1894 Amts- und Airzeigeblatt für den Tkreis Gieren Gratisbeilage: Gießener Aamilienötätter. Feuilleton Um Gottes Willen, Kind!" rief die Frau Oberst. // stammelte Aennchen - sie sah 6^ Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Burcaux des In« und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Dienstag den 9. Januar ui ul Die Gießener Kamirienotälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt. Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. wohl ein, daß die angeführten Gründe nicht stichhaltig waren. Trotzdem setzte sie hinzu: „Aber das sage ich Dir, Mamachen, ich laste mich von keinem anderen Arzte behandeln, als von Erich! Und — ich merke auch seit einiger Zeit einen leichten Herzschmerz — Du wirst sehen, ich werde herzleidend." Frau Eulalie erschrack darüber sonderlicher Weise nicht, und Aennchen wiederum dachte gar nicht daran, daß sie vor wenig Minuten das Vorhandensein einer Herzkrankheit dem die Bedürfnisse der Abnehmer genau zu beurtheilen wissen, auch verstehen, gleich Pläne, entsprechend dem Platze und den geäußerten Wünschen. Weiter weist Mr. Monaghan darauf hin, daß zur Ersparung von Reisekosten mehrere Fabrikanten sich häufig vereinigen und einen gemeinsamen Vertreter engagiren- selbstverständlich ist hierbei Voraussetzung, daß die fabricirten Producte einander ergänzen. Die „New Yorker Staatszeitung" hält den Monaghan'schen Bericht den amerikanischen Fabrikanten vor und meint im Anschlüsse hieran, sie hätten als eifrige Hochschutzzöllner ganz verlernt, auf eigenen Füßen zu stehen. Das ist eine ganz zutreffende Bemerkung, denn eine auf besonderen Privilegien beruhende Industrie kann nicht den richtigen Trieb zu ihrer Entwickelung empfinden. Die deutschen Fabrikanten aber haben jetzt in CH cago Gelegenheit gehabt, die Industrie der ganzen Welt kennen zu lernen und werden sie hoffentlich diese Gelegenheit auch voll ausgenutzt haben. Ist dies jedoch der Fall, dann brauchen sie keine Concurrenz mehr zu scheuen, möge sie kommen, woher sie wolle. Erich auch gerade die Herzkrankheiten zu seinem Lieblingsstudium erwählt." „So — ?" dehnte die Frau Oberst, „das ist ja ein sehr gefährliches Ding, ich sehe das an Dir. Uebrigens bin ich sicher, Deine Herzkrankheit hat er bald curirt." „Du bist grausam, Mama, — Erich —" „Nun sage mir aber doch, Kindchen," unterbrach die ,/Jch — meinte nur —" 0 Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraß-Ar.7. Fernsprecher 51. Nr. 6 Zweites Blatt vermischtes. ♦ Prag, 5. Januar. In Smirzitz bei Königgrätz wurden der Kaufmann Löwh, ein 73jähriger Greis, seine Gattin und zwei Töchter im Alter von 25 und 9 Jahren ermordet und beraubt. Die dritte, 17 Jahre a te Tochter wurde schwer verwundet, aber nur betäubt und bezeichnete als Thäter die berüchtigten Vagabunden Brüder Direcky, denen die Gensdarmerie auf der Spur ist. * Triest, 4. Januar. Die heftige Bora dauert an, seit zehn Jahren beobachtete man hier keine solche Kälte wie diesmal. Alle Züge kommen mit starker Verspätung an, die italienische Post ist ganz ausgeblieben, der Seeverkehr total unterbrochen. Der Lloyddampfer „Imperator", der nach Bombay abgehen sollte, konnte infolge des Sturmwindes nicht aus dem Hafen gebracht werden und mußte die Abfahrt verschieben. Der italienische Segler „Zara" war so dicht 9ut gelaunte Mama, „wie heißt denn dieser Erich noch $ weiter? Ich denke doch, er läuft nicht mit diesem einen S'JZamen auf der Welt umher. Aber ich vernehme nichts wie Erich und immer wieder Erich!" Um die Lippen Aennchens zuckte es. „Du darfst aber nicht lachen, Mama —" qjj „Weßhalb soll ich denn lachen?" 