L8S4 Sonntag den 8. Juli Erstes Blatt M 157 Zlints- und Zlnzeigeblatt für den Ureis Gieren chratisöeikage: chießener Iamilienbkätter von steril B®10. tiiste iava- en.l° " D unv Vai •* 8. Bierteljähriger Zöonnementsprei«: 2 Mark 20 Pfg, mit Sringerlolnt. Durch die Post biogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: SchntKrahe ^Zr.7. Fernsprecher 51. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borin. IO Uhr. Localer utib prötHttjUttw. Gießen, den 7. Juli 1894. ** Gymnasium. Nachdem in den letzten Wochen Herr Director Bergquist und Herr Dr. Astrand auS Schweden dem hiesigen Gymnasium und dem damit verbundenen pädagogischen Seminar einen Besuch abgestattet hatten, nahmen in diesen Tagen von den Einrichtungen und dem Unterrichtsbetrieb der Director der Franke'schen Stiftungen, Herr Dr. Fries, und Herr Gymnafialdirector Friedel aus Wernigerode Kermtniß. ** Aus dem Zustizdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 3. Juli wurden beauftragt: a. mit Wahrnehmung der Dienft- verrichtungen eines Staatsanwalts: 1) bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg der Gerichtsassesior Gerl ach in n Sie s-il> Verleumdung erhoben worden. Die Verhaftung sei erfolgt auf Grund von Vorschriften der Militärstrasprozeß- ! ordnung, da Collusionsverdacht vorgelegen habe. Nachdem ! die Untersuchung nun beendet, die That selbst sich aber nur als Vergehen, nicht als Verbrechen darstellt, sei die Unter- । suchungshaft aufgehoben worden, woraus sich noch nicht die ; Unschuld KotzeS ergebe. Die Freilasiung erfolgte, weil mit Beendigung der Untersuchung der Collusionsverdacht besei- Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehm:» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" r". Neueste Nachrichten. Wolff- telegraphisches Correspondenz- Bureau. Berli«, 6. Juli. Die „Allgemeine Fleischerzeitung" will aus zuverlässiger Quelle wissen, die seit dem 28. April über den Berliner Viehmarkt verhängte Schweinesperre werde in den nächsten Tagen, sicher jedoch Anfang nächster Woche aufgehoben werden. Berlin. 6. Juli. Der „Reichsanzeiger", veröffentlicht einen Bescheid des Cultusministers an eine Anzahl von Apo- thekern, wonach das Laboratorium feuersicher, d. h. die Holztveile an den Wänden zwei Centimeter stark überputzt sem, die Decke aber feuerfest, d. h. ganz gemauert oder durch Wellblech geschützt sein muß. Doch soll es für die bestehenden Apotheken genügen, wenn etwaige Holztheile an der Decke überputzt sind. Rom, 6. Juli. Die „Agenzia Stefani" meldet: Durch ein heute erlassenes Decret ist das Strafverfahren wegen Ueberlretung der Verordnung betreffend die Ablieferung von Waffen aus der Insel Sizilien aufgehoben und die von den Kriegsgerichten anläßlich solcher Uebertretungen verhängten Strafen sind erlaffen worden. Loudon, 6. Juli. Im Unterhause erklärte bet der Beratung des Kriegsbudgets Wosdall, daß die Einführung des Achtstundentages für die Arbeiter in den Arsenalen erfolgreicher gewesen sei, als man erwartet habe. Es habe sich eine große Z eitersparniß ergeben und die Arbeiter seien im Stande gewesen, unter dem neuen System mehr Lohn zu verdienen als früher. Loudon, 6. Juli. Der bekannte englische Staatsmann, Alterthumsforscher und Schriftsteller Henry Layard ist gestorben. Stockholm, 6. Juli. Die bacteriologische Untersuchung der Excremente von vier Passagieren des Dampfers „Doebeln" ergab Cholera asiatica. Petersburg. 