1894 Donnerstag den 1» November Erstes Blatt. Nr. 268 Gießener Anzeiger Generat-Unzeiger. Redaction, Expedition, imd Druckerei: Schutstratze ^lr.7. Fernsprecher 51. vierteljähriger NSoanemeatsprei«: 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Mg. Die Gießener Jiamtrienbkätler werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal brigelegt. Der Gießener Anzeiger erlcheint täglich, mu Ausnahme deS MonlagS- Zlints- und Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Amtliche* Theil. Lehrer-Conferenz des Conferenzbezirks Lich - Hungen Donnerstag, den 22. November, Vormittags 10 Uhr, in Hungen. Lieder: 2. 4. 37. Gießen, den 14. Novemher 1894. Büchner, Schulrath. Zur Reorganisation des Getreidehandels. Am 5. und 6. d. M. ragte, wie kurz gemeldet, im Ab- geordnetenhause unter Leitung des zweiten Bundesvorsitzenden Rösicke der zur Berathung über die Reorganisation des Getreidehandels eingesetzte Ausschuß des Bundes der Land- wirthe. Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1) a. Der dermalige Preisstand deS Getreides deckt die ProductionSkosten nicht mehr, so daß die Landwirthschaft Deutschlands, die auf den Getreidebau in erster Linie angewiesen ist, in ihrer Existenz schwer bedroht erscheint. Der heute geltende Grundsatz des schrankenlosen internationalen Ausgleichs der Getreidepreise auf der PreiSbafis der nied« rigft entwickelten Culturvölker bedeutet eine wesentliche Störung der kulturellen Entwicklung unseres Vaterlandes, b. Der Rückgang bezw. der Ruin des deutschen Getreidebaues und feer deutschen Landwirthschaft stellt eine Preisgabe des Vater- landes seinen äußeren und inneren Feinden dar. c. Dem- gemäß liegt es im Interesse der Gesammtheit, daß schien- nigst Wandel geschaffen werde. 2) Eine Besserung der Verhältniffe ist durch die Selbst- Hülse allein nicht zu erwarten, sondern Staat und Reich müssen rückhaltlos alle geeigneten Wege beschreiten, die vorhandenen, offenliegenden Schäden zu beseitigen und die Folgen feer geschlossenen Handelsverträge und der internationalen Getreidespeculation abzuschwächen bezw. zu beseitigen. 3) Hiernach erscheint vor Allem eine durchgreifende Reform der Getreidebörse auf der Basis des reellen Geschäfts in Effectivwaare nothwrndig. Das internationale Zusammenwirken der Börsen in seinem jetzigen Umfange und in seiner jetzigen Gestaltung ist eine der Hauptursachen des heutigen traurigen ZustandeS der Getreidepreise. 4) Die Bestrebungen zur Ordnung der internationalen Währungsverhältniffe sind aus nationalwirthschaftlichen Gründen möglichst zu unterstützen, und zwar in Verbindung mit einer besonderen Controle der Aufnahme öffentlicher Anleihen für daS Ausland. 5) a. Die Errichtung von staatlichen Kornhäusern und feie Organisation der Landwirthschaft zwecks genoffenschaft« licher Benutzung derselben ist gleichzeitig inS Werk zu setzen, b. die rückhaltlose staatliche Förderung und Unterstützung der Kleinbahnen, besonders eine entsprechende Subvention derselben muß gefordert werden, da Kanäle und Großbahnen in erster Reihe dem Großhandel und dem internationalen Verkehr dienen. In dieser Beziehung wird insbesondere auch das Tarifwesen einer völlig neuen Regelung bedürfen, mit dem Ausgangspunkte,.daß der Jnlandsverkehr entgegen dem bisherigen Verfahren, dem Transitverkehr gegenüber eine nachdrücklichere Bevorzugung erfährt. 6) Die Aufhebung der sog. gemischten Transitläger für Getreide, die keinerlei Förderung der nationalen Wirthschaft bewirken, erscheint unbedingt nothwendig. 7) Da aber auf den bisher gekennzeichneten Wegen eine schleunige und zureichende Besserung der Verhältniffe allein nicht zu erwarten steht, ist es Aufgabe deS Staates, Mittel zu finden, um ohne Schädigung der wahren Jntereffen der Confumentenkreise einen den ProductionSkosten entsprechenden Preis des Getreides im Jntereffe der Erhaltung des wichtigsten Gewerbes im Staate zu erzielen. Behufs weiterer Verfolgung und Ausgestaltung dieser Beschlüffe im Einzelnen wurde ein Unterausschuß eingesetzt. Deutsche- Reich. Berlin, 13. November. Mildem jetzigenpreußischen LandwirthschaftsministerFreiherrn v. Hammerstein- Loxten ist wiederum ein „neuer Mann" auf den Berliner Regierungshöhen erschienen. Der neue Landwirth. schaftsminister hat gleich seinem nunmehrigen Collegen im Reffort des Inneren, Herrn v. Köller, politisch früher au dem Standpunkte der entschiedenen Rechten gestanden, ob er jedoch diese Anschauungen auch als Minister geltend machen wird, dies bleibt ebenso noch abzuwarten, wie bei Herrn v. Köller. Jedenfalls ist bei der liberalen Vergangenheit lzeigeblcrtt für den ratisbeilage: Gießener Kamikienötätt< des Fürsten Hohenlohe, als deS leitenden Staatsmannes, anzunehmen, daß weder die Berufung des Herrn v. Köller noch diejenige des Herrn v. Hammerstetn in die Regierung eine zu einseitige Strömung in derselben nach rechts hin zur Folge haben wird. Im Uebrigen sind über den neuen Landwirrhschaftsminister mancherlei Gerüchte verbreitet worden, die sich als leeres Gerede Herausstellen. So hieß es u. A., Freiherr von Hammerstein-Loxten habe welfische Gesinnungen bekundet, welches Gerücht indeffen im „Hannov. Cour.", dem Organe Herrn v. Bennigsens, als unbegründet mit Entschiedenheit zurückgewiesen wird. Es hätte aber dieses Dementis überhaupt kaum bedurft, denn es ist doch sonnenklar, daß ein activer preußischer Minister niemals zugleich auch ein Parteigänger des Welfenthums sein kann. — Die Ernennung des Nachfolgers für den zu-ückgetretenen preußischen Just i z