Nr. 32 Donnerstag den 8. Februar 1894 Der Hiehener Atqeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Dir Gießener Aa mtkien S täller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Generat-F(nzeiger. Vierteljähriger Aöonnemenlspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg. Redaction, Expedition und Druckerei: KcKulftrahe?Rr.7. Fernsprecher 51. Amts« und Anzeigeblatt fSt? den 'Kreis Gieszen. I Gratisbeilage: Gießener Kamitienßkätter. Amtli^e» Tbeil 3. 4. 5. Jost. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. schließlich an die ärmeren Klaffen, preist den Segen und die Würde der Arbeit und fordert die Gläubigen zur Arbeitsamkeit, Mäßigkeit und zur Zufriedenheit mit ihrer Lage auf. zu erfolgen hat, daß bis jetzt angeboten sind: a. Beseler Hafer bei einer Bestellung von 100 kg 27 JL, von 1000 kg 23.50 Jfl, von 10000 kg 23 Jt für 100 kg und zwar ab Station Göttingen, b. Probsteiec Hafer 18.50 JL bis zu 20 Jt für 100 kg. Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden zu veröffentlichen, Anmeldungen entgegenzunehmen und längstens bis zum 15. Februar an Großh. Kreisamt oder den Unterzeichneten einzusenden. Gießen, den 7. Februar 1894. Der Director des landwirthschaftl. Bezirksvereins Gießen. zu vergüten, baß zur Ausführung der Bestellungen eine Commission, bestehend aus dem Unterzeichneten, Herrn Rentner Fr. Georgi, Herrn Oeconom Fr. Helfrich und Herrn Joseph Güngerich, sämmtlich von Gießen, ernannt worden ist und daß Bestellungen auf Saatfrucht durch die Großh. Bürgermeistereien bei Großh. Kreisamt Gießen oder direct bei einem der vorgenann. ten Herren bis zum 15. Februar l. I längstens einzureichen sind, daß die Zahlung der Saatfrucht bei Empfang derselben Deutsche- Reich. Darmstadt. 6. Februar. Aus Gotha wird der „Darmst. Ztg." von heute berichtet: Seine Königliche Hoheit der Großherzog besuchten gestern Vormittag in Begleitung der Prinzessin-Braut und Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Herzogin die Weimarische Galerie, sowie die alte Capelle im Schlöffe Friedenstein. Nach dem Luncheon fuhren Seine Königliche Hoheit mit der Herzoglichen Familie und Gefolge im Diererzug nach dem Thüringer Walde, besichtigten das Jagdschloß Reinhardsbrunn mit all seinen schönen Sammlungen und nahmen dort den Thee ein. Am Abend war großer Hosball im Schlosse Friedenstein, wozu 600 Einladungen ergangen waren. Die Festlichkeit nahm einen glän- zeuden Verlauf. Berlin, 5. Februar. Der Kaiser wohnte dem vom Reichskanzler Grafen Caprivi am Montag Abend gegebenen parlamentarischen Diner bei. Der Monarch nahm im Verlaufe der Tafel Veranlassung, sich über die wirth- schaftliche und politische Bedeutung des deutsch-russischen Handelsvertrags zu äußern. Der hohe Herr sprach die zuversichtliche Erwartung aus, daß der Patriotismus und daö Bewußtsein der großen Verantwortlichkeit es dem Reichstage verbieten würden, den Vertrag abzulehnen, mit dessen Annahme sich der Reichstag ein unvergängliches Denkmal setzen würde. ,, Berlin, 6. Februar. Die „Rordd. Allgem. Ztg. veröffentlicht ein Schreiben des Bundes der Landwirt he mit der Unterschrift des Abgeordneten Ploetz an den Reichstagsabgeordneten Uh den. Letzterer wird in dem Schreiben aufgefordert, sein Mandat niederzulegen, weil er sich für den russischen Handelsvertrag erklärt hat. Posen, 5. Februar. Der Erzbischof von Gnesen und Posen wendet sich in seinem Faften-Hirtenbriefe aus- Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Bekanntmachung. Rach Beschluß der Generalversammlung und des Aus- schuffes des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen soll in diesem Frühjahr der Bezug von Beseler und Probsteier Hafer durch den landwirthschaftlichen Bezirksverein, jedoch ohne jegliche Garantieleistung durch den Bezirksverein, vermittelt werden. Es wird dies unter dem Anfügen zur öffentlichen Kennt- niß gebracht: , 1. daß bei Bestellungen von Mitgliedern des landwirthschaftlichen Bezirksvereins die Kosten des Transports der Saatfrucht per Bahn bis Gießen, Hungen und Grünberg auf die Bezirksvereinskaffe übernommen werden, 2. daß Bestellungen von Landwirthen, welche Nichtmitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins sind, ebenfalls ausgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn sie nicht vorher noch Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins werden und sich zu diesem Behufe bei dem Unterzeichneten anmelden sollten, den vollen Kostenbetrag für Ausführung ihrer Bestellungen Deutscher Reichstag. 42. Sitzung. Dienstag den 6. Februar 1894. Die Berathung des Etats des Innern wird beim Eapttel Retchscommifsartate fortgesetzt. Abg. Bebel (Soc.) richtet die Aufmerksamkeit auf die von Hamburg aus stattfindenden Mädchentransporte nach dem Auslande. Es handelt sich zu einem großen Thetl um Mädchen aus Oesterreich- Ungarn, die zunächst nach Dresden gehen und dort Station machen, dann gehen sie weiter nach Hamburg und.von da nach Rußland. Eine wunderbare Begleiterscheinung dieser Transporte ist, daß jüdische Mädchen, die nach Rußland gebracht werden, zuvor, da in Rußland Juden nicht über die Grenze gelassen werden, in Hamburg getauft würden. Anzeigen gegen die bei diesem schmachvollen Handel be- thetltgten „Beherberget bet der Staatsanwaltschaft sind ohne Er- gebniß geblieben. Thatsächlich sind diese Beherberger Besitzer öffentlicher Häuser, was der Hamburger Polizei wohl bekannt ist. Wie gegen den Handel mit schwarzen, so muß auch gegen den Handel mit wetßm Sclaven durch Strafgesetz vorgegangen werden. Staatssecretär v. Bötticher: Der staatsanwaltschafiliche Bescheid, den der Vorredner mtttheille, ist mir unbekannt. Tie öffentlichen Häuser sind überall im Reiche auf Grund BundesrathS- beschlusses verboten. Sollte sich ein Zustand bemerkbar machen, der aus eine Lücke in der Gesetzgebung hinweist, so werden die verbündeten Regierungen gewiß nicht anstehen, diese Lücke auszusüllen. Die Anregung des Vorredners wird mir Veranlassung geben, der Frage näher zu treten. ~ Abg. Bebel (Soc.) hofft, daß seine Anregung Früchte tragen wird. Reben Oesterreich-Ungarn ist es gerade Deutschland, welches die Welt mit Frauenfletsch versteht, ein nicht benetdenswerther Vorzug. Die öffentlichen Häuser sind in Hamburg allerdings osficiell ausgehoben; es ist aber öffentliches Gehetmntß, daß sie osficios fortbestehen. Die Polizei weiß davon und controllirt sogar die Häuser. Es ist höchste Zett, diesem Scandal ein Ende zu machen. Staatssecretär o. Bötticher: Daraus ergibt sich, wie nothtg es ist, Beschwerden vor die Regierung zu bringen. Aus Befragen bat der Hamburger Senat erklärt, daß die öffentlichen Häuser ftn Hamburg aufgehoben seien und wir haben keinen Anlaß, diese Auskunft des Senats zu bezweifeln. Abg. Bebel erinnert daran, daß schon in der vorjährigen Commtsfion für die lex Heinze constattrt worden sei, daß trotz aller Verbote derartige Häuser noch in Hamburg, Lübeck, Kiel, Bremen, Königsberg bestehen. t t n, ,n/1 „ Abg. Hasse (natl.) erklärt eine Aenderung der Aufsicht über das Auswanderungswesen für erforderlich und sragt, ob die Regierung ein neues Auswanderungsgeseh vorlegen will. Ein solches könnte die Auswanderung von bestimmten Gebieten fern halten und so recht nützlich wirken. Man sollte eigene Bureaus für die Auswanderer errichten, wo sie einschlägige Auskunft erhalten können. Der vorjährige Entwurf entsprach den zu stellenden Anforderungen nicht. Staatssecretär v. Bötticher: Die Kräfte des Reichstags sind in dieser Session durch wichtige Vorlagen bereits so'in Anspruch genommen, daß sich eine weitere Belastung durch Wiedervorlegung des Entwurss nicht empfahl. Die Ausführungen des Vorredners würden beim Bundesrath Würdigung finden. Abg. Heyden (cons.) regt vermehrte Fürsorge für untere deutschen Seeleute in fremden Häfen an. Ausländische Staaten sind uns mit Errichtung von Seemannshetmen mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir müssen den jungen Seeleuten im Auslande einen sittlichen Halt geben. _ a, . . Staatssecretär v Bötticher: Für Seemannsheime wurden bisher 6000 Ml. pi o Jahr aus dem Allerhöchsten Dispositionsfonds verausgabt. Ferner dient ein Posten im Etat des Auswärtigen zur Bestreitung der Kosten des Transports hilfsbedürftiger deutscher Seeleute nach der Hetmath. v , Abg. Dr. Förster (Ref.-P.) weist darauf hin, daß eine ganze Reihe von Fällen öffentlich besprochen worden sind, in denen Mädchen unter trügerischen Vorspiegelungen nach dem Auslande verlockt wurden, um in Freudenhäusern, in Konstantinopel und anderen Orten begraben zu werden. Meist treiben Juden diesen Handel. Bei der Position Arbeiter-Statistik weist Abg. Bebel (Soc.) auf die vorliegenden Berichte über die Lageider Bäcker-, Müller- und Conditoreigehülfen hin. BemerkenS- werth ist, daß die Herstellung der Nahrungsmittel oft in den aller- schmutzigsten Räumen, stattfindet. Dagegen muß im ganzen Reiche einheitlich vorgegangen werd«. Auch bei der Fleischerei sind die Zustände in Bezug auf ArbeitSräume und Arbeitszeit traurig, desgleichen bei der Brennerei. UeberauS lange und schwere Arbeitszeit besteht in den Verkehrsgewerben, besonders bei der Pferdebahn, wo den Kutschern mindestens Sitzgelegenheit gegeben werd«- sollte. Die Arbeitszeit der Wäscherinnen betragt bei schlechtem Lohn 16 bis 18 Stunden. Auch die Lage der Glaser im Böhmerwald bedarf der Untersuchung-Ecret^r ö Bötticher: Den Mißständen bezüglich der Arbeitsräume ist theils durch Gesetz, theils durch Polizetoorschrift abzuhelfen. Einer einheitlichen Regelung für alle Gewerbe und das ganze Reich steht die Verschiedenheit in den Verhältnissen der Gewerbe entgegen, so daß sich da mehr locale und Bezirks-Anordnungen empfehlen. Betreffs der Arbeitszeit in den Verkehrsgewerben gib Untersuchungen eingeleitet. Heber den Wäschereibetrieb sind Beschwerden beim Bundesrath noch nicht eingegangen. Abg Bebel erkennt die Schwierigkeiten einer Reichsgesetzgebung betreffs der Arbeits- und Wohnräume, will aber eine allgemeine Untersuchung, die sichere Anhaltspunkte für Polizeivorschriften bieten würde. Beim Eapttel Statistische« Amt verlangt Abg. Schönlank (Soc.) parlamentarischeEvquttm mitcontra- dictorischem Versahren wie in England. Sociale Arbeiterftatifiit könne daS statistische Amt in feiner jetzig« Ausdehnung gar nicht Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 6. Februar. Der Antrag Eckels auf Auf- Hebung der Staffeltarife für Getreide- und Mühlen- fabrikate ist jetzt mit zahlreichen Unterschriften von Abge- ordneten aller großen Parteien im Abgeordnetenhause eingebracht worden. Berlin, 6. Februar. Die Kreuzercorvette „Marie erhielt Befehl, sich von der Südküste Chiles in die