Nr. 190 Erstes Blatt. Donnerstag dm 16. August 1894 Der Hitßener Anzeiger erscheint täglich, rnit Ausnahme deS Montag». Die Gießener Aiamikienvtäller werden dem Anzeiger ^vdchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. Vierteljähriger > Aöonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. , Durch die Post bezognr: 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchukstrahe Ar.7. Fernsprecher 51. Hratisöeikage: Gießener JamitienKkätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen. Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Theil Bekanntmachung. Es wird hiermit zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß auf Grund der §§ 82 ff. des Unsallversicherungs- Gesetzes die nachgenannten vier Herren: 1. Albert Otto in Magdeburg, 2. Sigismund v. Ehrenstein in Breslau, 3. Leo Frühling in Braunschweig, 4. Dr. O. Vibrans in Helmstedt Weser Bahnhof ein gelb und weiß geschecktes Stierkalb stehen geblieben. Der Eigenthümer wird aufgefordert, seines Ansprüche dahier binnen 4 Wochen geltend zu machen., Gießen, den 15. August 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. 6745 I- V.: Roth. Deutsche» Reich. Berlin, 14. August. Ein Gesetzentwurf über die Ab- änderung der bisherigen Bestimmungen, betreffend die Strafbarkeit jugendlicher Personen, befindet sich gutem Vernehmen nach im Reichsjustizamte in Vorbereitung. Die betreffende Vorlage ist vom preußischen Justizminister Dr. v. Schelling angeregt worden, und zwar in Folge einer ihm unterbreiteten Eingabe des Landesvereins preußischer Dolksschullehrer, in welcher die Rothwendigkeit einer Hinaufsetzung der Strafmündigkeit auf das vollendete 14. Lebensjahr und der Einführung der Zwangserziehung jugendlicher Verbrecher und verwahrloster Kinder betont wird. Der in Ausarbeitung begriffene Gesetzentwurf soll im Wesentlichen diesen Vorschlägen entsprechen. — Zu der Nachricht von dem silbernen Gürtel, der als Feldausrüstungsstück für die Offiziere der Fußtruppen in Aussicht genommen ist, kann noch ergänzend hinzugefügt werden, daß die alte Schärpe daneben bestehen bleibt. Der Gürtel dient also nicht als Dienstabzeichen, sondern nur zur Befestigung des Revolvers, des Fernrohrs und der Kartentasche. Die „Voss. Ztg." knüpft an diese Mittheilung eine Klage, die nur allzuberechtigt sein dürfte, nämlich daß sich die einst so einfache Ausstattung des Offiziers von Jahr zu Jahr vertheuert. Unter Zuhilfenahme eines Preiscourants vergleiche man nur die Ausgaben für die Achselstücke, die Portepees, die Degenkoppel, die Degen selbst gegen früher, ziehe dann ferner in Betracht, daß die hohen Stiefel jetzt auch zur Parade angelegt werden, und endlich, daß jeder Offizier jetzt sicher in erheblich kürzerer Zeit als früher einen neuen Paletot braucht. — Eine Reform in der militärischen Schreibweise in Bezug auf die Bezeichnungen der Regimenter wird Seitens vieler Miiitärs angestrebt und dürfte auch insofern Aussicht auf Erfolg haben, als die Erleichterung dadurch bereits gegeben ist, daß fast alle Regimenter, mit Ausnahme einiger wenigen, bestimmte fortlaufende Nummern haben. Beim Generalstab, im Kriegsministerium, bei allen Militärschulen und -Anstalten wird eö nämlich bei Anfertigung der schriftlichen Arbeiten schon lange als ein großer Uebelstand empfunden, daß die Regimenter mit ihrem langen Namen bezeichnet werden müssen. Denn die meisten Regimenter haben eine ganze Reihe von Bezeichnungen, deren vollständige Aufführung ungemein weitläufig und zeitraubend ist. Da gibt es z. B.: „Grenadier-Regiment Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches) Nr. 2" — „Infanterie - Regiment Prinz Moritz von Anhalt - Dessau (5. Pommersches) Nr. 42" — Infanterie - Regiment Herzog Karl von Mecklenburg -Strelitz (6. ostpreußisches) Nr. 43" — „Viertes WürttembergischeS Infanterie-Regiment Nr. 122, Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn" — „Husaren-Regiment Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn (schleswig- holsteinischeS) Nr. 16" — „Feld-Artillerie Regiment General- Feldzeugmeister (2. Brandenburgisches) 97t. 18" u. s. w. Mögen auch diese Ehrenbezeichnungen den Regimentern als besondere Auszeichnungen bleiben — bei einer kriegswissenschaftlichen Arbeit, bei Corps-, Divisions- und Commandantur- befehlen verursachen sie jedoch zu viel unnöthige Arbeit und erschweren die Klarheit und Verständlichkeit. Und schon Graf Moltke soll hierüber in Bezug auf die Kriegsliteratur geäußert haben: „Unsere Kriegsgeschichte scheitert an den langen Regimentsnamen und der Verpflichtung, Jedermann zu nennen, der gefochten hat. Ganz besonders aber ist eine Vereinfachung im Bezeichnen der Regimenter bei Mobilmachung rc. geboten." Deshalb ist es denn auch in vielen Regiments - BureauS bereits jetzt üblich, die Benennung auf das Aeußerste abzukürzen. Berlin, 14. August. Der General der Infanterie v. Oppeln-Bronikowski ist gestorben. Er war Ausgangs der achtziger Jahre Gouverneur von Metz und com- mandirte vordem die dritte Division in Stettin. Danzig, 14. August. Der Polizeidirector meldet: „Von den in die Quarantäne - Anstalt übergesührten Angehörigen der in Althof an Cholera erkrankten Personen sind gestern zwei choleraverdächtig erkrankt- bei einer derselben wurde Cholera nachgewiesen." Der Staatscommissar meldet: „Bei Feuilleton. Der (Karten im August. Von A. Ftntelmann, stadt. Garteninsprctor in Berlin. (Nachdruck verboten.) Der Monat August ist für den Obstgarten von gani besonderer Bedeutung infofern, als unfere Aufmerkfamkeit zu dieser Zeit nicht allein auf eine vollkommene Entwickelung des Kernobstes — der Birnen und Aepsel — im Speciellen, sondern auch vorzugsweise aus die gute Ausbildung der Fruchtaugen für das kommende Jahr bei