Rr. 218 Erstes Blatt. Dienstag den 18. Seytember 1894 Aints- und Anzeigeblatt süv den Ureis Gieren. Hratisöykage: chießener Kamirienökätter. Aintlichcr Theil Demission dieses befähigten Diplomaten vorlag. Jetzt meldet I nun ein angesehenes norwegisches Blatt, daß sich Graf Wedel mit einer hochstehenden schwedischen Dame zu vermählen gedenke, und diese Miltheilung würde allerdings die Ursache der überraschenden Demission des genannten Herrn erkennen lassen, denn es ist Regel, daß sich ein Diplomat nicht durch Hetrath an ein fremdes Land bindet, was also durch die angekündigte Vermählung des Grasen Wedel mit einer Schwedin geschehen würde. Wie erinnerlich, nahm auS gleichem Anlaß seinerzeit auch der frühere verdiente deutsche Gesandte in Peking, Herr v. Brandt, seinen Abschied- bekanntlich ist Herr v. Brandt mit einer Amerikanerin vermählt. __ Auf dem am 23. September in Eisenach statt- findendenParteitage der freisinnigen VolkSpartei dürfte es jedenfalls sehr lebhaft zugehen. Nicht weniger als 78 Abänderungsanträge zum Entwürfe des neuen Partei- Programms sind bis jetzt beim Centralbureau genannter Partei angemeldet worden, es wird Herrn Eugen Richter und seinem speciellen Anhang sicherlich nicht leicht werden, den Programm- Entwurf in seiner ursprünglichen Gestalt gegenüber diesen massenhaften Abänderungsanträgen erfolgreich zu Vertheidigen. — Die Eingabe mehrerer Handelskammern, betreffend die gesetzliche Regelung des Apotheken- wesensl, an das preußische Cultusministerium ist abschlägig beschieden worden. Wie es heißt, ist den Absendern der Eingabe der Bescheid zugegangen, es müsse der Cultusminister eine nähere Prüfung der Sache ablehnen. Berlin, 15. September. Das St aatsmintstertum trat heule Nachmittag 2 Uhr im Di-nstg-baude unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen zu Eulenburg zu einer Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer- bi- Borm. 10 Uhr. Vierteljähriger A-ounementsprei- r 2 Mart 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Stcdacüon, Expedition und Druckerei: Kchnkstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Aste Annoncen-Bureaux de- In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Der chießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montag-. Die Gießener A»a»ilienvtttter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal drigelrgt. Abonnements^ Einladung Zum Bezug des „Giefzener Anzeiger" für das 4. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur'Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben aus dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so fürhzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffeutlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besonoere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen m Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhalwngsstoff bringen, namentlich im Kreise bei Familien eine Bekanntmachung. Die Kreisstraße von Lumda nach der Staatsstraße Gründern — Londorf ist von Mittwoch, den 19. ds. Mts. ab behufs Vornahme von Bauarbetten aus 3 Tage für den Fuhrwerksoerkehr gesperrt. Gießen, am 16. September 1894. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. | 17. September von Chefoo nach Chemnlpo (Korea) in Dee । z 8 Saßnitz, 15. September. Heute Vormittag fand auf hoher See ein großes Seegefecht der gefammten Flotte statt Am Nachmittag wurden Bootsmanöver und eine Ruderregatta im Prorer Wick veranstaltet. Abends ging die Flotte Sitzung zusammen. Berlin, 15. September. Die „B. N. N. melden von I unterrichteter Sette: Am Tage der Anwesenheit des Kaisers in Marienburg wurden an verschiedenen Stellen der Stadt I anarchistische Plakate angeheftet. Dieselben waren aus Packpapier (in Quartformat) in anscheinend verstellter, aber | unverkennbar gewandter Schrift mit Rothstift geschrieben. I Ihren Inhalt auch nur anzudeuten, wäre unzulässig. Im Zusammenhang mit diesem Vorsalle erfolgte die Verhaftung sämmtlicher den Namen Kowalski tragenden Soldaten des 17. Armeecorps. Jeder einzelne derselben wurde mit starker Bedeckung — sechs bis zehn Mann mit scharf geladenen Gewehren — in die militärische Haft eingeliesert. Ueber die Ergebniffe der militärgerichtlichen Untersuchung verlautet noch nichts. Berlin, 15. September. Behufs Aufhebung des Brauereiboykotts wurde heute Vormittag von der Saalcommission der Gastwirthe Berlins und Umgegend einerseits, sowie der Bierboykottcommission der Arbeiterpartei andererseits und den Reichstagsabgeordneten Singer und Auer eine gemeinschaftliche Sitzung abgehalten, welche zwar refultatlos verlief, in welcher der Abgeordnete Auer indeß erklärte, daß die socialdemokrarische Partei bereit sei, einen ehrlichen Frieden zu 15 September. Die großen Mißstände, welche der Richt er mangel in Berlin mit sich bringt, haben das Justizministerium veranlaßt, an das Finanz-Ministerium mit dem Ersuchen heranzutreten, sür die Schaffung von 20 bis 30 neuen Richterstellen in Berlin die erforderlichen Mittel bereit iU ^Berlin, 15. September. Dem Volksschullehrer Otto in Charlottenburg, der als Delegirter zum Parteitag der Freisinnigen Volkspartei in Eisenach gewählt war, wurde vom Charlottenburger Magistrat der erbetene fünftägige Urlaub verweigert, da sich der Magistrat sonst, wre er m seiner Begründung angibt, gezwungen sehen würde, auch den Angehörigen anderer Parteien Urlaub zum Besuch politischer Con- Gießener Anzeiger Keneral-Mzeiger. 