Mittwoch den 12. September 1894 Nr. 218 Amts- unb Anzeigeblatt für den Kr«t* Gieren. Hratisöeitage: Gießener Jamitienölatter. dahtnrasten. Alle Bande schienen gelöst, wenn auch hier und da Fälle von heroischer Aufopferung, gemeldet werden. So sand man die Leiche einer Mutter über ihren Kindern liegend, welche offenbar versucht hatte, die Kleinen mit ihrem Leibe ru decken. Viele der aufgefundenen Leichen zeigen deutliche Spuren davon, daß der Tod erst nach Stunden schrecklicher Leiden eingetreten, denn die Brandwunden allein hätten dte Unglücklichen nie sofort tödten können. Wie viele Leichen unter den Asche- und Trümmerhaufen liegen, wird kaum je festgestellt werden. Auf einer Stelle des nach Hinkley führenden Bahnkörpers fand man 45 Leichen in kleinem Umkreise umherliegen. Weiterhin trafen die zur Rettung aus- gesandten Männer auf 115 in einzelnen Haufen zusammen- ltegende Leichen, offenbar von Flüchtlingen, welche, vom Feuer eingeholt oder vom Rauch erstickt, truppweise umgekommen.^ Der Führer eines Rettungszuges sah sich plötzlich vom Feuer überholt und vollständig eingeschloffen. Zum Aeußersten getrieben, einen gewissen Tod vor Augen, schloß der muthige Locomotivführer dte Ventile seiner Maschine, umhüllte sich den Kopf mit Lumpen und lteß seinen Zug in die Flammen hineinrasen. Aber rechts und links neben ihm jagten, wie eine höllische Jagd, die Flammen fast noch schneller dahin. Die Lumpen um seinen Kopf begannen wiederholt zu brennen, aber der Muthige wich nicht. Sein Heizer war in deu Wasserbehälter der Locomotive gestiegen, um von dort aus, selbst vor der Gluth geschützt, seinem heroisch auf der mr- aeschützten Plattform ausharrenden Führer fortwährend Wasser über Kopf und Glieder zu gießen. Wetter rasete der Zug, immer noch inmitten eines Flammenmeeres. Die Passagiere ergriff eine fürchterlicke Panik. Viele von ihnen sprangen, einen sicheren Tod vor Augen, aus den Fenstern, ein schnelle« Ende dem langsamen Tode vorziehend. Die Hinteren Waggon« brannten bereits, einen furchtbaren, rasenden Maffenschetter- Haufen bildend. Das Wasser der Locomotive war fast zu Ende, noch wenige Minuten und der Kessel flog in die Luft und alle waren verloren. Aber jetzt flog der Zug donnernd über eine Brücke, daS Flammenmeer hinter sich lassend. Dte Ueberlebenden waren gerettet. Aber als man den Zugführer von seiner Maschine herabholte, war der Helden- müthige Mann wahnsinnig geworden. (Schluß folgt.) Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mart 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expcditio». und Druckerei: Schutstraße Ir.7. Fernsprecher 51. sobald sie von einer Erkrankung an Cholera oder mit choleraartigen Erscheinungen in ihrer Familie oder in ihrem Hause Kenntniß erhalten haben; 2) längstens binnen 24 Stunden gleiche Anzeige zu erstatten, sobald sie von einer Erkrankung an einer typhusartigen Krankheit (Unterleibstyphus, Rückfalltyphus, Flecktyphus), an Scharlach, Diphtherie, Croup, Puerperalfieber (Wochenbettfieber) in ihrer Familie oder in ihrem Hause Kenntniß erhalten haben. Die Aerzte sind verpflichtet, von jeder in ihrer Praxis Alle Annoncen-Bureaux der In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Feuilleton. Die Waldbrände in Nordamerika. Dem „Rhein. Cur." wird unter dem 3. d. Mts. aus Newyork telegraphirt: „Der schreckliche Waldbrand, welcher seit vorgestern die drei Staaten Wisconsin, Minnesota und Michigan verheert, hat furchtbare Folgen gehabt und er- schreckendere Dimensionen angenommen, als man anfänglich geglaubt. Den eigentlichen Ursprung oder, besser gesagt, die eigentliche Veranlassung der Katastrophe, kennt man in zu- verlässiger Weise noch nicht. An der Unglücksstätte selber wird behauptet, das Feuer sei auS Rache angezündet worden und fünf Personen seien als der Brandstiftung verdächtig in Washburne verhaftet. Zuverlässige Details fehlen, schon deß- halb, weil sämmtliche nach den von der Katastrophe heimgesuchten Orten führende Straßen, ebenso wie die Telegraphenlinien vom Feuer zerstört find. Die bisher ein- gelaufenen Nachrichten sind nicht direct, sondern auf Umwegen eingetroffen, meistens aus der Stadt Duluth, welche von aus Hinkley eingetroffenen Flüchtlingen wimmelt. Natürlich sind diese in einem Zustande der Aufregung, welcher dte Ueber- treibung und die Erfindung phantastischer Geschichten darlegt. Ader vorläufig ist man auf derartige Meldungen beschränkt, die übrigens die furchtbare Schwere der Katastrophe auf alle Fälle bestätigen. Von dec Stadt Hinkley, welche vollständig von den Flammen eingehüllt und in einen riesigen Schutthaufen verwandelt wurde, stehen nur noch drei Häuser unverschont. Herzzerreißende Scenen müssen sich in der Stadt selbst während des Brandes zugetragen haben. Dte Lage der aufgefundenen Leichen beweist das. In einem Keller sand man eine ganze Familie von sechs Personen alle verkohlt. Auf den aus der Stadt führenden Wegen wurden 82 Leichen Verbrannter bisher gefunden. Hunderte hatten sich in einen nahegelegenen großen Teich gerettet; stunden' lang harrten sie in furchtbarster Todesangst; von beiden Setten her nahte sich das Flammenmeer, dessen Lohe 20 bis 30 Meter hoch gegen Htmmel schlug. Schließlich wurde auch der kleine See vollends von den Flammen etngeschlossen, und während das Wasser desselben unter der furchtbaren Hitze langsam sank und verdunstete, begannen die Riefenflammen in schauerlichen Zuckungen über die im Wasser, halb im Schlamm versunken, kauernden Flüchtlinge zusammenzuschlagen. vorkommenden Erkrankung: « 1) an Cholera unverzüglich, jedenfalls aber binnen 6 Stunden dem Grotzherzoglichen Kreis- gesnndsheitsamte unter Angabe des Namens, Alters und der Wohnung des Erkrankten schriftliche Anzeige zu machen. ' , , m • 2) an einer typhusartigen Krankheit, Scharlach, Diphtherie, Croup, Puerperalfieber binnen 24 Stunden gleiche Anzeige Großherzoglichem Kreisgesundheitsamte zu er- statten. § 3. Unterlassung der nach 1 und 2 vorgeschriebenen Anzeigen werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark geahndet. Bestrafung der Familien- und Haushaltungsvorstände, der Hauswirthe und deren Vertreter tritt dann nicht ein, wenn jene Anzeige von anderer Seite innerhalb der vorgeschriebenen Frist erstattet worden ist. § 4. In Fällen, in benm die Jsolirung der an den genannten \ Krankheiten leidenden Personen in ihrer eigenen Wohnung ! absolut unthunlich ist, und in Folge des im Hause herrschenden । allgemeinen Verkehrs, Nachtheile für das öffentliche Wohl zu i erwarten find, kann das Kreiscmt auf Antrag des Kreis- \ gesundheitsamts Sperre der dem öffentlichen Verkehr dienenden i Räume des Hauses oder bei den an Cholera erkrankten | Personen die Verbringung derselben in die zur Aufnahme ! solcher Kranken bestimmten Krankenhäuser anordnen. 8 5- Die Benutzung öffentlicher für diesen Zweck nicht besonders bestimmter Fuhrwerke zum Transport von Personen, welche Gießener Anzeig er General-Wnzeiger. Der Gießener Anzeiger erfdjeint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aamikienötalter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. an einer der im § 1 und 2 genannten Krankheiten erkrank sind, ist untersagt. § 6. Aus Familien, in welchen Jemand an Cholera, Diphtherie oder Scharlach leidet oder Sterbfälle in Folge dieser Krankheiten vorgekommen sind, ist der Besuch der Schulen und ähnlicher Anstalten sämmtlichen Kindern insolange untersagt, als dies Verbot nicht durch ein ärztliches Zeugniß im einzelnen Falle wieder aufgehoben wird. § 7. Die Leichen von Personen, welche an einer der in $ 1 und 2 genannten Krankheiten verstorben sind, dürfen nicht in der Wohnung verbleiben, sondern müssen, und zwar die an Cholera gestorbenen Personen binnen 6 Stunden und die an den übrigen genannten ansteckenden Krankheiten gestorbenen Personen längstens binnen 12 Stunden nach erfolgtem Tode in ein Leichenhaus, wenn ein solches vorhanden ist, verbracht werden. An Orten, wo kein Leichenhaus vorhanden ist, muß für thunlichste Jsolirung und baldmöglichfte Beerdigung Sorge getragen werden. Bei der Beerdigung der an der Cholera gestorbenen Personen ist die Begleitung der Leiche durch Nichtangehörige gar nicht und bei der Beerdigung von an den andern ge* nannten ansteckenden Krankheiten gestorbenen Personen durch Nichtangehörige nur von der Straße aus gestattet. Die Oeffnung des Sarges bei dieser Gelegenheit ist untersagt. 8 8. Jeder Arzt, sowie das ärztliche Pflegepersonal ist verpflichtet, sich vor Verlassen der Krankenwohnung zu desmficiren. Die Krankenzimmer, sowie sämmtliche in denselben ! befindlichen Gegenstände sind nach Ablauf der Krankheit zu : desinficiren. *_ __ , Bei der Desinfection von Personen und Wohnungen ! sind die desfalls ergangenen und noch ergehenden besonderen i Bestimmungen genau zu beachten. 8 9. Uebertretungen der Vorschriften unter § 4—8 werden ; nach Maßgabe der nachstehend abgedruckten Art. 349, 350 und 352 des Polizeistrafgesetzes bestraft. Die Unglücklichen bedeckten Haupt und Glieder immer wieder mit Schlamm.', um sich vor der verzehrenden Wuth des wogenden Flammenmeeres zu schützen. Fast alle wurden gerettet, aber die meisten hatten furchtbare Brandwunden davongetragen. Hier und da treffen die Hilfebringenden halb verbrannte, furchtbar verstümmelte, aber lebende Opfer, von denen einige wahnsinnig geworden. Außer der Stadt Hinkley sind die Ortschaften Baronet, Shellako, Riblake, Bradshaw, Mango, Missionereek, Sanstone, Junstone, Boke- homa und einige zwanzig Dörfer, sowie Hunderte von Farmen vollständig zerstört, die meisten der letzteren einfach vom Erdboden verschwunden. Da, wo vor drei Tagen noch dte prächtigsten Wälder ragten, liegt heute ein Hunderte von Quadratmeilen weites schwarzes, gegen den von Rauchwolken umhüllten Himmel emporgähnendes Leichen- und Trümmer- feld. Die Einwohner Hinkleys, von denen einige zweihundert in den Flammen umgekommen sein sollen (diese Zahl scheint übertrieben zu sein), flüchteten zum Theil in Eisenbahnzügen, auf Wagen, zu Pferde, viele aber, da alle Fahr- und Reitgelegenheit in wenigen Augenblicken fehlte, zu Fuß. Zweifellos find viele von diesen letzteren, welche sich nur in den Wald flüchten konnten, in diesem lebendig verbrannt. Als die Flucht aus Hinkley begann, war das Feuer nur von zwei Seiten sichtbar, während thatsächlich auch die dritte Seite bereits in Flammen war, deren» Lohe die Flüchtlinge nur noch nicht sehen konnten. Kaum eine Stunde später war die ganze Umgegend der Stadt von dem wüthenden Flammenmeere eingekreist, und für Diejenigen, welche dem furchtbaren Zirkel nicht rechtzeitig genug entronnen waren, gab es keine Rettung mehr. Selbst die letzten aus der Stadt abgelaufenen Eisenbahnzüge vermochten nicht mehr aus dem Flammenkreise zu entrinnen und mußten brennend von ihren Insassen ver- lassen werden, welche zum großen Theil schwere Brandwunden davontrugen, während etwa ein Drittel der Flüchtenden verbrannte. Die letzteren wurden in voller Flucht von den Flammen erreicht; man fand ihre Zeichen in kurzen Zwischenräumen voneinander auf dem Bahnkörper selbst, wenige hundert Meter jenseits des verbrannten Zuges. Die übrigen retteten sich nur dadurch, daß sie sich in ein nahegelegenes Moor rechtzeitig flüchteten. „Die Leute, so schreibt der „New York Herald", flüchteten wie eine tolle Viehheerde vor den Flammen her, welche an einzelnen Stellen mit der Schnelligkeit eines CourierzugeS Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« fofßcnben Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Amtlichem Theil. Bekanntmachung, betreffend Faselschau zu Hungen. Gelegentlich des am 17. d. Mts. zu Hungen stattfindenden 'Viehmarktes wird auch durch die Körcommission des Bezirrs Gießen eine Ankörung der zu Gemeindefaseln tauglichen Bullen stattfinden. Gießen, den 12. September 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wallau._______________ Bekanntmachung betr. Maßnahmen gegen die Cholera. Nachdem der Ausbruch der Cholera in der Gemeinde Bürgeln, Kreis Marburg, amtlich festgestellt worden ist und die Gefahr einer weiteren Verbreitung dieser Seuche nicht ausgeschlossen erscheint, bringen wir die nachstehend abgedruckte Polizei-Verordnung hierdurch nochmals zur öffentlichen Kenntniß, indem wir die Beachtung der darin nieder- gelegten Vorschriften dringend empfehlen. Gießen, ben 3. September 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Melior. Polizeiverordnung, die Anzeigepflicht und sonstigen Maßnahmen bei ansteckenden Krankheilen betreffend. Unter Zustimmung des Kreisausschuffes und mit Ge- nehmiauna Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 14. September 1892 zu Nr. M. I. 24792 wirb für ben Kreis Gießen nachstehenbe Polizeiverorbnung erlassen: 8 1- Die Familien- und Haushaltungsvorstände, wie auch die Hauswirthe und deren Stellvertreter sind verpflichtet: 1) längstens binnen drei Stunden schriftlich ober mündlich der Polizeibehörde Anzeige zu erstatten, § 10. Die Bekanntmachungen rubr. Betreffs vom 14. October 1891 und 24. August 1892 treten außer Kraft. Gießen, den 18. September 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Art. 349. Wer die von der Polizeiverwaltungsbehörde gegen den drohenden Einbruch ansteckender Krankheiten unter Menschen angeordneten Sperr- und Sicherungsanstalten verletzt, wird, insofern die begangene Uebertretung nicht unter § 327 des deutschen Strafgesetzbuchs fällt, mit einer Geldbuße von 3 bis 20 fl. oder Gefängniß bis zu 8 Tagen bestraft. Artikel 350. Wer die beim wirklichen Ausbruch einer ansteckenden Krankheit unter Menschen von der Polizeiverwaltung zur Abwendung der Gefahren und gegen Verbreitung der Krankheit angeordneten Sperr- und Sicherungsanstalten verletzt, wird, insofern die begangene Uebertretung nicht unter § 327 des deutschen Strafgesetzbuchs