Nr. 288 Der gerier Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dr- MontagS. Die Gießener As«mtkie«vrä1ler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Erstes Blatt. Samstag dm 8. December Wietzener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. 1891 vierteljähriger AvonnemcatspreiA« 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerloh». I Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, ExpeditioE und Druckerei: KchutstraßeAr.7. Fernsprecher 51. Zimts- und Anze»s«blatt für den Nreis Gieren. Hralisöeitage: chießener Aamittenökätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. Nr. 43 des RtzichS-Gesetzblatts, ausgegeben den 4. d. M., enthält: „ . (Nr. 2202) Bekanntmachung, betreffend Ergänzung der dem internationalen Uebereinkommen über den Eisenbahn- frachtverkehr beigefügten Liste. Vom 26. November 1894. Gießen, den 6. December 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Ausländer nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Neueste Nachrichten. Wolff« telegraphische« Eorrespondenz-Vurea». Berlin, 6. December. Der Bundesrath bestellte für Berathuug der Umsturz-Vorlage im Reichstage die Ge- heimeräthe Seckendorff, Dr. Kelch und RegierungSrath Bumm als Commisiare. K1/ Kahla, 6. December. Der Kaiser traf hier um 5^ Uhr ein und wurde vom Herzog von Altenburg empfangen. Darauf erfolgte die Abfahrt durch die illuminirte Stadt nach Hummels- Hain, wo morgen Hofjagd stattfindet. Paris, 6. December. Der Ertrag der indirecten Steuern im November weift eine Mindereinnahme von 10 Millionen Francs gegenüber dem Budgetvoranschlag und eine Mindereinnahme von 7 Millionen im Vergleiche zum November 1893 auf. Gutem Vernehmen nach wird die neue von einigen Blättern angekündigte gerichtliche Erhebung fich auf Erpressungen erstrecken, die seitens Portalis und Girards gegen die transatlantische Gesellschaft verübt worden find. Paris, 6. December. Casimir Perrer empfing eine Abordnung des Bundes der Locomotivführer und Heizer der Eisenbahnen, die erklärte, die Locomotivführer würden im Falle einer Mobilmachung als die Ersten berufen werden, dem Vaterlande zu dienen. Sie würden niemals verfehlen, diele ruhmreiche Pflicht zu erfüllen, und blieben deßhalb taub gegenüber den Schmähungen gewisser Individuen, die an das Auslar d appelltren und Gewaltmaßregeln befürworten zur Löiung der socialen Frage. Paris, 6. December. Die Akademie wählte den Historiker Henry Houssaye mit 28 Stimmen zum Mitglied. Emil Zola erhielt keine Stimme. Petersburg, 5. December. Der „Regierungsbote" ver- öffentlicht kaiserliche Erlasse an den Ackerbauminister, die kaiserliche Freie Oeconomische Gesellschaft und die kaiserliche Moskauer Gesellschaft der Landwirthe. In denselben wird die nützliche Bedeutung der landwirthschafrlichen Gesell- schäften für die fernere Entwickelung des vaterländischen Ackerbaues und der damit verbundenen Industriezweige erkannt, und den genannten Gesellschaften werden als Ausdruck des Wohlwollens des Kaisers die von deffen Vorgängern verDeutsches Reich. Darmstadt, 6. December. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin empfingen heute Vormittag lir/zUhr die Oberbürgermeister der Städte Darmstadt, Mainz, Gießen, Offenbach, Worms in Audienz und nahmen das von den Städten zur Vermählungsfeier Ihrer Königlichen Hoheiten gewidmete Geschenk entgegen. Die Oberbürgermeister sind zur heutigen Großherzoglichen Tafel eingeladen. Berlin, 6. December. Die Vorlage gegen die Umsturzbestrebungen zerfällt in drei Artikel. Der erste ändert und erweitert, resp. verschärft die von Vergehen und Verbrechen gegen die Staatsgewalt, die öffentliche Ordnung usw. handelnden §§ 111, 112, 126, 130 und 131 des Strafgesetzbuches. Außerdem fügt der Artikel einen neuen Paragraphen rin, welcher Complotte zum Umstürze der bestehenden Staatsordnung bestraft. Der zweite Artikel spricht die eventuelle Dienstentlassung von Offizieren und Unteroffizieren des Beurlaubtenstandes aus, welche auf Grund der Bestimmungen in den Abschnitten 6 und 7 des Strafgesetzbuches mit Gefängniß bestraft worden sind. Der dritte Artikel betrifft die vorläufige Beschlagnahme von Preß- Erzeugniffen. Deutscher Reichstag. 2. Sitzung. Donnerstag den 6. December 1894. Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache: Quod felix fauahunque eit Ein großartiger Bau, der seines Gleichen sucht, welcher Alle, die ihn gesehen, mit Bewunderung erfüllte, soll fortan dem deutschen Reichstage als Heimstätte dienen, an Stelle des alten Hauses, das mit feiner Einfachheit, seiner Heimlichkeit wir noch oft vermissen werden (Sehr wahr!) Alle diese Schönheiten des neuen Hauses zeigen uns, was deutsche Kunst, deutsches Gewerbe, deutsches Handweik zu leisten vermögen und daß sie hier ein Werk vollendet haben, das jeden deutschen Sinn erbebt und erfreut. Der dieses Werk ersonnen und aufgerichtet hat, ihm und seinen Gehülfen sei unser Dank dargebracht (Lebhafter Beifall). Der Reichstag ist dem Baterlande zu Rutz und Frommen errichtet, auf daß hier ein dauerndes Merkmal steht, bestimmt, wesentlich mttzuwtrken an dem ferneren Gedeihen des Reiches. Aber nicht nur für die Gegenwart und Zukunft soll und wird dieses Haus dienen, eS erinnert auch an die große Zeit, an Diejenigen, die für die Aufrichtung des Reiches gekämpft und geblutet und mit dem Schwerte und in dem Geiste, mit ihrer Faust und mit ihrer Einsicht und ihrer Festigkeit und mit ihrem Muth für das Reich gekämpft und für dasselbe die Grundlage und die Mittel in schweren Tagen gewonnen haben. Nicht blos nach seiner eigentlichen Bestimmung und monumentalen Gestaltung, sondern auch weil es ein Denkmal jener Helden und eine nationale Siegessäule tfty hat dieses Haus einen hohen vaterländischen Werth und diesen zu erhalten, zu erhöhen ist und wird Aufgabe des deutschen Reichstages sein. Diese Aufgabe kann und wird nur gelöst werden, wenn wir unsere Nachkommen und Alles, was wir hier berathen und beschließen, ganz und gar in den Dienst des Vaterlandes stellen, wenn wir nur dienen wollen dem Kaiser und dem Reiche und dem Volke! Ihr Wohl ist Zweck und Ziel dieses Hauses und suprema lex des Reichstages. Dem Kaiser als dem Haupte, dem Reiche und dem Volke, auf daß sie alle Zeit einig, stark und gesegnet bleiben, gilt der Ruf, in den wir alle etnstimmen: Se. Maj. der Kaiser, er lebe hoch! (Das Haus stimmt dreimal in den Ruf ein.) Während dteser.Hochs auf den Kaiser haben sich die Mitglieder des Hauses sämmtlich von den Plätzen erhoben, mit alleiniger Ausnahme der socialdemokratischen Abgeoidneten. Von der rechlen Sette und von den nattonalltberalen Bänken erschallen daher zahlreiche lebhafte Zurufe: Hinaus! hinaus! Abg. Liebknecht, aufstehend, ruft: unerhört! Auch Rufe! Pfui! frech! hört man erschallen. Erst allmälich liehenen Rechte bestätigt. Ueberhaupt sei allen landwirth schastlichen und öconomischen Vereinen zu erklären, daß ihre fruchtbringende Arbeit zum Nutzen der russischen Landwirth- schaft von Setten deö Kaisers fterS Schutz und Unterstützung finden werde. Depeschen de« Burea» „Herold". Berlin, 6. December. Der Kaiser hat, wie der „Localanzeiger" erfährt, zur Einweihung deS neuen Reichs- tagSgebäudes die Prägung einer Münze mit feinem Bildntß in der Uniform der GardeS du Corps genehmigt. Berlin, 6. December. Die deutsch-sociale Reformpartei hat beschloffen, in der heutigen Sitzung keinen Antrag auf Einstellung des Strafverfahrens gegen den Reichstagsabgeordneten Leuß oder auf Haftentlaffung zu stelle». Berlin, 6. December. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Mit welchen Mitteln die einzelnen deutschen Zeitungen versuchen, das Auswärtige Amt herabzuwürdigen, dafür liegt ein neues Beispiel in den „Hamburger Nachr.", in einer Reihe unvollständiger oder unwahrer Angaben über die Preß Beziehungen vor, die das Auswärtige Amt unter dem alten und dem neuen Cours unterhalten haben soll. Es wird der Verdacht ausgesprochen, daß der unfreundliche Artikel, den der Londoner „Standard" bei dem Tode der Fürstin Bismarck gebracht habe, auf offictöfe Einflüsse au» Berlin zurückzuführen fei. Das Hamburger Blatt fügt die selbstverständliche Behauptung hinzu, daß die officiöse Preffe nicht den geringsten Grund habe, unfern ersten Reichskanzler im Auslande zu verleumden und zwar in der Form eine» Wunsches für die Zukunft. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß diese unwürdige Insinuation einer jeden Begründung entbehrt und daß der eigentliche Artikel, welcher beim Tode der Fürstin Bismarck auf Veranlaffung des Auswärtigen Amtes erschienen ist, der Nachruf war, welchen die „Nordd. Allg. Ztg." vom 27. November Abends gebracht hatte. Berlin, 6. December. Die deutsch-conservative Fraction hat an den Fürsten Bismarck nachstehendes Telegramm gerichtet: Aus der ersten Sitzung im neuen Hause sendet die deutsch-conservative Fraction Ew. Durchlaucht den Ausdruck ihrer dankbaren und unwandelbaren Verehrung." Wien, 6. December. Die gesummte Preffe bespricht die Thronrede gelegentlich der Reichstags-Eröffnung in wenig sympathischer Weise. Die osfictösen Blätter verhalten fich reservirt und vermerken nur, daß die Thronrede völlig darnach angethan sei, bet den Vertretern der deutschen Nation gemischte Gefühle hervorzurufen. Die liberalen Blätter sprachen fich entschieden ungünstig aus. Die „Volkszeitung" schreibt: Um die sociale Revolution zu verhindern, dürfe man nicht damit beginnen, indem mau die an und für sich spärlichen Freiheiten noch mehr beschränke und daran die Frage socialer Reformen in Erwägung ziehe. Ein solcher Weg habe noch niemals zum Ziele geführt. Wien, 6. December. Das „Neue Wiener Tageblatt" schreibt: Nach dem Tone, der in der Thronrede herrscht, könne man eß nicht begreifen, daß bei der Erbauung des neuen Reichstagsgebäudes so