6re’,C8erlinmi5re®eptember. Dai „D-uiste Soionialblatt" jdjttibl: Die Höhe der Zoll- und (onfttgen @tn. nahmen in Deulsch-Ostasrika betrug IM Rechnung-. iahre 1892/93 in den sieben Hauptzollämtern: Tanga, Pangani, Bagamoyo, Dar-es-SalLm, Kilwa, Lindt, Mikindam zusammen 856 011 Rupinen 3 Annas 3 Pies, umgerechnet nach dem in den einzelnen Monaten verschiedenen Rupten-Curse — 1 105 456.95 Mark — und im Rechnungsjahre 1893/94 . 870013 Rupien 6 Annas 1 P'v — 1 130 256.36 Mark. Berlin, 15. September. Nach einer beim Ober-Corn- mando der Marine eingegangenen telegraphischen Meldung ist S M S Hyäne", Commandanr Corvetten-Caprtan Reincke, am '14. d. Mts. in Sao Thome eingetroffen und wird am 22. d. Mts. nach Kamerun tn See geden. Laut telegraphischer Meldung an daS Ober Commando der Marine beabsichtigt S- M. Kanonenboot „Iltis", stellvertretender Commandant Lieutenant zur See Schmidt v. Schw.nd, am Nerieste Nachrichten. GolffS lelcgr»phtfcheS Correfpondenz-rvure^u. Banin, 16. September. Die Posener Deputation traf mittels Sonderzuges um 11 Uhr 22 Minuten in Hammermühle ein, marschirte in langem Zuge nach Darzrn und holte die Genehmigung des Fürsten zum Aufmärsche ein, welcher dann vor dem Schlosse erfolgte. Major Tiede- rnann-Seeheim brachte beim Erscheinen des Fürsten Bismarck ein dreimaliges Hurrah aus, welches begeisterte Zustimmung fand. Der Sprecher der Posener Gäste, LaudeSöconomierath Kennemann, hob in längerer Ansprache die Verdienste deS Fürsten um die deutsche Einigung hervor und betonte ins besondere das Bewußtsein der Posener, in einem deutschen, unlösbar mit Preußen verbundenen Landestheile %u leben. Er sprach die feste Zuversicht aus, daß die der Provinz Posen herrschenden nationalen Gegensätze mir der Zeit ver- schwinden würden und schloß mit dreisachem Hoch auf ben Fürsten Bismarck. Fürst Bismarck dankte in längerer Rede für die ihm bereitete Ovatton und die kundgegebene treue Gesinnung der Posener. Schließlich brachte der.Gy°m°si°l. director Kiel aus Bromberg etn Hoch auf die Fürstin BiS- marck aus, welches begeistert ausgenommen wurde. Nachdem hierauf der Vers: „Deutsche Frauen, deutsche Treue rc. gesungen war, zog der Fürst verschiedene Mitglieder der Deputation in ein Gespräch und entbot die Counwmitglteder zum Frühstück in das Schloß. Die übrigen Mitglieder der Deputation marschirten unter den Klängen der von zwei Militärmusikcorps ausgesührten „Wacht am Rhein bet dem Schloß vorüber vor den neuen Gasthof. Um 3 Uhr soll der Rückmarsch nach Hammermühle erfolgen und von dort um 4i/2 Uhr die Rückfahrt nach Posen. beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenfrei zu- aesteüt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonuemeuts- betrag durch Quittung erheben lassen, sallv nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch). Deutsches Reich. Berlin, 15. September. Ueber den Verlaus der Kaisermanöver der deutschen Flotte liegen bis jetzt nur spärliche Meldungen vor: am Freitag manövrirte die Flotte in den Gewässern von Rügen zwischen Stubbenkammer und Adlergrund. , r c . __ Der Kaiser hat in je einem besonderen Erlaß den Bewohnern der Provinzen Ost- und Weftp reußen seinen Dank für die ihm und der Kaiserin bereitete Aufnahme ausgesprochen. — Anläßlich der Kaisermanöoer des 1. und des 17. Armeecorps sind bei beiden Armeecorps zahlreiche Beförderungen und Auszeichnungen erfolgt. — Die Nachricht vom Rücktritte des deutschen Gesandten in Stockholm, Grafen Wedel, hatte vielfach Befremden erregt, weil kein sichtlicher Grund für die wieder in See.____ Ausland. Wien, 15. September. Zur Sicherung des Nachrichten- diensteS während des Krieges beabsichtigt die Kriegsverwaltung, ein eigenes Gesetz zum Schutze der Brieftauben ein- zubringen.September. Der beabsichtigte Congreß der aus Sibirien zurückgekehrten Polen wurde behördlich 15. September. Der Agent des Londoner Bank- Hauses Rothschild aus Alexandrien wurde auf der Reise nach Mailand von zwei Individuen um 70,000|2t« bestohlen. Paris, 15. September. Der Director des //Gaulots , Arthur Meyer, publicirt in seinem sBlatte einen Artikel, worin er prophezeit, daß der Herzog von Orleans al Philipp VIII. bald wieder den Königsthron in Frankreich errichten werde. Paris, 15. September. Das „Memor. diplom. be- | richtet aus Petersburg, Admiral Avellane, der Commandant des russischen Mittelmeergeschwaders, habe dem türkischen Sultan noch immer keinen Besuch abgestattet, trotzdem sich der Admiral mit seiner Flotte schon seit mehreren Monaten in den türkischen Gewäffern befinde. Die Verzögerung des Besuches man nun dem Wunsche der Pforte zuschreiben, den Dreibund nicht zu verletzen, wahrend man andererseits den Umstand in Betracht zieht, daß der Sultan erst den Admiral des englischen Geschwaders empfangen wolle. Er soll deßhalb die russische Regierung ersucht haben, I den Besuch des Admirals Avellane noch um einige Zett I hinauszufchieben. Warschau, 15. September. Directem Befehl des Czaren zufolge finden wegen der Cholera die diesjährigen Herbst. I Übungen der Reservemannschaften im Militärbezirk Warschau I n Newyork, 15. September. Alle