Minister D r. v. Schelling verzögert sich auffällig. Es ist daher erklärlich, wenn immer neue Muthmaßungen über die Persöu- lichkeit des künftigen Justtzministers austauchen. Am meisten genannt wird hierbei der Name des Präsidenten des Ober- landesgerichtes zu Celle, v. Schoenstaedt, daneben wird jedoch versichert, es sei das Portefeuille des Justizministers noch über den Kreis der bekannten Namen hinaus angeboten worden, jedoch überall ohne Erfolg. Daneben scheint die Combination, wonach der Cultusminister Dr. Bosse das Justizreffort wahrscheinlich übernehmen würde, wieder fallen gelaffen worden zu fein. — lieber die politische Sei te des Aufenthaltes des Reichskanzlers Für ft enHohenloheinMünchen verlautet, es sei in den Besprechungen deö Kanzlers mit den dortigen leitenden Persönlichkeiten namentlich die Frage der Bekämpfung der Umsturzbeftrebungen zur Erökterung gelangt. Es heißt, die wesentlichen Aenderungen, welche an dem ursprünglichen Entwürfe der Vorlage gegen die Umsturzbestrebungen vorgenommen worden seien, hätten ernste Bedenken der bayerischen Regierung erregt. Wahrscheinlich sei Fürst Hohenlohe während seines Aufenthaltes in der bayerischen Hauptstadt bemüht gewesen, diese Bedenken zu zerstreuen, mit welchem Erfolge, dies stehe noch dahin. — Nach einer Mittheilung des „Reichsanzeigers" ist die Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über die Reform des Börsenwesens im Gange. DaS amtliche Blatt meint, der Gesetzentwurf werde vermuthlich binnen Kurzem dem Bundesrathe vorgelegt werden können. Ausland. Petersburg, 12. November. Eine bedeutsameKund- gebung des russischen Ministers des Auswärtigen, Herrn v. Giers, anläßlich des RegierungS- antrittes des Kaisers Nicolaus wird soeben bekannt. Sie ist in die Gestalt einer Circulardepesche des Petersburger Auswärtigen Amtes an die diplomatischen Vertreter Rußlands im Auslande gekleidet. In der Depesche wird versichert, Czar Nicolaus werde alle seine Kräfte der Entwicke- lung des inneren Wohlstandes Rußlands weihen und in nichts von der durchaus friedlichen, loyalen und festen Politik seines VaterS abweichen. Weiter erklärt die Depesche, Rußland werde seinen Ueberlieferungen treu bleiben, mit allen Mächten fortgesetzt freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten suchen und fortgesetzt in der Achtung vor dem Recht und der gesetzlichen Ordnung die beste Gewähr für die Sicherheit der Staaten erblicken. Schließlich versichert die Depesche, die Regierung des neuen Czaren werde an dem Streben der Regierung des vorigen Czaren, ein starkes und glückliches Rußland zu deffen eigenem Besten und zu Niemandes Schaden zu schaffen, fefihalten. Diese Versicherungen bilden eine werthvolle und wohlthuend berührende Ergänzung der Erklärungen in dem Manifeste des jungen Czaren. Neueste Nachrichten. • Wolff» telegraphische» Eorrespondm,- Bureau. Berlin, 13. November. Die hiesige chilenische Gesandtschaft erklärt die Meldung des „Newyork Herold", daß in Chile die Truppen confignirt feien', für vollständig unbegründet. Hamburg, 13. November. Seit heute früh 3 Uhr wüthet ein orkanartiger Südwestfturm, der viele Schäden an Dächern, Schornsteinen, Fenstern und kleinen Fahrzeugen angerichtet hat. Auf der Elbe wurde der Lloyd- dampser „Preußen", der bei der Werft von Blohm u. Voß lag, losgeriffen und verursachte mehrfach Schaden, blieb aber selbst unbeschädigt. Von Verletzungen von Menschen ist nichts Kreis Gieszen. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. bekannt geworden. Der Telephonverkehr mit Lübeck ist unter brochen, nach anderen Richtungen nur erschwert. Lübeck, 13. November. Ein orkanartiger Süd- weststurm hat an den Häusern großen Schaden anaerichtet- der Glockenthurm der Marienkirche gerieth inS ^wanken. Auf dem Dampfer „Straßburg" wurde ein Matrose durch den Sturm vom Mast herabgeschleudert und schwer verletzt. Brussel, 13. November. In der Kammer und im Senate wurde die Erklärung verlesen, die die Regierung anläßlich des Todes des Czaren nach Petersburg sendet. Der socialistische Senator Desessarts weigerte sich, dieser Er- klärung zuzuftimmen. . Petersburg, 13. Mwember. Der „Regierungsbote meldet: Der Kaiser hielt bei dem gestrigen Empfange der Vertreter der Stände Moskaus folgende Ansprache: Mir ist es schwer schmerzlich, jetzt in Moskau zu fein, das mein unvergeßlicher Vater so herzlich liebte. Allein die Kaiserin und ich finden einen wahren Trost in den Gebeten, die ganz Rußland in diesen Tagen emporsendet in Thronen, die ganz Rußland weint. Gott helfe mir, unserer heißgeliebten Heimath ebenso dienen, wie mein dahingegangener Vater diente und sie führen auf den Hellen strahlenden Weg, welchen er gewiesen. _ Petersburg, 13. November. Um 8 Uhr Morgens wurde am Trauerzug auf der Station Ljubeny der Nikolai-Bahn von der Geistlichkeit ein Gottesdienst gehalten. Die An- fünft des Leichenzuges auf dem Bahnhofe in Petersburg wurde von der Ehrenwache erwartet. 