1894 ?lr. 287 Erstes Blatt. Freitag den 7. Tecember Der Kteßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag». Die Gießener AnmikteuVtLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt. vierteljähriger j Avounemeulsyrels: *9 2 Mark 20 Pfg. mir Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schntstraße Ar. 1. Fernsprecher 51. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Giefzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Dorm. 10 Uhr^ Hratisöeikage: chießener Kamitienbkätter. Alle Annoncen>Burcaux des In- und Auslande- nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeg«. Anrtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des GroßherzogthumS; hier aus Anlaß des Frühjahrs-Pferde- markts zu Friedberg. Der Ortsvorstand zu Friedberg beabsichtigt mit dem am 26. und 27. Februar 1895 zu Friedberg abzuhaltenden Frühjahrspferdemarkt eine Verloosung von Pferden, Fohlen und sonstigen Gegenständen zu verbinden. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 12 000 Loose zu 1 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 60°/o des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenftänden zu verwenden sind. Der Vertrieb der Loose im Großherzogthum ist ge* stattet. Gießen, den 5. December 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutscher Reichstag. 1. Sitzung. Mittwoch den 5. December 1894 (im alten Reichstagsgebäude). Am Bundesrathsttsche: Reichskanzler Fürst Hohenlohe, Staats- fecretäre v. Marschall und v. Böittcher, Minister Dr. Miquel, d Berlepsch, v. Hawmerstetn, v. Keller und Schönstedt. Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung mit der Mit- tbeiluug, daß der Etat nebst dem Colonialetat eingegangen ist. Die Umsturzvorlage ist noch nicht etngegangen. Der Namensaufruf eraiebt dteAnwefenheit von 333 Abgeordneten. Die nächste Sitzung findet morgen 1 Uhr im neuen Hause statt. Mit der Tagesordnung: Wahl deS Präsidiums und schleunige An- träga auf Einstellung der gegen die Abgeordneten Schippel, Herbert und Hirsche! schwebenden Strafverfahren. Hierauf nahm Präs. Levetzow Abschied von bemalten Hause, in welchem der Reichstag unter dem Präsidenten Stmfon am 16. Octoder 1871 feine erste Sitzung abhielt. 21 der Herren, die damals hier anwesend waren, gehören noch heute dem Reichstage an: die Abg. Bebel, v. Benda, Dr. v. Bennigsen, Bock (Aachen), Dr. Böhme, a Gerlacb, v. Grand Ry, Dr. Hammacher, v. Heeremann, o. Kalkstein, v Kardorff, v. Kehlen, Cender, Dr. Lieber, Lingens, Marquardsen, Richter, Rudolphi, Stein, o. Stumm und Uhden. Es sind viele von den Männern, die damals hier tagten, zu ihren Vätern gegangen. Wie oft haben wir nicht das Andenken Geschiedener durch Erheben von den Plätzen ehren müssen. Als der Reichstag dies Haus bezog, war die Begründung des Reichs abgeschlossen. Aber der legislative Ausbau des Reichs vollzog sich hier. Ich erinnere an die Justiz- aesetze, die socialen Gesetze, diejenigen zur Stärkung der Wehrkraft und der Finanzen, die Handels- und Wtrthfchaftepoltttk, die Verfassung und Verwaltung der Reichslande. Hier erhielten wir die das ganze Vaterland tief erschütternde Kunde von dem Ableben des alten Kaisers Wilhelm, des Gründers des deutschen Reiches. Hierher wurden wir berufen, als der überall schmerzlich empfundene frühzeitige Tod des Kaisers Friedrich eingetreten war und des jetzigen Kaisers Majestät die Regierung übernahm. Wie überall, so haben auch in diesem Hause gute und böse Tage gewechfilt. Oft war der Redekampf erregr, die Arbeit fchwer, aber stets hat über uns die Fahne des Reiches, zu der wir halten, geweht. (Beifall.) Scheiden thut immer weh, und deshalb scheiden wir auch heute nicht ohne Wehmuth. Nie, meine Herren, werde ich selbst es vergessen, daß der Reichstag nie, zu keiner Zett, es an Nachsicht mir gegenüber hat fehlen lassen. Mit dem Ausdruck des DankeS hierfür schließe ich diese Sitzung und dieses Haus.____________ Neueste Nachrichten Wolff« telegraphische« Sorrespandenz-Buren». Berlin, 5. December. Die Eröffnung desReichs - tageS vollzog sich im Rittersaale des Schlaffes- etwa 200 Abgeordnete waren anwesend. Um 11 x/2 Uhr traten die Mitglieder des Bundesraths ein, geführt vom Reichs- kanzler. Als der Kaiser in der Uniform der GardeS du CorpS den Saal betrat, brachte Levetzow ein dreimaliges Hoch aus. Der Kaiser verneigte sich dankend, bedeckte das Haupt mit dem Helm und verlas die Thronrede. Die Stellen, die von dem Schutz der schwächeren Klaffen handeln, wurden von lebhaftem Beifall begleitet, ebenso die Ankündigung des Gesetzes über Entschädigung unschuldig Verurtheilter, des Börsen» gesetzes und der Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Die Sätze über die Friedensausstchten verlas der Kaiser mit erhobener Stimme. Nach der Verlesung brachte der bayerische Bundesrathsbevollmächtigte ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus, der nach einer Verneigung den Saal verließ. Berlin, 5. December. Zu dem Banket im neuen Reichstagsgebäude waren die Reichstags-Abgeordneten zahlreich erschienen. Auch viele Mitglieder des Bundesraths und Minister waren anwesend. Präsident v. Levetzow hieß die Gäste, besonders die Mitglieder des BundesratheS und Wallot, willkommen. Herr v. Bötticher trank auf die Fortdauer der guten Beziehungen des BundeSrathS zum Reichs- tage. Wallot dankte mit einem Hoch auf das deutsche Parlament. Berlin, 5. December. Der „Post" zufolge schließt der ReichSetat für 1895/96 in Ausgabe und Einnahme mit Mark 1,247.256,063 ab. Bet den Ausgaben en,fielen Mk. 1,100,554,613 auf fortdauernde, Mk. 98,844 584 auf die einmaligen ordentlichen, Mk. 47,856,866 auf die außerordentlichen Ausgaben. Berlin, 5. December. Die heutige Sitzung der Medi- ctnischen Gesellschaft brachte blos den Beginn der Diphtherieserum-Debatte, worin aber Virchow die Serumbehandlung vertheidigte. Profeffor Bergmann als erster Redner berichtete, seine vor drei Jahren auf Behrings Beraulaffung an Thieren und Menschen unternommenen Versuche seien ungünstig ausgefallen, ebenso die mit Antitorin gegen Starrkrampf. Erst diesen Sommer hätten ihn Virchows