Fabriken der „Kautschuk- Compagnie der Vereinigten Staaten" wurden geschlossen. I 14 000 Arbeiter verlieren dadurch ihre Beschäftigung. Man meint, die Schließung der Fabriken werde nur vier Wochen I dauern. v_ .. _ Im südlichen Korea haben dte Japaner durch koreanische Truppen eine empfindliche Schlappe erlitten. Em von Fusan nach Seul marschirendes Corps der Japaner m Stärke von 2000 Mann wurde von den Koreanern angegriffen und beinahe vernichtet. Von den Japanern sollen nur 800 Mann nach Fusan zurückgekommen sein. Depeschen de» Bureau .Herold". Berlin, 16. September. Die „Deutsche Tageszeitung" erfährt von angeblich gut unterrichteter Sette, daß der hiesige russische Militärattache in Pillau bei militärischen Erhebungen und Zeichnungen gefaßt worden sei. Man soll ihn schon längst beobachtet haben. Seine Abberufung werde, falls sie noch nicht erfolgt fei, wohl demnächst stattfinden. Allevsteiu, 16. September. In GrieSlienen kamen 3neue Choleraerkrankungen vor. Zusammen sind es bis jetzt 22, wovon 6 tödtlich. Gießen, den 17. September 1894. ** Empfang. Seine König! Hoheit der Großherzog empfingen am 15. September u. A. den Gymnasiallehrer Or. Blase von Gießen, den Landgerichtsrath Dr. Güngerich von Gießen, den Gymnasiallehrer Dr. Schmitt von Gießen, den Reallehrer Dr. Siebert von Butzbach, die Reallehrer Hüffel und Reitz von Friedberg, den Professor Dr. Buchner von Gießen. ** Tod auf den Schienen. Heute Morgen gegen 4!/2 Uhr fanb der Bahnwärter Harbusch hinter der Badenburg, etwa 60 Meter vom Wärterhause nach ^Lollar zu, die kopflosen Leichen eines Mannes und einer Frau. Letztere war von dem Manne mit dem rechten Arme umschlungen und lagen beide quer über den Schienen. Die Köpfe lagen etwa 8 Meter von den Rümpfen entfernt nach Lollar zu neben den Schienen, sodaß man annehmen muß, daß die Lebensmüden von einem in der Richtung Gießen-Marburg fahrenden Nachtzuge überfahren worden sind. Der Kopf der weiblichen Leiche war durch den Hals vom Rumpfe getrennt, wogegen der des Mannes vom Kinn aus schräg nach dem Hinterkopf zu abgefahren wurde. Der Hut des Mannes, sowie derjenige der Frau und deren Sonnenschirm lagen neben den Schienen, dabei noch ein Brief, welcher nach Heidelberg adressirt war. Beide Lebensmüden hielten sich am Abend vorher in Lollar im „Löwen" auf, woselbst der Brief von der Frau geschrieben wurde. Gegen 9 Uhr Abends verließen sie das Local. Allem Anscheine nach waren beide taubstumm. Sie stammen aus Gießen/ die Frau scheint in den zwanziger Jahren gestanden zu haben, hat hellblonde Haare und ist bekleidet mit einem schwarzen Jaquett, ebensolchem Kleid, röthlichen Strümpfen und Zugstiefeln. Das Alter des Mannes kann wegen des zerfetzten Gesichts nicht festgestellt werden. Die männliche Leiche ist bekleidet mit dunkelblauem Jaquet, brauner Hose, grauem weichem Filzhut, grauwollenen Strümpfen, Klappkragen und ebenfalls Zugstteseln. An der Rückseite der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger sind die Buchstaben G. H. eintätowirt. Eine gerichtliche Aufnahme der Leichen hat zur Zeit (Mittags 12 Uhr) noch nicht stattgefunden. (Nachschrift. Wie wir eben erfahren, hat gestern die junge taubstumme Frau eines hier beschäftigten taubstummen Schreiners mit einem anderen Taubstummen ihren Gatten verlasien und sprechen alle Anzeichen dafür, daß die beiden Lebensmüden mit dem verschwundenen Paare identisch sind.) ** Außerordentliche Generalversammlung des fteifiuuigeu Vereins im ersten hessischen Reichstagswahlkreise. In der am Samstag Abend abgehaltenen Sitzung des freisinnigen Vereins stand der Entwurf eines Programms für die freisinnige Volkspartei auf der Tagesordnung. Die sehr eingehenden Berathungen hatten das Ergebniß, daß man den Entwurf allseitig und einstimmig für eine durchaus geeignete Grund- läge für die Programmberathungen in Eisenach erklärte. Von der Formulirung und Einreichung eigener Abänderungsanträge glaubte der Verein absehen zu sollen, dagegen wurde ein Eintreten der Delegirten für Anträge von anderer Seite hinsichtlich einiger Programmpunkte von einem Thetle der Versammlung als wttnschenswerth angesehen. In Bezug auf die innerhalb der Partei hauptsächlich strittigen Fragen des MaximalarbeitStageS und der Einheitsschule ergab sich volle Einmüthigkeit darüber, daß hier die tolerante, den voneinander abweichenden Meinungen in der Partei freien Spielraum gewährende Fassung der Programmcommisfion durchausf das Richtige treffe. Die schließlich angenommene Resolution hat folgenden Wortlaut: „Der freisinnige Verein des 1. hessischen RetchstagSwahlkreiseS beschließt die Annahme des Programmentwurfes unbeschadet einzelner Wünsche und spricht den Dank den. Männern aus, denen es gelungen ist, eine solch glückliche Fassung desselben zu finden." Nach Beendigung der Pro- Lrammberathung sand die Delegirtenwahl statt. Danach wird auf dem Parteitage zu Eisenach der Verein und Wahlkreis durch die Herren Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Metz, Dr. Gutfleisch, Grünewald und Georgi vertreten sein. * * Fernfprech Verbindung Frankfurt—Berlin. Wie das „B. T." meldet, wird die Eröffnung der Telephon-Verbindung zwischen Berlin und Frankfurt a. M. über Kassel in wenigen Wochen erfolgen können, da eS gelungen sei, die im