Nr. 238 1894 Donnerstag den 11. October Der Hteßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener Aamltienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Generat-Anzeiger. Vierteljähriger AdonncmentsprelL r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogeir 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: zichukstraßc Wr.7. Fernsprecher 51. und Anzeigeblutt für den Ävers Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Jamitienökätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2lmitid?er Theil. Bekanntmachung, betreffend die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterieen zum Vertrieb im Großherzogthum. Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner König!. Hoheit des Großherzogs ist dem Magistrat der Stadt Schneidemühl die Erlaubniß ertheilt worden, die Loose einer zum Besten der durch das Brunnenunglück im vorigen Jahre geschädigten Einwohner dieser Stadt zu veranstaltenden Geld-Prämien« lotterte innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben. Nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verloofungsplan dürfen 330,000 Loose ä 3 Mk. ausgegeben werden und müssen 356,400 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden. Gießen, den 9. October 1894. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Der Rückgang der Getreidepreise. Das neueste Heft der Conrad'schen „Jahrbücher für Natioualöcouomie und Statistik" enthält in Tabellenform Angaben über den Rückgang der Getreidepreise, aus denen hervorgeht, daß und in welchem Maß sich dieser im Jahr 1893 gegenüber den Vorjahren und ganzen Borperioden vollzogen hat. Die Zahlen sind auS Berichten über den Handel und die Schifffahrt Hamburgs entnommen und geben den Durchschnittswerth in Mark pro Centner an nach der den Hamburger Börsenpreisen gemäß declarirten Einfuhr. Hamburg ermittelt den Werth seiner Einsuhrwaaren, wie hinzugesügt werden muß, durch Declaration, während für das deutsche Zollgebiet die Schätzungsmethode im Gebrauch ist. Die Zahlen für Hamburg können demnach Anspruch auf größte Genauigkeit machen. Die Preise für Weizen, Roggen, Gerste und Hafer stellten 1 847/50 1851/60 1861/70 1847/70 Weizen 9.72 11.47 10.93 10.95 Roggen 6.12 8.49 8.29 7.99 Gerste 7.17 8.20 8.71 8.24 Hafer 5.58 7.74 7.59 7.32 1871/80 1881/85 1886/90 1890 1891 1882 1893 Weizen 11.43 9.34 7.36 7.40 9.23 8.03 6.01 Roggen 8.49 7.65 5.54 6 36 8.65 8.44 5.11 Gerste 10.53 8.86 5.93 5.53 6.40 4.99 4.72 Hafer 8.05 7.25 5.83 6 35 6.70 5.72 6.13 Die Preise des Jahres 1893 sind demnach bte niedrigsten, abgesehen vom Hafer, der eine geringe Preissteigerung gegenüber 1892 und 1847/50 aufweist- am tiefsten ist der Weizen-, dann erst der Gersten- und Roggenpreis heruntergegangen. Ersterer hat 1871/80 fast um das Doppelte höher als 1893 gestanden. Die höchsten Preise weist überhaupt die Periode 1871/80 auf. Verglichen mit dieser, verhält sich das Sinken der Preise der vier Getreidearten tote 100: 60, während im Jahr 1892 das entsprechende Verhältntß sich weit günstiger stellt. Im Jahr 1892 war der Rückgang der Getreidepreise gegenüber der Periode 1847/80 so beträchtlich, daß sich die Preise der Periode 1847/80 zu denen des Jahres 1892 wie 100 : 78.5 verhallen, Hu den Getreidepreisen des Jahres 1893 sogar wie 100 : 61.4. Wie tief jetzt die Getreidepreise gefallen sind, das zeigt die letztere Zahl recht klar. Neueste Nachrichten. Wolffs telcgrav-ischeS Correspoudenz-Bureau. Hamburg, 9. October. FriedrichSruher Mittheilungen zufolge kehrt Fürst Bismarck bereits im Laufe des October dorthin zurück. Hamburg, 9. October. Der König von Griechenland traf heute aus Lübeck hier ein. Es verlautet hier, der König begebe sich direct nach Korfu zum Empfange des Kaisers von Rußland. Straßburg, 9. October. Zehn Soldaten