Nr 294 Erstes Blatt. Samstag den 15. December Der Hltßener Aazeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener A»«mtrienvkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt. ichener Anzeiger General-Ze'nzeiger. 1894 Vierteljähriger Nvonucmentsprei»: 2 Mark 20 Pfg. mir Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg. Nedaction, Expedition und Druckerei: Schukstrahe Kr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblntt fui* den Tkveis Gieren Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorn,. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamilienbtätter Alle Annoncen-Bnrcaur deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutscher Ueichrtag. 5. Sitzung. Donnerstag den 13. December 1894. Die Generaldebatle über den Etat wird fortgesitzt. Abg. Dr. Böttcher (natl.) tritt der stereotypen Ermahnung zur Sparsamkeit durchaus bet, doch würden seine Freunde wie vor Alles bewilligen, was zur ferneren Fortentwickelung des Reiches unerläßlich sei. Sehr erfreut seien seine Freunde gewesen über den warmen Ton, mit welchem der H^rr Reichskanzler von unserem Colonialwesen gesprochen habe. Es habe auch noch nie einen Eultur- staat gegeben, der nicht Colonialpoltttk getrtebm habe. (Lachen links). Es wäre auch unbegreiflich, wenn das mächtige junge Deutsche Reich es unterlassen könnte, sich an dm mit der Colonialpolit k verknuplten Eulturausgaben zu beschäftigen. Unsere Colonien seien entwtckelungs- fähtg. Und wenn die Regierung auf dem bisherigen Wege tortzu- sahren entschlossen sei, so würden seine Freunde sie bereitwillig au demselben Wege begleiten. Dem Urtheil Bachems über die Kost- spieltgketten der Postbauten kann Redner sür seine Per on nicht beitreten. Ueberrascht habe ihn beim Postetat die niedrige Ansetzung der Einnahmen. Warnen müsie er vor Uebernahme zu vieler einmaliger Ausgaben auf das Exlraordtnartum und auf Anleihe. UD es gelingen werde, die D.fferenz zwtschm Malricularbettragen und Ueberweisungm an die Einzelstaaten von 33 Millionen auf 10 Millionen, wie Bachem hoffe, herabzusetzen, bezweifle er und begreife nicht, wie man Angesichts des Dificiis, welches für die Einzelstaaten auch noch nach erfolgter Annahme der Börsensteuer-Erhohung verbleibt, der Finauzresorm gegenüber eine ablehnende Stellung etn- nehmen könne. Er sähe am liebsten, wenn den Einzelstaaten ein Zuschuß vom Reiche gesichert würde, — aber zum Mindesten bedürfe «8 des Ausgleichs, der Brlanctrung zwischen Matricular - Umlagen und Ueberw-isungen. Wenn man sage, die direeten Steuern belasten die Besitzenden und tndtrecte die Besitzlosen, so sei das eine lieber: treibung. Richter sagt den Rationalllberalen einen wahren Steuer, sanattsmus nach. Redner weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Aber wenn man auf dem Wege der Ersparnisse nicht zu einer festen Regelung der Finanzverhältnisse zwischen Reich und Einzelstaaten kommen könne, so werde man eben den Weg der Retchssteuergesetz- gebung beschretten müssen. Eine Erhöhung der Einkommensteuer in den Einzelstaaten würde gerade den Mittelstand treffen. Besonders erfreulich und wichtig waren die Aeutzerungen des Herrn Reichskanzlers über die Rothwendigkett der Erhaltung des Bauernstandes. Der Preisstand der landwirthichafllichen Producte ist exorbitant niedrig, und man wird deshalb Maßnahmen zur Hebung d.s Preisstandes nimmermehr a limine, ohne jede Prüfung von der Hand weisen dürfen. Vielleicht geht das im Zusammenhang mit der Börsenreform. Erforderlich sind auch, wegen der vielen Vtebverluste de« Bauernstandes, strengere und eventuell erweiterte Veterinär- Maßregeln. Wenn wir auch weiter Mitarbeiten wollen auf dem Gebiete des Arbetterschutzes, so hat uns doch wohltbuend das Wort deS Reichskanzlers berührt, daß man auch die Concurrenzfähtgk'tt unserer Industrie auf dem Weltmärkte nicht aus den Augen lassen dürfe. Die Gesundung unserer Verhältnisse wild planmäßig gestört durch die Unzufriedenheit, welche die Soctaldemokratie schürt. Hat nicht sogar Herr Bebel in Frankfurt sein Ents tzen ausgesprochen über den Arbeiter, der sich durch Sparsamkeit zum Spießbürger heraufarbeitel! Mil Recht hat der Herr Reichskanzler gesagt, daß sich seit Aufhebung des Socialistengesetzes die Bekämpfung unserer Gesellschafts- Ordnung ungehindert vollzogen hat. Dem muß ein Ziel gesetzt werden. Aber die Freiheit des Gewissens wollen wir unangetastet lassen, und den Weg deS von'Herrn o. Manteuffel gewünschten Schulgesetzes können wir nicht gehen. Wer die unüberbrückbare Kluft zwtfchen uns und den Soci-lldemokralen noch nicht erkannt hat, dem müßten die Erklärungen Liebknechts gestern auf der Tribüne die Augen geöffnet haben. Wenn Liebknecht wieder einmal von der „Heuchelet der modernen Gesellschaft" rede, so möge er doch an den Streit Bebel-Vollmar denken, in dem Doctrtnär Bebel dem Taktiker Dollmar, dessen Taktik Bebel als „Bauernfang" bezeichnete, unterlegen ist. Die neuen Gesetzesvorsch äge geben wenigstens dem Volke das Gefühl, daß der Staat noch Machtmittel in der Hand hat und nicht die Dinge laufen läßt, wie sie eben laufen. Herr Richter sagt freilich, man solle den Staatsstreich Vorschlägen