1894 Mittwoch den 17 October Erstes Blatt Amts- unb Anzeigeblcrtt für den lireis Gieren. Hratisöeikage: Gießener Kamitienökätter. t Neueste Ua^ric^cth WolffS telegraphische« Corresvondenr-Burea». Schlosie fuhr. / Am Main-Neckar Bahnhof fand großer Empfang statt, und hatte sich Se. Kgl. Hoheit der Großherzog, Prinz Wilhelm, Staatsminister Finger, Finanzminister W e b c r, Provinzial - Director v. Marquardt, Oberbürgermeister Morne weg sowie Polizeirath Feh eingefunden. Ferner waren zum Empfang des Kaisers erschienen: General v. Wittich, Commandeur des 11. Armee-Corps, General- lieuteuant v. Bülow, Commandeur der 25. Hess- Division sowie die sämmtlich in Darmstadt anwesenden Generale und Stabsoffiziere. _ Außerhalb des Bahnsteigs hatten die Truppen der ge- sammten Garnison, die Kriegervereine, sowie das Ehren- Cortvge, bestehend aus einer combinirten Escadron des 24. Dragoner-Regiments unter der Führung des Rittmeisters von Geldern-Cnispendorf Aufstellung genommen. Um 10 Uhr 52 Mtn. nahte der kaiserliche Extrazug, bestehend aus sechs imposanten Salonwagen, in derem zweitletzten Kaiser Wilhelm am Fenster stand. Die unter dem Commando des Hauptmanns v. Cleve stehende Ehrencompagnie des 115. Jns.-Regiments präsentirte das Gewehr, die Musik intonirte die Königshymne und das am Bahnhof anwesende Publikum begrüßte den Kaiser mit endlosem Jubel. Elastischen Schrittes entstieg nun der Kaiser seinem Salonwagen und umarmte den auf ihn zueilenden jugendlichen Großherzog, wobei er ihm beide Wangen küßte; in ebenso herzlicher Weise begrüßte er den Prinzen Wilhelm von Hefien. Der Kaiser schien sich überhaupt in der freudigsten Stimmung zu befinden, denn mit herzgewinnender Freundlichkeit gab er all den ihm vorgestellten Herren die Hand, an jeden einige freundliche Worte richtend. Nach erfolgter Bor- Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. hielt. Nunmehr begaben fich der Kaiser und der Großherzog durch den aufs herrlichste mit Blumen und Fahnen ge- schmückten Kaiser-Salon zu den bereitstehenden vierspännigen Wagen ä la Daumont und fuhren, mit zwei Spitzenreitern vorauf und escortirt von der Ehrenescadron, unter dem nicht endenwollenden Jubel der Bevölkerung, besonders aber der in der Rhetnstraße mit ihren Fahnen aufgestellten Schulen, zum Großherzoglichen Residenzschloß. Hier begrüßte zunächst Se. Majestät die Prinzessin A lix, worauf der Kaiser von dem Oberhofmarschall v. .Wester- weller und dem Oberceremonienmetster v. Weinher in seine Gemächer geleitet wurde. Sofort nach seiner Ankunft begab sich der Kaiser in das Großherzogliche Palais am Wilhelminenplatz, um die Großherzogin, die einem freudigen Ereigniß entgegensieht und deßhalb bei dem Empfang nicht anwesend war, zu begrüßen. Um 1 Uhr nimmt der Kaiser mit der Großherzoglichen Familie das Luncheon ein. Um 5 Uhr findet Galatafel mit 60 Gedecken, um 7 Uhr Festvorstellung im Hoftheater statt. Der Kaiser in Darmstadt. nn. Darmstadt, 15. October. Vierteljähriger Afonncmf ntspreU : 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg. Redaction, Erpeditiou und Druckerei: Schutstrahc $r.7. Fernsprecher 51. Schleifsteine scheinen infolge ihrer Geschwindigkeit still zu stehen und vor jedem Stein liegen zwei Männer wie tobt auf dem Boden ausgestreckt, ein Bild, das an Lichtwers Fabel von den seltsamen Leuten erinnert. Erst bei näherer Betrachtung entdeckt man, daß die Schleifer auf ausgehöhlten Holzblöcken liegen und mit einem kleinen Holzstäbchen die zu schleifenden Steine gegen den Schleifstein preßen, ^it um glaublicher Geschicklichkeit wissen sie mit diesen rohen Werkzeugen die kleinsten Steinchen, z. B. Opale von Stecknadel, kopfgröße, zart zu bearbeiten und mit mathematischer Genauigkeit die regelmäßigsten Facetten herauszubringen. Natürlich ist. die Arbeit eine sehr ungesunde, besonders das stete Liegen auf Brust und Leib wirkt schädlich. Die Gesichtsfarbe der Schleifer ist durchgehends bleich. Man hat daher neuerdings mit staatlicher Hilfe die Einführung von Gestellen versucht, woran sitzend gearbeitet werden kann, doch erklären die Schleifer übereinstimmend, daß man so nicht den nöthtgen Druck gegen den Stein ausüben könne, suchen auch noch andere Mängel anzugeben, hauptsächlich scheint aber das Kleben am Althergebrachten ein Hinderniß für die neuen Apparate zu sein. Die Stahlscheibe, wie sie in Diamant- schleisereien gebraucht wird, soll für diese Zwecke zu klein und zu kostspielig sein. Die Schleifer sind an Fremdenbesuch gewöhnt und zeigen mit einer Bereitwilligkeit, deren Größe offenbar nicht nur von der des zu erwartenden Trinkgeldes abhängig ist, die Einrichtung und den Betrieb ihrer Werkstatt. Sie find überhaupt, in wohlthuendem Gegensatz zu der Bevölkerung anderer Industrie-Gegenden, sreundlich und höflich und man wird zuweilen erstaunt