viele bange Stimmen vorgeherrscht hätten, als man dieses Haus dazu bestimmte, das Mausoleum des deutschen Parlaments zu werden. Triest, 6. December. Die mit dem Behring'sch en Heilserum im hiefigen städtischen Spital gemachten Versuche ergaben höchst befriedigende Resultate. Von 236 mit dem Heilmittel behandelten Kindern starben nur 22 Procent, während von 57 ohne Heilserum behandelten ändern 56 Procent starben. Rom, 6. December. Unter den zahlreichen Interpellationen, welche am 1. Januar kommenden Jahres von der Kammer an die Regierung gerichtet werden, befinde» sich solche über innere Politik, Auflösung der socialdemokratischen Vereine und das Verschwinden der Schriftstücke im Banka-romana-Proceffe. Brüssel, 6. December. Anläßlich der Debatte über die Livi Niste sand heute eine äußerst erregte Kammerfitzuug statt. Die socialistischen Abgeordneten gaben wiederholt ihrer republikanischen Gesinnung Ausdruck und antworteten auf da» vom Ministerpräsidenten de Burlet auf den König auögebrachte Hoch mit dem Rufe: „Es lebe das Volk!" Morgen findet Fortsetzung der Debatte statt. Paris, 6. December. Nach einer Behauptung des „Matiu" bestehe das Beweisstück gegen Dreyfus in einem Briefe, welcher von einem Polizisten in den Papieren eines „Militär-Attachös der Triple-Alliance" entdeckt wurde. Für die Regierung erwachse aus diesem Funde arge Verlegenheit. tritt, nachdem Präsident v. Levetzow von der Glocke Gebrauch ge- m0*tetngegan8en ist eine Vorlage betr. Handelsprovisorium mit der Tagesordnung steht die Wahl des Präsidiums. Auf Vorschlag des Abg. Gras Hompesch wird der bisherige Präsident v. Levetzow durch Acclamatton wtedergewählt. Präsident v. Levetzow: Meine Herren. Sie hätten vielleicht gut gethan. in dem neuen Hause einen neuen Präsidenten zu wählen. (Heiterkeit). Ich hätte mich gern mit der Ehre begnügt so lange des Amtes als Präsident gewaltet zu haben, und hätte gerne einer besseren Kraft Platz gemacht. Aber Ihr treu bewährtes altes Vertrauen lockt mich doch, deshalb nehme ich die Wahl an. JA kann da nur die mir immer erfüllte Bitte wiederholen, mich durch Nach- icht zu unterstützen. Ich verspreche Ihnen dafür meinerseits guten Willen, Unparteilichkeit und Sorge für die Würde und die Aufgaben de« Hauses. Wenn durch dieses Haus immer reine Vaterlandsliebe weht, so hoffe ich mit Gott, die mir gesteckte Aufgabe erfüllen zu tÖnnebenfatt8 per Acclamatton werden fodann die Abgg. v. Buol zum ersten Vice- und Bürcklin zum zweiten Vicepräsidenten gewählt. Es folgt die Wahl der acht Schriftführer. Abg. Singer bittet um die Wahl feines Parteigenossen Fischer. Die Wahl sämmtltcher Schriftführer erfolgt durch Sdtel. Während die Stimmen gezählt werden, nimmt Präsident von Levetzow Anlaß zu bemerken, es widerspreche der deutschen Sitte, daß Mitglieder des Hauses sitzen bleiben, wenn ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht werde. (Beifall). _ . Abg. Singer erwidert, eS fei feinen Freunden unmöglich, auf einen Mann, der bet der Vereidigung von Rekruten geäußert habe, diese müßten eventuell auch auf ihre Bruder und Eltern schießen, auf einen Mann, der jetzt eine Umsturzvorlage eingebracht habe, ein d-kÄun» & °d- W9ebS Ä* »TKÄ Mi«»*«» über, betr. Einstellung des Strafverfahrens gegen den Abg. Herbert wegen Majestätsbeleidtgung. w Abg. v. Manteuffel (conf.) beantragt, diesen Antrag Amr der Geschäftsordnungscommifsion zu überweisen, zumal es scheine, die Sozialdemokraten erhöben jetzt die Majestätsbeleidigungen zum Prtncip, während seine (deS Redners) Freunde die Majestät ^Mchd'em die Abgg. Singer (Soz.), Groeber (Etrrn.), Rickert (frs. Ver.) und Richter (srs. Dlkp.) gegen, Abg. Frhr. v. Stumm (Rp) für den Antrag v. Manteuffel gesprochen, wird Einstellung des Verfahrens gegen Herbert beschlossen. DebatteloS wird auch die Einstellung des Strafverfahrens gegen die Abgg. Scbippel und Hirf chel beschlossen. Nächste Sitzung: Dienstag 12 Uhr. Erste Lesung des Etat«, vorher ein schleuniger Antrag Zimmermann, betr. Strafverfahren gegen den Abg. Werner; JnterpellattonßPasche-Friedberg, betr. Zucker- steuer-Derhältniffe. Amtlicher Theil. Gießen, 7. December 1894. Betreffend: Ausnahmebestimmungen von der Vorschrift des § 137, Absatz 1, der Gewerbeordnung zu Gunsten von Molkereien. Da8 Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Soweit Sie unserer Auflage vom 28. November L Js. nicht nachqekommen sind, erinnern wir Sie an deren Erledigung binnen 24 Stunde«. v. Gagern. ßoHfroa, 6. Decewber. Nach einer Meldung aus Shanghai wurde der Commandant Kirchhoff von der Uvtersuchungs-Eommisfion zur militärischen Degradation verurtheilt, weil derselbe seinen Truppen die Plünderung und Ntedermetzelung bet der Einnahme von Port Arthur gestattete. Loudon, 6. December. Die „Times" äußert sich^über die englisch-russische Annäherung dahin, daß die Thatsache keine europäische Nation beleidigen könne. Zum Schluß