Nr« 265 Erstes Blatt. Sonnlag den 11. November Der chietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-. Die Gießener I»amikteavtL11er werden dem Anzeiger wSchmtlich dreimal bdfldtfll. Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. 1894 vierteljähriger AdonnementspreiL: 2 Mart 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mart 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zchnlstrntze Ar.7. Fernsprecher 51. Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Riegen« A-milimMttkr. । Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat October für den Lieferungsoerband Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 14,20, Heu Mk. 6,30, Stroh Mk. 4,20. Gießen, den S. November 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Melior. Gefunden: 1 Trauring, 2 Portomonnaies mit Inhalt, 1 Armband, 1 Zwicker, 1 Manschettenknopf, 1 Compaß, 1 Cigarrenspitze, 2 Spazierstöcke, 1 Taschenmesser, 1 Notizbuch, 1 Traggurt, 1 Büchermappe, 2 Damen-Negenschirme, 1 Spitzen-Halstuch, 1 Taschentuch, 1 Strumpf, 1 Gummi- schlauch und ein Sielscheit. Gießen, den 10. November 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Neueste Nacheichten. Wolff» telegraphtsche» Korrespondenz-Bureau Hamburg, 9. November. Der heute hier eingetroffene Dampfer „Persia" brachte 337 lebende Ochsen und eine Ladung geschlachteten Fleisches aus Amerika mit. Die Vieheinfuhr wurde bekanntlich am 28. October verboten. Die Thiere wurden in dem Vtehhof auf der Sternschanze untergebracht. Lübeck, 9. November. Die Kaufmannschaft bewilligte 50 000 Mk. Beitrag zu dem Garantiefonds der 1895 in Lübeck stattfindenden deutsch-nordischen Handels - undJndu- st r i e - A u S st e l l u n g. Ursprünglich waren nur 25 000 Mk. beantragt. Troppau, 9. November. Gestern Nachmittag fuhren im Eugenschachte in Peterswald 75, in Poremba 70, im neuen Schachte in Lazy 30, im Orlauer Hauptschachte 15 Prozent der Belegschaft, im Bettina-Schachte Niemand ein. In der heutigen Frühschicht fuhren im Bettina^Schachte die Hälfte, in den übrigen Schächten fast die ganze Belegschaft ein. Rom, 9. November. Crispi ist vollständig wieder hergestellt, er begibt sich morgen wieder ins Ministerium. Londou, 9. November. Das Reuter'sche Bureau erfährt, der französische Minister des Auswärtigen Hanotaux konnte beim Empfange des chinesischen Gesandten bezüglich einer Intervention der Mächte keine entscheidende Erklärung abgeben, sondern ihm nur das Wohlwollen Frankreichs aussprechen. Frankreich werde mit den anderen Mächten sich ins Einvernehmen setzen. Man glaubt, daß zwischen verschiedenen betheiligten Regierungen ein Gedankenaustausch stattfinde betreffs der wünschenSwerthen Maßnahmen, um eine Berständigung zwischen China und Japan herbeizusühren. Petersburg, 9. November. Der Schah von Persien widmet dem verstorbenen Czaren einen großen Silberkranz mit Porzellan-Blumen. — Anläßlich der Beerdigung des Czaren sollen hier 25,000 Arme gespeist werden. — In der Isaak Kathedrale wurde heute eine feierliche Seelenmeffe im Beisein des diplomatischen Corps und verschiedener Würdenträger abgehalten. Rewyork, 9. November. Nach den letzten Wahlberichten wird die republikanische Majorität im neuen Repräsentantenhause über Hundert betragen. Kalkutta, 9. November. Einer Reurermeldung zufolge ist gegen den Radscha des Tributstaates Ny aghur, Provinz Oriffa, eine Revolte avsgebrochen. Eine Compagnie Militär ist dorthin abgegangen. Shaugai, 9. November. (Reutermeldung.) Nach den letzten Nachrichten aus der Mandschurei hat sich die chinesische Armee in die Berge zurückgezogen, wo sie durch Hunger und Kälte schwer leidet. Die japanische Armee lagert bei Fungwhancheng, Halbwegs zwischen Wiju und Mukden, verfolgt aber die chinesischen Truppen nicht. Port Arthur wird von 15,000 Chinesen vertheidigt, meistens Rekruten. Man glaubt deshalb hier, daß Port Arthur nicht lange Widerstand leisten werde. Depeschen de» Bureau ,SctdQ)'. Berlin, 9. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." dementirt die Blättermeldung, wonach der Generaloberst» v. Pape in den Ruhestand treten will und durch den Chef des MilitärcabinetS, v. Hahnke, ersetzt werden soll. Berlin, 9. November. Der „Kreuzzeitung" zufolge ist die Nachricht, daß die Composition deS Kaisers, „Sang an Aegir", durch ministerielle Verfügung in den oberen Klaffen der höheren Lehranstalten zum Gegenstände einer Besprechung gemacht werden sollte, nicht zutreffend. Berlin, 9. November. Nach der „Post".ist der Gesetzentwurf über die Abänderung deS Zolltarifs dem Bundesrathe zugegangen. Berlin, 9. November. Nach der Rückkehr aus Livadia nahm heute Profeffor Leyden seine Vorlesungen wieder auf; das Auditorium begrüßte ihn stürmisch, wofür er dankte. Leyden erzählte sodann, daß seine kurze Abwesenheit ein Stück Weltgeschichte gewesen ist und ihm ewig in Erinnerung bleiben werde. Berlin, 9. November. Der Ausschuß deS Bundes der Landwirthe über die Reorganisation des Getreidehandels stellte in seinen heutigen Berathungen fest, daß der Preisstand des Getreides in Deutschland nicht mehr die Productionskosten decke und daß die Festsetzung nach dem Weltpreise den Ruin der Landwirthschaft zur Folge hätte und der letztere das Vaterland den äußeren und inneren Feinden pretSgeben würde. Nur eine Beseitigung oder Abschwächung der Handelsverträge und der internationalen Ge- treidespeculation könne hier Abhilfe schaffen. Berlin, 9. November. Wie die „Berl. N. N." hören, ist für das Justizportefeuille der Chef-Präsident deS Ober- landeSgerichts in Celle, Herr Schönstedt, in Aussicht genommen. Berlin, 9. November. Die