sämmtlichen Obstbäumen im Allgemeinen gerichtet sein mutz. Wir düngen dieselben daher noch einmal mit verdünnter Stalldünger-Jauche, abgesehen von einer, bei etwa großer Trockenheit mehrfach zu wiederholenden reichlichen Bewässerung, im Umkreise der Baumkrone entweder durch Aufwerfen von bis auf die jungen Wurzeln gehenden Gräben oder durch Herstellung von Löchern mit einem Pfahleisen, die wir dann nach dem Einguß der Jauche wieder zusüllen. Grade für die Entwickelung der Fruchtaugen, die in diesem Monat ihre Ausbildung abschließen und die zu einer segenbringenden Fruchtbarkeit erforderlichen Reservestoffe in sich aufspeichern, ist diese Arbeit von außerordentlicher Tragweite und darf unter keinen Umständen versäumt werden. Nur der Wein macht hierin eine Ausnahme, indem er nur einmal zu Beginn des Monats einen ausgiebigen Düngerguß erhält. Seine ohnehin größere Triebfähigkeit würde bet zu lange ausgedehnter Bewässerung einen zu späten Abschluß der Triebe im Gefolge haben und diese demgemäß, well nicht genügend ausgereift, leicht im folgenden Winter erfrieren. Ein rechtzeitiges gutes Ausreisen des Holzes unterstützen wir übrigens durch Entspitzen, Kappen sämmtltcher sich wiederholt bildender Triebe und nochmaliges Entfernen des Geizes, der Nebentriebe diesjähriger Ranken. Fördernd für die Erhöhung der Schmackhaftigkeit und Schönheit der Trauben ist eine theilweise Ausbeerung derselben mit einer spitzen Scheere. Der Ausfall an Beeren ihrer Zahl nach wird bald durch die Zunahme des Volumens der stehenbleibenden ergänzt werden, denen allein dann die oben angedeulete Bewässerung zugute kommt. Versuche in dieser Beziehung haben ergeben, daß das Gewicht solcher ausgebeerten Trauben das der nicht ausgebeerten sogar um ein Bedeutendes übersteigt. Selbstverständlich können wir .diese mühsame Arbeit des Ausbeerens nur in solchen Fällen durchführen, in denen es sich in erster Linie um die Gewinnung schöner Tafeltrauben handelt. Mit der fortschreitenden Reife der Trauben finden sich nun aber auch verschiedene unliebsame Gäste zum vorzeitigen Genuß derselben ein. Zu ihnen gehören vorzugsweise die Sperlinge und die Wespen, gegen die wir uns einerseits durch über die ganzen Wände gezogene Gazedicken, andererseits indem wir die Trauben einzeln in eigens zu diesem Zwecke hergestellte Gazebeutel einbinden, zu schützen suchen. Die letztere Art der Sicherung der Trauben gegen ungebetene Gäste aus dem Thierreich ist der ersteren insofern vorzuzieben, als sie eher geeignet ist, die Ernte der einzelnen Früchte nach Belieben vorzunehmen, während das erstgenannte Schutzmittel immer erst ganz entfernt werden müßte. Zwischen das Laub gehängte und mit Spiritus versehene Flaschen, deren Hals zuvor mit etwas Syrup beschmiert wurde, lenken des Weiteren die Wespen leicht von den Trauben ab und führen sie gleichzeitig sicher in den Tod. Stark mit Früchten beladene Birnen- und Apfelbäume stützen wir, um ein Abbrechen der Zweige zu verhüten, rechtzeitig durch untergestellte Stangen. Die Haupternte diefes Obstes beginnt in diesem Monat und mag deshalb noch einmal darauf hingewiesen werden, daß ein Abschlagen der Früchte mit Stangen unter allen Umständen zu vermeiden ist, sowohl um eine unnöthige, bei dieiem Verfahren aber gar nicht zu vermeidende Zerstörung nächstjährigen Fruchtholzes zu umgehen, als auch um das Obst selbst vor zu großen, einen schnelleren Verbrauch bedingenden Beschädigungen zu bewahren. Regel sei daher, alles Obst ohne Ausnahme von der vorsichtig in den Baum hineingeschobenen einfachen ober von einer ihn so sanft wie möglich berührenden Stehleiter — Doppelleiter — nur recht behutsam mit der Hand zu pflücken und einzeln in ein mitgeführtes Körbchen zu legen. Mil der Hand nicht erreichbare Früchte aber holen wir mit dem sogenannten, an einer langen Stange befestigten Obstpflücker — einem mit Zinken und einen das Obst auffangenden Leinwandbeutel versebencn Ringe — herunter. Je mühevoller die Ernte, desto lohnender der Ausfall derselben, desto länger dürfen wir und des Genusses der Früchte, weil sie unbeschädigt zur Erde kamen, erfreuen. Bessere Sorten von Acpfeln und Birnen können, sofern wir schöne untadelhaste Tafelfrüchte ernten wollen, in Papierdüten eingebunden werden, um Schmackhaftigkeit und Aroma zu heben. Bei der Ernte dergestalt behandelten Obstes müssen wir jedoch sehr vorsichtig sein und dasselbe nur bei trübem Wetter und nur kurz vor der vollen Reife abnehmen, da es andernfalls sehr leicht welken und an Ansehen verlieren würde. Die auf Schulbeeten im vergangenen Monat aufgepflanzten Rankenpflänzlinge und die Sämlinge der Erdbeeren werden nunmehr auf zuvor 60 Zentimeter tief gelockerte und gut gedüngte Beete verpflanzt, auf denen sie im kommenden Jahre Früchte tragen sollen. Die Entfernung der Pflanzen unter einander in Verband, auf 1,20 Meter breiten Beeten gewöhnlich drei Reihen, sei mindestens 0,50 Meter, da sie sich bei geringeren Abständen gegenseitig zu sehr beschatten und demgemäß nur mangelhaft ober gar keine Früchte liefern. Zur Anpflanzung mögen, wenn fein geeignete« Material vor- hanben ist, folgende Sorten besonders empfohlen sein: Laxtons Noble, König Albert von Sachsen, Rothe Mammulh, Weiße Ananas, Walluf, Lucida perfecta, Latest of all White pine apple u. a. M. Zu bemerken wäre noch, daß ein leichter, gut gedüngter, sonnig gelegener Gartenboden dem schweren, lehmigen vorzuziehen ist, wenn wir ur.8 reicher Erträge versichert halten wollen. Im Gemüsegarten setzen wir das Einsammeln der Gewürzkräuter, wie Majoran, Pfeffer münze, Krauseminze, Melisse, Beifutz, Bohnenkraut usw. für den Winterbedarf fort, bezw. beendigen eS und theilen alte, schon mehrere Jahre an einer Stelle stehende Stauden von