sagt fie: Wir haben Frankreich in Alexandrien nicht gebraucht und können auch die Mitwirkung Deutschlands im chinesischen Kriege leicht entbehren. Warschau, 6. December. Für den Empfang des Czaren werden bereit- im hiesigen kaiserlichen Palais alle Vorbereitungen getroffen. Der Czar begibt sich von hier aus mit feiner Gemahlin nach Darmstadt. Warschau, 6. December. Wie verlautet, soll das Gesetz, welches den Juden verbietet, sich innerhalb der Entfernung vou 50 Werft von der Grenze anzusiedeln, aufgehoben werden. Sofia, 6. December. Die Sobranje hat mit großer Majorität die Ernennung einer Commission, bestehend aus Deputirten, beschloffen, welche die Prüfung aller Handlungen deS Ministeriums Stambulow vorzunehmen hat. Die Commission soll dasselbe Recht erhalten, welches einem Untersuchungsrichter zusteht. Allgemein sagt man, die Commission werde die Versetzung StambulowS in den Anklagezustand beschließen. tocolts unb Leoviirrtelles. Gießen, den 7. December 1894. ** AuS dem Justizdieust. @e(ne Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ortenberg vr. Karl Mei sei zum Land- gerichtSrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, de» Amtsrichter bei dem Amtsgericht Langen Heinrich Gille r zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ortenberg und den Gerichtsassessor Heinrich Dörr aus Stumpertenrod zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I zu ernennen. ** Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, den Kreisarzt des KreiS- gesundheitsamtes Alsfeld Dr. August Balser zum Kreisärzte des Kreisgesundheitsamtes Mainz, den Kreisassistenzarzt zu Hirschhorn Or. Ferdinand Schwarz zum Kreisarzie des Kreisgesundheitsamtes Alsfeld, den practischen Arzt Or. Karl KöNiger zu Büdingen zum Kreisasststenzarzte für den Kreis Heppenheim mit dem Amtssitze in Hirschhorn zu ernennen. ** SchwurgerichtSfitzuug vo» 6. u. 7. December 1894 gegen Johannes Schröder III. von Nieder -Bessingen wegen Meineids. (Fortsetzung.) Gegen das Schöffengerichtsurtheil verfolgte Diehl Berufung- es stand zunächst Termin vor der Großh. Strafkammer am 24. Juli l. I.- auch in diesem Termin wurde Schröder zeugeneidlich vernommen und beharrte auf seinen Angaben. Der Termin wurde behufs Beiladung weiterer Zeugen vertagt und fand sodann weitere Verhandlung ebendaselbst am 7. August 1894 statt. Nach umfangreicher Beweisaufnahme wurde Diehl freigesprochen, Schröder jedoch wegen dringenden Verdachts des Meineids festgenommen. Derselbe hatte nach Leistung des Zeugenetdes au-gesagt: An dem Freitag den 29. September vorigen Jahres kam ich Mittags gegen 2 Uhr in - die Diehl'sche Wirthschaft in Ettingshausen. Ich war nämlich von Johannes Keil XVI., bei dem ich am Morgen gepflastert hatte und bei dem ich zum Mittagessen nur Kaffee und gebackene Plätze bekommen hatte, hingeschickt worden, um bei Diehl einen Schnaps oder ein Glas Bier zu trinken. Keil wollte selbst hinkommen, um Most zu keltern., In der Wirthschaft waren bereits Jox und Johannes Kühn zugegen und wurde ein Fäßchen Bier aufgelegt, weil wegen eines von dem Kühn dem Jox abgekauften Ackers „Wtnkuf" getrunken werden sollte. Ich trank von diesem Bier mit, vielleicht fünf bis sechs Glas. Dann wurde noch ein Füßchen aufgelegt und während dasselbe getrunken wurde, wollte ich Weggehen. Der Junge des Diehl, etwa 11—12 Jahre alt, war auch anwesend und hatte mich in Gegenwart des Jox und Kühn ohne jeden Grund geschimpft: „Du nichtsnutziger Schröder, was trinkst Du hier Bier und gehst nicht an die Arbeit!" Hierauf war ich ganz ruhig und als ich später Weggehen wollte, fand ich meinen Stock nicht und sagte deshalb dem Jungen, er habe meinen Stock weggebrachr, er solle ihn mir geben. Als der Junge dann antwortete, er wisse Nichts davon, strich ich thm so mit der Hand den Backen herunter und gab ihm eine leise Ohrfeige. Der Sohn des Rechners Hahn sagte nun dem in seinem Schlachthaus beschäftigten Diehl, ich hätte seinen Jungen geschlagen- nun kam Diehl herein und sagte mir, ich sollte fortgehen, sonst schmisse er mich hinaus. Ich ging aber weg mit meinem Ranzen und Stock, den ich in einer Ecke stehend gefunden hatte- in dem HauSgang stieß und drückte mich Diehl die paar Stufen herunter, die in den Hof führen und dann ging ich die paar Schritte Über den Hof zum Hofthor hinaus. Diehl kam hinter mir her und gab mir hierbei einen Stoß, so daß ich mit aller Gewalt an das Vorderrad des an der Straße stehenden Wagens des Wilhelm Mohr I. widerflog und zwar gerade mit der rechten Seite an den Leib. Ich kam auf die Ecde zu lieget!, erhob mich langsam und nun gab mir Diehl den zweiten Stoß — ich weiß nicht von hinten oder von vorne, so daß ich wiederum gegen den Wagen flog und zwischen den zwei Rädern lag. Daß ich irgend welche Schimpfwörter gegen Diehl gebraucht habe, kann ich «ich nicht erinnern- auch kann ich nicht sagen, daß Diehl mich geschimpft hat. Hierauf