Nr. 235 Drittes Blatt. Sonntag den 7. Ociober 1894 Der MtMt erscheint täglich, wM «u-nahme bei Montags. Vie Gießener peeirieeHllttt werten dem Anzeiger WHchwttlich brtiwel Gießener Anzeig er Kmerat-Mnzeiger. BWrteltibrtfa 2 Mark 20 W MÜ vringerlayn. Durch die Post detzNG» S Mark 50 Ps,. Wetodwn, ErpiiiM» und Druckerei: Fernsprecher BL Zlrnts- und Anzeigeblatt für den Uveis Gieren. Innrhm. »°, Anzeigen zu der Nachmittags für den I "le ,anoncen.»ureaux bei In. und Auslanbes nehm« frlgenben Lag erscheinenben Nummer b,s Borm.10 Uhr. | VjHlUlSPrUUyC. HlU U HUIUUCU Anzeigen für ben .Gießener Anzeiger- entgeg«. Der Krieg in Ostafien. Mit dem Erscheinen der japanischen Truppen auf chinesischem Boden ist der Krieg zwischen den beiden Kaiserreichen des asiatischen Ostens wiederum in einen neuen und intereffanten Abschnitt eingetreten, welcher wohl endlich die eigentliche militärische Entscheidung bringen dürfte. Mit der Schlacht von Pjöngjang war die chinesische Landmacht in Korea vernichtet worden, die Seeschlacht in der Jalu-Bucht hat die chinesische Flotte für längere Zeit unfähig zu größeren Actionen gemacht, es konnten nunmehr die Japaner ihren längst gefaßten Entschluß aussühren und den Krieg in das eigentliche Gebiet des Gegners hineintragen. Der letzte Zielpunkt der weiteren Operationen der japanischen Heeresleitung ist selbstverständlich die feindliche Hauptstadt Peking, und von zwei Seiten oom Norden wie vom Süden her, dringen jetzt die japanischen Colonnen gegen dieselbe vor. Dort hat das Gros der bei Pjönjang so siegreich gewesenen Armee Japans die Grenzen der Mandschurei überschritten und nähert sich rasch der Hauptstadt der genannten großen Grenzprovinz Mukden. Die Besitzergreifung dieser Stadt seitens der Japaner würde den letzteren in verschiedener Beziehung zu statten kommen. Einmal ist Mukden durch seine Lage am Kreuzungspunkte mehrerer Heeresstraßen ein strategisch wichtiger Punkt, dann aber befinden sich in ihm die Grabstätten der regierenden Mandschu-Dynastie, was Mukden zu einer der heiligen Städte des Chinesenvolkes stempelt- die Kunde von der Einnahme der die Grabmäler der chinesischen Herrscher aus den letzten *250 Jahren bergenden Stadt würde zweifellos einen ungemein niederschlagenden Eindruck in ganz China Hervorrufen. Von Mukden aus hätten die Japaner bis Peking allerdings noch etwa achtzig geographische Meilen zurückzulegen, indessen bietet das Terrain keine ungewöhnlichen Hindernisse dar. Da außerdem die in die Mandschurei eingedrungene japanische Armee gegen die Unbilden der herannahenden winterlichen Jahreszeit gut ausgerüstet ist und sich auch das Verpflegungswesen bet den Japanern in gutem Zustande befindet, so werden ihrem Vormarsche auf Peking weder die Jahreszeit noch die Verpflegungsfrage bedeutende Schwierigkeiten bereiten. Im Süden von Peking nun, freilich auch noch in erheblicher Entfernung von der chinesischen Metropole, haben die Japaner an einem oder an mehreren Punkten der Küste — Genaueres läßt sich in dieser Beziehung noch nicht berichten — Truppen gelandet, die gewiß Peking ebenfalls zum Ziele haben und wahrscheinlich sich mit dem von Norden vordringenden japanischen Heere in der Nähe Pekings vereinigen sollen. Gegenüber dieser Rührigkeit und Bestimmtheit in dem kriegerischen Vorgehen der Japaner erscheinen die Zerfahrenheit, Ohnmacht und Unentschlossenheit, die auf chinesischer Seite herrschen, doppelt characreristisch. Kramps- I haft suchen die Chinesen von allen Ecken und Enden ihres I wetten Reiches alles nur Halbweg brauchbare Truppenmaterial gegen die vordringenden Japaner zusammenzuziehen, sie scheinen aber bis jetzt kaum 20,000 wirklich kriegslüchlige Soldaten zu dem Zwecke zusammengebracht zu haben, während in der Oberleitung des Heeres Unfähigkeit, gegenseltige Eifersüchtelei und Kopflosigkeit sich breit machen. Weiter zeigen sich hier und da im Lande schon revolutionäre Zuckungen, im chinesischen Heere tritt der Geist der Meuteret und DiSciplinlosigkeit immer offener hervor, und ein abermaliger Sieg der japanischen Truppen könnte unter solchen Verhältnissen den Coloß auf thönernen Füßen, als welchen sich China darstellt, leicht zum Sturz bringen. Wie dann Japan allerdings mit dem besiegten Feinde Frieden schließen sollte, wenn in China wirklich eine offene Revolution ausbräche und keine anerkannte Autorität mehr vorhanden wäre, daS bliebe noch abzuwarten, wie überhaupt die Weiterentwickelung der Ereignisse in Ostasien in Hinblick auf die drohende Einmischung Rußlands und Englands in diese Dinge höchst ungewiß und nichts weniger denn beruhigend erscheint. