1894 Samstag den 9. December Nr. 289 Erstes Blatt Der Die Gießener Is«»ikienvkülter Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen chratisöeikage: Hießener Kamikienötätter. Amtlichem TKeil Berlin, bespricht in gestrigen werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigefegt. Neueste Nachrichten» Wolff» telegraphische- Torrespondenz-Bnre«. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Berlins 7. December. Von der social demokratischen den Wiener Männergesangverein folgendes Handschreiben: „Aus der Eingabe deS Vorstandes vom 17. v. M. habe ich mit Vergnügen ersehen, daß mein „Sang an Aegir" auch vom Wiener Männergesangverein mit gutem Erfolge zur Aufführung gebracht worden ist. Den mir aus diesem An- lasse eingesandten Ehrenducaten habe ich gern angenommen und wird mich derselbe stets daran erinnern, daß in der schönen Donaustadt deutscher Sang und deutsche Musik sich hervorragender Pflege und Förderung seitens des Wiener Männergesangvereins zu erfreuen hat. Ich danke dem Vorstande für die freundliche Aufmerksamkeit aufs Wärmste und wünsche dem Vereine auch ferner kräftiges Blühen und Gedeihen. Neues Palais, 6. December 1894. Wilhelm I. B.u Paris, 7. December. Zur Einweihung der deutschen evangelischen Kirche am Sonntag trifft der Ober- ronsistorialrath Freiherr von Goltz ein, der eine von der Kaiserin gewidmete Bibel überbringt. Paris, 7. December. Ferdinand von Lesseps ist heute Nachmittag auf Schloß Chesnaye gestorben. der auf wirksamere Bekämpfung der Umsturzbewegung abzielende Vorlage durch ein drastisches Beispiel zu verstärken. DaS Blatt führt aus, der Vorgang stelle vor die Kernfrage gegen die Umsturzpropaganda und darin sei ein Gewinnst zu erblicken. DaS vom Präsidenten v. Levetzow gestern aus-- gcbrachte Hoch gelte dem Kaiser als dem Oberhavpte eines Bundes, welcher den Namen „Deutsches Reich" führt. Wer nach dieser Seite demonstrirt, wende sich gegen die Bestimmungen der Derfaffung. Am Schluffe des Artikels führt das osficiöse Blatt aus, der Abgeordnete Singer halte durch seine gestern ausgesprochene Ansicht schützend seine Hand über eine offene, blutige Revolution, er identificire sich unzweideutig durch die von ihm ausgesprochene Meinung mit der Idee der Revolution. Vierteljährig« AbovnemcatspreiAr 2 Mark 20 Pfg. urifc Bringerloha. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expediti« und Druckerei: Schulstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Depeschen der Bure« »SeroW. 7. December. Die „Nordd. Allgem. Ztg." einem Leitartikel die Vorgänge in der Berlin, 7. December. Das Ergebniß der Schriftführerwahl im Reichstage ist heute festgesetzt worden. Der von den Socialdemokraten vorgeschlagene Abgeordnete Fischer wurde zurückgewiesen. Zu Schriftführern wurden die Abgg. Kropatschek(cow-), Holleufer (dcons.), Merbach (Reichs^), Braun (Ctr.), Gräfe (Reformp.), Pieschel (natl.), v. Koscielski (Pole) gewählt. Berlin, 7. December. Der Reichstag wird voraussichtlich in der dritten Decemberwoche nicht mehr zusammenzuhalten sein und es stehen somit nur noch wenige Tage zur Verfügung, welche für die erste Etatsberathung gebraucht werden dürften. Berlin, 7. December. Nachdem nunmehr die erste Etat- berathung eine Priorität erhalten hat, wird die Umsturzvorlage wohl kaum noch vor den Weihnachtsfeiertagen zur Verhandlung kommen. Berlin, 7. December. Infolge des gestrigen Vorganges im Reichstage wurde von der conservatioen Fraction angeregt, eine Abänderung der Geschäftsordnung dahin vorzunehmen, daß eine Verstärkung der Disciplinar- gewalt durch den Präsidenten herbe'gesührt werde. Ob ein diesbezüglicher Antrag eingebracht wird, ist noch unbestimmt. Köln a. Rh., 7. December. Die „Köln. Ztg." fordert angesichts der gestrigen Vorgänge im Reichstage, daß der bereits im Jahre 1879 dem Reichstage vorgelegte Entwurf betr. die Disciplinargewalt über die Parlamentsmitglieder wieder eingebracht werde. Bei der zur Zeit erfolgten Ablehnung dieser Vorlage habe man an ein derartiges Sinken des socialen Niveaus der Volksvertreter nicht geglaubt, wie es heute unleugbar vorhanden sei. Der Reichstag solle nun nicht länger in schlimmer Verblendung verharren- es handle sich heute nicht um den Schutz wehrloser Außenstehender, sondern um seine eigene Würde und um die Ehrfurcht vor dem Kaiser, die man von allen Deutschen, besonders aber von Volksvertretern beanspruchen könne. Karlsruhe, 6. December. Der Papst ernannte den Er- sinder der Weltsprache (Volapük), Pfarrer Schleyer in Constanz, zum Monsignore. München, 7. December. Wie das „Bayer. Vaterland" meldet, soll gegen sechs Münchener Redacteure wegen der Fuchsmühler Affaire Anklage erhoben werden. Paris, 7. December. Die gestern Nacht erfolgte Verhaftung des ChefredacteurS der „Nation", Camille DreyfuS, rief allgemeine Ueberraschung hervor. Die Ursache ist noch unbekannt, wahrscheinlich ist die Verhaftung wegen Erpreffung erfolgt. DreyfuS, der Reservelieutenant ist, früher Cabinets- chef WilsonS im Finanzministerium und Deputirter von dem Reichstage zugegangen. Berlin, 7. December. Das Staatsministerrum hat heute unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eine Sitzung Qb0^Berlin, 7. December. In Bundesrathskreisen verlautet, der Reichskanzler beabsichtige bei der ersten Berathung des Etats zu einer längeren Ausführung das Wort zu ergrei^en.^ December. Einer der ersten im Reichstage zur Berathung gelangenden Initiativanträge wird der Antrag des CentrumS um Aufhebung der I esuiten-Aus- Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Reichstagssitzung. In demselben sagt sie, die Socialdemokraten hätten sich beeilt, die Nothwendigkeit Ausschreiben. Ein in Limburg inhaftirter Mann war bei seiner Fest- «ahme im Besitze eines 3—4 Meter langen schwarz-weiß- rotb en Fahnentuches, über dessen Erwerb er sich mcht aus- weifen kann, so daß die Vermuthung nahe hegt, er habe das Tuch gestohlen. , „ Wir ersuchen daher um gefällige Mttherlung, wenn Jemanden von einem Diebstahl des bezeichneten Fahnentuches etwa» bekannt sein sollte. Gießen, den 6. December 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Paris war, ist sehr niedergeschlagen und nimmt wenig Nahrung zu sich. Es circuliren Gerüchte über weitere Bet« H^London, 7. December. Der „Standard" veröffentlicht Telegramme auS Varna, wonach der Czar Nikolaus aus das Glückwunschtelegramm des Snltanö kühl geantwortet hat. Die Haltung des Kaisers wird dahin ausgelegt, daß der Czar den Sultan für die Borkommniffe in Armenien verantwortlich macht. Loudon, 7. December. Ein osstcielles Telegramm aus Shanghai sagt, wenn die Japaner die Verhandlungen mit dem mit kaiserlichem Decret versehenen Bevollmächtigten in Peking ablehnen, so sei dies Beweis, daß sie nicht eher nachgeben wollen, bis sie das chinesische Kaiserreich gedemüthigt und vollständig vernichtet haben. — Yamagala hat definitiv auf die Eroberung von Mukden verzichtet. London, 7. December. „Morningpost" schreibt, in Kürze sei die Reorganisation und das Wiederauftreten der Fenier in Großbritannien und Irland zu erwarten, das Blatt wacht die Behörden hierauf aufmerksam und sordert die Regierung auf, rechtzeitig einzuschreiten, indem es den Grund de« Wiederauftretens der Fenier in der Ablehnung der Homerme sieht- __ Berlin, 7. December. Zur Wallot-Feier waren ca. 500 Theilnehmer, darunter Vertreter aus allen großen Städten Deutschlands, versammelt. Die Stimmung war eine (iWllllll(tl -------------------------- sehr gehobene. Seitens des Vereins der Berliner Künstler | Hon rtnb <ür die Berathung der Umsturzvorlage die übergab Anton v. Werner das Diplom als Ehrenmitglied- » b Un Auer, Frohme und Singer als Redner be- Baurath Hinkeldey überreichte für den Verband deutscher 8^ worden. Zur Zucker-Interpellation werden die Ab- Archrtecten- und Jngenieur-Vereme eine Adrcffe. Das Gleiche ' nelen eventuell Schippel ober Bock sprechen, that NamcnS des Frankfurter ArchttectenvereiuS Bauinspector I ° - -- - — - ° *•* Wolff, der an die frühere Zugehörigkeit WallotS zu diesem Verein erinnerte. Für die deutsche Kunstgenoffenschast sprach Profeffor Thiersch-München. Die Vereinigung der Berliner Architecten widmete einen Lorbeerkranz. Wallot dankte tiefgerührt. Nach dem Schlußgesang begann das Festessen, dem sich ein Festspiel und allerlei „Wallotria" anschloffen. Wien, 7. December. Kaiser Wilhelm richtete an welche eine Vertagung der Strafproceffe gegen Abgeordnete zulaffe. Dutzende von Strafproceffen würden während feder Session durch den Beschluß des Hauses unterbrochen und oft auf Jahre hinaus verschleppt. Diese Privilegirung systema. tischer Gesetzesverletzung führe zur Nichtachtung der Justiz. — Das „Berl. Tagebl." schreibt wörtlich: „Mit einer Brutalität, die sich nur aus dem völligen Mangel gesellschaft- sicher Gesittung einigermaßen erklären läßt, hat der Sprecher der socialdemokratischen Partei dem Vorsitzenden geantwortet und er hat dadurch auch das unzweideutig erwiesen, daß er sich mit seinen Anschauungen außerhalb unserer ganzen Empfindungslehre stellen wollte. Berlin, 7. December. Die in der Thronrede angekündigten Justizgesetze, Abänderung der Strafprocehordnung durch Wiedereinführung der Berufung und Einführung eines Gesetzes zur Entschädigung unschuldig Derurtheilter, find heute Gesunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 gold. bedauert die „Nationalzeitung" die Verfaffungsbestimmung, Ring I Maiffcheltenknops, 1 fioarpfeit, 1 Regenschirm, > -.......- °e°en Abo-ordn-t- 1 Handschuh, 1 Muff, 1 Kaputze, 1 Schürze, I Buch, 1 Paar Zugstiefel, 1 Lampenbrenner, 1 Halsriemen (Pferde- Geschirr), 1 Handkorb und 1 Laterne. Gießen, den 8. December 1894. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Betriebseröffnung des Queckborner Wasserwerks. Die gestern stattgehabte feierliche Betriebseröffnung M Queckborner Wasserwerks nahm unter erfreulicher Anwesenheit bei Vertreter hoher Behörden und sonstiger Ehrengäste, einer großen Anzahl Stadtverordneter, der betr. städtischen Beamten, Vertreter her Presse u. s. w. in programmmäßiger Weise den schönsten Verlauf. Die technischen Erläuterungen des Herrn Oberingenieurs Schtwck in dem Sitzungssaale des ^thhauseS, die vorgenommenen Druckproben aus Hoch- und ^ederdruck- netz, der mächtige Springbrunnenstrahl tm Garten des GaS- und Wasserwerks, ferner die Besichtigung des Hochbehälter« und der sämmtlichen Anlagen in Queckborn erweckten daS höchste Jntereffe aller Theilnehmenden. — Die Ausschmückung der Anlagen, die finnige Jnnendecoration des Hochbehälters, der erhebende Weihegesang des Knabenchors in demselben, die Bedeutung und den Betrieb der Anlage betreffende Sinn- sprüche erfreuten nicht minder alle Theilnehmer. Kein Wunder, daß auch das gegen 2 Uhr Nachmittags in Queckborn im festlich geschmückten Saale bei Sames stattgehabte „Frühstück den schönsten Verlauf nahm und nach dem durch Herrn Oberbürgermeister Gnauth, mit dem sich TagS zuvor unser ver- ehrtester Landesvater in freundlichster Theilnahme über unser neues Wasserwerk unterhielt, auf Seine Königl. Hoheit bat Großherzog ausgebrachten ersten Toast noch mancher Trink- sprach der Bedeutung des Tages gewidmet wurde. Wir wüffen uns Vorbehalten, auf die Elöffnungsseier des Werks ausführlicher zurückzukommen, und geben heute nur die nach stattgehabter stenographischer Aufzeichnung von Herrn Oberbürgermeister Gnauth am Maschinenhaus an die Versammlung gerichtete Festrede wieder: Verehrte Festversammlung' Der alte Hochbehälter unseres Wasserwerkes an der Licherstraße wird demnächst die Inschrift erhalten: „Eröffnet 1883, erweitert 1886 und 1890, vollendet 1894; in diesen einfachen Zahlen und schlichten Worten aber steht verzeichnet die ganze Geschichte der planmäßigen Versorgung der Stadt Gießen mit gutem Quellwasser: eine G. schichte glatt zu lesen, nun sie glücklich durchlebt ist, aber voll ernster Sorgen und banger Zweifel für alle Diejenigen, welche daran gefchrieben. Ursprünglich nur berechnet auf die Speisung weniger öffentlicher Brunnen, hat unser Wasserwerk alsbald sich erweitert zu einer HauS- versorgung und ist heute ausgewachsen zu einer Gesammtverforgung unserer Stadt mit reichlichem Wasser mit hohem Druck: für alle öffentlichen und privaten, gesundheitlichen und wirihschastlichen Zwecke. Die knapp 200 cbm. lägllchen QuellenzuflusstS im Anfang sind heute erhöht auf 3500 cbm., 820 Häuser, 32 Ventilbrunnen und über 150 Hydranten sind nunmehr ongeschlossen an Leitungen von zusammen rund 60 km Länge und der Wasserpreis ist dabei letzt schon ermaftiat auf 25 Pf. pro cbm., ein weiterer Abschlag für den Hans- oerbrauch und für Großabnehmer biS zu 50 pCt. Rabatt sind in Aussicht genommen! -. « . Die Erweiterung unseres Wasserwerkes aber, welche heute wir dem Betrieb übergeben, sie zeichnet sich von ihren Vorgängerinnen ganz wesentlich dadurch aus, daß sie zugleich die Vollendung unseres Werkes darstellt: nach all ben kleinen Schritten des seitherigen Vorgehens dürfen wir heute mit einem großen Sprung tm« am Ziele glauben, am Ziele einer ausreichenden, planmäßigen Wasserversorgung unserer Stadt auf so lange, als deren Einwohn« nicht die Zahl von 35- bis 40 000 überschritten haben, und auch bann noch stehen auf diesem Quellengebiet weitere Vorräthe zu unserer Verfügung. , An solches Ziel gelangt, dürfen wir darum wohl m gehoben« Stimmung den heutigen Act begehen, mit Stolz und Dank bei insoweit glücklich vollendeten Werke- uns «freuen. Berlin, 7. December. Die ganze hiesige Presse verur- thei't das Verhalten der Socialdemokraten in der | gestrigen Reichstagssitzung. Am Sckluffe ihrer scharfen Kritik U Gießener Anzeig er Kenerat-Wnzeiger. Unser erster Dank gebührt dabet naturgemäß den beiden Männern, welche mit geübtem weitsichtigem Blick uns berathen haben, welche ebenso den Plan dieses Wasserwerkes entworfen wie seine Verwirklichung bis ins Kleinste geleitet haben: dem Herrn Oberingenieur und dem Herrn Regterungsbaurnetster Schrnick; ihren vielseitigen und hohen Verbimsten um das öffentliche Wohl ganzer Städte haben diese beiden Herren nunmehr auch dasjenige um unser Gemeinwesen hinzugefügt. Gleichen Dank auch schulden wir den Ingenieuren, Unternehmern, Lieferanten, Aufsehern und Arbeitern, welche das schwierige Werk in der kurzen Zeit von nicht ganz einem Jahr zur Vollendung gebracht und dabei — ein Jeder an seiner Stelle — ihr Bestes eingesetzt haben. Aufrichtigen Dank sagen wir ckuch heute wieder der Gemeinde Queckborn, welche sich uns beim Erwerb des ganzen Quellengebietes willfährig gezeigt, ehrerbietigen Dank aber ziemt uns namentlich all' den verschiedenen Staats- und Kreisbehörden gegenüber, welche in jeder Weise unsere Pläne gefördert, die ihnen drohenden Hindernisse behoben haben und uns allerwegen entgegengekommen sind, wo immer wir darum gebeten.. Bei alledem hat aber auch ein gütiges Geschick über unserem Werke gewaltet: trotz oller Ungunst der Bodengestaltung und aller Schwierigkeit der Arbeiten haben wir keinen irgend nennenswerthm Unfall zu beklagen gehabt. Ja reiner ungetrübter Freude bürfen wir vielmehr von jetzt ab eintreten in den Genuß der fertigen