ging ich zum damaligen Polizeidiener Keil und erzählte ihm die Sache- wir gingen dann znm Bürgermeister, welcher mir sagte, ich solle den Diehl verklagen. Darauf ging ich mit Keil in die Wirthschaft seines BrnderS Philipp und wollte bei diesem über Nacht bleiben, weil ich wegen meiner Schmerzen nicht gut fort konnte. Er behielt mich aber nicht wegen deS Diehl und begleitete mich dann der Polizeidiener Keil ein Stück Weges nach Haus. In der Wirthschaft des Philipp Keil hatte ich ein oder zwei Kännchen Schnaps bezahlt, ich selbst habe i/2 Schoppen Bier getrunken. Poltzeidtener Keil ging nur bis vor das Dorf mit mir, es war damals vielleicht 10 Uhr. Ich brauchte zu dem Weg von Ettingshausen nach Nieder-Bessingen, der etwa Vs Stunde weit ist, etwa 4 Stunden. Ich war den ganzen Tag über keinen Augenblick betrunken- ich hatte vielleicht 10 Glas Bier getrunken. Als mich Diehl zweimal an den Wagen geworfen hatte, war es dämmerig, es war zur Zeit des Feierabends. Den Dr. Schaad habe ich über diesen Vorfall gar nicht gesprochen, ich habe ihn überhaupt erst zu Anfang dieses Jahres kennen gelernt, gelegentlich einer Krankheit meiner Frau. Zur Zeit des Vorfalls, Ende September, habe ich ihn noch nicht gekannt. Einige Zeit nach dem Vorfälle begegnete mir ein Mann auf einem Wägelchen, das ich für das Wägelchen des Dr. Seipp hielt und dachte ich, der darauf Sitzende wäre der Stellvertreter des Herrn Doctor. Der Mann fragte mich, warum ich so armselig einhergehe. Da sagte ich ihm meinen Namen und was mir passtrt sei. Der Mann entgegnete, es könne ganz gut möglich sein, daß mir ein paar Rippen zerquetscht worden seien, dieselben könnten aber auch durch das Athmen wieder in die richtige Lage gebracht worden sein. Nach der Mißhandlung durch Diehl habe ich fünf bis sechs Tage ganz sest im Bette gelegen und kann also auch während dieser Zeit nicht in Ettingshausen gewesen sein. Erst in der dritten Woche bin ich nach Ettingshausen gekommen, um bei Philipp Keil zu pflastern, habe es aber nicht fertig gebracht. Die eingeleitete Voruntersuchung ergab, daß die zeugeneidlichen Aussagen des Schröder vor den beiden Gerichten wissentlich falsch seien und von ihm aus Gehässigkeiit gegen Diehl ein an sich unbedeutender Vorfall in unerhörter Weise aufgebauscht worden sei. Auch die gestrige und heutige Verhandlung ergab dasselbe Resultat. Es wurde zunächst von Johannes Keil XVI. mit Entschiedenheit in Abrede gestellt, daß er den Schröder angewiesen habe, in die Diehl'sche Wirthschaft zu gehen. Die Masse des von dem Angeklagten getrunkenen Biers war von demselben viel zu niedrig angegeben worden, er selbst hatte solche einigen Zeugen gegenüber viel höher angegeben. Keinem der zahlreichen in der Diehl'schcu Wirthschaft anwesenden Gäste ist das Geringste davon bekannt, daß der junge Diehl den Angeklagten irgendwie durch Schimpfworte beleidigt habe. Der Angeklagte versetzte vielmehr ohne allen Grund dem jungen Diehl eine derartig kräftige Ohrfeige, daß derselbe wider einen Tisch taumelte und höchgeröthete Backen hatte. Die Ohrfeige war derartig kräftig, daß die Entrüstung der Gäste hervorgerufen wurde. Unwahr war weiter, daß Angeklagter der Aufforderung des Diehl, sein Haus zu verlassen, gutwillig gefolgt sei, er mußte vielmehr mit Gewalt entfernt werden, da er sich an der Hausthüre festhtelt. Weiter wurde festgestellt, daß Schröder den ersten Stoß nicht un- vermuthet bekam, er wurde von Diehl bis an das Hofthor gebracht und erhielt dann einen Stoß, weil er schimpfte, daß er mitten auf die Straße fiel. Er erhob sich sofort, drang schimpfend auf Diehl ein, wurde wieder zurückgestoßen und fiel rücklings auf seine Hände auf die Straße/ (Schluß folgt in nächster Nummer dieses Blattes.) ** Kaufmännischer Verein. Der gestern Abend von Herrn Jens Lützen, Prioatdocent an der Humboldt Academie zu Berlin, gehaltene Vortrag über „Ein Tag auf dem Monde" war überaus zahlreich besucht. Es ist dies auch erklärlich, denn das Interesse, welches uns Menschen meist nur durch Sagen und Märchen an den von Allen oft geschauten, aber noch nicht betretenen Mond fesselt, ist ein reges. Daß der Vortrag durch eine große Anzahl von Lichtbildern begleitet wurde, trug wesentlich zum Verständniß bei, wenn man berücksichtigt, daß diese Bilder nicht nach der Phantasie gemalt, sondern mit Hilfe riesiger Fernrohre durch die Photographie die Oberfläche des MondeS birect fixirt wurde. Herr Lützen verbreitete sich sehr eingehend zunächst über das Alter deS MondeS, seine Entfernung von der Erde und die verschiedenartigsten Erscheinungen, in denen sich der Mond der Erde zeigt, die Mondfinsternisse, den Lauf des Mondes usw. Die mit Hilfe der Photographie gewonnenen, sehr klaren Bilder von der Oberfläche des Mondes lassen mit Bestimmtheit darauf schließen, daß der Mond ein mit vielen Gebirgszügen (Rtnggebtrgen) bedeckter Körper ist, die Ringgebirge sind durch