Nr. 187 Erstes Blatt. Sonntag den 12. August 1894 Dkr Oiehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dr- Montags. Die Girßencr MomtkieuvlLlter »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kemrat-Wnzeiger. Vierteljähriger Aö«nnement»preis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg. Aedactian, Erpeditioa und Druckerei: Schutßrahe Ar.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblatt für den Nveis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. chralisöeikage: Gießener Aamilienökätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. *.iA@kfimben: 1 Portemonnaie ohne Inhalt, 1 Brosche, IßBrille mit Futteral, 1 Cigarren-Etuis, 2 Spazierstöcke, 2$ Regenschirme, 1 Haarring, 2 Schlüssel, 1 Metermaß, 1 Oelkanne, 3 Taschentücher uud 1 Sack Mehl. Gießen, den 11. August 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Deutschland und die Samoa-Inseln. Obwohl das Jntereffe an der Samoafrage durch andere Vorgänge, namentlich durch den zwischen Japan und China ausgebrochenen Krieg, einstweilen wieder in den Hintergrund gedrängt worden ist, so verliert die Angelegenheit hierdurch doch nicht- an ihrer Bedeutung. Denn früher oder später muß einmal eine definitive Auseinandersetzung in der Samoafrage zwischen den hierbei interesfirten Mächten, also zwischen Deutschland, Nordamerika und England, erfolgen, da die gefammten Zustände und Verhältnisse auf dem Samoa- Archipel immer unhaltbarer werden. Erst kürzlich berichtete ja eine Depesche von neuen erbitterten Kämpfen zwischen den Anhängern des Königs Mataafa und den samoanischen Rebellen und von den hierbei gegenseitig verübten Grausamkeiten- der Bürgerkrieg auf jenen von der Natur so gesegneten Eilanden im Stillen Ocean wüthet demnach weiter, den drei Schutzmächten förmlich zum Hohne. Kaum bedarf es wohl einer näheren Darlegung, daß unter den politischen Wirren auf Samoa auch die wirthschaftlichen Zustände der Inselgruppe immer mehr leiden müffen, und schon deßhalb erscheint eine endgiltige Verständigung zwischen Deutschland, Nordamerika und England in Betreff Samoas dringend erforderlich. ES unterliegt nun nicht dem geringsten Zweifel, daß Deutschland die am meisten auf Samoa interesfirte Macht ist. Der Handel Samoas liegt zu vier Fünfteln völlig in deutschen Händen, in deutschem Besitz befindet sich ferner nicht nur der größte, sondern auch der werthvollste Theil des Landes, eine Fläche von etwa 30,000 Hectar umfassend, in der Hauptstadt Apia selbst ist der Grundton des gelammten Lebens durchaus deutsch. Der Zahl nach werden die Deutschen auf Samoa durch die Engländers allerdings überflügelt, was indessen bei der Nähe der englischen Süd- seebesitzungeu und Australiens nicht weiter verwunderlich ist. Unstreitig behaupten jedoch die Deutschen auf Samoa in der Qualität entschieden das Uebergewicht, was u. A. auch daraus hervorgeht, daß sie drei Fünftel der gefammten samoanischen Steuern tragen. Die Ansprüche Deutschlands auf Samoa ergeben sich also schon aus diesem starken Ueberwiegen seiner Jntereffen, sie erscheinen jedoch auch vom historischen Standpunkte aus völlig berechtigt. Die heutige Cultur Samoas wurde vor 40 Jahren durch die weitausschauenden Unternehmungen des Hamburger Hauses Godefroy begründet und im Laufe dieser Zett hat der deutsche Kaufmann auf jener fernen Inselgruppe im Weltmeer eine große civilisatorische Arbeit vollbracht, die dem deutschen Namen auch in jenem Theile des Erdballes zur höchsten Ehre gereicht. Und schließlich darf auch nicht vergessen werden, daß auf Samoa schon kostbares deutsches Blut gefloffen ist, welcher Umstand bei den Ansprüchen Deutschlands auf Samoa gewiß ebenfalls mit in Betracht gezogen werden muß. Deutschland hat demnach alle Ursache, eine definitive Regelung der Samoa Angelegenheit vom Standpunkte seiner starken Jntereffen und historischen Ansprüche zu verlangen. Diese Regelung kann aber nur dahin gehen, daß ein ausschließlich deutsches Regiment auf Samoa hergestellt wird, was demnach die Beseitigung der jetzigen Mitherrschaft Nordamerikas und Englands zur Voraussetzung haben würde. Mit Nordamerika ließe sich gewiß leicht eine Verständigung erzielen, man ist in Washington wirklich recht samoamüde geworden, während eS freilich wohl schwieriger wäre, auch England zum Verzicht auf seine Ansprüche auf Samoa zu bewegen, aber bei einiger Energie und Klugheit deutscherseits würde gewiß auch England zuletzt nachgeben. Jedenfalls ist es sowohl eine von materiellen Rücksichten, wie auch von Erwägungen der nationalen Selbstachtung und Ehre dictirte Pflicht, unbedingt an Samoa festzuhalten, zumal diese herrliche Inselgruppe sich zweifellos bald zu einer der ver- hältnißmäßig werthvollsten Colontalbesitzungen des Reiches gestalten dürfte. Hoffentlich wird die deutsche Reichsregierung bei den unausbleiblichen neuen Verhandlungen über Samoa die so berechtigten Forderungen mit Jntereffen Deutschlands vollauf zu vertreten wiffen. Deutsches Reich. Darmstadt. 10. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog beehrten heute gegen 12 Uhr die Ausstellung für Hotel- und Wirthfchaftswesen im Saalbau mit Aller- höchstseinem Besuch. Berlin, 10. August. Kaiser Wilhelm wohnte am Donnerstag, wie aus Cowes gemeldet wird, an Bord seiner Aacht „Meteor" der Wettfahrt zwischen der „Britannia" und dem „Vigilant" bei, bei welcher die „Britannia" siegte. Auch Nachmittags nahm der Kaiser an den Festlichkeiten des Königlichen Aachtclubs Theil. Abends speiste er beim Lord Lonsdale an Bord von dessen Nacht „Jberna"- später wurde am Ufer ein Feuerwerk abgebrannt. Am Montag wird der Kaiser das Truppenlager von Aldershot besuchen, am Dienstag Abend trifft er in Gravesend ein, um von dort aus die Heimreise anzutreten. — Bei einem der Bankette in Cowes hielt der Kaiser, tote erst nachträglich bekannt wird, eine Rede, tn welcher er dem Wunsche Ausdruck verlieh, daß Britannia auch fernerhin über die Wogen herrschen möge. — Mit der angekündigten Reform des Militär- strafprocesses scheint es doch nichts zu sein. Wenigstens wird den „Münch. Reuest. Nachr." von unterrichteter Seite versichert, der bayerischen Staatsregierung sei keine Mit- thetlung über einen neuen Entwurf zur Reform der Reichsmilitärjustiz zugegangen. Man wird also den Gedanken einer auf zeitgemäßer und echt liberaler Grundlage beruhenden einheitlichen Militärstrafprozeßordnung für das gesammte Reich einstweilen nur als einen schönen Traum betrachten müffen. — Ein Zusammengehen Deutschlands und Frankreichs in der griechischen Schuldfrage gilt jetzt als gesichert, dagegen scheint England nicht „mitthun" zu wollen. Vielmehr deuten alle Anzeichen hin, daß zwischen England und Griechenland die Frage der griechischen Zinszahlungen besonders geregelt werden soll, wofür ja auch die Athener Meldung zeugt, wonach die griechische Regierung ihren englischen Gläubigern 34 Procent anstatt 32 Procent auf die nächsten drei Jahre gewähren will. Nun, man darf wohl erwarten, daß ein gemeinsames Vorgehen Deutschlands und Frankreichs in Athen mindestens dasselbe Zugeständniß weiter, aber einmal muß doch geschieden werden, sonst könnte man noch tn den Verdacht des „Schindens" kommen. Wir gelangen zu den Erzeugniffen der Korkindustrie, die sicher eines Jeden Jntereffe erregen, denn nicht nur Korkstopfen werden dort gezeigt, nein geradezu Kunstwerke sind es, die sich dort dem Auge bieten. Ganze Landschaften 2C. Alles ist in Kork ausgeführt, daneben prächtige Spazierstöcke, Cigarrenspitzen rc., Alles aus Kork. Auch die Wirthschaftsküche kommt zu ihrem Rechte. Alle erdenklichen Koch- und Röstapparate rc. sind vertreten, daneben daun die einzelnen Küchengeräthe, Meffer, Gabeln, Löffel, Geschirr rc., Erzeugniffe der Leinenindustrie, Reinigungs- maschtnen für Meffer, Wäsche rc., es fehlt eben gar nichts. Den mächtigen Mittelraum des großen Saalbausaales nehmen die Fabrikate der verschiedenen Billardfabriken ein, lauter Werke ersten Ranges, von den renommirtesten Firmen hergestellt. Auch die Pianofortehandlungen haben sich be- theiligt und großartig auSgestattete Instrumente gesandt. Leider find in deren Gefolge auch die verschiedenen Spieluhren, Orchestrions, AristonS und wie die Dinger noch sonst alle heißen, angelangt, die, „wenn sie losgelassen", einen geradezu besinnungsraubenden Lärm veranstalten. Im Saalbaugarten haben die Kellerei- und Kelterei- einrichtungen Platz gefunden, die nach dem Urtheile der Sachverständigen alles Lob verdienen. Dies dürfte so in großen Zügen das besonders Er- wähnenSwerthe fein, was die Ausstellung bietet, indeffen mag sich bei genauer Besichtigung noch Manches finden, was für Diesen oder Jenen Jntereffe hätte, allein man kann beim besten Willen nicht Alles bringen, denn es ist fast zuviel geboten. Zu der Ausstellung und besonders zu den gleichzeitig stattfindenden Sitzungen des süddeutschen Gastwirthe-Berbandes hat sich eine große Menge Fremder aus allen Theilen Deutschlands in unserer Stadt zusammengefunden, die sich aber eigenthümlicherweise größtentheils riesig ähneln: gemüthlicher Gesichtsausdruck, enormer Leibesumfang und nicht unter 2 Ctr. Gewicht, das find so die Hauptcharacteristika jedes Einzelnen. Hoffentlich gefällt es ihnen recht gut in Darmstadts Mauern und — ja es muß heraus, denn es ist wahr, daß sie dort gewöhnlich sich aufhalten — in Darmstadts Kneipen. FsrrMeton., Wochenbriefe ans der Residenz. lOriginalbericht für ben „Gießener Anzeiger".) Z. Darmstadt, 9. August. Ausstellung für Hotel- uud Wirthfchaftsweseu. Von der soeben im hiesigen städtischen Saalbau stattfindenden Ausstellung für Wirthfchaftswesen versprach ich Ihren freundlichen Lesern im letzten Briefe, Bericht, zu erstatten. Die Ausstellung wurde am 