1894 Nr 262 Zweites Blatt. Donnerstag den 8 November Der Kleiner Aazeiger erscheint täglich, mit Au-nahme beS Montag». Die Gießener Aamitienötäller werden dem Anzeiger «vdchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Zünzeiger. Bierteliähriger Avonnemeutsprelsr 2 Mark 20 Pfg. mit Vringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schukklratze SRr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieren. - ' --------- . . I . z» . «a • z- /->, • p« p — 1 Alle Annoncen.Bureaux des In- und Auslande» nehmen ■ nnaim, -on «n,ng,n ,u bn ««»m.n-gi ut b« ^rtttlößeifade: ^«ßeitet Kamtnenölaner. an8.ie,„ für b,n „fflu-S-n.r -In.e-ger- ,ntg.gm. folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr. | o ______________|_______ Deutsche- Reich. Berlin, 6. November. Der Kaiser gedenkt am 16. und 17. November die angesagten Hofjagden in Letzlingen (Hannover) abzuhalten, obwohl zu dem genannten Zeitpunkt die Berliner Hoftrauer anläßlich deS Ablebens des Kaisers Alexander von Rußland noch nicht beendigt ist. Darüber, welche Fürstlichkeiten insgesammt an den Letzlinger Jagden theilnehmen werden, ist noch nichts bekannt. — Die Hinausschiebung der Eröffnung des Reichstages vom 15. November auf den 5. December, welche infolge der stattgehabten wichtigen Personalveränderungen nothwendig geworden war, ist gewiß in mancher Beziehung recht bedauerlich, namentlich in Hinblick auf das den Reichstag auch diesmal erwartende außerordentlich reichhaltige ArbeitSmaterial. Anderseits kommt indessen die beliebte späte Einberufung deS Parlamentes doch dem Stande der Arbeiten für die wichtigeren zu erwartenden Vorlagen zu statten. Denn infolge deS Zusammentritts des Reichstages erst im December dürfte es bestimmt möglich sein, ihm gleich bei seiner Eröffnung den gesammten Etat, dann die Vorlagen gegen die Umsturzbestrebungen und gegen den unlauteren Wettbewerb, die Tabakfabrikatsteuer-Vorlage und wohl noch ein paar kleinere Sachen zu unterbreiten. An Arbeitsstoff wird eS demnach dem Parlamente beim Beginne seiner Thättgkeit nicht fehlen, schade nur eben, daß dieselbe alsbald wieder unterbrochen werden muß, da ja kaum 14 Tage nach der Einberufung deS Reichstages schon deffen WeihnachtS- ferien anheben. — Die bisherigen Meldungen über die Unterwerfung Hendrick Witbois unter die deutsche Herrschaft in Südwestafrika hatten es noch als ungewiß erscheinen laffen, ob der rebellische Hottentoten-Häuptling denn auch selber in die Hände der Deutschen gefallen fei. Neuere Mittheilungen auS Deutsch-Südwestafrika bestätigen nunmehr, daß sich Hendrick Witbot in deutscher Gefangenschaft befindet. Was jedoch sein Loos sein wird, darüber geben auch sie noch keine Auskunft, vielleicht, daß hierüber noch keine Entscheidung getroffen ist. — In verschiedenen Zeitungen begegnet man gegenwärtig irrrhümlichen Angaben über das „Gehalt" deS bisherigen Statthalters Fürsten von Hohenlohe- Schillingsfürst, für daö man sich interessirt, weil er fortan als Reichskanzler nur 36000 Mark Gehalt und 18000 Mk. Repräsentationsgelder beziehen wird. Nach dem LandeShauShaltSetat für Elsaß Lothringen 1894—95 bezieht der Statthalter, der Vertreter des deutschen Kaisers, überhaupt kein Gehalt, wohl aber 200000 Mk. für Repräsentationskosten und 15 000 Mk. für Reisekosten. Weiterhin sind im Etat vorgesehen 45 650 Mk. an Besoldungen sür das Statthalter-Bureau, 2000 Mk. für sonstige persönliche Ausgaben, für Hilsskräfte oder Remunerationen und Unterstützungen, 6000 Mk. Diäten