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Tt Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Au»nahme de» Montag». Alle Annoncen-Vureaux de» In- und An»lande» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtliche»' Theil. Bekanntmachung, betreffend das Oberl^rsaygcschäft für 1*9-1. wird hiermit zur Kenntniß der Betheiligten ge- i bracht, daß das Ober - (^rsaygeschäft in (tz ünberg nicht, wie in der Bekanntmachung vom 20. Mai d. I. (Gießener Anzeiger Nr. 116) angegeben, Donnerstag den 14. Juni d. I., Vormittags 8 Uhr, sondern erst um 9 Vs Uhr an dem genannten Tage im Gasthaus „Zum Rappen" in Grün sterg stattfinden wild. Im Uebrigen wird auf den Inhalt der Bekanntmachung vom 20. Mai d. I. verwiesen und wollen die (tzroßh. Bürgermeistereien des Anshebungsbezirks Grün betft dafür besorgt sein, daß die Militärpflichtigen eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind. Gießen, am 9. Juni 1894. Der Civilvorsttzende der Großh. Ersatz-Commission des Kreises Gießen. Dr. Melior. Bekanntmachung. Herr Obstbautechniker Metz aus Friedberg wird an den angegebenen Tagen folgende Orte des Kreises Gießen be- suchen, Vorträge halten und praktische Unterweisungen an Obstbäumen ertheilen. Mitglieder des Obstbauvereins sowie alle Freunde des Obstbaues werden zur Betheiligung ein- geladen. Die Herren Gr. Bürgermeister werden besonders benachrichtigt. Dienstag, 12. Juni, Muschenheim. Mittwoch, 13. Juni, Birklar. Donnerstag, 14. Juni, Hungen. Freitag, 15. Juni, Langd. Samstag, 16. Juni, Rodheim. Sonntag, 17. Juni, Steinheim. Montag, 18. Juni, Inheiden. Dienstag, 19. Juni, Trais-Horloff. Mittwoch, 20. Juni, Utphe. Der Vorsitzende des Bezirksvereins Gießen des Oberheff. Obstbauvereins. Dr. Wal lau. Bekanntmachung. Die Betretung des Bauplatzes in der Moltkestraße zwischen der Wieseckbrücke und der Grünbergerstraße, sowie das Betreten des provisorischen Steges über die Wieseck aus der genannten Straße ist bei Meidung der in § 366 pos. 10 des Reichsstrasgesetzes angedrohten Strafen (Geldstrafe bis zu 60 Mark oder Haft bis zu 14 Tagen) für jeden Unbefugten verboten. Gießen, den 9. Juni 1894. Großherzoglicher Polizeiamt Gießen. Fresenius. Bekanntmachung. Nachdem der Uebergang über die Oberhessischen Bahnen am Hotel Lenz vollendet und dem Verkehr übergeben ist, wird hiermit bekannt gemacht, daß die Rampe und die Brücke nur von Kranken- und Kinderwagen befahren werden dürfen, im Uebrigen aber für Fuhrwerke aller Art und Reiter verboten sind — bei Meidung der nach § 366 pos. 10 des Reichsstrafgesetzes festgesetzten Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder Haftstrafe bis zu vierzehn Tagen. Gießen, den 7. Juni 1894. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutsche» Reich. Berlin, 9. Juni. Der Kaiser tritt, den neuesten Dispositionen zufolge, am 25. Juli seine diesjährige Nord- landsfahrt von Kiel aus an. Vorher gedenkt der hohe Herr noch an den Rennen des Kieler Uachtclubs theil- zunehmen. — Der Ausschuß des Bundes der Landwirthe ragte am Freitag und die beiden nächsten Tage über in Berlin. Zur Besprechung standen eine ganze Reihe von Fragen, u. A. die Stellung deS Bundes zu den Landwirth- schastSkammern, zum Versicherungswesen und zum Genossen- schaftSwesen. — In Braunschweig ist die Gründung einer Schutz- genossenschast der Brauereien und Gastwirthe gegenüber den Boycottbestrcbungen der Socialdemokraten eingeleitet worden und soll die Maßregel auf den gesammren norddeutschen Brausteuerbezirk ausgedehnt werden. — Aus dem Kreise Thorn werden neue Cholera- fälle gemeldet. Man darf indessen hoffen, daß das Auftreten der Cholera sowohl in Westpreußen wie in Oberschlesien ein vereinzeltes bleiben wird. Berlin, 9. Juni. In gut unterrichteten militärischen Kreisen verlautet, daß während der diesjährigen Kaiser- manöver ein großes Cavallerie-Nachtmanäver stattfinden wird, daS sich höchst interessant gestalten dürste. Dabei werden die neuesten Errungenschaften auf cavallerislischem Gebiete einer eingehenden Erprobung unterworfen und ver- schiedene Versuche auf diesem Gebiete gemacht werden. Wie eS heißt, wird der Kaiser dieses Manöver in Person leiten. Berlin, 9. Juni. Wie verlautet, sind in naher Zeit einige wichtige Veränderungen in höheren militärischen Stellungen zu erwarten. Oberst v. Kessel, Commandeur deS 1. Garde-RegimentS z. F., wird Com- mandeur des Hauptquartiers des Kaisers- der jetzige Commandeur desselben, Generallieutenant v. Plessen, wird Com- mandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Division; über die Verwendung Feuilleton. Franksurtkr Lhkstkrdries. (Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".) (Nachdruck verboten.) Madame EanS Gene. — A basso porto. — Mikado. E. M. Viktorien Sardou hat lange geschwiegen, wenigstens hat keine seiner vorletzten Productionen ein stärkeres Echo gefunden. Trotzdem Sarah Bernhardt sich der weiblichen „Bombenrollen" in denselben mit Energie und nicht zu verachtendem Costümaufwand annahm, ist eS z. B. der „Kleopatra" nicht gelungen, sich die deutsche Bühne zu erobern. Dafür scheint nun „Madame SanS-GSne" geeignet, Triumphfahrten auch auf allen deutschen Theatern anzutreten. Mit einem Litteraturereigniß haben wir eS freilich hier so wenig wie