1894 Mittwoch den 12. December Aweitcs Blatt. Nr. 29 l Zlintr- uitb Zlnzeigeblatt für den 'Kreis Gieren. Die Gießener ^««irieudkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal ßcigelcgk. Der chießeuer Anzei-er crichkint täglich. mit An-nahme de» Montag- LierteltShriger X6onntmfnbprri» r 2 Marl 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg. Kedaction, Erpeditw» und Druckerei: Kchulstraße ^r.7. gttniprcdjcv 51. Gießener Anzeiger Kenerak-Mnzeiger. Hratisöeikage: Gießener Kamikienßlätter Bei den gestrigen Stich Brüssel, 10. December. Deputation das königliche Mausoleum m Delft besuchen, I »n inAlost wurden zwei Katholiken und zwei Christlich- daselbst auf der Trust dcS Prinzen Friedrich einen Kranz äf)[t Der Katholikeniührer Wüste erhielt 27559, "äS; 1«. »- «HW--•! *' die Deputation das königliche Mausoleum in um anrichtete. niederzulegen. Cettiuje, 10. December. , ein starker Erdstoß verspürt, der-jedoch keinen Schaden Deutsches Reich. Berlin, 10 Dccember. Die Feier des 3OOjähr. Geburtstages deS großen S ch w e d e n kö n i g s Gustav Adolf ist am Sonntag in den protestantischen Theilen Deutschlands durch zahlreiche entsprechende Beranstaltungen festlich begangen worden. Im Mittelpunkt der gejammten Festlichkeiten stand natürlich die Feier in der alten Gustav Adolf-Stadt Lützen, welche aus diesem Anlasse glänzend geschmückt war. Den Festgottesdienst hielt Generalsuperintendent Faber aus Berlin ab. Nachmittags fand großer Umzug der Ehrengäste und zahlreicher Corporationen nach dem Gustav Adolf-Denkmal statt, woselbst Pastor Dr. Kaiser- Leipzig die Festrede hielt. Regierungsprästdent Graf St ol- berg auS Merseburg übergab Namens des Kaisers das Denkmal der Stadt Lützen zum Eigenthum. Privatmann Mäuse zahl-Leipzig stiftete eine große Gedenktafel. Nach der Rückkehr in die Stadt brachte Bürgermeister Lenge ein Hoch auf den Kaiser aus. Später fand ein Banket im Gasthof „Zum Löwen" unter Anwesenheit der Spitzen der Behörden statt. Abends war die Stadt prachtvoll illuminirt. Erhebend und glanzvoll ist auch die Gustav Adolf Feier in Stockholm verlaufen, die Theilnahme an derselben war eine allgemeine. Localer rmö KeovlnzteUes» Gießen, den 11. December 1894. *♦ Ernennungen. Seine Königliche Hohell der G r o ß- Herzog haben Allergnädigst geruht, den Obersteuerinspector des Hauptsteueramiö Darmstadt Wilhelm Dorn sei ff zum vortragenden Rath bei dem Ministerium der Finanzen Ab- theilung für Skeuerwesen mit dem Amtstitel Obersteuerrath, den Steuereinnehmer des Steueramts Stockheim Albert Frey zum Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramte Worms, die Finanzaspiranten Jakob Hilß aus Dauernheim und Heinrich Tresser aus Schlitz zu Hauptsteueramts, assistenten bei den Hauptsteuerämtern Mainz bezw. WormS, den Finanzaspiranten Georg Lang aus Mainz zum Con- trolleur bei dem Steueramte Friedberg und den Finanzaspiranten Friedrich Schmelzer aus Darmstadt zum Steuereinnehmer dcs Steueramts Stockheim — zu ernennen. ** Aus dem Zustizdienst. Ernannt der Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Dr. Georg Best zum Landgerichtsrath, der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Theodor Seger erhielt den Character als „Amts- gerichtsrctth". Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu vom 10. December 1894. (Schluß.) Nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Rechtsanwalt Jost) die Schuldfrage bezüglich des Angeklagten Seibert bejaht, bezüglich der übrigen Angeklagten jedoch verneint hatten, erfolgte die Verurthetiuug Seiberts in eine Festungsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, sowie die Freisprechung der übrigen Angeklagten. — Hierauf wurden die Schwurgerichtssitzungen für dleseS Quartal mit dem üblichen Dank an die Geschworenen geschloffen. ♦* Kunstverein. Wir beginnen die Besprechung der ausgestellten Gemälde mit dem nach äußerem Umfang und künstlerischen Inhalt gleich auffallenden Gemälden, welche uns in dem Hauptraum des Ausstellungssaales cntgegentreteu. — In Robert Warthemüllers „Friedrich der Große nach der Schlacht bei Torgau, verbringt die Nacht in der Dorskirche zu Elbing" hat die, heutzutage nur wenig ge- Neueste Nachrichten» WolffS telegraphische« Korrespondenz-Bure-dn Berlin, 10. December. Wie die „Nationalzeitung" hört, boten sich die Saal besitz er nochmals als Ber- mittler zwischen der Boycott-Commission und dem Verein der hiesigen Brauereien an und wiesen dabei auf die Schädigung der kleinen Gastwirthe und eines Theiles der Saalbesitzer hin. Unter Anerkennung der vermittelnden Bestrebungen der Saalbesitzer erklärten die vereinigten Brouereien, auf weitere