Deputation des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-RegimentS, welche den Beisetzungsfeierlichkeiten in Petersburg beiwohnen wird, ist nunmehr bestimmt worden. Sie wird auS dem Regi- mentscommandeur Oberst von Saufin, dem Hauptmanne von Kemnitz, dem Premierlieutenant von BiSmarck und dem Feldwebel KnieSpel bestehen. Mitte nächster Woche wird die Deputation nach Petersburg reisen. Berlin, 9. November. Die deutschen Zeitungen repro- duciren eine angeblich authentische Version eines diplomatischen Gespräches zwischen dem Staatssecretär deS Auswärtigen Amtes Freiherrn von Marschall und dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Nordamerika am hiesigen Hofe General RunYon bezüglich des deutschen Verbotes der Einfuhr von amerikanischem Vieh und Fletsch. Wie man uns mittheilt, ist der erwähnte Zeitungsbericht ungenau und fehlerhaft. Der amerikanische Botschafter hat in seiner Unterredung mit dem Staatssecretär v. Marschall keineswegs in Aussicht gestellt, daß der auf den deutschen Zucker erhobene Zollsatz demnächst wieder beseitigt werde. General Runyon hat ferner nicht gehört, daß Herr v. Marschall ihm gegenüber behauptet habe, es seien thatsächlich neuerdings Fälle von Ansteckung durch TexaS-Fieber vorgekommen. Gegenüber der Meldung der Blätter, daß die Verhandlungen bereits zu einem Resultat geführt hätten und zwar zu einem negativen, hören wir, daß in Wirklichkeit die Verhandlungen zur Zeit noch im Gange find und von einem Resultate daher noch keine Rede sein kann. Frankfurt a. M., 9. November. Der Reichstags- abgeordnete Liebermann von Sonnenberg trat gestern als Redner in einer antisemitischen Versammlung auf. Nach einer Aeußerung von ihm setzt sich daS deutsche Volk aus einem Nährstand, einem Lehrstand, einem Wehrstand und einem Zehrstand zusammen; der letztere seien die Juden, die daS Vaterland an den Rand der Auszehrung gebracht hätten. Die Versammlung, welche ziemlich stark besucht war, verlief ohne nennenswerthe Zwischenfälle. Köln, 9. November. Die „Köln. Ztg." berichtet über die dem Uebertritt der Prinzessin Alix zur orthodoxen Kirche vorangegangene Ceremonie, daß, nachdem der heilige Synod auf den Wunsch des Czaren fich mit mehreren Einschränkungen einverstanden erklärt hatte, der Prinzessin eine Reihe von Erklärungen zur Unterzeichnung vorgelegt wurden, die noch Stellen enthielten, welche zu innerem Zweifel Anlaß geben konnten. Hierauf habe die Prinzessin zur Feder gegriffen, das Schriftstück kreuz und quer durchftrichen und mit fester Hand darunter geschrieben: „Ich nehme den orthodoxen Glauben an!" Barzin, 9. November. Die Abreise des Fürsten BiSmarck ist wegen Unpäßlichkeit seiner Gemahlin bis auf Weiteres verschoben worden. Königsberg, 9. November. Zehn neue Cholerafälle find neuerdings in der Provinz Ostpreußen vorgekommen, darunter ein Todesfall. Wien, 9. November. Der „Allgem. Wiener Zeitung" zufolge finden in der Umgegend von Fünfkirchen i« Herbste nächsten Jahres Kaisermanöver statt, denen auch der Kaiser von Deutschland beiwohnen wird. Anfangs September werden Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelm sich nach den benachbarten Gütern des Erzherzogs Albrecht zur Hochwildjagd begeben. Wien, 9. November. Nach einer Meldung polnischer Blätter soll in Polen eine große Aufregung herrschen, weil der Generalgouverneur Gurko den Befehl ertheilte, daß der Unterthaneneid ausschließlich in russischer Sprache geleistet und alle, welche gegen diesen Befehl fich auflehnen, verhaftet und auf das Strengste bestraft werden sollen. Thatsächlich sollen deßhalb schon zahlreiche Personen, darunter viele Geistliche, verhaftet worden sein. Der Bischof JaSzewskt in Lotkiewicz ist vom Amte suSpendirt worden. Erst feit Absendung einer Bittdepesche an die Prinzessin Alix ist die Situation erträglicher geworden. Der Eid dürfte wieder in polnischer Sprache abgenommen werden. Rom, 9. November. Der „Offervatore" veröffentlicht Artikel über den Tod des Czaren, in denen besonder» auf die mysteriöse Erkrankung und den Tod hingewiesen wird. Der Czar sei die dritte hohe Persönlichkeit, welche in de« letzten Jahren auf dieselbe Weise erkrankt und gestorben ist, wie Graf Chambord und der Graf von Paris. Der „Offervatore" fügt hinzu, daß der Verdacht berechtigt ist, ein und dieselbe Person habe hier ihre Hand im Spiele. Brüffel, 9. November. In den Gruben zu Montigny sur Sambre hat eine Explosion schlagender Wetter stattgefunden. Sieben Bergleute wurden getödtet, viele schwer verletzt. Nähere Mittheilungen fehlen noch. »rüffel, 9. November. Die Blätter besprechen mit Genugthuung die heute im Amtsblatt publicirte Verordnung, nach welcher die Fabrikation, der Transport, die Aufbewahrung von Sprengstoffen, besonders der Verkauf von Dynamit eine strenge Regelung erfährt. Petersburg, 9. November. Die Beisetzung des Czaren wird, wie bestimmt verlautet, am 18. d. MtS. stattfinden. Petersburg, 9. November. Nach dem „Regierungsboten" traf gestern per Schiff im Laufe des Nachmittags die Leiche des Kaisers in Sewastopol ein, gleichzeitig die Kaiserin-Wittwe, der Kaiser nebst Braut, der Thronfolger, die Großfürstin Xenia mit Gemahl, Großfürstin Olga und die Großfürsten Alexis und Michael. Nach der Verladung der Leiche verließ der Trauerzug Sewastopol. Petersburg, 9. November. Nach dem SectionSbefund hat die Krankheit des Czaren volle drei Jahre gedauert. Ein Herzschlag hat sein Leben beendet. Petersburg, 9. November. Gestern Nachmittag traf der Kreuzer „Pamjat Merkurija" mit der Leiche des Czaren Alexander in der Bucht von Sewastopol ein. Nachdem auf dem Anlageplatze, auf welchem ein