Verletzung des Fußes zugezogen, und nach längerem Leiden mußte ihm der Fuß abgenommen werden. Die Hessen-Naffauische Baugewerks Berufsgenoffenschaft bewilligte ihm zunächst die volle Rente, die sodann durch einen neuen Bescheid auf, 66% pSt. herabgesetzt wurde. Gegen diesen Bescheid legte Sch. Berufung ein, und das Schiedsgericht zu Gießen erhöhte die Rente auf 90 pCt. Nunmehr erhob die Berufsgenoffenschaft Recurs. Sie bekämpfte die schiedsgerichtliche Entscheidung aus sachlichen Gründen, beantragte aber die Abweisung des Klägers auch aus dem formellen Grunde, weil er die Berufung nicht rechtzeitig eingelegt habe. Denn dieselbe sei zwar binnen der gesetzlichen Frist, aber nicht bei dem Vorsitzenden des Schiedsgerichts, wie dies hätte geschehen müssen, sondern bei dem Vorsitzenden des Sectionsvorstandes eingereicht, von dem letzteren zwar unverzüglich an die zuständige Stelle weitergegeben, dort aber erst nach Fristablauf angelangt. Das Reichsversicherungsamt gab- durch Urtheil vom 15. October er. dem Rechtsmittel nur insoweit Folge, als es die Rente von 90 auf 75 pCt. herabsetzte. Der Gerichtshof ging auf den Einwand der Verspätung, da derselbe in der Berufungsinstanz gar nicht erhoben worden sei, nicht ein, erachtete aber die vom Schiedsgericht zugebilligte Rente für zu hoch bemessen und setzte dieselbe dementsprechend herab. ** Zm Nichtraucher-Abtheil (Coupv für Nichtraucher) ist das „Rauchen" verboten- das ist wohl bekannt. E>n Berliner Landgericht hat dahin erkannt, daß nicht nur das Rauchen in einem Nichtraucher-Abtheil strafbar fei, sondern auch der soll strafbar fein, der em solches Atuhetl auch nur mit einer brennenden Cigarre in der Hand betritt. Wisselsheim bei Bad-Nauheim, 16. October. Auf dem Eichberge, in der Nähe des Dorfes, wurden in diesem Herbst beim Lehmgraben Gegenstände gefunden, die nur einem geschleiften Hügelgrab entstammen konnten. Sie bestanden theils aus Thongefäßen, welche Asche und Reste verbrannter menschlicher Gebeine, theils verschiedene Broncegegenftände enthielten. Die ersteren wurden von den Arbeitern zerschlagen, die letzteren sollen von ihnen verkauft worden fein. Die Gefäße bestanden, den Scherben nach zu urtheilen, aus sehr grobem, mir Kieselsteinchen durchsetztem Thon, waren meist dickwandig, mit der Hand, nicht mit der Dtehsckeibe geformt und mit parallellaufenden ringförmigen Einritzungen ! versehen. Form, Material und Verzierungen derselben weilen auf eine sehr frühe Zeit hin. (N. H. V.) M. Herbstein, 15. October. Heute Morgen gegen 6 Uhr wurde die hiesige Feuerwehr olarmirt; es brannte in dem ca. eine Stunde von hier gelegenen Orte R'xfeld und zwar ' in der Hofraithe des Herrn Bürgermeistets Buchhaupt. | Durch das thalkräftige Einschreiten der beiden Feuerwehren ; Herbstein und Rixfeld gelang es bald, des Feuers Herr zu werden und solches auf seinen Herd zu beschranken. Total zerstört ist der Dachstuhl, während die übrigen Gebäulichkeiten wenig beschädigt wurden. Wie man vernimm soll die Entstehung des Feuers durch Unvorsichtigkeit herbeigesührt worden fein, indem auf dem Speicher, auf den von Arbeitern heute Morgen früh Frucht getragen worden