heftige Eruptionen entstanden, was durch die Aehnlichkeit derselben mit dem Vesuv bewiesen wird. Weil sich, wenigstens auf der der Erde zugekehrten Seite des Mondes, nur diese kraterbildenden Erscheinungen zeigten, von Vegetation, Wasserläufen usw. aber nichts wahrgenommen werden konnte, so ist mit Sicherheit darauf zu schließen, daß der Mond jeglichen organischen Lebens entbehrt, weder bewohnt, noch bewohnbar ist. Herr Lützen ging schließlich auf die Beschreibung des Mondhimmels und die Erscheinungen ein, die sich aus demselben für etwaige Mondbewohner im Vergleich zu den Beobachtungen, die wir am Himmel machen können, bieten. Der recht verständliche, auch mit Humor gespickte Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen. •* Für Fußleidende. Dem orthopädischen Institut für Fußleidende in Köln-Lindenthal, geleitet von Joh. Dott, ist es gelungen, einem jeden Fußleidenden Schuhe anfertigen zu können, in denen sich die Betreffenden ohne jegliche Schmerzen beim Gehen fortzubewegen im Stande sind. Durch Tragen der von Dott gefertigten Schuhe wird bewirkt, daß bei den Leidenden nach kurzer Zeit eine derartige Besserung eintritt, daß das Tragen der so lästigen Maschinen gänzlich überflüssig wird. Durch das Anschnallen der Maschine wird die Blutcirculation gehemmt, das betreffende Glied bedeutend geschwächt und im Wachsen gehindert- bei den von Dott angefertigten Schuhen kann dies nicht vorkommen. Ist der Fuß auch noch so krumm gewachsen, so wird derselbe 1 sich beim Anziehen des bezeichneten Schuhwerkes sofort strecken, und jeder Leidende kann gerade und bequem gehen, sogar ohne Zuhülfenahme von Stock und Krücke. Bei Kindern, welche die schlimmsten Klumpsüße haben, erfolgt die vollständige Geraderichtung in 1 bis 6 Monaten. Wir verweise« aus das Inserat in heutiger Nummer. Niederweisel, 6. December. Vorgestern ereignete sich dahier der gewiß seltene Fall, daß zwei hier wohnende Schwestern an einem Tage, nach wenigen Stunden Zwischenzeit, in hohem Alter starben. Dieselben werden in einem gemeinschaftlichen Grabe zur Ruhe eingebettet. A Köddingen, 6. December. Heute wurde die Leiche des htesigen Bürgers Rühl, eines Mannes in den 60er Jahren, vom Bahnhof Grünberg hierher verbracht. Derselbe war auf feiner Heimreise von der Arbeit in der Wetteran, wo er bei einer Dreschmaschine beschäftigt, in einem Abtheil des Bahnzugs von Gießen nach Grünberg plötzlich an einem Schlaganfall verschieden. Das Geschick des fleißigen Mannes erregt umsomehr Theilnahme, als er vor zwei Jahren seinen Sohn auf tragische Art verlor. Demselben wurde von einer Dreschmaschine das eine Bein abgerissen, er verstarb an der ! entsetzlichen Verstümmelung. § Windhausen, 6. December. Ein hiesiger 63jähriger Mann, Wittwer, stürzte sich heute Morgen in einen tiefen Brunnen, aus dem man ihn alsbald als Leiche hervorzog. Die Motive der grausigen That find in einer geistigen Umnachtung zu suchen. § Ans dem Ohmthal, 5. December. Das Lehmann'sche Mittel, naffes und ausgewachsenes Korn so backfähig zn machen, daß ein Schliffigwerden des Brodes vermieden wird, indem man auf den vierpsündigen Laib 30 Gramm Salz dem Einteigwasser zusetzt, ist in der That ganz vortrefflich. Wir haben nicht blos selbst die Probe gemacht, sondern auch Nachfrage gehalten bei den Leuten, die den gleichen Versuch gemacht. Alle waren verwundert, statt des früheren schliffigen, unaufgegangenen und dichten Brodes ein vollständig auS- gebackenes, lockeres erhalten zu haben. Man ist recht sroh darüber, ein solch einfaches Mittel zu wissen, mit dem man ein gutes Brod aus schlecht geernteter Frucht zu erzielen vermag. — lieber das sehr stark auftretende Faulen der Kartoffeln in den Kellern wird vielfach geklagt. Namentlich sind es die mastig gewachsenen Knollen der „blauen Riesen", die starke Fäulniß aufweisen. Ganze Körbe voll lieft man aus den Haufen, die bereits vollständig verfault sind. Durch die große Nässe im Herbste waren die Kartoffeln so von nasser Erde umgeben, daß man gar nicht die bereits leicht angefaulten von den ganz gesunden unterscheiden konnte. Dieser Umstand, sowie auch das nasse Einbringen der Kartoffeln in die Keller verursacht nun die überaus starke Fäulniß. Ein öfteres Um- und Durchlesen der Kartoffelhaufen muß vorgenommen werden, soll der Schaden sich nicht noch mehr vergrößern. Babenhausen, 4. December. In unserem benachbarten Dörfchen Hergershausen ist am verflossenen SarnStag der sonderbare Fall vorgekommen, daß nach beendigtem jüdischen Gottesdienst die Theilnehmer, erst nachdem durch einen herbeigerufenen Schlosser die Thür geöffnet worden war, die Synagoge wieder verlassen konnten. Veranlassung hierzu hatte ein geistig nicht zurechnungsfähiges Frauenzimmer gegeben, welches nach Beginn des Gottesdienstes die Thür verschloß, den Schlüssel an sich nahm und sich in den Wald begeben hatte. A Mainz, 6. December. In Folge zahlreicher