1894 Mittwoch den 14. November Erstes Blatt. 287 Gießener Anzeig er Keneral-Anzeiger. Sebachon, Exvcditu»» und Druckrroi: Schutstraße?lr.7. Fernsprcchcr 51. vierteljähriger Kvonuementrprei«: 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöget» 2 Mark 50 Psg. Die Gießener A-amikiendtäller werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Der tzießener -ozeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag». Amts- und Anzeigeblatt för den "Kreis Gieren. Hratisöeikage: Hießener Kamilienötätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Vorm. 10 Uhr. Alle Annoncm-Bureaux de- In« und Au-lande- nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Gießen, den 13. November 1894. Betr.: Die Einlieferung der Sterbfallanzeigen von September October 1894. Das Grotzh. Kreis-Gesundheitsamt Gießen erinnert die Großh. Bürgermeistereien Albach, Beltershain, Bersrod, Birklar, Burkhardsfelden, Harbach, Holzheim, Hungen, Keffelbach, Lang Göns, Leihgestern, Odenhausen, Rabertshausen, Rödgen, Nüddingshausen und Steinbach an die umgehende Einsendung der rubr. Sterbzählkarten und Todes- zeugnisse. . Dr. Follenrus. Bekanntmachung. Einem Ersuchen des Ersten Staatsanwaltes zu Breslau entsprechend wird Folgendes hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, den 12. November 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Raubmord. Am Dienstag, den 6. November d. I., Vormittags zwischen 8 und 11 Uhr, ist die unverehelichte Elisabeth Groß in ihrer im 1. Stock des Hauses Kätzelohe Nr. 20/22 Hierselbst belegenen Wohnung ermordet und ihrer zahlreichen, unten näher bezeichneten Schmuckgegenstände im Gesammt- werthe von mehreren lausend Mark, sowie ihrer Baarmittel von einigen hundert Mark beraubt wurden. Der flüchtige unbekannte Mörder hatte sich bereits am Sonntag und Montag, am 4. und 5. dieses Monats, in die Wohnung der Groß begeben, die Letztere aber zu Hause nicht angetroffen. Am Dienstag, den 6. d. Mts., kurz nach 8 Uhr Vormittags, fand er sich abermals bei der Groß ein und wurde von dieser mit „Fasse!" angeredet. Der Thäter trug rothbraune Handschuhe mit dicken schwarzen Raupen, spricht Berliner Dialekt, steht im Alter von 25 bis 30 Jahren, hat kurzes, dunkelblondes Haupthaar und einen etwas helleren Schnurrbart. Seine Kleidung bestand in dunkler Hose, hellbraunem Ueberzieher und einem weichen, dunklen Hut. Die Groß nannte den Fasse! ihrer Aufwärterin gegenüber „ihren alten Liebsten". Nach der Auskunft der vernommenen Zeugen paßt die vom Mörder gegebene Beschreibung auf einen früheren Chemiker, jetzigen Reisenden der Messerbranche, welcher mit der Groß früher und insbesondere auch in der Zeit vom 8. bis 18. Dezember 1893 in Verkehr gestanden hat. Die Königliche Regierung Hierselbst sichert Demjenigen, welcher den flüchtigen Mörder ergreift und an die Behörde abliefert, oder den Aufenthaltsort desselben so anzugeben im Stande ist, daß die Verhaftung und Einlieferung er- 'Belohnung zu. Br.eSlau, den 7. November 1894. Der erste Staatsanwalt, von Rosenberg. Verzeichnis der gestohlenen Schmuckgegenstände. 1. Ein Paar Ohrringe mit weißen Perlen und Brillanten besetzt. 2. Ein Paar Ohrringe mit den ad 1 bezeichneten verbunden, Werth cc. 500 Mark. 3. Eine Türkisenbroche, Werth 50 Mark. 4. Sieben goldene Armbänder, meist in Kettenform, eins in Steigebügelform. 5. Eine Broche, Kleeblattform mit Brillanten, sehr «erthvoll. 6. Eine längliche Broche mit Perlen. 7. Eine Hutnadel von Gold. 8. Ein Medaillon in Herzform mit Perlen ausgelegt. 9. Eine schwere goldene Halskette. 10. Ein goldenes Armband mit Uhr, Werth 500 Mark. 11. Eine goldene Damenuhr. 12. Eine goldene Herren-Uhr kette. 13. Ein Fingerring mit Türkisen besetzt, ebenso mit Brillanten, Werth 500 Mark. 14. Ein Ring mit 2 Brillanten, Werth 500 Mark. 15. Mehrere kleinere Ringe im Gesammtwerthe von , 2—300 Mark. 16. Ein Paar große Corallen-Ohrringe.____________ Deutscher Reich. Berlin, 12. November. Der Wechsel im preußischen LandwirthschaftSministerium ist nunmehr durch die betreffende Mittheilung des „Reichs- und Staatsanzeigers" osficiell besiegelt worden. Entsprechend der hierüber zuletzt allgemein gehegten Annahme hat der seitherige Landes- director von Hannover, Frhr. v. Hammerstein-Loxten, den zurückgetretenen Herrn v. Heyden-Cadow abgelöst. Wenn man diese Veränderung lediglich nach der politischen Vergangenheit des neuen Landwirthschaftsministers beurtheilcn wollte, so müßte man sie gleichwie die Berufung des Herrn v. Köller an die Spitze des preußischen Ministeriums des Innern als ein bemerkenswerthes Zugeständniß nach rechts erachten. Denn Frhr. v. Hammerstein-Loxten hat sich in seinem bisherigen politischen Auftreten ebenso als ein entschiedener Parteigänger der Rechten zu erkennen gegeben, als dies früher wenigstens von seinem jetzigen Collegen im Ressort des Innern gelten durfte, im Speciellen war Herr v. Hammerstein ein energischer Verfechter der Forderungen des Bundes der Landwirthe. Aber vielleicht wird er als Minister in seinen politischen Anschauungen „einen Pflock zurückstecken", und dasselbe wird vermuthlich auch Herr von Köller thun, von der verantwortlichen Höhe eines Ministeramtes aus pflegt man die Dinge einigermaßen anders zu beurtheilcn, als unter dem begrenzten Gesichtspunkte eines bloßen Parteimannes. Jedenfalls sind die Schlüsse, welche hie und da aus den neuesten Personalveränderungen in den Berliner Regierun^sämtern auf einen hochconservativen Gang in der Politik des „neuesten Curses" gezogen werden, I als zunächst sehr verfrüht zu bezeichnen, einer solchen Annahme würden schon die vom Reichskanzler und Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe in seinen früheren Wirkungskreisen vertretenen politischen Grundsätze widersprechen. — Noch immer ungelöst ist die Frage der Neubesetzung des preußischen Justizministeriums. Eine neuerliche Version will wissen, der Cultusminister Dr. Bosse sei zum Nachfolger des Herrn v. Schelling ausersehen, an Stelle Bosses werde wahrscheinlich der Director I im Cultuöministerium, Dr. Kügler, zum Cultusminister ernannt werden. Im Uebrigen scheinen die Gerüchte über die drastischen Vorgänge bei der Demission des Justizministers nicht ganz unbegründet zu sein, um so bemerkens- werther ist die philosophische Ruhe, mit der Herr v. Schelling als würdiger Nachkomme des großen Philosophen sein Schicksal trägt. Dasselbe kann sreilich vom Geh. Legattonsrath Göhring, dem Chef der Reichskanzlei, der sich ja in einer ähnlichen fatalen Situation befindet, weniger gelten. Herr Göhring soll in der That entschlossen sein, Alles zu thun, um sich auf seinem Posten zu behaupten, er wird aber schließlich doch wohl definitiv gehen müssen. Einstweilen leitet die Geschäfte der Reichskanzlei provisorisch Herr von Wil^mowSky, der Sohn des Chefs des Civilcabinets Kaiser Wilhelms I. — Die Vorlage über die Bekämpfung der Um- fturzbestrebungen soll, sobald sie die Zusttmmung des Bundesraths gefunden haben wird, im Wortlaute zur amtlichen Veröffentlichung gelangen. Ossiciös wird bestätigt, daß es sich bei der Vorlage um die Abänderung folgender Paragraphen des Strafgesetzbuches handele: §§ HO, 116 (Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und zum Begehen strafbarer Handlungen), § 126 (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung eines Verbrechens), § 129 (Verbotene Verbindung), § 130 (Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen), § 131 (Verächtlichmachung von Staats- Einrichtungen). rieucftc Nachrichten. WolffS telegraphische« Eorrespondarr-Brrresu. Berlin, 12. November. In der Abendfitzung der Generalsynode theilte der Vorsitzende ein Telegramm des Kaisers mit, das folgendermaßen lautet: „Die Meldung von der einmüthigen Annahme der Agendenvorlage hat mich mit Freude und Dank erfüllt. Ich hoffe zu Gott, daß die Agende durch freiwillige Aneignung der Gemeinden zur Festigung deS theuren evangelischen Glaubens und reicherer tieferer Erbauung der Gemeinden dienen werde. Das walte Gott!" Berlin, 12. November. Wie die „Post" vernimmt, dürfe die anderweitige Besetzung deS JustizminiftetiumS als nahe bevorstehend betrachtet werden. Es heiße, daß die Verhandlungen mit dem Präsidenten des OberlandeSgerichtS in Celle, Schoenstedt, zum erwünschten Resultate geführt hätten. . Berlin, 12. November. Eine größere Anzahl Mitglieder der Generalsynode waren heute zur kaiserlichen Früh- stückStafel geladen. München, 12. November. Der Rei chSkanzler empfing hier auch den Vorsitzenden deS Vereins deutscher ZeitungS- Verleger, Dr. Georg Hirth, und stellte ihm eine Audienz für den Gesammtvorstand in Berlin in AuSficht. Das Blatt hebt die Gefahren des projectirten ZeitungStarifS deS Reichs- Postamts hervor. m r n Straßburg, 12. Povember. Die „Straßburger Post meldet: Rector und Senat der Straßburger Universität erließen an den Reichskanzler eine in wärmsten Ausdrücken gehaltene Dankadresse für sein Wirken als Statthalter. Die philosophische Facultät ernannte den Reichskanzler zum Ehrendoctor. Loudon, 12. November. Nach einem von den Blattern veröffentlichten Telegramm (der „Central News") aus Shanghai vom 12. November wird aus Tschifu gemeldet, daß Port Arthur gestern früh von den Japanern genommen worden ist. Als die Japaner nach einem Bom- bardement stürmten, legten die Chinesen die Waffen nieder und ergaben sich. Wie verlautet, hat der chinesische General mit dem Generalstabe und anderen Oberoffizieren die FortS in der Nacht vom 6. November verlassen und sich auf einem Aviso und einem Dampfer gerettet. HelfiugforS, 12. November. Der Erlaß des Kaiser« an das finnländische Volk ist Livadia, 6. d. MtS., datirt und lautet: Seitdem wir nach Gottes Fügung in den ererbten Besitz des Großsürstenthums Finnland gekommen, wollen wir auch fürderhin die Religion und Grundgesetze deS Landes bestätigen, sowie die Rechte und Privilegien, die jeder Stand und die Einwohner insgesammt, hohe und niedrige, des genannten GroßfürstenthumS laut Verfassung dieses Landes bisher genossen, indem wir versprechen, alle diese Vorrechte und Verfassungen fest und unverrückt in Kraft und Werth zu erhalten. Washington, 12. November. Der amerikanische Gesandte in Tokio übermittelte der japanischen Regierung eine Depesche deS StaatssecretärS Greshain, in der ausgeführt wird, daß, wenn Japan sich dem Ersuchen Chinas um die Vermittelung ClevelandS anschlösse, dieser bereit wäre, seine guten Dienste zur Verfügung zu stellen. Tanger, 12. November. Der deutsche Staatsangehörige Franz Neumann wurde 4 Kilometer von Casablanca von Eingeborenen am 6. d. M Abends erschossen und beraubt. Der deutsche Gesandte dahier erhielt Befehl, sich sofort nach Fez zu begeben und von der Regierung deS Sultans Genug- thuung zu fordern. Depeschen deS Bureau »Herold* Berlin, 12. November. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Nachdem die zwischen den Vertretern des Reiches und den Bundesregierungen eingeleiteten Besprechungen über Vorichläge der Börsenenquetecommission beendigt find, hat die Ausarbeitung des Gesetzentwurfs betr. Reform deS Börsen- wesens, begonnen. Der Gesetzentwurf wird demnächst dem Bundesrath vorgelegt. — Nach der „Staatsbürgerzeitung haben nunmehr auch die norddeutschen Antisemtten beschlossen, der in Eisenach gebildeten deutsch-socialen Reformpartei bet« iUtret$etlin, 12. November. In Hofkreisen verlautet, daß der Kronprinz von Italien auf der Rückreise von Petersburg nach Florenz dem Kaiserhofe in Berlin einen Besuch abftatten werde. Kafiel, 12. November. Ein Gesetzentwurf über die Einführung der Grundbuchordnung in der Provinz Hessen-Nassau und Frankfurt a. M. liegt dem Provinziallandtag vor. Kol«, 12. November. Wie die „Köln. Ztg. auS Petersburg meldet, findet nach neuerer Verständigung die Beisetzung des Kaisers Alexander endgilttg am 20. d. M. statt- ferner gilt eS als ausgemacht, daß Czar Nicolaus seine Trauung mit der Prinzessin Alix gleich nach den Trauerfeierlichkeiten vollziehen werde und nicht erst, wie früher festgesetzt worden, in drei Monaten, sondern spätestens bis zum 26. d. M. Wie«, 12. November. In der gestrigen Versammlung der Schuhmachergehilfen kam eS zu einer argen Schlägerei zwischen den Socialdemokraten und den Christlich- , Socialen- mehrere Personen wurden dabei schwer verwundet- Einem starken Polizeiaufgebot gelang es, die Ruhe wieder herzustellen. Wien, 12. November. Die Abreise deS Erzherzogs Carl Ludwig zu den Leichenfeier!tchkeiten in Petersburg wird am 15. d. M. erfolgen. Czar Nicolaus sendet dem Erzherzog einen Hofseparatzug bis Warschau entgegen und wird zum Empfange auf dem Bahnhofe anwesend sein. Der Erzherzog nimmt Quartier im Winterpalais. Brux, 12. November. Bei einer Grubenexplosion im Plutoschachte sind zwanzig Arbeiter getödtet worden. Vierzehn derselben waren verheirathet. Betriebsstörungen infolge der Katastrophen sind nicht zu erwarten. Mons, 12. November. Gestern fand hier eine große Kundgebung statt, welche die Wiederversöhnung der Arbeiter von Mons und des Borinage zum Zweck hatte. Der Zug, welcher aus mehreren Tausenden Arbeitern gebildet war, zog an dem Gefängniß vorüber, in welchem sich der zum Mitglied der Kammer gewählte Socialistenführer Brenez befindet und brachte dem Letzteren eine lebhafte Ovation dar. Leus, 12. November. Gestern wurde unweit der hiesigen Station eine gußeiserne Telegraphenstange aus dem Boden geriffen, wobei der Weichenstellungsapparat zerstört wurde; ebenso ist die electrische Batterie fortgenommen worden. Anscheinend liegt die Absicht vor, eine Eisenbahncatastrophe herbeizuführen. Die Polizei ist den Thätern auf der Spur. Loudon, 12. November. „Daily News" bringen einen Artikel, der die Einstellung der Feindseligkeiten in China entschieden befürwortet. Das genannte Blatt schreibt, Japan werde nach der Einnahme von Port Arthur sicher bereit sein, mit China die Friedensverhandlungen einzugehen. Die Japaner hätten die der chinesischen weit überlegene Stärke und Streitkraft ihrer Armee bewiesen und diese Constatirung, sowie eine hohe Kriegsentschädigung müßten für den viermonatlichen Feldzug eine ausreichende Genugthuung sein. Loudon, 12. November. Aus Sydney kommt die Nachricht, daß auf der Insel Ambrym ein furchtbarer Aus- bruch des Vulkans stattgefunden habe- der Ausbruch war von einem heftigen Erdbeben begleitet. Durch gewaltige Lavaergüffe wurden alle Plantagen auf der einen Seite der Insel zerstört und zahlreiche Menschenleben sind bei der Katastrophe zu Grunde gegangen. j Petersburg, 12. November. Heute Mittag wurde hier s durch Herolde verkündigt, daß die Leiche Kaiser Alexanders III. morgen Vormittag 10 Uhr nach hier überführt werden wird. Die Stadt steht jetzt vollständig im Trauerschmuck. Es herrscht regnerisches Wetter. Petersburg, 12. November. Aus Moskau wird gemeldet: Zahlreiche Deputationen wurden zur Ehrfurchtsbezeugung vor der Leiche des Czaren zugelassen. Die Gesichtszüge des Tobten sind fast unverändert- der Ausdruck ist völlig ruhig. Jeder Herantretende küßt das Gottesbild auf der Brust des Czaren, sowie deffen Stirn und Hände. Petersburg, 12. November. Die Hof- und Polizei- Verordnungen zu der morgigen Ankunft der Leiche des Czaren werden heute amtlich publicirt. Das Publikum darf auf den Straßen Aufstellung nehmen, jedoch nicht auf Balkons, Dächern, Zäunen oder Bäumen. Der Wagenverkehr wird eingestellt. Alle Schanklocale müffen bereits heute Abend 10 Uhr geschloffen werden und bleiben es bis auf Weiteres. ! Petersburg, 12. November. Es verlautet, es sei nicht j unmöglich, daß der Präsident Casimir-Perier selbst nach J hier komme, umsomehr, als die Czarin in ihrem Danktelegramm auf die Beileidsdepesche Periers zum Schluffe sagte, sie hoffe, dem Präsidenten persönlich ihren Dank aussprechen zu dürfen. Petersburg, 12. November. Zu der auf morgen Vormittag angekündigten Ueberführung der Leiche in die Peter-Pauls-Kathedrale sind hier eingetroffen: Erbprinz von Oldenburg, Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und Herzogin Vera von Württemberg. Moskau, 12. November. Der gestrige Trauerzug ging unter allen Ehren von Statten. Die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften folgten dem Zuge zu Fuß und zu Wagen. Die Straßen Moskaus hüllten sich in Trauerschmuck. Wo der Zug vorbeidefilirte, wurde er von der tausendköpfigen Menge ehrfurchtsvoll begrüßt. H. Darmstadt, 13. November. Der Großherzog und Prinzessin Heinrich von Preußen sind heute Vormittag via Berlin nach Petersburg abgereist. H. Petersburg, 13. November. Der Weg, welchen der Trauerzug vom Bahnhofe bis zur Festung nehmen sollte, ist plötzlich aus unbekannten Gründen abgeändert worden. Er wird geheim gehalten. Ob die Leiche heute hier eintrifft, ist noch unbestimmt. Cocalts nnb Gieße«, den 13. November 1894. ** Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am 10. November den Oberstlieuteoant a. D. Deckhaus, den