1894 Freitag den 14. December Amts- und Anzeiseblatt für den Areis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de« lolgenden Tag erscheinenden Nummer bi» »arm. 10 Uhr. Nr 2S3 Zweites Blatt. Feuilleton. Graue Theorie. Ein Stück Wirklichkeit. Erzählt von Adele Hin der man». (2. Fortsetzung.) Auf und ab gingen wir so, immer aus und ab. An einem Laltenzaun entlang, der einen Holzplatz umschloß, dort war eS gänzlich menschenleir. Plötzlich schrak sie auf. Es hatte neun Uhr geschlagen und oben vom Thurme blieS der Wächter seinen allabendlichen Choral: „W feste Burg ist unser Gott", klang es in die froststarrende Winter- lüft hinein. vierteljährig« >lo»»rnu»Uptetit 2 Mark 20 Psg. mit Bringrrlohn. Durch dir Post brv*»** 2 Mark 60 Psg. fkbaction, Exp^ilw» und Druckt! .: -chulfiratze r»r.7. K«rnsprrcher 61. Cocate* «nd ProVinzielles. Sieben, den 13. December. Bon hessischen Behörde» werden steckbrieflich verfolgt: Taglöhner Josef Amstutz aus Engelberg in der Schweiz vom Amtsgericht WormS wegen Betrugs- Barbier Adam Kloos auS Trechtlingshausen, zuletzt in Mamz, von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen schweren Diebstahls, Heinrich Korwall auS Georgenhausen vom Amtsgericht Darmstadt II wegen StrasvollzogS- die Dienstmagd Ida (Johannette) Probst auS Coburg, zuletzt in Mainz und Frankfurt a. M. sich aushaltend, von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls- Taglöhner Heinrich Roth auS Leiter vom Amtsgericht Offenbach wegen Diebstahls- die Dienftmagd Barbara Strobel auS Hamm vom Amtsgericht WormS wegen Diebstahls. ** Güterverkehr. Bon der preußischen Staatsbahn wird im Interesse des versendenden Publikums darauf aufmerksam gemacht, daß Güter, weiche in den letzten Tagen vor dem WethnachtSfest zur Auflieferung kommen, wegen der während der Feiertage einlretenden vollständigen Sonntagsruh.' im Güterverkehr, je nach der Aufgabezeit, entweder hier oder unterwegs, ein mehrtägiges Stilllager erleiden. 66 tnv pfiehlt sich daher sehr, die Güter, namentlich aber solche, weiche durch Frost Schaden leiden könnten, so frühzeitig als irgend möglich zum Versandt anzuliefern. •* Münzprägung. In den deutschen Münzstätten sind im November l9 926 300 Mark Doppelkronen geprägt worden. Die Gesammtausprägung an Goldmünzen betrug bis Ende November 2 309 344 480 Mark Doppelkronen, 537 402 730 Mark Kronen, 27 969 925 Mark halbe Kronen - hiervon sind wieder eingezogen 1 417 720 'Mark Doppelkrouen, 2 162200 Mark Kronen, 10 540 Mark halbe Kronen, bleiben 2871 126 735 Mark. Seligenstadt. 10. December. Ein langwieriger Prozeß zwischen einem Alzeyer und einem hiesigen Händler Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" »ntgege«. Reichstag vor einer schwierigen Entscheidung und man kann da nur wünschen, daß er sich sein Urtheil durch die mancherlei spitzfindigen juristischen Anschauungen und Fragen, welche in den Zwischenfall hineinspielen, nicht trüben lasten möge. Meßmer Anzeiger Kmerat-Mnzeiger. Natürlich, so enden alle Schauercomödien. Wieder fühlte ich mich stark abgekühlt. Ich kann mir nicht helfen, aber alles, wa- ans Romanhafte streift, ernüchtert mich im Augenblick. Den Tod suchen um eines ManneS willen. Wenn ein intelligentes Mädchen genaSführt worden ist, so ist das wahrhaftig schon Schlappe genug- aber ,ihm auch dann noch Gelegenheit zu geben, sagen zu können: „DaS arme Kind! Sie hat mich zu sehr geliebt- und weil sie ohne mich nicht leben konnte, ging fie in den Tod!" O — empörend! Mein ganzer Stolz krümmte und wand sich