fällt, mit einer Geldstrafe von 5 bis 30 fl. oder Haft von 3 bis 14 Tagen bestraft Artikel 352. Wer die von der Local-Polizeiverwaltungsbehörde wegen Vernichtung oder Reinigung von Kleidungen, Leinenzeug, Bettwerk oder anderen Gerätschaften, welche von Personen gebraucht worden sind, die an einer ansteckenden Krankheit darniedergelegen, ertheilten Vorschriften nicht befolgt, wird, insofern die begangene Uebertretung nicht unter § 327 des deutschen Strafgesetzbuchs fällt, mit einer Geldstrafe von 3 bis 20 fl. oder Haft bis zu 8 Tagen bestraft; außerdem werden jene Gegenstände consiscirt. Deutscher Reich. Darmstadt, 10. September. Seine König!. Hoheit der Großherzog werden Mittwoch, 12. September, weder Audienzen ertheilen, noch Meldungen und Borträge entgegennehmen. Berlin, 10. September. Der so bedeutsamen Rede des Kaisers in Königsberg ist eine ebenfalls be- merkenswerthe öffentliche Kundgebung des hohen Herrn während seines Aufenthaltes in Marienburg nachgefolgt. War die Königsberger Rede des Monarchen hauptsächtlich Betrachtungen über die oppositionelle Stellungnahme des altpreußischen Adels in verschiedenen Fragen der inneren Politik und weiter über den Kampf gegen die Umfturzparteien gewidmet, so galt seine in der ehemaligen Residenz des Deutschen Ritterordens gehaltene Rede vornehmlich Erinnerungen an das Wirken dieses Ordens. Der Kaiser wks darauf hin, wie die Deutschritter die Träger und Förderer des deutschen Gedankens in den Ostmarken Deutschlands gewesen seien und wie sie von ihrer Hochburg aus die Cultur in alle Lande hinausgetragen hätten. Der erlauchte Redner knüpfte hieran den Wunsch, daß die Provinz Westpreußen das Marienburger Schloß stets als ein Wahrzeichen des Deutschthums ansehen und deutsche Sitte und deutschen Glauben stets hegen und pflegen möge. Im Eingänge der Rede hatte der Kaiser unter Hinweis auf eine in seiner Gegenwart zu Danzig gehaltenen Rede des Vorsitzenden des westpreußischen Provinziallandtages seine bekundete landesväterliche Fürsorge für die Provinz Weft- preußen betont. — Der Kaiser fanfrte anläßlich des Ablebens des Naturforschers Hermann von Helmholtz der Wittwe des großen Gelehrten ein sehr herzlich gehaltenes Beileidstelegramm von Martenburg aus zu. — Eine ganz neue Reichs st euer wird Seitens verschiedener Blätter in Aussicht gestellt. ES sollen nämlich die Nürnberger Apotheker und die Steuer- und Zollbehörden beauftragt worden sein, über den Verbrauchszweck und die Verbrauchsmevge von Sacharin und anderen Süßstoffen Erhebungen anzustellen. Es soll sich hierbei um ein neues Reichssteuerproject handeln. Die ganze Sache klingt indessen noch etwas mysteriös, zumal es unerfindlich ist, weßhalb angeblich gerade die Nürnberger Apotheker mit zur Anstellung der gedachten Erhebungen herangezogen worden sind. Anstand. Paris, 10. September. Die Kunde vom Ableben des Grafen von Paris hat in Frankreich, etwa abgesehen von den Parteigängern des verstorbenen Prätendenten, so gut wie gar keinen Eindruck gemacht. Es ist dies auch ganz erklärlich, die royalistische Partei in Frankreich ist auf ein kleines Häuflein zusammengeschrumpft, von einer nennens- werthen Agitation der Royalisten und von irgendeinem politischen Einflüsse derselben kann nicht im Entferntesten gesprochen werden. Der Graf von Paris trug allerdings selbst die Schuld daran, daß sich die Reihen seiner Anhänger in Frankreich mehr und mehr gelichtet haben und daß die Aussichten auf die Wiederaufrtchtung des orleanistischen Königthums zur Zeit wenigstens gleich Null sind. Er war eine träumerische Natur und vermochte sich zu keinem kräftigen Handeln aufzuraffen, höchstens, daß der Prätendent von seinem englischen Exile aus von Zett zu Zeit phrasenreiche Manifeste an die französische Nation erließ, die jedoch ohne allen und jeden Erfolg blieben. Ob es nun der neue Prätendent, der junge Herzog Ludwtg Philipp von Orleans, besser verstehen wird, als sein Vater, die Ansprüche der Orleans auf den französischen Thron wieder zu beleben und der orleanistischen Partei zu neuem Ansehen und neuer Kraft zu verhelfen, das muß sich erst noch zeigen. Vorläufig hat der jugendliche Prinz durch seine mannigfachen Tollheiten und Streiche weit mehr von sich reden gemacht, als durch seine etwaigen politischen Pläne und Absichten. — Auf dem o ft asiatischen Kriegsschauplätze ist mit der erfolgten Festsetzung der Japaner auf den kleinen Inseln, welche nordwestlich von der chinesischen Seefestung Porth Arthur im Golf von Petschili liegen, endlich wieder ein Fortschritt in den Operationen zu verzeichnen. Durch die Besetzung