Berichte zu neuen versuchen ermulhigt. Er wolle aber seine Erfahrungen erst nach Jahresablauf mittheilen. Bergmann bekannte sich als Anhänger der Lehre des Löffler'schen Diph- iheriebazilluS. Diel entschiedener trat Virchow für die Serumbehandlung der Diphtherie ein. Er lasse die Bazillusfrage auf sich beruhen, aber die auffallende Abnahme der Mortalität in den Wochen nach der Einspritzung und die zunehmende Sterblichkeit während des AussetzenS der Serumbehandlung seien nach der Statistik des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich- Krankenhauses brutale Thatsachen, die den Arzt verpflichten, das Mittel weiter zu versuchen, zumal die schädigenden Wirkungen nahezu verschwindend gering seien. Die immuni- sirende Wirkung des Mittels dagegen sei sehr unsicher. — Die Fortsetzung der Debatte erfolgt in der Sitzung am nächsten Mittwoch. Kopenhagen, 5. December. Der Justizminister erließ eine sofort in Kraft tretende Verfügung, wodurch die angeordneten Maßregeln gegen Einschleppung ansteckender Krankheiten aus den russischen Häfen am finischen Meerbusen, aus den Ostsee- und den niederländischen Häfen und aus London aufgehoben sind. Rom, 5. December. Kammer. In seiner Antrittsrede richtete der Präsident an die Deputirten in warmen Worten die Aufforderung zur Emigkeit und Versöhnlichkeit, damit die Vaterlandsliebe der Kammer in gemeinsamer Arbeit zum obersten Wohle des Vaterlandes in hellem, reinem Lichte erstrahle. „Ebenso," fuhr der Präsident fort, „wie das Gefühl der Solidarität der civilisirten Völker den feierlichsten Ausdruck in dem allgemeinen Andenken an Carnot und in dem dem dahingeschiedenen Czaren bewiesenen Vertrauen findet, so soll auch daS Gefühl unserer nationalen Solidarität sich am würdigsten in dem gemeinsamen Schmerze über das Unglück, wovon kürzlich einige unserer südlichen Provinzen betroffen wurden, kundgeben." Petersburg, 5. December. Seitens des FtnanzministerS wurde der Beginn des Müllerei-Congresses auf den 12./24. Januar 1895 festgesetzt. Das Programm enthält die Frage einer Erweiterung des Mehlexportes. Paris, 5. December. Die Angelegenheit Dreyfuß wird am 19. December vor dem Kriegsgericht verhandelt. Hiroshima, 5. December. Reuter-Meldung. Depeschen des Marschalls Uamagata berichten über mehrere Scharmützel zwischen Chinesen und den die Mandschurei aufklärenden japanischen Truppentheilen. Eine chinesische Ab- theilung griff am 15. November die Japaner bei Sokako an und brachte denselben einen Verlust von 40 Todten bei. Am 20. November zwangen die Chinesen die japanische Infanterie bei Kwantien zum Rückzüge. Dagegen griffen die Japaner am 30. November die Chinesen bei Sokako an und die Chinesen zogen sich unter Zurücklaffung von 25 Verwundeten zurück. Die Japaner marschiren gegenwärtig nach Antong am Ialufluffe zurück. Depeschm de« Bureev .Herolds Berlin, 5. December. Dem „Reichsanzeiger" zufolge wurde Baurath Wallot in Dresden der Character eines geheimen Bauraths, dem Baurath Wilhelm Haeger in Berlin der Rothe Adlerorden dritter Klaffe mit Schleife und dem Bildhauer Widemann in Frankfurt der Kronenorden vierter Klaffe verliehen. Berlin, 5. December. Der „Reichsanzeiger" dementirt die Blättermeldung, wonach die Kgl. Generallotteriedirection sowie die Lotterieeinnehmer angewiesen worden seien, alle Personen, von welchen sie erfahren, daß sie in auswärtigen Lotterien spielen, anzuzeigen. Berlin, 5. December. Wie die „Kreuzztg." vernimmt, ist der Director der Colonialabtheilung des Auswärtigen Amtes, Regierungsrath Dr. Kaiser zum preußischen Bundes rathsbevollmächtigten ernannt. — Der vorjährige Wäh- rungSantrag und der Antrag Kanitz, in dem sich in der Fraction eine viel weiter gehende Einigkeit als in dem vorigen Jahre ergab, soll erst noch in der Freien wirthschaft- lichen Vereinigung deS Reichstages besprochen werden. Berlin, 5. December. Es verlautet, mit dem Bau des neuen TorpedohafenS am Nordostseecanal werde demnächst begonnen. Berlin, 5. December. Hier verlautet, daß der comrnan» dirende General des sechsten ArmeecorpS, v. Lewinski, zurücktreten will und durch bcn Erbprinzen von Meiningen ersetzt werden soll. Berlin,5. December. Die Schlußsteinlegung deS neuen Reich S t ag sg ebätid e s ist heute Mittag um 1 Uhr in feierlicher Weise von Statten gegangen. Dem feierlichen Acte wohnten das Kaiserpaar, alle Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen HauseS, der Reichskanzler Fürst von Hohenlohe, sämmtliche Minister, viele Reichstagsabgeordnete und die' Vertreter der Stadt bei. Zunächst ergriff der Reichskanzler Fürst von Hohenlohe das Wort und verlas die Urkunde, welche sodann in den Schlußstein gelegt wurde. Dieselbe lautet: „Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden deutscher Kaiser und König von Preußen, thuen kund und geben zu wissen, daß Wir beschlossen, im Namen der Fürsten und freien Städte des Reiches in Gemeinschaft mit den verfaffungSmäßigen Vertretern des deutschen Volkes den Schlußstein zu dem Hause zu legen, in welchem die gesetzgebenden Körperschaften fortan ihrer Arbeit walten sollen. Der erhabene Gründer deS Reiches, Kaiser Wilhelm 1, welcher am 9. Juni 1884 den Grundstein legte, hat die Vollendung des Werks nicht mehr schauen dürfen und auch sein ruhmgekrönter Sohn, Kaiser Friedrich, ist nach Gottes Rathschluß von uns abgerusen worden. Wie Wir daS Gedächtniß dieser unserer Vorfahren in der Kaiserwürde dankerfüllten HerzenS segnen, so wird, deffen find Wir gewiß, ihr Andenken für alle Zeit im deutschen Volke fortleben. Zehn Jahre mühevoller Arbeit sind über der Errichtung des Baues dahingegangen- zur Ehre deS geeinten Vaterlandes erhebt er sich, festgefügt durch deutsche Hände, ein Zeichen deutschen Fleißes und deutscher Kraft. So soll er nunmehr seiner Bestimmung übergeben werden. In seinen Räumen walte tiet Geist der Gottesfurcht, der Vaterlandsliebe und der Eintracht. Dieser Geist erfülle die Männer, welche berufen find, hier des Reiches Wohlfahrt zu fördern. Es bleibe der Bau ein Denkmal der großen Zeit, in welcher als Preis des fchwer errungenen Sieges da» Reich zu neuer Herrlichkeit entstanden ist, eine Mahnung dem künftigen Geschlechte zu unverbrüchlicher Treue in der Pflege deffen, was die Väter mit ihrem Blute erkämpft haben. DaS walte Gott. Die gegenwärtige Urkunde haben Wir in zwei Ausfertigungen mit Unserer allerhöchsteigenhändigen Unterschrift vollzogen und mit Unserm größeren kaiserlichen Siegel versehen laffen. Wir besehlen, von diesen Aussertigungen die eine in dem Schlußsteine des Hauses niederzulegen, die andere in Unserem Archiv aufzubewahren. Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt Berlin am 5. December bei Jahres 1894. gez. Wilhelm, gegengez. Fürst Hohenlohe." Hierauf hielt ber bayerische Bundesbevollmächtigte Gras Lerchenfeld eine Ansprache, in deren Verlauf er dem Kaiser die Kelle reichte. Nachdem noch der Reichstagsabgeordnete und letztjährige Reichstagspräsident von Levetzow eine Ansprache gehalten hatte, reichte et- dem Kaiser den Hammer. Der Monarch schlug dreimal dröhnend auf den Stein und rief mit weithin hörbarer Stimme: „Pro Gloria et Patrial* Nach dem letzten Hammerschlag brachte von Levetzow ein Hoch auf den Kaiser aus. Sodann intonlrte bi; Musikcapelle bte Nationalhymne. Den Schluß bilbete ein'Rundgang de« Kaisers nebst Gefolge burch ble Räume bes Gebäubes unter Führung bes Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe und be« Staatsfecretärs v. Bötticher. Frankfurt a. M., 4. December. Der „Frankfurter Zeitung" wurde ber Postbebit für Oesterreich- Ungarn, sowie überhaupt für bie im Reichsrathe vertretenen Länber entzogen. Diese Maßregel wird in beteiligten Kreisen auf einige scharfe Artikel bes Wiener L.-Correspondenten bes genannten Blattes zurückgesührt. Wien, 5. December. Im Abgeorbnetenhause würbe heute bie Beibehaltung ber Todesstrafe mit 148 gegen 66 Stimmen beschlossen. Wien, 5. December. Der „Polit. Corr." geht auS Paris bte Melbung zu, wonach die französische Regierung eine wesentliche Verstärkung des EffectivbestandeS der 18 an der Nord- und Westgrenze stationirten Jnfanterie- regimrnter verfügte. Graz (Steiermark), 5. December. Das Reetorat der Universität untersagte den Studenten die gegen den Professor Ferrara beabsichtigte Demonstration. Triest, 5. December. Die Bora wüthet hier noch immer. Zahlreiche Unglücksfälle werden fortwährend gemeldet. Rom, 5. December. Die Meldung, daß England im Vereine mit Italien im Frühjahre gegen den Mahdi vorgehen werde, wird von osficiöser Seite als unbegründet bezeichnet. Brüssel, 5. December. Nach zweitägiger Debatte wurde in der heutigen Kammersitzung die von den Soctaltsten ge« forderte Amnestie für alle politischen Vergehen von 1884 ab mit 79 gegen 41 Stimmen abgelehnt. Paris, 5. December. Ferdinand Less eps ist bedenklich erkrankt. Loudon, 5. December. Englische Bankhäuser boten der chinesischen Regierung die ganze etwa zu zahlende Kriegs- cntschädigungSsumme in Form einer sechsprocentigen Goldanleihe an und verlangen alSSicherstellung die unbelasteten Einkünfte der Dertragshäfen. Petersburg, 5. December. Es wird allgemein sehr beifällig bemerkt, daß daS Czarenpaar ohne jede militärische Begleitung von dem Markt nach dem Warschauer Bahnhof durch die Stadt fuhr, um sich von den fremden Fürstlichkeiten, dem Könige von Dänemark, dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Aork und dem Prinzen Waldemar von Dänemark zu verabschieden. Auf der Rückfahrt ließ der Kaiser Nikolaus den Wagen durch die belebtesten Straßen fahren und die Polizei ließ daS Ovationen darbringende Publikum gewähren. Es verlautet, der Kaiser habe den energischen Befehl ertheilt, den ihm lästigen Polizetschutz auf- zuhebeu. Shaughai, 5. December. Ein englischer Dampfer traf gestern mit einer bedeutenden Kriegsmunition hier ein. Shanghai, 5. December. Major von Hanneken organisirt eine Armee von einer Million Mann mit europäischen, hauptsächlich deutschen Offizieren, v. Hanneken sandte 7000 Mann Verstärkung von Chefoo nach Schangshow. H . Darmstadt, 6. December. Die Ueberreichung des dem Großherzoglichen Paare gewidmeten Hochzeits- geschenkes der fünf größten hessischen Städte fand heute Vormittag statt. — Der Großherzog empfängt am Nachmittag den österreichischen Gesandten Okolicsanyi zur Entgegennahme seines Abberufungsschreibens. ttird Vietze«, den 6. December 1894. * • Empfang. Seine Köuigl. Hoheit der Großherzog empfingen am 6. December u. A. den Handelsrichter Schirmer aus Gießen, den Baurath Stegmaher, den Hauptsteueramtsrendanten Dern aus Gießen. * * Sitzuugeu des Schwurgericht» der Provinz Oberhessen vom 5. December 1894. (Fortsetzung.) Als zweite Sache kommt heute zur Verhandlung die Strafsache gegen Caspar H e r b st von Roßdorf wegen Versuchs der Nothzucht. Die Anklage vertrat der Großh. Erste Staatsanwalt Dr. Güngertch, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Dr. Fuhr, die Geschworenenbank wird von denselben Herren, welche in der Verhandlung gegen Martin Bindewald von Ober-Seibertenrod als Geschworene fungirt hatten, gebildet. Der schon mehrfach, insbesondere wegen Brandstiftung und Diebstahls vorbestrafte 28jährige Taglöhner Caspar Herbst von Roßdorf ist eines Versuchs des Verbrechens der Nothzucht angeklagt. Er ist vollständig geständig und wurde, nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Georg Adam Kißner) die ihnen vorgelegte Schuldfrage bejaht hatten, in eine Zuchthausstrafe von einem Jahre und sechs Monaten, sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurthetlt. * * Schwurgerichtsfitzuug vom 6. December 1894. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Johannes Schröder III. von Nieder-Bessingen wegen Meineids. Die Anklage vertritt der Grobherzogliche Staatsanwalt Zimmermann. Die Vertheidigung des Angeklagten führt Herr Rechtsanwalt Metz. Der schon vorbestrafte Pflästerer Johannes Schröder IIL aus Nieder-Bessingen, 37 Jahre alt, steht unter der Anklage, daß er am 8. März 1894 vor Großh. Schöffengericht Laubach, sowie am 24. Juli und 7. August 1894 vor der Strafkammer des Landgerichts der Provinz Oberheffen zu Gießen wissentlich den vor feiner Vernehmung geleisteten Eid durch ein falsches Zeugniß verletzt habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Johannes Schröder III. erhob am 5. November 1893 bei der Gendarmeriestation Laubach Anzeige gegen den Wirth Karl Diehl von Ettingshausen wegen Körperverletzung, begangen dadurch, daß Diehl ihn wider einen Wagen geworfen habe, so daß dadurch nach Aussage des behandelnden Arztes 4 Rippen aus dem Rückgrat gerückt seien. Nach stattgehabtem Ermittlungsverfahren wurde Anklage gegen Diehl erhoben und stand am 8. März 1894 Hauptverhandlungstermin vor Großh. Schöffengericht Laubach an. In demselben wurde Schröder als Zeuge vernommen und vorschriftsmäßig beeidigt. Er sagte aus: „Am fraglichen Tage habe ich bet Johannes Keil XVI. in Ettingshausen gepflastert und wurde von demselben so gegen 2 Uhr nach Fertigstellung meiner Arbeiten, um ein Glas Bier zu trinken, nach der Diehl'schen Wirthschaft verwiesen. Dortselbst wurden bei einem „Winkuf" zwischen L. Jox und Johann Kühn II. zwei Fässer Bier getrunken. Ich habe nicht viel davon getrunken, von dem ersten Faß 3—4 Glas und von dem zweiten 2—3 Glas und war daher auch nicht betrunken. Diehl war auch meistens in der Wirthsstube anwesend, er war nur zeitweise außerhalb beschäftigt. In der Wirthsstube war auch der etwa 12 jährige Sohu des Diehl anwesend. Derselbe saß in meiner Nähe auf der Banklehne, 5 er war sehr ungezogen und schimpfte mich: „Nichtsnutzer, : schlechter Schräder, warum sitzest Du hier und schaffst nichts." Hierauf gab ich dem Jungen einen ganz unbedeutenden Backenstretch, welches der junge Hahn dem gerade draußen beschäftigten Diehl erzählte. Als ich dann einmal hinauS- ging, stand Diehl an der HauSthüre und forderte mich, nachdem er mich erst über den Vorfall mit seinem Jungen zur Rede gestellt hatte, zum Verlaffen seines Locals auf. Ich ging nun in die Wirthsstube wieder hinein, holte meine Sachen und wollte fortgehen, als Diehl -mir nachging, und mir auf der Straße einen Stoß in den hohlen Rücken gab, sodaß ich in einen daselbst stehenden mit Kartoffeln beladenen Wagen und zwar ins Vorderrad fiel. Ich fiel so heftig wider das Wagenrad, daß sich die Nabe in meinen Kleidern und dem Körper abdrückte. Als ich wieder auf wollte, sagte Diehl, indem er mir einen zweiten Stoß gab: „So, wenn du noch aufkannst, komm her." Ich habe 7 Tage im Bette gelegen. Einige Zeit nach dem Vorfall theilte mir der Gehilfe des Dr. Seipp in Ltch auf Befragen mit, es hätten sich 2 bis 3 Rippen im Rücken ausgefügt, hätten sich aber durch Athmen wiederhergestellt. Da ich überall Schmerz hatte, ist es möglich, daß mir noch weitere Mißhandlungen zugefügt wurden, kann es aber nicht sagen, denn ich war momentan besinnungslos. Der Wagen, Etgenthum des Wilhelm Mohr, stand etwa 4 Schritte vom Haus. Es kann möglich sein, daß ich dem Jungen gesagt habe, er soll meinen Stock holen." Insbesondere auf Grund dieser Aussage wurde Diehl wegen Körperverletzung, begangen durch lebensgefährdende Behandlung oder doch mittels gefährlichen Werkzeuges in eine Gefängnißstrafe von zwei Monaten zwei Wochen und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt. (Fortsetzung folgt in nächster Nummer.) * * Gewerbeverein. Gestern Abend hielt Herr Regierungs- baumetster Schmtck von Frankfurt a. M. im Saale des Cafä Ebel einen Vortrag über die Gießener Quellwasserleitung. Wir haben das Wesentlichste über die Anlage dieses Werkes in einer besonderen Beilage in voriger Woche bereits mitgetheilt und können uns darauf beschränken, Einiges von dem, was in Anbetracht des uns knapp zugemeffenen Raumes in der Sonderausgabe des „Gießener Anzeigers" nicht mitgetheilt werden konnte, hier noch mitzutheilen. Der Herr Vortragende ging zunächst auf die Ausdehnung Gießens hinsichtlich seiner Bevölkerungszahl ein, die sich besonders in den 20 Jahren von 1870 bis 1890 verhältnißmäßlg sehr stark vermehrt habe,' er stellte dabei Vergleiche zwischen Hanau und Gießen an. Hanau habe ca. 3000 Einwohner mehr wie Gießen, aber in seinen socialen und wirthschaftlichen Verhältniffen viel Ähnlichkeit mit letzterem. Entwickele sich Gießen in dem Verhältniß, welches der Vortragende durch graphische Darstellungen erläuterte, weiter, so habe es im Jahre 1905 Hanau überholt und im Jahre 1920 etwa 35 000 Einwohner, entwickele es sich aber in dem Verhältniß wie zwischen 1870 und 1890, so würde es 1920 eine Einwohnerzahl von 46 000 erreichen. Räumlich habe sich Gießen hauptsächlich nach der Höhe zu entwickelt (auf dem Gebiet zwischen Frankfurterstraße, Ludwigsstraße und Kaserne) und aus dieser Entwickelung nach der Höhe habe sich daS Bedürfniß nach einer Erweiterung der Wasserwerksanlagen, nach einem höheren Druck in der Leitung ergeben, denn eine Wasserleitung habe nur dann Werth in Beziehung auf Gesundheitspflege, wenn sie unter hohem Drucke arbeite, gleichzeitig aber die Garantie für wirksame Bekämpfung von Feuersgefahr biete. Bei Anlage der Queckborner Wafferleitung sei Rücksicht auf die weitere Entwicklung der Stadt genommen worden, und habe man nach den bisher anderwärts gemachten Erfahrungen an dem Grundsatz festgehalten, daß die Anlage für 20 Jahre ausreiche; auf längere Zeit hinaus reichende Anlagen zu machen, sei finanzwirthschaftlich unrichtig. Normen für den täglichen Wasserverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung habe man im Allgemeinen nicht aufgestellt, der Verbrauch richte sich in den Städten nach der Dichtigkeit der Bevölkerung und nach den Wasserpreisen; in Berlin sei z. B. der Wafferoerbraach ein verhältnißmäßig niedriger, er betrage 46 Liter im Durchschnitt pro Kopf und Tag. Bei Anlage des Gießener Wafferwerks habe man 100 Liter durchschnittlichen täglichen Verbrauchs per Kopf der Bevölkerung von 35000 Einwohnern angenommen (zur Zeit beträgt er allerdings nur 30 cbm). Auf die Nachforschung nach Quellengebieten übergehend, theilte Herr Schmick mit, daß man in verschiedenen Gegenden nach Waffer gesucht habe, sowohl in der Nähe wie im hohen Vogelsberg, auch die Grundwafferversorgung aus dem Neustädter Feld sei in Erwägung gezogen worden. Die ebenfalls ins Auge gefaßten Quellen bei