von oben entgegentreten. Es ist allerdings eine bedauerliche Erscheinung, daß man jetzt von solchen Vorschlägen so gelassen spricht. Das liegt an der Parteizerrissenheit, welche im Volke Abneigung gegen den R tchstag und diesen Boden für solche Vorschläge geschaffen hat. Deshalb freue ich mich über die Aenderung in der Regierung. Dieselbe hat eingesehen, daß sie eine feste Giundlage braucht. Sie muß fitzt die sühnende Rolle übernehmen und versuchen, zu einem festen Zustand zu kommen. Jeder, der es mit dem Vaterlande gut meint, muß ihr dabei helfen. (Lebhafter Beifall bet den Nationalliberalen.) Abg. Payer (füdd. Volkep.) Einer Finanzreform würden feine Freunde an sich nicht widersprechen, wohl aber, wenn dabei eine Steuer Vermehrung herauskomme. Das Schlimmste sei die fortwährende allgemeine Beunruhigung, in welche die verfchiedenen Erwerbkzwetge durch diese Steuerpläne versetzt werden. Der Mittelstand werde immer zahlen müssen, ob man nun dtrecte oder indlrecte Steuern beschließe! (Sehr richtig!) Redner wendet sich sodann lebhaft gegen die geforderten 9 M>ll. für neue Sch'etzplätze in Württemberg. Die Bauern, die dafür 4000 Hectar hergeben sollen, werden damit nicht glücklich. Es wird das für sie werden, wie beim Mtlliardensegen. Schließlich werden sie vielleicht nach Amerika auswandern. Für die culturellen Zwecke der Colonialpoltttk, die der Herr Reichskanzler so betonte, würde er viel dankbarere Ausgaben hier im Auslande finden. Welche Unsicherheit herrscht auf dem Gebiete der Marine; früher hielt man große Panzerschiffe für nothwendig, jetzt will man nur kleine Kreuzer haben. Wir haben zu der neuen Regierung noch kein Vertrauen. Woher sollte eS auch kommen? Erst wurden uns schöne Bilder vom neuen R-ichstagshaus zugeschickt, da steht über dem Hauptportal: „Dem deutschen Volke!" Wo ist diese Inschrift? Will man nicht denn wenigstens dorthin schreiben: „Dem deut schm Volke und seinem lieben BundeSrath!" (Heiterkeit.) Redner beleuchtet dann die EinwethungSfeier — so hätte man auch eine neue Kirche einwethen können ober ein Offizier- (S.afino. (Heiterkeit.) Und nun gar noch der Antrag gegen Lieb- , knecht, der unsere Immunität bedroht. Wir werden diesen Antrag । so erledigen, wie es ihm gebührt. Wir, die Volksvertreter, haben wahrlich nicht so vtcle Rechte, daß wir auch nur auf eines derselben verzichten könnten. Redner erinnert an die Zufage, welche der vorige Reichskanzler bei Berathung der Mtlitärvorlage gegeben habe: Verzicht auf alle Steuern, welche die ärmeren Schultern belasteten. Jetzt sei dieser Reichskanzler weg! (Heiterkeit.) Und ba gebe es bereits roteber Leute, die da behaupteten, aus formellen Gründen brauche die jetzige Leitung des Reiches sich an jene Erklärung des Grafen Caprivi nicht mehr zu binden. Müsse das nicht das Volk mit Mißtrauen erfüllen? Die plötzliche Entlassung Caprivis müsse den Anschein erwecken, als ob die R-ichspolilik nicht gesührt werde im Einklang mit den Entschließungen des Bundesraths, sondern über dessen Köpfe hinweg. Bezüglich der Umsturzvorlage werde einigen GefetzeS- befchränkungen ja wohl zugestimmt werden, aber darüber herrsche wohl Uebereinstimmung, daß das, was sich gegen die freie Meinungsäußerung aller Parteien richte, fallen müsse. Der Reichskanzler würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er sowohl die Umsturzvorlage, wie seine Steuervorlage zurückziehen und zusichern wollte, in Allem auf Sparsamkeit zu sehen. (Beifall links.) Abg. Zimmermann (Resormp.): Als Fürst Bismarck seines Amtes enthoben wurde, da hielt alle Welt gewissermaßen den Äthern an; damals hat die freisinnige Partei nichts Auffällige« gefunden in der Handhabung des Rechtes der Krone, ihre Räche frei zu wählen; jetzt kommen von jener Sette allerlei Bedenken, wo der Gras Caprivi geht, bet dessen Abgang man nur allgemein das Gefühl der Erleichterung hatte. Freilich ist die schöne Zeit vorüber, wo die Börse und ihre Freunde schon die Rechnung machten, wie viel bet einem Verkaufe unserer Colonien in ihre Taschen fließen werde. Für die Landwirthfchaft hat man viele schöne Worte auch am Regier ungsttfche; aber von dort ist auch der russiiche Handelsvertrag verlheidigt worden, der einen schweren Schlag gegen die Landwirth- fchast bedeutete. Man wird also Thaten von dort abwarten müssen. Wir werden verleugnen, daß das Handwerk gesetzlich organtsirt, das Lehrlingswesen geregelt und die Börsen-Reform energisch in Angriff genommen wird. Freilich zeigt sich hier wieder, daß bet jedem Versuche, der Börse näher zu treten, alle Borsen- Jnteressen, reelle und unreelle, gegen solchen Versuch Front wachen. Die Einführung des Systems der Dtenstalters-Zulagen erweist sich namentlich für die Unterbeamten als sehr ungünstig; die letzten Gehaltsstufen erreichen die Leute erst nach 20 Jahren und später. Aus der Umsturz-Vorlage mühte Verschiedenes entfernt werden, bevor sie für un« annehmbar wird. Hauptsächlich werden wir der Socialdemokratie gegenüber das Ehristenthum zu schützen haben, denn da? Judenthum wird von der Socialdemokratie nicht angegriffen. Die Tabaksteuer-Vorlage ist für uns unannehmbar, so lange wir nicht wissen, was