Wasserversorgung, können wir heute das Qurckborner Werk ebenso für unser Gießen, wie für daS, damit auf immer eng uns verwachsene Queckborn dem ständigen Betrieb übergeben. Dem Dank aber, welchen die Vertretung unserer Stadt für alle Mitarbeit und Unterstützung bei diesem Werke schuldet, dem haben wir geglaubt am besten auch äußeren Ausdruck zu verleihen, indem wir den obersten, hier anwesenden Vertreter unserer Aufsichtsbehörden bitten, dem Werk feine Weihe zu geben, mit dem gleichen Wohlwoll n und Jntereffe für das öffentliche Wohl unserer Stadt, dessen bisheran wir auch bei diesem Werk uns erfreuen durften. In solchem Sinne erlaube ich mir die Bitte, es möchte Ihnen, hochverehrter Herr Prooinztaldirector nunmehr gefallen, für alle Zeiten das Queckborner Wasserwerk der Stadt Gießen seiner Bestimmung dem ständigen Betriebe zu übergeben — zur Ehre seiner Erbauer, zum Segen der beteiligten Gemeinden'. £ocatc< ttttfr prsvinjteller. Gieße», den 8. December 1894. ** Aus dem Justizdieust. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wurden beauftragt mit Aushilfeletstung: 1) als Amtsrichter bet dem Amtsgericht Fürth der Gerichtsassessor Stammler in Worms, 2) als Amtsrichter bet dem Amtsgericht DarmstadtI der Gerichtsassessor Schmidt in Zwingenberg, 3) als Amtsanwalt in Worms der Gerichtsassessor Bus in Mainz, 4) als Amtsanwalt in Zwingenberg der Gerichts- affeffor Helm daselbst. ** Schwurgerichtsfitzuug vom 6. u. 7. December 1894 gegen Johannes Schröder III. von Nieder -Bessingen wegen Meineids. (Schluß.) Uebereinstimmend wurde von vielen Zeugen bekundet, daß Schröder vor dem Wagen zu Fall kam und nicht wider das Rad flog. Auch davon, daß er zeitweise das Bewußtsein verloren habe, konnte keine Rede sein, er erhob sich sofort nach jedem Stoß und merkte ihm keiner der Zeugen an, daß er irgend welche Verletzungen davongetragen habe. Als unwahr stellte sich weiter heraus, daß er den zweiten Stdß erhalten habe, als er eben im Begriffe war, sich zu erheben, er sprang vielmehr auf, ging auf Diehl los und erhielt dann erst den zweiten Stoß. Als vollständig erfunden stellte sich ferner heraus die Behauptung des Angeklagten, der Gehülfe des Dr. Seipp von Lich habe ihm auf Befragen gesagt, es hätten sich 2—3 R ppen im Rücken ausgefugt. Dr. Seipp hatte damals nur einen Vertreter, den cand. med. Schänd, gehabt und dieser bezeugte, daß eine derartige Unterredung nie stattgefunden habe. Unwahr ift|roeiter, daß Angeklagter den Schaad zur Zeit des Vorfalls noch gar nicht gekannt habe- er hatte ihn vielmehr gelegentlich der Erkrankung seiner Frau, Anfangs August vorigen Jahres, also kurz vor dem hier fraglichen Vorfall, kennen gelernt. — Den Geschworenen (Obmann: Herr Georg Falk) waren drei Hauptfragen vorgelegt worden, dahin gehend, ob Angeklagter ^vor dem Schäffengerichte Laubach und zweimal vor der Strafkammer in Gießen wiffentlich falsch geschworen habe, ferner eine weitere Frage dahin, ob sich die in den drei Hauptfragen aufgesührten, dem Angeklagten zur Last fallenden Strafthaten als eine einzige fortgesetzte Handlung darstellen, sowie weiter vterNebenfragen zu diesen dahin, ob die Angabe der Wahrheit gegen den Angeklagten eine Verfolgung wegen eines Verbrechens oder Vergehens nach sich ziehen konnte. Nachdem sämmtltche Fragen von ihnen bejaht worden waren wurde Angeklagter wegen Meineids unter Anwendung der Bestimmung des § 187 des Strafgesetzbuchs in eine Zuchthausstrafe von einem Jahre nebst Kosten verurtheilt. Auch wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. •• Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberhesieu vom 8. December 1894. Zur Verhandlung kommt heute die Strafsache gegen Marie Silberling von Merkenfritz und Georg Imhof von Wolferborn wegen Meineids. Als Beamter der Staatsanwaltschaft fungirte der Großherzogl. Staatsanwalt Zimmermann, vertheidigt wird die Angeklagte Silberling von Herrn Rechtsanwalt Justtzrath Dr. Reatz, der Angeklagte Imhof von Herrn Rechtsanwalt Justizrath Dr. Schwarz. — Die Dienstmagd Marie Silberling von Merkenfritz, 25 Jahre alt, und der Taglöhner Georg Imhof von Wolfenborn, 24 Jahre alt, stehen unter der Anklage, daß sie am 15. Januar 1894 zu Büdingen vor Großh. Schöffengericht daselbst, und zwar erstere wiffent- lich, ein falsches Zeugniß mit einem Eide bekräftigt habe, letzterer den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid wiffentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die Oeffentlichkeit für diese Verhandlung wegen Gefährdung der Sittlichkeit ausgeschloffen. Nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Georg Falk) die ihnen vorgelegten Schuldfragen bejaht hatten, erfolgte die Verunheilung der Angeklagten Silberling in > Imhof in eine Zuchthausstrafe von einem Jahre und sechs f Monaten. Beiden Angeklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren aberkannt, endlich die dauernde Unfähigteit beider, als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden, ausgesprochen. nn Parlamentarisches. Am Dienstag den 18. December 1894, Vormittags IO1/* Uhr und folgende Tage, finden Sitzungen des Finanz-Ausschuffes zweiter Kammer mit folgender Tagesordnung statt: 1) Berathung über: 1. Antrag der Abgeordneten Schmitt und Wasserburg betreffend Entschädigung für Etnquartirungslasten. 