und Reisekosten der Bureaubeamten und der Begleitung des Statthalters, 3320 Mk. als Miethe an die Stadt Straßburg für Wohnungs- und Geschäftsräume, 13 280 Mk. als jährliche Vergütung an den Bezirk Unter-Elsaß sür die Ueberlaffung der Wohnung und der Geschäftsräume deS Statthalters selbst (daS sogenannte Statthalter-PalaiS ist die bei der Belagerung zerstörte und dann wieder herge- stellte ehemalige Präfectur, die seiner Zeit von dem Departement BaS-Rhin gebaut worden ist), 215O0Mk. für Heizung, Beleuchtung und Reinigung der Wohnung und der Geschäftsräume, sür Geschäftsbedürfniffe und sonstige Ausgaben, einschließlich der Portokosten, Steuern und Feuerversicherungs- Prämien, endlich 26000 Mark zur Unterhaltung der Wohnung, des Bureaus und des Gartens einschließlich der Neubeschaffung. Im Ganzen figuriert somit die Statthalterschaft in dem reichsländischen Haushaltsetat mit einem Betrage von 332750 Mark in den fortlaufenden Ausgaben. Ausland. Paris, 6. November. Merkwürdiger Weise waren am Montag auch die beiden Häuser des französischen Parlaments Schauplatz von Kundgebungen anläßlich des Hin- schetdens des Kaiser- Alexander, nur daß deren Verlauf er- heblich von den Vorgängen in der österreichischen VolkSver- tretung abstach. Im Senat und in der Kammer brachten die Präsidenten ein Schreiben des Ministerpräsidenten Dupuy zur Verlesung, welches dem Schmerze Frankreichs über den Heimgang des Czaren Alexander Ausdruck verleiht. Alsdann fügten sowohl der Kammerpräsident Burdeau als auch der Senatspräsident Challemel-Lacour noch einige Worte der Trauer und des Schmerzes über den Tod des Kaisers Alexander hinzu, wobei allerdings namentlich Herr Burdeau sich nicht enthalten konnte, die Freundschaft zwischen Frankreich und Rußland in etwas überschwenglicher Weise zu feiern. Schließlich wurde in beiden Häusern die Sitzung zum Zeichen der Trauer aufgehoben. — Der Bruch zwischen Frankreich und Mada- gaScar ist fertig. Die Howasregierung hat auf das ihr überreichte Ultimatum des französischen Specialgesandten Le Myre de Vilers erwiedert, sie werde sich nur der Gewalt unterwerfen. Die französischen Unterthanen auf Madagascar verlaffen die Insel, Le Myre de Vtlers selber befindet sich wieder auf der Rückreise von der Hauptstadt Antananarivo nach dem Hafenplatze Tamatave. Dem Vernehmen nach will indessen die französische Regierung im Hinblick aus die beginnende Regenzeit keine größere Action auf Madagascar unternehmen, sondern sich mit der Besetzung der Häsen Tamatave und Majunga begnügen. Veru-ischte-. D. Frankfurt a. M., 5. November. Dem zoologischen Garten wurden in der vergangenen Woche wieder sür über 1000 Mark Thiere geschenkt, nämlich eine Anoa, (eine zwerghafte Büffelart von der Insel CelebeS), sowie em Heimkasuar. Diese Vogelart besitzt keine Federn von der Form der andern Vögel, sondern während der Körper eine Art Wolle zur Bekleidung hat, bestehen die Flügelfedern nur auS Kielen, denen die Fahnen fehlen. Natürlich kann der Vogel damit nicht fliegen, vermag aber, wie die Strauße, um so schneller zu laufen. Angekauft wurden, über hundert Seenelken für daS Aquarium und ein rotheS Riesenkänguruh. * Wiesbaden, 2. November. Ein plötzlicher Tod ereilte hier eine zur Kur weilende Dame auS Hamburg. Darüber, daß sich ihr Hund mit einem anderen Hund herumbiß, gerieth die Dame in eine solche Aufregung, daß sie wie leblos auf die Straße fiel. Sie wurde sofort in den nächsten Laden gebracht, wo nach wenigen Minuten der herbeigerufene