dieser Eilande haben die Japaner einen werthvollen Stützpunkt für einen etwaigen Vorstoß nach Peking gewonnen, was man auch auf chinesischer Seite einsieht. Denn der Oberbefehlshaber der chinesischen Flotte im Golfe von Petschili, Admiral Ting, ist seines Postens enthoben worden, weil er die Besetzung der erwähnten Inseln durch die Japaner nicht verhindert hat. Der Kaiser und die Kaiserin-Wittwe haben den Vorschlag, China solle die Vermittelung Rußlands und Englands nachsuchen, welchen der Vicekönig Li-Hung-Tschang gemacht hatte, mit Entrüstung zurückgewtesen. Neueste Nachernten. Wolffs telegraphischer Correspondmz-Bureau. Berlin, 10. September. Ein Telegramm des stellvertretenden Gouverneurs aus Dar-es-Salam meldet: Aufrührerische Mawadjt versuchten am 7. September Ktlwa zu überfallen, wurden aber zurückgewiesen. Der Lazarethgehilfe TheltpS und vier Askarts sind verwundet. Um einer Wiederholung der Angriffe vorzubeugen, begaben sich die Schiffe „Seeadler" und „Möve" an Ort und Stelle. Eisenach, 10. September. Zu der Hauptversammlung der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine haben acht deutsche Staaten und achtzehn Geschlchtsvereine Delegirte gesandt- im Ganzen, sind etwa 100 Teilnehmer erschienen. Geheimerath Bojanowskt begrüßte die Versammlung Namens des Grotzherzogs und der weimarischen Regierung, der Oberbürgermeister Namens der Stadt Eisenach. Profeffor Thudichum hielt einen Vortrag über die Rechts- spräche. Knrzel (bei Metz), 10. September. Der Bezirkspräsident überreichte vor der versammelten evangelischen Gemeinde eine Prachtbibel, die daS Kaiserpaar zum heutigen Gedenktage des vorjährigen ersten deutschen Gottesdienstes in der alten Hugenottenktrche geschenkt hat. An die Uebergabe schloß sich ein kurzer Gottesdienst an. Wien, 10. September. In Genf starb gestern der bekannte Finanzier Victor Freiherr von Erlanger, der mit dem Wiener Kunstleben der siebziger Jahre eng verknüpft war. Tientfiu, 10. September. Reutermeldung. In gut unterrichteten chinesischen Kreisen verlautet, daß das japanische Kriegsschiff „Hyet" in dem letzten Kampfe mit dem chinesischen Schiffe „Tschenyuen" so beschädigt wurde, daß es auf der Rückfahrt nach Japan gesunken ist. Shanghai, 10. September. Reutermeldung. Wie verlautet, sind die Chinesen im nördlichen Korea von den Japanern eingeschloffen- sie leiden Mangel und tödten behufs Ernährung die Ponnys der Cavallerie. — Sümmt- ltche auf den Schiffswerften in I a p a n angestellten Fremden wurden entlassen, da die Japaner die ihren Kriegsschiffen zu- gefüglen Schäden zu verheimlichen wünschen. Es heißt, daß der Mikado sich mit den Ministern nach Kirosina begibt, dem Orte, wo die nach dem Kriegsschauplätze bestimmten Truppen eingeschifft werden. WB. Königsberg, 11. September. Der König von Württemberg, welcher sich eine leichte Erkältung zuzog, blieb aus Schonungsrücksichten dem gestrigen Manöver fern; er wird sich auch heute noch Schonung auferlegen und voraussichtlich das Manövergelände nicht betreten. Depeschen des Bureau .Herold". Berlin, 10. September. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." ist der deutsche Gesandte und bevollmächtigte Minister in Stockholm Graf Wedel von seinem Posten auf seinen Wunsch abberufen und zur Disposition gestellt worden. Zum Nachfolger wurde der bisherige Gesandte in Lissabon Graf Bray-Stenburg ernannt. Berlin, 10. September. Professor Brugsch Pascha ist gestorben. Kol», 10. September. Der 9. Delegirtentag des Jnnungsverbandes deutscher Baugewerksmeister wurde heute Vormittag um 10 Uhr eröffnet. Den Hauptpunkt der heutigen Berathungen bildete der Befähigungsnachweis, der in mehreren Resolutionen besonders für das Baugewerk verlangt wurde. Vor Einführung des Befähigungsnachweises soll die Erlaubniß zum selbstständigen Betriebe nur Solchen ertheilt werden, die ihre Lehrzeit vorschriftsmäßig absolvirt haben und drei Jahre als Geselle thätig waren. Der Verband zählt 274 Innungen mit 6000 Mitgliedern. Freiburg i. B., 10. September. Generalarzt v. Beck, als Krtegöchirurg bekannt, ist heute früh gestorben. Myslowitz, 10. September. Der Magistrat beantragte bei der Regierung wegen der Zunahme der Choleragefahr vollständige Grenzsperre. Wien, 10. September. Die hier nach Verübung von Betrügereien im Betrage von 300000 Gulden flüchtig gewordenen Brüder Fritz und Julius Siegel sind am Freitag im Hafen von Newyork an Bord des Dampfers „Persia" verhaftet worden. Paris, 10. September. Nach den letzten Nachrichten über daS Eisenbahnunglück bei Appilly sind 10 0 Personen verwundet, darunter sind 20 in hoffnungslosem