bei dieser Vorstellung. ^Verehrtest», ich bin Ihnen für meine wiedergewonnene Freiheit unendlich verbunden," wobei man ihm kühl lächelnd seinen Ring zurückgibt, — so ungefähr würde ich mich in solcher Lage benommen haben, das glaubte, nein, das wußte ich so gut wie bestimmt. ES mochte nicht ganz leicht sein, nun ja, zugegeben - aber wofür hat man denn schließlich seinen weiblichen Stolz? Stolz — dies Wort in Bezug auf das arme, zitternde Wesen neben mir, das von der Wucht seines Summers gänzlich am Boden lag. Fast neugierig glitten meine Blicke über sie hin. Nein, für Stolz hatte fie keine Kraft mehr- ebensowenig wie für Dtiquette vorhin in der Stadtbahn. Wieder eine Theorie, die fie mir in bedenkliches Wanken brachte. Wie kam das nur? Hatte ich in meiner kühlen West- falenart mit zu viel Willenskraft oder mit zu wenig Gefühl gerechnet ? .,, , Gleichviel? Wo blieb mein Unwille dieser Wirklichkeit gegenüber? r v Um die Welt gern hätte ich ihr etwas Liebes, Tröstendes sagen, ihren Summer, wenn auch nur ein klein wenig, ltn- dcrn mögen! DaS erste war im Mai gewesen, an einem verschwende» risch schöne« Frühling«!»,-. 68 war jene köstliche Stunde, wo die untergehende Sonne und die blaßgoldene Mondsichel am blauen Abevdhimmel miteinander wetteiferten. Traumhafte Ruhe in der Natur. Unser Kahn glitt lautlos die Saale hinab, die Ruder hatte ich eingezogen und wir alle lauschten mit dem Gesang einer schönen Frauenstimme, die über da- Waster Es^war Rubinsteins herrliches Lied: „ES blinkt der Thau auf den Gräsern der Nacht" u. f. w. Mit fast athemloser Bewunderung horchten wir bis zur letzten Zeile: ,, - wUnb fest zu glauben den thörichten Traum, daß - ewig, ewig so bliebe." Genau in diesem Augenblick lichteten sich am rechten Ufer die alten, tief herabhängenden Bäume ein wenig und die Illustration zu dem Liede stand, wie sich'S fdjönex fei« SÜnstlerauge hätte erträumen können, vor unseren Blicken. (Fortsetzung folgt.) Deutsche» Reich. Berit». 12. December. Im Etat deS ReichSamtS des Innern sind für 1895/96 als Zufchuß des Reiches zu den Alters- und Invalidenrenten 15312500 Mk. (gegen 13 960000 Mk. im Vorjahre) auSgeworfen. Nach den Mittheilungen der Versicherungsanstalten über die Zahl , der bewilligten Renten, sowie nach den Ergebnifien der neuerdings im RechnungSbureau vorgenommenen Zusammenstellungen ist anzunehmen, daß am 1. Januar 1895 ein Bestand von rund 183 400 Altersrenten und 75300 Jnva- lidenrenten vorhanden sein wird- im Lause deS JahreS 1895 werden etwa 30000 Alters- und 45000 Invalidenrenten hinzutreten und vermuthlich 18 300 Alters- und 14 500 In« valtdenrenten in Wegfall kommen. Wenn man, wie im Vorjahre, für den Zugang an Altersrenten de» vollen ReichS- zufchuß, für den Zugang an Invalidenrenten dreiviertel deffelben und endlich für die in Wegfall kommenden Renten die Hälfte in Ansatz bringt, so wird sich der Zuschuß des Reiches zu den Altersrenten auf 10212500 Mk., zu den Invalidenrenten auf 5 090000 Mk. stellen. Die Belastung des Reiches aus den auf die Dauer militärischer Dienstleistungen entfallenden Rcntenantheilen fällt nicht wesentlich inS Gewicht. Nach den bisherigen Ersahrungen werden 10000 Mk. auch im Jahre 1895 nicht überschritten werden. Berlin, 18. December. Die MajestätSbeleidi- gungsas faire, in welche sich die Herren Singer, Lieb- knecht u. s. w. verwickelt sehen, steht augenblicklich im eigentlichen Mittelpunkte teS Tagesinteresies. Man ist gespannt, wie die Entscheidung deS Reichstages in dieser so plötzlich