Nr. 35 Erstes Blatt. Soimtai den II. Februar Ter Hietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aa m ikien S kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Aeneral-Wnzeiger. 1894 Bierteljäbrigcr Abonnewenlsprei»: L Mark 90 Pfg. ent Bringerlohn. Tnrch die Poft bezogew: 2 Mark 50 Psg. R.daction, Srpediiiorr nnd Druckerei: Kckiutltrahe 1Sk.l- Fernsprecher 51. Zlnrts- und Anzeigeblntt fiw den Tiveis Gieszen. chratisbeikage: chießener Aamikienbkätter Aintlicher» Theil Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borin. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „(Siebener Anzeiger" entgegen. Neueste Nachrichten. Wolffs^telegraphischeS Correfpondenz- Bureau Berlin, 9. Februar. Die „Natonalzeitung" hört, in den Verhandlungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag sei deutscherseits außer den schon bekannten Tartf- feftsctzungen auch eine spezielle Vergünstigung für dte deutschen Deutsche» Netch. Berlin, 9. Februar. DaS preußische Abgeord- netenhauS verwies am'Donnerstag die Vorlage über die Errichtung von Landwirthschastskammern nach Beendigung der Generaldebatte an eine Commission von 28 Mitgliedern. Hierauf erledigte das HauS einige Rechnungssachen und der« wieS dann den Entwurf eines Vertrages zwischen Preußen und Lübeck über den Elöc-Trave-Canal in erster Lesung an die Budgetcommission. Depeschen des Bureau .Herold". Berlin, 9. Februar. Der Kaiser hat heute, am Tage seines Eintritts in das 1. Garderegiment z. F., diesem dte Grenadiermützen nach dem Modtll aus der Zeit Friedrichs des Großen verliehen. Die bisherigen Grenadiermützen, die einst von dem Czaren Nikolaus geschenkt worden waren, hat das Kaiser - Alexander - Garde - Grenadier - Regiment Nr. 1 erhalten. Berlin, 9. Februar. Der Kaiser wird gelegentlich seiner am 20. Februar zur Rekrutenvereidigung nach Wilhelms- hasen geplanten Reise in Schloß Friedrichsruh einen kurzen Besuch abstatten. Berlin, 9. Februar. Am Dienstag den 13. Februar findet ein Kronrath statt. — Der deutsch-russische Handelsvertrag ist dem Bundesrath bereits zugegangen. — Der conservative Abgeordnete Schöning hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, denjenigen Osfizieren, Sanitätsoffizieren, Beamten und Mannschaften des Reichsheeres und der Marine, welche infolge einer erlittenen Verwundung oder einer sonstigen Dienstbeschädigung behindert waren, an den weiteren Unternehmungen des Feldzuges theilzunehmen und dadurch der Anrechnung des zweiten Kriegsjahres bei der Pensionirung verlustig gegangen sind, den betreffenden Pensionsausfall zu erstatten. Berlin, 9. Februar. Die Budget-Commissrok des Reichstags setzte die Berathung des Etats für das Schutzgebiet Kamerun fort. Der Etat wurde bewilligt, desgleichen die Etats für Togo für das südwestafrikanifche Schutzgebiet. Bei Besprechung des letzteren Etats unterzogen Prinz von Arenberg und PodbiGsky dte Thätigkeit des Major Francois in Südweftasrika einer scharfen Kritik. Der Colonialetat war damit erledigt. Berlin, 9. Februar. In Bezug auf die Reorganisation der preußischen Eisenbahn-Verwaltungen finden gegenwärtig noch Verhandlungen statt, die bald beendet sein dürften, so daß es möglich sein wird, die Reorganisation noch in diesem Jahre zu beginnen. Berlin, 9. Februar. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, ist der Dampfer „Woermann" in der Nähe von Cap Palmas (Westküste von Afrika) gestrandet. Die kaiserlichen» Colontalbeamten von Kamerun, der Gouverneur Zimmerer, Landeshauptmann von Puttkamer und Affeffor Salzwedel find ebenso wie die deutschen Ersatztruppen gerette:. Beutheu, 9. Februar. Die Aufschlußgrube mußte wegen Mangel an Beschäftigung den größten Theil der Arbeiter entlassen. Außerdem wurde eine wöchentliche Feiertag«» schicht eingelegt. (befunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Fächer, 1 Haarnadel, 1 Taschenmesser, 1 Cigarrenspitze mit Etui, 1 Regenschirm, 1 brauner Handschuh, 1 Perrücke, 2 Taschentücher, 1 Plüschmütze, 1 Schurze, 1 Peitsche, 2 Kinderschuhe, 1 Weckbeutel mit Inhalt, 1 Hundehalsband und 1 Sack Kartoffeln. Gießen, den 10. Februar 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Ostseehäfen Danzig-Neusahrwaffer und Königsberg Pillau erreicht, indem die Frachtentarife mit den Tarifen für die russischen Häfen gletchstehend festgelegt sind. Berlin, 9. Februar. Die Berliner Gemeinde- Einkommensteuer wird im nächsten Jahre 100 pCt. betragen statt 85 pCt. im laufenden Jahre. Hannover, 9. Februar. Bennigsen ist soweit wieder hergestellt, daß er seine Amtsgeschäste wieder aufgenommen dt. Er gedenkt Anfangs nächster Woche zu den Reichstagsverhandlungen auf einige Tage nach Berlin zu gehen. Trier, 9. Februar. Die Einfuhr von Wiederkäuern und Schweinen über die Landesgrenze von Luxemburg wurde von der Regierung verboten. Wien, 9. Februar. Unter außerordentlicher Theilnahmr and heute das imposante Leichenbegängniß Billroths tatt. Der Zug bewegte sich vom Trauerhause in die evan- geltsche Kirche, vorbei an der Universität und wurde eröffnet von 600 Studenten und Corpßstudenten in Wichs. Fünf Blumenwagen konnten schwer die gespendeten Kränze faffen. In der Kirche waren anwesend: Erzherzog Rainer, dte Minister Baquehem, Madeyski, Plener und Schönborn, zahlreiche Herrenhausmitglieder, Professoren und Aerzte. Am Grabe sprachen Decan Vogel, Profeffor Gusser Namens der Schüler und Profeffor Chrobak Namens der Gesellschaft der Aerzte. Paris, 9. Februar. Aus Rio de Janeiro wird vom 9. d. M. gemeldet, es fei eine Verschwörung zur Ermordung Peixotos entdeckt worden. Es hätten bereits zahlreiche Verhastungen stattgefunden und mehrere Verhaftete seien erschossen worden. — Aus Rio Grande wird gemeldet, die Aufständischen näherten sich Pono Alegro. Rom,'9. Februar. Die „Ag. Stef." meldet aus Rio de Janeiro: Außer JtaUen letzten auch die Vereinigten - Staaten von Nordamerika und England die Anerkennung der Insurgenten als kriegführende Macht ab. Petersburg, 9. Februar. Der Kaiser ist soweit ge- liefen, daß er die Minister wieder zum Vortrag empfängt. Deutscher Reichstag. 