Nr. 288 Der chirhener Anzeiger nfdjcini täglich, nut Ausnahme de- Montags. Die Gießener Zamtrtenvtäller «erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt. 1894 Zweites Blatt. Samstag den 8. December Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger Abonncmeutsprei«: 2 Mark 20 Psg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg. Rcdaction, Expedit io» und Druckerei: Kchntstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Anrts- und Anzeigeblatt für den Itreis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. chratisöeikage: Gießener Kamikienökätter. Alle AnnonceN'Bureaux deS In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Feuilleton. Kriegsschulden aus den Franzosenkriegen vor hundert Jahren. (Schluß.) Wir führen einige merkwürdige Posten aus der 1797er Kriegskostenrechnung hier an: Bei Daniel OehlerS Wittwe waren drei K. K. Waschweiber einquartiert worden. Diesen Mtlitärwaschweibern mußten alle Utensilien zum Waschen gestellt werden, wofür die Daniel OehlerS Wttb. 7 fl. Vergütung erhielt. Mtlitärwaschweibrr sind keine häufige Erscheinung, weßhalb wir diesen Ansatz notirten. — In die beiden französischen Lager zu Lich und Heuchelheim wurde für 554 fl. Fourage geliefert. Der Oberst deS 2. französischen Husarenregiments ließ dem Hrch. Habermehl, Martin Deip, JohS. Winter, JohS. Höhn, JohS. Lutter Wttb., Johs. Milbrand, Wilhelm Lutter und Wilhelm WaaS die Pferde wegnehmen, wofür die Gemeinde später 1529 fl. zu zahlen qatte. Auch die Herren Adjutanten wußten zu requtriren. Mr. Richert Holle bei Krämer Weber in Echzell Pomade, Puder, Hufnägel, Oel, Schreibmaterial, Tabak und andere Lpecereiwaaren, wofür 360 fl. gezahlt werden mußten. Derselbe Adjutant bekam ein Schreibzeug für einen Gulden und der KriegScommisiär im Pfarrhause gar ein Rafirmesier zu 24 Kreuzer. Der Fourier des 5. Husarenregiments verlangte ein Federmesser, welches 12 Kreuzer kostete, und der Wachtmeister verlangte und bekam auch eins. Unter der Rubrik: An erpreßten, und um größeres Ungemach zu vermeiden, abgegebenen Geschenken erscheinen: Den beiden Adjutanten des 4. Husarenregiments, daß die Musikanten für ihre Pferde vor der Ernte im Monat Juni und Juli keinen Hafer oder Gerste, sondern alleinig Klee und Heu erhalten, 18 Stück Karol,n — 198 fl. Der ! eine Adjutant erhielt außerdem für verlangtes Lederzeug 8 fl. | und der andere für die verlangten 200 Rationen Hafer und Heu beim Abmarsche am 4. December 1797 — 22 fl. Der Wachtmeister vom 5. Husarenregiment erhielt 8 fl., damit er die beim Abmarsche geforderte Fourage nicht milnahm- ferner erhielt er 6 fl., um die Einquartierung zu vermindern. Man sieht daraus, daß die Herren Franzosen für Bestechung und Geschenke sehr zugänglich waren. „Es ist keine Mauer so hoch, daß nicht ein mit Gold beladenes Eselein darübersteigen könnte," soll Philipp von Macedonten einmal in Bezug auf die Athener geäußert haben. Den Herren Offizieren erging es nicht schlecht in Bingenheim, denn auf pag. 25 der 1797er Rechnung ist notirt: Dem Gegenschretber Peter Müller für denen Offiziers, so außer dem AmtShaus gelegen, abgelieferten Wein: 85 fl. Nota. Das Hauptquartier deS Generals Klein, die Etatmajors des 2. und 4. Husarenregiments, der Etalmajor der Infanterie sind vom 23. April bis 5. December (also 226 Tage) auf Kosten des ganzen Amtes verköstigt worden. Außerdem erhielt RegierungSralh Zühl für Verpflegung der Offiziers vom 5. Husarenregiment für die Zeit vom 11. bis 31. December 1797 == 117 fl. Aus Vorstehendem ergibt sich, daß die Gegend stark mit Cavallerie belegt war. Die Fourage, welche daS Land