bet den anderen Erzeugnissen Sardou'scher Fertigkeit zu thun. „Madame Sans G6ne" ist ein theatralischer Wurf, der über kurz oder lang von einem anderen Augenblickseffect verdrängt werden wird, der aber genügende Pointen bietet, um während der Zeit seiner Lebensdauer mit Interesse verfolgt zu werden. Im Frankreich der dritten Republik ist zur Zett der Napoleoncultus mächtig im Gange. Der gewaltigen Gestalt deS Korsen bemächtigen sich Maler, Memoirenschreiber, Historiker, Anecdotensammler, Theaterdichter rc. :c. mit gleicher Sympathie. Die Erscheinung Napoleons ist über die Grenzen einer bestimmten Nationalität dermaßen hinausgewachsen, daß auch wir Deutsche derselben von jeher die denkbar objectivste Würdigung entgegenzubringen vermocht haben. Freilich unsere Dichter, von Grabbe an bis auf Bleibtreu, sobald sie sich des packenden Stoffes bemächtigen, pflegen den Hauptwerth auf das Spiel und Gegenspiel der weltgeschichtlichen Kräfte zu legen. Den französischen Bühnenschriftstellern genügt für ihren Napoleoncultus auch schon eine Serie mehr oder minder handfester Anekdoten. SardouS „Madame Sans- Gene" zeigt uns Napoleon gleichsam im Schlafrock. Doch ist nicht er die Hauptfigur des amüsanten Stückes, sondern die von der Wäscherin zur Marschallin Lefebvre avancirte Madame Sans Gene, welche sich zwar in Hofknixen übt, ^aber doch noch genügende resolute Derbheit besitzt, um den Schwestern des Kaisers, der Königin von Neapel und der Prinzessin Bacciochi, herzhaft die Meinung zu sagen. Die Hoheiten möchten sich über die niedrige Herkunft der Marschallin lustig machen, fahren damit aber glänzend ab. Der Ton der Waschküche triumphirt über die höfische Medisance. Die Haupt- und Titelrolle des Stückes stützt sich auch, wie das so bei Sardou üblich, auf eine schauspielerische Krast ersten Ranges. War es ehedem Sarah Bernhardt, welcher Sardou mit einen Theil seiner Siege verdankte, so ist eß diesmal Madame Rejane, welche die Rolle für Paris nicht nur ereirt, sondern für die Gestalt sozusagen Modell gestanden hat. Die Eigenthümlichkeiten ihres Talents wurden maßgebend für die ganze Anlage der Figur und der Situationen, in welchen diese sich bewegen muß. Frl. v. Legrenzi, welche in Frankfurt die Partie spielt, hat im Grunde nicht jene brüske Naivetät, durch welche jene Herzogin mit den Marketendermanieren sich auszeichnen soll, aber sie ist eifrig bemüht, ihr Künstlernaturell der auf alle Fälle ungemein dankbaren Ausgabe anzupassen. Napoleon ist in dem Sardou'schen Stück nichts weiter als ein großer Mann in Kleinigkeiten. Herr Hermann erreicht vollkommen die Absichten des Autors und erfüllt auch in Maske und ' Haltung die Anforderungen, welche man billig an den Im- , perator stellen darf. Die Bolksscenen „A basso porto“ (am unteren Hafen) ' von Cognetti stellen sich als die Fortsetzung von „A Santa 1 Lucia“ dar und haben gleich diesem Vertonung gefunden, i Zu „A Santa Lucia“ hat Tasca, zu »A basso porto“ ! Spinelli die Musik geschrieben. Erstere lernten die Frank ’ furter im vergangenen Jahre anläßlich deS Gastspiels der Signora B ellincioni kennen. „A basso porto“ hat seine dramatische Voraussetzung in „A Santa Lucia“ und ist ohne diese nicht verständlich. Wir müssen unS immer die Vorgänge des ersten Stückes vergegenwärtigen, welche darin bestehen, daß daS Liebespaar Ciccillo und Rosella durch die Verleumdung der Maria, welche ^nach neapolitanischer Sitte dem Ciccillo in früher Jugend verlobt ist, getrennt werden, indem Maria Rosellas Geliebten den Glauben beizubringen ; weiß, seine Braut habe während seiner Abwesenheit ein Ver- hältniß mit seinem Vater angesangen. Vergeblich betheuert Rosella ihre Unschuld, und als sie sich von dem Geliebten mit Hohn und Verachtung behandelt sieht, stürzt sie sich aus Verzweiflung ,nS Meer. Nock lebend bringt sie der wieder zur Besinnung gelangte Ciccillo ans Ufer, wo sie inmitten der herbeiströmenden Menge ihre Seele auShauch: mir den I Worten: „Es ist nicht wahr!" WA basso porto“ enthält I nun die Rache CiccilloS. Maria soll an ihren Kindern Sesella und Luigino gestraft werden, die Ciccillo zu verderben trachtet. Maria, obwohl noch immer eine gewisse Neigung für Ciccillo in ihr lebt, sucht mit der ganzen Leidenschaft der Südländerin ihre Kinder zu schützen. Bei dem Geheimbunde der Camorra wird Ciccillo als Polizeispion bcnunclrt und in geheimer Sitzung wird ein verkommener Spieler mit seiner Ermordung beauftragt. Zwar macht Maria noch in letzter Stunde den Versuch, daS drohende Unheil abzuwenden, doch als Ciccillo all ihren Bitten, seine verderblichen Anschläge auf ihre Kinder fahren zu lassen, ein kaltblütiges Nein entgegensetzt, stößt sie selbst ihm kurz entschlossen daS Messer in die Brust. Ohne eine Messeraffaire geht eß in den jungitalienischen Dramen und Opern kaum noch ab! Ehedem, in der großen Oper, spielten der Degen des CavalierS und der fein- geschliffene Dolch des Verschwörers die entscheidende Rolle bei den Katastrophen. Mit dem Verlassen der aristokratischen Sphäre und dem Hinwenden zu den unteren Volksschichten nimmt daS Operntextbuch selbstverständlich auch die diesen entsprechenden theatraltschen Hilfsmittel auf. Spinellis Musik zu „A basso porto“, die am Kölner Stadttheater bereits einen