Nr. 270 Zweites Blatt. Samstag dm 17. November Der gUftenet Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montag». Die Gießener I»«mikien d täller werden dem Anzeiger wSchmtlich dreimal beigelrgt. Gießener Anzeig er Keneral-Wnzeiger. 1894 Bierteljähriger Kvonncmeutspretir 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post dezoge» 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Vorm. 10 Uhr. Hratisöeitage: Hießener Kamitienökätter. Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Feuilleton. Der Vögel Winterreise. Von Dr. Friedrich Martin. (Nachdruck verboten.) Unsere gefiederten Lieblinge haben seit Monatsfrist ihre anstrengende Herbstreise hinter sich und find in ihren Winterquartieren angekommen, — vorausgesetzt, daß sie nicht unterwegs eine Beute ihrer Feinde, zu welchen leider in erster Linie der Mensch gehört, geworden find. Wenn sich in Norddeutschland die Zugvögel zur Abreise rüsten, so weiß jede- Kind, daß die schönen Tage des Sommers gezählt sind und der wetterkundige Schäfer Thomas verkündet mit Prophetengabe, daß wir einem milden oder strengen Winter entgegengehen, je nachdem die Schwalben später oder frühzeitiger ihre Colonnen sormtren zum Flug nach dem Süden. Dem Schäfer Thomas gehtS gewöhnlich wie den „Wetterwachern" der neuesten Zeit: behalten sie mit ihrer Voraussage recht, dann sonnen sie sich im Glanze ihrer Prophetangabe, geht aber die Sache schief, dann hüllen sie sich in Schweigen, und müssen sie wirklich etwas sagen, so geschieht dies mit so vielen „Wenn" und „Aber", daß schließlich beide Theile befriedigt sein müfien. Eine hinreichende Erklärung für den Vogelzug besitzen wir bis heute noch nicht. Unsere Ornithologen können unS nur verschiedene Factoren angeben als erkennbare Einflüfie der Wanderungen, daran müfien wir uns vorerst noch genügen laffen. Im Wesentlichen find es folgende Gründe, welche die Wanderzüge veranlafien: daS Licht, die Wärme, die zu den Zugzetten herrschenden Luftströmungen, die Nahrung, die He»math und daS Brutgeschäft und der bei den Vögeln ungemein ausgebreitete Geseüigkeitstrieb. Alle diese Factoren vereint, bilden die Gründe, aus welchen die Vögel unS im Herbste verlafieu und Länder aussuchen, in denen ihnen bessere Lebensbedingungen geboten werden. Die Vogelzüge nehmen instinctiv die Richtung nach dem Süden, der Vogel ist in erster Linie ausgerüstet mit jenem wunderbaren OrtS- und Richtsian, der alle lebenden Wesen, I auch den Menschen, auSzeichnet. Wenn inmstten des Oceans ein ermüdeter Vogel NachtS fich auf dem Maste eines Schiffes auSruht und durch den Lauf deffelben weit hinweggeführt wird von seinem Wege, so findet er denselben doch ohne Mühe wieder. Er ist stets so gut orientirt- daß er bei TageSgraueu nach kurzem Befinneu sofort die Richtung einschlägt, die er beim Niederlafien auf den Mast iunegehabt hat. Ob freilich der arme Nachzügler seine in dichten Reihen ihm vorauf gewanderten Genossen noch eioholen wird, ist eine andere Frage. Je zweifelhafter dieselbe erscheint, desto wahrscheinlicher ist die Möglichkeit, daß der Nachzügler über- Haupt das Land seiner Träume und seiner Sehnsucht nicht mehr erreichen wird: er bildet für seine Verfolger eine zu leichte und zu gute Beute. Sobald fich in Deutschland die Nord- und Ostwinde erheben und die