Verhandlungen mit der Boycott-Commission nicht eingehen zu können, bevor die socialdemokratische Partei selbst unzweideutig das Bedürsniß zum Frieden bekunde. Berlin, 10 December. Die heute erschienene erste Nummer der „Berliner Korrespondenz" sagt zu der vom Eisten Staatsanwalt nachgesuchten strafrechtlichen Verfolgung der socialdemokratischcn Reichstagsabgeordneten wegen Sitzenbleibens bei dem Hoch auf den Kaiser: ES dürfte im ganzen Lande erwartet werden, daß der Re'chstag die verfaflungsgemäß nachgesuchte Genehmigung zur Einleitung der Verfolgung während der Sitzungsperiode nicht versagen werde. Der Reichstag als Vertretung der Nation habe selbst das größte Jntereffe, alles zu schützen, was dem Volke heilig sei, und alles zu bekämpfen, was des Volkes Empfinden verletze. Durch die strafrechtliche Verfolgung werde die gewährleistete Immunität in keiner'Meise angrtastet. Die strafrechtliche Praxis habe festgestellt, daß die Ehrfurcht gegen die Majestät nicht nur durch Handlungen, sondern auch durch Unterlaffungen verletzt werden kann. Sollte aber die strafrechtliche Verfolgung nicht die erfordere licke Sühne bringen, so würde daraus nur folgen, daß die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen richt auSreichen, um derariige Majestätsbeleidigungen strafrechlitch zu ahnden. In diesem Falle wäre darauf Bedacht zu nehmen, die gesetzlichen Bcfugnisse zum Schutze der Person Seiner Majestät zu er- weitern. Die einmüthige Verurtheilung, welche das un- paltiotische Verhalten von Mitgliedern der socialdemokratischen Pariei bei dieser Gelegenheit erfahren hat, beweist, daß das deutsche Volk sich in seinen geheiligten Gefühlen nicht ungestraft kränken lasten will. Karlsruhe, 10. December. Der Statthalter Fürst zu Hohenlohe traf mit seiner Gemahlin und dem Erbprinzen heute Mittag zum Besuch des Hofes hier ein, nahm an dem Dejeuner Theil und kehrte Abends nach Straßburg zurück. London, 10. December. Reuter-Meldung aus Yokohama. Die japanischen Siege wurden gestern in Tokio mit großer Begeisterung gefeiert. In Hiroshima sind 151 bei Port Arthur verwundete Japaner angekommen. Die erste japanische Armee soll bis Furanten vorgerückt sein, sie soll nächstens Futschou angreifen. Die zweite Armee rückt nächstens gegen Peking vor. Die japanische Regierung verhandelt wegen deS Engagements von 8000 Trägern für den Armeedienft. Haag, 10. December. Die Königin-Regentin empfing heute eine Deputation des preußischen Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. westfälisches) Nr. 15, deren Chef die Königin Regentin ist. Die Mitglieder der Deputation und der deutsche Geschäftsträger in Haag find heute Abend zum Diner bei Hofe geladen. Morgen wird Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den «olgkndcn Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. mit Begeisterung ausgenommen. .. Paris, 10. December. Kaiser Wilhelm hat an die Wittwe Ferdinand de Lesscps folgendes Beileid telegramm gerichtet: „Der Telegraph meldet mir den schmerzlichen Verlust, welchen Sie soeben erlitten ^ben. Die ganze wissenschaftliche Welt trauert mit Ihnen am Grabe eines der größten Geister, welchen die ganze Wel umfaßte. Seien Sie versichert, daß meine Sympathien in diesem Augenblicke mit Ihnen und Ihrer Familie find. Die Witlwe dankte iOf0T yonbo9n,QPl^ December. Bei den heute vollzogenen Ersatzwahlen für den Gemeinderath wachte eine arößere Anzahl verheiratheter Frauen von dem ihnen durch Gesetz vom 5. März d. I. bewilligten Wahlrechte das erste Mal Gebrauch. r «... Loudon, 10. December. Das deutsche Schiss Adelheid, von Rio de Janeiro nach Falmouth unterwegs, ist während eines Orkans untergegangen. DaS Sch,ff nebst Ladung ist vollständig verloren. Von der Mannschaft wurde ein Theil gerettet. ~ Loudon, 10. December. Nack einer Meldung der „Central News" aus Port Arthur sollen die begangenen Grausamkeiten gegen die Chinesen der Festung nicht von regulären japanischen Truppen, sondern von betrunkenen KuliS, welche als Arbeiter der japanischen Armee beigegeben waren, verübt worden sein. Warschau, 10. December. In den letzten Tagen sanden in der Ukrame zwischen S tund ift en und P o liz eiorgan heftige Zusammenstöße statt.