in. ?z: 2105 zeige. iftigen N.-SRegtg m 1,6 u5?!le£30 tun ^tenried, ilhelm. 'hnried. rth. ’ 3«»M. ällftftroj, 28. Älfi **1« Uu® ft5he® ro*fl- »trlanae ®acfln|en’ Imfien a. R. .Cttutlft lot man mahnt, >it Wohnung jtbt Noch« M ü e-"- HW it« #1» K>> |6^ i Wz1894' rm. Aold'Arntt «Rente :Äe vr^ 9.60 jngs-Anzeigen ^.eMonogranM» in und Kartenform 11 und geechmiohoU «• l’schsn Druckt SchoMr«* 7- SU-' 31 21V. E 109'-. 84* l*. 3. „Die hrttrnationak lt|t‘, 5. „Den landwkth- M jaufirirtt Unter« liühtllungtn für Hiui. i Sogen (16 Selten) eine« Mrelchs. Augenblicklich iüs ^aninchenbuch', „da? jeder Leser im Saufe der Gratisbeilagen ist somit Sinne M Worte?, iume nicht, auf der Post ’ferung*. taiür nimmt alle Im Quartal bcrtiti igen nachgeliefert Die während btt Stballcx nltxilt <Ä« »xt W tW __ Nr 59 Zweites Blatt. Somtag dev 11. März 1894 Der AnjHgft erschnnl lägiich, ■rtt LuSnakmk des Montags Die G,eßcner yeeUUeiriHtt »erden dem Anzeiger »schentUch btfiaal dngel egt. Gießener Anzeig er Kenerat-Htnzeiger. VrrNettäbnger Aß-Nnemellt-pret». 2 Mark 20 Ptg. »U vringerl.ha. Dumh dir Pos! bezoG« S Mark 60 Wfl- »rtartwn, «prtiti* anb Drucker»,: >4.1tr«|e JU.1. Ker»(prrcher 6L Elints- und 2lnzeigeblutt für den Ttreis Gieren. chralisönlage: chi-ßener Jamitrenbtätter. Slle Annoncen.Vurraux des An» und Auslandes nrbmca Anzeigen für den ,Sießener Anzeiger^ entgegen. Welche Maßnahmen dienen den Interessen der weiblichen Versicherten derJnvaliditäts- «nd Alters-Versicherung im Falle der Verheirathung? In Nr. 50 unseres Blattes behandelten wir die Bestimmungen des JnvaliditätS- und AlterSversicherungS Gesetzes Über die Erstattung von Beitrügen. Wir erwähnten unter Anderem, daß weiblichen Personen, welche eine Ehe eingehen, bevor ste in den Genuß einer Rente gelangt finb, ein Anspruch zusteht auf Erstattung der Hälfte der für sie geleisteten Beitrüge, wenn die letzteren für mindestens fünf Beitragsjahre entrichtet worden sind. Diese Bestimmunq wurde von der Gesetzgebung getroffen, weil man annahm, daß ein großer Theil der weiblichen Versicherten mit der Verheirathung aus der Versicherung auS- scheiden oder daS Versicherungsverhallniß aufgeben würde und es unbillig fei, diesen weiblichen Personen die von ihnen qezahlten Beiträge nicht zurückzuerstatten. Anspruch auf Rückerstattung der Beiträge können alle weibliche Versicherte, welche heirathen, bei Vorhandensein der gesetzlichen Voraus setzungen erheben, auch diejenigen, welche bei der Verheirathung eine versicherungSpflicktige Beschäftigung wahrnehmen oder fortfetzen- daS Gesetz macht und kennt feine Ausnahmen. Ob aber die Herbeiführung der Rückerstattung den In- tereffen der Versicherten dient, soll nachstehende Erörterung darthun. § 30 deS Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Gesetzes bestimmt: „Mit der Erstattung erltfcht die durch daS frühere BersicherungSoerhältniß begründete Anwartschaft." Dies heißt mit anderen Worten: Die weiblichen Versicherten, welche heirathen und von dem ihnezt zustehenden Anspruch auf Rückerstattung Gebrauch machen, verlieren damit alle Rechte, welche sie sich früher durch Bezahlung von Beiträgen erworben haben, also jeden Anspruch auf Renten. Diese Bestimmung involvirt eine große Tragweite. Die §§ 15 und 16 genannten Gesetzes bestimmen, daß zur Erlangung eines Anspruchs auf Invalidenrente unter dem Nachweis der Erwerbsunfähigkeit zurückgc'.eqt werden muß eine Wartezeit von fünf BeiiragSjahren. (Die bei der Invalidenrente bestehenden UebergangSbestimmungen kommen bet Behandlung der vorliegenden Frage nicht tn Betracht.) Dies ergibt, daß