Rach Bia. Seit? S.uj* ^ SefertiBten fab. Nr. 88 Erstes Blatt. Dienstag den 17. April 894 Der *B|ei«er txfdjctnt täglich, Mit »uLaahmk bei Montag» Dir Girtznter »eeitlteirttlie embfn bm laznß« »4ch«tlich bctieel Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. etntdiäbrt^r j^ewwtxUn*«' S Kerf 30 W ■* Bring rrlob». Dusch btt Post bepjM 1 «art 50 fN- M*adi»a, »pfbit** unb Drudrm: >4.rfira|t Mc.l. K ianMutig Waaren unb 3"dem ich hiermn nterftü&en ju wollen 3313 NmdU.j. Zlints- und Anzeigeblutt für den Äveis Gietzen. «-nah», boa «n,eigen ,u bet Nachmittag« für bLe Innoncm-Bureair? bei In- unb «uftanbe« neuern salgenben Lag erfcheinenbrn Nummer bi« vorm. IO Uhr. ^lUUSVCUUyC. ^UllUllCIlVlUllCI. «v-eigrn für bm „(Itegener Anzeiger^ entgeye. Bekanntmachung. Tas Programm für die aus Veranlagung der Vermählung Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Prinzessin Victoria Melita von Sachsen Coburg - Gotha stattsindenden Festlichkeiten ist festgesetzt wie folgt: I. Freitag, den 20. April: Um 111 Uhr Bormittags erfolgt unter Glocken- \ getaute der Einzug des Allerhöchsten Paares von der Bahnüberführung der Odenwaldbahn aus durch die frankfurter-, Promenade-, Caserne-, Bahnhofs-, Rhein- und Wilhelmineuftraße nach dem Neuen Palais. Der von 2 EScadron» Dragonern begleitete, im Schritt fahrende Wagenzug wird von Ehrenreitern und Postillonen angeführt. Vor der am ehemaligen Nheinthor errichteten Ehrenpforte wollen Ihre Königlichen Hoheiten die Begrüßung des Stadtvorstandes entgegcnnehmen. Längs des gesammten Einzugsweges stellen hiesige und auswärtige Schulen, Studentenschaft und Vereine «mit ihren Fahnen, sowie Truppentheile der hiesigen Garnison geschloßenes Lpatter. Um 6 Uhr Nachmittags begeben sich Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin vom Neuen Palais in das Großh. Residenz- ichloß zur Galatafel unb kehren gegen 8 Uhr wieder in das Neue Palais zurück. Bou S*/5 Uhr Abends an allgemeine Illumination der Stadt. Die Allerhöchsten Herrschaften unternehmen gegen 9 Uhr, zur Besichtigung der Illumination, eine Fahrt durch die Stadt nach dem Großh. Residenzschloß, wo Allerhöchstdieselben von dem Balkon über der ; Vorderbrücke gegen S'/r Uhr die Serenade auf dem Marktplatz entgegennehmen wollen. Die hiesigen Gesangvereine, welche die Serenade darbringen, werden von anderen hiesigen und auswärtigen Vereinen in festlichem Fackel- und Lampions zug nach dem Marktplatz geleitet. Letzterer ist während der Munkvorträge electrisch beleuchtet. II. Samstag, den 21. April: Um 7 Uhr Abends begeben sich Ihre König- lichen Hoheiten von dem Neuen Palais nach dem Großh. Residenzschloß, wo um 71/, Uhr eine Cour der dazu eingeladenen Damen stattfindet. Um 8*/, Uhr Abends gesellige Bereinigung der Einwohnerschaft bei Concert in der fefthalle auf dem Exercierplatz. III. Sonntag, den 22. April: Bon 2 Uhr Nachmittags an Bolksfeft auf dem Exercierplatz. Ihre Königlichen Hoheiten werden dasselbe mit Allerhöchst ihrem Besuche beehren. Um 7 Uhr Abends festvorftellung im Großh. Hoftheater. Um 9 Uhr Feuerwerk auf dem Festplatze. IV. Montag, den 23. April: Nachmittags gesellige VereinigungdeiConcert auf dem Platze des Volksfestes. Für den Abend haben Ihre Königlichen Hoheiten • die Einladung zum Ball der „Vereinigten Gesellschaft" gnädigst angenommen und werden sich nach 8 Uhr dahin begeben. Darmstadt, den 7. April 1894. Der Großhersogliche Dberbürgermeifler Morneweg. Deutsette- Reich. Darmstadt, 14. April. Die „Coburger Zeitung" veröffentlicht folgendes Programm zu der am 19. April 1894, Mittags 12 Uhr, im Herzoglichen Residenzschloffe zu Coburg stattfindenden Vermählung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha, Herzogin zu Sachsen, mit Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein: Die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften versammeln sich um 3/412 Uhr im Rothen und Gobelin-Zimmer, das Gefolge in der großen Bildergallerie und im Riesenfaal, mit Ausnahme des Ihrer Majestät der Königin, welches sich um */« 1 Uhr im Vorzimmer zum Aufzug (links vom Hauptportal) versammelt. Das 3. Bataillon des 6. Thüring. Infanterie-Regiment- Nr. 95 stellt die Doppelposten. Um 12 Uhr werden Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin-Braut, begleitet von Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Frau Herzogin, und Seine Königliche Hoheit der Großherzog-Bräutigam im Residenzschlosse eintreffen. Bei Annäherung an den großen Schloßhof, wo als Ehrenwache eine Compagnie des hiesigen Bataillons mit der Fahne und dem RegimentS-MufikcorpS aufgestellt ist, spielt letztereS die Nationalhymne. An der großen Schloßtreppe wird das Durchlauchtigste Brautpaar durch den Oberhofmarschall empfangen und nach den Gemächern Ihrer Majestät der Königin geleitet, woselbst der standesamtliche Act durch Seine Excellenz Herrn Staarr- minister v. Strenge vollzogen wird. Die Vertreter fremder Höfe und die geladenen Gäste versammeln sich um 12 Uhr in der Herzoglichen Hofkirche, wo ihnen ihre Plätze durch die Kammerherren Graf Griebenow, v. Ebart, v. RekowSky und v. WolterSdorff angewiesen werden. Zu den Emporen der Kirche werden Eintrittskarten vou dem Oberhofmarschallamt auSgegeben. Der Raum zu beiden Seiten der Orgel ist für die Mitglieder des Kirchenchors, die erste Abtheilung auf der östlichen Seite für die Vertreter der Presse reservirt. Nach Schluß der Civiltrauung begeben sich die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften in vier Zügen mit