60 Pagen waren mit brennenden Kerzen, auf jeder Seite sechs PalaiS'Grenadiere, sowie vier Leibkosaken vor dem Leichenwagen placirt. Im Innern des Bahnhofs, wo der Leichenwagen wartete, wurde das Publikum nicht zugelaffen. Die umgebenden Mauern waren von dem Volke dicht besetzt, auch einige Dächer, obwohl dies polizeilich verboten war. Als die Herrschaften auS dem Bahnhofe herauStraten, wurde der Sarg von Palast- Grenadieren auf den Katafalk des Leichenwagens aufgestellt. Hunderttausende erwarteten vor dem Bahnhofe die Leiche deS Kaisers. Vor dem Bahnhofe stand in erster Linie eine ES- cadron der Chevalier-Garde, eine Escadron Leib-Kosaken, läng« des großen Weges bis zur Polizeibrücke war eine halbe Stunde lang auf beiden Seiten Cavallerie aufgestellt, an letzter Stelle daS Leibhusarenregiment. Petersburg, 13. November. Der Leichenzug de» Kaisers Alexander III. bewegte sich rn einer Ausdehnung von 5 Werst den Newsky-Prospect entlang, dann wie im Programm vorgesehen über den Admiralitäts-Prospect und den englischen Quai und war gegen 1 Uhr über die Nikolai- brücke und den UniversitätS-Quai an der Börse nach dem Alexander-Park eingebogen. Es war bereits gegen l/-2 Uhr, als die Leiche deS Kaisers unter dem Donner der FeftungS- geschütze an ihrem Ruheplatze, der Peter-PaulS-Kathedrale, anlangte. Zunächst seinem Ausgangspunkte, dem Moskauer Bahnhofe, wurde der Trauerzug von der dort belegenen Kirche mit Geläute empfangen, die Geistlichkeit war herauS- getreten, der Trauerwagen hielt an und eine kurze Messe wurde gelesen. Vor dem Anitschkow-PalaiS, dem Wohnsitze des verewigten Kaisers, ward ein weiterer Aufenthalt gemacht und Gebete wurden in tiefer Andacht verrichtet- auch vor der Kasan Kathedrale und der Isaak Kathedrale, sowie, schließlich vor der historischen Dreifaltigkeitskirche in der Nähe der Peter-PaulS-Festung, stand der Zug stille zu kurzen Gottesdiensten. Kaiser Nikolaus, sowie der Prinz von Wales legten die ganze Strecke hinter dem Trauerwagen zu Fnß zurück. Von den Fürstlichkeiten war nur Großfürst Wladimir als Oberftcommandirender des Garde- corpS zu Pferde. Der Kaiser trug die Oberstuniform de« Preobraschenski Regiments, der Prinz von Wales russische Marineuniform. Die gelammte Geistlichkeit Petersburg« schritt vor dem Leichenwagen einher, auf welchem vier Stabsoffiziere sich zu Seiten des Sarges bcfancen. Der Zug war von feierlichem und zugleich sehr großartigem Eindruck. Alles war aufgeboten worden, um die letzte Ehre dem Landes- Herrn glanzend zu gestalten. Auch die religiöse Seite de« Ceremouiells war von tiefer Wirkung. Auf dem Wege standen die Menschen Kopf an Kopf, alle Fenster waren dicht besetzt. Vor der evangelischen Petrikirche auf dem NewSki-Prospekt hatte sich die gelammte evangelische Geistlichkeit Petersburgs ausgestellt, um dem tobten Landesherrn ihre Ehrfurcht zu bezeugen. Ueberall verharrte die Menge, wenn die Leiche vorbeifuhr, in tiefernster Haltung und in stillem Gebete. — An Trauerdecorationen auf dem Wege deS Zuges hatte Petersburg trotz der Kürze der Zeit Großartiges hergestellt. Wirkungsvoll erschienen die Trauerpyramiden, die urnentragenden Säulen und die Trauerbogeu, welche die Municipalität errichtet hatte. Feierlich stimmte der Trauerschmuck der Laternen, würdig war die Ausstattung vieler öffentlicher und privater Gebäude. Namentlich machte tiefen Eindruck die Trauerdecoration an der Außenseite des Gemaches des verewigten Kaisers im Anitschkow PalaiS. NeworleanS, 13. November. In der vorigen Nacht brach auf der Werft der TexaS-Pacific-Eilenbahn Feuer aus, burd) welches 28000 Ballen Baumwolle vernichtet wurden. Ein großer Thetl derselben war für eine Liverpooler Firma bestimmt. Es liegt zweifellos Brandstiftung vor. WB. Elberfeld, 14. November. Die „Elberfelder Ztg." meldet: In vergangener Nacht sind bei einem schweren Brandunglück in der Ktpdorfstraße sieben Hausbewohner und ein rettender Schutzmann verbrannt bezw. erstickt. WB. Berlin, 14. November. Der Kaiser genehmigte die erbetene Enthebung Schellings vom Amte als Justiz- Minister unter Verleihung der Brillanten zum Großkreuz des Rothen Adler-OrdenS und ernannte den OberlandeSgerichtS* Präsident Schönstadt zum Justizmtnister. Gerüchte über weitere Ministerveränderungen sind sämmtlich unbegründet. Depeschen des Bureau »Herold". Berlin, 13. November. Der Kaiser empfing heute Bormittag den Präsidenten deS OberlandeSgerichtS in Celle, Schoen st e b t; danach ist anzunehmen, daß die Ernennung desselben zum Justizminister bevorsteht. Berlin, 13. November. Der chinesische Gesandte am Berliner Hofe hat nunmehr beim Auswärtigen Amte die Aufforderung Chinas an Deutschland, sich der Action der übrigen Mächte zur Friedensvermittelung im Streite mit Japan anzuschlteßen, formell überreicht. Berlin, 13. November. Wie die „Kreuz-Ztg." aus best- unterrichteter Quelle vernimmt, wird die Hochzeit des Kaisers Nicolaus II. mit der Prinzessin Alix von Hessen am 22. November stattfinden. Berlin, 13. November. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat die Kundgebung, welche ihm zu Ehren von den Vereinen und der Bevölkerung Straßburgs geplant ist, angenommen und den Wunsch ausgesprochen, dieselbe möge in der Art eines Lampionzuges am kommenden Sonntag, den 18. November, Abends gegen 6 Uhr, stattfinden. Berlin, 13. November. Das StaatSministerium trat heute Mittag zu einer Sitzung zusammen. Den,Vorsitz führte in Abwesenheit des Fürsten zu Hohenlohe der Vice- Präsident von Bötticher. Berlin, 13. November. Die „Kreuzztg." beharrt dabei, daß bisher von keiner Sette der CultuSminister Dr. Bosse aufgefordert worden ist, daS Justizministerium zu übernehmen. Berlin, 13. November. Die auf heute festgesetzte Truppenvereidtgung ist auf Donnerstag verschoben worden, weil die Sternwarte für heute Sturm und Regen angekündigt hat. Berlin, 13. November. Der „Post" zufolge gilt es in gutunterrichteten Kreisen für wahrscheinlich, daß dem Landtage in seiner kommenden Tagung eine Vorlage betreffend die Ausdehnung des Anerbenrechts auf die Rentengüter und Ansiedelungen gemacht werden dürfte. Karlsruhe, 13. November. In mehreren Gemeinden des Amtsbezirks Waldshut sind einige 30 Personen, wahrscheinlich infolge Genuffeö von verdorbenen Wurstwaaren, erkrankt. Troppau, 13. November. 