mit dem Zeitpunkte, wo das Recht des Anspruchs auf Rückerstattung der Beiträge wahrgenommen werden kann, das Recht des Anspruchs auf Invalidenrente bewirkt ist. Dieses werthvolle Recht geht den weiblichen Versicherten bet Rückerstattung der Beiträge also verloren. Um diese Rechte wieder zu erlangen, müssen dieselben alsdann bei Fortsetzung oder Wiederaufnahme einer Versicherungspflichtigen Beschäftigung erneut fünf Beitragsjahre zurücklegen. Erwägt man dieses und zieht ferner in Betracht, daß die S'imtnc der Beiträge im Falle der Rückerstattung 16 bis 40 Mk. beträgt, mit der Rückerstattung aber ein erworbenes Recht auf eine lebenslängliche Invalidenrente von 120 Mk. und darüber prelSgegeben ist, welche im Falle der Erwerbs- Unfähigkeit jeden Augenblick zu Gebote steht, so wird Jeder leicht ermessen können, welche Maßnabme den Interessen der Versicherten am meisten bient, die Rückerstattung der Beiträge oder die Ausrcchterhaltung der erworbenen Rechte. Allen weiblichen Versicherten, welche rach ihrer 23er heirathung in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung verbleiben oder eine solche kurz nach ihrer Verheirathung wieder aufnehmen, ist daher unter allen Umständen anzurathen, auf eine Rückerstattung der Beiträge zu verzichten und sich die erworbenen Rechte aufrecht zu erhalten. Junge Arbeiterfrauen können leicht von Leiden befallen werden, die sie dauernd unfähig machen zu anstrengender Arbeit und zu auch nur geringem Verdienst, und wenn sie bann leibenb bleiben, dabei aber noch viele Jahre hindurch leben, ohne ihre Pflichten als Hausfrauen und Miternährerinnen ihrer Familie erfüllen zu können, dann ist eine von ihnen selbst verdiente, bis zu ihrem Tode sichere jährliche Rente von 120 Mk. und darüber eine große Hülfe und Wohlthat. Aber auch alle weibliche Versicherte, welche bei ihrer Verheirathung auS jeder Versicherungspflichtigen Beschäftigung auStreien, also frei werden von der Versicherungspflicht, sollten sich wohl überlegen, ob sie, statt die verhältnißmäßig geringe Summe der geleisteten Beiträge zurückzufordern, nicht vorsichtiger und weiser handeln, wenn sie ihr DersicherungS- verhältniß durch geringe jährliche Beiträge sortsetzkn und sich dadurch den Anspruch auf Renten erhalten. Insbesondere sollten sich dieS jene Versicherten überlegen, die mit Absicht nur vorübergehend aus der Dersicherungspflichl ausscheiden, sowie diejenigen, welche nach Lage ihrer Verhältniffe durch die Wechselfälle des Lebens der Versicherungspflicht wieder zugesührt werden können. § 117 deS Gesetzes bietet hierzu die Handhabe durch freiwillige Fortsetzung deS DersicherungsverhältniffeS tn Klaffe 2 mit einem Wochenbeitrage von 20 Psg. und einem Zusatzbeitrage von 8 Psg., also einer Entrichtung von zusammen 28 Pfg. in einer BeitragSwoche. Nun bestimmt § 32 des Gesetzes, daß die aus einem VersicherungSverhältniß sich ergebende Anwartschaft erlischt, wenn während vier aufeinanber folgenden Kalenderjahren weniger als inSgefammt 47 Beiträge entrichtet worden sind. Hieraus folgt, daß zur Aufrechterhaltung der erworbenen Anwartschaft die Entrichtung von 47 Beiträgen innerhalb vier Kalenderjahren genügt. Also mit 12 Beitragsleistungen in einem Kalenderjahre, welche einen Gesammtaufwand von 3.36 Mk., gleich 28 Pfg. pro tfeuilUioiu An den Unrechten gekommen. Humoreske von Th. MÜUer-Plattensteiner. (Nachdruck verboten.) War das eine Kälte heute! Der Schnee quietschte nur so unter den Füßen und der Rauchfrost bedeckte die Zweige der Allee, auf die wir, von dem Fenster eines höchst comsor- ! tablen Zimmers, in der