Bortritt und Gefolge zur Kirche. Die Züge sind unbeschadet bestehender Rangverhältnisse geordnet. Nach Eintreffen des ersten Zuges begibt sich der Vortritt in den Vorraum der Kirche zurück, um von da aus dem zweiten Zuge voranzugehen, ebenso beim dritten und vierten. Nach Eintreffen deS letzteren stellt sich der Vortritt zu beiden Seiten des Mtttelganges auf. Am Altar wird da- Hohe Brautpaar von der Geistlichkeit empfangen. Feuilleton. Der verhängnißvolle Mokka. Humoreske von M. Andcrssen. (Fortsetzung.) Frau Maihof-Mutter schläft ausgezeichnet. Ihr Schlaf ist ein so fester, daß er durch den Eintritt Linas am nächsten frühen Morgen nicht unterbrochen wird. Diese ist leise gekommen, um die Stiefelchen des Gastes zu holen, was sie gestern Abend vergessen. Lina schaut sich neugierig in dem bereits erhellten Gemache um. Ihr Blick fällt auch auf die Commode, wo die beiden Gläser nebeneinander stehen. Plötzlich schlägt sie die Hände zusammen und unterdrückt nur mühsam einen Aufschrei. DaS eiue der beiden Gläser stellt nämlich ein Nachtlämpchen dar, in dem über dem Wasser sich eine Schicht Brennöl ausbreitet, in die, auf einen Korkschwimmer gesteckt, der kleine Docht eintaucht. Auf dem Grunde des Glases liegt ein Etwas, daS Lina aus eigener Praxis bekannt ist: ein Guttapercha-Gaumen, der an seinen beiden Enden einige künstliche Zähne aufweist. Lina fischt mittelst ihres Haarpfeils das Kunstwerk aus der Tiefe des NachtlämpchenS heraus- alsdann läßt sie ?S in das daneben stehende GlaS mit reinem Wasser fallen. „So," sagte sie, „da merkt sie eS gar nicht. Der Geschmack de» Brennöls wässert sicher auS, bis sie daS Ding wieder gebraucht." Sehr befriedigt über ihr Rettungswerk verläßt Lina unbemerkt, wie sie gekommen, daS Zimmer. Bald darauf erhebt sich Frau Rittergutsbesitzer Maihof, eine Frühaufsteherin aus Gewohnheit, kleidet sich rasch an und begibt sich dann hinab ins FrühstückSzimmer, wo das lunge Paar bereits mit dem Morgenkaffee auf sie wartete. Nach den üblichen Begrüßungßworten erklärt der junge Mann vergnügt: „Heute wirft Du auch die Sorge los, liebste Mama, daß ich mein LieblingSgetränk nicht so zubereitet erhalte, wie ich eS von Deiner Hand gewohnt bin. Eva ist Meisterin in der Kaffeebereitung, die sie stets eigenhändig besorgt. Du wirst Dich sogleich überzeugen." Die Angeredete nickt der freudig erröthenden jungen Frau wit liebenswürdigem Lächeln zu und läßt sich von ihr eine Taffe lieblich duftenden Mokkas eingießen. „Nun?" fragte stolz herausfordernd der Sohn, als seine Mutter vorsichtig prüfend gekostet hatte. DaS Lächeln der Gnädigen erhält etwas Gezwungenes. Sie setzt die feine chinesische Schale mit großer Erregung auf den Tisch zurück. „Großartig, Mama!" rühmt Max. „Nur mit Deiner Karlsbader zu vergleichen." „In der Thal —" erwiderte zögernd die Mutter. Eva blickte mit auffallend großen Augen zu ihr hinüber. „Aber Mama!" ruft der Sohn erschrocken, „Du machst ein Gesicht, als habest Du Tinte getrunken und nicht einen wahrhaft ambrosischen Mokka! — Nein — so ungerecht bist Du nicht. Prüfe noch einmal, Mama, und sage mir dann Deine aufrichtige Meinung." Mit sichtlicher Ueberwindung greift die Schwiegermutter nochmals zur Tasse. Sie nimmt einen langen Schluck, schüttelt sich aber danach, als habe sie Leberthran getrunken und schiebt mit größter Entschiedenheit die Schale weit von sich fort. DaS war eine entrüstete Ablehnung dieses „Getränkes". Auf Evas reizendem Gesicht wechseln Röthe Lunb Blässe wie Schlagschatten, ihre großen Kinderaugen sehen nun böse, ganz böse auf die Schwiegermutter. Keine Spur mehr von Scheu und Respect. DaS Autoritätsgefühl verleugnet sich, indem sie denkt: „Ich hatte doch recht mit meiner Ahnung. Alle Schwiegermütter sind gleich. Nicht umsonst verlästert sie der VolkSmund." „Bist Du unwohl, Mama?" fragt der Sohn mit seltsam verhaltener Stimme. „Ich versicherte Euch schon, daß ich mich selKn so wohl und frisch gefühlt habe, wie an diesem Morgen," entgegnete sie kühl. „Aber daS Frühstück scheint Dir nicht zu schmecken," beharrt der Sohn. Sie sieht ihn mit ihren gebietenden Augen zurechtweisend an, dann wendet sie sich zu ihrer Schwiegertochter: „Nimm mirs nicht übel, Kind, aber diesmal ist Dir der Kaffee nicht gerathen! — Um Gotteswillen, Eva, so weine doch nicht gleich! Die Schuld liegt an Deinem Lieferanten, der Dir leider ein paar ölige Bohnen unter Deinen Mokka gemischt haben muß." „Oelige Bohnen?" wiederholte der Amtsrichter, während die junge Frau, vor Erregung zitternd, kein Worr hervorbringt. „Gewiß, Max, und zwar von ganz penetrantem Geschmack- Ich kann denselben gar nicht wieder los werden." Eva springt auf und-stellt sich, dem Kaffeetisch bm Rücken zuwenbenb, mit unterbrücktem Schluchzen ans Fenster. „Du hast ja von bemselben Kaffee getrunken, Max," fährt seine Mutter ruhig fort, währenb er in nervösem Spiele ein Stückchen Festkuchen zerbröckelt unb Kügelchen davon dreht. „Ich wundere mich, baß Du als Kenner nichts bation bemerkt hast. Freilich" — hier lächelt bie Dame recht überlegen — „Du bist in den Flitterwochen, ba soll man oft nicht wissen, was man ißt unb trinkt." , Eva wendet sich kurz um. ES ist beutlich zu vernehmen, wie ihr Absatz ben Boden stampft. „Gnädige Frau — ich muß doch bitten," erklärt sie, das Köpfchen im Nacken. Mit einer wahrhaft königlichen Handbewegung erwidert die Schwiegermutter: „Keine Scene, Kind! Ich verlasse sogleich dieses Haus, um es nicht wieder zu betreten." „Um Gotteswillen, Mama! — Eva!" Der