entschiedenen Erfolg erzielt hat, wird auch dem Frankfurter Publikum nicht lange vorenthalten bleiben. Vorläufig befreundet eS sich mit dem recitirenden Drama, daS letzthin in Verbindung mit „A Santa Lucia“ in Scene ging. Die Hauptrollen der „Maria" und des „Ciccillo" werden durch Frl. Frank und Herrn Hermann gegeben. Es ist schon eine geraume Zeit her, daß SullivanS „Mikado" durch einen geschäftskundigen Unternehmer der Themsestadt dem deutschen Publikum zuerst vorgeführt wurde. Im Genre der Operette nimmt der „Mikado" eine aparte Stellung ein. ES war dem Erfolge deS Werkes entschieden zuträglich, daß sein Erscheinen mit den sich kräftig geltend machenden japanischen Strömungen in der Kleinkunst und im ttunftgewerde zusammenfiel. Aber auch die Musik Sullivans erklärt hinreichend daS Interesse, welches sich das OpuS auf dem Kontinent zu verschaffen wußte. Sie ist leicht, graziös, aber niemals frivol oder trivial, und die Frankfurter Bühnenleitung thnt wohl daran, daß sie der Abwechselung halber wieder einmal auf die klaren, übersichtlichen Formen dieser Operette zurückgreift. des jetzigen Commandeurs derselben, Generallieutenant Blecken v. Schmeling ist noch nichts bekannt. Berlin, 8. Juni. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die Reichs einnahmen im Jahre 1893/94 aus den Zöllen betrugen Mk. 364,430,353 gegen das Vorjahr 13,486,775 weniger. Die Tabaksteuer brachte Mk. 11,788,650 (mehr 3639), die Zuckersteuer Mk. 79,567,692 (m. 5,606,908), die Branntweinmaterialsteuer Mk. 284,650,769 (mehr 352,824), die Brausteuer Mk. 26,648,065 (m. 848,224), in Summa Mk. 671,192,652 (m. 53,776,238), ferner ergab die Post« und Telegraphenverwaltung Mk. 256,466,748 (m. 9,880,307), der Stempel für Werthpapiere Mk. 4,166,208 (m. 515,290), für Kauf- u. Anschaffungsgeschäfte Mk. 8,164,790 (w. 1,155,477). — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betr. den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege. Berlin, 8. Juni. Dr. Karl Peters hat anfangs voriger Woche seine Bestallung als Retchscommissar nebst Gewährung einer Gehaltserhöhung erhalten. Dr. Peters kehrt in absehbarer Zeit nicht nach Afrika zurück, sondern tritt in die Colonialabtheilung des Auswärtigen Amtes ein und wird als Vertreter der Regierung bei allen colonialen Verhandlungen mit Colonialmächten ausersehen. Berlin, 9. Juni. Eine größere Anzahl bedeutender Industriellen drückte den Brauereien und Gastwirthen ihre Zustimmung aus zu den Maßnahmen gegenüber dem Boykott. Ein Großindustrieller stellte die Schließung seiner Fabrik, in der 800 Arbeiter beschäftigt werden, in Aussicht, falls der Kampf der Socialdemokraten gegen die Brauereien noch lange fortdauere. 16 Industrielle boten den ketheiligten Gastwirthen 600000 Mk. an, um mit den Brauereien Hand in Hand zu gehen. Berlin, 9. Juni. Der gegen den Reichstagsabgeordneten Ahl warbt auf heute anberaumt gewesene Termin zur Hauptverhandlung wegen Beleidigung des Finanz- ministers ist aufgehoben worden, da der Minister, nachdem die in Frage stehende Angelegenheit durch den Proceß gegen Plack und Gen. vollständige Aufklärung gefunden, auf eine Bitte des Angeklagten den Strafamrag zurückgezogen hat. Berlin, 9. Juni. Landgerichtsdirector Brausewetter hat nunmehr auch gegen den Chefredacteur der „Rat.-Ztg." und gegen den Verfasser des in diesem Blatte kürzlich erschienenen Artikels über die Vereidigung eines Zeugen im „Gummischlauch - Prozeß" durch Brausewetter Strafantrag wegen verläumdertscher Beleidigung gestellt. Berlin, 9. Juni. Betreffs der Verhandlungen in der Untersuchungssache gegen den Kanzler Leist schreiben die „B. N. N.", es erscheine in betheiligten Kreisen jetzt schon feststehend, daß in Kamerun seit längerer Zeit bereits unhaltbare Zustände vorlagen,'es dürfe heute schon ausgesprochen werden, daß dem Auswärtigen Amte die Verantwortung zufällt, diese Zustände so lange ruhig geduldet zu haben. Bochum, 9. Juni. Laut „Bochumer Anz." gerieth gestern auf Zeche „Dannenbaum" ein ausfahrender Förderkorb aus der Führung. Von 18 im Korbe befindlichen Jn- saffen wurden zwei getödtet, indem ihnen der Kopf vom Rumpf gerissen wurde, vier schwer und mehrere leicht verletzt. Ausland. Budapest, 9. Juni. Der Kaiser empfing heute Mittag Dr. Weker le in Audienz. Der Monarch behielt sich aber neuerdings seinen definitiven Entschluß vor, angeblich deshalb, weil der liberale Club in der Mittagssitzung beantragt hat, beim Kaiser nochmals auf die Beibehaltung Szilagyis im Cabinet hinzuwirken. Unter den Liberalen verlautet, Szylagyi werde nur unter der Voraussetzung in das Ministerium eintreten, daß er nach Durchdringung der ktrchenpolitischen Vorlage von seinem Posten wieder zurücktritt. Czernowitz, 9. Juni. In Szamuszin sind zwei Cholerafälle vorgekommen. London, 9. Juni. Die „Times" meldet aus Washington, daß Deutschland gegen daS Votum des Differentialzolles von J/i6 Cent auf das Pfund Zucker oiflB prämienzahlenden Ländern protestirt hat. Wenn der Zoll ausrechterhalten werde, wolle Deutschland Repressalien gegen amerikanische Producte ausüben. Constantivopel, 9. Juni. Die Meldung verschiedener Blätter über das Auftreten der Cholera in Constantinopel wird von competenter Seite für unrichtig erklärt. Neueste Wolffs