Nr. 214 Donnerstag den 13. September 1894 Der chitßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montags. Die Gießener AamirieaSlLlter werden dem Anzeiger »Schentlich dreimal h eigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Vierteljähriger Abonnemcntspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Rcdaction, Expedition und Druckerei: Schutstraßc Zlr.7. Fernsprecher 51. Amts* und Anzeiseblatt füv den Nreis Gieren. rr awirwiiBtta. sessasaagg 2tmtiid?er Theil. Lehrer-Conferenz des Conferenzbezirks Gießen. Mittwoch, 19. September, Bormittags 10 Uhr in Gießen. Lieder 163, 116. Gießen, am 11. September 1894. Büchner, Schulrach.__ Deutscher Reich. Berlin, 11. September. Die sich unter den.Augen des Kail erS vollziehenden großen Truppenübungen im östlichen Preußen find mit den am Montag begonnenen Kaisermanövern zwischen dem 1. und dem 17. Armee- corpS in ihren wichtigsten Abschnitt eingetreten. Der Kaiser begab sich am genannten Tage früh 8 Uhr mittels Vierer. gespanneS von seinem Absteigequartier Schloß Schlobitten nach Schönberg, wo er zu Pferde stieg. ES begann das Manöver mit dem Vormarsch der Weftarmee (17. Armeecorps) über Groß-Stoboy und Schönberg auf Mühlhausen, während die Ostarmee (1. Armeecorps) auf Karschau und Truny vorrückte. Das eigentliche Gefecht nahm gegen KP/a Uhr seinen Anfang und war sein allgemeiner Verlauf der, daß das 17. Armeecorps zunächst die erste Division des 1. ArmeecorpS schlug, hierauf eine Schwenkung machte und nun auch die zweite Division des Gegners, welche wegen weiter Entfernung erst spät eintraf, zurückwarf. Abends 63/4 Uhr kehrte der Kaiser aus dem Manövergelände nach Schloß Schlobitten zurück, woselbst um 7 Uhr die Abendtafel stattfand. Einem Theile des Manövers hatte auch die Kaiserin beigewohut und zwar zu Pferde. Der erlauchte Gast des Kaisers, der König von Württemberg, sah sich infolge einer leichten Erkältung genöthigt, dem Manöver vom Montag wie auch vom nachfolgenden Tage, an welchem der Kaiser persönlich das 1. Armeecorps führte, fernzubleiben. — Die geplante Huldigungsfahrt der Deutschen PosenS nach Varzin zum Fürsten Bismarck wird am nächsten Sonntag bestimmt vor sich gehen. In dem hinterpommerschen TuSculum des Altreichskanzlers sind bereits umfassende Vorbereitungen zum Empfang der Gäste aus Posen getroffen, letztere werden vermuthlich an 1400 Köpfe stark sein. Außerdem sieht man in Varzin für genannten Tag noch einem großen Zuzug von Besuchern aus der Umgebung entgegen. Wie es heißt, wäre eine Betheiligung der Beamten der königlichen Regierung in der Stadt Posen an der HuldigungSfahrt nach Varzin ausdrücklich verboten worden — was mag wohl mit diesem Verbot bezweckt sein, über das sich doch höchstens die Polen freuen können? — Die Angelegenheit der wegen dringenden Spionage- verdachtes imUntersuchungSgefängniß zu Metz befindlichen Frau JSmert nimmt nun doch eine ernstere Wendung. Feuilletsn. Die Wsldbrsnde in Nordamerika. (Schluß.) In Wisconsin ist der Feuergürtel 16 Meilen breit und man hofft, daß hier das Feuer bald ausgelöscht sein werde. Schlimmer steht es in Michigan. In Minnesota sind die Grafschaften Bering und Carltown vollständig ausgebrannt. In Wisconsin find 400 Farmen zerstört, einige 300 Per- sonen verbrannt. In Missiconcreek verbrannten 10 Per- sonen, in der Stadt Sandron 50, während in Cromwel, Miller, Baronnet, Cumberland, Pinneville, Comstock, Forestcily und Sponer einige hundert Personen umkamen. — In Minnesota fällt fortgesetzt starker Regen, so daß man bald Herr des Feuers zu werden hofft, während in Michigan und WiSconsin die Aussichten schlechter find und das Feuer da mit ungeschwächter Kraft wüthet. In Duluth find gestern Abend spät noch drei RettungSzüge eingetroffen, deren Insassen sämmtlich Brandwunden trugen. Die Eisenbahnangestellten haben Wunder an Tapferkeit und Hingebung geleistet. Nach dem „Duluth Herald" seien in der dortigen Umgegend allein bereits 112 Leichen aufgefunden worden. Die zerstörte Stadt Hinkley besaß drei Kirchen, eine Bank, eine Akademie, eine Zeitungsdruckerei und mehrere Sagemühlen. Ihre Einwohnerzahl betrug 618 Seelen. Vom 4. d. M. enthält das angezogene Blatt folgende weitere Mittheilungen: „Die stündlich einlaufenden Berichte über die furcht- Das Reichsgericht zu Leipzig hat die von Frau Jsmert gegen ihre Verhaftung eingereichte Beschwerde als unbegründet verworfen, so daß jetzt die gerichtliche Voruntersuchung gegen die muthmaßliche Spionin eröffnet worden ist. Ausland. — Von einer bedeutsamen Kundgebung deS italienischen Premierministers Crispi berichtet der Telegraph. In Neapel fand am Montag die feierliche Einweihung einer zur Erinnerung an den vor zehn Jahren erfolgten Besuch König Humberts in Neapel anläßlich der großen