Majoran, Beisuß, Pimpinellen, Raute, Lawendel, Salbei, Sauerampfer, Estragon, Melisse, Pfefferminze, Jsoy, Schnittlauch und Fette Henne rc., nachdem wir das für sie bestimmte Land 0,60 Meter tief gelockert und gut gedüngt hatten. Gebleicht werden ferner Endivien, Stengclsellerie und Eardy, indem wir die Pflanzen nach Entfernung etwa schlecht gewordener äußerer Blätter mit Stroh ober Bastfaden zusammenziehen und namentlich die letzteren beiden mit Stroh vollständig einhüllen. Selbstverständlich können immer nur soviel Pflanzen auf einmal gebleicht werden, als voraussichtlich in der Häuslichkeit zur Verwendung gelangen und rechnen wir als zum Bleichen nothwendig eine Zeit von etwa 10 bis 12 Jagen bei den Endivien, bei Eardy und Sellerie dagegen eine solche von 14 bis 20 Tagen. Auf tief gelockerten Beeten werden sodann neue Aussaaten gemacht von Schwarzwurzel und Spinat, von Winter fresse, Kerbelrüben, Carotten, Radieschen, Teltower Rübchen — auf sandigem Boden — Pastinak und von den verschiedenen Kohlarten, die theilS während des Winters im freien Lande verbleiben, wie der Schnitt- fohl, theils zur Treiberei im Frühjahr in Frühbeeten, wie der Blumenkohl, in entsprechender Weise überwintert werden. Sehr beliebt ist die Brunnenfresse, deren Anpflanzung in mit fließendem Wasser versehenen Gräben von etwa 1,60 Meter breiten und 0,60 Meter tiefen Gräben jetzt zu erfolgen hat. Zu diesem Zwecke ist es erforderlich, zuvor das Wasser aus den Gräben ableiten zu lassen, indem man es an hierzu geeigneten Stellen staut und demnächst die Pflanzen in den Grund der Gräben reihenweise nebeneinander fetzt. Das Wasser soll jedoch nicht nur fließend sein, sondern vor Allem auch einen gewissen Wärmegrad besitzen, der ein zu leichtes Gefrieren desselben thunlichst verhindert, um auch im Winter den BebarfM»on 14 zu 14 Tagen bei gelinder Witterung, bei fader Witterung, die einem schnellen Nachwachsen der Kresse hinderlich ist, etwas seltener schneiden zu können. In dem Erdmagazin, der Düngerkammer eines jeden geordneten Gartenanwesens, sind die Erdhaufen mit den mannigfaltigen, sorgfältig aufgeipeicherien Abfällen aus Haus und Garten vom vergangenen Jahre wieberholentlich umzustechen unb mit Wasser zu übergießen, um bie Verwesung ber Stoffe zu beschleunigen. Wenn erforberlich, b. h. wenn bie Zersetzung zu langsam vor sich geht, burchsetzen wir außerbem ben ganzen Haufen lagenweise mit einigen Schichten ungelöschten Kalkes. (Schluß folgt.) einem Arbeiter in Einlage (Kreis Danzig) wurde Cholera festgestellt." Posen, 14. August. Der Bromberger Canal, die untere Netze und die untere Brahe sind für verseucht erklärt. Neueste Wolffs telegraphisches Korrespondenz- Bureau. Groß-Lichterfelde, 14. August. Der Abgeordnete Hobrecht empfing anläßlich seines 70. Geburtstages viele Glückwünsche. Die Capelle des Garde-Schützen-BataillonS brachte ihm ein Ständchen dar. Der nationalliberale Localveretn, sowie das Centralcomite der nationalliberalen Partei begrüßten den Jubilar. Letzteres überreichte demselben eine Adreffe. Pest, 14. August. Ein großer Theil der Tischlermeister hat die Forderungen der Gehilfen angenommen. Der Strtke ist infolge desien im Abnehmen. Etwa tausend Gehilfen haben Pest verlassen und sind in die Provinz oder ins Ausland abgereist. Gran, 14. August. In der Gemeinde Kesztolcz verlangten die wegen des Verkaufs einiger Grundstücke zu Schürfungszwecken an eine Bergbaugesellschaft empörten Bauern Widerruf des Verkaufs. Da die GenSdarmerie nicht ausreichte, wurde Militär requirirt, das die Ruhe herstellte. Loudon, 14. August. Nach einer Reuter-Meldung aus Pretoria haben sich die Kaffern im Norden Transvaals empört. Sie blokirten den Weg nach Murchison, verbrannten die Besitzthümer der Farmer, bemächtigten sich ihres Viehes und belagerten gegenwärtig die Regierungsgebäude in Agatha, wohin die Einwohner geflüchtet seien. Truppen seien zur Hilfeleistung abgegangen. Amsterdam, 14. August. Hier kamen bisher zwanzig Cholerafälle vor, von denen 9 tödtlich verliefen. — In Ma stricht ist heute ein Cholerafall zu verzeichnen. Die Gesammtzahl der dortigen Fälle beläuft sich bisher auf 58, wovon 27 mit tödtlichem Ausgange. — Aus anderen Städten werden ein Cholerafall und fünf Todesfälle gemeldet, von denen einer verdächtig ist. Palermo, 14. August. Die Aufhebung des Belagerungszustandes wird von der Bevölkerung mit großem Jubel ausgenommen. Depeschen bei Bureau »Herold*. Berlin, 14. August. Der „Reichsanzetger" publicirt das Abkommen zwischen Deutschland und Frjankreich vom 15. März 1894, betreffend die Abgrenzung des Schutzgebiets von Kamerun und der Colonie des französischen Congo, sowie über Festsetzung der deutsch-französischen Interessensphäre im Gebiete des Tschadsees. Berlin, 14. August. Als gestern Abend ein der anarchistischen Partei Angehöriger, Namens S ch l e w e n, verhaftet werden sollte, flüchtete er und eröffnete ein Schnellfeuer gegen die Polizeibeamten, von denen zwei erheblich verwundet wurden. Nach vieler Mühe wurde der wüthende Mensch überwältigt und gefesselt. Berlin, 14. August. Wie wir gestern aus Königsberg mittheilten, hat die Untersuchung der in Niedzwedzen bei Johannisburg in Ostpreußen erkrankten Personen, von denen mehrere starben, ergeben, daß die Erkrankungen nicht, wie anfänglich angenommen, auf den Genuß verdorbener Heringe zurückzuführen seien, sondern daß Cholera asiatica vorliegt. Da inzwischen die Zahl der Erkrankungen auf 50, die der Gestorbenen auf 21 gestiegen ist, sind sofort die erforderlichen Maßnahmen getroffen worden, um einer weiteren Ausbreitung der Seuche vorzubeugen. Der Oberpräsident begab sich gestern nach Johannisburg. Köln, 14. August. Außer dem Schiffer, bei welchem gestern Cholera asiatica festgestellt