________ WB. Berlin, 10. December. Der Reichskanzler übermittelte dem Präsidenten des Reichstags den Antrag teS ersten Staatsanwalts des Berliner Landgerichts, worin die Genehmigung des Reichstags zur Strafverfolgung derjenigen Socialdemokraten nachgesucht wird, die in der Sitzung vom 6. December bei dem Hoch auf den Kaiser sitzen blieben. Die Anklage wird auf Majestätsbeleidigung lauten. (Wiederholt, weil nur In einem Theil der gestrigen Auf aa? qhqebrncft. R d.) — Depeschen bei Bureau »Herold". Berlin, 10. December. Gestern Mittag 1 Uhr empfing der Kaiser den russischen Botschafter Grafen Schuwaloff zwecks Ueberreichung einer Notification des russischen Kaisers betr. den Thronwechsel und die Bestätigung des Grasen Schuwaloff in seiner bisherigen Stellung. Berlin, 10. December. Am nächsten Mittwoch wird das Reichstagspräsidium von der Kaiserin Friedrich in Audienz empfangen werden. Berlin, 10. December. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die anläßlich der Einweihung der deutschen evangelischen Kirche in Paris erfolgte Verleihung des Rothen Adler- Ordens vierter Klosse an die beiden Mitglieder deS dortigen Kirchen-Vorstandes Klattenhof und Tillmanns. Berlin, 10. December. Heute Mittag erfolgte die Abreise des Kaisers nach Hannover, woselbst Abends im Schlöffe ein Diner für die Spitzen der Militär- und Civil- behörden stattfindet. Später besucht der Kaiser das Hoftheater. , Berlin, 10. December. Der „Post" wird aus Königsberg gemeldet, daß die Nachricht von der Verabschiedung des Generals v. Werder von demselben für falsch erklärt werde. Der General habe gar kein Gesuch eingercicht. Berlin, 10. December. Dem russischen Ritus entsprechend, wonach am vierzigsten Tage nach dem Ableben des regierenden Czaren in sämmtlichen Landeskirchen ein Gottesdienst gehalten wird, sand heute in allen russischen Kirchen | und auch in der hiesigen Capelle der russischen Botschaft ein Gottesdienst statt. Die Feier, der aus- schließlich Vertreter der Aristokratie, u. A. der russische Bot- schaster Gras Schuwalow, beiwohnten, begann Vormittags 11 Uhr und währte eine volle Stunde. Berlin, 10. December. Ein hiesiger Berichterstatter weiß zu melden, daß der Abgeordnete Singer bereits am 5. December beim Präsidenten v. Levetzow ungefragt hat, ob derselbe bei der Verabschiedung aus dem alten Reichstagsgebäude ein Hoch auf den Kaiser auSbringen werde. Herr v. Levetzow verneinte diese Frage, fügte jedoch hinzu, er werde im neuen Gebäude bei der ersten Sitzung ein Hoch auf den Kaiser ausbringen. Da der Abgeordnete Singer von der Absicht des Präsidenten unterrichtet war, darf aus dem Verhalten der Socialdemokraten geschloffen werden, daß dieselben es auf eine Demonstration abgeschm hatten. Köln, 10. December. Die „Köln. Ztg." meldet aus Petersburg: Es ist nunmehr sicher, daß Generalgouverneur Gur ko in den Ruhestand und der Berliner Botschafter Schuwaloff an feine Stelle tritt. Der Hauptgrund des Rücktritts ist die kaiserliche Ungnade und der ungemein kühle Empfang, welcher ihm in Petersburg zu Theil wurde. Sein scharfes Auftreten den Polen gegenüber hatte allerhöchsten Orts peinlich berührt, ganz besonders aber deS Generals ungesetzliches Verbot, die Kundgebung des Czaren in polnischer Uebersetzung jedem Polen verständlich und zugängig zu machen, wie ein niemals aufgehobener Ukas der Kaiserin Katharina vorfchreibt. München, 11. December. Einer hiesigen Zeitung hat die Besprechung der Fuchsmühler Vorgänge fünf Anklagen wegen groben Unfugs zugezogen. Budapest, 10. December. Im liberalen Club hat gestern der Ministerpräsident Wekerle die positive Erklärung abgegeben, daß der Kaiser bereit fei, der gegenwärtigen Regierung das Gesetz der Civilehe zu f ancti onir en. Man hofft, daß die Sanctionirung bereits heute in Budapest I eintrifft, so daß Wekerle schon in der heutigen Abgeordneten' I Haus-Sitzung die Sanctionirung des Gesetzes bekannt geben kann. Von anderer Seite wird gemeldet, daß die Situation noch jeder Aufklärung bedarf. Budapest, 10. December. Hier soll demnächst eine staatliche Fabrik für die Bereitung des Heilserums I erbaut werden. Rom, 10. December. Aus Reggio wird gemeldet, die Lage in den Gegenden, wo die Erdbeben so große Verheerungen angerichtet, wird immer noch schlimmer. Infolge anhaltender Regengüffe find mehrere beschädigte Häuser vollends eingestürzt. Eine große Panik herrscht unter der Bevölkerung, da noch fortwährend neue Erdstöße verspürt werden. Bekannlwerdcn des Wahlresutt«t« postirte sich eine große Volksmenge vor die Wohnung DaenS und brachte ihm Ova- tionen dar. Die Wiederwahl Wöstes wird von den Kathottken “a"!t ““‘Vf L . *" ™m,G"d” ?r° °k- i R°h«°«° aus Bornbiel eine Lehrerstelle an der Gemeinde. p°" X'ht. ff" ® , 66 de" Geiqer und vornehmlich schule zu Ebershelm, Mr. Mainz, - an demselben Taae 6 . “"m "‘V6 mn amore fp,d,tn' Das Werk, wurde dem SchulamlSaspiranlen KaSpar Niebler aus in welchem int Gegensatz zu Beelhaven« Trio das Clavler Viernheim eine Lehrerstelle an der kathaiisäien Schule zu billtCr bett S^nftlUmßtlfPtl iiirtlrftriH ift hnrtrpffflrFi »rf hh>\»w Gi«. ex--. c . i.. .... _ ™ * Hirschhorn, Kr. Heppenheim, — an demselben Tage wurden den Schullehrern Franz Joseph Bernd zu Klein Krotzenburg und Philipp Lewalter zu HeideSheim, sowie den Schul- amtsasptranten Wilhelm Enge ross aus Groß.Gerau und Otto Pfannmüller aus Wisselsheim Lehrerstellen an der Volksschule zu Darmstadt, — an demselben Tage wurde der Lehrerin Louise Schweisgut zu Vilbel eine Lehrerinnen- stelle an der Volksschule zu Darmstadt, — am 22. November wurde dem Schulamtsaspiranten AloyS Guthier aus Bieber eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hausen, Kr. Offenbach, am 26. November wurde dem Schulamts» aspiranten Conrad Jung aus Fauerbach v. d. H. die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Mockstadt, Kr. Büdingen, am 28. November wurde dem Schulamt-» aspiranten Ferdinand Jacobi aus Gießen eine, Lehrer» stelle an der Gemetndeschule zu Lollar, Kreis Gießen, übertragen. hinter den Instrumenten zurücktritt, ist vortrefflich erfunden und glänzend componirt. Ueberall rasch pulsirendes, modernes Leben, überall Gedanken, wenn auch nicht immer originelle,- im letzten Satz besonders drängt sich die Erinnerung an Mendelssohn unwiderstehlich auf. Das Prestissimo ift reizend, für Geige und Cello eine dankbare und würdige Aufgabe,- im Andante, daS stellenweise langweilig wird, überwiegt eine gewiffe sentimentale Innigkeit. Alle Sätze schienen uns brillant vorgetragen. Ueberhaupt reicht das Maß unserer Kritik nicht so wett, daß wir an der technischen Wiedergabe irgend eines Stückes etwas bemängeln dürften. Herr Pauer entzückte durch seinen weichen, reinen und klaren Anschlag, besonders aber durch den Adel seines Vortrags, der frei war von jeder virtuosen Manier. Herr Zajiz ist ein ernster und doch temperamentvoller Künstler, der sein Instrument vollständig beherrscht, und sein Guarneri ist wundervoll,- Herr Grünfeld ist vielleicht der virtuoseste der Drei. Es ist wohl unsere Schuld, daß wir einer derartigen virtuosen Technik auf dem Cello nur geringen Geschmack abzugewinnen vermögen. großartigen Technik und virtuosen Pinselführung beansprucht die volle Versenkung des Beschauers in seinen Genuß, wie sie die weiträumige Anordnung des Ausstellungslocales vorzüglich ermöglicht. Was dabei zunächst vielleicht als eine gewisse Monotonie in Auffassung und Farbengebung erschienen war, der graulich-blaue Ton des Ganzen, das wird bei ruhiger Beschau zu dem keineswegs ungegliederten Untergrund, aus welchem dann im ersten L cht der Morgendämmerung um so bezaubernder hervortreten die plastischen Formen der Schnee- und Eispyramide des Matterhorns, dieses Entzückens aller Besucher von Zermatt. — Keinen größeren Gegensatz wohl findet man nach Stoff und Behandlung als zwischen dem eben besprochenen Gemälde und dem überaus zierlich gemalten Genrebild des verstorbenen C. L. Bocke! mann „Im Spielsaale von Monte Carlo"- alle möglichen Typen professioneller und angehender Spieler und Spielerinnen treten hier in die Erscheinung, theils spielend und plaudernd, theils medisirend, theils ob ihrer Verluste niedergedrückt- der internationale Character dieser „Gesellschaft", die nur ein Ziel kennt, kommt treu zum Ausdruck in einer überaus liebevollen, unwillkührlich an Menzel'sche Manier gemahnenden Wiedergabe. — Auf die ganz vorzüglichen Blumenstücke von Sofie Ley in Karls- ruhe, sowie auf ein prächtiges Thierstück, das Entzücken eines jeden Jägers und auch manchen Ntchtjägers „Sauen auf dem Wechsel" von Arthur Thiele in München sei zuletzt noch hingewtesen- die lebenswahre Gestaltung der Thiere verdient dabei nicht minder Bewunderung wie die prächtige Stimmung der Waldlandschaft im weißen Schneekleide. ** Kuvstvereiu für das Großherzogthum Hessen. Von den am Samstag gezogenen 37 Gewinnen fiel auch einer, ein Oelgemälde von E. Louyot: „Edeldame" Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog zu. Wir erhielten von geschätzter Seite noch folgende Zuschrift, welche wir in der gestrigen Nummer wegen Raummangels zurückstellen mußten: Kr. Da8 gestrige zweite Coucert de« Coucert Vereins wurde mit Beethovens herrlichem L-äur-Trio op. 97 eröffnet. Die Sonne der Kunst leuchtet über diesem wunderbaren Werk von Anfang bis Ende- die majestätische Ruhe des Eingangs, die ungezwungene Heiterkeit des zweiten Satzes, der tiefe Ernst des Andante, das fast Adagio- Charakter hat, und, wie Beethoven es liebt, der unvermittelte Uebergang aus der Stimmung religiöser Andacht in die fast übermüthige frischen Lebens. Alle großen Eigenschaften des Meisters sind in seiner reifsten Schöpfung auf diesem Gebiet vereinigt. Die Ausführung litt