Cholera-Epitzemie errichteten Gedenktafel statt. Crispi hielt die Weiherede, in welcher er in flammenden Worten, unter Erinnerung an die damals erfolgte Begegnung zwischen dem Könige und dem Cardinal San Felice, betonte, wie noth- wendig in den heutigen für die menschliche Gesellschaft so kritischen Zeiten ein Zusammengehen der weltlichen und religiösen Gewalten sei. Diesen Gedanken führte CriSpi dann in packender Weise weiter aus und klang seine offenkundig gegen anarchistisches und sonstiges Verschwörerthum gerichtete Rede in der Mahnung aus: „Mit Gott für König und Vaterland!" Die Menge bereitete Crispi begeisterte Kundgebungen. Man irrt wohl nicht, wenn man diese Rede Crispis als eine an die Adresse des Vaticans gerichtete versöhnliche Kundgebung betrachret, von der um so eher eine günstige Ausnahme im Vatican zu erwarten steht, als die italienische Regierung soeben erst ihre Einwilligung zur Errichtung einer besonderen apostolischen Präfectur in der ost- afrikanischen Colonie Italiens gegeben hat. — Den Franzosen droht ein neuer Colonialkrieg, diesmal mit MadagaScar. Zwischen der Hovas Regierung auf dieser großen afrikanischen Insel und Frankreich besteht schon längst eine Spannung wegen der wachsenden Ansprüche der Franzosen auf MadagaScar. Diese Spannung hat schon zu wiederholten Angriffen der Madagassen auf die franzöfischen Posten auf MadagaScar geführt und scheint man in Paris entschlossen zu sein, jetzt den Hovas eine Lection zu ertheilen, wenn sie die französischen Ansprüche noch länger nicht anerkennen sollten. Der Deputirte Le Myre de VilerS ist in besonderer Mission nach MadagaScar entsendet worden, offenbar soll er der dortigen Regierung den Standpunkt klar machen, denn die officiöse „Temps" erklärt, die Hovas-Re- gierung müffe jetzt unzweideutig darthun, ob sie Frankreich als Feind behandeln und demnach die von allen Sachkundigen geforderte bewaffnete Expedition der Franzosen nach Mada- gascar unvermeidlich machen wolle. — Zu einem militärischen Spaziergang dürfte sich aber für die Franzosen ein Krieg auf MadagaScar gerade nicht gestalten, ganz abgesehen von den Kosten eines solchen Unternehmens. Neueste Nachrichten. Wolff» telegraphische» Corresponden,-Bureau Berlin. 11. September. Unter zahlreicher Betheiligung aus der Zahl der Beamten-, Gelehrten- und Schriftstellerbaren Brände im NordWesten der Staaten verschärfen noch die schrecklichen Züge des Bildes, das ich Ihnen gestern davon entworfen. Das große Minnesota-Feuer ging in Hufeisenform gegen die vollständig zerstörten sechs Hauptflecken des dortigen Holzhandels vor, hüllte dieselben erst von drei Seiten ein, bis schließlich die beiden Enden des flammenden Hufeisens sich vereinigten und von Hinkley bis Shandley die ganze Gegend in ihre feurige Umarmung einschlossen. Von den sechs Hauptorten ist absolut nichts übrig geblieben als rauchende Trümmer. Die Rettungsexpeditionen stoßen immer von Neuem auf bald einzelne, bald haufenweise zusammen- liegende Leichen. Die Angaben über den Verlust an Menschen- leben variiren immer noch zwischen 500 und 1500, d. h. für Minnesota allein. In Michigan ist die Zahl der Todten weit geringer, das von den Flammen zerstörte Territorium und die Zahl der niedergebrannten Ansiedelungen dafür aber größer. Hier brach das Feuer an 15 verschiedenen Orten gleichzeitig aus und die Flammen jagten sturmgepeitscht wie auf 15 lodernden Straßen durch die mächtigen Waldungen dahin, bis sie schließlich, sich vereinigend, einen Umkreis von 1000 englischen Meilen umfaßten. 100 Millionen Fuß Tannen und Birken und 300 Millionen Gebern find dort verbrannt, mit ihnen alle die Hunderte von Anfiedelungen und Holzhauerlagern und kleinen Ortschaften, welche auf dieser ungeheuren Strecke zerstreut waren. Aus Wisconfin fehlen alle zuverlässigen Angaben bis jetzt. Auch in den Staaten Newyork, Pennsylvanien und New Yersey find, allerdings weniger bedeutende, Brände anSgebrochen, von denen aber namentlich der in Pennsylvanien weit ist Brugsch Pascha heute beerdigt worden. Am Sarge sprach außer dem Geistlichen auch Friedrich Spielhag e n. Berlin, 11. September. Die Genossenschaftsversammlung der KnappschaftSberusSgenossenschaft genehmigte den neuen Gefahrentarif unverändert. Er tritt schon für 1894 in Kraft, wofür vorausfichtlich neun Millionen aufzubringen sein werden. Swinemünde, 11. September. Die Herbstübungs- flotte ist heute Mittag auf der hiesigen Rhede vor Anker gegangen. Eisenach, 11. September. Die Teilnehmer an der Historiker-Versammlung besuchten die Wartburg, woselbst der Eisenacher Kirchenchor altdeutsche Kirchenlieder vortrug. In der heutigen Versammlung hielt Freiherr v. Thuena einen Vortrag über das Eisenacher Regiment im siebenjährigen Kriege. Später sand ein