iefel *** öUknbura W6 Gch 9. nlMut.is ). 4663 Anchenn Sier, ine Weine. ~Mt DitM. hrle. garten. Weine. ™ Abonnement 4800 i Ummer.________ Handlung [eil Jfltrtwjt.55 !rei Gießen: per Msche IS Pjg. Ö ., - Vs Haus. 218 Spessart- röder. * ach neuester Analy-1 Villa. Grosser Park. >0-5,50 JL nach Wahl stalten können bis M e durch einen gep^ ir 28 Tage. Beider* nbeL^uskunftj^1 ilMM Ä«'S lt>>"Ä* »SS» ssS'^ jKarz. lade gehör.; (( Golde^ “losel. Ä ycttc«, x .m. Nr. 138 Drittes Blatt.Sonntag den 10. Juni 1894 Der H«« «scheint täglich, ■M lu»nähme bei Moatagl Di« Gießener »eelCUeiriltit Boten txwi Inzeiger -»chentilch br«iee( u-t--«--- •nfCMji. Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. 9 tBerl 3j Pig. ■* •neyrt*. D«ch die Po, b«MD» 1 *«rt 60 IH. ub Onidrr*: »crNr* M- Zlints- und Anzeigeblntt für den Kreis Giefzen. T chratisöeikage: Gießener Kamikienölätter. Cocoles und prorinjUUe». Siehe», den 9. Juni 1894. ** Tchwurgerichtsverhandluug vom 8. Juni 1894. Zur Verhandlung kommt heute die Strafsache gegen Margarethe Rempel von WeningS wegen Meineids und Karl Friedrich Kaiser Eheleute daselbst wegen Anstiftung. Die Staatsanwaltschaft ist vertreten durch Großh. Ersten Staatsanwalt JÖckel, Margarethe Stempel wird vertheidigt von Herrn Rechtsanwalt Kraft, Karl Friedrich Kaiser Eheleute von Herrn RechtSanwalt Hirschhorn. Die Geschworenenbank ist gebildet durch die Herren Johannes Seim, Friedrich Herdt, Johannes Schwarz UL, Jacob Nicolaus I., Karl Koch, Jacob Adam, Heinrich Hermann Bausch, Heinrich Neeb, Ludwig Lang, Emil Willems, Ludwig Schadeck II. und Heinrich Sehrt II. — Margarethe Rempel, die 17jährige Tochter der Johannes Rempel Ebeleute von Wenings, ist angeklagt, daß sie am 18. April 1894 vor Großh. Amtsgericht Ortenberg in dem Rechtsstreite des Karl Konrad von WeningS mit Karl Friedrich Kaiser von da wegen EigenthumSvorent- Haltung den vor ihrer Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe- Karl Friedrich Kaiser und dessen Ehefrau, daß sie die Margarethe Rempel zur Begehung des Meineids durch Versprechen oder andere Mittel vorsätzlich bestimmt haben. — Die heutige Verhandlung ergab solgenden Sachverhalt: Pfarrer Haacke von Wenings halte für den verkrüppelten und gelähmten Rarl Konrad von Wenings einen Unterstützungsfonds von einigen Hundert Mark aufgebracht und dieses Capital mit Zustimmung des Konrad in Verwaltung genommen. Im Spätherbst 1893 schloß Pfarrer Haacke mit Karl Friedrich Kaiser zu WeningS einen Vertrag ab, nach welchem Kaiser dem Konrad am 22. November 1892 ab eine Stube miethweise auf die Dauer eines Jahres gegen einen MiethzinS von 38 Mk. überlassen sollte. Hierbei war ausdrücklich bedungen, daß Konrad wegen etwaiger Unreinlichkeiten nicht geschlagen ober mißhandelt werden dürfe. Rarl Friedrich Kaiser ließ sich bald darauf, alS Konrad eingezogen war, einen Vorschuß von 20 Mk. und Dielen im Werthe von 6 Mk. auf den MiethzinS im Voraus von Pfarrer Haacke verabfolgen. Da erfuhr Konrad nach kurzer Zeit Seitens der Eheleute Kaiser eine schlechte Behandlung. Er wurde insbesondere von der Ehefrau Kaiser am 28. Januar 1894, weil er seine Hosen verunreinigt hatte, geschlagen und mißhandelt. Da hierdurch der Vertrag verletzt worden war, sah sich Pfarrer Haacke veranlaßt, den Konrad wieder bei seinem früheren HauSwirth unterzubringen und von Karl Friedrich Kaiser den überzahlten Betrag deS bis zum 29. Januar 1894 berechneten MiethzinseS in Höhe von 18 Mk. 98 Pfg. von Karl Friedrich Kaiser zurückzufordern. Da sich letzterer in Güte hierzu nicht verstand, so erhob Pfarrer Haacke für Karl Konrad Klage, über welche am 28. März bei Großherzogl. Amtsgericht Ortenberg verhandelt wurde. In diesem Termine erging BeweiSbeschluß dahin, daß Beweis darüber erhoben werden solle, daß bei Abschluß deS fraglichen MjtthvertragS dem Karl Friedrich Kaiser ober seinen Angehörigen die Mißhanblung RonrabS untersagt worden sei, die Ehefrau Kaiser den Konrad aber trotzdem mißhandelt habe. Zum Beweis dieser Thatsache war von klägerischer Seite die Philipp Döpp III. Ehefrau benannt worden, während von dem Beklagten Kaiser Johannes Rempel und Margarethe Rempel als GeqenbeweiSzeugen bezeichnet wurden. Die Vernehmung dieser Zeugen fand am 18. April 1894 statt. Die Margarethe Rempel bestätigte zwar, daß Frau Kaiser den Karl Konrad, welcher seine Hosen und ein Papier beschmutzt, an einem Sonntag im Monat Januar zweimal geschlagen habe, sie behauptete aber in birectem Wiberspruch mit ber Aussage bes Zeugen Döpp, ber Ehe- mann Kaiser sei bei biesen Vorfällen nicht zugegen gewesen unb erst hinzu gekommen, alS alles vorüber gewesen wäre. Margarethe Rempel, welche mit Kaiser unb ben Zeugen nach Beendigung des Termins in die Schäfer'sche Winhschaft zu Ortenberg gegangen war, wurde wegen ihrer Aussage von Frau Döpp zur Rkde gestellt und räumte, als Kaiser einmal hlnausgegangen war, ein, daß Kaiser bei dem Vorfälle zugegen gewesen, ihr aber gesagt habe, sie solle nichts sagen. Auf Anrathen deS GastwirthS Schäfer ging Margarethe Rempel mit Frau Döpp an das Amtsgericht, um dort an« zugeden, daß sie ein unwahres Zeugniß abgelegt habe. Sie wurde alsbald wegen Meineids verhaftet und gestand am 19. April vor Großh. Amtsgericht Ortenberg zu, daß sie wahrheitswidrig und gegen besseres Wissen eidlich ausgesagt, Karl Friedrich Kaiser sei, als seine Ehefrau den Konrad geschlagen habe, nicht zu Hause gewesen, während dies doch der Fall gewesen sei, Kaiser seine Ehefrau sogar darauf aufmerksam gemacht habe, daß sie nicht schlagen dürfe und später auch die verunreinigte Hose Konrads heruntergetragen habe. Sie gab weiter an, Frau Kaiser habe ihr, als sie die Ladung erhalten, immer angelegen, sie solle sagen, ihr Mann sei nicht zugegen gewesen. Sie wohne mit ihren Eltern bei den Eheleuten Kaiser zur Miethe und hätten diese daher täglich Gelegenheit gehabt, mit ihr zu sprechen. Wenn sie hie und da einmal gesagt habe, sie werde die Wahrheit sagen, so habe sie Frau Kaiser geschimpft. Zum Zeugenvernehmungstermin sei sie mit Kaiser und ihrem Vater, welcher nicht gut höre, von WeningS nach Ortenberg gegangen. Unterwegs habe ihr Kaiser gesagt, sie solle vor Gericht nur nicht sagen, daß er bei dem fraglichen Vorfälle zugegen gewesen sei, und habe ihr auch bemerkt, sie müsse schwören. Auch in der heutigen Verhandlung wiederholte die Margarethe Rempel ihre am 19. April vor Großh. Amtsgericht Ortenberg abgegebenen Aussagen und Zugeständnisse, die Eheleute Kaiser bestritten nach tote vor, die Magarethe Stempel zum Meineid verleitet zu haben. — Nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Emil Willems) die Schuldfrage bezüglich der Margarethe Rempel bejaht, die bezüglich derselben gestellte weitere Frage, ob dieselbe bei Begehung der That die zur Erkenntniß ihrer Strafbarkeit erforderliche Einsicht besessen, aber