brasi- lianischen Gewässer zu begeben und dort zu den deutschen Schiffen „Arcona" und „Alexandrine" zu stoßen. Berlin, 6. Februar. Eine Extraausgabe des „Colonialblattes" enthält Berichte des Kanzlers Leist, des Regierungs- arzteS Plehn, des Premierlieutenants Haering und deS Steuer- manns Klein über die der Hauptsache nach bereits bekannten Vorgänge in Kamerun. Der durch den Aufstand verursachte Schaden an staatlichem Eigenthum wird nach ober* flächlicher Berechnung aus etwa 20,000 Mk. beziffert- am meisten haben das Haus deS Gouverneurs und das Hospital gelitten. Die Plünderung erstreckte sich meist auf private« Eigenthum: Kleidung, Eßwaaren und Getränke. Leist hebt daS tadellose Verhalten sämmtlicher an der Vertheidrgung des Gouverneurshauses und an dem Sturme beteiligten Europäer hervor. Plehn berichtet über Verwundungen, Premierlieutenant Haering über Einzelheiten bei der Erstürmung der Jostplatte- Klein schildert die Vorgänge in der Nacht vom 15. zum 16. December. Wien, 6. Februar. ES gibt sich eine allgemeine leb- haste Theilnahme über den Tod Billrot Hs kund. Der Bürgermeister Dr. Prix telegrafierte sofort an die Wittwe. Ueber die letzten Augenblicke Billroths wird aus Abbazia gemeldet: Billroth sprach noch bis 12 Uhr Nachts mit seiner Frau. Eine Stunde nachdem er sich niedergelegt hatte, läutete er und verlangte aufzustehen. AlS man ihm die Socken anzog, sank er leblos zurück. Morgen wird die Leiche eingesegnet und nach Wien gebracht. London, 6. Februar. Das „Bureau Reuter" erfahrt aus sicherer Quelle, daß vom Gouverneur von Sierra- Leone ein Telegramm eingegangen ist, welches die Nachricht von einem neuen Zusammenstöße französtscher Truppen mit englischen und einheimischen bestätigt. DaS sehr unbestimmte Telegramm gebe weder den Zeitpunkt, noch den Ort des Zusammenstoßes an. Die Re- gierung habe telegraphisch von dem Gouverneur Einzelheit« eingesordert, doch sei bekannt, daß efl auf beiden Seiten mehrere Todte gegeben habe. treiben. Die Bevölkerungsstatistik sei geradezu kläglich und bezüglich der Gewerbestatistik tappen wir im Dunkeln. Gewisse einzelstaatliche Statistiken, so die Finanz- und die Unterrichts-Stastik, müßt« in das statistische Jahrbuch mit ausgenommen werden. Abg. Haffe (ntl.) schließt sich diesen letzteren Wünschen an. Staatssecretär v. Bötticher: Daß unsere Enqueten mangelhafter seien als die englischen, ist nicht erwiesen. DaS statistische Amt des Reichs muß innerhalb seiner Eompetenz bleiben. DaS Unterrichtswesen ist Landessache. Eine neue Berufsstatistik wird mit der nächst« Bevölkerungsstatistik verbunden werden können. Ein end- gültiger Beschluß ist noch nicht gefaßt. Für eine Vermehrung der Zahl und Rubriken der statistisch« Fragebogen besteht im Lande wenig Neigung. Beim Eapttel Normalaichungsamt wünscht Abg. Lenzmann (frs. VlkSp.) Besserstellung der technisch« Hilfsarbeiter bei den vom Reichsamt deS Innern refsortirendm Aemtern. Dieselb« verdienten die ihn« zugewiesme fubaltcrnc Stellung nicht. , , m „ Staatssecretär v. Bötticher theilt den Wunsch nach Besserstellung der betreffenden Beamt«. Subalternbeamte sei« sie nicht, sie ständen zwisch« den höheren und mittleren Beamt«. Abg. Singer (Soc.) findet es characteristisch, daß ein Demokrat wie Lenzmann die „Gleichheit aller Bürger" besser gewahrt glaubt, wenn die technisch« HülfSarbeiter im Etat eine Zeile höher stehen. Beim Capitel Gesundheitsamt bittet Abg. Prinz Carolath (wildlib.) die Regierung um nochmalige Erwägung ihrer Stellung zu der Frage wegen Zulassung der Frauen zum medlcinisch« Studium. , „ rn Staatssecretär v. Bötticher: Von Reichswegm besteht für Ausübung des ärztlichen Berufes durch Frauen keinerlei Hinderniß. Approbirten Aerzt« könne auch durch die Behörden die Ausübung des Berufs nicht um deswillen versagt werden, weil sie weiblich« Geschlechts sind. Weitere Fortschritte zu machen bezw. Hindernisse zu überwind«, könne nur dadurch geschehen, daß es den Frau« ermöglicht werde zu ftubiren und zu dem Behuf das MaturitätS- zeugniß zu erlangen. In Berlin, Karlsruhe und anderwärts ständen ja auch schon Frauengymnafien. Wolle Vorredner, daß solche Gymnasien in größerer Anzahl entstehen, so könne da« nur durch die Landesgesetzgebung erreicht werd«. Abg. Dr. Langerhans (frs. Vlksp.) wünscht Einführung obligatorischer Leichenschau. . t , Staatssecretär v. Bötticher: Rach Erledigung deS Seuchm- gesetzes werde die Regierung an diese Materie herantreten. Morgen: Anträge aus dem Hause. Petersburg, 6. Februar. Der auswärtige Hande! Rußlands pro Januar bis November 1893 betrug: Export 537.314,000 Rubel gegen 431,063,000 im Jahre 1892, Import 387,801,000 gegen 341,178,000. Newyork, 6. Februar. Nach Meldungen aus Rio de Janeiro hat Admiral de Gama angekündigt, daß er nach 46 Stunden den Hafen in Blokadezustand versetzen werde. Er setze die Flotte in Bereitschaft und beanspruche die Rechte einer kriegführenden Partei. — Die „World" meldet, der amerikanische Geschwadercommandant werde den Kreuzer „Newyork" nach Desterro schicken, um dort die durch die Aufständischen bedrohten Jnteresien der Vereinigten Staaten zu schützen. Kairo, 6. Februar. Der Khedive eröffnete heute in Gegenwart der Minister und Lord Palmers die gesetzgebende Versammlung mit einer Rede, in welcher er auf die seit der letzten Session vor zwei Jahren vollendeten