1894 Mittwoch den 18. Juli Nr. 165 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Redaktion, Expedition und Druckerei: Sciiutiiraße Kr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger' ASonncmcntsprel«: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlobn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener Aamilien blätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Hießcner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. A,nts- und Anzeigeblatt für den Akreis Giefzen. Gratisbeilage: Gießener Kamilienßlätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsche» Reich. Berlin, 16. Juli. Die Weiterfahrt des Kaiser- paares an der norwegischen Küste entlang über Bergen nach Drontheim hat längere Zeit in Anspruch genommen, als nach dem ursprünglichen Programm festgesetzt war. Denn erst am Sonnabend Morgen hatten die Majestäten die alte Hansastadt Bergen wieder verlassen und die Reise weiter nach Norden an Bord der „Hohenzollern" fortgesetzt. Am Sonntag früh trafen die hohen Reisenden in Arlesund ein, machten sodann einen Abstecher nach Molde und unternahmen Nachmittags einen Ausflug nach dem Romsdal. Im Laufe deS Dienstag wurde die Ankunft der Majestäten in Dront- heim erwartet. — Der Bundesrath ist in voriger Woche mit einem Beschlüsse, welcher die Reichstags-Resolution auf Wiedereinführung derFreisahrtkarten für d t e Reich stag's- abgeordneten auf sämmtlichen Eisenbahnen Deutschlands ablehnt, in seine Sommerferien gegangen. Dieser ablehnende Beschluß wird von officiöser Sette mit dem Hinwette darauf, zu begründen versucht daß die Gewährung von lLisenbahn- freifahrtkarten für die Retchstagsmitgliedcr eine Verletzung der Reichsverfassung bedeuten würde. Letztere bestimme in Art. 32 ausdrücklich, daß die Mitglieder des Reichstages als solche keine Entschädigung oder Besoldung beziehen dürften, und hiermit verbietet sich auch die Gewährung eines Benefizes, wie solches das Recht beliebig freier Eisenbahnfahrten für die Reichstagsabgeordneten sein würde. — Das ist allerdings ein überaus kühner Schluß des betreffenden Ofsiciosus, es gehört ein ganz besonderer Scharfsinn dazu, aus einer solchen Berechtigung eine Berfassungsverletzung herauszuspüren. Und übrigens — die Eisenbahnfretfahrtkarten mit unbeschränktem Gebrauch haben ja für die Reichstagsabgeordneten von 1877 bis 1884 bestanden — hat damals je ein Mensch in diesem „Benefiz" eine Verletzung der Reichsverfassung erblickt? Man wird darum annehmen dürfen, daß derselbe eigentliche Grund, welcher 1884 augenscheinlich zur Wiederaufhebung des erwähnten Vorzugsrechtes der Reichstagsobgeordneten führte, nämlich der Wunsch, die Agitationsreisen radicaler Abgeordneten durch das Land möglichst einzuschränken, wohl auch bei dem obigen Beschlüsse des Bundesraths maßgebend gewesen ist. — In dem aufblühenden Cuxhaven wurde am Sonntag die Jubelfeier der 500 jährigen Vereinigung des Amtes Ritzebüttel mit dem Staate Hamburg festlichst begangen. Ausland. Paris, 16. Juli. Die Franzosen haben am vergangenen Sonnabend, als dem 14. Juli, das Nationalfest der Republik gefeiert. Es war diesmal aber angesichts des tragischen Heimganges des Präsidenten Carnot eine sehr stille Feier, nur in der Hauptstadt hat eine „ziemlich angeregte" Stimmung geherrscht, doch ist auch hier das Nationl- fest weniger glänzend verlaufen, als in früheren Jahren. Auch bei der diesjährigen Feier des Nationalfestes in der französischen Hauptstadt fehlte nicht die bekannte Demonstration der elsässischen Vereine vor der Statue der Stadt Straßburg und dem Gambetta - Denkmal, doch scheinen sich die Demonstranten politischer Kundgebungen enthalten zu haben. Vor dem Gambetta-Denkmal kam es zu einem Zwischenfall, indem ein Mann auSrief: „Im Namen Gambettas Freiheit für uns, wie in Deutschland!" Die Menge stürzte sich sofort auf den vermeintlichen „Prussien", der nur durch seine schleunigste Verhaftung dem Schicksal, mindestens furchtbar durchgcprügelt zu werden, entging. Auf dem Polizei- commissariate erklärte der Verhaftete, Eugen Felden zu heißen, aus Straßburg zu stammen und gebürtiger Franzose zu sein. Weiter