Nr. 2SV Erstes Blatt. Dienstag den 11. December , i ■ । ■■■ 1 •Mmt **|tigtr Wachem» täglich, wM »»»«ahme bei M-Nta-t. Die Gießener ■Ktke bm Ro-eiger »AcheUtüch breimal Meßmer Anzeig er Keneral-Mnzeiger. 1894 PkitiHWyt A6«numtei»Fe*« 2 Warf 20 W »tt SrtngrrUfn. Durch bk P*ß legeg«* 2 Marl 60 Pig. Rrbacti«, t^xbttwt ■wb Yxw4nM: -chmtstraß- 3U.7. Awvnsprecher Dl. Aints- unb Attzeigeblcrtt für den Ureis Gietzen. !7' Hratisöeikage: Gießener Kamitienötätter. ^,'^^7^,.^^.»^..'^ Deutsche» Reich. p Berlin, 8. December. Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt einen Leitartikel über das Wesen der Umsturzvorlage und schreibt, eS könne nicht ausschlaggebend sein, daß die gegenchärtigen Führer einer Partei, wie der Socialdemokraten, glauben machen wollen, sie hätten eS auf nichts weniger als einen gewaltsamen Umsturz der bestehenden Ordnung ab- gesehen. Ebensowenig dürfe den Stimmen Derjenigen allzu viel Gewicht beigelegt werden, die ihren Protest gegen den „jetzt beabsichtigten Anschlag auf die Freiheit der öffentlichen DiScusston" damit zu begründen versuchen, daß sie erklären, die Freiheit der öffentlichen Meinungsäußerung sei schon jetzt in Deutschland auf das Aeußerste beschränkt. WaS schließlich den Einwurf betreffe, die socialdemokratische Bewegung würde durch ein Gesetz, wie das in Frage stehende, nicht erstickt werden, so sei das ja gar nicht die Absicht, die verfolgt werde. ES handele sich vielmehr darum, die wichtigsten Einrichtungen und Sitten, die Monarchie und die Armee, die Religion und daS Familienleben gegen Ausschreitungen einer Propaganda, die mit den Bestrebungen irgendwelcher Partei nicht das Mindeste zu thun haben, besser zu schützen als bisher. Berlin, 8. December. Die „Kreuzzeitung" bespricht in ihrer heutigen Abendnummer die Umsturzvorlage und entwirft die Grundzüge des Gesetzentwurfs. Man werde, schreibt daS genannte Blatt, soweit sie eine Strafverschärfung enthalten, vom conservativen Standpunkte aus gegen seine Vorschläge nichts etnwenden können. Bon seinen Wirkungen als Gesetz sei nur wenig zu erwarten. Die Socialdemokratie werde Mittel finden, die Klippen des Gesetzes zu umschiffen, ohne daß sie nöthig habe, mit ihrer Agitation nachzulasien. Die Unzufriedenheit werde bestehen bleiben, so lange die menschliche Arbeitskraft ausschließlich in den Dienst des Eapitals und der Börse gestellt sei. Nur wirkliche, von christlichem Geiste getragene sociale Reformen könnten Befferung bringen. Berlin, 8. December. Die russische Regierung verordnete dem „Reichsanzeiger" zufolge die Ausführung des Artikels 12 des deutsch-russischen Hand elsvertragS, wonach ausländische Handlungsreisende beim Betreten des russischen Gebietes verpflichtet find, im Grenzzollamt einen CommiS- schetn erster Klaffe zu lösen,- als Waarenproben eingeführte Gegenstände werden zollfrei herein- und herauSgelaffen unter der Bedingung, daß diese Gegenstände, wenn unverkauft, innerhalb einer sechsmonatlichen Frist wieder ausgeführt werden. Zur Reise nach Rußland auSgefertigte Pässe ausländischer Juden, welche Handluogsreisende sind, werden Seitens der russischen Eonsulale visirt, nachdem diese Commis eine Bescheinigung ihrer Firmen eingereicht haben. Ein ausländischer Jude darf während der Paßfrist die Grenze mehrfach passiren. Berlio, 8. December. Das Staatsministerium trat heute Nachmitlatz 2 Uhr unter dem Borsitz des Ministerpräsidenten Fürsten zu Hohenlohe in deffen Amtswohnung zu einer Sitzung zusammen. Berlin, 8. December. An der gestrigen Sitzung des Staatsministeriums nahmen wtederum die Staats- secretäre deö Reichsschatzamts und des RetchsjustizamtS, Graf Posadowsky und Nieberding Theil. Dagegen war StaatSminifter v. Bötticher durch Krankheit verhindert. Die Sitzung dauerte von 2 bis nach 6 Uhr. Ausland. Pari«, 8. December. Mehrere Blätter schreiben in ihren Nachrufen für Lesseps, der Name deS Letzteren werde In der Geschichte Frankreichs eine der ersten Stellen einnehmen infolge der Verdienste, welche sich der Verstorbene mit dem Bau deS Suez-Canals erworben habe. Neueste Nachrichten. Depeschen deS Bure« ,$xroQ)'. Berlin, 9. December. DaS Präsidium des Reichstages ist heute Mittag im Neuen Palais zu Potsdam vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen worden. Der Kaiser begrüßte die Herren ausS freundlichste und freute sich über ihre Wiederwahl. Man kam sodann auf die erste Sitzung im neuen Reichstagshause zu sprechen. Der Kaiser bezeichnete den tumultuösen Borgang als sehr bedauerlich, er erblicke aber darin keine gegen seine Persönlichkeit gerichtete Demonstration, alS vielmehr eine schwere Beleidigung der parlamentarischen Institution, insbesondere deS Reichstages selbst, der durch ein solches Borgehen schwer verletzt werde. Ein derartiger Vorgang könne die Erledigung der Umsturzvorlage nur fördern. Die weiteren Unterhandlungen berührten vor- nehmltch landwirthschaftliche Angelegenheiten. Ferner theilte der Kaiser mit, daß nach ihm zugegangeuen Berichten in Rußland die Landwirthschaft lebhafte Klage führe über die Wirkungen deS deutsch-russischen Handelsvertrages, dieser für uns also Vortheilhaft sein müffe. Schließlich wurde daS Präsidium von der Kaiserin empfangen.