45. Sitzung. Freitag ben 9. Februar 1894. Auf der Tagesordnung: Postetat. | Abg. Schönlank (Soc.) beklagte dte aus dem Gebiete des Reichöpostwesens eingetretene Stagnation. Die Reichs-Postverwaltung I bat sich durch dte württembergische Postverwaltung in Bezug auf l das Portowesen überflügeln lassen und anstatt diesem Betspiel zu folgen, osfictöse Angriffe gegen dte württembergische Verwaltung richten lassen. I Auch auf dem Gebiete des Telephonwesens gehen uns andne Lander I voran Auch auf socialreformatortschem Gebiet herrscht inder Reichspost- I Verwaltung Stagnation. Dte Ueberschüsse der Verwaltung werden I auf Kosten der Angestellten, durch schärfste Ausbeutung ihrer Arbeits- I kraft erzielt. In Memel rühmte sich Herr v. Stephan feiner I 140 000 Beamten. Sind das wirklich Beamte? UnfCTC I Verwaltung gleicht einem capitalistischen Großbetrieb. Ueber 60 000 Unierbeamte sind nur dtätarisch beschäftigt, also gar nic^ Beamte, sondern Tagelöhner. Sie können jederzeit nach vorgängiger Kündigung entlassen werden und sind deshalb aufs Aeußerste abhängig. Für sie fltebt es auch keinen Urlaub. Wenn sie durch ein Famrlten- eretgnitz gezwungen werben, sich einige Tage frei zu machen, müssen sie die Kosten der Stellvertretung tragen. Erkrankt ein solcher Unterbeamte so muß et das von einem Vertrauensarzt der Postverwaltung bescheinigen lassen, und bei dtesem Vertrauensarzt liegen auch schon , die Personalactcn, die Conduitenliste des Mannes. (Hört, hort.) ; Da sieht der Arzt erst nach, ob der Mann ein Querulant, vielleicht gar ein Soctaldemokrat ist. Den armen Unterbeamten v-rbielet man die Annahme freiwilliger Geschenke des Publikums und die solche Geschenke doch annehmen, werden als pflichtvergessene Leute gebrand- markt. Und der Leiter dieser Verwaltung, Herr v Stephan, laßt doch selber jedes Jahr an dte Vorsteher der Eisenbahn-Stationen Geschenke verthetlen. Auch läßt er Geschenke zur Verthrilung annehmen. Weihnachten hat der Eisenbahnminister Tbielen zur Ver- thetlung an dte Postbeamten der Mauerstratze 500 Mk. angewiesen. Diese sind laut Erlaß des Herrn Ftscher der rechten Hand des Herrn v Stephan, so oerthetlt worden, datz der Dtrector des Postamts 60 Mk. und die oberen Beamten entsprechende Beträge ersten. Wäre es nicht den Intentionen deS Herrn v. Thielen entsprechender gewesen, wenn die ganze Summe zu G^Uficationen an die armen Unterbeamten gegeben worden wäre, die 2'/, Mk. täglich bckommen. Da ist es kein Wunder, wenn dte armen Teufel durchDtusikmachenu.s.w. anderen Gewerbetreibenden Eoncurrenz machen. Der Kern der Unterbeamten tst so gut, daß Unterschleife selten vorkommen, aber ihr- Lag ist eine so schlechte, daß die Versuchung nahe liegt. ES ist soweit gekommen, daß die Gerichte bei Aburtherlung ^getreuer Post-Unter- beamten die unglückliche Lage dieser Armen als ®n^.uJb gelten lassen müssen. In Fällen in Köln und Halle ist ein Tagelohn von 1.75 und 1.60 Mk. festgestellt worden Solche Löhne für Leute dte so und so v'el Kinder haben, das schreit zum Himmel! Der Post-Spar- und Vorschußverein hat tn einem Jahre an 37 000 Be- amte über 5 Millionen Darlehn geben müssen unt' dafür 5.Pro en und mehr Zinsen genommen. Dabet sucht die Postverwaltung ihre Beamten zum Beitritt zu diesem Verein zu »wtngen, sie muffen die . „Gründe" -ngeben, weshalb sie nicht beitreten wollen, und kommen im Weigerungsfälle auf eine Art von schwarzer Liste. Dabet werden auch deu ärmsten Unterbeamten Beiträge für Stiftungen, wie die Kaiser-Wilhelm-Stiftung, abgefordert, von denen sie fast gar nichts baden. Die oberen Beamten werden für jede Extraarberi entschädigt, Assistenten müssen die Oberbeamten, Unterbeamte die Beamten aber ohne Entschädigung vertreten. Die Wohnungszuschusie der Unterbeamten sind ganz ungenügend: sie sind aufs Ztmmervermiethen angewiesen. In Berlin ist unlängst ein Unterbeamter der Unterschlagung verdächtigt worben, weil man in seinen Händen einen Hundertmarkschein gesehen hatte! Ein unschuldig der Unterschlagung verdächtiger Assistent ist entlassen worden und.sieben Wochen, in Untersuchungshaft gewesen. AlS sich seine Unschuld berauSgestellt ist er doch nicht wieder angestcllt worden. In DeuUchland schemen nur Beamte vom Schlage der Jhring-Madlow „eclatante Genug- thuuna" zu erhalten. Tie Lehrer an der Post- und Teleg^aphen- schule erhalten, obwohl sie den Unterricht während der Dienstzeit er- theilen, Ertra-Gratificationen dafür, und die Besucher dieser Schule, die Secretäre, bekommen dafür neben ihrem Gehalt, das siefortbeziehen, sage und schreibe per Tag 8 Mk. Gratification. Und daS in der Weihnachtszeit, wo die Unterbeamten wer weiß wie gefchuh- rieaelt werden. Ueberall Willkür! Das Briefgeheimniß ist durch eine Verordnung von 1879 der Socialdemokratie gegenüber außer Kraft gesetzt. Und diese Verordnung gilt heute, obwohl das Socialistengesetz längst gefallen ist. Packete, in denen man social- I demokratische Schriften vermuthet, werden geöffnet. Die Zurücknahme dieser Verfügung ist zwar in einer Dienstanweisung unter den Berichtigungen erfolgt. WaS aber im Amtsblatt publi- ctrt ist, muß auch im Amtsblatt widerrufen werden. Vielleicht hat sich Herr v. Stephan geschämt, das zu tbun. Aber das Hilst nichts. Wenn Heinrich Butze thun will, muß Heinrich auch nach Oanossa gehen. (Heiterkeit.) Herr v. Stephan bat sich so in das absolute Regime Bismarcks eingelebt, dah er schon selber ein Post-Bismarck ist. Wäre er heute noch der bürgerliche Heinrich Stephan au» Stolp, so wäre er vielleicht auch Soctaldemokrat; jetzt ist sein sociaipolitisches System miserabel. (Schluhrufe.) Herr v. Kardorff, Sie schreien als verhungerter Landwirih, darum lassen Sie unS auch schreien für die hungernden Post-Unterbeamten. , Director im Reichspostamt Dr. Fischer proteftirt dagegen, daß Schönlank „im Warnen der hungernden Postbeamten" spricht. Er hat kein solches Mandat. Ich verweise auf die Erklärung erneS Post- unterbeamten in den „Bremer Nachr.", da heißt e8: „wir haben nichts zu thun mit der Socialdemokratie". Wenn Vorredner von Sclaven, verhungerten Beamten u. s. w. sprach, war das nicht für dtefes Haus, sondern nach außen gesprochen. Betreffs deS Briefgeheimnisses ist der alte Erlaß von vor 15 Jahren außer Kraft gesetzt, und zwar in der Form, in der dies stets geschieht. Die Eriminal- fälle unter den Postbeamten haben sich fortgesetzt verringert. In dem vom Dorret ner erwähnten Fall Taub ist die Freisprechung nicht erfolgt, weil die Unschuld nicht erwiesen war, sondern weil die Beweise für die Schuld nicht ausreichten. Schönlank nennt unsere Social- polittt ein Petrefact. Die Postverwaltung hat durch Vertrage mit Lebensversicherungen den Beamten Erleichterungen verschafft, auch Zuschüsse gegeben. Ist das „miserable" Socialpolitik wenn wir so die Grundlage für die Existenz Hinterbliebener unserer Beamten 1 legen ? 1871 trafen wir wieder auf dem Boden der Selbsthilfe, Ern- । richtungen für die Beamten, sich aus Verlegenheiten zu helfen. Das ist die „berüchtigte" Spar- und Vorschußkasse. Diese gtebt Dar- I leben zu niedrigeren Zinsen, als sie sonst üblich. DaS Institut hat segensreich gewirkt und verfügt jetzt über ein Vermögen von 25 Millionen. AuS dem Eapital der Kaiser Wilhelms Stiftung sind zahlreiche Freistellen für Angehörige von Unterbeamten geicbafsen worden. Schönlank sagt: wir drücklen die Unterbeamten zu Tagelöhnern herab. In den von ihm genannten 63000 stecken aber Tausende, welche nebenamtlich Postverwalter sind, aUo eher als Bauerngutsbesitzer angesprochen werden können, ferner 7000, bie nur stunbenweisc, aushilfsweise beschäftigt werben. Es bleiben nur 38000 wirkliche, nicht fest angestellte Beamte Übrig. Wir finb bemüht, dieses Verhältniß, das ja nicht günstig ist, zu bessern, weshalb in dem neuen Etat 1000 neue Beamten- und 2000 neue Unterbeamtenstellen vorgeschlagen werden Ucberhaupt hat sich im Laufe der Ver- I waltnng des Herrn v. Stephan das Verhältniß der etatmäßigen zu den nichtetatmätzigen Unterbeamten erheblich gebessert. Den nicht angestellten wird im Erkrankungsfalle ebenso gut wie den angestellten I das Gehalt 13 Wochen fortbezahlt; und aus dem Unterstutzungsfonds I unterstützen wir Frauen