des hiesigen Infanterieregiments Nr. 105 befinden sich am Typhus erkrankt im Lazareth. Budapest, 9. October. DaS Abgeordnetenhaus beschloß, daS Nuntium des Magnatenhauses, betreffend die Ablehnung deS Gesetzentwurfs über die freie Religionsübung, am 17. October zu verhandeln. — Der Budget-Voranschlag wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Rom, 9. October. Infolge deS Nachweises der Wirksamkeit der Serum-Behandlung gegen die Diphtherie Leftattete der Minister des Innern provisorisch zu ärztlichem Gebrauch die Einführung deS antidiphtherischen Serums, welches unter Controle der Doctoren Behring und Ehrlich von den Höchster Farbwerken oder von Roux in Paris hergestellt wird. Jedes andere ist ausgeschloffen. Livorno, 9. October. Gestern Abend explo dirte vor dem Hause des Industriellen Carsanti eine mit Pulver, Blei und Nägeln gefüllte bombenähnliche Tube. Durch die Explosion wurde Niemand verletzt, auch keinerlei Schaden an- gerichtet. Vermuihltch liegt ein Privatracheact vor. Petersburg, 9. October. Der „Regierungsbote" meldet ans Livadia: Das Kaiser paar machte am Sonntag Mittag eine Ausfahrt nach Aitodor zum Großfürstenpaare Alexander Michailowitsch, woselbst es gegen vier Stunden verweilte. Shanghai, 9. October. Reutermeldung. Die chinesischen Behörden blokirten die Mündung des Minfluffes bei Futschu. Die Schiffe müffen bet Sharppeak löschen. Zwei japanische Kriegsschiffe näherten sich Chefo, sie suchten vermuthlich die chinesischen Kriegsschiffe des Südgeschwaders. Die Nachricht von der Landung der Japaner in der Nähe von Port Arthur wird nicht bestätigt. Chemulpo, 9. October. Reutermeldung. Die Japaner schieben eilig, die Nordarmee nach der Mandschurei vor und befestigen gleichzeitig ihre Stellung in Korea. Sie zeigen den Koreanern die größte Rücksicht, bestrafen streng jede Ausschreitung seitens der Soldaten, welche für alles, was sie von den Eingeborenen erhalten, bezahlen müffen. Die täglichen Ausgaben für die japanische Okkupationsarmee werden auf 300,000 Arn geschätzt. Die Japaner erklären, daß die Chinesen, als sie sich in der Umgegnud von Söul befanden, große Grausamkeiten begangen hätten. Im Hafen von Chemulpo befinden sich 14 japanische Transportschiffe- sett dem 27. September landeten 7800 Mann japanischer Truppen und 756 Kulis. Die Garnison von Söul ist um 4000 Mann verstärkt worden, weil ein neuer Aufstand der aufrührerischen Stämme befürchtet wird. WB. Berlin, 10. October. Das Wolff'sche Bureau meldet: Professor Leyden reist Abends nach Livadia zur ärztlichen Behandlung des Czaren. Proseffor Lehden begleitet voraussichtlich den Czaren nach Corfu. WB. London, 10. October. Reuter - Meldung aus Tientsin vom 9. October: Der britische Gesandte Oconor in Peking wurde gestern vom Kaiser in Audienz empfangen. Die Audienz dauerte lange und soll sehr herzlich gewesen sein. — Nach einer „Times"»Meldung sind 5000 russische Soldaten an der koreanischen Gr-nze gegenüber der japanischen Armee bei Hudsun aufgestellt. Deveschen bc6 Bureau »Herold*. Berlin, 9. October. Die Feier der Nagelung bezw. Weihe der für die neu errichteten vierten Bataillone bestimmten Fahnen am 17. und 18. Oktober d. I. soll aus Befehl des Kaisers in demselben Rahmen gehalten werden, wie jene im Jahre 1861, als es sich ebenfalls um Nagelung und Weihe einer größeren Anzahl von neuen Fahnen und Standarten handelte. Berlin, 9. October. Nach einer Meldung des „Berl. ^agebl." findet der entscheidende Ministerrath, welcher sich mit der Frage der Abwehr der ümsturzbestreb- ungen beschäftigen soll, voraussichtlich am nächsten Montag statt, da die Sonntagssitzungen der GesammtminifteriumS nicht mehr abgehalten werden. Berlin, 9. October. Der „Localanz." meldet zu der Angelegenheit der 183 verhafteten