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Der Kaiser trat am Sonntag früh 8 Uhr an Bord der „Hohenzollern" die Ueberfahrt nach England von WilhelmShafen aus an. Die Kreuzerfregatte „Prinzeß Wilhelm" folgte der „Hohenzollern". — Eine Abänderung des Vereinsrechts behufs Bekämpfung der socialrevolutionären Agitation ist Seitens der preußischen Regierung geplant, wie sich einer Mittheilung der „Nordd. Allg. Ztg." entnehmen läßt. Ueber den Inhalt einer in dieser Hinsicht etwa zu erwartenden Vorlage macht daS Blatt indessen noch keine weiteren Angaben, es begnügt sich vielmehr, im Allgemeinen auf die entsprechenden scharfen Bestimmungen des sächsischen und des Hamburgischen Versammlungsrechts hinzuweisen. — Es bestätigt sich, daß zwischen dem kaiserlichen Landeshauptmann für Deutsch-Südwestafrika, Major Leutwem, und dem rebellischen Hottentotten-Häuptling Hendrick Witboi Friedensunterhandlungen eingeleitet worden sind. Major Leutwein verlangt die freiwillige Stellung Witbois in dem deutschen Hauptquartiere Windhoek, wo der Häuptling einstweilen in ehrenvoller Haft gehalten werden würde; außerdem soll er seine Waffen und seine Munition ausliefern. Bis zum 1. August war ihm vom Major Leurwein Bedenkzeit gewährt worden, sodaß die nächste Post aus Deutsch-Südweft- afrtka wohl die Mittheilung über die Entschließungen Witbois bringen dürfte. Berlin, 5. August. Ein amtlicher Bericht aus Tokio an die hiesige japanische Gesandtschaft bestätigt den Sieg der Japaner bei Asan. Darnach wurden am 2. Juli die chinesischen Verschanzungen bet Chanho in der Nähe von Asan erstürmt. Von 2800 Chinesen sind 500 gefallen. Die Japaner verloren 5 Offiziere, 70 Mann und eroberten 4 Kanonen und viel Material. Sie besetzten daS chinesische Hauptquartier. Posen, 5. August. Nach amtlicher Mittheilung aus Russisch-Polen wüther daselbst die Cholera noch sehr stark, besonders in den Gouvernements Kjelzy und Radom. Karlsruhe, 5. August. Der Bund der Ritter des Eisernen Kreuzes hielt heute im großen Rathhaussaale seine Delegirtenversammlung ab, die von dem Bürgermeister Siegrist begrüßt wurde. Es waren 41 Vereine mit 7000 Mitgliedern vertreten. In der Frage des Ehrensoldes für die Ritter des Eisernen Kreuzes beschloß die Versammlung, ein Immediatgesuch an den Kaiser zu richten, worin die Regelung der Frage Sr. Majestät überlassen wird, und sich mit einer Petition an den Reichstag zu wenden, daß die in das Ermessen Sr. Majestät gestellte Summe aus Reichs- Mitteln bewilligt werde. Der Jahresbeitrag wurde auf 25 Pfg. für das Mitglied festgesetzt. Die Gründung eines Vereinsorgans wurde abgelehnt. Ueber die Veröffentlichung der Angriffe des Kyffhäuser-Denkmals-Ausschuffes in der „Parole" drückte die Versammlung ihr Bedauern aus. Darnach wurde eine Reihe von Beschlüssen über innere Bundesangelegenheiten gefaßt. Die Versammlung richtete Begrüßungstelegramme an den Kaiser, den Großherzog von Baden und den Fürsten Bismarck. An die Verhandlungen schloß sich heute Nachmittag ein Festmahl in der Festhalle und Abends ein Banket an. Ausland. Bafel, 5. August. Der dritte internationale Tabak- und Cigarrenarbeiter-Congreß wurde heute durch einen Demonstrationszug der hiesigen Arbeitervereine eröffnet. In der Burgvogtei fand die Begrüßung der Delegirten durch mehrere Ansprachen statt. Aus Deutschland find drei, der Schweiz fünf, Belgien fünf, Holland zwei, Luxemburg und Dänemark je ein Delegirter angekommen, vereinzelte folgen noch. Eine Festvorftellung schloß den Eröffnungstag. Venedig, 5. August. Der „Gazette" zufolge sind bereits 300 Anarchisten zur Deportation nach Maffaua bestimmt. Paris, 5. August. Herrn Turpin geht es in Frankreich mit seiner neuersundenen Kugelspritze wie Herrn Dowe in Deutschland mit seinem „kugelsicheren" Panzer — die Regierung und die maßgebenden Kreise verhalten sich zweifelnd gegen die Erfindung. Dem französischen Kriegsminifter ist soeben von der zur Begutachtung von Erfindungen bestehenden Commission Bericht über die erwähnte Erfindung Turpins erstattet worden. Der Bericht spricht sich über letztere ziemlich abfällig aus, erkennt zwar die hierbei vorwaltende „geistreiche Idee" an, meint aber, dieselbe verbürge noch keinen Erfolg und kommt zu dem Schluffe, Turpin solle zunächst practische Versuche mit seiner Erfindung anstellen. Ob dieselben derart aussallen werden, daß dann die französische Regierung Herrn Turpin die famose Kugelspritze — dieselbe soll bekanntlich im Stande sein, gleich ganze Bataillone zu vernichten — schleunigst abkauft, das bleibt also noch sehr abzuwarten. Marseille, 5. August. Einer der gefährlichsten Anarchisten Namens Auguste wurde nebst seiner Frau verhaftet. Es wurde bei ihm eine umfangreiche Correspondenz und Sprengstoffe beschlagnahmt. Feuilleton. Wetterpropheten aus dem Thierrrichk. Von Friedrich Thieme-Jena. (Nachdruck verboten.) Die Vorherbestimmung des Wetters ist das Schmerzenskind der Wissenschaft. Trotz aller Beobachtungen will es