2. Der Antrag Bretmer, betr. Erhöhung des Beitrags zur Feuerlöschordnung. 3. Die Vorstellungen des Stadtvorstandes zu Grünberg, Errichtung von Nebenbahnen im Großherzogthum Heffen betr. 2) Endgültige Feststellung der Berichte über: 1. Die Vorstellung der Gemeinde Hühnlein und Langwaden, Haltestelle betr. 2. Die Vorlage, Turnhalle für daS Ludwig Georg Gymnasium betr. 3. Den Antrag Mühlberger, Kosten der Volksschule betr. 4. Die Ersuchen und Gesuche betr. erweiterte Volksschulen. 5. Die Vorlage betr. Organisation des Forstschutzes. 6. Das Gesuch der Forstwarte, Gehalts- und Pensionsverhältnisse betr. 7. Die Vorlagen betr. Abänderung des Emkommens^uergesetzeS, des Capital« rentensteuergesetzes, der Eisenbahn- und Straßenbrücken bei Worms. • * Kuustvereiu. Wir machen auch an dieser Stelle die Leser unseres Blattes aufmerksam auf die am Sonntag den 9. d. M. Vormittags 11 i/2 Uhr erfolgende Eröffnung der Gemäldeausstellung im Thurmhaus am Brand. Die Eröffnung wird eingeleitet werden mit der Ueberweisung des neuen Saales durch Herrn Oberbürgermeister Gnauth an den Vorsitzenden des Kunstvereins für daS Großherzogthum, Se. Exc. den Herrn Staatsminister Frhr. v. Starck. Die Ausstellung bleibt am Eröffnungstag ausnahmsweise bis 3 Uhr geöffnet; das Eintrittsgeld für Nichtmitglieder betragt aber auch an diesem Sonntag nur 20 Pfg. * * Die Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handels« gewerbe treten für die Drei Sonntage vor Weihnachten, also am 9., 16. und 23. December, insoweit außer Kraft, als an den bezeichneten Sonntagen in Gießen die Ladengeschäfte von 11 Uhr Vormittags bis 7 Uhr Abends offen gehalten werden dürfen. Es ist den Käufern, welchen nur Sonntags die nöthige Zeit zur Verfügung steht, zu rathen, mit ihren Einkäufen für Weihnachien nicht bis zum letzten Sonntag zu warten, da erfahrungsgemäß an demselben der Andrang ein sehr großer ist. * * Panorama. Die wegen des starken Besuchs und des großen Beifalls noch bis Mittwoch den 12. December im Panorama (Neuen Bäue) ausgestellte Serie „Lustschlösser" verdient im besonderen Maße eine Beachtung. Die dort ausgestellten Bilder zeigen nicht nur Landschaften, wie ^Hohenschwangau", ferner den „Berg Starnbergersee" und die „blaue Grotte von Capri" rc., sondern sie zeigen uns auch all die herrlichen und kostbaren Sachen, mit welchen der verstorbene König Ludwig von Bayern seine Gemächer ausgestattet hatte. Feenhaft ist die Ausstattung, so daß sich schon allein dieserhalb ein Besuch im Panorama lohnen würde. * * Queckborner Wasserwerk. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß morgen Nachmittag Gelegenheit geboten ist, den Hochbehälter bet Annerod, sowie das Wasserwerk bei Queckborn zu besichtigen. * * Freigesprocheu wurden heute von hiesiger Strafkammer die Wächter Wenderoth, Klans und Will von Vilbel, welche angeklagt waren, einem Gefangenen (Glotzbach) fahrlässig daS Entweichen ermöglicht zu haben. * * Unfall. Heute Morgen fand der Bahnwärter an der Badenburg an der Böschung einen Mann in bewußtlosem Zustande liegen. Derselbe wurde in die Klinik gebracht und kam wieder zum Bewußtsein. Er erklärte, daß er seine Tochter in Wieseck besucht habe und gestern Abend nach Lollar zu gegangen sei, um mit der Bahn nach seinem Heimathsdorf Roth bei Marburg zu gelangen. An der Badenburg sei er unwohl geworden und habe in diesem Zustande gelegen bis heute Morgen. Der Mann ist 60 Jahre alt und hat jedenfalls einen Schlaganfall erlitten. * * Mißhandlung. Gestern Nachmittag mißhandelte in der Alicestraße ein Fuhrknecht einen Bäckerjungen in Aergernlß erregender Weise, indem er denselben mit der Peitsche im Gesicht und an den Händen blutig schlug. Eine Anzeige wegen Körperverletzung Ist erfolgt. * * Kaserneubauteu in Heffen. In dem neuen Relchs- haushaltöetat, welcher dem Reichstag vorgelegt worden ist, sind auch Posten für größere Militärbauten in Heffen enthalten und zwar: Erste Rate für ein Magaz'ngebäude 130,000 Mark, sowie erste Baurate für eine Trainkaserne in Darmstadt 300,000 Mark (für den ganzen Bau sind 609,000 Mk. vorgesehen), ferner erste Baurate für eine Jnfanteriekaserne in Worms 660,000 Mk. (InSgesammt 2,216,800 Mk). — Die Kaserne für das 4. Bat. Jnf.