aus den arbeitslosen Tabaksarbeitern werden soll. Die Regierung würde gut thun, eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit zu orjaniRren, die ja einer der bestehenden drei großen Versicherungen angeschlossen werden könnte. Aus dem Gebiete der Rechtspflege haben sich Uebelstände bemerkbar gemacht, die der Abhülfe bedürfen; es geht uns die Justizvorlage nicht weit genug, namentlich wünschen wir, daß eine Vertheidigung von unbemittelten Personen durch Nichtjuristen zugelassen werden soll und daß solche Vertheidiger nicht deswegen zmückgrwiesen werden sollen, weil sie die Beschäftigung ge- werbmäßig betreiben. Auch darf es nicht geschehen, daß der Angehörige eines Bundesstaates von den Gerichten eines anderen Bundesstaates, namentlich in Proceßsachen, zur Verantwortung gezogen wird, womit er nickt blos seinem oidentltchen Richter, sondern auch der Gnade seines Landesherrn entzogen wird. Er bedauere, daß Fürst Hohenlohe den Antisemiten weht ebenso beruhigende Versicherungen bezüglich seiner Absichten gegeben habe, wie den Katholiken. Die Umsturzgefahr ist erfolgreich nur auf dem Boden eines zielbewußten Antisemitismus zu bekämpfen undnach dem Grundsätze detz Fürsten Bismarck, daß wir Deutfche nur Gott fürchten und sonst Nichts in der Welt. (Beifall.) Die Debatte wird geschlossen; der größere Theil des Etats wird an die Budgetcommission verwiesen. Morgen: Antrag Schmidt-Elberfeld: Priorität der Jnitiatio- Anträge, Interpcllatton Baasche (ntl.) bett. Zuckerprämien und Interpellation Hey! v. Herrnsheim bdr. Organisation des Handwerks. Der Präsident hatte vorgeschlagen, die Umsturzvorlage noch auf die morgige Tagesordnung zu sitzen; dieser Vorschlag war aber gegen die Stimmen der beiden conservativen Parteien und eines Tbeils der Nationalliberalen abgelehnt worden. Neueste Nachrichten. Depeschen dek Buresu »Herold*. Berlin, 13. December. Gerüchtweise verlautet, die Re- gierung beabsichtige dem Reichstage eine Vorlage zum Zwecke einer Verstärkung der gesetzlichen Befugnisse zum Schutze derPerson des Kaisers zu unterbreiten. Berlin, 13. December. Das Ministerium der geistlichen und Medicinalangelegenheiten hat von den öffentlichen Krankenhäusern einen Bericht über die Wirksamkeit des Diphtherie-Heilserums eingefordert. Berlin, 13. December. Der „Localanzeiger" meldet aus Magdeburg, das Spruchgericht gegen die Oberfeuerwerkerschüler sollte heute daselbst zusammentreten. Gestern hätten in dieser Angelegenheit noch Vernehmungen stattgefunden. Berlin, 13. December. Gutem Vernehmen nach wurde der bisherige Kaiserliche Consul in Bukarest, R. Kiliani, dem Reichskanzler zur Dienstleistung überwiesen. Brussel, 13. December. Die Kammer hat heute nach zweitägigen heftigen Debatten mit 72 gegen 45 Stimmen die I Höhe der jährlich einzustellenden Rekruten auf 13 300 Mann festgesetzt. Bei der Abstimmung entgelten sich neun Abgeordnete der Stimmenabgabe. Die Effectivstärke des belgischen Heeres, dessen Reorganisation demnächst berathen werden soll, beträgt 100 000 Mann. Paris, 13. December. Die Abendblätter widmen dem verstorbenen Burdeau lange ehrende Nachrufe. DaS Begräbniß soll auf Kosten des Staates stattfinden. Alle Truppen der Pariser Garnison werden dabet vertreten sein. Paris, 13. December. Die hiesige Bevölkerung ist über die Vermuthungen und Besprechungen, welche bezüglich deS Prozesses Dreysus in den Blättern Ausdruck finden, sehr aufgeregt, besonders da immer noch neue Enthüllungen bevorstehen sollen. Die „Cocarde" fordert die Unteisuchung gegen den Commandeur Wlil, welcher seit langer Zeit alS Spion bekannt sei. DaS hohe Vertrauen auf die Armee ist im ganzen Lande sehr erschüttert. Madrid, 13. December. Nach einer Meldung aus Cuba fanden dort zwischen Anhängern und Gegnern der Homerule blutige Zusammenstöße statt. Loudon, 13. December. Die Erregung unter den Eisenbahnbeamten nimmt immer mehr zu. Bis jetzt haben sich an 5000 Beamte der nordwestlichen Bahnstrecken bereit etfiärt, dem Ausstand beizutreten. London, 13. December. Aus Neu-Fundland wird gemeldet, daß infolge der Finanzkrisis das Geld vollständig dem Umlauf entzogen worden ist. Die Geschäfte stehen still. Die Arbeiter können ihre Löhne nicht erhalten. Eine Revolution wird befürchtet. Fast alle Banken haben ihre Zahl- ungen eingestellt. London, 13. December. Hier eingetroffene Privat« Nachrichten aus Japan deuten darauf hin, daß man in japanischen Regierungskreisen nicht daran denkt, den Krieg baldigst zu Ende zu bringen. Die Rückkehr des Kaisers wird im nächsten Sommer erwartet- so lange, glaube man, würde auch der Krieg andauern. London, 13. December. Wie der „Times" aus Kobe gemeldet wird, soll demnächst von Hiroshima nach China eine neue Expedition abgehen. London, 13. December. Aus Shanghai kommt die Meldung, daß in Peking große Panik herrsche. Wohin sich der kaiserliche Hof wenden werde, sei noch unbekannt. Die Japaner sollen im Anmarsch gegen Peking sein._______ Cccates rrnd provinzielle Gießen, den 14. December. ** Hessische Staatslotterie. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hat sich bereits mit dem Antrag Pennrich und Genossen auf Einführung einer staatlichen Lotterte in Hessen beschäftigt und beantragt die Majorität des Ausschusses, die Kammer wolle dem Anträge zusttmmen. Die Minorität des Ausschusses beantragt dagegen einfach die Ablehnung. Auch die Regierung beharrt auf ihrem bisherigen ablehnenden Standpunkt. ♦♦ Knnstverein. Wegen Zugangs weiterer Gemälde hat die Anordnung und innere Eintheilung der Ausstellung eine durchgreifende Umänderung erfahren- dieselbe ist der Ausstellung nur zum Vortheil geworden und gibt zugleich den besten Beweis für die vielseitige und vorzügliche Verwendbarkeit des neuen Ausftellungssaalcs im Thurmhaus am Brand. ** Neues Theater. Ueber das Schlterseeer Bauentheater, das im letzten Jahre fast ganz Deutschland durchwandert hat und im Januar auch bet uns vier Vorstellungen geben wird, fällt die Presse außerordentlich günstige Urtheile. Nachstehend theilen wir die hauptsächlichsten Preßstimmen mit: „Allgemeine Zeitung", Nr. 185, 6. Juli 1893: „Das Schlterseeer Bauern-Ensemble wirkt so erfrischend echt, daß unser heimisches Volksstück-Ensemble sich künftig als „Talmi" ausnehmen wird. Die Leute reden nicht nur wie ihnen der Schnabel gewachsen, sie kleiden sich auch so, wie es bei ihnen wirklich der Brauch ist. Von zündendem Erfolg waren zumal die Massen-Scenen." — „Frankfurter Zeitung", Nr. 186, Abendblatt, 7. Juli 1893: „DaS Gärtnerplatztheater machte heute eine interessante Probe (Gastspiel des Schlterseeer Bauerntheaters) mit ganz bedeutendem Erfolg. Da diese Landbewohner sich selber spielen konnten, spielten sie überaus natürlich und characteristisch, sie spielten aber auch besonders bühnengewandt und namentlich mit viel Humor. Diese Bauern sprachen und agtrten so vorzüglich, daß man getrost sagen kann: sie haben in den gleichen Rollen die Berufsschauspieler geschlagen. Es sollte mich wundern, wenn Dreher mit seinen Bauern nicht auf Reisen ginge. — „Darmstädter Zeitung", Nr. 295 vom 27. Juli 1893: „Unverfälscht und echt ist die Darstellung der „Schlierseeer", ungezwungen reden fle die Sprache ihrer Berge, lassen sie ihre Jodler und Jauchzer erschallen. Man kann über die Gewandtheit und Vorzüglichkeit der Darstellung nicht genug staunen. — Komik und Tragik gelangen zur Geltung, nie verfehlen sie die Wirkung, niemals erwecken sie den Eindruck des Trivialen. Sie geben sich vor und nach der Vorstellung wie sie sind: echt, ungeschminkt, ungekünstelt, treu, bieder und naturwahr. Sie rekrutiren sich aus den hübschesten Typen des bayerischen Oberlandes". — „Berliner Tagblatt", Nr. 341 vom 7. Juli 1893: Heute traten die Schliersee'r Bauernschauspieler zum ersten Male in einem Gesammt- gastspiel, fern von ihrem heimathlichen Seegestade, auf fremdem Boden, im Gärtnerplatztheater auf und erzielten nicht etwa einen wohlwollend aufmunternden, sondern einen wahren künstlerischen Erfolg. Es ist ganz erstaunlich, welch ein Fortschritt in der Darstellungskunst sich hier in verhälttitß- mäßig kurzer Zeit offenbarte. Es muß in unseren ober- bayerischen Bauern wohl ein unbewußt mit aller Kraft zu Tage drängendes Darstellungstalent stecken, das ja auch bet den Oberammergauer Passionsschauspielen elementar zum Durchbruch kommt.....Die Schlierseeer stehen sogar in mancher Hinsicht über den „Münchnern", die ja bekanntlich auch am Gärtnerplatztheater zuerst ihre Schulung genossen, bevor sie ihre weiten Reisen angetreten hatten. ** -g- Abounemevts-Concert. Mit den K ängen der Ouvertüre zur Oper „Oberon" von Weber wurde das gestrige vierte AbonnementS-Concert im Festsaale des Cas« Leib eröffnet , welcher unter der geschickten Leitung des Herrn Musikdirectors Krauße die Ausführung eines herrlichen Programms folgte. Es sei erwähnt, daß der zweite Theil die dramatische Sinfonie „König Lear" von Heidtngsfeld, ein Werk, deffen characteristisch-lebendige, im zweiten Satz etwas herbe, im Finale jedoch erhebende Melodik ungetheilt beifällige Aufnahme fand. Einer Wiederholung dieses großartigen Werkes wird stets der Beifall sicher sein. Der 3. Theil bot eine Novität: das letzte Werk des jüngst verstorbenen Componisten Czibulka, „An Dich!", eine Walzerserenade, deren subtile Ausführung die Schönheiten der Composition voll und ganz zur Geltung brachte. Eine weit über alles Schülerhafte hinausragende technische wie musikalisch vortreffliche Leistung bot der Solist des Abends, Herr Köhler, in der anmuthig empfundenen Interpretation von Webers „Concertino für die Clarinette". Aufrichtige Bewunderung und reicher Beifall lohnte den Künstler. Den Schluß des Abends machte die geistreiche Fantasie aus der Oper „Carmen". Das Concert war trotz der allenthalben im Gong befindlichen Rüstungen für die kommenden Feiertage gut besucht. ** Da8 Schleifen auf den Trottoirs und auf den Fußwegen in den Anlagen rc. tft verboten. Dieser Sport, der nicht allein von Kindern, sondern auch von Erwachsenen gern betrieben wird, hat schon viel Unheil angerichtet, schon mancher Passant ist infolge deffen gestürzt und sind Arm- und Beinbrüche die Folgen gewesen. Dte Eltern werden gebeten, ihre Kinder davon abzuhalten. ** Die Leitung des allgemeinen Verbandes alter Corpsstudenten geht mit dem 1. Januar 1895 vom