sich noch immer in keine wissenschaftliche Regeln fügen und die Wetterprognosen in den Zeitungen fordern, wenn auch höchst ungerechter Weise, sehr oft den billigen Spott des Publikums heraus, das sich über Werth und Zweck derselben in den meisten Fällen unklar ist. „Es regnet, wenn es regnen will" — dieses Wort des Altmeisters Goethe hat eben immer noch seine Geltung, wir suchen hinsichtlich der Witterungserscheinungen bisher ebenso vergeblich nach dem „Warum" als nach dem „Wann" und müssen alles von der Zeit hoffen, da die Meteorologie eine verhälrnißmäßtg junge Wissenschaft ist. Und doch bildet gerade die Entdeckung deren Möglichkeit einer einigermaßen zutreffenden Wettervorherbestimmung eine der wichtigsten Aufgaben der Cultur. Schon frühzeitig hat der Mensch die Nothwendigkeit, im Jntereffe seiner Thätigkeit einige Zeit vorher auf den Zustand der Witterung schließen zu können, erkannt, schon früh hat er auf Grund seiner Beobachtungen der Natur das Wetter mit mehr oder weniger Glück zu bestimmen versucht, und zwar hat er, da er nicht in das Wesen der Sache etnzudringen vermochte, aus den äußeren Erscheinungen zu lesen versucht und sich eine Art Symptomencomplex auS der sichtbaren Natur gebildet, der sich mit wenig Ausnahmen an die nähere Umgebung des Beobachters anlehnt und deffen Symptome je nach der Gegend wechseln. Aus den LebenSoorgängen der Thiere und Pflanzen, aus den Erscheinungsformen der Gestirne, auS den Wolken- und Nebelbildungen, sowie aus zahlreichen anderen Dingen sucht der Mensch gutes oder schlechtes Wetter, einen zeitigen oder späteren Frühling, einen milden oder harten Winter, Ueppigkeit oder Dürre zu prophezeien, eine Methode, in welcher sich besonders scharfe oder erfahrene Beobachter, wie z. B. die fast immer im Freien befindlichen Schäfer, eine außerordentliche Fertigkeit und durch dieselbe hohes Ansehen erworben haben. Freilich haben sich auch Aberglaube und Charlanterie der Sache bemächtigt und zwar in so höherem Grade, als die Wettervorherbestimmung schwierig und wichtig zugleich ist, besonders wichtig für den von dem Welter, dem Typus des Unbeständigen, so völlig abhängigen Landmann - wer daher seine Prognosen auf Grund der auf jenen Symptomenbeobachtungen beruhenden Volksregeln aufstellen will, der muß scharf zwischen denjenigen unterscheiden, welche bloßem Aberglauben entsprossen, oder denen, welche auf wirklicher Erfahrung begründet sind. Eine große Rolle spielte von Anfang an bet der Volks- thümlichen Wetterbestimmung die Thier weit. Schwalben, Bienen, Mücken, Spinnen, Frösche, Raben, Regenwürmer, Maulwürfe, Käser, Fledermäuse, Kröten, Störche, alle er- sreueu sich als Wetterpropheten größeren oder geringeren Ansehens, ja, der Laubfrosch und der Egel machen heutzutage noch sogar dem Barometer und den Zeitungsprognosen Con- currenz. Die Gebildeten lachen allerdings über den grün- befrackten, quakenden Wetterkundigen im schmutzigen Wasser- glase und verweisen die ganze Art und Weise der Welterbestimmung seitens des Volkes ohne Weiteres auf das Gebiet des Aberglaubens. Nicht ganz mit Recht, denn ein gewiffer Werth ist derselben nicht abzusprechen, wenn sie an sich auch ebensowenig untrüglich ist, als zur Zeit noch diejenige der Meteorologen, die natürlich aus ganz anderen Gesichtspunkten heraus betrachtet und gewürdigt werden muß. Die Erfahrung und Beobachtung hat die meisten der noch jetzt giltigen Wetterregeln geschaffen, ohne sich der Ursache ter beobachteten Erscheinungen bewußt zu sein — London, 5. August. Wie Reuters Bureau erfährt, findet zwischen Beamten der chinesischen Gesandtschaft und den Vertretern einer bekannten Geschützfabrik ein reger Verkehr statt. Es werden Contracte für große Lieferungen von Kriegsmaterial für China abgeschloffen. Nerreste Nachrichten» Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bnrearr. Breslau, 6. August. Die „Schlesische Zeitung" meldet aus Bielschowitz (Kreis Zabrze): „Gestern fand anläßlich einer Versammlung socialdemokratischer polnischer Arbeiter ein arger Exceß statt. Die Gendarmerie feuerte und verwundete eine Frau tödtlich. Die Menge zerstörte ein Haus- Infanterie aus Beuthen stellte die Ordnung her. Jetzt ist Alles ruhig, das Militär zurückgezogen. Leipzig, 6. August. Der Verbandstag der deutschen Buchbinderinnungen beschloß, den nächstjährigen Verbandstag in Berlin abzuhalten, weil die Berliner Buchbinderinnung im künftigen Jahre ihr 300jähriges Jubiläum feiern wird. Worth, 6. August. Die Ritter des Eisernen Kreuzes besuchten heute die Schlachtfelder von Wörth. Leitner-München legte am Bayerndenkmal unter einer ergreifenden Rede einen Strauß Alpenrosen und Edelweiß nieder. Auf den Wörther Höhen entwarf Rittmeister Wesener ein interessantes Bild der heute vor 24 Jahren gewonnenen Schlacht. Maastricht, 6. August. In den letzten 48 Stunden sind hier fünf Erkrankungen und drei Todesfälle an Cholera vorgekommen. Seit dem 29. Juli sind im Ganzen 44 Personen erkrankt und 18 gestorben. Cowes, 6. August. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm ist heute Nachmittag um 3 Uhr an Bord der „Hohenzollern" Hierselbst eingetroffen. Am Eingänge des (Solent wurde Se. Majestät von dem Chefcommandeur von Portsmouth, Sir Nowell Salmon, empfangen, welcher in seiner Dienstyacht die „Hohenzollern" an dem festlich geschmückten Portsmouth vorüber nach Cowes geleitete. In Spithead gaben das Wachtschiff „Pallas" und die Salutbatterie Ehrensalven ab. Von Cowes, aus waren der Herzog von Connaught, Prinz Heinrich von Battenberg und Prinz Christian von Schleswig-Holstein in einer Königlichen Schaluppe Seiner Majestät entgegengefahren. Se. Majestät begab sich nach der Landung alsbald zur Begrüßung der Königin nach Osborne. Petersburg, 6. August. Die Hochzeit der Großfürst t n L e n i a mit dem Großfürsten Alexander Mtchajlowisch ■»»M——MS soweit die Thierwelt in Frage kam, wurde, falls nicht abergläubische Vorstellungen vorherrschten, die Warnehmung einfach auf Rechnung des Jnstincts der Thiere gesetzt. Damit allein ist die eigenartige Erscheinung der Vorher- verkündigung atmosphärischer Veränderungen durch manche Thiere und Pflanzen aber noch nicht erklärt. Wir müffen dieselbe vielmehr einer besonderen Empfindlichkeit zuschreiben, welche die betreffenden Thiere schon auf Erscheinungen reagiren läßt, die wir überhaupt noch nicht wahrnehmen oder die für uns erst nach einer gewiffen Zeit, vielleicht erst nach Stunden, wahrnehmbar werden. Empfindet doch schon der Mensch den Eintritt atmosphärischer Ereignisse in zahlreichen Fällen vorher, ich erinnere nur an die Schwere und Mattigkeit, welche manche Menschen oft stundenlang vor Ausbruch eines Gewitters infolge der Schwüle der Luft in den Gliedern fühlen, — warum sollte nicht das Thier, dessen Sinne in vieler Hinsicht weit reicher ausgestattet sind als die des Menschen, auch im Hinblick aus die doch so gewaltigen Naturerscheinungen eine größere Empfindungs- oder Wahrnehmungsfähig, feit besitzen? Wenn man nun auch die Existenz einer solchen Fähigkeit zugibt, so bleibt doch die Frage offen, ob sie insonderheit bei den Thieren vorhanden ist, welchen der Volksmund seit alten Zeiten die Gabe der Wetterprophezeiung zuspricht. Die Beantwortung dieser Frage ist sehr schwer, da nachgewiesenermaßen der „Instinkt" der Thiere in vielen Fällen täuscht. Sv treffen nicht selten Schwalben und (Staare, von der herrschenden milden Witterung betrogen, ungewöhnlich zeitig ein, woraus Optimisten ebenfalls auf einen zeitigen Frühling schließen, während in Wahrheit noch ein sehr kalter Nachwinter eintrat, unter dessen Wirkungen die armen Vögel außerordentlich zu leiden haben. (Fortsetzung folgt.) hat heute Nachmittag 2 Uhr nach dem festgesetzten keremoniell stattgefunden. Depeschen bei Bureau .Herold". Berlin, 6. August. Die „Nordd. Allgem. Zeitung" dementirt die Blättermeldung, wonach Reichskanzler Graf Capriv-i auf der Rückreise von Wilhelmshaven auf dem Bahnhofe zu Stendal ein längeres Gespräch mit dem Grafen Herbert Bismarck gehabt haben sollte. — Der „Reichsanzeiger" empfiehlt der deutschen Geschäftswelt, Waaren auf Credit nur an solche ausländische Firmen zu liefern, über deren Zuverlässigkeit und Zahlungsfähigkeit sie zuvor sorgfältige Erkundigungen bei vertrauenswerthen Auskunfts- ftellen eingezogen haben. — Mehrere seit einiger Zeit in Berlin weilende japanische Offiziere, welche sich hier aufhielten, um die deutschen Armeeverhältnisie kennen zu lernen, haben Befehl erhalten, fofort in die Heimath abzureisen, um im Kriege gegen China die in Deutschland erworbenen militärischen Kenntnisie zu verwerthen. Fünf Osfi« ziere sind bereits abgereist. Berlin, 6. August. Die Besserung in dem Befinden des Geheimen Raths von Helmholtz ist andauernd so fort- schreitend, daß der Patient heute zum ersten Male eine halbe Stunde das Bett verlasien konnte. Das Gesammtbefinden ist befriedigend. Leipzig, 6. August. Der sächsische General-Staatsanwalt Held dehnte, wie der hiesige „Generalanzeiger" meldet, die Verfügung vom Jahre 1891, wonach den Subalternbeamten der sächsischen Staatsanwaltschaften die Betheiligung an politischen Vereinen untersagt wird, auch auf die Krt e g e r - vereine aus. München, 6. August. Nach einer Mittheilung der „M. N. N." hat der Bischof von Passau angeordnet, daß in das bischöfliche Knabenseminar in Metten kein Zögling mehr ausgenommen werden darf, dessen Vater Mitglied des bayerischen Lehrervereins ist. Budapest, 6. August. Unter den Feldarbeitern im Alföld bei Vasarhelh macht sich wieder eine starke Gährung bemerkbar. Es ist daher von Szegedin nach der bedrohten Gegend Militär abgegangen. Paris, 5. August. Heute begannen vor dem Seine- assisenhof die Verhandlungen in dem großen Anarchisten- prozeß. Derselbe wird die ganze Woche beanspruchen. Fünfzig Zeugen find vorgeladen. Die Angeklagten befinden sich in der Conciergerie und zwar in Einzelhaft, um jeder anarchistischen Propaganda im Innern des