Kasseler Bezirk vorgelegenen mannigfachen Differenzen zu beseitigen. • * Bleivergiftung. Im benachbarten Langgöns erkrankten, wie der „Darmft. Ztg." von hier geschrieben wird, im vorigen Winter eine Anzahl von Personen unter Erscheinungen, die man als Bleivergiftung deuten mußte. Man hatte Verdacht auf daS verwendete Mehl und untersuchte deshalb die verdächtigen Mehl- und Brotproben. In der That sanden sich in 7 Mehlproben und 3 Brotmustern ein mehr oder weniger hoher Bleigehalt. Die Mühle, die das fragliche Mehl geliefert hatte, wurde inspiciert und fanden sich denn auch Mühlsteine vor, deren einzelne Thetle mit Gtps verkittet waren und ferner Theile einer Masse, mit welcher verschiedene Vertiefungen des Steines angefüllt waren. Die Gips- und Füllmasse sollte nach Angabe des Müllers aus Alaun bestehen, indeß erwies sie sich bei der Prüfung des Untersuchungsamtes zu Gießen fast aus reinem, bekanntlich sehr giftigem Bleizucker bestehend. * * Militardieustnachrichte«. v. Bismarck, Oberst ä la suite des 3. Garde-Regiments z. F., (beauftragt mitL der Führung der 50. Infanterie-Brigade (2. Großh. Hess.) unter Ernennung zum Commandeur dieser Brigade, zum Generalmajor befördert. Retzlaff, Major und Bals.-Commandeur vom 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, unter Stellung zur Disp. mit Pension zum Commandeur des Landw.-Bezirks Wetzlar ernannt, v. Klipstein, Sec.- Lt. vom Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Pr.-Lt. befördert. Fliess, Pr.-Lt. vom Jnf.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Groß. Hess.) Nr. 116, zum überzähl. Hauptmann befördert. Halfmann, Sek.-Lt. von der Reserve des Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 (Bitterfeld), zum Pr.-Lt. befördert. ** Aus dem Manöver wird dem „D. T. A." unterm 14. September geschrieben: Durch den anhaltenden Regen hatten unsere Truppen am Anfang dss. MtS. schwere Tage. Durchnäßt und bis zum Kopf mit Lehm bespritzt — so sah man täglich die Leute in die Quartiere einziehen. Bon einer Batterie blieben einmal zugleich drei Geschütze in dem grundlosen Boden stecken. Die reitende Batterie des Lrtillerie- regiments Nr. 25 mußte wegen Erkrankung der Pferde das Manöverseld ganz verlassen. Im oberen Gersprenzthal brach ein Offizier vom Infanterieregiment Nr. 117 auf einer sumpfigen Wiese mit dem Pferde so ein, daß man letzteres förmlich ouS dem Morast graben mußte. Ueberall wünschte man sich: baldige Heimkehr in die Garnison oder besseren Himmel! — Jetzt ist alles wieder gm. Gestern rückten in fröhlicher Stimmung die Truppen in die Dtvisionsmanöver. Beim Beginn derselben wurde leider Herr Generalmajor v. Oppen, Commandeur der 49. Brigade, von seinem Pferde so gefährlich am Knie verwundet, daß er nach Darmstadt zurückkehren mußte. Der Großherzog wohnte nebst Gefolge d?n Hebungen der Truppen auf der Höhe zwischen Groß-Bieberau und Ober-Klingen bis etwa 12 Uhr bei. Sehr interessant war der Hebergang von einigen Compagnien des Infanterieregiments Nr. 117 über die Gersprenz bei Groß-Bieberau. Am Nachmittag bezog die 49. Brigade großes Biwak hier. Bald herrschte die fröhlichste Stimmung, die Mannschaften sangen hübsche Lieder, die Regimentscapellen säumten nicht, und bald strömten viele Zuschauer aus der Hmgegend in dieses ausgedehnte Biwak, wie man es nicht immer im Manöver zu sehen Gelegenheit hat. Heute ziehen sich die Truppen mehr nach Süden in die Gegend zwischen Wersau und Reichelsheim. ** Schießauszeichuuug für Offiziere. Auf Grund einer kaiserlichen Cabmetsordre sind jetzt beim 1. Garde-Regiment z- F. — zunächst nur bei diesem — auch für die Offiziere Schützenfangschnüre eingesührr worden. Dieselben gleichen den breiten Generalfangschnüren, sind jedoch von Silber und werden auf der linken Brustseite befestigt. Diese Schießauszeichnung ist definitiv eingeführt. ** Eine für Schüler und Eltern wichtige Entscheidung hat das Reichsgericht gefällt, indem es in einem Hrtheile die sogenannten Entschuldigungszettel, d. h. die Schriftstücke, in welchen Eltern die Schulversäumnisse ihrer Kinder bescheinigen und entschuldigen, für Hrkunden im Sinne des § 267 des St. G.°B. und deren fälschliche Anfertigung als Hrkunden- älschung erklärt. W Ans dem Bundesamt für das Heimathweseu. Durch Hrtheil des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen war auf die Klage des Ortsarmenverbandes Ilbenstadt der Ortsarmenverband Klein-Karben zur Zahlung von 427,25 Mk. verurtheilt worden, welche in der Zeit vom März 1891 bis zum Frühjahr 1893 für die Familie des Müllerknechts Herbert unterstützungsweise verausgabt sind. H. hat etwa 18 Jahre, während seine Familie in Ilbenstadt wohnte, auf der Mühle in Klein-Karben gedient. Im April 1890 erkrankte er und kehrte zu den Seinen zurück/ im Juli 1890 wurde auch die Frau krank, und nun trat Hilfsbedürftigkeit ein. Die gezahlten Hnterstützungen mit wöchentlich 3 Mk., später 4 Mark, wurden bet dem Armenverband Klein-Karben zur Erstattung liquidirt und von diesem auch bezahlt. Nachdem >ann im März 1891 H. verstorben war, wurde die Hnter- tützung der Familie fortgesetzt. Jetzt lehnte aber Klein- Karbeu die Bezahlung ab und ließ es auf den Prozeß au- kommen. Der Provinzialausschuß begründete seine ver- urtheilende Entscheidung dahin: Mit Hnrecht bestreite