bisherigen Vorort München für die Dauer von 5 Jahren auf Berlin über. Nach dem Beschlüsse einer vom Berliner Bezirksverband alter Corpsstudenten einberufenen Versammlung ist nunmehr ein von vielen angesehenen, alten Corpsstudenten unterzeichneter Aufruf erlaffen worden, in dem auf die Ehrenpflicht hingewiesen wird, daß auch Berlin sich in würdiger Weise an dieser Leitung bethätige. Zur Wahl des Gesammt- ausschuffes ist auf Moniag den 17. December, Abends 8^/, Uhr im „Spaten" eine Versammlung angesetzt, zu der die allen Corpsstudenten in Farben geladen sind. § Gedern, 11. December. Ein bedauernswerther Unglücksfall trug sich heute in dem benachbarten Fürstlich Jsenburgischen Walddistrict Wolfhain zu. Der Holzhauer Christian Eichenauer war mit Holzfällen beschäftigt. Bet Fällung eines schweren Buchenbaumes wollte derselbe aus- weichen, er kam jedoch zu kurz und der Baum fiel auf ihn. Er erlitt mehrere Bein- und Armbrüche, auch wurde ihm die rechte Seite mit sämmtlichen Rippen eingedrückt. Der Verunglückte starb, nachdem man ihn nach Haus gefahren, an den inneren Verletzungen. Eichenauer war 44 Jahre alt, er hinterläßt zwei Kmder im Alter von 12 bis 15 Jahren. □ Helpershain (Vogelsberg), 13. December. Ein schwer/r Unfall begegnete vorgestern Abend den hiesigen beiden Fuhrleuten Hohmann. Dieselben hatten auf der Slation Mücke Kohlen geladen. Als sie mit dem schwer belasteten Wagen den steilen Berg hinab fahren wollten, der in den Ort führt, versagte das Hemmwerk. Der Wagen gerieth ins Rollen und da auch eine Koppelkette zerriß, vermochten die Pferde dem herabsausenden Wagen keinen Widerstand mehr entgegenzusetzen. Mit aller Wucht sauste der Wagen zum Dorf hinein in eine Hofraithe, dort wider einen Wagen rennend. Das eine Pferd stürzte zusammen und wurde tobt gedrückt, das andere nahm wunderbarer Weise keinen Schaden. Von den beiden Fuhrleuten wurde der eine zu Boden geschleudert und erhielt so schwere Verletzungen, daß er in das Spital nach Ulrichstein gebracht werden mußte. Der andere Fuhrmann kam glücklicher Weise mit heiler Haut davon. B. Aus dem Kreise Büdingen, 9. December. Von ver- sch'edenen Seiten wird über die mangelhafte Entwickelung des 1894r Aepfelw eines geklagt. Die Klagen stammen, nach den bis jetzt beim Einsender vorgekommenen zahlreichen Fällen, sämmtlich aus Laienkreisen, während die Wlrthe und Obftweinfabrikanten mit dem Gährungs- und Weiterentwickelungsversuch des Astheimers ganz zufrieden sind. Die langanhaltende Nässe im August und September war die Veranlassung, daß das Obst, besonders die Aepfel, viel Feuchtigkeit aufnahmen und Neigung zum Faulen erhielten. Dieselbe Erscheinung zeigt sich bei den Kartoffeln und dem Gemüse. Der diesjährige Aepfelmost ist darum etwas wäfferig i und die Gährung geht etwas langsamer vor sich. Eine Hauptsache ist und bleibt aber die Behandlung der Fässer und hier scheint in 99 von 100 Fällen bei den Laien gefehlt worden zu sein. Die Fäffer müssen mit peinlichster Sauberkeit behandelt werden, wie die Fässer für Bier, Traubenwein und Spiritus. Sind die Fässer unrein, so theilt sich dies dem Aepelwein mit, er bleibt trübe und nimmt einen schlechten Geschmack an. Auch zeigt sich nicht selten Essig. Wir rathen: den ktänkelnden Aepfelwein in ein sehr sorgfältig gereinigtes Faß zu werfen, dieses vorher kräftig auszuschwefeln und zuzuschlagen. ReuZfenburg, 12. December. Ein in der Waldstraße dahier wohnendes Ehepaar wurde vom Schicksal hart heimgesucht. Sonntag Nachmittag sollte das verstorbene zweijährige Kind beerdigt werden, weshalb schon am Vormittag die Einsargung vollzogen worden war. Nachdem letziereS geschehen, verließ die Mutter des tobten Kinbes ihre Wohnung unb besuchte eine im oberen Stockwerke desselben Hauses wohnende Frau, um dieser ihren Schmerz zu Lagen. Als sie nach etwa einer halben Stunde ihre Wohnung wieder betreten wollte, kam ihr ein dichter Qualm entgegen. Auf ihre verzweifelten Hilferufe waren im Nu die übrigen Hausleute herbeigeeilt, die ein im Zimmer befindliches Bett, sowie das für das tobte Kind besonders hergerichtete Lager in hellen Flammen antrafen. Das Bett war ganz unbrauchbar geworden, während die Leiche auf der einen Seite starke Brandwunden im Gesichte aufwies. Ein bei der Leiche brennender Wachsstock hatte, als er abgebrannt war, das Nachttischchen entzündet und die Flamme dann das Bett und das Lager der Leiche erfaßt. Vermifd?te$» * Berlin, 11. December. Wegen Unterschlagung in der könisglichen Münze ist die gerichtliche Untersuchung gegen den daselbst beschäftigten Vorarbeiter E. ein- geleitet worden. In dem erwähnten königlichen Institute wird das Geld in bet Weise fertiggestellt, daß es nach der Prägung in eine dreifach ouslaufende Röhre — Waage — geworfen wird. Diese Röhre ist derartig gebaut, daß die geprägten Münzen durch dieselbe hinausrollen und zwar läuft jedes Geldstück mit richtigem Gewicht durch den mittleren, mit zu schwerem Gewicht durch den rechten und mit zu leichtem durch den linken Abfluß. Die nicht corrrct gefertigten Münzen werden wieder eingeschmolzen und von Neuem geprägt. Der oben genannte Vorarbeiter E. ist nun beschuldigt, durch