Gefängnisses vorzubeugen. Paris, 6. August. Gegen die ausländischen Blätter, welche die Erklärungen Casertos veröffentlicht haben, werden in Frankreich keine Specialmaßregeln getroffen. Paris, 6. August. Der französische Forschungsreisende Dutreuil ist in Tibet ermordet worden. Frankreich sandte infolge dessen eine energische Reclamationsnote an die chinesische Regierung in Peking. Rimes, 6. August. Eine Compagnie des 163. Infanterieregiments ist gestern Abend nach Aigues-Mortes abgegangen, wo wieder Unruhen zwischen den französischen und italienischen Arbeitern ausgebrochen sind. Loudon, 6. August. Der „Standard" glaubt, daß der Krieg zwischenJapan und China lange dauern werde, da entscheidende Kämpfe erst im Frühjahr ftattfinden könnten. Das Blatt fügt hinzu, daß China mit England und Rußland Schwierigkeiten bekommen würde und daß diese beiden Mächte gemeinsam vorgehen sollten, um die Feindseligkeiten zu hindern- sonst müßte England seine Flotte in den coreanischen Gewässern bedeutend verstärken. — Die „Morning Post" schreibt, England werde Japan nie gestatten, sich Koreas zu bemächtigen. Localer nn6 provinzielle» Gießen, den 7. August 1894. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Ver- sammlung Donnerstag den 9. August 1894, Nachmittags 4 Uhr pünktlich: 1. Gesuch des Gastwirths Albold um Erlaubniß zur Entnahme von Wasser aus dem Stadtbach. 2. Gesuch der Gebr. Schwan und Genossen um Erlaubniß zur Wasserabführung aus ihren Häusern in der Wallthorstraße. 3. Reinhaltung der Straßen; hier: Kehricht- absuhr. 4. Gesuch der Obsthändlerin Jung von Großen- Linden wegen Errichtung eines Verkaufsstandes an der Bahnhofstraße. 5. Desgleichen der Heinrich Köhler Wittwe zur Errichtung eines Wafferhäudchens. 6. Anlage der Senckenbergftraße - hier: Einfriedigungen. 7. Ausführung der Ortsfeuerlöschordnung - hier: Telephonanlage für die Wohnung des städtischen Zeugwarts. 8. Erbauung von Marktlauben; hier: eines Bedürfnißhäuschens. 9. Das am 18., 19. und 20. August stattfindende 16. Feuerwehrfest- hier: Vertheilung der Festschrift. 10. Umbau des Bahnhofs Gießen- hier: Weguntersührung und Ueberlassung einer städtischen Wiese als Lagerplatz. 11. Gesuch des Theodor Geilsuß um Erlaubniß zum Bauen in der Marktstraße. 12. Errichtung einer kaufmännischen Fortbildungsschule- hier: Gesuch um Verwilligung eines städtischen Zuschusses 13. Gesuch des Johannes Häuser um Concessionsertheilung zum Gastwirthschaftsbetrieb im Hause Liebigstraße. ** Der Präsident der „Hasfia", Herr Oberstlieutenant Caspary, hat an die Kriegervereine des Landesverbandes folgende Bekanntmachung erlassen: „Nachdem Se.Königl. Hoheit der Großherzog die auf mich gefallene Wahl zum Präsidenten der „Hassia" Allergnädigst zu bestätigen geruht haben, habe ich heute den Dienst übernommen und entbiete den alten Kameraden meinen herzlichen Gruß! Unsere Parole fei auch fernerhin für alle Zeit: Hoch unser Kaiser und f Großherzog! Mit Gott fürs deutsche und hessische Vaterland. ; gez. Caspary." ** Gut abgelaufen. Am Neubau der Jrrenklinik stürzte gestern Nachmittag ein Weißbinder aus dem zweiten Stockwerk herab in den Keller. Derselbe kam glücklicherweise mit einer geringfügigen Verletzung davon. ** Ueber ein interessantes Urtheil des ReichsverficherungT' ondeS wird der „Kl. Pr." aus Berlin berichtet: Ein Maurer war damit beschäftigt, auf einem Dache die Fugen eines Schornsteins auszuschmieren- gleichzeitig waren auch Klempner auf dem Dache thätig. Der Maurer hatte sich eine Flasche Branntwein mitgebracht und in seine Nähe gestellt. Als er trinken wollte, vergriff er sich, trank aus einer Flasche, die den Klempnern gehörte und mit Salzsäure gefüllt war, und starb bald darauf. Die Baugewerks-Beruss- genossenschaft wies die Ansprüche der Hinterbliebenen zurück- das Schiedsgericht entschied sodann zu Gunsten der Kläger. Den Recurs der Berussgenossenschaft verwarf das Reichsversicherungsamt. In der Motivirung heißt es u. A.: „Liegt der Fall so wie hier, daß der Arbeiter bei der Ausführung der Absicht, sein von ihm mitgebrachtes Getränk zu genießen, sehlgreift und statt der dieses enthaltenden Flasche eine andere durch den Betrieb in unmittelbare Nähe seines Arbeitsplatzes gebrachte Flasche erfaßt, die eine lediglich für Betriebszwecke bestimmte Flüssigkeit enthält, aus dieser etwas zu sich nimmt und sich dadurch schadet, so sind alle Voraussetzungen für den Betriebsunfall erfüllt. Grünberg, 5. August. Gestern brachte man hier die sterblichen Ueberreste des practischen Arztes Dr. A. Hille, eines Mannes von einfachem Wesen und reichem Gemüths- leben, zur letzten Ruhe. Er hinterläßt eine Wittwe mit drei unerwachsenen Kindern. Damit ist eine begehrenswerthe Stelle für einen tüchtigen Arzt frei geworden. Die hiesige Sparkasse zahlt jedem unserer beiden Aerzte 1000 Mark für Behandlung hiesiger und auswärtiger Ortsarmen. Darmst. Tgl. Anz. Darmstadt, 5. August. An der hiesigen festlich geschmückten Militärschwimmschule