deponirte er, allzeit sei er ein Vertheidiger der Frei- heit gewesen und diese Gesinnung habe er im Augenblicke, wo man in Frankreich das Recht der Presse und des Wortes bedrohe, an der Statue Gambettas bekunden wollen/ im Uebrigen sei er ein guter französischer Patriot. Der Unvorsichtige wurde schließlich wieder entlassen. — In Bastia auf Corsica ist ein Individuum, Namens Oreste Bucchesi, verhaftet'worden, welches von Livorno kam und des Mordes des italienischen Journalisten Bandt verdächtig ist. Hcucfte Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Köln, 16. Juli. Wie die „Köln. Ztg." aus Mailand meldet, gelang es der dortigen Polizei, am Samstag in später Abendstunde in einer Weinschänke vor der Porta Romana eine aus 30 Personen bestehende anarchistische Versammlung aufzuheben und die Theilnehmer zu verhaften. Unter diesen durchgehends jungen Leuten im Alter von 17 bis 22 Jahren befanden sich mehrere gefährliche, längst gesuchte Individuen. Die Verschwörer leisteten keinen Widerstand und wurden unter starker Bedeckung der Polizei in Gewahrsam abgeführt. Barmen, 16. Juli. Am Hauptpostamt ist der Dachstuhl niedergebrannt. Die Telephon- und Telegraphenleitungen sind zerstört, die Apparate gerettet/ das Feuer ist im Erlöschen. München, 16. Juli. Das Tornado-Gebiet (s. Privat- depesche in vor. Nr.) durchzieht die Bezirksämter ElberSbrrg, Dorfen und Haag, etwa 4'/z Stunden lang und V2 Stunde breit. Auf dieser Strecke sind fast alle Häuser, alle Bäume und mehrere Hundert Tagwerk Waldung zerstört. Man schätzt die Zahl der zerstörten Gebäulichkeiten auf 400 HauS- nummern und 600 Firste, den dtrccten Gesammtschaden aus mehrere Millionen. Der indirecte Schaden ist ebenfalls groß, da meist die ganze Existenz der Betroffenen vernichtet ist. Die Windhose entstand im Zusammentreffen zweier Hochgewitter, die bei lichten Wolken schlossen von 100 bis 500 Gramm warfen. Plötzlich senkten sich die Wolken im Wirbel zur Erde, unter plötzlicher Finsterniß und mit dumpfem Getöse der Luft bewegte sich der Wirbel rasch vorwärts. Der Sturm war nach einer Viertelstunde vorüber. Innerhalb des Weges, den der Wirbel nahm, fielen wenig Schloffen. Die Häuser sind theils zu Boden gedrückt, theils zerrissen, theils umgestülpt und abgedeckt. Die Dachbalken und Mauerreste sind mit Streu und Heuvorräthen umwunden, Be- dachungstheile weit ins Feld verstreut. Alle Bäume sind ausgerlssen, zerknickt, zerrissen und umhergeschleudert. An allem Zerstörten sieht man, wie es vom Sturm zusammengedreht wurde. Schwer mit Blöcken beladene Wagen wurden umgeworsen. Am stärksten heimgesucht ist die zweieinhalb- stündige Strecke Mooshäusel - Forstinnig - Forstern. Hier ist Alles bis auf einige weniger beschädigte Häuser vollkommen verwüstet. An der Kirche in Forstern wurde die halbe Seite der Thurm-Kuppel mit den Glocken auf das Ktrchendach geschleudert, das Gewölbe durchbrochen und der Altar verschüttet. Auffällig ist, daß kein Brand entstand. Nur ein Knabe wurde getödtet und nur einige Stück Vieh sind umS Leben gekommen. Trotz der fürchterlichen allgemeinen Zerstörung stellen sich auch die Verletzungen geringer heraus. Außer einigen Arm- und Beinbrüchen sind nur leichte Verletzungen vorgekommen. Ein Knabe wurde eine Viertelstunde weit durch die Luft geführt ohne Schaden zu nehmen. Eine Frau wurde verschüttet, blieb aber unverletzt-eine andere Frau wurde schwer verletzt, weil sie in die Spitzen einer Egge geworfen wurde. Ein Kind wurde durch die Luft entführt und wird noch vermißt. Das Eisenbahnbataillon sichert die gefährdeten Häuserreste. Wien, 16. Juli. Josephine v. Wertheimstein, eine in literarischen und künstlerischen Kreisen vielfach bekannte Dame, deren Salon der Mittelpunkt der geistigen Bewegung Einiges über Erdbeben. (Schluß.) Ueberhaupt ist es unstatthaft, nur eine einzige Ursache für sämmtliche Erdbeben annehmen zu wollen. Als in den Jahren 1772 und 1810 Felsmassen von der Shakespeare- Klippe ins Meer stürzten, hatte Dover eine ziemlich starke Erderschütterung und ebenso erregte der Erdsturz bei Zella am 12. November 1869, der einen tiefen Erdspalt erzeugte, eine so heftige