Amtsrichter stürzt von einer zur andern. „Ich lasse mich in meinem Hause nicht beleidigen," erklärt trotzig die junge Frau. Frau Maihof-Mutter hat sich erhoben. „Um neun Uhr zwanzig Minuten geht der Schnellzug. Ich glaube, daß ich noch recht kommen könnte," sagte sie ruhigen Tones. „Mama, — Du darfst uns nicht in solcher Sttmmung verlassen! Bedenke die kleinliche Ursache des Zwistes!" beschwört sie der Sohn. „Und seine vollständige Grundlosigkeit!" ruft Eva dazwischen. „Er ist gänzlich vom Zaune gebrochen. Du selbst haft den Kaffee für gut erklärt, Max!" „Allerdings," antwortete er, „und er ist auch gut." Aber nun fragt ihn seine Mutter in schneidendem Tone: „Wer hat Dich zur Wahrhaftigkeit erzogen, Max? Wer hat Dir stets das Beispiel der Wahrheitsliebe gegeben ?" „O Mutter!" stöhnt der junge Mann und fährt rathloL mit der Hand über die Stirn. Sie ergreift seine Rechte. „Sei ruhig, mein Junge. Weißt Du denn gewiß, daß Du von demselben Aufguß getrunken haft?" „Nein!" erklärt Eva, „ich habe für Mama einen besonderen, frischen Aufguß bereitet." (Schluß folgt.) II. Gr.Gr. HH. die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen geleiten S. K. Hoheit den Großherzog-Bräutigam vor den Altar auf die rechte Seite der Kniebank, S. K. H. der Herzog Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin-Braut auf die linke Seite derselben. Seine Königliche Hoheit der Herzog nehmen links von der Prinzessin-Braut, II. Gr.Gr. HH. die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen rechts vom Großherzog Bräutigam, die übrigen Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften zu beiden Seiten des Mittelganges, das Gefolge dahinter Platz. Beim Eintritt der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften beginnt das Geläute sämmtlicher Glocken der Stadt. Die Trauung wird durch den Generalsuperintendenten D. Müller unter Assistenz des Oberhofpredigers Dr. Bender und des Hofpredigers Dr. Hansen vollzogen. Beim Ringwechsel werden 21 Kanonenschüsse abgegeben. Nach Schluß der Feier begeben sich die hohen Neuvermählten mit den Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften und Gefolge nach den Versammlungsräumen zurück. Für die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften findet hierauf Familiendtner im Thronsaal, für die Vertreter fremder Höfe, das Gefolge und die geladenen Gäste Festtafel im Riesensaal statt. Während des Diners Tafelmusik des Regiments-Musik- corps des 95. Infanterie-Regiments im Schloßhof, des Regi- ments-Musikcorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments von der östlichen Seite des Schlosses. Nach dem Diner begeben Ihre Majestät die Königin Allerhöchstfich nach Ihren Gemächern, die anderen Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften nach den Versammlungsräumen, woselbst Cercle stattfindet. Berlin, 14. April. Zu der Notiz einiger Zeitungen, daß im preußischen Cultusministerium ein Verbot des aus- ländischen Doctortitels vorbereitet werde, sofern er den an preußischen Universitäten üblichen Anforderungen nicht entspreche, schreibt die „Nordd. Allgem. Ztg.": „An dieser Nachricht ist nur so viel richtig, daß die neulichen Erörterungen im Abgeordnetenhause über die Doctortitelfrage selbstverständlich zu weiteren Erwägungen bei den betheiligten Behörden geführt haben, daß diese Erwägungen aber noch nicht abge» schlossen sind und sich daher auch noch nicht übersehen läßt, zu welchen Ergebnissen dieselben führen werden." Berlin, 14. April. Am 18. April findet beim Ftnanz- minister Dr. Miquel ein größeres parlamentarisches Diner statt, zu welchem an den Reichskanzler, die Minister und zahlreiche Abgeordnete Einladungen ergangen sind. Ausland. Abbazia, 14. April. Die Curcommission hat infolge der Zusage des deutschen Kaisers, Abbazia im nächsten Jahre wieder aufzusuchen, beschlossen, eine große Villa zu erbauen, welche nur für fürstliche Gäste bestimmt sein soll. Rom, 14. April. Die Polizei hat heute Nacht eine ganze Anzahl Anarchisten in einem Vorstadt-Cafe festgenommen, unter ihnen den Metzgergesellen Arie, der seine Theilnahme an dem Bombenattentat vor dem Parlament eingestand. Als Arie gestern bemerkte, daß er von Polizeiagenten verfolgt wurde, versteckte er eine große Dynamitbombe in den Trümmern des Colosseums, wo die Polizei sie fand. Die Bombe war nach der Aussage des Attentäters für den Senat bestimmt. In der Wohnung Aries wurde eine ganze Werkstätte zur Herstellung von Bomben gefunden. Alexandrien, 14. April. Die Polizei fand eine große geladene Bombe in Cylinderform mit Zünder, mit der beabsichtigt war, das Stadthaus in die Luft zu sprengen. Sieben Anarchisten wurden verhaftet. Wien, 14. April. Kaiser Wilhelm verblieb heute Vormittag in seinen Gemächern. Gegen 1^/z Uhr Mittags fuhren der deutsche und der österreichische Monarch in einer offenen Hofequtpage direct zum Westbahnhof, wo der deutsche Botschafter, Prinz Reuß, mit den Herren der Botschaft, sowie eine große Anzahl hochgestellter Personen in der festlich geschmückten Halle bereits anwesend waren. Die Menge, welche auf den Straßen Aufstellung genommen hatte, brachte den beiden Herrschern lebhafteste Ovationen dar. Aus dem Wartesalon begaben sich die Monarchen bald nach dem Perron, woselbst sich Kaiser Wilhelm vom Prinzen Reuß und den Herren der Botschaft durch Handschlag verabschiedete. Hierauf fand zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef noch ein kurzes Gespräch statt, nach welchem sich die