fortgesetzte Aneignung falschwichtigen Geldes die königliche Münze geschädigt zu haben. Die eingeleitete Untersuchung hat auch so viel Material gegen E. ergeben, daß der Staatsanwalt Anklage wegen Unterschlagung gegen den Angeschuldigten erhoben hat. * Die Bevölkerungszahl Berlins betrug am 18. November 1,719,717. * EiSlebev, 11. December. Nach Berechnungen entführt das Stollenwasser (rund) pro Minute 8466 Kilogramm — 3,9 Cubikmeter, pro Jahr 4,380,000 Kilogramm — 2 Millionen Cubikmeter Salz. Zwei Millionen Cubikmeter festen Steinsalzes jährlich, wird wie es trifft, schafft die Mansfelder Gewerkschaft aus dem Schoße der Erde. Daß ein so gearteter Betrieb irgendwo zum Einsturz des Deckgebirges führen muß, ist so klar wie irgend etwas auf der ganzen Welt. Die Stadt Eisleben hat das grausige Sch'cksal, ihr Fundament nach Maßgabe der obigen Berechnung von Minute zu Minute zu verlieren- die Erderschütterungen und die während derselben (aber auch zu anderen Zeiten) erfolgten ganz eigenartigen Bodenverschiebungen beweisen das. Aber nicht allmählich wird Eisleben versinken, sondern ruckweise, in getrennten Catastrophen wird Eisleben in die T ese stürzen; denn das Deckgebirge oberhalb des Steinsalzes ist viel zu mächtig und compact, um jedem weggewaschenen Cubikmeter sofort nachfolgen zu können. Es wird dann gesagt, daß die bedrohten Einwohner EiSlebens sich nach Wimmelburg und Kreisfeld auf das Ausgehende der Zeichsteinformation oder auf das Rothliegende retten möchten. Diese Aussührungen eines Fachblattes mögen der Wahrheit etwas entsprechen, dürften immerhin aber einen wesentlichen Kern der Angelegenheit enthalten. * Dresden, 13. December. Fünf italienische Gipsfigurenarbeiter zündeten in der vergangenen Nacht in ihrem Scklaf- raume ein Holzkohlenfeuer an, um sich zu wärmen. Heute früh wurden zwei derselben tobt, bie anberen schwer krank aufgefunden. * Ein standesamtliches Aufgebot in — elf verschiedenen Orten dürfte wohl zu den Seltenheiten gehören. Ein solches Aufgebot ist gegenwärtig in Köpnick bei Berlin zum Aushang gekommen. Inhalts desselben beabsichtigt nämlich ein Carousselbesitzer in Rudorf mit seiner Kassirerin in den Stand der Ehe zu treten. Da das Brautpaar sich naturgemäß fast immer auf Reisen befindet, muß bas Aufgebot nach ber gesetzlichen Vorschrift in benjenigen Ortschaften öffentlich bekannt gemacht werben, in welchen beibe Antragsteller sich im Verlaufe ber letzten sechs Monate aufgehalten haben. Es sinb bies im vorliegeuben Falle elf Orte, welche sämmtlich in ber Umgebung Berlins belegen sinb. • Eine Räuberbande vor Gericht. In Palermo ist der Proceß gegen die berüchtigte Bande Manrina, der Schrecken Siziliens, eröffnet worden. Nur zehn Banditen (darunter auch eine tiefverschleierte „Banditenbraut") stehen vor Gericht, die übrigen haben sich gerettet und setzen ihre Schandthaten fort. Die zehn Räuber — darunter ihr eleganter und gebildeter, auch poetisch veranlagter Führer Botindari — sind der fürchterlichsten Greuel, welche sich überhaupt die Phantasie nur ausmalen kann, angeklagt unb ganze Familien haben bie Unholbe jermorbet; um sich an einem Manne zu rächen, welchen sie fälschlicher Weise für einen Pvlizeispion hielten, rissen sie beffen 14jährigem Sohne das Herz aus dem Leibe und schnitten ihm den Kopf ab; einen angeblichen Verräther — es war ein armer Bauer — verbrannten sie lebendigen Leibes rc. Leider ist eine bet’ Hauplbestien, Candino, entkommen und droht nun in Briefen fürchterliche Rache. * Die Tower-Brücke und der Verkehr über dieselbe in den ersten zwei Monaten seit ihrer Eröffnung. Seit diese neue Verkehrsader zwischen Nord- und Süd-London dem Publikum geöffnet ist, stellt es sich immer mehr heraus, wie überaus nöthtg die Anlage derselben war, und überall fragt man sich, wie es möglich war, ohne dieselbe für so lange Zeit fertig zu werden. Vom ersten Tage an nahm sie ihren Rang als die hauptsächlichste Verkehrsstraße Londons ein, unb scwohl Lonbon Bribge, wie auch die von Blackfriars, die beiden bisher belebtesten Brücken, stehen bereits hinter ihr zurück. Die Verwaltungsbehörde der Brücke hat soeben einen Bericht über den Verkehr auf derselben feit der Eröffnung pub- lizirt, dessen Statistik uns ein Büd des geschäftlichen Lebens und Treibens der Riesenstadt London giebt. Die größte Anzahl von Fuhrwerken, die an einem Tage die Brücke passierten, unb wir bürfen nicht vergessen, baß ber bei weitem größte Theil berselben schwer delabene Frachtwagen sind, war 8200, bie geringste Anzahl, am Sonntag, wo ja in Englanb alles Geschäft ruht, 742. Die Durchschnittszahl in 59 Tagen war per Tag 6074. Bei Fußpassagieren muß natürlich die allgemeine Neugierde des Publikums, die zum Theil heute noch fortbauert, in Anschlag gebracht werben, aber keine Stabt wie Lonbon kann solche Zahlen aufweisen. In 62 Tagen pa'firten 3441572 Fußgänger bie Brücke, was im Durchschnitt etwa 55 509 Personen pro Tag auS- macht. Der Durchschnitt stellt sich jeboch wohl noch höher, wenn wir bie Sonntage in Abrechnung bringen, denn nach beiben Seiten hin münbet bie Brücke in reine Geschäfts- gegenben, die am Sonntag gänzlich verlassen sind. DaS