1894 Nr. 289 Viertes Blatt. Sonntaq den 9. December Der Oöch«-r «rfchemt täglich, ■tt Llllnahmr de» Wontag». Dir Gießener flBKItaHlfltl merken dem Lnzeißer «Ach«Mich dreimal Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. BWrttqafrtr» A»o*n e wtutsvuÄM 2 Warf 20 Pf-. ■* «ringer loh«. Durch die Post be^W» 7 Mark 50 ff». NedaeNon, IT||iiIiMm und Druckerei: Uerutzmech« BL Zlrnts- und Anzeigeblutt für den Tiveis Gieren. Hratisönkage: chießmer Kamitienötätter. Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Lu»lande» uehumW A-z eigen für den ^Gießener L,zeiget nrtytOL Der Capitalismus und der Grundbesitze Gegenüber so manchen Klagen, welche theils berechtigt, theUS aber auch einseitig und übertrieben gegen |ben Capita- liSmuS im heutigen WirthschaftSleben erhoben werden, muß einmal ausgeführt werden, daß die wichtigste volkswirth- schaftliche Bedeutung deS Geldcapitals darin besteht, durch Vermehrung und Vervollkommnung aller Production?- und Verkehrsmittel alle GebrauchSwerthe für den allgemeinen Bedarf zu verbilligen. Der Capitalismus ichont in dieser Richtung kein Product und keine Waare, aber zum Glück auch daS Capital selbst nicht, denn gerade der Capitalismus ist eS selbst, welcher seit Jahren die Erlangung von Capi- talieu zu billiger werdenden Zinsfüße herbeigeführt hat, denn nur der Vermehrung deS LapitaliSmuS und des dadurch herbeigeführten bedeutend größeren Angebots an CapitalS ist das „billige Geld" und der niedrig gewordene Zinsfuß zu verdanken. Wer aber einige Kenntniß von den Bedingungen eines der allgemeinen Wohlfahrt dienenden WirthschaftS« lebens besitzt, der wird in dieser Entwickelung keinen Nach- theil erblicken, denn dieselbe kommt nicht nur dem Staate und dem Handel und der Industrie, sondern auch dem Grundbesitze durch Verminderung der Hypothekenzinsen im hohen Grade zu Nutze. ES ist doch ein ganz bedeutender wirth- schaftlicher Boriheil, wenn ein Grundbesitzer für seine Hypothek von zum Beispiel 60000 Mark nur Prozent statt 4*/, Prozent oder 4 Prozent zu zahlen braucht, denn daß wir uvS mit raschen Schritten dem Zt/zprozentigen Zinsfüße für gute erste Hypotheken nähern, dies lehrt ein Blick auf die deutschen Staatspapiere, deren 3prozentige Obligationen sich bereits dem Pari-CourS nähern. Bald wird also die Zeit kommen, wo die Capitaliften sich bei guten ersten Hypotheken mit 31/» Prozent begnügen werden, ja, es zum Theil schon thun. Für den solid lebenden und fleißig strebenden Landwirth liegt also auf dem Gebiete des Realcredits jetzt keine zu unterschätzende Hülfe. Dies lehrt zumal ein Beispiel in Sachsen, wo das Creditbedürfniß der Landwirthe meistens durch den Landwirtschaftlichen Creditverein befriedigt wird. Als der Landwirtschaftliche Creditverein im Königreiche Sachsen Ende der 80er Jahre bei ungefähr 8k0 Mtll. Mark den Zinsfuß von 4 auf 3% Prozent herabsetzte, bedeutete dies eine Ersparniß für dle Schuldner in der Höhe von jährlich 400000 Mark. Solche Zahlen reden eine wirthschaftlich bedeutsame Sprache! Die Zinsfußherabsetzung von 4 auf 31/2 Prozent beträgt nämlich den 8. Theil der Zinsen überhaupt! Damit ist aber nicht nur der SchuldzinS ermäßigt, sondern solche günstigen Creditbedingungrn fördern auch ungemein die Tilgung der Hypotheken-Schulden durch den sehr bequemen Modus der Amortisation, auf welche alle Landwirthschafrlichen Creditinstitute den größten Werth legen sollten. Deutsche- Reich. Berlin, 7. December. Nicht weniger als 3 8 I n i t i a t i v - anträge, von den verschiedensten Parteien ausgehend, sind im Reichstage schon jetzt, da die Session doch kaum erst begonnen hat, eingebracht worden. Unter ihnen befindet sich auch wiederum der Centrumsantrag auf Aufhebung des Jesuiteugesetzes, welcher bekanntlich vom Reichstage in defien voriger Session angenommen, vom BundeSrathe jedoch ab- gelehut worden war. — Für die Berathung der „Umsturzvorlage" im Reichstage sind als Commisiare des Bundesrathes bestellt worden die Geheimräthe Dr. Freiherr v. Seckendorfs und Dr. Kelch, sowie Regieruugsrath Summ. Die erstmalige Vertretung der Vorlage gegenüber dem Reichsparlamente wird indessen selbstverständlich durch den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe ersolgen, ihn sollen dann in dieser Aufgabe der Staatssecretär im Reichsjustizamte, Nieberding, sowie der preußische Minister des Innern, v. Köller, ablösen. totales unb ^provinzielles, — Allendorf a. d. Lda., 7. December. Gestern Abend fand dahier eine von dem Commandanten der hiesigen Pflichtfeuerwehr Herrn Braunwarth einberufene und geleitete Versammlung statt zur Constituirung einer „Freiwilligen Feuerwehr". Eine solche bestand hier bereits von 1876 au und wurde erst vor einigen Jahren beim Inkrafttreten der neuesten gesetzlichen Löscheinrichtungen aufgelöst. Es waren sieben Herren der freiwilligen Feuerwehr Lollar hier und referirte Herr Feller, Präsident des Oberhessischen Feuerwehrverbandes und Mitglied im Vorstande des Landesverbandes, in klarer und erschöpfender Weise über Zweck und Bedeutung der freiwilligen Feuerwehren- er gab auf verschiedene Anfragen belehrende Auskunft und forderte die Versammlung auf, den aus 45 freiwilligen Feuerwehren bestehenden Oberhessischen Verband, welcher gegen die Verbände der beiden anderen Provinzen noch sehr zurückstehe, verstärken zu helfen und der guten Sache aus freien Stücken mit bestem Willen und edlem Opfermuthe zu dienen. Von den Anwesenden erklärten sich vorläufig nur 31 Mann durch Unterschrift zum Eintritt in den neuen freiwilligen Feuerwehrveretn bereit. Zwecks Statutenberathuug wird Montag den 10. d. Mts., Abends 8 Uhr, im Rathhause dahier eine wettere Versammlung abgehalten. Spiesheim, 5. Dember. In unserer Gemarkung fand am letzten SamStag großes Tretbjagen statt, wozu 48 Jäger auf Einladung erschienen waren. DaS Ergebniß war ein wider alles Erwarten reichliches, denn man brachte 501 Hosen zur Strecke. Letztere werden gegenwärtig in unserer Gegend zu 2,30 bis 2,50 Mk. das Stück verkauft. Pfungstadt, 6. December. Aus einem Berichte des hiesigen Ziegenzuchtvereins ist zu ersehen, welche große Fortschritte der Verein seit einem Jahre gemacht hat. Die Nachfrage wächst mit jedem Tage- besonders ist es die weiße, hornlose Saanenziege, welche am gesuchtesten ist. Vom 1. April bis 15. October d. I. wurden für 14000 Mark versandt und noch täglich laufen neue Bestellungen ein. Vermißtes. ♦ Frankfurt a. M., 5. December. Heute Nachmittag stürzten vom Dache des Neubaues an der Ecke der Brücken- und Schulstraße in Sachsenhausen zwei Dieburger Maurer, die mit dem Aufschlagen eines Gerüstes beschäftigt waren, fünf Stockwerk tief hinab. Der eine, Heinrich Schneider, 19 Jahre alt, fand den sofortigen Tod- der andere, Bastian Müller, 30 Jahre alt, wurde blutüberströmt in die Dr. Bockenheimer'sche Klinik gebracht, wo er zwei Stunden später starb. — In einer Ortschaft der Umgegend von Frankfurt sollte die Frau eines Specereihändlers beerdigt werden. Der Trauerzug sollte sich in Bewegung setzen, da erschien noch eine Käuferin im Laden, und der trostlose Wittwer vertauschte alsbald den bereits eingenommenen Platz hinter dem Sarge mit dem am Ladentisch, auf die entrüsteten Einreden mit der Bemerkung erwidernd: „Erft das Geschäft, dann das Vergnügen!" Der Reporter, der das Vorkommniß berichtet, fügt hinzu, daß der Geistliche und die Leidtragenden daraufhin von der Betheiligung am Trauergefolge