worden ist, sind noch mehrere Personen, darunter zwei Kinder, welche unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankten, ins Augustahospttal transportirt worden. Der Zustand des Schiffers ist nicht unbedenklich. Selbstverständlich sind Seitens der städtischen und der Polizeibehörde die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln getroffen worden. Der Stadtchemiker Kylt wurde mit der Untersuchung des Rheinwaffers beauftragt. Rom, 14. August. Aus Turin wird gemeldet, der Bruder Caserios habe sich aus Leid über dessen bevorstehende Hinrichtung das Leben genommen. Rom, 14. August. Der Papst hat den Patriarchen der orientalischen Kirche nach Rom zur Conferenz mit den Cardtnälen eingeladen. In dieser Conferenz soll die eventuelle Wiedervereinigung beider Kirchen zur Besprechung kommen. Fiume, 14. August. Das Bahnhofmagazin, in dem ein großes, der Adriagesellschaft gehörendes Waarenlager aufgestapelt ist, brennt. Zu der befürchteten Explosion kam es nicht, indem das Spiritusmagazin von dem Brande verschont blieb. Die Magazine waren versichert. Sofia, 14. August. DasDecret zur Auflösung der Sobranje ist bereits gestern unterzeichnet worden. Die Neuwahlen finden wahrscheinlich am 23. September statt. Die Anhänger Stambuloffs protestiren energisch gegen die Auflösung. Paris, 14. August. Eine von den im Ltceotheater zu Barcelona bei dem Attentat verletzten'Personen ist gestern gestorben. Paris, 14. August. In den heutigen Morgenblättern wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die der Regierung durch den Ausgang des Anarchistenprocesses bereitete Niederlage für Erstere schwere Folgen bei der Wiedereröffnung der Kammer haben werde. Paris, 14. August. Der im Anarchistenproceß freigesprochene Maler Agnelli wird aus Frankreich auö- gewiesen. Aldershot, 14. August. Kaiser Wilhelm hat hier im Pavillon der Königin Wohnung genommen. Nach der gestrigen Parade nahm er mit den Offizieren der Schützen- brtgade das Frühmahl ein. Nachmittags stattete er mit dem Herzog von Connaught, wie bereits gemeldet, der Exkaiserin Eugenik in Farnborough einen halbstündigen Besuch ab und nahm dort den Thee ein. Abends fand ein vom Herzog von Connaught zu Ehren des Kaisers gegebenes Festmahl statt, worauf ein Empfang der Generalität in Aldershot folgte. — Im Verlauf der Parade verlor der Kaiser die Kette mit dem Hohenzollernschen Hausorden, welche ein Cavallerist fand und an das Hauptquartier ablieferte. — Heute wohnt der Monarch einem Feldmanöver in Aldershot bei. Petersburg, 14. August. Ein furchtbarer Cyklon hat das Kirchspiel Sippale in Finland heimgesucht und hat schreckliche Verwüstungen angerichtet. Zwei Dörfer wurden von der Erde wie weggefegt. Mehrere Personen werden vermißt. Viel Vieh ist umgekommen, Bäume entwurzelt und die Felder total verwüstet. Washiugtou, 14. August. Die vom Congreß angenommene Tarifvorlage setzt folgende Zölle fest: Rohzucker 40pCt. aä valorem, Zuckerproben über den holländischen Normalgehalt von 16 Grad 118 Cent Zuschlagszoll. Zucker aus Ländern mit Zuckerprämien zahlt 1/10 Cent Zuschlag. Eisenerze 10 Cent pro Tonne, Eisenbahnschienen V20 Cent pro Pfund. Kostbare Steine 30pCt. vom Werthzoll, geschliffene 10pCt. Diamanten für Bergwerke und Glaser zollfrei. Ebenso Wolle. Blech 1^ Cent. Folgende Maaren haben bedeutende Reductionen erfahren: Porzellan, Eisen, Eisenerz, Eisenplatten, Eisenblech, Blechwaaren, Schiffsschrauben, Stahl, Stahlfedern, Glas, Baumwolle, Wollenwaaren, rohe Seidenstoffe. Frei eingehen ungewalzte Kupferplatten, Malereien, Sculpturen, Schmiere. Lima, 14. August. Nachdem die Opposition gegen die Regierung in Jnsurrection ausgeartet ist, kam es zu einem heftigen Kampfe zwischen Insurgenten und Regierungstruppen, in dem die letzteren in die Flucht geschlagen wurden. Cocalt* tmb Gießen, bett 15. August 1894. * * Baurath Wallot und Gießens Umgebung. ES ist unfern Lesern vielleicht interessant zu erfahren, wie unser berühmter Landsmann, der neue Ehrendoctor der philosophischen Facultät unserer Hochschule, Herr Paul Wallot, sich über Gießens Umgebung ausspricht. Er schreibt: „Die Umgebung von Gießen ist reich an landschaftlichen Schönheiten und es gehören die Baudenkmale des alten Heffenlandes, der Wetterau und des Lahnthales zu dem Besten, was das Mittelalter und spätere Zeiten auf deutschem Boden hervorgebracht haben. Es waren deshalb die Wanderungen, welche wir, die Schüler, unter der Führung unseres auf diesem Gebiete so erfahrenen und verehrten Lehrers Hugo v. Ritgen aussührten, von größter Bedeutung für unsere künstlerische Ausbildung." * * Das 16. Verbandsfest der Hessischen Freiwilligen Feuerwehren, das von dem Festausschuß mit viel Mühe und Opfern schön und angemessen vorbereitet wird, erhält eine besondere Eigenthümlichkeit auch durch die Ausgabe einer Feuerwehr-Festschrift. Diese Festschrift wurde auf Wunsch und im Auftrag des Festausschusses von Herrn Pfarrer Dr. Naumann dahier verfaßt, der zum Vorsitzenden des Preßausschusses gewählt worden war. Dieselbe enthält in einem Umfange von über 100 Seiten fünf Abheilungen. Im 1. Theil wird eine Geschichte des Feuerlöschwesens im Allgemeinen, hauptsächlich in unserem deutsch.'en Vaterlande, gegeben, mit Aufführung der deutschen Feu'er- wehrtage. Der 2. Theil enthält die Geschichte des Feuerlöschwesens und die Entwickelung der F r e i w i l l i g e n F e u erwehren, sowie ihres Landesverbandes im G roß Herzog - thum Hessen. Im 3. Theil finden wir die Geschichte des Feuerlöschwesens und der zwei Freiwilligen Feuerwehren zu Gießen. Der 4. Theil enthält ein Wort über die Bedeutung und Aufgabe der Feuerwehrsache. Im 5. Theil endlich werden Mittheilungen geboten, die sich auf die Stadt Gießen und das kommende