20jS „Aho — Erich--" sie stockte, drückte aber doch, Ijl wenn auch zaghaft, heraus : „Wimmerlich." „Also Erich Wimmerlich?" mit Eis bedeckt, daß er umzukippen drohte und nur mit Mühe gerettet werden konnte. Bei Acona scheiterte der Dampfer „Grvtz", die Mannschaft wurde gerettet. * Paris, 5. Januar. In der vergangenen Nacht brannte inMoulinsdas Pfarrhaus nieder. Der 40jährige Abbe Agaltier kam in den Flammen um- sein Leichnam wurde in verkohltem Zustande aufgefunden. * Auch eine Empfehlung. In Nr. 203 der „Dorfztg." wird ein Gasthof in Neustadt bei Coburg zum Verkaufe ausgeboten und als Referenz angegeben: Fortwährende Erhöhung der Steuern wegen gutgehenden Geschäfts. * Ein General, der zugleich Doctor der Medicin ist, gehört gewiß zu den seltenen Erscheinungen. Die französische Armee besitzt einen solchen Doctor-General. Unter den jüngst mit der Ehrenlegion ausgezeichneten Offizieren befindet sich der General Canonge, der in seiner Jugend gleichzeitig militärische und medicinische Studien machte und in demselben Monat den Doctorhut und den Lieutenantsrang erlangte. * Militärische Gebräuche iu China. Daß der Chinese selbst seinen Geschützen Opfer darbringt, dürfte eine nicht allgemein bekannte Thatsache sein. Ein solches Opser ist, wie der „Ostasiatische Lloyd" berichtet, unlängst von dem Brigade-General und den höheren Offizieren der Regimenter, welche in dem Yangtse - Vertragshasen Tschinkiang in Garnison liegen, oorgenommen worden. Bor die Mündung jeder der großen Kanonen, mit denen die dortigen Forts bestückt sind, wurde ein Schweinskopf, ein lebendes Huhn und ein großer Fisch aufgestellt, vor denselben knieeten die Offiziere nieder und flehten die Geister, welche die Richtung des Geschosses lenkten, an, ihnen in Kriegszeiten getreu zu sein, so daß die Kugel stets tbr Ziel treffe, ferner, daß baß Rohr nicht platze u. dgl. Nach dieser Ceremonie wurden die Kanonen geladen und abgefeuert und die Opfer verschwanden im Welträume. Die deutsche Maschinenindustrie auf dem Weltmärkte. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Weltausstellung in Chicago scheint darin zu bestehen, daß England und Amerika die große Leistungssähigkeit der deutschen Maschinenindustrie mehr und mehr anerkennen. Das Wichtigste hierbei ist aber, daß die nordamerikanischen und englischen Consulate die wachsende Leistungsfähigkeit der deutschen Maschinenfabrikanten auch anerkennen. Deutschland, welches früher sehr wenig Maschinen an das Ausland verkaufte, exportirt jetzt in steigender Anzahl. Zunächst ist hierdurch die englische Maschineninduftrie geschädigt, dann die nordamerikanische. Gegenwärtig zahlen deutsche Maschinen in Amerika einen Eingangszoll von 45 Procent, was den dortigen Fabrikanten noch immer nicht hoch genug ist, indessen werden sie mit weiteren Zollerhöhungsbestrebungen kein Glück haben. Die jetzige entsprechende Bestimmung des amerikanischen Zollgesetzes lautet: Fabrikate, Artikel oder Maaren, nicht speciell aufge- sührt, aus