Beschwerden über die ungleiche Handhabung der Feierabend stunde durch die Lokalpoltzeibehörde, hat das hiesige Kreisamt durch eine Verordnung der jüngsten Tage eine allgemeine Regelung der Feierabendstunde für die Landgemeinden des Kreises Mainz eintreten lassen. Demnach ist in der Mehrzahl der Gemeinden die Feierabendstunde, Winters wie Sommers, Sonntags wie Werktags auf 11 Uhr Abends festgesetzt. Nur in einzelnen Gemeinden ist auS besonderen Gründen 10 Uhr Abends als Feierstunde bestimmt. Kastel, welches noch zu den Landgemeinden zählt, macht von den übrigen Gemeinden eine Ausnahme, indem hier mit Rücksicht auf die vielen Nachtzüge der Eisenbahn die Wirthschafte« bis zur Mitternachtsstunde geöffnet bleiben dürfen. Für Nachtschwärmer ist Mainz im ganzen Großherzogthum Hessen die angenehmste Stadt, da es hier überhaupt keine Feierabendstunde gibt und der Wirthschaftsbetrieb die ganze Nacht durch gestattet ist. — Einem Theil der hiesigen städtische» Beamten steht eine unerfreuliche We ih nachts- bescheerung, bevor. Zahlreiche dieser Beamten — die oberen Beamten der städtischen Verwaltung — beziehen nämlich neben hohen Gehältern seit dem Jahre 1885 sogenannte AversionalgebÜhren, die sich von Mk. 100 bis Mk. 500 per Jahr belaufen. Da diese auf jederzeitigen Widerruf bewilligten Gebühren unter den Beamten fortwährend zu allerlei Streitigkeiten führen und inzwischen auch eine generelle, ziemlich beträchtliche Gehaltserhöhung der städtischen Beamten eingetreten, ist jetzt in Anregung gebracht, diese Nebengebühren ganz Wegfällen zu lassen. Mit Rücksicht auf die nicht mageren Gehälter der betreffenden Beamten wird die Mehrheit der Stadtverordneten dieser Anregung unzweifelhaft Folge geben. vermischte*. * Kreuznach, 5. December. Ein feit Herbst im 7. Ulanen Regiment zu Saarburg dienender junger Man« aus Niederhosenbach tm Fürstenthum Birkenfeld wurde an- Heimweh vor einigen Tagen fahnenflüchtig und hielt sich zu Hause verborgen. Gestern wurde der Flüchtige von Gensdarmen gesucht- er eilte zu Verwandten und tödtete sich dort durch einen Revolverschuß. ♦ Gotha, 4. December. Eine edle That. DerLand- wirth H. in Seebergen, einem V/2 Stunden von hier gelegenen größeren Dorfe, hat infolge jahrelangen Siech- thumS seiner Frau und eigener Kränklichkeit, sowie durch die oorjährige Mißernte sehr schwere Verluste erlitten. Jetzt hat ihn eine schwere Krankheit ersaht und es hat sich nöthig gemacht, ihn im hiesigen städtischen Krankenhause unrerzubringen. Nun lag der ganze Betrieb der Wirthschaft in den Händen der 16jährigen Tochter deS H., die sich redlich abmühte, der thr gestellten schweren Aufgabe zu genügen. Noch aber waren die Acker nicht gepflügt und nichts für die nächstjährige Bestellung vorbereitet, da machten in voriger Woche sich die Laudwirthe Seebergens auf, ihrem schwergeprüften Collegen beizustehen. Mit zusammen 33 Pferden und 25 Pflügen zogen sie hinaus aufS Feld, pflügten und bestellten die Aecker und in zwei Tagen redlicher Arbeit war das Werk geschafft. Seiner blieb zurück, jeder wollte selbst Hand anlegen und so mancher Landwtrth, der sonst das Pflügen seiner Felder seinen Knechten überlasten hatte, ließ es sich an diesen Tagen nicht nehmen, den Pflug selbst zu führen, galt es doch einer guten Sache. Hochachtung vor solcher Uneigennützigkeit? * Stuttgart, 4. December. Der Ausschuß des Vereins für das öffentliche Gesundheitswesen hat beschlosten, den nächsten Eongreß für da-öffentliche Gesundheitswesen im September 1895 in Stuttgart abzuhalten. • Bayreuth, 5. December. Der bereits gemeldete Unglücks fall in der hiesigen Jnfanteriekaserne ist, rote jetzt feststeht, nicht auf Selbstmord zurückzuführen,' sondern darauf, daß im dritten Stockwerk der Kaserne die Fensterbrüstung zu niedrig ist. Schon vor einigen Jahren ist ein Soldat herausgestürzt und hat das Genick gebrochen, aber eine Aenderung an der Fensterbrüstung ist bis heute noch nicht vorgenommen worden. * Passau, 1. December. Die Kunde einer schrecklichen That durcheilte in aller Frühe die Stadt. Der in den 40er Jahren stehende Staatsbahnconducteur Johann Jnderst, wohnhaft auf der Windschnur, hatte gegen 5 Uhr Morgens seine Frau erwürgt. Wie Pastauer Blättern mit- getheilt wird, bestand in letzter Zeit infolge Eifersucht ein .gespanntes Verhältniß zwischen den Eheleuten und kam es häufig zu Auftritten in der Familie. Gestern Nacht kam Jnderst mit dem Zuge um 12 Uhr in Pastau an, zechte dann bis früh halb 5 Uhr, ging in seine Wohnung, wo die Frau und ein 13jähriges Mädchen bereits aufgestariden waren. Es kam zu Streitigkeiten, infolge deren Jnderst seine Frau mißhandelt und sie erdrostelt zu haben scheint. An der rechten Backenseite und hinter dem rechten Ohr sind Spuren von einem schweren Schlage mit der Hand, am Halse das Hervortreten deS Zäpfchens sichtbar, am linken Auge ist sie etwas aufgekratzt. Die Frau legte sich zu Bett, rief