Zustande. Vier Todte wurden unter den Trümmern hervorgezogen und man glaubt, daß sich noch fünf weitere Todte darunter blfinden. Paris, 10. September. Unter den bei dem Eisenbahnunglück bei Appilly Getödteten befindet sich der Kaufmann Löwenstein aus Elberfeld. Der Stationsvorsteher Boubay bemerkte die Gefahr und stürzte mit der rothen Fahne auf das Geleise. Beide Führer gaben auch Contre- dampf, doch genügte derselbe nicht mehr, um den Zusammenstoß hintanzuhalten. Der Stationsvorsteher Boubay wurd zermalmt, der Führer der Rangirmaschine blieb tobt und' derjenige der Blttzzugmaschine wurde schwer verwundet, ebenso der Heizer und Bremser. London, 10. September. Die chilenische Gesandtschaft dementirt die Nachricht, daß die chinesische Regierung die Flotte Chiles zur Fortsetzung des Krieges gegen Japan angekauft habe. London, 10. September. Auf Ersuchen des Justizministers sollen einige Polizeibeamte von Rom nach hier abgereist sein, um auf den Anarchisten Malatesta zu fahnden, der verschiedener Dynamitattentate angeklagt sein soll. Wilna, 10. September. Der Czar gestattete dem Fürsten Hohenlohe, dem Statthalter in Elsaß Lothringen, die Herrschaft Worki aus der Fürst Wittgenstein'schen Erbschaft als Eigenthum für sich und seine Erben zu behalten. Die übrigen Güter aus der genannten Erbschaft müffen innerhalb zwei Jahren an Ruffen verkauft werden. Belgrad, 10. September. 6000 Arnauten überfielen die Stadt Sienitza im Sandschak Novibazar. Jussuf Pascha trieb dieselben nach blutigem Kampfe in die Berge zurück. Die türkischen Behörden flohen._______________________________ koeales rritö KrsVinzkeUes» Gießen, den 11. September 1894. * * Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und Justiz wurde der Großherzogliche Amtsrichter Gill er in Langen beauftragt, vom 16. I. M. an bis auf weiteres die Stelle eines dienst- aufsichtführenden Amtsrichters bei Großherzoglichem Amtsgericht Ortenberg zu versehen. * * Verkehrsnotiz. Der am 1. October d. I. in Kraft tretende Winterfahrplan der Kgl. Eisenbahndireetion Hannover bringt wichtigere Aenderungen in den Ankunfts- und Abfahrtszeiten für unsere Gegend nicht. Nur der seither um 935 Uhr Abends von hier nach Frankfurt abgehende D.-Zug wird beschleunigt und schon um 909 Uhr hier abgehen- (Siehe Bekanntmachung in vorliegender Nummer.) * * Obstrevision. Auf dem heutigen Markte fand polizeilicherseits eine Revision des Obstes statt. Die unreife Waare wurde vom Verkauf ausgeschloffen und mußte vom Markt entfernt werden. * * Die Vorstände der hesfifchen . Fleischer - Innungen Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms und Gießen hielten am Mittwoch in Mainz eine Versammlung ab. Als Hauptgegenstand der Tagesordnung stand der neue Gesetzentwurf, betreffend die Erweiterung der Unfallversicherung. Es wurde beschlossen, an die Großherzogliche Centralstelle für die Gewerbe ein Schreiben zu richten, in welchem die hessischen Innungen ihre Ansicht wie folgt kund geben: Sie erklären sich damit einverstanden, daß die Unfallversicherung auf alle Fleischereibetriebe ohne Unterschied der Größe derart ausgedehnt werde, daß die in denselben beschäftigten Gesellen nicht allein für Unfälle im eigentlichen Betriebe, sondern auch für solche, welche sich bei häuslichen Dienstleistungen ereignen, versichert sind. Als Träger der Versicherung ist eine einzige Fleischerberufsgenossenschaft über ganz Deutschland mit wesentlich vereinfachter Selbstverwaltung gedacht, unter besonderer Berücksichtigung eines erweiterten kostenlosen Vertrauensmänner-JnstituteS. Die Ausbringung der Mittel soll in der bisherige Weise — jährliche Umlage — beibehalten werden auf Grund der alljährlich auszusüllenden Lohnnachweise, welche allein eine gerechte Verkeilung der Lasten ermöglichen. Diese Lohnlisten auS- zufüllen ist in der Fleischerei nöthig und nicht mit besonderer Mühe verknüpft, weil die Fleischergesellen selten wechseln, deren Löhne aber sehr verschieden sind. Auch ist in den meisten Städten irgend ein Beamter der Innung mit dieser Arbeit betraut. Gegen eine beabsichtigte Eingabe der Innung Mannsfelder Bauhütte an den BundeSrath wegen Aenderung des § 5 Ziffer 1 des UnfallverficherungsgesetzeS, wonach bei sämmtlichen Unfällen, Verletzungen u. s. w. statt der Krankenkassen für bie ersten 13 Wochen sofort bie Unfallversicherung eintreten soll, wirb entschieben Front gemacht, ba dies eine tiebefttenbe Neubelastung ber Betriebsunternehmer bebeute. Gern sei man bereit, bie burch bie Erweiterung ber Unfallversicherung auf alle erbenklichen andauernden Unfälle noch mehr entstehenden