sein über ihre manntgsachen Kennt- niffe, die im Gespräche zu Tage treten. Jeder weiß die verschiedenen Quarzarten mit dem richtigen mineralogischen Namen zu bezeichnen, sodaß Belehrungen, wie sie Lessing dem weiland Kunstschriftsteller Klotz angedeihen lasten mußte, vollkommen unnöthig sind. In kurzer Zeit schleifen sie vor den Augen des Besuchers auS dem rohen Steinsplitter, der zunächst mit einem spitzen Hammer oberflächlich behauen wird, einen Ring- oder Nadelstein, der dann auf einer gleichfalls durch Master getriebenen Holzwalze seine letzte Politur erhält. Amethyste werden auf einem Rade mit bleiernem Reif polirt, die Holzwalze soll die scharfen Kanten zu sehr angreifen. Der Mineraloge kennt keinen Unterschied in der Härte der Amethyste und der übrigen Bergkiystall- Heute Morgen um 10 Uhr 50 Min. traf Kaiser Wilhelm zu einem zweitägigen Besuche des G r o ß h e r z o g S hier ein. Zu seinem Empfang prangt die Stadt in schönstem Fahnenschmuck und Kops an Kopf gedrängt, stand die Be- völkerung in den Straßen, durch welche der Kaiser zum Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Feuilleton. Die Steinlchlriferei im Idarthsle. (Aus der „Köln. Ztg.") Die schönen Herbsttage verlockten mich noch zu einem kleinen Ausflug und mein mineralogisches Gemüth steuerte mich nach dem Jdarthale. Auch ohne ein solches Steckenpferd wird der nalursreudige Wanderer dort seine Rechnung finden die malerische Ansicht der am Zusammenfluß von Idar und Nahe liegenden Stadt Oberstem ist wohl weltbekannt und die in die steile Felswand wie ein Salanganennest hineingebaute Kirche ist jedenfalls einzig in ihrer Art. Ein nicht näher bekannter Ritter von Oberstein soll einst die Kirche zur Sühne seines früheren unkirchlichen Lebenswandels mit seinen Nägeln in den Stein hineingekratzt haben — wenigstens nehme ich dies so an, denn mit dem nöthigen Werkzeug wäre es keine hervorragende Leistung. Leider hat der bußfertige Ritter vergessen, ein Capital zum Unterhalt zu stiften und so ist denn das Innere vor 21 Jahren zum letzten Male gestrichen, angeblich weiß. Der Weg von Oberstein an der Idar hinauf bildet einen köstlichen Spaziergang- Wälder, Felsen und Bäche mit rauschenden Mühlrädern ziehen sich ununterbrochen stundenlang in reizvollem Wechsel dahin. Wie lacht aber erst dem Mineralogen das Herz im Leibe auf dieser Wanderung 1 Die Gegend besteht nicht aus langweiligem, in jeder Bedeutung niedergeschlagenem Meeresschlamm, sondern feurig ist sie auS ber Tiefe emporgequollen und in der noch glühenden Maffe haben salamanderartige Gnomen gehöhlt, geschliffen, polirt und die in seltsamen Farben leuchtenden Metalldämpfe in vielkantige Krystalle hineingebrannt. Ein Schlag mit dem Gezähe an die Felswand und hinter dem herabprasselnden Gestein blitzen die bunten Flächen auf, zum ersten Mal vom Strahl der Sonne, zum ersten Male von einem Menschenauge getroffen, nachdem sie Aeonen hindurch in schweigender Oede geschlummert haben. Man blickt in die urweltlichen Zeiten des Chaos zurück, überwältigend drängt sich die Vorstellung geheimnißvoller, riesenhafter Naturkräfte dem Gemüth auf, die Partitur der schreckhaft gewaltigen Schöpfungs- symphonie liegt offen aufgeschlagen. Eisen-, Blei- und Kupfererze in grellen Farben sind am Wege verstreut, vermischt mit Amethysten, Topasen, Achaten und Chalcedonen, darunter Wiesbaden, 15. October. Das „Tageblatt" erfährt, der Vorstand des Local-Gewerbe-Vereins habe beschloffen, von der für 1895 geplanten Industrie- und Gewerbe- Ausstellung für Naffau wegen der vorgeschrittenen Zeit ganz abzusehen und an deren Stelle zur 50jährigen Jubiläumsfeier eine andere Ausstellung vorzubereiten. Essen a. Rh., 15. October. Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" meldet: Gestern sand in Bochum .eine Festver- manches Stück, dem ein bescheidener Sammler einen Ehrenplatz anweisen würde. Die Natur selbst wies den Bewohnern des Jdarthales ihre Beschäftigung an und seit Jahrhunderten haben sie sich daher ziemlich ausschließlich mit der Bearbeitung der edlen Steine besaßt und bis heute versorgen sie die ganze Erde mit ihren Erzeugnissen. Früher wurden hier die Steine nur geschliffen, das Fassen und Graviren geschah in Paris. Als aber im Jahre 1870 die Ausfuhr auS Paris stockte, die Käufer jedoch auf die Nothlage der Pariser nicht die billige Rücksicht nehmen wollten — wunderbarerweise nicht einmal die Ruffen! — so verlegte man sich auch an der Idar auf diese Zweige und hat Paris auf dem Weltmärkte längst den Rang abgelaufen. Eine Collection in Chicago ausgestellter Prachtstücke hat großen Beifall gefunden. Dicht hinter Oberstem beginnt die Reche der 67 Schleis- Hütten, welche auf einer Strecke von etwa 10 km an der Idar hinauf liegen. In wohlthuend richtiger und sprachkräftiger Weise nennt man eine