Beuern hätten nur 1800 cbm täglich ergeben, während an einer Ergiebigkeit von 3000 cbm festgehalten werden mußte. So sei man endlich nach Queckborn gelangt, wo das doppelte Quantum (6000 cbm täglich) gefunden wurde. Der Herr Vortragende ging hierauf auf den Bau der Leitung ausführlich ein, schilderte die Schwierigkeiten, die sich während desselben ergeben und hob die trotzdem erfolgte schnelle Herstellung des Werkes, das am 11. Dezember 1893 begonnen wurde, hervor. Mit der Rohrlegung konnte am 12. März 1894, mit dem Bau des Hochbehälters bei Annerod im Juni begonnen werden. Besondere Schwierigkeiten bot in erster Linie die Quellfaffung, infolge des überaus leichten Bodens,- es folgte eine ausführliche Beschreibung des Brunnenschachtes nebst Brunnenkammer bei Queckborn. Für den Wafferreichthum spricht der Umstand, daß die Kammer einen Ueberlaus von 1900 cbm täglich aufweist, wenn die Pumpen sttllstehen. Was die Höh nlage betrifft, so wurde mitgetheilt, daß der Gießener Bahnhof 30 Meter, der Marktplatz 46 Mtr. tiefer wie die Queckborner Quellen liegen. Die Förderung der durch Dampfmaschinen bewegten Pumpen beträgt je 1800 cbm pro Tag. Erläutert wurde ferner die Anlage und der Zweck der Ueberlaufkammer auf der Höhe von Queckborn, die Ablaßschieber und Luftventile, der 3000 cbm fassende Hochbehälter bei Annerod mit seinen Einbauten, die den Zweck haben, daS Waffer in steter Bewegung zu erhalten. ' Die Vertheilung in der Stadt Gießen erläuternd, legte Her" Schmick den Unterschied zwischen Hoch- und Niederdruck leitung, daS System der Verbindung beider Leitungen an der Gabelung der Licher- und Grünbergerstraße und das Verbreitungsgebiet beider Leitungen bar; das Hochdruckgebiet erstreckt sich über 159, das Ntederdruckgebiet über 151 Hectar Flächengehalt; der Verbrauch im Niederdrucknetz belaufe sich auf 2300, derjenige im Hochdrucknetz auf 1900 cbm per Tag. AuS den Mittheilungen über den Wafferdruck ging hervor, daß derselbe betspielsweije vom alten, eben im Umbau begriffenen Hochbehälter bis zum Marktplatz drei Atmosphären, vom Hochbehälter bei Annerod sechs Atmosphären habe, vier Atmosphären Druck seien am Bahnhof, zwei auf der „Schönen Aussicht" vorhanden. Um einen Ueberlaus des Wassers aus dem alten Hochbehälter zu verhindern, wenn derselbe mit der Queckborner Leitung verbunden, sei ein Rückschlagventil in Nähe des alten Hochbehälter- angebracht, dessen Einrichtung ebenfalls vom Vorsitzenden erläutert wurde. Herr Regierungsbaumeistee Schmick schloß seinen lehrreichen Vortrag mit dem Ausdruck der Freude darüber, daß sich während des Baues der Wasserleitung kein Unfall ereignete und daß die, mit Ausnahme der Maschinen und Leitungsrohre, von hiesigen Unternehmern ausgeführten Bauten zur Zufriedenheit der Bauleitung ausgefallen seien. — Herr Commerzienrath Hehligenstaedt, als Vorsitzender, stattete Herrn Regierungsbaumeister Schmick den Dank der Anwesenden, welche dem Vortrage bereits reichen Beifall gespendet, ab. Herr Oberbürgermeister Gn au th nahm Veranlassung, unter Hinweis auf die Verdienste, die sich sowohl der Vortragende, wie dessen Vater um das Zustandekommen des Werke- erworben und deren Anerkennung noch an anderer Stelle Vorbehalten sei, ein Hoch auf die Herren Regierungsbaumeister Schmick auszubringen. Herr Schmick dankte für sich und seinen Vater für die ehrenden Worte, wie für das ihnen dargebrachte Hoch, bemerkend, daß sie bei Ausführung der übernommenen Arbeiten lediglich ihre Pflicht gethan, und trank auf das Wohl der Stadt Gießen. Es fand noch eine kleine Besprechung des Vortragthemas statt, in deren Verlauf Herr Schmick Veranlassung nahm, auch die Einrichtungen zn erläutern, welche unter weitgehender Indienststellung der Electricität zur Controlle des Wasserstandes in den Hochbehältern, in Bezug auf Nachrichten zwischen Queckborn und dem Verwaltungsgebäude des Wasserwerkes, sowie zur Beobachtung des Verbrauchs getroffen wurden. * * Vortrag Jens Lützen. Auf den heute Abend 8l/2 Uhr stattfindenden Vortrag des Herrn Jens Lützen von Berlin über: „Ein Tag auf dem Monde" machen wir hiermit besonders aufmerksam. Der Kaufmännische Verein hat der Einwohnerschaft Gießens Gelegenheit gegeben, gegen ein billiges Eintrittsgeld einen Vortrag zu hören, der nach vor- liegendenMeldungen überall mit großem Beifall aufgenommen wurde. Wie im Jnseratentheil ersichtlich, haben nach einem Abkommen der beiden Vereine die Mitglieder des Gewerbevereins freien Zutritt. Der Vortrag findet im Cafe Leib statt. * * Turnerisches. Wie uns von unterrichter Seite mitgetheilt wird, veranstaltet die Vorturnerschaft des hiesigen Turnvereins am kommenden Samstag, den 8. l. M., Abend- 9 Uhr, im Cafe Schnell eine musikalische Kneipe. W. Befitzwechsel. Der Wiener Hof ist gestern mit allem Inventar für den Preis von 80000 Mk. in den Besitz de- Architecten Kockerbeck übergegangen. * * Unfall. Gestern Nachmittag vergnügte sich ein neun< jähriger Junge am Seltersthor damit, daß er auf der Einfriedigungsmauer des SchoorgrabenS hin und her lief. Hierbei trat er fehl und stürzte in den ziemlich tiefen Graben. Er erlitt eine schwere Verletzung am Kopf und mußte in die Klinik gebracht werden. * * Etnbruchsversuch. In verflossener Nacht wurde der im Sekretariat des Landgerichts befindliche Kassenschrank und ein Pult zu erbrechen versucht. Der Dieb, welcher sich im Gebäude hatte einschließen lassen und dasselbe durch ein Fenster wieder verließ, ist mit leerer Hand abgezogen. * * Postalisches. Eine erhebliche Porto-Ersparniß läßt sich in Vielen Fällen bei Versendung von Postpacketen erzielen, woraus bei der jetzt herannahenden Weihnachtszeit und dem damit reger werdenden Packetverkehr hingewiesen sei. Bekanntlich richtet sich das Porto für die über 5 Kilogramm schweren Packete nach der größeren oder geringeren Entfernung vom Versendungsorte aus, zu welchem Zwecke 6 Zonen angenommen sind, deren erste eine Entfernung bi- zu 10 geographischen Meilen, die zweite von 10—20, die dritte von 20—50, die vierte von 50—100, die fünfte von 100—150 und die sechste die Entfernungen über 150 Meilen hinaus in sich schließt. Für jedes angefangene Kilogramm über 5 Kilogramm wird nun ein Zuschlag von 10, 20, 30, 40 oder 50 Pfg. (in der 6. Zone) erhoben. Durch Theilung größerer Packete, hauptsächlich der über 8 Kilogramm schweren, in zwei ober mehrere, kann man sich nun eine ganz wesentliche Verringerung des Portos verschaffen, vorausgesetzt natürlich, daß die nöthig werdenden Verpackungskosten (wie etwa Holzkisten 2C.) diese Ersparntß nicht wieder aufheben. Ein gegen 9 Kilogramm wiegendes Packet &.