Arbeiten hinwies, so insbesondere auf die Herabsetzung der Steuern, die Ausdehnung der Eisenbahnen und die Bildung neuer Gerichtshöfe in Tokar und Suakin. Die Rede schloß mit einem Ausdrucke der Ergebenheit gegenüber der Bevölkerung und dem Land. Riaz Pascha brachte ein Hoch auf den Khedive aus. Riaz und Tigrane Pascha wurden später von dem Khedive im Palais empfangen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 6. Februar. Wie bekannt wird, hat der Ober- hofmetfter der Kaiserin, v. Mirbach, einen großen Theil der Stadtverordneten besucht, um für die Bewilligung städtischer Mittel zu Gunsten der Kaifer-Wilhelm-Kirche Stimmung zu machen. Berlin, 6. Februar. Zum deutsch-russischen Handelsverträge will der „Confectionär" erfahren haben, daß außer dem neuen Tarif auch Abmachungen getroffen werden sollen, welche auf die Verwaltungsmaßregeln Bezug haben. Es sei auch hier gelungen, von den russischen Unterhändlern Zugeständnisse zu erhalten, die für den gegenseitigen Zollverkehr von schätzenswerther Bedeutung seien. Prag, 6. Februar. Abermals explodirte in dem nahegelegenen Rakonitz in der Nähe der Realschule eine D.ynamitpatrone. Die Explosion war so stark, daß 60 Pfund schwere Steine in die Luft geschleudert wurden. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Unter den Einwohnern in Rakonitz herrscht große Erregung. Man befürchtet weitere Attentate. Budapest, 6. Februar. Der von der Opposition zur Verschleppung des Ehegesetzentwurfs gestellte Antrag, den Entwurf an die Section zu verweisen, wurde mit einer gewaltigen Majorität abgelehnt. Die Abstimmung bedeutet einen vollständigen Sieg der Regierung über die clericale Opposition. Paris, 6. Februar. In dem Testament des gestern Hingerichteten Anarchisten Vaillant wird die Vormundschaft über die Tochter Vaillants, Sidonie, dem Anarchisten Faure übertragen. Nachdem Vaillant noch in langen Tiraden den Anarchismus verherrlicht, schließt das Schriftstück mit folgenden Worten: „Sintemalen ich bei Lebzeiten jederzeit mein Möglichstes gethan habe, um der Wissenschaft im Besonderen, der Humanität im Allgemeinen Dienste zu erweisen, so sei es im Tode ebenso. Demgemäß soll mein Körper nach der Hinrichtung sobald als möglich der Medicin übergeben werden, damit man noch zu rechter Zeit die somivitalen Phänomene studiren kann, die mit der Disagregation der Moleküle verschwinden. Paris, 6. Februar. Einige Blätter verhöhnen den Scharfrichter Deibler^ welcher den Anarchisten Vaillant gestern hingerichtet hat und hierbei ein neues Bombenattentat Seitens der Anarchisten befürchtet haben soll. Das Haus Deiblers wird aus seinen besonderen Wunsch polizeilich bewacht. Belgrad, 6. Februar. Auf dem Balle der Belgrader Kaufmannschaft machten König Alexander und Exkönig Milan Gruic Vorwürfe wegen der Angriffe der radicalen Presse auf den König. Alexander bemerkte: „Die radicale Presse hat den Fehdehandschuh hingeworsen- ich hebe ihn auf." Sofia, 6. Februar. Die Brüder Iwanow haben an Fürst Ferdinand ein Gnadengesuch gerichtet, worin sie erklären, den Attentatsversuch ernstlich zu bereuen. Der Fürst möge sie begnadigen, damit sie beweisen können, daß sie auch bulgarische Patrioten sein können. Madrid, 6. Februar. Die Anarchisten treiben gegenwärtig unter den zahlreichen Arbeitslosen in Sevilla und Cadix eifrig Propaganda/ man befürchtet ernste Unruhen. Warschau, 6. Februar. Im Kaukasus, in Transcaspien und an der Wolga haben starke Sckneestürme den Verkehr fast völlig abgeschnitten. Längs der sibirischen Eisenbahn und am Nordrande der Kirgisensteppen sollen artesische Brunnen angelegt werden. Localer unb Provrirzlever. Sieben, 7. Februar 1894. ** Auszeichnung. Mittelst Allerhöchster Entschließung L>r. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurde dem Großh. Bürgermeister Johs. Schwarz zu Garbenteich das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" verliehen und demselben heute durch Herrn Provinzialdirector Freiherrn v. Gagern überreicht. ** Oberhesfischer GeschichtSvereiu. Wie aus den Anzeigen ersichtlich, wird die am Donnerstag Abend 8 Uhr im (Safe Balzer stattfindende Sitzung des Oberhefsischen Geschichtsvereins zwei Vorträge bringen. Herr Pfarrer Knab- Bruchenbrücken hat „Mittheilungen aus einem Vogelsberger Pfarrarchiv" angekündigt und Herr Professor vr. Buchner wird über „die Anfänge des Buchdrucks und der Censur in Gießen" sprechen. In den Pfarrarchiven kleinerer Orte liegt noch eine Menge für die Culturgeschichte in Betracht kommendes Material verborgen und es ist ein dankenswerthes Beginnen, immer mehr davon ans Licht zu fördern. Wir dürfen daher den Ausführungen des Herrn Pfarrer Knab mit Interesse entgegensetzen. Auch das Thema des Herrn Professor Buchner darf des Beifalls sicher sein, da es gewiß allgemein interessirt, über die Wurzeln unseres einheimischen, heute in so hoher Blüthe stehenden Buchdrucks Authentisches zu erfahren, zumal Herr Professor Buchner zum großen Theil aus ungedruckten, bisher unbekannten Quellen schöpft. — Wir bemerken noch, daß von Vereinsmitgliedern eingeführte Gäste willkommen sind. *♦ Da8 Gießener Gymnasium. Seit einigen Jahren pflegt unser Gymnasium von hervorragenden Schulmännern des Auslandes besucht zn werden. Den mündlichen Anerkennungen über die Einrichtungen und die Ziele dieser Lehranstalt hat nunmehr der Professor der Universität Löwen, Collard, welcher im vorigen Jahre längere Zeit zwecks Studiums der hiesigen Gymnasialverhältnisse hier weilte, eine schriftliche beigefügt. Es ist dies in einem besonderen Werke geschehen, welches unter dem Titel: „Lapedagogie ä Giessen. Par F. Collard, professeur ä l’universite de Louvain. Louvain 1893.