gemeinsames Festmahl statt. Depeschen de» Bureau ^eroH*. Berlin, 11. September. Die „Kreuzzeitung" meldet, der Kaiser habe dem Königsberger Fort Nr. 10 den Namen Fort Kanitz beigelegt. Berlin, 11. September. Entgegen der Blättermeldung von einer wahrscheinlichen Zusammenkunft Caprivis mit Kalnoky erklärt die „Kreuzzeitung", die Begegnung der beiden leitenden Minister sei in diesem Jahre nicht in Aussicht genommen. Berlin, 11. September. Die Verhandlung wider den einstigen Kanzler von Kamerun Leist soll am 16. October vor der Kaiserlichen Disciplinarkammer in Potsdam statt- finden. _ _ ,, Königsberg, 11. September. Wie die „Ostpreuß. Ztg." mittheitt, hat fich das Befinden des Königs vonWürttem- berg gebeffert. Der König begibt sich morgen nach dem Manövergebiet und tritt ab Braunsberg die Rückreise nach Württemberg an. — Prinz Albrecht von Preußen hat sich eine Erkältung zugezogen und blieb dem heutigen Manöver fern. Allenstein, 11. September. In dem Kirchdorfe Gries- lienen kamen fünfzehn Erkrankungen an asiatischer Cholera vor, wovon vier einen tödtlichen Ausgang gehabt haben. Varzin, 11. September. Das Befinden der Fürstin Bismarck hat sich soweit wieder gebeffert, daß sie gestern zeitweise das Bett verlaffen konnte. Der Fürst befindet sich wohl. , . Breslau, 11. September. Wegen der zunehmenden Cholera in Rußland ordnete der Regierungspräsident die vollständige Sperrung der russischen Grenze an. Köln, 11. September. Weitere Resolutionen, die einstimmig zur Annahme gelangten, des Neunten Dele- girtentages der deutschen Handwerksmeister fordern gesetzlichen Schutz deS Werklohnes der Bauhandwerker zur Stunde noch große Verheerungen anzurichten droht. Besonders fürchtet man, daß die Petroleumfelder von dem rasenden Element erreicht werden, was eine unabsehbare Katastrophe herbeiführen würde. Der Gouverneur von Pennsylvanien hat denn auch bereits die sämmtlichen verfügbaren Milizen und Feuerwehren nach den bedrohten Stellen berufen und Tag und Nacht wird an den Schutzwerken ge- arbeitet und freie Rayons geschaffen, welche dem Feuer Einhalt thun sollen. Zum Glück fielen seit gestern bedeutende Regenmengen, welche dem Feuer im Nordwesten und zum Theil auch in den Oftstaaten Einhalt gethan. Die Ursache der Brände ist offenbar eine verschiedene. In Newyork und Pennsylvanien scheint die herrschende Dürre, allein gepaart mit Unvorsichtigkeit, die Schuld daran zu tragen. Die Riesenfeuer des Nordwestens aber find nach allen vorliegenden Anzeichen von interesfirter Hand ange- zündet worden und täglich werden Verhaftungen Verdächtiger vorgenommen. Zwei Versionen sind im Umlaufe. Nach der ersten hätten beschäftigungslose Arbeiter diese dürren Wälder in Brand gesteckt, um sich Arbeit zu verschaffen, da sie wohl wußten, daß die durch die Flammen halb versengten Wälder schnell abgeholzt werden müßten, wenn nicht vollständig werthlos werden sollten. Sie hätten nur mit leichten Seng Laub-Bränden gerechnet, die /bann jene furchtbaren Dimensionen angenommen haben. Die zweite Version beschuldigt den Ring der großen Holzspeculanten, deren Holz- höse notorisch überfüllt seien, so daß die Holzpreise unaufhörlich sanken, sie hätten die Wälder in Brand stecken lassen, um damit die Preise in die Höhe zu treiben." gegen das Bauspeculantenthum, indem den Handwerkern das Pfandrecht an Baugrundstücken gewährt wird. Bei Zwangsversteigerungen soll der von den Bauhandwerkern zu beanspruchende Lohn gleichberechtigt mit dem reellen Werthe der Baustelle sein. Bei Vergebung öffentlicher Arbeiten sollen nur Jnnungsmitglteder berücksichtigt werden und die Cautionen der Unternehmer nicht mehr als fünf Procent betragen. Ein Antrag auf Anschluß an den Allgemeinen Deutschen Handwerkerbund wurde nach längerer heftiger Debatte angenommen. Stuttgart, 11. September. Der dritte Verbandstag des Freien Deutschen Bäcker-Verbandes nahm in seiner gestrigen Sitzung als Ort für den nächsten Verbandstag (1896) Wiesbaden, Mannheim und in dritter Linie Heilbronn in Aussicht. Als ersten Vorsitzenden wählte die Versammlung Fr. Schlatterer-Stuttgart; die Wahl der übrigen vier Vorstandsmitglieder bleibt dem zukünftigen Vorort Stuttgart überlassen. Dem Kasfirer wurde Entlastung ertheilt. Loudon, 11. September. „Times", „Daily Telegraph" und „Standard" bezeichnen die Gerüchte, wonach die chinesischen und japanesischen Befehlshaber auf Korea in Unterhandlungen zur Herbeiführung eines Waffenstillstandes eingetreten wären, für unbegründet. Loudon, 11. September. Nachrichten aus Shanghai besagen, daß die chinesische Armee im Norden Koreas in bedauernswerther Lage ist. Die Generäle seien unfähig, die Offiziere unzufrieden und die Soldaten dtsciplinlos. Ueberschwemmungen haben die Positionen zerstört. Lebensmittel fehlen. Die