6. Juli. Die kaiserliche Familie reiste heute nach den sinländtschen Skaeren ab. Chicago. 6. Juli. Eine zahlreiche Volksmenge empfing gestern den Bürgermeister und den Polizeichef, welche bemüht waren, einen Eisenbahnzug abgehen zu lassen, mit Pfeifen. Die Eisenbahnbeamten, welche die Hinderniffe von den Schienen beseitigten, wurden verhöhnt und ebenfalls mit Pfeifen empfangen. Die Behörden befahlen darauf den Truppen, auf Alle zu feuern, welche versuchen sollten, die Züge auseinander zu koppeln. Die Strikenden brachten nun einen Zug zum Stehen und nahmen die Polizeibeamten fest. Der Locomotivführer gab Revolverschüffe ab, wurde aber von der Polizei entwaffnet. Später waren die Polizeibeamten geuöthigt, auf die Strikenden Feuer zu geben, wobei mehrere der Letzteren verwundet wurden. — In Sacra- mento weigerten sich die Truppen vorzugehen, da der Marschall ihnen nicht gestattete, aus die Menge erforderlichenfalls zu schießen. — Der Strike in Indianapolis ist beendet. Gießener Anzeiger Keneral'-Anzeiger. Depeschen de- Buresu .Herold*. Berlin, 6. Juli. Abweichend von anderen Meldungen erfährt die „Voss. Ztg." aus militärischen Kreisen, daß zu den diesjährigen Manövern als Gäste des Kaisers der Großsürft-Thronfolger von Rußland, der Erzherzog Albrecht von Oesterrelch und der Erbgroßherzog von Sachsen Weimar erwartet werden. Berlin, 6. Juli. Der „Vorwärts" veröffentlicht abermals ein streng vertrauliches Schreiben des Landraths vom Niederbarnimer Kreise, in welchem er die ihm unterstellten Behörden auffordert, ihm innerhalb einer gewiffen Frist alle diejenigen von den zu dem Militär Ausgehobenen bekannt zu geben, die Anhänger der Socialdemokratie oder des Anarchismus sind. Berlin. 6. Juli. Das „Berl. Tagebl." erfährt, gegen Herrn v. Kotze sei vor dem Kriegsgericht Anklage wegen hä. Pendant Wiuter- itive Dom Niger- n Ed. Hein in lnstiinde halber zu- 100 w verkaufen, ihmen 57x45 ctm. zur Ansicht. 5544 uambuschj eldorf. tigt sei. Berlin, 6. Juli. Der Kaiser hat dem Manöver-Geschwader einen silbernen Aufsatz mit der Bestimmung verliehen, daß derselbe stets bei dem Commandanten des- jenigen Schiffes des Manöver-Geschwaders Aufstellung finden soll, welches bei der jedesmaligen letztjährigen Uebungßperiode die besten Leistungen im Schießen mit der Schiffsartillerie aufzuwetsen gehabt hat. Berlin, 6. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Abberufung des außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers am Großherzoglich hessischen Hofe Freiherrn von Plessen behufs anderweiter dienstlicher Verwendung. Budapest. 6. Juli. Der französische Consul in Fiume erhielt einen Drohbrief, der ihn dazu veranlaßte, seinen Posten niederzulegen. Budapest. 6. Juli. Großes Aufsehen erregt der S e l b st - mord des liberalen Magnaten Grafen Gabriel Beniczky. Aus welchen Gründen der Graf Hand an sich gelegt hat, ist noch nicht festgestellt. Er war sehr reich und lebte in den glücklichsten Familienverhältnissen. Prag. 6. Juli. Bei der Vorfeier des Todestages von Johann Huß kam es auf dem Bethlehemplatze, wo Huß gewohnt hat, zwischen zahlreichen jungen Leuten und der Polizei zu heftigen Zusammenstößen- es erfolgten mehrere Verhaftungen. Paris. 