ist, (Bürgermeister Buchhaupt hatte, die Dampfdreschmafchine) die Lampe umgestoßen wurde. H. Büdingen, 15. October. Die Kreisconferenz dec Lehrer unseres Kreises fand heute hier im Rathhaus- saale unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Regierungsraths Klietsch und im Belsein des Herrn Kreisschulinspector Buß und des Herrn Decan Dillmann statt. Dem von Herrn Kreisschulinspector erstatteten Bericht ist u. A. zu entnehmen, daß im Kreise 71 Schulen bestehen, wovon 70 gemeinsame und 1 katholische. Sämmtliche Schulen sind gemischte, mit Ausnahme der drei obersten Klassen zu Büdingen, in welchen die Geschlechter getrennt unterrichtet werden. Die Anzahl der Schulklassen beträgt 104 und diesen entspricht die Anzahl der Lehrer. Die Gesammtzahl der Schulkinder betrug zu Anfang des Schuljahres 6150, 22 weniger als im Vorjahre (3085 Knaben und 3092 Mädchen), darunter 5859 Evangelische, 64 Katholische, 223 Israelitische und 4 Dissidenten. Von den Lehrern des Kreises sind 85 definitiv, 17 Schulverwalter und 2 Schulgehilfen. Von den Schulen sind 49 einklassig, 19 zweiklassig, 3 dreiklassig, 1 vierklassig, 1 scchsklassig. Auf einen Lehrer kommen durchschnittlich 59,03 Schüler. 11 Schulen sind noch im Kreise, auf welche mehr als 80 Schüler kommen. Schulgeld Pird noch an 19 Schulen erhoben und an 52 nicht. Weiter befinden sich im Kreise die erweiterte Schule zu Nidda mit 3 Lehrern und 44 Schülern (23 Knaben und 21 Mädchen), die höhere Töchterschule zu Büdingen mit 2 Lehrerinnen und 41 Schülerinnen und das Institut auf dem Bingenheimer Forsthaus mit 3 Lehrern, 1 Lehrerin und 25 Schülern. Die Fortbildungsschulen des Kreises betragen 71 mit einer Schülerzahl von 980. 68 Fortbildungsschulen sind einklassig und 3 zweiklassig. Nachdem hiermit der geschäftliche Abschnitt erschöpft, wurde in die eigentliche Tagesordnung eingetreten, auf der sich als erstes Thema befand: „Der Sprachunterricht in der Volksschule", Referent Herr Lehrer Gatzert von Nidda- derselbe gab zunächst einen Rückblick über die Entwickelung des Sprachunterrichts während der letzten drei Jahrhunderte, zeigte hierauf die Reformen und Systeme der Neuzeit, wies auf die nationale Bedeutung und die formale Bildung, die ein richtig geleiteter Sprachunterricht mit sich bringt, hin. Hieran schloß sich der zweite Vortrag: „Durch welche Mittel steuert der Lehrer außerhalb der Schulzeit, resp. der Schule, den sittlichen Gefahren der Heranwachsenden Jugend," Referent Herr Lehrer Nürnberger von Lindheim. Redner führt aus, daß dazu vor allen Dingen tüchtige Lehrer, ein schönes Schnlhans und kleine Schulklassen Vorbedingung sind. Der Vorsitzende sprach beiden Referenten den Dank für die schönen Arbeiten aus und schloß hiermit die Conferenz. Ein gemeinsames Mahl vereinigte hierauf die Mitglieder, bei welchem verschiedene Toaste ausgebracht wurden. Mainz, 16. October. Ertrunken in einem großen Topf Wasser ist gestern Nachmittag das 16 Monate alte Kind einer von ihrem Manne getrennt lebenden, auf der Augustinerstraße wohnenden Frau. Vermischtes. * Barcelona, 14. October. Einigen hiesigen Fischern ging gestern ein ungeheurer Delphin ins Netz und wurde ans Land geschleppt und getödtet. Das Seeungethüm ist fünf Meter lang und wiegt über 2000 Pfund. Im Mage» des Thieres fand man eine große Menge von Meerpolypen und Tintenfischen. * Professor Dr. Emil Behring, der Entdecker der Heil» serum-Behandlung der Diphtherie, ist 1854 geboren und hat an der Berliner Universität als Zögling der Pvpiniere 1874 bis 1878 studirt. 