Eisen, Stahl, Blei, Kupfer, Nickel, Zink, Gold, Silber, Platina, Aluminium und anderem Metall gänzlich oder theilweise hergestellt, zahlen 45 Procent des Werthes- nach den vorgeschlagenen neueren Bestimmungen soll dies in 35 Procent des Werthes umgeändert werden. Um nun ater die amerikanischen Fabrikanten concurrenzsähig gegenüber der europäischen, sepeciell der deutschen Maschinenindustrie zu erhalten, sollen die Zölle auf Kohlen, Coaks und Erze ganz aufgehoben werden, so daß die Herstellung der Maschinen verbilligt wird. Alle diese Maßnahmen dürften indessen der nvrdamerikanischen Maschinenindustrie im Kampfe mit derjenigen Deutschlands auf die Dauer keinen Rückhalt gewähren, weil die deutschen Fabrikanten mit ganz besonderer Umsicht Vorgehen. Der amerikanische Consul Monaghan in Chemnitz hebt in einem seiner Regierung eingesandten Berichte da namentlich das Engagement tüchtiger Civil-Jngenieure hervor, die als Verkäufer zu fungiren hätten und welche natürlich^ 3a”"ar « Mahn l Nlmitglieber 40 Ler^Vorstavd^ anz. obe, dagegen ag) MgtM nuar l894, Rh. , Rente wu. tivi****** Gießener Anzeig er General-Wnzeiger. Sie nickte, schaute die Mama dann an, ob die wohl lache, und als dies nicht der Fall war, wurde sie muthiger. „Nicht wahr, Mama, ein schöner Name?" „Na, es läßt sich halten," meinte jetzt doch lächelnd Frau Eulalie. „Bitte, Mama, mir gefällt er sehr!" log Aennchen, denn an das „wimmerliche" hatte sie sich doch noch nicht gewöhnt. „Und jetzt sprichst Du gleich mit Papa, nicht j wahr?" „Aber eilt denn das so sehr?" „Aber freilich, Mamachen! Ich habe ja vergessen, Dir zu sagen, daß er noch heute Morgen kommt, um um meine Hand anzuhalten." „Wie?" „Ja, noch heute Morgen- er fuhr gestern hierher, sprach mit den Eltern und nun — nun ja — ach, Mamachen, weßhalb läßt Du mich auch so lange reden." „Entschuldige nur, Kind," bat ironisch Frau Eulalie, „aber gut, ich will mir den Freier ansehen und wenn Papa -" Aennchen lachte laut. „Ach, Papa thut ja doch, was Du willst, Mamachen!" „Aennchen, Papa kann auch sehr strenge sein." „Aber nicht, wenn Du lachst, Mamachen, dazu hat er Dich zu lieb," neckte Aennchen, „aber gleichwohl, ich zittere schon vor Angst!" Sie sprach das im tiefsten Baß, lachte dann aber silberhell hinaus. „Nun will ich noch rasch zu Geheimeraths die Treppe hinauf, ich habe sie ja noch gar nicht begrüßt. Ich komme bald wieder und ziehe — die Küchenschürze an." „Hast Deine Rolle als Hausmütterchen wohl verlernt?" „O bewahre," lachte sie. „Ihr sollt sehen, was ich auf den Tisch setze- Du sollst Deine Freude daran haben, Mamachen!" „So gehe, Kobold, ich will unterdessen unserem Küchenmädchen Anweisung geben —" „Nein, Mamachen, aber ja nicht. Das thue ich selbst im Vorbeigehen. Was ich Euch zubereite, muß ein Geheim- niß noch für Euch bleiben." Mit einem schnellen Kuß auf die Wange der Mama flog Aennchen zur Thür hinaus, im Herzen den Jubel und das Glück. „Mein tolles Kind," sagte die Frau Oberst. „Aber gut ist es von Herzen und den Freier will ich mir doch ein bischen genau ansehen, der es mir nehmen will." Uw« Velburg 1. 