6. Juli. Caserio, der Mörder Carnots, hat an den Präsidenten Casimir Perier einen Brief gesandt, worin er um eine Geldsumme bittet, da er die Gefängntßkost nicht genießen könne. Diese kleine Gefälligkeit sei ihm der neue Präsident schuldig, da er doch nur ihm (Caserio) die Präsidentschaft zu verdanken habe. Lyon. 6. Juli. Im Verlaufe der Untersuchung gegen Caserio hat es sich herausgestellt, daß ein Onkel desselben im Jrrenhause gestorben ist, daß sich eine Tante desselben gegenwärtig im Jrrenhause befindet nnd daß sein Vater auch nicht im Vollbesitz seiner Geisteskräfte ist. Das Acten- material wird übermorgen an das Justizministerium ein- gereicht. Lüttich. 6. Juli. Der Gemeinderath faßte heute den Beschluß, wegen der immer drohender werdenden Anarchisten gefahr die Polizeimacht um ein Drittel zu ver- stärken. Brüffel, 6. Juli. Die „Jndependance belge" erhielt ein anonymes, aus ausgeschnittenen Buchstaben zusammengesetztes Schreiben folgenden Inhalts: „Die Beseitigung des gemeinen Halsabschneiders Carnot scheint Sie zu überraschen. Jeder Fürst wird an die Reihe kommen. So wird der Despotismus ausgeroltet. Unsere Verbindungen sind mächtig. Bald fällt ein anderes Opfer." Unterzeichnet ist: „Ein entschlossener Anarchist." Sofia, 6. Juli. Das Regierungsblatt „Swoboda Slovo" bringt einen bemerkenswerthen Artikel, in welchem betont wird, Bulgarien werde die Entwickelung der Weltpolttik abwarten und seine freundlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten suchen. Mit dem officiellen Rußland könne keine Aussöhnung stattfinden, so lange dort keine Verfassung bestehe. Man kenne die Jntriguen der russischen Diplomatie zu gut und werde sich nicht einer Wiederholung des 9. August aussetzen. rei Kettler, renes vorrälhig. Mtnttjitt. 8eißbier. _^9otfen. «ML ' Ne lhNP, 6 = HeüW Wallenfels. NvlatzA. getaner Iwein Tommerlad, 47. Der Hichener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS. Die Gießener Aamitienktalter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt. WM „ fftt AfieJ unb totf Wf st°2tigen Äitg <8 D\u bW16 fartfl M Friede nt feinsten I isiiitt NSv bezogen 'aber & Cie. I. m. 4.50 „ *•» is Lind benplab 10. Darmstadt, 2) bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen der Gerichtsassessor Zimmermann in Gießen- b. mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines AmtsanwaltS. 1) bei dem Amtsgericht Darmstadt II der GerichtSasfrssor Gläßing tu Gießen, 2) bei dem Amtsgericht Gießen der Gerichtsaffessor Steinberger daselbst, 3) bei dem AmtS- gericht Mainz die Gerichtsaffefforen Rausch in Mainz und Härtner in Alzey, 4) bei dem Amtsgericht Alzey der Gerichtsassessor Pirsch in Mainz- c. mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines HtlfSgerichtsschreibers: 1) bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen der Gerichtsaffessor Sell he im in Friedberg und 2) bei dem Landgericht der Provinz Rheinheffcn der Gerichtsaffessor vr. Schneider in Oppenheim. , ♦» Verhaftungen. Ein Arbeiter, welcher dringend verdächtig ist, die Bäumchen an der Leihgesterner Straße in der Nacht vom 1. auf den 2. d. Mts. abgebrochen zu haben, wurde heute gefänglich eingezogen. Ferner wurde ein junger Handwerksbursche verhaftet, welcher aus der Herberge