fand gestern Nachmittag um 5 Uhr das Abschwimmen der Schwimmschüler der ge- sammten Garnison statt. Hierzu hatten sich der Commandeur des 115. Infanterie-Regiments, eine große Anzahl Offiziere sämmtlicher Truppentheile, sowie ein äußerst zahlreiches Publikum eingefunden, welche den dargebotenen Leistungen mit großem Interesse folgten. Unter den Klängen der gesummten Kapelle des 115. Regiments fand zunächst innerhalb des Schwimmbassins Preistauchen nach geworfenen Geldstücken und werthvollen Gegenständen statt und blieben die Taucher im Besitz der gefundenen Stücke. Hierauf folgte Schwimmen mit Gepäck, Hechtschwimmen und Springen in verschiedenen Stellungen von dem etwa 10 Mtr. hohen Sprungbrett innerhalb und außerhalb des Bassins. Sämmt- liche Uebungen erfolgten mit großer Präcision und legten Zeugniß davon ab, daß sämmtltche Mannschaften zu vorzüglichen und unerschrockenen Schwimmern durch die Schwimmlehrer herangebildet waren. Den Schluß des Abschwimmens bildete ein großes Wettschwimmen durch den ganzen Woog, Strecke ca. 200 Mtr., wobei der Sieger, Gardist Stern, eine Remontoir-Uhr erhielt. Nach dem Schwimmen sand die Vertheilung der Preise, bestehend aus Pfeifen, Biergläsern, Koffern rc., statt, und wurden die Mannschaften noch mit Essen und T'inken bewirthet, wobei die Kapelle concertirte. An dem Schwimmunterricht nahmen ca. 200 Mann sämmtlicher Truppen im Laufe des Sommers Theil. Schönnen i. Odenwald, 5. August. Die auf Anregung des Directors der Landw. Winterschule zu Michelstadt i. O., Herrn Landwirthschastslehrer Spieß, mit dem Sitz zu Schönnen ins L-ben gerufene Maschinengenossenschaft bezweckt gemeinschaftliche Beschaffung und Benutzung landw. Maschinen und Geräthe, sowie Ablaß solcher an die Genossen. In der constituirenden Versammlung wurde auf Empfehlung des anwesenden Geschäftsführers des Verbandes der hessischen landw.Genossenschaften, Herrn Oberrevisor I hrig, beschlossen, keine freie Vereinigung zu bilden, sondern eine Genossenschaft und diese in das Genoffenschafts-Register eintragen zu lassen, um dadurch die bevorzugte Stellung, die besonderen Rechte einer eingetragenen Genossenschaft zu erlangen. Jedes Mitglied hat sofort bei seinem Eintritt 50 Mark auf seinen Ge- schästsantheil einzuzahlen. Die Mitgliedschaft ist vorerst auf die Gemeinden Schönnen, Lauerbach und Ebersberg beschränkt. Zum Director wurde Herr Peter Walther III. aus Schönnen gewählt. △ Mainz, 6. August. Der Redacteur der „Mainzer Volksstimme" wurde vorgestern Abend, als er sich nach seiner Wohnung begab, auf der Straße überfallen und mit Stockschlägen tractirt. Angreifer war der frühere Criminal- Commissär Lämmersdorf, der vor längerer Zeit wegen schwerer dienstlicher Vergehen entlassen und alsdann auf Grund eines ärztlichen Gutachtens für geistesgestört erklärt und pensiontrt wurde. Da Lämmersdorf in dem vor sechs Jahren hier spielenden großen Socialistenproceß bei den Belastungszeugen die Hauptrolle spielte, war die „Volksstimme" demselben nie gewogen, worin wohl der Grund zu dem thät- lichen Angriff zu suchen ist. — Wegen Mangel an Aufträgen sah sich die berühmte Waggonfabrik von Gebrüder Ga stell hier am verflossenen Samstag gezwungen, ca. 50 Arbeitern zu kündigen. So wenig Bestellungen wie gegenwärtig hatte die einen Weltruf genießende Firma noch selten. — Dowe, der vielgenannte Erfinder des kugelsicheren Panzers, unterhandelt gegenwärtig um Ueberlassung der hiesigen Stadthalle, zum Zwecke, um Schießproben in derselben zu geben. Die Schießproben sollen in Verbindung mit Concerten stattfinden, um auch das größere Publikum anzllziehen. # R. Aus Rheinhessen, 6. August. Die seuchtwarme Witterung der letzten vierzehn Tage hat das Wachsthum der Trauben wesentlich gefördert, so daß sie beinahe ausgewachsen sind. Die Stöcke sind weniger schwer behangen, als im Vorjahre, denn bei der Blüthe fielen viele Träubchen durch. Späte Lagen, welche im Juli erst blühten, kamen besser durch. Die gute Belaubung der Stöcke schützte die kleinen Beeren vor der heftigen Hitze in den drei heißen Julitagen, 23., 24. und 25. Juli. Wie die Sachen jetzt, zu Anfang August stehen, ist es sicher, daß wir weder in Menge noch in Güte an den 1893er heranreichen werden. Wenn sich aber von jetzt an die Witterung wieder zum Warmen, Besseren wenden wollte, können wir, da genügende Feuchtigkeit vorhanden ist, immer noch einen annehmbaren Herbst erwarten. Der August ist der sogenannte „Kochmonat", der sich durch sonniges, beständiges Wetter auszeichnen muß. Thut er es nicht und läßt er uns im Stiche, dann dürfen wir uns auf ein bescheidenes 1894er Resultat gefaßt machen. Hoffen wir das Beste! Verurischtes. * Frankfurt a. M., 6. August. Die hiesige Oberpost- direction beabsichtigt zur Erleichterung des Verkehrs der Post mit der Börse im Herbst die Herstellung einer Rohrpostverbindung zwischen dem Telegraphen- und dem Börsengebäude. — Der Verkehr auf dem Telephonamt hat sich so gesteigert, daß anschließend an die Räume in dem Telephonthurm eben ein neues Gebäude im nördlichen Theil des Posthofes erbaut wird, in dem die weiter noth- wendig werdenden Apparate aufgestellt werden sollen. Das Gebäude, das im Juni begonnen wurde, soll bis zum October fertiggestellt werden. * Frankfurt a. M., 3. August. Die socialdemokratische „Frankfurter Volks stimme" veröffentlicht folgendes ihr „durch einen günstigen Wind auf den Redactionstisch gewehte", im Original autographirte Formular: Bezirk der Verhandelt Kaiser!. Ober Postdirection im Amtszimmer des Kaiser- Frankfurt (Main). lichen Postamts I in Frankfurt (Main). Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß von Posthilfsboten vorzeitig und übereilt Heirathen geschlossen werden, welche nach den gemachten Erfahrungen geeignet sind, später die Quelle wirthschaftlicher Verlegenheiten zu werden, zumal auch die Tagegelder der Posthilfsboten auf die Bestreitung der Kosten für die Begründung und Unterhaltung eines eigenen Hausstandes nicht berechnet find. Dem..... wird deshalb hiermit eröffnet, daß sein Ausscheiden aus dem Postdtenste u. U. in Frage kommen müsse, wenn er sich vorzeitig als Posthilfsbote verheirathen sollte. Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben: Geschehen wie oben. * Wiesbaden, 6. August. Ein militärpflichtiger Liliputaner, so schreibt der „Rhein. Kur.", das ist doch einmal etwas Nicht-Alltägliches! Dieser Tage erhielt die hiesige Militär-Behörde von dem Bezirkscommando in Altona die Aufforderung, einem Mitgliede der hier im Circus Corty- Althoff auftretenden Liliputaner - Truppe, gebürtig aus der Gegend von Gießen, begreiflich zu machen, daß er sich vor der Ersatzcommission zu stellen habe. Letztere wird jedenfalls finden, daß dieser Militärpflichtige selbst hinter dem im vorigen Jahre bedeutend herabgesetzeten Militärmaße gehörig zurückbleibt. * Köln, 6. August. Unter den hier in letzter Zeit in Gebrauch gekommenen „Scherzartikeln" befindet sich auch ein aus ganz dünner Kautschukmasse gefertigter Käfer, der einem befreundeten Nachbar in das Bterglas geworfen wird, so daß dieser zu der Annahme gelangt, das Glas Bier .sei ihm mit dem Thiere credenzt worden. Vor wenigen Tagen nun beging in einer hiesigen Wirthschast ein Gast die Unvorsichtigkeit, seinem Nachbar ein solches Thier in den Bterkrug zu werfen. Dieser bemerkte das nicht, er trank in vollen Zügen aus dem Kruge, wobei die Kautschukmaffe sich ihm im Halse festsetzte und nicht zurück, noch weiter zw bringen war. Ein sofort zu Hilfe gezogener Arzt ordnete die Ueberführung des Mannes in das Hospital an, wo nur durch eine sofortige Operation der Mann dem Leben er* halten blieb. * Lennep, 4. August. Bei der Feier des Schützenfestes' brach am Dienstag Nachmittag in dem Augenblicke die Musiktribüne zusammen, als die Musikcapelle des 39. Infanterie-Regiments sie besteigen wollte. Unter den zahlreichen Verunglückten befindet sich ein 6 Jahre alter Knabe, dem durch einen Balken der Kopf zerschmettert, wurde, so daß er augenblicklich tobt war. Die Militär- musiker sind mit geringen Verletzungen davon gekommen.. Die Inhaber des anbulanten Festzeltes wurden gerichtlich fixirt, da das Balkengerüst vollständig morsch gewesen sein soll. Im Laufe des heutigen Tages war eine Commission des Elberfelder Landgerichts hier behufs Inaugenscheinnahme, des Unglücksortes und Einleitung der Untersuchung. * Berlin, 6. August. Der Buchhalter Schmidt und der Kellner Zenner, die von der Familie des Herrn von Kotze 300 Mark erschwin d elten, weil sie vorgaben, den Schreiber der anonymen Briefe zu kennen, wurden vom Amtsgericht I wegen Betruges zu 18 bezw. 6 Monaten Gefängniß verurtheilt. * Berlin, 6. August. Heute Mittag fand in der Mathieustraße ein Zusammenstoß zwischen den bei den dortigen ASphaltirungsarbeiten beschäftigten Arbeitern und der Polizei statt. Die Arbeiter hatten Plötzlich ihre Thätig- keit eingestellt und versuchten, einige weiterarbeitende Ge- noffen ebenfalls zur Arbeitseinstellung zu bewegen. Da eS zu tumultuarischen Ruhestörungen kam, schritten mehrere Polizisten ein, die schließlich blank ziehen mußten. Ernstliche Verletzungen kamen nicht vor- vier Personen wurden verhaftet. * Erfurt, 4. August. Vor einiger Zeit wurde bekanntlich in Sondershausen der dortige Oberförster Gerlach sammt feiner Frau verhaftet, weil beide dringend verdächtig waren, den Tod ihres Dienstmädchens durch fortgesetzte bar-- Iiu” bü 8* **. Ua”« ttaSoh. “nl dl« SörfL h« M ÄM»= in bim ’* ® "Milten le weiter noth. Motten. Das ^lsMvctobrr ocialdewokratische Glicht ' RrdactioMfch 11m: ^handelt mmer des Kaiser- PostamtS I in furt (Main). >en, daß von Post- ’Wjtn mitten, M sind, später i werden, zuwai i die Be^tteiwnz KnWung eines . Dem lsscheiden aus dem wenn er sich Vorleben : .tärpjlichtiger nr", das ist doch Tage erhielt die mmanbo in Altona im Slrcuß Corly- Itbürtig auß tet daß er sich vor der e xoxxb \tiw\M t hinter dem im tilitärmaße gehörig • in letzter Zeit in In" befindet sich gefertigter Käser, JierglaS genMu 18t, daS Glas Bier tn. Dor wenigen ,schäft ein Saft die cheS Thier in den aS nicht, er «an die Kantschukmasfe ülk, noch weiter zu igener Arzt ordnete Spital an, ®° Bur m dem Lebens des TchtttzenfesieS n M*ie die WBcapelle eS wM. Unter - . c Qaöre alter 'fiopf Itrft«®11 „7 Sie VH» **S ' V® Ss s" «s?