telegraphisches Correspondenz- Bureau. Berlin, 10. Juni. Der Minister des Innern hat, wie die „Post" hört, den Polizeipräsidenten aufgefordert, einen Bericht einzureichen über denBerlinerBrauereiboykott. Der Bericht soll alsdann Sr. Majestät dem Kaiser auf eigenen Wunsch überreicht werden. Brüsiel, 10. Juni. Die Abstimmung über den Antrag des Finanzministers, an die Spitze der nächsten Tagesordnung den Gesetzentwurf betreffend die Eingangszölle zu setzen, wurde gestern in der Repräsentantenkammer dadurch unmöglich gemacht, daß die Liberalen den Sitzungssaal verließen. Die Liberalen scheinen entschlossen zu sein, sich den Sitzungen fernzuhalteu, wenn die Kammern nach dem 12. Juni noch tagen sollten, und sich dadurch dem Tagen nach dem 12. Juni, das sie für nicht-constitutionell halten, zu widersetzen. Petersburg, 10. Juni. An Cholera erkrankten bezw. starben: Vom 20. Mai bis 2. Juni in Warschau 19 bezw. 13 Personen, im Gouvernement Tula 5 bezw. 1; vom 27. Mat bis 2. Juni in den Gouvernements Warschau 58 bezw. 27, Petrikau 1 bezw. 1, Radom 3 bezw. 1 - in Kowno erkrankte 1 Person- vom 20. bis 26. Mai in Plotzk 56 bezw. 33- vom 24. bis 30. Mai kam in Podolien kein Cholerafall vor. Pest, 11. Juni. Die Ernennung der neuen Minister ist vollzogen. Fejervary übernimmt provisorisch das Portefeuille des Ackerbauministeriums. Locales uttfc Gießen, den 11. Juni 1894. ** Schwurgerichtsverhandlung vom 9. Juni 1894. (Fortsetzung.) Netscher veräußerte im Hausirhandel die mitgenommenen Waaren. In Klein-Steinheim und Hanau will er sein Pferd und seinen Wagen wegen der theueren Futterpreise an einen ihm nickt bekannten Hausirer um 140 Mark verkauft haben. Die Waaren habe er dann in zwei Ballen verpackt nach Offenbach per Bahn geschickt und sie dorten im „Darmstädter Hof" in einem gemieteten Zimmer untergebracht. Er wollte die Waaren nach und nach in Wirths« Häusern umsetzen. In Offenbach hielt sich Netscher vom 10. November bis 16. December auf. Er hatte die mitgebrachten Waaren in dieser Zeit vollständig verkauft, zum geringen Theil auch in dem städtischen Pfandhause versetzen lassen. Der Verkauf erfolgte in Wirths- und auch in Privat- Häusern durchweg weit unter dem wahren Werthe der Sachen. Behülflich waren ihm beim Absetzen der Waaren die Handels» teilte Maus und Jung, die er in Wirthshäusern kennen lernte. Diese machten ihn mit Kauflustigen bekannt und schlossen auch selbstständig und in seinem Auftrage Händel ab. Der Ge« sammtwerth der von Netscher in Offenbach veräußerten Waaren betrug, soweit dies ermittelt werden konnte, 743 Mk. Das Geld, das er aus dem Verkauf der Waaren sofort baar erlöst hatte, verwandte er zum Theil für sich, um seine Lebensbedürfnisse zu bestreiten. Er hatte aber auch der Ehefrau seines Stiefsohnes Philipp Molter, Josephine Molter in Würzburg, sehr erhebliche Summen zugeschickt. Letztere lebt mit ihrem Mann im Eheschetdungs-Proceß, hatte im October 1892 Friedberg verlassen und sich nach Würzburg zu ihrer Mutter begeben. Bet der Trennung erhielt sie von Netscher zur Abfindung für ihre in dessen Geschäfte etwa ein halbes Jahr lang geleisteten Dienste 120 Mark, außerdem Möbel im Werthe von etwa 80 Mk. Damit sollte sie entlohnt sein. Nichtsdestoweniger hatte Netscher ihr im August, October und November noch nach Würzburg die Summe von 380 Mk. geschickt, außerdem für sie an Kosten des Ehe- scheidungsprocesses gegen ihren Ehemann an Rechtsanwalt Seyd in Friedberg 130 Mark. Hiernach betrug der den Gläubigern Netschers erwachsene Schaden iw Ganzen etwa 1300 Mk. Netscher hatte weiter seine Handelsbücher so unordentlich geführt, daß sie keine Uebersicht seines Vermögensstandes gewährten, auch die vorgeschriebene Bilanz nicht gezogen. Die Geschworenen (Obmann: Herr Wilhelm Plank II.) bejahten die an sie gerichteten Fragen, worauf der Gerichtshof den Angeklagten wegen betrügerischen Bavkerotts unter mildernden Umständen in eine Gefängnißstrafe von einem Jahre und drei Monaten unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshaft verurtheilte. * * Schwurgerichtsverhandluug vom 11. Juni 1894. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Johannes Friedrich von Angenrod wegen Meineids und Johannes Bernhard I. von da wegen Verleitung zum Meineid. Die Anklage wird vertreten durch Großh. Ersten Staatsanwalt Jöckel, den Angeklagten Friedrich vertheidigt Herr Rechtsanwalt Dr. Fuhr, den Angeklagten Bernhard Herr Rechtsanwalt Holzapfel, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren Johannes Kromm I., Ludwig Schadeck II., Emil Willems, Johann Georg Schmidt, Johannes Seim, Johannes Schepp I., Gustav Friedrich Patz, Johannes Schwarz III., Johannes Weber V., Friedrich Herdt, Wilhelm Balser und Heinrich Wilhelm Bender II. Der Dienstknecht Johannes Friedrich von Angenrod steht unter der Anklage, daß er am 8. Mai 1894 vor Großh. Strafkammer zu Gießen in der Strafsache gegen Heinrich Bernhard III. und Genossen von Angenrod wegen Körperletzung den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe - Johannes Bernhard I. von Angenrod dagegen, daß er den Johannes Friedrich zur Begehung eines Meineids vorsätzlich bestimmt habe. — Die heutige Verhandlung ergab im Wesentlichen Folgendes: Johannes Bernhard I. war gleich