____________________ Äetriebsübergabe des Queckborner Wasserwerks der Stadt Gießen. Gießen, 9. December 1894. Die vorgestern stattgehabte feierliche Betriebsübergabe des Queckborner Wasser Werks hatte folgenden Verlauf: Um 9*/4 Uhr versammelten sich im Sitzungssaale der Stadtverordneten - Versammlung die städtischen Behörden, die Erbauer des Werks, die Herren Stadtverordneten und eine Anzahl Ehrengäste, darunter die Herren Provinzialdirector Freiherr v. Gag ern, der derzeitige Rector der Universität Profeffor Dr. Gaffky, Oberst und Regiments-Commandeur v. Rosenberg, Medicinalrath Dr. Foll eniuS u. A. m. Eine große Anzahl von Bauplänen undConstructtonSzetchnungen waren daselbst ausgelegt und gab Herr Oberingenieur P. Schmick zunächst einen Ueberblick über Wafferversorgungs- wesen im Allgemeinen, dann über die gesammte neue Waffer- werksanlage, sowie über die wichtigsten Einzelheiten. Hiernach lud Herr Oberbürgermeister Gnauth die Festtheilnehmer zu der Besichtigung der auf dem Verwaltung-- bureau deS GaS- und Wasserwerks angebrachten Apparate ein. ES waren dies die Druckmesser für das Hochdruck- und das Niederdruckgebiet, deren erster 6, der zweite ungefähr 23h Atmosphären Druck registrirte, ferner die beiden Wafferstandsanzeiger für den Hochdruckbehälter und für den Niederdruckbehälter, welche durch eine in letzteren angebrachte elektrische Anlage in Betrieb gesetzt werden und jederzeit den Waffervorrath anzeigen, auch die Veränderung desselben innerhalb der 24 Tagesstunden durch ein Uhrwerk graphisch darstellen. Hierauf wurde aus dem vor dem Gaswerk befindlichen Hydranten zunächst ein Nteder- druckstrahl und nach stattgehabter Umstellung der betreffenden Schieber ein Hochdruckstrahl gezeigt, um die wesentlich höhere Wirkung des letzteren darzustellen. Der frei springende Wasserstrahl, welcher aus einem im Garten des Gaswerks improvi- sirten Spring-Brunnen mittelst Hochdrucks hergestellt wurde, erreichte die stattliche Höhe von über 25 m, noch 5 m höher als der Kamin des Gaswerks. Hierauf fuhren die Festgäste in 12 Wagen dem Queckborner Wafferwerk entgegen, zunächst an dem Schieberschacht an der Gabelung der Grünberger- und Licherstraße vorüber, in welchem neben anderen der Verbindungsschieber eingebaut ist, durch dessen Oeffnen erforderlichen Falls der Hochdruck in das Niederdrucknetz eingeleitet wird. An der Kaserne wurde Halt gemacht, um den Hochdruckstrahl zu beobachten, welcher aus einem bis auf das Dach der Kaserne geführten Schlauch entnommen wurde und das Dach noch um etwa 10 m überstieg, sodaß die Gesammthöhe von der Straße aus zuzüglich der Terraffe etwa 45 m betrug. — Ablaßschieber und Luftventile längs der ganzen. Rohrleitung waren unterscheidbar durch Fähnchen markirt. — Am Hochdruckbehälter angekommen, sand man denselben in seinem Aeußeren mit Fahnen, Wappen und Guirlanden geschmückt, worauf die Festgäste mit einem „Glückauf" zur inneren Besichtigung des Hochbehälters eingeladen wurden. Nachdem dieselben 7 Kammern durchschritten, wurden sie durch den erhebenden Gesang der Motette-. „Der Herr ist groß in seiner Macht und ewig bleibt sein Ruhm" durch den unter der Leitung des Herrn Lehrer Görlach stehenden, 68 Mitglieder zählenden Knabenchor auf das freudigste überrascht. Nach Schluß dieses Gesanges traten die Besucher in die letzte, achte Kammer, welche sich in reicher Ausschmückung und Beleuchtung darbot. Das Einlaufrohr war durch ein sinnbildliches Gemälde in Zusammenhang gebracht mit den Arbeiten der Quellfaffung und Wasserförderung, welche im Bilde dargestellt wurden durch geschäftige Berggeister. DaS Waffer, welches angelaffen wurde, sprang auS diesem Bilde heraus, während sich in der Ferne die Umgebung von Gießen zeigte. Der Wunsch, welchen die Berggeister und auch alle Besucher deS Behälters dem Waffer mit auf den Weg geben, lautete: Queckborns Waffer möge fließen Segenspendend unsrem Gießen! Nach einem weiteren, weihevollen Bortrag deS Knaben- chorS: „Hebe Deine Augen auf zu den Bergen, von welchen die Hilfe kommt" u. f. w., u. f. w., verließ die Festversamm- I lang diesen wichtigen Constructionstheil der Anlage, am weiter zu fahren, an der AuSlaufkumwer an der GanSbmc vorüber hinunter nach Reiskirchen, woselbst eine Unterführung an der Wieseckbrücke, eine EntlüftungS- und eine Waffer- ablaßvorrichtung besichtigt wurden. Bon da ging eS hinauf zur geschmückten ersten AuSlaufkammer im Queckborner Wald, in deren Innerem der mächtige Wafferüberlauf besichtigt wurde. Nach einer kurzen Fahrt durch den Queckborner Wald erschien die WafferwerkSanlage in Queckborn in reichem Festschmucke, welcher sich bis auf den Hut des Kamins erstreckte. „Willkommen" und „Glückauf" wurden den ankommenden Festgäften von allen Anlagen zugerufen und nachdem zwischen den Gießener Festgästen und den Vertreter» der Gemeinde Queckborn — welche ihren Kirchthum beflaggt hatte — eine gegenseitige Begrüßung stattgefunden hatte, wurde zunächst der Saugbrunnen nebst Ueberlaufkammer vo» Herrn Obertngenieur Schmick an Ort und Stelle erläutert und durch einige Besucher erstiegen. Hier waren als Symbol dauernden freundschaftlichen VerhältniffeS das Wappen vo» Gießen mit dem Wappen von Queckborn (welch letzteres a»S einer Zeichnung vom Jahre 1129 entnommen ist und auf seinem Schild schon eine Darstellung der Quellen enthält) nebeneinander angebracht, vereinigt durch den Wunsch: Ströme Quelle reichen Segen, Spende Labung allerwegen, Gott befohlen fei dein Lauf! Gießen und Queckborn „Glückauf!" von da auS versammelten sich die Festgenoffen vor dem Eingang zum Maschinenhaus, woselbst Herr Oberbürgermeister Gnauth die bereits im vorigen Blatt mitgetheilte Festrede hielt. Nachdem Herr Provinzialdirector Freiherr v. G a g e r » die zunächst in Dienst gestellte Dampfpumpe unter Bictoria- donner durch Oeffnen deö Ventils in Gang gesetzt und fcteee Glück- und Segenswünschen warmen Ausdruck verliehen hatte, war die Maschine in Thätigkeit gesetzt und hiermit der Betrieb feierlich eröffnet. Von DecorationSstücken des MaschtnenhauseS hebe» «üe hier noch hervor die beiden folgenden Tafeln. Die erste heißt : In diesem