verneint, ferner die Schuldfrage bezüglich deS Karl Friedrich Kaiser bejaht, bezüglich seiner Ehefrau aber verneint hatten, sprach daS Gericht die Angeklagten Margarethe Rempel und Rarl Friedrich Kaiser Ehefrau von Strafe und Kosten frei, Per- urtheilte aber den Karl Friedrich Kaiser wegen Anstiftung zum Meineid in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren unb 6 Monaten unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. Außerdem wurde auf dauernde Unfähigkeit desselben, als Zeuge ober Sachverständiger eiblich vernommen zu werden, erkannt. Der Tiegerrer Bankkrach vor Gericht. W. Siegen, 7. Juni. VIII. Der Prozeß, ber manche interessante Phasen aufweist, dürfte, wenn keine besondere Zwischenfälle eintreten, diese Woche sein Ende erreichen. Allerdings werden auch an alle Betheiligte besonders hohe Anforderungen bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit gestellt- die Pausen werden immer kürzer und die Sitzungen immer ausgedehnter, so daß nach Schluß ber Sitzung bie Erschöpfung eine allgemeine ist. Die Angeklagten, die nun vom Publikum in keiner Weise mehr belästigt werden, verlassen baß Gericht auch währenb ber Pause nicht - es ist für sie ein Zimmer reservirt, in welchem sie verpflegt werben. Selbstverständlich bildet ber Prozeß baß TageS- unb insbesonbere Abenbgespräch in ber Stadt- in jeder Wirthschast hört man nichts anderes mehr erörtern, als den Prozeß. Die Sitzung wird um 9 Uhr eröffnet. Fünfzehnter Zeuge, Frau Schröder, Ehefrau des Angeklagten, bat baß zwischen Franz Jung, dem Associe beß Schröber, geführte Gespräch mit angehört, als sie in ber neben bem Zimmer gelegenen Küche war- sie bekundet, daß von Scheinwechseln die Rede war, jedoch kann sie nicht bekunden, daß Franz gesagt habe, Schröder wisse von den Scheinwechseln nichts, er soll gesagt haben, Schröder habe mit der Sache nichts zu thun, wenn er, Franz, auf baß Gericht komme, würde Schröder rasch wieder frei sein. — Franz erklärt, er habe lediglich gemeint unb gesagt, daß Schröder von den Differenzgeschäften nichts wiffe. Eß meldet sich der bereits v:rnommene Zeuge Hutsteine r. Derselbe bemerkt, daß in der Bilanz 1892 für 253000 Mark Effecten (Preußische Consols) aufgeführt find, während in Wirklichkeit diese Werthpapiere von Brüggemann bereits veräußert waren. Die Richtigkeit dieser Behauptung wird durch Vernehmung deS Director Sievers (Deutsche Genossenschaftsbank) seftgestellt, indeß kann nicht festgestellt werden, daß Schröder bei feiner Revision das Fehlen der Effecten, resp. die Veräußerung derselben bemerken mußte- immerhin ist aber die Revision, wennschon nicht gerade strafrechtlich verfolgbar, so doch äußerst nachlässig gewesen, weil man sich einfach mit dem von Berlin vorliegenden Empfangsschein Über die Effecten begnügte, ohne zu untersuchen, ob die Effecten noch Eigenthum deS Bankvereins waren. — Schröder : Ich mochte doch betonen, daß bei ber im März 1893 stattgehabten Revision, welche den Zweck hatte, doch alle Verschleierungen aufzubecken, biese eben namhaft gemachte Verschleierung nicht gefunben wurde- um wieviel weniger war bas möglich bei ber Revision, bie ohne Kenntniß ber stattgehabten Verschleierungen stattfand. Wir haben nach beste« Wissen und Gewissen gehonbelt, sind aber nicht unfehlbar. Sechßzehnter Zeuge, ReichSbankdirector LiSke»Dortmund, früher in Siegen, bekundet: Als ich 1888 nach Siegen kam, standen die Actien beß Siegener Bankvereins auf 1200 Mark. Brüggemann und Kölsch wurden allgemein gelobt und ftr sehr vertrauenswürdig erklärt, unb ba ber Bankverein drei Mal hintereinanber 7 pCt. Dividende gab, hatten wir auch keine Veranlassung, den Verkehr mit dem Institut abzubrechen. Laut Instruction dürfen wir nur Wechsel mit zwei guten Unterschriften nehmen- hätten wir gewußt, daß bie eine Unterschrift (bie der Bank) nicht gut war, so hätten wir Accepte beß Bankvereins zurückgewiesen. Brüggemann hat niemals den Versuch gemacht, uns zu täuschen, eß gab stets ein reguläres Geschäft. Darüber, ob auch wir Verluste an dem Bankverein haben, bin ich nicht berechtigt, Auskunft zu geben. Siebzehnter Zeuge, Kuhhirt Schäfer, soll bekunden, das; Brüggemann einmal im Gefängniß gesagt habe, Nr. 5, auf welcher Schröder saß, sei unschuldig. Zeuge weiß nichts Bestimmte-. Achtzehnter Zeuge, Kaufmann H. Gimbel-Siege», war Mitglied der Commission, die den Credit der Runbeu beß Bankvercinß zu bestimmen, zu prüfen unb Creditüber schreitungen zu verhindern hatte. Zeuge bekundet, daß die Commission sehr genau und gewissenhaft gearbeitet unb nichts Verbächtiges biß März 1893 gefunben hat. Zu btefer Zeit hat Zeuge von Schröder zum ersten Male etwas davon erfahren, baß das Conto Franz nicht in Ordnung fei. — Vorst: Wie war eö denn mit dem Antwerpener Fall? — Zeuge. ES war im April 1892, alß ich mit Fuchs eine Unterredung hatte, in welcher mir klar wurde, daß Franz sich in Antwerpen engagirt hatte mit Getreideankäufen, ich war der Ansicht, eß fei am besten, daß die Sache zurück- reguün würde, Franz gab 47000 Mark in Wechseln unb ich und Schröder reisten nach Antwerpen, um die Sache zu ordnen. — Bors.: Wie war es nsst der Revision 1898 ? — Zeuge: Alß wir entdeckten, daß Accepte von Franz, gegeben 1892, erst im 1. Quartal 1893 gebucht waren, veranlaßten wir die Zurückbuchung und eß wurde eine Commsision zur Ueberwachung ber Franz scheu Geschäfte bestellt. — Es wird nunmehr bie wichtige Feststellung getroffen, — wichtig weniger in strafrechtlicher Beziehung, als zur Characteristik ber Revision, welche ber Zeuge alß sehr genau unb gewissenhaft bezeichnet, — wie bie Revision unb Anerkennung der Richtigkeit ber Bilanz zu Staube kam. A« 31. Dezember 1891 fand die Aufnahme des Vermögens- bestände- de- Bankvereins statt und die Commission kümmerte sich nicht darum, ob die Effecten auch wirklich vorhanden waren, ober ob, wenn sie sich in Berlin befanben, diese Effecten noch Eigenthum der Bank waren, ober nicht. That- sächlich waren die Effecten bereits verkauft und bie Commission begnügte sich mit ber einfachen Empfangsbescheinigung von Berlin, ohne weitere Untersuchung. So kam eS, baß also in dem Bestände, welcher der Bilanz vom März 1893 zn Grunde lag, die Effecten figuriren konnten, ohne vorhanden zu fein. Nun wäre eß ja doch noch möglich gewesen, daß die Bilanz Commission die Effecten nachsehen wollte - also buchte imFebruar 1893Brüggemann die 6 ffecten (253000 Mai t) als verlaust. Die Commission fand nun bei ihren Vergleichen diese falsche Buchung und beruhigte sich mit derselben, ohne der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Allerdings hat sie damit nach der Ansicht der Gutachter correct gehandelt, weil sie sich, ohne zu wissen, daß der Borsland nicht mehr vertrauenswürdig sei, mit der Buchung beruhigen konnten. — Staatsanwalt: Dann wäre es also möglich, Effecten zu