“ 204 S. soeben erschienen ist. Die „Darmst. Ztg." schreibt dazu: „Das hessische höhere Schulwesen und besonders das Gießener Gymnasium mit seinem bekannten Director H. Schiller darf stolz sein auf die Beachtung, die ihm selbst das Ausland schenkt. Der Löwener Professor, der in diesem Werk die Einrichtungen der Gießener Anstalt einer sehr eingehenden und fast durchgängig lobenden Besprechung unterzieht, thut dies auf Grund eines mehrwöchentlichen Aufenthalts in Gießen. Er hat im Auftrage der belgischen Regierung außerdem die in der heutigen pädagogischen Bewegung vorzugsweise noch in Betracht kommenden Gymnasien in Jena, Halle und Köln besucht, um besonders die Unterrichtsmethode an diesen ihm als vorbildlich erscheinenden Anstalten zu studiren. Daß er in Gießen am meisten fand, was ihm beachtens- und nachahmenswerth schien, und ein dickes Buch darüber schrieb, das allgemein pädagogischen Werth hat, ist eine Ehrung, wie sie selten vorkommen dürfte. Hier wollen wir uns darauf beschränken, diese Ehrung, an der das ganze hessische Schulwesen theil hat, zu verzeichnen, und den Director und sämmtliche Lehrer der Anstalt, deren Unterricht mit Namensnennung eingehend besprochen wird, zu beglückwünschen. Der Verfasser ist durchaus kein kritikloser Lobredner; wo er anderer Meinung ist, bringt er sie offen zum Ausdruck. Aber der Punkt, dem er ungeschränktes Lob spendet und in dem er eine hervorstechende Eigenart des Gießener Gymnasiums sieht, ist die Einheit im Unterricht, die dort herrscht. Sie erstreckt sich nach ihm darauf, daß jeder Lehrer 1) elementar unterrichtet, 2) beständig die Selbstthätigkeit, das eigene Nachdenken der Schüler in Anspruch nimmt, 3) möglichst viele Beziehungen zwischen den einzelnen Fächern und dann wieder zwischen den Ausgaben der einzelnen Klassen sucht und findet und so ruhige Klarheit der Begriffe in den Schülern erzielt. Außerhalb dieser Forderungen bleibe jeder Lehrer, er selbst bewahre seine Eigenart und habe die größte Freiheit! Die Leistungen der Schüler, die der Verfasser im Unterricht und durch Einsicht in die Hefte kennen gelernt hat, bezeichnet er als vortrefflich. Den Grund dafür, daß die Anstalt eine unleugbare Superiorität allen ihm bekannten Gymnasien gegenüber habe (un etablissement de premier ordre nennt er z. B. jene), findet er in dem dortigen pädagogischen Seminar unter der Leitung eines so hervorragend kundigen und erfahrenen Mannes und in der gerade hierdurch bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit gesteigerten Tüchtigkeit der Lehrenden." ** Im Kaufmännischen Verein wird der durch seine Wetter-Analysen berühmte Professor Rudolf Falb am 19. Februar einen Vortrag halten über das Thema: „Kritische Tage, Sintfluth und Eiszeit." Wir machen schon jetzt an dieser Stelle auf diesen, durch die Interpretation deS berühmten Wetterkundigen selbst um so interessanteren Vortrag aufmerksam/ dem Kaufmännischen Verein aber, welcher hohe Kosten nicht scheut, um seinen Mitgliedern diesen Vortrag zu bieten, vollste Anerkennung. ** Concert Raoul KoczalSki in Gießen. Auf Wunsch des Concertveretnsvorstandes und im Interesse der Besucher des Concertes machen wir hiermit nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam, daß der Beginn des Concertes Punkt 4 Uhr ist. ** Unsere Störche werden, wenn sie demnächst aus dem fernen Süden hier eintreffen, wieder ein Nest vorfinden, denn es wurde ihnen ein solches auf dem alten Schlosse, wenige Meter von dem Standorte des früheren Nestes, errichtet. Hoffentlich zeigen sich die Klapperstörche erkenntlich und nehmen die neue Wohnung auch an. ** Der gestrige FastnachtS DienStag trug fast dieselbe Physiognomie wie seine Vorgänger in früheren Jahren. Unschwer ließ sich indeß erkennen, daß die Zeit- und Erwerbs- Verhältnisse für Viele nicht darnach waren, große Sprünge zu machen/ es ging im Allgemeinen sehr nüchtern her. Das ziemlich zahlreich auf den Straßen sich bewegende Publikum bestand lediglich aus Schaulustigen, die aber erheblich in ihren Erwartungen getäuscht wurden. Wenige kleine Gruppen, die stereotypen Musikbanden und einzelne Charactermasken war so ziemlich Alles, was zu schauen war. Auch nach Eintritt der Dunkelheit ging es in den Wirtschaften, obwohl sie ziemlich besetzt waren, nicht so hock her, wie vielfach erwartet wurde. Wer nicht von den in einigen größeren Localen abgehaltenen Vereinsfestlichkeiten in Anspruch genommen war, suchte bei Zeiten sein Heim wieder auf, und fand so ohne irgendwelches Geräusch die diesjährige Fastnacht ihr Ende. ** Drei Schlägereien mit Körperverletzungen kamen gestern vor. In allen Fällen handelt es sich um leichtere Verletzungen. Anzeigen sind erhoben. ** Spürsinn im Großherzogthnm Heffen. Nach einer eben veröffentlichten Zusammenstellung der Verwaltungsergebnisse der Sparkassen im Großherzogthum Hessen im Jahre 1891 war die Zahl der Einleger bezw. der ausgegebenen Sparkassebücher 187,891 (davon in Starkenburg 95,536, in Oberhesien 44,301 und in Rheinhessen 