Bel-Etage eines stattlichen Hauses, I hinabsahen. Man konnte sich keinen heimischeren, angenehmeren Raum denken, als gerade dieses Zimmer. Hier war Alles so mollig: Möbel, Tapeten, Vorhänge, Portieren und der ganze KrimSkramS, welcher ein elegantes, modernes Heim zu schmücken pflegt, stimmte hier so sein zusammen, daß man sich wohl sühlen mußte. Dazu lag über dem Ganzen eine leichte, blaue Wolke auS Mokkaduft und dem Aroma einer außerordentlich feinen Cigarre. — Fürwahr ein Winkel, deffen Besitzer zu beneiden war, das mußte doch ein glücklicher Mensch fein! Und doch schien dem nicht so. Der Inhaber all der beschriebenen Herrlichkeit, Herr Rentier Moser, der sich auS der Texttlbranche hierher gerettet hatte, saß mit einem furchtbar wüthenden Gesichte vor seiner Kaffeetaffe und kaute aus seiner theueren Jmportirten herum, daß sie Einem leib thun konnte. Seine Frau, welche den Platz neben ihm eingenommen hatte, trommelte, um ihrer Erregung Herr zu werben, mit ber linken Hanb leise auf ihrer Serviette herum und das 19 jährige Töchterchen der Beiden hatte beide Ellbogen auf den Tisch gelegt, den Kopf in die Hände gestützt und weinte in ihr Taschentuch hinein, daß eS einen Stern erbarmen mußte. Einen Stein jawohl! nicht aber Herrn Julius Moser, der, nachdem er seine Cigarre mit einer Bewegung des MihmutheS in den Aschenbecher gestumpft hatte, m seiner Rede fortfuhr: „ Da könnten doch zehntausend Webstühle zum Stillstand kommen, gerade daS, was ich mir am wenigsten erträumte! Himmelelement, habe ich doch für em Menschenleben gearbeitet, daß ich zum Schluffe zusehen sollte, wie em solcher Windbeutel von Lieutenant als Herr Schwieger sohn baS sauer verdiente Gelo zum Fenster hinauSwirst? Hat's nicht übel auSgeschnüffelt, säße freilich hübsch in der Wolle . . . Wolle? ... in purer Seide (äße er — aber ich will ihn wo hinsetzen, wenn er etwa zum „Anhalten" kommen sollte, daß er . . ." „Na, na, Julius, rege Dich nicht auf!" unterbrach ihn die Gattin, „ich habe Dich von der Sache in Kenntntß gesetzt, wie es meine Pflicht war; ich war ja selbst davon überrascht, und nicht gerade angenehm, weil ich Deine Aversion gegen die Offiziere kenne. Helene hat mir noch gestern Abend, als wir kaum vom MuseumSball zurück waren, ihre Liebe zu Lieutenant Armin gestanden und gesagt, daß sie nicht von thm lasten wolle!" Die kleine Helene weinte, daß ber Tisch in's Wanken getieth. „So, so," ber Herr von Armin also! ber Artillerist, nicht?" Papa Moser entgegnete baS mit mehr Ruhe, als man hätte erwarten sollen unb Helenchcn wagte einen halben Blick hinter ihrem Taschentuch hervor auf bes Vaters strenges Antlitz, „unb ber wohnt, wenn ich nicht irre, in ber Bergstraße draußen?" Die Gattin zuckte die Achseln, Helenchen aber wagte einen kleinen Nicker mit dem Kopse. „So, so," fuhr er bann, fast unheimlich lächelnb, fort, „na, bem Herrn werbe ich ben Stanbpunkt, auf bem ich stehe, in seinen eigenen vier Pfählen klar machen — ich suche ihn auf, bann wirb mir wenigstens bas Aufsehen erspart, bas sein Besuch hier machen würbe!" Es war ein förmlicher Aufschrei, ben Helene nach diesen Worten des Papas ausstieß, und selbst die Gattin hob mahnend ben Finger — wer sich aber nicht halten ließ unb nach Pelz und Hut wetterte, baS war Herr Julius Moser, unb halb daraus schob er schon seine tietne mit ziemlichem Emdonpoint behaftete Gestalt durch die Kälte, die ihn nicht milder stimmte, gegen das andere Ende der Stadt, während die Mutter ihr trostloses Kind, so gut eS ging, zu beruhigen suchte. — ES gab auf Gottes weiter Welt sicher keinen