R«. 240 Der Gießener An,elger ericheint täglich, mit Ausnahme drS Montags. Die Gießmer Jamltienölätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Erstes Blatt. Samstag den 13. Oktober 1894 Meßmer Anzeig er Vierteljähriger Monntmtntsprd»: 2 Marl 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kenerat-Itnzeiger. Kchukstraße Wr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den fokgcnSen Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. chraiisöeikage: Gießener Kamitienökätter. Me Annoncen-Bureaux des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2lmtlid?er Ltzeil. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß nach Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz die Orts- und Polizeidiener resp. Ausscheller bei Bekanntmachungen und Versteigerungen in herrschaftlichen (fiscalischen) und Privatangelegenheiten vom 1. Januar 1895 an die in dem nachstehenden Tarif festgesetzten Gebühren zu beziehen haben, insoweit nicht durch besondere Verfügung höhere als diese Gebühren genehmigt worden siud. Gießen, den 9. October 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gebühren-Tarif der Orts- und Polizeidiener, sowie der Ausscheller bei Bekanntmachungen und Versteigerungen in herrschaftlichen Angelegenheiten. Die Orts- und Polizeidiener, sowie die Ausscheller haben künftig in herrschaftlichen Angelegenheiten als Gebühr zu beziehen: L Für Bekanntmachungen durch die Schelle: £ in den Gemeinden 8. Findet sich in 50 25 75 60 dft 2 1 1 1 50 35 die Ankündigung verschiedener Versteigerungen zc. formell vereinigt, so ist dafür nur der einfache (einmalige) Gebühren- Städten Darmstadt und Mainz „ Gießen, Offenbach, Worms über 5000 Seelen . . „ 2500—5000 Seelen „ 1000—2500 „ 500—1000 bis 500 Seelen in Rhein Hessen und Starkenburg bis 500 Seelen in Oberhessen — einer und derselben Bekanntmachung 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. bezug statthaft; soll dagegen eine und dieselbe Bekanntmachung mehrmals bei der Schelle publicirt werden, so kann ebenso oft die Gebühr beansprucht werden. II. Für das Ausschellen zum Zeichen des Beginns einer Versteigerung, wenn dies ausdrücklich verlangt wird, — jedoch ohne Verkündigung: X 5, 1. in den Gemeinden über 5000 Seelen ... 1 — 2. „ „ „ „ 2500—5000 Seelen. — 75 3. ....... 1000-2500 „ . — 50 4. in den Gemeinden über 500—1000 Seelen . — 40 5. „ „ „ bis 500 Seelen in 'Rheinhessen und Starkenburg . — 35 6. „ „ „ bis 500 Seelen in Oberhessen — 20 III. Für das Läuten mit der Thurmglocke zum Zeichen des Beginns einer Versteigerung: wo dies bisher üblich war und auch fernerhin verlangt wird.............— JC 20 IV. Für das Ausrufen bei Versteigerungen, wobei jedoch (da es den fiskalischen Beamten unbenommen ist, sich die Personen zum Ausrufen der Gebote nach ihrem Ermesien auszuwählen) die Orts- und Polizeidiener rc. kein Recht darauf haben, zum Ausrufen verwendet zu werden: 1. in Gemeinden über 5000 Seelen $ a. in Starkenburg und Oberhessen ■ für die erste Stunde des Ausrufens... — 65 jede weitere Stunde des Ausrufens. . — 50 das Maximum für einen Tag darf jedoch nicht übersteigen........3 — 2. in Gemeinden bis zu 5000 Seelen a. in Starkenburg und Oberheffen für die erste Stunde des Ausrufens... — 50 „ jede weitere Stunde des Ausrufens. . — 40 das Maximum für einen Tag darf jedoch nicht übersteigen........2 40 Die landwirthschaftliche Winterschule in Alsfeld betr. Die landwirthschaftl. Winterschule Alsfeld beginnt ihren 23. Wintercursus Montag, den 5. November. Indem wir hiermit zum Besuche desselben entladen, bemerken wir, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirthen diejenigen Fachkenntniffe, welche heute zur rationellen Bewirth- schaftung bäuerlicher Güter nothwendig find, in zwei fünfmonatlichen Wintercursen zu vermitteln. Zur Erreichung dieses Zieles lehren an der Schule zwei Landwirthschaftslehrer und vier Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehrmittelsammlung zweckentsprechend ausgerüstet. Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche oas Unterrichtsziel der Volksschule erreicht > haben; in den oberen Cursus nur solche, welche schon den 1 unteren Cursus mit Erfolg besucht haben, oder welche nachweisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Cursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirthe können als Hospitanten ausgenommen werden. Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung unbedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Famllien,unb können Pensionen zu 30—40 Mk. pr. Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn Landwirthschaftslehrer Leithiger, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für das Wintersemester 25 Mk. Anmeldungen sind an den Aufsichtsrath oder an Herrn Landwirthschaftslehrer Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, speciellere Anfragen zu beantworten. Alsfeld, den 30. August 1894. Der Aufsichtsrath der landwirthschaftl. Winterschule Alsfeld: v. Grolman. Deutsches Reich. Berlin, 11. October. Die Vorbereitungen für die herannahende Reichstagssession haben mit dem erfolgten Zusammentritt des Bundesrathsplenums einen ersten kräftigen Schritt nach vorwärts gethan. Bemerkenswerthere Beschlüsse hat die begonnene neue Sitzungsperiode des BundeS- raths freilich noch nicht gezeitigt, da eben der genannten Körperschaft noch keine wichtigeren Sachen zur Begutachtung und Beschlußfassung unterbreitet worden sind. Jedenfalls steht aber zu erwarten, daß sie bis zur Eröffnung der Reichstagssession, also bis ungefähr Mitte November, hinlänglich Berathungsstoff für das Reichsparlament ferttggestellt haben wird. Noch nicht völlig entschieden scheint es zu sein, ob der Reichstag nochmals in seinem bisherigen Heim zusammenkommt oder gleich das neue Sitzungsgebäude bezieht, wenigstens lassen neuere Berliner Meldungen durchblicken, daß der Reichstag die ersten Wochen seiner bevorstehenden Session möglicher Weise doch noch in dem bisherigen Sitzungsgebäude zubringen werde. — Die kürzlich abgehaltenen Berathungen im Reichsamt des Innern über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs haben dem Vernehmen nach hauptsächlich drei Punkten gegolten: Der civilrechtlichen Regelung der ganzen Frage, der Ermittelung des Schadens und der Vorbeugung der aus dem unlauteren Wettbewerb entspringenden Schäden. Inwieweit die Conferenzverhandlungen hierüber eine Verständigung ergeben haben, steht noch dahin. Nerieste Nachrichten. ÄolffS telegraphisches Torrespondenz-Burea». Berlin, 11. October. Der ständige Ausschuß des Colonialraths trat heute zur Regelung der Frage der deutschen Auswanderung unter dem Vorsitz des Unter- ftaatssecretärs Jakobi zusammen. Scharlach (Hamburg) erstattete das Referat; Director Kayser wohnte der Sitzung bei. Posen, 11. October. Cultusminister Bosse, der gestern hier etntraf und beim Oberpräfidenten v. Willamowitz abstieg, machte gestern Abend dem Erzbischof v. St ab lew Ski einen Besuch. Heute Vormittag fand im Beisein des Cultus- Ministers, des Oberpräfidenten und der Spitzen der Behörden die Einweihung des neuen Amtsgebäudes für das königliche Consistorium statt. Nach dem Wethegebet überreichte der Cultusminister im Auftrage des Kaisers dessen Bild für das neue Consistorium mit einer Ansprache, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. Nachmittags reiste der Minister nach Berlin zurück. Coburg, 11. October. Wie die „Coburger Zeitung" mittheilt, tft heute in Stnaja die Prinzessin Ferdinand von Rumänien von einer Tochter glücklich ent- bunden worden. Loudon, 11. October. Dem Reuter'schen Bureau wird aus Tientsin gemeldet, der chinesische Kaiser habe dem Hauptmanu v. Hannecken den höchsten Grad des Ordens vom doppelten Drachen für seine Verdienste in der Seeschlacht am Yaluflusse verliehen. — Aus Shanghai wird demselben Bureau berichtet, daß die Ausbesserungen der chinesischen Kriegsschiffe in Port Arthur noch wenigstens zehn Tage beanspruchen. — Nach einem bisher unbestätigten Gerüchte fand ein neuer Angriff auf die Missionäre bei Nintschwang statt. Loudon, 11. October. Der „Times" wird aus Tientsin gemeldet, daß die japanische Flotte bei dem letzten Seegefecht viel stärker beschädigt worden ist, als man geglaubt hat, obgleich die Japaner ihre Verluste möglichst verbergen. — Der japanische Admiral machte in den letzten Tagen mit einem weißgefärbt n Panzerschiff und ähnlichen Schiffen eine Demonstration, während zwei Kreuzer regelmäßig in der Nähe der Halbinsel Shantung bemerkt werden. Depeschen bei Bure« »Herold*. Berlin, 11. October. Der Ministerpräsident Graf Eulenburg hat ebenso wie Reichskanzler Graf Caprivi in Hubertusstock dem Kaiser einen Vortrag gehalten, nachdem beide Herren vor der Abreise des Grafen Eulenburg nach Hubertusstock eine Besprechung gehabt hatten. ES ist noch unbestimmt, ob die Sitzung des Staatsministeriums, worin die Maßregeln zur Bekämpfung der Umsturzbewegung berathen werden, morgen oder Samstag stattfindet. — Wie die „Börsenzeitung" erfährt, hat sich Professor Schweninger deshalb gestern nach Varzin begeben, um zu constatiren, ob das Fürstenpaar jetzt die Reise nach Friedrichsruh vornehmen soll. — Gegenüber anderweitigen Meldungen über die bevorstehende Eröffnung und Tagung des Reichstages theilt die „Kreuzztg." mit, die erste Sitzung nach Eröffnung im weißen Saale findet im neuen Gebäude statt- es ist tndeß nicht ausgeschlossen, daß dann noch einige Sitzungen im alten Hause abgehalten werden. Berlin, 11. October. Dem Bundesrath find der Etat des Reichsamts des Innern für 1895/96, die Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landesverwaltung von Elsaß-Lothringen für 1893/94, sowie der Entwurf einer An- Weisung zur chemischen Untersuchung des Meines zugegangen. Berlin, 11. October. Aus Wiesbaden wird gemeldet: Der König von Griechenland und Prinz Heinrich werden heute zum Besuch der Kaiserin Friedrich auf Schloß Frtedrichshof erwartet, wo der Statthalter von Elsaß-Loth- ringen, Fürst Hohenlohe, bereits gestern Abend eingetroffen ist. Prinz Waldemar und die Prinzessin Feodora weilen schon seit einiger Zeit bet ihrer kaiserlichen Großmutter. Berlin, 11. October. Auch heute Morgen siud einige freigelassene Unteroffiziere aus Magdeburg hier angekommen- dieselben erzählten, daß Alle, ob schuldig ober unschuldig, an ihre Truppentheile zurückgewtesen werden. Berlin, 11. October. In