Bodenerschütterung, daß in der Nähe Kamine einstürzten. Das Zusammenbrechen unterirdischer Hohlräume, künstliche Sprengungen, ja, die Schläge deS Krupp'schen Rtesenhammers. verursachten Bodenerschütterungen, endlich hat man in Japan einen Zusammenhang der leisen Erzitterungen der Erde mit den Schwankungen des Luftdrucks und der Heftigkeit des Windes erkannt. Der Erdboden erscheint hiernach trotz seiner Starrheit wie eine elastische Maffe, und daß dies wirklich der Fall ist, hat sich auf der Sternwarte zu Greenwich gezeigt, an deren Instrumenten eine zitternde Bewegung des Bodens besonders lebhaft auftritt an Feiertagen und besonders dann, wenn der umgebende Park stark besucht ist. Diese Bodenerzitterungen sind nur oberflächlich und ihre Ausbreitung wird schon durch einen steilen Einschnitt aufgehalten. Dies erinnert an die Thatsache, daß bei starken Erdbeben in oft erschütterten Gegenden gewisse Stellen unberührt bleiben, die vom Volke Erdbebenbrücken genannt werden. Die meisten und von allem die großen, weithin ausgedehnten Erderschütterungen stehen in engem Zusammenhang mit der Gebirgsbildung und werden verursacht durch die Ablösung größerer Erdschollen in der Tiefe, weßhalb man sie als tektonische oder Dislocationsbeben bezeichnet. Alle Bewegungen im festen Gerüst unserer Erde, wodurch bte Gebirge aufgethürmt und Senkungen und Einstürze hervorgerufen wurden, waren als solche Erdbeben von furchtbarster Gewalt. So sind auch die heutigen Bodenerschütte- rangen Aeußerungen der langsam fortschreitenden Gebtrgs- stauungen, des Schrumpfungsprozesses unserer sich allmählich abkühlenden Erde. Sie erfolgen auf Zonen oder Linien längst vorhandener Lagerungsstörungen (Brüchen und Fal- tungen) der Erdrinde als ruckweise, wettere Ausbildung derselben. In Kettengebirgen, die durch horizontale Faltung der Erdrinde entstanden, wie die Alpen und die Cordtlleren, sind Erdbeben deßhalb häufig, ebenso in Küstengebieten, wo der abgesunkene Meeresboden von Gebirgen unmittelbar umgrenzt wird- dagegen sind sie seltener in alten, längst zur Ruhe gekommenen Gebirgen und in Gegenden mit wenig gestörtem Schichtenbau. So erscheinen also die Erdbeben als Auslösungen von Spannungen im Gerüste der Erde, und alle-, was diese Auslösungen erleichtert, muß das Eintreten von Erdbeben begünstigen. Nun zeigten die statistischen Zusammenstellungen, die zuerst von Parry, dann besonders von Julius Schmidt geliefert worden, daß zu den Zeiten der stärksten Meeresfluthen auch die Erdbeben zahlreicher sind als sonst und daß in der Erdnähe des Mondes mehr Tage mit Erdbeben verzeichnet sind, als bei gleichmäßiger Vertheilung der Fall sein würde. Es findet also ein Einfluß des Mondes aus die Erderschütterungen statt und zwar in äbnlicher Weise wie auch das Anschwellen und Sinken des Meeres in den Gezeiten. Eine irrige Auffaffung der Sachlage aber wäre es, dies durch Fluth und Ebbe eines glühend flüssigen Erdinnern erklären zu wollen, denn solche könnten die wirklich eintretenden Erscheinungen nicht Hervorrufen. Die einzig zulässige Erklärung, die ich an diesem Orte bereits bet einer anderen Gelegenheit gegeben habe und die ich bet diesem Anlaß wiederholen will, ist vielmehr folgende: Die Gezeiten (Ebbe und Fluth) unserer Weltmeere sind bekanntlich eine Folge der Anziehung des Mondes und der Sönne- diese Anziehung bewirkt aber auch Deformationen des festen Gerüstes der Erde, die freilich viel geringer sind als die der flüssigen Oberfläche. Die ganze Erdoberfläche wird durch die gewaltige Anziehung von Sonne und Mond in geringerem Grade wie eine elastische Maffe gehoben und gesenkt, und in diesem periodisch wiederkehrenden, bald schwächeren, bald stärkeren, aber lediglich von der Mond- (und Sonnen-) Stellung abhängigen Pressen und Dehnen der Schichten ist der Factor zu suchen, welcher den sonst durchschnittlich zu allen Zeiten gleich häufigen Erschütterungen eine periodisch größere Häufigkeit verleiht. Erdbeben würden auch ohne die Mondanziehung stattfinden, aber diese ver- ursacht periodisch häufigere Auslösungen, und es ist daher ganz richtig, zu erwarten, daß um die Zeit, in welcher