1880 legte er die Staatsprüfung ab und trat als Assistenzarzt in die Armee. 1887 wurde er zum Stabsarzt befördert und gehört als solcher noch dem 30. Infanterieregiment, das in Saarlouis in Garnison steht, an. Während dieser Jahre hat er sich zuerst im pharmakologischen Institut in Bonn unter Prof. Binz wissenschaftlich beschäftigt- seine Arbeiten betrafen die Wirkung der Ansi- feptica, besonders des Sublimdts. 1888 wurde er zum hygienischen Institut der Berliner Universität abeommandirt, wo er unter Professor Koch Arbeiten über die Erzeugung künstlicher Immunität bei Thieren gegen acute Infektionskrankheiten begann. Die ersten Versuche betrafen die Diph- .therie, die Behring bei Meerschweinchen durch Einspritzung von Jodtrichlorid zur Heilung brachte. 1890 vereinigte er sich mit dem Japaner Kitasato zu Untersuchungen über die Erzeugung von Immunität gegen Starrkrampf, die zur Entdeckung des Principes der Blutserum-Therapie führten. Nach Eröffnung des Instituts für Infektionskrankheiten, 1891, trat Behring als Assistent an demselben ein, und hier führten die Untersuchungen über Blutserum-Therapie bei Diphtherie zu weitern glänzendem Ergebnissen. Als Mitarbeiter unterstützten ihn bei diesen mühsamen Arbeiten Sanitäts-Rath Boer, Stabsarzt Wernicke, DDr. Knorr, Kassel, Wassermann und insbesondere Professor Ehrlich, der den Weg für die praktische Verwendbarkeit der Serum- behrndlung bei Menschen gewiesen hat. Behring hat in de» letzten beiden Jahren eine fruchtbare literarische Thätigkeit entfaltet. Außer zahlreichen kleinern Aufsätzen in Fachzeitschriften har er an größern Werken veröffentlicht: „Die Blutserum Therapie" (2 Bd.), „Die Geschickte der Diph- therie" (eine musterhafte historische Monographie), „Die Bekämpfung der Jnfcct onskrankheiten", „Infektion und Des- infection" u. a. m. Im vorigm Jahre erhielt er den Professoren! tel und vor Kurzem ist er zum außerordentlichen Professor der Hygienie an der Universität Halle ernannt worden. Literatur und Kauft. — (Sin Helfer in der Landwtrthschaft.' Seit zwei Jahren gibt der bekannte Volkswirth Freiherr v. Schilling einen Kalender heraus, ,$>ti Deutschen Landmaunb Jahrbuchs, von dem jetzt der Jahrgang 1895 erschienen ist. Auf diesen Kalender möchten wir ganz besonders die Landwtrthe aufmerksam machen, kleine wie große, auch die Herren Verwalter, Jnspectoren, die gelernt habm, daß derLandwirth heute mehr wie je verpflichtet ist, sparsam -u wirthschasten und sich vor jeder Verschwendung in der Wirthschast, beim Füttern, beim Viehhalten, beim Düngen, bei der Saat und dem Saatgut u. s. w. zu hüten. Das aber ist daS Schöne an dem Jahrbuch, daß Freiherr v. Schilling seine belehrenden Aufsätze bei aller Wissenschaftlichkeit so abfaßtz daß sie jeder, der sie begreifen will, auch begreifen kann und