-Rgts. „Kaiser Wilhelm" in Gießen wird bekanntlich auf Kosten der Stadt Gießen erbaut. * * Der ©etreibemarft. (Berichtswoche 1—7. December.) Die Getreidemärkte Europas und Nordamerikas stehen zur Zeit unter wechselvoller Tendenz, zuweilen macht sich, wahr- scheinlich aus Besorgniß, daß die vorhandenen wirklichen Vor- räthe an Getreide doch im Abnehmen begriffen find, eine entschiedene Neigung zur Preissteigerung geltend und dann erschlafft diese Bewegung aber ziemlich plötzlich. Als eine für Landwlrthe, Getreidehändler und Müller äußerst bemerkenS- werthe Thatsache muß aber doch die nun bereits seit mehreren Wochen vorhandene und meist überwiegende Tendenz der Preiserhöhung hervorgehoben werden, an welcher die thell- weise ermattete Kauflust nicht viel ändert. ES wurden deshalb auch in dieser Woche die Kornfrüchte an allen Märkten meistens etwas theurer verkauft als in der Vorwoche: Weizen per 20 Centner in Berlin und Leipzig zu 122 bis 142 Mk., MW. Aus der mittleren Welterau, 6. December. An dem großen Wasserlachen in unseren Wlesenthalern herrscht ebe« ein intereffanteS Thierleben. Große Schaaren von Wildenten, sogar Möoen, Schneegänse und Fasanen zeigen sich an de» Gewässern und die Schwimmvögel tummeln fich auf den Fluthen herum. Es ist ungemein schwierig, dem Gevögel betzukommen, denn es ist scheu und listig und stellt Wachen aus. * Marburg, 7. December. Der Redacteur deS „Reichs» Herold", MedelSky, wurde wegen Beleidigung jüdischer Einjährig Freiwilliger zu 150 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Der Kciegsminister hatte bekanntlich den Strafantrag gestellt. * Vom südlichen Hunsrück erhält die „Köln. Ztg." eine Zuschrift, der wir Folgendes entnehmen: Wer die hiesige Bevölkerung kennt, wird ihr das Zeugniß nicht versagen, daß sie sich durch Friedfertigkeit, Sparsamkeit und Fleiß aufl« zeichnet. Um so mehr ist zu bedauern, daß bei fast gänzlichem Mangel an Verdienst viele Jünglinge und auch der- heirathete Männer nach den Jnduftriebezirken auszuwandern gezwungen sind und daß die Zurückbleibenden trotz aller Genügsamkeit vielfach mit der drückendsten Noth zu kämpfen haben. Ein Beispiel: vor einigen Tagen ließ der Gemeinde- vorftand von Rhaunen die Aufräumung der Gräben eines chaussirten Weges öffentlich verdingen; diese Arbeit haben die sehr zahlreich erschienenen Bewerber für 1 Pf. daS Meter übernommen, was den meisten von ihnen einen Verdienst von 50 bis 75 Pf. für die Tagesarbeit einbrachte! Wenn die Hunsrücker, die schon durch die schlechten wlrthschaftllchen Verhältniffe überhaupt und namentlich durch die ungenügenden Ernten der beiden vorletzten Jahre zum großen Theil tief in Schulden gerathen sind, nicht bald Hülfe bekommen, so ist es zu spät. * Winsen a. d. Luhe, 4. December. Das Schöffengericht verurthellte den „Wunderdocior" Ast wegen Ueber- tretung des § 367, Abs. 3, des Strafgesetzbuchs zu der höchsten vorgesehenen Strafe von 150 Mk., indem eS betonte, daS Vorgehen AstS streife nahezu an Schwindel und Betrug. Der KreiSphyfikuS untersuchte fünfzehn angebliche Heilmittel Asts. Sie wiesen einfache Tinctur und Balsame auf und wurden vom Phyfikus als veraltet, jedoch unschädlich, gleichzeitig aber als nutzlos bezeichnet. * Ratibor, 7. December. Das Schwurgericht verhängte heute über den Bauerngutsbesitzer Josef von Stwollnski aus Lenkau, der feine Frau erschaffen hatte, die Todesstrafe. * Innsbruck, 5. December. Ein kurzer Schneefall hat uns mit dem 1. December auch den ersten Schnee in unser Thal gebracht. Die Schneedecke zog sich indeß alsbald wieder auf die obersten Höhen des Gebirges zurück und an den untersten Gehängen der Sonnenseite unseres Kalkalpenzuges aber blühen allerlei zierliche Frühlingsblümchen, wie Anemonen, Primeln, Glockenblumen u. dgl. Und selbst in Höhen von 1300 Metern kann man noch blühende Erica, blühende und reife Erdbeeren, Hundsveilchen und Gänseblümchen pflücken. Gewiß eine interessante Erscheinung! * Lugano, 7. December. Auf dem Piorasee ertranken sechs Personen, die mit einem Holzfchlitten über den schwach zugefrorenen See fuhren. * Polizeilich beschlagnahmt wurde vorgestern die Leiche der 29jähr. Frau des in der Georgenkirchstraße in Berlin wohnenden Kutschers F. Die Frau war einige Nächte vorher aus dem Bett aufgestanden, hatte sich angekleidet und war nach dem Hose hinuntergegangen, „um den Messias zu erwarten", wie sie ihrem Manne mittheilte, von welchem sie sich ruhig nach der Wohnung zurückführen ließ. Auch in der Nacht zum Donnerstag hatte die F. eine derartige Vision und nur mit Mühe gelang es dem Kutscher, die Frau zu beruhigen und zu Bett zurück zu schaffen. Als F. eine Stunde später nach der angeblich Schlafenden sah, fand er nur noch eine Leiche vor. Die bedauemswerthe Frau war unter Umständen verstorben, die einen natürlichen Tod ziemlich unwahrscheinlich machen und die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß die F. im Irrsinn sich vergiftet habe. Die Leiche wurde gestern früh nach dem Schauhause geschafft. * 6lnem furchtbaren Unglück, wie ein solches die Unfall- Chronik Berlins bisher nicht aufzuweisen haben dürfte, ist am Donnerstag Abend der Fuhrherr Nitschke, Thaerstraße 35, erlegen. N. war mit seinem Kremser in Hohen Schönhausen gewesen und hatte gegen 8 Uhr Abends die Rückfahrt nach Berlin angetreten. Als sich das Gefährt auf dem Berliner Weg in der Nähe der Landsberger Chaussee befand, stürzte N. plötzlich vom Bock und wurde von feinem eigenen Fuhrwerk ziemlich schwer am Kopf überfahren. Die Pferde, ohne zu merken, daß ihr Führer fehlte, eilten auf dem ihnen wohlbekannten Wege dem