8 Kruse, ir. fallen« --II___ ■•ein. Kleist Papa gegenüber heftig in Abrede gestellt hatte. „Eher sterbe ich," rief sie ganz ernstlich, „als daß ich 3^ mich einem anderen als Erich anvertraue! Und zudem hat ir. i* Vorhand. WWst Zanuar, Äbnidö 9 Ufo mben General -Ver- ifsiveu Mitglieder z» ihnen hiermil ergebens! eil Der Vorstand. ichtsverein. uar, Abends 8 Uhr, unb Vroftfor&wfittt tzednLaMMvrtM- Mmmv._______ mtngMnl r ältesten nnd größt» 'wpstehlt sich zur Der- rbietet sich z« 1«« । Löberstraße^!^ Kathhaus >gs T°°°nst°S M n einfad) möblirleS K mit Preis a <■ L “ d. Sl________ 1 "'Wä Fanny. Humoreske von Gebh. Schätzler-Perefsini. (2. Fortsetzung.) „Du siehst doch auch ein, Mama, daß ich Erich helfen mußte. Ein Doctor ohne Frau! Ich konnte ja gar nicht anders." Die Mama nickte lächelnd. „Und dann habe ich auch noch das Nützliche im Auge | gehabt," fuhr eifrigst das altkluge Töchterchen fort. „Be> | denke dock, ein Arzt! Was kann man da ersparen, wenn man krank wird." II. Fanny. Als Oberst Tannheim seine Arbeitsstube glücklich erreicht hatte, schüttelte er sich förmlich. Eigentlich schämte er sich, so schnell Reißaus genommen zu haben. „Ach was," knurrte er dann, „der Teufel nimmt es nicht mit einer Weiberzunge auf! Meine Eulalie ist gut I und klug, aber eine Zunge hat sie — potz Bomben und Granaten! Und mein Töchterchen hat das Erbtheil der Mutter angetreten." Oberst Tannheim war ein herzensguter Mann- seine Ausdrucksweise war nur etwas kurz angebunden. Mit wuchtigen Schritten segelte er jetzt durch die Stube- der lange Schlafrock kam ihm beinahe nicht nach, der struppige Bart stieg unternehmend in die Höhe. „Aber ein Wettermädel tsts doch," lachte er im tiefsten Baß, „das mir viele Freude macht. Und über meine Eulalie laß ich auch nichts kommen." Er blickte sich nun in der Stube um und that einen kurzen Pfiff. Aus einer Ecke kroch langsam ein Windspiel und schlich sich zu den Füßen seines Herrn. „Komm her, Fanny", lockte Tannheim. Das Thier schaute ihn mit wehmüthigen Augen an, es war krank. „Armes Thier," brummte der Oberst und strich den schmalen Kopf Fannys, „aber warte nur, Du wirst bald curirt. Weiß der Donner, wo der junge Mann steckt!" sagte er wieder zu sich selbst. „Freund Röhricht hat ihn mir doch für heute Morgen ganz bestimmt zugesagt. Er wohnt doch bei ihm, also muß er auch wissen, ob der junge Mann abkommen kann. Na, warte nur, Fanny — wir werden Dich bald wieder beisammen haben." Das Thier wedelte mit dem Schweife und drückte sich an die Thüre. Der Oberst öffnete - die Fanny schlich traurig nach der Küche. Der Oberst blickte dem Hunde nach. „Der Donner schlage drein, wenn mir etwa meine Fanny crepirte, das Vieh ist mir ordentlich ans Herz gewachsen. Aber wo nur der junge Thierarzt bleibt — ?" Eben ging das Stubenmädchen vorüber und der Oberst rief ihm zu: „Marie, wenn ein junger Mann kommt — es kann nicht mehr lange dauern — führst Du ihn gleich zu mir. Und gib auf Fanny Acht, sie ist in der Küche." „Jawohl, Herr Oberst," entgegnete die Küchenfee, und der Oberst schloß seine Thür und trat in das Zimmer zurück. (Fortsetzung folgt.) «pfägr'rc ettste I 'N ähr teste I Hausmittel: I ^Getfen Husten, He CserKe i Ää ta er 18 BSrse«woche»berieht M-« nr Ä - ■ - ea> i, markt darin übereinfttmmm, daß zwar die Abschlüffe in letzter Zeit etwas zahl- VlM RL. w a8ser*emuene«a« Kmlkgkiman. reicher geworden sind, die Preise aber immer noch keinen Nutzen übrig lass n. Bei . ! diesen Wertben ist die Speculation von