320 Arbeiter deS Albrecht- schachte- Peterswald stellten gestern die Arbeit ein. Der Betrieb ist unterbrochen worden. Triest, 13. November. Zwischen Italienern und Slovenen kam es hier gestern zu blutigen Ausschreitungen. Czernowitz, 13. November. Gegen die „Gazetta Polska" und die „Bukowtnaer Rundschau" wurde wegen Veröffentlichung der unwahren Meldung, daß ein hoher General für eine Million Gulden einer auswärtigen Macht Festungspläne verkauft habe, die strafgerichtliche Untersuchung eingeleitet. Rom, 13. November. In San Remo erfolgte die Verhaftung eines angeblichen Anarchisten, der gegen den dort weilenden Großfürsten Michael ein Attentat geplant hatte. Bruffel, 13. November. Heute Nachmittag fand gleichzeitig die Eröffnung des Senats und der Kammer statt. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich vor der Kammer postirt, den socialistischen Abgeordneten Ovationen darbringend. Nach der Constituirung deS Bureaus forderte der Präsident die Mitglieder auf, sich zur Beileidsbezeugung für den Czaren Alexander von den Sitzen zu erheben. Die socialistischen Abgeordneten kamen der Aufforderung nicht nach. Alle Socialtsten haben den Eid geleistet. Bruffel, 13. November. In der verflossenen Nacht wüthete über ganz Belgien ein heftiger Stu rm, welcher große Verheerungen anrtchtete. Viele Schornsteine wurden umgerissen, große Bäume entwurzelt, Häuser abgedeckt. Mehrere Personen wurden durch herabsallende Dachziegel verwundet. Zahlreiche Fischcrbarken sind mit Insassen um* gekommen. Paris, 13. November. Durch den hier gestern wüthenden Sturm sind, neben erheblichem Materialschaden, drei Per* sonen getödtet und mehrere schwer verletzt worden. Madrid, 13. November. An der ganzen spanischen Küste herrscht ein heftiger Sturm. 17 Schiffe haben sich schwer beschädigt nach St. Johann de Luzbai geflüchtet. Die meisten telegraphischen Verbindungen mit Madrid sind zerstört. Loudo», 13. November. Im Gerichtsgebäude wurde gestern eine eiserne Bombe, welche mit einem Zündfaden versehen war, aufgesunden. Loudon, 13. November. Die im Justizpalaste aus* gefundene eiserne Bombe hat 12 Zoll Durchmeffer und ist 5 Pfund schwer. Sic wurde sofort In Wasser gelegt und zur Untersuchung zum Polizeisecretariat gesandt. Belgrad, 13 November. Neuerdings treten hier wieder Gerüchte über CabinetSkrisen auf; nähere Miltheilungen entziehen sich vorläufig noch der Oeffentlichkeit. jCoeafcs unb provLitzteller. Gießen, bett 14. November 1884. ** Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 10. November den seitherigen provisorischen dritten Arzt bei der LandeSirrenanftalt Dr. med. Heinrich Konrad Kratz aus Lich zum dritten Arzt bei der LandeSirrenanftalt zu ernennen. ♦♦ Oberhesfifcher Gefchichtsverein. Den Patronen deS Oberhessischen Geschichtsvereins ist in diesen Tagen nunmehr auch die Stadt Schlitz mit einem ansehnlichen Jahresbeitrag beigetreten. Außer Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig zählt der Verein jetzt die Städte Gießen, Alsfeld und Schlitz zu seinen Patronen. Die erste Wintersitzung, welche einen für die Geschichte des geistigen Lebens in Gießen im vergangenen Jahrhundert recht interessanten Vortrag bringen wird, soll zu Ende dieses Monats stattfinden. ** Panorama. Eine ganz neue Serie „Paris und CarnotS Trauerzug" wird morgen Donnerstag im Panorama zum ersten Male dem Publikum gezeigt werden. Der neue ' Präsident der Republik, Casimir Perier, wird am Katafalk sowie im Trauerzuge zu sehen sein. Sodann das Cafe Terminus, wo das viel besprochene Bombenattentat stattfand, eine Vorstellung im Hippodrom, Ball in der Salpetriere, die großartigen Bauten, Sehenswürdigkeiten u. A. Von Monumenten find vertreten Gambetta, Statue der Republik, Statue von Straßburg und die in letzter Zeit soviel genannte Jeanne d'Arc. ** Nordlicht. Gestern Abend zwischen neun und zehn Uhr wurde am nördlichen Himmel ein prachtvol les N ordlicht, eine in unseren Breiten ziemlich seltene Naturerscheinung, beobachtet. Ein dunkeles Segment war durch einen rothen Lichtschein abgegrenzt, und aus dem leuchtenden Kreis ragten drei Helle Strahlenbänder bis beinahe ins Zenith hervor. Eines dieser Bänder ging durch das Sternbild des großen Bären. Aeußerst intensiv roth gefärbt war zuweilen der nördliche Himmel und rasch der Wechsel in der Stärke der Erscheinung. Kurz nach zehn Uhr verblaßte das Nordlicht, daS an Glanz und Schönheit früher hier beobachtete weit übertraf. ** Kinderhort und Spielrafeu. Wir erhielten nachstehende Zuschrift: Mit Kinderhort und Spielrasen haben sich unsere Stadtverordneten in jüngster Zeit beschäftigt und durch ihr Votum gezeigt, daß sie den Kinderhort für dringender erachten, al« den Spielrasen. Es ist allerdings unbestreitbar, daß ein gewisser Theil der Kinder infolge der Beschäftigung der Eltern nach der Schule ohne jegliche Aufsicht ist, wodurch erziehliche Schäden mancher Art entstehen. Auch die körperliche Pflege leidet Noth, und es kann von Seiten der Eltern nur freudig begrüßt und dankbar angenommen werden, wenn ihre S?lnber in der schulfreien Zeit sich in schützender Obhut befinden und ihnen geistige und leibliche Nahrung verabreicht wird. Die wesentlichsten Erfolge deS Kinderhortes hängen in erster Richtung von der Art der Beaufsichtigung der Kinder, von der Beschäftigung derselben und von dem