Stall zu, während N. in Schmerzen sich windend auf dem schmalen Fahrdamm liegen blieb. AuS der wohlthätigen Ohnmacht, die ihn bald befiel, wurde N. wieder ins Leben zurückgerufen, als die Räder eines Arbeitswagens über seinen Körper hinweggingen, und schon nahte ein zweites derartiges Lastfuhrwerk. Der Aermste schrie laut vor Angst, der Kutscher aber hörte nicht und auch dieser Wagen räderte den hilflos am Boden Liegenden! Wenige Minuten später kam ein Omnibus der Linie Hohen- Schönhausen—Petersburger Straße heran; zu schreie« vermochte der unglückliche, bei vollem Bewußtsein befindliche Mann nicht mehr, und so kam eß, daß zum vierten Male ein schweres Gefährt über ihn hinwegrollte. Erst nachdem das Unglück geschehen, bemerkte der Omnibuskutscher, daß der Wagen über ein Hinderniß hinweggegangen sei; er stieg ab und leuchtete den Weg entlang. So wurde N. endlich auf» gefunden; der Unglückliche war entsetzlich zugerichtet. Beide Arme und Beine waren vielfach gebrochen, die rechte Hand total zermalmt, der Kopf zeigte furchtbare Wanden und außerdem wurden schwere innere Verletzungen festgestellt. Trotzdem lebte der Aermste noch; mittelst Omnibus wurde er nach dem Krankenhause Friedrichshain geschafft und hier eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und drei Monaten ab- Roggen für 113 bis 118 M., Gerste 94 biß 180 Mk., züglich zwei Monate Untersuchungshaft sowie des Angeklagten - Hafer 110 bis 140 Mk. konnte er noch eine Beschreibung seiner Unglücksfalle geben. Bald darauf verschied der bedauenSwerthe Mann. • „Der Erlkoaig" im Deutsch Englischen. AlS eine Art Seitenstück zu dem berühmt gewordenen Katzenaufsatz deS kleinen Polen veröffentlicht die „Peteisb. Ztg." folgenden „auihentischen Aufsatz" einer hoffnungsvollen kleinen Engländerin über den „Erlkönig". DaS Mihchen schreibt wörtlich: „ES war spät und ein Reiter trodete den heulenden Wind hindurch. Fast gepreffet hatte er ein JungeS, sein Kind. Mein Sohn, der Bater sagte, warum hast du so ein furchtbares Gesicht? Bist du nickt gut und bequem? O mein Vater, sprach der Knabe, sehe daS lange grausame Schwanz von den Erlkönig dort. Ach, ach, mein Junges, daS ist nur eine Mist. Und leise sagte daS Ding mit daS Schwanzlein — kommt mit mich mein liebes Junges, wir wollen ein großes Spatz haben mit Blume und Spiele. Und wieder rüste -er Knabe. O, o, Vater der Erlkönig immer säuselt leise — Dummheiten Dinge, sagt der Vater, du ist ein weniges von Wind in den Blattern. Und der Erlkönig säuselt- Du bist ein feinen Bube, komm meine Kinder sollen auf dich warten und dich hineintanzen, wiege» und fingen, und wenn du nicht kommst, so brauche dich gewaltig. Ach mein Vater, da sind noch manche Erlen- kiuder, schreite der Knabe, nun halte mich fast — O, o Vater, die schwanzliche Dinge haben mir leid gethan! Der Vater war ganz grausam, er rittete faster, dann befor und reichte den Hof mit großes Elend. Da war kein mehr Gesäuselte und Mist aber daS Junge hatte bereits getödtet sein und log geborsen in seine Arme." ♦ Das neue vraantweiugesetz in Norwegen. In Norwegen ist ein Branntweingesetz erlassen, daS wegen seiner Entschiedenheit und Eigenartigkeit allgemeine Aufmerksamkeit verdient. Merkwürdig ist schon, daß ein sehr mäßiges Volk sich ein Gesetz giebt, das noch größere Mäßigkeit bewirken soll. Denn die Norweger sind überaus mäßig z. B. im Vergleich »it unS Deutschen. In den dreißiger Jahren kamen bei ihnen noch 8 Liter reinen Alkohols auf den Kopf, 1891 nur noch 1,8, während wir Deutschen 4,5 Liter Alkohol in Trinkbranntwein genießen und daneben noch viermal so viel Bier inb siebenmal so viel Wein unS zusühren als unsere nordischen Vettern. Diese starke Verminderung des Trinkens ist in Norwegen drei Ursachen zuzuschretben: einer starken, das ganze Volk berührenden Mäßigkeitsbewegung, die in den Mäßigkeits- und Enthaltungsvereinen verkörpert ist- zweitens der Schenkenreform nach dem Gothenburger System- drittens einer kräftigen Gesetzgebung, die das Wohl des Volkes über die Jntereffen der Brenner und Brauer stellte, was in anderen Ländern nicht immer der Fall ist. Die Schenkenreform nach dem Gothenburger System besteht darin, daß die Stadtverwaltung den gesawmten Ausschank und verkauf von Branntwein (abgesehen vom Großhandel) dem Privatgewerbe abnimmt nnd einer gemeinnützigen Gesellschaft überläßt. Diese Gesellschaft, deren Acttonäre höchstens 4 Piocent Dividende erhalten, gebt nicht auf großen Absatz au«, sondern auf Beförderung deS DolkswohlS- ihre Ueberichüffe werden für gemeinnützige Veranstaltungen wie Parkanlagen, Lesehallen und Bekämpfung des TrunkS verwandt. Ihre angestellien Wirtbe, wenn man diesen Namen beibebalten w'll, sind am Branntwwein- verkauf nicht interesstrt- daß die Wrthschasten dieser Gesellschaft ganz anders sind als die früheren Privatkneipen, braucht nicht auSgeführt zu werden. Dieses System ist seit 1871 allmälich in allen Städten de- Landes ein- geführt- die Zahl der Schanksiätten ist in diesen Städten von 501 auf 227 herabgegangen - in ganz Norwegen giebt es nur 304 Schank- und Verkaussplätze für Spirituosen, d. h. nur einen aus 6600 Einwohner. In Preußen kommt jetzt einer auf 203 Emwohner. DaS Schönste an diesem Gesetz aber ist, daß es nickt durck den UkaS eines Czaren eingeführt wird, sondern durch den Willen eines freien Volkes. Uns scheint, daS große Deutschland könne von dem kleinen Norwegen noch etwas lernen. Briefkasten. 