Premierlieutenant Frhrn. Schenck zu Schweinsberg *tiom fl. Großh. Jnsanterte-(Leibgarde-)Regi- ment Nr. 115, die Secondelieutenants Boell, v. Obernitz und Schwendy vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm \ (2. Großh. Hess.) Nr. 116, den Oberbürgermeister Morn e- | »efl, den Bürgermeister Krausmann von Dieburg, den Kaufmann Litzendorff von hier, ComitLmitglied für das Concert zum Besten der Barmherzigen Schwestern- zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Finanzminister Weber, den Oberconsistorialpräsidenten Dr. Goldmann, den Cabinetsrath R ö m h e l d. •* Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß- j Ijetjog haben Allergnädigft geruht, den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramte Mainz Ludwig Seitz zum Revisionscontrolleur, und zwar mit Wirkung vom Tage des Dienstantrittes des Revisionscontrolleurs Rausch als Districtöeinnehmer der Districtseinnehmerei Laubach an, den : Bauaufseher-Aspiranten Georg List mann aus Frischborn ■ zum Hausverwalter und Rechner an der Landesirrenanstalr ; zu Heppenheim zu ernennen. ** Aus dem Gerichtsdieast. Durch Entschließung Großh. Ministeriums deS Innern und der Justiz ist der Gerichtsaccesstst Weiffenbach in Gießen bis auf Weiteres mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Hilfsgerichts- schrcibers bei Großh. Amtsgericht Darmstadt I. beauftragt worden. ** Ernannt wurde am 26. October der Gefangenaufseher Georg Sto ffer aus Mainz zum Werkmeister am Gefängniß zu Darmstadt. ** Oeffeutliche Sitzung des Provinzial Ausschuffes der Provinz Oberheffen vom 10. November 1894. 1. Klage des Ortsarmenverbandes Frankfurt a. M. gegen den Ortsarmenverband Utphe wegen Unterstützung der Sophie Stork aus Utphe. Der klägeriscke Armenverband verlangte von dcm Beklagten Ersatz der für die Dienstmagd Sophie Stork vorgelegten Pfleg-Kosten mit der Begründung, daß letztere den Unterftützungswohnsitz ihrer in Utphe verstorbenen Mutter theile, da der Vater (Caspar Stork) die Familie s. Zt. böswillig verlaffen und sich um dieselbe gar nicht bekümmert habe. Beklagter bestritt dies und behauptete insbesondere, daß der Vater der Unterstützten sich nur infolge mangelnden Verdienstes und nicht ui dö^cher Absicht von der Familie entfernt habe. Der geladene Zeuge konnte Auskunft darüber, ob Caspar Stork mit seiner Familie noch in Verkehr gestanden oder der letzteren Unterstützung gewährt habe, nicht geben. Die Verhandlung wurde ausgesetzt und weitere Beweiserhebung durch Vernehmung von Geschwistern der Unterstützten beschloffen. 2. Antrag der G e w e r k s ch a f t „L o u i se" zu Esten auf Enteignung von Grundstücken. Zur Erweiterung der Schlammfänge ist seitens der Grubendirection Antrag auf Enteignung zweier dem Lud. Loth gehörigen Parzellen gestellt werden. Expropriat forderte eine Entschädigung von 4 Wlf. pro lUKlftr., während der Sachverständige den Werth auf 2,25 Mk. pro □iHftr. taxirt hat. Der Provinzialausschuß erkannte dahin, daß:c. Loth schuldig sei, die beiden Grundstücke gegen eine Entschädigung von 2,25 Mk. pro 'iHKlftr. der Gewerkschaft abzutreten. Die Kosten fallen gesetzlich dem Antragsteller zur Last. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Ortsarmenverband Großen-Buseck wegen Uebernahme der Anna Schlabach. Durch Erkenntniß des Provtnzialausschustes vom 13. Dezbr. 1890 war festgeftellt worden, daß die rc. Schlabach ihren Unterstützungswohnsitz in Großen Buseck hat. Letztere Gemeinde übernahm daraufhin auch die Schlabach und mietheie derselben eine Wohnung, wofür die Mietbe bis zum 1. Januar 1893 von der Gemeinde Großen-Buseck bezahlt worden ist. Seitdem weigerte sich aber diese Gemeinde, die zur Zeit in Gießen aufenthaltliche Schlabach zu unterstützen oder dieselbe zu übernehmen mit der Behauptung, daß sie jetzt in Gießen unterstützungsberechtigl sei. Die Stadl Gießen klagte daraufhin auf Uebernahme der Anna Schlabach und Erstattung der entstehenden Kosten. Die Vernehmung einer Anzahl von Zeugen ergab im Wesentlichen daß sich die Anna Schlabach wohl ab und zu einige Tage oder Wochen in Großen-Buseck aufgehalten, stets jedoch zu Herrn Joseph Güngerich dahier zurückgekehrt ist und sich heute noch bei demselben befindet. Bei 2c. Güngerich verrichtet die Schlabach nach ihrer eigenen Aussage Magddienste und erhält dafür zwar keinen Lohn, jedoch Kleidung, Verköstigung und Wohnung. Der Großh. Bürgermeister von Großen Buseck erklärte, daß die mit Hch. Walther vereinbarte jährliche Miethe von 40 Mark längere Zeit weitergezahlt, obschon die Wohnung von der Schlabach gar nicht benutzt worden sei. Seitens der Stadt Gießen sind vom 1. Juli 1894 ab für drei Monate je 4 Mark Mietheunterstützung an Güngerich bezahlt worden, da für diesen Betrag ein Zimmer für die Schlabach nicht gefunden werden konnte. Güngerich nahm die Miethe von 4 Mk. an, bemerkte aber, daß es ihm lieber sein würde, wenn ein anderes Logis für die Schlabach gemiethet werde. Auf die letztere habe er keine Rücksichten zu nehmen und würde sie aus seinem Hause fortgehen lassen. Nachdem die Vertreter der Parteien ihre Anträge gestellt und begründet haben, beschließt der Provinzialausschuß Abweisung der Klage und Verurtheilung des Klägers in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung eines Aversionalbetrages von 20 Mark. — Die Verhandlung der Klagesache des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Landarmenverband Friedberg wird auf Antrag des klägerischen Vertreters ausgesetzt. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Ver- sammlnng Donnerstagdenl 5. Novembcr189 4, Nachmittags 4 Uhr. 1. Die Rechnung der Armenkaste Gießen für 1893/94. 