Kosten auf die Schultern der Arbeitgeber allein zu legen, aber gegenüber den Kosten der in den ersten 13 Wochen sich erledigende» kleineren Unfälle entspreche es nur der Billigkeit, daß auch die eigentlich Versicherten, die Arbeitnehmer, ihre zwei Drittel dazu beitrügen. — DeS weiteren wurde noch besprochen die Erhebung von Octroi auf verzolltes Schlachtvieh, die Erbauung von bequem zu erreichenden Kühlhäusern mit Eisfabrik inmitten der Städte, nach dem Vorgehen von Frankfurt, die Schädigung der hessischen Viehmärkte durch die hessische Fleischbeschau, sowie die Schlachtviehversicherungen. — Die nächste Zusammenkunft soll in Offenbach stattfinden. * * Der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hält seine Jahresversammlung am 18. und 19. September in Kassel ab. Die wichtigsten Verhandlungen betreffen folgende Gegenstände: „Verbot des Branntweinhandelk von Samstag Nachmittag bis Montag früh." (Berichterstatter Justizrath Hennecke aus Soest.) „Gesetzliche Bestimmungen eines Höchstgehaltes an Alkohol und Fuselöl im Branntwein. (Dr. K. Möller aus Brackwede). „Die Frauen und die MäßtgkeitSsache. (Fräulein Auguste Förster in Kassel). Außerdem wird Dr. Brendel aus München über die bayerischen MäßigleitSbestrebungen und Dr. Osius aus Kassel über diejenigen in Stadt und Bezirk Kaffel sprechen. * * Lahncaualisatiou. Einem Rundschreiben der Commission zur Förderung ber La hnc analisirung ist zu entnehmen, baß bie zur geeigneten Agitation erforberlichen Mittel, bie etwa 12,000 Mk. betragen würben, noch uichd gezeichnet seien. Es fehlten immer noch 5000 Mk. Seit Monaten sei eine technische Commission, z. Zt. in Weilburg,- zur Beschaffung von Unterlagen für die Projectausstellung rhätig, und es habe sich schon jetzt soviel ergeben, daß die Durchführung des Großschifffahrtsweges besondere Schwierigkeiten nicht verursache. Die vorhandenen scharfen Curven de« Flußbettes ließen sich durch Erweiterung deö Flußbettes innerhalb des ThaleS selbst beseitigen, ohne die Felsen an» greifen zu müssen. ♦* Patente und Gebrauchsmuster von im Großherzog- thum Hessen lebenden Erfindern. Ein Patent wurde an- gemeldct auf ein Verfahren zur Darstellung von Guajacol aus Beratrol von E. Merck, Darmstadt. — In Ge. br'auchsmustern erfolgten nachstehende Eintragungen: Gasbrenner mit GaSzuflußregelung durch eine Stellschraube im Leitungsrohr-Mundstück: Franz Fischer in Mainz, 17. Juli 1894. Geldtasche mit durch verdeckte Spreizfedern verbundenen Rahmenstücken und Seitentheil. Versteifungs- klammern: Feldmeier u. Bock in Offenbach a. M., 21. Juli 1894. Durch zwei- oder dreimaliges Zusammenlegen ein Quadrat bildende verschlossene Geldtasche mit und ohne Naht: PH. A. Knittel in Offenbach, 21. Juli 1894. Vorrichtung zum Brennen von Korken mit einer in Lagern mit aufklappbarem Deckel und über einer verstellbaren Kork- bahn gelagerten Mitnehmerwalze: I. A. Galette u. Co. in Offenbach a. M., 30. Juni 1894. Zusammenklappbarer Kothschützer aus Stoff für baß Hinterrad an Niederrädern: Richard Hoffmann, Portefeuiller in Offenbach a. M, 6. August 1894. Verschluß an Einmachebüchsen u. dergl. durch zwei am Deckel drehbar angeordnete Anker, welche unter entsprechende Spitzen des Gesäßes gedreht werden: Ludwig Stork in Nidda, 1. August 1894. § Lumda, 10. September. Die Einweihung unseres neuen Schul Hauses findet am Sonntag den 16. September statt. An demselben Tage wird auch das Kirchweihfest gehalten. Friedberg, 10. September. Samstag Mittag gegen 12 Uhr brach in der Brauerei Steinhäußer auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise Feuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. In einem Augenblick standen der östliche Längöbau, in dem sich die Mälzerei befand, sowie die rechten Seitengebäude in Flammen. Eine dichte Rauchwolke hüllte den ganzen Häusercomplex ein. Die Feuerwehr war sofort mit allen Geräthschaften zur Stelle, mußte aber von einem Angriff auf die brennenden Objecte absehen und ging von der Kaiserstraße und der Neuthorstraße her zum Schutz der stark bedrohten Vorderhäuser und einer dicht an dem brennenden Gebäude stehenden, mit Erntevorräthen gefüllten Scheuer vor. Einige Augenblicke schien es zweifelhast, ob die Rettung gelingen werde, doch in Folge des raschen und sicheren Arbeitens unserer Feuerwehr gelang eß derselben, in verhältnißmäßig kurzer Zeit das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, sodaß nach einer halben Stunde jede Gefahr für die angrenzenden Gebäude abgewendet war. Die sämmt- lichen Hintergebäude des Steinhäußer'schen Anwesenß jedoch brannten vollständig ab. Aus der