seinem Schlascollegen 2 Mark gestohlen hatte. ** Betrunken. Ein Arbeiter aus Westphalen, der sich gestern in der Klinik untersuchen lassen wollte, hatte sich vor- her mit Freunden so benebelt, daß er auf der Straße lag und in das Polizeigewahrsam gefahren werden mußte. Nachdem er hier seinen Rausch ausgeschlasen, wurde er von seinen Freunden abgeholt und konnte dann die ärztliche Untersuchung stattfinden. *♦ Der Getreidemarkt. In der abgclaufenen Berichtswoche bekundete der Getreidemarkt tm Vergleiche zur Vorwoche eine im Allgemeinen etwas größere Festigkeit. Dieselbe drückte sich durch ein nicht unerhebliches Anziehen der Preise für Weizen und Roggen aus und wirkten hierbei theils bessere Meldungen vom amerikanischen Markte, theils die nach einigen schönen Tagen wieder unsicher gewordenen Witterungsverhältnisse ein. Dabei waren die Umsätze, wenigstens im Roggen- geschäst, nicht unbedeutend. Hafer dagegen blieb vernachlässigt, nur hintere Sichten notirten etwas höher. Notirungen an der Berliner Productenbörse, alles per 1000 Kilogramms: Weizen 134-147 Mk., Roggen 120-127 Mk., Gerste 96 bis 165 Mk., Hafer 130—163 Mk. ** Aluminium-Kochgeschirre. Nach mehrjährigen Versuchen ist es gelungen, für die Fußtruppen ein Aluminium- Kochgeschirr herzustellen, welches den ursprünglich bei Verwendung von Aluminium zu ähnlichen Zwecken beobachteten Nachthetl eines unangenehmen Beigeschmacks der Speisen nicht mehr aufweist, in Folge seiner Leichtigkeit in hohem Maße zur Entlastung der Mannschaften beiträgt und auf Grund feines dunklen Farbentones gegenüber den früher eingeführten Kochgeschirren den Vortheil besitzt, daß es aus einige Entfernung sich nicht mehr von der übrigen Ausrüstung des Mannes abhebt - hierdurch wird die Erkennung des in Deckung liegenden oder versteckten Mannes wesentlich erschwert. Um der Truppe diesen letzteren, für das Feldverhältniß so außerordentlich wichtigen Vortheil schon vor Abschluß der naturgemäß längere Zeit beanspruchenden Beschaffungen der neu- eingeführten Aluminium-Kochge,chirre zu sichern, ist beabsichtigt, auch die bisherigen blanken Kochgeschirre, so lange sie noch im Gebrauch sind, zu schwärzen, zu welchem Zwecke zur Zeit Versuche mit einem einschlägigen haltbaren Schwärzungsverfahren im Gang sind. Lich, 6. Juli. Bei dem wegen dem bei Gastwirth Heiland dahier verübten Gelddtebstahl verhafteten Menschen wurde der größte Theil des entwendeten Geldes vorgefunden. Derselbe, schon mehrfach wegen Einbruchsdiebstählen vorbestraft, soll bereits ein umfassendes Geständniß abgelegt haben. Die rasche Ermittelung bezw. Verhaftung des Verbrechers ist das Verdienst der hierbei stattgefundenen besonderen Rührigkeit unserer hiesigen Polizeiorgane. g. Bad-Nauheim, 6. Juli. Dem Lehrer unserer „Kleinen", Herrn Goppelt, wurde eine Schulstelle an der Stadtschule in Gießen übertragen. In ihm verliert die hiesige Schute einen gewiffenhaften und pflichttreuen Lehrer, dem zur erfolgreichen Ausübung seines schweren, aufreibenden Berufes practische wie theoretische Kenntniffe zur Seite standen. Der hiesige Turnverein ließ es sich nicht nehmen, seinem bewährten Dirigenten, Herrn Goppelt, eine solenne Abschiedsfeier in der letzten Singstunde zu veranstalten, wobei besonders der Verdienste des Scheidenden um die Hebung des