solche Hütte nicht etwa eine „Schleiferei", sondern eine „Schleife", was sich viele unserer —eien" zum Exempel dienen lasten könnten. Die Schleifen sind meistens kleine einstöckige Gebäude mit großen Fenster- wänden. Im Innern drehen sich, durch ein unterschlachttges Wasterrad getrieben, vier bis sechs Schleifsteine mit einer Geschwindigkeit von 180 bis 200 Umdrehungen in der Minute. Sie haben einen Durchmesser von l1^ biß l3/4 m, eine Breite Don etwa 40 cm, ein Gewicht von 30 bis 40 Centner und werden meist aus Kaiserslautern bezogen. Sie müssen aus sehr gleichartigem, fehlerfreien Sandstein bestehen, denn bet dem geringsten Riß fliegt der Stein infolge der raschen Umdrehung in Stücken auseinander und zwar saust gewöhnlich, wie man erzählt, ein Stück senkrecht durch das Dach hinaus, das andere fliegt horizontal durch das Fenster, das dritte schlägt nach unten und man kann froh sein, wenn es ohne Verlust an Menschenleben abgeht. In den Stein sind, wie in einen Bilderrahmen, verschiedenförmige Rinnen eingearbeitet. Er ragt nur zur Hälfte aus dem Fußboden heraus. Wenn man sich das Treiben in einer Schleife sehr belebt vorstellt, ist man durchaus im Jrrthum. Allerdings herrscht ein lautes Getöse darin, welches durch das Rauschen des Wassers und das Drehen der Walzen und Riemen hervorgebracht wird, blickt man aber im Vorbeigehen durch das große Fenster hinein, so bemerkt man nicht die geringste Bewegung. Die Gießener Anzeiger Generat-Mzeiger. sammlung der Angestellten des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation zur Feier des 50jährigen Bestehens der Gußstahlfabrik, des 40jährigen Jubiläums des Bochumer Vereins und des 40jährigen, 30jährigen oder 25jährigen Jubiläums von 298 Beamten, Meistern und Arbeitern statt. Die Versammlung richtete an den Kaiser ein Huldigungstelegramm, auf welches zu Händen des Geheimen Commerzienrathes das nachfolgende kaiserliche Antworttelegramm eingegangen ist: „Darmstadt, 15. October. Ich spreche den Jubilaren meine Anerkennung darüber aus, daß dieselben auf eine so lange Arbeitszeit an einer und derselben Stelle zurückblicken können und danke für die mir zum Ausdruck gebrachten Gesinnungen. , Prag, 15. October. In der gestrigen Versammlung von Vertrauensmännern der Deutschen Böhmens wurde eine Resolution angenommen, worin die geschlossene Haltung und Einigkeit der deutschen Abgeordneten als die wichtigste Bürgschaft der erfolgreichen allseitigen Abwehr der immer ungestümer auftretenden Angriffe auf den ererbten Besitzstand des deutschen Volkes Böhmens erklärt wird. Ferner heißt es darin: Die Vertrauensmänner verharren unverbrüchlich bei den Grundsätzen des wahren Freisinnes und des Fortschritts- tte billigen die allgemeine Wahlreform mit der Er- Weiterung des politischen Wahlrechts und der Vermehrung der Zahl der Abgeordneten unter gleichzeitiger Wahrung des politischen Besitzstandes der deutschen Bürger und Bauern - sie drücken ihre Anhänglichkeit an den einheitlichen Staat, ihre unbegrenzte Liebe zu Kaiser und Reich, ihre Bereitwilligkeit, die bestehende Coalition der drei gemäßigten großen Parteien des Reichsraths vertrauensvoll zu unterstützen, sowie schließlich die Erwartung aus, die Regierung werde den nationalen Besitzstand der Deutschen Oesterreichs schützen. Auf Antrag Strackes wurde ein Zusatz angenommen, der lautet: Wir erwarten von unseren Abgeordneten auf dasBe stimmteste, daß sie die Errichtung einer slavischen Unterrichtsanstalt in Cilli entschieden ablehnen. . Paris, 15. October. Sechs spanische Stierkämpfer, die Theilnehmer der gestrigen mit Tödtung von Stieren verlaufener Kämpfe in Nimes und in Dox wurden Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener IlamikienStälter merden dem Anzeiger .Wöchentlich dreimal beigelcgt. stellung des Gefolges schritt der Kaiser mit dem Großherzog [ die aufgestellte Ehrencompagnie ab, wobei die Musik „Heil | Dir im Siegerkranz" spielte. Den Schluß des Empfanges bildete ein trefflicher Parademarsch vor dem Kaiser und dem Großherzog. Eine besondere Aufmerksamkeit hatte der Großherzog seinem hohen Gaste dadurch bereitet, daß ein Com- mando von Unteroffizieren deS Kaiser - Wilhelm » Regiments in Gießen, die Ehrenwache an dem Kaisersalon deS Bahnhofs aus Frankreich ausgewiesen. — Casimir-Perier gibt am Mittwoch ein Frühstück zu Ehren Verdis. Deveschen deS Bureau „Herold*. Berlin, 15. October. Wie die „Berliner Neuesten Nach' richten" aus Posen melden, ist die bereits begonnene Einstellung polnischer Rekruten in Regimenter der Provinz Posen von der Posener Division deS 5. Armeecorps siftirt worden. Die betreffenden Mannschaften sollen in deutsche Gegenden verschickt werden. Berlin, 15. October. Wie verlautet, sollen die Verhandlungen des Staats Ministers ums in der Samstags« Atzung sehr kritisch gewesen sein. Während der Berathung kämpften zwei Strömungen, die eine erklärte sich für schärfere, die andere für mildere Fassung der Vorlage zur Bekämpfung bdr Umsturzbestrebungen. Caprivi vertrat die mildere Form. Eine grundsätzliche Einigung ist noch nicht erzielt worden. Berlin, 15. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt, daß der am 11. October von der „Wiener Politischen Corre- spondenz" aus Berlin gebrachte Brief, worin als Maßregel gegen d,e Umsturzparteten die schärfere Handhabung des Unfugsparagraphen empfohlen wird, als durchaus nicht halbamtlichen Ursprungs. Berlin, 15. October. Bankdirector August Sternberg ist gegen Stellung einer Caution von 320,000 Mk. aus der Untersuchungshaft entlasten worden. Sternberg kehrte unlängst aus dem Auslande zurück und stellte sich der Staatsanwaltschaft. Gegen ihn schweben zwei Anklagen. Wien, 15. October. Gestern fand hier eine Lehr« lingSversammlung statt. In derselben wurde die Gründung eines Vereins von jungen Hilfsarbeitern beschlosten, welcher Anschluß an die socialtstische Partei zu suchen hat. Auch will der Verein an den Straßendemonstrationen, welche zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechts stattfindeu, theil- nehmen. Prag, 15. October. Der jungczechische Studentenverein „Slayia" ist wegen politischer Umtriebe behördlich aufgelöst worden. Das Inventar wurde mit Beschlag belegt. Paris, 15. October. Das „Petit Journal" veröffentlicht einen langen Artikel aus der Feder eines pensionirten französischen Offiziers, in welchem versucht wird, nachzuweisen, daß die von deutscher Seite ausgeftreuten Ab- rüstungsgerüchte als eine Falle zu betrachten seien und daß die französische Armee mehr denn je kampfbereit sein müste. Der Krtegsminifter wird dann heftig angegriffen wegen der verkehrten Anweisungen, die er für die Rekrutirung und die Beurlaubungen in der Armee ertheilt. Bruffel, 15. October. Die conservativen Blätter bezeichnen es als eine große Gefahr für die belgische Bourgeoisie, daß für die Arbeiterpartei bei den gestrigen Wahlen günstige Resultate erzielt worden sind. Die Verantwortlichkeit wird den Urhebern der Verfaffungsrevision zugeschrieben, wodurch die Arbeiter das Wahlrecht erhielten. Bei dem einfachen directen Wahlrecht hätten sie noch günstigere Resultate erzielt. Nach der Wahl soll von den Socialisten eine gewaltige Agitation zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechts unternommen werden,- an zweiter Stelle werden sie die Abschaffung des Senats beantragen. Heute Abend, nachdem alle Resultate bekannt geworden sind, werden die Socialisten eine Riesenkundgebung veranstalten. ES werden Unruhen befürchtet. — Die letzten aus den Provinzen eingelaufenen Wahlnachrichten lauten immer günstiger für die Kleri« kalen und Socialisten. Es herrscht die größte Bestürzung wegen der völlig ungeahnten Erfolge der Socialisten in Char- leroy, Lüttich und Namur. Während die Führer der Socialisten nur vier Sitze erhofften, werden sie wenigstens 15 erhalten. Die schutzzöllnertsche Politik der Regierung ist verurtheilt, das Congounternehmen des Königs gefährdet. Von osficiöser Seite wird versichert, daß die Stellung Deburlets als Cabinetschef unhaltbar ist. Die Blätter con- statiren, daß in keinem Lande Europas der Collectivismus solchen Siegestag zu verzeichnen gehabt hat. Die künftige Kammer wird sich nur aus zwei Parteien recrutiren — Klerikale und Soltaltsten — da die Liberalen gezwungen sind, sich der einen oder anderen Partei anzuschließen. ES werden große socialpolitische Debatten erwartet. — Bis 11 Uhr Vormittags sind 116,816 von 230,000 abgegebenen Stimmen gezählt worden; von diesen entfallen auf die Klerikalen 47,320, auf die Liberalen 38,774, auf die Socialisten 30,722. Eine Stichwahl ist unvermeidlich. — Aus Mons wird gemeldet, daß die Socialisten Ausschreitungen begangen haben. Die ganze Truppenstärke in den Kohlenbecken ist marschbereit. Das katholische Versammlungslocal in Mons wurde in der Nacht von Socialisten erstürmt und demoltrt. Es bestätigt sich, daß Woeste und Daens gewählt worden sind. Die Regierung wird heute Nachmittag die officiellen Resultate veröffenilichen. Bruffel, 15. October. Die Polizei entfernte beute ein anarchistisches Plakat, das an verschiedenen öffentlichen Gebäuden angeschlagen war. Dasselbe fordert die Arbeiter auf, für die Bourgeoisie zu stimmen, und nicht neue Herren für die Arbeiterpartei zu schaffen. Loudon, 15. October. Die Blätter veröffentlichen Einzelheiten über die im Hafen von C anton an Bord des sogenannten Blumengeschwaders stattgefundene Katastrophe und theilen mit, daß 250 Blumenyachten total zerstört und 200 Personen theils verbrannt, theils ertrunken find. Newyork, 15. October. Der Personenzug zwischen Quantiko und Washington ist von Räubern überfallen