Hause wohnt die Kraft, • Dte's Waffer in die Höhe schafft, ES eilt von Berg zu Thal mit Macht, Wo eS willkommen Tag und Rächt. Daneben: Unsrer Vaterstadt zum Segen Ström der Quellen reicher Lauf, Wohlgedeihen allerwegen, Gießens Zukunft: Froh Glückauf! Nach Besichtigung der Maschinen- und Dampfkeffelaulage am Werk, sowie des geschmückten Hochbehälters der OrtS- gemeinde Queckborn und nach unter großer Betheiliguug bet OrtSetnwohner stattgehabter Hydrantenprobe durch die dortige Feuerwehr war der technische Theil deS Festes abgeschloffe» und die Stunde herangekommen, für welche Herr Hotelier Weigand von hier in dem SameS'schen Saale ein „Frühstück" vorbereitet hatte, welches alle Anerkennung fand. Daß der erste Toast, welcher von Herrn Oberbürgermeister Gnauth ausgebracht wurde, dem Landesvater gewidmet war, wurde bereits int vorigen Blatte erwähnt. D«c zweite Trinkspruch, von Herrn Beigeordneten Georgi aus- gebracht, galt den Ehrengästen, sowie den Erbauern deS Werkes, den beiden Herren Schmick, ihren Ingenieuren und den übrigen Herren, welche in ihrer Dienstleistung bei demselben mitzuwirken hatten. Herr Oberingenieur Schmick dankte in humorvoller Weise für diese Anerkennung und trank auf daS Wohlergehen der Stadt Gießen. Der Rector der Universität, Herr Profeffor Dr. G af fkh , dankte NameaS der hier vertretenen Civil- und Militärbehörde für die Einladung und feierte von verschiedenen Gesichtspunkten auS, inSbesvndere vom hygienischen, das Wafferwerk, welches er in Anbetracht des guten QuellwasierS, seiner Menge und Druckhöhe als über jeden Tadel erhaben erklärte, und beglückwünschte die städtische Behörde zu der Lösung dieser Frage. Herr Director Bergen dankte der vorgesetzten Behörde Namens deS Gas- und WafferwerkS für die Erbauung der leistungsfähigen neuen Anlage, welche die Verwaltung in den Stand setze, allen billigen Anforderungen auf daS Weitgehendste zu entsprechen. Er versprach, daS Werk in alle» seinen Theilen in Schutz zu nehmen und eS mit seinen treuen Mitarbeitern zu verwalten zum Gedeihen und Segen unserer lieben Vaterstadt Gießen. Sein Hoch galt der treuen Mit- arbeit der Meister, Parliere und der tausend fleißigen Hände, die sich trotz Schwierigkeit und Unwetters bei dem Werke ; geregt haben. Herr Stadlbaumeister Branddirector S ch m a n d t feierte In humorvoller Weise daS innige Verhältnis zwischen Gießen und Queckborn als einen geschlossenen, glücklichen Ehebund, dessen Cwiltrauung Herr Oberbürgermeister Gnauth borge« nommen habe und welchem den kirchlichen Segen zu er« theilen, er den anwesenden Ortspfarrer Herrn Franz einlud. Herr Provinzialdireetor Freiherr von Gagern feierte i* seinem Hoch unsere Frauen, deren Dank er zugleich auS- sprach für das nun in reichlicher Menge für jeden Bedarf vorhandene Quellwasser. Herr Stadtverordneter Schwall gab sodann eine liebliche, poetisch-schöne Betrachtung des Wassers und feines wunderbaren Kreislaufs in Gottes schöner Natur und endigte mit einem Hoch auf die Gemeinde Queckborn und insbesondere auf deren anwesende Vertreter, die Herren Bürgermeister Schmidt und Pfarrer Franz. Herr Eommerzienrath Hcyligenftaedt widmete noch einen besonderen Trinkspruch Herrn Ingenieur Watzke, welcher mit der sprciellen Bauleitung des Werks betraut und dabei als rechte Hand der Herren Schmick überall mit größtem Eifer und treuer Hingabe bei dem Werk thätig gewesen sei, für welche Anerkennung der Gefeierte herzlich dankte. Herr Pfarrer Franz gab durch die seinerseits auSgespochenen warmen Glück- und Segenswünsche der durch das neue Wasserwerk erfolgten Verbindung zwischen Gießen und Queckborn seinen Segen. Herr Wetter besang in humoristischer Form die Mälkchen, welche das Merkchen und das Heben der Wassertröpfchen kosten zum Wohle der Geschöpfchen ausklingend in den Wunsch auf ein dauernd friedliches 53er« haltniß zwischen Gießen und Queckborn. Nachdem Seitens mehrerer Festgenossen auch die in der Wirtschaft bei Heßler zu gleichem Zwecke versammelten Meister, Parliere und Aufseher begrüßt, wurde die Heimfahrt angetreten, mit dem freudigen Bewußtsein, heute die Eröffnung eines für die Entwickelung Gießens hochbedeut- samen Werks in schönster Weise gefeiert zu haben. Localer and PeovLnzleUer» Gießen, den 10. December 1894. * Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu vom 10. December 1894. Zur Verhandlung kommt heute die Strafsache gegen Heinrich Seibert aus Wetzlar wegen Zwetkampfs mit tödtlichem Ausgang, sowie gegen Paul Klei ner aus Oels, Heinrich Gebhardt aus Alsfeld, Philipp Schick aus Jugenheim und Hermann Gräber vom Windhof bei Heuchelheim wegen Beihilfe dazu. Die Anklage vertritt der Großherzogliche Erste Staatsanwalt Dr. Glingerich, die Vertheidigung des Angeklagten Seibert führt Herr Rechtsanwalt Grünewald, diejenige des Angeklagten Kleiner Herr Rechtsanwalt Holzapfel, diejenige deS Angeklagten Gebhardt Herr Rechtsanwalt Hirschhorn, die beiden anderen Angeklagten werden von Herrn Rechtsanwalt Weidig vertheidigt. — Heinrich Seibert, Student aus Wetzlar,' 25 Jahre alt, wegen Herausforderung zum Zweikampfe vorbestraft, steht unter der Anklage, daß er am 4. August 1893 auf dem Windhof bei Heuchelheim mit dem Studenten Otto Keller aus Wetzlar einen Zweikampf mit tödtlichen Waffen ausgefochten und seinen Gegner in diesem Zweikampf gelödtet habe- Paul Kleiner, Student aus OelS (Schlesien), 27 Jahre alt, Heinrich Gebhardt, Gerichts« Accessist aus Alsield, 21 Jahre alt, Philipp Schick, Student aus Jugenheim, 27 Jahre alt, und Hermann Gräber, Wirth auf dem Windhof bei Heuchelheim, 44 Jahre alt, sind angeklagt, daß sie dem Studenten Heinrich Seibert zur Begehung des ihm zur