entstandenen Frage ausfallen, ob er die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung der betreffenden Abgeordneten er- , theilen wird, oder nicht. Der Reichstag befindet sich hierin j offenbar in einer schwierigen Lage. Einmal muß er mit der । entrüsteten Stimmung rechnen, welche im Reichstage selbst wie im Lande durch die Demonstration der sozialistischen Ab' - geordneten hervorgerufen worden ist. Aber anderseits handelt es sich in der ganzen Sache um wichtige Prinzipien- fragen, und um Entschlüffe, die sich in ihrer letzten Consequenz leicht gegen das Parlament selbst richten könnten. Auch hat ja der Kaiser erklärt, er betrachte das Verholten der Sozialisten bei der erwähnten Gelegenheit als nicht gegen ihn, den Kaiser, Persönlich gerichtet. Jedenfalls steht der Der 4U6e«ct *«|dfl«t erscheint täglich, sU Ausnahme bt» Montag». Die Gießener A«»lkie«btL11er »erden dem Anzeiger »tchentlich dreimal deigetegl. । DaS kühle Westsalenblut wurde ganz warm in innigem 9 Meine Arme umschloffen herzlich ihre zierliche Gestalt. ,@te armes, liebes, kleines Ding, wie hat man Ihne» mitgespielt I" Sie richtete fich auf. „Kleines Ding." murmelte sie halblaut, „gerade wie Bernd immer sagte in letzter Zeit, aber eS klang bei ihm so von oben herab." _ Ich horchte auf. — Bernd, der Name war nicht häufig — cand phil. — sollte eS Lotthausen Kein Zweifel! Wie Schuppen fiel eS mir von de» Augen, nun wußte ich auch, welche vage Erinnerung mir vorhin vorgeschwebt hatte. Und noch ein anderes Bild wurde in meinem Ge- dächtniß wach. Wir lauschten beide. Zum letzten Male für mich diese lieben «länge. Die i weit war ich morgen! Es ist ein eigen Wort: „3um letzten Male!" Ich muhte doch die Zähne zusammenbeißeu. Mit einem plötzlichen Impuls wandte ick mich zu meiner Begleiterin und sagte herzlich: „Thun Sie, waS Sie wollen, ich kann Sie nicht daran hindern - aber es erleichtert Sie vielleicht, sprechen Sie fich auS. Ich weiß nicht und frage auch nicht, wer Die find, uud Außerdem — morgen früh reise ich ab, für immer wahrscheinlich- wollen Sie?" Sie nickte, brachte aber kein Wort hervor. I ,Haben Sie kein Vertrauen zu mir?" . *Doch, ich willS Ihnen sagen, alles." Stoßweise kam die Antwort heraus, und ebenso, in fast unzusammenhängenden Sätzen, erzählte fie mir nnn ihren Kummer. Die alte Geschichte, ich hätte eS mir denken können: Unglückliche Liebe! h<6xm, cand. phil., hatte fich im Mai mit ihr verlobt, heimlich zunächst. Beide waren sehr glücklich gewesen, um so mehr, als auch ihre Mutter freudig ihre Einwilligung gegeben hatte. Seit einiger Zeit war eine ganz leise Ent- ' । fremduug eingetreten, und heute, nun, da hatte sie den g^ nugsam bekannten Brief erhalten, in dem so Vieles steht, doch der Andere hört von Allem nur das „Nein". Und nun wollte fie in« Waffer gehen. Alle Annoncen-Bureanx dkS In- und AuSlandc» nehme» Hralisöerkage: Gießener Kamikienölatter. ist gegenwärtig am OberlandeSgericht zu Coblenz anhängig. Vor zwei Jahren verlauste der Alzeyer Händler auf dem Pserdemarkt zu Kreuznach dem hiesigen HandelSmanni t» Ackerpferd unter Garantie der absoluten Zugfestigkeit. Diese Eigenschaft wird indeffen von dem Käufer bestritten. Beide durch Rechtsanwälte vertretene Parteien suchen für ihre Be- hauptungen den Wahrheitsbeweis zu erbringen. DaS seit zwei Jahren hier verpflegte Pferd wurde auf gerichtliche Au- ordnung am F-.llag für 610 Mk. hl« »erfteffltrt Da« Ende deS Prozesse-, der schon mehrere Tausend Mark Kosten verursachte, ist vorerst nicht abzusehen. • Die