Feuerwehrfest be- ziehen: zunächst, nach einem kurzen einleitenden Wort, eine Beschreibung und Geschichte Gießens nebst Führer durch Gießen — diese letztere Beschreibung u. s. w. wurde von Herrn Realgymnasiallehrer Jann verfaßt — sodann ein Verzetchniß aller Mitglieder des Hauptausschuffes und der Einzelausschüffe- ferner die Festordnung nebst Tagesordnung der Abgeordneten Versammlung und Zugordnung- endlich ein Verzeichniß der Aussteller und der von ihnen ausgestellten Gegenstände. Außerdem ist jedem Theil ein geeignetes Gericht beigefügt — eines davon ist von dem jüngst verstorbenen Theodor L00S sen. für das Fest verfaßt, gleichsam dessen Schwanengesang — und durch die ganze Schrift zieht sich eine größere Anzahl schöner Illustrationen hin- auch ist ihr ein Plan von Gießen beigegeben. Schließlich ist der Fest- chrift ein Anhang mit Geschäftsanzeigen beigefügt. Diese Festschrift soll allen zum Feuerwehrfeste als Gäste in Unb orm erscheinenden Feuerwehrmännern unentgeltlich überreicht werden als Festgabe des Hauptausschuffes und der Stadt Gießen. Da aber die Festschrift nicht nur für Feuerwehr- männer, sondern auch für andere Leute geschrieben ist, haupt- ächlich für die Einwohner Gießens und des Großherzog- thums Hessen, so wird sie auch zum Kauf angeboten und zwar vor .dem Fest und während deffelbeu zu 50 Psg., nachher zu 75 Psg. Von Donnerstag, ^den 16. ds. Mts., Nachmittags an soll die Festschrift zur Ausgabe gelangen. * * Feuerwehrfest. Es dürfte die hiesigen Spiel-, Back- waaren-, Obst- rc. Händler interessiren, zu erfahren, daß die Verkaufsplätze auf dem Juxplatz Samstag Nachmittag 5 Uhr vergeben werden. Die Anwesenheit der Verkäufer um diese Zeit ist daher erwünscht. * * 3“ Amerika verstorbene Hessen. Newyork City, N. Y.: Carl Pilger, Jahre alt, aus Neustadt i. D, — Fair Haven, Carroll Co., Jll.: Heinr. Müller, 76 Jahre alt, aus Sellnrod, Oberheffen. — Süd-Scran- ton: Charlotte Koßmann, geb. Jäger, 34Jahre alt, aus Alsheim. — WelleSley Village, Hamburg, Ont.: Georg Hamel, 74 Jahre alt, aus Alsfeld.) Grunberg, 13. August. An Stelle des verstorbenen Arztes Dr. Hille, hat sich Herr Dr. Winheim, der seither in Großen - Buseck seinen Wohnsitz hatte, hier niedergelassen und des Verstorbenen Praxis übernommen. Die hiesige Spar- und Leihkaffe zahlt an zwei Aerzte der Stadt je 1000 Mk. jährlich, wofür dieselben die Armen deö Bezirks unentgeltlich zu behandeln verpflichtet sind. Ob diese Subvention auch dem Obengenannten ertheilt wird, ist noch nicht bestimmt, da außer genanntem Herrn sich noch mehrere Aerzte darum beworben haben, und dürfte die Entscheidung in einer demnächst abzuhaltenden Generalversammlung des Spar- und Leihkassevereins Grünberg getroffen werden. Darmst. Ztg. E. Echzell, 13. August. Ein heftiger Schrecken überfiel heute Vormittag einen Bürger unserer Nachbargemeinde Bingenheim, als er vom Felde nach Hause kam und Thor und Thüren verschlossen fand. Nachdem es ihm gelungen war, die Thüren zu öffnen, durchsuchte er das Haus unb fand endlich feine Frau entseelt im Holzschuppen hängen. Der Fall erregte überall die größte Theilnahme, denn die Verstorbene war eine sehr brave Frau, die mit ihrem Manne zwar in kinderloser, aber durchaus glücklicher Ehe lebte. Auch die Vermögensverhältnisse der Eheleute sind gut und wohlgeordnet, von Nahrungssorgen kann also keine Rede sein. § Stumpertenrod, 13. August. Ungeachtet einer kühlen Temperatur brachte der vorgestrige Tag mehrfache sehr schwere Gewitter. Zwei Dienstmägde und ein Knecht des hiesigen Landwirths St. befanden sich während eines Gewitters auf dem Felde. Ein Blitzstrahl fuhr herab auf denselben Acker, woraus sich die Leute befanden. Die Mägde wurden zu Boden geschleudert und blieben eine zeitlang bewußtlos; der Knecht fühlte einen Schlag im Genick, alle drei kamen jedoch mit dem Leben davon. Auch sonst fanden noch Blitzschläge statt. So zerschmetterte ein Blitzstrahl in einem Walde bei Ruppertenrod eine starken Eiche. Theilweise waren die Gewitter mit starkem Hagel begleitet, der namentlich an den Setzpflanzen bemerkenswerthen Schaden anrichtete. § GedkNt, 11. August. Heute gegen Mittag zog ein schweres Gewitter über unsere Gegend. Der Blitz schlug in die Hofraithe des Land- unb Gastwirth Landmann, wobei ein großer Theil des Dachwerks und Giebel zertrümmert wurden- der Schlag war ein gewaltiger, denn Ziegel und Holztheile schwirrten hoch in der Luft durcheinander. X Berusfeld, 14. August. Ein hiesiger junger Mann bon 17 Jahren bestieg das Dach, um am Taubenschlag etwas auszubessern. Hierbei glitt er aus und stürzte in die Tiefe. Die erhaltenen Verletzungen waren so schwer, daß er ihnen alsbald nach dem Falle erlag. § Freieuseen, 14. August. So oft auch gewarnt wird vor dem Spielen mit dem Schießgewehr und so häufig die mit ihm verursachten Unglücksfälle sich ereignen, so wenig wird diese Warnung befolgt. Vorgestern nahm ein junger Mann im Hause eines anderen ein glücklicher Weise nicht scharf geladenes Gewehr und hantirte damit. Plötzlich entlud sich der Schuß und drang einem fünftägigen Kinde zum Schädel hinein. Für tobt hob man bas Kinb auf, es ermunterte sich aber wieder, doch ist die Verletzung lebensgefährlich. Wäre der Schuß ein scharfer gewesen, bas Kind wäre tobt auf dem Platze geblieben. Möge dieser Fall abermals zur Warnung dienen, mit Schußwaffen keine Spielerei zu treiben. Nidda, 12. August. Der verwittwete Landwirth unb Bäckermeister Conrab Erck würbe am Freitag Nachmittag in seinem Hausspeicher erhängt aufgefunben. Es liegt offenbar Selbstmorb vor^ ber in Geistesgestörtheit verübt worben zu sein scheint. Seit bem vor Monaten erfolgten plötzlichen Hinscheiben seiner Ehefrau unb bem ebenso raschen Ableben seiner einzigen Tochter würben