* nnj "g Matea fanb in der MS ' " hei den taten «•’ Thät'S' Da es ,u mehrere C« ®* in »“ * n mutbt« Personen gelt , dringendste barische Mißhandlungen verschuldet zu haben. Kürzlich hat das Ehepaar für seine Freilassung als Caution die summe von 60,000 Mk. angeboten, daS Anerbieten wurde aber vom Amtsgericht zu Sondershausen wie vom Landgericht Erfurt .urückgewtti^^^^ (Westpr.) starb im 100. Lebensjahre der pensiontrre Lehrer Christian Dombrowski. • Leipzig, 5. August. Der 21jährige Instrumentenmacher Heinze hatte erfahren, daß seine gleichalterige Geliebte, die Fabrikarbeiterin Louise Zimmer, es angeblich noch mit einem Zweiten hielte. Er beredete das Mädchen am Sonnabend Abend, mit in seine Wohnung zu gehen und schoß ihr dort gegen 5 Uhr früh eine Kugel durch die Brust. Unter gräßlichen Schmerzen verstarb daS Mädchen, der Mörder aber tödtete sich durch einen Schuß in den Kopf. ♦ Mannheim, 4. August. Der Director der Mannheimer Portlandcementsabrik, Herr Riehm, gab heute aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit dem Arbeiterpersonal einen Imbiß. Leider fand die Festlichkeit einen schmerzlichen Abschluß. Ein junger, erst seit einigen Wochen verheiratheter Arbeiter hatte einige Gläser über den Durst getrunken. Er taumelte in eine Waschküche und fiel rückwärts in einen Kessel kochenden Wassers. Auf sein gräßliches Geschrei eilten Mitarbeiter herbei, die den vollständig Verblühten ins Krankenhaus verbrachten. Er dürfte kaum mit dem Leben davon kommen. * Als Schutz der Pferde vor Fliegen gab ein Landwirth mit Erfolg in ein Gefäß einen halben Liter Wasser, mischte hiermit ungefähr 20 Gramm Carbolsäure, ließ damit dem Thiere die zerstochenen Stellen auswaschen und fand, trotzdem daS Thier den ganzen Nachmittag angestrengt wurde und schwitzte, daß die Fliegen nunmehr fern blieben. Dieses einfache Mittel kann deshalb, als erprobt, Pferdebesitzern bei ähnlichen Anlässen bestens empfohlen werden. * Rauchlose Lokomotiven. In hiesigen eisenbahntechnischen Kreisen, schreibt das „Berl. Tagebl.", widmet man der neuerdings gemachten hochwichtigen Ersindung einer rauchlosen Locomotive gegenwärtig die größte Aufmerksamkeit. Der Rauchverzehrer besteht im Wesentlichen darin, daß oberhalb des Rostes atmosphärische Luft in den Heizraum geführt wird und hier die vollständige Verbrennung der Rauchgase bewirkt. Ein Kreisschieber, desien Spalten sich beim Oeffnen der Heiz, thüre automatisch und fächerförmig ausbreiten und desien allmäliche Schließung durch einen „Cataract" ebenfalls selbst- thätig erfolgt, gestattet der Luft den Eintritt in den Heiz- raum. Die Strahlen des Dampfschleierrohres zwingen die Rauchgase zur Heizthüre zurückzuströmen, wo sie, durcheinander- gewirbelt, sich mit der eingesogenen Luft mengen und verbrennen, und zwar so vollständig, daß man bereits erfolg« reiche Versuche unternehmen konnte, bet Benutzung dieses Rauchverzehrers alle Funkenfangapparate zu beseitigen. Der Kreisschieber bleibt je nach der Beschaffenheit der verwendeten Kohle längere oder kürzere Zeit geöffnet. Je geringwerthiger die Kohle, desto größer ist die Ersparniß an Brennmaterial. Im Durchschnitt beläuft sich der hierdurch gewonnene Vor- theil auf ein Zehntel des Kohlenverbrauchs. Die Bedienung des Rauchverzehrers verursacht dem Maschinenpersonal nicht die geringste Mühe, denn der Apparat arbeitet selbstthätig - er kann in zwei Tagen an jeder Maschine ohne Unterschied angebracht werden. Die rauchlose Locomotive dürfte nament« lich für die Stadtbahnen eine große Bedeutung erlangen. Aber auch für den Staatssäckel hat der Rauchverzehrer den Vortheil, daß die enormen Summen, welche alljährlich für den durch Auswürfe von Funken angerichteten Schaden gezahlt werden müsien, in Wegfall kommen. ES ist Aussicht vorhanden, daß die rauchlosen Locomotiven in nicht allzu ferner Zeit bei den preußischen Staatsbahnen allgemein zur Einsührung kommen roerben. Citeratur und Itanft — Zur Feier des 200jährigen Bestehens der Universität Halle- Wittenberg hat die Saale Zeitung eine Fest-AuSgave veranstaltet. Diese Fest-Ausgabe in textlich wie illustrativ höchst interessant; sie bietet einen trefflichen Einblick In die Geschichte und Entwickelung der Univelsität und hat somit sür auck außerhalb Wohnende Interesse. Die Festschrift ist zum Preise von 75 Pf. von Hendels Verlag in Halle zu beziehen. Verkehr, Land, nnd volkswirtkjchaft. $»tttt«, 7. August. Marktbericht. Hut dem heutigen Wochrnmartt kostete: Butter pr. Md. X 0,95—1,10, Hühnereier 1 Stück 0 A. 2 Stück 11-00 Käsepr. St. 5—8 Ermatte pt. St. 3 H, Erbsen pr- Liter 17 H, Linsen pr. Liter 28 A, Tauben pt. Paar X 0,70-1,00, Hühner pr. Stück X 0,90—1,10, Habnen pr. St- X 0,50—1,10, Enten pr. St- X 1,50 bis 2 00, Ochsevslesich pr. Md- 74—78 H, Kuh- u. Rindfleisch pr. Md.