Arzt nur noch den Tod feststellen konnte, der infolge einer Herzlähmung eingetreten war. * In London verwendet ein Mann mit 40 000 Mk. Einnahme nur 4000 Mk. für sich — die übrigen 36000 M. giebt er der Mission. Ein anderer mit gleicher Einnahme spendet jährlich 35 2O0M. für christliche Zwecke. Eine Frau mit 2000 Mk. Einnahme giebt die Hälfte der Mission. — Eine Fabrikarbeiterin gab schon fünfmal je 200 Mk. für humanitäre Zwecke. Und dies alles in der Gemeinde eines Londoner Geistlichen! Da kann man verstehen, wie dte Engländer im Jahre 27 263000 Mk. für christliche Liebes- werke zur Verfügung haben. Citeratar und Rrrnst. — Riesen und Zwerge. Die Märchengestalten unserer Kindertage werden Wahrheit; leibhaftig stehen sie vor unS, die Riesen und die Zwerge. Man nehme das neueste (achte) Heft der illustrirten Familtenzeitschrtft ,»ör Alle Welt* (Berlin W., Deutsche» Ver- lagshau» Bong & Eo., Preis des VterzehntagShefte» 40 Pfg.) jur Hand und fchlage dte letzte Seite auf: da sind sie nicht nur beschrieben, sondern auch abgebildet — der Riese Hassan Ali und die Zwergin Topase. - ES ist ein Vergnügen, „Für Alle Welt" immer wieder zu empfehlen, weil die Zeitschrift in Text und Bildern stets 9tcue« und Interessante» bringt. Wer gute, sesselnde Romane lesen, au« gemeinverständlichen Artikeln sich belehren, an Hvmor nach de« Tages Mühen sich erquicken und an vollendetem Btlderschmuck nch erfreuen will, der findet in „Für Alle Welt" eine unerfchöpfliche Quelle. _____________ — Wir nehmen heute Veranlassung, auf ein Werk zurückzu- kommen, auf das wir fchon früher Gelegenheit hatten, unsere Leser aufmerksam zu machen. ES ist dies der „Deutsche Kaiser-Saal*, Geschichte der deutschen Kaiser in Biographien von Bruno Gebhardt (Stuttgart, Union Deutsche Derlagsgesellschaft), von öd<6em uns dte Schlutzlteferungen vorliegen. Die ganze Anlage de» Werke« ist so recht geeignet, dasselbe als ein Familienbuch eisten Range- gelten zu lassen, das jeder Bibliothek zur Zierde gereicht und al» geschichtliches Nachschlagewerk sowohl für den Laien als Gelehrten einen großen Werlb besitzt. Der Preis für das complete Werk mit 15 Mk. ist ein mäßiger zu nennen. Feuilleton. Eine Elkphanlknjsgd. Von M.artin Herrmann. (Schluß.) Glücklicher Weise waren seine Gefährten in der Lage, auf den Elephanten schießen zu können. Wüthend warf derselbe, um seine Feinde beffer angretfen zu können, Sir Williams wieder zur Erde und rannte mit gesenktem Haupte auf das Gros der Jäger los. Von den Folgen dieses Sturzes konnte sich Sir Williams nur langsam und erst nach Wochen wieder erholen. Mein Gastgeber gab mir nach diesem Vorfall den Rath, nie auf einen jungen Elephanten zu schießen, da sich die Eltern des kleinen ThiereS sofort auf die Angreifer stürzen. Lächelnd hörte ich die Ermahnung Str Williams an, obwohl mir die Lippen vor Erregung zitterten. „Sie sollen selbst urtheilen," entgegnete ich ihm. Während ich diese Worte sprach, war ich fest ent- schloffen, überhaupt nicht auf einen Elephanten zu schießen, sondern mein Gewehr in die Luft abzufeuern. Doch sagte ich nichts, um die Eigenliebe meiner Gefährten nicht zu verletzen. Da plötzlich, während Str Williams uns noch seine Instructionen ertheilte, hörten wir lautes Geschrei. Dies Geschrei stießen unsere Negei auS, welche die Elephanten auS ihrem Versteck aufgestöbert hatten. Mit einem Male vernahmen wir wüthendeS Trompetengeschmetter und fühlten, wie die Erde unter unseren Füßen erbebte. Etwa zwanzig Elephanten