bald eintretende kalte Witterung fignalifiren, ertönt in der Vogelwelt das Signal „Sammeln" und nur wenige Tage später erfolgt der Abflug. Die Fluggeschwindigkeit der Thiere ist eine ganz bedeutende. Es ist wiederholt erwiesen worden, daß eine Brieftaube den Weg von Köln bis Berlin — 474 Kilometer Luftlinie in 5 Stunden 27 bis 30 Minuten zurückgelegt hat. Das ergäbe, daß das Thier in der Minute ca. 1445 Meter durchflogen hätte. Die Zugvögel stehen den Tauben an Fluggeschwindigkeit gar nicht oder ganz unwesentlich nach und so ist es erklärlich, daß sie die ersteren Strecken, wie z. B. das Mittelländische Meer, auch an seiner breitesten Stelle ohne Schwierigkeiten überfliegen können. Das wären ungefähr 300 Seemeilen — 161,7 Kilometer, die der Vogel in etwa 5 Stunden zurücklegen kann. Selbst Vögel, welche als „Schwerflieger" gelten, wie die Wachtel, „nehmen" daS Mittelländische Meer in ihrem Herbst- und Frühjahrs-Distanz-Wettfliegen. Es ist nachweisbar, daß die Wachtel alljährlich in großer Zahl dieses Meer an verschiedenen Stellen überfliegt und immer die Reise auch glück- lich vollendet, wenn dieselbe nicht von schweren Stürmen betroffen wird. Der Antritt der Reise erfolgt bei den verschiedenen Arten nicht nur zu verschiedenen Zeiten überhaupt, sondern auch zu verschiedenen Tageszeiten. Die Mehrzahl der kleinen Vögel wandert angestrengt in der Morgen- und Abenddämmerung, um gegen die Angriffe der Raubvögel beffer geschützt zu sein. Das wtffen die Vogelsteller ganz genau, denn sie besuchen ihre Vogelheerde früh, wenn es noch vollständig finster ist, und verlaffen dieselben erst, nachdem die Sonne schon aufgegangen ist. Manche Vogelarten ziehen allerdings auch bei Nacht, die Drosseln suchen sich gern nebeliges Wetter aus, am Tage reifen die größeren Thiere': Gänse, Schwäne, Störche, Kraniche rc. Eins aber haben alle Vogelzüge gemeinsam: sie schicken ihre Vorhut aus, haben Seitenpatrouillen und auch eine Arrivregarde — ganz wie bei unserem schneidigen Kriegsheere. Dem Gesammtzuge voraus ziehen immer einzelne Wanderer zur Recsgnoscirung, sie haben die Beschaffenheit der Gegend zu erkunden. Je nach der Rückmeldung dieser Vorposten erfolgt der Abflug des Gros früher oder später. Die ArriSregarde wird aller- dingS nur zum geringen Theil aus diensttauglichen Mannschaften gebildet, je weiter die Reise geht, desto mehr sammeln sich da hinten die Kranken und Invaliden an, eS wird das eine Art Sanitätscolonne. Der Wanderzug der Vögel wird in Deutschland noch viel zu wenig beobachtet. Wohl gibt eS hier und da in der Provinz einen wiffenSdurstigen Vogelfreund, der regelmäßige Beobachtungen anstellt und dieselben aufzeichnet. Aber daS ist unter den Menschen eine ebensolche Seltenheit, wie die „weiße Schwalbe" unter den Vögeln. Unsere bekanntesten Ornithologen wohnen in den Großstädten, wo ihnen fast jede Gelegenheit genommen ist, aus eigener Anschauung be- obachten zu können, und die sehr spärlichen Aufzeichnungen, die aus der Provinz einlaufen, laffen ein klares Bild nicht entstehen. Unsere Landleute wissen und sehen allerdings ganz genau, wann die Vogelzüge beginnen, aber sie halten es nicht der Mühe werth, sich hierüber irgendwie aufzuregen, denn „eS ist ja jeden Herbst so". (Schluß folgt.) Pusilmmen Toilette- n. medic. Seifen Kartonnagen bis zu den feinsten, empfiehlt [9153 A. Welz Ecke Lindenplatz. Wallthorftr. 