hie flutherregende Kraft des Mondes am stärksten wirkt, Erdbeben häufiger eintreten werden als zu anderen Zeiten. Natürlich kann man aber niemals im Voraus den Ort bestimmen, wo dann Erdbeben sich ereignen werden, und ebensowenig läßt sich etwas Näheres über den Verlauf derselben, ihre Heftigkeit oder die Ausdehnung ihres Erschütterungsgebietes voraussagen. Jedes Prophezeien von Erdbeben, da« über die oben bezeichneten allgemeinen Angaben hinausgeht, ist unwissenschaftlich, ja völliger Humbug. Auch sichere An- zeichen kommender Erdbeben gibt es nicht. Aus dem Zustande des Wetters kann man nicht auf demnächstiges Ein- treten von Erdbeben schließen und das vom Volke so genannte „Erdbebenwetter" ist nicht nachweisbar. In Italien behauptet man, daß kurz vor Erdbeben der Wasserspiegel der Brunnen zu sinken pflege und man die Brunnenfeile verlängern müsse, sichere und ausreichend zahlreiche Beobachtungen liegen aber hierüber nicht vor. De Rossi behauptet, eine ungewöhnliche Aenderung der Temperatur der warmen Quellen fei in Italien ein ziemlich sicheres Anzeichen bald eintretender Erdstöße, und er batte schon früher d,n Antrag gestellt, auf Ischia Tag für Tag die Wafferwärme der dortigen Thermen messen zu lassen. Man har dies dort nicht gethan, vielleicht weil man fürchtete, solche Beobachtungen könnten von den Fremden als Zeichen naher Gefahr angesehen werden. Bei dem heutigen Zustande des Wiffens kann man Erscheinungen wie den in Rede stehenden gegenüber alles und nichts als Warnung gelten lassen, und kein besonnener Forscher wird es auf sich nehmen, Ort und Zeit eines kommenden Erdbebens speziell voraus anzukündrgen. Wiens bildete, und in deren Hause auch Bauernfeld seine Augen schloß, ist heute in Oberdöbling, 73 Jahre alt, ge- Rom, 16. Juli. Der Senat nahm die Gesetzentwürfe über Explosivstoffe, Aufreizung zu Verbrechen, deren Apolog^ durch die Preffe und die Zwangsdonncile an. Anläßlich des letzteren Vorschlags empfahl Canonico, dafür Sorge zu tragen, daß das Zwaugsdomicil nicht selbst das Centrum der Weiterverbreitung gemeingefährlicher Bestrebungen werde. Crispi erwiderte, er beschäftige sich mit dem Gedanken, die zu Zwaugsdomicil verurtheilten gefährlicheren Personen in wettentlegene, aber Italien gehörige Gegenden zu verschicken. Ein Inspektor des Ministeriums des Innern habe eine Reise gemacht, um festzustellen, ob einige kleinere afrikanische Inseln dazu geeignet seien. (Lebhafteste Zustimmung aus allen Bänken.) Sofia, 16. Juli. Vor dem Gefängnisse fand eine Zusammenrottung von ungefähr 2000 Personen statt. Ein Theil versuchte in das Gefängniß einzudringen, wurde aber von der Wache zurückgewiesen. Darauf wurde eine Deputation an die Regierung gesandt, um die Freilassung Karawe- lows, der wegen Mitschuld an der Ermordung Beltschews Haft verbüßt, zu fordern. Zusammenrottungen vor den Häusern StambulowS und Petkows wurden von der Gendarmerie verstreut. Pera, 16. Juli. Die Bevölkerung ist beruhigter und hat die geschäftliche Thätigkeit wieder ausgenommen. Deoeschen des Bureau .Hrrolb". Berlin, 16. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Darmstadt, Freiherrn v. Plessen, zumGesandtenam griechischen Hofe. Berlin, 16. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet aus Petersburg, die Hochzeit der Großfürstin Xenia ist auf den 1. August festgesetzt. Der Großfürst-Thronfolger kehrt zur Hochzeit der Großfürstin aus dem Ausland zurück. Ueber die Reise der Prinzessin Alice von Hessen wird nach der Rückkehr des Thronfolgers Entscheidung getroffen. Berlin, 16. Juli. Fürst Bismarck ist heute Nachmittag kurz vor 4 Uhr mittelst Extrazuges von Schönhausen am Stettiner Bahnhof dahier eingetroffen, wo sich Studenten in Wichs, Offiziere und etwa 400 sonstige Personen eingefunden hatten. Auf eine Ansprache des Führers der Studenten erwiderte Bismarck in humoristischer Rede, in der er Berlin hochleben ließ. Unter stürmischen Hochrufen und dem Absingen des Liedes „Deutschland über Alles" verließ der Zug-nach einem viertelstündigen Aufenthalt den'Bahnhof. Der Fürst, der vortrefflich aussieht, war in heiterster Stimmung, ebenso die