beiden Herrscher zweimal umarmten und küßten. Kaiser Wilhelm bestieg alsdann den Salonwagen, von dessen Fenster aus er dem österreichischen Kaiser noch herzliche Grüße zuwinkte. Kaiser Franz Josef erwiderte dieselben und salutirte. Dann fuhr der Zug langsam aus der Halle. Wien, 14. April. Der französische Geschäftsträger, Marquis Marchand, hat heute dem Kaiser von Oesterreich ein eigenhändiges Schreiben des Präsidenten Carnot überreicht, worin derselbe seinem lebhaften Dank für die Verleihung des Stephanordens Ausdruck gibt. Budapest, 14. April. Der durch den Abgeordneten Elgron im Abgeordnetenhause eingebrachte Mißbilligungsantrag gegen das Ministerium Weckerle wegen des Verhaltens desselben während der Kossuthfeier ist in der heutigen Sitzung mit 218 gegen 114 Stimmen abgelehnt worden. Deutscher Reichstag. 82. Sitzung. Samstag den 14. April 1894. Die Berathung des vom Abg. Graf Kanitz beantragten Gesetzentwurfs betr. Ein- und Verkauf des ausländischen Getreides für Rechnung des Reiches wird fortgesetzt. Abg. Wild (cons.) führt aus, daß der Antrag durchführbar sei, dies habe auch der Abg. Barth nicht widerlegen können. Die Regierung habe zwar Wohlwollen für die Landwtrtbschaft, aber bloßes Wohlwollen helfe den Laodwirthen nichts. Niemand könne verlangen, daß die Bauern für die Consumenten umsonst arbeiten. Man möge vorliegenden Antrag im Interesse der Landwtrthschaft wohlwollend prüfen. Abg. Bachem (Ctr.): Es handelt sich hier darum, ob der Weg des Antrages durchführbar und überhaupt möglich ist. Ich bin der Ansicht, daß dieser Weg des Grafen Kanitz durchaus ungangbar ist, sofern wir unsere christlich-germanische Eultur nach ihrer wirthschaft- lichen und ethischen Sette hin in Frage stellen wollen. (Beifall.) Es ist unmöglich, den Preis des Jnlandsgetreides dauernd auf die Höhe des ausländischen zu heben. Wollen Sie den Preis nach unten fairen, müssen Sie ihm auch nach oben eine Grenze ziehen. Das wäre nur dadurch möglich, daß der Staat in guten Jahren Getreide ausspeichert, um in schlechten Jahren den Preis zu drücken, worüber natürlich eine internationale Vereinbarung bestehen müßte. Andernfalls könnten Sic die Preise nur regeln durch Verstaatlichung des gesammten Getretdehandels und der Production. Bei Annahme Ihres Antrages müßte der Staat colossale Betriebsfonds aufwenden, schon der Speicher für die Masse der Borräthe halber. Und wer soll diese bedeutenden Kosten tragen ? Redner spricht sich deS Wetteren dahin aus, daß der Antrag ein focialdemokrattscheS Gepräge trage. Im Uebrigen seien der Landwtrthschaft In den letzten 30 Jahren vielfache Unterstützungen zu Theil geworden, neuerdings durch Aufhebung des Identitätsnachweises und der Staffeltarife, sowie durch die stete Förderung des landwirthschaftlichen Eredttwesens. Sie können sich also nicht über mangelnde Fürsorge beklagen. Abg.Graf Bernstorff (R.-P.) spricht sich gegen den Antrag aus. Abg. v. Bennigsen erklärt, daß seine Freunde einschließlich der Mitglieder des Bundes der Landwirthe, den vorliegenden Antrag für die Interessen der Landwtrthschaft für verderblich und für gefährlich für die berechtigten Forderungen der Landwirthe halten. Die Wirkung des Antrages würde eine den Erwartungen der Agrarier entgegengesetzte sein. Redner thetlt die Ansicht des Abg. Bachem hinsichtlich der socialdemokrattschen Tendenz des Antrages. Letzterer unterscheide sich in höchst unvorthellhafter Weise von dem Anträge des französischen Socialisten JaurSs. Den Anspruch auf die Mindestrente, wie ihn die Landwtrthschaft stelle, könne ebensogut Handel und Industrie und auch das Handwerk stellen. Wenn den Land- wirthen das gewährt werde, was sie hier verlangen, und die Arbeiter kämen mit denselben Forderungen, so müßten auch diese berücksichtigt werden, namentlich, da sie größere Berechtigung hätten. Auf Grund dieses Antrages würden auch die Industriearbeiter den Minimallohn fordern; bet diesem Verlangen würde es aber nicht bleiben. Es würde zu Aufständen kommen, die mit Waffengewalt würden niedergeschlagenwerdenmüssen. Das find die Wege, zu denen dieser Antrag führt; zu einer solchen Höhe der Gemeingefährlichkett hat sich bisher noch kein Antrag aufgeschwungen. Der Antrag wird mit überwältigender Majorität ab gelehnt werden! Abg. v. d. Gröben (cons.) wendet sich gegen den Vorredner, der sich schändliche Uebertretbungen habe zu Schulden kommen lassen. (Präsident v. Levetzow rügt diesen Ausdruck.) Abg. Richter (frs. Vp.) äußert sich in scharfen Worten gegen die Bestrebungen der conservativen Partei. Er wünsche, daß con- servativ identisch mit diesem Antrag wäre; dann wäre es mit den Conservativen zu Ende. Graf Kanitz habe immerfort neue Gedanken; für die Lösung der Einzelheiten lasse er aber die Commission sorgen. Die Pächter, die die eigentliche Intelligenz der Landwirthschast bilden, hätten von diesem Anträge gar keinen Nutzen, überhaupt habe die Landwirthschast nichts mit der Grundrente zu thun. Wenn dieser Antrag angenommen würde, werde Redner der Erste sein, der den Arbeitern dann nicht nur einen achtstündigen Arbeitstag, sondern auch einen Mtnimallohn gewähre. Es werde überhaupt eine allgemeine Ertragsverthetlung durch den Staat stattfinden müssen. Redner wendet sich dann weiter gegen die conservative Partei. Die Regierung müsse jetzt sehen, daß sich die Begehrlichkeit der Conser- vatioen seit dem Abschlüsse des deutsch-russischen Handelsvertrages gesteigert habe und das muffe die Regierung veranlassen, die Com- pensationspolitik aufzugeben und eine andere Politik einzuschlagen, als eine solche mit den Conservativen. Herr v. Bennigsen habe den Antrag mit Recht gemeingefährlich genannt. Mit viel größerer Berechtigung als gegen die Socialdemokraten müßte gegen die Confer- vatioen ein Ausnahmegesetz mit allen Verschärfungen erlasfen werden. (Großer Lärm rechts; H.iterkeit links.) Und an die Spitze der Aus- gewiesenen müßten die Regierungspräsidenten und Landräthe kommen! (Stürmische Heiterkeit.