48,054). Die Einlagen betrugen 128,194,267 Mk., der baare Kassenbestand 3,037,217 Mk., die verzinslich angelegten oder ausgeliehenen Capitalien 129,920,968 Mk., die Reservefonds 10,270,084 Mk. — Auf 1000 Einwohner kamen in Starkenburg 225,65, in Oberhesfen 166,21, in Rheinhessen 154,60 und im ganzen Großherzogthum 187,75 Einleger. Auf einen Einwohner kommt an Einlage in Starkenburg 146,70, in Oberhesien 82,85, in Rheinhessen 141,56, im Großherzogthum 128,10 Mk. St. Großeu-Liudeu, 5. Februar. Am vergangenen Sonntag den 4. cr. feierte der hiesige Turnverein fein diesjähriges Winterfest. Dasselbe war in jeder Hinsicht als gelungen zu bezeichnen, trotzdem vor kurzer Zeit ein zweiter Verein gegründet wurde. Nach einigen Ansprachen folgten komische Vorträge, welchen sich ein Tänzchen anschloß, das die Anwesenden in heiterer Stimmung bis zum Morgen zusammenhielt. § Grebenhain, 5. Februar. Die erste diesjährige Holz- versteigerung fand heute in Ilbeshausen statt. Die Preise waren durchschnittlich etwas höher als im Vorjahre. Buchen-Scheitholz 1. Klasse kostete Mk. 3.50 bis Mk. 4.—,. 2. Kl. Mk. 2.50 bis Mk. 3.—, Buchen-Knüppel 1. Kl. Mk. 3.80 bis Mk. 4.20, 2. Kl. Mk. 2.— bis Mk. 2.40,. Buchen-Reisig 50—80 Pfg. das Raummeter. Fichten-Stämme kosteten pro Festmeter Mk. 8.— bis Mk. 10.—, Fichten- Derbstangen Mk. 3.— bis Mk. 4.—. Darmstadt, 6. Februar. Hochzeitsgabe für das Grobherzogliche Brautpaar. In der gestern Nachmittag 3 Uhr in der Aula des Realgymnasiums stattgehabten Versammlung, welche von Damen aus allen Kreisen der Bevölkerung besucht war, fand die Idee einer gemeinsamen Hochzeitsgabe der Frauen und 'Jungfrauen der Stadt allseitige Zustimmung. Die Hochzeitsgabe anlangend, ist die Anfertigung eines aus dem von der römischen Rheinbrücke bei Mainz herstammenden Holze gearbeiteten Schrankes in Anregung gebracht worden. A Mainz, 6. Februar. Während des diesmaligen Car ne v als haben sich die ungünstigen Geschäfts- und Geldverhältnisse sehr merklich abgespiegelt. Abgesehen davon,, daß die osficiellen Veranstaltungen, wie der Rosenmontagzug, Fackelzüge, Kappenfahrt, Jahrmarkt u. f. w. in Anbetracht der Verhältnisse eine wesentliche Einschränkung erfahren mußten, hat sich in dem ganzen Leben und Treiben gezeigt, daß die richtige frohe Stimmung fehlte und man sich mehr aus Gewohnheit in den Carnevalsstrudel stürzte. In den großen Hotels und Restaurants, in welchen man in diesen Tagen sonst kaum noch einen Platz finden konnte, zeigten sich gestern und heute noch sehr große Lücken, wozu noch trat, daß der Consum an Speisen und Getränken ein merklich geringerer, war. Auch der Fremdenzuzug war ein sehr bescheidener, woran allerdings theilweise die ungünstige Witterung Schuld getragen haben mag. — Die Köln-Düsseldorfer Gesellschaft hat heute ihre Fahrten wieder ausgenommen und zwar ab hier zu zwei Thalfahrten, 10 Uhr Morgens nach Köln und 11 Uhr Vormittags nach Coblenz, Köln, Rotterdam. ■■■'■..... । .■ ... । in .. -...... Vermischtes. * Köln, 6. Februar. Am verflossenen Samstag entfloh infolge Zerreißens des Taues ein Fesselballon der militärischen Luftschifferabtheilung. Bis heute sind Nachrichten über den Verbleib des Ballons nicht eingetroffen. Im Beobachtungskorbe sollen sich ein Offizier und zwei Mann befunden haben. * Bayreuth, 6. Februar. In Thi erst ein wurde der Webermeister Hoerl erschlagen und beraubt. — In Teuschnitz kam ein Brudermord vor. Der Tafelmacher Johann Stark erschlug aus Eifersucht seinen Bruder Georgs * Berlin, 6. Februar. Die Blätter berichten von einem Mordanfall gegen einen Cigarrenhändler in der Markus- straße, der gestern Abend nach 10 Uhr in seinem kleinen Laden überfallen, verwundet und dann durch eine Fallthür in den Keller gestürzt sein soll. Dann hat der Räuber den Laden in Brand gesteckt, und als die Feuerwehr eindrang, entdeckte sie im Keller den hilferufenden Ladeninhaber. Die ganze Angelegenheit ist etwas mysteriös, die Ladenkasie und Privatkasse soll beraubt sein. Der Ladeninhaber ist nur leicht verwundet. In einzelnen Berichten wird bemerkt, daß er ziemlich hoch gegen Feuerschaden versichert war. * Eisenach, 5. Februar. Oberst Arnswald, der Commandant der Wartburg, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. • Lindau, 1. Februar. Die südlichste und die nördlichste der deutschen Garnisonen, Lindau am Bodensee und Memel, stehen in besonders freund- und kameradschaftlichen Beziehungen. Am NeujahrStage beglückwünscht alljährlich das Memeler Offiziercorps telegraphisch die bayerischen Kameraden und dieser Glückwunsch wird sofort auf dem nämlichen Wege erwidert. Am Geburtstage des Deutschen Kaisers sandten die Lindauer Offiziere zuerst einen Festgruß, der natürlich bald beantwortet wurde. Die Lindauer Offiziere (3. Bataillon vom königl. bayerischen 3. Infanterie-Regiment) telegraphirten: „Hoch lebe der Kaiser! rufet der Süden, Hoch lebe der Kaiser! ruft mit erglühten freudigen Herzen der äußerste Norden! Der Ruf ist's, aus dem uns die Freundschaft geworden." Die Memeler Offiziere (3. Bataillon des Jnsanterie- Regiments Nr. 41) erwiderten: „Von Ost zu West, von Nord zu Süd — Heut Jubel laut das Land durchzieht — An unsres Kaisers Ehrentag — Millionen Herzen und ein. Schlag!" Ä* -ft? 5?nMen 16460 -®"6h4: |a"«tni" Semit., «e,u* «mit «mj„ * d.