Interesse des Publikums an dem Riesenwerke hat bis jetzt noch in keiner Weise nachgelassen, und ist es namentlich baS Oeffnen unb Schließen des Wasserweges, welches stets eine Menge Zuschauer findet. Die Maschinerien arbeiten vortrefflich, und der Verzug für Fußpassagiere und Fuhrwerke, veranlaßt durch Oeffnen und Schließen des Wasserwegs, was im Durchschnitt etwa 21 mal in 24 Stunden stattfindet, beträgt nicht mehr als zwischen 5 bis 7 Minuten. Diese Unterbrechung des Verkehrs ist so kurz, daß man bis jetzt bie angelegten pneumatischen Aufzüge in ben Thürmen, nach unb von bem oberen Fußwege, nicht in Betrieb gesetzt bat, bie einzige Maschinerie, bie, wie eö sich zeigt, hätte in Wegfall kommen können, besovbers ba im Nothfalle btefer obere Weg burch Treppen zu erreichen ist. Nicht oft zeigt ein solches Werk so schnell unb so sicher seinen ungeheuren Nutzen, als es bie Towerbridge thut. Was wir in dcm Bericht ber Verwaltung vermissen und was wir hoffen in bem nächsten zu finden, ist die Zeitersparniß eineß Frachtwagens in einem Tage über den neuen Verkehrsweg gegen früher stromaufwärts und über London Bridge. ♦ Die Toaste nieder.' Der „Pester Lloyd" schreibt: Nicht immer bilden Tischreden die Würze des Mahles. Insbesondere bet uns zu Lande, wo das Toastiren nachgerade zu einer Landplage geworden ist, werden dem Gastgeber sowohl als auch den Gästen sehr oft die Freuden deS MahleS durch bie vielen überflüssigen Trinksprüche verborben. Diesem Uebelfianbe abzuhelfen, hat ein sreunblicher geistlicher Herr, ber seine Freunbe für einen ber nächsten Tage zum Diner geloben, ber EinlabungSkarte bas folgenbe bemerkenswerthe Avis au lecteur hinzugefügt: „Da der Gastgeber feine geladenen Gäste herzlich gern bei sich sieht unb ihnen zugleich auch olles Gute wünscht; ba er ferner vorauSsetzt, baß Derjenige, ber bie Einlabung annimmt, dem Hausherrn dieselben Gefühle entgegenbringt: bittet er, beim Diner alle Trink- sprüche zu unterlaßen." Wahrscheinlich werden, durch diese Bemerkung angelockt, Viele der Einladung Folge leisten, aber ba bie Katze das Mausen nicht läßt, wird wahrscheinlich der erste Toast auf die glückliche Idee des Gastgebers ausgebracht werden. Eingesandt. Gießen, 14. December 1894. Wir erhielten nachstehende Zuschrift: An verehr!. Rebaction des „Gießener Anzeiger". Gestatten Sie in Nachstehendem eine Maßregel an der hiesigen Stadtknabenschule in Ihrem geschätzten Blatte zur Kenntniß zu bringen. Von Seiten des dort angestellten Schuldieners wird Morgens den Kindern ber Eingang in die Schulräume vor Beginn der angesetzten Zeit nicht erlaubt, sodaß die Kinder, welche weit von der Schule entfernt wohnen und infolge dessen angebalten werden, eher etwas früher fortzugehen, um rechtzeitig im Schullocal zu fein, genöthigt sind, wenn sie früher kommen, bei dem gegenwärtig schlechten Wetter im Freien vor dem Schullocal sich aufzuhalten. Es wäre zu wünschen, daß Seitens der Schuidirection veranlaßt würde, früher als zur festgesetzten Zeit eintreffenden Kindern den Aufenthalt in den erwärmten Schulzimmern zu gewähren und den Diener entsprechend zu bedeuten. — Citerafur unb Kunft. — I. Kreyher. Nachtschatten «nd Morgerrlicht auf der Wende der Zetten. Bilder aus dem Untergang Der ai.t'ken unb dem Ausgang der chrichtlichen Welt. 1894. 2 Thle. Stuttgart. Steinkopf. (5 Mk). — Unter den vielen culturgeschichtltchen Bildern aus dem ersten Jahrhundert des Chnstenthums, die unseren gebildeten Christen e n Licht über die Ursprünge ihres Glaubens und einen Spiegel ihrer Versuchungen und Aussicht.n vorhalten, sind die Schilderungen in obigem Buch ganz besonders inhaltreich und lebenswahr. Von den Zeiten d>s Tiberius bis hin zu Domitian, und von den Anfängen der judenchristlichen Gemeinde in Jerusalem bis zu dem weltweiten Heidenchrtstenthum in Ephesus, ziehen in bunter Abwechselung tief dunkle Gemälde von heidnischem und jüdischem Lebenszersall und lichte hohe Figuren ber ersten christlichen GotteS- unb Bruderliebe an unserem geistigen Auge vorüber, voll von ungesuchten Beziehungen zu den Kämpfen und Hoffnungen unserer Gegenwart. Und das Alles nicht in jenem unklaren Gemisch von alter Geschichte und modernem Roman, wie es mit Ausnahme von Uhlhorns „Kampf des EbristenthumS unb Heibenthums" unb Kingsleys einzigartiger „Hypatia" allen ähnlichen Erzählungen bedauerlich andängt, fondern burchgebenb in geschichtlich begrünbeien unb reich aus ben Quellen belegten Darstellungen, die nur jin einzelnen Details unb Combinationen bie geschichtlichen kirchliche Anzeige« der Stadt Giehen. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 16. December. 