ihrer Tochter, fragend, was sie denn am Halse habe (Frau Jnderst hatte einen Satthals) und schrie einige Male auf, wobei ihr Jnderst, Am den Spectakel zu vermeiden, den Mund zuhielt. Vom Hanse lief sofort Jemand nach der Polizei und als der Schutzmann in das Zimmer trat, war die Frau schon verschieden, worauf Jndlrst sofort in Haft genommen wurde. Die Mutter hinterläßt sechs Kinder von 13 Jahren bis 6 Wochen und wird als eine sehr fleißige, ruhige Frau geschildert. Sechs Kinder find bereits gestorben. Frau Jnderst stand in den 30er Jahren. Der Jähzorn hat ein schreckliches Unglück über die bedauernSwerthe Familie gebracht. * WaS kostet der Reichstagsbau? Für das Gebäude wurden in den ersten fünf Jahren von 1882 bis 1887 überwiesen 10 160047.51 Mark und in den Folgejahren von 1887 bis 1892 einschließlich dieser Summe 20078438.75 Mark. Ende 1892 standen noch 9 956 964.40 Mark zur Verfügung, die bis zur Beendigung des Baues vollständig aufgebraucht sein dürften, sodaß insgesammt rund 30 Millionen Mark verbaut sein werden. Davon gehen für den Grunderwerb 7*/4 Millionen, für die Bauleitung und Verwaltung 1 100 000 Mark, für die Kessel- und Maschin>n-Anlagen, für die Rampen, Bürgersteige und Lichtgräben 367 000 Mark, für die Preisbewerbung und die Ausarbeitung der Pläne 119 000 Mark, zusammen also rund 9 Millionen ab, sodaß der Bau selbst etwa 21 Millionen Mark kostet. Bedenkt man, daß allein für den inneren Ausbau 4351 420 Mark und für die Bekleidung der Außenfronten 4538530 Mark erforderlich waren, dann wird man zugeben müsten, daß mit verhältnißmäßig bescheidenen Mitteln geradezu Erstaunliches geleistet worden ist. Handelt es sich doch um einen gewaltigen Bau, dessen Ausdehnung mit Einschluß aller vorspringenden Flächen nicht weniger als 137,4 : 104,1 Meter beträgt. Die große Wandelhalle allein hat eine Länge von 96,17 Metern. Die Säulen, die den Giebel des Westportals tragen, haben eine Höhe von 16,7 Metern. Die Kuppel hat eine Höhe von 75 Metern. * Deutschland in Japan. Aus Japan bringt die „Münch. Allg. Ztg." folgende interessante Meldung: Nach einem Erlaß des UnterrtchtsministerS Junhe Ki müssen alle zukünftigen Abiturienten der Regierungs-Gymnasien, die in die medi- cintsche, literarisch-historisch-phtlosophische oder in die jurtstisch- cameralistische Facultät übergehen wollen, die deutsche Sprache beherrschen. Der Erlaß ist sofort in Kraft getreten. Es unterrichten an der Universität Tokio zur Zeit sieben deutsche Proskssoren, zwei in der medicinischen (darunter Professor Julius Scriba aus Darmstadt), drei in der philosophischen und zwei in der juristischen Facultät. Der Unterricht in der Medicin und in der Philosophie stand von jeher unter deutschem Einfluß. Anzeige« -er Sta-t Gietzen. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 9. December. 2. Advent. Arier des 300jährigen Geburtstags Gustav Adolfs. G o t't e s d 1 e n n An der Stadtkirche. Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dingeldey. Nachmittag? 2«/, Ubr: Kinderk rche. Pfarrer Schlo sser. Nachmittags 5 Uhr,: Pfarroerwalter Dr. G rein- Beichte und Beil. Abendmabl für die Markusaemeinbe. Anmeldungen hierzu TagS zuvor in der Wohnung des Geistlichen ober vor dem Gottesdienst in der Sakristei. Am 3 Advent (16. December) wird Beichte und heil. Abendmahl für die MatthäuSgemeinde gehalten- Anmeldungen werden vorher im Pfarrhaus (Kirchstraße) erbeten. Donnerstag den 13. December, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule vibelstnnde. Pfarrer Schlosser. An der JohanneSkirche. Vormittags 9 V,Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 2*/i Uhr: Kinderkirche der LukaSgemeinde- Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heil. Abendmahl für die Johannesgemeinde. Collecte für die Gustav-Adolf-Stiftung. Montag den 10. December, Abends 8 Ubr: Bibelftunde im Confirmandensaal der Johanneikirche. Erster Brief deS Johannes, Cap.3: Ein Blick in die Zukunft des H-rrn. Pfarrer Dr. Naumann. Am Sonntag den 16. December Beichte und hell. Abendmahl für die LukageSmeinde im Abendgottesdtenst. Katholische Gemeinde. Sonnt ag den 9. December. 2. Sonntag im Advent. Samstag: Nachmittags um 4>/, Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 67, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; „ um 6»/» Uhr erste hl. Messe. „ um 77» Uhr AustheUung der hl. Kommunion; „ um 8 Uhr zweite hl. Meffe; „ um 97, Uhr Hochamt mit Predigt. I Abends um 6 Uhr Andacht mit Segen. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast. Freitag Abend 4 Ubr, SamStag Vormittag 8^ Uhr, Nachmittag 3 Uhr, SabbathauSgang 510 Uhr. Verein für jüdische Geschichte «nd Literatur: Wetzsteingasse 8, Nachmittags 2 Uhr- 7737 A\liSeXX Stetig steigender Absatz feit 1880 findet der berühmte Holländ. Xabat im B. Becker tn ®tefttta. 10 Psd. fco. acht Mark. 7830 Submission. 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