anfangs unter dem zu schnellen Tempo- der mächtige Eindruck des ersten ; Satzes konnte nicht zur Geltung kommen, und die feinen Figuren verwandelten sich in brillante Passagen. Dagegen schienen uns der zweite, vierte und vornehmlich der dritte Satz vorzüglich wiedergegeben zu sein. Es kann nicht leicht einen größeren Abstand geben als der zwischen diesem Trio und den — fast unmittelbar — darauffolgenden Solo-Vorträgen des Herrn Heinrich Grünfeld. Herrn Grünseld kann der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß er unserem Publikum einen schlechten Geschmack zugetraut hat. Die Gedankenarmuth dieses Andante von F. Thoms, das sich rehgioao zu nennen wagt, die seichte Gracie des Menuetts von G. Valentin, und nun gar das fürchterliche Vito von D. Popper- wir denken, das seien „PtScen", an die ein echter Künstler Kraft und Arbeit nicht verschwenden sollte. Selbstverständlich war die Wiedergabe glänzend, und der reiche Beifall wird sich hoffentlich auf sie bezogen haben. Herr Max Pauer, der schon in dem Trio durch vornehmes Spiel sich ausgezeichnet hatte, erfreute uns durch den Vortrag der Barcarolle von A. Rubinstein. Warum er die Liszt'sche Verballhornung hübscher ungarischer Melodien darauf setzte, wissen wir nicht; so lange es noch Leute gibt, die derartige Musik loben, werden wir freilich davon nicht befreit werden. Bachs Ctaconna, die Herr Florian 'td) erwählt hatte, erdrückt fast durch ihren Gedanken ? lft cin grandioses Werk, das an des Spielers Technik selbstverständlich, noch mehr aber an seine Auffassungskraft die denkbar höchsten Anforderungen stellt. Herr Zajiz versuchte, ihnen mit großer Kraft gerecht zu werde«. Daß uns gerade bei dieser Ciaconna Meister Joachim nicht aus dem Stn« wtll, darf er uns nicht verdenken, aber die Anerken- »uug darf ihm Keiner versagen, daß er wunderschön, mit grobem Ton und vor Allem absolut rein gespielt hat, und der Dank aller Kunstfreunde ist ihm schon für die Wahl des Stückes gewiß. Recht eigentlich in ihrem Element I ** postalische Streitfrage kam soeben vor der Strafkammer zu Zweibrücken zum Austrage. Briefe mit der Auf^rift „Soldatenbrief, eigene Angelegenheit des Empfängers" an Personen des Soldatenstandes vom Feldwebel abwärts werden von der Post unentgeltlich befördert. Bedingung d eser Beförderung aber ist, daß der Inhalt sich wirklich auf die Verhältnisse bezieht- ist dem nicht so, so setzt sich der Absender des Briefes der Gefahr der Strafverfolgung wegen Pvstdefraudation aus. Vor einiger Zeit nun hatte ein Zweibrücker Kaufmann, Inhaber eines Kleidermägaz'ns, an verschiedene Soldaten der reicheländischen Garnison Mörchingen Geschäftsempfehlungen versandt, die er dadurch „frankirte", daß er auf die Adresse „Soldatenbrief, eigene Angelegenheit des Empfängers" setzte. Der Post fielen die so zahlreich an Soldaten von Zweibrücken geschickten Briefe auf und sie gmg der Sache auf den Grund. Das Ende der Unter» suchung war eine gerichtliche Klage gegen den Absender. Vor dem Schöffengericht Zweibrücken wurde der Absender der Geschäftsempfehlungen wegen Postdefraudation zu 20 Mk. Geldstrafe verurtheilt, da das Gericht annahm, daß eine eigene Angelegenheit des Empfängers nicht vorgelegen hätte. Der Verurtheilte legte Berufung gegen dieses Urtheil ein und erreichte auch seinen Zweck. Die Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken sprach ihn frei, da sie die Auf- ^ssung des Kaufmanns theilte, wonach durch die betreffenden Briefe das persönliche Interesse der Militärpersonen gewahrt werden solle und nicht ein rein geschäftliches. Die sämmt- ltchen Prozeßkosten trägt die Staatskasse. Die Entscheidung wird in juristischen^ Kreisen wohl einiges Aufsehen erregen. *• Postfrachtstücke im Verkehr mit den Postanstalteu des Deutsch-Ostafrikauifcheu Schutzgebiets. Vom 1. Januar 1895 ab werden im Verkehr zwischen Deutschland und den Postanstalten des Deutsch-Ostafrikanischen Schutzgebiets neben dem bestehenden Austausch von Postpacketen bis 5 kg auch Post- frachtstücke ohne Werthangabe im Gewicht von mehr als 5 bis 10 kg zugelassen. pflegte, Historienmalerei eine interessante und glänzende Vertretung gefunden. DaS Bild, dessen Mittelpunkt der bei mattem Schein einer Stalllaterne über Karten grübelnde, von Sorgen bedrückte große König bildet, stellt den Vorgang, wie er überliefert ist, und uns im Geiste vorschwebt, treffend und in feinen Beleuchtungseffecten dar. — Einen schweren Stand haben daneben die beiden Bilder von William Pape in Berlin: „Seid getreu bis in den Tod" und „Heimgekehrt": das erste giebt uns die ergreifende Scene der Verbindung eines Paares am Sterbebette des