wird. Wer an den Winterabenden täglich eine der prächtigen Abhandlungen über Fütterung, über Viehrassen, über Dungstoffe, über kleine practische Maschinen u. s. w. liest und wieder liest, vielleicht sie auch einmal mit einem guten Freunde durchspricht — alles, was mit Worten nicht zu beschreiben ist, ist abgebildet, zum Thetl sogar bunt — der muß Nutzen für feine Wirthschast daraus haben: er wird vieles finden, was er falsch gemacht, viele Anregungen zu Verbesserungen bekommen. „Des deutschen Landmanns Jahrbuch" ist für 1 Mk. in jeder Buchhandlung zu haben, sonst auch gegen Einsendung von 1,10 Mk. durch die kgl. Hofbuchdruckcrei Trowitzsch u. Sohn in Frankfurt a. d. Oder portoftei zu beziehen. Wittern ttgsausficbfen am 18. October Morgen« 8 Ubr (Wetterhäuschen in der Südanlage). Barometerstand. MMW Thermometer: min. + 2*/2o R., max. 4- —o R. Hygrometer: Feucht. ß PT P s a ® S s ■ malt tuegi Die puvktirte Linie M der Barometerscala gibt den Stand del vorhergehenden Doge» an. Gottesdienst In der Synagoge. SamStaa, den 20. Octobcr. Vorabend 600 Ubr, Morgens 8M Uhr, Nachmittag« 400 Uhr SabbathauSgang 600 Uhr. Gottesdienst der israelittschen Religionsgesellschaft. Freitag Abend 5°° Ubr, SamStag Vormittag 8 Ubr, Nachmittag 4 Uhr, SabbathauSgang 6'« Uhr. Cheviot«and Bnxkin für einen ganzen «nzvg Mk. 5.75 Kammgarn n. Melton für einen ganzen Anzug Mk. 9.75 je 3,30 m für den Anzug berechnet, versendet direkt an Jedermann Oettinger &Co-, Frankfurt a. M., Fabrik-Depot. 6395 Muster umgehend franco. Ntchtpassendes wird zuiückgenommen. Tausendfache« Lob, notariell bestät., über den Holl. Tabak von B. Becker in Seesen a. H. Ein 10 Pfd. - Beutel fco. 8 Mk. hat die Exp. d. Bl. eingesehen. 7830 Verdingung1. Die für den Ausbau der Schützenstraße erforderlichen Erd- und Maurerarbeiten, sowie die Steinzeuglieferung sollen Mittwoch den 24. d. M., Vormittags 11'/- Ahr auf dem Stadtbauamte öffentlich verdungen werden. Pläne, Arbeits- beschreibung und Bedingungen liegen daselbst während der Dienststunden offen und sind Angebote auf dem vorgeschriebenen Formular bis zum genannten Termin dorthin einzureichen. Gießen, den 17. October 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 8599 Sonntagsverein für Mädchen. Die Vereinigung der Mädchen am Sonntag soll für das Winter- Halbjahr am nächsten Sonntag, den 21. October, wieder ihren Anfang nehmen. Die Vereinigung findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr Nachmittags im Saale der Kleinkinderschule; die Mädchen können nach Belieben zu jeder Zeit kommen und gehen; von 3/44 Uhr bis %5 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Vorträgen. Gute unterhaltende Bücher und Spiele sind in großer Zahl vorhanden. Eröffnungsfeier am Sonntag, den 21. October, Nachmittags 4 Uhr. Wir laden die Mädchen zu zahlreicher Betheiligung ein und bitten Eltern, Herrschaften und Geschäftsinhaber, ihre Mädchen auf den Sonntagsverein Hinweisen und denselben die Theilnahme gestatten zu wollen. Gießen, am 16. October 1894. Für den Vorstand: 8595 Dr. Naumann, Pfarrer. Freitag den 26. October, Nachmittags 2Vs Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht nach- verzeichncte, dem Herrn Laut» jfrlett gehörigen Grundstücke auf desien freiwillige« Ansuchen versteigert: Flur 3 Nr. 140 — 2062 qm auf den LeuffertSröder Weg, Flur 3 Nr. 141 - 2038 qm Acker daselbst, mit Korn und deutschem Klee ausgestellt, Flur 3 Nr. 162 — 2088 qm Acker daselbst, mit deutschem Klee bestellt, Flur 8 Nr. 20 — 2500 qm Acker diesseits am Grasweg, mit Korn eingesäet, Flur 23 Nr. 23 — 1869 qm Acker am Schlangenzahl bei dem Zollstock, Flur 23 Nr. 24,3 - 781 qm Acker daselbst, Flur 23 Nr. 32 — 975 qm Acker am Schlangenzahl bei dem Zollstock, Flur 23 Nr. 33 — 972 qm Acker da« selbst, Flur 23 Nr. 34 - 1956 qm Acker daselbst, mit ewigem Klee bestellt, Flur 23 Nr. 192 — 444 qm Acker in dem Wasierfall, zwischen der Chaussee und Aulweg, Flur 23 Nr. 168 — 1656 qm Acker am obersten Weiher, Flur 23 Nr. 159 — 1363 qm Acker daselbst, Flur 28 Nr. 14 — 363 qm Acker am alten Feld auf das Bruch, Flur 28 Nr. 15 — 362 qm Acker da- _ selbst, Grabstücke, Flur 28 Nr. 174 — 5763 qm Acker zwischen dem Sandkauter und Ervkauter Weg, mit Korn aus- gesäet, Flur 29 Nr. 61 — 1775 qm Wiese auf der Weißerde, Flur 80 Nr- 71,5 — 211 qm Acker rechts am Erdkauter Weg, Flur 30 Nr. 72,5 — 636 qm Acker daselbst, Grabstücke, Flur 31 Nr. .31 — 5606 qm Acker zwischen dem Grüninger Pfad und Erdkauter Weg, mit Korn eingesäet, Flur 31 Nr. 55 — 863 qm Wiese am Grüninger Pfad links, Flur 39 Nr. 113a — 2887 qm Wiese hinter dem Waldbrunnen, Flur 40 Nr. 131,7 - 775 qm Acker in der Schwarzlach, Flur 40 Nr. 132 — 1744 qm Acker daselbst, Flur 40 Nr 133 — 1738 qm Acker da- selbst, jetzt Wiese, Flur 40 Nr. 364a — 512 qm Acker auf dem Sand, Grabstück, Flur 41 Nr. 51 — 2187 qm Acker über dem Rodt auf die Rodtgärten, Flur 41 Nr. 55 - 8237 qm Acker daselbst, V« Wiese, Acker, Flur 41 Nr. 78 — 1050 qm Acker vor der Warte auf der Marburger Chaussee, Flur 41 Nr. 79 — 1050 qm Acker da, selbst, Flur 41 Nr. 80 — 1050 qm Acker daselbst, Flur 41 Nr. 81 - 1756 qm Acker da, selbst, Flur 41 Nr. 82 - 2263 qm Acker daselbst, mit deutschem Klee bestellt, Flur 41 Nr. 184 — 1400 qm Acker am Rain hinter der Warte, Flur 41 Nr. 185 - 1400 qm Acker daselbst, Flur 41 Nr. 186 — 1400 qm Acker daselbst, frisch gedüngt, Flur 42 Nr. 69 — 969 qm Acker über dem Schäferbrunnen, Flur 42 Nr. 70 — 969 qm Acker daselbst, Flur 42 Nr. 72 - 2306 qm Acker daselbst, Flur 42 Nr. 73 — 1706 qm Acker daselbst, mit Weizen auSgesäet, Flur 45 Nr. 31 - 2537 qm Acker links am Badenburger Fußpfad, Flur 46 Nr. 26 — 1788 qm Acker am grünen Weg, Flur 47 Nr. 122-/,° - 6081 qm Wiese in der Lichtenau an der Grenze, Flur 47INr. 123 — 1056 qm Acker daselbst, Flur 47 Nr 124 — 1056 qm Acker daselbst, Flur 47 Nr. 125 — 1656 qm Acker daselbst, frisch gedüngt, Flur 47 Nr. 126 — 688 qm Wiese da'- Flur 47 Ä — 688 qm Wiese daselbst, Flur 47 Nr. 128 — 688 qm Wiese daselbst, Flur 47 Nr. 129 — 1012 qm Acker .da- selbst, jetzt Wiese, Flur 47 Nr. 130 — 1012 qm Acker daselbst, jetzt Wiese, Flur 47 Nr. 131 — 1188 qm Acker da- selbst, jetzt Wiese, Flur 47 Nr. 132 — 1188 qm Acker daselbst, jetzt Wiese. Gießer, 15. Oktober 1894. Im Auftrag: F. Hoffman«, 8572____________Ortsgerichtsmann. Kuchen- lmdTamlkuschrithch