worden. Die Postsäcke, in welchen sich 200,000 Dollars befanden, sind geraubt worden. Gießen, den 16. October 1894. * * Die Ehrenwache bei Sr. Majestät dem Kaiser während deffen Anwesenheit in Darmstadt wurde von einem Feldwebel und 6 Unteroffizieren des 116. Regiments versehen. Der Kaiser trug bei seinem Einzug in Darmstadt die Uniform der 116er. * * Gymnasium. Gestern wohnte der russische Staatsrath v. Wetsmann dem Unterricht im hiesigen Gymnasium und den Uebungen des pädagogischen Seminars bei. * * Eisverein. Wir machen unsere hiesigen Leser nochmals auf die heute Abend 8V2 Uhr im Kaiserhof 1. Stock stattfindende General-Versammlung des Eisvereins (stehe Jnseratentheil) aufmerksam. Es ist dies die einzige stattfindende Jahresversammlung, in welcher der Vorstand gewählt wird und bet welcher den Mitgliedern Gelegenheit geboten ist, allenfallstge Wünsche und Anträge zu stellen. Durch die Neuanlage der Moltkestraße ist eine Veränderung der Eisbahn und des VeretnShauses nöthig geworden, worüber der Vorstand Bericht erstatten wird. * * Die Berechtigung zur Ausübung des Hufbeschlags haben u. A. folgende Personen erlangt: Konrad AlleS in ' Dorheim, Kreis Friedberg, Christian Bender in Wölfersheim, Kreis Friedberg, Heinrich Gräb in Rimbach, KreiS Lauterbach, Philipp Heinbächer in Billertshausen, KreiS Alsfeld, Wilhelm Müller in Queckborn, Kreis Gießen, Wilhelm Rieß in Nieder-Ofleiden, Kreis Alsfeld, Wilhelm Sargk in Bingenheim, Kreis Büdingen, Karl Schäfer in Stangenrod, Kreis Gießen. * * Großherzog Friedrich vou Baden nebst Gemahlin passirten heute Vormitlag 10 Uhr 5 Min. auf der Reise nach Potsdam die hiesige Station. — Heute Abend werden Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen mit dem Schnellzuge 9 Uhr 50 Min.jhier eintreffen, und 9 Uhr 54 Min. die Reise nach Wildpark fortsetzen. * * Demonstrationen electrischer Riesen-Tableaux wird Herr Physiker Albus am kommenden Donnerstag Abend im Saale ikes Cafa Leib vorführen. Wie wir aus auswärtigen Blättern ersehen, haben diese Vorstellungen in einer Reihe größerer Städte große Aufmerksamkeit und bedeutenden Beifall gefunden. So schreibt z. B. die „Leipziger Gerichtsztg.": „Die Vorführungen electrischer Riesentableaux durch Herrn Prof. Albus in der Alberthalle des Krystallpalaftes haben hier wahrhaft Sensation erregt, denn Niemand harte so Herrliches, so Schönes erwartet, obwohl bereits am Sonntag in der ersten Vorstellung die Rieserchalle kein leeres Plätzchen zeigte. Der ungeheuere Beifall, den die Vorstellung erweckte, war in der That auch ein wohlverdienter, denn das Interesse, welches die Vorführung ausübte, hielt vom ersten bis zum letzten Bilde an, ja erfuhr eine fortgesetzte Steigerung. In millionenfacher Vergrößerung präsentirten sich auf der zauberischen Leinwand alle die gefürchteten „Komma's", eine Anzahl von Parasiten des menschlichen Körpers, deren Anblick „gruselig" machen konnte, traten in Erscheinung — mit ihnen wechselten die Ansichten einer Reihe lieblicher Städte und die eisstarrenden Bilder der Nordenskjöld'schen Polarexpedition, sowie Porträts. Entzückend war namentlich überall die Ver- theilung des Lichtes, die namentlich bei der Wiedergabe der Skulpturen sich bemerklich machte. Hochbefriedigt ging jeder Besucher aus der Vorstellung weg und wenn wir am Schluffe unseres kurzen Berichtes noch die Bitte an Herrn Professor Albus aussprechen, er möge seinen Aufenthalt hier verlängern, so geben wir nur einem tausendfach geäußerten Wunsche Ausdruck." Es steht somit auch dem hiesigen Publikum ein interessanter Abend in Aussicht. * * Zur Zurücknahme von Fahrkarten. Nach den Bestimmungen der Eisenbahnverwaltung können die Fahrkarten, welche zu einer Reise gelöst, bereits durchlocht, aber nachweislich nicht benutzt werden, gegen Erstattung des Fahrgeldes am Schalter zurückgegeben werden, wenn die Karte eine bezügliche Bescheinigung des Stationsbeamten trägt. Es wird jedoch der Betrag für eine Bahnsteigkarte mit zehn Pfennig gekürzt. * " Vor dem Gebrauche der von Emil Germann zu Braunschweig in den Handel gebrachten sog. elrctromotorischen Zahn • Halsb'ändcheu und Zahnhals • Perlen als durchaus nicht, wie angepriesen wird, das Zahnen der Kinder erleichternder Mittel von unverhältnißmäßig hohem Preise (1 Mk., bezw. 1 Mk. 50 Pfg. pro Stück) wird polizeilicherseitS gewarnt. * * Pateut-Ertheilung. Regulirungsvorrichtungen für Gasöfen,- Eisenwerk Hirzenhain, H. R. Buderus, Hirzenhain. * * Gebrauchsmuster-Eintragung. Eiserner Kanal Einlauf- rost mit schräg zur Richtung des Etnlaufwaffers angeorbnetett arten und kann daher hier auch noch Neues erfahren. Ganz überraschend wird es auch Vielen sein, daß das tiefe, glänzende Schwarz der Onyxe, wie man es in Cameen, Siegelringen u. s. w. sieht, und das zarte Roth der Achat-Armbänder, -Broschen, -Ringe