Gerüst zur Aufnahme des Sarges aufgeschlagen war, eine Leichenmeffe stattgefunden hatte, wurde die Leiche in dem Trauerwaggon aufgebahrt. Unter Salutschüssen verließ der Eisenbahnzug Sewastopol, um die sterblichen Ueberreste des Czaren Alexander nach Moskau zu Überführen. Der Großfürst- Thronfolger trat von Sewastopol auS die Reise nach dem Kaukasus an. Petersburg, 9. November. Zur Leichenfeier werden hier 76 ausländische Fürsten und Prinzen eintreffen. Die Zahl der Kränze, welche am Sarge niedergelegt werden sollen, steigt ins Ungeheure. In Petersburg allein sollen zwanzig Centner reines Silber zu Kränzen verarbeitet werden. — ES verlautet, wegen des leidenden Zustandes der Kaiserin-Wittwe soll die Trauerseier- lichkeit abgekürzt werden. CocaUs und pr»vin>lclle». Sieben, dm 10. November 1894. DiPhtherieHeilseru«. Um Mißverständnissen vorzubeugen, theilen wir zu der in dem gestrigen Blatte enthaltenen Notiz in Betreff des Behring'schen Diphtherie- Heilserums ergänzend mit, daß das Behring'sche Mittel auch in der hiesigen chirurgischen (alten) Klinik bereits feit längerer Zeit angewandt wird. *• Theater • Verein. Der Theater - Verein hat mit der Wahl des „Tartüffe" von Moliöre zur' Eröffnung der diesjährigen Saison einen sehr glücklichen Griff gethan. Das herrliche, ewig jugendfrische Stück des großen Franzosen gehört zu den Glanznummern des Frankfurter Schauspielrepertoires und jede Rolle darin ist aufs Vortrefflichste besetzt. Dem Tartüffe gehl ein lustiger Einacter von Labiche und Legouv« voran, der alle Birtuosenkünste der bekannten Societät vorführt und die Lachmuskeln des Auditoriums fortwährend in Bewegung setzt. Wir dürfen daher einem äußerst genußreichen Abend entgegensehen. t H. Neues Theater. Durch die Aufführung von Schönthans vieractigem Lustspiel „Cornelius Boß"' ist Herr Reiners unserem letzthin ausgesprochenen Wunsch, er möge uns ein älteres deutsches Stück bringen, nachgekommen. Wir sind ihm hierfür sehr dankbar, denn er hat uns wirklich einen genußreichen Abend verschafft, zumal die Leistungen der Mit- wtrkenden mit wenigen Ausnahmen durchaus zu loben sind. Der reich gespendete Beifall bewies, daß in dieser Beziehung nur eine Stimme herrschte. Es ist daher nicht nöthig, auf Einzelheiten einzugehen, wir möchten nur Herrn Geisel rathen, mit weniger Pathos zu sprechen, und Frl. Egger angelegentlichft empfehlen, sich statt ihrer hastigen und ab- geriffenen Redeweise eine ruhige und gleichmäßige Sprache anzugewöhnen. Wenn sich die Dame bemühen wollte, zunächst recht langsam jedes Wort deutlich ausbildend zu sprechen und den Ton nicht in jedem Satze von der Höhe nach der Tiefe laufen zu lassen, würde sie sicherlich bald Resultate erzielen und zu einer natürlichen Sprechweise gelangen. — Der Besuch des Theaters hat sich ja feit den ersten Vorstellungen gebessert, ist aber trotzdem nicht rege genug, um befriedigen zu können. Da nun auch jetzt der für Theatervorstellungen ungünstige Monat December heranrückt, sieht sich die Direction Reiners, wie uns mitgetheilt wird, genöthigt, vorläufig nur eine Vorstellung wöchentlich zu geben. Eine der von uns vorausgesagten Folgen der kühlen Haltung des Publikums ist somit eingetreten. * * Neues Theater. Von der Theaterdirection wird uns mitgetheilt, daß die nächste Vorstellung Freitag den 16. d. Mts. stattfindet. * * Steins Saalbau. Die hier rühmlichst bekannten Leipziger.sConcertsänger veranstalten heute Samstag Abend eine humoristische Soiree, auf welche Alle, die ein paar vergnügte Stunden im Reiche des Humors und Gesangs verleben wollen, aufmerksam gemacht seien. * * Paoorama. Die Serie ^Eme Fahrt mit dem Schnelldampfer „Auguste Victoria" nach New York" u. s. w., ferner die Seereise nach Westindien, Cuba und Jamaika im Panorama findet großen Beifall. Diese Serie wird daher noch bis Mittwoch Abend den 14. November ausgestellt bleiben. Wir müssen gestehen, daß namentlich die Bilder von Cuba und Jamaika einen hübschen Anblick gewähren, und empfehlen den Besuch daher ganz besonders. * * Berichtigung. Nicht in den Vorstand des Zweigvereins der Gustav-Adolf-Stiftung wurde, wie wir gestern irrthümlich berichteten, am 6. d. M. Herr Oberbürgermeister Gn a ut h gewählt, sondern in den Vorstand des „H e ssi sch en Zweigvereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke". * * Unfug. Vorgestern Abend wurde von den Fortbil- dungsschülern einer Klasse im Schulhause der Schulstraße während des Unterrichts durch Pfeifen auf einem Instrument und Werfen mir Steinchen nach der Lampe Unfug verübt. Es bedurfte längere Zeit, bis es dem Lehrer gelang, einen der Thäter herauszufinden, welcher dann aber auch verhaftet und ins Polizeigefängniß verbracht wurde. Exemplarische Bestrafung wird nachfolgen. * * Diebstahl. Einem Bewohner des Kreuzplatzes wurden in letzter Zeit mehrere Flaschen Champagner aus dem. Keller gestohlen. * * Verhaftet. Gestern wurden ein Arbeiter wegen Zechprellerei, 2 Bettler und 5 Obdachlose verhaftet. Letztere, meistens Taglöhner, logirten seit einiger Zeit ohne Wissen des Eigenthümers in einer Scheune. ** Der Hochofen der hiesigen Margaretheahütte wurde heute Vormittag 10 Uhr wieder in Thärigkeit gesetzt, nachdem das Werk l9/4 Jahr wegen vorzunebmender baulicher und sonstiger Reparaturen und Veränderungen stillgestanden hatte. ** Die Generalversammlung des Thierschutz Vereius für das Großherzogthum Hessen fand am 7. d. Mts. in Vilbel statt. Der vom Schriftführer erstattete Geschäftsbericht entrollte ein erfreuliches Bild von der segensreichen Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre. Auch die Finanzlage ist eine