seinen Eltern und seinem Bruder Karl Bernhard von Angenrod wegen Körperverletzung des Ludwig Meyer von Angenrod, in Gemeinschaft und mittels gefährlicher Werkzeuge verübt, durch Urtheil Großh. Schöffengerichts Alsfeld vom 6. November 1893 verurtheilt und in eine Gefängnißstrafe von sechs Monaten verfällt worden, nachdem durch den Verletzten und eine größere Anzahl von Zeugen die Schuld desselben festgestellt worden war. Gegen dieses verurtheilende Erkenntniß erfolgte von Johannes Bernhard I. mit seinen Angehörigen die Berufung und fand der Verhandlungstermin am 8. Mat l. I. vor Großh. Strafkammer statt. In diesem Termin wurde von Johannes Bernhard I. als Entlastungszeuge Johannes Friedrich von Angenrod sistirt und sagte dieser nach vorheriger Eidesbelehrung und Meineidsverwarnung eidlich aus, daß Ludwig Meyer, sein Schwager, den Johannes Bernhard I. bei dem zwischen beiden stattgehabten Streite zuerst mit einem Prügel geschlagen habe. Diese Aussage stand in directem Widerspruche mit den eidlichen Aussagen der übrigen bei dem Vorfälle anwesenden Zeugen und wurde derselben keinerlei Glauben betgemessen. Die Strafkammer verwarf dem Anträge der Staatsanwalschaft entsprechend die Berufung des Johannes Bernhard I. und seiner Angehörigen, ferner erließ sie Haftbefehl gegen Johannes Friedrich wegen Meineids und Johannes Bernhard I. wegen Verleitung hierzu. Schon am anderen Tage ließ sich Friedrich der Staatsanwaltschaft gegenüber zu dem Geständntß herbei, daß er es nicht gesehen habe, daß Ludwig Meyer den Johannes Bernhard geschlagen und daß er diese unwahre Angabe gegen besseres Wissen auf Zureden und Anstehen des Johannes Bernhard gemacht habe- dieses Geständntß hat er auch heute aufrecht erhalten. (Fortsetzung folgt.) * * Schwurgericht. Nachdem die Acten vom Reichsgericht zurückgelangt sind, wird die nochmalige Verhandlung gegen Bonifacia Brühler von Oberfeld wegen Mords Mittwoch den 13. l. Mts., Vormittags 9 Uhr stattfinden. * * Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß- h erzog empfingen am 9. Juni u. A. den Oberstlieutenant v. Wartenberg, etatsmäßigen Stabsoffizier im Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. * * Das Personal-Bestands- Verzeichuiß der Univerfit'äl ist soeben erschienen und zum Preise von 20 Pfg. bei Herrn C. v. Münchow zu haben. * * Stabsarzt Dr. Proelß vom Infanterie - Regiment Kaiser Wilhelm ist am SamStag in Berlin, wohin er auf kurze Zeit beurlaubt war, an Hirnhautentzündung gestorben. Der Verstorbene war sowohl im Regiment, wie in allen Kreisen der Civilbevölkerung sehr beliebt. * * Gießener Zitherclub. Das gestern vom Citherclub arrangtrte Volksfest erlitt trotz dem fast ununterbrochenen Regenwetter nicht die geringste Einschränkung. Der bedeutend vergrößerte Gärten war verhältnißmäßig gut besetzt. Als der Regen zu arg herniederrieselte, schaffte man aus den Carousseltüchern eine Ueberdachung da, wo die Sitzplätze nicht von den Bäumen gedeckt waren. Die verschiedenen Be- lusttgungsbuden erlitten trotz dem Regen ebenfalls keine Unterbrechung. Am meisten frcquenttrt war die Bayerische Original-Restauration „zum Münchner Kindl", welche von einer feschen bayerischen Kellnerin in Nationalcostüm bedient wurde. Daselbst musicirte eine Italienische Concert«Gesellschaft in National - Costüm mit ziemlichem Erfolg. Daß das Unwetter auch die gute Laune £ber Theilnehmer nicht beeinträchtigte, ersah man aus der Besetzung des völlig freiliegenden Tanzbodens, der trotz dem immerwährenden Regenwetter überfüllt war. Ein weniger freundliches Gesicht zeigte der Festwirth, denn der Bierumsatz war durch die kühle Temperatur selbstverständlich ein nicht sehr großer. Heute Morgen von 10 Uhr an concertiert die Festcapelle (ein Theil der Capelle des Großh. Hess. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 25) auf dem Festplatz. Abends 6 Uhr findet eine Wiedereröffnung der Belustigungsbuden und der Tanzbelustigung statt. Zum Schluß folgt Abbrennen eines Riesen- Brillant-Feuerwerks. * * DaS 22. Gauturnfest in Marburg hatte schon am Samstag Abend wesentlich unter der Ungunst des Wetters zu leiden, trotzdem war der Besuch von turnerischer Seite ein außerordentlich starker. Sonntag Morgen zeigte sich der Himmel etwas günstiger und so konnte das Einzelwettturnen programmmäßig abgehalten werden, ja hierzu war gerade die eingetretene Kühle sehr günstig. Auch hierbei war die Betheiligung eine entsprechende, 144 Turner waren zum edlen Wettstreite angetreten und wurden im Allgemeinen sehr günstige Resultate in der turnerischen Ausbildung erzielt. — Conrad Günther vom Marburger T.-V. errang mit 697« Punkten den 1. Preis- ihm folgte mit nur einem Punkt Differenz, also mit 687s Punkt, Wilh. Ziegler vom T.-V. Gießen mit dem 2. Preis, den 3. Pr. mit 65 P. erhielten die Turner Wilh. Honen, Bad-Nauheim, L. Hammel, Männer- T.-V. Gießen, Georg Nesseldreher, T.-V. Heuchelheim, den 4. Pr. mit 612/b P. Hch. Cramer Ak. T.-V. Marburg, den 5. Pr. mit 6O’/6 P. Hch. Fischer, T.-V. Marburg, den 6. Pr. mit 592/3 P. Emil Marx, T.-V. Gießen, den 7. Pr. mit 5972 P- Louis Kracht, Wetzlar, und Emil Steinmetz, Usingen, den 8. Pr. mit 5876 P. Hch. Weller, M.-T.-V. Gießen, den 9. Pr. mit 57 76 P. Paul Schüler, Wetzlar, und Albrecht Simon, Wetzlar, den 10. Pr. mit 567e P« Otto Bergen, M.