der Beklagte jetzt, daß H. bet ihm seinen Hnterstützungswohnsitz gehabt habe. Während seines langjährigen Dienstverhältnisses n Klein-Karben habe H. dort seinen regelmäßigen Aufenthalt gehabt, seine Familie in Ilbenstadt aber nur gelegentlich besucht. Lediglich auf den Aufenthalt aber komme es hier an, nicht aus den Wohnsitz im rechtlichen Sinne. Verfehlt ei auch der Einwand, daß es an einer ordnungsmäßigen Anmeldung des Anspruchs mangele. Hnterstützt sei vom Anfang an nicht nur der Ehemann H., sondern die ganze Familie sei unterstützt worden / die Hilfsbedürftigkeit sei erst durch die gleichzeitige Erkrankung beider Eheleute eingetreten. In der Hnterstützung der Familie nach dem Tode des Ehemannes sei daher lediglich eine Fortsetzung der Hilfsbedürftigkeit, nicht aber ein neuer Pflegefall zu erblicken, der einer besonderen Anmeldung bedurft hätte. Endlich habe der Gerichtshof auch die fortdauernde Hilfsbedürftigkeit der Familie H. als festgestellt angesehen. Die Wittwe sei meist erwerbsunfähig/ von den acht Kindern seien zwei noch schulpflichtig, zwei in der Lehre gewesen. Als miterwerbend komme nur ein Sohn und eine verheirathete Tochter in Betracht, von deren Beihilfe aber der Lebensunterhalt der im gemeinschaftlichen Haushalt lebenden fünf Personen ohne Zuschuß aus Armenfonds nicht bestritten werden könne. Gegen dieses Hrtheil legte der Beklagte unter Wiederholung seiner Einwendungen Berufung ein. Das Bundesamt für das Heimathweseu erkannte am 15. September er. abändernd dahin, daß der Beklagte zur Zahlung von 218,86 Mark zu verurtheilen, Kläger mit der Mehrforderung aber abzuweisen sei. Der Gerichtshof trat dem Vorderrichter darin bei, daß der Hnterstützungswohnsitz in Klein-Karben begründet, rmd> daß eine neue Anmeldung nicht erforderlich gewesen fei. Dagegen gelangte er zu einer abweichenden Beurtheilung bezüglich der Hilfsbedürftigkeit, indem er nach den feftgestellien Thatumständen eine solche an sich zwar für vorliegend, eine Hnterstützung von wöchentlich 2 Mark aber für ausreichend erachtete. ** Weber die Spielkarlen.Fabriken und de« Verkehr mit Spielkarten bringt die Statistik des Deutschen Reichs eine Hebersicht, die im Ganzen 39 Spielkarten-Fabriken nachweist (gegen 47 in 1892/93). Davon kommen 10 aus Preußen und ebensoviel auf Sachsen, 8 auf Bayern, je 2 auf Hessen, Mecklenburg, Thüringen und Braunschweig und je 1 auf Württemberg, Baden und Hamburg. Der in den Spiel- karten-Fabriken vorhandene Bestand betrug am Schluffe des Vorjahres 1,024,243 Spiele von 36 oder weniger Blättern und 252,787 Spiele von mehr als 36 Blättern, der Zugang während des Jahres 1893/94 5,116,207 und 1,104,247 Spiele, der Abgang in dieser Zeit 5,017,594-unb 1,015,469 Spiele, so daß am Schluffe des Jahres 1893/94 vorhanden waren 1,122,856 und 341,565 Spiele. Versteuert wurden vom inländischen Fabrikat 4,279,051 Spiele von 36 oder weniger Blättern (zum Steuersätze von 0,30 Mk. für 1 Spiel — 1892/93 4,244,304) und 161,867 Spiele von mehr al- 36 Blättern (zum Steuersätze von 0,50 Mk. — 1892/9A 167,414) und vom Auslande eingeführt (zum Zollsätze von 60 Mk. 100 Ktlogr. neben der inländischen Abgabe) 23,328 und 11,410 (1892/93 18,902 und 6472) Spiele. Nach dem Auslände ausgeführl wurden überwiegend Kartenspiele von mehr als 36 Blättern, deren Zahl 1893/94 850,642 betragen hat gegen nur 687,290 Spiele von 36 und weniger Blättern/ 1892/93 war das Verhältniß umgekehrt, da von den kleineren Spielen in diesem Jahre 877,061 und von den größeren 783,301 nach dem Auslande ausgeführt worden waren. ** Wetlerkundige Leute wollen wissen, daß ein strenger Winter bevorstehe. Sie entnehmen dies daraus, daß die Waldheide sehr reichlich blüht und ihre kleinen rosafarbenen Blüthen selbst bis zu den äußersten Spitzen ihrer Zweige angesetzt hat. Auch das Verhalten der Zugvögel, die sich Heuer früher als sonst zur Abreise rüsten, soll darauf hin- beuten, baß ber Winter ein hartes Regiment führen werde. Wenn man aber bedenkt, daß im Frühjahre dieses Jahre- dieselben Wetterbeobachter einen trockenen Sommer vorauS- gesagt und die Zeichen der Natur sicher falsch verstanden hatten, so wird man den verkündigten strengen Winter nicht zu fürchten brauchen. Butzbach, 15. September. Eine Seltenheit zur jetzigen Jahreszeit, wo man schon mit dem Einernten der Zwetschen, Birnen und theilweise auch der Aepfel beschäftigt ist, dürfte das Vorhandensein von voll mit reifen Früchten behangenen Kirschbäumen sein. An der Staatsstraße zwischen Ober- Hörgern und Eberstadt sind eben noch einige derartige Bäume zu sehen, welche zahlreiche Früchte der mittelgroßen, dunkel- rothen, sauren Kirsche tragen. Lauterbach, 15. September. Vom 1. bis 10. October wird in der hiesigen Genoffenschaftsmolkerei ein CursuS für Vorstände von GenoffenschaftSmolkereien, bezw. Land- Wirthen abgehalten, die eine Verbesserung ihrer Milchwirthschaft anstreben oder sich einen Einblick in die Führung und Rentabilität einer ländlichen GenoffenschaftSmolkeret verschaffen wollen. § Sicheuhaufeu, 16. September. Der hiefige Gastwirth und ehemalige Bürgermeister Thomas Scholtes feiert am 29. September mit seiner Familie daS Fest der goldenen Hochzeit. Möge es dem Jubelpaar, welche- noch sehr rüstig und gesund ist, vergönnt sein, noch lange Jahre