Gesanges gedacht wurde. Möge es Herrn Goppelt beschieden sein, an seiner neuen Wirkungsstätte die Herzen der ihm anvertrauten Schüler so schnell zu gewinnen, wie dahier. n. Bad Salzhause«, 5. Juli. Den nächsten Mittwoch concertirenden Künstlern geht ein ausgezeichneter Ruf Amtlicher Theil. Gefunden: 1 goldene Kette mit Medaillon, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 2 Schirme, 1 Spazierstock, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 3 Taschentücher, 1 Filzhut, 1 Fltegenmutze, 12 Hefte, 1 Tabaksbeutel, 1 Wagenkapsel, 1 Kleiderbürste, 2 Paar und 1 einzelner Schuh, 1 Theil eines Musikinstru- mente und 1 Korb Kirschen. Zugeflogen: 1 Papagei. Gießen, den 7. Juli 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. 23.: Roth. voraus. Die Altistin Fräulein Ottilie Fellwock, eine geborene Wienerin, erregte bereits als blutjunge Schülerin der berühmten Aglaja Orgeni auf dem Königlichen Conser- vatorium in Dresden durch ihr hervorragendes Talent Aufsehen. Nach Beendigung ihrer Studien auf dem Stern'schen Conseroatorium in Berlin — speciell als Schülerin der Gesangmeisterin Jenny Meyer — hat sie sich vermöge ihrer prachtvollen Stimmmittel, ihrer ausgezeichneten Schule und ihres außergewöhnlichen Vortragstalents im Laufe weniger Jahre einen der ersten Plätze unter den bedeutendsten Concert- sängerinnen der Gegenwart gesichert. Herr Sally Liebling ist von seinem vorjährigen Auftreten als Claviervirtuose von großem Rufe hier noch in guter Erinnerung. Als Schüler von Franz Bendel und Professor Kullack concertirte er schon in seinem zwölften Jahre in fast allen größeren Städten Deutschlands mit vorzüglichem Erfolg und unternahm dann eine mehrjährige Tourne durch ganz Amerika. Nachdem er noch bei Franz Ltßzt seine Ausbildung vollendet hatte, gründete der Künstler im Jahre 1888 in Berlin das Neue Conservatorium der Tonkunst, dem er noch heute als Director vorsteht. Große Sauberkeit der Technik und Gleichmäßigkeit im Spiel, gediegene Tonbildung, eigenartige Auffassung und ein ausgezeichnetes Gedächtniß sind die Vorzüge, welche Herrn Liebling besonders nachgerühmt werden. Die uns vorliegenden Kritiken, welche der schönen, besonders in den tiefen Lagen klangreichen Altstimme, dem ernsten abgerundeten und wohl- rhuend einfachen Vortrag der Sängerin, sowie der immensen Fertigkeit, der Kraft und Bestimmtheit im Ausdruck des Pianisten ungetheilten Beifall zollen, lassen einen hervorragenden Kunstgenuß erwarten. k. Alsfeld, 5. Juli. Der diesjährige (32.) Verbandstag hessischer Vorschuß- und Creditvereine wird am 11. und 12. d. M. hier abgehalten werden. Am 11. Abends sinder die Vorversammlung zur Aufstellung der Tagesordnung in der „Krone" und am 12. von Morgens 9 Uhr ab die Hauptversammlung im „Deutschen Kaiser" statt. Dem Verbände gehören 25 Vereine Schultze-Delitzsch'scher Richtung an, die zum größten Theile vertreten sein werden. Den Schluß Nachmittags nach den Verhandlungen bildet ein gemeinschaftliches Mittagessen. -ck. Aus dem Kreise Alsfeld, 6. Juli. So ungewöhnlich reiche Honigernte im vorigen Jahre die Imker hielten, so ungemein schlecht ist bis jetzt das Honigergebniß und es dürfte auch schwerlich sich noch bemerkenswerth bessern. Wohl hatten die Bienen zu Beginn des Frühlings einen recht guten Ansatz, indem