verschleudern, ohne daß die Revisoren dahinter kommen? — Gutachter Gronau: Allerdings- die Revision kann derartige Verschleierungen nicht aufdecken, wenn sie nicht etwa Mißtrauen hat. — DaS Sonderbarste an der Sache ist, daß der Zeuge Gimbel erst heute Kenntniß erhalten hat von der Verschleuderung der Effecten der Bank, derselben Effecten, welche die Bilanz:Commission in ihrer saft dreiwöchigen Arbeit entweder alß noch vorhanden, oder alß regulär verkauft, teineßfaQß alß unterschlagen annahm. Zeuge Jung wird darüber vernommen, maß Schroder u. Jung an den für Franz u. Co. vermittelten Geschälten verdienten. Die Provision trug nicht Franz, sondern der Verkäufer. Der Verdienst der Firma war 1891 ca. 15000 Mk., 1890 und 1892 je ca. 8000 Mk., 1889 ca. 5000 Mk. Neunzehnter Zeuge, F. Gimbel, war 1889, 1890 und 1891 Vorsitzender beß AufsichtSrathes. Er bekunde:, daß ihm durch Kölsch und Brüggemann im März 1893 Mit» theilung von der zu späten Buchung der Franz'schen Wechsel geworden und daß dieselben dies damit erklärt haben, daß das Conto Franz niedriger erscheinen sollte. Vorher hat Zeuge absolut nichts von der Franz'schen Geschichte u. bergt erfahren. Zwanzigster Zeuge, Kaufmann W. Kunz-Siegen, war seit 1892 Mitglied der Commission (mit Schröder), welche die Kasse und Wechselbestände zu prüfen hatte- es ist dem Zeugen nichts Unregelmäßiges bekannt geworden. — Vors.: Haben Sie nichts von Schröder erfahren? — Zeuge: Nachdem der Krach schon im Gange war, sagte mir Schröder eines Tages, Brüggemann habe geäußert, wenn er auf die Anklagebank komme, dann Schröder auch, daS könne sich nur auf die Scheinwechsel beziehen. Er, Schröder, habe 1891 einige Franz'sche Wechsel in die Hände bekommen, habe Kölsch gefragt, warum die Wechsel nicht acceptirt seien und Kölsch habe geantwortet, sie seien erst gestern eingegangen. — Bors.: Hat Schröder zugegeben, daß er 1891 bereits die Wechsel als Scheinwechsel erkennt habe? — Zeuge: Nein. — Staatsanwalt: Wie haben Sie Ihre Revisionsarbeit aufgefaßt? — Zeuge: Es war mir zwar keine Instruction gegeben, allein ich betrachtete mir auch die Wechsel auf ihre Bonität- so wurde ich einmal stutzig über die zahlreichen und hohen Fuchs'schen Wechsel und meldete dies dem Aufsichtsrath. — Staatsanwalt: Würden Sie nicht auch Meldung gemacht haben, wenn Sie eine Anzahl nicht acceptirter Franz- scher Wechsel von solcher Höhe vorgefunden hätten? — Zeuge: Das kann ich nicht sagen. IX. Es wurden im Laufe der Vormittagssitzung noch vernommen: Einundzwanzigster Zeuge, Kaufmann I. Vogel, seit 1888 Mitglied des Aufsichtsrathes, weiß auch nichts von auf dem Bankverein vorgenommenen Unregelmäßigkeiten, bis die Sache allgemein publik wurde. Zweiundzwanzigster Zeuge, Lederfabrikant H. Vollmer, ist seit Bestehen des Bankvereins Mitglied des Auffichts- rathes und revidirte jedes Jahr die Kasia- und Wechselbestände, meist mit Schröder. Er hatte das Verzeichniß der Wechsel in Händen, während Schröder die Wechsel durchsah, weiß jedoch nichts davon, daß Schröder 1891 oder sonst irgend welche Ausstellungen bezüglich der Wechsel machte. Dreiundzwanzigster Zeuge, Controlleur des Bankvereins und für einige Stunden des Tages auf dem Bankverein anwesend, C. Geller, hatte Brüggemann und Kölsch zu vertreten, täglich Kassa zu machen rc. Ihm ist niemals eine Unregelmäßigkeit bezüglich des Conto Franz ausgefallen. — Beisitzer Amtsrichter Keller: War es auf dem Bankverein üblich, nicht acceptirte Wechsel der Firma, welche sie abgegeben, gut zu schreiben? — Zeuge: Das kam wohl vor, wenn man die Firma für gut hielt. — R.-A. Lenzmann: Kam es vor, daß bet Wechseln die Accepte vom Bankverein eingeholt wurden ? — Zeuge: Allerdings - Franz'sche Wechsel hatten gewöhnlich kein Accept und wurde dieses meistens vom Bankverein eingeholt. — Staatsanwalt: Bei der kurzen Zeit, die Sie täglich auf dem Bankverein zubrachten, haben Sie wohl kaum genaue Prüfungen vorgenommen? — Zeuge: Nein, nur die Kasse habe ich gezählt und dergleichen. Vierundzwanzigster Zeuge, Kaufmann Quack, zu Gunsten des Schröder von der Vertheidigung vorgeschlagen, weiß nichts zu bekunden. Fünfundzwanzigster Zeuge, Kaufmann R. Schuß- Siegen auf Befragen: Ich wurde mit in die Commision gewählt, die nach Ausbruch des Kraches beim Bankverein mit der Untersachung der Sache betraut wurde. In der ersten Zusammenkunft, die wir hatten, erklärte Brüggemann, was ihm bevorstehe, wisse er, indeß wäre der große Umfang des Kraches vermeidlich gewesen, wenn die Revisions-Commission die Creditüberschreitung des Conto Franz gefunden hätte, wie sie es hätte finden müssen. Eines Tages wurde ich mit Hutsleiner nach Weidenau gerufen, wo eine Zusammenkunft im Hause des Gemeindevorstehers Sasse stattfand- anwesend waren ‘ Hutsteiner, Franz und ich. Franz erzählte, wie ihm die russische Getreidesperre ungeheure Verluste gebracht habe- die Folge sei gewesen, daß er geschäftlich 1892 so zurückgekommen war, daß er erklärte, nicht mehr weiter zu können. Schröder war es jedoch, der darauf drang, beständig weiter zu arbeiten, große Getreidekäufe zu machen und so zu Gelde zu kommen, indem Franz Accepte gab, die durch den Bankverein bei der Reichsbank discontirt wurden. Franz meinte, Schröder sei wie ein Vampyr an ihm gewesen. — Franz: So scharf habe ich mich nicht geäußert. — Zeuge: Doch, ich sagte später noch, wie der Bauer Franz zu dem Worte komme. Bezüglich der Scheinwechsel zeigte Hutsteiner mehr Jutereffe als ich, da ich weniger darauf achtete. — Dorf.: Was sagte Ihnen Franz über die Provisionen, welche Schröder und Jung jährlich von ihm hatte? — Zeuge: Franz bezifferte den Verdienst der Firma auf jährlich ca. 20-30,000 Mark. Hiermit schließt die Vormittagssitzung. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wird in der Beweisaufnahme fortgefahren. Sechsundzwanzigster Zeuge, Auctions - Commiffar I. Steu l er-Weidenau gibt über die Vermögensverhältniffe der Familien Franz und Fuchs Auskunft. Franz galt für einen sehr reichen Mann, die Wittwe Fuchs, Theilhaberin der Firma Franz u. Co., wurde auf mehrere Millionen geschätzt- sie hatte ein Jahreseinkommen (Rente) von 60 bis 80,000 Mark. Brüggemann hat den Zeugen einmal über das Vermögen der Wittwe Fuchs gefragt, und er hat die bezügliche Auskunft gegeben, zugleich aber betont, daß es sich um Jndustriepapiere handle, die der Schwankung unterworfen seien. SiebenundzwanzigsterZeuge, I. Rothschild-Cöln auf \ Befragen: Meine mit Franz u. Co. gemachten Geschäfte f waren keinesfalls Differenzgeschäfte- bei keinem Geschäft war die Abnahme der Waare, wie die Lieferung derselben aus- ' geschlossen. Ich habe ausdrücklich dem Franz gesagt, daß ich reine Differenzgeschäfte nicht mache. Achtundzwanzigster Zeuge, Getreideagent F. A. Berg- mann-Elberfeld, seit 1887 mit Franz u. Co. in Verbindung, bekundet, daß in keiner Weise