jeder gewöhnt, im Cours die sernsten Unmittelbar vor Jahresschluß ist der Bericht der Borsen-Euquäte Commission Zukunftschancen zu escomptiren und sie begrüßt dcßbalb die schwachen Zeichen einer »cröffentlieht worden. Nach Allem, was während des Verlaufs der CommNstons- Conrw vom 29./XII. 5./I. Cour* vom 29./XII. 5./I. Auf dem Gebiete der Bergwerks- und Jndustriepapiere bleibt die Stimmung für Kohlen- und Eisenactien anhaltend fest, obwohl alle Berichte vom Elf n- tn Aussicht stehenden Besserung jetzt schon mit procentweifen Coursausschlägen. Besonderer Gunst erfreuten sich Laurahütte-Actten, welche annäbernd vier Procent gewonnen haben. — Koblenactten kam die gegenwärtige kalte Witterung und der Bericht des Cokes-Syndikats zu statten. In der gestrigen Sitzung des rheinisch- westfälischen Kohlenverkaussveretn theilte der Vorstand mit, daß die Förderung in November die Betheiligung^ziffern überschritten hat. Das vom Syndikat abgesetzte Quantum ist in stetiger Zunahme begriffen, was zu der Hoffnung berechtigt, daß der Ei, stütz des Syndikats auf die Marktlage im neuen Jahr von größerer Bedeutung sein werde, als im vergangenen. — Von den übrigen Industrie-Werthen zeigte sich lebhafter Begehr für die Actten der chemischen Fabriken. Durch die Coupon detachirung haben die Actien der bad. Anilin- und Sodafabrtk, der chemischen Fabrik Griesheim und der Höchster Farbwerke im Januar einen Preisabschlag von über 20 Procent erfahren, welchen sie zum größten Theil wieder einzuholen vermochten. Erwähnenswerth sind noch die Rückgänge einiger amerikanischer Etsenbahn- bonds, welche durch den Uebergang der Atchison Topeka- und Santafö-Eisenbahn in Receioershände bedingt wurden. Von dieser Gesellschaft sind die Atlantic und Pacific Trust-Bonds und die St. Louis und San Francisco-Bonds ga anttrt, deren (Soiwfe der Krantturter Börse CteattonltiMu beraihungen bekannt geworden war, war für die Freiheit des Verkehrs nichts Gutes zu e- roaiten und daraus erklärt sich auch der Gleichmuth, mit welchem man in den Haudelskreisen die Vorschläge ausgenommen hat. Allerdings muß einzelnen Anträgen auch Beifall gezollt werden, weil sie nur diejenigen Princ'pien festlegen, nach welchen das solide Bankgeschäft bis heute schon geleitet worben ist; andere erweisen sich aber als eine unberechtigte Einmischung in die internen Angelegenheiten Der Börsen, die der Entwickelung deö Geschäfts hinderlich in den Weg treten werden. Am bedenklichsten ist aber, daß man für die Börse Ausnahmebestimmungen erfinden wrll, so daß die Welt glauben sollte, als ob für ihre Thätigkett das allgemeine Gesetz nicht ausreichend wäre. Jndeß wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis die Angelegenheit spruchreif geworden fein wird und deshalb zeigten die Börsen wenig Neigung, sich dadurch schon heute verstimmen zu lassen. Die erste Woche im neuen Jahr stand wieder vollständig unter der Herrschaft des Wiener Optimismus und es scheint, als ob dieser Platz die Führung noch Enger behalten wollte. Kaum, daß die recht günstige Gewinnabrechnung aus den österreichi'chen ConvertirungSgeschäsien bekannt geworden war, kam die Nachricht, daß Herr Planer nach Pest abgereist sei, um mit dem ungarischen Finanzminister das gesammte Actionsprogramm behufs vollständiger Durchführung der