sie Raps und Obstbaumblüthe aufs beste benutzen konnten. Infolge der guten Frühjahrstracht gab es auch so viele Schwärme. Aber seit dieser Zeit haben die Bienen fast nichts eingetragen, trotz des guten Flugwetters. Es fehlt eben die Haupternte, die der weiße Klee liefert. Statt diesem sieht man nur Kamillen auf den Aeckern. Ueberhaupt „honigt" es, wie der Imker zu sagen pflegt, in diesem Jahre sehr schlecht. Wenn Linden, die jetzt zu blühen beginnen, und Sommerraps nicht noch etwas Honig liefern, so dürften die Bienenschwärme kaum den nöthigen Wintervorrath zusammenbringen. Der diesjährige Bienenhonig dürfte in Folge dessen ein viel selteneres Product auf dem Markte sein, als der vorjährige. § Vom Vogelsberg, 6. Juli. Es fängt nachgerade an, wieder zu trocken zu werden. So sehr man zur Heuernte den Sonnenschein begehrt, so gerne hätte man jetzt einen gründlichen Regen. Vor allem thut er der Gerste am nöthigften. Bei dem trocknen Wetter vermag sie nicht herauszuwachsen. Wie beim Korn zeigen sich auch bei ihren Aehren oft Lücken, in denen ein Jnsect die weichen Körner zerfressen. Am dringendsten wäre der Regen für den Garten. Bohnen und Gurken ist es längst zu trocken. Die Zuckererbsen beginnen schon falb zu werden und Gemüse und Küchengewächse sind im Wachsthum gehemmt. Das Obst fällt massenweise herunter,- es schadet aber dieser Abfall nichts, indem die Bäume vielfach mit Früchten überladen waren. Im Felde wird der Boden zum Bearbeiten für Dickwurz, Kraut und Mais gleichfalls zu trocken und hart. § Grebenhain, 4. Juli. Der hiesige, in den 70er Jahren stehende Invalid Valentin Bopp wurde heute beim Viehhüten von einem Schlaganfall getroffen, welcher seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Bopp hatte den Badischen Krieg 1848 und 1849 mitgemacht und bezog wegen einer unbrauchbar gewordenen Hand Invalidenrente. Mainz, 5. Juli. Nach einer kriegsministeriellen Verfügung wurde der einzige noch lebende Sohn des Herrn Christoph Falk, dessen ältester Sohn vor Kurzem durch einen Unfall bei der Felddienstübung des 13. Husaren-Regiments von einem Nebenmann erschossen wurde, für immer von dem Militärdienst befreit. Das Kriegsministerium hat dies in einem Schreiben dem bekümmerten Vater mit- getheilt. A Mainz, 6. Juli. Die gegenwärtig in Kronberg weilende Kaiserin Friedrich wird demnächst Mainz einen Besuch abstatten. Zweck des Besuches ist hauptsächlich die Kunftschätze von Mainz zu besichtigen und wird der hohen Dame hierbei Domcapttular Dr. Schneider als Führer dienen. A Ans Rheinhessen, 6. Juli. Die zur Zeit in einem großen Theil der diesseitigen Provinz herrschende Schweinepest hat in einzelnen Gemeinden schon stark unter dem Borstenvieh aufgeräumt. So sind in Hechtsheim Anfangs dieser Woche an einem Tag über 50 Schweine au der Deuche crepirt. Die an der Krankheit erlegenen Schweine stammen sämmtlich von einem Transport aus Posen und will man jetzt den Händler für den Schaden haftbar machen. — Mit dem Schneiden des Kornes hat man hier begonnen. Die Frucht steht durchschnittlich ausgezeichnet. — In den Tagen vom 23. bis 26. August findet in Sprendlingen eine größere landwirthschaftliche Ausstellung statt. Vermischtes. * Marburg, 6. Juli. Von dem von der Gräfin v. Bose, geb. Gräfin v. Reichenbach-Lessonitz, der