Last gelegten Verbrechens durch Rath ober That wissentlich Hülfe geleistet haben. Die Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Der Student Otto Keller von Wetzlar hatte dem Studenten Heinrich Seibert von da im Herbst 1892 aus Veranlassung wiederholter ehrverletzender Aeußerungen über seine Person eine Herausforderung zum Zweikampf mit Pistolen überbringen lassen. Er Nphm dieselbe, wie sie gestellt war, an. Das Ehrengericht des Gießener Corps, deffen Zuständigkeit die beiden Gegner durch die Gewährung des erbetenen Waffenschutzes unterworfen waren, verwarf jedoch die gewählte Waffe im Hinblick auf Veranlassung und Umstände des Falles und entschied, daß der Zweikampf mit Säbeln „ohne Binden und Bandagen" (ohne Hemd und Brille) stattzufinden habe. Seibert traf feinen Gegner gleich im ersten Gang mit dem zweiten ober dritten Hieb auf den ungeschützten Vorderkopf und brachte ihm daselbst eine von der Mitte des Schädels nach der Mitte der rechten Augenbraue verlaufende, 15 Ctm. lange, breit klaffende Wunde bei. Der Hieb durchdrang die Weichtheile des Schädels und das Schädeldach, eröffnete die Stirnhöhle in großer Ausdehnung und verletzte die Gehirn- subftanz. Der Verletzte verstarb zehn Tage später an den Folgen der durch diesen Hieb hervorgerufenen Verletzungen. — Der Student Kleiner ist geständig, Namens des Otto Keller und bezw. des Corps Hassia zu Gießen kurz vor dem Austrag des Zweikampfes Zeit und Ort für dessen Ausführung im Sei ein mit einem Namens des Heinrich Seibert handelnden Delegirten des Corps Teutonia daselbst bestimmt, demnächst die auf Kellers Seite erforderlichen Waffen und das Ban- dagirgeräthe ausgewählt und geprüft, sowie für deren Verbringung an den Ort des Zweikampfes gesorgt und sie schließlich daselbst dem Otto Keller und seinem Seeundanten zur Ausführung des Zweikampfes zur Verfügung gestellt und gehalten zu haben. — Heinrich Gebhardt und Philipp Schick räumten ein, daß sie die beiden von dem Corps Hassia committirten Mitglieder des studentischen Ehrengerichts gewesen seien und bei der für die Duellanten maßgebenden, im Wintersemester 1892/93 zu Gießen stattgefundenen Be- rathung und Entscheidung derselben mitgewirkt hätten, durch welche die Beschaffenheit der Kampfeswaffen und die Modalitäten der Ausführung des Zweikampfes festgesetzt wurden. Hermann Gräber hatte den Tanzsaal in, seiner Wirtschaft zum Windhof bei Heuchelheim zur Ausführung des Zweikampfes der Betheiligten gegen Bezahlung überlassen. Er gab an, er habe seine Handlungsweise weder für strafbar gehalten, noch auch nach seinen Erfahrungen für strafbar halten können. (Schluß folgt in nächster Nummer d. Bl.). * * Die Eröffnung der Kunstausstellung des Kunstvereins für das Großherzogrhum im Thurmhaus am Brand wurde gestern Vormittag J/a 12 Uhr im Beisein des Herrn Staatsministers Frhr. v. Starck, des Herrn Provinzial- Direetors Frhr. v. Gagern, von Mitgliedern des Vorstandes des Gesummt- und Local-Vereins, der Stadtverordneten u. s. w. durch Herrn Oberbürgermeister Gnauth vollzogen. Mit dieser Kunstausstellung, die im Einzelnen durch die prächtigen und werthvollen Bilder, im Ganzen durch das Arrangement und die Schönheit des Ausstellungsraums einen würdigen Eindruck macht, sind die hervorragenden Institute Gießens wieder um eins vermehrt worden. Herr Oberbürgermeister Gnauth richtete an die Versammelten eine Ansprache ungefähr folgenden Inhalts: Das Haus, in welchem heute die Kunstausstellung eröffnet werde, diene, w>e seine Inschrift besage, neben dem Schutze materieller Jntereffen auch der Pflege des Schönen, und wenn er heute den Ausstellungsraum seiner Bestimmung übergebe, so dränge sich ihm auf die Erinnerung an den Act der in dieser Woche erfolgten Eröffnung des Queckborner Wasserwerks. Eine Gemeinsamkeit zwischen dem heutigen Act und dem letztgenannten bestehe darin, daß die Stadt Gießen den redlichen Willen gezeigt, auf allen Gebieten gerecht zu werden den Ausgaben eines heutigen Städtewesens- man habe gern der Kunst ein Heim geschaffen, denn die Zeit sei vorüber, wo man geglaubt, der öffentlichen Pflicht durch die Fürsorge für materielle Güter genügt zu haben- zu den Aufgaben eines modernenGemeinwesens zähle auch die Pflege des Schönen. Dem Kunstverein fei nun eine dauernde Stätte geschaffen, die Wanderung durch alle möglichen und unmöglichen Ausstellungslocale sei beendet. Die Stadlvertretung freue sich, Ver- ständniß und Anerkennung zu finden für ihre Bemühungen, der Besuch der Ausstellung wie die Zunahme der Mitgliederzahl, und zwar aus allen Kreisen, habe dies bestätigt. Ader alle Mühe und Sorge wäre vergebens gewesen, wenn uns der Halt gefehlt hätte am Kunstverein, durch ihn hätte man die Verwirklichung der Wünsche finden können, dem Verein sei die Ausstellung zu verdanken. Es sei der Stadt die hohe Auszeichnung zu Theil geworden, Se. Excellenz den Herrn Staatsminister ebenso wie andere Verwaltungsraths- Mitglieder aus Darmstadt, hier begrüßen zu können. In doppelter Eigenschaft, als Bürgermeister der Stadt Gießen und als Vorsitzender des Ortsvereins, drücke er hiermit seinen Dank und die Bitte aus, daß Se. Excellenz mit dem Raum fürlieb nehmen und denselben in dauernden Gebrauch nehmen möchte, auf daß wahr werde die Widmung am Gebäude: „Der Kunst ein Heim". — Se. Excellenz, Staatsminister v. Starck sprach hierauf: Er sei gekommen als Vertreter des Ausschusses, um einer freundlichen Einladung des Herrn Vorredners in feiner Eigenschaft als Bürgermeister und Vorsitzender des Ortsvereins folgend, an der Eröffnung der Kunstausstellung theilzunehmen. Es sei der erste Fall in Hessen, daß eine Sradt als solche der Kunst ein Heim