Laniöre eines hufare» Offizier-. Ein früherer Major der Zielen Husaren hatte sich am Freitag vor er Strafkammer in Berlin wegen Betruges in zehn Fälle» zu verantworten. Der Major a. D. August Geniol hat im Jahre 1890 eine Reihe von Geschäftsleuten um im Ganzen 9000 Mk. betrogen. Im Termin am Freitag ge- stand er in augenscheinlich tiesster Zerknirschung die Straf- thaten ein. Er sei bis zum 1. Mai 1890 Major bei d n Zieten-Husaren in Rathenow gewesen, habe dann aber Schulden halber seinen Abschied nehmen müssen. Ec sei nebst Frau und drei erwachsenen Töchtern auf die Pension angewiesen gewesen. Seine Frau habe zwar ein Vermögen von 80 000 Mark in die Ehe gebracht, durch ihre verschwenderische Wirth schastssührung und durch den Umstand, daß er während seiner Dienstzeit nicht weniger a!S 14 Mal versetzt worden, sei nicht nur das ganze Vermögen draus Segangen.sonderner habe noch eine Schuldenlast von etwa 25,000 Mk. gehabt. Seine Angehörigen hätten sich auch nach seinem Dienstau»- tritte nicht elnfchränken wollen und besonder- seine Ehesran habe ihn fortwährend gedrängt, Geld zu schaffen. Zu damaliger Zeit sei eine seiner Töchter mit einem Hauptmann verlobt gewesen, er habe nicht gewußt, wo er die Aussteuer hernehmen solle. Voller Verzweiflung sei er in Berlin von einem Geldgeber zum anderen gefahren, er habe aber tei» Darlehen austreiben können. Seine trüben ehelichen und wirthschaftlichen Verhältniffe hätten ihn ^on früher zum Morphium greifen lassen und dies gefährliche Mittel möge wohl einen Thetl der Schuld daran haben, daß er nach uns nach den mo.allfchen Halt verlor. In einem Cigarrenladen 1 habe er eine- TageS die Bekanntschaft des Agenten Stein- Hausen gemacht. Er habe sich demselben offenbart und dieser ihm einen verhängnißvollen Nath gegeben. Steinhaufen habe ihm erzählt, daß er einen Oberstabsarzt a. D. einmal aus einer gleich verzwickten Lage geriffen. Er habe dem- selben Quellen genannt, wo er Wein beziehen könne, den er vermöge seiner Stellung leicht an Militär-Lazarethe und in Bekanntenkreisen absetzen könne. Dasselbe Verfahren solle der Angeklagte mit Cigarren ausführen. Der Angeklagte sei darauf eingegangen. » Er habe bei verschiedenen Firmen große Bestellungen „zu Cantinenzwecken" gemacht und da er sich in der Unterschrift einfach als „Major" bezeichnete, so hätten die Lieferanten geglaubt, daß da- Regiment der eigentliche Besteller fei, und ohne Wettere» (Siebte gegeben. Seine Hoffnungen, bei den Canrinen Absatz zu finden, fei fehlgeschlagen, und so habe er die Cigarren anderwärts verschleudern müssen, um zu leben. Im August habe er sich von feiner Familie getrennt und sei nach Berlin gezogen. Seine Frau hatte damals bereit» die Ehescheidungsklage eingeleitet. Der Angeklagte lernte eine Sängerin kennen, welche in einem Tingeltangel auftrat. Er knüpfte ein ver- hältniß mit ihr an und al» ihm im Herbste 1890 der Boden in Berlin zu heiß wurde, ging er mit ihr nach London. Er hat sie dort gehetrathet, nachdem seine erste Ehe gerichtlich getrennt worden war. Die Mittel zu der Reise nach England hatte er sich in recht bedenklicher Weise verschafft. Als die Beziehungen zu seiner Familie noch nicht gelöst waren, begab er sich zu einem Tischlermeister in R xdorf und kaufte dort eine Wohnungseinrichtung für seine Tochter zum Betrage von mehreren Tausend Mark. Da die Erkundigung, die der Lieferant einzog, dahin beantwortet wurde, daß der Angeklagte thatsächlich eine Tochter habe, die mit einem Hauptmann verlobt sei, so wurde