selbst erzeugte, war deßhalb schnell aufgezehrt, waS aber die Franzosen wenig kümmerte. Man veraccordirte die Lieferung und die Gemeinde zahlte 3668 fl. Daneben wurden 12 Fuder 22 Gebund Roggen- und Weizenstroh auS der herrschaftlichen Zehntscheuer und außerdem 5600 Gebund Roggen- und Wetzenstroh von den einzelnen Bürgern, sowie co. 18 Fuder (ä 60 Gebund) desgleichen aus der Umgegend zusammen- I gebracht. Die KriegSkosten des Jahres 1797 belaufen sich nach der Rechnung auf 10,686 fl. — 18,273 Mk., waS nach heutigem Geldwerthe etwa 91,365 Mk. betragen würde. Da die Kosten aus dem Jahre 1796 rund 30,000 betrüge», so muhte das kleine Bingenheim, welches vor hundert Jahre« höchstens 400 Seelen zählte, die gewaltige Summe vo« 121,000 Mk. nach heutigem Geldwerthe contribuiren. I« dieser Summe sind natürlich diejenigen Lasten nicht et»- begriffen, welche die einzelnen Bürger durch Einquartiern»g zu leiden und zu leisten hatten. Wie viel gestohlen und entwendet wurde, ist gar nicht zu taxiren, denn weder die Kaiserlichen noch die Franzosen waren vor hundert Jahren sehr blöde. Daß eine kleine Gemeinde wie Bingenheim eine ss enorme Summe, wie sie oben vorgeführt und nachgewiese» wurde, nicht sehr bald abtragen konnte, wird der freundliche Leser gerne glauben. Die französischen Kriege endigten erst 18 Jahre später, im Jahre 1815. Wenn auch die Wettera» nicht mehr so hart mitgenommen wurde, so mußte sie doch von 1806 bis 1814 noch Vieles ausstehen, wie das deutsche Vaterland ganz allgemein. Die Kriegsschulden auS dem Jahren 1796 und 1797 sind bis auf den heutigen Tag nicht ganz getilgt, denn alljährlich wird in den Geweindevoranschlag eine gewisse Summe eingestellt, zu welcher jeder Bewohner seinen Theil beitragen muß. Man darf sich billig fragen: Was würde auS viele« Gegenden Deutschlands werden, wenn es den Franzose« gelänge, selbst nur für wenige Wochen die deutsche Grenze z« überschreiten? Wir wollen daher doch lieber die uns anf- erlegten Steuern, besonders wenn sie richtig veranlagt find, aus unS nehmen, damit unS unsere Nachkommen dereinst nicht den Vorwurf machen können: Wir hätten Millionen vernichtet, um einige Hunderte zu sparen. Bekanntmachung an unsere Leser. Es gereicht uns zu besonderer Genugthuung, unseren Lesern von folgendem Abschluß Kenntniß zu geben, den wir in ihrem Interesse durch- geführt haben: Wir sind mit Hermann Hilger Verlag Berlin und Eisenach dahin überringekommen, daß sie uns den ausschließlichen Vertrieb der von ihr unter dem Titel Kürschners Kniversal-Konver sations-Kerikon veranstalteten Neuausgabe von Joseph Kürschners „Quartlexikon" für Hieße« «ud Amgegeud überträgt. Das Werk ist eine vollständige, den Verhältnissen entsprechende, wesentlich bereicherte Neubearbeitung des genannten „Quartlexikons", das bereits 1888 bei seinem ersten Erscheinen die «ärmste Anerkennung hervorragender Zeitungen und Zeitschriften erfuhr. Es enthält auf ca. 2600 Spulten: 213600 Zeilen Int nnh ca. 2500 Mnftrntiancn (über 600 Porträts) gegen 1460 der ersten Auflage. Das „Quartlexikon" kostete 10 Mark, das in zahlreich n Sprachen nachgeahmte, außerordentlich verbreitete „Taschenlexikon" desselben Autors kostet 3 Mark, ein Preis, der durch seine Niedrigkeit allgemeines Aufsehen erregte. Unsere Abmachungen mit Hermann Hilger Verlag setzen uns in die Lage, „Kürschners Mniversat- Konversattons-LeriKon^, das den 5 fachen Umfang dieses „Taschen^ lexikons" hat, statt für 15 oder 10 Mark für nur drei Mark unseren Lesern anzubieten. Billiger ist schwerlich je ein Buch gewesen, al» dieser 23 cm hohe, 18 cm breite, 6 cm starke und 3 Pfd. schwere