abzugeben in der 6614 Holzhaudlung von KaSpar Jung IV. _______ Klein-Linden._________ 8576) fische Schellfische heute eingetroffen bei G. Dort, Walltherstraße 45, Kein Verschnh! LL Mittwoch «• Xde sind bei der Rothen Kreuz-Lotterie mit nur 3 Mark zu gewinnen Haupttreffer von 50,000Mk. 30,000Mk.15,000Mk. 10,000Mk. 5000Mk.3000Mk. 3000Mk. 5 silOOO Mk• zahlbar. Loose ä 3 Hark, 11 Stück für 30 Mark zu beziehen durch die Generalagentur TuJ Millinv Xr f A Bank- in Berlin C-, Schlossplatz 7, JLjtitle llllllltjl Im IJVej geschäft in Hamburg, Gr. Johannisstr. 21, und hier bei Carl Lehrinund Wwe., Carl Petri und Gustav Gerhardt, Friseur. 8591 Versteigerung von Bau- Hotzu. Zimmerwerkzeug. Nächsten Montag, 2 Uhr, läßt der Unterzeichnete wegen Geschäftsaufgabe auf seinem Zimmerplatze, Grünbergerstraße 16, eine größere Parthie entrindetes Holz, zu Sparren und Rüstholz geeignet, sowie einige schöne eichene Stämme für Schreiner- und Zimmerholz paffend, eine Parthie Schwarten, Brennholz, ferner eine Menge Zimmerwerkzeuge, darunter Flaschenzüge, 1 Trempel, 1 Hobelbank, Heblade meistbietend versteigern. [8597 Peter Pitz, Zimmermeister. Prima Traubenmost und Febermeißer. 8594 Schott'sche Weinstube Bahnhofstr. 23. — Ecke Löwengaffe. Neue 1894er Conserven bereits alle Sorten in nur allerbesten Marken eingetroffen und empfehle solche zu äußerst billigsten Preisen. 8588 C. G. Kleinhenn. «echte Franks. Würstel , wefif. Pumpernickel. 85851 «eue Salz- und Essiggurken, «ixed PickleS, Perlzwieveln, vor- zügl. Sauerkraut und Bohne«, Prima Holl. Boll-Heringe, BiS- «arckheriuge, Heringe (ASpic, Vst« see-Delic.-HLringe in div. Saucen), 20 versch. Sorten feine »Me, Gothaer und Brannschw. 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Zur Anfertigung von Treppenban aller Art empfiehlt sich Justas Heck 7480] Neustadt 10. 8583] Möblirtes Zimmer mit Cabtnet zu vermiethen.__Neuenweg 36. 8593] Freundl. möbl. Zimmer zu vermiethen.__Marburgerstraße 29. 8364] Möbl. Zimmer mit Cabtnet, sowie ein einzelnes Zimmer zu ver- miethen.________________Altcestraße 22 I, 8597] Schön möblirteS Zimmer zu vermietben. Grabenstraße 9, pari. 8575] Stübchen mit Bett zu vermiethen. Afterweg 11. TUr des Hrn. Buchhänd- 1 »w* *! beigelkgl Unterfertigter V. W. V. erfüllt hiermit die traurige Pflicht, s. 1. A. H. A. H., i. a. B. i. a. B., EL C. H. C. von dem gestern Abend erfolgten Ableben seines lieben V. B. 6cuU borgen) • yanat hin Lünchkl IW und 9 lebenslänglich ♦ Mu, wurde einer zu Theil, i amngirten । inmitten des Der Verhaft! aufgefpielt u Tingaug in Man ichenh zu itintx Er' einige wollt' kennen und in den Der' lobte einer < zur offiziell vereinbart/ Freundinnen Beifammenie anders tomn die untersetzt, in dringende Hier stellte zu tl)un fat, klage stebt. * SoMtn Körpervrrl ln einem W m 14. AB RolandSeL, durch das G Bartes so fe Äft S. am ■ Backe hatte, nicht nur tim e'uer Flechten handelt. Da antworten ba 15 Mark. ** halt, P das ?( ®öi^e ^gsameg 3 taRnt**'1 w n» /' QQei t ' ' furch Mtiftbt D ® Zum H.. a. D? tt 'einen d«NM hi , LLs» i" M, „„j ft""* fchluonuere z. Zt. Einj.