Aufenthaltsort selbst ab. Die Beaufsichtigung darf keine streng schulgemäße sein, weil sie familiär sein soll, die Beschäftigung wird dieselbe sein müssen, wie sie den Kindern in der Familie zukommt und der Aufenthaltsort soll oder sollte ein solcher sein, der einer Schule möglichst wenig ähnlich sieht, ein Ort, an dem nicht der Schulunterricht fortgesetzt wird, sondern an dem sich das Kind als freies Kind bewegen kann. Wenn ein Kind täglich 5 bis 6 Stunden in der Schule nach Vorschrift stillgesessen, so fühlt es das Bedürfniß, ohne Zwang und strenge Aufsicht sich unterhalten zu könne«, zu springen und zu spielen und seinem kindlichen Drang nach Freude und körperliche Be- thätigung in seiner Weise Ausdruck zu geben. Gehen wir diesem natürlichen und allein richtigen Verlangen nach, so führt uns der Weg zum Spielrasen, zum frohen freudigen Spiel in Gottes schöner Natur, in der das Kind sich wohl fühlt, frei von den beengenden Fesseln der Schulzucht und glücklich, wie ein Kind es nur sein kann. Hierin liegt der große Werth unserer Spielplätze, hierin liegt die erziehliche Bedeutung derselben, für die man noch so wenig Verständniß zu haben scheint, weil die Einrichtung eine Abweichung vom Althergebrachten ist und doch in gewisser Beziehung wieder eine Rückkehr zu früheren Zeiten, in denen die Jugend in Wiesen, Feld und Wald sich tummelte. Heute springt sie in den Gassen umher und auch dort ist das Spiel nicht gerade polizeilich erlaubt. ES darf ja kein eingehegter Platz in den öffentlichen Anlagen betreten, der Verkehr in den Straßen durch das Spiel der Kinder nicht gestört werden im Interesse ihrer eigenen Sicherheit. So ein Rattenfänger von Hameln müßte sie aus allen Straßen hinauslocken auf den Spielrasen, dort aber auch mit ihnen zu spielen verstehen, und es verstehen, ein Kind unter Kindern zu sein. Welch' großen Werth für die sittliche Erziehung der Kinder hat diese unbefangene Fröhlichkeit, dieser fröhliche Verkehr mit anderen Kindern im Spiele im Freien, mehr alö die schönsten Moralpredigten in dumpfer, staubiger Stube. Draußen, im frohen, ruhigen oder auch tollen Spiel mit den Kameraden, da offenbart sich das innere Wesen deS Kindes, da strahlt daS Auge vor Freude, da hebt sich auch die Hand, um eine kleine vermeintliche Unbill zu rächen, der Zorn wallt auf, doch spielend wird sofort wieder alles ver- geffen. Der Spielrasen, den Kindern in richtiger Weise zu- gänglich gemache, ist für die körperliche und geistige Gesundung unserer Jugend ungleich werthvoller, als eine Behütung derselben in den Schulräumen. Kinderhort und Spielrasen gehören zusammen, der erstere ist verfehlt, wenn der letztere nicht vorhanden ist. Ja „aber als der Winter kam"? Wenn es regnet und schneit, bann kann auch der Alltags-- läufer nicht hinaus, allein ein im Sommer und Herbst in frischer Luft gestählter Körper ist widerstandsfähiger gegen die ungünstigen Einflüsse des Winters, und da- fiinb, baS im Sommer sich auf dem Spielrasen herumgetummelt, wird unzweifelhaft besser die Unbilden des Winters ertragen, als das nach der Schule im Kinderhort eingefperrte. Der Kinderhort ist nur ein schwacher Nothbehelf für die fehlende häusliche Erziehung und eS würde besser fein, wenn man gar nicht an derartige Ersatzmittel hätte denken müssen und wenn es möglich wäre, die betreffenden Familien derartig zu haben, daß die Mütter ihren natürlichen Beruf erfüllen und im eigenen Heim ihre Kinder nähren und erziehen könnten. Ist es zur Zeit unmöglich, diesen wichtigen Theil der socialen Frage radical zu lösen, muß man zu Noth- behelfen greifen, um die socialen Mißstände wenigstens zu mildern, so sollte man dieselben wenigstens so zweckmäßig als irgend möglich einrichten. Deshalb unterlaffe man es nicht, als unerläßliches Requisit des Kinderhorts einen Sptel- rafen zu schaffen, und die Schaffung eines solchen mit den für den Kinderhort bewilligten Mitteln zu ermöglichen, jedenfalls zu erleichtern. Lich, 13. November. Dem feit einigen Monaten im Amt befindlichen neu gewählten Herrn Bürgermeister Heller ist in Anerkennung seiner vielen Verdienste, die sich derselbe während des Einzugs und bei den Empfangsfeierlichkeiten des jungen fürstlichen Erbprinzenpaares erworben hat, von Seiner Durchlaucht dem Fürsten von Hohensolms-Lich dessen Portroit verliehen worden. AlSseld, 10. November. Dem durch seine altdeutschen Webereien rühmlich bekannten AuSstattungs- und Wäsche- Geschäft von H. L. Berck, Hoflieferant, wurde auf der Frankfurter Ausstellung für Kochkunst rc. die silberne Medaille für hervorragende Leistungen in Tifchzeugen für Hotels und Restaurants, sowie altdeutschen Gedecken verliehen. L. A. Nieder Gemünden, 10. November. Die in der hiesigen Gemarkung gelegene sogenannte „Dickn elsmühle" wurde vor mehreren Jahren in eine Schneidemühle umgebaut. Seit vorigem Jahr hat die Firma „Deutsche Mannagesellschaft" darin einen Betrieb errichtet, tn welchem Buchenreisig in Futtermittel verarbeitet werden soll. Dieser Betrieb hat jedoch wegen Unrentabilität nach kurzem Bestehen aufgehört; denn die Firma ist bereits im Firmenregister gelöscht. Auch hat die Gesellschaft ihre Holzvorräthe bereits verkauft. Ulrichstein, 11. November. Ein Landwirth in Helpershain stieß beim Pflügen eines Ackers auf einen harten Gegenstand, der sich bet näherer Betrachtung als ein irdener Topf erwies, gefüllt mit 33 meistISp ezi es-Th a ler n. Dieselben, von 1560 bis 1591 reichend, zeigen tn theil- weiser prachtvoll erhaltener Prägung verschiedene Kurfürsten von Sachsen