an bem Unglücklichen Spuren von Schwermuth beobachtet. Laubach, 11. August. Am heutigen begannen am hie- ftgen Gymnasium bie großen Herbstferien. Montag, ben 17. September, nimmt bas Wintersemester seinen Anfang. Der Maturitätsprüfung hatte sich nach halbjährigem Besuche ber Oberprima, bekanntlich ist bieö unter gewissen Bebingungen zulässig, ein Oberprimaner unterzogen. Infolge guter schriftlicher Leistungen würbe berselbe von ber münblichen Prüfung bispensirt. — Die Anwesenheit bes Herrn Geh. Oberschulrath Solban am 4. unb 5. August wirb mit bevorstehenben Neuerungen am hiesigen Gymnasium in Verbinbung gebracht. Laubach, 12. August. In größer Rüstigkeit oollenbete heute ber älteste Bewohner unserer Stabt, Herr Pauli, ein 90. Lebensjahr. Möge ihm ein weiterer heiterer Lebensabend beschieden sein. B. Aus dem Kreise Büdiuge», 14. August. (Srnter ef ultate.) Die erste Hälfte des Erntemonats August ist verstrichen, bis diese Zeilen in die Hände ber freunblichen Leser gelangen; )ie Felber sinb zum größten Theile geräumt, nur noch Hafer teht hie unb ba auf bem Halme. Die Dreschmaschinen auchen und pusten auf den Feldern unb in ben Dörfern - hochaufgethürmte Fruchtwagen rollen heran unb liefern der rasch arbeitenden Maschine bas Material für ihre Thätigkeit. Aber was gibt es für Resultate? fragt einer ben anberen, ohne baß bestimmte Antworten gegeben werben. Einsenber hat selbst gebroschen unb Notizen im Umkreise gesammelt. Die nachfolgenden Angaben werben borum ber Wirklichkeit ziemlich nahe kommen. Wir bemerken bazu, baß als Flächen- nhalt nicht der alte Morgen zu 20 Ar, sondern ber Morgen zu 25 Ar angenommen ist. Beginnen wir mit ber haupt- ächlichsten Brotfrucht, bem Korn (Roggen). Es hat einen ungemein schönen Halm gebildet, wie er nicht häufig vorkommt, aber ber Kern läßt zu wünschen übrig. Der „Gießener Anzeiger" brachte aus betriebenen Theilen ber Provinz Nach- richten zur Zeit der Roggenblüthe, welche besagten, daß diese mangelhaft erschiene und anzunehmen sei: Der Kern würde wahrscheinlich nicht genügen und die Aehre würde zahnlückig ausfallen, waS sich auch vollkommen bestätigt hat. Der Ertrag an Garben beläuft sich auf 2 bis 21j2 Fuder (also zwischen 120 bis 150 Garben, das Fuder zu 60 Garben gerechnet) pro Normalmorgen, womit man zufrieden sein kann. Der Ausdrusch läßt aber zu wünschen übrig, denn er schwankt zwischen 6 bis 10 Centner, was nicht an eine Mittelernte heranrelcht. Dazu kommt nun aber der jämmerliche Preis! ES werden 9 Mark für das Malter Korn geboten. Der Pachtpreis des Ackergeländes beträgt 35 bis 55 Mark pro Mormalmorgen. Daß bet einem Kornpreise von 9 Mark pro Sack der Kleinbauer nicht auf seine Kosten kommt, also rückwärts gehen muß, kann sich der freundliche Leser ohne Weiteres auSrechnen. Die Ausbeute an Stroh reicht über eine Mittel- ernte. Beim Weizen macht sich die Sache günstiger. Die Ausbeute an Gebunden kommt derjenigen bei Roggen ziemlich ssteich, geht hie und da auch etwas darüber. Man kann 2*/i Fuder und bester pro Normalmorgen annehmen, was einer guten Mittelernte gleichkommt. Der Ausdrusch ist aber ungleich günstiger als bei Roggen, denn es ergeben sich zwischen 12 bis 16 und in guten Lagen auch noch mehr Centner. Das Weizenstroh ist ebenfalls vortrefflich gerathen. In Bezug auf den englischen Wetzen ist zu bemerken, daß er wegen gänzlicher Schneelosigkeit weniger gut durch den 1894/95er Winter gekommen ist, als der deutsche. Trotzdem erholte er sich bei dem trefflichen Frühlingswetter bedeutend und liefert in Halm und Kern vielfach ein besseres Resultat als der deutsche Weizen. Man kann daher den englischen Weizen zum wetteren Anbau empfehlen. Für den (Doppel- centner) Weizen werden 11 Mark geboten, ein Preis, wie er seit vielen Jahrzehnten nicht mehr vorkam. Die Gerste ist in Halm und Aehre gut gerathen, hat aber durch das -regnerische Erntewetter von ihrer Schönheit eingebüßt. Es wurden 2x/2 Fuder und mehr per Normalmorgen gebunden und der Ausdrusch ergibt, ähnlich wie beim Weizen, 14 und Ehr Centner. Die frühgesäten, gut gedüngten Felder geben schönere Waare, als die spätbestellten Felder, die einen spitzigen Kern liefern. Der Preis schwankt zwischen 10 bis 13 Mark, je nach Qualität. Hafer ist wohl auch schon gebunden, die Druschresultate sind jedoch noch nicht genügend, als daß sich ein Urtheil darüber bilden ließe. Wir werden später darauf zurückkommen. Soviel ist jetzt schon gewiß, daß der Bauer bei den gegenwärtigen jämmerlichen Preisen wenig Hoffnung hat, daß die vorjährigen Wunden durch die 1894er Ernte wieder geheilt werden würden. § Vom höheren Vogelsberg, 12. August. Die verflossene Woche brachte uns wiederholt Reg en w etter, so daß nur wenig Korn geschnitten werden konnte. Die Arbeiten schieben sich dadurch immer mehr zusammen. Es steht noch etwas Heugras aus, dann das meiste Korn, auch dann kommt die Sommerfrucht herbei zur Reife, welche schon sehr gebleicht ist. Die Vorräthe an Frucht und Stroh sind zu Ende gegangen, sodaß mancher Landwirth schon jetzt mit der neuen Ernte rechnen muß, auch um Strohseile für die Ernte Herstellen zu . können. — Dieser Tage wurden einem Landwirth und Schmiedemeister in Bermuthshain 7 Schock Strohseile von seinem Scheuerbodekt gestohlen. Mainz, 11. August. Der heute Hingerichtete Raubmörder Franz Rohrbacher zeigte, wie zuverlässig mitgetheilt wird, aufrichtige Reue gegenüber dem Geistlichen, Herrn Pfarrer Landmann, der ihn mit den Tröstungen der Religion versah und ebenso in verschiedenen Briefen. Seine Stiefmutter sah er noch am Tage vor seiner Hinrichtung und tröstete sie beim Abschied. Auch ihr gegenüber erklärte er, daß er sein Schicksal verdient habe. Im Esten und Trinken zeigte er sich sehr mäßig. Er genoß am Tage vor