-Freiw im Int-Reg. „Kaiser Wilhelm“ geziemend in Kenntniss zu setzen. Verband wissenschaftlicher Vereine zu Giessen. I. A.: Mathern. - Physik. Verein 8598 z. Zt. pr. V. Todesanzeige. Nach Gottes unerforschlichem "Willen starb im hiesigen Garnison-Lazareth unser braver Sohn und Bruder Adolf Ulmer, stud. theol., Einjährig-Freiwilliger Gefreiter, 7. Conip. Reg. Kaiser Wilhelm (Nr. 116) Giessen. Um stille Theilnahme bittet die schwergeprüfte Familie Ulmer. Giessen, den 17. October 1894. Die Beerdigung findet am 20. d. M., Nachmittags V/2 Uhr, zu Niederbiel, Kr. Wetzlar, statt. [8596 1887 5943 8590 4% Worms unk. b. 1901 Modes Darmst. Bk.-Actten 302.— fnci pfehlen 8582 Louis Treff & Cie. 16.17 20 3' 4.16 80 95 163.8b 4.16 3<*/o Oesterr. Staatsbahn v. 1885 3% Jtal. staatsgar. Etsenb. 3'/s°/o Frankfurter Hyp. Bk. 20 Fcenken-Gt. Engt. SoveretgnS Dollar- in Gold 3«/, 0/0 DeutschkReichsanl. 3% Preuß. Consols 31/2% Gr. Hessische Obl. 4% Stadt Darmstadt v. 1891. 4,/6(7o Oesterr. Stlberrente 4o/o Ung. Gold-Rente 3% Portugiesen 6°o Mextcaner 4°/0 Monopol-Griechen von 98.80 104.5) 103.— Veteranen-Verein. Monatsversammlung Samstag, 20. Oct., im Cafe Leib. 8578 87.45 40/0 Eisenb. Rentenb. Obl. 50.30 5o/o Buderus Obl. tta.f 16.21 2J.36 4.20 81.15 99.80 26 45 64.65 35.80 1 1.20 105.- Porös- wasserdichte Verkaufsstellen sind durch Plakate erkenntlich. 7553 Redactionr Ä. Scheyd«. — Druck mi Verl«, der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) tu Gleiten. Ire hcuirgr Mrrmcr lur.fdßf C> Seiten 103.30 93.85 1(2.50 103.50 103.70 Thüringisches Technikum Ilmenau. 1. Hoher« Fachschule für: Maschieen-Ingenleuro und Elektrotechniker. 2. Mittlere Fachschule für: Maschinen- und Mühlen-Techntker. ____!V_Prkni<‘iwtfr u.nl1 Müller. Weitere Auskunft erteilt Direktor Jontzen. B Doerr, geb. Römer, und Kinder. Danksagung. Für die vielfachen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Gatten und Vaters, für die Begleitung zur letzten Ruhestätte, sowie für die trostreichen und erhebenden Worte des Herrn Pfarrers Dr. Naumann im Trauerhause und am Grabe des Entschlafenen sagen wir unseren innigsten Dank. Franz. Banknoten Oesterr. dto. Ämertc. 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Bk. 4% DeutscheGrdsch.B.unk.b.1904 104.— 4»/0 Pomm.Hyp.A.Bk.unk.b 1904 3*/»% dto. 98.50 4Vi°/o Franks. Landw. C-red. Bk. SdjinibBs Panorama I Neuen Baue I Erste Wcche: Pracht - Serie I. RargeS. —. Hamburg, Helgoland, /S23 Norderney.Schloß Aried- richsruh. Kür» Bismarck ttW Schreibtisch. (Ohne Concurrenz auf dem Continent.) Eisuche Kunstfreunde u-Kritiker, sich von der naturwohnn Da, stellungzu überzeugen Entree 30 Kinder 20 Abonnements: 10 Reisen 2^4, Schüler 1.50 Jt. Geöffnet von Morgens 10 bis Abends 10 Uhr. 8517 Jede« Lonntag «ene Reise. SST GS gelangen nur hier noch I nicht gezeigt« Serien zur Anficht. Neues Theater, Giessen 8040 Steins Saalbau. (Direction: Adam Reiners.) Freitag den 19. Oktober 1894 Chemie fürs Heiratheib Original-Schwank in 3 Acten v. Kneisel Ochiltilchr 7 “ ' Sonntag den 21. October, Vormittags 11 Uhr prücis im Saale des Gase Leiö. Referent: Reichstagsabgeordneter Aug. Bebel. Tagesordnung: Die Socialdemokratie und der Umsturz. 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