2. Desgleichen der Voranschlag für 1895/96. 3. Organisation der Armendeputatton - hier die Stimmberechtigung der Bezirksvorsteher. 4. Decretur von Kostenrechnungen. 5. Abgabe von Fichten-Deckreisern aus dem Stadtwald im Jahre 1893/94 und 1894/95. 6. Gesuch des Georg Bichler wegen Verbesserung des Hardtwegs. 7. Gesuch des Karl Lenz um Concessionsertheilung für das Haus Grünbergerstraße 47. ** Landesansschuß der nationalliberalen Partei. Die am Sonntag im oberen Saale der „Stadt Pfungstadt" zu Darmstadt abgehaltene, zahlreich besuchte Versammlung des Landesausschusses der nationalliberalen Partei tagte unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Herrn Dr. Osann. Derselbe betonte in seinen Eingangsworten, die neuesten Ereigniffe des Kanzlerwechsels und die Frankfurter Delegirtenversammlung berührend, daß Aufgabe der Partei sei, bestimmt und thatkräftig im Sinne der Beschlüffe des obenerwähnten Delegirtentages vorzugehen. Es kamen dann zur ausführlichen Verhandlung die neue Regierungsvorlage wegen des Einkommensteuergesetzes, der Antrag Pennrich und Genossen wegen der Klassenlotterie und die: ! Reorganisation der höchsten Staatsbehörden. Die Verhand- 1 lungen währten von 12 bis 4 Uhr. Bei der Frage des > Einkommensteuergesetzes gab sich die einmüthige Ansicht kund, | datz die Grundsteuerfrage einer gründlichen Reformation unterzogen werden müsse, und wurde verschiedentlich hervor- gehoben, daß überhaupt unser ganzes Steuersystem einschließ, lich des Communalsteuerwesens einer organischen Aenderung zugeführt werden müsse. Während über die Frage der Klassenlotterie verschiedene Ansichten zu Tage traten, war man in der Frage der Nothwendigkeit einer Neuorganisation der höheren Staatsbehörden — wie dies auch von der Regierungsseite wiederholt anerkannt worden ist — einmüthig. ** Provinzialverband der sreistnuigen VolkSpartei in Oberheffen. Zur Durchführung des beabsichtigten engeren Zu- sammcnschließens der Mitglieder der freisinnigen Volkspartei in der Provinz Oberheffen ist jüngst eine dreigliederige Commission ernannt worden, in welcher Herr Rechtsanwalt Grünewald den Vorsitz führt. Demnächst werden die Delegirten zu einer constituirenden Versammlung zum 2. December nach hier etngeladen werden. ** Freiwillige Gail'sche Feuerwehr. In der gestern Abend bei Mitglied C. Häuser abgehaltenen General-Versammlung wurde beschlossen, das diesjährige Stiftungsfest Samstag den 1. December im Caf6 Leib in gewohnter Weise zu feiern. — Eine wichtige Neuerung wurde den Mannschaften mitgethellt, indem das bisherige Alarm-Signal des Gail'schen Corps abgeschafft und hierfür das der Gießener Freiwilligen Feuerwehr eingeführt sei. ES sollen weiter m verschiedenen Stadttheilen Feuermelder, welche mit der Polizeiwache in Verbindung stehen, probeweise eingerichtet werden, was für unser Löschwesen einen bedeutenden Fortschritt bedeutet. * * Revisions-Anmeldung. Wie man uns mittheilt, ist gestern von Rechtsanwalt Katz gegen das verurtheilende Erkenntniß der Strafkammer gegen den Bankier Schulhof beim Landgericht Revision angemeldet worden. * * Jagdverpachtuug. Bei der gestrigen Verpachtung der bisher von dem verstorbenen Herrn Burk innegehabten Jagd wurde ein Mehrerlös von 550 Mk. erzielt. Der Pachtvertrag lautet auf 13*/4 Jahr. * * Steuer • Statistisches. Das Großherzogthum Hessen hat ein Einkommensteuercapital von 30 649 335 Mk., in welches sich 224 516 Einkommensteuerpfltchtige zu theilen haben. Von diesem Steuercapital kommen auf Oberhessen 5 562 495 Mk., auf Starkenburg 11 629 070 Mk., auf Rheinhessen 12 857 770 Mk. Die einkommensteuerpflichtigen Actiengescllschaften haben ein Einkommensteuercapital von 1 414 350 Mk., von den größeren Städten zählen Ein- kommenfteuerpflichtige Mainz 23 234 mit 5 899 210 Mk. Ein- komm'ensteuercapital, Darmstadt 16 271 mit 4 176 980 Mk., Offenbach 11 058 mit 2 006 205 Mk., Worms 8007 mit 1 381 835 Mk., Gießen 4548 mit 1 236 315 Mk., Bingen 2324 mit 491 810 Mk. **Aus Stempelmarkeu wurden im Großherzogthum Hessen im Rechnungsjahre 1893/94 vereinnahmt 1 143 427 Mk. 60 Pfg. Die größte Einnahme erzielten die Stempelmarken zum Preise von 6 Mk. mit 136 638 Mk., die kleinste die 5 Pfg.- Marken mit 3255 Mk. 20 Pfg. An 300 Mk.-Markcn wurden 102 000 Mk. vereinnahmt. x. Aus Grüuberg, 12. November, erhalten wir folgende Zuschrift: Das Gespächsthema der Bewohner unsers Städtchens bildet eben die Erbauung der Nebenbahnen, und es ist ganz natürlich, daß sich die Grünberger von einem neuesten Project sehr überrascht finden- denn dieses ändert einen früheren Plan zum Nachtheile der Stadt in unverhoffter Weise ab und bedroht Grünberg, welches durch die seit einer Reihe von Jahren eingetretenen Veränderungen in verschiedenen Verhältnissen schon vielfach geschädigt worden ist, mit neuen empfindlichen Nachtheilen. In dem Gesetz vom 15. November 1890 wurde bestimmt, daß die Nebenbahn Laubach—Grünberg an einem Punkte der Oberhessischen Eisenbahn zwischen Grünberg und Mücke einlaufen solle. In dem neuen Gesetzentwurf vom 2. November l. I., welcher der Zweiten Kammer vorgelegt werden soll, verschwindet aber ganz die Linie Laubach—Grünberg, und an ihre Stelle tritt die Linie Laubach—Mücke. Es soll also eine Bahn, ohne Grünberg zu berühren, so ziemlich um die Stadt herum, gar nicht weit von ihren Gemarkungßgrenzen, hergestellt werden und anstatt in dem größeren verkehrreichen Grünberg, in der aus einigen Häusern bestehenden Station Mücke in die Oberhessische Eisenbahn einmünden. Wenn man dieses Project betrachtet, so sollte man meinen, der Verkehr des westlichen Abhangs