5. d. Mts. feierlich eröffnet durch ben Vorsitzenden des Comitös, Herrn Stadtverordneten Rein em er, unter Assistenz der Vertreter der Hessischen Regierung, Herrn Geh. Staatsrath Knorr von Rosenroth, der Herren Ministerialräthe v. Krug und Michel und des Herrn Regierungsrath Nover. — Außerdem wohnten eine größere Zahl von Ehrengästen dem Acte bei, der mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. König!. Hoheit den Großherzog schloß. Für die Ausstellung selbst genügten, wie schon mit- getheilt, die weiten Räume des SaalbaueS nicht, sondern man mußte im Garten des Etablissements große Hallen und Pavillons errichten, die theilweise geradezu Kunstwerke in ihrem Aufbau sind, um nur einigermaßen alle eingesandten f Objecte unterzubringen. Die Gesammtzahl der ausstellenden Firmen beträgt 267, von diesen befinden sich im Großherzog- j thum Hessen 117. Die Ausstellung selbst bietet geradezu Alles, was sich für einen Wirthschaftsbetrieb nur denken läßt, vom äußeren Bau, der in ben pielbewunderten Plänen deS Restaurants „Kaiserhof" in Gießen vertreten ist, bis herab zu dem geringsten Instrument, das in dieser Hinsicht noth- wendig ist. Großartig sind die ausgestellten Defen und Herde der Hirzenhainer Hütte und der hiesigen Fabrik von Gebr. Roeder u. a. m. Dann ist besonders die Anwendung ber'@lectricität in Hotels und Restaurants in den verschiedenartigsten Apparaten rc. dargestellt, so besonders in Electromotoren, Lampen, Läutewerken, Controllsignalapparaten rc. Ferner Hotelzimmereinrichtungen, Tische, Stühle, VentilattonSwerke von einfachsten bis zu den luxuriösesten DesfinS. Weiterhin sind besonders erwähnenSwerth diejenigen ausgestellten Apparate, welche zur Behandlung und Verzapfung des Bieres rc. dienen, unter denen theilweise ganz neu erfundene und äußerst practische Gegenstände sich befinden. So wurde z. B. Ihrem Correspondenten auf seinem Rundgange durch die Säle ein Trichter gezeigt, der die untergesetzte Flasche immer nur bis zum richtigen Maße sich füllen ließ und sobald dies erreicht war, keine Flüssigkeit mehr hineinbeförderte, ferner ein sehr schmuckvoll hergestellter Gläserspülapparat, bei dem durch Aufsetzen des Glases auf einen Gummistopfen mehrere Wasserkrahnen innen und außen geöffnet wurden und so eine allseitige Spülung des Gefäßes bewirkten u. a. m. Besonders „anziehend" ist ferner die Ausstellung von Eßwaaren; prachtvoll hergerichtete Buffets, beladen mit den herrlichsten Wurst- und Fleischwaaren, bieten sich dem Auge des Beschauers dar und verfehlen wohl auf keinen den gebührenden Eindruck- man muß eilen, um aus diesem Theile der Ausstellung hinwegzukommen, sonst wird einem das Beschauen aller jener famosen Dinge zur Qual. Die Geflügelmästereien haben ihre Producte äußerst geschmackvoll arrangirt und auch die Delicateffen- und Fischhandlungen haben alle nur denkbaren Leckerbissen aufgestapelt, sodaß dem in kulinarischen Dingen weniger Eingeweihten manchmal die Namen der einzelnen gebotenen Gegenstände und Thiere fehlen dürften. Kommen wir dann weiter zu den Getränken. „Um GotteSwillen, was trinkt der Mensch nicht alles", hörte ich heute Morgen ein Bäuerlein ausrufen, daS den Theil der Ausstellung betrat, der diese Herrlichkeiten enthält. Der Mann hatte Recht. Vom einfachen natürlichen Waffer bis zum köstlichen Sect ist aber auch gerade Alles vorhanden: Bier, Wein, Schnaps, Likör, Obstwein, Kaffee, Thee rc., es fehlt nichts. Das Feinste bei der Sache ist nur das, daß es hier nicht beim einfachen platonischen Betrachten bleibt. Im Gegentheil, eine Schaar anmuthiger Evastöchter bedient an den einzelnen Arrangements und credenzt in freigebigster Welse und mit den liebenswürdigsten Blicken, jedem Beliebigen, der sich für jene Dinge interessirt und wer thäte das in dem Falle nicht? Ihr Correspondent that seine Bürgerpflicht und ließ sich nicht nöthigen, der Tröpflein, die ihm dort geboten wurden, wird er sich noch lange mit Vergnügen erinnern. Nur ungern wendet hier der Gast sich auch an die deutschen und französischen Staatsgläubiger Griechenlands erzwingen wird. — Der Präsi dentenmörder Caserio hat es abgelehnt, das Caffationsgesuch gegen das über ihn ausge« sprochene Todesurtheil einzureichen. Demnach wird die Gerechtigkeit gegen den fanatischen Mörder Carnots ungehindert ihren Lauf nehmen, seine Hinrichtung soll gutem Bernehmen nach noch vor dem 15. August stattfinden. — Dem Bürgermeister von Motta Visconti, dem Geburtsorte Caserios, ist ein mit „Anarchistisches Comitv zu Ravenna" unterzeichnetes Schreiben zugegangen, in welchem erklärt wird, die Anarchisten würden Caserio rächen. Es seien bereits drei Anarchisten ausgeloost, welche die Aufgabe hätten, den Präsidenten Cafimtr-Psrier, den italienischen Ministerpräsidenten Crtspi und einen italienischen Polizeidirector zu tödten. Hinter diesen wilden Rachedrohungen der Anarchisten