2. 9385 Weihnachts-Ausstellung _L* HX ist eröffnet. ReizendeJIeuheiten! Grösstes Träger! in Kinderspiehvaaren 8 K- A. Werner Ecke der Neuen Käse und Sovvenstrsße Putz- und Modewaaren engros & detail. Grösstes Lager 9208 von Hutformen in Linon und Filz, Bänder, Stoffe, Federn, Perl Aigrettes, Schleier, sowie größte Auswahl garnirter Damen- und Kinder-Hüte. A. 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In Folge allseitiger Anerkennung und wirksamer Unterstützung unserer Bestrebungen von Seiten des hiesigen Publikums ist es uns möglich, für die armen Kinder etwas zu thun. Die uns in diesem Jahre vorgelegte Liste weist wiederum eine große Anzahl armer Kinder auf. Wir richten deßhalb auch in diesem Jahre an die Bewohner Gießens (Raucher und Nichtraucher), die herzliche Bitte, uns durch Uebermittelung etwaiger Cigarrenabfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfern Fonds erhöhen zu helfen, damit es uns ermöglicht wird, auch am diesjährigen Weihnacht«' feste einer größeren Anzahl Kinder eine geeignete Weihnachtsbefcheerung bereiten zu können. Cigarrenabfälle und Geldbeiträge werden bei unseren Sammelstellen, Herrn Buchbinder Adolf Bourgeois, Friseur G.Gerhardt, Bibliotheks- Emil Kalbfleisch und H. Schnell gern Großherzogliches Aichamt Gießen. Der Vorstand: Reuting. A. Gretscher, Gießen, Neustadt »r. 55. mermann. In Londorf bei Gg. Brann. 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Juni 1870 nicht eingeführt ist — und seit 2 Jahren ihren Unterstützungswohnsitz in der Gemeinde erworben haben, jedoch unter der Voraussetzung, daß sie zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt und vom 1. April des dem Rechnungsjahre, in welchem die Wahl ftattfindet, vorhergehenden Jahres an in der Gemeinde communalsteuerpflichtig sind. Die Stimmberechtigung jedes der unter b) bezeichneten Stimmfähigen ist davon abhängig, daß derselbe spätestens vor dem Schluß des Jahres, welches dem Jahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergegangen ist, bei dem Bürgermeister in dessen Amtslocal die mündliche Erklärung abgegeben hat, daß er sein Stimmrecht in Anspruch nehme, wobei er auch gleichzeitig Jahr und Tag seiner Geburt, den Tag, seit welchem er in der Gemeinde wohnt und den Zeitpunkt, seit welchem er communalsteuerpflichtig ist, anzugeben und auf Erfordern nachzuweisen hat. Stimmfähige der oben bezeichneten Art, welche die Abgabe dieser Erklärung bis zum 31. Dezember d. I. Unterlasten, können bei einer im Laufe des Jahres 1895 nothwendig werdenden Wahl zur Stadtverord- neten-Versammlung oder bei einer solchen Wahl, für welche die Stimmberechtigung durch die Stimmberechtigung zur Stadtverordneten- Wahl bedingt ist, kein Stimmrecht in Anspruch nehmen. Die Abgabe der Erklärung hat auf unserem Amtszimmer Nro. 15 im zweiten Stock des Bürgermeistereigebäudes zu erfolgen. Gießen, den 15. November 1894. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Aaarschmuck; sämmtliche Tsilettkartikel null Kmstennmarku vonden gewöhnlichsten bis zu den feinsten Thürvorlagen. Die^ jbstbaum-^senJöchule F / von Ernst Lüttich Wfeee Messner M. 9.80 h. 3.M per Pfd. vorrtgl Qu.UUt. 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