irgend welche Differenzgeschäfte mit Franz gemacht wurden- Zeuge hat bis August 1891 mit Franz gearbeitet. Neunundzwanzigster Zeuge, C. Bender-Freusburger Mühle auf Befragen: Wir standen mit dem Bankverein in Verbindung und 1893, als ich gerade in Siegen war, war ich im Bureau bei Kölsch, der mich zu einem weiteren Geschäft animiren wollte. Ich lehnte ab, gab zuerst einen Ausfluchtsgrund an, schrieb dann aber au den Bankverein, daß ich die Verbindung so lange abbreche, bis die Gerüchte über die Lage des Bankvereins widerlegt seien. Darauf rief mich Brüggemann in das Privatcomptoir und machte mir Vorwürfe, indem er meinte, ich hätte mich nur von Schröder aufhetzen taffen; ich antwortete ihm, daß ich nur das sage, was sich die Spatzen auf dem Dache erzählen. Jene Aeußernng Brüggemanns bezog sich auf eine Unterredung, die ich etwa vier Wochen vorher, im April 1893, mit Schröder hatte. Dieser ließ mich per Telephon rufen und als ich kam, sagte er, er müsse Jemandem einmal fein Herz ausschütten. Dann stellte er mir die Lage des Bankvereins vor und wie er gegen die Franz'schen Getreidegeschäfte sei, die jetzt nur noch gemacht würden, um Geld zu schaffen. Mir war das ganz einleuchtend, da damals es ganz widersinnig war, Getreidegeschäfte zu machen, während an jedem einzelnen Geschäfte unbedingt verloren werden mußte. Schröder erzählte, daß ihm bei der Revision die hohen Fuchs'schen Wechsel, die nicht acceptirt waren, in die Hände gekommen seien, daß er den Kölsch gefragt habe, weshalb das Accept nicht eingeholt sei und daß dieser geantwortet habe, die Wechsel seien erst gestern gekommen und das Accept würde nachgeholt werden. Dabei habe sich Schröder beruhigt. Er habe auch weiter keinen Argwohn bezüglich der Wechsel gehabt. — Vors.: Also Schröder hatte die Wechsel nicht als Scheinwechsel erkannt? — Zeuge: Nein, davon sagte er nichts. — R.-A. Lenzmann: Machte bann Schröder den Eindruck, als ob es ihm darum zu thun sei, sein schuldbeladenes Gewissen zu entlasten? — Zeuge: Ganz und gar nicht- es schien ihm nur daran zu liegen, meinen Rath zu hören, der dann dahin lautete, daß vor Allem die gefährlichen Getreidegeschäfte einzustellen seien. Dreißigster Zeuge, Frau Menke, soll darüber bekunden, daß Schröder sie einmal zum Ankauf von Bankactien zu der Zeit veranlaßt habe, als es schon faul war mit dem Bankverein, sie kann jedoch nichts derartiges aussagen. Einundreißigster Zeuge Kaufmann H. Bruch, Gesellschafter der Firma Fuchs & Co., giebt auf Befragen unter großer Erregung folgende Darstellung: Wie Heinrich Fuchs mir unter Thrcinen erzählt hat, spielte sich das Hineinziehen von Fuchs & Co. in den Sturz in folgender Weise ab. Es war im März 1892, als Heinrich Fuchs zu Brüggemann gerufen wurde, der ihm einen angeblich falschen Wechsel von Franz & Co. vorlegte, worüber mein Schwager so bestürzt wurde, daß er sich dazu verstand, einen neuen Wechsel für den falschen zu geben. H. Fuchs glaubte, Franz sei der Fälscher des Wechsels, der bat mich, ich solle doch darüber schweigen, sonst brächte sich Franz um. Ich antwortete, das gehe uns nichts an, jetzt handle es sich darum, unser Geld wieder zu bekommen. H. Fuchs hat auch geäußert, Franz habe mit ihm gespielt, wie die Katze mit der Maus. — Vorsitzender: Welches Resultat hatte nun schließlich die Verbindung der Firma Fuchs & Co. mit dem Bankverein? — Zeuge: Es war im April 1893, als wir erst erfuhren, daß unser Gesellschafter Heinrich Fuchs sich hatte verleiten lassen, Wechsel aus Gefälligkeit für Franz & Co. mit unserer Firma „Fuchs & Co." zu unterzeichnen - das erfuhren wir, nachdem schon überall davon gesprochen wurde. Als ich hörte, daß die Wechsel 1 800000 Mk. betrugen, lachte ich laut auf, so unmöglich erschien mir die Sache. Leider war es aber Wirklichkeit und wir sollten nun bezahlen. Wir Alle sind arm geworden, ich besitze keinen Heller mehr, aber diese horrende Summe hatten wir ja alle nicht im Vermögen - wir waren eben alle zu sehr überschätzt worden. Es kam nach langen Verhandlungen zu einem Vergleich, in welchem die ganze Summe durch ca. 800 000 Mk., die uns genommen wurden, ausgeglichen sein sollte. Ich sprach mit Brüggemann und machte ihm Vorwürfe, wie er so gewissenlos sein konnte, uns, die wir mit Franz & Co. gar nichts zu thun hatten, — ich kannte Franz nur oberflächlich, — mit in den Sturz hineinzuziehen- Brüggemann antwortete, wenn Fuchs die Wechselabgabe mit „Fuchs & Co." verantworten konnte, so hätte er es erst recht verantworten können. — Staatsanwalt: Ist Heinrich Fuchs nicht ein ängstlicher , leicht zu beeinflussender Herr? — Zeuge: Allerdings- es ist ganz sicher, daß Brüggemann eben diese Eigenschaften meines Schwagers benutzt hat, um uns systematisch auszurauben. — Rechtsanwalt Dr. Sello: Das sagt Ihr Schwager, um sich Ihnen gegenüber für seinen Leichtsinn zu entschuldigen. Zweiunddreißigster Zeuge Kaufmann Heinrich Fuchs- Tiefenbach. Derselbe macht allerdings den Eindruck eines Mannes, dem Brüggemann zweifellos überlegen war: einerseits gewinnt man die Ansicht, daß der Zeuge durch sein beständiges, wiederholtes Betonen der Verleitung und des Druckes Brüggemanns sich selbst und seinen großen Leichtsinn seinen Gesellschaftern gegenüber weiß waschen will. Zeuge bekundet: Franz ist mein Schwager, wir haben Schwestern zu Frauen. Ich bin 51 Jahre alt. Ich bin Theilhaber der Firma Fuchs & Co., für welche ich bis Mai vorigen Jahres allein zu zeichnen berechtigt war und ich war auch Theilhaber von Franz & Co., für welche Franz allein zeichnete. Ich kam auf folgende Weise in die Geschichte hinein. Ich hatte unter der Hand erfahren, daß Franz so große Getreidegeschäfte mache und da ich beunruhigt war, ging ich zum Bankverein und wollte mich bei Brüggemann erkundigen. Brüggemann gab zu, daß ein Geschäft mit Antwerpen vorliege, dessen Stornirung stattfinden müsse und das ist benit auch geschehen. Während ich noch bei Brüggemann war, zeigte er mir einen Wechsel von 98000 Mk. mit der Unterschrift „Fuchs L Co." und fragte, ob ich das unterschrieben habe. Ich war zuerst confternirt, antwortete dann aber verneinend. Nun fragte mich Brüggemann, ob ich einen anderen Wechsel geben wolle und da ich dachte, Franz habe den Wechsel gemacht, bejahte ich. Ich habe bann einen neuen Wechsel gegeben mit „Fuchs & Co." und das war der Anfang der Wechselreiterei- den falschen Wechsel nahm ich mit und habe ihn vernichtet. Gleich nachher kam ich zu Franz und erzählte ihm die Geschichte. Er fragte mich nur, ob ich einen neuen Wechsel gegeben hätte, ich bejahte, Franz antwortete nichts. Viel später, als es bereits zur Untersuchung gekommen war, sagte ich Franz, ich hätte dem Untersuchungsrichter die Wechselfache mitgetheilt- Franz meinte dann, er hätte den Wechsel nicht gefälscht. Ich habe s. Z. vor dem Untersuchungsrichter die Möglichkeit zugegeben, daß