mag vielleicht ein gut Stück Prahlerei stecken, immerhin wäre es verkehrt, sie überhaupt nicht zu beachten. Arr-larrd. Petersburg, 10. Augnst. Der Czar soll am Morgen der Hochzeit seiner Tochter Xenia mit dem Großfürsten Alexander Michaelowitsch drei anonyme Drohbriefe au seinem Tische aufgefunden haben. Auf diesen Umstand werden die ganz außerordentlichen Vorsichtsmaßregeln zurückgeführt, welche die Polizei bei der Hochzeitsfeierlichkeit im kaiserlichen Palast zu Petersburg getroffen hatte. Constautiuopel, 10. August. Der Gouverneur oder Mali derJnselKreta, Mahmud DjelaleddinPascha, ist auf einer Rundreise durch die Insel ermordet worden. Die bisherigen Berichte wußten nur von einer Verwundung des genannten hohen Beamten zu melden, ohne jedoch über den Ort und den Anlaß des Attentats nähere Angaben zu machen. Auch jetzt noch bleibt es obzuwarten, ob Mahmud Djelaleddin Pascha einem Acte persönlicher Rache oder einem politischen Fanatiker zum Opfer gefallen ist. Zum neuen Gouverneur, unter gleichzeitiger Beförderung zum Vezier, wurde vom Sultan der seitherige türkische Botschafter in Madrid, Turkhan Bey, ernannt. — Die bisherigen Versuche Englands und Rußlands, eine Beilegung des kriegerischen Conflictes zwischen Japan und China herbeizuführen, find nach einer „Times"-Meldung aus Tientsi fruchtlos geblieben. Es heißt, China wolle seme Oberhoheit über Korea nicht aufgeben und sei es infolge des aggressiven Vorgehens Japans nicht geneigt, noch länger über die Frage der Einführung von Reformen in Korea zu unterhandeln. Im Uebrigen ist in den kriegerischen Operationen zwischen China und Japan augenblicklich ein völliger Stillstand eingetreten; die Japaner halten die den Chinesen abgenommenen Stellungen bei Affan besetzt, die chinesischen Streitkräfte in Korea sollen sich in völliger Auflösung befinden. Die Nach- richt von einem neuen für die Japaner siegreichen Landtreffen zwischen den beiden kriegführenden Parteien hat sich ebensowenig bestätigt, als die Meldung von einer angeblichen Schlappe der Japaner zur See. Nerrefte Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau. Prag, 10. August. Die Polizei suspendirte den hiesigen Verein „Politischer Arbeiterclub". London, 10. August. Auf der Yacht „Britannia", die den vom Kaiser ausgesetztenMeteor-ChallengepreiS gewann, befanden sich der Kaiser und der Prinz von Wales. Der Kaiser verbrachte den Tag auf See und dinirte Abends bei der Königin in OSborne. Amsterdam, 10. August. Hier kamen heute 2 Choleraerkrankungen vor, in Maftricht wurden 2 Cholera- erkrankuugen und 1 Todesfall gemeldet; im Ganzen erkrankten an letzterem Orte 50 Personen und starben 24 Personen. In Wormerveer kam 1 Erkrankungsfall vor, in Bleskengraaf 2 Todesfälle, in Ound Vroenhoven 4 Erkrankungen, in Westgraftdyck 1 Erkrankung, in Middelrode (Gemeinde Berlikum) 1 Todesfall, in Rotterdam erkrankte ein Heizer des RheindampferS „Siegfried". Die Zwischendecks- Passagiere der nach Amerika gehenden Dampfer werden einer fünftägigen Quarantäne unterworfen. Deveschen de» Bure«, .Herolds Berlin, 10. August. Die Rückkehr des Kaisers nach dem Neuen Palais wird voraussichtlich am Freitag den 17. d. M. erfolgen. Am darauffolgenden Tage, 18. August, findet vor dem Kaiser die Herbstparade des Gardecorps auf dem Tempelhofer Felde statt. Berlin, 10. August. Wie der „Reichsanzeiger" meldet, hat der Bundesrjath in seiner Sitzung vom 9. Juli d. I. beschlossen, daß inländische, vor dem 1. Mai 1894 vorschriftS- ntäßig versteuerte Werthpapiere einer weiteren Abgabe nicht unterliegen. Berlin, 10. August. Wie nachträglich aus Petersburg gemeldet wird, war das neuvermählte Großfürstliche Paar am Tage der Hochzeit einer hohen Lebensgefahr ausgesetzt. Der Großfürst und seine Gemahlin begaben sich in einem dreispännigen Wagen nach dem Ropschinsker PalaiS. Auf dem Wege dorthin waren Harztonnen aufgestellt, aus denen Feuerwerkskörper emporflogen. Von den Flammen wurde der Kutscher so geblendet, daß er den Weg über eine Brücke verfehlte und in die Brüstung hineinfuhr. Zwei Pferde stürzten in den Graben; der Wagen wurde mitgerissen, welcher sich überschlug. Die Großfürstin stürzte in den Graben und zog sich mehrere Hautabschürfungen und eine Verstauchung der rechten Hand zu. Der Kutscher trug schwere Verletzungen davon. Aerztliche Hilfe war bald herbeigeschafft. Auf die Meldung von dem Unfall begab sich das Czarenpaar sofort nach dem Ropschinsker Palais. Berlin, 10. August. Der „Reichsanzeiger" berichtigt die Blättermeldung, wonach die Inhaber von russischen der O Ruppertenrod, 10. August. Der siebenjährige Sohn eines hiesigen LandwirthS bestieg in der Scheune die lange Tennleiter. Hierbei glitt er aus, stürzte herab und wurde bewußtlos in das Bett getragen. Er hat so schwere Verwundungen erhalten, daß man für sein Leben fürchtet. § Köddingen, 10. August. Einem hiesigen