zusammen zu sein. § Ober-Moos, 15. September. Heute wurde der hiesige großeTeich ausgefischt: es befanden sich darin etwa 3300 Stück Karpfen im Gesammtgewicht von ca. 90 bis 100 Gentner. Die Fische find verkauft an verschiedene Händler in Hanau, Frankfurt a. M. u. s. w., der Centner zu 52 Mk. Nur wenige Schleie, Hechte und Aale befanden sich in dem Teich. Der Preis der Karpfen ist seit einigen Jahren gestiegen und wurde früher der Centner stets zu 50 Mark verkauft. Der Fischteich ist durch seine gute Karpfenzucht berühmt und gehört dem Freiherrn von Riedesel zu Eisenbach. § Vom höhere» Vogelsberg, 16. September. Die Sommer fruchternte ist hier beendet, auch das noch seither auf Haufen gestandene Korn ist nach Haus gefahren. Mit dem Ausfall der Ernte ist man allgemein sehr zufrieden, auch ist dieselbe mit Ausnahme des Kornes ziemlich gut heimgebracht worden. Seit gestern ist auch mit der Grummet- Ernte begonnen worden, die Wiesen sind jedoch von dem letzten Regenwetter noch sehr naß, sodaß das Abfahren sehr vorsichtig geschehen muß. nn. Darmstadt, 16. September. Samstag Nachmittag gegen 4 Hhr durcheilte die Kunde von einem fünffachen Mord unsere Stadt und versetzte die Gemüther in eine ungeheuere Aufregung. Seit Menschengedenken kann man hier sich einer solchen That nicht erinnern. Der Sachverhalt ist folgender: Der in der Liebfrauenstraße Nr. 58 in ber Mansarbe in bescheibenen Verhältnissen wohnhafte ExpebitionS- Gehülfe an ber Main-Neckbar-Bahn, Georg Wölfelschneiber, war um 12 Hhr von seinem Dienst in gewohnter Weise nach Hause gekommen unb Hütte baS Mittagessen mit seiner Familie, welche außer ihm unb seiner Frau noch an- 5 Kinbern bestaub, eingenommen, ohne daß man auch nur daS geringste von seinem schauerlichen Vorhaben an ihm gemerkt hätte. Kurz nach 2 Hhr schickte nun Wölfelschneiber seine Frau und seinen ältesten Knaben im Alter von 8 Jahre» in die innere Stadt, um Einkäufe zu machen, da die Familie beabsichtigte, am Samstag zu Groß-Hmstadt bei Verwandten einen Besuch abzustatten. Während nun die Frau in sorgloser Weise vom Hause fortging,nahmWölfelscheider einensechS- läufigen Revolver und erschoß vier von seinen Kindern Vermischter. aus de S aß7 wurde von fernem Vater gerufen und mußte |^rn Schulz aus Wiesbaden aufgestiegene Luftballon ist .1. 1 . B s.in ilinnffi 9eben lallen: v °___wt*,« (PnrfiriAt des ..WieSb. Gen.-Anz." Barometerstand U « @eotg Post, Grotzeu-Ltuden. [5278 Neustadt48. freundliches Stmmoben CMrfe 2nu6b. ‘ ‘ N-«° «BW*«“ "Ze »Sl KKS, Commod m, SchrM ^tM8v, wegzugshalber ve,kaust. Die Sachen wagen, Halbverdecks, «reaks Stock^5 Zimmer mit allem Zubehör, Ube4 1 $tflntoo ?2 MUftänbtflc Srtten, können nur Nachmittags von 4-6 Uhr unb Landauer, sowie 4 gebrauchte Z'^ber zu vermieden. Näder es . 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Die Schweinepest im Kreise I Mainz ist heute amtlich für erloschen erklärt worden. A Mainz, 16. September. Die allgemeine deutsche Gartenbauausstellung, die gestern Vormittag in Vertretung des Staatsminifters Finger von dem Provinzialdirector Geh.-Rath Rothe hier eröffnet wurde, läßt sich, was Reichhaltigkeit und das Arrangement anbelangt, ohne Uebertreibung I mit als eine der großartigsten Veranstaltungen, welche aus diesem Gebiete in den letzten Jahren in Südwestdeutschland stattfanden, bezeichnen. Die Ausstellung befindet sich aus I einem Terrain, da« circa 16,000 Quadratmeter umsaßt und welches das Innere der Stadthalle sowie die dieselben unr* gebenden Plätze in freier Aussicht auf den Rhein m sich I einschließt. Die Zahl der Aussteller ist über 300, die in 1600 Gruppen Pflanzen, Bindereien, Tafeldecorattonen, Obst, Gemüse, Geräthschaften u. s. w. zur Vorführung bringen. Unter den Ausstellern befinden sich die ersten I Gärtnereien und Blumenzüchter aus ganz Deutschland, I worunter die weltbekannten Firmen Gebr. Siesmeher in I Bockenheirn bei Frankfurt, A. Weber in Wiesbaden, fowe eine Reihe Hofgärtnereien mit reichhaltigen Collectionen der I herrlichsten Pflanzen und Ztergewächse vertreten sind. Am Eingang in die Ausstellungsräume stellt die Stadtgartnerei ihre selbftgezogenen Vorräthe für die Landschaftsgärtnerei I aus. Um ein großes Teppichbeet, das einen Springbrunnen umrahmt, breitet sich ein Blumengarten, in dem sich Beet an Beet von prachtvoll entwickelten Granien, Heliotropen, I Nelken, Fuchsien, Rosen, Astern u. s. w. zu farbenreichem Bilde anreihen. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet ein großer CircuSraum, deffen Inneres vollständig zu einem Garten umgewandelt ist. Gruppen hochstämmiger I Topfgewächse, Blattpflanzen und Blumen, Fontaine», Dioramen, Tropfsteingrotten, Wafferfälle, schmucke Pavillons geben ein herrliches Bild ab, deffen Schönheit am Abend noch durch electrische Beleuchtung erhöht wird. Die riesigen Räume der „Stadthalle" werden zum größten Thetl von der ObstauSstellung, den Bindereien, den Taseldecora- tionen und Gartengeräthschaften in Anspruch genommen. Aus | langen Tischen ist das herrlichste Tafelobst, daS man sich nur denken kann, zusammengesteüt, wobei in erster Linie die Erzeugnisse aus der königlichen Lehranstalt für Wein- und Obstbauzucht in Geisenheim allgemeine Bewunderung erregen. Ein farbenprächtige« Bild gewähren die herrlichen