8. in B. Wir sahen von der Veröffentlichung Ihres Artikels über die falschen 5v Marksch'ine ab, wett wir darüber schon kurz berichtet, auch die Leser unseres Blattes in dessen amtlichem Theile hinreichend belebst worden sind. Red. An-zug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Markusgemeinde. Den 2. December. Ludwig Karl Georg Martin Keil, Bäcker zu Gießen, und Luise Auguste Christine Lynckcr, Tochterdes Spediteur Adolf Lyncker zu Gießen. Johannesgemeinde. Den 5. December. Friedrich Louis Philipp Nikolaus Lehrmund, Friseur zu Gießen, ein Wittwer, und Margarethe Moser.i j Den 6. December. Otto Ernst Hoffmann, Freiherrlich Riedesel- scher Oberförster zu Engelrod, und Elisabeth Theone Groos, Tochter deS Rentners Carl Groos zu Gießen. Getaufte. Mattbäusgemeinde. Den 2. December. Dem Hilisportier Adam'.Döring eine Tochter, Lina Marie, geboren den 6. October. Denselben. Dem Schreiner Joses Langer eine.Tochter, Emilie Marie, geboren den 8. October. Denselben. Dem Former Friedrich Schmidt ein Sohn, Wilhelm Heinrich, geboren den 10. September. MarkuSgemeinbe. Den 2. December. Dem Kaiwirth Prokop Schadeck ein Sohn, Heinrich Ludwig, geboren den 18 November. D n 2. December. Dem Schi einer Karl DIckhardt ein Sohn, Friedrich Emil, geboren den 27. September. LukaSgemeinde. Den 2. December. Dem Gelbgießer JustuS Rinn eine Tochter, Käthe, geboren den 21. Sep'ember. Den 6. December. Dem Vostsecretär Gustav Haubach eine Tochter, Gertrud Anna Maria Mrlly, geboren den 25. September. Johannesgemeinde. • Den 2. December. Dem Schuhmacher Carl Anton Lehr ein Sohn, Johann Georg, geboren den 18. October Denselben. Dem Realgymnastoll-brer Theodor Schaumann ein Sohn, Ernst August, gebo, en den 14. September. Beerdigt«. MatthäuSgemeinde. Den 7. December. Christina Volz, geb. Hahn, Ehefrau deS 1 Schneiders Adam Volz, 29 Jahre alt, starb den 4. December. Markusgemeinde. - Den 6. December. K-iha>ine Heß, Tochter des verstorbenen Schuhmachermeisters Karl Heß, 9 Jahre alt, gestorben den 4. Decbr. Johannesgemeinde. Den 4. December. Kaihar ne Müller, ledig, Hospitalitin, all 83 Jahre, starb den 30. November. Militärgemeinde. Den 2. December. Georg Martin von Klipstein, Premierlieutenant und Bataillonsadjutant, 28 Jahre alt, gestorben den 29. November. Bankgeschäft Giessen §f. Jilein 9544 Marktstr. 4 An- und Verkauf von Effecten. Einlösung sämmtllcher Coupons. Bevorschussung von Werthpapieren. Conto - Corrent - Verkehr. Soeben erscHeint: Brock haus’ Konversations-Lexikon. 14. Auflage. Jubiläums -Ausgabe. 300 Karten. 130 Chromos. 9500 Abbildungen. 980 Tafeln. Bekanntmachung. Diejenigen hiesigen Einwohner, welche im Laufe dieses Jahres Hunde abgeschafft haben, wollen dies spätestens bis zum 31. December d. I. entweder schriftlich oder mündlich in Selbstperson bei der unterzeichneten Stelle anzeigen, indem sonst die Verbindlichkeit zur Entrichtung der Hundeabgaben auch im folgenden Jahre und solange fortdauert, als diese Anzeige versäumt wird. 10008 Gießen, den 6. December 1894. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. __________Gnauth.__ Gießener Omnibus-Gesellschaft E. G. m. b. S. Abonnement-Fahrschein Hefte «tthaltend 50 Fahrscheine zu 4.50 Mark, sind von heute ab bei Herrn Ernst Balser, sowie unseren Schaffnern zu haben. Gießen, den 1. December 1894. 9796 Der Vorstand. Monatsversammlung 9990 Dienstag, den 11. I. M., Abends V-jt) Uhr im Vereinslocal (Feidel). Ci^arrenRaucher! 1 £1 eine milde, aromatische ■ und wirklich preiswerthe Feine Mexico-Cigarre mit vorzüglicher St. Felix- und Havanna-Einlage. [9997 6 Stück Tula zu 40 Pfg. offen» NO11, Bahnhofstr. 51. Ang. 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Telephon Nr. 92 Neuenweg 15 Telephon Ar. 92 Offene Stellen besetet kostenfrei der Kaufmännische Verein zu Frankfurt (Main). — Jahresbeitrag für neu eintretende auswärtige Mitglieder Mk. 5.— Einschreibegeld für stellesuchende Nioht- mitglieder Mk. 2,50 für 3 Monate. [5876 IW* in Korbflafcheu von IO Liter Mk. L75» a*- Kaiseröl *wc PROGRAMM. 1. Trio B-dur, op. 97......... Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, besonders dem Gesangverein „Ein- Telephon flr. 92 Neuenweg 15 Telephon |r. 92 Prima amsri't. Petroleum durch Neuanlage eines FiltriraPParats doppelt geremt-t, vollständig cryftallhell flru| *tti | 81 25 -.—163 8fr -■-14.151 /, Neues Theater Giessen (Direction: Adam Reiners.) Giessener Festsaal iooso (Cafe Leib). Dienstag den 11. December 1894: Großstadtluft. Schwank in 4 Acten von Blumenthal und Kadelburg. 3V»°/o DeutfcheRetchsanl. 3»/o Preutz. Consols 3i/2o/o Gr. 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