| B. würde nach der 4. Zone (50—100 Meilen), in eine Sendung verpackt, 1 Mk. 70 Psg. kosten, dagegen getheilt pro Packet 50 Pfg., waS eine Ersparniß von 70 Pfg. ausmacht. Bei einem Packet von 9—10 Kilogramm macht diese Ersparniß bereits in der 3. Zone 50 Psg., in der 4. Zone 1 Mk. und in der 6. Zone gar 2 Mk. aus, wenn die über 10 Kilogramm schweren Packete in drei Packete und mehr getheilt werden. Bis zu drei Packete werden auf eine Packetadresse befördert. * * Neue Briefmarken des CougostaateS. Der Congostaat steht, wie man der „Köln. Ztg." mittheilt, im Begriff, eine Reihe neuer Briefmarken von künstlerischem Geschmack herauszugeben. Sie sind im Werthe von 5, 10, 25, 50 . Centimes sowie von 1 und 5 Franken, von der Form eines ' Rechteckes und zeigen, den von den Vereinigten Staaten bei der letzten Säkularfeier der Entdeckung Amerika- angefertigten Postwerthzeichen nachgeahmt, Ansichten aus dem Congoftaate «ach den künstlerischen, in Antwerpen ausgestellten Entwürfen ter Maler Mols und Van Engelen. Diese Ansichten sind der Hafen von Morradi (5 Centimes, blau), die Stanley- Fälle (10 Centimes, carminroth), der Jnktt'si-Fall (25 Centimes, orangefarben), die Elsenbahnbrücke über den M'Pozo (50 Centimes, grün), eine Elefantenjagd (1 Frank, lila), sowie zwei Häuptlinge der Eingeborenen (5 Franken, carminroth). Die Gramrung ist in äußerster Feinheit ausgeführt. •• Boa hessische« Behörde« werde« steekbriesiich verfolgt: Der Schmied Eduard Becker aus Haiger vom PoUzeiamt Gießen wegen Diebstahls- Schreibgehckfe Adam Hennrich au- Mainz vom dortigen Polizeiamt wegen KleiderdiebstahlS - die Dienstmagd Eva Knapp aus Mörlenbach von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Unterschlagung und Sach- dSchädigung- Schuhmacher Peter Sch «der auS Bürstadt von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Verbüßung einer dreijährigen Gefängnißstrase - Schreiner Friedrich Martin Wolf auS HaySfeld (Baden) vom Amtsonwalr II in Darmstadt wegen Diebstahls- Max Josef Wundsam aus Kaiserslautern vom Amtsgericht Oppenheim wegen Unterschlagung. Friedberg. 4. December. Einen eigentümlichen Eindruck muß eS auf jeden Kirchengänger machen, wenn man stets Sonntags ein Dutzend Jäger in vollem Wichs nebst Hunden mit der Eisenbahn in Friedberg ankommen sieht, um der Jagd zu fröhnen. Man merkt es diesen Leuten durchaus nicht an, daß sie nöihig hätten, die Jagd gerade Sonntags auSzuüben. O. A. Lindheim, 4. December. Herr S. Heichelheim in Gießen hat bei Gelegenheit feiner Ernennung zum Corn- merzienrath dem Oberhessischen Verein für Volksbildung 300 Mk. gespendet, eine großherzige Handlung, welche Nachahmung verdienen würde. — Am letzten Sonntag hielt Herr Lehrer Nürnberger von Ranstadt im Verein für Volksbildung einen sehr gelungenen Vortrag über die Völkerwanderung. — An Stipendien hat der Verein in diesem Jahre bereits verliehen: eines zu 30 Mk. für den Obstbau- rurfus, eines zu 50 Mk. für die landwirthschaftliche Winter- schule, zwei zu 50 Mk. für die Handwerkerschule in Büdingen und eines von 40 Mk. für den Cursus deS Herrn Professors Seimiger in Darmstadt an einen Lehrer. A Aus dem nördliche« Oberhesieu, 3. December. Eine eigenartige Erscheinung bildet der gegenwärtig auffallend niedrige Stand des Wildpretpreifes im Vergleich zu den übrigen Flcischpreisen. Sinkt auch in anderen Jahrgängen um diese Zeit nach den großen Treibjagden manchmal der Preis des Wildprets, so hat er doch innerhalb des letzten Jahrzehnts nicht eine so billige Stufe erreicht, wie Heuer. Der durchschnittlich geltende Preis für unsere ausgewachsenen Gebirgshasen betrug säst immer 3 Mark. In diesem Herbste ping dieser Normalpreis bis auf 2,50 Mk. herab und jetzt steht er sogar nur auf 2,30 Mk. Bedenkt man, daß für ein Hasenfell 30 bis 40 Psg. bezahlt werden, so ist der Fleischpreis eines Hasen nur 1,90 bis 2 Mk. Bei S bis 8 Pfund Gewicht unserer Hasen ist das ein so billiger Fleischpreis, wie er kaum bei irgend einer anderen als Ersatz für die hohen Fleischpieise empfohlenen Thiergattung gefunden werden kann. Niemand wird doch die Billigkeit eines Pfund Fleisches und dazu noch vortrefflichen für 30 bis 35 Pfg. in Zweifel ziehen wollen. In ähnlicher Weise ist auch der Preis für Rehfleisch 6ln außerordentlich b lliger. Er hat seither auf 45 bis 50 Psg. für das Pfund gestanden, jetzt ist er aber aus 40 Pfg. zurückgegangen. Dieser ungewöhnlich billige Preis des Wildprets ist um so auffallender," als die übrigen Fleischpreise auf einer so hohen Stufe stehen. Bezahlt man doch für daS Pfund Rindfleisch, das keineswegs immer Prima Qualität ist, 70 Pfg., für das Pfund Schweinefleisch 65 Pfg. Obgleich die fetten Schweine um 4 Pfg., von 45 auf 41 Pfg. per Psund Lebendgewicht zurückgegangen find, nehmen die Metzger hierorts nach wie vor denselben Preis. Die Gänse haben ihren gewöhnlichen Preis beibehalten, nämlich 50 Psg. per Pfund- auch entschieden billiger als Rind- und Schweinefleisch. Man sollte nun meinen, bei solchen Preisverhältr.iffen der verschiedenen Fleischgattungen würde auf dem Lande, wo man ganz besonders mit der Billigkeit rechnet, eine besonders starke Nachfrage nach Wild- pret entstehen. Allein davon ist nicht das Geringste zu bemerken- ob der Hase 3 Mk. oder 2 Mk., das Pfund Rehfleisch 60 ober 40 Psg. kostet, bleibt unbeachtet und man zahlt lieber das Doppelte für anderes Fletsch. Warum dieses thörichte Handeln? Weil man auf dem Lande einmal ein Vorurtbeil gegen das Wildpret hat und es für weniger schmackhafter als anderes hält. Dieses Vorurtheil ist entstanden auS der Unkenntniß der Behandlung des Wildprets in