und Philipp II. von Spanien. Der Topf wurde leider zertrümmert; die Münzen gingen in den Besitz dc- Herrn Dr. N. in Ulrichstein über. Ilbeshausen, 11. November. Dem Sohn des hiesigen Müllers Johs. Jost ging gestern Mittag, als er von Grebenhain kam und den Berg hinunter fuhr, das Pferd durch, er verunglückte dabei, indem er einen Beinbruch davon trug. Der Verunglückte wurde alsbald tn das Krankenhaus nach Lauterbach gebracht. V. AuS dem Vogelsberge, 12. November. Welcher Beliebtheit sich unsere Vogelsberger Hölzer bis weit hinaus erfreuen, geht daraus hervor, daß bedeutende Holzquantitäten nach Freiburg im Breisgau und nach Ruhrort am Niederrhein abgegeben worden sind und zwar aus der 1894/95er Holz- erntc auf dem Submissionswege. Die alljährlich wieder- kehrenden großen Holzversteigerungen beginnen erst nach i Neujahr. Die Hölzer für Ruhrort sind Eichen-Grubenholz [ und diejenigen für Freiburg im Breisgau sind Buchen- Stammholz und Eichen-Schwellenholz. Obgleich die Stadt Freiburg den holzreichen Schwarzwald viel näher hat als den Vogelsberg, werden die Hölzer, welche der Schwarzwald nicht erzeugt, bei uns aber in trefflicher Qualität gedeihen, gerne gekauft und verhältnißmäßig gut bezahlt. Dem Vogels- berge mit feinem Holz- und Steinreichthum steht also noch eine günstige Zukunft bevor, wenn er durch die verschiedenen Nebenbahnen dem großen Weltverkehre angeschlossen sein wird.. W. Darmstadt, 13. November. Der Ausschuß der zweiten Hessischen Kammer, welcher sich mit der Neuregelung der Wildschadensfrage im Großherzogthum zu beschäftigen hat, war vor kurzer Zeit in Darmstadt zusammen. Die Provinz Rheinhessen, welche bis jetzt Mangels eines Bedürfnisses überhaupt kein Gesetz hatte, welches diese Frage regelt, wird nach den Vorschlägen des AusschuffeS nun ebenfalls unter das in den Provinzen Oberhessen und Starkenburg gültige Wildschadengefetz fallen. Allerdings schlägt der Ausschuß vor, im alten Gesetz die Kostenvertheilung in Wild- schadenprozeffen neu zu regeln, auch wird eine veränderte Bestimmung darüber gewünscht, welche Behörden im Streit- verfahren zuständig fein sollen. Ob aber die zweite Kammer diesen Vorschlägen ihres Ausschusses ihre Zustimmung ertheilt, darüber sind die Meinungen getbetlt. Vielfach hält man in den Provinzen Starkenburg und Oberheffen die oorgeschlagene veränderte Neuregelung des Kostenwesens im Streitverfahren bei Wildschäden für eine Verschlechterung des bisher bei ungültigen Wildschadengesetzes. Au8 dem Nodgan, 12. November. Ein interessanter Betrugsfall, der ob der Plumpheit seiner Ausführung einem Bauern aus H. eine tüchtige Tracht Prügel eintrug, ereignete sich am verflossenen Donnerstag in Offenbach. Derselbe hatte eine Strohlieferung an einen Offenbacher Fuhr- werksbcsitzer. Der hochgeladene Wagen wurde gewogen und mit dem ordnungsmäßig ausgefertigten Wiegescheiu behufs Ablieferung an Ort und Stelle gebracht. Der Käufer beobachtete das Abladen von feinem Fenster au« und bemerkte, wie der Bauer blitzschnell ein Wagentuch über mehrere große unten im Wagen liegende Gegenstände ausbreitete. Man schöpfte sofort Verdacht, und siebe, der Schlaumeier hatte im Waffen etwa 4 Säcke Kartoffeln im Gewichte von etwa 5 Centnern liegen und mit dem Stroh wiegen laffen. Durch diese Manipulation wäre im Falle ihres Gelingens der Käufer um 12 bis 15 Mark betrogen worden. Der Bauer hätte die Kartoffeln anderweit verkauft und abermals mindestens 10 Mark profitirt. Statt der 25 Mark „Profit" erhielt der Schlaue aber seitens mehrerer Knechte eine derbe Lection Prügel, da man auf das Gejammer der Gattin des Betrügers von einer Strafanzeige absah. Darmst. Ztg. Mainz. 12. November. Heute früh hat sich ein hiesiger stellenloser Droschkenkutscher in dem Augenblick erschossen, als er eine gegen ihn erkannt- kurze Freiheitsstrafe wegen Bernachlässigung seiner Familie antreten sollte._______________ Vermischte». • Hanau. 10. November. Ein Lehrerstrike. Ein Lchrerstrike ist vor einigen Tagen in Kilianstädten im KniS Hanau zum Ausbruch gekommen, scheint indeß jetzt glücklich beigelegt zu sein. Als nämlich die Kinder zur Schule kamen, wurden sie vom ersten und zweiten Lehrer mit dem Bemerken weggeschickt: „Wir müssen warten, bis der Schwarze heiß gemacht wird." Am folgenden Tage wurde nun der Ortsdiener von der Gemeindebehörde beauftragt, die Oefen zu Heizen. Als die Kinder nach dem Läuten die Schule besuchen wollten, mußten sie zum zweiten Male nach Hause gehen, denn inzwischen war das Feuer „ausgegangen". Der Ortsdiener zündete abermals das Feuer an, die Kinder wurden wiederum herbeigeläutet und erst jetzt konnte der Unterricht beginnen. Hoffentlich funcrionirt der „Schwarze" von jetzt ab in Kilianstädten während des Winters zur Zufriedenheit der Lehrer. Man ersieht aus dem Vorfall, daß es nicht nur „Hitzferien" gibt, sondern auch „Frostferien". * (Limburg. 13. November. In verwichener Nacht wurde in unserer Stadt ein Uhrendiebstahl verübt und zwar unter ähnlichen Umständen, wie der dieser Tage aus Wiesbaden gemeldete. ES wurde nämlich gegen 3 Uhr in einem Uhrenladen in der unteren Fleischgasse der Rollladen gewaltsam etwas in die Höhe gedrückt und aus einer Ecke der Spiegelscheibe ein so großes Stück herausgeschnitten, daß der Dieb bequem mit der Hand hineinqreisen konnte. Auf diese Weise hat er etwa 10 Uhren gestohlen. Der Eigen- thümer, der in einem hinter dem Laten gelegenen Zimmer schläft, hat jedenfalls infolge des herrschenden starken Sturmes nichts gehört. Nachbarn wollen gegen 3 Uhr ein Geräusch und bald darauf ein hastiges Laufen in der Straße gehört haben. • Cassel. 