mittleren Wetterau, 10. September. Im I Obstgeschäfte sieht cS noch matt und flau auS. Die Früchte stellen sich recht schön dar, haben aber viele Feuchtigkeit ausgenommen. Die Leute sind so klug, möglichst viel Obst zu Latwerge zu verkochen. Dem Einsender, der bis jetzt selbst drei Brände Btrnlatwerge hergestellt und mindestens drei von Zwetschen Herstellen wird, sind Familien bekannt, die bereits achtmal Birnmus fabricirten. Der Doppelcentner Latwergenbirnen ist von Mk. 2.40 an zu erhalten. Von Jn- tereffe ist, daß diesen Herbst ein Centner Birnen so viel werth ist, wie ein Pfund Süßrahmbutter. Die Häfner (Töpfer) machen gute Geschäfte, wenn sich einer mit einem Wagen Geschirr in einem Dorfe blicken läßt, ist er binnen einer halben Stunde ausgekauft. Auch die Dreschmaschinenbesitzer sind sehr zufrieden, mußten aber wegen des furchtbar naffen Wetters das Feld räumen. Das Getreidegeschäft ist nach wie vor flau, nach Weizen wird gefragt, auch nach unberegneter hochfeiner Gerste, die zu Brauergerste geeignet ist. Diese Fruchtart muß jedoch noch einige Wochen liegen, bis sie ganz marktfähig ist. § Vom höheren Vogelsberg, 9. September. Die Sommerfrucht, Wetzen und Roggen, ist zur Hälfte hier eingebracht, das übrige liegt noch auf dem Felde oder steht auf Haufen. Das Etnheimsen der Frucht war bis jetzt nur ein sogenanntes „Erwischen" und wird dieselbe in der Scheune wachsen. — Als Seltenheit ist zu berichten, daß ein Apfelbaum des Nachtwächters Jockel in Bermuthshain an einem Ast von einer Knospe 29 Stück Aepfel trägt. Darmstadt, 10. September. Am hiesigen Hofe wird für die nächste Zeit der Besuch b<ß Großfürst en-Thronfolgers von Rußland erwartet. Seine Braut, die Prinzessin Alix, weilt zur Zeit hier. Darmstadt, 10. September. Bet dem gestrigen Wettrennen zwischen dem Radfahrer Lautermann und dem Reiter Cody siegte letzterer,- er verlor aber durch Beinbruch eines seiner besten Pferde. nn. Darmstadt, 10. September. Aus Anlaß der hier tagenden Generalversammlung des Gustav - Adolfs-Vereins wurde die Verfügung von dem Schulministertum erlassen, die sämmtlichen hiesigen Schulen am Mittwoch, dem Hauptfesttag, zu schließen. Sicherem Vernehmen hat sich nun Bischof Haffner zu Mainz aus Anlaß dieser Verfügung beschwerde- führend direct an Staatsminister Finger gewendet, wobei er eingehend auf die Consequenzen einer solchen Maßregel hinwies. Man ist gespannt, wie die Beschwerde erledigt werden soll, da eine Zurücknahme der Verfügung wohl nicht so ohne Weiteres sich bewerkstelligen läßt, ohne in den protestantischen Kreisen eine neue Mißstimmung hervorzurufrn. VerrnisrhteK * Vom Kyffhäuser, 10. September. Der hier tagende Ausschuß für das Kyfshäuser-Denkmal übertrug die Ausführung des Kaiserstandbildes dem Bildhauer Seitz aus München, der weiblichen Nebenfigur dem Bildhauer Kühne aus München und der männlichen Nebenfigur dem Bildhauer Howaldt auS Braunschweig. ♦ Hirschberg, 9. September. Der Kamm des Riesen- gebirges zeigt sich seit gestern mit Schnee bedeckt. * Aus Sachsen, 9. September. Der in Seifhennersdorf geborene Kaufmann Israel, der dieser Tage in Dresden starb, hinterließ seinem Geburtsorte 150000 Mk. zur Errichtung eines Bürgerhospitals und SiechenhauseS. * Augsburg, 10. September. In Neuburg ist ein scheußlicher Vatermord verübt worden. Zwei Bauernsöhne überfielen im Stalle ihren Vater, Neumayer, erschlugen ihn, nähten die Leiche in einen Sack und brachten sie mit einer Fuhre Dünger in die Donau. Beide sind verbastet. Verkehr, Cant- tmfc Volkrrvirthschafi. eitlen, 11. Sept. Marktbericht. Auf dem heutig n Wochemnarkt kostete: Butter pr. Pfd. A 1,10—1,25, Hühnereier 1 Stück 6-7 4, 2 Stück - H, «äse pr. St. 4—8 X Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen vr. Liter 17 H, Linsen pr. Liter 28 4, tauben pr. Paar A 0,50-0,75, Hühner pr. Stück A 0,90-1,20, Hahnen pr. 6t A 0,50-0,85, Enten pr. St A 1,60 bis 1,9), Ochseufleisch pr. Pfd. 74—78 4, Kuh- u. Rindfleisch pr. Pfd.--70 4, Schweine, fleisch pr. Pfd. 66-76 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 68-70 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 58—68 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,00—7,00 A- Weißkraut or. Stück--4, Zwiebeln pr. Eentner 7,00—8,00 A, Milch üt. Ater 16-20 X Enteneier 2 St. 11 4, Gänseeier 10 X rvitteriiiigsa«-sichten am 11. September Morgen« 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage) Barometerstand. en (91 $6 ff 3 p be» Kewünk'bten. Wichtig für Hausfrauen! Bernhard Curt Pechstein, Wollwaarcn-Fabrik Mühlhausen i. 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