der Affaire der Oberfeuerwerkerschüler soll die Untersuchung 'ergeben haben, daß der Ruf „Hoch die Anarchie!" gar nicht gefallen, sondern nur die Worte: „Hoch die Artillerie!" was bet dem herrschenden Lärm falsch verstanden worden ist. Berlin, 11. October. Aus dem Antwortschreiben des Fürsten Bismarck an die Deputation der Ostpreußen, welche ihn in Varzin besuchen wollen, geht hervor, daß der Fürst seines ungünstigen Gesundheitszustandes wegen um einen Aufschub des Besuches ersuchen mußte. Professor Schweninger ist nach Varzin abgereist. Berlin, 11. October. Der in dem großen Wucherprozeß verwickelte berüchtigte Geldverlether Pariser ist, wie die „Staatsbürgerzeitung" zu melden weiß, entflohen. Auch soll der flüchtige Wucherer Ostertag bereits in London in Sicherheit sein. Berlin, 11. October. Dem „Tageblatt" wird aus Petersburg gemeldet, daß am 5. October Inder Mongolei ein Aufstand ausgebrochen ist. Chinesische Truppen wurden zur Unterdrückung des Ausstandes abgeschickt. DaS Ziel der Aufständischen soll dahin gehen, die Mongolei, nachdem die verhaßten Chinesen vertrieben, Rußland zur Jn- corporation anzubieten. Posen, 11. October. Nach einer Meldung auS Krone an der Brahe ist die katholische Kirche in Dobrcz gestern Abend vollständig niedergebrannt. Hamburg, 11. October. Der von hier nach Afrika abgehende Reichspostdampfer „Kanzler" stieß in vergangener Nacht im Altonaer Hafen mit einem Last schiff zusammen, welches sofort unter sank. Die Bemannung konnte nach vieler Mühe gerettet werden. Wien, 11. October. Das „Fremdenblatt" meldet, die Regierungen von Oesterreich-Ungarn beabsichtigen ein Spiri- tus-Zwischenhandelmonopol einzuführen. An den Mehrerträgen sollen die Kronländer theilnehmen. Wien, 11. October. AuS Corfu wird gemeldet, es sei der Auftrag hierher gelangt, die nöthigen Vorbereitungen für die Ankunft des Czaren zu treffen. Die Ankunft res Kaisers ist noch nicht bestimmt. Zwei Schlösser werden hergestellt, eines im Innern der Stadt uub'emeö außerhalb derselben gelegen. Letzteres ist dem König von Griechenland zugehörig. Budapest, 11. October. Die drei Gesetze betreffend die Civil eh e werden zusammen dem Kaiser zur Sanction unterbreitet werden. Loudon, 11. October. Laut einer Meldung aus Peking wurden fünf chinesische Spione, welche den Japanern die chinesischen Stellungen verrathen und die telegraphische Verbindung von Port Arthur mit den unterseeischen Torpillen durchschnitten hatten, hingerichtet. Loudou, 11. October. Die Blätter veröffentlichen Telegramme auö Shanghai, wonach die von den englischen und deutschen Schiffen ausgeladenen Flinten chinesischen Truppen auf dem Kriegsschauplätze ausgetheilt worden sind. Den Chinesen fehlt es gänzlich an Flinten. Reservegewehre existiren nicht. Tausende von Soldaten mußten mit Bogen und Pfeilen in den Krieg gehen. Die Chinesen verfügen nur über eine kleine Anzahl kleinkalibriger Kanonen. Mit deutschen Waffenfabriken hat China neue Contracte für Gewehre und Pa« rronenlteferung zu den höchsten Preisen abgeschloffen. Die Ablieferung wird in einem deutschen Hafen erfolgen; die Regierung trägt das Risiko des Transports. Loudou, 11. October. Depeschen aus Shanghai melden, daß bei Wei Hei-Wei eine Seeschlacht bevorstehe. Admiral Ting steht mit dem Biceköntg Lt-Hung-Chang wegen der Vorbereitung des Gefechts in Unterhandlung. Loudou, 11. October. Die „Times" meldet aus Tientsin, der Kaiser von China habe persönlich die Initiative zur Nationalvertheidigung ergriffen, die derselbe energisch führen werde. Die Meldung sagt weiter, daß die Regierung über ungeahnte Hilfsquellen verfüge. Loudon, 11. October. Der englische Generalconsul in China, Patrick Henderson, welcher sich behufs Entgegennahme dienstlicher Instructionen im Ministerium vorstellte, erschoß sich im Wartezimmer daselbst aus noch unbekannten Gründen. Petersburg, 11. October. Die russische Regierung wird mehrere Aerzte nach Berlin, Halle und Paris entsenden, welche sich mit dem Studium der Methode der Heilung Diphtheritiskranker durch Heilserum beschäftigen sollen. Sofia, 11. October. Die „Swoboda", das Organ Stambulows, behauptet, der Kriegsminister Petrow habe geäußert, es werde Militärdictatur eintreten, falls sich die Parteien in der neuen Sobranje nicht einigen würden. Newyork, 11. October. In den Gruben von Shamokrin (Pennsylvanien) haben schreckliche Explosionen schlagender Welter stattgefunden. Zahlreiche Arbeiter find verbrannt und viele verwundet. Die Grube steht noch in Flammen. Die genaue Zahl der Opfer ist noch unbekannt. Sitzung der Stadtverordneten am 11. October 1894. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Grünberg und Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Emmelius, Faber, Flett, Grünewald, Dr. Gutfleisch, Habeuicht, Helfrich, Heyligenstaedt, Homberger, Keller, Löber, Petri, Dr. Schäfer, Dr. Ploch, Schiele, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Herr Oberbürgermeister Gnauth macht vor Eintritt in die Tagesordnung Mittheilung von dem Eingänge zweier Programme der Landesuniversität,- dieselben sollen unter den Herren Stadtverordneten in Zirkel gesetzt werden. Nach der zur Vorlage kommenden Rechnung der Löbcr'schen Stiftsrechnung für 1893/94 belief sich die Einnahme auf 9989 Mk., die Ausgabe auf 9851 Mk., in welcher Summe größere Capitalrückzahlungen bezw. Ausleihungen enthalten sind. — Der Voranschlag derselben Stiftsrechnung für 1894/95 gleicht sich aus in Einnahmen und Ausgaben mit 2364 Mk. Zur Zeit sind 8 Pfründner im Genuffe je einer Pfründe von 260 Mark jährlich; die Vergebung weiterer Pfründen ist zur Zeit nicht möglich, da Hilfsbedürftige, bei denen die Voraussetzung zutrifft, daß sie in Gießen geboren sind, nicht vorhanden sind. Die Rechnung der P l o ck' scheu S t t f t u n g für 1893/94 ergibt eine Einnahme von 16,836 Mk. (incl. einer größeren Capital- rückzahluug) und eine Ausgabe von 15,164 Mk. (incl. einer größeren Capitalausleihung). Das Capitalvermögen der Stiftung ist von 110,900 Mk. gestiegen auf 112,410 Mk. In dem Voranschlag derselben Stiftung für 1894/95 gleichen Einnahmen und Ausgaben sich aus mit 6760 Mk. Das Rechnung Ser gebniß des Gaswerkes kann nach der vargelegten Uebersicht für 1893/94 als ein günstiges bezeichnet werden. Die Einnahmen bezifferten sich auf 281,364 Mk., gegen den Voranschlag mehr 12,734.39 Mk., die Ausgaben auf 281,186.22 Mk., gegen den Voranschlag mehr 12,556.22 Mk., wobei zu bemerken ist, daß neben erheblichen Anschaffungen für das Magazin 25,000 Mk. als Amortisation abgeschrieben und 30,521.60 Mk. als Betriebsüberschuß an die Stadtkaffe abgeliefert werden können. — — Weniger günstig gestaltet sich die Rechnung des Wasserwerkes, da der Waffermangel des vorigen Sommers einen erheblichen Ausfall in den Einnahmen verursachte. Die Einnahmen bezifferten sich auf 76,205.50 Mk., die Ausgaben auf die gleiche Summe, unter letzteren find aufgeführt 13,562.33 Mk. Amorrisation und 20,362.83 Mk. Zinsen. Die Rechnung blieb um 3594.50 Mk. hinter dem Voranschlag zurück. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkte am Schlüsse seines Referates, daß in etwa 8 bis 10 Tagen die Quellen bei Queckborn angeschlossen und damit die Stadt über Bedarf mit Wasser versorgt sein würde. Bei Erwägung der Frage, ob für die Häuser von Tepor Wtwe. und Hengst an der Li ch erst raße die Anlage von Vorgärten zu verlangen sei, hat die Baudeputation zunächst in Vorschlag gebracht, den Graben vor den bezeichneten Häusern zu beseitigen und durch eine Rohrleitung zu ersetzen, ; ferner das Banket bis zum sog. Colonnenweg zu verbessern. Die Genehmigung hierzu wird unter Bewilligung der auf 480 Mk. veranschlagten Kosten ertheilt. Nachdem auf Grund zwischen Staat und Stadt geschlossenen Vertrages die Unterhaltung der Ortsdurchfahrten auf bie Stadt übergegangen ist, ist der letzteren die Aufgabe erwachsen, dieKrofdorfer Straße an ihrer Einmündung in die Rodheimerftraße zu verbessern. Es wird auf Grund des Antrags der Baudeputation beschlossen, eine gepflasterte Goffe bis zum Lohmühlsbach, sowie einen gepflasterten Heber» gang in der Nähe des „Fischerhofs" Herstellen zu lassen. In Verfolg eines früher genehmigten Gesuches um Herstellung, bezw. Chaussirung einer Thetlstrecke des Aulweges wird beschlossen, denselben auf die Länge von ca. 400 Meter bis zum Leihgesterner Weg auf drei Meter Breite chaussiren zu lassen, wofür 2700 Mk. in den nächsten Voranschlag eingestellt werden. Die mit den Hausbesitzern der Schützeustraße infolge deren wiederholter Gesuche um Ausbau der Straße gepflogenen Verhandlungen wegen des Geländeerwerbs sind nunmehr soweit gediehen, daß der Ausbau in Angriff genommen werden kann. Es werden die auf Mk. 9600 Mk. veranschlagten Kosten bewilligt und das (Stabtbauamt ermächtigt, die Erd- und Maurerarbeiten zu vergeben und sofort ausführen zu lassen, um dem während des Winters stärkeren Angebot von Arbeitskräften möglichst Rechnung tragen zu können. Die der Regulirnng der Wieseck auf der Rest- strecke zwischen Garten- und Moltkestraße bisher entgegengestandenen Schwierigkeiten sind nach Zustandekommen der Gelände-Erwerbs-Verhandlungen zwischen der Stadt und Löbers Erben enbgiltig gehoben. Auch bezüglich der hier in Betracht kommenden, auf 10 500 Mk. veranschlagten Arbeiten wird unverzügliche Ausführung während der Wintermonate beschlossen. Mit Fertigstellung dieser Arbeiten erhält das Areal des Gas- und Wafferwerks durch Einfüllung der breiten Wieseckböschung einen Zuwachs. Dem Gesuch des Eis Vereins um Erlaubniß zur Benutzung der städtischen Wiesen in den Eichen wird unter den bisherigen Bedingungen stattgegeben. Die durch die Anlage des Fußbankets im Zuge der Moltkestraße um ein Drittel verkleinerte Wiesenfläche soll auch nach Norden hin durch einen Damm abgegrenzt werden, um die unnöthige Ausdehnung einer dünnen, dem Graswuchs schädlichen Eiskruste zu verhindern. Die Kosten für Aufführung dieses Dammes nebst gleichzeitig vorzunehmender Abtragung eines Wiesenrückens im Betrage von 70 bis 100 Mk. sollen je zur Hälfte von der Stadt und dem Eisverein getragen werden. Auf Ersuchen der Großherzoglichen Direction der Kliniken sollen an den Eingängen zu der Verbindungsstraße zwilchen den Bahnhöfen und der Frankfurter Straße Plakatstöcke aufgestellt werden, um den fremden, die Kliniken besuchenden Personen als Wegweiser zu dienen. Die Plakatstöcke