abstanden. ♦ Schlettstadt, 6. December. Gegenwärtig ist man hier in großer Besorgniß, das rheinische Jägerbataillon Nr. 8 zu verlieren. Der Kaiser soll nämlich durch Cabinets- ordre an den Kriegsminister befohlen haben, die Stadt aufzufordern, alsbald für eine nachhaltige Besserung der dortigen gesundheitlichen Einrichtungen Sorge zu tragen, widrigenfalls das Bataillon in eine andere Stadt verlegt werden würde. * Petersburg, 6. December. Bei MorschanSk entgleiste am 30. November ein Güterzug, dessen 23 Wagen Petroleum, Spiritus und einer auch Zündhölzchen enthielten. Die Wagen stürzten einen Abhang hinab und durch die Wucht des Sturzes gerieten die Trümmer des Zuges in Brand. Sämmtliche Fahrbeamten bis auf den Maschinisten und vier im Zuge befindliche Arbeiter, insgesammt acht Personen, kamen in den Flammen um. * Grabdenkmal für die Fürstin BiSmarck. Die „Münch. Allg. Ztg." regt an, der Trauer des deutschen Volkes um den Heimgang der treuen Lebensgefährtin des Altreichskanzlers durch die Errichtung eines Denkmals auf der Grabstätte der Fürstin Bismarck Ausdruck zu geben, und es wird aufgefordert, daß sich in allen Städten Comites bilden, die das Nöthige in die Wege leiten. * Vater und Sohu. Ein kleiner Bursche, der am Montag Abend am ehemaligen Rosenthaler Thor in Berlin Hampelmänner feilhielt, klagte den Umstehenden mit kläglicher «Stimme, daß ihm seine Tageseinnahme gestohlen sei und er sich ohne Geld nicht nach Hause getraue. Da trat au8 der Menge ein Mann hervor und sagte: „Ich habe selbst Frau und Kinder und es geht jetzt schlecht mit der Arbeit- aber so viel habe ich doch noch, um Dir was geben zu können." Dann nahm er seinen Hut und warf ein Zwanzig- pfennigstück hinein. Nun regte sich der WohlthätigkeitSfinn der Berliner: von allen «Seiten warf man Geld in den Hut deS Arbeiters, der für den noch immer schluchzenden Jungen dankte. Es wäre wohl ein kleines Capital gesammelt worden, wenn nicht Plötzlich ein alter Droschkenkutscher hinzugetreten wäre und gesagt hätte: „Jeden Sie keenen Pfennig, Herrschaften, bet is Schwindlerpack, Vater und Sohn, bet nff Kosten andrer Leute die Comödie ufführt. Vorhin haben se erst an’t Oranienburger Dohr gemimt und wenn se hier fertig sind, denn machen se bet selbigte Theater ans Schönhauser Thor vor!" Währenb ber biebere Rosselenker diese Worte sprach, hatten Vater und Sohn unter Mitnahme des Geldes schleunigst Reißaus genommen. * Der unerwartete Gänsebraten. Die „Volksztg." er- zählt folgendes Geschichtchen: Der Sohn eines bekannt« Berliner Fabrikanten für GaS- und WasserleitungS - Anlagen befindet sich in Graudenz als OsfizierSaspirant, und die fürsorgliche Mutter wollte ihrem Aeltesten eine ganz besondere Freude durch Uebersendung einer „selbstgebratenen" Gans und „eigengebackenen" Kuchens bereiten. Beides wurde in Begleitung von einigen Gelb- und Rothgesiegelten wohlverpackt dem Friedrich zur Besorgung nach der Poft Übergeben und dieser brachte die SHfte nach dem Comptoir, damit fie mit den anderen Sachen zusammen nach der Bahn befördert werde» Der Fabrikant und seine Gattin waren aber nicht wenig erstaunt, als fast gleichzeitig von dem Sohne und von ihrem Züricher Geschäftsfreunde Telegramme einliefen. Der Sohntelegraphirte: „Specksteinbrenner eingetroffen, was thnn?" Der Züricher Geschäftsfreund: „Gänsebraten empfangen, waS machen?" Natürlich blieb nichts Anderes übrig, als de« Sohne die Weisung: „Zurückschicken" zugehen zu lassen und dem Geschäftsfreunde den Rath zu geben: „Aufeffen." Ueber Friedrich aber entlud sich ein schweres Unwetter. * Saug au Aegir. Der verantwortliche Redactenr der „Augsb. Reuest. Nachr." wurde von einem penfionirten Major gefordert, weil er den Sang