chinesischen Positionen seien unhaltbar. Die Dampfschiffe transportiren die Maaren unter britischer Flagge, weil sie kein Vertrauen in die chinesische Flotte haben. Mehrere Kaufleute wurden verhaftet, weil'sie gezögert haben, die von der Regierung geforderten Geldmittel zu liefern. London, 11. September. Heute wurde in der Notre- Dame-Ktrche eine Trauermesse für den Grafen von Parts abgehalten. Alle regierenden europäischen Fürsten sandten Condolenz-Telegramme. Belgrad, 11. September. Wie festgestellt wurde, entbehrt die sensationelle Meldung, auf den König Alexander sei auf der Fahrt im Eisenbahnzuge ein Attentat durch Steinwürfe ausgeführt worden, der Begründung, da sich herausstellte, daß Kinder längs des Bahngeletses sich mit Steinen bewarfen, wobei sie zufällig zwei Fenster eines Waggons trafen, die zertrümmert wurden. Washington, 11. September. Die amtliche Statistik stellt das diesjährige Ernteergebniß der Vereinigten Staaten von Nordamerika wie folgt fest: Mats 63,4, Hafer 77,8, Gerste 71,5, Roggen 86,9, Getreide überhaupt 83,3, Baumwolle 85,9. Gießen, den 12. September 1894. * * Aus dem Gerichtsdieust. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wurden mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters beauftragt: 1) der Gerichtsassessor Dörr in Offenbach bei dem Amtsgericht Darmstadt I, 2) der Gerichtsaffessor Dr. Ackermann in Darmstadt bet dem Amtsgericht Langen, 3) der Gerichtsassessor Eckstein in Darmstadt bet dem Amtsgericht Nidda, 4) der Gerichtsaffessor Dr. Langsdorf in Darmstadt bet dem Amtsgericht^Vtlbel, 5) der Gerichtsaffeffor Dr. Messer in Mainz bei dem Amtsgericht Worms. — Ferner wurden beauftragt: 1) der Hilfsgerichtsschreiber Kalt in Groß-Umstadt mit Wahr- nehmung der Dienftverrichtungen eines Gerichtsschreibers bei dem Amtsgericht Altenstadt, 2) der Gerichtsschreiber-Aspirant Werner in Langen mit Wahrnehmung der Djenstver- richtungen eines Hilfsgerichtsschreibers bei dem Amtsgericht Groß-Umstadt. * * Ernannt wurde der Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Altenstadt Josef Streu der zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Fürth. * * Die Kronprinzessin von Schweden passirte heute Morgen i 8 Uhr 7 Min. auf der Reise nach Frankfurt und Karlsruhe die hiesige Station. * * Feuer. Gestern Abend gegen 7 Uhr brach in der bei der Badenburg gelegenen Ockermühle der Firma Cohn Feuer aus, welches die Mühle zum größten Theil zerstörte. * • Cholera. Aus Bürgeln wird amtlich gemeldet, daß keine neuen Erkrankungen vorgekommen seien. Den bisher Erkrankten geht es gut. W. Fahueu für die vierten Bataillone. Heute am 12. September 915 Uhr Vormittags hat zum ehrenden Ge- dächtniß an des Hochseligen Großherzogs Ludwig IV. Kgl. Hoheit auf dem Felde nordwestlich Bahnhof Ober-Ramstadt Seine Königl. Hoheit der Großherzog Ernst Ludwig den vierten Bataillonen Seiner Infanterie-Regimenter Fahnen verliehen. Mit der Uebergabe der Fahnen durch Seine Königl. Hoheit persönlich war eine militärische Feier nebst Feldgottesdienst verbunden. Außer dem Dtvisionscommandeur, dem Stadtcommandanten von Darmstadt, sämmtlichen Brigade-, Regiments-, Bataillons- und Abtheilungscommandeuren nebst Stäben waren zur Fahnenverleihung das erste und vierte Bataillon Regiments Nr. 115 (letzteres zur Zeit auf volle Friedensstärke formtet)/ sowie von den Regimentern Nr. 116, 117 und 118 je eine Fahnensection mit Fahnenträger und einem Lieutenant befohlen. — Somit rückt unser Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm bei Schluß des Manövers am 19. d. M. mit vier Fahnen ein. W. Uebuugscompaguie. Heute ist aus dem Manöver- gelände bei Rewheim Herr Hauptmann Weimer vom diesseitigen Regiment nebst zwei Offizieren, acht Unteroffizieren, sieben Gefreiten urb zwei Spielleuten, die zur Hälfte der 50. Infanterie-Brigade entnommen sind, hier eingetroffen, um morgen eine hier zu formirende Uebungscompagnie von 107 Volksschullehrern aus dem Bereiche des 11. Armee- cvrps auf die Dauer von sechs Wochen zu übernehmen. Die Unterbringung der Compagnie erfolgt in der Zeughauskaserne und wird dafür bei Rückkehr des Regiments für die Nacht vom 19. bis 20. (dem Entlassungstag der Reserven) vom zweiten Bataillon eine entsprechende Anzahl von Unteroffizieren und Mannschaften in Bürgerquartiere verlegt. * * Die Mauovertruppen nuferer hessischen Division, welche in der Gegend um die Tromm und Neunkircher Höhe im Odenwalde concentriert sind, haben durch das beinahe winterliche Wetter, das dort herrscht, viel zu leiden. Unmöglich können die Truppen biwakieren,- denn seit Freitag hat es an verschiedenen Orten geschneit. Am Samstag fiel auf der Tromm so starker Hagel, daß mehrere Touristen an den Abhängen der Tromm sich kräftig mit Schneeballen