der Hinrichtung nur einige Eier, da er sich erinnerte, daß am Freitag den Katholiken der Fleischgenuß verboten sei. Auch trank er nur eine einzige Flasche Wein während des Tages. Bei der Hinrichtung war er sehr gefaßt und betete bis zum letzten Augenblicke. Somit steht zu hoffen, daß der arme Sünder mit aufrichtiger Reue dahingeschieden ist. Mainz, 13. August. Das „Mzr. Tagbl." schreibt: In der Nacht von Freitag auf Samstag spielte sich in der Nähe des Centralbahnhofes eine seltsame Scene ab. Mit dem letzten (MitternachtS)-Zuge war eine Reisegesellschaft von sieben Personen (Engländern) angelangt, die im Bahnhof nach dem L- Hotel verlangten. Noch ehe aber das mit dem Hotelomnibus haltende Personal des betreffenden Hotels die Fremden in Empfang nehmen konnte, hatte sich die Dienerschaft eines benachbarten Hotels der Engländer förmlich mit Gewalt bemächtigt, obschon die Fremden den Namen des X Hotels immerfort wiederholten. Die Leute des L Hotels folgten indessen den Entführern und Entführten bis an die Schwelle des anderen Hotels. Als sie sahen, daß die Entführer ihrer Leute nicht losließen, sondern förmlich mit Gewalt ins Haus schleppten, ließ der Oberkellner des X-Hotels einen Schutzmann rufen. Als die Fremden dem Vertreter der heiligen Hermandad ebenfalls erklärten, daß sie eigentlich in das X-Hotel wollten, wurden sie unter polizeilicher Bedeckung in feierlichem Zuge ihrem „Eigenthümer", dem X'Hotel, zugesührt. Worms, 13. August. Das Pa ulsmuseum mit seinem für die Alterthumsforschnng von Jahr zu Jahr werthvollerem Bestände erfreute sich längst in wissenschaftlichen Kreisen eines hohen Ansehens und nicht zu den Seltenheiten gehört der Besuch namhafter Gelehrter, welche hier das eine oder andere Fundobject persönlich tn Augenschein nehmen. So weilte gestern wieder zum Studium unserer Runenfibcln Herr Prof. Dr. Henning aus Straßburg, ein Schwiegersohn von Prof. Virchows, hier. Worms, 13. August. Dor einigen Tagen wurden hier die Leichen einer Frau und eines Kindes geländet. Es hat sich nunmehr herausgestellt, daß die Geländeten die Frau und das Söhnchen des Cigarrenmachers Fuchs aus Neckarau sind,- die Ermittelungen haben ergeben, daß die Frau erst ihr Kind in den Rhein geworfen und sich dann selbst in das Wasser gestürzt hat. Erbach i. C., 13. August. Gestern Abend 11 Uhr ist der Wirth Christian Schüllermann hier vor seinem Hause auf der Bahnhofstraße von dem stellenlosen Schriftsetzer Adam Reinhard von hier nach vorausgegangenem kürzeren Wortwechsel durch einen Revolverschuß in den Leib lebensgefährlich verletzt worden. Der Thäter wurde noch in der Nacht verhaftet und das Amtsgericht Michelstadt hat sofort am Ort der That die Untersuchung eingeleitet. 2>erfel?r, Land- rrnd VoU-rvivtbschaft. SHmtmtg, 14. August. Fruchtmarkt. Rother Weizen •* 12.20, weißer Wetzen X 00.00, Korn X 8.65, Gerste X 00.00, Hafer X 7 55. Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen. 32. Woche. Vom 5. August bis 11. August 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22100 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSztffer: 9,41 o/« bezw. 7,05 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.-15. Jahr: Epidemischer Genickstarre 1 Gehtrntuberkulose 1 Organ. Herzkrankheit 1 (1)' Rückenmarksentzünd. 1_______________________________________ Summa: 4 (1) 3 (1) 1 — Anm. Die tn Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle tn der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemeffen am 15. August, zwischen 11 und 12 Uhr: Master 13, Luft 15o. Rübfamen'sche Badeanstalt. 1 tägliche Ausgabe kann man die IIWl L Schönheit des Antlitzes, Weiße der Hände, des Halses, Zartheit der Haut nicht allein conferviren, sondern auch erlangen und zwar dadurch, daß man zu seiner Toilette ausschließlich Doerings Seite mit der Eale verwendet, die tn Qualität, Güte und Wirkung unvergleichlich ist. Aechte Doerings Seife mit der Eale kostet, ob parfümlrt oder unparfümlrt, nur 40 Pfg. Der Verbrauch kommt kaum auf I Pfg. täglich, und wer wird auf I Pfg. sehen wollen, wenn es gilt, sich Schönheit und Jugendfrische zu erhalten? 6223 Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. _ d" erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck, ■* T rt I dl mäßig abgefaßt und typographisch ange, V | ▼ GT messen ausgestattet sind, ferner die richt i gr- k * cv Wahl der geeigneten Zeitungen ge. hntnt Atlttnitfftl troffen roirb. Um dies zu erreichen, wende UUIUJ (4MlUUHWUm(m sich an die Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Frankfurt a.M., und Mannheim; von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kosten- ftei ertheilt, sowie Jnseraten-Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original-ZeUenpreise der Zeitungen unter Bewilligung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Institutes neben den sonstigen großen Bortheilen eine Ersparnis an Jnserattonskosten erreicht wird. 6746 Vertreter am hiesigen Platzs: Heinrich Wallach, Kaufmann. Bekanntmachung. Die nachstehenden Vorschriften für die Abfuhr des Hauskehrichts bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntniß: 1) Der städtische Abfuhrdienst erstreckt sich lediglich auf die Beseitigung des Hauskehrichts und der häuslichen Abfälle; Kehrichtkasten und Gefäße, welche Bauschutt, Steine, gewerbliche Abfälle und dergl. enthalten, werden seitens der Kehrmannschaft nicht entleert, noch deren Inhalt abgefahren. 2) Ebensowenig ist die Kehrmann- schäft verpflichtet, Kehrichtkasten oder Gefäße zu entleeren, welche den nachstehenden Bestimmungen insbesondere denjenigen bezüglich des Faffungs- raumeS nicht entsprechen. 