Fürstin. Köln, 16. Juli. Der römische Correspondent der „Köln. Ztg." erfährt von einem im Vatikan wohlbewanderten Herrn bezüglich des Gesundheitszustandes des Papstes, der Letztere werde infolge seines hohen Alters immer schwächer. Die Beine versagten ihm den Dienst, sodaß man ihn bei der kürzlichen Uebersiedelung ins Casino des vaticanischen Gartens vom Sessel bis zur Sänfte tragen mußte. Es sei möglich, daß der Papst seine Kräfte Wiedergewinne, indessen erregte in den letzten Tagen besonders der Umstand Besorgniß, daß wegen der Schwäche des Magens die Nahrung des Papstes auf drei Taffen Fleischbrühe täglich beschränkt werden mußte. München, 16. Juli. Der Prinzregent hat zu Gunsten der vom Orkan Betroffenen 3000 Mk. telegraphisch anweisen lassen. Paris, 16. Juli. Das „Journal" meldet, Botschafter Her bette werde in allerkürzester Zeit von Berlin abberufen werden. Loudon, 16. Juli. „Daily Chronicle" meldet aus Wien, Fürst«Ferdinand von Bulgarien habe einem russischen Journalisten erklärt, er wünsche um jeden Preis eine Ver- ständigung mit Rußland. Er verstehe wohl, daß Rußland viele Gründe gehabt habe, in den letzten acht Jahren mit Bulgarien unzufrieden zu sein. Rußland sei von Bulgarien herausgefordert und gereizt worden; die Verantwortlichkeit dafür falle auf Stambuloff. Rewyork, 16. Juli. Trotz aller Anstrengungen der „Ritter der Arbeit, den Strike wieder zu organisiren, verbessert sich die Lage der Eisenbahngesellschaften stündlich. Der Ausstand gilt definitiv als beendet. Gießen, den 17. Juli 1894. ** Oeffeutliche Sitzung des Provinzial Ausfchuffes der Provinz Oberhessen vom 14. Juli 1894. 1. Gelände-Enteignung zum Zwecke der Erweiterung des Gießener Bahnhofs, hier Ausspruch der Enteignung. Nachdem Nachweis über die erfolgte Auszahlung bezw. Hinterlegung der unterm 2. Juni d. I. vom Provinzialausschuß festgesetzten Entschädigungssumme erbracht und gleichzeitig Antrag auf Ausspruch der Enteignung gestellt worden ist, wurde letztere bezüglich der in Frage stehenden Grundstücke rc. nunmehr ausgesprochen. — 2. Gesuch des Heinrich Fabel III. zu Londorf um Erlaubniß zur Erbauung eines neuen Stalles mit Heubühne. Bom Kreisamt Gießen war die Errichtung einer Brandmauer vorgeschrieben worden, wogegen p. Fabel Einspruch erhob mit der Begründung, daß die Tenne zu eng werde und die Kosten der Brandmauer auch unverhältnißmäßig hohe seien. Die Beschwerde wurde vom Provinztalausschusse abgewiesen. — 3. Beitrag der Gemeinde Pohl-Göns zu den Kosten des israelitischen Religionsunterrichts daselbst. Von Großh. Kreisamt Friedberg ist der Gemeinde Pohl-Göns angesonnen worden, zu den fraglichen Kosten einen Beitrag von jährlich 70 Mk. zu leisten. Auf erhobenen Einwand des Gemeindevorstandes lehnte es der Kreisausschuß ab, dem Ansinnen des Kreisamts beizutreten. Von Seiten des Großh. Kreisraths wurde gegen das Urtheil des Kreisausschusses Recurs nicht verfolgt, dagegen hat die israelitische Religionsgemeinde solchen einlegen lassen, welcher indeß vom Provinzialausschusse als formell unzulässig abgewiesen wurde. — 4. Beigeordnetenwahl zu Griedel, hier Recurs wegen Festsetzung der Kosten. Auf erhobenen Recurs des Rechtsanwalts Grünewald gegen das Erkenntniß des Kreisausschusses Friedberg beschloß der Provinzialausschuß, die Gesammtkosten auf 205,33 Mk. zu Lasten der Gemeinde Griedel festzusetzen. — 5. Wirthschafts- Concessionsgesuch des Andreas Hedrich von Hopfgarten. Rubricat suchte um Concession in einem von ihm gemieteten Locale nach und hat gegen den ablehnenden Bescheid des Kreisausschuffes Recurs verfolgt, welch letzterer vom Provinzialausschusse kostenfällig abgewiefen wurde. — 6. Wirthschafts- Concessionsgesuch der Valentin Pfeffer Ehefrau von Liederbach. Straßenwart Pfeffer hat auf der Straße Alsfeld—Romrod ein Wohnhaus erbaut und zwei Zimmer zum Wirthschaftsbetrieb eingerichtet. Das Concessionsgesuch der Ehefrau des p. Pfeffer wurde vom Kreisausschusse wiederholt abgelehnt und darauf Recurs an den Provinzalausschuß verfolgt. Dem Recurse gab der Provtnzialausschuß statt. * * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 19. Juli 1894, Nachmittags 4 Uhr. 1. Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule pro 1893/94. 2. Decretur von Kostenrechnungen. 3. Gesuch des W. Neinhold um Erlaubniß zur Aufstellung von Zierbäumen in Kübeln vor seinem Restaurant an der Schulstraße. 4. Gesuch des Peter Borre um Erlaubniß zum Verkauf von Obst auf einem städtischen Platz an der Süd- anlage. 5. Umbau des Bahnhofs Gießen; hier Wegverlegung. 6. Gesuch des W. Noll um Erlaubniß zum Wirthschafts^ betrieb für das Haus Marktstraße 32. 7. Desgleichen des Ferdinand Schott in der Bahnhofstraße. 8. Desgl. des Louis Weiffenbach für das Haus Kreuzplatz 4. * * Die elektrische Beleuchtung in offenen Verkaufsgeschäften hat jetzt auch in Gießen ihren Einzug gehalten. Herr Metzgermeister Adolph Möhl, Bahnhofstraße 5, hat den Anfang damit gemacht und seinen Laden nebst übrigen Geschäftsräumen, sowie Wohnung damit eingerichtet. Die Maschinen functioniren vorzüglich, die Beleuchtung ist brillant. * * Selbstmordversuch? Am vorigen Sonntag, Abends 9 Uhr, wurde der Laternenwärter W. von einem seiner College«, der ihn zum Dienst abholen wollte, in seiner Wohnung am Tische sitzend, mit einer Schußwunde in der Brust betroffen. Da die Angehörigen verreist waren, blieb er sich bis zum anderen Morgen überlassen, da auch sonst Niemand sich um ihn kümmerte und die Polizei von dem Vorfall keine Kenntniß erhielt. Er wurde in die Klinik verbracht. W. hat eine lebensgefährliche Wunde, hüllt sich aber in Schweigen über die Motive und den Hergang der That. * * Durchgebranut. Bekanntlich arbeiten seit einiger Zeit eine größere Anzahl Italiener am hiesigen Bahnhofumbau und haben sich dieselben in Massenquartiere einlogirt, in welchen sie sich selbst verköstigen. In einem solchen Quartier am Neuenweg stand ein des Deutschen Kundiger den Collegen vor, indem er die Einkäufe besorgte, sich dann das Geld geben ließ und die Ausgaben bestritt. Am vorigen Samstag ist nun derselbe mit dem einkassirten Gelde durchgegangen und haben verschiedene Metzger und Bäcker das Nachsehen. * * Ehelicher Zwist. Gestern Abend zwischen 10 und 11 Uhr fand auf dem Kirchenplatz ein Menschenauflauf statt. Verursacht wurde derselbe durch ein dort wohnendes Ehepaar, welches sich mit dem Zertrümmern seiner Hausgeräthe befaßte und unter lautem Schimpfen um die Wette arbeitete. * * Ein Backsteinmacher, welcher gestern „blau" gemacht, hatte sich in einer Weise benebelt, daß er mittelst Karren in das Poltzeigewahrsam gebracht werden mußte. * * hl. Einweihung des Wiugolfshauses. Wie wir vernehmen, beabsichtigt die Studentenverbindung „Wingolf" ihr neuerbautes Haus in der verlängerten Wilhelmstraße Mittwoch den 18. d. M. einzuwethen und in Gebrauch zu nehmen. Die damit verbundene Feier soll im engsten Kreise vor sich gehen, jedoch ist auf zahlreiche Betheiligung alter und junger Angehöriger der Verbindung zu rechnen. Am Vormittag des genannten Tages findet zunächst eine Versammlung der Alten Herren in Steins Garten statt. Um 3 Uhr ziehen sämmt- liche Theilnehmer von der seitherigen Kneipe (Grünbergerstraße, zum „Deutschen Kaiser") nach dem neuen Hause, wo die Uebergabe an die active Verbindung durch den Vorsitzenden des „Hessischen Wingolfverbandes" erfolgt. Der Neubau ist von den Archttecten Stein u. Mayer in rothem Verblendstein auSgeführt. Das untere Stockwerk enthält einen geräumigen Kneipsaal mit den nöthigen Nebenräumen, das obere dient zu Wohnungen. — Die Oberleitung des Baues und der Verwaltung liegt in den Händen eines Consortiums von Alten Herren, das den Namen „Hessischer Wingolfs- Verband" führt und mit Corporatiovsrechten ausgestattet ist. * * Rudersport. Dem Meister von Deutschland, Herrn Alb. Rübsamen, wird, wie uns mitgetheilt wird, heute Abend Seitens der Rudergesellschaft ein feierlicher Empfang bereitet werden (siehe Annonce). Die acttven Mitglieder versammeln sich am BootbauS und begeben sich von da nach der Bahn. Dortselbst offizielle Begrüßung Seitens des Vorstandes und Rückmarsch über Seltersberg, Seltersweg, Mäus- burg, Marktplatz, Marktstraße, Neustadt nach dem Boothause. Bei Concert und Restauration werden sich die geladenen Gäste, sowie