befferen, nachgiebigeren Menschen als Herrn Julius Moser — es gab aber auch keinen, ber bas schwerer zugestehen mochte; er wollte zu Hause voll unb ganz als ber „Gebieter" angesehen werden und dazu glaubte er hin unb wieder ein Donnerwetter loSlastcn zu wüsten, um so mehr, als ihm die Natur etn Aeußeres gegeben hatte, das nichts weniger als imponirte. Seine Frau liefe ihn ruhig gewähren, that scheinbar, als ob ein ZomeSauSbruch seinerseits sie auf bas Tiefste nieder- schmetterte, im Grunde geschah natürlich doch, was sie wollte, unb ber Gatte fuhr gut babei. WaS seinen Haß gegen ben Osfiz'erstand anbetraf, so war ihr das ein noch unaufgeklärter Punkt unb sehr unbequem. Sie hatten die Liebe zwischen den beiden jungen Leuten entstehen sehen unb nicht das Mindeste gegen deren Verbindung — und hätte den Herrn Gemahl sicher, wie jedesmal noch, auch in diesem Falle „herumgekriegt", da lief er spornreichs fort und der Himmel wußte, was er da jetzt aerrichtete. Was ihren Gatten eigentlich zu diesem raichen verblüffenden Schritte trieb, war ihr trotz allen Nachsinnens nicht möglich zu ergründen — wohl aber uns: es war das Gefühl aller timiden Naturen, eine unangenehme Sache so rasch wie möglich erledigt zu haben! „26 . . . 28 . . . 30," murmelte Herr Moser vor sich hin, als er die Hälfte der Bergstraße hinauf war, „hier ist eS also, na, wir wollen dem jungen Herrn daS Vergnügen unseres Besuches machen!" und damit betrat er ben Flur und kletterte bie Treppe hinan, vor bereit zweitem Absatz ihm baS Geräusch deS KleiberauSklopfens entgegen- tönte. „ ... ES giebt falsche Aug'n, Falsche Haar, falsche Zähn' — Ada a Grüaberl, baS falsch iS-- Hab i mein Lebtag net g'sehg'n!" Diese neckischen Worte beS bekannten Liebes fang ber Bursche bes Lieutenants Armin zu oben erwähnter Beschäftigung und blinzelte dabei in daS nächste Stockwerk hinauf, von dem sich leises Kichern vernehmen ließ unb von dem auS sich bann baS gefunbe, blühenbe Gesicht, in bem sich die besungenen „Grüaberln" befanben, erröthenb über baS Treppen- gtlänber hinabneigte, als eS jedoch ben emporsteigenden Herrn, ber eine so finstere Miene machte, erblickte, rasch wieber zu- rückfuhr. „Ist Herr Lieutenant von Armin zu sprechen?" „Ja mei', baS kommt halt b’rauf an, wer Sie sind?" „Aha", knurrte Moser in sich hinein, „der Herr Lieutenant fürchten die Gläubiger — melden Sie Herrn Julius Moser", setzte er laut hinzu. „Der Herr möchten so gut sein und eintreten", kam der Bursche nach kurzer Zeit zurück. „Poch, Poch, poch!" „Herein!" Der Lieutenant erhob sich von seinem Schreibüsch und kam Herrn Moser entgegen. „Was verschafft mir schon am frühen Morgen die Ehre, Herr Moser, es find kaum ein paar Stunden her, seitdem ich aus dem gestrigen Balle die Ehre hatte?" Der Lieutenant sprach etwas gepreßt unb war dabei etwas blaß geworden, „darf ich nicht bitten, Platz zu nehmen?" „Ich danke", entgegnete ber gekränkte Vater, „ich glaube unsere Angelegenheit auch im Stehen adrnachen zu können ... um ohne weitere Umschweife gleich auf unsere Angelegenheit zu kommen. Sie haben gestern meiner Tochter eine Liebeserklärung gemacht und ich bin feier, um, da meine Tochter Ihnen feine abschlägige Antwort gegeben zu haben scheint, diese Sache rückgängig zu machen — ich gebe meine Tochter keinem Offizier!" (Fortsetzung folgt.) Monat, erfordern, können diese Versicherten ihre Anrechte auf Invalidenrente aufrecht erhalten. Hieraus erhellt, daß die Fortsetzung des Versicherungs- verhältniffeS auch diesen Versicherten Vortheile bietet und solcher demgemäß der Rückerstattung der Beiträge vorzuziehen