den ländlichen Küchen, wie folgender Fall deutlich illustrirt. Kürzlich erstand ich von einem Jäger, der ein Reh, wofür «an ihm nur 35 Pfg. für das Pfund geboten, ausgehauen, einen Braten, der ganz vorzüglich mundete. Ich fragte nun den Jagdbesitzer, wie ih m daS Rehfleisch geschmeckt. „Schlecht", sagte er, „es war zu zähe und trocken." — „Haben Sie denn daS Fleisch auch gehäutelt vor dem Braten?" fragte ich. „Was gehäutelt", sagte er, „hab kei Haut außer dem Fell gesehen." In dieser Unkenntniß der Behandlung des Wildprets liegt der Haie im Pfeffer. Sie zu beseitigen und Aufklärung zu geben, sollte sich jeder Volksfreund bestreben. T. Darmstadt, 5. December. Das Profefforen-Collegium der Großherzoglichen TechnischenHochschule zuDarm- stadt hat durch den Director Herrn Professor Or. Lepfius am heutigen Tage dem Erbauer ces Reichstagßgebäudes Herrn Danrath Profeffor Dr. Wallot in Berlin eme Adresse folgenden Inhalts überreichen lassen: „Hochgeehrter Herr Baurath! Das Reichstags-Gebäude, die großartige Schöpfung Ihres Geistes, wird heute seiner hohen Bestimmung übergeben. Zu diesem Ihren Ehrentage bringt Ihnen das Proscfforen- Tollegium der Technischen Hochschule zu Darmstadt seine wärmsten Glückwünsche entgegen, daran gedenkend, daß Sie hier aus der damaligen höheren Gewerbeschule Ihre archi- tectonischen Studien begonnen haben- im Herbste des Jahres 1859 verließen Sie nach dreijährigem Besuche unsere Schule m t einem vorzüglichen Abgangszeugnisfe. Von jenen kleinen Anfängen Ihres Studiums in Daimstadt bis zu Ihrer großen That des Reichshauses in Berlin liegt ein weiter Weg, liegen Jahrzehnte angestrengter Arbeit, in denen Sie sich zu dem genialen Meister entwickelt haben, als welcher Sie jetzt in Ihrem Werke vor uns stehen. Dem deutschen Volke haben Sie in Ihrem Reichshause daS sichtbare Denkmal seiner wiedergewonnenen nationalen Macht und Einheit geschenkt- dem deutschen Reichstage übergeben Sie die vornehmste Versammlungsstätte, welche dieses Jahrhundert erschaffen hat; dem deutschen Archttecten stellen Sie einen Monumental Bau vor Augen, in dem er seine künstlerischen Ideale verwirklicht sieht. Die schönsten Formen, die wir in Italien an den Bauten der Hochrenaiffance be« wundern, haben Sie hier auf deutschen Boden verpflanzt, dieselben jedoch in völlig freier Bewegung höher entwickelt durch einen außerordentlich reichen ornamentalen Schmuck und untergeordnet den modernen Bedürfnisfen eines sehr klar angelegten und äußerst zweckmäßig eingerichteten ParlomentShaufes. Wir Profefforeu der Technischen Hochschule zu Darmstadt sind stolz darauf, daß ein solcher Meister der Baukunst von unserer Schwelle ausgegangen ist- unsere Architectur- schule, sowohl Docenten wie Studirende werden zu Ihnen, hochgeehrter Herr Baurath, sowie zu Ihrem Monumentum aere perennius stets emporblicken und Ihrer mit ganz besonderer Verehrung gedenken." Ans dem Kreise Offenbach, im December. Ein interessantes Urtheil, das die größte Verbreitung verdient, wurde am verfloffenen 1. December von dem Schöffengerichte in Offenbach gefüllt. Ein Gastwirth hatte sich wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu verantworten. Er ist nämlich beschuldigt, fortgesetzt Tröpsel- und Ablaufbier frischem beig-.schüttct und als , eines Bier verkauft zu haben. Ebenso wurden vom vorigen Abend stehen gebliebene Reste am folgenden Morgen mit frischem Bier vermischt und zum Normalpreise verabreicht. Das Gericht bezeichnete ein solches Gebahren als höchst verwerflich und verurtheilte den Angeklagten und ferne Ehefrau zu 50 Mk. Geldstrafe. Mainz, 4. December. Der Verein rheinhessischer Aerzte feierte am Samstag in dem Concerthaus hier das Fest seines 50jährigen Bestehens. Herrn Dr. Eichhorn sen. von hier war es allein als Mitbegründer vergönnt gewesen, diese Feier zu begehen- seine damaligen College« sind alle bereits aus dem Leben geschieden. Die Mttgliederzahl des Verein- betragt gegenwärtig 115. Veraschtes. * Wetzlar, 4. December. Ein Brandunglück von erheblicher Ausdehnung hat sich gestern Abend in unserer Vorstadt Neustadt zugetragen. Gegen i/28 Uhr gellte der Schreckensrus „Feuer!" durch die Straßen und kurze Zeit darauf ließ die Feuerglocke vom Domthurme herab ihre warnenden Schläge ertönen. Als Herd des ausgebrochenen Feuers wurde das Schreiner Gärtner'sche Hinterhaus an der Neustädter Brücke ermittelt. Wie das Feuer entstanden ist, darüber ist bis zur Stunde etwas Sicheres noch nicht festgestellt- ebenso scheint noch Unklarheit zu herrschen über den Raum, in dem es sich entzündete- vermuthlich ist es ein oberhalb der Schreinerwerkstätte Gärtners belegener Raum gewesen. Wie dem nun auch sei, Thatsache ist es jedenfalls, 1 daß das Feuer, welches in den in einem Schreinerhause reichlich vorhandenen Holztheilen, Spänen u. s. w. die denkbar beste Nahrung fand, sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit weiter verbreitete. Binnen ganz kurzer Zeit lohten die Flammen zum Dachstuhle hinaus und fast schien es, als sollte das ganze Gebäude in Flammen aufgehen. Dazu kam es nun nicht- die Feuerwehr nahm sowohl das Hinterhaus, wie die linksseitig gelegenen Häuser kräftig unter Wasser, so daß, da auch der Wind günstig war, die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Brandes nach den Häuserreihen der inneren Neustadt abgewendet erschien. * Eisenach, 3. December. Dem bekannten Eisenbahnunternehmer Bachstein ist durch einen Ministerialbeschluß die Genehmigung zu den Vorarbeiten für die Wartburgbahn ertheilt worden. Die allgemeine Electricitäts-Gesellschaft in Berlin, der als Erbauerin der hiesigen electrischen Centrale durch einen Vertrag mit der Stadt bei An age einer Straßenbahn durch Eisenach das Vorrecht gewährleistet war, hat auf den Ban einer Wartburgbahn verzichtet, da sie trotz des starken Fremdenverkehrs in den Sommermonaten eine solche Bahn nicht für rentabel hält. • Bayreuth, 3. December. Heute Morgen fand man den Unteroffizier Zeilmann von der 2. Compagnie des 7. Infanterie-Regiments mit zerschmettertem Schädel im Kasernenhof liegen- er war vom dritten Stockwerk