jungen Mann von 17 Jahren wurde in Ossenheim von einer Dreschmaschine^ bei der er beschäftigt gewesen, der rechte Arm weggerissen. Der Schwerverletzte wurde in das Hospital nach Friedberg verbracht. Friedberg, 9. August. In Kaichen hat sich der Nachtwächter bei seinem Rundgange auf dem Kirchhofe erhängt. § Radmuhl (Kreis Lauterbach), 9. August. Ein hiesiger Landwirth hatte einen schweren Wagen Sand in der Sandgrube bei Brandlos geholt. Auf dem Heimweg zwischen- Ober-Moos und Salz hatte derselbe sich auf den Wagen gesetzt. An einer sehr steilen Stelle wollte der Mann jedenfalls während des Fahrens abspringen, fiel jedoch herunter und erlitt an einem Arm einen dopelten Bruch. Ein zufälliger Weise nachfahrender Fuhrwerks - Besitzer, welcher den Vorfall bemerkt hatte, eilte sogleich hinzu und mußte zuerst den stark bergab rollenden Wagen bremsen, ergriff dann die Zügel und brachte den Wagen zum Stehen. Wäre Hilfe nicht hinzu gekommen, so würde der Wagen mit den Pferden den Berg hinunter gestürzt sein. § Guuzeuau (Kreis Lauterbach), 9. August. Mehrere Handelsleute aus Hintersteinau, welche gestern mit einem größeren Transport Rindvieh vom Schottener Sommermarkt CocaUs tint prsvinri-llc« Sieben, den 11. August 1894. Erbauer des Reichstagsgebäudes ist ein Sohn des Heffen- landes und ein Zögling der Ludoviciana. ** Herr Prof. Dr. Buchner hat mit Schluß des laufenden Semesters sein lange Jahre innegehabtes Lehramt am hiesigen Realgymnasium und der Realschule niedergelegt, um sich in den Ruhestand zurückzuzirhen. Damit scheidet ein lang- bewährter Lehrer und Freund seiner Schüler und Collegen aus seinem Berufe, die alle einig find in dem Wunsche, daß die wohlverdiente Ruhe, wenn auch ntcht den Lehrer, so doch )en Mitbürger unserer Stadt noch recht lange erhalten möge. Herr Prof. Buchner ist im Jahre 1828 in Darmstadt geboren; er besuchte 1847 die Hochschule zu Gießen, wo er als Schüler Liebigs sich dem Studium der Chemie und Naturwiffenschaften widmete; 1850 trat er als Lehrer in ein Privatinstitut in Rheinhessen, wirkte von 1852 an an der Realschule in Michelstadt, 1854 am Gymnasium und der Realschule in Worms, 1855 n Offenbach und kam im Juni 1856 an Stelle Ettlings nach Gießen. Populär schriftstellerisch bekannt ist Herr Prof. Buchner durch seine im Verlage von E. Roth in Gießen erschienenen „Führer durch das Lahnthal", „Führer durch den Vogelsberg", „Aus Gießens Vergangenheit", „Gießen vor hundert Jahren". Auf dem Gebiete der Wissen- chaft aber trat er außer durch eine große Reihe von Vorträgen und Abhandlungen hervor durch sein bei I. Ricker 1859 erschienenes Werk: „Die Feuermeteore, insbesondere )ie Meteoriten, historisch und wissenschaftlich betrachtet", sowie durch das 1863 im Verlage von Engelmann in Leipzig erschienene Werk: „Die Meteoriten in Sammlungen, ihre Geschichte, mineralogische und chemische Beschaffenheit." Herr Prof. Buchner bekleidet langjährige Ehrenämter in wissenschaftl. Vereinigungen, o in der „Oberhess. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde" und im „Oberhess. Geschichtsverein". In der Eigenschaft als Forscher auf geschichtlichem Gebiet schrieb Herr Prof. Buchner eine Anzahl interessanter Abhandlungen, die den Lesern deS „Gießener Anzeiger" noch in angenehmer Erinnerung sein und bleiben dürften. — Wie wir vor Schluß der Redaction erfahre», haben Se. Kgl. Hoheit der Großherzog unter Bewilligung des Abschiedsgesuches Herrn Prof. Buchner Pässen genöthigt seien, ihren Eintritt in Deutschland mit 75 Kopeken Vtsagebühr zu bezahlen, obgleich ein Visazwang seit Wochen nicht mehr bestehe, dahin, daß die Grenzbehörde in Thorn von den aus Rußland kommenden Reisenden Paßvisa nicht mehr verlangt, seitdem die Aufhebung des Visazwanges durch den „Reichsanzeiger" publicirt ist. Wien, 10. August. Nach der „Polit. Corresp." spendete Kaiser Franz Joseph für die durch das Erdbeben in Konstantinopel Geschädigten die Summe von 10,000 Francs. Wien, 10. August. Unter den Väckergehilfen Oesterreichs herrscht gegenwärtig eine Gährung, welche darauf hinzielt, in ganz Oesterreich einen Generalstrike zu in- sccniren, wenn die Meister nicht die verlangte Sonntagsruhe und Lohnerhöhung bewilligen sollten. Karlsbad, 10. August. Reichskanzler Graf Caprivi wird am 26. d. M. hier zur Kur erwartet. Budapest, 10. August. Ein kirchlicher Würdenträger macht im „Magyar Allam" den Vorschlag, die königliche Sanction des Civilehegesetzcs bis zu den Neuwahlen aufzuschieben, weil die jetzigen Abgeordneten zur Lösung der kirchenpolitischen Fragen kein Mandat hätten. Belgrad, 10. August. Die hiesigen Gemeindevertreter beschlossen, dem König zum Geburtstage eine Dampfyacht zum Geschenk zu machen. Rom, 10. August. Das „Amtsblatt" publicirt die Neutralitätserklärung Italiens im chinesisch-japanischen Kriege. Mailand, 10. August. Hiesige Blätter theilen mit, Caserios