ich doch vielleicht den falschen Wechsel unterschrieben haben könnte, daß derselbe also echt fei; heute weiß ich ganz genau, daß der Wechsel falsch war. Mein Schwanken vor dem Untersuchungsrichter kam daher, daß ich vorher, im Februar, einen Wechsel für Franz mit „Fuchs & Co." unterschrieben hakte. Dieser Wechsel trug meine zitternde Handschrift, weil ich auf dem Tisch ohne Unterlage geschrieben hatte- nun hatte der falsche Wechsel auch dieselbe zitternde Unterschrift und das bewog mich zu meinem Zugeständniß vor dem Untersuchungsrichter - nun aber war jener Wechsel über 75000 Mk., wie ich jetzt weiß, nicht über 98 000 Mk. — Zeuge erklärt nun, wie er weiter und weiter, nachdem er erst einmal herangekriegt worden, zu Wechselhingaben gekommen sei, beständig unter dem Drohen Brüggemanns, wenn er nicht neue Wechsel gebe, so gehe Alles kaput, dagegen wenn er weiter mithalte, dann sei Franz & Co. zu halten. Er selbst habe natürlich als Gesellschafter Interesse an der Erhaltung des Franz'schen Geschäftes gehabt. Zeuge betont auch, daß ein von Brüggemann vorliegender drohender Brief, betreffend den ev. Concurs Franz, ihn zu den Wechseln bestimmt habe. Bis 5 Uhr war das Verhör soweit gediehen. Rest der Sitzung morgen. Südwestdeutsche Consereuz für innere Mission. p. Karlsruhe, 7. Juni. Gestern und heute sand hier die 30. Jahresversammlung der „südwestdeutschen Conserenz für innere Mission" statt. Begrüßt wurde die Versammlung zu Beginn durch Prälat Doll von Karlsruhe, der vom Großherzoglichen Hause die besten Segenswünsche zu bringen beauftragt war. Das badische und hessische Kirchenregiment war vertreten, letzteres durch Oberconsiftorialrath Walz von Darmstadt, das badische Ministerium durch zwei Ministerialräthe. Die erste Verhandlung betraf die Fürsorge für die verwahrloste confirmirte Jugend. Es wird für die christlichen Rettungshäuser die neue Zeit dadurch Veränderung bringen, daß nunmehr auch ins Auge gefaßt wird, die verwahrloste Jugend bis zum 18. Lebensjahre der Zwangserziehung zu übergeben- die christliche Liebe kann sich nicht dabei beruhigen, daß die Vergehen der Jugend durch Gesängniß bestraft werden, sie will die Jugend beffern durch bessere Erziehung. Es haben in der allerneusten Zeit einige Staaten, z. B. auch Baden und Hessen, entsprechende Gesetze gegeben, welche die Zwangserziehung bis zum 17. Jahre anordnen. An der intereffanten Besprechung beteiligte sich auch Ministerialrath Bothmann, dessen ausführliche Darlegungen von großer Sachkenntnis und echter christlicher Liebe zeugten und großen Beifall ernteten. Am 2. Tage, heute, wurde verhandelt über das Thema: „Welche Forderungen stellt die innere Mission im Kampf gegen die Prostitution an Gesetzgebung und Verwaltung?" Darüber sprach der Vereinsgeistliche Philipps von Berlin. Vor etwa 3 Jahren befahl in Folge eines auf dem Boden des Zuhälterthums entstandenen Mordes in Berlin Se. Majestät der Kaiser die Ausarbeitung eines Gesetzes zur wirksamen Bekämpfung des größten Schandflecks unseres Volkes, der Prostitution. Es wurde darauf die bekannte lex Heinze vorgelegt, sie steckt jedoch noch in der Commission. Auf den Entwurf der Commission hat der Vorstand des Berliner Sittlichkeitsvereins großen Einfluß ausgeübt und fast alle feine ernsten christlichen Forderungen durchgefetzt. Der Vortrag war tief ergreifend. An denselben schloß sich um 11 Uhr der Vortrag des Vereinsgeistlichen Naumann von Frankfurt über das christliche Vereinswesen. Naumann gehört zu den hervorragendsten Männern der inneren Mission, in seinen Worten liegt etwas von der Kraft Wichern'S, des Vaters der inneren Mission, der in gewaltiger Weise 1848 die Kirche zur rettenden Liebesthätigkeit an unserem Volke ausrief. An diesen Vortrag schloß sich die hervorragendste Discussion an, die durch die Oberconsistorialräthe Walz-Darmstadt und Weiß- Berlin äußerst interessant wurde. Naumann drängt die innere Mission aus ihrem seitherigen Geleise weiter auf volkswirth- schaftliches Gebiet, besonders auf die Fürsorge für den sogenannten Arbeiterstand. Man einigte sich dahin, daß die südwestdeutsche Conserenz ihrem seitherigen Wege treu bleibe, jedoch empfiehlt sie die evangelischen Arbeitervereine. Noch darf ich Ihnen mittheilen, daß der Gottesdienst gestern Abend überaus gut besucht war, Pastor Hafner- Elberfeld rief der inneren Mission das „Dennoch des Glaubens" zu, das bei aller Klage getrost, bei aller Schwachheit stark, bei aller Armuth reich macht. Möchten die Früchte dieser 30. Jahresversammlung nicht ausbleiben. DermifdHes» • Frankfurt a. M., 6. Juni. Der 51 Jahre alte Bäckergeselle Elchner und seine 50jährige Ehefrau, er aus Calmbach und sie aus Heidingsfeld in Bayern gebürtig, haben sich gestern Abend 06 L nah-»-» •in guter sollte dt da sich Ärinenp dagegen in Culv Wlückl einiger Culwba schäft. Ängekla Gerichts wegen S aber ich die Antw hohen G „Zahrin stau v. 1 letzuugen Mtwe * 2 in seine revidirte Fleisci hält ve: Publikui Theil w oder ge| unterwoi nicht gei bezirk 1 Speisern obachtun 1. Das siihrung ihirrarzt dieser S deutsch« dem beti unter ob Schlacht einem b herrührt zweiselhi und Tr im hies auszufü scharfe Die Best uub her 1 und zug der Vor begann gesell einiger «nterirdi hatten, und in Gertchtsl schäsügei Gestalte! eine gen ’Srömmif de Saint Haupt«, de Sam freilich > ihren ml Neben bi der mit unter dei Foscolo, Republik San Gre vrar zu s Vatikan i Papst Vatikan >ern Abb »Us ßoig: ^onne in Mom hi Kun es t>on dem Sm der Bi M ?llll "°d blt , N--H« $ilt eltti ^than, i 's -1° i aber der 20000 s Nte# S n« u» enz ftr innere i'i’&üg,1,11 lf‘ iW b«”"« rS'"'“6«- Mth j'®* tat" «■* $ S ► war der iah« fo der I >u <5 tok und habe 4 oH*UDbt*t ^A^rdieTeL x ^tte den Wechsel iSS LM 8^; mit Dl sn Wechsel trug L bt£m °hne “tte bcr falsche Wechsel und dar bewog w Untersuchungsrichter: ,00° E., wie ich sehe uge erklätt nun, wie er >al herangekriegt worden, tandig unter dem Drohen Erl gebe, so gehe Allez le' dann sei Franz L Co. a^ Eesellschaster Inter« 'wen Geschastes gehabt, riiggemann vorliegender Concurs Franz, ihn zu reit gediehen. Rest der *<*• 7.>"' Karlsruhe, 7. Juni. 30. Jahresversammlung innere Mission^ statt. Beginn durch Pralat Doll glichen Hause die besten igt war. DaS badische vertreten, letzteres durch abt, das badische Mlniste- Die erste Verhandlung as/e confirmirte tyqtnb. ^Shäuser die neue Zeit nb bis M 18. ilebeuS« ^eben; die christliche Liebe die Vergehen der Jugead e will die Jugend bessern in der allerneusten Zeil ind Hessen, entsprechende ziehung bis zum 17. Jahre sprechung betheiiigte sich testen aussiihrliche Dar- „d -ch>°r christlich» A°b° .hmd-liib-rd-rA-^ -*g «» e Philipps von Serl,n. .. t;ne5 aus dem Boden ’tSlnSKli«®1'®.