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) spricht sich für den Antrag aus. Man müsse dafür sorgen, daß die Wurzel des staatlichen Lebens, die Landwtrthschaft, gesund bleibe. Redner findet es kaum glaublich, daß Abg. Bachem der Ansicht des ganzen.Centrums Ausdruck gegeben habe. Der Fall Lieber habe ja wieder die große Spaltung in dieser Partei gezeigt. Abg. Schippet (Soc.): Dieser Antrag ist vor allen Dingen ein Vertrauensbruch gegenüber unseren Vertragsstaaten und ein solcher Treubruch wäre unerhört. Der Antrag trägt einen Grundsatz, wie er noch niemals dergestalt in diesem Hause ausgesprochen wurde, nämlich den, daß ein paar tausend Ritter von der traurigen Oeconomie aus den Taschen von Millionen armer Consumenten ein Mindest- Einkommen zugesichert erhalten sollen. Reichskanzler Graf v. Caprivi: Der Antrag trat ganz un- vermuthet und überrafchend hervor. Bei der Berathung der Verträge widersprachen die Herren rechts wtderholt der von Herrn v. Marschall ausgesprochenen Vermuthung, daß sie einen Mindestpreis für Getreide fordern wollten. Und jetzt bezeichnen die Herren den Mtntmalprets als das Einzige, was ihnen helfen könne. Warum fordern Sie denn nicht auch Minimalpreise für andere Objecte, als nur für Getreide? Für die verbündeten Regierungen würde die Annahme dieses Antrages — wie ich mit Sicherheit behaupten zu dürfen glaube — sehr unerwünscht sein. Bet dm Regierungen, mit denen wir Verträge geschlossen haben, würden wir in den Ruf einer mala fides kommen. I ch würde alles Vertrauen im Auslande verlieren und nicht mehr in der Lage fein, die auswärtige Politik weiter zu führen. Durch die entstehenden Schwierigkeiten im In-und Auslande würde das Reich sehr geschädigt werden. Bisher waren wir immer bestrebt, die Lasten auf leistungsfähigere Schultern zu legen; hier handelt es sich um eine Brodsteuer für arme Leute. Ich perfönlich muß die Stellung des Antrages bedauern. Die Antragsteller schädigten damit die Jntereffen der Conservativen. Was Sie jetzt treiben, trennt Sie viel mehr von Allem, als Ihre bisherigen Bestrebungen, nicht nur von der Industrie, sondern überhaupt von Allem, was staatserhaltend ist. Ich trage die Besorgntß, daß die Landwirthschast bet Annahme dieses Antrages die erste sein wird, welche die Kosten tragen muß. Leider haben Sie schon Erregung im Lande verbreitet! (Beifall links.) Ein Antrag v. Manteuffel auf Vertagung wirb abgelehnt. Abg. Werner (d. Ref.-P.) hält eine nähere Berathung des Antrages für noch erforderlich. Der nothleidenden Landwirthschast zu Hilfe zu kommen, sei aber die höchste Zett. Abg. Gras Bernstorff (Welfe) erklärt nochmals seine Gegen- stellung zum Anträge. Derselbe ziehe eine zu große Belastung ganzer Volksschichten nach sich. Abg. Graf Ltmburg-Sttrum (cons.): Wir sehen die Land- wirthschaft in dm einzelnen Zweigen bedroht; neuerdings auch die Schafzucht. Der vorliegende Antrag gehört zu denjenigen, die immer wiederkehren, bis die Annahme erfolgt. Reichskanzler Graf v. Caprivi äußert sich nochmals dem Standpunkt der Conservativen und.dem des Abg. Gras Limburg gegenüber. Ein Schlußantrag wird abermals abgelehnt. Abg. o. Plötz (cons.) kommt auf einzelne Ausführungen des Reichskanzlers zurück. Nunmehr wird der Schluß der Debatte angmommm. Abg. Dr. Hammacher (natl.) hat namentliche Abstimmung über den Antrag Kanitz beantragt. Nach weiteren kurzen Bemerkungen des Abg. Graf Kanitz zu Gunsten seines Antrages, sowie der Abgg. Sachse (cons.), Fürst Radziwtll (Pole), Hilpert (Bauernbd.) erfolgt namentliche Abstimmung. Bei derselben ergeben sich 46 Stimmen (cons. und antis.) für„ 159 gegen den Antrag. Der Antrag Kanitz ist somit abgelehnt. Hierauf vertagt sich das HauS. Nächste Sitzung Montag den 16. April, 12 Uhr. Jesniten- Antrag, Waarenbezeichnung, Handelsgesetzbuchs-Novelle; FortbUdungS- unterrtcht; Helmstätten-Gesetz. Schluß 68/4 Uhr. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau. Coburg, 15. April. Der Großherzog von Hessen ist mit der Prinzessin Alix, sowie dem Prinzen und der Prinzessin Ludwig von Battenberg heute Nachmittag hier ein- getroffen. Am Bahnhofe fand großer Empfang statt, zu welchem der Herzog, die Hofchargen, das Ministerium und das Offiziercorps erschienen war. Ferner war eine Ehren- compagnie aufgestellt. Auf der Fahrt in die Stadt wurde der Großherzog an der ersten Ehrenpforte von dem Oberbürgermeister Muther in einer Ansprache begrüßt. Karlsruhe, 15. April. Seine Majestät der Kaiser fuhr um 6 Uhr Nachmittags mit dem Erbgroßherzog, von der auf den Straßen und dem Eisenbahnperron versammelten zahlreichen Volksmenge mit Hochrufen begrüßt, nach Gernsbach ab und begibt sich von dort mittels Wagen nach Kaltenbronn zur Auerhahnjagd. Rom, 15. April. Hier verlautet, daß die Kaiserin Auguste Victoria auf der Reise nach Venedig von den kaiserlichen Prinzen begleitet sein werde. Die Reise erfolge incognito und zwar an Bord des Schiffes „Moltke", welchem sich die Jacht „Christabel" anschließen werde. CmoIm Uitö provinzielle». Gießen, den 16. April 1894. ** Oeffeutliche Sitzung des Provinzial-Ausschuffes der Provinz Oberheffen vom 14. April 1894. 