Oberfeuerwerkerschüler, daß eine Anzahl derselben, jedoch nur eine verschwindende Minderheit, auf freien Fuß gesetzt worden ist, nachdem sich deren Unschuld herausgestellt hatte. Berlin, 9. October. Aus sicherer Quelle wird gemeldet, daß vom Reichsgesundheitsamt bei der Regierung die Verstaatlichung des Heilserumvertriebes angeregt worden ist, indeß dürfte die Anregung aus rein practischen Gründen wenig Entgegenkommen finden. Dem Parlament soll eine Vorlage betr. die Dotirung aller staatlich geleiteten Krankenhäuser und Kliniken mit erforderlichen Mitteln zum Ankauf des neuen Diphtheriemittels zugehen. Berlin, 9. October. Nach einer officiösen Mittheilung sind die auf die Börsen re form bezüglichen Vorlagen soweit vorbereitet, daß deren Vorlegung im Reichstag in der bevorstehenden Saison sicher zu erwarten sein dürfte. Die Gruudzüge der Vorlagen sollen demnächst den Bundesregierungen mitgetheilt- werden. Berlin, 9. October. In einer vom Berliner Arbeiterverein 'gestern abgehaltenen öffentlichen Versammlung sprach Rechtsanwalt Kohn aus Dortmund gegen daS Dreiklassenwahlrecht. ES wurde die Absendung einer Petition an daS Abgeordnetenhaus und den Reichstag beschlossen, in der d e Beseitigung des DreiklassenwahlsystemS verlangt unb an deffen Stelle daß gleiche, geheime und directe Wahlrecht gefordert wird. Königsberg, 9. Octaber. Die Huldigung der Ostpreußen für den Fürsten Bismarck soll in einer Geldsammlung zwecks Gründung einer milden Stiftun g bestehen. Dieselbe wird dem Fürsten Bismarck am 1. April 1895 überreicht werden. Görlitz, 9. October. Der „Niederschlesische Anzeiger" meldet aus Trachenberg, daß der Fürst Hatzfeldt zum Statthalter von Elsaß-Lothringen ausersehen ist. Das Amt des Oberpräsidenten in Schlesien soll ihm nur zur Vorbereitung dienen. Frankfurt a. M., 9. October. Die „Frkf. Ztg." meldet aus Rom: Zwischen Zanardelli und Cavallotti ist in den letzten Tagen eine Verständigung über ein gemeinsames Vorgehen gegen die Regierung nach dem Zusammentritt der Kammer zu Stande gekommen. Jeder von ihnen wird demnächst ein neues Programm öffentlich erörtern, deffen Absicht es ist, ein freiwilliges, gesetzmäßiges Regiment wieder in Italien einzuführen. Köln, 9. October. Wie der Belgrader Corresondent der „Köln. Ztg." erfährt, haben die langwierigen Verhandlungen, welche der Pariser Gesandte Garaichanin im Namen seiner Regierung mit der Exkönigin Natalie behufs Festsetzung eines die Stellung der königlichen Eltern regelnden Abkommens geführt, sich zerschlagen. Die Exkönigin weigerte sich, die ihr gemachten Vorschläge anzunehmen- auch zeigte sich, daß sie entschieden für die Radikalen Partei ergriff, weshalb der geplante Besuch des Königs Alexander bei seiner Mutter unterbleiben mußte. Wien, 9. October. Der frühere österreichische General- consul Palitschek, der sich Unterschlagungen im Amte zu Schulden kommen ließ, ist gestern hier verhaftet worden. Budapest, 9. October. Ministerpräsident Wekerle hat in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses angekündigt, daß er, da sich die C o n t in g e n t i r un g s li st en nicht bewährten, die Spiritusfabrikation völlig freigeben und allen für das Ausland bestimmten Spiritus durch den Staat ein- lösen und zum Verkauf bringen werde. Rom, 9. October. Wie aus Mailand gemeldet wird, steht das Attentat gegen das Polizeibureau im Zusammenhang mit den letzten Anarchistenverhaftungen in Rom. Die Polizei ist der Ansicht, daß ein Complot besteht, deffen Mitglieder in ganz Italien verbreitet und sollen strenge geheime Befehle aus dem Ministerium an die Polizeipräfecten abgegangen sein. Brüffel, 9. October. An verschiedenen Straßenmauern waren heute Anschläge der konservativ-katholischen Partei befestigt, in denen durch satyrische Bilder die Abstammung der