zufriedenstellende und konnte daher wieder die unentgeltliche Vertheilung einer größeren Anzahl von Thier- schutzkalendern an die Schulen des Landes, sowie die Prä- mtirung von 27 um die Förderung des Thierschutzes besonders verdienten Gensdarmen und Polizeioffictanten beschlossen werden. ** Prämien für gute Laudwirthe. Aus Posen wird berichtet, daß der laudwirthschaftliche Provmzialveretn für 1895 beabsichtigt, Wirthschaften, die in musterhafter Weise geführt werden, zu prämiiren. Bedingung ist, daß alle Bewerber um diese Prämiirung Eigenthümer resp. Pächter von bäuerlichen Wirthschaften in den Kreisen Posen Ost und Posen-West sind. Diese Wirth- schafren dürfen nicht über 50 Hektar groß oder bei größerm Areal nicht höher als zu 600 Mk. Grundsteuer Reinertrag eingeschätzt fein. Die Besitzer resp. Pächter müssen auf den betr. Grundstücken wohnen und sie selbst bewirthschaften. Die Prämien betragen 300, 200 und 100 Mk. und erfolgt die Vertheilung derselben durch Richter aüs der Zahl der Mitglieder der Kreisvereine Posen-Ost und -West. ** Zur Vergebung öffentlicher Arbeiten schreibt die „Darmst. Ztg.": „Verschiedene während der letzten Monate erfolgte Vergebungen öffentlicher Arbeiten haben in jüngster Zeit zu Besprechungen in einzelnen gewerblichen Vereinen und Versammlungen, sowie in öffentlichen Blättern Veranlassung gegeben, und es ist dabet der Versuch gemacht worden, hierauf eine Kritik der Thätigkeit der Großherzog lichen Centralstelle für die Gewerbe zu begründen. Bei der Ausführung der Bauten, auf welche die Eingangs erwähnten , Vergebungen sich bezogen, hatte die Großh. Centralstelle jedoch weder mitzuwirken, noch war die bauleitende Behörde verpflichtet, von der ihr, bezw. der oberen Behörde zugestandenen Entschließung üher die Vergebung der betreffenden Arbeiten der mehrgenannten Centralst?lle Kenntniß zu geben. Dieselbe war aber auch hierbei gar nicht veranlaßt, die In- tereffen der inländischen Gewerbtreibenden bei den zuständigen Behörden zu vertreten, so lange ihr darauf bezügliche Klagen von Gewerbtreibenden über Vernachlässigung der Interessen des inländischen Gewerbes nicht zur Kenntniß gebracht wotden waren, wie dies thatsächlich hier zutrifft. Es entbehren deshalb jene Angriffe auf die Centralstelle für die Gewerbe ebenso jeder äußeren Veranlassung wie jeder inneren Berechtigung." ** Fürsorge für die Hiuterbliebeum von Soldaten. Das Kriegsministerium beabsichtigt, wie die „H. N. N." wissen wollen, im Wege der Gesetzgebung Fürsorge für die Hinterbliebenen der Personen des Soldatenstandes vom Range des Feldwebels abwärts, durch Gewährung von Witwen- und Waisengeld an dieselben, zu treffen. Da es an dem erforderlichen Material zur Ermittelung der dem Reiche dadurch erwachsenden Ausgaben fehlt, hätten die General Commandos Anweisung erhalten, ihnen zugestellte bezügliche Fragebogen von den zugehörigen Truppentheilen und Behörden beantworten zu lassen, um derart die erforderlichen Unterlagen zu beschaffen. ♦* Der Getreidemarkt. Berichtswoche 1. bis 8. November. Die europäischen Getreidemärkte, zumal die deutschen und englischen, standen in der letzten Woche unter dem Zeichen einer ziemlichen PreiLsteig.rung für Weizen und Roggen, denn diese beiden Getreidearten stiegen in wenigen Tagen durchschnittlich um 2 bis 3 Mk. per 1000 Kilogr. (20 Ctr.) Daran haben auch die Meldungen, daß in Amerika noch enorme Weizenvorräthe vorhanden seien, nichts geändert und scheint dadurch dargethan zu sein, daß in Deutschland und England die Getreidevorräthe nicht mehr so groß sind, als wie man bis Ende voriger Woche noch annahm. In Berlin und Leipzig kostete Weizen je nach Qualität 118 bis 136 Mk., Roagcn 108 bis 114 Mk., Gerste 92 bis 180 Mk., Hafer 107 bis 142 Mk. per 20 Centner. ** Weihuachtsseudungen »ach de» Vereinigten Staate». Durch den Anfangs October ins Leben getretenen neuen amerikanischen Zolltarif ist für eine große Anzahl von Artikeln eine nicht unbedeutende Zollherabsetzung herbeigeführt worden. Es dürfte daher wohl zu erwarten sein, daß wieder Viele den Angehörigen drüben zum Weihnachtsfeste Angebinde senden werden, was bislang wegen der höheren Zölle unterblieb. Wir nehmen Gelegenheit wegen der also zu erwartenden gesteigerten Frequenz im Postpacket-Verkehr, darauf aufmerksam zu machen, oaß sich eine frühzeitige Auflieserung der Packete 2c. schon deswegen empfiehlt, weil die erforderliche Zollabfertigung in New - York stets von längerer Dauer ist. Um ferner einer prompten und schnellen Weiterbeförderung der Sendungen sicher zu fein, empfiehlt es sich, die Route über Bremen vorzuschreiben, denn bekanntlich unterhält der Norddeutsche Lloyd auch während der Winter- monate ununterbrochen seinen Schnelldampfer - Dienst mit New Aork. __________ Ettingshausen, 8. November. Unser neu erbautes Schulhaus, das 2 Lehrerwohnungen und 2 Schulsäle enthält, ist jetzt unter Dach gebracht. Der stattliche Ban dürfte im nächsten Sommer vollendet und feiner Bestimmung übergeben werden. § Aus Oberhesseu, 9. November. Die Fl ei sch preise haben in diesem Jahre eine Höhe erreicht, die es namentlich dem Landmann bei seinen durch die Ungunst der Jahrgänge und der wirthschaftlichen Verhältnisse verm nderten Einnahmen fast unmöglich machen, das für den Hausbedarf oft nölhigste Fleisch zu erwerben. Als Ersatz für das theure Fleisch sucht man mit Recht die Kaninchenzucht zu empfehlen. Andere weisen auf die im Felde zahlreich vorkommenden Staare, sowie auch die Sperlinge, die zu jetziger Zeit eine ganz schmackhafte Speise liefern, hin. Allein wie das Interesse für die Kaninchenzucht noch mangelt, so hat man