Mutter und sein Bruder Luigi seien auf dem Wege nach Paris, um Frau Carnot und Frau Perter zu bitten, sich für Caserio zu verwenden. Paris, 10. August. Der Asstsenhof des Departements i (Bote d'Or verurtheilte heute drei Anarchisten wegen Auf- | rei^ung zum Morde und Verleitung von Soldaten zur I Desertion unter Anwendung des neuen Gesetzes zu fünf Jahren Zwangsarbeit und Landesverweisung. Paris, 10. August. Das „Amtsblatt" veröffentlicht ein Decret, betreffend die Weltausstellung von 1900 vom 15. April bis 15. November. Neben derselben wird die Ausstellung mit allen Fortschritten dieses Jahrhunderts organi- I firt. Der Ausstellungsplatz umfaßt das MarSfeld, den Trokadero, die Jnvalidenesplanade, den Jndustriepalast und j sämmtliche Seinequais. Loudon, 10. August. Einer telegraphischen Meldung I der „Times" aus Ttentsin zufolge soll der Vicekönig Li-Hung-Chang beabsichtigen, seiner Mutter, der! Regentin, die Autorität zu entziehen. Sein Wille, die ge- I forderten Reformen einzuführen, stoße überall auf den Wider- I stand seiner Mutter und deren Rathgeber. — Ferner wird I gemeldet, der General Yeh sei bei Asan nicht getöbtet | worden, auch sei das chinesische Kriegsschiff „Kwangi" nicht I untergegangen. Loudon, 10. August. Verschiedenen englischen Firmen I gtngen bedeutende Bestellungen aus Japan zu. Die I japanische Regierung will auch Kriegsmaterial aus England [ beziehen. Shanghai, 10. August. Die chinesische Regierung hat I den Behörden empfohlen, die F r e m d e n und die M i s s i o n a r e I zu beschützen. H. Warschau, 11. August. Die Kohlengruben in I Dombrowa stehen in Folge einer Gasexplosion in Flammen. I Mehrere hundert Bergleute werden als verloren betrachtet. I ** Universitäts-Nachricht. Die philosophische Facultät Landes-Universität hat den Baurath Herrn Professor Paul Wallot zum Ehren-Doctor ernannt. Der bekannte das Ritterkreuz 1. Kl. desZVerdienstordenS^ Philipps beS Großmüthigen zu verleihen geruht. ** Das 16. Verbandsfest der Hessischen Freiwilligen Feuerwehren ist nahe herangerückt; nur 8 Tage trennen uns noch von ihm. Der Festausschuß hat alle nöthigen Vorbereitungen getroffen und ist in seinen letzten endgiltigen Beschlüssen allen Wünschen, die ihm von Einwohnern Gießens entgegengebracht wurden, möglichst nachgekommen. Am SamStag, den 18. August, beginnt das Fest. Die Abge- ordneten werden am Nachmittag in „Steins Garten" tagen, I und Abends findet auf dem Festplatz Concert durch die hiesige I Regimentsmusik statt. Der Eintritt zum Festplatz beträgt I für diesen Abend ä Person 30 Pfg. Am Sonntag, den I 19. August, findet Vormittags 11 Uhr auf dem Festplatz die I Musterübung der beiden Feuerwehren statt, die ein anziehendes I Schauspiel bieten wird. Nachmittags 3 Uhr bewegt sich I der Festzug vom Ludwigsplatz aus nach dem Festplatz. Die I Straßen, durch die er zieht, werden noch bekannt gemacht. I Sehr sehenswürdig wird dabei der geschichtliche Festzug | werden, der in einzelnen Gruppen die Entwickelung unseres I Feuerlöschwesens im 19. Jahrhundert darstellen wird. Auf I dem Festplatz finden statt: Concert, Pyramiden der Turner, Schauturnen, Fackelreigen u. s. w. Für den Sonntag I werden zum Eintritt in den Festplatz Tageskarten ausgegeben zu 80 Pfennigen für jede Perjon. Am Montag, den 20. August, wird kein officieller Ausflug stattfinden. Wer von den Gästen die Umgebung Gießens besuchen will, kann für Vor- und Nachmittag geeignete Führer erhalten. Am Vormittag findet besonders Besichtigung der ausgestellten Feuerlöschgeräthe u. s. w. und dann von W/2 Uhr an Vereinigung auf dem Festplatz statt. Am Nachmittag wird daselbst Volksfest mit Concert u. A. abgehalten, und am Abend ein prachtvolles Feuerwerk durch Herrn Wassern (Nachfolger des bekannten Vidacovich) abgebrannt werden. Zum Eintritt auf den Festplatz werden auch am Montag ! Tageskarten ä 80 Pfg. außgegeben. — Wer sich den Ankauf von Tageskarten und die damit zu verbindende Controle ersparen will, der kann sich für die drei Festtage Dauerkarten zum beliebigen Eintritt auf den Festplatz zu ä 1,50 Mk. anschaffen; ebenso werden Dauerkarten für Familien bis zu fünf Personen (erwachsene, selftständige Kinder ausgeschlossen)' zu L 3 Mark ausgegeben. * * Dekoration fürs Feuerwehrfest. Wie im Inseraten- theile ersichtlich, finden wir in verschiedenen Schaufenstern eine sinnige und passende Decoration zum Feuerwehrfest ausgestellt. Dieselbe ist von Herrn Lithograph und Steindrucker M. LooS eigens dazu scizzirt und zehnfarbig ausgestattet. Zur Ausschmückung der Häuser, Festhallen 2c. ist dieselbe sehr zu empfehlen. * * Der Verkehr in den Omnibussen ist jetzt in etwas ruhigere, normale Bahnen eingelenkt und dürfte nach den bisherigen Erfahrungen an der Rentabilität deS Unternehmens nicht mehr zu zweifeln sein. Am bevorstehenden Feuerwehr- feste beabsichtigt der Vorstand den