-T.-V. Gießen und Hch. Peter, T.-V. Marburg, den 11. Pr. mit 56 P. Ph. Höffel, T.-V. Gießen. Weitere Preise erhielten von Gießener Turnern: den 13. Pr. mit 54 P. Hern.. Kröcker, den 17. Pr. mit 53 P. Heinr. Pieper, beide vom Turnverein, den 20. Pr. mit 52 P. Fr. Nennftiel, den 21. Pr. mit 505/g P. Adolph Schäfer, den 22. Pr. mit 507e P- Fr. Otto, alle drei vom Männer- Turnverein, den 24. Pr. mit 495/g P. Carl Weidig, den 29. Pr. mit 485/e P- Wilh. Brühl, beide vom Turnverein, den 34. Pr. mit 475/e P- Wilhelm Krämer, Männer-Turnverein, den 54. Pr. mit 42 P. Carl Ziegler, Turnverein, den 56. Pr. mit 41 P. Th. Baumann und den 59. Pr. mit 40 P. Chr. Franz, beide vom Männer-Turnverein. — Der Nachmittag stattgefundene Festzug war vielfach durch anhaltendes Regenwetter beeinflußt, welches nach Eintreffen desselben auf dem Festplatze noch zunahm, so daß sich der Turnplatz in Pfützen verwandelte und das Musterriegenturnen zum Schaden unserer Turnsache ausfallen mußte. Möchten alle unsere Gießener rüstig und eifrig weiter turnen, eingedenk des im nächsten Jahr abzuhaltenden Kreisturnfestes. „Gut: Heil!" * * Der Getreidemarkt. Der Stand des Getreidemarktes ist noch immer ein ziemlich mißlicher. Allerdings machte sich im Laufe der jüngsten Berichtswoche an verschiedenen Plätzen eine etwas günstigere Tendenz bemerklich, dieselbe war indessen nicht von längerer Dauer. Denn schließlich sanken die Preise für die Hauptartikel auf das tiefe Niveau der Vorwoche zurück, auch die erzielten Umsätze waren im Allgemeinen nicht sonderlich erheblich. Vom Auslande sind zwar in den letzten Tagen ziemlich günstig lautende Berichte eingegangen, ob dieselben indessen auch auf den einheimischen Getreidemarkt endlich belebend einwirken werden, das bleibt zum Mindesten noch abzuwarten. Preisnotirungen an der Berliner Productenbörse: Weizen per 1000 Kilogramm 123 bis 133 Mk., Roggen 105 bis 114 Mk., Gerste 90 bis 105 Mark, Hafer 126 bis 162 Mk. * * Zur Getreideeinfuhr. Die Getreideeinfuhr in das deutsche Zollgebiet ist nach den amtlichen Ausweisen in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres erheblich größer als in derselben Zeit des Vorjahres gewesen. Beispielsweise hat die Einfuhr von Roggen 1894 893098, 1893 422475 Doppelcentner, von Weizen 1894 2410862, 1893 2177 829 Doppelcentner, von Gerste 1894 3197 366, 1893 1963818 Doppelcentner betragen. Ein großer Theil dieser Mehrein- «ttjitiben. M btt 9 . ÄÄÄ I V"ü."'»°'b-7 ’*« «n«M« . «nwitbTöfam £’J“ «16 ’W« man aus dw bleSiW«te nidjt E ° "’Wmtn "»'» -dich«! ttin, ltl »“ b" &Mte ’ »«M , «ach, ’n WtmltDjtün 6(bitnl lMe6oncRt.@t|eMlft n Srfolg. $a6 te Thetlnehmer nicht be- esetzung des dSllig ftn- immerivährenden Regen- eundliches Gesicht zeigte mar durch die kühle bt sehr großer. Heute rt die Festcapelle (ein eld-Artillerie.Regiineiilr lds 6 Uhr fitidet eint rten und der Tanz, lbbrennen eines Rirsrn- ithtg hatte schon am \ x Ungunst des Wetters on turnerischer Seite da ;en zeigte sich der Himel s Einzeltveuiunielt pro- hierzu »ar gerade dir ich hierbei war die Br« Turner waren zum edlen Allgemeinen sehr günstige ing erzielt. - Conrad rrang mit 69% Punkten tintm Punkt Differenz, (er vom T.-v. Gießen t 65 P. erhielten dir , -L. Hammel, Männer- ;t, T.-V. Heuchelheim, ner Ak. T.-D. Marburg, ;er, T.-B. Marburg, den x,-V. Gießen, den 7. Pr. u, und Emil Steinmetz, Hch. Weller, M.-T.-L. Paul Schüler, Wetzlar, 10. Pr. mit n d Hch. Peter, T.-D- W' h M, T,L. W er Turnern: den w >»• . Pr. mit 53 P. on Pr. mit 52 P. alle drei vom Männer« 5i m. Lari Wndtg, den b Heide vom Turn°ere.n, ,n Kreisliches. » - Mh des GetreidenrarkleS -’SöS ÄS* . D-°° Ä«« i« «ui i°s * 'Styl!* ""fiffl*®9'" « 123 -Sß !k.K.Ätz Sss- fu^r fällt auf Getreide, das von zollbegünstigten Mübten zur Herstellung von Transrtomehl zollfrei eingeführr wurde, also direct wieder an bad Ausland verkauft wird. Heberhaupt scheint der zollfreie Mühlenlagerverkehr im laufenden Jahre bedeutend an Umfang zugenommen zu haben. ** Warnung Da alljährlich um diese Zeit eine größere Anzahl Häuser äußerlich neue Anstriche bekommen, fei darauf aufmerksam gemacht, daß daS Beschmutzen und Be- schädigen der Häuser strengstens verboten ist. Eltern, Vormünder, Mehrer und überhaupt alle mit der Beaufsichtigung von Kindern betraute Personen sollten deshalb die Kinder in geeigneter Wei-e von der Verübung dieses Unfugs abzuhalten suchen, Strasmündige Personen, die sich Beschädigungen und Verunreinigungen von Häusern zu Schulden kommen lassen, werden nach § 303 ff., bezw. § 366 Nr. 7 des ReichSstraf. gesetzbucheS und Art. 379 des PolizeistrafgefetzeS bestraft, ferner kann gegen Eltern, Vormünder und andere Personen, deren Obhut Kinder unter 12 Jahren anvertraut sind, für bU durch die letzteren begangenen Uebertretungen nach Art. 44 des PolizeistrafgesetzeS eingefchritten werden. •• Sparkasien Vereinigung In einer SamStag, 2. Juni, in Frankfurt a. M. abgehaltenen. von Herrn Kammer- director Weber auS Laubach präsidirten und von fämmt- lichen Comitsmitgliedern besuchten Sitzung wurden die Statuten - Vorschläge zur Bildung einer Allgemeinen HessischenSparkasscnvereinigung einer eingehenden Prüfung unterworfen. Nach längerer, besonders