1. Antrag der Stadt Alsfeld auf Geländeenteignung zum Zwecke der Erbauung einer Kreis st raße von Alsfeld nach M ü n ch l e u s e l. Gegen vier Einwohner von Reibertenrod, mit welchen die Stadt Alsfeld eine gütliche Abtretung deS be- nöthigten Geländes nicht erzielt, wurde das Enteignungs- Verfahren eingeleitet. Die Stadt Alsfeld hatte als Entschädigung Hie gleiche Summe angeboten, um welche die Mehrzahl der betheiligten Grundbesitzer das nöthige Gelände , freiwillig verkauft hat (2 Mk. pro Quadratklafter). In einem Falle wird ein Acker durchschnitten, weshalb 3 Mk. pro Quadratklafter als' Entschädigung geboten wurden. Die Sachverständigen sowohl, als auch die Local Commission haben diese Vergütungen für vollkommen ausreichend erachtet. Aus den vorliegenden Verkaufsacten wurde heute constatirt, daß seit einer Reihe von Jahren bei Verkäufen in den beiden in Betracht kommenden Fluren mit wenigen Ausnahmen weit geringere Preise, in keinem Falle aber höher, bezahlt worden sind. Die Expropriaien, von welchen einer sich noch vor dem heutigen Termin mit der Stadt verständigte, halten die gebotene Entschädigung für zu gering, während der Sachverständige dieselbe für reichlich erklärt. Der Provinzialausschuß setzte die Entschädigung für die Gelände-Abschnitte auf 2 Mk. pro Quadratklafter und für den Durchschnitt eines Grundstückes auf 3 Mk. pro Quadratklafter fest. Die Kosten des Verfahrens wurden nach gesetzlicher Bestimmung der Stadt Alsfeld auferlegt, welche den Ausspruch der Enteignung binnen 2 Monaten nach Rechtskraft des Urtheils zu beantragen hat. — 2. lieber die Sache „Beanstandung der Beigeordnetenwahl zu Breungeshain" wird in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt und das Urtheil dahin verkündet, daß die Entscheidung des Kreisausschusses Schotten bestätigt und der Recurs des gewählten I. C. Appel ab- gewiesen, letzterer auch in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung eines Aversionalbetrags von 25 Mk. verurtheilt wird. — 3. Das Gesuch des Jacob Adler zu Lindheim um Ausstellung eines Wandergewerbescheines war vom Kreisausschusse Büdingen abschlägig beschieden worden, weil nach den stattgehabten Erhebungen der Gesuchsteller wegen Arbeitsscheu und Bettelei übel berüchtigt erscheine. Unter Vorlage eines Zeugnisses verschiedener Frankfurter Firmen, mit denen Gesuchsteller in geschäftlicher Verbindung stehen will, erhob derselbe Recurs gegen diese Entscheidung. Die heute vernommenen Zeugen, Bürgermeister Lipp sowie der Schwiegervater des p. Adler stellen dem letzteren ein ungünstiges Zeugniß aus. Jacob Adler erklärte, daß sein Schwiegervater und der israelitische Vorstand zu Lindheim ihm aufsässig seien. Das Kreisausschußerkcnntniß wurde bestätigt und der Recurs des p. Adler abgewiesen, demselben auch die Kosten des Verfahrens auferlegt. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordueteu.Ber- fammluug Mittwoch d en 18. April 1894, Nachmittags 4 Uhr pünktlich: 1. Gesuch des H. Hof wegen Aufstellung ein?r Bretterhütte am Launsbacher Weg. 2. Desgl. des W. Lange am Wismarer Weg. 3. Desgl. des Hrch. Schomber am Erdkauterweg. 4. Desgl. des Hrch. Winn im Neustädter Feld. 5. Anbringung eines Briefkastens in der Gartenstraße. 6. Gesuch des Theodor Schmidt um Erlaubniß zur Herstellung einer Ueberfahrt an der Frankfurterstraße. 7. Gesuch deS Jacob Stein wegen Herstellung einer Thüre und Anlegung einiger TrHpentritte nach dem Schoorgraben. 8. Gesuch des Ludwig Leib von Krofdorf um Erlaubniß zum Abheben eines Grabenrandes. 9. Desgl. des Wilhelm Reuschling von Heuchelheim. 10. Gesuch des Jacob Hildebrand von Heuchelheim um käufliche Ueberlassung eines überflüssigen Grabens im Neustädter Feld. 11. Desgl. des Chr. Duill dahier um käufliche Ueberlassung von städtischem Gelände an der Grün- bergerstraße. 12. Ausbau der Wilhelmstraße - hier: von der Ludwigstraße bis zur Wingolskneipe. 13. Ausbau der Löber- straße- hier: specieller Plan und Voranschlag. 14. Benennung der Straßen - hier: der oberen Stephanstraße und der Straße im Teufelslustgärtchen. 15. Die am 2. April d. I. abgehaltene Holzverstetgerung. 16. Theilung der ersten Klasse "* * MT.) ffr “«'Uhl. en. ^Bitten, ^°9 bog fc.u '* w & *> L?r. ;?Uf: SS .' bne OiB- Mit. ?* h“ »Miet 6ro ?on btrfammtutn rach Gernsbach ^Kaltenbronn ' bK $ Saiserin ®e“eW| ton den , Die Reise chlor 5 «Moltke», toeijen •erbe. zlelles. 16. April 1894. "trag der Stadt jum Zwecke der on Alsfeld nach on Reibertenrod, «ft Abtretung de» dr- e ba6 EntriMngS- Wb hatte als Sotten, um welche die bas nölhige Gelände )uadratklasler). In ten, weshalb 3 M. ebotea wurden. Dir I cal Commission haben ichend erachtet. AuS heute constatirt, daß ifen in den beiden in j«i Ausnahmen weit öher, bezahlt worden einer sich noch vor ftändigte, halten die «ährend der Bach- Der HrvninM' Gelände-Abschnitte den Durchschnitt eines ister sest. Die Kosten Bestimmung der Stadt der Enteignung binnen ls zu beantragen Hal. rndung der Bei« ,ain" wird in nicht- Urtheil dahin ver- i'sausschusseS Schotten , n I. C. Appel ab- 5 Verfahrens und zur 25 Mk. verurtheilt Adler zu Lindheim cgewerbtscheinrs isiabrschirdrn worden, * ta «*£ l UrüW Siebener gw®* Wi»tt N*”1 diese ^idu°S- jew* 1t« * L tffSt 1894'91 äll|jieM @e(ui| <"ä W' ’v. Anltguos rß« tt"b8 @N ,ot8taUn- äld°d'°"d°° @rgb(llS äb^Äi« »onbtt t.«£d*** Der Stadtmädchenschule. 