und Kinder ebenfo, wie die Angehörigen j Angestellter. Ist das miserable Socialpolitik? (Beifall rechts.) i Abg. Schmidt-Elberfeld (frs. Dlksp.) plädirt für eine Erhöhung I des Gewichtsmaximums für einfache Briefe von 15 auf 20 Gramm. Staatssecretär v. Stephan: Die Frage ist lediglich eine I finanzielle und deßhalb im gegenwärtigen Augenblicke nicht zu losen. I Schönlank hat über sehen, daß mit der Ermäßigung des wurttem- | bergischen Localportos eine wesentliche Erhöhung des Portos auf weitere Entfernungen verknüpft ist. Bei der Ermäßigung der Fern- I sprechgebühren ist Württemberg nur dem von uns gegebenen Beispiele I ßef°l0<£)irector im Reichspostamt Sachse rechnet vor, daß die Herauf- I setzung des Meistgewichls der einfachen Briefe aus 20 Gramm einen I finanzi.llen Ausfall von 5 Millionen Mark im ©efolge; haben mürbe. I Abg. Easselmann (frs. VlkSp.) chünscht geschlossene Kästen, I aus benen bie Abressaten ihre Postsachen selbst entnehmen. Staatsfecretär v. Stephan erroibert, daß sich Versuche damit I in Bremen, Mannheim u. s. w. nicht bewährt haben Abg. Schmidt-Warburg (Ctr.) bemängelt die kostspieligen I Postbauten und verlangt größere Sparsamkeit. I Abg. Enneccerus (nl.) tritt Schönlank entgegen. Die hohen I Ueberschüsse der Post seien überhaupt eine Legende: sie wurden mit den großer. Gratisieistungen der Eisenbahnen schwinden. Die Ver- I minberung ber Zahl ber Diätare ist anzustreben. Aber SchönlankS | Rebe sei lediglich Agitationsrede; wolle man bessern, so stelle man I Anträge. Reden, wie die Schönlanl'schen, lagen nicht im Interesse I ber ^Staatssecretär D. Stephan stimmt bet letzteren Bemerkung I zu. Wenn man die Leistungen der Eisenbahnen für die Post erwähnt, I sollte man auch von den Leistungen sprechen, welche die Post unent- I gütlich für andere Verwaltungen übernimmt: den ganzen Brief- I Detf<^ibg. Dr. Bachem (Ctr.) bemerkt, daß durch die Ueberschüsse | der Post das Anlagecapiial keineswegs zu hoch verzinst werde, und wünscht eine Reform des Tarifs für den Zeitungsvert.ieb. Staatssecretär v. Stephan: Ein bezüglicher Gesetzentwurf ist I in Vorbereitung. „ . ,, .. Abg. Schönlank hält seine Ausführungen aufrecht: bie ganze I Postverwaltung müsse reformiit werden. I Abg. Gröber (Ctr.): Die württembergische Postreform sei ebenfo zweischneidig wie die Finanzreform im Reiche: sie soll mehr Geld einbringen. . Der Titel Staatssecretär wird bewilligt. Weiterberathung morgen. DreSdea, 9. Februar. Das Befinden des Königs hat sich wesentlich gebessert. München, 9. Februar. Freiherr von Wert her, der frühere preußische Botschafter, ist gestern gestorben. Rom, 9. Februar. Gestern, am Todestage Pius IX., fand im Beisein deS Papstes in der Peterskirche eine Seelenmesse statt. Zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Corps, die Aristokratie und viele Fremde wohnten der Ceremonie bei. DaS Grab PiuS' wurde gestern und vorgestern stark besucht. Rom, 9. Februar. Vaticanische Blätter lassen ihre Mißstimmung über den russischen Handelsvertrag erkennen. Man betrachtet ihn als Vorboten einer Annäherung, welche die russisch-franzöfisch-päpstlichen Kreise stören könnte. Belgrad, 9. Februar. Wie die radicalen Blätter berichten, sollen am 21. d. M. die Reservisten sämmtlicher Infanterie-Regimenter zu einer dreiwöchentlichen Uebung einberufen werden. Oberheffischer Geschichtsverein. Hieße«, den 10. Februar 1894. Die vorgestern Abend abgehaltene Februarsitzung des Ober- hessische« GeschichtSvereinS hatte eine stattliche Anzahl von Mitgliedern und Gästen — theilweise auch aus der Provinz — im Cafe Ebel vereinigt. Der Vorsitzende, Herr Ober-Bibliothekar Dr. Haupt, theilte nach Eröffnung des offiziellen Theils mit, daß er dem ihm in der Januarsitzung ertheilten Auftrag gemäß Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog die Glückwünsche des Vereins zur Verlobung telegraphisch übersandt habe und daß von Sr. Kgl. Hoheit ein huldvolles Danktelegramm eingelaufen sei. Hierauf erhielt Herr Pfarrer Kn ab aus Bruchenbrücken das Wort zu seinem Vortrag: „Mittheiluugeu a«8 einem Vogelsberger Pfarrarchiv." Der Redner hatte, indem er „den Weizen von der Spreu sonderte," den reichen Stoff in glücklichster Weise angeordnet und mit großem Geschick verwerthet. Wir entnehmen seinen Ausführungen Folgendes: Das Dorf Nieder-Moos, auch Moos oder Musah, ist schon sehr alt. In Landaus Wettereiba kommt die Notiz vor: „Im Anfänge des 10. Jahrhunderts vertauschte ein Graf Konrad proprietatem suam in Slirefe (Altenschlirf) in comitatu Gerhard! et in loco Musah." Es hat seinen Namen von dem Bach, an dem es liegt, dessen Quelle schon 1013 und 1020 urkundlich unter der Bezeichnung Mose- brunnen und Musesprinc vorkommt. Es bildete mit mehreren umliegenden Dörfern das Gericht Moos. Dieses Gericht hatte verschiedene Herren. Die ältesten Besitzer sind die Herren von Schlitz, ihnen folgten die von Lißberg, von welchen es an die Herren von Eisenbach kam, um 1428 mit dem Aussterben der letztgenannten Familie an die Freiherren Riedesel zu gelangen, denen die Gerichtsbarkeit bis zum Jahre 1806 verblieb. Das Gericht Moos wurde allerdings schon vor dieser Zeit mit dem Gerichte Freiensteinau vereinigt. Die Pfarrei Nieder-Moos wurde erst im Jahre 1524 oder 1525 errichtet. Bis dahin war das Dorf eine Filiale von Crainfeld. Die Acten der Pfarrei reichen bis in das Jahr 1540 zurück, von wo an die ersten, allerdings recht dürftigen Kirchenrechnungen datiren. Den Inhalt der Acten kann man nach folgenden drei Gesichtspunkten betrachten: 1) Kirche, 2) Schule, 3) Verschiedenes. Von den die Kirche betreffenden Acten handelt ein sehr wesentlicher Theil von dem Kirchenneubau, ein anderer von den Kirchenordnungen und der Ktrchenzucht, ein dritter von den Pfarrern des Kirchspiels. Die alte Kirche befand sich auf dem rechten Ufer deS Moosbaches und wurde im Jahre 1521 erbaut, während das Dorf auf dem linken Ufer liegt. Da diese Kirche für die ursprünglich zwölf, später zehn Dörfer der Pfarrei nicht ausreichte, so war schon frühzeitig ein Neubau und zwar auf der Dorfseite geplant, dem sich aber 42 pCt. der stimmfähigen Kirchspielsangehörigen widersetzten. Ihr Widerstand wurde durch die ständigen Kriegswtrren und die Armuth der Parochtanen unterstützt. Erst im Jahre 1784 konnte der Grundstein zur neuen Kirche gelegt werden. — Die Kirchenzucht wurde von dem Pfarrer und den Kirchenältesten streng gehandhabt. Dieselben versammelten sich an den monatlichen Bußtagen, welche am ersten Freitag jeden Monats gefeiert wurden, im Pfarrhause, wo auch die Senioren erschienen, deren jedes Dorf einen hatte, und über die strafbaren Vorfälle Anzeige machten. Die Betreffenden erhielten zur nächsten Sitzung eine Vorladung und wurden, je nach Befund, mit Geldstrafen oder der öffentlichen Kirchenbuße bedacht. Die Presbyterialacten reichen bis zum Jahre 1803 und entrollen zum Theil ein recht düsteres Bild sittlicher Verwilderung. — Die Namen und kurze biographische Notizen sämmtlicher Pfarrer vom Jahre 1540 ab, von wo an die Reformation nachweisbar im Kirchspiel Eingang gefunden hatte, sind vorhanden. Einer derselben, ein