sollen in gefälliger Form aus Schmiedeisen mit deutliche Aufschriften tragenden Tafeln gefertigt und eine derselben nahe am Ausgange zur Rampe am Bahnhofe, der andere links am Eingänge von der Frankfurter Straße aufgestellt und die Anfertigung der Plakatstöcke je nach dem SubmissionS- ergebniß einem der Herren Schloffermeister Dörr, Stohr oder Wigandt übertragen werden. Bezüglich des Gesuches mehrerer Bewohner der Nord- Anlage um Anlage eines WafferabsührcanalS aus ihren Häusern nach dem Schoorgraben wird beschlossen, dem Gesuch unter den von den Gesuchstellern selbst vorgeschlagenen Bedingungen, in denen sie sich u. A. zur Erstattung der Kosten verpflichten, widerruflich und mit dem Anfügen ftatt- zugeben, daß die Stadt auf Entfernung des Rohrcanals verzichtet, wenn der Widerruf erfolgen sollte. Der wegen Benutzung des östlichen Thorhauses am Neuenwegerthor für Zwecke der Metallaiche entworfene Vertrag zwischen Staat und Stadt, insbesondere auch In Bezug auf Wasserversorgung gen. Locals, wurde genehmigt. Die Arbeits- und Fuhrlöhne für Wald - Cultur- unb Wegbau-Arbeiten im Stadwalde sollen auch für das nächste Jahr in der seitherigen Höhe belasten werden. Das Somite für die nächstjährige Wanderausstellung der deutschen Landwirthschaftsgesellschaft in Cöln beabsichtigt zwei Preise im Betrage von 10000 und 5000 Mark auszuschreiben für die beste Lösung der Aufgabe zur Klärung der Abfallwässer und einen Preis für die Lösung der Frage, auf welche Weise sich am besten die Abfälle aus Schlachthöfen und Abdeckereien verwerthen lassen. Das Comits ersucht um Bewilligung eines Beitrags, die Versammlung beschloß 100 Mark für die die Klärung der Abwässer betreffende Preisaufgabe zu bewilligen. Nach Bericht der Schlachthaus-Verwaltung sind zur Complettirung des Inventars nöthig: eine Waage für den amtlichen Gebrauch, eine Decimalwaage für das Verwiegen von Häuten, ein transportabler Absallkübel, sowie vier wafferdichte Schutzmäntel für das Personal. Die Anschaffung der hier aufgesührten Gegenstände wird beschlossen. Das Gesuch des Herrn Gerhard Bötz um Covcession zum Branntweinverkauf über die Straße im Hause Neuen- Bäue 17 wird, entgegen dem die Bcdürfnißfrage verneinenden Bericht Großh. Polizeiamts befürwortet, weil im fraglichen Hause bisher Branntweinverkauf stattfand; desgleichen wird die Bedürfnißfrage bejaht bezüglich des wiederholt gestellten Gesuches des Herrn Georg Heb streit um Erlaubniß zum Branntweinausschank in seiner Wirthschaft Wallthorstraße 46, weil Gesuchsteller bereits Concession zum Wirthschaftsbetrieb besitzt. - CocaXe» nnfc provinzielle» Gießen, den 12, October 1894. ** Ernennungen und Dienstversetzuugen. Seme Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 10. October den Revisionscoutroleur bei dem Hauptsteuerc amte Gießen Adam Ofenloch in gleicher DiensteigensLaft an das Hauptsteueramt Darmstadt zu versetzen; den Haupt- steueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramte Gießen Ludwig Melchior zum Revistonscontroleur bet diesem Amte, den Steueraufseher Christian Friedrich Weise zu Gießen zum Hauptsteueramtsassistenten bei diesem Amte zu ernennen, sowie den Districtseirmehmer der DistrictSeinnehmerei Laubach Georg Friedrich Euler wegen geschwächter Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen. * * Parlamentarisches. Der neue Einko mm ensteuer- Gesetzentwurf ist der zweiten Kammer der Landstände zugegangen. H. Neues Theater. Wenn in einer Stadt wie Gießen eine gute Schauspieltruppe vor die Oeffentlichkeit tritt, sollte man billig von Seiten der Einwohnerschaft eine angemessene Unterstützung des Unternehmens erwarten. Das scheint überall der Fall zu sein — nur in Gießen nicht. Wir haben schon in mehreren kleinen Städten, die zum Theil eine geringere Einwohnerzahl als unsere Stadt aufweisen,. Theatervorstellungen beigewohnt, die sich stets einer regen Betheiligung des Publikums erfreuten. Dabei waren die Leistungen der Darsteller oft minder gut als die deS Reiner'schen Ensembles. Woran es liegt, daß bet uns der Theaterbesuch ein über alle Begriffe minimaler ist, wollen wir vorläufig nicht untersuchen, wir wollen nur den Mitgliedern des Neuen Theaters die Versicherung geben, daß das kühle Verhalten des Gießener Publikums für fie kein Armuthszeugniß ist. Wir würden uns freuen, wenn dieser Hinweis dazu beiträgt, das schlummernde Interesse der Gießener Kunstverständigen zu wecken, denn wir können nicht annehmen,, daß sich klardenkende Leute durch Beeinflussungen anderer Ard bewegen lassen, dem Unternehmen des Herrn Reiners so hart-- näcktg den Rücken zu kehren. Noch eins möchten wir zu bedenken geben. Wenn es richtig ist, daß eine gute Bühne sich ihr Publikum bildet, so ist es auch Thatsache, daß das Publikum durch entsprechende Theilnahme die Leistungen der Darsteller immer mehr bessern, d. i. sich eine gute Bühne schaffen kann. Freilich, wenn, wie gestern Abend, der Vorhang vor leeren Sitzen aufgeht, dann darf es nicht Wunder nehmen, wenn kein rechter Zug in die Darstellung kommen toitL Der erste Act wenigstens verlief ziemlich langweilig und erst beim zweiten und dritten wurden Mitwirkende und Publikum wärmer. Die Rollen waren