Bräutigams; so fein und durchgeistigt dabet die Köpfe des Sterbenden und seiner Braut wiedergegeben sind, so wenig scheinen uns damit zum Theil die Verhältnisse der übrigen Figuren zusammenzustimmen. DaS zweite Bild „Heimgekehrt", das die Rückkehr einer gefallenen Tochter ins elterliche Haus an unwirthltchem Winterabend zum Vorwurf hat, hat der Maler in Pleinair-Manier auS- geführt; eS liegt eine dramatische unnd lebensvolle Auffassung in diesem Bild, insbesondere in der Verzweiflung der Zurückkehrenden (deren Kopf auch hier das Beste des Bildes) und dem mit Entsetzen gemischten Erstaunen des Elternpaares. — Die Landschaft ist zunächst vertreten du>ch ein Colossalgemälde unseres berühmten LandsmannS, Professor Eugen Bracht in Berlin: „Vor Sonnenaufgang am Matterhorn." Dieses Bild in seiner Falsche RetchSkaffenscheiue. Durch die Blätter geht eine Mittheilung, nach welcher zur Verhütung der Täuschung des Publikums durch Falsificate von Reichskassenscheinen von 1882 die Einziehung der letzteren und deren Ersetzung durch neue bereits vorgenommen sei. In dieser Fassung ist die Mittheilung, laut der „Berliner Pol. Nachr.", falsch. Die Einziehung und Erneuerung ist erst geplant und zur Ausführung des Planes ist eine Summe von 700000 Mark in den Etat der Reichsschuld eingestellt. Falsch ist auch, daß die Maßnahme der Erneuerung auf die Fünfzigmarkicheine beschrankt werden solle. In dem Vermerk zu der betreffenden Etatsposition heißt es ausdrücklich, daß nur „zunächst" die Fünszigmarkscheine erneuert werden sollen. Die Erneuerung i d" anderen Reichskassenscheine ist danach durchaus nicht völlig ausgeschlossen. 8 ** In Amerika verstorbene Hessen. New York City, N.-Y. Elisabeth Hofem geb. Hermann, auS Alsfeld. Friedrich und Adolf Bruder, Zwillingsbrüder, 25 Jahre alt, Söhne des verstorbenen George Bruder aus Dornholzhausen, und dessen Wittwe Sophie aus Arnsburg. Charleston, S C Georg Keim, 79 Jahre alt, aus Offenbach. Houston, Ter' Capt. Henry Scherffins, 55 Jahre alt, aus Darmstadt. Mars Bezirk, Jnd. Carl Orth, 78 Jahre alt, aus Rieder- Ingelheim. Pittsburgh, Pa. Andreas Jonas, 55 Jahre I °lt, aus Seligenstadt. Johannes Velten, 67 Jahre alt, aus o L°?e£n ^nbiem 3°$Qnn Perer Schäfer, 82 Jahre alt, aus Lohhof, Kreis Heppenheim a. d. B. St. Louis, Mo. Char- lotte Kern, geb. Wagner, 75 Jahre alt, aus Harreshausen. Ttffin, O. Valentin Müller 96 Jahre alt, aus Habitzheim. A Mainz, 10. December. Der in der Schuhwaaren- fabrik der Firma Eichba um L Cie. hier vergangene Woche ausgebrochene Strike hat noch an Ausdehnung zugenommen. Am Samstag fanden zwischen dem Fabrikinhaber und einer Arbeiterdeputation Vergleichsverhandlungen statt, nach deren Scheitern wiederum ein weiterer Theil der bis jetzt noch nicht Ausständigen die Arbeit ntederlegte. — Einen der ältesten hiesigen Rechtsanwälte Dr. Kaden fand man heute Morgen tod t in seinem Bette. Der Tod war in Folge eines Herz, schlages eingetreten. — Auf dem gestern hier abgehalteueu rheinhessischen Gauturntag wurde als Festort für das nächstjährige Gauturnfest N i e d e r-J n g e l h e i m gewählt. — Nachdem die große CarnevalSgesellschaft „Narrhalla" beschlossen hat, in der kommenden CarnevalSsatson von der Abhaltung regelmäßiger Sitzungen u. s. w. Umgang zu nehmen, beschränken sich die nächstjährigen officiellen carnevalistischen Veranstaltungen nach einem von dem letzten Comitv festgesetzten Programm auf Folgendes: Am Neujahrstag carnevalistischeS Concert, am 25. Januar Herrensitzung, am 17. Februar Fremdensitzung, am 12. Januar und 2. Februar Maskenbälle. An den Fastnachtstagen selbst finden nur Aufzüge der Prinzen- ** Die zweite Jahresversammlung der Organe der offenen Armenpflege in der Stadt Gießen findet Mittwoch den 12. d. M., Abends 81/iUhr pünktlich, in den oberen Räumen der Restauration Fetdel statt. — Die Tagesordnung enthält Berichte über die städtische Armenpflege in 1893/94 und über die Kölner Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit- als Berichterstatter werden dabei mitwirken die Herren Oberbürgermeister Gna uth und Pfarrer Schlosser. Die Spitzbuben, die in letzter Zeit die Cigarrenfabriken der Städte Darmstadt, Mannheim und Gießen durch nächtliche schwere Diebstähle heimgesucht haben, haben nun Bingen einen Besuch abgestattet und sind in einer der letzten Nächte in eine Fabrik, bortfelbft eingebrochen. Sie stahlen nahezu 7000 Cigarren, die sich in Kistchen befanden. Wie seither bet den anderen Diebstählen haben die Diebe auch in Bingen mit großem Raffinement gearbeitet und nur die besten Sorten ausgewählt. Es ist auffallend, daß über den Verbleib der bis jetzt so vielfach gestohlenen Cigarren noch keine Spur zu ermitteln war. Jedenfalls befinden sich Hehler im Spiel, die so gerieben sind, wie die Spitzbuben ** Folgende hessische Firmen waren am neue « Reichshause mit Lieferungen und Arbeiten bethetligt: C. Amendt in Oppenheim lieferte buchene Fußböden. A. Bem bä in Mainz fertigte die reichen Vertäfelungen der Wände und Decken des Schreib- und Lesesaals nebst albn Möbeln, THÜren und Fenstern. 