an Aegir als Dilletanten- arbeit bezeichnet hatte. * Am Tage nach feiner Hochzeit erhängt hat sich in Berlin der 28jährige Buchhalter Lübke. Derselbe war mit der Tochter eines im Norden der Stadt wohnenden Handwerkers verlobt und die Hochzeit des jungen PaareS war für den verflossenen Sonnabend festgesetzt. Dem Bräutigam war von dem Schwiegervater ein Capital von 20,000 Mark, am Hochzeitstage zahlbar, versprochen worden, mit welcher Summe der junge Ehemann eine selbstständige Existenz begründen wollte. L. erhielt jedoch — waS ihm übrigens schon vorher durch Bekannte angedeutet worden — die Mttgift am Sonnabend, als an seinem Hochzeitstage, nicht, vielmehr wurde er auf einen späteren Termin der Auszahlung vertröstet. Der junge Ehemann befand sich während des Hochzeitsfestes in ganz verzweifelter «Stimmung, umsomehr, als er seine Wohnungseinrichtung auf Credit entnommen und seine bisherige Stellung im Vertrauen auf baß Wort seines Schwiegervaters aufgegeben hatte. Am Sonntag Nachmittag verließ L. sein neugegründetes Heim und wurde am Montag bereits als Leiche an einem Baum der Jungfernhaide hängend aufgefunben. Die junge Wittwe ist bereits zu ihren Eltern zurückgekehrt. e Verbrecherthum im Jahre 1893. Nach der deutschen Crirninalftatisttk für 1893 ist ein Rückgang des Verbrechertums nicht feftzustellen, aber die starke Steigerung, die seit Jahren ununterbrochen beobachtet wird, hat einem sehr mäßigen Anwachsen Platz gemacht. Es ist immer noch traurig genug, daß im Jahre 1893 im Deutschen Reiche 430408 Personen wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze verurtheilt werden mußten, aber die Vermehrung gegen 1882 beträgt nur 8,076 Verurteilte, also 1,9 pCt., während das Anwachsen von 1891 auf 1892 sich auf ein Mehr von 31,263 Verurteilten (8 pCt.) beziffert rc. Noch günstiger stellt das Ergebniß fich, wenn man erwägt, daß unter den Verurteilten des Jahres 1893 fich nicht weniger als 4864 befinden, die auf Grund der neuen erst seit April 1892 geltende« Bestimmungen bctr. die Sonntagsruhe im Hande.sgewerbe angeklagt werden mußten, während diese Kategorie 1892 nur 1530 Verurteilte umfaßt und in früheren Jahren gar nicht vorhanden ist. Die Verbrechen und Vergehen gegen daS Reichsstrafgesetzbuch haben von 1892 auf 1893 nur »« 0,9 pCt. zugenommen, während man die Zunahme ber Bevölkerung auf 0,7 pCt. veranschlagen darf. Die beliebte Schwarzseherei hat also augenblicklich, was bie Gesammt- zahlen anbelangt, keine gute Grundlage. * Die kleinen Gewehrkugeln. Amerikanische Aerzte senden folgenden Bericht über die Wirkung der neuen kleinen Kugeln, bie zum ersten Male im chinesisch japanischen Kriege ihre Verwendung fanden, ein. Ein Arzt berichtet: „In einem Hospital bei Nagasakl sah ich einen chinesischen Offizier, ber im Kniegelenk auf 1000 Aards von einer Gewehrkugel verwundet war. Die dünne Stahlhülse ber Kugel war zerplatzt unb bas Gelenk war einfach eine Masse von Knochensplittern. Das Knie war völlig weich. Kein Knochen war darin, ber nicht auf eine Zollbreite gebrochen war. Das Bein mußte natürlich abgenommen werden. Das Hospital bei Nagasaki bildete die Bewunderung ber französischen und englischen Aerzte. Die japanischen Aerzte haben alle nach ihren Studien in Japan, in Paris oder Berlin die Kliniken besucht. Die antiseptischen Mittel wurden in Anwendung gebracht." • Eine bestialische That. Vor dem Schwurgerichte zu Kornnburg bei Wien stand die 27jährige HauS- und Wirth- schaflsbesitzerin Marie Goldenhuber unter der Anklage, ein 2Vr Jahre altes Zwillingspaar, zwei Knaben, außereheliche Kinder ihres Gatten, absichtlich mit stedendh eißer Milch überschüttet zu haben, damit sie die ihr Verhaßten Kinder aus der Welt