13. November. Soeben endete nach zweitägiger | Dauer die Schwurgerichtsoerhandlung gegen die! wegen des Straßenkrawalls vom Mai angeklagten fünf 1 Hauptbetheiligten. Zwei von ihnen wurden freigesprochen, einer wegen Aufruhrs, zwei wegen Gefangenenbesreiung unter Zubilligung mildernder Umstände zu je 1 Jahr Gefängniß verurtheiliA * Düsseldorf. 13. November. Die des Raubmordes, begangen in der Nacht vom 28. auf den 29. September ds. IS. an den Geschwistern Nütters in Anrath, angeklagten Brüder Carl Theoder und Joseph Wirtz find vom hiesigen Schwurflericht zum Tode verurtheilt worden. * Hamm i. Wests., 12. November. Der Hauptgewinn der großen Wcleler Geldlotterie ist zwei hiesigen jugendlichen, in der Drahtinduftrie beschäftigten Arbeitern zugefallen. Schon am Samstag Morgen erschien ein Agent aus Berlin, der den Leuten erst 60,000 Mk., also nur zwei Drittel des 90,000 Mk. betragenden Gewinnes bot. Schließlich hat jeder Gewinner 43,200 Mk. bekommen. * Schwerte, 12. November. Der Leiter unseres GaS- und Waff rwerks, Direetor Brockhaus, ist plötzlich seines Amtes enthoben und verhaftet worden. Der hiesige Anzeiger gibt als Grund Unregelmäßigkeiten in den Kaffen an. * Berlin. 12. November. Das Waarenhaus für Armee und Marine, der ehemalige deutsche Offizier- Verein, hatte nach seinem Bericht über daS 10. Geschäftsjahr auch in diesem Jahre noch unter den allgemein gedrückten ErwerbSverhältniffen zu leiden. Dem Verein ist es auch in dem am 31. März d. I. abgelaufenen Berichtsjahre nicht gelungen, den jung in die Armee eintretenden Mitgliedern den Segen einer geordneten Geldwirthschaft und im Zusammenhänge damit die Nothwendigkeit von Baareinkäufen klar zu machen,- eS wird ihm dies später wohl ebensowenig gelingen, da der Einkauf auf Credit wie jetzt, so in Zukunst von Vielen vorgezogen wird. Namentlich bei den ersten Ausstattungen der Offiziere ist die Bewilligung eines verständigen Credits, rote ihn jedes reelle Militäreffectengeschäft gewährt, vielfach eine nicht zu unterschätzende Hülfe für den Vater, dem die Kosten für diese Ausstattung zur Last fallen. Jntereffant sind in dem Bericht die Angaben über die Wirkungen, welche die Einführung des grauen PaletoS auf den Verein ausübte. Diese Einführung erfolgte so plötzlich, daß dem Verein noch für 15 000Mk. alte Paletotstoffe am Lager blieben, deren Absatz jetzt sehr erschwert ist. Dabei brach die anfänglich überaus starke Nachfrage nach grauen Paletots plötzlich ab, weil sich in der Armee das irrige Gerücht ver- breitet hatte, daß der neue Paletot eine Aenderung erfahren würde. Die Thätigkeit des Vereins hat sich auf den Velkauf einer immer größer werdenden Anzahl von Artikeln au«' gedehnt, so namentlich auch in Cigarren und Wein- für die Weiterentwicklung des Weingeschäftö ist in Eltville vom Verein ein eigenes Grundstück erworben worden. Im hiesigen VereinShause sind übrigens .auch einzelne Gegenstände ausgestellt, die von Mitgliedern deS Vereins zum Verkaufe angeboten werden. • Ostrowo, 13. November. Heute erfolgte hier die Hinrichtung deS DoppelmörderS Nowicki durch den Scharfrichter Reindel. * Hamborg. 12. November. In der Nähe von Pinneberg mürbe der Arbeiter Müller durch den Landmann Striebel aus Kaschau erschossen. Der Schuß gatt dem neben Müller gehenden Zahntechniker Grotkopp aus Pinneberg, der sich geweigert hatte, für Striebel eine Bürgschaft zu übernehmen. * Rom, 13. November. Im Santo-Spirito-Spital erstach ein kürzlich wegen schlechten Verhaltens aufigetriebener Stwindsüchtiger eine 26jährige Krankenschwester. Er hatie sich während der Besuchszeit ins Hospital eingeschlichen, die Schwester in der Küche ausgesucht und sie mit einem langen Dolche niedergestochen. * Dem Schöffengericht in Jena wurde am Freitag ein Gastwtrth aus Graitschen zugeführt, welcher beschuldigt ist, ein vorn VollstreckungSbeamten für Steuern abgepfändeteS Pferd vorsätzlich erschaffen zu haben. Für diesen, von großer Rohheit des GemütheS zeugenden Psandbruch wurde ihm 1 Monat Gefängniß und Einzug des Gewehres alS Strafe zuerkannt. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen. 45. Woche. Dom 4. November bis 10. November 1894. Einwohnerzahl: einenommen zu 22100 (incl. 1600 Mann Militär) SterbltchkeitSziffer: 35,29°/« bezw. 23,53 nach AuSschl. der Ortsfremden. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom l.LebenSjabr: 2.—15. Jahn Dtphtherttts 2 (2) — 1 (1) 1 (1) Lungentuberkulose Angeborene Lebens- 1 — — 1 schwäche 1 — 1 — Neubildungen Sonstige benannte 1 (1) 1 (1) — — Krankheiten 1 — 1 — Gewaltsamer Tod 1 (1) 1 (1) — — Summa: 7 (4) 2 (2) 3 (1) 2 (1) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele bet Todesfälle in der betreffenden Krankhett auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. kirchliche Anzeigen der evnng. Gemeinde. Donnerstag den 1b. November, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule vibelflunde. Pfarrer Schlosser. Luch und Buxinstoffe » Mk. 1.75 Pfg. per Meter. Cheviots und Meltons ä „ 1.95 „ „ „ nabelfertig ca. 140 cm. breit, vc, sendet birect und franco Oettinger & Co., Fankfurt a. M., Fabrik-Döpöt. Modernste Muster berettwilligst franco- 6395 Lavsendfaches Lob, notariell bestät., über den Holl. Labak von B. Becker in Seesen a. H. Ein 10 Pjd. - Beutel fco. 8 Mk. 1 hat die Exp. d. Bl. etngesehen. 