medicinischen und der chirurgischen Universitäts-Klinik zugewendeten Vermächtnisses im Betrage von 55 230.28 Mk., wovon 16 800 Mk. auf Prtvathypothek, 38 300 Mk. in staatlichen rc. Werthpapieren, 130.28 Mk. bet der hiesigen Sparkasse angelegt sind, wurden anZinsenantheilen im Jahre 1893/94 1924.37 Mk. zur Verpflegung je zur Hälfte für die medicinische und chirurgische Klinik verwendet. Die Zahl der Verpflegungstage kranker Kinder betrug 3777 und deren Verpflegung (60 Pfg. pro Tag) 2266.20 Mk. * Fulda, 4. Juli. Bezeichnend für den derzeitigen großen Mangel an Schlachtvieh und der dadurch bedingten ungünstigen Geschäftslage der Metzger ist der Umstand, daß gestern früh in einer größeren Anzahl hiesiger Geschäfte kein frisches Fleisch zu haben war. * Berlin, 6. Juli. Der Rentner Gartz in Groß- Lichterfelde feuerte gestern Nachmittag auf den Agenten und niederländischen Reserveoffizier Antonius Dagnelie, den Verführer seiner Frau, einen Schuß ab. Die Kugel drang dicht unter dem Herzen ein, schlug aber an einer Rippe an und erhielt dadurch eine andere Richtung- sie wurde durch einen Schnitt entfernt. Der Verwundete lebt, Gartz wurde verhaftet. * Berlin, 6. Juli. Der neunjährige Sohn des hiesigen in Ahlbeck weilenden Sächsischen Gesandten Grafen v. H oh ent Hal und Bergen wurde dort von einem Omnibus todtgefahren. * Der Bierkrieg wird auch in den westlichen Vororten Berlins von den Socialdemokraten bis auf's Aeußerste fortgeführt. In Steglitz ist am Sonntag vor Beginn des Gottesdienstes ein Zettel mit den Worten: „Trinkt kein boykottirtes Bier!" an die Kirchenthür geklebt worden. * 13,452 Kreuzottern sind nach einer die letzten fünf Jahre umfassenden Statistik allein im Bezirke der Amtshauptmannschaft Oelsnitz, Königreich Sachsen, gegen eine Prämiensumme von 3670 Mk. 20 Pf. an die Behörde eingeliefert worden. 1889 wurden 2140 Stück für 1070 Mk., 1890 3378 Stück für 1013 Mk. 40 Pf., 1891 2513 Stück für 502 60 Pf., 1892 2480 Stück für 496 Mk. und 1893 2941 Stück für 588 Mk. 20 Pf. gefangen und ge- tödtet. Die Fangprämie ist im Laufe der Jahre von 50 auf 30 und 20 Pf. pro Stück herabgesetzt worden. * Das Fahrrad in den Dienst der Feuerwehr zu stellen, erstrebt seit längerer Zeit der in Altona stationirte Branddirector Reichel, dem die dortige städtische Feuerwehr bereits verschiedene vortreffliche Neueinrichtungen zu danken hat. Diese Neuerung tritt in einigen Tagen in Thätigkeit. Die Feuerwehr in Altona wird die erste auf dem Continent sein, die sich des Rades bedient, um die Brandstelle schneller zu erreichen. Der Branddirector hat ein zweisitzges Dreirad beschafft, welches nach seiner Angabe mit Laterne, Fackelhalter und Signalglocke versehen wird. Dieses Fahrzeug wird in der Remise direct neben dem Telegraphistenztmmer stationirt und hat bet einer Feuermeldung sofort nach der Meldestelle auszurücken. Das Fahrrad hat vor dem nachfolgenden Zuge einen Vorsprung von mindestens einer Minute, der sich mit der Entfernung vergrößert. An der Meldestelle angekommen, springt der Vordermann vom Rade ab und stellt sich nach erhaltener Mtttheilung, wo das Feuer ist, an der eventuell vom nachfolgenden Zuge zu passirenden Straßenecke auf, ruft hier dem Fahrer des ersten Fahrzeuges Straße und Hausnummer zu, wodurch ein möglicher Weise