bombardierten. * * Erhöhung der Unteroffizier-Besoldungen. Wie verlautet, wird der nächste Voranschlag der Heeresverwaltung für die laufenden Ausgaben eine nicht unerhebliche Steigerung aufweisen. Veranlaßt wird diese durch Mehrforderungen sein, die durch eine wesentliche Erhöhung der Besoldung der Unteroffiziere, Sergeanten und Feldwebel entstehen werden. An den maßgebenden Stellen ist man zu der Ueberzeugung gelangt, daß es nur auf diesem Wege möglich sein werde, die drohenden Lücken im Ausbildungspersonal des deutschen Heeres rechtzeitig auszusüllen. * * Kirchliche Dienstnachrichten. Der von dem Fürsten zu Jsenburg-Birftein auf die evangelische Pfarrstelle zu Offenthal präsentirte Pfarrassistent August Wolf zu Offenbach, der von dem Fürsten zu Hohensolms-Lich auf die evangelische Pfarrstelle zu Ettingshausen präsentirte Pfarrverwalter Philipp Ritter daselbst, die durch die Decanatssynode des Decanats Schotten für die Zeit bis Herbst 1898 vollzogene Wahl des evangelischen Pfarrers Emil Münch zu Ulfa zum Decan und des Pfarrers Georg Bayer zu Ulrichsteim zum Stellvertreter des Decans des Decanats Schotten, der von dem Grafen von Solms Laubach auf die evangelische Pfarrstelle zu Laubach präsentirte Pfarrer Theodor Nebel von Höchst wurde bestätigt,- der evangelische Oberpfarrer Georg Adam Wagner zu Michelstadt wurde auf Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste in den Ruhestand versetzt. Ernannt wurde: Pfarrverwalter Zaubttz zu Bischofsheim zum Hilfsgeistlichen an der unirten Gemeinde zu Offenbach. — Zur Wiederbesetzung find ausgeschrieben: die evangelische Pfarrstelle zu Dexheim, die evangelische Pfarrstelle zu Wieseck. * * Bei der' Znvaliditäts- und Altersverficheruugsanstalt für das Großherzogthum Hessen in Darmstadt gingen im Laufe des Jahres 1893 149 418 Quittungskarten ein- hierunter befanden sich 136839 Quittungskarten der eigenen Anstalt und 12579 Quittungskarten fremder Versicherungsanstalten. Altersrenten-Anträge wurden als unerledigt aus dem Jahre 1892 15 übernommen, neu im Jahre 1893 wurden 483 erhoben- von diesen 498 Anträgen wurden 413 durch Rentenfestsetzung, 64 durch Ablehnung des Anspruchs und 5 auf andere Art (Tod des Bewerbers, Zurücknahme des Antrags) erledigt, so daß 16 Anträge unerledigt blieben. Jnvalidenrenten-Anträge wurden als unerledigt aus dem Jahre 1892 13 überommen, neu erhoben wurden im Jahre 1893 600 Anträge - von diesen 613 Anträgen wurden durch Rentenfestsetzung 472, durch Ablehnung des Anspruchs 116 und auf weitere Art (Tod, Zurücknahme des Antrags)' 8 Anträge erledigt, und es blieben demnach 17 Anträge unerledigt. Im Ganzen wurden bis jetzt seit Inkrafttreten des Gesetzes 675 Invalidenrenten bewilligt, von denen durch Tod des Berechtigten oder aus sonstigen Gründen im Jahre 1892 27 und im Jahre 1893 135 Renten in Wegfall kamen, so daß am Schluffe des Jahres 1893 513 Jnvalidenrentner vorhanden waren. § Aus dem Ohmthal, 10. September. Die letzten Regenfälle waren wieder so stark, daß die Ohm über ihre Ufer trat und die im Thal gelegenen Wiesen unter Wasser setzte. Dem hier auf Kegeln sitzenden Grummetgras vermochten gestern die Leute sich nicht zu nähern, erst heute, nachdem das Wasser sich etwas verlaufen, können dieselben das meist nasse Grummet an trocken gelegene Stellen schaffen. Das ohnehin nasse Land ist durch die abermaligen starken Niederschläge so mit Feuchtigkeit, recte Wasser durchdrängt, daß man überall auf dem Boden tief einsinkt. Die Kornsaat verspätet sich hierdurch um Wochen. △ AuS dem Kreise Alsfeld, 9. September. Nachdem die Zw et sch en sich zu bläuen begonnen, läßt sich erst die ungewöhnlich reiche Tracht der Zwetschenbäume übersehen. So reich beladen, erblickt man dieselben hier nur selten. Die Pflaumen, die gleichfalls in großer Menge gediehen, sind hier noch nicht alle geworden- die späten Arten beginnen jetzt erst zu reifen. So löst die eine Obstsorte in diesem reich gesegneten Obstjahre die andere ab. Die Birnen sind inzwischen mit Ausnahme der Spätsorten reif geworden und die Honigbereitung hat ihren Anfang genommen. Auch dem ärmsten Manne ist es dies Jahr vergönnt, Honig zu kochen, indem er das Obst hierzu bei Versteigerungen billig erwerben kann. Die Aepfelbäume hängen hier gleichfalls sehr voll, nach unserer Beobachtung voller wie in der Wetterau. Bemerkenswerth bleibt die reiche Tracht der noch jungen Obstpflanzungen an den Staatsstraßen. Sind auch die Bäumchen meist noch klein, so sind sie doch vielfach mit den schönsten Früchten reich beladen. Daraus läßt sich jetzt schon ein Schluß auf die Rentabilität dieser Musterpflanzungen ziehen, wenn dieselben einmal völlig erwachsen sind- sie müssen als ein Segen für unsere früher nichts weniger als obstreiche Gegend angesehen werden. Nachdem