Mag. Johs. Steg, starb 1635 in seinem Kriegsasyl zu Alsfeld. Ein anderer, Joh. Hagemann, hatte von 1635—1643 seinen Wohnsitz in Lauterbach und versah von da aus die beiden Pfarreien Nieder-Moos und Landenhausen. Dessen Nachfolger, ein Mag. ConraduS Müller, der zu Freiensteinau seinen Wohnsitz hatte, wurde von fuldischen Soldaten erschlagen. In Bezug auf das Schulwesen sind einige recht interessante Actenstücke vorhanden, so die Schulordnungen vom Jahre 1655 und 1706, die uns bezeugen können, daß es mit den Schulen lange Zeit im Vogelsberge recht traurig bestellt war. Von einer besseren Ausbildung der Lehrer war gar keine Rede. Sie waren Landwirthe, Hirten, Handwerker oder verabschiedete Soldaten. Ihr officieller Titel war Privat- oder Winterschulmeister, welcher Name daher rührt, daß sie durch Privatvertrag von den Gemeinden angenommen wurden und nur während der Winterszeit (von Michaeli bis Ostern) unterrichteten. Schulhäuser waren anfänglich nicht vorhanden, sondern der Unterricht wurde reihum in den Bauernhäusern ertheilt, wo dann der Lehrer auch verköstigt wurde. Die Besoldung der letzteren war eine sehr geringe. Noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde in der Filialgemeinde Heisters ein Lehrer „accordiret" um 20 st., welche die Kirche giebt, und um 2 fl. 4 alb., welche die Gemeinde geben will. Der Unterricht bestand im Wesentlichen nur in Religionsunterricht und dieser wurde rein mechanisch ertheilt. Das zwei- und dreimalige „Hersagen der lectiones" spielt eine Hauptrolle darin. In die Rubrik „Verschiedenes" fallen allerlei Einträge der Pfarrer in die Kirchenbücher über Hochwaffer, Orkane und sonstige Elementarereigniffe, über Auswanderungen von lkirchspielsangehörigen nach Ungarn, Kriegswtrren, Mord und Brand. Manches davon verdient der Vergeffenheit entriffen zu werden, weil es culturgeschichtlichen Werth hat und zur Jllustrirung vergangener Zetten immerhin geeignet ist. Die Versammlung, die mit großer Aufmerksamkeit dem Vortrage gefolgt war, dankte dem Redner durch reich gespendeten Beifall. Herr Professor vr. Buchner ergriff hieraus das Wort, um in gewohnter interessanter Schilderung „Die Aufäuge des Buchdrucks uud der Ceusur in Gießen" zu behandeln. Redner führte ungefähr Folgendes aus: Zu allen Zeiten bis in unser Jahrhundert war Gießen ein von Festungswerken umschnürtes, von der Außenwelt abgeschloffenes Landftädtchen, ähnlich wie etwa Ltch, doch hatte dieses den Vorzug eines dauernden Hoshalts und dadurch erfreute es sich schon vor 1600 des Vortheils, einen Buchdrucker in einer Zett zu besitzen, wo sich Gießen eines solchen noch nicht rühmen konnte. Als aber 1605 der Landgraf Ludwig V. das Pädagog gründete, kam auch gleich der Buchdrucker Paul Egenolph nach Gießen und wurde mit größtem Wohlwollen ausgenommen. Aber 1606 kam auch schon der zweite, Nikolaus Hangel, und Egenolph kehrte nach Marburg zurück. Durch die Gründung der Hochschule entwickelte derselbe eine große Ge- schäftsthätigkeit, doch auch er blieb nicht ohne Nebenbuhler, denn Kaspar Chemlin ließ sich 1608 auch als Buchdrucker in Gießen nieder. Nicht der Universitäts-Buchdrucker allein, sondern auch seine Gesellen erfreuten sich einer besonderen Stellung unter academischer Gerichtsbarkeit. Wie der Drucker Fr. Karger vom Bürgermeister und Rath 1670 im Winter beauftragt wurde, den Festungsgraben von Eis frei halten zu helfen, auch Soldaten ins Quartier zu nehmen, fand er warme Unterstützung bei dem Senat. Offenbar weil das Buchdrucken mehr als Kunst wie als Handwerk angesehen wurde, war der Zunftzwang bei den Buchdruckern weniger streng und in feste Formen gegossen, wie bet anderen Beschäftigungen. Die Gießener Drucke des 17. und 18. Jahrhunderts entbehren nicht einer gewiffen Eleganz und Schönheit trotz des schlechten Löschpapters. Dabei ist der Reichthum an Schriften sehr verschiedener Art, deutsch, latein, griechisch und hebräisch, an Initialen von verschiedenen Größen, Vignetten, Zierleisten u. dgl. geradezu erstaunlich. Henning Müller druckte 1690 in Gießen selbst ein Choralbuch und setzte die Noten dazu, wozu jetzt keine der hiesigen großen Druckereien eingerichtet ist. Da der Drucker auch Buchhändler war und die Frankfurter Messe bezog, so ist nicht selten auf dem Titel außer Gießen auch Frankfurt als Druckort angegeben. Es wäre von geringem Interesse, hier die lange Reihe Gießener Buchdrucker in zwei Jahrhunderten aufzuführen, wissenswerther sind die eigenthümlichen Lensurverhältnisse, die schon in den academischen Statuten vorgesehen waren und die sich im Laufe der Zeit weiter ausbildeten. ES sollte verhütet werden, daß etwas gegen die Religion oder gegen die kaiserlichen Gesetze oder die guten Sitten oder gegen die Ehre gedruckt werde. 1677 wurden die Decane für ihre Facultät zu Censoren bestimmt, aber schon 1633 verordnet, daß von allen Drucksachen je ein Exemplar nach Darmstadt etnzusenden sei, um zu sehen, ob nichts Anstößiges darin enthalten sei. Dieses Gebot, Pflichtexemplare zu liefern, ist erst in der letzten Zeit durchlöchert worden. Für die Gedichte, namentlich Gelegenheitsgedichte, war der jeweilige Professor der Beredsamkeit der Censor. Namentlich dieser lag in häufigem Streit mit den Druckern. Entweder weigerte sich der Dichter, seine Arbeit censiren zu lassen und verbot dem Drucker, sie dem Censor zuzusenden, oder der Drucker schickte die Schrift gar nicht oder erst, nachdem sie abgesetzt war, zur Censur, oder er schickte nichts, bezahlte aber die Censurgebühr von wenigen Kreuzern. So lagen die Censoren in fortwährendem Streit mit den Druckern und zahlreiche Prozeffe wurden vor dem Senat verhandelt. Was manche Censoren besonders beanstandeten, waren die in den Gedichten häufig vorkommenden falschen und bombastischen Bilder und die Vermischung der christlichen Anschauung mit der heidnischen Götterlehre und gab dafür Redner eine Reihe von sonderbaren Beispielen. Alle diese Verhältnisse haben sich völlig geändert- wir am Ende des 19. Jahrhunderts Lebenden wissen nichts von den Zuständen im 17. und 18. Jahrhundert, aber es ist nicht ohne Interesse, sie etwas kennen zu lernen. Auch diesem Redner dankte reicher Beifall der Versammlung für die interessanten Mittheilungen aus der Geschichte unserer Stadt und unserer Universität. In der sich anschließenden Discussion beleuchtete Herr Geh. Hosrath Professor Dr. Oncken, anknüpfend an eine Bemerkung des Vorredners, die Bedeutung der buchhändlerischen Pflichtexemplare für die Wissenschaft- an den im Reichstage 1874 hierüber ftattgehabten Verhandlungen hat bekanntlich Herr Geheimrath Oncken hervorragenden Antheil genommen. Herr Alfred Bock verbreitete sich über Heine und die hessische Censur. Die Ausführungen beider Herren sind jedoch so interessant, daß wir in einem besonderen Artikel darauf zurückkommen müssen. Nachdem noch Herr Dr. Ebel zwei gegen Studenten- exceffe gerichtete Erlaffe deS Landgrafen Ernst Ludwig von Heffen-Darmstadt aus den Jahren 1723 uud 1729 verlesen hatte, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Cocofef ttirö S*or>rnztelles. Gießen, 10. Februar 1894. Z•* Neues Theater. „Sodoms Endez/, Drama