ist. Bemerken wollen wir noch, daß die Bestimmung des § 117, Absatz 3 des Gesetzes, nach welcher die freiwillige Fortversicherung den berechtigten Anspruch auf Invalidenrente nur dann herbeiführt, wenn während der Dauer der vorausgegangenen Versicherungspflicht mindestens 117 Wochenbeiträge entrichtet sind, erst mir Ablauf des vierten Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes in Wirksamkeit tritt. Dis dahin ist die freiwillige Fortversicherung mit berechtigtem Anspruch auf Gewährung von Invalidenrente in jedem Falle gestattet. Hierdurch erwächst den weiblichen Versicherten, welche innerhalb dieses Zeitraumes heirathen und aus der Bersicherungspflicht ausscheiden, ebenfalls die Möglichkeit, durch freiwillige Fortsetzung des Versicherungsverhältnisies auS ihren Beiträgen, auf deren Rückerstattung sie nach den gesetzlichen Bestimmungen keinen Anspruch erheben können, einen Nutzen zu ziehen. Unbeachtet dürfen dieselben allerdings nicht lasten, daß sie die Wartezeit von fünf Beitragsjahren noch nicht zurückgelegt haben, welche der Anspruch auf Invalidenrente erfordert, und es sich daher empfiehlt, zunächst diese Zurücklegung durch regelmäßige Wochenbeiträge anzustreben. Nachher können dieselben langsamer thun. ♦ Pfarrer Kneipp beim hl. Vater. Bekanntlich ist Pfarrer Kneipp kürzlich vom Papste eingeladen worden, nach Rom zu kommen. Ein Wörishofener Kurgast kam nun in die Lage, zwei Briefe, die Monsignore Kneipp von Rom aus an die Frau Priorin des Dominikane»innen - Klosters in Wörishofen richtete, lesen zu können. Dieselben lauten: Rom, Poststempel vom 20. Februar 1894. P. P. So war ich heute beim Heiligen Vater drei Viertelstunden. Er nahm mich so liebevoll auf, wie mich in meinem Leben noch Niemand so ausgenommen. Er faßte meine rechte Hand und ließ sie eine Viertelstunde nicht mehr aus seiner Hand. Er war so erfreut, daß ich gekommen bin, wie ich es nicht begreifen konnte. Er erzählte mir seinen Gesundheitszustand. Endlich sprach er: „Bleiben Sie hier bis zu meinem Krönungsseste, eS wird mir eine große Freude sein!" Auf eine kleine Erwiderung sagte er: „Wenn Sie nicht ein im höchsten Grade dringendes Geschäft abruft, bleiben Sie hier. Schreiben Sie ihren Pfarrkindern, ich segne sie, Sie selber aber müßten hier bleiben, der Papst habe es gesagt!" So wiederholte er dreimal. So durfte ich nichts mehr weiter reden. Herr Br. Baumgarten allein war bei mir. Dieser sagte, so eine Audienz habe ich noch nie gesehen. Frau Benedikta soll wenigstens sechzig bis achtzig Lebkuchen so schnell wie möglich machen und als Eilgut senden für den Heiligen Vater, der recht tief heruntergekommen ist. Lebt Alle wohl, betet und arbeitet! Ich komme täglich zum Heiligen Vater. Gruß an Alle! S. Kneipp m. p. — Rom, Poststempel vom 23. Febr. P. P. Abends 9 Uhr. Heute war ich drei Viertelstunden beim Heiligen Vater, der wieder die Liebenswürdigkeit selber war. Verlangte aber wieder, daß ich die Festlichkeit seiner ßrönung mitmache. Ich kenne mich (vor Freude) fast nicht mehr aus, wie solche Dinge über mich kommen. War doch immer ohne Ansehen und haschte nie nach Ehre. Eitel will ich nicht werden. Heute durfte ich auf dem Altar des hl. Petrus Meste lesen. Morgen lese ich die hl. Messe im Kerker des hl. Petrus, der, tief in der Erde, noch so schaurig und schwarz ist wie damals, als der hl. Petrus neun Monate darin war. Hier in diesem Kerker, wie auch auf dem Sarge des hl. Petrus, wo ich nächsten Samstag celebrire, darf ein Priester nur mit besonderer Erlaubniß des Heiligen Vaters die hl. Messe lesen. Diese Begünstigung ließ mir der Heilige Vater zukommen. In aller Liebe mit Gruß S. Kneipp m. p. * Ein Wort zur Wespenplage. Bis jetzt haben die vielen Wespenweibchen, die trotz des 1893er Vertilgungskampfes gegen die Wespen in den Winter gingen, gut überwintert. Werden sie nicht im Nachwinter durch Näste und Kälte noch dezimirt, so kann es wieder „gut" werden. Besser und bequemer als das Zerstören der Wespennester im Sommer und Herbste ist bas Tödten der Wespen im Frühjahre. Jede im März und April sichtbar werdende Wespe ist das, was die Königin im Bienenvolke ist, die Stammmutter der künftigen Wespencolonie und der sich von diesen wieder abzweigenden Colonien. Wer da zu rechter Zeit ein Wespenweibchen tödtet, tödtet in ihr und mit ihr die Keime von tausenden von Wespen! Man setze einen Preis von 10 Pf. auf jede im März eingelieferte Wespe aus und man steht sich dabei billig und kommt zu seinem Zwecke! Der Vernichtungskampf im Herbste ist meist zwecklos und dabei theuer! Er ist zwecklos, weil die künftigen Stammmütter ja doch nicht die Naschkatzen sind, welche man abfängt- er ist theuer, was keiner Frage umerliegt. Wie leicht ist es zudem, im Frühjahre die Wespen mit etwas Zucker anzulocken, und wie gefahrlos ist es, einer ins Zimmer gelockten Wespe den Brustkasten einzudrücken. Wespen aber bekämpfe man nur da, wo sie wirklich als „schädliche" Jnsecten auftreten: in Weinbergen, Obstgärten, an Bienenständen. Aus einem Aufsatze von Jn'ekten entnehmen wir, daß selbst die Wespen als Schädlinge von Natur oder Naturberuf nicht angesehen werden können, sondern auch ihr Naturämtchen haben und dasselbe z. B. in Waldungen, da, wo sie am Platze sind, getreulich ausrichten. * Die Gesammtheit der Staatsschulden der europäischen Länder hat gegenwärtig die ungeheure Summe von 105 550979184 Mark erreicht, das macht auf jeden Bewohner unseres Erdtheils 295,35 Mark. Diesem europäischen Durchschnitt gegenüber gestaltet sich das Verhältniß der Staatsschulden, die auf den einzelnen Bewohner eines jeden Staates fallen, ganz anders. Frankreich hat die meisten Schulden (35 633 Millionen), dann kommen Rußland (14650 Millionen), Großbritannien (13 709 Millionen),. Oesterreich Ungarn (13 371 Millionen), Italien (11 456 Mill.)^ erst als sechstes folgt Deutschland (11 000 Millionen). Noch günstiger steht Deutschland, wenn man die Staaten nach dem Bruchtheil der Schulden ordnet, welcher auf den Kopf der einzelnen Bewohner entfällt. Frankreich steht auch dann wieder an der Spitze (mit 774,51 Mark auf den Kopf), dann folgt Portugal (544,10 Mark), die Niederlande (397,02), Italien (375,00), Großbritannien (356,70), Oesterreich-Ungarn (323,29) - diese Staaten übersteigen also das europäische Mittel von 295,35 Mark, Belgien mit (280 76) und Spanien (279,65) kommen ihm am nächsten, dann Griechenland (267,07). Von allen Großstaaten ist Deutschland mit 223,60 und Rußland mit 149,79 am wenigsten belastet. Freilich liefert diese Zusammenstellung für die Beurtheilung der wirthschaftlichen Lage eines Staates und seine- Volkswohlstandes kein ganz zutreffendes Bild, da die inneren wirthschaftlichen Kräfte, die den Schulden gegenüberstehen, dabei unberücksichtigt bleiben. Immerhin ergiebt sich für Deutschland doch soviel aus dieser Zusammenstellung, daß seine Vermögens Bilanz gegenüber der der anderen Staaten noch vorzüglich zu nennen ist. Literatur und Aunft. UnwersahLexikon bet Kochkunst. Das auf 12 Lieferungen berechnete Untversal-Lextkon der Kochkunst unterscheidet fich von anderen Kochbüchern durch Mannigfaltigkeit seiner Recepte. Jedem Geschmack und Bedürfnisse