9in den Tischlerarbeiten war I. G lückert in Darmstadt betheiligt. Bct den Belenchtungs- körpern erhielt auch das Gasapparat- und Gußwerk Mainz Aufträge. ** Kaiferdenkmal auf dem Kyffhäuser. Die soeben veröffentlichte Beitragsliste zu dem Denkmal der ehemaligen deutschen Soldaten für Kaiser Wilhelm I. auf dem Kyffhäuser weist wieder einen Zuwachs von 16 324 Mk. auf, so daß der Capitalstock jetzt eine Höhe von 676 735 Mk. erreicht hat. ** Postpersonal-Rachrichteu. Versetzt sind: der Ober- Postdirectionssecretär Drews nach Rostock (Mecklenburg) behufs Uebernahme einer Postkassirerstelle, der Poftsecretär Batt es von Düsseldorf nach Darmstadt behufs Uebernahme einer Büreaubeamtenstelle I. Kl. bei der Ober.Postdirection, die Postverwalter Weber von Niederolm nach Gonsenheim und Ritzinger von Gonsenheim nach Niederolm. — Der Ober-Postassistent Mees in Bodenhetm ist zum Postverwalter ernannt worden. ♦* Schuldienst-Nachrichten. Am 7. November wurde dem Schulamtsasptranten Jacob Sauer aus Eimsheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Zotzenheim, Kr. Alzey, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Zimmermann aus Esselborn eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hochheim, Kr. Worms, — am 8. November wurde dem Schulamtsaspiranten Franz Jeckel aus Bensheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Seibelsdorf, Kr. Alsfeld, — am 9. November wurden den Schullehrern Emil Moog zu Weiterstadt und Johann Georg Trautmann zu Dietzenbach Lehrerstellen an der I Gemeindeschule zu Griesheim, Kr. Darmstadt, — an dem- I selben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp | Fröhlich aus Büdesheim eine Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Alsheim, Kreis Worms, übertragen- — am 14. November wurde dem Schullehrer Heinrich Bergan er zu Burg-Gemünden eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Brauerschwend, Kr. Alsfeld, — am 15. November wurde dem Schulamtsasptranten Georg Schad aus Bischofsheim I die fünfte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichels- I heim i. O., Kr. Erbach, übertragen- — an demselben Tage | wurde der Schulverwalter an dem Realgymnasium und der I Realschule zu Mainz Rudolf Andres zum Lehrer an dieser I Anstalt, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, I ernannt- — am 17. November wurde dem Schullehrer | Joseph Butz zu Weisenau eine Lehrerstelle an der kathol. I Schule zu Castel, Kr. Mainz, — am 18. November wurde | dem Schulamtsaspiranten Friedrich Emmert aus Hohen- | Sülzen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Osthofen, I Kr. WormS, — am 19. November wurde dem Schullehrer I Friedrich Kurz zu HergerSdorf die Lehrerstelle an der I Gemeindeschule zu Altenhain, Kr. Schotten, — an demselben I Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Lampert I auö Siedelsbrunn eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu I Essenheim, Kr. Mainz, Übertragen- — am 20. November | wurde dem Schulverwalter Carl Müller zu Otterbach, Kr. I Alsfeld, die Lehrerstelle an bei Gemeinbeschule baselbst, — I am 21. November würbe bem Schulamtsaspiranten Abam * 1 garde, Maskenbälle und VolkSconcerte auf den öffentlichen Plätzen statt. Aus Rheiuheffeu, 8. December/ Eine bestrafte Ovation. In dem Orte Heppenheim bei Worms fand jüngst die Bürgermeisterwahl statt- nach der Bekanntmachung deS Wahlresultats arrangirten eine Anzahl Bewohner einen Fackelzug, um dem OrtSoberhaupte ihre Huldigung darzu- bringen. Wie waren aber die Manifestanten erstaunt, als jedem derselben vor Kurzem ein Strafbefehl zur Zahlung von je 6 Mk. Strafe zugegangen ist, weil sie „einen Fackelzug ohne polizeiliche Erlaubniß abgehalten haben." Vermischtes. * Wetzlar, 9. December. Ein Bürgermeisteramt in der Nähe erhielt dieser Tage folgenden originellen Brief: „Heute dea 2. December 1894. Ich mechte den Hern Bürgemetster bitten er mechte So guth sein und mir Johann St. auz Schneppenbach der Augusta I. von Seck seinen GeburtSacht schicken Postnachnam nach Heckst Postlachen. Meine Atreße Heist an Jobann Stark Postlachend in Heckst am Main. * Frankfurt a. M., 10. December. Bankier Friedrich Sch wahn, welcher im August 1887 nach großen Depotunterschlagungen