in fünf Acten von H. Sudermann. Ein erschütterndes Familien- gemälde ist es, das Sudermann uns in diesem Stücke in kraftvoll genialer Weise vor die Augen stellt, ausgeführt in grellen Farbentönen, die die Hauptfiguren in fast übermäßiger Schärfe hervortreten lassen, während den Nebenfiguren nur insoweit Aufmerksamkeit geschenkt wird, als es unbedingt erforderlich ist zum allgemeinen Verständniß des Ganzen, zum größten Theile jedoch verschwinden sie in dem ungemein dichter gehaltenen Hintergründe. Unter den Ersteren nimmt die Person des „Willy Janikow" die bevorzugteste Stelle ein. An ihr ist alles bis in die kleinsten Details mit wahrhaft peinlicher Sorgfalt durchgeführt: Ein genialer junger Maler, der rasch die höchste Stufe seiner Kunst erreicht hat, dann aber in die Gesellschaft einer leichtsinnigen Frau gerathen ist, die ihn durch ihre blendende Schönheit und sirenenhafte Liebenswürdigkeit vollständig in ihre Netze zu fesseln weiß, und so nicht nur jede Arbeitskraft und Lust in ihm erlahmen macht, sondern auch auf sein moralisches Bewußtsein bedenklichen Einfluß gewinnt. Herr Niem ei er hatte diese Figur mit feinem Verständniß erfaßt und wußte sie ohne schauspielerische Mache, sorgfältig abwägend zwischen Erlaubtem und Zuviel, mit vollendeter Kunst wtederzugeben. Seine Partnerin, die nervöse, reizbare Frau Adah, jene „mißrathene Copie der Salondamen aus Pariser Conversationsstücken", hatte in Frl. Schumann eine passende Vertreterin gefunden. „Kitty", das frühreife, kecke, hastige Wesen, dem ein gutes Gemüth innewohnt, das jedoch durch die saloppen Formen, die sie ihrer Umgebung abgelernt hat, verborgen wird, gab Frl. Geig le r recht zufriedenstellend. Auch der etwas spießbürgerlich angehauchte „Professor Stieman" des Hrn. Reiff ließ, ebenso wie der linkische „Schulamtscandidat Kramer" des Hrn. Stückel, nichts zu wünschen übrig. Last not least sei noch Frau Director Reiners lobend erwähnt, die das scheue, liebliche „Clärchen" mit großer Grazie und An- muth verkörperte. — Im Allgemeinen leuchtete über der allerdings etwas sehr gekürzten Wiedergabe des Stückes ein recht glücklicher Stern. Auch das Publikum war recht zahlreich erschienen und spendete den gebotenen Leistungen reichen Beifall. * * Neues Theater. Auf die Sonntag Mittag stattfindende Kinder- und Schülervorstellung, die neulich einen so großen Anklang gefunden, sei hier empfehlend hingewtesen. Das (Sujet des morgigen Stückes „Max und Moritz" ist ebenso bekannt, wie das des letzten und dürften deshalb den Kleinen einige äußerst vergnügte Stunden sicher in Aussicht stehen. * * Gefindeordnuug betr. Auf die in vorliegender Nr., 2. Blatt, abgedruckte Bekanntmachung Großh. Polizeiamts, betr. die Gesindeordnung, sei hiermit besonders aufmerksam gemacht. * * Alters- und Zuvalidit'atSverficherung. Die in verschiedenen Orten vorgenommenen Revisionen der Quittungskarten der unständigen Arbeiter (Taglöhner, Näherinnen, Wäscherinnen und bergt.) haben ergeben, daß Beitragsmarken für diese Personen überhaupt nicht, theilweise nur sehr mangelhaft verwendet werden. Die Folgen hiervon machen sich zum Nachtheile der Versicherten von Tag zu Tag mehr geltend, und schon mancher Rentenanspruch hat abgelehnt werden müssen, weil nicht hinreichend Beitragsmarken verwendet waren. Nachtheile für die Arbeitgeber werden aber ebenfalls eintreten, insofern gegen diese für die Folge mit aller Strenge vorgegangen wird, um durch Verhängung von Ordnungsstrafen die vorschriftsmäßige Markenverwendung herbeizuführen, falls die Arbeitgeber nicht vorziehen sollten, aus eigenem Antriebe für richtige Marken - Verwendung zu sorgen. Es ist hierbei hervorzuheben, daß die Arbeitgeber durch Zahlung der Hälfte der Beiträge, also ihres Beitrags- antheils ihren Verpflichtungen noch nicht nachgekommen sind, daß sie vielmehr auch für die thatsächliche Verwendung der Beitragsmarken haften, daß ferner der erste Arbeitgeber in der Woche die Verantwortung für d e Markenverwendung trägt und daß ein Arbeitgeber, der eine versicherte Person am Freitag oder Samstag beschäftigt, der erste Arbeitgeber ist, wenn an den vorhergehenden Tagen Lohnarbeit nicht verrichtet wurde. Es ist daher Pflicht der Arbeitgeber, auf Vorlage der Quittungskarte zu bestehen und nöthigenfalls die Auszahlung des Lohns bis zur Herausgabe der Karte zu verweigern. Den Versicherten ist anzurathen, falls sie die Beitragsmarken selbst verwenden, stets den Bei- tragsantheil der Arbeitgeber zu fordern, da sie auf Zahlung der Beitragshälfte durch die Arbeitgeber ein Recht haben und die Arbeitgeber im Falle der Zahlungsweigerung mit Strafen belegt werden können. Schließlich ist noch darauf aufmerksam zu machen, daß Arbeiter, welche in einem regelmäßigen Arbeitsverhältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen, insbesondere z. B. Taglöhner auf größeren Gütern, nicht berechtigt sind, die Beitragsmarken selbst zu verwenden, sie sind vielmehr vorschriftsmäßig anzumelden, worauf alsdann die Beiträge von den Arbeitgebern durch die Einzugsstellen eingezogen werden. * * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Viehhändler Adolf Kaufmann aus Ettingshausen von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Meineids- Geschäftsreisender Ja ob Neuhaus aus Fulda von derselben wegen Unterschlagung- Uhrmacher Jacob Regner aus Fürth i. O. von der Staatsanwaltschaft in Darmstabt wegen Betrugs $ ',"b ilutig. ”tT* tot 1804. ■w aulR * tM; *" «tr* ift, nb fenmhftt J« ftfleln 6,(16 ” 6» ->lch»„ ,utoitt Wttt, 7° Me Ji8«t h< ohne schau, scheu Erlaubte« »geben. (§e|nt ne ,/Mißrathme *V, hattt "in gefunden, dem ein guter eppen formen, wird, gab m etwas spieß. >es Hrn. Nr iss udidat Kramer" brig. Last not end erwähnt, die Grazie und Au- chtele über der des Stüikrs ein war recht zahl- Stiftungen reichen ittag stattfindende die neulich einen flcnd hingewtesen. nb Moritz" ist ttn btfbalb bin her in Aussicht oxlugenbtt Nr., >ßh. PoiizriawtS, derS aufmerksam ,f"« 6tWe u .EM« la eDH9Uren nu, ^"bedingt er. ®a,M zum gemein dichter ? *”t bie irr &»n, .. g. Die in derber QuittungS- er, Seherinnen, i Beitragsmarken toeife nur sehr hiervon machen g zu Tag mehr h hat abgelehnt ragsmorken oer» )et werden aber t die Folge mit Berhävgung von hxttnntxroenbung vorziehen sollten, - Verwendung zu » die S-britgtbet so ihres Beitrags' ochgekommcn sind, Verwendung ferner der erste für d e Markender eine versicherte löftlflt, der erste dm T°«°» * -h-r Pi«* b“ , iur ®"’“i it ift «"«“"ft ‘ t(t8 »-» ft, auf * ein 'M S’6“ > i“ ‘g. W ere J* bie Bei- iltigl vor- linb ti! Seittaflt s* **■ Sein'1. w(ji» Dieustknecht Johann Rötzer auS Oberwied (Oberpfalz) von der Polizeiverwaltung tu Offenbach wegen Diebstahls- die 17jLhrige Marie Rübe auSBillingen von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen KtndeSauSsetzung - der Heumakler Christian Schäfer auS Offenbach von der dortigen Polizei« Verwaltung wegen Unterschlagung- ein Unbekannter, der sich fär einlu Geschäftsreisenden Weber deS (gar nicht existirenden) Frankfurter WaarenhauseS Eduard Henkel Söhne auSgab, vom AmtSanwalt I in Darmstadt wegen Betrugs - Dachdecker