gut vertheilt. Für den plötzlich erkrankten Herrn Schulz trat Herr Reiners ein und erledigte sich seiner Aufgabe mit gewohntem Geschick. Auf eine eingehende Besprechung verzichten wir diesmal; wir wollen nur betonen, daß im Allgemeinen die Leistungen recht tüchtig genannt werden können. * • Neues Theater. Wegen Erkrankung des neu engagirtew Gesangsliebhabers Herrn Bruno Fischer von Leipzig sieht sich die Direction leider gezwungen, die für kommenden Sonntag geplante Aufführung des „Trompeters von (SäffIngen" abermals um 8 Tage zu verschieben. (Statt, dessen kommt „Der V e i l ch e n f r e s s e r " mit Herrn Alexander Otto in der Titelrolle zur Aufführung, und bafc der flotte Husaren-Lieutenant in dem genannten luftigen Stücke jedenfalls eine ausgezeichnete Leistung des beliebten, Gastes sein wird, unterliegt wohl kaum einem Zweifel. * • Die Gießener Omnibus'Gesellschaft wird vom ersten November ab versuchsweise auf drei Monate Schüler- Abonnements einführen, und damit in dankenswerther Weise vielfach gehegten diesbezüglichen Wünschen entgegenkommen. Das Abonnement wird bei täglich einmaliger Fahr! 2 Mk., bei täglich zweimaliger Fahrt 3.50 Mk. pro Monat betragen und liegen Bedingungen und Liste zum Einzeichnen bei Herrn Ernst Balser offen. Es dürfte diese Neu- Einrichtung seitens der Eltern freudigst begrüßt werden, dcr die Kinder in den Wintermonaten, namentlich Morgens, den Witterungsunbilden empfindlich ausgesetzt sind, sowie auch vorkommendes Verspäten durch anstrengendes Laufen einholen wollen, jedoch dadurch abgemübet und in ihrer Gesundheit benachtheiligt werden. (S. Inserat.) * ♦ Der Verein hessischer Zahnärzte hielt seine dritte Sitzung im Hotel „Britania" zu Darmstadt. Eine größere Anzahl Zahnärzte aus Hessen waren anwesend. Die Tagest ordnung bot den Versammelten sehr viel des Interessanten, so daß wohl alle Betheiligte mit großer Befriedigung auf die Verhandlungen zurückblicken werden. Der Vorstand, bestehend aus den Herren Zahnärzten Koch-Gießen, Mitglied' der Hessischen Prüfungscommission für Zahnärzte, als Vorsitzender, Köhler-Darmstadt, als Schriftführer, Langheinz- Darmstadt, als Rechner, sowie Stahn-Mainz und Jäger- Gießen als Stellvertreter der Vorstandsmitglieder im Verhinderungsfälle — wurde wiedergewählt. Ein Ausflug auf die Ludwigshöhe beschloß die ernste Arbeit und gab den auswärtigen Herren Gelegenheit, die herrliche Umgebung Darmstadts kennen zu lernen. * * Neubewaffnuug der Gendarmerie. Die hessische Gendarmerie wird mit sogenannten Armeerevolvern ausgerüstet. Die sammtliche Mannschaft hat bereits die Instruction zum Gebrauch resp. Tragen des Revolvers tn Händen, während die Revolver vom 15. October ab in Gebrauch kommen »ollen. * * Bon hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Angeblich Dr. Paul von Fraser aus Boston wegen BetrugS- versuchs, von der Staatsanwaltschaft Darmstadt; Taglöhner Friedrich Lindenlaub aus Wetzlar, Schneider Hans Friedrich Oft aus Crumstadt, Sebastian Strinzinger ans Hering, Knecht Adam Herold aus Schwarzenfels, sämmt- lich wegen Diebstahls, von der Staatsanwaltschaft Gießen; Hausbursche Heinrich Seitz aus Offenbach wegen Unterschlagung, von der Polizei Offenbach. * * Vorherbestimmung der Nachtfröste. Die „Frkf. Ztg." veröffentlicht folgendes einfache, der Praxis entnommene Recept zur Vorherbestimmung eintretenber Nachtfröste: Man umwickelt bte Kugel eines Thermometers mit einem Stückchen bünner Leinwanb unb Baumwollsäden, bereu Ende in eint Glas mit Waffer herabhangt und bringt den so präparirten Thermometer an einer gegen die Sonne geschützten Stelle an. Die Temperatur, die man Nachmittags 2 bis 3 abliest, giebt ziemlich sicher, wenn man 4 Grad abzieht, die niedrigste Temperatur in der nächsten Nacht. ** Sämmtliche Veranstalter von Schwindel AuSverkäufeu werden jetzt wegen Betrugs bestraft. „Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe", oder „Wegen Wohnungsveränderung", oder „Au herabgesetzten Schleuderpreisen" sind straffällige Anpreisungen im Handelsgeschäft, wenn sie nicht auf Wahr« heit beruhen. Gerichtlich konnte gegen die Urheber solcher unreellen Ankündigungen bisher nicht vorgegangen werden, weil in jedem derartigen Falle der Nachweis erforderlich war, daß jemand dadurch vermögensrechtlich geschädigt wurde. Nun hat das Reichsgericht dem Betrugsparagraphen folgende Deutung gegeben: Das Feilbieten und der Empfang einer Waare, welche den vom Verkäufer durch die kundgegebene GeschästSanpreisung unterstellten thatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen hinsichtlich ihrer Herkunft, ihrer Beschaffenheit rc. nicht entspricht, oder die aus einem andern geschäft« ltchen Beweggründe als den behaupteten oder in anderer Absicht, zu anderen Zwecken feilgeboten wird, ist vollendeter Betrug, wenn jemand hierdurch zur Zahlung deS verlangten Preises wie zum Geschäftsabschluß überhaupt bestimmt wurde. — Darin, daß der Käufer eine Waare erhalten hat, welche er bei Kenntniß des wahren thatsächlichen Verhaltens voraussichtlich nicht gekauft haben würde, erblickt das Reichsgericht künftig die vom Strafgesetz geforderte Vermögensschädigung. Ob diese groß oder klein, ob der gezahlte Preis in