erbaut, er wünsche deshalb, daß dieses Beispiel Nachahmung finde, er beglückwünsche die Stadt dazu, die es ermöglicht habe, daß Kunstwerke hierher gesandt werden könnten und daß sie ihren Wohlfahrtseinrichtungen ein neues Glied angereiht habe. Der Verwaltungsrath wünsche, daß durch Errichtung dieses Heims eine Quelle der Freude und der Anziehungskraft Gießens, eine Stätte der Erholung und der Ausspannung von Sorgen geschaffen sei, er hoffe, daß es hier, wie in Darmstadt zur gesellschaftlichen Gewohnheit werde, daß man sich Sonntags Vormittags hier einfinde. Persönlich befriedige ihn noch ganz besonders die propagandistische Tendenz der Veranstaltung, sie stärke das Interesse am Kunstverein und am Kunstsinn, sie erstrecke ihre Wirksamkeit auch in weitere Kreise, sogar hinaus aufs flache Land- es finden sich überall kunstsinnige Personen, und so würden auch dem Verein neue Mitglieder zugeführt- erst in der letzten Zeit seien dem Verein eine Anzahl auf dem Lande wohnender Standesherren beigetreten, ein Beweis, daß das Interesse sich auf immer weitere Kreise erstrecke. Man könne nicht einwenden, daß die Bewohner des platten Landes nichts von dem Verein hätten, es gäbe aber zum Glück auch sonst noch genug Menschen, die Sinn für Schönes und Gutes Haden, weil es schön und gut ist. Auch materiell bringe der Verein Vortheile, er verweise hierbei nur auf die alljährliche Verloosung von Gemälden, von denen auch gestern wieder ein recht erheblicher Procentsatz nach Gießen gefallen. Dadurch, daß man den auf dem Lande Wohnenden die Besichtigung von Kunstwerken ermögliche, würde der Verein gestärkt, je mehr locale Ausstellungen möglich werden, desto zahlreicher werde die Ausbreitung des Vereins. Im Emverständniß mit dem Kunstverein übernehme er das Local, er verspreche, dasselbe in regelmäßigem Wechsel mit Kunstwerken von Darmstadt aus zu versehen- er wünsche, daß das ideale Streben des Vereins sich zum Segen und zur Befriedigung der Kunstfreunde verwirkliche, daß alle sich angeregt fühlen, das Interesse für die bildende Kunst heben zu helfen, daß Alle Freude daran haben. Er drücke nochmals seinen besten Dank aus. — Die Anwesenden, Mitglieder der Stadtverordncten- Versammlung und einzelne fonfttge Vereinsmitglieder, wurden hieraus Sr. Excellenz durch Herrn Oberbürgermeister vorgestellt, und eine gemeinschaftliche Besichtigung der Gemälde vorgenommen. Wie wir schon Eingangs erwähnten, macht die Ausstellung einen noblen Eindruck, derselbe wird wesentlich gehoben durch das AuSstellungslocal, welches in seiner Ausstattung dem Zweck vollständig entspricht, dem es für die Zukunft dienen soll. Ohne Zweifel trägt das neue Heim der Kunstausstellung zu einem regen Besuch bei. Die ausgestellten Bilder sind Werke ersten Ranges. Der Raum wird durch einen großen GaS-Reflectorosen neuester Bauart erwärmt, so daß auch im Winter der Aufenthalt daselbst ein angenehmer ist. Wir behalten uns eine Besprechung der ausgestellten Gemälde im Einzelnen noch vor. * * Kunstverein. Bei der am vorigen Samstag in Darmstadt veranstalteten Verloosung von Gemälden, Kupferstichen und Kunstblättern find die nachfolgenden Gewinne auf hiesige Besitzer von Anteilscheinen gefallen. 1) 2B- Bader: „Idylle". Gewinner Professor Dr. Naumann. 4) Ditschheiner: „Schloß Planta bei Meran". Gewinner Herr Rechtsanwalt Metz. 5) 6. Mali: „Auf der Alm im Oetzthal". Gewinner Heinrich Vogt. 24) R. Warthemüller: „Friedrich der Große an der Leiche des Grafen Schwerin" (Farbendruck). Gewinner Bergwerksdirector Wilson. 32) B. 53autier: „Schwarzer Peter" (Kupferstich). Gewinner Professor Dr. Groos. 34) Robert Schulze: „Hardanger- sjord" (Kupferätzung). Gewinner Brauereibesitzer Bichler. Pr. Coucerlverein. In dem gestrigen zweiten Concert, zu dem sich eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft jeingefunben hatte, wurden Leistungen geboten, wie sie schöner und vollendeter kaum gedacht werden können, und wir gestehen gern, daß die Leitung des Concertvereins für das gestrige Programm kaum geeignetere Kräfte hätte finden können, als die Herren Max Pauer, Florian Zajic und Heinrich Grün- feld. Jeder dieser drei Herren beherrschte sein Instrument mit vollendeter Meisterschaft und verstand es, seine Vorzüge im Solo- wie im Ensemblespiel im günstigsten Lichte zu zeigen, sodaß sämmtliche Nummern des gestrigen hochinteres- sanren Programms eine ganz ausgezeichnete Wiedergabe erfuhren. Beethovens herrliches D-dur-Trio (opus 97), unstreitig eins der schwierigsten Werke der Kammermusik Ittteratur, welches den gestrigen Abend eröffnete, erfordert namentlich für den Clavierpart einen gediegenen Künstler, aber auch die Streichinstrumente sind darin nicht mit Schwierigkeiten verschont geblieben. Hochinteressant war ferner Raff'ö G-dur-Srio (opus 112)*. In der Anlage orchestral gedacht, schön und edel in Form und ausgestattet mit einer Fülle herrlichen Melodieen- reichthums bietet diese großartige Tonschöpfung ;in jedem Instrumente eine große Menge bedeutender Schwierigkeiten, zu deren Bewältigung ein Künstlerensemble wie das gestrige gehört, wenn mit der Aufführung eine nachhaltige Wirkung erzielt werden soll. Der Vortrag beider Trios war musterhaft und ließ tatsächlich nichts zu wünschen übrig. Die Aufnahme Seitens des Publikums war eine äußerst dankbare, und der Beifall steigerte sich von Satz zu Satz. Nicht minder freundlich wurden die zwischen den Trios ein» gefügten Solovorträge ausgenommen. Herr Professor Pauer erntete namentlich mit der zwölften ungarischen Rhapsodie von Liszt großen Beifall, während der Vortrag der Rubinstein'schen Barcarolle weniger Eindruck machte. Die Solostücke deS Herrn Grünfeld, Andante von Thomo, Menuett von Valentin und Vito von Popper gelangen vortrefflich, und die Ciaconna für Viloline von Bach erinnern wir uns nicht jemals in einer besseren Interpretation gehört zu haben als in der gestrigen durch Herrn Zajic. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß die Soloftücke für Cello von Herrn Pauer ausgezeichnet begleitet wurden. * * Quellwasserleitung. Das prächtige Wetter am gestrigen Nachmittag war so recht geeignet, Ausflüge in die Umgebung Gießens zu machen und so benutzten denn auch Viele die anerkennenswerter Weise gebotene Gelegenheit, die Hochwasserbehälter bei Annerod und der Gansburg, sowie das Queckborner Wasserwerk einer Besichtigung zu unterziehen. Der Eingang zu ersterem war durch Masten mit Tannengrün und dem Gießener Stadtwappen bezeichnet. Unter freundlicher Führung des Assistenten des städtischen Wafferwerks, Herrn Kuckuck, begaben sich die Theilnehmer in das mit Stearinkerzen erleuchtete Innere und verfolgten mit größter Aufmerksamkeit die Seitens des genannten Herrn gegebenen Erklärungen. Nach längerer Wanderung gelangten die Besucher in die letzte Kammer, welche durch Lampions und ein prächtiges Wandgemälde, die Quellwasserleitung Queckborn simbolisirend, von Herrn Scheich Hierselbst gemalt, becorirt war, und das Abflußrohr enthält. Mit großer Befriedigung über die empfangenen Eindrücke und dem besten Dank für die gegebenen Erläuterungen verließen die Theilnehmer das Hochwasserreservoir. Der vorgerückten Zeit wegen mußte von einer Besichtigung des bet der Gansburg be- iegenen Hochbehälters Abstand genommen werden. Wir aber wollen wünschen, daß die Devise, welche das Wandgemälde ziert: „Queckborns Quellen sollen fließen, segenbringend stets sür Gießen" in Erfüllung gehen möge. * * Nalioualliberaler Verein Gieheu. Wir machen unsere Leser nochmals auf die morgen Dienstag, den 11. d. Mts., Abends 81/* Uhr in der Restauration „Zum Andres", Sonnenstraße, stattfindende Monatsversammlung des national- liberalen Vereins aufmerksam, in der Herr Gutsbesitzer Schiente über den Bund der Landwirthe und die nationalliberale Partei sprechen wird. — Gegenüber den Behauptungen der Gegner, die sich stets bemühen, den Bund der Landwirthe als eine Organisation des conservativen Großgrundbesitzes des Ostens hinzustellen, ist es von höchstem Interesse, das Urtheil eines Landwirths von Beruf über die Ziele dieser Vertretung landwirthschaftlicher Jntereffen überhaupt, in deren Reihen in West- und Süddeutschland bekanntlich die gemäßigten Liberalen überwiegen, zu hören. — Gäste find, wie zu allen Monatsversammlungen des Vereins, willkommen. H. Allgemeine Sterbekaffe. Die „Allgemeine Sterbekasse" hielt gestern Nachmittag ihre fünfte ordentliche Generalversammlung ob. Dem vorn Vorsitzenden, Herrn Pfaff, erstatteten Geschäftsbericht entnehmen wir, daß im Laufe des Jahres 10 Mitglieder verstorben, 4 von hier verzogen sind und der Mitgliederstand z. Z. 633 beträgt, der jedoch infolge demnächst erfolgender Neuaufnahmen eine wesentliche Erhöhung erfahren dürfte. Nach der vom Kassirer Herrn Bock gegebenen Kassenübersicht betrugen die Einnahmen Mk. 3054.73, die Ausgaben Mk. 1419.38 und der Ge- sammtkassenbestand Mk. 1635.41. Bei der hierauf erfolgenden Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Seidewand als zweiter Vorsitzender, Bonarius I. als Schriftführer und Ockel als Beisitzer gewählt. In den Aufsichtsrath kamen die Herren Bock, Bonarius II., Groh, Rupp und Schneko. Unter Verschiedenem gelangte die Frage einer Erhöhung des Eintrittsgeldes, ev. Erniedrigung des Beitrags zur Sprache, was jedoch als nicht zeitgemäß vertagt wurde. Der Verein „Allgemeine Sterbekasse" kann auch diesmal wiederum mit Befriedigung auf das Ergebniß des abgelaufenen Jahres zurückblicken. • • GefellfchaftSvereiu Tietzev. Bei der am SamStog vor« genommenen Vorstandswahl wurde Herr AmtSgerichtSrath Gebhardt einstimmig zum ersten Director wiedergewählt. Neu eingetreten find in den Vorstand die Herren LandgerichtS- rath Wehner und Fabrikant Schirmer. Zaristisches. Für Gerichtsaccefüsten und Afiessoren solle« diesen Winter wieder juristische Vorträge gehalten werden. Zunächst wird Herr Landgerichtsrath Dr. Schäfer im Plenarzimmer des Landgerichts Dienstag den 11. December, Nachmittags 5 Uhr, über die Errungen- schaftSgemeinschaft nach althesfischem Recht sprechen. • * Wasserleitung. Heute Vormittag entstand am Selters- weg ein Röhrenbruch. Der Schaden konnte bald auS- gebeffert werden. • * Schlägerei. In einer Wirthschaft in der Sonnenstraße kam es in verflossener Nacht zwischen einem Arbeiter und einem Bauer zum Streit. Beide schlugen sich gegenseitig die Köpfe blutig, wobei Biergläser zum Schlagen benutzt wurden. ♦ * Wege« fortgesetzter Ruhestörung bezw. Belästigung deS Publikums wurden in verstossener Nacht drei Personen in vorläufige Haft genommen. * * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt find: Eine Lehrerinnenstelle an der kathol. Schule zu Dieburg mit einem nach dem Dicnstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1100 Mk. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-KainS- bach, Kr. Erbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Bieber, Kr. Offenbach, mit einem jährlichen Gehalte von 1000 Mk. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu HebloS, Kr. Lauterbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorendienft verbunden. Laubach, im December. Mit Beifall muß der in seiner letzten Sitzung von dem hiesigen Stadtvorstande gefaßte Beschluß, im nächsten Jahre noch einen zweiten städtischen Baum wart anzustellen, begrüßt werden. Aus städtischen sowie aus Mitteln, die der Landwirthschaftliche Verein zur Verfügung stellen wird, soll ein junger Mann eine richtige Ausbildung in einem länger andauernden Obstbaum Cursus in Friedberg erhalten und diesem soll dann gegen einen bestimmten Gehalt die Wartung einer größeren Anzahl der städtischen Obstbäume übertragen werden. Bad - Nauheim, 7. December. Das K nderhospital I „Elisabeth Haus" ist gegenwärtig von 22 meist un- | bemittelten Pfleglingen besucht. Es ist geplant, den Armen aus sreiwilligen Gaben eine kleine WeihnachtSbescheerung zu veranstalten. Vermischtes. * Berlin, 9. December. Erschossen hat sich Freitag früh aus der Pankower Feldmark beim Exerzierplatz zur einsamen Pappel ein Schloffermeister B. Der unglückliche Mann hatte bei Schwindelbauten sein kleines Vermögen eingebüßt. Seine Ehefrau hatte darüber den Verstand verloren und mußte als unheilbar geisteskrank in der Dalldorfer Irrenanstalt Aufnahme finden. Da B., ein Mann in den sechSziger Jahren, nun Nahrungsmangel litt, hat er sich aus Verzweiflung daS Leben genommen. • Xrakehuen, 5. December. Als Geschenk des verstorbenen russischen Czaren an unseren Kalser trafen auf dem hiesigen Bahnhofe 27 Stück Schwarzwild, 20 Sauen und 7 Keiler ein. Einer der größten Keiler kam leider tobt an; er maß über 2 Meter in der Länge, lieber die Heimath der schwarzen Borstenthiere berichtete der russische Forstbeamte, der den Transport begleitete, intereffante Einzelheiten. Der Wald, aus dem die Thiere gebracht worden sind, hat einen Flächenraum von mehr als 20 Ouadratmeilen. Er ist in seinen meisten Theilen Urwald, in dem noch der Auerochse haust. Das Einfangen der Thiere hat nicht geringe Mühe gemacht. 600 Treiber waren aufgeboten, und erst nach vier Tagen war die mühsame Arbeit vollbracht. Man hatte ein dichtes Gehege gefertigt und trieb die Thiere dort hinein. Doch verschiedene Male brachen die mitgebrachten Auerochsen durch das Gehege und bahnten so den eingefangenen Schweinen den Weg zur Freiheit, und die Arbeit mußte nochmals begonnen werden. Erst als man sich beeilte, an den verletzten Stellen des Geheges ein Feuer anzünben, gelang das Werk. Das Feuer hielt das Schwarzwild zurück. Aber die gefährlichste Arbeit blieb noch übrig, bas Einbringen ber Gefangenen in die bereit gehaltenen Käfige. Drei Arbeiter wurden dabei von den wildgemachten Thieren verwundet. Als Gegengeschenk sollen von unserem Kaiser Hirsche nach Rußland abgesandt werden. * Da8 Kutscher-Examtn. Aus Wien berichtet das Neue Wiener Tagblatt: Die Genoffenschaft der Wiener Einspänner hat sich vor einigen Tagen in einer Ausschußsitzung mit der Prüfungsordnung für Kutscher befaßt. Ein Wiener Kutscher, sei es Fiaker oder Einspänner, darf nämlich nicht ungeprüft durchs Leben fahren- die Realisirung des von Knabenmund so oft gehörten Wunsches: „Ich möcht' Kutscher werben", ist geknüpft an das Bestehen einer Prüfung, eines Kutscher-ExamenS, bas ganz wie die mebicinischen, auS einem „practicum" und einem „theoreticum“ besteht. DaS wpracticum", daS von einem Wiener Kutscher verlangt wird, ist eine Probefahrt, deren Resultat von polizeilichen Organen beurtheilt wird. Bei der Polizei findet auch die theoretische Prüfung statt und es scheint, daß der Ausschuß der Einspänner- genoffenschaft auch diese Theorie grau findet. Wozu, so wurde in der Sitzung ventilirt, stellt man einem Kutscher Fragen, wie: wer Goethe und Schiller, Radetzky und Laudon gewesen, oder wie die Uniformen der deutschen Garde aussehen und was die Figuren dieses oder jenes Brunnens bedeuteten. Das ist wahrscheinlich nicht buchstäblich zu nehmen, sondern es soll eine drastische Charactertstik der „mitunter verfänglichen Fragen" sein, die ein Wiener. Kutscher bei seinem Examen zu beantworten hat. Schiller und Goethe haben mit der hohen Fahrschule nichts zu thuu, dasür aber soll es nach der Anschauung der Herren Ge- noffeuschaftsvorstände vorkommen, daß ein Fremder von einem Wiener Kutscher halbe Tage lang kreuz und quer geführt wird, weil sich der Kutscher in Wien ebensowenig auskennt, wie sein Fahrgast. Das, so wünscht es der Ausschuß und der Vorsteher der Genoffenschaft, soll anders werben und kann es auch, wenn beim theoretischen Kutscher-Examen der Candidat nach entfernteren Gaffen, Straßen, Plätzen und nach der kürzesten Fahrroute dahin gefragt würde. Und auf eine falsche Antwort des Candtbaten Jobses würde dann der Durchfall und die Verweigerung der Fahrlizenz folgen. Die Genoffenschaft wünscht in diesem Sinne eine Reform der Prüfungsordnung für daS Kutscher - Examen, und der Genossenschaft der Nichtkutscher dünkt diese Sachlichkeit auch berechtigt. verehr, Land- «nd volkrwirthschaft. GrLnberg, 8. December. Fruchtpreise. Wetzend 1188, Korn X 11,16. Gerste X 9.64, Hafer \X 9,50, Erbsen X 12,00, Linsen X 00.00, Wicken X 00,00, Lein X 00.00, Kartoffeln X 0.00, Samen X 00,00. MrchttcheAnzeigen der evang. Gemeinde. Montag den 10. December, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandensaal der Johanne-kirche. Erster Brief deS Johannes, Cap.3: Ein Blick in die Zukunft des Herrn. Pfarrer vr. Naumann. Ball-Seidenstoffe v. 60 Pfg. bis 18 65 p. Mei. — foipie schwarze, weiße und farbige Henneberg» Seide von 60 Pf. bis Mk. 18.65 p. Met. glatt, gestreift, karriert, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 ve,sch. Qual, und 2000 versch. Farben. Dessins rc.), porto- und steuerfrei Ins Haus. Muster umgehend. [8081 Seiden-Fabrik 6. Henneberg (k. k. hoa.), Zürich. Tausendfaches Lob, notariell bestät., über den Holl. Tabak von B. Becker in Seesen a. H. Ein 10 Pfd. - Beutel fco. 8 Mk. hat die Exp. d. Bl. eingesehen. 