Valuta- Regelung und der fpäteren Einführung der obligatorischcn Kronenwäbrungsrechnung durchzuberathen. Drr günstigen Meinung hierüber gibt man in Wien durch beträchtliche Kaufaufträge Ausdruck. Ttimmulirend wirkt dabet noch der abermalige Rückgang der Goldvaluten, sowie die feit dem Jahreswechsel eingetretene Veränderung auf dem Geldmarkt. Nicht nur ist die Ermäßigung des Prioatdisconts eine unerwartet rasche, sie ist auch im Hinblick auf den gestern veröffentlichten Ausweis her deutschen Reichsbank, welcher eine recht starke Anspannung zeigt, kaum verständlich. Trotzdem nimmt man an, daß auch die Reichsbank in aller Kürze ihren »ffictellen L>atz der Marktlage wird anpaffen müssen. Angesichts dieser Erwartung wagt es die norddeutsche Speculation nicht, sich Den Wiener Haussebestrebungen wie früher hemmend in den Weg zu stellen, trotzdem es nicht an ungünstigen Momenten ßehlt, welche ihr Eingreifen begründen würben. Es sei hier nur der Aufforderung Ser Berliner Handelsgesellschaft an die Inhaber serbischer Staatspapiere zur Bildung eines Schutzcomttes gedacht. Mögen auch die scandalösen Vorgänge in Portugal snb Griechenland die Gläubiger mahnen, bei Zeiten auf ihrer Hut zu fein, so muß es doch auffallen, daß das Emissionshaus schon heute, nachdem kaum ein Vertreter her deutschen Interessen zur Uederwachung des serbischen Staatsschuldendünstes in Belgrad eingesetzt worden ist, noch daneben ein Gläubigercomitö bestellen will. Der ohnehin schon ins Wanken geratene Staatscredit Serbiens ist hierdurch noch »ehr erschüttert worden, da die Capitalisten aus Furcht vor etwaigen späteren Enthüllungen sich ihres Besitzes entledigen. Das erwähnte Rundschreiben der Handels- ßefellscha t mußte aber in den Kreiien der Gläubiger umsomehr Beunruhigung Hervorrufen und zur Abstoßung namhafter Anträge Veranlassung geben, als die Handelsgesellschaft keine Jntervenlionskäufe mehr vornahm, wodurch sie lange Zeit dem Cours einen stabilen Character verliehen hatte. Außer den serbischen sind noch die italienischen Staatsanleihen von der Besserung ausgeschlossen gewesen. Das Heimathland trat als Abgeber auf, weil die neue Banca d’ltalia ba§ oon ihren Vorgängern gepflegte Reportgeschäft statutengemäß nicht i« ihren Wirkungskreis aufgenommen hat, wodurch der dortigen Speculation bei icr jeweiligen Prolongation leicht Schwierigkeiten erwachsen können, und das Ausland war angesichts ter immer ernster werdenden Unruhen in Sizilien nicht gewillt, das ungebetene Material ohne Preiszugeftändnisse aufzunehmen. Viel besprochen wurde auch das U-theiLder französischen Geschworenen über die wegen der Excesse । in Aigues-Mortes Angeklagten. Wenngleich Niemand befürchtet, daß die hieraus entstandene Zeitungspolemik beider Länder zu ernsten Zerwürfnissen führen wird, fo muß dadurch doch die Kluft zwischen Frankreich und Italien noch vergrößert «erden und bei der Empfindlichkeit des französischen Nationalstolzes ist es sehr wahrscheinlich, daß die Pariser Hetzblätter jeden, wenn auch noch so gerechten Vor-1 wvrf italienischer Zeitungen durch erneute Angriffe gegen die Finanzlage jenes Landes erwidern. Neben diesen Erwägungen drückten auch noch Verkaufsaufträge aas der Provinz auf den Cours, da sich manche Inhaber trotz des hohen Verlustes Mr Entäußerung ihrer Bestände