Bindereien, in denen von hiesigen und umliegenden Gärtnereien wahrhaft Großartiges geleistet wurde. Neben diesen reizenden Gebilden der Natur birgt die „Stadthalle" noch herrliche Schöpfungen der Kunst, die durch die Kgl. Porzellan-Manu- faclur in Berlin, die Württembergische Metallwaarensabrik und verschiedene Juwelengeschäfte in Gestalt von prachtvollen Basen, Tafelgeräthen, Gläsern rc. zur Ausstellung gebracht sind. Es würde zu weit führen, noch mehr auf Einzelheiten einzugehen und dürfte daher die Bemerkung genügen, daß der Totaleiudruck der Ausstellung ein ganz vorzüglicher ist. Der Besuch der Ausstellung war gestern und heute ein sehr lebhafter, besonders an den Nachmittagen und Abenden, wo auf dem Ausstellungsplatze Concerte stattfinden. A Mainz, 16. September. Der Großherzog von Heffen und Gemahlin, sowie die Prinzessin Alix von Heffen sind heute Morgen gegen 11 Uhr zur Besichtigung der Gartenbauausstellung hier angekommen. Die hohen Herrschaften wurden von den Spitzen der Behörden und dem Ausstellungs- Vorstand empfangen und durch die Ausstellung geleitet. Bei dem]Verlaffen der letzteren verlieh der Großherzog den beiden Hauptförderern der Ausstellung, dem Stadtverordneten N. Rackö die goldene und dem Stadtgärtner Schröder die silberne Medaille für Kunst und Wiffenfchaft. ebenfalls wie feine Geschwister sein junges Leben Men; auch er erhielt von seinem offenbar geistesgestörten Vater einen Schub in btn Kops. Da« Jüngste hatte noch bas Sangstäschchen im Munbe. Nachdem Wälfelschneiber seine sämmtlichen «über mit einem Schuß in bte rechte Schläfe getöbtet hatte, »niete er cor seinem Bett nieber unb schoß st» selbst eine Kugel in den Kops. Durch bie Schüsse alarmin, drangen Nachbarn in die Wohnung, woselbst sie nur noch die Leichen fanden. Der Jammer der Frau um ihre Kinder ist grenzenlos. Mainz 13. September. Mit Bewilligung des Gou- cernemente’ haben in btn letzten Tagen fünf Osfilziere be« italienischen Generalstabe» bie hiesigen Festungswerke SW Ptr UW* ,5‘‘WÄnt i ®etlaufe «in noch fast neu.« Break. 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Das sollten Eltern nie thun, und sie sollten auch nicht erlauben, daß andere ihren Kindern solches Gift in den Mund stecken. - Man würde jeden Vater für leichtsinnig halten, der seinem Sohne erlaubte, jeden Tag ein kleines Theilchen Gijt zu fick zu nehmen, auch wenn daffelbe ihm scheinbar nicht- schadete. Ebenso leichtsinnig ist jeder Vater, der es ruhig ansieht, wie sein Junge bald nach der Confirmation anfängt zu rauchen. Deßhalb ist das Verbot des Tabakrauchens jugendlicher Personen für den Kreiß Zaim im Regierungsbezirk Bromberg sehr nachahmenswerth. Es lautet: § X Jugendlichen Per- onen unter 16 Jahren ist das Rauchen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen und in öffentlichen Localen untersagt. Das Verbot bleibt jedoch auf die Fälle beschrankt, । in denen die jugendlichen Personen sich nicht in Begleitung I ihrer Eltern befinden. § 2. Jede Zuwiderhandlung gegen dies Verbot wird mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. bestraft an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Haft tritt. * Zwei Teppiche. Ein bedeutender Auftrag für das neue Reichstagsgebäude ist soeben, wie die /,Berliner Börsenzeitung" mittheilt, von einer Smyrna-Teppich-Fabrtk in Schmtedeberg vollendet worden, es sind zwei Teppiche von coloffaler Größe, deren einer, und zwar der größere von beiden, seinen Platz im Lesezimmer des Reichstagsgebaudes | erhalten wird. Seine Dimensionen betrogen 9,93 und | 23,27 Meter. Da der Teppich nach Plan gearbeitet, nämlich an den Stellen, wo Schränke zu stehen kommen, aus- gearbeitet ist, so beträgt sein Flächeninhalt 203 37 Quadrat- meter. Sein Gewicht beträgt nicht weniger als lo1/* An ihm haben neun Arbeiterinnen 55^2 Tage oder 9 Wochen li/9 Tage gearbeitet. Sein Werth beträgt 5400 Mk. Der I kleinere Teppich hat die Form eines Achtecks; seine größten Ausdehnungen betragen 11,27 Meter. Er hat einen Flächen- inhalt von 131 Quadratmeter und ein Gewicht von 9 Etr. 82 Psd. An ihm haben 12 Arbeiterinnen 35 Tage gear- I beiter. Sein Werth ist 3500 Mk. I • Das versetzte Sein. Wohnten da in der Großen Hamburgerstraße in Berlin im vierten Stockwerke eines Hauses zwei fidele Studenten, welche alö gute 8"unde in vollständigem Communismus lebten. Da ihnen die Gelder nicht allzu reichlich floffen, kamen sie oft in die Lage, die Hilfe eines bekannten Pfandleihers in Anspruch zu nehmen. Aber eines Tages — es war erst gegen den 20. des Monats waren die beiden Studenten aller Mittel baar, die wenigen versetzbaren Gegenstände waren bereits ihren bekannten Weg nach der Karlftraße gewandert — nun war guter Rath theuer. Doch ein Bruder Studio weiß sich zu helfen. Einer ' von den Studenten hat in der Jugendzeit das Unglück ge- $ * Pofen, 15. September. Bei dem Einsturz des im Bau begriffenen dreistöckigen Hauses in Gnef en (nicht in der Stadt Pofen) sind zwei Gesellen und ein Lehrling um- gekommen, zwei andere Arbeiter wurden schwer und ein Arbeiter leicht verletzt. Die Staatsanwaltschast hat sofort * Wiesbaden, 15. September. Der gestern im Cur- garten mit Fräulein Paulus auS Frankfurt a. M. und die Untersuchung eingeleitet. * Kettwig, 14. September. Mehrere Knaben spielten