Wilhelm Wundram auS Hildesheim vom Amtsgericht Friedberg wegen Diebstahls. D. Ztg. •• Za Amerika verstorbene Hesten. New-Iork City. Sufanna Schmidt, geb. Erbelding, 50 Jahre alt, aus Bingen a. Rh. Beardstowu, Jll. Elisabeth Rohn, geb. Langohr, 83 Jahre alt, auS Nieder. Ohmen, Kreis Alsfeld. Brooklyn, N. U. Pastor Johann M. Wagner, 67 Jahre alt, auS Flonheim, Rheinheffen. Cincinnati, O. Georg C. Spiegel, 74 Jahre alt, aus Michelstadt, Kreis Erbach. •* Segensreiche Einrichtungen. In wie anerkennens- werther Weise der Süddeutsche Gastwirtheverband bestrebt ist, für daS Wohl der Angehörigen seiner Mitglieder zu sorgen, beweist auch deffen Sterbekasse. Diese bezahlt, bei niederen erschwinglichen Beiträgen, bedeutende Summen auS, die im Stande sind, bei Sterbefällen jeden Gedanken von Noth fernzuhalten und die nur durch besonders günstige Umstände, als billige Verwaltung und vorzügliche Organisation, ermöglicht sind. So starb dieser Tage in Mainz Herr Gastwirth Jacob Barth, in Abenheim bet Worms Herr Gastwirth PH. Kaltenborn, Mitglieder dieser Sterbekaffe, deren Hinterbliebenen die Sterberenten im Betrage von je 1250 Mark durch die Bezirksortsrechner Herrn Gastwirth L. Mondrion zu Mainz und I. Jennewetn zu Worms ausbezahlt erhielten. Dies kann sicherlich als eine gute, Noth verbannende Einrichtung bezeichnet werden, welche die allgemeine Anerkennung verdient. Der beste Beweis, daß das segensreiche Wirken dieser Kaffe die richtige Würdigung findet, beweist der Umstand, daß dieselbe heute mehr als 5200 Mitglieder besitzt. Angesichts solcher großartigen Einrichtungen dürste e» im eigenen Interesse aller Gaftwirthe unseres Leserkreises liegen, den in fast allen Städten und Land- beztrken bestehenden Gastwirthevereinen beizutreten, und damit bie Mitgliedschaft des Süddeutschen Gastwirtheverbandes, als auch seiner Sterbekaffe zu erwerben. Beitrittsberechtigt zur Sterbekasse sind sowohl die Mitglieder des Süddeutschen Gastwirtheverbandes, als auch deren Ehefrauen. Diese Kasse hat bis heute 45000 Mark für Sterbegelder ausbezahlt und Labei 47 000 Mark Ueberschuß erzielt; die Verwaltung, welche in den Händen des Herrn Stadtverordneten und Gast- wirthS C. Reinemer in Darmstadt liegt, gibt jede gewünschte Auskunft. ** Die bekannte» Pariser Schwindefirmen Bvron, „Comptoir Montmartre", 74 Avenue de St. Quen und Läon, „Internationale Bank", 32 Rue de Blancs-Manteaux, auf die schon mehrfach warnend hingewiesen worden ist, scheinen ihre betrügerische Thätigkeit in den verschiedensten Theilen Deutschlands trotzdem in gewohnter Weise fortzusetzen und auch immer wieder neue Opfer zu finden. Die Art des Vorgehens ist immer die alte. Mit Zeitungsannoncen bieten fie Gelddarlehen zu günstigen Bedingungen an und wissen sich Labei von leichtgläubigen Geldfuchern Vorschüsse zu verschaffen, um alsdann den Darlehensuchenden vollständig werthlose Wechsel zu übersenden. Da die Geschädigten überdies in vielen Fällen eine Anzeige scheuen, so wächst die Dreistigkeit Lieser „Firmen" mit ihrem Erfolge. Es kann deshalb nicht dringend genug zur größten Vorsicht gegenüber allen derartigen, von Parts ausgehenden Annoncen gcrathen werden, welche die Beschaffung von Darlehen gegen billige Zinsen zum Gegenstand haben. Lauterbach. 7. Februar. Heute hat Herr Amtsrichter Schmeckenbecher unsere Stadt verlassen, um nach Darmstadt als Amtsrichter überzusiedeln. Der Genannte ist mit schwerem Herzen von hier geschieden, denn er hat mit großer Liebe an seinem hiesigen Bezirke und an seiner Berussihäligkeit in demselben gehangen. Daß ihn jedoch auch die hiesige Bevölkerung mit großem Bedauern scheiden sieht, daS haben ihm in den letzten Tagen die sehr zahlreichen Besuche von Leuten aus allen Schichten der Bevölkerung und auS allen Orten unserer Gegend, die noch persönlich von ihm Abschied nehmen und ihn womöglich zum Hierbleiben bewegen wollten, bewiesen. H. Aus dem Horlosfthale, 8. Februar. Seit einiger Zeit kann man eineu sehr nothwendigen Haushaltungsartikel, die Butter, um den recht annehmbaren Preis von 75 bis 80 Pfennigen erhalten. ES ist aber — um jedem Jrrthum j vorzubeugen — keine Süßrahmbutter, sondern sog. Landbutter. ES giebt viele Personen, welche die Landbutier, wenn sie frisch ist und richtig hergestellt wurde, der Süßrahmbutter vorziehen. Daß die B.tter trotz der ungünstigen Futter- verhältniffe so niedrig steht, hat seinen Grund in zwei That- sachen- einmal: weil in den Monaten December und Januar auf dem Lande geschlachtet wird, wodurch es viel Schweineschmalz giebt, welches die Butter vertritt. Dann: weil auch viele Gänse geschlachtet werden, deren Fett die Butter ebenfalls ersetzt. Der Butterconsum ist demnach auf dem Lande um die gegenwärtige Zeit wesentlich geringer als in anderen Monaten, weshalb die Preise sinken. Es darf erwähnt werden, daß die Qualität der Landbutter an manchen Orten etwas geringer als sonst ist. Vielfach füttern die Leute Rüben und Stroh, aber wenig Heu und Kraftfutter mit dem Milchvieh, wodurch die Milch weniger fettreich wird. Die verehrlichen Hausfrauen werden gebeten, beim Einkäufen der Butter auf das Aussehen und den Geschmack derselben zu achten. Es ist nicht alles — Butter was glänzt. — Das Genossenschaftswesen hat in unserer Gegend einen weiteren Erfolg errungen, was zur Aufmunterung der Land- wirthe berichtet werden soll. Die landwirthschastliche Ge- noffenschaftsmolkeret zu Reichelsheim t. d. W. hatte durch die Futternoth deS Jahres 1893 kaum 2000 Liter Milch zu verarbeiten. Obgleich Futtermangel noch herrscht, beträgt das Milchquantum jetzt das Doppelte — 4000 Liter, weil viele Landwirthe, die Wohlthat des Zusammenschlusses einsehend, beigecreten sind, so daß die Molkerei nun vollauf zu thun hat. Die Leitung des Ganzen liegt in sehr tüchtigen Händen, die Erfolge sind erfreulich. VerinHchte- ♦ Ahbach, 8. Februar. Am verfloffenen Sonntag hat der hiesige OrtSdiener Hedderich durch Erhängen' seinem Leben ein Ende bereitet. Vor einiger Zeit war die Frau deS H. im Wochenbette gestorben und man nimmt an, daß dieser Fall, der den H. um so härter traf, alS er noch elf minderjährige Kinder besitzt, einen Hauptgrund für seine Ver- zweiflungSthat gebildet habe. Von den armen Waisen haben mehrere, darunter ein Säugling, bereits in wohlthätigen Familien, die sich dazu erboten, Ausnahme gesunden. W. A. * Fravkf»r1 a. M, 9. Februar. Gestern Abend wurden dem in Mannheim wohnenden Schaffner Heinrich Schneider auf der Station Niederrad beide Beine abgefahren. * Frankfurt a. M., 9. Februar. Gestern kam eS hier zur Gründung eines Verbandes, in dem fast sämmt- liche süddeutsche Rennvereine vertreten sind. * Berlin, 9. Februar. Der verheirathete Schlaffer Filzhut hat an der 12jährigen Tochter eines mit ihm im selben Hause wohnenden Drehorgelspielers Lustmord verübt. Das Kind kam vor seinem Tode noch einmal zum Bewußtsein und konnte den Mörder namhaft machen. * Erfurt, 7. Februar. Die „Frankfurter Zeitung" brachte vor Kurzem die Meldung, daß der vor einer Reihe von Jahren aus feiner Garnison Erfurt wegen Unterschlagung staatlicher Gelder flüchtig gewordene Hauptmann des 71. Infanterie-Regiments, v. Schtllersheim, sich freiwillig der Militärbehörde gestellt habe. Am verflossenen Freitag nun wurde der fahnenflüchtige Offizier, der seither in derMtadelle Petersberg internirt war, unter Ausstoßung auS dem Militärstande zu sechs Jahren Gefängniß verur- theilt. v. Sch. wurde behufs Verbüßung seiner Strafe nach Cottbus überführt. * Aus Mecklenburg, 7. Februar. Auf dem Gute Warelow bei Gnoien brach in der Nacht zum 4. Februar Feuer aus. Drei unter weicher Bedachung errichtete Schafställe und eine Scheune brannten nieder. 