und dergleichen nicht Natur ist, sondern künstlich hervorgebracht wird. Die Naturfarbe ist grau. Um den Stein schwarz zu färben, wird er längere Zett in Honig gelegt, bis er ganz von Zucker durchzogen ist, und dann gekocht oder gebrannt. Roth entsteht, wenn er mit einer Eisenlösung getränkt und dann gebrannt wird. Auch Grün und Blau kann man hervorbrtngen durch Behandlung mit Chromsäure und Blutlaugensalz. Die weißen oder durchsichtigen Streifen des Steines nehmen keine fremde Farbe an, da sie zu dicht sind, um fremden Körpern Einlaß zu gestatten. Besondere Prachtstücke oder Kunstletstungen find in den einzelnen Schleifen nicht zu sehen, sie sind vielmehr in der Gewerbehalle zu Idar aufgestellt. Die Schleifer deS Idar- thales sind zu einem großen Verbände unter Leitung eines Gewerberaths vereinigt und haben eine dauernde Ausstellung von Rohmaterial und Kunsterzeugnissen in dieser Gewerbehalle eingerichtet. Der Besuch derselben ist ungemein lohnend. Schon am Eingang von Idar fallen rechts und links verschiedene Gärten auf, worin die Einfassung der Beete, die Abhänge der Terraffen und die Wände von Grotten ganz mit farbigen Steinen in geschmackvoller Zusammenstellung ausgelegt sind, und bet Sonnenschein prangen in gleichem Glanze die steinernen Formen der Herbstblumen, der Dahlien und Aftern und die blumenfarbtgen Steingebtlde der Malachite, Amethyste und Achate. Es fehlt in solchen Gärten nur noch der singende Baum und das tanzende Waffer, um das Märchenbild zu vollenden. Idar hat etwa 4500 Einwohner. Nach meiner Beobachtung heißen sie Wild und sind theilweise durch ihre Vornamen unterschieden, doch sollen auch Ausnahmen vorkommen. Mitten im Orte liegt die Gewerbehalle. Der Vorsteher derselben, ein äußerst liebenswürdiger und kenntnißreicher Herr, gibt auf Befragen gern jede Auskunft. Die Ausstellung umfaßt tausende von Gegenständen, die alle verkäuflich und mit Preisangabe unter Controle des Gewerberaths versehen sind. Die Preise sind durchweg überraschend niedrig, die Zwischenhändler in größeren Städten müssen ungeheure, apothekerhafte Pro- cente verdienen. Es empfiehlt sich daher, Bestellungen an die Gewerbehalle zu richten. Da sind die verschiedensten allerliebsten Schmucksachen und Gebrauchsgegenstände zum Preise von 10 Pfg. bis zum Cryftallpokal, etwa 25 Ctm. hoch, der allein an Arbeitslohn 1350 Mk. gekostet hat, und der Schale aus streifigem Chalcedon zum Verkaufspreise von 1650 Mk. Es gibt fast keinen Schmuck oder Zierath, keinen Gegenstand vom Herrn- oder Damenschreibtisch, vom Toiletten- ’ tisch, vom Buffet, der nicht hier in geschmackvollster Weise ; aus edlem Stein gearbeitet vorhanden wäre. Besondere j Erwähnung verdient wohl die Auswahl von Cameen, darunter i ein Prachtstück: ein idealer Frauenkopf, das Ganze von Thalergröße, in tadellosester, künstlerischer Ausführung, zum Preise von 300 Mk. Auf dem Fußboden und an einer Wand liegen prächtige Drusen von Amethysten und Topasen auf- geschichtet, und mächtige Schliffe von leuchtendem Achat, JaSpis, Lapis Lazuli, Malachit, Heliotrop, dem blau schillernden > Labrador, Chrysopras u. s. w. Die schönsten Stücke hiervon ! wanhern gewöhnlich in den Muschelsaal des Neuen Palais, ■ dessen Castellan jährlich mehreremals persönlich zu Einkäufen erscheint, doch ergänzen sich dieselben sehr bald wieder. Mit der Zeit wechselt natürlich auch die Liebhaberei für ! einzelne Steinarten. Der Chrysopras z. B., der im Mittel- ! alter sehr beliebt gewesen sein muß — Wolfram von Eschen- j bach erwähnt ihn bet den Schilderungen der Gralsburg mehr- , fach an hervorragender Stelle — verlor dann für lange : Zeit sein Ansehen, bis er durch Friedrich den Großen, der . ihn in einzelnen Gegenden Schlesiens vorfand, wieder zum ; Modestein erhoben wurde. Siegelringe aus jener Zeit zeigen ' unfehlbar den Chrysopras. Dann verschwand er wieder, ist ' aber seit einiger Zeit wieder in England der begehrteste । Stein. — Vor 15 — 20 Jahren wurden die ersten Tigeraugensteine, die am Oranjefluß gefunden werden, in ganz , kleinen Stücken über Paris eingeführr. In Idar wurde da- j mals ein Gramm des rohen Steins mit 2 Mk., das Pfund 5 mit 1200 Mk. bezahlt. Ein Ringstein kostete im Verkauf etwa 150 Mk. Heutzutage kauft man das Kilo des besten rohen Steines für 10 Mk., bei weniger schönen Steinen fällt der Preis bis auf 30 Pfg. für das Kilo. Aehnlich hat übrigens auch der Preis anderer Steine gewechselt, seit sie. vor etwa 40 Jahren zuerst aus Brasilien in größeren Mengen eingeiührt wurden. Seit den sechziger Jahren hat man im Jdarthale den planmäßigen Bau auf Steine ganz eingestellt. Ein Versuch, der vor einigen Jahren wieder gemacht wurde, hat ergeben, daß die Kosten zu hoch sind. Wie die Schleifer, so kann man auch die in Idar wohnenden Graveure und Bohrer bei ihrer Thätigkeit beobachten. Die ersteren arbeiten mit verschieden geformten Stahlspitzen und Rädchen, d:r Staatsanwaltschaft Gießen: Taglöhner Friedrich Lindenlaub aus Wetzlar wegen Diebstahls, Schneider Hans Friedrich Oft von Crumstadt wegen Betrugs und Diebstahls, Sebastian Strinzinger aus Hering wegen Diebstahls. — Ferner von der Staatsanwaltschaft Darmstadt: Schuhmacher Michael Fritz aus Hösheim in Baden wegen Diebstahls- Dienstknecht Jakob Häuser aus Biblis wegen Diebstahls - Schlosser Peter Mohrhardtaus Stockstadt a. M. wegen Unterschlagung- Kellner Ludwig Schreiner aus Hünhahn (Reg.