7830 Versteigerung. DkenStag de« 11. December d. I., «achmittag» 2 Uhr, »ersteigere ich im Markipl.20, dahier gegen Baar.ahlung: 1. 1 Sopha, 1 B^rticow, 1 Tisch mit Decke, 4 Oelgemälde, 3 Rohr-Stühle, 1 Spiegel. 2. 1 itisschrank, 2 Ladenschränke, 1 Theke, 1 zweithürigen Kleiderschrank, 1 Nähmaschine, 2 Sophas, 2 Verticows, 2 Frackanzüge, 1 Schlafrock, 1 weiße Flantllhose 6 Herrenh. mden. mehrere schrifist-llerische Werke und sonst Verschiedenes- Die Versteigerung ad. 1 findet bestimmt statt, ad. 2 theilweise- Bor«, 10021_______________Gerichtsvollzieher. Versteigerung Mittwoch de« 12. Deeember L I., Nachmittags 2 Udr, »ersteigere ich in meiner Amtsstube — Westanlage 11 —: 1- Verschiedenes Mobiliar. 2- 8 sttv. Taschenuhren, 2 filb. Damenvhre«, 1 Armbänder und 4 Vorstecker. Die Versteigerung sub 2 findet be- Wimmt statt. Geißler, 10043_______________Gerichtsvollzieher. Montag hm 17. 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II Course vom 8./12. I 1./12. pinof. 1 Course vom 8./11.1 1./12. |S Cour 8./12. e vo« 1./12. ätaatspapiere. Deutsche. 4 37- 37- 5 5 4 5 1 Schwed. Obl. . do....... 101.40 100.75 101.70 100.35 4 4 Lissabon. . . . Rom II—VIII 67.15 81.40 66.60 81.50 4 3 Prag-Duxl891 Raab-Oed.v.91 102.45 102.25 4 Pr.H.-Act.neue 104.20 104.20 Oest.Rdw.lül.S. 2278/4 2277, Schweiz. Eidg. v. 1889 . . . Serb.Gld.-Rts. do. Tab.-Rte. Spanische Rte. Türk. Zoll-Obl. do.convHt.6. 47- 37- 37- 37- 37- 70.2( 70.— 3'/- 4 5 4 do....... 100 99.50 104.30 104.90 101.20 158.— Gotthardbahn. Schwz. Central Schwz. Nordost Jtl. Mittelmeer Pr.HenrisLxb.) Aersinsl. Fasse in Piocentm. 184.50 133.50 127.50 93.45 100.— 183.80 128.10 92.— 98.50 4 37, 3 4 27- 3 4 D. Reichs-Anl. do....... do....... Preuß.Consols do....... do....... Bad. St.-Obl. 105.95 104.20 95.40 105.80 104.25 95.40 105.70 104.15 95.35 105.75 104.25 95.35 104.60 76.30 76.45 73.70 101.80 28.90 104.40 75.— 74.75 73.30 101.35 28.90 Buenos - Aires v. 1888. . . Liandeshri.Anl. do.S.-Braunf. do. Solms-Lich do.Jsnb.-Birst. Grfl. S.-Larch. 66.30 98.10 84'— 65.50 83.40 4 3 3 4 5 4 4 Rudolfb. Gold Jtal. gar.E.B. Livorneser. . . Sicil. v. 1891 Toscanische. . Rufs. Südwest Rjäsan; Uralsk 102.75 51.60 54.90 81.— 87.80 101.70 99.75 103.— 51.30 54.20 80.80 87.70 101.20 99.40 Goth.unk. 1903 Diverse ©bl. Buderus ®. W. Eisenb. Rtenbk. Kavk-Artiev. DtscheReichsbk. 104.60 105.05 101.20 158.20 v. 1886 . . . 106.60 106.20 1 do. Lit.D. 25.40 25.70 ■ 4 Wladikawkas . 101.60 100.20 Frankftr. Bank 162.— 161.80 4 Bad. Th. 100 . 141.95 141.90 4 Bayr. St.-Obl. 106.45 106.41 4 Ung. Gld.-Rte. 101.80 100.90 Eisenb.-Vriorit. 5 Anatolische B. 93.35 93.80 Berl.Hdlsges.. 153.— 152.10 4 Bayer. Th. 100 145.80 145.90 do. Eisb.-Obl. 104.15 104.— 4 do.Kron.-Rte. 94.85 94.70 Deutsche. 47- Portug. v. 86 . 62.70 62.— Darmst. Bank. 151.40 150.— 5 Donau-Reg. . —— - 112.— 37, Brem.St.-Anl. 47- do.E.B.Gold 104.90 104.80 4 Hess. Ludw. v. 47, do. v. 1889 . . 35.30 34.80 Deutsche Bank 171.40 169.80 37, Cüln-Minden. v. 1892 . . . —.— 102.10 v. 1889 . . . 1868/69 . . _ _ 103.60 3 Salon.-Mon. . 61.— 60.35 Disct.- Comm. 207.30 204.60 Th. 100 135.60 _ __ 37- Hamb.St.-Rte. 5 Arg. inn. Anl. 50.45 50.90 4 do.v.1874 . . 103.45 KfauLbriefe. D. Grndschuld- bank V—VI do. I—II do....... Frkf. Hyp.-Bk. Dresdner Bank 153.70 153.60 3 Madrid .... 46.10 45.90 4 »7- 5 v. 1893. . . Hess. St.-Obl. do....... Ausländische. Griech.E.B. v. 1890 .... do. Mon.-Anl. Jtal. Rte. St. 1000—4000 do....... Oest. Gold-Rte. Oest.Silb.-Rte. Port. St.-Anl. do....... 101.85 105.40 103.80 31.40 101.85 105.05 103.35 ^7- 572 4 6 5 3 do. äuß.v.1888 ChinesischeAnl. Egyptische unif. Mexic. v. 1890 do. Eisenb. . do. Silber. . 41.20 102.90 104.15 70.50 56.80 19.50 42.60 103.10 104.45 70.30 56.90 19.55 4 37- 47- 4 do. v. 1875/78 do....... Homburger!. . Pfälzer Rordb. Ausländische. 103.70 101.60 104.95 103.75 101.40 104.85 4 4 37- 4 10-1.20 101.15 " 99.50 104.20 101.15 99.— Mitteld. Cr.Bk. Oest. Erd.-Anst. Jukulstrie-Artien Nordd. Lloyd . HöchsterFarbw. 104.30 3217s 93.— 446.— 103.20 3217s 93.— 426.50 4 5 3 27- 3 Mein. Th. 100 Oesterr.v.1860 Oldenb. Th. 40 Raab-Graz 100 Türk. frs. 400 131.70 130.75 126.85 94.80 34.80 130.60 126 50 98.56 Ltij-te-Gbl. 4 Elisab.-B. stfr. 103.25 103.30 XIV..... 104.60 104 60 Bochumer Guß 134.50 133.50 SnirjiMfll. Fasse per etüct in Mk. Ansbacher fl. 7 Augsburg. „ 7 Brschw.Thlr 20 Finnländ. „ 10 Freiburg, fs.15 Mailänder „ 10 34.50 34.40 »7- 37- 37- 37- 4 37- 4 4 Kaschau Oderb. 37, 4 47- 4 4 37, 4 do....... 100.— 99.80 102.50 103.— 101.40 104.25 99.25 101.55 Dortm. Union. 57.45 56.70 3 4 47° 47= 3 85.40 50.65 101.75 81.70 36.20 26.10 84.— 50.20 101.50 81.50 36.30 26.25 Franks, v. 1893 Darmst. 88/94 Gießen .... Mainz..... Osfenb. v.1892 Wiesb. „ 1887 Worms.... 102.40 100.90 100.45 103.— 101.50 103 80 102.20 100.65 100.60 103.— 101.50 103 80 4 3 5 4 3 3 v.1891 . . . Lombardische . Lombardische . Oest. Staatsb. do....... do.I.-VIII.Em. 101.85 101.30 68.70 112.15 103.— 91.95 89.40 88.50 89.85 10L35 68.90 112.20 102.85 91.80 89.25 88.80 89.90 do. Hyp.-Cred. Ldw.Cred.-Bk. Hamburg. Hyp. do.unk. b. 1900 do....... Mein. Hyp. alte 102.50 103.— 1101.45 104.25 99.50 101.50 Gelsenk. Brgw. Harpen. Brgw. Der. Königs- u. Laura . . . Eiseub.-Artieu. Hess.Ludwigsb. 168.— 147.50 123.— 118.60 167.— 146.60 123.20 119.— 43.— 27.55 104.30 57.- 28.- 14.20 43.20 27.96 56*16 28.— 14.40 5 Rum. am. Rte. 96.60 96.45 37- Worms .... 3 37- 4 do. neue 104.40 104.40 Csac.-Agram . 215.— 2146/8 Meininger fl. 7 24.75 24.80 4 Ruff.Obl. v.80 101.30 101.25 4 Christiania . . 102.30 102.25 3 do. Erg.-Retz . do...... . Pr.H.-Act. alte 101.60 101.£0 Oest. Staatsb. do.Südb. (Sb). 3167« 903/8 316.— 89V8 Pappenh. „ 7 Aenediger L. 30 25.40 24.20 25.40 24.6