auch das vorausgehende Jahr schon als ein Obstjahr sich erwiesen, ist es klar, daß alle Obstbäume nach der diesjährigen reichen Ernte in einem erschöpften Zustande sich befinden. Wenn ohnehin eine Düngung der Obstbäume in jedem Jahre erforderlich, so ist dieselbe jetzt doch unbedingt geboten, sollen anders nicht die Bäume wieder mehrere Jahre unfruchtbar bleiben. Da gerade um diese Zeit die Obstbäume die Tragknospen für das kommende Jahr bilden, so jift diese Düngung jetzt am zweckmäßigsten.. Man mache zu diesem Zwecke in einiger Entfernung von den Stämmen Löcher in die Erde und gieße sie voll mit Jauche. Verdünnt braucht dieselbe in diesem Jahre nicht zu werden, da der Boden Waffer genug besitzt. Wer so seinen Obstbäumen die nöthige Pflege angedeihen läßt, wird auch im nächsten Jahre nicht ganz ohne Obst bleiben, das hierfür die Kalenderregel: donnerts im September, so gibts im nächsten Jahre viel Obst — und gedonnert hats schon in diesem Monate — verheißend in Aussicht stellt. M Au8 dem Vogelsberg, 11. September. Innerhalb einer Woche haben zwei Menschenleben durch Selbstmord geendet. Während vor einigen Tagen der 73 Jahre alte Johannes Schneider III. von Steinfurt seinem Leben durch Erhängen ein Ziel setzte, erhängte sich heute in Gunzenau der 83 jährige Heinrich Herchenröder in einem Zustande geistiger Umnachtung. Darmstadt, 11. September. Heute Vormittag 12*/, Uhr fand in öffentlicher Sitzung der Stadtverordneten Versammlung die Wahl eines besoldeten Beigeordneten statt. Sie fiel, mit allen Stimmen (33 Herren waren anwesend) auf Herrn Rechtsanwalt Köhler hier. Dem Wahlacte vorher ging eine etwa einstündige Besprechung in geheimer Sitzung^ Vor Eintritt in die Wahlhandlung gab Herr Oberbürgermeister Morneweg die Namen sämmtlicher Bewerber bekannt. Es sind dies die Herrn Rechtsanwalt Meiser in Köln, Gerichtsassessor Lombrink in Rheine, Rechtsanwalt König in Barmen, Rechtsanwalt Willmann in Suhl, Rechtsanwalt Köhler in Darmstadt, Regierungsbaumeister Wtßmann in Gießen, Baumeister Merz in Barmen, Bürgermeister Ziethen in Naugard und Gerichtsaffeffor Nau in Marburg. Die Wahl Köhlers erfolgte auf 12 Jahre mit einem Gehalt von 6000 Mk. für die ersten 6 Jahre, von da ab beträgt das Gehalt 7000 Mk. A Mainz, 11. September. Heute wurde die Tochter eines höheren richterlichen Beamten aus der Provinz gefänglich hier eingebracht. Dieselbe ist des Diebstahls von Schmuckgegenständen beschuldigt. Da das Mädchen schon mehrfach Selbstmordversuche gemacht hat, so findet eine strenge Ueberwachung desselben statt. A Mainz, 11. September. In Bezug auf die im Reichsjustizamt ausgearbeiteten Vorschläge zur Abänderung der Concursordnung hat die hiesige Handelskammer auf das Rundschreiben der Regierung hin in folgender Weise Stellung genommen: 1) Den Erlaß einer reichsgefetzlichen Gebührenordnung für den Concursverwalter und den Gläubigerausschuß hält die Kammer für unzweckmäßig- 2) Die Ausgestaltung des Gläubigerausschusses zu einem nothwen- digen Beftandtheil des Concursverfahrens befürwortet die Kammer insoweit, als sie dem Richter die Pflicht auferlegd sehen will, bis zur ersten Gläubigerversammlung einen oder mehrere Gläubiger dem Concursverwalter als provisorischen: Gläubigerausschuß beizugeben- 3) Einer Erweiterung der Gläubigerausschusses stimmt die Kammer ebenfalls zu- 4) Die Kammer erkennt es ferner als wünschenswerth an, daß neben der Zahlungsunfähigkeit auch die Uederschuldung als Voraus« setzung zur Concurseröffnung gelten soll- 5) Die Kammer spricht sich dagegen aus, chaß bei fehlender Masse die Kostew des Concurses vom Staate übernommen werden - 6) Die vorgesehene Aufnahme von Vorschriften, um den Gläubigern eine bessere Uebersicht der Sachlage zu ermöglichen, findet den Beifall der Kammer- 7) Die in Aussicht genom* mene Erschwerung des Zwangsvergleichs hält die Kammer im Ganzen für eine falsche Maßregel- 8) Auch von der Ausdehnung der Einwirkung des Concurses auf die persönliche Rechtsstellung des Gemeinschuldners durch Ausschluß von der Uebernahme von Ehrenämtern u. s. w. verspricht sich die Kammer keinen Erfolg - 9) Die beabsichtigte Ausdehnung, der Strafvorschriften befürwortet die Kammer gleichfalls nicht. Dermtfdytes» * Wetzlar, 10. September. Gestern Nachmittag Has unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung, namentlich aus den Landorten des Kreises, die Einweihung des neuen' VereinShauses der Evangelischen Gesellschaft- an der Promenade Hierselbst in feierlicher Weise stattgefunden. * Rheinbrohl, 8. September. Heute Morgen wurden hier im Rheine die Leichen dreier weiblicher Personen geländet. Die Leichen, die anscheinend nur wenige- Tage im Waffer gelegen haben, waren mit dem abgetrennten Saum eines Kleides zusammengebunden. — Die