« bit gj i™ borgen ia, ,*Wnn«o[|. |Qul,n, statt. Ux im Vorjahre. •50 bis Mk. 4 _ ^N'Knüppel l. flf bis Mk. 2.40* Nchten'Stäinirr • ^0.-, Uchten- 'gäbe für das der gestern Nach. iums stattgehabten n Kreijen der De. 'iner grmrmjamen m der Stabt all- ankangrnd, ist die *\\ Rheinbrückc teten Schrankes in d des diesmaligen >en Geschäfts' und Abgesehen davon, >er Rosenmontagzug, s. w. in Anbetracht ung erfahren mutzten, en gezeigt, datz die sich mehr aus Ge- e. In den großen i in bitftn Lagen jtlgttn fid) geflern och trat, datz der merklich yxin&txtt. i W brMbrner, e Witterung Schuld Oldorfer Gesellschaft nmcn und zwar ab |en8 nach Köln und Rotterdam. enen SamStag eni- Fesselballon der heute sind Nachlichien ngetroffen. Im 8f und zwei Monn bt- hierstein wurde der , beraubt. - wr. Der Tafelmacher seinen Bruder Georg. r berichten von einem ndler in der Mrkus- ßr in fernem kleinen tat in $«* tm blt 8«bi* *6« W ««* “b Wei®, ** 8‘ 3“*"’ „„b di- «*'* *eler chen, W er» t nämlichen 9 6j( 16 * iß, 6il "(3 jgit-i"°- O-->- S°ß-s «8^" bfiafH'' ,5 d« 8 . «nf«««"1’ Jon !^chziehl" Konen F’ ♦ Bonn, 4. Februar. Gestern Abend stürzte an der BivatSgasse, wo sich auf dem Boden der alten UmrroHung der früheren Festung Bonn noch verschiedene Häuser b finden, der Giebel eines Hauses ein, fiel gegen das anliegende HauS und brachte auch dieses zum Zusammensturz. In dem zweiten Hause befanden sich sieben Rinber, doch ist glücklicherweise keines zu Schaden gekommen, sie wurden mittels Leitern durch die Feuerwehr gerettet. Die Straße ist heute polizeilich abgesperrt und die Feuerwehr mit dem ÄuSräumen der Häuser beschäftigt. • Rüdesheim, 3. Februar. Der verstorbene Kirchen- vorsteher Ad. Pohl hat sein Vermögen, das nach Abzug von 12,000 Mk. an Legaten noch über 100,000 Mk. beträgt, dem hiesigen Kirchenvorstand vermacht, um die Pfarrkirche entsprechend zu vergrößern oder eine neue Kirche für die Borstadt zu erbauen. Der katholische Gesellcnveretn erhält 4000 Mk. • Dortmund, 3. Februar. Der auS Marienburg stammende Arbeiter Bl en Skt befand sich im vergangenen Sommer in Geldverlegenheit, aus der er sich in folgender Weise befreite: Er ging zum Standesamt und meldete den Tod seiner Frau an, die aber noch munter lebte. Die Sterbeurkunde sandte er nach Marienburg an die dortige Arbeiter Sterbekasse, deren Mitglied er war. Die Sbffe zahlte ihm das satzungsmäßige Stelbegeid von 150 Mk. aus. Jetzt hatte BlenSki Geld, aber die Sache wurde bald bekannt. Das Schwurgericht verurtheilte jetzt den Mann wegen Urkundensälschung und Betrugs zu neun Monaten Gefängniß. * In einem Sheversprechungsprozeh zwischen einer wohlhabenden Wittwe und einem jungen Kausmanne, welcher eine Entschädigung von 20,000 Mk. beanspruchte, machte Kläger eine Spesenrechnung gegen seine frühere Braut noch besonders geltend. Bei der Verlesung der Ausgabenrechnung erregte ein Posten allgemeine Heiterkeit: Ein Frühstück und zwei Lier 4 Mark. — Was kostet das Hundert? wurde gefragt. S. Antwerpen. 6. Februar. Ein Hauptzugmittel wird auf der diesjährigen Weltausstellung die Straße von Cairo bilden, die von einem Consortium von Unternehmern erbaut werden wird. Die Pläne zu diesem Unternehmen sind I fix und fertig, und schon in den nächsten Tagen soll mit I ihrer Ausführung begonnen werden. Ein Mitglied jenes Consortiums weilt seit einem Monate in Constanttnopel, wo er die geeigneten Individuen zur Bevölkerung der Straße anwirbt, und ein zweites Mitglied ist vor vierzehn Tagen nach Cairo abgereist, um dort zu einem ähnlichen Zwecke thätig zu sein. Wie das Preß-Comite der Ausstellung in einem den hiesigen Vertretern der auswärtigen Zeitungen mitgetheilten Cir.ulaire versichert, „wird die Straße von Cairo in Antwerpen an Glanz Alles übertreffen, was in diesem Genre bis dahin geleistet worden ist, und sie wird selbst diejenigen von Paris und Chicago weit hinter sich lassen." Bemerkt sei noch, daß die Ausstellung bereits deutlich ihre Schatten vorauswirst. Der Verkehr in unserer Stadt hat sich ersichtlich gehoben und eine Menge von Fremden treffen tagtäglich hier ein, darunter viele Aussteller und deren Angestellte, aber auch viele Personen, d e während der Ausstellung hier ihr Glück zu machen hoffen. Wenn die Sache in dieser Weise weiter geht — wofür alle Anzeichen sprechen — so wird mit dem Beginne der Ausstellung der Fremdenzufluß ein ganz riesiger werden. ♦ Von der russischen Grenze, 2. Februar. Eine heilere Schmuggclge schichte wird hier erzählt: Eine Dame wollte in ihrem Wohnorte in Russisch Polen eine Weckuhr kaufen. Der Preis, den der Uhrmacher stellte, war ihr zu hoch und so kaufte sie eine Uhr gelegentlich einer Reffe jenseits der Grenze. Zufällig traf sie auf der Heimfahrt unterwegs den Uhrmacher ihrer Heimath, zeigte ihm die Uhr und rühmte sich, daß sie die Uhr sehr billig gekauft hättt. Der Uhrmacher besah die Uhr und stellte unbemerkt den Wecker so, daß er zu der Zeit ablaufen mußte, wenn die Dame die Grenze überschritt. Bei der Zollrevision hatte die Dame die Uhr in ihren Kleidern versteckt, als sie sich plötzlich zur all- > gemeinen Heiterkeit durch ihr Wecken meldete. Die Uhr , wurde beschlagnahmt, die Dame mußte Strafe zahlen und der Uhrmacher hat außer seiner Rache die stille Hoffnung, daß die Dame nun doch bei ihm kaufen muß. Eingesandt. Gießen, 7. Februar 1894. Sie brachten gestern in Ihrem gescbätzten Blatte eine