schaffe. Es ist dies ihr auch gelungen, denn der eine Knabe starb am folgenden Tage, der andere nach einwöchentltchen unsäglichen Qualen. Die des zweifachen MordeS Angeklagte behauptete Anfangs, die Kinder halten den Topf mit siedender Milch zufällig umgestoßen, als jedoch festgestellt wurde, daß die Kinder am Kopfe und an den Füßen Verbrüht waren, und als constatirt wurde, daß sie nach dem Frühstücke noch extra eine große Quantität Milch hatte sieden lasten, schritt sie zu dem Geständniffe der That. DaS Urtheil steht noch aus. • Fatale „Erbschaft." Einem Geschäftsmann zu G e o r g e n- burg wurde kürzlich im Gasthause der Hut vertauscht, und er ging deshalb mit der zurückgebliebenen fremden Kopfbedeckung nach Hause. Bald darauf zeigte sich auf seinem Kopfe ein juckender Ausschlag, der sich auch den Ohrmuscheln mittheilte und selbst das innere Ohr ergriff, so daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, daß der Besitzer des fremden Hutes an einer höchst ansteckenden Hautkrankheit gelitten und diese sich übertragen hatte. Nur durch schleunige Gegenmittel konnte dem Leiden gesteuert werden- doch ist cs fraglich, ob die vollständige Heilung deS entstandenen Gehörleidens gelingen wird. * DaS Herz auf der rechte« bette. Vor einigen Tagen ist in Grinzing bet Wien ein junger Mann gestorben, der vor einigen Jahren die Aufmerksamkeit in« und ausländischer ärztlicher Capacitäten in hohem Maße beschäftigt hat. Damals machte nämlich ein Arzt zufällig die Entdeckung, daß der junge Mann, der Adolph Schlesinger hieß und aus einer Wiener Familie stammte, das Herz auf der rechten Körperseite hatte- Schlesinger erklärte zu Lebzeiten, daß.er dies schon lange wisse, aber dem Umstande keine Bedeutung beilege, besonders da es ihn gar nicht „genire". Um so mehr Bedeutung legten die Aerzte dem merkwürdigen Phänomen bei; Professor Schrötter untersuchte Schlesinger eingehend und aus Berlin kamen zu demselben Zwecke zahlreiche Professoren nach Wien. Nunmehr ist Schlesinger, der zuletzt in einem AuSkunftSbureau beschäftigt war, im Alter von 26 Jahren gesto:ben- sein Tod war aber keineswegs der Umstand, daß er das Herz auf dem unrechten (d. h. rechten) Flecke hatte, sondern eine Lungenkrankhett, an der er schon längere Zeit litt. Seine Leiche wird nach London überführt werden, da sich ein Museum schon vor Jahren das Anrecht auf dieselbe gesichert hat. * Auf Gummiräderu zu fahren, gilt noch bis heute als hervorragendes Zeichen von Wohlstand, ja Luxus. Aber wie alles vergänglich ist, so auch dieses. Die Gummiräder werden nicht lange mehr als der Gipfel des bequemen und Vornehmen Fahrens gelten- sie werden ihres Ranges entsetzt werden und etwas Vortrefflicheres wird an ihre Stelle treten. An Fahrrädern hat sich bisher der Luftreifen, das Pneumatik, am besten bewährt. Liegt der Gedanke nicht nahe, auch die Räder der Wagen mit Pneumatikreifen zu versehen? Nun, der Versuch ist gemacht worden und zwar gleichzeitig in Glasgow und Dublin an Lohnfuhrwerken. Der Erfolg ist überraschend gewesen. Die Kutscher dieser Fuhrwerke machen im Vergleich zu denen der nur mit Eisenreifen versehenen Wagen brillante Geschäfte. ES geht hieraus hervor, daß dem Luftreifen auch im Wagenverkehr eine große Zukunft bevorzustehen scheint. Durch diese Aussicht verlockt, haben sich nun drei der bedeutendsten Reifenfirmen entschlosten, der Fabrikation von Luftreifen für Wagen ihre besondere Aufmerkiamkeit zuzuwenden. Es liegt auf der Hand, daß, wenn sich die Luftreifen auf die Dauer an Fuhrwerken bewähren sollten, die Erschütterungen beim Fahren durch sie beinahe vollkommen compensirt werden. In Zukunst dürfte es also von Jemand, besten Wohlstand man bezeichnen will, nicht