auf dem Lande auch für derartige Minimum-Brätchen, wie sie Staare und Sperlinge liefern, blitzwenig übrig. Zudem muß außer der in Frage kommenden Nützlichkeit der Staare doch fest- gestellt werden, daß ihre Anzahl immer nur eine so große ist, daß höchstens ein Jagdbesitzer Aussicht hat, an ihrem Fleische sich zu ergötzen, niemals aber können sie als Ersatz im Allgemeinen für anderes theueres Fleisch dienen. Ein solcher Ersatz wird aber auf dem Lande durch eine andere Gelegenheit geboten, aber auffallender Weise fast gänzlich unbeachtet gelassen- es ist das Wildpret. Daß Fleisch desselben ist zweifellos ebenso schmackhaft, als der Gesundheit zuträglich. Dabei ist sein Preis um ein Drittel bis die Hälfte billiger als das Rind- und Schweinefleisch. Unsere ausgewachsenen Gebirgshasen erreichen durchschnittlich ein Gewicht von 8 bis 10 Pfund, manchmal noch mehr, und sie kosten von Beginn der Jagd bis heute nur 2.50 Mk. Es stellt sich somit das Pfund Hasenfleifch auf 30 bis 35 Pg. DaS Reh ist ein sehr häufiges Wild unserer oberhefsischen Wälder und wird bei den jetzigen großen Treibjagden in Menge zur Strecke gebracht. Man verkauft das Rehfleisch per Pfund zu 45 bis 50 Psg. Trotz dieser gewiß billigen Preise für das Wildpret fällt es fast Niemand aus dem Lande ein, ein solches zu erstehen,- man läßt es fortwandern in die Städte, wo mans willkommen heißt, und bezahlt fast den doppelten Preis für oft viel minderwerthigeres Rind- und Schweinefleisch. Im Wildpret kann ein wirklicher werthvoller Hxsatz für das theuere andere Fleisch gefunden werden, möchten das unsere Landleute wohl beachten! W. Darmstadt, 8. November. Auf das s. Z. ergangene Preisausschreiben wegen Erbauung einer höheren Töchterschule gingen 190 Entwürfe ein. Das Preisgericht, das dieser Tage zusammengetreten und seit Montag mit der Beurtheilung der Entwürfe beschäftigt ist, hat sich dahin geeinigt, daß ein erster Preis nicht crtheilt werden kann, dafür werden zwei zweite resp. erste Preise aus der verfüg« baren Geldsumme des sonstigen ersten und zweiten Preises gebildet. Die Preise erhielten Frz. Kloos, Reg. Baumstr., Stuttgart mit dem Motto „Darmstadts Töchter", und Aug^ B e cf, Architect, Elberfeld, mit dem Motto „Im besten Licht", den dritten Preis erhielt Karl Röse, Straßburg, mit dem Motto „Idee". Zum Ankauf wurde weitere drei Entwürfe empfohlen. Darmstadt, 8. November. In der Sitzung Grobherzoglicher Handelskammer vom 5. November er. wurde eine Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz zur Kenntniß genommen, worin in Erwiderung einer Eingabe der Großh. Handelskammer ausgeführt wird, daß zwischen Principalen undGehilfen in Handelsgeschäften eine verträgliche Uebereinkunft stattfinden darf, zufolge deren der Gehilfe im Erkrankungsfalle in den ersten Wochen an Gehalt nur so viel erhält, daß zusammen mit dem Krankengeldbezug der volle Gehalt nicht überschritten wird. Dermifd?te$o * Berlin, 8. November. Eine kirchliche Vorbereitung der Rekruten vor Ableistung des Fahneneides hat in den hiesigen Garnisonkirchen heute Nachmittag um 2 Uhr auf Befehl des Kaisers stattgefunden. Die Mannschaften wurden compagnie- bezw. schwadronsweise nach den Kirchen geführt. Im Beisein der Generalität und der übrigen Offiziere hielten Oberhofprediger vr. Frommel und Oberpfarrer Vollmart Ansprachen an die Truppen über die Bedeutung des dem allerhöchsten Kriegsherrn zu leistenden Fahneneides. Die Feierlichkeit, die in Berlin, soweit man sich erinnert, zum ersten Male in dieser Weise begangen worden ist, dauerte bis gegen 4 Uhr. Heber die Vereidigung selbst ist noch keine cndgiltige Anordnung getroffen worden - man vermuthet indeß, daß sie am 13. und 14. d. M» im Lustgarten vor sich gehen werde. * Altenburg, 7. November. Eine Verwechselung- zweier Leichen ist hier vorgekommen. Ein Schlosser M. war im hiesigen Krankenhaus gestorben und seine Beerdigung sollte gestern stattfinden. Leidtragende und der Geistliche waren auf dem Friedhof bereits anwesend, als in der Leichenhalle die Angehörigen M's. diesen noch einmal zu sehew wünschten. Der Deckel des Sarges wurde daraufhin noch einmal geöffnet und es fand sich, daß nicht M. im Sarge lag, sondern eine andere Leiche, die aber mit den Sterbekleidern von M bekleidet war. Es blieb nichts anderes übrig, als daß der Leichenwagen zum Krankenhause zurückfuhr, damit der Umtausch der verwechselten Leichen vorgenommen werden konnce. Bis die richtige Leiche auf? dem Friedhof wieder eintraf, verging über eine Stunde. * Eine merkwürdige polizeiliche Bescheinigung konnte eine Küchenfee oorzeigen, welche sich kürzlich bei einem Kaufmanne in der Keibelstraße in Berlin um Stellung bewarb. Auf einer gedruckten Vorlage bestätigte die Polizeibehörde eines ostpreußischen Städtchens der unverehelichten Josephine N., daß sich dieselbe stets zur allgemeinen Zufriedenheit geführt und daß sich dieselbe — von socialdemokratischen Umtrieben ferngehalten habe. * Eine unheimliche Statistik bringt das Central-Verkehrs Bureau zu Luzern, wonach die Zahl der in diesem verflossenen Sommer verunglückten Bergfexe sich auf 73 Todte beläuft, ferner auf 20 erheblich Verwundete, von denen noch nicht bekannt ist, ob sie je wieder genesen werden, und endlich auf vier Vermißte, von denen bis fitzt keinerlei Spur aufzufinden war. Das Gros der Betroffenen rocirert Deutsche. • Sonderbarer Diebstahl. Die „Petersburger Gerichtszeitung" melder: Dem Besitzer eines kleinen Laboratorium- in unserer Stadt ist es gelungen, zwei Monate lang den electrischen Strom zu stehlen, der längs einer Thür dicht neben der Thiire seines Laboratoriums hinlief. Er bohrte ein Loch in die Mauer und brachte quer durch diese- einen Drahtfaden mit der Dynamomaschine in Verbindung. Schließlich wurde der Betrug aber entdecke und gegen den Dieb Anklage erhoben. * Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Aus Venedig wird gemeldet: Um 4 Uhr langte die Todesnachricht Alexanders III. hier an, um 5 Uhr reichte die Direction des Teatro Malibran ein Stück „La morte d’Alessandro66- bei der Censur ein und um 6 U^r kam es schon ungelesen, mit dem Aufführungsverbote zurück. Universitäts - Nachrichten. — In einem Dantschreiben des Kultusministers Dr. Bosse an den Rector der Königsberger Universität Dr. Gareis für die Ueberfenbung auf das Jubiläum der Albertina bezüglicher Festacten findet sich folgender bemerkenswerther Satz: Ich unterschreibe mit Freude die goldenen Worte Ihrer herrlichen Festrede über Die Pflege des Idealismus als Aufgabe unserer Universitäten und insbesondere auch der Albertina, die als ein Pionier idealer wissenschaftlicher Forschungs- und Mehrarbeit, deutscher Culturarbeit an die östliche Grenze unseres Vaterlandes gestellt wurde und die dieser großen Aufgabe in Treue gerecht geworden ist bis auf den heutigen Tag. Verkehr, £anO» mtfc Vottswirthschaft. 10. Novbr. Marktbericht. Ans dem heutigen WocherrmaM kostete. Butter pr. Md. x —.90—0,95, Hühnereier pr. Stück A, 2 Stück 15—17 A. «äse pr. St. 4—8 A, Kasematte tt. St. ö A, Srbsen or. Liter 17 A, Linsen pr. Liter 28 4* Taube» pr. Paar X 0,60-0,90, Hühner pr. Glück X 0,90-1,20, Haynev pr. St.^l 0,60—1,60, Enten pr-St.^ 1,60—i,8u, Gänse pr.Psd. 54—65, OcbfecfL pr. Pfd- 76-80 A. Kuh- u. Rindfl pr.Psd. —70H, Schweinefleisch pr. Psd. 66—76 At Kawfleisch pr. Pfd. 68-70 A, Hammelfleisch pr. Pfd. 60-70 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 3,60-5,00 x, Weißkraut pr. vtück--Zwiebeln pr. Centner 3,00—3,50 x, Much m. etter 16-20 A, Enteneier 2 ©t — A, Gänseeier — A, Zwetschen pr- Ctr X 3,00—4.00. — Ein einfaches Mittel nm das Mehl von ausgewachsenem Roggen zum Broddacken »u verwenden. Da der verflossene nasse Sommer wohl in vielen Gegenden die Land- wtrthe genöthigt bat, den Roggen ausgewachsen einzuernten, so seien Landwirthe, Müller, Bäcker, Getreide- und Mehlhändler darauf aufmerksam gemacht, daß Dr. Lehmann (ehemals Leiter der land-" wirthschafilichen Versuchsstation in Weldlitz t Sachsen) bereits im I Jahre 1858 nach vielfachen, mit auSgewachlenem Roagen angestellten 'Versuchen gesunden bat, daß, wenn man aus 2 Pfund Brod 1 15 Gramm Sal; giebt und dieses im Einteigwasser dem Mehl zu- sktzt, der Verflüssigung des Klebers, die das sogenannte Schltsfig- merbcn bewirkt, vollständig vermieden und infolge dessen ein wohlausgegangenes, gesundes und wohlschmeckeid.SBrodgewonnen werde. Lehmann wieS auch damals in der naturwissenschastltchen Sektion der Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe Brod vor, das auS ausgewachsenem Getreide gebacken und nach seiner Methode behandelt war. Es lieh nichts zu wünschen übrig, war hoch aufgegangen, die Krume war schön bell und locker. Ein anderes Brod, aas demselben Roggen, aber obne Zusatz von Salz gebacken, stellte dagegen eine ausetnandergefloffene, schlüpfrige, schwarze, seifige, gänzlich ungenießbare Masse dar. Sehrffsnaeh richten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl Loo« und I. M. Schulhof. Bremen, 6. November. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Trave, Eapitün R. Sander, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 27. October von Bremen und am 28. October von Southampton abgegangen war, ist gestern, 8 Uhr Abends, wohlbehalten in Newyork angekommen. Der Poftdampfer „Waesland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 7. November wohlbehalten in New- york angekommen. Der Postdampfer „Switzerland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 8. November wohlbehalten in Philadelphia angekommen. Citcratur ttttö Kauft — Der farbige Jllustrationsschmuck ist eineSpecialität, die von keiner deutschen Zeitschrift mehr und mit größerem Geschick gepflegt wird, als von der großen neuen Familienzeltschrist ,Aür Alle Welt" (Berlin^., Deutsches Verlagshaus Bong.LCo., Preis deS Vstrzehntagshestrs 40 Pfg.). Zeugntß hierfür gibt auch das eben erschienene 7. Heft, in dem der Artikel „Vom Tegernsee zum Gardasee" (II) ganz reizvoll mehrfarbig illustrirt ist. Aber auch da, wo nur rin Farbenton zur Verwendung kam, wie in der „Kahnfahrt einer vornehmen Araberin" (violett) oder „Durch den Bach" (dunkel- roth) ist die Wirkung eine ganz ausgezeichnete. Zu allem sind die Schwarzdruckbtlder Kunstwerke im besten Sinne des Wortes, denen wenig ähnlich Werthvolles an die Sette zu stellen ist. Aber nicht nur der Btlderschmuck ist gediegen; der Lesestoff ist vollkommen ebenso werthvoll, und besonders die Romane „Evas Erziehung" von F. v. Kapff-Essenther, „Eine Todsünde" von H. Conway und „Polypenarme" von Hans Richter verdienen als Metsterleiftungen bezeichnet zu werden. Sie behandeln Stoffe, die mitten aus dem Leben gegriffen sind und fesseln sowohl durch die Verwicklung der Handlung wie durch die vortreffliche Schreibweise. Wir empsehlen „Für Alle Welt" wiederholt aufs Wärmste. — Verschluckte Taschenmesser. Einen Fall seltener Mißhandlung des MagenS berichtet die bekannte tllustrirte Familienzeitschrift »Zur Guten Stunde" (Berlin W., Deutsches Verlagshaus Bong k Co., Preis des VterzrhntagshefteS 40 Pfg.) Es heißt zwar, daß ein guter Magen AlleS vertragen könne; aber wenn dieses alte . Wort nicht schon oft genug widerlegt worden wäre; der Messer- , verfchlucker Jakob Furrer in Zürich hätte den Beweis