entschließen, um den weitläufigen Modalitäten bei >er Coupons-Einlösung enthoben zu sein. Die Courseinbutze beschränkte sich jedoch auf einen Bruchtheil, Indem gegen Wochenschluh die günstige Gefammttendenz auch auf diesem Gebiet zur W rkung kam. Die sonstigen Veränderungen auf dem Rentenmarkt sind durchweg günstiger, Natur. Oesterretchische und ungarische Fonds profittrten von der Stimmung an der Donau; sowohl die Geld- als auch die Kronenrenten sind über ein Procent höher and die 1860er Loosanleihe gewann sogar drei Procent. Für Türken und Spanier Hefen oon Paris höhere Notirungen ein. Selbst Portugiesen und Griechen mit Ausnahme der Monopolanleihe wurden besser bezahlt. Mexikaner haben sich trotz des flauen Silberpreises behauptet. Die Umsätze In den deutschen Fonds waren bei steigenden Coursen recht lebdaft; diesem Gebiet kommen jetzt bk hüben Erfahrungen mit den ausländischen Staatsanleihen und der billige Geldstand zustatten. Belebend wirkten dabet noch die Einführungen der neuen Anleihen von Berlin und Bremen, sowie der Rheinprovinz, welche zwar schon längst geplant, aber mit Rücksicht auf die ungünstige Marktlage bisher unterblieben waren. Die Einzelheiten, welche über der Vertheilung des Conversionsgewinn der Zkothschildgruppe bekannt wurden, dienten den Wiener Haussiers als willkommener Anlaß für alle Bankactien Propaganda zu machen, obwohl derenCoursewährend des ganzen vergangenen Jahres unter Hinweis auf diese Sondereinnahmen in die 8öhe getrieben worden waren. Creditactien erfuhren eine Steigerung von zehn, ntonbank von acht, Länderbank und Bankverein von je vier Gulden. Auch die Actien unserer deutschen Banken wurden mit Rücksicht auf ihre Unterbeteiligung «r jenen Transactionen höher bewertet. Commandit schließen vier, Deutsche Bank, Dresdener Bank und Darmstädter Bank annähernd je drei Procent besser. Der Ma. kl für Transportwerthe war gleichfalls recht fest. Von den gangbarsten deutschen Eisenbahnactien sind jene der Hessischen Ludwigsbahn, der Lübeck-Büchener und der Marienburg - Mlawkaer Eisenbahn annähernd je zwei Procent besser und Bexbacher Actien haben von ihrem rechnungsmäßigen Abschlag etwa ebensoviel eingeholt. Schweizerische Werte hielten sich auf dem Niveau der Vorwoche, italienische sind dagegen leicht abgeschwäch'. Für die Actien der österreichischen Eisenbahngesellschasten legte die Wiener Speculation gleichfalls Meinung an den Tag, was Ihnen durchweg ganz ansehnliche Coursgewinnc einbrachte. Staatsbahn haben sechs, Böhmische Nordbahn und Dux Bodenbacher etwa drei Gulden profitirt. am 1. Januar fällig gewesene Coupons infolge obigen Ereignisses bis auf Weiteres nothleidcnd geworden find. (Selb ist am offenen Markt sehr reichlich vorhanden. 4 7j Hessische Obligation. 105 90 105 90 4l/,o/gPortug.-A. 88 il89 26.— 27.00 , Bayern .... 106.50 106 95 5o/o amort Serb. GoH- Baden..... 103.90 104 40 Rente .... 63 90 63.00 3a/c Sächsische Rente. . 3V,o/g BremerStaatsanl. 86.70 87 40 5o/n SerbtscheEtsenbahn- 97 20 97.90 Hyp.-Obl. L. A. . 61 — 64 30 „ Hamb.Staatsrente 97.20 98.20 4°/ySchwed.Oblig.1880r 102 90 103 45 4o/üOestr. Goldrente . , GriechlschrMonopol- 96.40 97 60 1% Türken conv. Lit. D. 59/o Argeni. Gold - An!. 22.40 22.60 Anleihe . . . 4‘Vo Rumänische Rente . 31.15 33 35 v. 1887 ... 