des Vogelsbergs gehe nach Norden- aber dieses ist durchaus nicht der Fall, sondern Gießen und Frankfurt lenken durch ihre größere Anziehungskraft den Zug nach Westen und Süden« Oder man sollte glauben, der Bau der Nebenbahn Laubach- Mücke sei weniger schwierig und verursache geringere Kosten, als die Errichtung der Bahn Laubach—Grünberg? Aber auch hier ist das Gegentheil der Fall- denn die Ausführung des neuesten Projects ist nicht nur schwieriger, sondern auch um 375000 Mark theurer, da diese Linie um 3 Kilometer änger ist, als die erst projectirte. Es ist daher unerfindlich, was die Hohe Staatsregierung zur Aufgabe des früheren Plans bestimmt hat, zumal bei der neu ins Auge gefaßten Linie auch die Steigung bedeutend höher wird, als bei der Linie Laubach—Grünberg. Es muß leider zugestanden werden, daß sich Grünberg, trotz des Fleißes und der Sparsamkeit einer Bewohner nicht so entwickelt hat, wie andere Städtchen fleichen Kalibers. Um so mehr ist es daher die Pflicht jedes Bürgers und ganz besonders des Sladtvorftandes, die Stadt vor neuen Schädigungen zu bewahren, und die weise Staatsregierung, sowie die Hohen Ständekammern werden sie gewiß in diesem Bemühen unterstützen. Dietzenbach, 9. November. Aus zuverlässiger Quelle wird der „O. Z." mitgetheilt, daß von den Soldaten des Infanterie-Regiments Nr. 115, welche während deL letzten Manövers hier mit focialistifchen Umtrieben begleitete Exceffe begingen, infolge deren die betr. Compagnie ausquartirt wurde, der Hauptthäter dem Vernehmen nach unter Ausstoßung aus dem Soldatenstande 6 Jahre Zuchthaus, der am nächsten schwer Belastete 5 Jahre Gefängniß, der dritte 6 Monate Festung erhielt. Vermischtes. ♦ Wiesbaden, 12. November. Das plötzliche Verschwinden der 28jährigen Tochter eines Fabrikanten auS der hiesigen Gegend erregt hier großes Aufsehen. ES wird vermachet, daß ihr im Walde ein Unglück zugestoßen ist. • Berlin, 12. November. Die Leiche eines Soldaten vom 3. Garderegiment wurde am Montag Morgen in einem Erdloch am Erweiterungsbau der Kaserne in der Wrangelstraße gesunden. Der Rekrut Szwad aus der Provinz Posen hatte sich mit einem Rafirmeffer den Hals durchschnitten. • Trier, 12. November. Der Schnellzug Metz- Loblenz ist heute Nachmrtrag bei KarthauS entgleist. Maschine und Packwagen find umgeftürzt. Der Verkehr wurde gesperrt. • Moskau, 10. November. In der Oreler Gegend find durch plötzlichen Schnee sturm mehrere Dörfer verweht. Heber hundert Leute werden bisher vermißt und find wahrscheinlich erfroren. * Man kommt auf gar wunderliche Dinge, schreibt das „Mark. Tgbl." in einer Brieskaftennotiz, wenn man mit seinem Beruf nicht zufrieden ist. So ist kürzlich Jemand bei der Behörde sogar vorstellig geworden, an besonders besuchten Straßenpunkten, namentlich in der Nähe der großen Bahnhöfe, Leihanstalten einzurichten, die Nachts geöffnet und dazu bestimml sind, sowohl den durchreisenden Fremden wie den in momentane Verlegenheit gerathenen Einheimischen auch in nächtlicher Zeit Gelegenheit zu bieten, sich aus augenblicklicher ZahlungSoerlegenheit herauSzuhelfen. ♦ Landwirth Genzel in Alberode bei Freyburg hat sechs Söhne beim Militär, fünf davon als Kapitulanten. Um einmal alle zugleich um sich versammelt zu sehen, wandte sich der Vater mit einem Gesuche an den Kaiser. Dieser hat denn auch der Bitte entsprochen und die Eommandeure der Truppentheile, bei denen die Brüder dienen, angewiesen, ihnen von einem bestimmten Tage an zehn Tage Urlaub zu gewähren. DaS Willkommen, das der heimische Herd den sechs Söhnen bereitete, bestand in einem Schlachtfeste. Don dem geopferten Borstenthiere wird nach Ablauf der Urlaubszeit wohl nur noch wenig Übrig fein. ♦ Der Sohn eines wohlhabenden Landmannes in RörbokuaS in Schweden erschoß vor einigen Tagen wider seinen eigenen Willen seine eigene Mutter. Er batte eine Büchse von der Wand genommen, zielte auf die Thüre und drückte in dem Augenblicke ab, als seine Mutter durch die Thür eintrat. Der Schuß traf tödtlich. Citeraiur und Xnnft — Anleitung zur Bildhauerei für den kunftliedenden Laim von Rudolf Matson. Mit 63 in den Text gedruckten Abbildungen. In Origtnal-Leinenband 3 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Es sind im Wesentlichen technische Dinge, dte der Ver- faffer erörtert und durch eine Reihe geschickt gewählter Abbildungen veranschaulicht. Er behandelt das Modelltren flacher und runder Ornamente vom Aufbau deS Gerüst s und dem ersten Anträgen deS Thons bis zur schließlichen Vollend., g der Arbeit, dte Abformung tnGps, die Herstellung der BervtelsältigungSfo men und derAogusse a.-s ihnen, dte mannigfachm Handgriffe und Hilfs- und Aus- brsserungsarbeiten, mit denen der Bitdbauer vertraut fein muß, erläutert ferner die Arbeit in Stuck, die Herstellung von Terrakotten und volychromen Bildwerken, dte Ausführung in Stein und die Holzschnitzerei und gibt endlich noch einen anatomischen Anhang jur Unterstützung des Naturstudiums, das ec selbstverständlich aI8 die wesentlichste Grundlage jeder wirklich künstlerischen Thätigkeil von vornherein und immer wieder von Nmem betont. Verkehr, £an&* rrnd Volksrvivthschast. eutttl, 13. Noobr. Marktbericht. Auf dem heutigen Wocheamarkt kostete: Hutter or. Ptd. X -.95-1,00, Hüh.ir.-eier pr. Stück 4, 2 Stück 15-17 4, «äse pr. St. 4-8 4, /kä'emEe pt. St. 8 4, Erbsen pr Ater 17 4, Anim pr. Liter 28 4, Lauben pt. Paar X 0,60-0,90, Hühner pr Stück X 0,90-1,20, Hahnen pr. St-X0,6)-l,W, Enten pr.St. X 1,60-1,80 Gänsepr.Pfd.46-58, Ochsenfl. pr. Pfd 76 -80 4, Kuh- u Rindfl. pr.Pfd. —704, Schweim, fleisch pr. Psd. 66-76 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 68-70 4, öaumul» flei ch pr. Pfd. 60—70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 3,50—5,00 X, SBelfctraiJ J- " !