Anarchisten von den Liberalen veranschaulicht werden sollte. Auf dem ersten Bilde bedroht der Exminister Bara eine Kirche- das zweite zeigt den radikalen Abgeordneten Ferron, vor dem königlichen Palais eine Faust ballend. Aus dem dritten Bilde wird ein Haus durch die Sozialisten zerstört, während das vierte den Tanz der Anarchisten um ein durch Dynamit vernichtetes HauS darstellt. Loudon, 9. Oktober. Von zuständiger Seite wird die Meldung dementirt, da^ die europäischen Mächte in naher Zukunft in die Ereigniffe zwischen China und Japan eingreifen werden. Die Unterhandlungen bezüglich des Schutzes der europäischen Jntereffen dauern fort. Loudon, 9. Oktober. Aus Yokohama wird gemeldet, daß die japanische Flotte Chesoo eingenommen hat. — In der chinesischen Armeeverwaltung sind coloffale Unter- schlagungen entdeckt worden, die beim Einkauf von Gewehren und Munitton verübt wurden. Mehrere höhere Offiziere, die verdächtig erschienen, sind verhaftet worden. Warschau, 9. Oktober. Das Befinden des GeneraI’ gouverneurS Gurko hat sich wieder verschlechtert. Die Aerzte haben die sofortige Abreise nach Süd-Frankreich empfohlen- Gurko lehnte dieselbe aber wegen der Erkrankung des Czaren ab. Panama, 9. Oktober. Nachrichten von hier melden, daß in Granada (Nicaragua) ein grauenhaftes anarchistisches Attentat zur Ausführung gelangte. Bei einer Kaserne, die in die Luft gesprengt wurde, kamen 200 Personen umS Leben. * CocaUt uwb pVSvkmksaer.) ' Gießen, den 10. October 1894. * • Bon der Universität. Mit Statut vom 25. September 1894 ist auch an unserer Hochschule eine Einrichtung getroffen worden, die anderwärts bereits längere Zeit besteht und vielen Segen gestiftet hat. Von der Landesuniversität ist eine Kaffe errichtet worden, die den Zweck hat, erkrankten Studirenden ärztliche Behandlung und Pflege zu Theil werden zu lassen. An der Spitze steht eine Commission, bestehend aus dem Rector als Vorsitzenden, den Directoren der medict- nischen, chirurgischen, ophthalmologischen und psychiatrischen Klinik und dem juristischen Mitglied des Engeren Senats. Jeder Studirende der Landesuniversttät ist Mitglied der Kasse, wofür er einen Semesterbeitrag von 2 Mk. zu leisten hat. Hierdurch erhält er Anspruch auf Behandlung und Verpflegung in der seiner' Krankheit entsprechenden Klinik auf Kosten der Kaffe, sobald von Setten des betreffenden Directors die Aufnahme für nöthig erachtet wird. Die Studirenden haben außerdem das Recht aus unentgeltlichen Rath Seitens der klinischen Directoren oder Assistenten in den Sprechstunden, sowie auf Verabfolgung der von diesen verordneten Medikamenten aus der klinischen Apotheke auf Kosten der Krankenkaffe. Die in die Kliniken aufgenommenen Kasscnmitglieder haben das Recht auf Verköstigung I. Klaffe,- auch sollen sie — soweit der Platz reicht — Einzelzimmer erhalten. * * Oberheffifcher Geschichtsverem Gießen. Vor längerer Zett wurden in einer öffentlichen Vereinssitzung im Casö Balzer u. A. zwei geschriebene Bücher von Conr. JuftuS, dem Kalendermann vom Veitsberg vorgezeigt. Eins derselben, Occavband in Pappe mit allerlei Handzeichnungen und Text über einen damals sichtbaren Kometen und überhaupt über Kometen, saubere, schöne Handschrift ist damals irgendwie abhanden gekommen. Gütige Mittheilungen über den Verbleib des Buches werden dankend entgegen genommen auf der Universitätsbibliothek oder von Dr. O. Buchner. * * Neues Theater. Am Donnerstag den 11. October tritt Herr Alexander Otto in einem neuen Lustspiel von G. v. Moser auf. Wir wollen nicht versäumen, auf diese , Novität, die sich überall eines durchschlagenden Erfolges zu k erfreuen hatte, besonders aufmerksam zu machen. * * Neues Theater. Ueber die gestrige zweite Aufführung : des Lustspiels „Der Herr Senator" können wir im j