durch einen von den Herren Bürgermeister Wolz von Seligenstadt und Pfarrer Fuchs von Arheilgen eingebrachten Antrag hervorgerufenen Debatte einigte man sich und wird der demnächst statt- findenden Generalversammlung Hessischer Sparkaffen der Statutenentwurf in einmüthig beschlossener Gestalt vorgelegt werden. Die Allg. Hessische Sparkaffen - Vereinigung kann als perfect betrachtet werden. *♦ Direkte Steuern. Die Gesammtsumme der für 1895/96 im Großherzogthum auSzuschlagenden direkten Steuern beträgt 9 292758Mk., diejenige sämmtlicher Gewerb-, Grund-, Capitalrenten- und Einkommensteuercapitalien 60 703 224 Mk. Auf die Steuercommiffariate in den fünf größten Städten des Landes entfallen an Steueranfätzen: Mainz Gewerbesteuer 274 716,96, Grundsteuer 318661,98, Capital- rentensteuer 88 333,20, Einkommensteuer 1 134 796,80 Mk.; Darmstadt Gewerbsteuer 116 678,58, Grundsteuer 210 121,80, Capitalrentensteuer 98 64402, Einkommensteuer 716844,78; Offenbach a. M. Gewerbsteuer 103 618,74, Grundsteuer 127 279,20, Capitalrentensteuer 27 487,62, Einkommensteuer 408938,40 Mk.; WormS Gewerbsteuer 76 598,22, Grundsteuer 169 428,12, Capitalrent nsteuer 24040,74, Einkommensteuer 297 043,98 Mk.; Gießen Gewerbsteuer 45 799,20, Grundsteuer 102063,24, Capitalrentensteuer 23 789,82, Einkommensteuer 244 323,18 Mk. ** Ausbildung von Ersatzrefervisten zu Krankenwärtern. In diesem Jahre sollen, wie man schreibt, zum ersten Male Erfatzreservisten zu Hebungen behufs Ausbildung im Krankenwartedienst eingezogen werden und zwar werden bei jedem ArmeecorpS 40 Mann eine erste zehnwöchige Hebung abhalten, denen sich dann in den folgenden Jahren eine zweite sechswöchige und eine dritte vierwöchige Hebung anschließt. Die einberufenen Reservisten erhalten bei der ersten Hebung die nothwendige militärische Ausbildung bei den 4. Bataillonen in 4 Wochen. Während der übrigen 6 Wochen, sowie während der zweiten und dritten Hebung werden sie in Garnison- lazarethen im Krankenwartedienst unterrichtet. Sie sollen hierbei zu brauchbaren Krankenwärtern der Reserve- und FestungSlazarethe, sowie FeldsanitätSformationen ausgebildet werden. Zu den niedrigen öconomischen Dienstverrichtungen find sie hierbei nur insoweit heranzuziehen, als es zur Ausbildung unerläßlich ist. Mit Rücksicht auf da» für die militärische Ausbildung zu stellende Lehrerpersonal ist eS für zweckmäßig erachtet, die HebungSp'lichtigen zur ersten Hebung gleichzeitig einzuberufen. Der EinberufungStag soll jedoch möglichst 4 Wochen vor eine Zeit gelegt werden, in der er- fahrungSmäßig in den Lazarethen ein höherer Krankenstand zu sein pflegt. -g- Heuchelheim, 11. Juni. Zu dem gestern in Marburg ftattgehabten PreiSwettturnen sandte auch der hiesige Turnverein seineHreiSturner und sind^ihm folgende Preise zugefallen: Georg Nesseldreher erhielt den 3. Preis, Jacob R»nn den 18. Preis, Jacob Germer den 52. Preis. Der Turnverein Heuchelheim darf auf diese Erfolge und insbesondere auf die von Nesseldreher erreichte hohe Punktzahl stolz sein und wollen wir hoffen, daß eS dem Verein, der in der kurzen Zeit seines Bestehens schon eine große Anzahl Preise an seine Fahne geheftet hat, befchieden sein möge, auch fernerhin ähnliche Resultate zu erzielen. In diesem Sinne rufen wir demselben ein kräftiges „Gut Heil" zu. Friedberg, 8. Juni. Die öffentlichen Kaffen scheinen hier einer besonderen Gefahr ausgesetzt zu sein. KreiSkafferechner Kreuder hatte gestern 3100 Mk. für die von ihm verwaltete Kreiskaffe eingenommen und wohlweislich den Inhalt der Kaffe beim Weggang von feinem Bureau im KreiSarntSgebäude mit nach Hause in feine Wohnung genommen. Heule Nacht wurde nun in das massiv aufgeführte KreiSarntSgebäude gewaltsam eingebrochen, die verschiedenen BureauS durchstöbert, alle Behälter erbrochen und durchsucht, doch fielen dem Diebe, der eS offenbar auf die Kreiskasse abgesehen hatte, nur 1 Mk. 50 Pfg. an baar und 6 M. Altersversicherungsmarken in die Hände. Wie man sich erzählt, wurde heute Nacht versucht, auch in andere Wohnungen einzubrechen, jedoch sei eS bei dem Versuch geblieben. Die Organe der öffentlichen Sicherheit sind in der angeregtesten Thätigkeit, um den frechen Dieb dingfest zu machen. D. Ztg. X Stumpertenrod, 8. Juni. Gestern Mittag ertönten plötzlich die Feuerglocken: eS brannte in der Hosraithe deS hiesigen LandwirthS D. Das Feuer hatte seinen Ausgang in der Scheune genommen und verbreitete sich bei dem herrschenden starken Winde sehr rasch, so daß daS ganze Anwesen bald davon ergriffen ward und in Asche sank. Der eiligst herbeigeeilten Feuerwehr gelang es, das Feuer an weiterer Ausbreitung zu hindern. A AuS dem Kreise Lauterbach, 9. Juni. Während die Fischerei in früheren Jahren nur spärlich ausgeübt wurde, ist solche in letzterer Zeit geradezu zu einem Sport heran- gewachsen. Trotzdem unsere Flüsse und Gewässer nichts weniger als fischreich sind, werden ziemlich hohe Pachtpreise erzielt. Für eine etwa 15 Minuten lange Strecke wurden In der Gemarkung Altenschlirf früher 24 Mark pro Jahr erlöst. Bei der kürzlich stattgefundenen Neuverpachtung wurden dagegen 50 Mark erzielt. Ebenso hat der PachtpreiS für daS Fifchwaffer der Gemarkung Lanzenhain einen ver- hältnißmäßig enormen Aufschlag erlitten. Der