* s ®tw« T ■« *“* Tmw di- bttwit to 6* d» «-fj w ■ Vorstand des » en b*W. Jji uhr ll6in|d|lü6M«8*,fufi .u bin ,» s-i»» I«»e”88 T'ltb w»! ift ®*“t848 btt»* ,w9Sb«a«bl un»®"6' Ä ?;Ä>; um« Leben gebracht, indem sie zuerst Gift. (Phosphor) nahmen und sich dann erschossen. DaS Ehepaar lebte früher in guten Verhältnissen, kam aber durch Krankheit zurück und sollte dieser Tage per Schub nach Eulmbach gebracht werden, da sich die dortige Stadtbehörde weigerte, die der hiesigen Armenpflege erwachsenden Kosten fernerhin zu bestreiten, sich dagegen bereit erklärte, das Ehepaar im Versorgungshaus in Culmbach unterzubringen. Hiergegen sträubten sich die Unglücklichen in falschem Stolze- sie erklärten schon vor einiger Zeit, daß sie der zwangsweisen Ueberführung nach Eulmbache den Tod vorziehen würden. • Frankfurt a. M., 6. Juni. Auch eine Verwandtschaft. „Sind Sie verwandt oder verschwägert mit dem Angeklagten?" fragte der Vorsitzende in einer der letzten Gerichtsverhandlungen einen Zeugen, der in einer Sache wegen Körperverletzung vernommen werden sollte. „Nein, aber ich bin der, wo die Schmiß gekriegt hat," lautete die Antwort, welche nicht bloS die Zuhörer, sondern auch den hohen Gerichtshof erheiterte. * Karlsruhe, 6. Juni. Gestern stürzte im Hotel ,/Zähringer Hof" tn Baden-Baden die hochbetagte Frei« frau v. Freystedt, Mutter deS Hofwarschalls beim Groß. Herzog, aus dem Personenauszug, wobei sie sich schwere Der« Setzungen zuzog, denen sie heute erlegen ist. Sie war die Wlttwe des Generallieutenanls v. Freystedt. * Weimar, 4. Juni. Der Gemeinderath von Weimar hat in seiner heutigen Sitzung den ersten Thetl eines neu- revidirten OrtsstatutS über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau angenommen. DaS neue OrtSstatut ent- hält verschiedene verschärfte Bestimmungen zum Schutz deS Publikums in hygienischer Beziehung. Der angenommene Thetl weist z. B. folgenden § 2 auf: „Frisches, geräuchertes oder gepökeltes Fleisch, welches von dem Schlachtzwange unterworsenen, aber im Schlachthose der Fleischerinnung hier nicht geschlachteten Thieren herstammt, darf in den Stadtbezirk Weimar, um hier feilgeboten oder in Gast- und Speisewinhschaften verwendet zu werden, nur unter Beobachtung folgender Vorschriften eingeführt werden: 1. DaS betreffende Fleisch muß sofort nach erfolgter Einführung in den Schlachthos der Fleischerinnung hier zur thierärztlichen Untersuchung vorgenommen werden. 2. Bet dieser Vorlegung muß gleichzeitig durch Zeugniß eines im deutschen Reiche approbirten ThierarzteS oder durch den auf dem betreffenden Fleisch befindlichen Stempel eines öffentlichen, unter obligatorischer thierärztlicher Controlle stehenden deutschen Schlachthouses nachgewiesen werden, daß dieses Fleisch von einem bei der Untersuchung als gesund befundenen Thtere herrührt. 3. Bei Einführung von Schweinefleisch muß unzweifelhaft nachgewiesen werden, daß dasselbe auf Finnen And Trichinen untersucht ist, widrigenfalls diese Untersuchung im hiesigen Schlachthofe durch die Trichinenbeschauer noch auszuführen ist." Der § 6 des Entwurfs enthielt sehr scharfe Bestimmungen über Einführung von Wurslwaaren. Die Beschlußfaffung hierüber wurde aber wegen dieser Schärfe und der daraus resultirenden Belästigung der mit Wurst- «aarcn handelnden Kaufleute sowie der Gastwirthe vertagt und zugleich der Paragraph mit dem ganzen folgenden Thetl der Vorlage nochmals an die Commission verwiesen. * Rom, 1. Juni. Vor der römischen Strafkammer begann gestern der Prozeß gegen die Schwindler- g e s e l l s ch a f t, die im vergangenen Herbst auf Kosten einiger französischer Thoren den echten Papst aus feinem unterirdischen Verließ im Vatikan zu befreien unternommen hatten. Der Prozeß erregt in Rom das lebhafteste Interesse und in der Thal hat sich auch wohl selten einmal ein Gerichtshof mit einem so absonderlichen Vorfälle zu be schästigen gehabt. Auf der Anklagebank sitzen 5 fragwürdige Gestalten, die aber allesammt in den klerikalen Kreisen Roms eine gewiffe Rolle gespielt haben und in dem Gerüche großer Frömmigkeit standen. Da ist zunächst die „Gräfin" Carolina de Saint-Arnaud. Diese schon etwas angejahrte Dame behauptet, eine Nichte des berühmten franzöfischen Marschalls de Samt-Arnaud zu sein. Legitimationspapieie besitzt sie freilich nicht, aber der Polizei ist es auch nicht gelungen, ihren wirklichen Namen und ihre wahre Herkunft zu ermitteln. Neben der „Gräfin" sitzt ein junger, unbedeutender Mensch, der mit der Dame zusammen lebte. Die zweite Hauptperson unter den Angeklagten ist der „Herzog" Giovanni de Bustellt- Foscolo, angeblich General a. D., Gesandter a. D. der Republik Honduras am Vatikan, Commendatore des Ordens San Gregorio il Grande rc. :c. Der Gräfin und dem Herzog war zu Ohren gekommen, daß sich in Rom zwei Franzosen aushielten, die von der fixen Idee beseffen seien, der im Vatikan residirende Papst fei ein Betrüger und der wirkliche Papst werde in einem unterirdischen Verließ deS Vankan gefangen gehalten. Dieses Geheirnniß war dem Abb6 Josef lae und dem Notar LouiS Glenard, betöe tuö Loigny in Französisch-Lothringen, von einer weiffagenden Nonne in ihrem HeimathSort enthüllt worden. Ihr Aufenthalt in Rom hatte sie in ihrem Verdachte nur noch bestärken können, denn eS war ihnen trotz aller Bemühungen nie gelungen, von dem angeblichen Papst im Vatikan empfangen zu werden. Die Gräfin und der Herzog erboten sich, den beiden Franzosen bei der Befreiung des cchicn heiligen Vaters und dem Sturze deS heiligen Papstes behilflich zu fein. Dic Gräfin ver- pfändete alle ihre Juwelen, der Herzog alle seine Renten, und die ungeheuren Summen, die sie erlösten, wurden zur Bestechung der Kerkermeister des echten Papstes verwendet. Mit einigen Taufendlire - Scheinen war da freilich nichts zethan, denn zum Oberkerkermeister hatte sich kein Geringerer s 18 ein österreichischer Erzherzog hergegeben. Schließlich war aber der Besreiung8plan doch so weit gediehen, daß nur noch 20 000 Francs zu seiner Durchführung fehlten. Diese Summe brachten die beiden Franzosen auf. Eine8 Abend8 führte der Herzog die beiden Papstbefreier in die Keller de8 Vatikans hinab, nach dem Kerker deS armen heiligen Vaters. Dort wurde um Mitternacht, bei Fackelschein, die letzte Vereinbarung mit dem „Erzherzoge" in Person getroffen. Der Papst freilich blieb unsichtbar, doch sandte er seinen Getreuen wenigsten- einige Worte, die er aus ein Blatt seines Meßbuches geschrieben hatte. Er empfahl ihnen, vorsichtig zu handeln, um Krieg und Anstoß zu vermeiden. Der „Erzherzog" übte Berrath. Er batte wohl die 20 000 Franc- genommen, gab aber sein Opfer nicht frei. Da beschloffen die Verschworenen, den Kaiser von Oesterreich in da- Ge- hennniß einzuweihen. Die Gräfin reiste nach Wien. Doch die Hand der Freimaurer reicht weit. ES gelang der Gräfin nicht, vom Kaiser empfangen zu werden, nicht einmal einen Brief fonntc sie ihm in die Hände spielen. Immerhin hatte diese Wiener