-Bez. Kassel) wegen Urkundenfälschung - Kellner Heinrich Wolf aus Ehringshausen wegen Diebstahls. — Ferner Bahnarbeiter Martin Häuser aus Ockershausen von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Diebstahls- Tischler Max Ei st ermann aus Fürstenwalde vom Amts- onwalt in Mainz wegen Unterschlagung- Hausbursche Heinrich Seitz, zuletzt in Offenbach, von der dortigen Polizei- Verwaltung wegen Unterschlagung- Taglöhner Joh. Georg Weitzel aus Storndorf vom Amtsgericht Herbstein wegen Bettelei. Ober-Mörlen, 11. October. Wegen der baaren HerauSzahlung des den hiesigen Orts arm en vermachten Legat« von 400,000 Mark schweben Unterband- lungen mit dem Testamentsvollstrecker in London. Die halbjährigen Zinsen mit 8000 Mark wurden dieser Tage wieder auSbezahlt. Dorheim, 13. October. Bor einigen Tagen starb dahier der ehemalige Orts Bürgermeister Philipp Reuß II. Kirchgölls, 13. October. An Stelle unseres langjährigen Bürgermeisters und Ehrenbürgers, Herrn Weber, wurde Herr Joh. Nern VI. als Bürgermeister der hiesigen Gemeindehaus die Dauer von 9 Jahren gewählt. Büdingen, 14. October. Bet leider sehr unfreundlichem Wetter fand heute die Einweihung der neuerbauten katholischen Kapelle hier statt. Der Hochwürdigste Herr Bischof Haffner von Mainz traf bereits gestern mit dem Zuge 534 Uhr Nachmittags hier ein, und wurde von dem Erb- I Prinzen Wolfgang zu Ysenburg und Büdingen, sowie von einem, von der katholischen Gemeinde gebildeten Comitv empfangen, und von Ersterem in fürstlicher Equipage nach dem fürstlichen Schlosse geleitet. Heute Morgen 7 Uhr begann die Beichte, und um V28 Uhr fand heilige Meffe deö Hochwürdigen Herrn Bischofs und Austheilung der heiligen Communion an die Firmlinge im bisherigen Betsaale statt. Um 9 Uhr begann die Einweihungsfeier der Capelle und ging dieser Act mit aller kirchlichen Prachtentfaltung vor sich. Nach der Einweihung fand feierliches levitirtes Hochamt statt, wobei der katholische Ktrcheuchor auS Offenbach die Meffe gesungen hat. Nach dem Evangelium hielt der Hochwürdige Herr Bischof die Festpredigt, worin er die neue Capelle als eine Stätte des Friedens, der Gnade und des Trostes bezeichnete, zum Schluß war die Ausspendung der heiligen Firmung. Um 1 Uhr fand ein Festmahl bei Herrn Hölztnger statt, an welchem der Hochwürdige Herr Theil nahm. Hierbei brachte der Hochwürdige Herr Bischof den ersten Toast auf Papst, Kaiser und Großherzog aus, und wurde derselbe wie die folgenden, welche sich daran reihten, mit großer Begeisterung ausgenommen. Gemüthliche Stimmung hielt die Herren bis zum späten Nachmittag beisammen, da auch Küche und Keller des Herrn Hölzinger Vorzügliches zu bieten vermochten. § Vom Vogelsberg, 15. October. Die Gipfel des Vogelsbergs zeigten heute Morgen den weißen Mantel des Winters, den ersten Schnee. Nachdem am Samstag noch sommerliches Herbstwetter geherrscht, hat das Wetter in raschem Umschwünge ein winterliches Gepräge erhalten. Der Blattabfall an den Bäumen ist ein früher- schon stehen die Bäume an den Straßen entlaubt da und auch der Wald beginnt sich seines'Blätterschmuckes zu entledigen. Nach den Erfahrungen der Wetterkundigen soll ein solch' früher Blätter- fall einen milden Winter erwarten lassen. Möchten sie diesmal Recht behalten. — Das Ausmachen der Kartoffeln und das Säen des Kornes ist noch nicht beendigt worden, das abermalige Regenwetter läßt nochmals eine Verzögerung zu dieser vorgerückten Zeit eintreten. Weizen hat man nur noch scdr wenig gesäet, überhaupt sind die landwirthschaft- lichen Herbstarbeiten um Wochen verspätet. Offenbach, 12. October. Ein Bild des Elends entrollt folgende dem „Offenb. Abendbl." zugegangene Zuschrift: „An einem Morgen der vorigen Woche forderte Herr Lehrer Müller aus der 5. Klasse der Volksschule, da es ziemlich kühl war, seine Schüler auf, diejenigen, welche es friere, sollten sich stellen, worauf sich 22 Schüler stellten. Die Frage, ob sie Kaffee getrunken und etwas gegessen hätten, verneinten sämmtliche 22 Jungen, was den Herrn Lehrer veranlaßte, jedem 3 Pfennig für ein Brödchen zu geben. Nun bedenke man, 78 Schüler sind in der Klasse und darunter 22, die nichts genossen hatten. Gestern Morgen bekam ein Schüler derselben