mehr heilen: er fährt auf Gummirädern, sondern: er fährt auf Lufträdern. * Der Phonograph im Dienste des Staatsmannes. ES dürfte bisher nicht allgemein bekannt sein, daß einer der be- deutendsten Staatsmänner Europas den Phonographen prac- tisch verwerthet. Lord Salisbury macht, wie die „Electro- technische Rundschau" mittheilt, von diesem Instrument ausgiebigen Gebrauch, indem er in Abwesenheit seines Privat- secrerärS, falls er ihm eine wichtige Instruction zu ertheilen hat, sie in einen Phonographen hineinspricht. Der Staatsmann braucht daher in solchen Fällen nie auf feinen Secretär zu warten oder sich die Zeit einer Niederschrift zu rauben. Kehrt der Secretär zurück, so entnimmt er die Wünsche seines Chefs unmittelbar den beiden Phonographen, die Salisbury in dieser Weise benutzt hat und die nun, in Thätigkeit gesetzt, besten Wollen wiedergeben. * GewohuheitSgemaß. „Meine Frau hat sich gestern über etwas geärgert und heute grollt sie immer noch." „Sieh, das will gar nichts heißen! Vor zwanzig Jahren, gleich am Tag: nach unserer Hochzeit, hat sich meine Alte über mich geärgert und heute grollt sie immer noch! Citeraiur rrird Kuttft» — Akademische Revue. Auf dem Gebiete deS Hochschulwesens ist vor Kurzem eine Einrichtung ins Leben getreten, bie zweifellos bald zu großer Bedeutung gelangen wird. Inl München hat Herr Dr. Paul von SalviSberg eine Centralstelle für das internationale Hochschulwesen errichtet, als deren Organ allmonatlich die „Academische Revue" in durchschnittlich 64 Seiten starken Heften erscheint. Wie der Herausgeber im Octoberheft auf S. 3 u. 4 des Umschlags mittheilt, hat er im Laufe dieses Jahres „ein in sechs Sprachen verfaßtes Circularschreiben an alle Hochschulen der Welt verschickt, welches betr. die Organisation dieses Centralinstituts folgende Vorschläge enthalt": 1. Alle die von Hochschulen und sonstigen gelehrten Körperschaften veröffentlichten Druckschriften werden an die Centrale eingesandt; ebenso Korrespondenzen, Berichte, Nachrichten u. bergt Das zugehende Material wirb von bet Rebaction der Acad. Revue" verarbeitet und veröffentlicht. 2. Die Hochschulen benutzen bie „A. R." zur Veröffentlichung von Lehrplänen, Vorlesungsverzeichnissen, Specialcursen, Preisausschreiben, Concurrenzen, Vacanzen usw. 3. verpflichtet sich bie Centrale Lehrmittel aller Art ben mit ihr in Derbtnbung stehenden Hochschulen rc. auf kürzestem und billigstem Wege zu verschaffen. Mit diesen Vorschlägen haben sich sämmtliche Hochschulen in Deutschland, sämmtliche Hochschulen Verkehr, Land- «nd volk»»virtl)jchaft. sridda, 5. December. Der gestern hier abgehaltene jährliche Weihnachts-Viehmarkt war mit jungen Schweinen r»mnch stark befahren; gemästete waren nur wenige aufgehieben wegen der durch das eingetrdene Froftwetter entstandenen Glätte der Wege, wodurch bie Thiere leicht Schaden nehm.» können. Die Preise sur junge Schweine hielten sich andauernd hoch; so wur^ für eM Paar Thiere im Alter von 8 bis 9 Wochen 30 bis 40 Mk. bezahlt. Der Grund liegt an dem re'chlich vorhandenen und billigen Mafi- futter. Die Preise für gemästete Schweine sind gedrückt und erwartet man hier in Kürze bestimmt ein abermaliges Heradgehe» der Fleischpreise, auch für Rindfleisch. Technische Fortschritte. - eine nette Art des Kittens und Verblndens v-n GlaStheile«. Nach der Angabe eines englischen F-chblattes yaner eine Segnung von 95 Theilen Zinn und 5 Theilen KMer s f auf Glas, daß sie als Bindemittel zum Verbinden von GlaSthellm, insbesondere Glasröhren, benutzt werden kann. Die Legi-ung wird hergestellt, indem man zu dem für sich eingesckmolzenen Zinn das ebenfalls für sich geschmolzene Kupfer hinzufügt und dieMasse energisch umrührt. Die