ück — 4, Zwiebeln pr. Lentner 3,00—3,50 X, M ich n-. Lit^' 16 20 L, Enteneier 2 St. — 4, Gänseeier — 4. Zwischen pr- Ctr X 3,00—4.00. Schöne Maid! Set bedacht auf dte Erhaltung deiner Schönheit, schlechte Toiletleseifen sind Gift für die Haut. Rein, fettreich, mild mutz die Toilette- setse lein, darum verwende nur ausschließlich Doerings Seife mit der Eule, damit erhältst du dick schön, deinen Teint weiß und deine Haut zart. Zu haben L 40 Pfg. 0223 Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. - u. Heilkunde, o Geld-Lotterie Neustadt Rr. 88. ta*du 19329] Versichemngs Actien-Gesellschaft Die Hauptgewinne — - . - er Schneidemühler Ortskrankenkaffe Gießen. Grobherzogliches Kreisamt Gießen hat durch Verfügung vom 2. d. M. mit Zustimmung des Kreisausfchuffes angeordnet, daß der ganze § 22 des KaffenstatutS insolange außer Kraft gesetzt wird, als nicht die Kaffe den Vorschriften des § 32 des Krankenversicherungsgesetzes wegen Bildung des Reservefonds in allen Theilen gerecht wird. 9324 Wir bringen dies unter dem Anfügen zur Kenntniß der Kaffen- Mitglieder, daß hiernach vom 16. d. M. ab die freie ärztliche Behandlung und Gewährung von Medicamenten für die Familienangehörigen der Kaffenmitglieder bis auf Weiteres wegfällt. Gießen, den 13. November 1894. Der Borstand der Ortskrankenkasse Gießen. ; Ä. Schlachthaus. Freibank. [9326 Heute und morgen: Kuhfleisch, nicht ladenrein, per Pfd. 53 Pfg. Versicherung von Arbeitern und Angestellten nicht berufsgenossenschaftlich versicherter Betriebe. E. Passagier-Versicherung. Lediglich gegen Reise-Unfälle auf die Dauer von 4 Tagen bis zu 10 Jahren. Policen in Höhe von X 4000 bis 100000 werden ausgefertigt bei sämmtlichen Agenten. F. Seereise-Versicherung. Versicherung gegen Unfälle auf Seereisen nach sämmtlichen Ländern der Erde. G. Glas-Versicherung. Versicherung gegen Bruchschäden an Spiegelscheiben, Doppelglasscheiben, Spiegeln, Trummeaux etc. H. Valoren-Versicherung. Versicherung von Postwerthsendungen als Effecten (geldwerthe Papiere), "Wechsel, Cheks, Coupons, Papiergeld, Gold, Silber, Bijouterien etc. 9293 Bereitwillige, kostenfreie Anakuoft von der Dlrection und sämmtlichen Vertretern. in Giessen von Job. Fischer, F. Sang, Willi. Senueler. ChristbaumConfect Kutter- und Anis-Gebäck empfiehlt in großer Auswahl billigst die Conditorei 9320 Ludwig Döll Gießen, Marktstraße 32. ! Reichhaltig sortirte Probe kisteu werden für 3 Mark gegen ' Nachnahme versandt. empfiehlt 86360 Jagdwesten, Q gestr. und gew. Jacken, Q Jägerhemden, Q Hautjacken, 88 Unterhosen, Flanellhemden, O Leibhöschen, O Strümpfe und Locken, Q Gamaschen «. Mützen, Q Faust- und 58 Fingerhandschuhe, Filzsohlen und Schuhe, O Biberbetttücher, O Hemdenstanelle, Q । Strickwolle Marke MW. Q OOOOOOOOOÖG Mittwoch, den 14. November 1894, Nachmittags 6 Uhr,1Q in der kleinen Aula der Universität. q • Vortragende: Prof. vr. Thaer: M>ttheilungen mit Demonstrationen, q Prof. Dr. Elbs: Thermosäulen und Akkumulatoren als Stromquelle. ijjf Abbruch. § Meine an der Plockstraße stehende Scheune, aus kräftigem Eichenholz O gebaut und theilweise mit neuem tannenen Gebälk versehen, beabsichtige Q ich am 20. ds. Mts., Mittags 2 Uhr, an Ort und Stelle auf den Ab- Q druch zu versteigern. Reflectanten können bis dahin die näheren Be- q dingungen bei mir einfehen. 9325 M E Bloedner, Plockstraße 2. j w: in Köln am Rhein» Die Gesellschaft gewährt unter besonders günstigen Bedingungen und gegen ■ässjge, feste Prämien {mb 100 000, 80 000, 20 000 Statt A. Einzel-Unfall-Versicherung. j Baar u. s^w. geofeu ‘/4 = Versicherungen gegen Unfälle aller Art innerhalb und ausserhalb des Be- 1 X, **/< — — 50 4» ll/ei — rufes an allen Plätzen Europas zu Wasser und zu Lande und zwar mit und ohne 5 X sind zu haben bet , 8923 Prämien-Rüokgewähr. A. Gretscher, Gießen, B. General-Haftpflicht-Versicherung. Versicherung industrieller und landwirtschaftlicher Betriebe gegen sämmt- liche Haftpflicht-Ansprüche bis zur vollen Höhe der versicherten Summe. C. Haftpflicht-Versicherung für Haus-, Grund- und Fuhrwerksbesitzer, Jäger, Schützen und Schusswaffenbesitzer, sowie als Privatmann und Familienvorstand, Dienstherr, Hundebesitzer, Radfahrer, Besitzer von Luxuspferden. D. Collectiv-Versicherung. im Saale des Felsenkellers statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 9315 Der Vorstand. Im M-Mm. Glac6-, Dänische u. SeideneH ndschuhe || Wännerturnverem. | Ä» Samstag den 17. d. Mts., Abends 8V2 Uhr, 9319 Seltersweg 18. findet zur Feier unseres Stiftungsfestes ein QOOOOOOOOOOO iHobrrt StuMO O 23 Neustadt 23 F LOUIS Wasserdichte Wagendecken. ittlch II. Giessen. Cognac in öiö. Sorten, ff. Liqueur e, Punsch- und Arrac-Essenz, sowie div. Essenzen zu Bowleu empfiehlt [8864 Heinrich Wallach. Mosel-Cognac aus der Destillerie von A. 2. 8lfen in Trier a. d. Mosel, Weindestillat obre den geringsten Spritzusatz. In Brüffel mit der stlbernen Medaille gekrönt, empfiehlt die Vj Flasche zu Mk. 3.— und die Vz Flasche zu Mk. 1.60. [6498 PH. Sauet II., Bahnholstr-, Gießen. Cognacbrennerei Scherer & Co. Langen, Hessen. AerZilien empfohlen. 1604 Von Kennern bevorzugt Bei Konsumenten beliebt. Literflasche Mk. 2 — Ganze Fl. 1,80 2,503,-3,504,-5,—. Alleinige Niederlage: Adolf Geisse, Giessen. Lauterbacher Bier aus der Freihcrrl. Riedefel- schen Brauerei, Dortmunder Bier in ganzen und halben Flaschen, empfiehlt 9166 Gerh. Bötz, Neuen Baue 17. Conserven aller Art empfiehlt [8863 Heinrich Wallach. WkIWMMMii und Hülsenfrüchte empfiehlt in bester Qualität [8862 Heinrich Wallach. Corned-Beef ! im Ausschnitt empfiehlt 8562 Gust. Walter, Mäusburg 13- Kreppei Berliner Pfannkuchen empfiehlt von heute an täglich frich in ff. Qualität 9258 Conditorei und Cafe L. Weiffenbach, Kreuzpl. 