Band, der sich in seinem soliden rothen Einband mit Leinwandrücken ungemein stattlich repräsentirt. Das Werk ist unzweifelhaft ein besonderes paffendes, ungemein billiges Weihnachtsgeschenk für Angehörige jeden Standes und jeden Alters für jede Lebenslage, das sich aber auch Jedem zur Anschaffung für die eigene Benutzung empfiehlt. Kürschners Derikorr ist gegen Erlegung von 3 Mark in unserer Expedition zu haben. Nach auswärts versenden wir 1—3 Exemplare in ein Packet verpackt, gegen Einsendung des Preises in Briefmarken oder per Postanweisung, zuzüglich 60 Pfg. für Verpackung und Porto postfrei. Im Hinblick auf die zu erwartende starke Nachfrage bitten wir, möglichst zeitig zu bestellen. Expedition des „Gießener Anzeiger" Schulstraße 7. Was soll ich schenken ? So fragen zur Weihnachtszeit sich Gattinnen und Mütter, Bräute und Schwestern, wenn es gilt, einem theueren Manne eine Weihnachtsfreude zu machen. Wir theilen allen diesen Frauen im Vertrauen mit, dass einem Manne das willkommenste Geschenk immmer ein Kistchen guter Cigarren ist. Auch müssen Sie nicht erst ängstlich fragen und forschen, welche Marke der zu beschenkende Mann raucht; kaufen Sie ruhig ein Kistchen Santa Lucia in der Hülse und seien Sie fest überzeugt, dass das Geschenk Ihnen Ehre, dem Beschenkten Freude macht. Hat doch keine Cigarre reineres Aroma, edleren Geschmack als diese, Santa Lucia ist auch im Rauchen wie die feinste Havanna-Cigarre, sie ist nach dem Urtheil verständiger Raucher die Königin aller Cigarren! 9727 • < 50 Stück in elegantem Kistchen kosten 5 Mark. In Giessen bei: R. Buchacker, Bahnhofstrasse 48. Sämmtliche Backzuthaten zur feinen Bäckerei empfiehlt in anerkannt besten Qualitäten z» billigsten Preisen 9510 Em« Fischbach. 3u4Scil)U«d)tcU|{a,lmsejm|. Artikel!^; empfehle das Neueste: ' ° Obsthochstämme, Zwerg und Spaliere in allen Forme*. Obststräucher, Rosen, Conifercn, Alleebäume, GkskWafts- ii. 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Angebote sind auf dem vorge fchriebenen Formular verschlossen bi» zum genannten Termin dorthin erreichen. Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. Montag den 10. December 1804, Bormittags O'/z Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, District Neuheege versteigert werden: Gießen, den 5. December 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnnuth. 9930 Nenba« des hygienischen Instituts der Landesuniversität zu Wiesteu. Sämmtliche Nohbauarbeiten des Haupt- und Nebengebäudes sollen, einschließlich Materiallieferung, auf dem Wege öffentlichen Angebots verdungen werden. Die Gebote können sich auf einzelne Titel oder auf die ganze Arbeit beziehen. a) Hauptgebäude: zwei-, Mittelbau dreigeschossig, umbauter Raum 5900 cbm, in Backsteinrohbau unter Verwendung von Haustein. d) Nebengebäude: eingeschossig mit Heuboden, umbauter Raum 450 cbm, sonst wie vor. Dt. I. 1330 cbm Erd- und 1327 cbm Maurerarbeiten. „ la. Cement-, Beton-, und Terrazzoarbeiten; u. a. 595 qm Schlackenbetongewölbe, 398 qm Cementestrich, 384 qm Terrazzofußböden. h II. Steinhauerarbeiten: a) 72 cbm Basaltlava, b) 51 cbm hellfarbiger Sandstein. // HI- Zimmerarbeiten: 100 cbm Nadelholz, 3 cbm Eichenholz. ,, IV. Dachdeckerarbeiten: a) 534 qm Schieferdach, b) 237 qm Holzcementdach. „ VI. Walzeisenlieferung: 13650 kg. u VII. Grobschlosserarbeiten, u. a. Oberlichtconstructionen, Geländer auf dem Dach, Schneefanggitter rc. „ VIII. Blitzableiteranlage. „ X. SpenglerarbeHen. M H- Tüncherarbeiten. Anstrich der Gesimse, Kandeln, Abfallrohre, Träger rc. Die Angebotunterlagen sind auf dem Baubureau. Goethestraße 52, jur Einsicht offen gelegt, woselbst diese auch, Zeichnungen ausgenommen, mit dem Angebotformular abgegeben werden. Angebote sind bis zum 7. Januar 1895, Vormittags 11 Uhr EN das unterzeichnete Kreisbauamt einzureichen, woselbst in Gegenwart •tarn erschienener Bieter die Eröffnung erfolgt. Zuschlagsfrist 30 Tage. Beginn der Ausführung bei eintretender geeigneter Witterung. Gießen, den 7. December 1894. Großh. Kreisbauamt Gießen. 