erbracht, daß Fremdkörper in den Magen gesuhlt werden können, die zu verdauen auch dem besten Magen nicht möglich ist. Furrer ist ein Mann von 32 Jahren, dem Arbeiterstande angehörig und dem Alkohol ergeben. Seit fünf Jahren hat er sich der sonderbaren Neigung hin- gegeben, ungenießbare Körper zu verspeisen. Zuerst verschluckte er bei seiner Arbeit als Tapezierer kleine Stahlnägel, später verschlang er als Former in einer Eisengießerei bei seiner Arbeit des Tages über 10 bis 12 Stück 1,5 Zentimeter lange Eisenstifte. Nach einigen Tagen bekam er dann öfters Würgen und Magendruck, und sah sich gezwungen, 1 bis 2 Tage seinen Sport auSzusetzen, nahm ihn aber nach Besserung der Beschwerden stets wieder auf. Im October 1893 verschluckte Furrer in Folge einer Wette um einen Liter Bier ein ein- und ein zweiklingrgeS Taschenmesser, beide geschloffen und ferner einen an beidln Enden zugespitztcn, etwa 7 bis 8 Zentimeter langen Bleistift. Beim 6 ff en von Brot wollte et dann zwei Tage lang einen stechenden Schmerz verspürt haben, sonst aber ungestört seiner Arbeit nachgegangen sein. Am 2. April 1894 war er wieder in eine Bierwette verwickelt und verschluckte in angezeLtem Zustande Taschenmesser von 10, 7 und 6Centimeter Länge, alle mit geschloffenen Klingen. Die ersten zwei Tage traten keine Beschwerden auf, dann ober kam eS zu Schweiß und Frost, Appetitlosigkeit, Ausstößen mit metallischem Geschmack und gesteigertem Durst. Am 7. April stellte sich Erbrechen ein, Steigerung der Beschwerden, völlige Arbeitsunfähigkeit und der Patient kam in die Klinik. Er wurde opertrt, und dte Aerzte sanden im Magen drei b?r verschluckten Taschenmesser vor, die sie entfernten. Tie Operation verlies glücklich und die vollständige Hellung trat ein. Ader etz dauerte keine sechs Wochen, so erschien Furrer wieder eines Nachts in angezechtern Zustande in der chirurgischen Klinik und brachte eine schriftliche Bescheinigung von Augenzeugen mit, daß tr einige Stunden zuvor wiederum zwei Taschenmesser verschluckt habe, von denen das eine drei Klingen, einen Haken und einen Korkzieher enthalte, während das andere einklingig sei! Er wurde nochmals in die Klinik ausgenommen, jedoch nicht wieder opertrt. Durch abführende Mittel gelang es, beide Messer wieder zu entfernen 1 — In gebildeten Kreisen und bei dem vornehmen Lesepublikum erfreut sich zur Zeit wohl kein belletristisches Blatt einer größeren Beliebtheit als die illustrirte Familienzeitschrift ,Unit>etfnm" (Verlag des Universum, Dresden). Und mit Recht; — denn selbst der anspruchsvollste Leserkreis wird nach Kenntnißnahme des aus- aezeichneten Inhalts eines jeden Heftes die Ueberzeugung erlangen, daß keine andere Zei schrist eine gleichgroße Anzahl werthvoller textlicher wie illustrativer Original-Beiträge für annähernd billigen Preis (50 Pfg. pro Heft) zu liefern im Stande ist. — Namen wie Ganahofer, Prof. Brugsch-Pascha, Lindau, v. Wolzogen, v. Adlers- feld-Ballestrem, Jensen, Rosegger, Trojan u. v. A. beweisen, wieder Verlag bestrebt war, nur beliebteste und hervorragendste Schriftsteller als Mitarbeiter zu gewinnen, während der vorzügliche Btlderschmuck beredtes Zeugntß für den auserlesenen Geschmack des Herausgebers, der mtt künstlerischem Verständniß die Btlderwabl trifft, ablegt. Wir unterlassen es, auf die einzelnen vorzüglichen Beiträge deS uns vorliegenden dritten Heftes des XI. Jahrganges näher einzugehen, können unteren Lesern ein Abonnement aber nur wiederholt empfehlen. Probehefte liefert jede Buchhandlung gern zur Ansicht. — Was sollen unsere Töchter lesen'? So manche Zeitschrift, die gewiß nicht ohne Bedeutung ist, eignet sich doch nickt in allen Fällen für ein sittsames junges Mädchen; Mancherlei findet sich dann, das für sie nicht nur nicht allein werthlos, sondern geradezu verfehlt erscheint. Das im Verlage von Th. Schröter in Leipzig, Lindenstraße 12 erscheinende Farnilienblattt »Das Havs- Mütterchen" hat eS sich zur Aufgabe gemacht, erzieherisch, anregend und unterhaltend gleichzeitig der deutschen Frau, wie der deutschen Jungfrau eine treue Begleiterin zu fein und sich ihr unentbehrlich zu machen. Decent und andererseits anregend geschriebene Romane wechseln mit kurzen belehrenden Artikeln, Gedichten, Räthseln, Koch- recepten und Rathschlägen aller Art. Der billige Abonnementspreis von nur 1 Mark pro Quartal ermöglicht wohl jeder Mutter, welcher der Tochter Wohl am Herzen liegt und welche derselben ein Blatt zur Hand geben will, über dessen Inhalt sie sich nicht erst selbst unterrichten muß, ein Abonnement auf dieses empfehlenswerthe Blatt. aus den Stande»an,t»regiftern der Stadt Gießen. «nkaebote. November: 5. Friedrich Silß, Taglöhner zu Laubach, mtt Maria Elisabeth« Neuß daselbst. 5. Joh. Bopp. Bauer zu Klrchhausen, mit Marie Rosa Kaiser daselbst. 6. Joh. Kreß, Portier dahier, mit Agathe Wirth, Näherin zu Aschaffenburg. 6. August Theodor Ernst, Feldwebel dahier, mit Wilhelmine Mathilde Stiehl zu Wetzlar. 6. Moritz Bastian, Fuhrmann zu Hirzenhain (DillkreiS) mtt Lina Seitz zu Hartenrod. 7. Joh. Fried. Darr, Tapezier zu Gießen, mit Therese Lina Wilhelmine Zillmann Wittwe, geb. Töteberg, zu Sonneborn. 7. Ludwig Karl Georg Martin Keil, Bäcker zu Gießen, mit Luise Auguste Christiane Lyncker hierselbst. •MdWefttmeetL November: 9. Karl Heinrich Emil Lehraiund, Lackirer dahier, mit Anna Helene Durian hierselbst. Gad-rens. October: 28. Dem Arbeiter Friedrich ßeuning eine Tochter, Louise. 30. Dem Diener WUhelm Müller VIII. eine Tochter, Lina Luise Carola Hermine. November: 3. Dem Werksührer Heinrich Haas III. ein Sohn, Theodor Karl Ludwig. 