9262] Suter bürgert. Mittags- tisch im Abonnement X 0.45 1 Restauration »Stirn Psau^. Caeao, Choeolade, Thee, Knorrs Suppentafeln, Knorr s Hafermehl, gesch. Vict.Erbsen, Hellcrln.ie., ( gutfodienb, wertze Bohnen f empfiehlt 9156 Gerh. Bötz, Neuen Baue 71 Prima Lpeise-Knrinffeln per Centner 2 X. sind von heute an fortwährend zu haben bei Georg Euler, Wallthorstraße 33. 9322 Jacob Klaus, Ober-Mockstadt. Frische Eier empfiehlt 9321 J. M. Schulhof. Täglich frische Nilch 93011 M Phil. Schwan I , Neustadt 43. Gutachten. Herr Carl Retter in München übergab mir eine als „Haarwasser“ bezeichnete Flüssigkeit mit dem Gesuche, dieselbe zu prüfen und gutachllich darüber zu berichten. Dieses Haarwasser enthält der damit angestellten Analyse zufolge durchaus -keine den Haaren nachtheilige Maierien; ihre Bestandtheile sind vielmehr solcher Art, daß von dem Gebrauche des Mittels eher ein wohl- thätiger Einfluß auf das Wachsthum der Haare zu erwarten ist und steht daher ihrer Anwendung keinerlei Bedenken entgegen. 5795 München, 7. September 1867. (L. S.) Dr. K. g. Wittstein. Zu haben ä 40 Pfg. u. Mk. 110 b I. H. Kuhr, Sonnenstraße 25. Raupenleim, wirksamstes Mittel gegen Froftspanner rc. empfiehlt beste Qualität billigst 8157 Gustav Walter, Mäusburg 13. Wacksteine Feldbrand, la. Qualität, jedes Quantum billigst, nahe und gute Abfahrt; auch können dieselben zur Baustelle geliefert werden. August Helfenbein 9270 Weserstraße 8. Alte Sandsteinplatten noch sehr gut, von 25 cm bis 1 m im Quadrat, sind zu haben bei August Helfenbein 9271 Weserstraße 8. Zur Anfertigung von Treppenban aller Uri empfiehlt sich Justas Heck 7480] Neustadt 10. Wernüettzungen. 9327] Schöne Wohnung, 4—5 Zimm-, für sofort zu oerm. Bleichfiraße 6. 90551 2 Zimmer, Küche, abgeschlossener Corridor mit Zubehör. Sderstraße 6. 9069] Ein ganz neu hergerichteteS FamllienlogiS, 4—5 Zimmer mit abae- schl- Corridor, Wafferleitung und allen Bequemlichkeiten rc, sogleich oder später zu vermietben- LouiS Lotz, Bahnbofstr. 22. 5485] Eine Familienwohnung im ersten Stock, bestehend aus 4 Zimmer mit allem Zubehör, per sofort zu verm Asterweg 6. im Festsaal Leib’scher Saal Walltliorstr 9219 CO co cd nähme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. s ‘Otto Fritz, Bleichstraße 24. 8338 « cd Südanlage 5 II. 9250 Cuba, Jamaika rc. Worms unk. b. 1901 4% 3/o 4,/i% Franks. Landw. Cred. Bk. dto. 98.70 Darmst. Bk.-Actten 31.6— pfehlen 8582 L. Treff & Cie. Petrolith Wichtige Erfindung für Jedermann! Patentirt in allen Staaten! Präparat für Petroleum zur Verbesserung des Lichtes! 103.50 103.7ö cd cd CD oo CO cd cd 103.75 94 — etuf 16.24 20.36 4.19 S :ä w S C8 'S s s WtU 16.19 20.3 4.16 4Ve°/e Oesterr. Silberrente 4 ü/ü Ung. Gold-Rente 3% Portugiesen 6% Mexicaner 4°/n Monopol-Griechen von e S ® to fa V 99.20 104.50 103.— 81.15 100.40 26.30 67.60 1887 34.4g 101.20 105.05 Poröswasserdichte Eine Fahrt mit demSchnelldampfer Augusta Victoria nach New - 4)ork. Niagarafälle. Seereise nach Westindien, ,® © ® -S ® e Ausschluss der Explosionsgefahr! edeutends Oelersparniss! „„Höhere Leuchtkraft! ein Schwitzen der Lampen mehr! Qin Russen u. Schwalchen der flamme! ^\directer Zusatz zum Petroleum. Dosis a 20 Pfg. Für eine Lampe reicht aus Für einen Monat. Erhältlich in Blechschachteln ä 80 PFg. in allen GeschäFten welche durch Ptacate kenntlich gemacht sind 9023] Möblirte Zimmer zu oermiethen. ____________Bahuhofstratze 22. 3Ve% DeutscheReichsanl. 3% Preuß. Consols 3/o Preuß Hyp. A. Bk. 4% DeutfcheGrdsch.B.unk.b.1904 104.— 4% Pomm.Hyp.A.Bk.unk.b 1904 Gastspiel von Mitgliedern des Stadttheaters zu Frankfurt a. M. Tartuffe, Lustspiel in 5 Acten von M o 1 i e r e; vorher Pin Millinnör *1 D Lustspiel in 1 Act von Labiche unt ulll UlllllUlltll d. U. Legouve (Deutsch von W. Wolff). Billets in der Musikalienhandlung Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger), sowie an der Abendkasse I. Parquet Mk. 3.50, II. Parquet und Balkon I. Reihe Mk. 2.25. Studentenkarten Mk. 1., Gallerie Mk. 1., Schüler und Schülerinnen der höheren Lehr- Franz. Banknoten Oesterr. dto. Americ. An- und Verkauf von W er thpapier en. Einlösung von Conpons. Eröffnung laufender Rechnungen. Genaue Controlle aller Verloosungen. 8148 Lodenmäntel und Lodenjoppen in allen Fa^one em- Omnibus Verbindung dem BahnhcE 7 Uhr Morgens. Fahrpreis 10 Pfennig. 10 Uhr SOmM» Ame A SelteeSweg—Kreuz—Markt—Waüthor—Marburgerstraße. Lime B Bahnhofstuche—Markt—Neuen Bäue—Srünbergerstraß«. 9266] Ein gut mSbl. Zimmer sofort zu oermiethen. «elterSlveg 6. 8282* Zwei inetnandergehende möblirte Zimmer sind zu oermiethen. Ludwtastraße 59, 1 Tr. § Herzlich gern tbeile unentgeltl. denen mit, welche an Magenletden, Verdauungsstörung, Appetttmangel rc leiden, wie sehr ich selbst daran gelit'en u. wie ich biervon befreit Pastor Langheim a. D., Braunschweig, Husarenftr. 35 c. Danksagung. Für die glückliche Heilung meines seit echs Monaten bestehenden hartnäckigen Lungenhuftens, verbunden mit schmerzhaften Stichen, welches Leiden mich ort ans Bett fesselte und mir Tag und Nacht keine Ruhe ließ, sage ich Herrn Dr. med. Bolbeding, homöopathischer Arzt in Düffeldorf, König-allee 0 meinen berzliäfien Dank. Es ist mein eifrigstes Bestreben, genannten Herrn vielfach anderweitig zu empfehlen. 7054 Krau Marie Pntschkov, geb. Bethaus, Magdeburg, Fürstenstraße 23 a. Coursbericht vou JL Kurz