Reise den „Erzherzog" so in Schrecken gesetzt, daß er sein Kerkermeisteramt an einen seiner Spießgesellen abtrat und nach Amerika flüchtete. Die Verschworenen suchten jetzt Hülfe bei dem Könige von Italien. Sie verfaßten ein Schreiben, das ßcm Könige Verzeihung für die Eroberung RörnS zusicherte, wenn er nur den Betrüger auf dem Stuhle Petrt entlarve. Aber ehe dieser Brief abgesandt werden konnte, mischte sich — auf Befehl der Freimaurer natürlich — die Polizei in die Angelegenheit und verhaftete die Gräfin, den Herzog und drei Helfershelfer deS würdigen Paare«. Die ganze Geschichte ist gewiß schon abenteuerlich genug, aber die Prozeßverhandlungen scheinen sie noch überbieten zu sollen. Die fünf Angeklagten behaupten mit unerschütterlicher Ruhe, daß sie ihre französischen Freunde durchaus nicht betrogen hatten. Die Gefangenschaft deS wahren Papstes sei eine Thatsache. Die Mutter Gottes habe daS Geheimniß der Nonne Maria Genoveva in Loigny enthüllt, und sie, die Angeklagten, würden sich doch nicht der Todsünde schuldig machen, an den Worten der Madonna zu zweifeln! Abbö Lav und Notar Glenard, die beiden Franzosen, die der Befreiung des PapsteS 20 000 Francs opferten, sind ebenfalls auf keine Weise von ihrer fixen Idee abzubringen. * Der Wagen deS Kaiser«. Der Kaiser bereitete seinem Gaste, dem König Albert von Sachsen, am Dienstag-Abend eine ganz eigenartige Überraschung, die ebenso neu, wie originell ist. Der Wagen, mit dem der Kaiser den König vom Bahnhof Friedrichstraße in Berlin abholte, war im Innern sowohl, als nach Außen hin durch electrische Flammen tageShell erleuchtet. Aber nicht nur die Equipage, auch die Pferde, die sie zogen, erstrahlten von electrischem Licht, daS an den Geschirren angebracht war. Die Fahrt durch die belebten Straßen machte auf die dichtgedrängten Zuschauer einen festlich • märchenhaften Eindruck. Die Erleuchtung geschah mittelst Accumulatoren. * Eine Aerzte Erifis im Hospital. Peinliches Aufsehen erregt in Kiel und namentlich in den dortigen academischen Kreisen ein Vorgang am Anschar-Krankenhause. Gegen den dirigierenden Arzt dieses Krankenhauses, den außerordentlichen Profeffor Dr. Ferd. Petersen, war von der Oberin Fräulein W. Gräff eine seine Privat- und Berufsehre angreifenbe Erfindung verbreitet worden, die zugleich andere dort fungierende Aerzte verunglimpfte. Sofort hat Profeffor Petersen ein Ehrengericht aus den angesehensten seiner Universitätscollegen einberuse» und die völlige Grundlosigkeit der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen nachgewiesen. Da eS ihm nicht ferner möglich war, gedeihlich nut einer Dame zusammenzuwirken, die ihn in dieser Weise ohne jede Ver- anlaffung beschimpft hatte, forderte Profeffor Petersen die Entlaffung der Oberin, widrigenfalls er sein Amt niederlegen wolle. Der Vorstand deS Krankenhauses, an dessen Spitze die Oberhofmeisterin der Prinzessin Heinrich, Freifrau von Seckendorff steht, entschied jedoch, daß eine Entlaffung der Oberin nicht geboten erscheine, sondern eine Abbitte genüge. Hierauf legte Profeffor Petersen sein Amt als Oberarzt des Anschar-KrankenhauseS nieder, ebenso der zweite Arzt des Krankenbauses jammt elf der bewährtesten und ältesten Schwestern. In seinem Colleg gab Profeffor Petersen seinen Schülern Aufklärung über die Amtsniederlegung und diese brachten ihrem Lehrer am Montag Abend im Verein mit 400 Studenten einen solennen Fackelzug dar. Als der Krankenhaus-Vorstand den erwähnten Mehrheitsbeschluß faßte, traten die Professoren Bockendahl und Quincke aus dem Vorstände aus. Der Kieler Aerzteverein machte die Sache des Profeffor Petersen zu der {einigen und ließ demselben durch seinen Vorstand seine herzlichen Sympathien ausdrücken. Ferner haben die Aerzte, welche Panenten dem Anschar-Krankenhause zu überweisen pflegten, beschloffen, dies nicht mehr zu thun. Herrn Professor Petersen, der sich in medicmischen und academischen Kreisen ebenso wie in der Kieler Bürgerschaft großer Sympathien erfreut, wurde auch noch von der Kieler Liedertafel ein Ständchen dargebracht. ♦ Schöne Ovation! Wiener Blätter melden: Als am Freitag Abend Ministerpräsident Wekerle von Wien nach Budapest zurückkam, wurden ihm von einigen begeisterten Anhängern die Pferde auSgespannt. AIS dann die Deichfel deS Wagens brach, blieb der Wagen auf der Straße stehen. Der Wagen ist seither verschwunden — er ist gestohlen worden und alle Bemühungen, ihn wieder zu finden, sind bisher ersolgSlos geblieben. • Die entbehrliche Post. Aus Preßburg schreibt man der „Wiener MontagSrevue": Ja den Gemeinden Egy- hazgelle und Pered des Preßburger ComitateS wurden die Postämter, die bisher dort bestanden, aufgelöst, weil in den beiden Gemeinden feit Wochen kein Bries angenommen und aufgegeben wurde. Man kann also auch ohne chinesische Mauer recht ruhig und abgeschlossen leben. * Bei einer Schulprufuug fragte der Schulinspector auch, wie viele Füße ein Maikäfer habe. Diese Frage erschien den anwesenden Gemeinderäthen so seltsam, daß sie meinten, der Herr Jnspector sei närrisch geworden und als derselbe trotzdem mit ernster Miene Antwort zu erhalten suchte, rief ihm ein Bauer zu: „Desderwege schicke mer unsere Kinner net in d' Schul, daß sie solle derlei ZeigS lerne; deß hawe mir friher och net g'hatt; d' Maikeser gehern auf de Seern und net in d' Schul'!" * Ein gewissenhaftes Kind. Die Tante Sophie hat dem kleinen Karl, der bei ihr auf Besuch ist, Chocolade gekocht. Gerührt verspricht er ihr, wenn er einmal groß ist, wolle er sie dafür heirathcn. Zu Hause angekommen, fällt ihm aber ein, daß er daS Gleiche schon vier anderen Tanten versprochen. Getrieben von Gewissensbissen, geht er daher zur Tante Sophie zurück und sagt: „Liebe Tante, ich kann Dich doch nicht heirathen, eS wird mir zu viel!" • Schwierige Arbeit. Theaterdirector: „Was macht Ihr versprochenes Stück, die Compagnie Arbeit?" — Dichter: „Die wird noch lange dauern! Wir vertragen unfl nicht recht; wa« er schreibt, streiche ich, und was ich schreibe, streicht er wieder!" liniücrjität* < Nachrichten. Leipzig. 