herabgestürzt. Ob Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, ist nicht aufgeklärt. * Eine eigenartige Sehenswürdigkeit bildet in Mül- hause« i. E. die Genovesakirche, die sich schon seit Jahren im Bau befindet und deren Thurm bereits sich zu neigen anfängt. Die Arbeiten wurden nämlich durch zwei Processe unterbrochen, von denen der eine nunmehr entschieden ist. Eine Dame hatte der Stadt Mülhausen eine Summe von 160,000 Mk. für den Bau einer Kirche hinterlassen, die auch den Truppen zur Verfügung stehen sollte. Der Militär- fiskus steuerte deßhalb einen Betrag von 26 000 Mk. zum Bau der Kirche bei. Als diese Summe aber noch nicht genügte, wollte die Stadt Mülhausen den Bau der Kirche aufgeben. Auf die Klage der Heeresverwaltung wurde sie aber verurtheilt, binnen Jahresfrist die Kirche fertigstellen zu taffen. Nun haben sich aber die Säulen im Innern der Kirche gesenkt, so daß der Thurm anfängt, eine bedenkliche Stellung zu nehmen. Da weder die Stadt, noch der Unternehmer, noch der Architect dafür verantwortlich sein will, wird das Gericht nächstens hierüber zu entscheiden haben. • Der kälteste bewerte Ptmkt der Erde. Zur Zeit, da man sich überall auf den W>nter vorbereitet, ist eS wohl am Platze, daran zu erinnern, daß der Mensch, wie er in den höchsten Tropen lebt, so auch in den kältesten Gegenden fein Leben fristen kann. Bekanntlich nimmt die Kälte gegen den Nordpol nicht gleichmäßig zu- eS wird sogar vermuthet, daß am Nordpol eisfreies Meer ist. Die größte Kälte hat mm bis jetzt im ostsibirischen EiSmeer gefunden und in Ostsibirien ist es auch, wo sich der Ort befindet, der bei tiefster Tempe- ratur ein ständiger Wohnplatz von Menschen ist. Nach Profeffor Wild von St. Petersburg ist dies Werchojansk, daS 67* 34' nördlicher Breite und 133° 51' östlicher Länge von Greenwich liegt- über dem Meere liegt eS 107 Meter. An diesem Orte hat sich Profeffor Wild ein ganzes Jahr auf- gehalten, um beffen Temperatur zu ftublren. Nach feinen Aufzeichnungen beträgt bte mittlere Temperatur: im Januar — 53,1, im Februar — 46,3, im März - 47,7, im April — 15,8, im Mai — 0,1, im Juni + 9,6, im Juli -j- 13,8, im August -j- 6,4, im September — 1,6, im October — 20,2, im November — 40,1 unb im December — 49,9 Grad Celsius. Das gibt ein Jahresmittel von 19,3 Grab unter Null. Welche Anpassungsfähigkeit muß ber Mensch haben, wenn er eS in einem Klima aushalten kann, beffen „Wonne- monb" stetig auf bem Gefrierpunkt steht unb beffen Winter fünf Monate lang mehr als 40 unb 50 Grab Kälte ausweist! Ciiaratur unb ICnnft - Allgemeiner Lischlerkalender für »a«. u«d MSbel- tischler für vas Jahr 1895. 10. Jahrgang. In einem stattlichen Bande liegt dieser im Verlage von I. Harrwitz Nachfolger, Berlin, Lindenstraße 43 erschienene Fachkalenber für Tischler vor uns und zeichnet sich wieder sehr vortheilhaft durch seinen gediegenen Inhalt auS. In den verschiedenartigsten Tabellen und Fachartikeln wird dem Tischler Gelegendeit geboten, sich übet alle« WissenSwerlhe zu informiren- Der Preis stellt sich nur auf 1.50 Mk. unb ist der Kalender durch obengenannte Firma und durch jede Buchhandlung zu beziehen. ______________ — Als einen lieben guten Bekannten begrüßen wir den Kneipp» Kalender, dessen 5. Jahrgang soeben im Verlage der Jol. Kösel- schen Buchhandlung in Kempten (Preis 50 Pfg) erschienen ist. Interessant und originell wie der weltbekannte Pfarrer selbst find auch seine Bücher, unb dies gilt auch von feinem Kalender, ber Heuer seinen fünften Rundgang antritt unb gewiß von den Tausenden unb Abertaufenden ber Anhänger unb Freunde des menschenfreundlichen Prälaten ebenso freudig aufgenommen wird wie seine Vorgänger. — Das neueste'Hest (11) der unter der Redaction von Bertha von Suttner im Verlag von E. Pierson in Dresden erscheinenden Zeitschrift „Die Waffe« nieder!* hat wiederum einen mannigfaltigen und reichhaltigen Inhalt. Wir beben aus demselben Nachstehendes hervor: Leo Baron von Ehlumecky: Saini Simon und die Friedensidee. — Kritische stimmen. — A. H. Fried: Eine neue Species. — Etnst Almsloh: Franzosen sind auch Menschen. — Ewiger Frieden. Ein Trauerspiel. — Friedrich Adler: Moderne Balladen. — Zeitschau. — Gegen die Friedensbewegung. — Gegen den Krieg. — Vermischtes. — Korrespondenz. — Literarisches. — Ocsterr. Gesellschaft der Friedensfreunde. — Briefkasten. — Bei reichern Inhalt und vormglicher Ausstattung kosten „Die Waffen nieder!" jährlich nur 6 Mk. Wöchentliche Ueverstcht der Todesfälle in Gietzen. 48. Woche. Dom 25 November bis 1. December 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 16,47°/« bezw. 11,76 nach AuSfchl. der Ortsfremd«. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Lungenschwindsucht Entzünd, der Luft- 1 1 — — röhren-Schleim- häute 1 _ _ L Gehirnschlagfluß Sonstige benannte 1 1 — Krankheiten 3 (2) 2 (1) —- 1 (1) Verunglückung 1 1 — Summa: 7 (2) 5 (1) — 2 (1) 81 nm. Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Verkehr, taub* rrrrd Volksrvirthschast. Livrburg, 5. December Frachtmarkt. Rother Wei,en X 11.55, weißer Weizen X 11.45, Korn X 8 65, ©erfte X 6.80, Hafer X 5 10. Gottesdienst in der Eynagoge. Samstag, den 8. December. Vorabend 4 Uhr, Morgens 9(° Uhr, Nachmittags 3°° Uhr SabbathauSgang 510 Uhr. Soeben erscheint: Seiten Text 980 Brock haus’ Konversations-Lexikon. 16 Bände geb. ä 10 M. Unentbehrlich für Jedermann. 14. Auflage. I Jubiläums-Ausgabe. 9500 , |Abbildungen.) 300 Karten, iso chromos. | Tafeln. mööööi Artikel. tiquetten Brief- und Packet- Siegelmarken fertigt nt büligen Freiten die Br-Oh? sehe Druckerei, 8chnlttra*te 7. Große rvtihnlichtg, Anssttllung. Marktplatz 9 Adolf Säer. 3t*o' Cri AECHT Heller. 9932 billigen Preisen 9933 9938 Neustadt 23. xu staunend billigen Preisen abzugeden. Muster liegen im Schaufenster. 9946 an bis zu den feinsten. 9928 9989 Neustadt 23. Reparaturen u. Uebcrzicheu schnell und billig bei Verkauf von Christbümnchen! Aus den Waldungen der Stadt Wdi und denjenigen der angrenzenden Orte können circa 4000 Christ- bäunichen käuflich abgegeben werden. 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