--70 H, Schweine, fleisch pr. Md. 60—70 H, Kalbfleisch pr. Md. 60—66 A, Hammelfleisch pr. Pfd. 58—68 A. Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,00—10,00 X Weißkraut pr. Stück--A, Zwiebeln pr. Eentner 9,00—10,00 X, Milch pt. 8tier 16 20 A, Enteneier 2 St. 11 A, GLnseeier 10 A Kirschen pr. Pfd. 8—12 A- E. Echzell, 6. August. Der heutige Schweinemarkt war sehr schlecht mit Verkäusern besucht, während die Kauflustigen ver- hältnißinäßtg viel zahlreicher erschienen waren. Die Folge davon kann sich jeder Leser sehr leicht ausdenken, nämlich: Die Preise stiegen flott in die Höhe und was aufgetrieben war, verschwand im Handumdrehen. Während bei dem letzten Friedberger Markte die Ferkelpreise aus 39 bis 40 Mk. pro Paar zurückgewichen waren, stiegen sic heute bei uns auf 48 bis 49 Mk. So etwas ist lange nicht dagewesen. Die Dinger sind lhatsächlich nicht größer als Stallhasen und kosten einen Sack voll Geld. Bei den übrigen Sortimenten ist die Preissteigerung weniger bemerklich, was darin seinen Grund bat, daß es immer noch sehr an Baargeld auf dem Lande fehlt. Die kleinen Landwtrthe bringen leichter 45 dis 50 Mk. für ein Paar Ferkel als 100 bis 120 Mk. für ältere Thiere zusammen. — Seit gestern haben wir endlich das lang ersehnte trockene, sonnige Wetter erhalten. Die ganze vorige Woche gab es jeden Vormittag einige Regenschauer, welche die Erntearbeiten schwer beeinträchtigten. Heute wird mit Aufwendung aller Kräfte gebunden und eingefahren. Man kann jetzt mit Bedauern sehen, welch enormer Schaden an den Weizen- und Gerstenäckern durch die Spatzen angerichtet wird. Dieser freche Vogel zieht sich in Schwärmen von 200 bis 300 Stück zusammen und wehe dem Getreideacker, wo die Schwärme etnfallen. Es könnten sich viele Menschen von dem sättigen, was die Tausende von Spatzen gegenwärtig vertilgen. Die Erntezeit beweist, daß der Spatz west mehr schadet als er nützt. — Ärtotrt Hafermehl. Knorr« Hafermehl ist, wie die 25iäbriae Erfahrung lehrt, das beste Kindernabrungsintttel der Gegenwart, da Hafermehl für die Verdauung de« Kindes günstiger ist als andere stärkemehlhatttge Kindermehle, zumal demselben das zur Knochenbildung nöthige Material an phosphorsaurem Kalk, foule meßbare Mengen von Eisen innewohnt. Dazu kommt, daß gerade Knorrs Hafermehl dem Verhältntß der stickstoffhaltigen zu dm stickstoffftetm Bestandtheilen, wie eS in der Frauenmilch (1.0 . 3,5) besteht und wie eS demnach dem Säugt ng am zuträglichsten ist, mit 1,0 : 3,8 sehr nahe kommt. Es dürften letzt wohl alle Aerz^c darüber einig sein, daß ein Schletmzusatz, wo eS.sich um künstliche Ernährung mit Kuhmilch handelt, absolut nöthtg ist und soll e daher in diesem Falle stets Knorrs Hafermehl, allerdings nur in r chtigem Verhältntß, - siehe Knorrs Regeln zur Ernährung der Säuglinge verwendet werden. Selbstverständlich dient Knorrs vasermchl aber auch tn den Fällen als Zusatz zur Kuhmilch, wo da-Kind zwar Muttermilch, aber nicht tn genügender Menge erhält. Gegen den so gefährlichen Brechdurchsall der Kinder ist, selbst in wett oorge- geschrt,lenen Fällen Knorrs Hafermehl da« beste Mittel, bei Kindern, die beständig mit diesem Präparat ernährt werden, diese Erkrankung überhaupt nicht zum AuSbruch kommenl kann. Außerdem wird in allen Fällen von Englischer Krankbeit, schlechter Blutzusammensetzung und deren Folge-Erscheinungen -«non« Wy- mehl wegen seiner knochenblldenden Bestandtbeile an p osphorsaurcm Kalk und feines E«mg-h°ttS m„ SrfoU Wwaniii. Sr« wiesenermaßen werden mehrere 100 000 Kinder lahrlich mit Knorrs Hafermehl ausgezogen, gewiß der beste Beweis für dessen Vortreftlichkeit. Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. 6223| wollen Sie schön werden? Waschen Sie sich mit NotringgZelseLEult. 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Temperatur der Lahn und der nach Reaumur gemessen am 7. August, zwischen 11 und 12 Uhr; Wasser 16' -, Luft 17». Rübsamen'sche Badeanstalt. Mittwoch, 8. August l.J., Nachmittags 2 Uhr, werden in dem Bftkerschen Saale — Neustadt — versteigert: mehrere Sophas. darunter ganz neue, Kleider schränke, Glasschranke, 1 Salon, einrichtung, mehrere Zimmereinrichtungen, 3 vollst. Betten, 1 Nähmaschine, 7 Spiegel, Kommoden, 14Btlderrahmen (Stellrahmen), 50 Biergläser und Kruge, 2 AuSstanzmaschinchen, 1 .Gaslampe, 9 Stuckrosetten, 6 OeldruckMer, 4 Kühe, 1 Kalesche, 1 Wagen, 1 Pferd, 9 Jagdflinten u. a. m- Geißler, S482 Gerichtsvollzieher. Mittwoch, 8. Aug. 1894, Nachmittags 2 Uhr. im Adler zu Gießen werden, voraus- stchttich bestimmt, öffentlich gegen Baar versteigert: 1 Wagen, 1 Velociped, mehrere Sophas und Bettstellen, 1 Silberschrank, div. Silberzeug, Wirthschafts-Geräthe rc. 6508 Engel, Gerichtsvollzieher. Montag den 13. ds. 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