Pachtpreis betrug früher 6 Mk., während kürzlich bei der Neuverpachtung 43 Mk. pro Jahr erzielt wurden. A Au« dem Vogelsberg, 7. Juni. Herr Finanzminister Weber in Begleitung eines OberbaurathS und einigen Ingenieuren inspicirten heute die projectirte Bahnlinie Lauterbach—Gedern. Die Herren fuhren von Lauterbach über Herbstein—Ilbeshausen nach Grebenhain und von da zurück. Mainz, 7. Juni. Frau Eva Eckert, geb. Becker, in EberSheim (Kreis Mainz) feierte gestern ihren 103. Geburtstag. Die Frau ist noch rüstig; sie hat 6 Kinder, 20 Enkel, 11 Hrenkel und 5 Hrurenkel. A Mainz, 10. Juni. Seit gestern tagt hier die Jahres- Versammlung der Deutschen Buchdruckerberufs- nossenschaft und in Verbindung hiermit feiert gleichzeitig der deutsche Buchdruckerverein das Fest seines 25jahrigen BestebenS. Beide Veranstaltungen sind von den Fachgenoffen auS ganz Deutschland sehr zahlreich besucht. AuS Anlaß der Zusammenkunft der Buchdrucker ist daS hiesige GutenbergS- Denkmal mit Blumen und Pflanzen auf daS reichste geschmückt und den Fuß desselben ziert ein Kranz mit der Widmung: „Dem Altmeister Gutenberg der Verband der deutschen Buchdrucker." — Zu der in den Tagen vom 15. bis 23. September hier stattfindenden allgemeinen Deutschen Gartenbauausstellung hat nun auch da- Ministerium in Darmstadt einen Ehrenpreis in der Höhe von 200 Mk. gestiftet. Die obere landwirthfchaftUche Behörde hat über denselben in der Weise verfügt, daß derselbe in bestimmten Theilen in der Abtheilung für Obst- und Gemüsebau Verwendung findet. Vom Main, 8. Juni. Die Heuernte hat längs deS ganzen MaiuthaleS begonnen und fällt nach Menge und Güte vorzüglich auS. DaS gilt vorzugsweise von den Wiesen in mehr trockenen Lagen. Die Anwendung der fast allenthalben eingeführten Kunstdünger, namentlich ThomaSphoSphatmehl und Kainit, hat sich sehr gut bewährt. Kleeansätze und Wicken kommen ausgezeichnet zur Entwickelung, während die zur Fütterung unvortheilhaften Sauerrampser und Schachtelhalme in Abnahme begriffen sind. Zur guten Einheimsung des neuen Heues wäre sonnige Witterung dringend wiinschenSwerth. Der Preis des neuen Heues schwankt zwischen 2 Mk. und Mk. 2,50 pro Centner. DaS alte Heu ist im Preise von 6 Mk. schnell auf Mk. 3,20 per Centner gesunken. Vermischte». * Eisenach, 9. Juni. Die Wittwe von FritzReuter ist heute Mittag gestorben. Verkehr, £anO* tinö Volkirvirthschast. Sründerg, 9. Junt. Frachtpreise, öehtn X 11 04, Korn X 13,96, Gerste X 13.08, Hafer X 16,30, Erbsen X 00,OU, Linsen 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 4,16, Samen X 23,00. '!•— Spielpla« der vereinigten Frankfurter Ltadtttzeater Vpermhau». DienStag den 12. Juni: Waffenschmied. Mittwoch den 13. Juni: Vorstellung bet kleinen Preisen zum Besten bei Orchrster- PersonalS. Ouvertüre. Concert. Hänsel and Gretel. Donnerstag den 14. Juni: Die Medici. Freitag dm 15. Juni: Iann- häuser. L-amStaa den 16.Juni: Bajazzo. Hieiaus: Cappella. Sonntag den 17. Juni: Waffenichmied. Schauspielhaus. TimStag dm 12. Juni: Dasantasena. Mittwoch den 13. Juni: Madame SanS-G-'ne. Donnerstag den 14. Juni: Alt-Frankfurt. Freitag den 1b. Juni: Taube der Messaline. Hierauf: Deilchenfresser. SamStag den 16. Juni: Madame SanS-Gdne. Sonntag den 17. Juni: Madame SanS-G^ne. Diontag den 18. Juni: Zu viel Ehre. Hieraus: DaS Pensionat. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemeffrn am 11. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 13, Luft 12°. Rübsamen'sche Badeanstalt. Ca. 5000 Ltütk seidene Basttieider Mk. 14.80 per Stoff zur completen Robe und bessere Qualitäten — sowie schwarze, weiße und farbige Seidenstoffe von 75 Pf. bi« Mk. 18.65 p. Mir. — glatt, aestreift, fordert, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 verfch. Qual, und Ä00 verschiedenen Farben, DefsinS rc.) 34F Porto- und steuerfrei ins HauS N Katalog und Muster umgehend. 122 Gießen, 11. Juni 1894. Großh. OriSgericht Gießen. 4696 I. A-: Bogt. 4915 F. 406 an Helnr. Fleier Frank* Gerätheschuppcns bei Betten- $ Uhr, Rauhe „Häuschen". t&al, Kl. Petersee und Deckelborn, tjrt a, Main.________ Hausen erforderlichen Arbeiten 2. Montag den 18. ds. Mts., sowie z. 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[4899 Spar- und Borschutz-Verein Allendorf an der Lumda Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Kloos, Director. Wagner, Controleur. Rein, Rechner. Bekanntmachung. Die ordentliche General - Versammlung des Spar- und Vorschuß-Vereins Allendors an der Lumda (eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht) findet Donnerstag den 21 Juni l. I., Vormittags um 10 Uhr im Rath Haussaale dahier statt, zu welcher die Mitglieder des Vereins hiermit eingeladen werden. Tagesordnung: 1) Vorlage der Jahresrechnung pro 1893. — 2) Mittheilung des Revisionsberichts des Verbandsdirectors und Beschlußfassung hierüber. Allendorf an der Lumda, am 8. Juni 1894. Der Vorsitzende des Aussichtsraths. 4900 Christoph Wallenfels II. MT Prima fognac TWE garontirt französischer Verschnitt, per Literflasche JL 2 —, sowie französische Cognacs unter Originaloerschluß in verschiedenen Preislagen. 4922 E. Dort, Wallthorstraße 45. 4831] In meinem Neubau in der Hofmannstraße sind per 1. 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