17. Errichtung einefl KnabenhorteS. 18. Erhebung des OctroiS von Wein und Branntwein. •* KaabellhaadferliqkeitSullterricht. Der Handfertigkeit-- unterricht, der sich bekanntlich nicht mehr auf die Volksschule beschränkt, von derselben aber zuerst angeregt wurde, hat auch im verflossenen Wintersemester erfreuliche Resultate ge« zeitigt. Beweis besten war die gestern im Conserenzzimmer der Knabenschule (Nordanlage) veranstaltete Ausstellung von Kerbschnittarbeiten, für Gießen eine Novität, die sich eine- ansehnlichen Besuches zu erfreuen hatte. Wir kommen weiter unten auf die näheren Bezeichnungen der theilweise künstlerisch vollendeten Gegenstände zurück, zunächst mehr über Sachliche- berichtend. Der Kerbschnitt gehört wohl zu denjenigen Kunstfertigkeiten, die sich allgemeiner Sympathie erfreuen und von den Knaben mit Borliebe erlernt werden. Herr Lehrer Schmidt, besten Unterricht in Papparbeiten im vorigen Winter recht gute Resultate lieferte, unterzog sich im Herbste v.J. einem (Surfe znr Erlernung de- Kerbschnitte- in der Lehrer- b ldungSanstalt zu Leipzig. Die Arbeiten, welche er m tbrachle, wurden dem Schul- und Stadtvorstand zur Einsichtnahme vorgelegt, fanden besten Billigung und riefen den Beschluß hervor, auch in hiesiger Stadt diese Kunst lehren zu lasten und Herrn Schmidt mit dem Unterricht hierin zu betreuen. Dem von demselben aufgestellten Rechenschaftsbericht entnehmen wir Folgendes: Der Unterricht begann am 1. November 1893 und dauerte bis zum 7. März 1894. Hieran beteiligten sich 30 Knaben in zwei Abtheilungen von je 15 Schülern,- jede Abtheilung arbeitete wöchentlich l4/a Stunden. Der Unterricht fand am Mittwoch te(p. Samstag Mittag statt. Die CurStheilnehmer standen im Alter von 11 bis 17 Jahren. 15 Knaben waren Volks- schüler, die anderen 15 Schüler höherer Lehranstalten und zwar 5 Gymnasiasten und 10 Realschüler. Trotz häufiger Abhaltungen, die sich bi- auf 5Vs % belaufen, schildert der Bericht die Ergebnisse al- recht gute, da die Knaben — wie oben bereits hervorgehoben — zur Erlernung dieser Kunst einen besonderen Eifer zeigen. Der Bericht betont weiter, daß alle Arbeiten selbstständig gemacht sind und daß in der ersten Zeit nach Modellen, später nach Zeichnungen gearbeitet wurde. Wir lassen nunmehr den Lehrplan, auf Grund dessen die Arbeiten gefertigt wurden, nachstehend folgen: 1. Heben deS 1. Musters auf dem Musterbrett. 2. Viereckiger Untersetzer mit Muster (verziert). 3. lieben deS 2. und 3. Musters. 4. Notiztafel au- Ahornholz mit Muster 2 und 3. 5. Muster 4 und 5. 6. Sech-eckiges Untersetzer mit Muster 4 und 5. 7. Briefbeschwerer. 8. Lineal. 9. Muster 6. 10. Runder Untersetzer. 11. ©ternübung. 12. Schlüsselhalter. 13. Schreib- zeug. 14. Muster 9, 10 und 11. 15. Bücherbrett. 16. Freie Arbeiten: Sparbüchse, Rahmen, Kästchen, Servierbrett. Außerdem lagen die von Herrn Schmidt in der Lehrerbildungsanstalt für Handfertigkeit in Leipzig gemachten Kerbschnittarbeiten aus. Auch Herr Lehrer C or vin us, dem für die Folge wohl der Unterricht in Popparbeiten übertragen werden dürste, gab Proben einer geschickt und sicher arbeitenden Hand. Nach dem Vorausgeschickten halten wir uns zur Annahme berechtigt, daß die Abhaltung von jährlichen KnabenhandfertigkeitScursen in hiesiger Stadt gesichert ist und daß er sortsahren wird, immer weitere Kreise für sich zu gewinnen. ♦* Rudersport. Die diesjährige Ruder-Regatta auf der Lahn findet am Sonntag den 22. Julk, Nachmittag- statt. Es sind bi- jetzt folgende Ausschreibungen erfolgt: 1. Einser für Juniors. Ehrenpreis. — Einsatz 10 Mk. — 2. Vierer. Ehrenpreis, gestiftet von der Stadt Gießen. Wanderpreis. Der siegende Verein erhält bei Zurückgabe einen Nebenpreis. Vertheidiger von 1893: Frankfurter Ruder - Gesellschaft „Germania". — Einsatz 40 Mk. — 3. Vierer. Offen für Ruderer, welche nicht im Rennen Nr. 2 rudern. Ehrenpreis. — Einsatz 30 Mk. — 4. Dollenzweier für Junior-. Ehrenpreis. — Einsatz 20 Mk. — 5. Einser. Lahn Pocal, gestiftet vom Deutschen Ruder Ver- band. Wanderpreis. Vertheidiger von 1893: Herr Albert Rübsamen von der Gießener Ruder-Gesellschaft. — Einsatz 10 Mk. — 6. Vierer für Junior-. Damenpreis. — Einsatz 30 Mk. — 7. Einser. Offen für Ruderer, welche nicht im Rennen Nr. 5 rudern. Ehrenpreis. — Einsatz 10 Mk. — 8. Dollenzweier. Ehrenpreis. — Einsatz 20 Mark. — 9. Vierer. Offen für Ruderer, welche bis zum 8. Juli 1894 noch kein offenes Rennen im Vierer gewonnen haben und nicht im Rennen 'No. 6 rudern. Ehrenpreis. — Einsatz 25 Mk. — 10. Dollenvierer für Juniors. Ehrenpreis. — Einsatz 20 Mk — 11. Achter. „Ehrenpreis Sr. König!. Hoheit des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein". Wanderpreis. Offen für Ruderer, welche bis zum 7. Juli 1894 noch kein offenes Rennen um einen Heraus- sorderungs- ober Wanderpreis im Achter gewonnen haben. — Einsatz 60 Mk. — Vertheidiger von 1893: Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Germania". — Meldeschluß: SamStag, 23. Juni 1894, Abends 8 Uhr. Nennungsschluß: SamStag, 7. Juli 1894, Abends 8 Uhr. • • Truppentransport. Am Sonntag Abend trafen au- Ostpreußen eine größere Abtheilung Landwehrleute unter Führung eines Offiziers im hiesigen Bahnhofe ein, um zur Theilnahme an einer 14 tägigen Hebung nach Köln gebracht zu werden. Da der Zug erst um 6 Uhr Morgens abfährt, die Leute in der Kaserne keine Unterkunft fanden, mußten sie solche in den verschiedenen Wirtschaften auffuchen. * * Erwischter Dieb. Gestern Nachmittag hatte sich ein Arbeiter von auSwärtS in der Marburgerstraße in eine Hof- raithe eingeschlichen, den verschlossenen Hühnerstall erbrochen und den Eiervorrath entwendet. Beim Verlassen der Hof- raithe wurde der Eierliebhaber bemerkt und dingfest gemacht. * * Verhaftet. Heute Morgen wurde ein junger Taugenichts von hier wegen Vergehens gegen § 183 des R.