Leichen find die von drei Schwestern Namens Laun, die in Geschäften in Düsseldorf, Duisburg und Dortmund angestellt und 18, 20 und 22 Jahre alt waren. Die Ursache des Selbstmordes ist unbekannt. * Effen, 7. September. In Altendorf a. d. Ruhr stürzten auf Zeche Altendorf südliche Mulde 6 Bergleute in einen Bremsberg: 3 blieben sofort tobt, bie anbcrn 3 sinb so schwer verletzt, baß an ihrem Aufkommen gezweifelt wirb. * Verben, 10. September. Heute Morgen 7 Uhr wurde der Raubmörder Seidel hier durch den Scharfrichter Reindel hingerichtet. * Altona, 8. September. Beim 1. thüringischen Infanterie - Regiment Nr. 31 sind umfangreiche Maaren- diedstähle in der Kammer entdeckt worden. Gestohlen sind zahlreiche Commisstiefel, Militärtuch, leinene Hemden, Unterbeinkleider rc. Der Gesammtwenh des gestohlenen Gutes ist ein erheblicher. Der Dieb wurde in der Person des Capitain d'Armes beim 31. Regiment, Peters, ermittelt und zu drei Jahren Festung verurtheilt. Heute wurde der Händler Weiland in Altona, welcher die gestohlenen Sachen zu Spottpreisen angekauft hat, von der Strafkammer I des Landgerichts wegen gewohnheits« und gewerbsmäßiger Hehlerei zu 18 Monaten Zuchthaus verurtheilt. Auch wurde aufr 3 Jahre Ehrverlust erkannt. * Dresden,9. September. Ein entsetzliches Drama spielte sich, wie die „Dresdner Nachrichten" berichten, gestern Vormittag kurz vor 9 Uhr in dem Hause Strehlenerstraße 20 ab. Dort wohnt in der vierten Etage der verheirathete und mit fünf Kindern gesegnete Schneidergehilfe Gustav Herold Roth, ein Monn in den vierziger Jahren, der schon zweimal in der Jrrenabtheilung des Siechenhauses untergebracht und erst vor ca- 8 Wochen als wieder geheilt bezw. als gebessert entlasten worden war. Kurz darauf verschwand er auS Dresden, ohne daß seine Angehörigen eine Ahnung hatten, wohin er sich gewendet haben könne. Vor ca. acht Tagen tauchte er indeß bei den Seinen plötzlich wieder auf und bemühte sich, Arbeit und Verdienst zu finden, was ihm indeß nicht gelungen sein soll. Das zwischen den beiden Eheleuten obwaltende Derhaltniß mag durch die aus der Arbeitslosigkeit des Mannes entspringende Noth sich immer ungünstiger gestaltet haben, kurz, als die Frau gestern früh von einer Besorgung zurückkehrte, fand sie die Thür zu ihrer Wohnung von innen verschlossen und trotz wiederholten Pochens keinen Einlaß. Im Begriffe, wieder fortzugehen, um die Intervention der Polizei in Anspruch zu nehmen, sah sie sich auf her untersten Treppe plötzlich einem Wohlfahrtsbeamten gegenüber, der sie zur Umkehr veranlaßte. Das Entsetzliche war bereue geschehen. Auf der Straße lagen, vom eigenen Vater aus dem vierten Stock herabgestürzt, die drei Kinder des Schneiders, ein Zwillingspaar (Knaben) im Alter von drei Jahren und ein einjähriger Knabe, sowie der unglückliche Mann selbst. Der Letztere und zwei der Kinder waren sofort tobt, während der eine Knabe des ^Zwillingspaares noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Ein hilfsbereiter Dienstmann trug den zuckenden Körper des Letzteren schleunigst in die nahe Klinik des Herrn Hofrath Dr. Sprengel, wo das Kind nach Ablauf einer halben Stunde gleichfalls starb. Merkwürdigerweise erntete der Dtenstmann für diese That samaritischer Nächstenliebe noch Vorwürfe, weil nichts angerührt werden dürfe, bevor nicht die Staatsanwaltschaft zur Stelle sei. Ein löjähriger Sohn des Roth'schen Ehepaares befand sich außer dem Hause auf Arbeit und ein neunjähriger Knabe in der Schule, als die grausige That geschah. * Friedland (Mecklenburg), 6. September. In dem benachbarten Dorfe Ferdinandshof ist ein ILjähriges Dienstmädchen des dortigen Arztes ermordet worden. Dasselbe wurde von dem Kutscher des Arztes, mit dem es auf die Wiese gefahren war, überfallen und erdrosselt. Der Mörder verscharrte die Leiche. Als man auö dem Wegbleiben des Mädchens Verdacht schöpfte, ging man den Fußspuren in dem langen thaufeuchten Grase nach und gelangte unwett eines Morastes an einen frisch aufgeworfenen Erdhügel, auS dem Frauenhaare heraushingen. Nach Entfernung der Erde entdeckte man die Leiche der Vermißten. Der Kutscher gestand die That. ♦ Wien, 10. September. Einer Meldung aus Lemberg zufolge ereignete sich dort gestern Abend, kurz nachdem der Kaiser die Ausstellung verlassen hatte, ein Unglück. Die electrische Bahn wurde von einem dichtgedrängten Publikum fast gestürmt- infolge der Uebersüllung der Waggons versagte plötzlich die Bremse, sodaß die Wagen haltlos mit rasender Schnelligkeit bergab fuhren. Dieselben stießen mit einem vorher abgelassenen Zuge zusammen und wurden durch den heftigen Zusammenstoß sieben Personen schwer, mehrere leicht verletzt. * Helfiugfors, 7. September. Dreißig Fischer wurden beim Fischfang auf dem finischen Meerbusen von einem Orkan überrascht. Acht Boote wurden umgeworsen, fünfzehn Fischer ertranken, die übrigen konnten sich auf ein Felseneiland retten, wo sie erst nach drei Tagen Hilfe erreichte, nachdem zwei gestorben waren. Von den noch Lebenden waren fünf typhuskrank und die übrigen vor Hunger und Kälte bewußtlos. Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle tu Gießeu. 36. Woche. Dom 2. September btS 8. September 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (tnd. 1600 Mann Militär) SterblichkeÜsziffer: 23,88°/« bezw. 21,17 nach AuSschl. der Ortsfremden. Kinder E8 starben an: Zusammen-. Diphtheritis 1 (1) Lungentuberkulose 1 Tuberkulose anderer Organe Brechdurchfall 1 Neubildungen 1 Altersschwache 1 Sonstige benannte Krankheiten 4 (1) Nicht angegebene Krankheit 1 Summa: 11 (2) Anm. Die in Klamm der Todesfälle in der betreff Gießen gebrachte Kranke kor «achfene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: 1 (1) 1 — — — 1 — 1 — 1 — — 1 — — 1 (1) 3 - 4 (1) 6 1 (1) gesetzten Ziffern geben an, rott viele n Krankheit auf von auSroärtS nach Barometerstand. MU 3 8, 3 den Stand 2 Ü Sd>iff$nad>riri>tem Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, ll.Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Trave, Cavitän R. Sander, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 1. Scptbr. von Bremen und am 2. öeptbr. von Southampton abgegangen war, ist gestern, 10 Uhr Vormittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. ä © Anmerkung: Die punktirte Linie bei der Barometerscala gibt bei vorhergehenden Tages an. witterung-aussichten am 12. September Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage) Thermometer: min. + 2,/i°K> max. + 4° R. Hygrometer: Trocken und schön. N « s a © £ H S. f SB 3b 5- ? lebt Jedem ist ein schönes Antlitz, scharte Züge, schöne Hände eigen, aber sie weiss, zart, klar und sorgfältig gepflegt auSlehmd zu machen, das ftebt in eines Jed-n Macht. M°n verwende zu feiner Toilette nur Doerings Seife mit der Eule, die beste Seife der Welt, unb der gewünschte Erfolg wird nicht auSbktben^ gur die Damenwelt unentbehrlich unb schon zu 40 Ltg., ob parsümirt ober unparsümirt zu haben. Lb^d Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. J ^-xv flfr erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck« IVf I dl 4 mäßig abgefaßt und typographisch ange« V L. Kalkhof- l aus der Brauerei Textor (Dichter) --— AlratAinA 8 hellfarbig, per Flasche 18 Pfg., pI x f An unv Perkaui!°? L 4. non fl«trafl€nen »lei»««, SBet»i«tfl, Jede« Quantum frei Sau«. M «^i^Bouft-lle gM-,ert"w-rdm. EffiKK »iSwSfid - Eule- Papier, «npfer, Messing, Zi««, ------------------■ --------- unb »nod,«. | G0thatr ©tt auf Verlangen jederzeit abgebolt durch Fritz Nowack, Gießen. Gpeeial'Geschäst für Braut - Ausstattungen Anerkannt gute Qualitäten. Größte Auswahl. [7314] Billigste Preise. tars i begönnet das seil Dorolhe • und den dir luw an Kriege WM tomtn M \xtx Gewässi den lei Expedit Fall, d, nach M mit seir erkennui lassen, s Brigade nach M immer der ält imWic "ach neu denken al "scheinen Ser der Red lebhasttir jetzi die des Kais schwung ttewen: dah eine denn in zunächst vativen aller sch der Kron hauen l an t\nu Anschau parlam Ueberra weilende "düng »Neuen ^ge Eu H üit Nußiand ^rg fü| N't „rtM d iköchentl" itii gx briser, । wird er 5Bürtt , Sch nöber ^'fer. b°i Althc du lütbicttoRi «. Scheyda. - Druck und »erleg der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) la »ieß«. Ferd. Schmidt 7460 Das Comite 7467 Licht! Licht! Licht! Ich empfehle als Hauptvertreter für Gießen die zum Patent angemeldeten Geld! I Geld! I Geld 11 Letzte Hamburger Rothe Kreuz-Lotterie! 7112] Möblirtes Zimmer zu oermieth. Bahnhofstraße 62, III. Srock. 7473] Wiun. 7443 Bürstenfabrikant. [7317 Exped- d- Bl zu richten. 74H0] Neustadt 10. 50 70 65 90 70 100 120 60 80 75 100 80 120 130 70 90 90 120 90 130 140 80 Ps. 100 „ 120 _ 140 120 „ 140 „ 160 , ■rngm Der heutigen Nummer liegt der vom 1. October d. I. ab gültige Fahrplan der vberbesfische« «ifenbabnen bei. Turnverein. Sonntag den 16. September er., von Nachmittags 4 Uhr an Abturnen. Abends von 8 Uhr: Tanz. Eintritt gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte frei. 7477 kompletten Glasglühlichtbrenner für 0 Mark liefern, Glas- Alpen von 1 Mark an. — Ferner empfehle Glühkörper-Schützer, patentirte verstellbare Glüh, körperträger, sowie Kleinsteller. Erlaube mir noch zu bemerken, daß meine Gasglühlichtbrenner nachweisbar 10% Heller brennen als die seither eingeführten. 6613 _ Uebernahme von Gasleitungen, sowie aller'darin vorkommenden Reparaturen werden auf das Sorgfältigste, Prompteste und Billigste unter Garantie ausgeführt. P. Walter, Jnstallationsgeschäft, Kaplansgaffe 23. 3% Reichsanleihe 3.