durch Umkehren entstehender Verzug vermieden wird, und begibt sich sodann ebenfalls sofort zur Brandstelle. Inzwischen ist der andere Mann schon an der Brandstelle angelangt, orientirt sich, beruhigt die Hausbewohrer und hält sie nöthigenfalls von Thor- heiten ab. Beim Eintreffen des Löschzuges ruft er dem Führer zu, wo der Herd des Feuers, ob Menschen in Gefahr, ob das Sprungtuch zu benutzen sei u. s. w., so daß die Mannschaft sofort in Thätigkeit treten kann und wiederum eine Verzögerung der Rettungsarbeiten vermieden wird. Zum Fahrraddienst werden selbstverständlich nur die intelligentesten Feuerwehrleute genommen. Noch weiter anzuftellende Versuche und die Praxis werden ergeben, ob das Fahrrad auch noch mit Sprungtuch oder sonstigen Rettungswerkzeugen oder Löschgeräthschaften auszurüften ist. * Ein technisches Kunststückcheu erregte kürzlich in Freiburg i. S. Aufsehen. Es handelte sich um die Verwandlung von Fichten in Papier in 12 Stunden. Früh V26 Uhr wurden die zu verarbeitenden beiden grünen Fichten gefällt, sofort in die Fabrik gebracht, dort entrindet, zerkleinert und gedämpft. Nachmittags wurde das braungedämpfte Holz zu Holzstoff geschliffen, die nassen Bogen wurden mit Dampf getrocknet und geglättet, und schon um 3 Uhr war ein Theil des Papiers fertiggestellt und kam um 5 Uhr unter die Presse des Buchdruckers. Die Fichten, die noch vor wenigen Stunden sich am Abhange des romantischen Flöhathales im Morgenwinde wiegten, wurden somit am Nachmittag in Gestalt einer gedruckten Zeitung dem Leser dargereicht. * Ueber die Sichtbarkeit der Farben sind mit Rücksicht auf die Trefffähigkett der weittragenden kleinkalibrigen Gewehre kürzlich von der Gesellschaft der Civiltngenieure in Parts interessante Versuche unternommen worden, über deren Ergebntß die „T. R." Folgendes berichtet: Zur Bezeichnung der Sichtbarkeit der Farben auf große Entfernungen wählte man die Zahlen 1 bis 8, so daß 8 den gänzlichen Mangel an Sichtbarkeit bezeichnet. Es wurde für zweckmäßig erachtet, anzugeben, wie sich die Zahlen bei Hellem und bet düsterem Wetter und bei Nacht stellen. Das Resultat der Beobachtung auf 600 Meter Entfernung wird wie folgt angegeben: Bet Hellem Wetter ist Weiß am sichtbarsten (1), dann kommt das Husarenblau (2), Krapproth (3), Grün (4). Grau und die Farbe von dürrem Laub sind beinahe unsicht- 1 bar und erhielt die Ziffer 7. Dunkelblau erhielt Ziffer 6. Bet trübem Wetter ändert sich nichts bei Weiß, Blau und Braun, das Husarenblau wird weniger sichtbar (3), ebenso Krapproth (4). Dagegen wird Grün sichtbarer (3). Bei Nacht waren die Resultate die gleichen wie bei trübem Wetter, nur daß Weiß unsichtbar wird und von Ziffer 1 auf 8 übergeht. Die Farben der deutschen und italienischen Infanterie (dunkelblau und eisengrau) wurden auf 6 classifizirt- in Frankreich erhielt man in Folge des rothen Käppis, des dunkelblauen Capots und der krapprothen Hosen die Durchschnittsziffer 4 Mnsien uno omen «Ltosi, sowie Schottersteine Renzendorf-Fulda, wird zjOllörQllvXiOUlfflUX »ÄTÄU 'nZd/undXSU-Ehrung .. ’" Äen‘ "Ä'Ju 1894. । ‘ Heinrich Hochstätter, Briefm. d. den Kurarzf vr. RuderShausen. Profp. grat d d.Besitzer Heisel. 2763 56:8 Großherzogliche Direction. > ---- “ “ Weinfässer. 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