auffälligem Mißverhältniß steht zu der Gegenleistung deS Verkäufers, ist nebensächlich. Um eine Vermögensschädigung zu begründen, genügt es also künftig, daß der Verkäufer mittelst schwindelhafter Geschäfsanpreisung etwas zum Verkaufe angeboten hat, was den Käufer zur Nachfrage und zum Kaufe bestimmte, thatsächlich aber bewirkte, daß letzterer etwas erhielt, was er nicht wollte, oder daß er mit jemanden ein Geschäft abgeschlossen hat, welches er nicht abschlteßen wollte. Sämmtliche auf falschen Thatsachen, Beweggründen oder Zwecken beruhenden Geschäftsanpreisungen können für jeden hierauf erfolgten einzelnen Kaufs- oder Verkaufsabschluß künftig die strafrechtliche Verfolgung deS Anpreisenden nach sich ziehen. Auf den Werth und Preis der gekauften Sache und den etwa sich ergebenden auffälligen Unterschied zwischen beiden (Minderbeschaffenheit) kommt es zur Feststellung deS strafrechtlichen Begriffes der Vermögensschädigung bezw. des Betrugs nicht mehr wesentlich an. Freieufeen, 9. October. Seit einigen Tagen grassirt hier der Typhus. Heute Nacht ist bereits ein junger Bursche demselben erlegen- in einem anderen House liegen Vater und Sohn schwer krank darnieder. Möge baldige Wendung zur Besserung einkehren. Aus dem Elsaß wird den „Neuen Hess. Volksblättern" geschrieben: Geht ein Heffen-Darmstädter das Ortsverzeichniß der Retchslande El saß-Lothringen durch, so wird er sich durch viele Namen angenehm, ja heimathlich, berührt sühlen, sei eS, daß dieselben sich decken mit in seinem Heimathsland bestehenden Ortsnamen, sei es, daß der Wortlaut irgendwie an Hessen oder dessen Vergangenheit oder hessische Ortsnamen erinnert, oder sei eS, daß der Ort unter hessischer Hoheit stand. Zu den beiden ersten Abrheilungen gehören: Altenstadt, Battenheim, Beinheim, Bibltsheim, Bingen, Bischofsheim, Breidenbach, 2 Breitenbach, 2 Büdingen, Erlenbach, 2 Griesheim, Hambach, Haufen, Heßdorf, Hessen, Hessenheim, Hochstätt, Höchsten, Homburg, Kattenhofen, Klein-Bessingen, Laubach, Lichtenberg, 2 Münster, 2 Neunkirchen, Ober- und Niederlauterbach, Nordheim, Osthofen, 2 Rimbach, 2 Rohr- bacb, Schlierbach, Steinbach, Westhosen, Zell._______________ Vermischter. • Cronberg i. T., im October. Den benachbarten, weitbekannten Kronthaler Mineralquellen in Bad Kronthal wurde auf der Antwerpener Weltausstellung die silberne Medaille zuerkannt. * Crefeld, 11. October. Auf schreckliche Art büßte hier gestern eine Frau, Mutter von acht Kindern, ihr Leben ein. Sie wollte einen Topf, dessen aus Fett bestehender Inhalt sich auf dem Herd entzündet hatte, in den Hosraum tragen. Hierbei geriethen ihre Kleider in Brand und im Nu war die Aermste von Flammen eingehüllt. Der Tod erlöste die Verunglückte nach kurzer Zeit von ihren furchtbaren Schmerzen. * Magdeburg. 8. October. Ein schwarzer Einjährig- Freiwilliger dürste das neueste Import - Product aus unseren Colonien sein. Beim hiesigen 4. Feldartillerie- Regiment ist dieser Tage ein sehr intelligenter Negerjüngling, bet der Untersuchung einzustellender Einjährig-Freiwilliger als diensttauglich befunden und auch schon als Einjähriger ein- gekleidet worden. Er spricht gut Deutsch und brachte einen eigenen Burschen mit. * Kiel, 10. October. Ein Verhafteter schleuderte in vergangener Nacht den Schutzmann Lau über die große Brücke am kleinen Kiel ins Wasser, so daß Lau ertrank. * Merseburg, 9. October. In dem benachbarten Reipisch ist gestern der 102jährige Veteran aus den Befreiungskriegen, Gottlieb Gimpel, gestorben. Der Alte war am 16. November 1792 geboren. An einer Reihe von Schlachten gegen Napoleon hat er Antheil genommen. * Lieguitz, 7. October. Vergangenen Sommer wurde ein Zah lm ei st er - A spirant des hiesigen Regiments wegen Betruges vom Kriegsgericht zum Gemeinen degradirt und zu längerer Gefängnißstrafe verurtheilt. Jetzt hat sich, wie der „Kreuzzeitung" berichtet wird, seine Unschuld h e rauSgestellt. Durch Kaiserliche Verordnung ist daher das Urtheil des Kriegsgerichtes ausgehoben und der Betreffende wieder als Feldwebel beim Regiment eingestellt worden. * Mülhausen (Elsaß), 11. October. Der Weinhändler Mangold Vogel aus Sennheim ließ sich durch einen Eisen- bahnzug über fahren. * Leipzig, 10. October. Der 20jährige Steinmetz Beyer sollte zum Militär einrücken und scheint davor eine heillose Angst gehabt zu haben, denn er zog es vor, durch Einnehmen von Cyankali freiwillig in den Tod zu gefen. Mit ihm nahm sich auch seine Braut, die 19jährige Anna Winkler, das Leben. * Wien, 10. October. In voriger Nacht ging über Marchegg und Preßburg ein schweres Gewitter mit einem heftigen Wolkenbruch nieder, wodurch furchtbarer Schaden angertchtet wurde. Mehrere Häuser wurden weg- geschwemmt- zahlreiche Thiere sind zu Grunde gegangen. Der Eisenbahnverkehr ist streckenweise ganz unterbrochen. * Petersburg, 9. October. Wie stark die Trunksucht in der Residenz ist, geht u. A. auch daraus hervor, daß allein im August 5195 Personen wegen Trunksucht auf der Straße polizeilich aufgegriffen worden sind. Da der größte Theil dieser Personen wegen öffentlicher Ruhestörung den Friedensrichtern zur Aburtheilung übergeben wird, so erwächst letzteren eine kaum zu bewältigende