850 Schafe sind in den Flammen umgekommen. * Aus der Schweiz, 8. Februar. Ein neumodischer Handwerksbursche ist dieser Tage, wie das „Bad. Tagebl." berichtet, durch das Bünsthal gereist. Es ist ein Schreinergeselle, der Arbeit sucht auf dem — Velociped. Vorn am Dreirad hängt der Reisesack, mitten sitzt der Geselle, hinten sind Stock und Schirm, Säge und Beil angebracht. Gewiß höchst practisch, da der Geselle die Arbeitsgelegenheit auf diese Weise rascher erreicht. ANOzreg auf den Sfanfeexmtowgiftam der Stadt «iefjen. Alufgedote. Februar: Philipp Pirr IV., Metzger zu Großen-Linden. mit Johanna Margaretha Franziska Kahl daselbst. 5. Karl Müller, Küfer zu Waldhof, mit Ursula Altenhöfer zu Waldhof. 5. Johann Philipp Mandler, Taglöhner dahier, mit Katharine Marte Hatzfeld hterfelbst. 6. Johannes Junker, HauSbursche dahier, mit Eltsabethe Müller hterfelbst. Ghefchlisßtm-eir. Februar: 7. Jacob Friedrich Müller, Hoboist dahier, mit Karoline Marte Elisabeth DebuS hterfelbst. 9. Heinrich Wilhelm Völpel, Kutscher dahier, mit Marte Dtehl hterselbft. 9. Ludwig Jacob Zierletn, Bierbrauer dahier, mit Wilhelmine Biebricher hter- selbst. 9. Philipp Bernhardt, Bahnarbetter dahier, mit Sophie Schaum, geb. Stier, hterselbft. Sebottut* Januar: 28. Dem Schneider Carl Schnell eine Tochter, Katharine. 29. Dem Schretnermetster Karl Hahn ein Sohn. 30. Dem Schmied Ernst Doll eine Tochter, Lina Mathilde. 3l. Dem Bureau- gehülsen Ferdinand Sturm eine Tochter, Elisabeth Mathilde Dora. Februar: 2. Dem Gärtner Johannes Schneider III. ein Sohn. 3. Dem Kaufmann Julius Siesel ein Sohn, Walther. 3. Dem Bremser Heinrich Schneider V. ein Sohn. 4. Dem Hilfsbremser bei der Main-Weser Bahn Emil Günther eine Tochter, Elise Wilhelmine. 5. Dem Metzgermeister Konrad Bepler eine Tochter. 6. Dem Bremswärter Georg George ein Sohn, Karl Georg August. Sestorverr«. Februar: 3. Eltsabethe Gras, 70 Jahre alt, dahier. 4. Philipp SLaud, 66 Jahre alt, Privatmann dahier. 4. Eltsabethe Becker, 7 Jahre alt, Tochter von Landwitth Emil Heinrich Brcker zu Rödgen. 6. Friedrich Simon, 55 Jahre alt, Schubmachermetstec dahier. 6. Luise Müller, l‘/2 Jahre alt, Tochter von Metzger Wilhelm Müller von Ehringshausen, Kreis Wetzlar. 7. Ludwig Schaub, 3 Monate alt, Sohn von Fuhrmann Valentin Schaub dahier. 9. Elisabeth Hatnbach, 26 Jahre alt, ledig, dahier. Au»r«g aus den 2ttrchenbüch«rn der Stadt (Sietzen. Evangelische Gemeinde. Getränte. Matthäusgemeinde. Dm 9 Februar. Philipp Bernhardt, Bahnerbeiter in Gießen, Wittwer, und Sophie Schaum, geb. Stier, Wtttwe deS oerstorbmen Schuhmachers Johannes Schaum In Gießen. Milttärgemetnde. Dm 8. Februar. Jakob Friedrich Müller, Hoboist und Karoline Marie Elisabeth Debus, Tochter des verstorbenen Schaffners Heinrich Debus zu Gießen. _ , _ •Häufte. Dm 4. Februar. Dem Rangtrer Wilhelm Döll eine Tochter, Emilie, geborm dm 16. Januar. Markusgemetnde. Dm 4. Februar. Dem Rangtrer Adam Zinn ein Sohn, August Balthasar, geborm den 27. December. Dm 8. Februar. Dem Gastwirth Adolf Vogt eine Tochter, Wllhelmine Marte, geboren den 30. September. Dm 9. Februar. Dem Rechtsanwalt Dr. Ludwig Jung ein | Sohn, Eduard Wilhelm Hermann Ludwig, geboren dm 9. November. LukaSgemetnd e. Dm 4. Februar. Dem Kutscher JustuS WeierSheuser ein Sohn, Heinrich, geboren dm 7. Januar. JohanneSgemeinde. Dm 4. Februar. Dem Schreiner Carl Peter eine Tochter, Margarethe, geboren den 22. December. Mtlitärgemeiode. Dm 4. Februar. Dem (Sergeanten und BataillanStambour Christoph Balthasar Brücke! eine Tochter, Auguste Johanna EmUte, geboren den 8. Januar. BtttbigU. Matthäusgemeinde. Dm 6. Februar. Philipp Schaub, Privatmann, alt 66 Jahre, gestorben dm 4. Februar. LukaSgemeinde. Dm 6. Februar. Elisabeth Gräf, alt 71 Jahre, ftard dm 3. Februar. JohanneSgemeinde. Den 4 Februar. Anna Lehrmund, ledige Tochter deS oer- storbenm Carl Lehr wund, alt 21 Jahre, starb den 2. Februar. Den 8. Februar. Johann Friedrich Simon, Schuhmacher- meister, alt 55 Jahre, starb den 6. Februar. Verkehr, Land- und volkrwirthschaft. 10. Februar. Marktbericht. Aut bem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,90—1,00, Hühnereier 1 Stück 6-7 4, 2 Stück - X. Käse pr. St. 5-8 X, Käsematte pr. St. 8 X, Erbsen vr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 30 X, tauben pr. Paar X 0,70-0.80, Hühner pr. Stück X 1,00-1,20, Hahnen pr. St. X 1,20-1,40, Enten pr. St. X 130 bis 2.2), Ochsmfleisch pr. Pfd 62—68 X. Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 50-56 X, Schweinefleisch pr. Psd. 60-70 X, Kalbfleisch pr. Pfd. 50—56 X, Hammel, fleisch pr. Psd. 40—60 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00-6,00 X, Weißkraut pr. Stück 4 -10 X Zwiebeln pr- Cmtner 7,00-8,00 X, Milch pr. Liter 16 20 X Gänse pr. Psd. 50-60 X Brodpreise vom 11. Februar bis 25. Februar 1894. Der hiesigen Bäcker. 1 Kg. (2 Pfd.) Tafelbrod......26 Pfg. 2 Kg. (4 Pfd. „ ......52 „ 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod......24 , bei S. Siem (Schlüchterner u. Casseler Brod) 25 „ 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod......48 „ bet S. Stern (Schlüchterner u. Casseler Brod) 50 , 1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrod......22 , Der auswärtigen Bäcker. 2 Kg. (4 Psd.) Weißbrod bei Gg. Ant. Heuser v. Gr.-Lindm 40 „ 1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrod b. W. Stetnmüller v. Lang-GönS 21 „ bet W. Amend von Lang-GonS 22 „ bet Aug. Deibel von Wieseck 24 „ „ Gg. A. Heuser v. Gr.-Lindm 38 „ 2 Kg. (4 Psd.) „ „ Joh.Kd.Veltev.Ktrch-GönS40 W. Steinmaller v. L.-GönS F. Schön v.RutterShausm u. Wilh. Ammd v. Lang-GönS 42 „ bei Gust. Jacobi v.Alten-Buseck und Aug. Deibel v. Wieseck 44 „ 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod „ Gust. Jacobi v. Alten-Buseck „ Balth. Christ Ww. v. Wieseck 66 „ ' Der Brodverkäufer. 