Local- nolU, daß der Aechtverband «ließen-Lahr von seinen beiden Maskenbällen 100 Lik. Ueberschuß gehabt, habe. Die«^beruht auf einem Jrrihum; es sind von beiden Ballen nicht 100, sondern 249 Mk. erübrigt worden. Die Gelder werden theils dem Baufonds und theils zur Unterhaltung von Waisen verwendet. Der Vorstand deS Fechtverbands Gießen-Lahr. Pfeffer. * Sin wirksames Recepl. In Sachsen berg im Fürsten- thum Waldeck ging kürzlich, wie den „M. R. R." berichtet wird, ein Knecht aus Beranlaffung seines Dienstherrn zum Arzte um sich von einem nicht bedeutenden Leiden curtren zu lasten. Der Arzt gab dem Patienten nach Feststellung seiner Krankbett das Recept mit den Waren: „So, mein Sohn, das mußt Du etnnehmen, dann wird rS sich schon machen." Am anderen Tage erkundigte sich der Dienstherr nach dem Erfolg der ärztlichen Verordnung und erfährt von dem Burschen, daß sich die Arznei mH dem Papier zwar sehr schlecht habe einnehmen lasten, doch glaube er, daß eine Besserung bereits eingetreten sei. Der Bursche hatte daS Recept verschluckt. Sehiffsnaehrtckcken -es Nor-d. Lloyd. In Gießen vertreten durch die Agenten Carl LooS und I. M. Schnlhos. Bremen, 6. Februar. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfex H. H. Meier, Eapt. M. Möller, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Januar von Bremen abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Vormittags wohlbehalten in Newyork angekommcn. ______________________________________________ AirchttcheAnzeigen der evang. Gemeinde. Mittwoch den 7. Februar: AbendS 6 Uhr in der Stadtkirche: Erster Passionsgottesdienst Pfarrer Schlosser. Anmerkung: Das frühere PassionSbüchelchen wird diesmal nicht benutzt. Es wird nur aus dem Gesangbuch gesungen und eS wird gebeten, in dem Gesang eines begonnenen Liede« immer wieder fortzuiahren, so lange, btS ein neues Lied angekündigt wird- Bekanntmachung. Die Lieferung des Armenbrodes und des Bedarfs des Bürgerhospitals für das Rechnungsjahr 1894/95 an Brod, Wecken, Kuchen, Mehl, Milch, Fleisch, Schmclzsett, Colonialwaaren, Hülsenfrüchten, Seife, Petroleum 2c., sowie die Fertigung der Schuhe und Särge für Arme soll im Wege der Submission vergeben werden und sind Offerten hierauf verschlossen, unter Beifügung von Mustern, bis zum 25. d. M. auf dem Armenamte — Zimmer Rr. 3 der Bürgermeisterei — woselbst auch die Bedingungen eingesehen, sowie die zur Submission auf Colonialwaaren rc. zu verwendenden Formularien bezogen werden können, einzureichen. Gießen, 3. Februar 1894. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. G n a u t h. Brennholz- i Versteigerung in den Waldungen der Stadt sch. ES werden versteigert: Donnerstag, 15. Fcbruarl. I., Vormittags IO Uhr, in der Forstwartei Hinterwald, District M Such köpfe: 300 rm Buchen-, 19 rm Eichen-, 4 rm Weichholz-Scheiter, 61 rm Hainbuchen-Rundscheiter, 125,8 „ Buchen«, 16,6 rm Eichen-, 7,2 rm Weichholz-, 1,2 rm Obstbaum-Knüppel, 3935 Wellen Buchen-, 500 Wellen Eichen-, 100 Wellen Weichholz- Reisig, 206,6 rm Buchen-, 38,8 rm Eichen-, 7 rm Weichholz-Stöcke. Zusammenkunft auf dem Burkhardö- felder Weg beim Floß. Anfang in Mönchköpfe bei Abz.- Nr. 445. Lich, 6. Februar 1894. Großh. Bürgermeisterei Lich. __Walz.________1082 Mittwoch den 21. Mär;, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Orlsgericht die den Eberhard Fenster Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 26 Nr- 265 4 — 50 qm Grabflarten am unterst«n Riegelpfad zwischen den Wegen, Flur 26 Nr. 265,6 — 643 qm Hofraithe daselbst, Flur 26 Nr. 265, t — 547 qm Zimmerplatz daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 7. Februar 1894. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A: Bogt. 1093 Aeikgeöotenes. UW- wird durch JßleibS S- Katarrhpastilleu mW- in kurzer Zeit radical ” MllkN beseitigt. [30 Beutel 36 Pfg- in Gießen bei Benner «. Krumm, Bahnhofstraße 40, und ä ©. Wallenfel», Marktplatz 21. Schürzen für Damen und Kinder in den neuesten Fatous, Haushaltungsschürzen aller Art in großer Auswahl empfiehlt billigst [873 JT. H. Fuhr, Sonnenstraße 25. Kräftigung v. Suppen, Braten, Tunken, Fisch etc. In Dellcatess-, DroRruen- und Colonialwaaren - Geschäften käuflich. General - Depositäre . Türk <4 Frankfurt a. M. 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Indem wir dies den Wohlthätern und Freunden der Anstalt mittheilen, richten wir an dieselben die herzliche Bitte, uns auch in diesem Jahre freundlichste Unterstützung gewähren zu wollen. Wir haben für nahezu 200 Kinder in unserer Anstalt zu sorgen und sind hierbei zumeist auf Liebesgaben angewiesen. Gießen, den 3. Februar 1894. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. Dr. Naumann. Versteigerungs-Anzeige. Donukrstas Len 8. Februar 1894, vormittags 9 klhr und Nachmittag« 2 jlhr beginnend, werden auf freiwilliges Anstehen der Casinogesellschaft i* Liq. zn Sich in deren seitherigem Vereinslocal folgende Gegenstände: 1 Billard, 1 Clavier (Flügel), 1 Kegelspiel mit 8 Kugel«, 1 vollständige Theatereinrichtung, 1 sechsarmiger Petro- leumlüstre, Zughängelampen, Wirthstische, 1OO Stühle, verschiedene Buffetschränke, Kleiderschränke, 1 Theke, Flaschengestelle, Reale, Kaiserbilder, 1 großer Spiegel, Weißzeug, Vorhänge, Gläser, Porzellan, Flaschen, Küchengeräthe u. dgl. m. 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