Legirung wird zu einem B ock «egosten ober in Korner (Schlagloty verwanbelt und Gebrauchsfall wieder eingeschmolzen. Ihr Schmelzpunk liegt bei ^60° C. Durch Hinzufügen von >/2 bis 1 % Blei oder Zink k-nn man die Legirung weicher oder härter machen. Ein Verfuch bürtte sich empfehlen. (Mitgetheilt vom Patentbureau Otto Wolff in Dresden.) — «ine aläuzeude Appretur erhält man aus folgmde Weife. Man kocht eine Mischung von 90 Theilen Walrat, 50 Theilen Gummi arabicum, S0 Th-tl-n Borax, 125 Thc'l-n G uc.r n unb 750 Theilen destillirtem Wasser, bis Alles gänflich aufgelöst ist, und füllt es, nachdem es abgeküblt ist, in Naschen, welche wohl ver schlossen sein müffen. Diese Mischung wird der zu verwendenden Stärke betgesügt, indem man 40 Theeloffel voll auf -edes Liter Waff gibt, in welcher die Stärke mittels Kochens aufgelöst werden mutz. - SchSuer stablgrarrer Anstrich solchen erztelt man durch Anwendung e>rer Mischung, die man folgendermaßen bereitet: Man re reibt 25 Cmtigramm Lampen- schwarz mit 3 bis 4 Tropfen Goldgrundol in einer flachen Schale zu einer gleichartigen zusammenhänaenden Masseundverbünnt diese wiederum recht Sorgfältig mit 24 Tropten Terpenttnoi. Dicfe Mischung, welche besonders für optische Instrumente vorzüglich^sem soll, trägt man mit einem feinen Pinsel recht gleichmäßig und dünn auf die betnffenden Gegenstände auf und laßt dieselben ordentlich trocknen. (Deutsche Gew.-Zlg.) »rutscher Sprache und die meisten Hochschulen und Academiom br< ungarisch-slavischen Sprachgebiets in Oesterreich- Ungarn, die Unioersitäten und einigeAcademieen der Schweiz, »ehnAcademiem und Facuttäten in Frankreich, die Universitäten und mehre^ gelehrte Körperschaften in Italien, England, den Bereinigten Staaten, Portugal, Belgien, den Niederlanden, Schweden und Norwegen, Bulgarien und Rumänien einverstanden erklärt. yrer durch wird es möglich, eine Vollständigkeit zu erzielen, wie man sie nur wünschen kann. Aus dem reichen Inhalt der beiden ersten Hefte (October und November) beben wir die Abhandlung«! von H. Schmtdkunz „Die Praxis im UnioerfifätsrUnterricht> , K. Roeth Über „Lot, Fenseignement sap6riear en France“, C. ®üttier „ucdct Reformen in der Lehrmethode der Phllosophie", K. E. Gathe „Die Universitäten der Verein. Staaten von Amerika" hervor. In o« „Academischen Tagesfragen" wird uns in einer Reihe kürzerer Artikel eine Ueber sicht über die das Leben aus ben Hochschulen augenblicklich beherrschenden Fragen geboten. Der Zweck und die Gediegenhe der „Academischen Revue" lassen unS ihr Erscheinen mit Freuden begrüßen. Bekanntmachung an unsere Leser 8577 bei H. Tichy, Seltertzweg 43. unseren Lesern als dieser 23 y2 Band, der sich für nur drei Mark anzubieten. Billiger ist schwerlich je ein Buch gewesen, cm hohe, 18 cm breite, 6 cm starke und 3 Pfd. schwere in seinem soliden rothen Einband mit Leinwandrücken Es gereicht uns zu besonderer Genugthuung, unseren Lesern von folgendem Abschluß Kenntniß zu geben, den wir in ihrem Jntereffe durch-, geführt haben: Wir sind mit Hermann Hilger Verlag Berlin und Eisenach dahin tbereingekommen, daß sie uns den ausschließlichen Vertrieb der von ihr unter dem Titel Kür schners Universal-Konver sations-IeMon veranstalteten Neuausgabe von Joseph Kürschners „Quartlexikon" für Gießen «nd Amgegeud überträgt. Das Werk ist eine vollständige, den Verhältnissen entsprechende, wesentlich bereicherte Neubearbeitung des genannten „Quartlexikons", das bereits 1888 bei seinem ersten Erscheinen die wärmste Anerkennung hervorragender Zeitungen und Zeitschriften erfuhr. Es enthält auf ca. 2600 Spalten: 213600 Zeilen Tert nnii ca. 2500 Illustrationen (über 600 Porträts) gegen 1460 der ersten Auflage. Das „Quartlexikon" kostete 10 Mark, das in zahlreich n Sprachen nachgeahmte, außerordentlich verbreitete .Taschenlexikon" desselben Autors kostet 3 Mark, ein Preis, der durch seine Niedrigkeit allgemeines Aufsehen erregte. Unsere Abmachungen mit Hermann Hilger Verlag setzen uns in die Lage, „Kürschners Amversal- Kouversalions-LeLiKou", das den fünffachen Umfang dieses „Taschenlexikons" hat, statt für 15 oder 10 Mark Zachst-AbWIkßer für Neuster und Thüren empsiehlt Heinr. Hochstätten, 9646) Schloßgaffe 19. Prima Nußkohlen empfiehlt fuhren- und centnerweise billigst 9432 H. Hof, Bahnhofstr. 38. ungemein stattlich repräsentirt. «DaS Werk ist unzweifelhaft ein besonderes Paffendes, ungemein billiges Weihnachtsgeschenk für Angehörige jeden Standes, und jeden Alters für jede Lebenslage, das sich aber auch Jedem zur Anschaffung für die eigene Benutzung empsiehlt. Kürschners Lerikon ist gegen Erlegung von 3 Mark in unserer Expedition zu haben. 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Wir richten deßhalb auch in diesem Jahre an die Bewohner Gießens (Raucher und Nichtraucher) die herzliche Bitte, uns durch Uebermittelung etwaiger Ligarrenabfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfern Fonds erhöhen zu helfen, damit es uns ermöglicht wird, auch am diesjährigen Weihnachtsfeste einer größeren Anzahl Kinder eine geeignete Weihnachtsbescheerung bereiten zu können. t _ ta „ Cigarrenabfälle und Geldbeiträge werden bei unseren Sammelstellen, Herrn Buchbinder Adolf Bourgeois, Friseur G.Gerhardt, Biblivtheks- rustos Emil Heuser, Emil Kalbfleisch und H. Schnell gern Als gediegenes Weihnachtsgeschenk empfehle Al'öum von Hießen Sprach- u. Reiseführer. Practisch und leicht fasslich. Parlee - voue franqais P (Franz.) 14. Aufl. Geh. 1 JL 80 geb. 2 .X 40 A. Do you epeak Engliah P (Engt) 13. Aufl. Geh. 1 JL 20 geb. 1 JC 80 Parlate italiano P (Ital.) 6. Aufl. Geh. 1 JL 20 oart. 1 JL 50 A. Habla V. caetellanoP (Span.) 4. Aufl. 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Mitglieder und Familienangehörige von solchen genießen freien (Sin» tritt, für Nichlmitglieder beträgt der Eintrittspreis an Sonntagen 20 Pf-, au Werktagen 50 Pf. . „ _ „ Anmeldungen zur Mitgliedschaft für 1895 werden tm AuSftellungS- faal angenommen und berechtigen auch schon für den Rest des laufenden Jahre» zum freien Eintritt in die Ausstellung. Gießen, den 7. December 1894. 10007 ________________ Der Ausschuß. Feier von Gustav Adolfs 300jährigcm Geburtstag. Unsere Mitglieder, sowie alle evangelischen Mitbürger und deren Familien laden wir hierdurch zu einem Familienabend am Sonntag, den 9* December, Abends 8 Uhr, in Steins Garten ein. Herr Professor D. Krüger wird über die Bedeutung Gustav Adolfs für den deutschen Protestantismus reden. Der Kirchengesangverein wird mitwirken. 9940 Der Vorstand des Evangelischen Kundes. -------------------; I "7 77" Backe«» und GinmackienS tn circa Die WeinhanLlung s unterhält ein großes Lager _ 9016 in- und ausländischer Weine- mit und ohne Aermel, Damenkragen in Wolle und Plüsch, Handschuhe und j Stauchen, sämmtliche Unterzeuge, Mützen für Knaben und Mädchen, Catzotten und Tücher, seidene und halbseidene Herren- Halstücher, Gamaschen, Kinderkleider, Knaben- Shawls, sowie sämmtliche 9993 Pelzwaaren. Alexander Salomon & Co. Alvum von Hteßen Farn En-Drucksachen (Gebnrts-, Verlobnngs-, VermählnngB-Anzeigen, Trauerbriefen etc.) empfiehlt ixh die Brühl’sche Druckerei ScMst rasse 7. von 97M Ernst Bloedner, Seltersweg, empfiehlt sein reichhaltiges Lager: Teppiche, Portieren, Gardinen, Tischdecken, Linoleum, Bettvorlagen, Angorafelle, Reisedecken. Ziehung 12. Januar 1895. 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