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Die Thüre öffnete sich abermals und Dr. Bode trat herein, er war in einer mächtigen Erregung. Sein Blick wandte sich sogleich nach dem Patienten. Er wollte vielleicht nach deffen Befinden fragen, aber Eckehard lief ihm voll Leb« Hastigkeit zu: „Herr Doctor, sprechen wir an diesem großen Tage kein Wort mehr vom Sterben. Ich will, ich kann nun nicht so schnell sterben, jetzt, da der Himmel mir diese Quelle gesandt hat." Gerührt ergriff der Arzt beide Hände seines Patienten und sagte ganz glücklich: „Mit welch heller Stimme Sie daS sagen! — Ja, ich glaube Ihren hoffnungsvollen Worten/ ich sehe mit unendlicher Freude, daß diese große Stunde Ihr junges Leben wunderbar gestärkt hat. Wahrlich, ich glaubte Sie nicht mehr lebend anzutreffen, aber diese eine Stunde des Glückes hat Sie gereitet! Als ich vorhin die herrliche Quelle erblickte, da dachte ich an Sie. Mein lieber Freund, mit dem heutigen Morgen hat der liebe Golt Sie und Nauheim mit einem Christgeschenk begnadigt, wie es werthvoller und erfolgreicher nicht gewünscht werden konnte. Mir ahnt, -aß von dem heutigen Tage ein mächtiger Aufschwung deS Heilbades dattren wird, zum Wohle aller Leidenden." Amelie hatte einige Gläser mit schäumendem Sect gefüllt und reichte sie den Männern zum Trünke. „Zum Wohle NauhrimS!" sprach Dr. Bode, „auf daß Nauheim unter seinem neuen, herrlichen Wahrzeichen, seiner Quelle, fort unb fort blühen möge und gedeihen! Wir aber wollen diese große Stunde fests in unser Gedächtniß einprägen, damit sie frisch und lebendig bleibt bis zu unserer letzten Lebensstunde." Die Gläser klangen zusammen. Draußen fiel indeffen der Schnee, die weißen Sendboten des Himmels, zur Erde nieder und der Lärm vieler Menschen, die alle kamen, das großartige Christgeschenk zu bewundern, drang herauf. Mit Blitzesschnelle hatte sich in Nauheim die Kunde von dem hoch- ersreulichen Ereigniß verbreitet und bald war die ganze Ein« wohnerschast an der Quelle versammelt. Durch den Lärm der freudig erregten Menge drang plötzlich das ferne, gedämpfte Schellengeklingel eines Wagens. Der Ton kam näher und näher und jetzt Härte man, wie der Wagen vor dem Badehause hielt. Mit leuchtenden Augen fuhr Eckehard in die Höhe und blickte nach Amelie. „Melie, — meine Mutter!" Aber daS junge München war schon zur Thüre geeilt und öffnete sie schnell. Eine schwarz gekleidete Frau erschien an AmelienS Seite auf der Schwelle. „Dort," sagte Amelie und deutete glücklich nach Eckehard, der sich halb aufgerichtet hatte. Da eilte die Mutter zu ihrem Kinde, umfaßte und küßte efl stürmisch. „Mutter," sprach Eckehard, „Du bist gekommen — bet diesem furchtbaren Wetter." „O, mein Kind, ich habe nicht auf daS Wetter geachtet. Ach, der Wagen ging so langsam! Aber jetzt, da ich bei Dir bin, wird eS Dir sicherlich bald, bald besser gehen, nicht wahr?" „Ja, Mutter, sicherlich/ die herrliche Quelle ist ja vor einer Stunde — vor meinen Augen aus der Erde gekommen, wie kann ich da jetzt noch sterben. Hast Du denn nicht dort nach der Wiese geblickt, Mutter?" Die Mutter hatte noch keinen Blick gehabt für daS seltene Naturschauspiel/ jetzt erst sah sie danach und Eckehard sprach zu ihr: „Mutter, mein Herz hätte heute