demselben Credit gegen Wechsel gewährt. Als die Verlobung aufgehoben wurde, verkaufte der Angeklagte sämmtliche Möbel und ging mit dem Erlöse und der Sängerin nach England. Er wurde steckbrieflich verfolgt. Im Jahre 1893 fiel dem Angeklagten eme reiche Erbschaft zu. Ein verstorbener Onkel hinterließ ihm 340,000 Mk. Was aus dieser coloffalen Summe ge- worden ist, wurde aus der Verhandlung nicht recht klar. Thatsache ist, daß der Angeklagte wieder nichts besitzt. Er hat es gegen Hinterlegung von 10,000 Mk. erwirkt, daß der Steckbrief zurückgenommen wurde. Er will dann einen Rechtsanwalt beauftragt haben, seine sämmtlichen Gläubiger zu befriedigen, dies sei aber nicht geschehen. Ein Theil der von ihm geschädigten Lieferanten ist bezahlt worden, eS bleiben aber immer noch gegen 5000 Mk. übrig, welche der Angeklagte zu begleichen außer Stande ist. Der Staats Anwalt betont, eS sei tief betrübend, einen Mann von der Stellung des Angeklagten, der einem bevorzugten Truppenteil ang hörte und dessen erstes Bestreben es sein mußte, sein Schild fleckenlos zu halten, zum gemeinen Betrüger herabsinken zu sehen. Er beantragte anderthalb Jahre, das Urtheil lautete aus ein Jahr Gefängniß bei sofortiger Verhaftung. * Eine Berliner Einrichtung wird nach Paris verpflanzt werden. Parts wird, wie der „Confecnonär" mittheilt, Stehbierhallen nach dem System Aschinger erhalten, sie werden nur womöglich noch eleganter und dem Pariser Geschmack angepaßt eingerichtet werden. DaS Unternehmen segelt selbst- verständlich unter französischer Flagge, obgleich zwei deutsche Brauereien, deren Bier in den betreffenden Bierhallen ver- schänkt wird, demselben angehören. Es werden zuerst 10 solcher Stehbierhallen auf den großen Pariser Boulevards eingerichtet. * Trau Gerlach ist dem Zuchthaus in Hassenberg übergeben worden. Wie der Transporteur berichtet, hat sie auf dem ganzen Wege bis zum Zuchthaus gebetet, dabei auch ihre „Vergehen", wie sie sagte, theilweise zugegeben. In Coburg, wo die Fahrkarten erneuert werden mußten, hatte die Berurtheilte harte ZorvesauSbrüche der versammelten Menge auszuhalten. Sie bewahrte aber auch diesem Sturme gegenüber ihren Gleichmuth, der erst wich, als die Mauern des Zuchthauses sie umfingen und als sie mit dem reglements- mäßigen „Du" angeredet wurde. * Ein sehr empfehlenswertes Weihnachtsgeschenk für Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren ist das von Julie Lutz, Lehrerin der Frauenarbeitsschule, Heilbronn, heraus- gegebeue Werk: „Für fleißige Kinderhände", töuftrirte Anleitung und Muster zur vollständigen Bekleidung einer Puppe. Dasselbe ist aus der Verlagsbuchhandlung von Robert Lutz iu Stuttgart hervorgegangen und hat alsbald nach Erscheinen den Beifall der Mütter gefunden. Im „Staats- Anzeiger für Württemberg" urtheilt eine Frau wie folgt über das Werk: „Den noch fröhlich mit der Puppe spielenden kleinen Mädchen, denen nach der Schule, wenn die Aufgabe für dieselbe mit Fleiß und Pünktlichkeit vollendet sind, noch Zeit und Muße bleibt ihr Püppchen zu kleiden, ist dies Merkchen geweiht. Welche Mutter wird nicht mit Verlangen nach einer Anleitung greifen, welche es kleinen Mädchen, die schon etwas stricken, häkeln und nähen können, möglich macht, nach einer leicht faßlichen Beschreibung und den einfachen, in natürlicher Größe auf starkem Papier ausgeschnittenen Mustern die vollständige Bekleidung ihrer Puppe selbst anzufertigen? Die Schnittmuster sind von erster Güte, so daß zuverlässig darnach gearbeitet werden kann." DaS Werk ist in zwei Ausgaben vorhanden, in einer Ausgabe mit Puppe (in eleganter Pappschachtel) zum Preis von Mk. 6.