flüchtig ging und Anfangs dieses Jahres in Johannesburg verhaftet wurde, wurde in heutiger Strafkammersitzung zu fünf Jahren Gefängniß und fünf Jahren Ehrverlust verurtheilt. Wegen betrügerischen Bankerotts bat sich derselbe noch vor dem Schwurgericht zu verantworten. * Frankfurt a. M., 8. December. Heute begannen vor dem Oberlandesgericht die 70 Processe der Stadt wegen der Vergrößerung des Schlacht- und Viehhofs gegen die Grundbesitzer, die mit den ihnen im Enteignungsoerfahren zugesprochenen Summen nicht zufrieden sind. Beide Thetle ergriffen Berufung gegen die Enischeidung der Ctvtlkammer. Äs sollen neue Sachverständige vernommen werden. * Neuwied, 5. December. Vom hiesigen Schöffengerichte wurde, wie die „Köln. Ztg." berichtet, ein Mitglied der Ei «kommen st euer - Voreinschätzungscommission zu einer Geldbuße von 20 Mk. oder 5 Tagen Haft verur- rheilt, weil von ihm die bei der Steuerveranlagung bekannt gewordenen Verhältnisse eines Steuerpflichtigen nicht geheim gehalten worden waren. * Berlin, 8. December. Die Entschädigungssumme für die durch das Brunnenunglück in Schneidemühl Geschädigten wurde auf 366,163 Mk. festgeietzt. Der Betrag soll durch die Ergebntffe der Schneeballcollecre sowie durch eine Anleihe von 30,000 Mk. gedeckt werden. * Laurahütte, 8. December. In dem Schüttenberg'schen Reubau sind an Kohlenoxhdgas drei junge Arbeiter erstickt. * Rattbor, 8. December. I« der hiesigen katholischen Kirchenkasse wurde ein Fehlbetrag von 20,000 Mk. entdeckt. * Mannheim, 10. December. Zwischen dem Schiffsknecht Heimwarth und dem Schreiner Link brach ein Streit aus. Im Verlaufe des letzteren wurde Link erstochen- Heimwarth ist verhafiet worden. * Nürnberg, 10. December. Eine LiebeStragödie fand hier ihren blutigen Abschluß. Der Handlungsdiener Weimer erschoß seine Geliebte und dann sich, weil sie ihn nicht heirathen wollte. * Bellinzona, 8. December. Zwei Familienväter, ein junger Mann und drei Mädchen, die mit einem mit Holz beladenen Schlitten über den erst mit schwachem Eis bedeckten Picrasee fuhren, sanken ein und ertranken. Die Leichen sind noch nicht gefunden. * Als Reinertrag aus dem Vertrieb des „Sangs an Aegir" wurden bet dem Bankhause Anhalt & Wagener in Berlin 33 600 Mk. zu Gunsten des Baufonds der Kaiser Wilhelm-Ged ächtnißki rch e, der der gesammre Nutzen aus der Composition deS Kaisers zu Gute kommen soll, ausgezahlt. * Als ein Zeichen der Zeit und characteristisch für die socialen Verhältnisse der Gegenwart spricht die Thalsache, daß am 24. November 56 Personen vor das Amtsgericht zu Düsseldorf geladen wurden, um den Offenbarungseid zu leisten. Drei Tage vorher leisteten an derselben Gertchts- stelle 69 Personen denselben Eid. Traurig, aber wahr? * Selbstkritik. In Nr. 274 der „Konst. Nachr." schließt ein Nachruf folgendermaßen: „Der Dahingeschtedene war ein fleißiger Leser der „Konst. Nachr." Möge er einen gnädigen Richter gefunden haben!" Literatur und ICttnjt — Als überaus practisches Weihnachtsgeschenk für Jung «Nd Alt empfthlen wir da« tm 'Pc lo e oon Gurt von Münchow in G»bfeen erschienene Hessische Wappenbuch, üver welches P präsentabel wie vorn hm, eben'o nützlich wie Jedermann willkommen ist. Trotz der drill. A"sstatt. ohne Pretserh. zu haben. Engros-Verk : Benner & Krumm, Giessen. Buchdruck-Arbeiten Zur Anfertigung aller im Geschäfts- und Privat-Verkehr gebräuchlichen 1 empfiehlt sich die MH» tatai Schuletrasse 7. -WW.’ General-Versammlung. Die rerehrlichen Mitglieder des hiesigen Zweig-Hülfsvereins für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde werden zu der Dienstag den 18. December d. I., Abends 8 Uhr, in dem oberen Locale der Restauration Weidig, Sonnenstr., stattfindenden General-Versammlung ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Bericht über die seitherige Vereinöthätigkeit. 2. Neuwahl des Vorstandes. Gießen, den 11. December 1894. Der Vorstand des Zweig-Hülfsvereins. Jockel. ben£dictine de F ABBAYE de FECAMP (Seine-Inferieure) Frankreich. Der beste aller Liqueure. Man verlange immer am Fusse jeder Flasche die viereckige Etiquette mit der Unterschrift des General-Directors: In Glessen zu haben bei: 9204 Emil Fischbach. HANS HOTTEE3ROTH, Generalagent, HAMBURG. Empfehlenswertstes Festgeschenk. ’TBKL _________ Jahrgang 1894 gebunden _________ Iwl Die Arbcitsstube Zeitschrift für leichte und geschmackvolle Handarbeiten mit farbigen Grigi- nalmustern für Eanevasstickerei, Application, Plattstich, Zilet-Guipüre und Häkelarbeiten, sowie zahlreichen schwarten Vorlagen für Häkel-, Alet-, Klöppel-, Strick- und Stickarbeiten rc. rc. 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