3) Die Gefäße zum Sammeln des Hauskehrichts und der häuslichen Abfälle muffen solide und dicht hergestellt und mit je zwei Handhaben versehen sein; dieselben dürfen das Maß von 60 cbdm. Inhalt keinesfalls überschreiten. (Das Muster eines Kehrichtkastens in Holz von 50x40x30 cm. Größe, kann auf dem Stadtbauamt eingesehen werden.) Gießen, 13. August 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 6694______Gnauth.__________ Donnerstag den LL. l. M., Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Gemeinde Daubriugen nachstehende "Arbeiten öffentlich in den Accord gegeben werden. veranschlagt zu $ Brunnenmacherarbeiten 419.60 Steinhauerarbeiten 94.71 Zimmerarbeiten 30.— SchlosserarbeiLen 6.— Pumpenmacherarbeiten 100.50 Pflafterarbeiten 35.— Gießen, den 15. August 1894. Der Bez. Bauaufseher Senßfelder. [6739 unbenutzten . lasse sich gti Besonders werthvoll sind die Krank- hette- und Sektions-Berichte von der Söniylichen Delerinärllinik der Universität Leipzig und der Sprechsaasi in weichem aus Anfragen juverlässtge Auskunft von bewährten Fachleuten ertheilt wird. ASonnemenlspreis vierlestLyrl. 76 Wfg. Erscheint Mittwochs. kämmll. Posianstalten u. Buchhandlungen nehmen Besiellnugen an. JnsertionSpreiS: ^gespaltene Zeile oder deren Raum 20 Vf. yrobenutnmrm gratis und franko Expedition der Geflügel-Börse (R. 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Sicherem Vernehmen nach soll auch in unserem Dorfe vom Kriegerverein Hassta ein Denkmal errichtet werden. Da nun Herren vom Comitä anscheinend fremden Unternehmern diese Arbeit übergeben wollen, so wäre es interessant zu erfahren, weßhalb man Angehörige der eigenen Gemeinde, besonders Mitglieder de- Vereins, die die Arbeit ebenso gut aus- führen können, nicht berücksichtigt 6735 Einer für Biele. Gutes Arbeitspferd zu verkaufen [6651] Sttttergaffe 23. 6684] Sehr wachsamer Hund (Spitz), billig zu verkaufen. Kaplansgasse 27, II. Vermietungen. 6740] Aamilienwohnung zu ver- mietben. Betnh. Wolf, Bahnhofstr 32. 67361 Freund! Mausardenwohnung zu vermiethen. Neustadt 8. Unterricht. Eigenes Damen-Mode-Journal. —X.----.--------n—r-^-7— I Schnittmuster nach Maass billigst. Man 6(23] WohNUNg, 3 4 j$tm. verlange unsere neuen Prospecte, Lehr- U- Zubehör, Garten, per 1. Oct. zu ver- I piäne gratis u. franco durch die Directorin mietben. Frankfurterstr. 43, 2. St. rechts. : Frau H. Worrings. 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Der Präsident des Oberhessischen Obstbauvereins. Dr. Braden. XVI. Derbandsfejl Hess, fttimll. Kllttwkhreu. Zu dem Sonntag den 19. August, Mittags 1 Uhr pünktlich in Steins Saalbau stattfindenden 6670 laden wir hiermit ergebenst ein. Preis des Gedeckes einschlietzl. 1 Schoppen Wein Mk. 2.50. Während der Festtafel concertirt die hiesige Regiments-Capelle. Der Wirthschasts-Ausschutz. Jean Kirch. Einzeichnungsliften liegen bis zum Sonnabend Mittag auf bei den Herren: Emil Fischbach, Daniel Heil, Joseph Weinert, Conr. Steinhäuser. ___ 99.50 80.90 25.20 36.20 93.50 402.62 221.75 170.90 125.00 115.90 85.30 127 20 Bekanntmachung. Die Kauplmsminlung des OberheMeit Mbalmreins findet im Anschluß an die Sommerobstausstellung in Friedberg 6049 Im Ausschank: M Mjinlhkiicr und fst. hiesige EMrt-Kierk • Reichhaltige Weinkarte. • Wtagstilch im Abonnement. Vortrag über die wichtigsten Obstsorten der Obftausstelluna. 7. Vortrag über die Cultur des Weinstockes. Zu zahlreichem Besuch ladet ein P. 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Guthaben der Mitglieder 395.— Tagesordnung: Verwaltungsbericht des Ausschuffes. Rechnungsablage pro 1893/94. Voranschlag pro 1894/95. Proclamation von Vereinsbaumwärtern und Ueberreichung der Diplome. Ueberreichung von Diplomen an diejenigen Mitglieder des Oberhessischen Obstbauverems, welche sich an der Obstausstellung in Breslau be- theillgt haben. fRüliittr zur Schmückung derHäuser werben von yreitag an durch die Straßen gefahren. 6741 CAFE LEIB Donnerstag, den 16. August: Grosses Extra - Concert _____H. Weidenhaus. _________:;___________________________________ wird eine 2. Hypothek, ca. 5-^000 Mk., IXVI. Hessischer Feuerwehrtag in Gießen . an d°i?E?oedMon von UM 18., 19. Und 20. Llugust 1894. abzuholen. — — Der Vorverkauf von auf Namen lautenden Eintrittskarten, — Abends 8 Itfir ♦ ber ^erten unb Cö- aud> fP$terWn flrßnbi. Dauer^rrtrn — für die Dauer des Festes gültig, zum ^kvenos o liyr. Nachhilfeunterricht. Zu erfragen in Preise von: 3 Mark für eine Famrlre brs zu 5 Personen der Expedition b. Blattes.____________ (erwachsene Söhne ausgeschloffen), 1.50 Mark für eine einzelne 6579] In ben Ferien werden Privat- Perfon, findet von Mittwoch, den 15. August, bis Samstag stnnden von einem Lehrer ertheilt. Näh. Abend, den 18. August, statt, bei den Herren: inderExpedrtton d^ Blattes. | Kaufmann Ernst Balser, Mäusburg 11. empfiehlt sich [6737 G. Hamann, Architekt, Bahnhofstraße 2. gesucht, einzeln, a. Briefe, Eouverts, Qlte I Für das bevorstehende Fest empfehle: iahlt hohe Preise. Off. u. I Das Grossh. Hess. Wappen, sowie die Giessener Stadt* M. 22 in d Exped. niederzulegen.______I Wappen in Farbendruck, Format 66x97 cm. zum Preise von 6545] Gebrauchter Streichbatz, sowie 1 Mk. 80 Ptg. pro Stück, alle 3 zusammen nur 3 Mark. Näheres^in^der Exped 8“ taUfCn geW' 6662___Curt VOH MÜnchow. WeinbrancheT • Sum Keuerwehr-Feft empfehle 6727] Schülern der unteren u. mittl. 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Luft. zuverlässiger Schweizer (guter Melker), auf sofort bei hohem Lohn gesucht. Wo? sagt die Exped d. Blattes- Activa. 1. Baar-Bestand 607.68 2. Ausstände 2160.16 3. Waarenvorrath 4062.91 4. Geschäfts-Utensilien nach Abschreiben von 10 % 209.23 Rebediou: Ä. Scheyda. — Cnucf unb Vertag der iör üb fieber. Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Vietze«. Air heutige Yummer umfaßt 6 Seite».