Klasse eine Ohnmacht vor Hunger. Auch diesem gab der Lehrer Müller wiederum 3 Pfennig. Darmstadt, 15. October. Durch Entschließung des Großherzoglichon Ministeriums des Innern und der Justiz wurde die der deutschen Viehversicherungsanstalt in Mainz ertheilte Erlaubniß zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum Hessen zurückgenommen. Die Gesell- chaft darf demgemäß neue Versicherungen in Hessen nicht mehr abschließen. Maio;, 15. October. Im Warlesaal deS hiesigen CentralbahnhofeS erschoß ssch heute Nacht ein auS Sachsen gebürtiger junger Mann. Der Lebensmüde, ein Sch'osser, war gestern auf der hiesigen Herberge durch einen Meister aus Ingelheim zur Arbeit engagirt worden. Als der Meister sich zum Billetschalter begab, um zu dem Nachtzuge die Fahr- karten zu lösen, vollbrachte der junge Mann die That. Auf dem Wege zum Hospital starb er. * Halle, 15 October. Der Frauenmörder Wetze st ein ist heute vom hiesigen Schwurgericht zweimal zum Tode und zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. * Oschatz, 11. October. Am 10. d. M. Abends hat sich der Rekrut Richter (früher Telegraphist in Reichenbach) von der 4. Escadron deS hiesigen 1. Ulanen-Rcgiments von einem Eisenbahnzug über fahren lassen. Der Tod trat fofort ein, da Kopf und Füße vollständig vom Rumpfe getrennt waren. Verkehr, Canfc* und Volk»u>irthschaft. Gietzs«, 16. Octbr. Marktbericht. Aut dem heutigen Wochenmartt lastete: Butter pr. Pfv. * -.90—1,00, Hühnereier vr. Stück 4, 2 Stück 14-16 X «äse pr. St. 4—8 4. Käsemaste pr- St. 8 H, Erbsen vr. Liter 17 H, Linsen pr. Liter 28 X Tauben pr. Daar X 0,50-0,75, Hühner pr. Stück X 0,90—1,20, Hahnen pr. St. X 0,70—1.20, Enten pr. St. X 1,60 bi« 1,90, Ochsevfleisch pr. Pfd- 76-80 X Kuh- u. Rindfleisch pr. Pfd. —70 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 66-76 X Kalbfleisch pr. Pfd. 68-70 X Hammelfleisch pr. Pfd. 60—70 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,50—5,60 X. Weißkraut pr. Stück--4, Zwiebeln pr. Lentner 3,00-3,40 X, Milch pt. Liter 16 20 X, Enteneier 2 ©t - 4, Gänseeier - X Zwischen pr. Ctr X 3,00—4.00 kirchliche Anzeigen der evang. Gemeinde. Donnerstag den 18. October, Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst zur Eröffnung der Decanatssynode. Pfarrer Volp aus Allendorf a. b. Lumda. Seidenstoffe e direkt aus der Fabrik von von Elten & Keussen, Crefeld, Kennzeichen der ächten Doerings Seife: 1) Die Schutzmarke, welche eine Bule (keinen anderen Vogel) darstellt, muß auf Seise und Ettquette aufgedruckt sein, 2) muß die Verpackung eine Verschlußmarke mit der Aufschrift: „Mit der Eule" tragen. Doerings Seife ohne diese Merkmale ist unächt. Preis der äd)t«n Doerings Seife, ob parfümirt oder unparfümtrt, t|t 40 Pfg. 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Js. dem Antrag der Stadtverordneten - Versammlung wegen Uebernahme der Kasseverwaltung der Vorschule des Gymnasiums zu Gießen auf die Stadtkasse Gießen zugestimmt hat, bringen wir dies mit dem Bemerken zur Kenntniß der Betheiligten, daß von jetzt ab Zahlungen für die genannte Vorschule nicht mehr an Großh. Universitäts-Rentamt, sondern nur an die Stadtkaffe Gießen zu leisten sind. Gießen, den 9. October 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. rahlung. Zusammenkunft bei Wirth Hengst. Versteigerung bestimmt. Gießen, den 15. October 1894. 520 Mirlck. Vollüebunasbeamt Strebel-Tinte, | J. Rickersche Buchhandlung, Giessen Dienstag den 27. Novbr., Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem' Ludwig Strack in Launfpach in der Gemarkung Gießen gelegenen Grundstücke: von beute ab bis Samstag f. tägl. Zuk., Aufträge liefere frei ins Haus, h)chtcirie ta KrtBo«.___8018 ,, Rchm- „ fimbnrgrr= „ Hand- empfiehlt Emil Orbig. 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Die Anmeldung neuer Mitglieder mit genügender musikalischer Vorbildung nimmt der akademische Musikdirector in seiner Wohnung, Bismarckstraße .22 II., von 2—2% Uhr Nachmittags entgegen. 8516 Der Vorstand* 8535 8370 _______A Hirz, GelterSweg 22. 8U31I Schön möbl Zimmer sofort zu vermtethen.__________Babnhosstn. 23 H 7771j Ein möbltrtee Zimmer zu verm. ___Bahnhofstr. 8«. 8112J Ein srtundliches, wödUrteS Zimmer mit Cabinet zu vermtethen. __________ Babnbosstraße 45. 8105] Schönes, möblirteS Ammer an einen ruhigen Herrn zu vermtethen. Näheres in der Exped. d. Bl.________ 8337] Schönes Zimmer, inmitten der Stadt, möbl. oder unmöbl-, sofort zu ve miethen. Näheres Seltersweg 68, tm Nebenhaus 8386] Schön möbl. Zimmer zu Vermietern_______Dammstraße 30, pari. 8457] Zwei ineinanderg möbl. Zimm- zu vcrm- Lvdwtgstraße 30, pari- 8515] Möbl. Zimmer zu vermiethen- ___________Wtlhelmstratze 1 in. 8511] Zw-t möblirte Zimmer getrennt zu vermtethen im 1. und 3. 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