Soldat, wobei sie mit hölzernen Säbeln aufeinander los- schlugen. Dabei wurde ein Junge von einem anderen so unglücklich getroffen, daß ein Schädelbruch erfolgte und der Tod nach einer Viertelstunde eintrat. • Hamburg, 15. September. Der durch sein Werk: Lessing, ein Plagiator" bekannt gewordene philosophische Schriftsteller Profeffor Paul Albrecht beging gestern Selbstmord, indem er sich aus dem Fenster seiner Villa stürzte. Er ist in der Nacht verschieden. * Konstantinopel, 15. September. Auf der Bahnstrecke Salonicht-Dedeogatsch wurde cin reicher Gutsbesitzer Namens RussomanuS von Jnselpiraten Überfallen, die seinen 11jährigen Sohn gefangen nahmen und 600 Pfund Lösegeld für dessen Freilassung verlangten, welche auch entrichtet wurden. Von Vali aus sind den Piraten, die sofort flüchteten, unb zwar zwei prächtig- Knaben hn eiter von 6 Jahren . unb Bon 5 Wochen unb zwei Mabchen Bon 3 unb 2 Jahren. Der «jährige Knabe Heinrich Weite noch Borter abnung-l->- * v o ___ - (Tlntav norttfon ttnh mnutE Stärkungsweine unter Königl. italien. Staatscontrolle! Die ärztlicher je i t S empfohlenen Stärkung«- weine der Deutsch - Itutieuischkn Wein - Import - Gksellschast Daube, Douutt, Kiueu & Co. Marca Italia, Vino da Pasto n. s. w., bekanntlich das beste Mittel, gesunkenen Körperkrasten wieder aufzubelfen, sowie Castelli Romani, weiss und roth, hervorragend durch natürlichen Eisengehalr für Blutarme und Ble'chsüchtige, sind stets vorräthig. In Gießen: G. & A. Wallenfels, Carl Schwaab, WUH. Schomber, Eberh. Dort. 4826 Schiff-nachrichten. Hamburg, 14. September. Der Hamburger Doppelfchrauben- Schnelldampter ^„Augusta Victoria", Kapitän Kaempff, der Hamdurg- Ameltkanifchen PacketfahrtActien-Gesell schast, welch« Jr temder von e>outbampton abgegangen, ist am • ^eltekau(t von gerechnet 6 Tage 8 Stunden 40 Min. — Spielplan oer verewigten Zravdsurter Siadtttzeater OperndauS. . Dienstag den 18. September: Reg im ent St ochter- C^a lena rasticana. Mittwoch den 19. September: T-nnh Sus er. Donne ag habt, ein Sein zu verlieren, dafür pthielt er p°n einem loben Gönner eia künstlich- «ei,,. Sur, entschlossen !»nallte er'e« in oller Seelenruhe ab übergab e« dem Eommtlitanen, der siegesbewußt nach ber Karlftraße eilte. Der joBtole Pfandleiher steht zunächst btn alten Kunden uerbutzt an schießt aber endlich 3Ü Mark Bor. Damit war den beiden geholfen. Der Stubto ohne Bein blieb aus ber Bude unb (tubirte, was da« Zeug dielt, zum Examen der andere b'- biente ihn, holte Esfen, Bier und Tabak, bis ber Erste kam und das Bein wieder eingelöst wurde. _ Hygrometer: .Ä-Ärt. M M bet »«-meUrU.t, -id. .tu Stand deS vorhergehenden Tage- an. _____ Dienstag den2.October, IW-StaUffW« - ' räumte Bersteigeruug fflflt auS Geißler, '.Mitte Mansardenlogis, 3 Zimmer mit Zubehör, v. 1. Oktober ab zu vermiethen. Näheres «ahnhofstratze 3S. > Lahnstratze 11. rt9901 glne 7277] Ein M°nsatdewL>,iS -u oer. ' Wunsch m.Gatten zu verm. Schützenstr.17. miethen. Grabenstratz • b8611 - 7632] Meine Möbel, bestehend noch aus: . ,(X I » 11 noch neuenIPlüfchgarnitu^ 3Spiegeln^ m°Mmittag8 2 Uhr, ' ’ Mch mtt Äarmorplatte, 2 Küchenschränken fllif 6374] Der 2. 3 Zimmer, 1 r?JS®60S i-SftpÄÄ Wagenverraus. »S« Sonta? Kommoben. Schränke. 2nu6B. “ ^lbverdecks. 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September Morgend 8 Uhr (WetterdäuSchen in der Sädanlage) re Thermometer: min. 4- 4° R., max. 4- 7« R. Nachmittags 3 Uhr, räumte Versteigerung fLLt auS. ifl das ^^rb^e Mtte« rerLrS' j GerNollz'eher. I * 30 u 50 Pfg. bei ^Ur Koplonsgaffe 74 qm te ^ Schellfisch und Cabiiau. |e" «ä“' öffentlich meistbietend versteigett werden. - — ° ----1 ' «eora Vost, 'S» Gießen, 18. August 1894. ' Großh- Ortsgettcht Gießen. I. 3L: Bogt. 52. SS OMkl-CiWNS 7132 Giessen, den 16. September 1894. 7614 Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 3 Uhr von der alten Klinik aus statt. werben von heute ab an meiner Kaffe eingelöst. Genaue Controle aller Verloosungen. Besorgung neuer Couponsbogen kostenfrei. Conrad Dietz Schulstrasie 10. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Mittheilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unsere einzig geliebte Tochter Ella nach langem schweren Leiden im Alter von 12% Jahren am 15. ds. Mts., Abends 6 Uhr, zu sich zu nehmen. 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September, Abends 8 Uhr: Generalversammlung* im Gartensaale des Gesellschafts-Vereins. 7ei6 Tagesordnung: Kassenbericht. Neuwahl des Vorstandes. Orchester-Verein. Nächste Probe: Montag, 24. September 1894. Giessen 7617 *********0 ********** Auguste Jughard August Wolff Verlobte. Dortmund im September 1894. 1 <1 <1 im Alter von 6 Monaten gestern Abend 6 Uhr sanft entschlafen ist. 7627 Um stilles Beileid bitten Carl Kinkel, Bierbrauer, und Frau Liebigstrasse 63. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, dass unser liebes Für unserem sagt den Danksagung. die allseitig bewiesene herzliche Theilnahme bei grossen Verluste, sowie für die Blumenspenden herzlichsten Dank Franz Metz 7615 S chneidermeister. angefertigt « mässigen Brühl’sehen Facturen, Quittungen, Briefköpfe Wechselfomiuleire etc. in Schwarz- und Buntdruck werden rasch Coursbericht 46/0 Ung. Gold-Rente 94.10 103.40 50/0 Jtal. Rente 93.5 6