kamen in schnellem Trabe auf dem einen Wege und drei auf einem anderen Wege auf uns zngeftürzt- diese drei rohren Männchen, Weibchen und ein Junges. „Sir Williams," rief ich, „ich überlaffe Ihnen die Schaar- aber ich bitte mir diese drei zu überlasten!" Dann wandte ich mich zu meinen Dienern und rief: „Vorwärts, kommt mit mir!" Mit diesen Worten nahm ich ein» der drei Gewehre und stürzte den drei Elephanten entgegen. Ich hätte einen Schutz hinter einem Baume suchen können, stellte mich aber mitten auf dem Wege hin. Zwei meiner Neger zitterten an allen Gliedern und ihr Gesicht spielte vom Ebenholzschwarz inS Grau der ManS- färbe über. Nur einer erschien muthtg und entschlosten. „Wer Furcht hat, mag sich fortscheeren!" „Ich bleibe!" rief der eine. Die beiden andern antworteten nicht, aber sie betrachteten entsetzt die Elephanten, welche nur noch einige hundert Schritte von unS entfernt waren. „Nimm ein Gewehr in jede Hand," sagte ich zu dem beherzten, „und halte Dich bereit, sie wir, je nachdem ich sie brauche, zuzureichen." Seine beiden Kameraden ließen sich ihre Gewehre ohne jeden Widerstand nehmen. Dann, während die Elephanten immer näher kamen, dachten sie an ihre Sicherheit. Ich kann nicht sagen, was aus ihnen geworden ist, denn ich hatte die Augen starr auf die drei Coloste gerichtet. Als mich dreißig Schritte von den Ungeheuern nur noch trennten, fistg ich an, auf baß Junge zu zielen. Es galoppirte zwischen seinem Vater und seiner Mutter einher. Auf zwanzig Schritt gab ich Feuer. DaS Junge blieb stehen, wankte, als ob es betrunken wäre, und fiel dumpf zur Erde. DaS Weibchen stieß einen herzzerreißenden Schrei aus und machte Halt, gleichsam, als wenn eß den Gefallenen aufheben wollte. Daß Männchen aber stürzte geradeswegs auf mich zu. Auf sechs Schritte Entfernung schoß ich ihm eine Kugel in die Stirn. Ich war dabei zur Seite gesprungen und hatte gleichzeitig das zweite Gewehr ergriffen. Der Elephant stürzte auf mich loß, fiel aber vorher auf beide Kniee. Ich beunruhigte mich darüber yicht, denn ich sah an seinem Auge, daß er sich nicht mehr erheben würde. Jetzt wandte sich daß Weibchen zu mir und Überließ daß Junge seinem Schicksale. Als es zwei Schritte von mir entfernt war, sprang ich zur Seite und feuerte ihm zwei Schüsse inS Ohr. Die Wirkung war geradezu ver- heerend- wie ein Eichbaum sank daß Thier zusammen. Befriedigt setzte ich mich nun auf den kleinen Elephanten, nahm meine Cigarrentasche heraus, zündete mir eine Cigarre an und brachte zum Zeichen meines Triumphes meinem Gastgeber die drei Elephantenschwanze mit heim. Die Übrige Gesellschaft hatte zwei Menschenleben ver» loren- zwei Neger waren von fallenden Elephanten zerdrückt worden. Annahme Agenden T- neue T< sein sollte, Berichttgu noch zu ö; «ine fürcht die genau, sammentri Beftiwmth dem dersel den Miräfd Endlich hei die Wnr fit würden breitet werb' - Ä Bmder der ftan^ati der Lchluf äußert, ei eine solche lote fie sch anwesenden erklärten ss beim Zusai Degründur Herren v. Düllingrn Lttlio, Preußen: nachPrier bei der Bei Die hie u Kaiser Wilh Petersburg Ehre zu er tta8 u. A. hckuuz der em 16. und -D< anerkannt, ssficteüe Z zum Präfi D- chiehener „scheint mit Aurn ÜJloni Die ®" AamilU" mrrbflt W wSchentl'ch, beizel. L Berln Genrratver ein gcher den Erba, zum Eh, ihm auße, in der au iwer Kun Weise dt, Medaillen Verleihung dorgesch/ag Anregung Die Dersau «"iigte sich Erklärung b, ^.Verleih Kmserö un Zahlten na ^tersbr Mächtigen < SL-x L'S «L- «■