— und in einer solchen ohne Puppe (in hübscher Mappe) zum Preis von Mk. 3.50. — „Für fleiß ge Kinderhände" kann außer von der Verlagshandlung von jeder Buch- oder Spielwaarenhandlung bezogen werden. * Folgende Städte und Dörfer sind bei dem jüngsten Erdbeben in Italien gänzlich ober theilweise zerstört worden: Bagnara, Palmi, Sant' Eufemia, San Proeopio, Sinopoli, Seminara, Melinucci, Plati, Santa Cristina und Cosoleto, außerdem noch 10 bis 15 kleinere Dörfer, lieber 2000 Häuser sind unbewohnbar oder vernichtet, 40000 Personen obdachlos, über 500 Personen verwundet. Die Zahl der Todten beträgt bisher 86. Die materiellen Schäden betragen über 30 Millionen Lire. Außerdem sind schwer beschädigt: Scilla, Oppido, Tresilico, Reggio Calabria, Catona, Gallico, Villa San Giovanni, Vallepodio, Gioiola-Jonica, Messina und Milazzo. Regierung, Bürger, das ganze Italien unterstützen um die Wette, das Unglück ist zu groß, die Roth unbegrenzt. • Condoleuzfchreibeu eine» Kameruner». Der schwarze Sergeant Rumba in Kamerun, der in Berlin beim Militär ausgebildet worden ist und schon wiederholt durch Briefe Zeugniß von feiner Anhänglichkeit an feine dortigen Freunde gegeben, hat jetzt an den Prediger Schall auf Kladow ein Condolenzschreiben zu dem Tode seines Sohnes gerichtet. Herr Schall hat dem Kameruner Religions Unterricht ertheilt. DaS Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Kamerun, 23. October 1894. Lieber Herr Pastor! Betribt vernahm ich durch Ihr lieben Brief die trauriche Nachricht vom Hin- scheiden ihres lieben verstorbenen Sohnes. Es thut mir unendlich leid, daß der Hebe gute Martin schon so früh das Leben lassen mußte. Indem nochmals innichftes Beileid auS- drücke, verbleibe ich mit bestem Gruß Ihr ganz ergebener Sergeant Martin Paul Zamba. Sind meine Bilder bei Ihnen angekommen, dann bitte mir selbe zu' senden. Er thäte mir leid, wenn verloren gehen. Im Weihnachsteu machen wir im Busch bei Gefecht mit dem Bufchlente. Bitte Ihnen sagen Sie mir, daß ob richtig ist oder nicht. Also wenn ich bei Gefecht ein Mann todtgeschossen habe, ob das nicht gut oder gut ist bitte Antwort. Ich habe auch am 16. Oktober einen Orden bekommen, bei Seine Majestät Wilhelm II. Mit nachmal Gruß D. O." Interessant ist die Thatsache, daß Zamba einen Orden be- kommen hat. Welche Auszeichnung ihm zu Theil geworden, berichtet er allerdings nicht. • Ein sonderbarer SangeSbruder. Sepp, der größte Raufbold des Dorfes, Mitglied des Orls-GesangSvereinS, geschätzt feiner kräftigen Baßstimme halber, ergreift anläßlich einer im Wirthshause staufindenden großartigen Rauferei ein BierglaS und singt mit wuchtiger Stimme: „Wem bring' ich wohl das erste Glas?" Citeratur rrird ICunfL - Dr. Otto» Universal-Hau»-Lexikon (Verlag von O. Hemfler, Vertin C. 22) ist jetzt b,S zum lüaiten Hefte jur Ausgabe gelangt. AuS dem Inhalte der drei letzten Hefte heben wir folgende Artikel hervor, um den Lesern unseres Blattes die Reichhaltigkeit dieses Werkes oor Augen zu führen. Baumkuchen, Bedenkzeit, Begießen der Gewächse, Begrüßung, Beleidigung, Benzoe alS Schönheitswasser, Berufung, Bienen, Birne, Blumen, Blumensprache, Blutvergiftung, Bohnen, Branntweindereitung, Brautstand, Brod zu backen, Butter, Cession, Champagner fürs Haus, Champignon, Chocolade, Cholera, Dienstboten usw. Vollständig in 50 Lieferungen, deren jede 20 Pfg. kostet. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. — In Band 8 der Sammlung »Polterabend und Hochzett" (Preis je 1.20 Mk), erschienen im Ty.alervkllag Eduard Bloch, Berlin C. 2, findet man neues M-terial, die Ueberretchung der ideale« Che-Jnsignten in feierlichster Weife zu gestalten. — Wa» koste« die de« vierten Bataillonen verliehene« neuen Fahnen I Das n Swosserletturgen des Abends für die Dauer der N'cht zu entleeren. DteS geschieht dadurch, bafo zuerst der oor de n Waffermeffe'- befi büche Haup'absperrhahn geschlossen und dann dos seitlich defs-lben b findliche Entleerungs- yäbrch n, nachdem ein paffendes Gefäß untergefteflt, oerffnet wird und dies so lange geöffnet gebal en wird, bis das in der Hausleftang siedende Waffer vollständig av- (elaufen ist, worauf bezeichn tes Hähnchen wieder geichl ssen wird. Um eine vollständige Entleerung zu erwirken ft es a boten, während derselben dos in dem obersten Ttockw.rk des HaukeS befindliche Zapfveolil der Hausleitvrg offen iu halten, damit die Lust Za ritt in die Leitung e halte. — E^n größerer Theii des Wassers kann auch schon durch daS Zep ventil der untersten Küche entleert werden, wodurch die En lcrrung im Keller vereinfacht wird- — Vach tiattgebabier Entleerung sind die beiden Zapfoentile, welche dem Eintritt der Luft und der Entleerung des Gaffers dienten, w'eder zu schließen Das ®dilirfi rben am schnellsten von benjentgen JnftallationS'Gefchäften besorgt, weiche die betieffenben Hauswasser- leitungen f. Z au-gelührt haben Gießen, den 11. December 1894. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. 10°97] Otto Bergen. Das schönste Fest der Kinder, das liebe Weihnachtsfest, nähert sich nieder und mit demselben tritt wiederum die Aufgabe an uns heran, von freiwilligen Beiträgen und dem Ertrag gesammelter Cigarrenabfälle armen Ktndern unserer Stadt durch Bekleidung eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Folge allseitiger Anerkennung und wirksamer Unterstützung unserer Bestrebungen von Seiten des hiesigen Publikums ist es uns möglich, für bie armen Kinder etwas zu thun. Die uns in diesem Jahre vorgelegte L-ste weist wiederum eine große Anzahl armer Kinder auf. Wir richten d^ßhalb auch in diesem Jahre an die Bewohner Gießens (Raucher, und Nichtraucher) die herzliche Bitte, uns durch Uebermittelung etwaiger Cigarrenabfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfein Fonds erhöhen -u helfen, damit es uns ermöglicht wird, auch am diesjährigen Weihnachts feste einer größeren Anzahl Kinder eine geeignete WeihnachtSbescheerung bereiten zu können. Cigarrenabfälle und Geldbeiträge werden bei unseren Sammelftellen, Herrn Buchbinder Adolf Bourgeois, Friseur G.Gerhardt, Bibliotheks- custos Emil Heuser, Emil Kalbfleisch und H. Schnell gern -ntgegengenommen. Der Verein Jugendfreund. l’Spieleü Geographie- und Geschichte-Spiele — Glock’ und Hammer — Halma — Lotto (Bilder-, Sprichwörter- etc. Lotto) — Märchenspiele (Kothkäppchen, Haneel u. Gretel etc. — Quartett-Spiele — Reversi- Rocco — Schnappspiel — Spielmagazin — Spring • Knips-Spiel)— Uhrenspiel — s,e"! Rococo-Spiel Nenl Äeu! Drei-Sechszehn. Neu! 1 IW* hfcinlloiij! 9805 5 Sudanlage 5. Japan- u. China-Waaren, Verzierte Ho’zcassetten, J Feinere Eisengusswaaren wegen Aufgabe dieser Artikel zu und unter Einkaufspreis. 8959 H. Kühn, Papierhandlung. kiijchs-H GlSckmnschkartkn mit Namendruck fertigt ist bekannter schöner und billiger Ausführung die 10009 Wuch- und Kunstdruckerei J.Weinert, Neustadt 24. 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