die activen und passiven Mitglieder nebst ihren Damen versammeln, auch sollen Freunde des Rudersports Zutritt erhalten, wenn sie sich durch Mitglieder einführen lassen. * * In den Ruhestand versetzt wurde am 14. Juli der Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Hungen Georg Klös auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste. * * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt ist: Eine mit ejziem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauterbach mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000—1400 Mk. m. Londorf, 16. Juli. Lehrer Schäfer, welcher sich während seines elfjährigen Hierseins sehr beliebt machte, hat eine Stelle in Reichelsheim in der Wetterau erhalten. Be den letzten Zusammenkünften der beiden von ihm geleiteten Vereine (Kirchenchor und Männergesangverein) zeigte es sich deutlich, wie ungern man ihn scheiden sieht und wie sehr ihm die Herzen in die neue Heimath mit den besten Wünschen folgen. d. Londorf, 16. Juli. Zu dem nächsten Sonntag in Weitershain stattfindenden Sängerfeste des Ohm- Lumdathal-Sängerbundes sind bereits umfassende Vorbereitungen getroffen. Mit Rücksicht auf die günstige Lage des Festortes dürfte eine starke Betheiligung zu erwarten sein. Friedberg, 16. Juli. Recht schlau wollte dieser Tage ein Bauer sein, der einem hiesigen Metzger einen Ochsen nach lebend Gewicht verkauft hatte. Der Ochse kam aber auf dem Transport nicht weit, bei dem Ober-Mörler Kapellchen fiel er tobt um. Der herbeigerufene Thierarzt con- statirte, daß der Ochse geplatzt war — weil ihn der Bauer, um ihn schwerer zu machen, überfüttert hatte. Bad-Nauheim, 16. Juli. In der vorigen Woche sind 900 Kurfremde, im Ganzen jetzt 6863 Personen hier angekommen. Ober-Mörlen, 15. Juli. Bekanntlich hat ein geborener Ober-Mörler, der sich in London als Schuhfabrikant ein großes Vermögen erworben, den Ortsarmen seines Geburtsortes ein Vermächtniß von 400 000 Pik. letztwillig zu gewendet. Die Auszahlung des Capitals war bis jetzt nicht zu erlangen, wohl aber sind wiederholt die halbjährlichen Zinsen mit je 8000 Mk. hierher gelangt, so auch kürzlich wieder. Die Verwaltung des Nachlasses hat sich nun bereit erklärt, gegen einen noch zu vereinbarenden Nachlaß das Capital selbst auszuzahlen. (Darmst. Ztg.) Büdingen, 16. Juli. Heute früh mit dem Zuge 7 Uhr 56 Min. wurden die beiden Mordgesellen, die gestern vor acht Tagen an dem bereits bestatteten Heinrich Krist die verruchte That begingen, in das Untersuchungsgesängniß nach Gießen übergeführt. △ Rieder Ohmen, 16. Juli. Wie sehr die Warnung am Platze ist, kleine Kinder keine Kirschbäume besteigen zu lassen, lehrt wieder ein schwerer Unfall. Das sechsjährige Töchterchen eines benachbarten Forstwarts bestieg gestern mit anderen hiesigen Kindern einen Kirschbaum. Beim Kirschenpflücken blieb es mit seinen Kleidern an einem Aste hängen, stürzte herab und brach einen Arm und ein Bein. Schwer verletzt wurde das Kind in die Klinik nach Gießen verbracht. R. Reichelsheim i. d. W., 16. Juli. Welche segensreiche Wirkung eine genossenschaftliche, durch eigene Kraft geschaffene Molkerei hervorzubringen vermag, hat die gestern hier stattgefundene Versammlung der Molkereiinteressenten in glänzender Weise bewiesen. Der seitherige Director unseres Molkereiinstitutes, Herr Schwarz, trat nämlich von seinem Posten zurück, weil er die Hofmeierei in Darmstadt übernommen hat. Es mußte also ein neuer Director gewählt und der Vorstand ergänzt werden. Zum Nachfolger des Herrn Schwarz wurde Herr Bopp von hier, der seitherige Rechner, ernannt und zwar mit Stimmeneinheit durch Acclamation. Außerdem trat noch je ein Mitglied aus Gettenau und von hier in den Vorstand ein. Kaum zwei Jahre sind es, daß die Molkerei begründet wurde- sie wurde mit einem Tages- quantum von 1250 Liter begonnen, heute werden täglich über 4000 Liter verarbeitet. Die Leistung, an welcher die Orte Dornaffenheirn, Weckesheim, Reichelsheim, Staden, Leidhecken, Bingenheim, Gettenau und Echzell participiren, hat sich also mehr als verdreifacht. Die große Arbeit der Ueberwachung des Bauens, der Maschineneinrichtung, der