wird darin Rechnung getragen, der Nordländer wie der Südländer findet darin seine Lteblingtzspeisen oder seine Nationalgerichte, was besonders Gasthofbesitzer sehr begrüß'n werden. Aber auch für die bürgerliche Küche ist gesorgt, wie wir es selten in Kochbüchern finden, denn die Recepte sind alle so einfach und practisch geschrieben, daß es auch Unerfahrenen und Anfängern leicht wird, sie mit Erfolg in Anwendung zu bringen. Das vorliegende Werk ist aber wohl auch das umfangreichste und gründlichste aller Kochbücher. Es wird nach feiner Vollendung nicht weniger als 10000 Recepte enthalten. Diese sind alphabetisch geordnet und auf einheitliches Maß und Gewicht zurückgeführt. In klarer verständlicher Weife ist sogar die Naturgeschichte der dazu verwendeten Stoffe besprochen. Die Schreibweise und Einthetlung bieten so viel Unterhaltung und Anregung, daß man das Buch sowohl dem großen Restaurateur wie auch der etnsachen Hausfrau getrost em- pfehlen darf. Verkehr, Land- nnd Volkswirthsehaft» - Die «chLdttchkeit der PSkellake für die -»«Sthiere. Da in Folge von Unkenntntß gerade in der Winterszeit Pökellake zuweilen dem Vieh mit als Futter oder Getränk gegeben wird, fc sei auf die große Schädlichkeit der Pökellake für Hausthiere besonders aufmerksam gemacht. Nach Versuchen, die man an Hausthieren mittels Pökellake anstellte, wurden Rinder durch 1 bis 2 Liter, Schweine und Schafe durch Vi Liter und Geflügel durch kleinere Mengen Pökellake getödtet. Je älter diese Lake ist, desto stärkere Wirkung der Pökellake besitzt sie. Die Ansichten über die schädliche Wirkung der Pökellake sind getheilt; einige Thierärzte behaupten, daß die Vergiftung der Thiere durch das Salzwasser herbetgesührt werde; andere Thierärzte hinwiederum sehen die sich bildenden Fettsäuren und die Zersetzungsproducte von Eiweiß als Ursache der schädlichen Wirkung der Lake an. Bekauntmachnng. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der städtische Friedhof in der Zeit vom 16. März bis 15. August 1894 von Morgens 6 bis Abends 8 Uhr geöffnet bleibt und daß die auf dem Friedbof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden. Gießen, 5. März 1894. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 2068 Gnauth. Bekanntmachung. An der Beterinäranstalt dahier sollen vergeben werden: 1) Die daselbst in der Zeit vom 1. April 1894 bis Ende März 1895 erwachsenden Pferdehäute an den Meistbietenden; 2) die Abfuhr von Afche und Mulm, die Reinigung der Senkgruben und der Oefen an den Wenigstnehmenden vom 1. April 1894 bis Ende März 1895. [2007 Ich ersuche die Interessenten, sich mit ihrem Angebote bis zum 20. d. Mts. an den Unterzeichneten zu wenden. Ferner sollen an den Meistbietenden Mittwoch den 14. März a. c. Vormittags 11 Uhr versteigert werden. a) 2 Blasebälge (Spitzbälge), der eine ist noch sehr gut brauchbar; beide Bälge mit Röhren und Zugstangen, b) 2 Ambofe, davon einer noch gut verwendbar, c) 2 Schraubstöcke, d) 2 eiserne Formen für die Esse (Esseneisen), e) 1 Bohrmaschine, gut erhalten f) 2 Schwungräder für Ven- tilatoren, g) Altes Eisen. Sämmtliche Gegenstände können vorher besichtigt werden. Gießen, den 6. März 1894. Die Direction der Gr.Veterinäranstalt. Prof. Dr. Pflug. Holzversteigerung am 15. ds. Mts. im Gemeindewald Münchholzhausen. 1) Nutzholz, Beginn Vorm. 10 Uhr an der großen Straße von Wetzlar nach Gießen. Eichen: 1 Stamm I. Kl. — 3,06 fm, 7 St. II. Kl. ----- 12,44 fm, 36 St. III. Kl. == 19,48 fm, 15 St. IV. Kl. = 2,80 fm und 22,50 rm Nutzholz. Nadel: 6 Stämme — 1,09 fm, 287 Stangen I.—III. Kl. und 23 rm Nutzholz. *2) Brennholz, Nachm. 