4. Juni. Ter berühmte Rattonalöconom Profeffor Wilhelm Roscher (geboren in Hannover 1817) ist heute gestorben. — Die Universität Berlin hat in diesem Sommer 4025 tmmatricultrte Studenten, die sich aus die einzelnen Faculiäten folgendermaßen vertheiten (die in den Klammern siedenden Ziffern geben die Zeh! aus dem Sommer 1893 an): ideologische 389 (457), lurtstische 1125 (1107), mcdicintfche 1059 (1116), philosophische 1452 (1430). Im Ganzen ift allo eine kleine Abnahme zu consiaiiren, da im Sommer 1893 4110 Studenten waren. Die stärkste Abnahme zeigt die theologische Facultät, dann die medtcinische; die luristffche und die philosophische haben kleine Vermehrungen auszuweisen. Die Zahl der Berliner Studenten ist im Sommer stet« erheblich kleiner alS im Winter , im letzten Winter 1893/94 zählte man 4979 im matrlculirte Studenten, also fast 1000 oder */* mehr al« in diesem Sommer! Literatur unb Knnft. — Da« Journal für moderne Möbel (Verlag von W. Kohlhammer in Stuttgart), hcrau-gegeden von practischen Fachmännern, hat vor Kurzem feine neunie Abtbeilung begonnen, von welcher un« da« erste Heft (Preis nur 1.50 Mk.) vorliegt. Dasselbe enthält eine vollständige ^chlaszimmereinrichtung, drei- thetltgen Kleiderschrank, Spiegelschrank, Kleiderschrank, verschiedene Waschcommoden, Bettladen und Nachttische in einfacher, schöner Ausführung und dem modernsten Geschmack entsprechend. Wir können nur rathen, in einer beliebigen Buchhandlung sich da« Heft einmal zur Einsicht vorlegen zu lasten; auch können wir die neunte Abtheilung, welche sechs Hefte A 1.50 Mk. umfassen wird, jedem Tischler warm zum Abonnement empfehlen. — „Wiener Mode" vom 1. Juni. Wieder elue« jener reizenden Hefte, welche durch künstlerischen und zugleich pracitschen Inhalt bad Entzücken jeder Dame Hervorrusen. Wie wenige Blätter versteht e« die „Wiener Mode", die Ansorberungen der Eleganz mit ben Sparsamkertsrücksichten in Einklang zu bringen. Die „Wiener Mobe" ermöglicht e« durch ihre vortrefflichen Silber, drnen sie bekanntlich gratis Schnitte nach Maß beigtbl, auch brr sparsamsten Hausfrau, sich unb ihre Angchörtgen elegant zu kleiben; dies ist ble Ursache ber sortwährenb steigenben Beliebtheit, beten sie sich überall erfreut, wo beutsche Frauen walten. — Aus bem reichen Inhalt des un« vorliegenden 20. Hestetz der beliebten Zeitschrift »Universum* heben wir hervor einen von H. Haase reich ifluftrirten Artikel „Dic Schulstadt Halle an der Saale". Außerdem enthält die Nummer außer btn Fortsetzungen de« Roman« „Die Erbschleicherinnen" von Frhr. v. Wolzogen unb von Cmpttba« Reiterbilb „Unser Regiment" eine Novelle von E. Lenbach „Die graue Frau" unb eine überaus humoristische Nooellctte „Windbeuiel" von Eufemia Ablersfelb-Ballestrem. An actuellen Begebenheiten behandelt Dr. Bergmann in einem Aussatz die Erdbeben in Griechenland, während E. Günther in einem mit Abbildung der Luetochhöhle geschmückten Artikel über Höhlenforschungen und ihre Gesahreo berichtet. Von ben bem Hefte in bekannter künstlerischer Vollendung beigegebenen Illustrationen verdient namentlich die KunstbeUage „bei neue ReichStagSgedLube in Berlin" in seiner jetzigen äußerlich vollenbeten Gestalt heroorragenb Erwähnung. Der Preis be« Heftes, welches burch jebe Buchhanblung zu beziehen ist, beträgt nut 50 Pfg. _____________ — Erinnerungen einer Schwiegermutter. So betitelt sich ber neueste Roman, der soeben in „Engelhorns Allgemeiner »omanUbliotNet* in Stuttgart erschienen ist. Wir haben selten eine so erfrrschend humoristische Erzählung gelesen, ble mit lustiger Laune unb feinem Spott ble Schwiegermutter persiflirt, ohne tnbessm in ben Ton einer groben Witzhascherei zu verfallen. Jnbem ber Autor, der rühmlichst bekannte englische Schriststeller George R. Sims, eine Schwiegermutter selbst ihre Erlebnisse erzählen läßt, erkennt man leicht, daß im Wesentlichen unsere socialen Verhältnisse daran schuld sind, daß die Schwiegermütter nicht ihrem vollen Werthe nach gewürdigt werden unb baß ihre besten Absichten verkannt werben. Der Humor, ber in tiefer amüsanten Erzählung zur vollen Geltung gelangt, ist so sasctnirenb, datz sich jeher Leser, unb wäre er auch ber schlimmste Hypochonber, demselben auf Knabe unb Ungnade ergeben muß. Die vortreffliche Uederitagung ins Deutsche von F. Mangold liest sich wie ein Original. — Für die bevorstehende Sommer- unb Herbst-Saison sind mit Rücksicht auf den Fremdenbesuch im Frankfurter Cpertu und Schauspielhause, umfassende Vorbereitungen getroffen worben für ein möglrchst reichhaltige«, interessantes unb abwechslnngsvolled Repertoir — Im Opernhause werben sämmtlicheOpern RicharS WagnerS, stcts in kurzen Zwischenpausen auf dem Spielplan erscheinen, unb zwar: DeS MerstetS „Lohengrin", sowie „Tannhäuser" in gänzlich neuer Jnscenirung und Ausstattung; ferner ber „Ring der Nibelungen (Rheingold", „Walküre", „Siegfried" und „Götterdämmerung"); endlich „Rienzi", „Ter rttegenbe Holländer" und „Tie Meistersinger". Neben den lebensfähigsten Opern der alten italienischen Schule, neben Verdis „Aida" und „Othello", werden die jungen Italiener mit ihren prägnantesten Schöpfungen vertreten sein: Mascagnie mit „Cavalleria ruuticana“, „Freund Fritz" u. f. w Leoncavallo mit „Bajazzo" unb den „Medici". — Neu einftubhi wird für die Fremden - Saison Glucks „Armida", unb jene Opern Mozarts, welche in letzter Zeit nicht gegeben worden sind, wodurch sämmlliche Opern des deutschm Meisters, neben Beethoven und Weber im Repertoir sein werben, ebenso sämmtliche Opern Meyerbeer« Auch das musikalische Märchenspiel „Hänsel und Gretel" von Humpeidink, wirb wieberholt angesetzt werben. Von großen AuS- stattungS-Balleten werben biescs Jahr „Flick unb Flock« unb Amor", unb „(hxelfter“ abwechfelnb zur Avnhürung kommen. — Im Schauipielhaufe werben zahlreiche Novitäten oorbereitet, bie in rafcher Auseffianberfolge neben den hervorragenden Zugstücken ber ablaufenben Spielzeit („Madame SanS-G-'ne,“ ,A Sasso Porto“ u.f.w.) schon zu Beginn der neuen Saison herauskommen sollen. Es sind hierfür folgende Dramen in Aussicht genommen: „Die Webet von Gerhardt Hauptmann, „Das Recht zu lieben" von Mar Nordau, „Ottllie" von Triefch, „Die gelehrten Frauen" von Molise in deutscher Uebertragung von Fulda „Hagas Sohn" von I. I. David „Da« Recht auf Glück" von Olga Wohlbrück, „Der Riegnitzer Bote" von Hugo Lubliner, „Die goldene Lüge" von Faber; ferner ein neues Drama von Ferdtnand von Saar unb ein solches von Martin Greis unb endlich ein Schwank von Adolf Stoltze „Fatale Geschichten". Im Genre der Operette wird der „Obersteiger" von Zeller vorbereitet Geschäfts - Eröffnung. Meinen merthen Kunden und Nachbarschaft zur Nachricht, daß ich 29 Dammstrasse 29, in meinem Hause, eine SjMchMluiig mit Mirlhschaftsbktrieb errichtet habe. Es wird stets mein Bestreben sein, nur beste Waare und gute Getränke bei reeller Bedienung zu verabfolgen. 4665 Achtungsvoll zeichnet Heinrich. Belloff, __________________89 Dammstratze LS.__ Geschäfts-Uebernahme. Das seither von Frau Wwe. Mahla, Asterweg 21, betriebene BettfedernreinigungSgeschäft habe mit dem heutigen Tage käuflich übernommen und werde dasselbe in unveränderter Weise fortführen. Halte mich einem geehrten Publikum unter Zusicherung prompter und reeller Bedienung bestens empfohlen. J. Arnold Wwe., 4724____________________23 Asterweg 23.________ Louis Frohnhausen Mäusburg 7 empfiehlt seine direct bezogenen, von ärztlicher Seite aufs Beste empfohlenen, reingehaltenen Spanischen Weine in verschiedenen Qualitäten zu billigstem Preise. 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