Erwerbung der Kundschaft und noch vieles Andere ist von Herrn Schwarz geleistet worden und verdient große Anerkennung. Die gestrige Versammlung genehmigte als Remuneration hierfür den Betrag von 700 Mark. Den Genossenschaftsmitgliedern steht außer der Zahlung für ihre Milch, welche nach dem Fettgehalte bezahlt wird, eine nicht unbeträchtliche Dividende in Aussicht, die in der demnächstigen Generalversammlung festgesetzt wird. Die Magermilch geht zu 1^2 Pfg-pro Liter an die Genossenschaftsmitglieder zurück, welche hierdurch treffliches Material für die Schweinezucht erhalten. Man sieht hieraus, daß es immer noch Zweige in der Landwirthschaft gibt, welche rentiren, sobald diese Unternehmungen von tüchtigen Männern geleitet werden. Anfangs waren Schwierigkeiten zu überwinden, denn es gibt überall Leute, die sich mit neuen zweckmäßigen Dingen nur schwer befreunden können. Später wundert man sich darüber, daß man nicht schon längst auf solche treffliche Einrichtungen verfallen ist und möchte sie um Alles nicht mehr missen. Es lebe der vernünftige Fortschritt. △ Mainz, 16. Juli. Gegen 3 Uhr heute Nachmittag brach in den ausgedehnten, in den Festungsgräben um die Citadelle herum gelegenen Stroh- und Heumagazmen der hiesigen Garnisonsverwaltung Feuer aus. An der nördlichen Seite der Baracken seinen Anfang nehmend, verbreitete sich das Feuer mit großer Schnelligkeit über die lange Reihe der Magazine, so daß alsbald die riesigen Massen des hier aufgehäuften Strohes und Heues in hellen Flammen standen. Da die einzelnen Magazine sehr nahe bei einander liegen, war nicht daran zu denken, von den großen Vorräthen etwas zu retten und mußte man sämmtliche Magazine nebst ihrem Inhalt widerstandslos den Flammen preisgeben. Wie daS Feuer entstanden, weiß man nicht, doch wird angenommen, das Heu habe sich selbst entzündet. Es wird allgemein als ein Fehler bezeichnet, daß man so große Massen Heu und Stroh — vergangene Woche sollen allein 25 000 Centner Heu in die Magazine gefahren worden sein — an einer Stelle aufhäuft. Vermischtes * Breslau, 16. Juli. Bei prachtvollem Wetter wurde gestern das achte deutsche Turnfest eröffnet. Mehr als 20,000 Menschen bewegten sich tagsüber auf dem Fest- platze. Der Zuzug der auswärtigen Turner wird für nächsten Freitag und Samstag erwartet. * Metz, 16. Juli. Bei dem französischen Dorfe Bru- Ville, unweit Mars la Tour, auf dem Schlachtfelde vom 16. August 1870, wurde gestern das neue Denkmal zu Ehren der dort gefallenen 850 französischen Offiziere und Soldaten feierlich enthüllt. * In Stendal mußte am vorigen Sonntag eine Apotheke durch den Kreisphysikus geschlossen werden, weil die beiden Gehilfen — total betrunken und der Apotheker selbst verreist war. Als die Schließung stattfand, waren bereits mehrere Medikamente falsch ausgegeben worden, u. A. hatte ein wandernder Geselle, der sich die Füße wund gelaufen, Hamburger Pflaster statt Hirschtalg erhalten.________________ Universität» - Nachrichten. — Die gesammte Heidelberger Studentenschaft brachte am 14. Juli Abends dem Geheimratb Czerny als Dank für sein Verbleiben in Heidelberg einen großen Fackelzug. Czerny hielt eine längere Ansprache. Verkehr, Land- Air- VolkswirLhschafi. 17. Juli. Marktbericht- Auf dem heutigen Wochenmarkt tastete: Butter pr. |Bfb. M. 1,00—1,20, Hühnere e 1 Stück — X 2 Stück 11-12 X «äse pr. St. 5-8 4k. KLsem-w e pr. St. 3 X Erbsen vr- Liter 17 4, Linien pr. Liter 28 X Tauben pr. Paar X 0,80—1,00, Hühner pr. Stück X 1,10—1,50, Hahnen pr. Dt- X 0,50-1,20, Enten pr. St. X 1,70 bis 1,90, Ockfevfleilch pr. Vfd- 72—76 Kuh- u. Rindfleisch pr. Pfd.--66 Schweine« fleisch pr. Pfd. 60-70 X Kalbfleisch pr. Pfd 60—66 X Hammelfleisch pr. Pfd. 56-68 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,50-10,00 X, WeHkraut vr. Stück--A. Zwiebeln pr. Cerrtner 9,00—10,00 X, »vilch pr. Lit-- 16 20 X Enteneier 2 St. 11 X Gänseeier 10 4 Kirschen pr. Pfd. 8-10 X Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemeffen am 17. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Luft 16V2°. Rübsamen'sche Badeanstalt. 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