9952]_______________________Reuting._________________ Bekanntmachung. Nachdem uns auch in diesem Jahre wieder ein Betrag zur Verfügung gestellt worden ist, um eine Anzahl armer scrophulöfer Kinder im nächsten Sommer in der Kiuderheilanftalt in Bad-Nauheim unter» bringen zu können, werden alle diejenigen Bewohner des Sparkassenbezirks Gießen, welche solche kranken Kinder haben und nicht selbst in der Lage nwb, die Kosten bestreiten zu können, aufgefordert, sich bei ihrem Pfarramt -der Bürgermeisterei baldigst zu melden. Bei der Anmeldung ist ein ärztliches Zeugniß vorzulegen, in welchem die Notwendigkeit einer Badekur bescheinigt sein muß. — Es ist nicht ausgeschlossen, daß Kindern, welche bereits auf Kosten der Sparkasse eine Badekur durchgemacht haben, die Kosten für eine weitere Kur bewilligt werden können. — Die Pfarrämter und Bürgermeistereien ersuchen wir, uns die einlaufenden Meldungen mit den ärztlichen Attesten und einer Bescheinigung über die Bedürftigkeit der betr. Eltern bis längstens Ende Januar k. I» zusenden zu wollen. Gießen, am 3. December 1894. Die Direction des Spar- und Leihkasse-Vereins. __Grüneberg.__________________9960 Bekanntmachung. Im Jahre 1895 werden Bekanntmachungen aus unserem Handelsregister m der Darmstädter Zeitung, sowie in dem Kreisblatte desjenigen Kreises, in welchem die Firma ihren Sitz bezw. ihre Zweigniederlassung hat und die Bekanntmachungen aus unserem Genossenschastsregister für neinere Genossenschaften im Deutschen Reichsanzeiger, sowie in dem Kreis- blatte desjenigen Kreises, in welchem die Genossenschaft ihren Sitz hat, für andere Genossenschaften außerdem noch in der Darmstädter Leitung erfolgen. ° Hungen, 5. December 1894. Großherzogliches Amtsgericht. ________9959 Bekanntmachung. De* Voranschlag der Gemeinde Rodheim liegt vom v. ds. Mts. ab acht Tage lang auf unserem Bureau zur Einsicht der Alteressenten offen. Rodheim, 7. December 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Rodheim. ___Schäfer.____________________9954 Zum Abschluß von Versicherungen gegen empfiehlt NEPTUN Pnstcherungs- «esellschaft in Jronkfurt a. M Prospecte gratis, sowie jede Auskunft durch die General-Agentur Gießen Adolf Bieler, Westanlage 44. afserleitungs-Schäden sich der 9I 27 Eichen-Stämme mit 10,90 fm, 55 Fichten- und Kiefern-Stämme mit 31,44 fm, 5 Fichten-Stangen mit 0,57 fm, 7 rm Eichen-Scheitholz, 233 „ Nadel-Scheitholz, 7 „ Eichen-Knüppelholz, 126 „ Nadel-Knüppelholz, 6 „ Elchen Stockholz, 74,5 „ Nadel-Stockholz, 230 Wellen Eichen-Reisig, 2580 „ Nadel-Neisig. Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 1. Schneise. Gießen, den 4. December 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 9892 A. Werner Ecke der Aeueu Kaue und Sonnenstratze Putz- und Modewaaren engros & detail. Grösstes Lager 9208 von Hutformen in Linon und Filz, Bänder, Stoffe, Federn, Perl-Aigrettes, Schleier, owie größte Auswahl garnirter Damen- und Riader-Hüte. A. Werner Ecke der Neuen Köne und Zounevstraße. Anerkannt feinsten Aaynyof. str. 23. /*\ r Kcke \ Löwengaffe. französischen Cognac direct bezogen von Henry Faber & Cie. pr. i/i H. 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