3. Advent. . Gottesdienst. An der Stadtkirche. Vormittags 9Va Ubr: Ptarrverwalter Dr. Grein. vormittags 11 Uhr: Ktnderkircbe. P'arrverwalter vr. Grein. Nachmittags 5 Ubr: Pfarrer Schlosser. Beichte und bei! Abendmahl für die MottbäilSgrmktnde, zu welchem auch die in den beiden letzten Jahren Neuconstrmirten der MattbSuSgemeinde noch befände-s eingeladen werden. Anmeldungen TagS zuvor im Pfarrhaus (Kirchstraße). I« bet Johannesktrche. BormittagS 9*/i Uhr: Professor D. Reisch le. vormittag« 11 Ubr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde: Pfarrer Dr. Naumann. Grundlinien frei, aber stets kundig auSmalen. Mag eine strenge Quellenkritik DieS und Jenes in der ollzu-vertraulichen Benützung der attsüdtschen und altchrtstltchen Quellen zweiten Grade« wie Jofepbu« und der clementtntfchen Homilien u. A. oewagt und un- wabr'Leinltch finden, im Ganzen wird man zuverlässige und reiche Belehrung, Aufklärung und Erhebung, über die ewta - vorbildlichen Zustände, Stimmungen und Entwickelungen jener „ftüfle der Zetten" finden, wie ste einem gebildeten Christen heutzutage nöthtg ist. Darum sei daS hübsch auSgestattete und billige Buch allen nachdenklichen Gemeindegliedern und besonders der reiferen männlichen Jugend warm empfohlen und für den Weihnachtstisch gewünscht! D. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Beichte und heil. Abendmahl für die LukaSgemeinde 91 kMontag den 17. December, Abends 8 Ujt: Vvelfiittde in Confirmandensaal der Johanne« kirche. Erster Brief des Joh rnne^, Cap 3 von Vers 4 an: Ursprung der Sünde und Kamps wider dieselbe. Pfarrer Dr. Naumann. » Am 2. Wethncchtsfeiertag Belchre und heil Abendmahl für die LukaS- und Johannesgemetnde im VormittagSgoltcsdtenst. Katholische Gemeinde. Sonntag den 16. December. 3 Sonntag im Advent. SamStag: Nachmittags um 4'/, Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sinntag: vormittags von 6'/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; „ um 6i/i Uhr erste hl. Messe; „ um 7V? Ubr Austbeilung der hl. Communion; „ um 8 Uhr zw ite hl. M^sse; Militärgotteedtenst mit Predigt. „ um 9Vi Ubr Hochimt mit Predigt. Ablnds um 6 Uhr sacramemalische B-Üderschaftsandacht. Dereitt für jüdische Geschichte und Literatur r Wetzsteingasse 8, Nachmittags 2 Uhr. 7737 Lavsendfache- Lob, notariell bestät., über den Holl. Labak von B. Becker in Seesen 0. H. Ein 10 Pid. - Beule! sco. 8 Mk. hat die Exp. d. Bl. etngesehen. 7830 1895 werden geschmackvoll angefertigt in der Brühl’schen Druckerei Schulstrasse 7. | Hsujahrs- Glückwunschkarten Verdingung. Die zur Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern auf dem städtischen Friedhöfe erforderlichen Knhrleiftungen, nämlich die Abfuhr von 150 cbm schlechtem Grund in die Nordanlage, sowie die An fuhr von 200 cbm gutem Mutterboden aus der verlängerten Bismarck- straße, soll Samstag den 15. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, auf dem Stadtbauamte vergeben werden. Voranschlag und Bedingungen liegen daselbst zur Einsicht offen, auch sind Formulare für Angebote, die bis zu obigem Termin bei dem Stadtbauamt einzureichen sind, dort erhältlich. Gießen, den 12. December 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 10129 Gnautb. Bekanntmachung. Darmstädter Zuchtviehmärkte im Jahr 1895. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die Darmstädter Zuchtviehmärkte im Jahr 1895 an nachverzeichneten Tagen abgehalten werden: 8., 22. Januar, o., 19. Februar, 5., 19. März, 2., 23. April, 7., 21. Mai, 4., 18. Juni, 2., 16. Juli, 6., 20. August, 3., 17. September, 1., 15., 29. October, 12., 26. November, 10., 24. December. Zugleich wird bemerkt, daß auf dem hiesigen Viehmarktplatz Samstag den 16. März 1895 aus Veranlassung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins ein Aasel-Markt abgehalten wird. Darmstadt, 8. December 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Darmstadt. Morneweg. 10151 Der Steckbrief vom 27. October 1894 gegen den Schuhmacher Wilhelm Höfeld aus Blofeld ist erledigt. 10148 Frankfurt a. M., 8. Dec. 1894. Der Erste Staatsanwalt I. A.: ___________Schulte.___________ Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. Mittwoch den 19. Decbr. 1894, Vormittags 9ya Uhr beginnend, sollen im Fernewald, Disirict Steinertswald, versteigert werden: 115 FichteN'Stämme mit 103,77 fm (darunter Schnittholz), 14 rm Eichen.Nutz Scheitholz (für Küfer geeignet), 32 „ Elchen-Scheitholz, 29 „ Birken-Scheitholz. 2 „ Nadel-Knüppelholz, "75 „ Eichen-Scheitholz, 1 „ Birken Knüppelholz, 9 „ Nadel-Knüppelholz, 85 „ Eichen-Stockholz, 41 „ Nadel-Stockholz, 4 240 Wellen Eichen-Reisig, 50 „ Birken-Reisig, 1800 „ Nadel-Reisig. Die Zusammenkunft ist am Müller- weg. Gießen, den 13. December 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. __________Gnauth. 10159 SM. SWWaus. Freibank. [10150 Heute Ochsenfleisch nicht ladenrein, pr. Pfd. 56 Pfg. Zu Weihnachten g ,empfehlendes Neueste: GrMchafts- u. ISelbstbkschastisullgg- Spiele, als: Halma, Attaco, Via Passare, Schnapp, Tittle de Winks, Reise- und Geschichtliche Spiele, Schach, Dambrett, Dominos, Tivolis und Spielmagazine etc. in bekannter größter Auswahl und billigsten Preisen. [9805 I. H. 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Arzt Herrn Dr Bol- beding in Düsseldorf, Königs aller 6. welcher mich schon in kurzer Zett von meinem Leiden befreite. Ich kann deshalb Herrn Dr. Volbeding nicht genug danken und empfehle denselben allen leidenden Menschen. 9551 Friede. Barten, Speldorf bei Mülheim a. d. Ruhr. , I Ankanf* alter Bücher und Bilderwerke. Angebote ganzer Bibliotheken,, sowie W einzelner Bücher erbittet die J. Ricker’sche Buchhandlung Giessen.