Arbeit. * Newyork, 10. October. In Franceville im Staate Newyork stürzte gestern ein 18jährigeS Mädchen, eine Belgierin, in einer Höhe von 400 Meter aus einem Luftballon. Sie war sofort eine Leiche. Eingesandt. H. (Kietzen, 11. October 1894. In Bezug auf die in Ihrem geschätzten Blatte bereit« erschienenen „Eingesandt" betr. Abholung der Tonne« dürste es sich wohl empfehlen, wenn der Vorstand einer der Heer bestehenden BezirkS- veretne — Nordost oder Südwest — diese Anaelegenhcit zum Gegenstand einer Tagesordnung machen würde und demnächst eine Versammlung beriefe, zu welcher sämmtltchen hiesigen Hausbesitzern der Zutritt gestattet sein mützte. Sicher würden diese Vereine sich manche Freunde zusührm oder wenigstens solche, die denselben bisher ferne gestanden, wenn sie ihr Augenmerk mehr auf Fragen von allgemeinem Interesse richten wollten und solche Angelegenheiten zu einer öffentlichen Besprechung brächten, wenn Klagen laut geworden, wenn offenbare Mißstände vorhanden sind und wenn Abhilfe nöthig und beschafft werden kann. kirchliche Anzeigen der Stadt Giehen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Sonntag den 14. October. 21. Sonntag nach Trinitatis. I« der Stadttirche. Vormittags 9Vi Uhr: Pfarrer Schlosser. Beichte und heiliges Abendmahl für die MatthauSgemeinde im Anschluß an den Hauptgottesdienst. Nächsten Sonntag den 21. October: Feier deS Erntedankfestes. An diesem Tag wird eine Collecte erhoben zum Besten deS Fonds zur Erneuerung der Stadtkirche. Donnerstag den 18. October, Abends 8 Uhr Bibelstunbe im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule. Pfarrer Schlosser. 3« der JohanneSkirche. Vormittags 9'/,Uhr: Pfarrer Dingeldey. Vormittags 11 Uhr: Kinderktrche der Lukasgemeinde. Pfarrer Dtngeldey. Nachmittags 2*/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich letzte Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der JohanneSgemetnde. Nächsten Donnerstag den 18 October findet zur Eröffnung der Decanatssynode Vormittags 9 Uhr Gottesdienst in der JohanneS-- ktrche statt. Künftigen Sonntag den 21. October wird das Erntedankfest gefeiert werden- An diesem Sonntag wird eine Collecte für die Erneuerung der Stadtkirche erhoben. Von nächstkünftigem Sonntag an wird der NachmtttagSgotteS- dienst um 5 Uhr gehalten. Katholische Gemeinde. ^Sonntag den 14. Oktober. 22. S- n. Pf- Samstag: Nachmittags um' 4«/, Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 67, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; Die erste hl- Meffe fällt aus „ um 7Ve Uhr AuStheilung der hl. Communion; „ um 8 Uhr hl. Meffe; „ um 97, Uhr Hochamt mit Predigt. Abrnds um 6 Uhr Rosenkranzandacht mit Segen. Anmerkung: Während des ganzen Monats October ist an den Wochentagen täglich des Abends um 6 Bl- unter Nr. 0. 4 erbeten- 8397 8405] Kinderbrttsielle zn kaufen gesucht.«irchenplatz 18. Wohuungs-Verimdttung. Wohne von heute ab 8077 Dammstr. 24, 2 Tr. (im Neubau des Herrn Mühlich). Adolf Arnold, Zitherlehrer. Verlobungs-Anzeigen znJzt m. 02x33.® ZkdZoxiog'rarmax in Brief- und Kartenform werden schnell und geschmackvoll angefertigt in der BrUhPschen Druckerei Sohulsirasse 7. 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Genaue Controlle aller Verloosungen. 8148 Conrad Dietz Bankgeschäft Giessen Schulstrasse 10. 1887 Zusendung nicht stattfindet. 8398 Der Vorstand 8416 Minna Körner Der Vorstand. 8325 straße, entgegen. 8402 8425 ferner auch 8415 Gießen, den 12. October. welches ich kaufe. 8408 Kessler, Pferdemetzger. Tttb®ffen’s 8334 Ludwigsplatz 9. Frankfurter Börse vom 11. October 1894. 4V5°/o Oesterr. Silberrente 3Vi% DeutscheReichsanl. 103.70 98.50 103.10 93.55 102.45 4% Ung. Gold-Rente 3% Portugiesen 6»/o Mextcaner 40/0 Monopol-Griechm von Mein Klavierunterricht beginnt Montag, den 15. October und bitte ich meine Schüler Samstag, den 13. October zur Festsetzung des Stundenplanes in meine Wohnung; die Erwachsenen Nachmittags 2 Uhr, die Schulpflichtigen Nachmittags 3 Uhr. 80.90 99.65 26.35 65.20 35.20 lfl.20 105.— 80—lOOßentnet Hafer ni kauf, gesucht. Offerten an Hauptmann Clausius, Fritz Egly, Brandplatz. J. Häuser, Ludwigstr. Gießen, 12. October 1894. Ä Schuster aus Württemberg. Cfc N.B. Auch geringere Sorten von S gepfl. Aepfeln werd, angenommen. 8340] Feinere Wäsche. Damen- unb. Ballkleider werden zum Waschen und Bügeln angenommen. Schlotzgaffe 9, Vorderhaus, 2. St. l. Concert-Verein. Die Mitglieder werden ergebens! ersucht, ihre Karten nebst Quittung möglichst bald bei Herrn Ernst Challier abholen zu wollen. Ausdrücklich wird nochmals bar auf aufmerksam gemacht, daß eine Hochachtungsvoll Fritz Hast Kölnische Unfall-Versicherungs-Actien- Gesellschaft in Köln a. Rhein Grundkapital 3000 000 Mark Gesammtreserven Ende 1893 über 2825000 Mark Gezahlte Entschädigungen bis Ende 1893 über 4 730 000 Mark gewährt Versicherung gegen Unfälle aller Art mit und ohne Prämienrückgewähr, sowie gegen Reiseunfälle Anerkannt wohlschmeckendster und im Gebrauche billigster Kaffee. P. II. Inhoffen, Bonn Hoflieferant Ihrer Majestät der Kaiserin u. Königin Friedrich. Erste und grösste Dampfkaffeebrennerei in Bonn. 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