wesentlichen nur das wiederholen, was wir schon am Montag ’ sagten. Leider fand das flotte Spiel der Darsteller vor » schlecht besuchtem Hause statt. Vor Allem verstand es auch gestern wieder Herr Alexander Otto, wie es nach der Vorstellung am Sonntag nicht anders zu erwarten war, durch sein lebensfrisches Spiel und seine glänzend sichere Darstellung zu seffeln. Gerade die Rolle des Doctor Gehring scheint seiner künstlerischen Individualität vollauf Gelegenheit zu geben, sich zu entfalten. Auch über Herrn Hacker können wir nur Lobenswerths berichten- die Correctheit seiner Auffassung sowohl, als seiner Darstellung verdient volle Anerkennung. Herr Baum blieb diesmal mehr im Character seiner Rolle; wenn sein Senator Andersen uns auch hie und da noch etwas zu derb aufgetragen schien, so war er doch im Ganzen natürlich. — Auch die Damen trugen wacker zum Erfolg des Stückes bet. Fräulein Hamm zeigte sich erst so recht in ihrem Fahrwasser, als sie die unnatürliche fischblütige Kälte der Hamburgerin ablegen durfte, dann aber gewann sie doppelt durch ihr anmuthigeS Spiel. Wenn wir auch Frau Director Rein ers in manchen anderen Rollen etwas mehr Sparsamkeit in ihren Bewegungen anempfehlen möchten, so lag doch die Lebhaftigkeit diesmal so sehr im Character der jungen Pensionsdame, daß wir die Darstellung der „Stefi" als sehr wohl gelungen bezeichnen können. Fräulein B i s ch o f f war als Sophie Petzold durchaus sympathisch. Auch die übrigen Darsteller fanden sich mit ihren Rollen gut ab. * * Streit. Ein Händler und eine Händlerin verursachten gestern Mittag in der Schulstraße einen Menschenauslauf dadurch, daß sie sich gegenseitig zankten und zwar um ein Stückchen altes Packtuch, das keine 3 Pfg. Werth hatte. Ein Strafbefehl wird die Folge des Auftritts sein. * * Befitzwechsel. Das Grundstück Grünbergerstraße 47 (Restauration Pfeil Wwe.) wurde gestern von Herrn Carl Lenz, Wirth, für den Preis von 32,000 Mark käuflich erworben. Letzterer, welcher am 15. Januar das Anwesen übernimmt, wird neben dem Wirthschaftsbetrieb auch eine Metzgerei betreiben. * * Milch Revision. Bei einer heute Vormittag abgehaltenen polizeilichen Revision wurden 20 Ltr. als zu stark gewässert befunden und beschlagnahmt. * * Ein Preisausschreiben betr. die Verwerthung der städtischen Abfall stosse hat die Deutsche Landwirthschafls- Geseüschaft in Aussicht genommen und zur Beschaffung der Mittel die Städte um Beiträge angegangen. * * Preis- und Schanfechteu. Am 6. und 7. d. M. sand in Mannheim das 15. Preis- und Schaufechten des Gauverbandes „Mittelrheinischer Fechtclubs" statt, bei welchem der Leiter der Fechtriege im Gießener Turnverein, Herr Adolph Noll, zugleich Mitglied des Butzbacher Fechtclubs, 3 Preise errang und zwar: im Fechten mit Schläger den 7., mit Floret den 10. und mit Säbel den 14.; gewiß eine anerkennenswerthe Leistung in Anbetracht dessen, daß das Fechten im Turnverein seither wenig gepflegt wurde und dieserhalb sich sehr wenig Gelegenheit zur Uebung bot. Die Betheiligung am Fechten ist in letzter Zeit eine bessere, da die Riege einen schönen Zuwachs zu verzeichnen hat. Es ist Wünschenswerth, daß eine möglichst große Zahl junger Leute diese Fechtübungen aufnähmen, wozu ihnen der Turnverein die günstigste Gelegenheit bietet. * * Fechtverbaud Gießen Lahr. Gestern Abend sand im „Kaiser Friedrich" eine recht gut besuchte Generalversammlung mit der Tagesordnung 1) Vorstandswahl und 2) Verschiedenes, statt. Außer der Wahl des Herrn Buch- acker hat das Wahlresultat im Vorstand keine Aenderungen gegeben. Derselbe verthcilt sich wie folgt: 1. Verbands- > sechtmeister Herr Pfeffer, 2. Verbandsfechtmeister Herr Nicolai, 1. Schriftführer Herr Stiasny, 2. Schriftführer Herr Buch acker, Kassier Herr Weiler. Beisitzer: Die Herren Huppert und Schlich er. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren Horn und Bast. Betreffs der Vereinsdtenerangelegenheit wurde die Erledigung derselben bis zur nächsten Generalversammlung am 30. October in den „zwölf Aposteln" verschoben. Hierauf erfolgte die Aufnahme von neun neuen Mitgliedern. * * Auszeichnung. Auf der Saatgut- und Molkerei- Ausstellung, welche am 30. September d. I. in Wetzlar stattfand, war auch die hiesige Dampfmolkerei Lahr mit ihren Producten vertreten. Herr Lahr hatte Butter in verschiedenen Aufmachungen, süße und sauere Sahne, Voll- und Magermilch ausgestellt. Die Firma wurde mit einem Diplom ausgezeichnet. * * Der Verband der Milil'är-Zuvaliden Deutschlands bereitet eine Petition an den Reichstag vor, welche die Erhöhung der Pension und Verftümmelungszulage, gleichmäßige Vergütung für Nichtbenutzung des Civilversorgungs- scheineS. Superrevision, Belassung der Pension an alle Reichsund Staatsbeamten und die bessere Versorgung der Wittwen und Waisen betrifft. * * Postpersonalnachrichlen. Es sind ernannt: Der Ober- Postdirectionssccrctär Simm er in Bensheim zum Postdirector, die Ober-Postdirectionösecretäre Elling in Mainz, Klin - kott in Offenbach (Main) und Elsässer in Worms zu Postkassirern, der Postsecretär Jungmann in Darmstadt zum Oberpostkassenbuchhalter und der Ober - Postassistent Ritzinger in Gonsenheim zum Postverwalter. Versetzt sind: Der Postsecretär Pethke von Darmstadt nach Ziegenhain (Bez. Cassel) behufs Uebernahme der Vorsteherstelle des Postamts II daselbst, der Postsecretär Wagner von Wermelskirchen nach Darmstadt, der Ober-Postassistent Schupkevon Offenbach (Main) nach Gießen, die Postverwalter Roth von Niederwöllstadt nach Lindenfels und Vogel unter Ernennung zum Telegraphenasiistenten von Lindenfels nach Darmstadt, die Pvstassistenten Schäfer von Mainz nach Londorf behufs Uebernahme der Vorsteherstelle des Postamts III daselbst und Dahmer von Lauterbach (Hessen) nach Gießen. ** Zn Amerika verstorbene Hessen. New-Aork City, N. D.: Ferdinand Oppenheimer, 41 Jahre alt, aus Groß- gerau. Brooklyn, N. A.: Joseph Wingenfetd, 54 Jahre alt, aus Heideshetm. Chicago, Jll.: Michael Grünebaum, 70 Jahre alt, aus Eppelsheim. Cleveland, O.: Christian Oßmann, 63 Jahre alt, aus Zwingenberg.- Friedberg, 8. October. In der vorletzten Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Friedberg wurde den Bezirksbauaufsehern Zörb in Friedberg, Jung in Vilbel und Metzger in Butzbach der Titel „Kreistechniker" verliehen. E. Echzell, 9. October. Das Schloß zu Bingenheim wird gegenwärtig mit einem neuen, blaugrauen Bewürfe versehen, welcher dem Gebäude und der ganzen Umgegend zur Zierde gereicht. Die Arbeit kostet mehrere Tausend Mark, der Staat thut eben viel mehr für Unterhaltung der interessanten Gebäude, als in früheren Jahren. W. Weckesheim, 9. October. Ein hiesiger Obstproduzent, der einen sehr reichlichen Ertrag an Zwetschen hat, lieferte einen zweispännigen Wagen mit 50 Gentnern Zwetschen zu 50 Mark nach Friedberg ab. Der Gentner Zwetschen frei nach Friedberg zu einer Mark geliefert, ist ein Ereigniß, wie es seit 1847 nicht mehr vorgekommen ist. Damals galt das Obst auch sehr wenig. Der Gentner Zwetschen zu einer Mark macht das Pfund zu einem Pfennig. Kürzlich wurde in dieser Zeitung darauf hingewiesen, daß dieses Jahr ein Gentner Birnen nicht mehr kostet, als ein Pfund Süßrahmbutter. Das Pfund Zwetschen zu einem Pfennig ist ein Ereigniß, welches in den Annalen des Obstbaues jedenfalls Beachtung verdient. Das Kartoffelgeschäft belebt sich etwas. Besonders gesucht sind die sogenannten „Mäuskartoffeln", welche eine schlanke, längliche Form besitzen, ziemlich fest und etwas seifig sind, wodurch sie sich vorzüglich zu Kartoffelsalat eignen. Der Doppelcentner