1 Kg. (2 Pfd.) Tafelbrod......26 Psg. 2 Kg. (4 Psd.) Tafelbrod......52 , 1 Kg. (2 Psd.) Weißbrod......24 „ 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod......48 „ 1 Kg. (2 Psd.) Schwarzbrod......22 , 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod......44 „ 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod......66 „ Gießen, den 10. Februar 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Nrankfnrter Gtadttheater. Für die nächste Woche auf die Bühne gelangende Reuetnstu- dtrung und Reuinscenirung deS „Lohengrtn", welche sich zu einer Gedächtnißseter für Richard Wagner gestalten soll, sind Im Opernhause alle Vorbereitungen im Gange. Es dürste von Jntereffe für das Publikum sein, zu erfahren, daß in dieser Aufführung fast alle bisher gemachten Striche in der Partitur in Wegfall kommen und die ursprüngliche Bühnen-Musik wieder hergestellt sein wird. DaS Chorpersonal wird durch Verwmdung der in der Chorschule deS Opernhauses ausgebildeten Gesangskräfte auf 120 Stimmen gebracht sein. Die neuen Decorationen find theilweise von Professor Brückner in Coburg und theilweise von unserem einheimischen Maler Waldemar Knoll hergesttll'. Sämmtltche Coftüme und Rüstungen find, getreu nach Figurinen aus dem zehnten Jahrhundert, neu angeferttgt. Friedrich Haase wird Ende der nächsten Woche im htesigm Schauspielhause ein kurzes, auf einige Abmde sich erstreckendes Gastspiel eröffnen. Bedeutende Betriedsersparnisse m'Xta maschinellen Anlage der Großindustrie, des Kleingewerbes oder der Landwirtbschaft durch Aufstellung einer Wolf'schen Locomobile al« Betrtebsmaschtne erzielt- Die von der rühmlichst bekannten Maschinm- fabrik von R. Wolf in Magdebnrg-Bucka« seit mehr als 30 Jahren als Specialität gebauten balbstationären und fahrbaren L o comobtlen mit ausziehbaren Röhrenkesseln Übertreffen an Sparsam- kseii des Brennmaterialverbrauchs, Dauerhaftigkest und Leistungsfähigkeit jegliche Motoren anderen Ursprungs u. haben auf allen deutschen Locimobil-Concurrevten den Sieg davongttragen. [403 Mißverständnissen vorzubengen kann nicht oft genug betont werden, daß Kathreiners Knetpp-Malz- kaffee nicht einfach gebrannte Gerste ist. sondern aus Malz besteht, welches nach mehreren Deutschen Reichspatenten mit Bohnenkaffee- Geschmack imprägniert wird. 1 tot*» * XIX ** Bergers Bergers 1179 Goldene Medaille f. Volksernährung u. Armeeverpflegnng^ 'Giessener Concertverein. Ijfe 1177 Fr. Chopin. Concertflügel: Julius Blüthner. Wetzlar. 1188 [965 locale statt. Kathreiners D.R. Patent 1163 gebaut ohne Kinder nach Offenbach gesucht 120X0 Gelsen. ®«|WzÄd. Reichrbank-Diirevnt 3 pSt. — Frankfurter Bank-Discont 3 pLt. fl. 20.40 20.35 16.65 166? 4.16 Rufs. JmperialeS 4.19 b®SS 9.5c 3, a. 0 du mein Abendstern b. Mazurka . o. Ständchen »rief 9.60 holder . . . Wagner-Liszt. . . . B. Godard. . . . Schubert-Liszt. 146.001 Ber. Kvntgs-Laurah.-SlcL Lradeu»: fest. vermischte Anzeigen. Sandstück zu leihen, event. d. Gavotte A-moll . e. Preludio E-moll . f. Ungarische Rhapsodie. . . I Der Verein für vereinfachte Stenographie, Gießen eröffnet am Donnerstag den 1. März d. A., Abends 9 Uhr, im Locale des „Hessischen Hof" unter Leitung des Herrn C. Herber den dritten Anfänger-Cursus für Vereins. Stenographie. Theilnehmer- karten h Ml- 6— (incl Lehrmittel) sind 931] Mädchen suchen Stellen für gleich und später durch Frau Sparr, Kaplansgasse 10. Eintrittskarten für Nichtmitglieder ZU Mk. 2.50 (Sperrsitz Mk. 3.50), sind in der Musikalienhandlung von Ernst Challier (Rudolphs Nachf.), für Studirende auch bei Hin. Hausverwalter Storck zu ermässigtem Preise zu haben. Im Hinblick auf die Sonntagsruhe findet am Concerttage ein Billetverkauf von 3 Uhr Nachmittags ab nur im Concert- Monats - Versammlung Montag, L2 Februar 1894, Abends 8Vi Uhr bei König. Männer - Badeverein Generalversammlung Bekanntmachung. Hiermit zur Kenntniß, daß die laut Annonce vom 23. vor. Mts. ausgeschriebene Verpachtung der Gemeindejagd nicht stattfindet. Büdingen, den 9. Februar 1894. Großb. Bürgermeisterei Büdingen. Knaf. 1182 zu kaufen gesucht. Offerten mit Preisangabe unter der Chiffre X. Y. an die Expedition d. Bl. erbeten.[1185 Montag den 12. Februar, Abends 8 Uhr auf Lonys Bierkeller. Tagesordnung: Rechnungslegung für 1893, Neuwahl eines Präsidenten, ErgänznngSwahl des Vorstandes. Der Borstand. Germania -Cacao per */] Dose Mk. 2.80 (lose billiger). Consum - Cacao per 1/, Dose Mk. 2.—. Schlackensteine- aus Schlackenmehl und Schlackensand mit Dampfpr-ss-n gepreßt, leichter -lr Ziegelsteine eignen sich ganz vor- Tageiardnung: C°rps°ng-l-g-nh-tt°m züalich, da sie gesunde und trockene Wohnungen schaffen, zur Ausmauerung 3« ^1184 von Holzfachwerk an Gebäuden aller Art, sowie zu massiven Gebäuden, Der Vorstand. Ersatz für Cement und Kalk aller Art, sowie Schlackensand, zusammen der Versteigerung ausgesetzt. Alsfeld, den 8. Februar 1894. Großherzogliches Ortsgericht Alsfeld. Arnold. Für Fuhrleute! 12t 6] Awei Hebladen mit sechs schweren Kelten hat billig *u verkaufen Heinrich Simon Neuenweg 32. zu richten unter O 7391 an Rudol Moffe Frankfurt a. M.118u Consum - Chocolade per V, Pfd. Mk. 1.—. Kaminen, Brandmauern rc. . Die Steine sind, da sie nicht gebrannt werden, sondern cementarttg erhärten, widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse! Sie werden in zwei Größen: 250x120x100 m/m, sowie 250x120x65 m/m gefertigt. Schlackenmehl 1156]________________________________ Md» Durch meine anhaltende Krankheit ist es mir nicht möglich, meine Geschäftsausstände selber beizutreibeu; ehe mich deshalb veranlaßt, dieselben durch eine andere Person beitreiben zu lassen. 1178 Heinrich Schomber, Ztcgrlnbksihcr. 20 Franken-St. 20 do. in Vi Dollars tu Gold Mexiko - Chocolade per % Pfd.Mk. 1.60. Fünftes Concert (102. Vereinsjahr) Sonntag den 11. Februar 1894, Nachmittags 4 Uhr, im Saale des QesellBOhaftavereina. Ausführender: Raoul Koczalski aus Warschau. Der Ausverkauf Nr. 50 Bahnhofstrasse Nr. 50 vis-ä-vis Hotel Schütz K dauert nur noch bis Donnerstag Abends den 15. d. Mts. und werden sämmtliche Weist-, Wolle- und Kurzwaaren, Manufaktur- und Ellenwaaren, Buckskin, Stoffe und fertige Garderoben, sowie noch viele andere Artikel, um gänzlich zu raumen, zu noch nie dagewesenen billigen Freisen ausverkaufte Der Gesammt-Auflage des heutigen Blattes liegt eine Extrabeilage der Buderus’schen Eisenwerke, Main Weser-Hütte bet Lollar, über Schlackensteine rc. bei. [1173 «SMsbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frankfurter Börse vom 10. Februar 1894. Gchr«He»«rte 1 Uhr 15 Min. Hersogl. S. M. Hof-Chocoladen- und Cacao-Fabrik Robert Berger, Poessneck i. Thür. | Raoul Koczalski. . F. Liszt. gesucht. Für eine süddeutsche mittelgroßeCigarren- Fabrik, ein mit der Fabrikation vollständig vertrauter, durchaus zuverlässiger, ver- heiratheter Betriebsleiter mit guten Tabak, kenntnissen, in mittleren Jahren. Beste Zeugnisse erforderlich Selbstgeschriebener, genauer Lebenslau ! und sonstige Angaben sind einzusenden an * « Herrn Tabakmakler Christian SieverS, 2® Breme« mit Aufschrift: -Fabrik.- «? Discretion zugesichert.1200 > 1187] Ein tüchtiger Wagnergeselle findet dauernde Beschäftigung b. Heinr. Arnold, Wagnermetsier, Rödgen. 1207] Zwei Herren suchen zwei tnetn, andergehende möbltrte Zimmer in der Nähe der Kliniken. Näheres unter F. W. an die Expeditton dieses Blattes.(1207 i Mühlen- o. Guknerßeigrenng. ____ Auf Antrag der Frau Eduard Specht Wittme soll deren am Weg nach Altenburg, Gemarkung Alsfeld, gelegenes Anwesen, bestehend in Mahlmühle mit zwei Gängen, Walzenstuhl, Schrotgang, Scheuer, Stallung, großem Garten nebst 5 Morgen bei der Hofrauye gelegenen Wiesen und ca. 12 Morgen ganz in der Nähe der Muhle befindlichen Aeckern bester Lage, Mittwoch den 28. t. Mts., Nachmittags 4 Uhr, im Rathhause unter günstigen Bedingungen versteigert werden. 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