7830 Bekanntmachung. Die Faßaiche betreffend. Hierdurch wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem. Küfer- -meister Herrn Heinrich Becker die Stelle des Faßaichmeisters bei dem Aichamt Gießen übertragen worden ist. Die AmtStage für diesen bleiben auf Mittwoch und Freitag festgesetzt. Weiter wird den Jntereffenten bekannt gegeben, daß dem Aichmeister streng untersagt ist, geaichte oder geprüfte Fässer zurückzugeben, bevor nicht die Gebühren gegen Abgabe des Aichsckeins entrichtet sind. Gießen, den 14. November 1894. Großherzogliches Aichamt Gießen. ____________________Der Vorstand: Renting._________________9343 Bekanntmachung. Der Voranschlag über Einnahme und Ausgabe der Gemeinde Birklar für 1895/96 liegt acht Tage lang, vom 19. bis 27. November zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei-Büreau dahier offen. Birklar, den 13. November 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Birklar. ________________________Müller._____________________9332 Ortskrankenkasse Gießen. Großherzogliches Kreisamt Gießen hat durch Verfügung vorn 2. d. M. mit Zustimmung des Kreisausschusses angeordnet, daß der ganze § 22 des Kassenstatuts infolange außer Kraft gesetzt wird, als nicht die Kasse den Vorschriften des § 32 des Krankenvcrsicherungsgefetzes wegen Bildung des Reservefonds in allen Theilen gerecht wird. 9324 Wir bringen dies unter dem Anfügen zur Kenntniß der Kassenmitglieder, daß hiernach vom 16. d. M. ab die freie ärztliche Behandlung und Gewährung von Medicamenten für die Familienangehörigen der Kassenmitglieder bis auf Weiteres w.gfällt. Gießen, den 13. November 1894. ______Der Vorstand der Ortskrankenkaffe Gießen.______ Verding von Hochbauarbeiteu Für den »weiten Theil der Erwei erungsbauten des Großb Lavdeshospitals Hof heim (Station Goddelau der Eisenbahnlinie Frankfurt-Mannheim) sollen die Erd-, Maurer-, BetonierungS-, Asphalt. Steiuhauerarbeiteu (rotber und grüner Sandstein, Granit und Basaltlova oder Lungstcin), die Zimmer- und Dachdeckerarbeiten (Schiefer- und Holzcementdächer), ferner die «robschlosser-, Spengler- und »tthableitvngsarbeiten und zwar vorerst für die Gebäude III, IV, V, VH, IX und X verdungen werden Die Pläne, Bedingungen und Verdingungs-Formulare liegen während der Wochentage auf dem BaubÜreau zu Landeshospital Hosheim zur Einsicht auf und werden letztere dort zum Selbstkostenpreis abgegeben. Bezüglich der Bedingungen für die Bewerbung um diele Arbeiten und die Ausführung derselben im Allgemeinen wird auf den Ministerialerlaß vom 10. Zuni 1893 verwiesen. Die Angebote sind verschlossen, postfrei und mit entprechender Aufschrift biS 12. December, Vormittags 10 Uhr, bei unterzeichneter Dienststelle einzureichen. Die Eröffnung der Angebote findet um diese Zett auf dem RathbauS zu Groß-Gerau statt. Zufchlagfrift 4 Wochen. Groß-Gerau, 12. November 1894. Großherzogliches KreiSbanamt Groß Gerau. 9346 Jaeger. Bekanntmachung. Die Ausloosung der Reihenfolge der Schöffen für das Geschäftsjahr 1895 findet Donnerstag, den 6. December 1894, Nachmittags 3 Uhr, in öffentlicher Sitzung — Saal Nr. 18 — statt. Gießen, den 10. November 1894. Großh. Amtsgericht Gießen. 9342 (gez.) Langermann. Donnerslag den 15. Novdr, Nachmittags 2* 1/, Uhr, werden auf hiesigem Orisgericht die dem Herrn LouiS Flett gehörigen Grundstücke, welche in Nr. 245, 248, 250 deS hiesigen Anzeigers näher bezeichnet find, auf dessen Wunsch wiederholt und zwar zum letzten Mal versteigert und kann bei annehmbarem Gebote der Zuschlag baldigst erlheilt werden. 9156 Im Auftrag: ft. Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Freitag den 16. Novbr., Nachmittags 2 Uhr. im Adler zu Gießen werde ich öffentlich gegen Baar versteigern: a. voraussichtlich theilweise bestimmt: 1 Handwagen, 1 Ladeneinrichtung, 1 Eisichrank, Wirthstische und Stühle, IBett, 1 Velociped, 3Sophas, 1 Silberschrank und sonst Mobilien, 3 Bowlen, eine Anzahl Oelbilder rc. b. bestimmt: 1 Violine. 9350 Engel, .Gerichtsvollzieher. Tüllvorhänge cr£me, weiß und bunt, pr- Fenster von 4 Mark an, 8929 Teppiche Bettvorlagen. Tischdecken, Portieren, Linoleum, im Stück und abgepaßr, Säufer in Wolle, Cocos. Wachstuch und Linoleum, Angora- u. Ziegenfelle. Tischdecken, Möbelstoffe, Wachstuch und Ledertuche. Th. Brück Schloßgasse 16, Brand-u. Kanzleiberg-Ecke. Hochofen. Dcr zweckmäßigste und billigst he zende Regulir-Füll-Kochoseu für ländlichen Bedarf ist zu haben in der Eisen- und Ofenhandlung von 9348 A. Kröll. 9333 Direction des Spar- und Leihkasse-Vereins. Grüneberg. Spar- und Mhkasse Gießen. Die auf Freitag den 30. l. Mts. anberaumte Generalversammlung findet nicht an diesem Tage, sondern Montag, den 3. December l. I., Nachmittags 3 Uhr, in der höheren Mädchenschule (Schillerstraße) statt. Gießen, den 13. November 1894. Ampftetrieb Marmorkalk, Romancement. 2376 Gemahlene Producte in Säcken: hydraul. Graukalk, Cementkalk (Verputzkalk), Hartgebrannte Ruffensteine (im Ringofen gebrannte Klinker). Muitliche Stoffe ßnd von MMiichfftt fflaolitot. Die gemahlenen Producte können ohne vorheriges Löschen verar- 33ST beitet werden und eignen sich für Mauer- und Verputzzwecke ganz vorzüglich. Vorzügliche Mischmaterialien für Gips und Cement. Zahlreiche Atteste stehen zur Verfügung* Lahnkalt-Industrie y Aug. Gabriel jr. in Gießen Telephonanschlüffe 84 u. 88, Bahnanschluß Abendstern b. Kuizenbach-Gießen. Marmor- (Weiß-) und hydraul. Grau-Stückkalk. Engros durch Türok & Pabst, Frankfurt a M .. Fleisch-Extracte in fester u. flüssiger Form, sind die wohlschmeckendsten und preiswerthesten Pro- ducte ihrer Art. 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