fahrplanmäßigen Betrieb einzuschränken, dafür aber Omnibusse vom Festplatze nach dem Bahnhof und umgekehrt gehen zu lassen. — In dem Jnseratentheil bietet derselbe heute die Rückseite der Fahrkarten zu Reclamezwecken aus; bei der großen Verbreitung derselben in allen Kreisen des hiesigen und auswärtigen Publikums dürfte allerdings diese Art der Reclame eine ausgedehnte und erfolgreiche sein. * * Eine Diebin. Vorgestern machte die Ehefrau eines hiesigen Wirths auf der Polizei die Anzeige, daß ihr sonst so braves Dienstmädchen plötzlich spurlos verschwunden fei und daß sie annehme, es müsse demselben ein Unfall zugestoßen sein. Später stellte sich heraus, daß das Dienstmädchen einen Diebstahl zum Nachtheil des Wirthes verübt, auch eine im Local aufgesttllte Sammelbüchse entwendet und letztere nach Entnahme eines TheilS des Inhalts auf hiesigem Bahn- Hofe weggeworfen hat und flüchtig gegangen war. * * Nahruugsmittelproben. Unter den kürzlich durch die Schutzmannschaft in den Kaufläden entnommenen Schmalz- proben wurden zwei als gefälscht befunden. Es befanden sich nach der Analyse des chemischen Untersuchungsamtes größere Mengen Baumwollsamenöl darunter. Desgleichen wurde eine Probe weißer Pfeffer beanstandet, da dieselbe mit Schalen und schwarzem Pfeffer vermischt war. zurückkehrend, die Staatsstraße von Nieder-MooS nach Freiensteinau passirten, wollten unterwegs in der sogenannten Nax- bürg mit ihrem Vieh einen geraden, nicht mehr fahrbaren Feldweg nach Hintersteinau einschlagen. Der hiesige Feld- schütz Habicht versuchte, die Handelsleute zurückzuweisen und zur Anzeige zu bringen. Letztere verweigerten die Angabe ihrer Namen, auch sich zur Feststellung der Persönlichkeiten auf hiesige Bürgermeisterei zu begeben. Nach langem Hin- und Herreden kam eS zu Auseinandersetzungen zwischen den Handelsleuten und dem Feldschützen, wobei letzterer tüchtig zerschlagen wurde und blutige Wunden davon trug. Er arbeitete sich mit Mühe nach HauS, ließ sich dann mittelst Wagen nach Freiensteinau fahren, woselbst der Arzt die nöthigen Verbände u. s. w. anlegte. Gleichzeitig traf die Gendarmerie die nöthigen Vorkehrungen, um die Thäter zur gerechten Strafe heran zu ziehen. Darmstadt, 10. August. Der am 15 Juni 1831 zu OberhanneSdorf, Kreis Glatz, geborenen Therese Seppel, welche seit 2. August 1854, also 40 Jahre ununterbrochen in der Familie der Frau Zeugmajor Krätzmähr Wittwe dahier bedienstet ist, wurde das goldene Erinnerungskreuz nebst Diplom von Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin verliehen und heute in Gegenwart der Dienstherrschaft durch Herrn Polizei - Commissär Krämer behändigt. DaS Kreuz hat die Inschrift „40 Jahre treuer Dienste" und daS von Ihrer Majestät Höchsteigenhändig unterzeichnete Diplom lautet^ „In dankbarer Anerkennung vierzigjähriger treuer Dienste verleihe Ich das goldene Ertnnerungskreuz der Therese Seppel zu Darmstadt." B. Mainz, 11. August. (Telegramm.) Die Hinrichtung des Raubmörders Rohrbacher fand heute früh um 7 Uhr durch Scharfrichter Brand statt. ♦-11- Lützellinden, 11. August. Unsere im vorigen Jahre neuerbaute Kirche hat nun endlich auch eine Orgel erhalten. In dieser Woche ist das lange ersehnte Werk eingetroffen und auch bereits aufgestellt worden. Dasselbe stammt aus der Werkstätte der Herren Gebr. Bernhard in Gambach. Es hat 12 klingende Register, 12 Combinattonszüge und 4 Druckknöpfe. Es ist nach pneumatischem System gebaut und entspricht allen neueren Anforderungen an die Technik des Orgelbaues. Am Sonntag den 19. August findet Vormittags die Prüfung durch einen Sachverständigen und am Nachmittag die feierliche Einweihung der Orgel statt. * Frankfurt a. M., 7. August. Einem eigenartigen Unglücksfall ist dieser Tage ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen. Als neulich die schweren Gewitter Über Frankfurt dahinzogen, war in einem Hotel an der Zeil ein junges Spülmädchen mit dem Reinigen des Geschirrs beschäftigt. Plötzlich zuckte ein greller Blitz durch die Luft, dem im gleichen Moment ein krachender Donnerschlag folgte. DaS Mädchen ließ vor Schrecken die Kafferole fallen, die es gerade in der Hand hielt und sank bewußtlos zu Boden. Alle Mittel, es inS Leben zurückzurufen, blieben vergeblich und man sah sich deshalb genöthigt, die Aermste in ein Spital zu bringen. Dort lag das Mädchen während voller zwölf Tage in demselben lethargischen Zustand. Die Glieder waren nicht gelähmt, auch nicht in einem krampfartigen Zustand. Allein daS Bewußtsein kehrte nicht zurück. Alle Aerzte standen vor einem pathologischen Räthsel. Am zwölften Tage verstarb das Mädchen. Bei der Section ergab sich, daß infolge des Schreckens Blut ins Gehirn gedrungen war und daß dieser Umstand erst zur Bewußtlosigkeit, dann zum Tode der Unglücklichen gesührt hatte. * Johamüsburg (Ostpr.), 10. August. Nach Genuß verdorbener Salzhärtnge