49 70 48 60 82.40 82 45 3Vt% Egypt. priv. Anl. 98.10 98.60 50/0 Ruff. Consols S. III —.— —.— Gtterwahu-ViktorttLtau. 4u/n Pfälz. LridwlgSbahn 5° 0 Südbahn Lombarden 104.10 105 00 (Bexbach) . . . 102.90 103.50 4% do. do. 96.35 96 90 , Hessische Ludwtgsb. 3°/o do. do. 60.20 61.25 68/69 garant. . 102.25 - 4% Prag-Duxer Gold . 99.95 100 80 , Eltsabethb. steuerfrei w Rudolf Gold (Salzk.) 100.25 100.40 Gold .... 100.70 101.70 „ Franz-Josef Silber 79.— —-— 5% Oestr. «LtaatSbahn. 107.50 107.95 M/o staatl. garant. Jtal. 4°/ti do. do. 100.75 101.00 Eisenbahn . . 49.10 49 80 3g/o do. do. 80/0 Livorneser . . . 54 25 54 85 I.—VHL Emiff. 84.45 85.90 4o,i) Ruff.Südw Eisenb. 97.80 98.20 »o/c do. Ergänzungsnetz 50/n Nordwesibabn Gold 81.20 107.50 82 00 108.10 40/0 Wladikawkas gamt. 4Q'n gar. Sardtn.Sec.ftfr. 97.50 67.20 98 — 66 40 MtikaünxtUtim. Ludwigshafen-Bexbach. Hessische LudwigÄahn. Pfälzische Nordoahn 226.— 222.15 Oest Nordw.-Bahn Lit^ll. 200% 202% 108.— 109.60 | Gotthardt..... 151.50 152 00 111.50 111.75 Jtal. Mittelmeer . . 84.80 82.20 Lübeck-Büchner . . 133.— 134.00 BnnkLherte«. Deutsche ReichSbank . 154 50 152.95 Dresdener Bank. . . Mitteldeutsche Credttb. . 130.30 133.90 Berlin. Handelsgesellfch. 127.25 131.25 93.— 93.00 Deutlche Bank . . . 153.10 156.60 Wiener Bank-Verein . Württemb. VeretnSbank K05/e 103','s DeutscheGenoffenschstsb. 126.75 124.90 v.Soergel,ParrisiuSLCo. 112.— 111.50 Deutsche VeretnSbank . 101.95 101.70 Avvust»ir»Artie«. Binding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) 165 — 164.00 Deutsche VerlazSanstalt 186.05 187.— 146.20 146.60 Farbwerke,vornnMeister, LuciuS & Brüning. Bad. Anilin- u. Dods- 355.— 347.— fabrik .... 353.— 342.— Riebeck'scheMont anwerke 159.30 161.50 Htbernia Bergw.-Ges. . 115.80 119.95 Bochumer Gußstahl 120 75 124.90 40/2 Franks. Hyp.-Pfdor. 4o/,,DeutscheGrundschld.- v. 91 ab . . . 103.— 103.— Bk.-Pfandbr. I u. II 101.— 101.— 3V-°/oFrnkf^>yp.-Pfdbr. 4°/oPreuß^'vp.-Ac1.-Bk.- Pfandbr. XV.-18. 97.— 97.— 3«/»Vo do...... 3V. % Rhein. Hyp.-Bank- 95.— 95.— 102.60 102.60 Pfandbr. . . . 40/ Meininger Pfandbr. 94 70 95 30 3V9°/o do...... 95 50 95 50 luO 80 101.— 40/2 Preuß. Centr.-Bo'o.- 4°/0 do. do. Cred.-Pfandbr. biS 1885 ..... 100.80 —.— unkündbar bis 1900 102.50 102.50 Loose. Oestr. 1860rfl.S0v-Loose 122 80 125.50 Braunschweig. 20 Thlr.- „ 1854rfL 250; „ —•— 125.00 Loose .... 30/0 Oldenburger Loose. 103.30 103.45 4»/P Meininger Prämien- 129.— 129 10 Pfandbr. . . 127.50 127 30 3l/,o/f.KSln-MindnLoose 130.— 130.70 Bwtiloöif»» Siseubahn-BoudS. 80/oChic.MUw.f.St.Paul 40/0 Chicago Burlington Prt., rückzahlb. 1910 . 50/oChlc.Milw.f.St.Paul 113.30 113.40 Nebraska 1927 . . 4i/s% California Pacif. 83.50 83.50 Prt., rückzahlb. 1921 . 60/0 Centr. Pacff. I.Mrtg. 104 50 105.05 I. M., rückzahlb. 1912 6o/c>PacifwfMtffouri con- 103 — 102.70 rückzahlb. 1896 . . —.— —.— solidated I. M. r. 1920 —.— 89 10 (Rtfr v- ~ " -5 v t■- -f -iT»h Wrrfflf, PirfltM’Wfc' fttiitjprri 'ftr. Cbr. Rt »ts chl in (Biefieit1 hlWM betreffend Dir jgauptDt jiM halt am 1 11 Uhr im folgendem gemein mittags 2 Uhr. Bett.: Die 3url jähch'stt ao die Grvtz Sie wollen tonnt machen la Strafen - die den und mit Bi versehenen Milsti Dienst eingelreti 2V. Januar melden und unt Zurückstellung di Ketr.'. 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