dieser „Mäuse" wird willig mit 6 bis 8 Mk. bezahlt- sie sind nicht sonderlich reich tragend. Die Speisekartoffeln finden zu 2 Mk. 75 Pfg. bis 3 Mk. Abgang. Da dieses Jahr die Zwischenkulturen: Erbsen, Wicken u. dgl. sehr zurück sind, ergänzen die Leute den Ausfall durch Stoppelklee, welcher trefflich gediehen ist. Im vorigen Jahre gab es fast keinen Halm, die Aecker waren meistens mit Hunds' kamillen überwuchert. Worms, 8. October. Die „W. Ztg." schreibt: „Wir theilten kürzlich einen Fall von plötzlicher Erblindung eines hiesigen Einwohners mit, und allgemein war die An- theilnahme an diesem schweren Mißgeschick. Zur großen Freude können wir heute mittheilrn, daß ärztliche Behandlung den Betroffenen auf den Weg der Besserung seines Zustandes geleitet, und alle Aussicht vorhanden ist, daß das Augenlicht in voller Weise wieder zurückkehren w:rd. * Frankfurt a. M., 9. October. Ein junger Mann, der mit dem Einkleben von Jnvalidenmarken für die Stadt beschäftigt war, ist verhaftet worden. Derselbe hat gegen 1200 Mark unterschlagen. Der Verlust ist von dem aufsichtführenden Beamten gedeckt worden. • Wiesbaden, 8 October. Aus dem gesammten Taunus laufen Klagen ein über die Verheerungen, die in diesem Sommer die Raupe des Buchenspinners angerichtet hat. Ganze Buchenwaldungen sind von den gefräßigen Thieren bis auf das letzte Blättchen abgefressen. Von der Hohen Kanzel zwischen Niedernhausen und Schloßborn bis zu den l Abdachungen des großen Feldberges erstrecken sich die Ver- 1 Wüstungen. * Koblenz, 8. October. Heute Vormittag erschoß sich in seiner Stube der Sergeant und Futtermeister Klasfke vom 23. Feldartillerie-Regiment. Ueber die Beweggründe ist noch nichts bekannt geworden. * Berlin, 9. October. Die 21jährige Schauspielerin Elisabeth Mondry erdrosselte sich, weil sie sich von ihrem Liebhaber verlassen glaubte, dessen Brief erst nach ihrem Tode eintraf. * Leipzig, 6. October. Technische Sachverständige vom Reichsamt des Innern besichtigten in den letzten Tagen den rasch fortschreitenden gewaltigen Bau des neuen Reichsgerichtsgebäudes, den in wenigen Wochen die für denselben bestimmte Idealfigur krönen wird. Auf das Bestimmteste können wir versichern, daß Nachforderungen für den Bau nicht an den Reichstag gelangen werden. * Karlsruhe, 8. October. Der Schnellzug Basel- Straßburg-Frankfurt entgleiste auf der Station Germersheim. Die Locomotive ist umgekippt, Packwagen und Personenwagen mannshoch aufgethürmt. Schwere Verletzungen sind glücklicherweise nicht vorgekommen. * Mannheim, 8. October. Auf der Welt-Ausstellung Antwerpen 1894 hat die internationale Jury der Firma Heinrich Lanz in Mannheim die höchsten Preise zuerkannt, nämlich: 1. den großen Preis, höchste und einzige Auszeichnung dieser Art für Locomobilen: Klaffe 22 für industrielle Zw-.cke, Klasse 63 für Landwirthschaft; 2. den großen Prcis für landwirthschastliche Maschinen. * Brüssel, 8. October. Aus Antwerpen kommt »die Nachricht, daß Feuer im Ausstellungsv iertel Alt- Antwerpen ausgebrochen ist. — Der Brand in Alt-Antwerpen entstand in der Schenkwirthschaft neben dem Hause, wo die ältere und neuere Gemälde-Gallerie Maillard ausgestellt war. Letztere wurde gerettet. Im Ganzen sind acht Häuser abgebrannt, die linke Seite des alten Platzes. Das freuet griff außerordentlich rapid um sich. Militär und Feuerwehr waren indeß schnell an Ort und Stelle, so daß es nach, einer Stunde Arbeit gelang, das Feuer zu ersticken. * Die maßlose Verschwendungssucht eines jungen Mannes, Namens N. in Berlin, hat es fertig gebracht, das sehr bedeutende Vermögen seiner Eltern in kurzer Zeit verschwindew zu lassen. Noch bei Lebzeiten seines Vaters, der sich mit seinem Vermögen von mehr als 1 ,/2 Millionen Mark vor mehreren Jahren vom Geschäft zurückgezogen, hatte der