erkrankten in Ntedzwedzen 20 Personen- 5 find bereits gestorben. * Deutfchkroue, 10. August. Durch ein fürchterliches Unwetter, welches über die Kreise Flatow, Schlochau, Könitz und Deutschkrone niedergegangen ist, wurde großer Schaden angerichtet- mehrere Scheunen mit Ernte- vorräthen geriethen durch Blitzschlag in Brand und wurden eingeäschert. Fünf Personen wurden tödtlich vom Blitz getroffen. itniocrfitäts - Nachrichten. Berlin, 10. August. Wie die „Kreuzzlg." frört, ist Professor Graf Baudtffin von der Marburger Universität aus dm durch dm Tod Dillmanns erledigtm Lehrstuhl für alttestamentliche Theologie an der Universität Berlin (wie erwartet wurde), nunmehr berufen worden. Verkehr, Land- nnd Volkswirthschaft. •Uttn, 11. August. Marktbericht. Aut i dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter or. Pfd. X 1,05—1,16, Hühnereier 1 Stück 0 4, 2 Stück 11-14 4, «äse pr. St. 5—8 4 Käsemotte pr. St. 3 4, Erbsen pr- Liter 17 4, Linsen pr. Liter 28 4, Tauben pr. Paar X 0,70—1,00, Hühner pr. Stück X 0,90—1,10, Hahnen pr. St. X 0,50-1,10, Enten pr. St. X 1,50 bi« 2.00, Ochsevfüisch pr. Pst». 74—78 4, Kuh- u. Rindfleisch pr. Pfd.--70 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 60-70 4, Kalbfleisch pr. Psd. 68-70 4, Hammeü fleisch pr. Pfd. 58-68 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 6,00-9,00 X, Wechkraut pr. Stück--4, Zwiebeln pr. Eentner 9,00—10,00 X, MUch pr. M-r 16-20 4, Enteneier 2 St. 11 4, Gänseeier 10 4 Kirschen pr. Pfd. 8-12 4- Schotten, 9. August. Am diesjährigen Sommermarkt wurdm aufgetrieben: Montag dm 6. d. M.: 2654 Stück Rindvieh, 85 Pferde, 124 Fohlen; Dienstag den 7.d.M.: 950 Stück Rindvieh, 1007 Schweine. Im Ganzen gegen voriges Jahr 913 Stück Rindvieh, 12 Pferde, 45 Fohlen mehr und 141 Schweine weniger. Per Bahn kämm 40 Waggon Vieh und 72 Waggon gingen von hier ab. aus den Starrde-arntsregiftesm der Stadt Gietzen. «vfgebott. August: 7. Dr. Ernst Wilhelm George Kornemann, Lehramts- accefstft dahier, mit Maria Josephine Hubertina Gennes dahier. 8. Johannes Erb, Taglöhner zu Wieseck, mit Louise Marie Heckroth dahier. 9. Johannes Laub, Taglohner dahier, mit Emma Binzel Hierselbst. S0tdu« Juli: 28. Dem Taglöhner Konrad Will eine Tochter, Elisabeth. 28. Dem Kutscher Johannes Hill eine Tochter, Maria. 29. Dem Lohnkutscher Peter Wagner eine Tochter. August: 4. Dem Gerichtsvollzieher Dietrich Born eine Tochter, Gertrude Wilhelmine. 4. Dem Rangirer Heinrich Biedmkopf ein Sohn, Georg LoutS. 7. Dem Oberst Joh. v. Rosenberg eine Tochter. 7. Dem Ofensetzer Ernst Bernhard Nonnewitz eine Tochter, Marie Margarethe. Sestaestene. August: 6. Wilhelm Jacob Muth, 15 Jahre alt, Sohn von Obersteiger Jacob Muth dahier. 8. Emil Zimmermann, 56 Jahre alt, Schreinermeister dahier. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Setautte. Matthäusgemeinde. Den 5. August. Dem .Glaser Konrad Läufer eine Tochter, Auguste Margarethe, geboren den 20. Juni. Denselben. Dem Dachdecker Karl Korndorfer eine Tochter, Friederike Wilhelmine Elisabeth Lina, geborm den 17. Mat. Denselben. Dem Flaschenbterhändler Ludwig Wagner II. eine Tochter, Emilie Emma Anna, geboren den 2. Juni. Markusgemeinde. Den 5. August. Dem Schneider Georg Erb eine Tochter, Anna, geboren den 13. März. LukaSgemeinde. Den 5. August. Dem Rangiermeister Karl August Hermann eine Tochter, Wilhelmine Anna Margarethe, geboren den 10. Juli. JohanneSgemeinde. Den 5. August. Dem Schneider Heinrich Schmidt eine Tochter, Henriette Susanne, geboren den 15. Juni. Dm 9. August. Dem Postassistenten Wilhelm Kammer eine Tochter, Theodore, geboren den 13. Juli. Matthäusgemeinde. Dm 4. August. Heinrich Lehrmund, Bremser, alt 54 Jahre, starb den 3. August. Markusgemeinde. Den 5. August. Marie Karoline Kretz^r-mar, Ehefrau deS Kürschnermeisters August Kretzschmar, alt 34 Jahre, starb den 2. August. Auswärtige aus den Kliniken. Dm 4. August. Wilhelm Nicolai, Taglöhner aus Butzbach, alt 68 Jahre, starb dm 2. August. Unterhaltungen in Bad-Nauheim von Sonntag dm 12. August bis Samstag den 18. August. Sonntag dm 12. August, Nachmittags von 4 bis 7 und von 7*/, bis 10 Uhr auf der Terraffe: Concert von der Capelle des Pionierbataillons Nr. 19 aus Straßburg, unter Leitung des Capell- meisters Herrn Werner. Montag den 13. August, Nachmittags von 4 ♦ Anerkennungen aus den höchsten Kreisen liegen jedem Stücke bei. ♦ J Zu haben in Giessen in der Hirsch-Apotheke, Pelikan-Apotheke, Engel- und J Universitäts-Apotheke, Adler-Drogerie, Seitenweg 39. 1928 T Lahnkalk-Jnduftrie Aug. Grabriel jr. in Gießen Telephonanschlüffe 84 u. 88, Bahnanschluß Abendstern b. Kinzenbach-Gietzen. Marmor- (Weiß-) und hydraul. Grau-Stückkalk. TlrttHtifhötyiöli Gemahlene Producte in Säcken: hydraul. yUUipjDl-innL Graukalk, Cementkalk (Verputzkalk), Marmorkalk, Romancemeut. 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