2 Uhr im Dorf im „Australischen Hof". Eichen: 37 rm Derbholz, 17 rm Stockholz, 92 rm Reiser. Buchen: 6 rm Derbholz, 20 rm Stockholz, 152 rm Reiser. Nadel: 52 rm Derbholz, 2 rm Stockh., 445 rm Reiser. Weichholz: 1 rm Stockh., 6 rm Reiser. Groß-Rechtenbach, 5. März 1894. 1963 Das Bürgermeister-Amt. Jeikgeöotenes. Manzenkübel und Stübe in großer Auswahl empfiehlt L. Kohlermann, Bleichstraße 12, ______________Küfer ei.__________1785 1984] Garten, an der Ärofborfer« straße gelegen, zu verk. 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Um Jcrthümern vorzubeugen, theilen wir hierdurch mit, daß die geänderte Eintheilung im Unterricht durchaus keinen Einfluß auf die einzelnen Curse hat, dieselben können nach wie vor auch einzeln besucht werden. *906 Der Vorstand. Textors Terrasse. Die Wirthschaft ist von heute an jeden Sonntag geöffnet. bestes Material zur Mörtelbereitung, Unterlage unter Fußböden rc., liefern in den größten Quantitäten Buderus’sche Eisenwerke, Main-Weser-Hütte bei Lollar. Ad. Siebert, Pächter, vormals Hotel „Deutscher Kaiser“, Alsfeld. NB. Ein schönes großes Vereinszimmer steht zur gefl. Benutzung' Handarbeits-Cursus. Zur gefl. Nachricht, daß ich vom 2. April d. I. ab Unterricht in allen weiblichen Handarbeiten ertheile. — Freundinnen, welche gern zusammen arbeiten möchten, kann ich bestimmte Stunden in der Woche einrichten. — Anmeldungen nehme in meiner Wohnung, Göthestraße 34 parterre, entgegen. Frau Revisor Schaefer Wwe. . Um rasch zu räumen, verkaufe gegen I Caffa die noch auf Lager liegenden Branntweine und Liqueure, sowie leere Fässer in allen Größen billigst. Frau Lina Loeser 1846] Bahnhofstraße 58. • Englische $ 2 M-Gardinen 5 in den neuesten Mustern, 2 W sowie sämmtliche Re«- W heilen in Dorhänge«, ■ Congretz- u. Rouleanx- M Stoffen in großer Aus- • wähl, empfiehlt zu billigsten E Preisen »784 ' 2 Ernst Bloedner 2 Seltersweg d Tapeten», Teppich« und J D Möbelstoff Geschäft. D Wirthschafts-Eröffnung. Samstag den 10. März, Abends eröffnet der Unterzeichnete Bahnhofstrasse 50, das vormalige Hotel Stern, unter der neuen Bezeichnung Gasthaus zum „Kaiser Friedrich", verbunden mit Restauration. Reichhaltige Speisekarte — Gute Küche bei mäßigen Preisen. Prima Böhmisch hell Export- and Lager-Bier aus der Actien-Brauerei Joh. Hch. Stern Ww., £bcrrab. WW Reine Weine. Q Mittagstisch zu beliebigen Preisen von 70 Pfg. an. Freundliche Logirzimmer mit guten Betten von Mark 1.— an. 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Die Steine sind, da sie nicht gebrannt werden, sondern cementartig erhärten, widerstandsfähig gegen WitterungSeinflüffe! Sie werden in zwei Größen: 250x120x100 m/m, sowie 250x120x65 m/m gefertigt. Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege. Ordentliche Jahresversammlung Mittwoch den 14. März, Nachmittags 3 Uhr im Sgale des alten Rathhauses. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes, 2. Prüfung der Rechnung. Die Mitglieder des Vereins werden hiermit auf Grund der §§*4, 5 und 7 der Statuten ergebens! eingeladen. Der Vorstand: Schlosser. Kaufmännischer Ierein Hießen. Montag den 12. März, Abends SVa Uhr, 2076] im Vereinslocal (Postkeller): Vortrag des Herrn Reallehrer Kahl aus Wimpsen. Thema- Der Kamps ums Mein in der Mlmwklt, wozu wir unsere Mitglieder höflichst einladen. Nichtmitglieder haben gegen Zah- lung von 30 Pfg. Zutritt.Der Vorstand. schnelle Fahrten, gute wj8ffi| Verpflegung, billigste Preise. d Auskunft crtheiley: e von der Beoke & Marsily, Antwerpen F. J. 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