4. Dem Schuhmacher Heinrich Fuchs ein Sohn. 5. Dem Locomotioheizer Clemens Döhler eine Tochter, Raroltne Elsa. 6. Dem Briefträger Carl Kramer eine Tochter. Sdbtbnu« November: 3. Luise Friederike Siebert, 7 Monate alt, Tochter von Gastwrrth Adam Siebert dahier. 3. Adolf Weidig. 69 Fahre alt, Rentner dahier. 4. Hermann Jung, 39 Jahre alt, Maurer von Wilmenrod. 7. Wilhelmine Junker, 11 Monate alt, Tochter von Bahnarbeiter Karl Junker von Wiesick. 8. Anna Kreiling. 14 Monate alt, Tochter von Eisenbahnarbeiter Wilhelm Kreiling zu Wieseck. 8. Anna Maria Johanna Wagner, 3 Jahre alt, Tochter von Schuhmacher Johannes Wagner dahier. Anszng aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getränte. LukaSgemetnde. Den 3. November. Johann Theodor Keßler, VerwaltungS- (ccreläc zu Siegen und Katharina Klippel, Tochter des Bahnwärters Christian Klippel zu Gießen. Getanfle. MatthäuSgemeinde. Den 4. November. Dem LandgerichtSrath Hermann Sandmann eine Tochter, Elisabeth Bertha Marie Auguste, geboren den 7. Octbr. Den 4. November. J5in unehelicher Sohn, Karl Heinrich Adolph Elias, geboren den 25. September. Den 4. November. Dem Schneider Georg Hildebrandt ein Sohn, Bernhardt Georg Karl, geboren den 2. August. Denselben. Dem Schlosser^ Joseph Pvllendors-r ein Sohn, Wilhelm Emil, geboren den 22. ©iptember. Denselben. Dem Lohnkutscher Peter Wagner eine Tochter, Rosa Philippine, geboren den 29. Juli. Markusgemeinde. Den 4. jNovember. Dem Schlosser Theodor Mandler eine Tochter, Luise Wilhelmine Susanne Katharine, geboren den 24. September. Denselben. Dem Schuhmacher Adolph Schwan eine Tochter, Wilhelmine Elisabeth Katharine Anna EmUie, geboten den 20. September. Denselben. Dem Posthilfsboten Philipp Lemp eine Tochter, Auguste Emilie Philippine, geboren dev 14. September. Den 9. November. Ein unehelicher Sohn, Karl Christian, geboten den 18. October. , Denselben. Dem Heizer Karl Orbig eine Tochter, Marie Johanna Auguste Philipprne, geboren den 15. September. Lukasgemeinde. Den 4. November. Dem Dachdeckermeister Heinrich Schmoll ein Sohn, Wilhelm Karl Erich, geboren den 7. October. JohanneSgemeinde. Den 6. November. Dem Gemüsehändler Bernhard Johannes Schmidt eine Tochter, Anna Elisabeth, geboren den 28. April. »eerdt-te. Lukasgemeinde. Den 5. November. Adolf Weidig, Rentner, alt 69 Iahte, starb den 3. Novembe>. M Seidenstoffe - direkt aus der Fabrik von von Elten & Keussen, Crefeld, in jedem Maaß zu beziehen. Schwarze, farbige u. weiße Seidenstoffe, Lammte, Plüsche und BelvetS. 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Sie sind billiger, wie jedes andre Geschenk, weil sie viele Jahre halten und sogar nach längerer Zeit noch ergänzt und vergrößert werden können. Die echten Arrkrr- » Steinvarrkasten ■ sind das einzige Spiel, das in olle» Ländern ungeteiltes Lob gefunden hat, nnd,.das von allen, die es kennen, aus Überzeugung weiter empfohlen wird. Wer dieses einzig in seiner Art dastehende Spiel- und Beschäftignngsmittcl noch^ ? nicht kennt, der lasse sich von der 15 Jahre alt, wünscht bei einem tüchtigen Meister die Metzgerei zu erlernen. 9176 Heine. Weimer II., Daubringen. Offene Stellen besetzt kostenfrei der Kaufmännische Verein zu Frankfurt (Main). — Jahresbeitrag für neu eintretendo auswärtige Mitglieder Mk.5.— Einschreibegeld für stcllesuohendo Nicht- mitglieder Mk. 2,50 für 3 Monate. [5870 8889 Zitherlehrer Adolf Arnold Giessen, Dammstr. 24. Kunstgerechter Unterricht nach anerk. bester Methode. Festsaal (Cafe Leib) Sonntag den 11. November: Grosses Concert ausgeführt von der 9274 Capelle des Inf.-Regts. „Kaiser Wilhelm“ (2. Grossh. Hess.) Nr. 116 unter Leitung des Groeeh. Musikdirectors Herrn C. Krauaee. Anfang Abends 8 Uhr.________________ Entree 20 PL Festsaal CAFE LEIB. Dienstag den 13. November: I. Abonnements - Concert. 9274 Krausse, Grossh. Musikdirector. Anfang präcis 8 Uhr. Entree 50 Pfg. Die Abonnements-Liste Hegt noch an der Kasse zum Abonnement efTen. WWsMwLS ______________________________________________9237 F. Mäder» Restauration zum Pfau Amte Samstag und Sonntag: Großes Gänse-Kegeln. Mittwoch den 14. November l. I. Hieß- und Krämermarkt zu 923- Allendorf a. d. Lumda. Berger's Germania Cacao S Fabrik in Pössneck in Thüringen. ammaBMsmmaaBSBsaemMsmmHMsnmaaBSBBEsssaEBEc? Briefköpfe e etc. Coursbericht von J. Kurz & Co., Giessen, Kahuhofßraßk 63. Frankfurter Börse vom 9. November 1894. 3Vi% DeutfcheReichsanl. 103.85 3o/o Preuß. Consols 94.20 3V2% Gr. Hessische Obl. — 40/0 Stadt Darmstadt v. 1891. 103.50 4o/0 „ Worms unk. b. 1901 103.7Ö 4i/6°/o Oesterr. Silberrente 82.— 4ü/0 Ung. Gold-Rente 100.75 3;o/0 Portugiesen 26.46 6®/o Mextcaner 69.— 4% Monopol-Griechen von 1887 34.og 3f/o Oesterr. Staatsbahn v. 1885 30/0 Jtal. staatsgar. Eisenb. 87.90 4o/o Eisenb. Rentenb. Obl. 51.70 5o/o Buderus Obl. 101.20 105.— 3V2% Frankfurter Hyp. Bk. 99.30 4o/0 Frlf.Hyp.Cred.V.oerl.ä.l00°/o 102.50 4o/o DeutscheGrdsch.B.unk.b.1904 104.- 3Vs% dto. 98.70 40/0 HamburgerHyp.Bk.unk.b.1900 3V8% Preuß. Hyp. A. Bk. 4<>/o Pomm.HyP.A.Bk.unk.b.1904 4V,°/o Franks. Landw. Cred. Bk. 104.— 99.- 104.50 103.— 318.26- Darmst. Bk.-Actten Abendeonrfer 160.501 Oesterr. Credit-Actien 20 Franken-St. Engl. Sovereign- Dollar« in Gold »rttf 16.23 20.36 4.19 Seldforten *cl» 16.19 I Franz. Banknoten 20.3 l Oesterr. dto. 4.16 I Americ. Brief 81.10 163.7L 4.15V» der Stabt Omnibus Verbindung dem Bahn host 7 Nh* Morgen». Fahrpreis 10 Pfennig. 10 Uhr «lbenh». Lime A SelterSweg—«reuz—Markt—Wallthor-Marbmgerstraße. Lime B Bahnhofstraße—Markt-Reuen Bäue-Grünbergerstraße. ffiedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gieße». Dis 10 CcU«i»