-St.-G. verhaftet. * • Feuer. Unter Hinweis auf die in vor. Nr. enthaltene Mittheilung von dem AuSbruch eines Feuers in Großen- Linden wird unS mitgetheilt, daß eine Scheuer niedergebrannt ist. A Liederbach (bei Alsfeld), 15. April. Ein entsetzlicher Unfall ereignete sich vorgestern auf dem benachbarten Hofe Ott. Dort wurde ein Stallschweizer von einem Faselochsen getöbtet. Der Knecht wollte die Krippe des Ochsen reinigen. Hierbei packte ihn der Ochse mit dem Kopfe, warf ihn zu Boden und drückte ihm die linksseitigen Rippen ein. Hiernach stampfte da- Ungethüm noch mit den Vorderfüßen auf dem Unglücklichen herum. Derselbe, ein 60 jähriger Mann, I erhielt so schwere Verletzungen, daß er, noch ehe der herbeigerufene Arzt kam, nach l'/x Stunden denselben erlag. Der gefährliche Bulle hat auch schon andere Leute angegriffen und ihnen Verletzungen beigebracht, die aber wieder geheilt werden konnten. Der verunglückte Knecht war ein recht braver und tüchtiger Arbeiter. * Dortmund, 13. April. In großer Gefahr befand sich in vergangener Nacht die Belegschaft der Zeche Bruck- straße. ES brach dort während der Nachtschicht in einer unterirdischen Maschinenkammer durch Explosion einer Petroleumlampe Feuer auS, das sich mit rasender Schnellig- leit verbreitete und einen riesigen Oualm entwickelte, der durch den Wetterstrom mit in die Grube gerissen wurde. Gelang cS nicht, die Leute, etwa 130 Mann, schleunigst herauSzuschaffen, so lag für sie Gefahr deS Ersticken- vor. Mit großer Gefahr wurde da- HerauSfchaffen der Arbeiter betrieben, gegen 12 Uhr fehlten aber noch 7 Mann. Von diesen wurden vier in einem tiefer liegenden Bau angetroffen, wo sie unversehrt geblieben waren. Zwei sand man nach langem Suchen auf der Wettersohle des Schachtes, den siebenten glaubte man schon verloren, aber Morgens um V27 Uhr fand man ihn und zwar unversehrt. Die Beamten und Arbeiter haben wahre Wunder verrichtet, um den Bedrängten Hilfe zu bringen. DaS Feuer konnte im Laufe de- Vormittags gelöscht werden, so daß der Schaden nicht all- zugroß sein wird. Z>erfrier, CanO- und VolE-rvirthschast. Gründer-, 14. April. Frachtpreise. Weizen X 14,40, Korn X 14,04, Gerste X 14,48, Hafer X 16,26, Erbsen X 21,40, Linsen 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 5,04, Samen X 00,00. Eingesandt. Gieße«, 16. April 1894. Gerade wie im vergangenen Jahre, nachdem die Aussaat längst beendigt ist, erscheint in dir. 85 Ihres geschätzten Blattes wieder eine Bekanntmachung der Großherzoglichen Bürgermeisterei dahier, welche sämmtltche Taubenbesttzer auffordert, ihre Tauben „während der Saatzeit vom 15. April bi- 15. Mai" in den Schlägen eintufperren. Da, nach dem Urtheil Sachverständiger, die Tauben auf einem richtig bestellten Felde einen Schaden überhaupt nicht anrichten können, dürfte es doch wohl an der Zeit sein, diese- Verbot endlich einmal aufzuheben und der damit verbundenen graufamen Thierquälerei ein Ende 1. VMi ». 3- Friedrich Berg, Diener, in Kraft tretende Fahrplan der Großh. Qberhesfifchen «aplaneigaffe 11. Eisenbahnen bei._________________ Kaufmännischer Verein Gießen. Ordentliche Generalversammlung am Samstag den 28. April, Abends 8 Uhr präcis im Bereinsloeal (Postkeller). Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 1893/94; 2. Rechnungsablage, Wahl der Revisoren; 3. Statuten- Aenderung in Betreff des § 34: Vergrößerung des Vorstandes, sowie des § 21: Erhöhung der Jahres-Beiträge seitens der unterstützenden Mit- glieder auf Mk. 10; 4. Wahl des Vorstandes; 5. Wahl einer Commission zur Revision der Statuten; 6. Wahl des Aufnahme-Ausschusses, sowie der Ersatzmänner dafür; 7. Berathung und Feststellung des Voranschlages für das Geschäftsjahr 1894/95; 8. Eoentl. weitere Anträge, die nach § 51 der Statuten mindestens 6 Tage vor der General-Versammlung dem Vorland schriftlich zu unterbreiten sind. Wegen der Wichtigkeit der Verhandlungen bitten wir unfere Mitglieder um recht zahlreiche Betheiligung und rechtzeitiges Erscheinen. 3379 Der Vorstand. llild Stahlbad rchendtt fuftkurort lilöitthetm a. d. Bergstr Billigste Kneipp'sche Kur. WeiNytM anstatt, für alle Krankheiten- Behandlung und Kurmittel genau nach Kneipps Vorschrift- Aerztl- Rath auch brtefl. für Jt 1.20 Briefm. d. den Kurarzt Dr. RuderShausen. Prosp. grat d d. Besitzer Hersel. [27h3 Zürn ersten male hier. Rur während des Krämermarktes fyeute, Dienstag und Mittwoch ist auf Oswaldsgarten Deutschlands größte ^401 lliiiiilirilifi- lind MM mit großartiger electrischer Beleuchtung zur allgemeinen Belustigung auf« gestellt. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Besitzer. 3405] Zu sofort wird ein kräftiger, fleißiger und stadtkundiger Laufjunge gesucht. Wo? zu erfragen in der Exped. Einen Lehrling sucht [3231] Carl Berg, Mäusburg- - 358] Kellnerlehrling gesucht. _____________Hotel zum Rappen. Junger Kellner oder Kellnerlehrling gesucht. Zu er- fragen in der Expedition d. Bl- 3360 Iehrmädchen-Gesuch. In ein hiesiges Manufacturwaaren-Ge- schäft wird ein gewandtes Mädchen sofort gesucht. Anmeldungen beliebe man unter Chiffre B 100 in der Expedition dieses BtatteS niederzulegen.3344