Sohn im Laufe seines Militärjahres nicht weniger als 90000 Mk. durchgebracht. Nachdem der Vater vor 1^/z Jahren gestorben, ertheilte die Mutter, da sie krank geworden, ihrem Sohne Generalvollmacht. Dieser hat diese Vollmacht in dem Maße ausgenutzt, daß von dem ganzen großen Vermögen nichts übrig geblieben ist, und die kranke Mutter dieser Tage in das Hospital der Gemeinde, der sie angehört, gebracht: werden mußte! Die beiden Schwiegersöhne der armen kranken Frau waren, wie die „Allg. Fleischer-Ztg." mittheilt, über die Vermögensverwaltung ihres Schwagers so erbittert, daß sie, als die alte Frau von ihm aus ihrer einst prachtvollen Wohnung ins Hospital gebracht wurde, den verschwenderischem Schwager arg durchgebläut haben. ♦ Eine Automateusteuer hat die Gemeinde Zehlendorf bei Berlin eingeführt. Alle innerhalb des Gemeindebezirks ausgestellten Waaren-Automaten werden in Zukunft zu einer Angabe von 3 Mk. jährlich für jede Etnwurf-Oeffnung heran- gezogen werden, gleichviel, ob sie im Freien oder in öffentlichen Localen aufgestellt sind. Die Fahrkarten-Automaten auf den Bahnhöfen sind von dieser Steuer befreit. Die Automaten stellen allerdings einen regelrechten Gewerbebetrieb dar. * Gegen die Ueberlreler der Sonntagsruhe, speciell gegen die Inhaber von Engrosgeschäften geht die Berliner Polizei jetzt mit ganz besonderer Schärfe vor, da festgestellt ist, daß gerade in den Engrosgeschäften das Gesetz der Sonntagsruhe vielfach übertreten wird. Bei der Ermittelung solcher Eontravenienten ist die Griminalpolizei thätig, und Beamte derselben haben schon in vielen Fällen feststellen können, daß das Personal von Engrosgeschäften während der Kirchstunden arbeiten muß. Gegebenenfalls wird aber auch gegen die Angestellten einer solchen Firma vorgegangen - so entdeckte z. B. am gestrigen Sonntag ein Criminalbeamter de- 18. Polizeireviers, daß in einem Engrosgeschäft der Neuen Königsstraße das gesummte Personal während der Sonntagsruhe thätig war. Da die jungen Leute erklärten, daß sie beschäftigungslos auf ihren Ehef warteten, so wurden sie nach der Polizeiwache gebracht, um hier ihre Personalien sestzustellen. Eine halbe Stunde später erschien ein zweiter Beamter in demselben Geschäft und fand die Thür verschlossen/ da er jedoch in den Jnnenräumen Geräusch vernahm, wurde ein Schlosser geholt und die Thür geöffnet. Hier fand man das Personal in voller Arbeit, und es erfolgte eine nochmalige Feststellung der Uebertreter der Sonntagsruhe. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gieße«. 40. Woche. Vom 30. September bis 6. October 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militärs SterblichkeitSztffer: 16,47°/« bezw. 9,41 nach Ausschl. der Ortsfremden» Es starben an: Zusammen: Erwachsme: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Lungentuberculose 1 (1) 1 (1) — — Tuberculose der Gehirnhäute 1 — — 1 Apoplexie 11 — ~ Brechdurchfall 1 — 1 /n. — Lebensschwäche 2 (2) — 2 (2) — Altersschwäche________1___________1____________~ ~ __ Summa: 7 (3) 3 (1) 3 (2) 1 Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel« der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke fommai. Universität». Nachrichten. Jena, 8. October. Professor Rotzbach in München, der früher« iDirector der medicinischen Klinik an der hiesigen Universität, ist gestern gestorben. Stadtknabenschule. Oscar Hopfners Bahnhofstraße 18. miethen. empfiehlt zur gefl. Benutzung eine gea>chte neuesten Systems. Musikalischer Hausfreund. empfiehlt Prima Flaschenbier £1111 aus der Brauerei Textor (Bichler) V*”0”*0** < 8346 empfiehlt Emil Fischbach Brnmataleim Kürschnerei von Caviar 7694 empfiehlt billigst Neustadt 6. 8193 8351 ReueS Dermiethungen 3. Stock November zu Labtnet. 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