ausgehört zu schlagen, aber in entscheidender Stunde trat daS große, herrliche Wunder ein, da flammte meine erlöschende Seele auf und gab meiner Natur die Kraft, sich mächtig aufzuschwinge» und dem Herzen neuen LebenSdrang zu spenden. Mutter, ich werde genesen und wir alle werden diese große Stunde niemals vergeffen." Am Abend des großen TageS konnte Dr. Bode der glücklichen Mutter die feste Versicherung geben, daß baß Leben ihres Sohnes wie durch ein Wunder gerettet sei. Unten auf der Wiese vor dem Badehause strömten fortwährend unzählige Menschen von Nauheim und der Umgebung in großen Schaaren dem Orte zu, an welchem die gütige Natur eine neue Wohlthat der Menschheit gespendet hatte. Während Kopf an Kopf die Menge vor dem gewaltigen Sprudel stand, der ihr auf unerwartete Weise die Größe und Herrlichkeit der Erde und ihrer verborgenen ShäfU offenbaret hatte, eilte die Nachricht von diesem für Nauheim unschätzbaren Christgeschenk bereits durch Eilboten in die nahen großen Städte und von dort verkündeten die Zeitungen das große Ereigniß bis in die fernsten Lande. Im BadehauS aber gelobten sich der durch den Durchbruch der Quelle so wunderbar gerettete Eckehard und Amelie vor Müttern und Freunden Liebe für daS Leben ß Eckehard ist durch die Bäder des herrlichen Sprudels ganz genesen und verheirathete sich später mit Amelie. ES hat darüber und um seine Existenz manchen Kampf gegeben, aber ein Mensch, der dem Tode so nahe in das Auge geschaut hat wie Eckehard, deffen Seele besitzt eine höhere Lebensauffassung und ist niemals bange vor kleinlichen Erdensorgen. Verdingung Die Maurer- und Pflastcr- arbeitrn zur Ausführung erhöhter Bürgersteige sollen Dienstag, 17. April d. I, Vormittags 11 Uhr, im öffentlichen Angebotverfahren auf dem Stadtbauamte vergeben werden, nämlich: Loos I. (Sonnenstraße, Asterweg, Schottstraße) Versetzen von Bord- u. Bandsteinen rc. rd. 598 lfd. m. Loos II. (Steinstraße, Seltersweg, Kreuzplatz und Neuenweg), desgleichen, rd. 600 lfd. m. An Pflasterausbruch sind vorgesehen rd. 1608 qm. An Herstellung von Goffenpflaster 720 qm. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen auf dem Stadtbauamte offen, wohin Angebote auf vorge- fchriebenem Formular bis zum genannten Termin einzureichen sind. Gießen, 7. April 1894. Großh. Bürgermeisters Gießen. 3173 Gnauth. Verdingungen. Die Arbeiten und Lieferungen zum Ausbau neuer Straffen sollen, wie unten angegeben, Montag den 1«. April 1894, von Vormittags 10 Uhr an, auf dem Stadtbauamte im öffentlichen Angebot-Verfahren verdungen werden, nämlich: I. Moltkestraffe. Erd-, Maurer-, Zimmerer-, Schlosier-, Weiß' binder-, Pflaster- und Chausfir- arbeiten. 2. Schottstraste: Pflaster- und Lhaussirarbeiten. 3. Steinstraste: Erd«, Pflaster« nnd Chaussirarbeiten. 4. Stephanstraste: Thonzeugliefe« und Zu bevorstehender Saison und des zu 3172 Gnauth. Ieilgeöoleiies. H. A. s P Wallthorftraße 5. Zipp. Ostanlage, Blum. Lteinstraße, Egly, Brandplatz, Geisel. Ostanlage, berg-, Wiesen- und Moltkestraßc., Pläne, Arbeitsbeschreibung und rung, Maurer-, Pflaster- Chaussirarbeiten. 5. Bleichstraste: Pflaster« Chaussirarbeiten. den anerkannt billigsten Preisen. Gießen, den 31. März 1894. 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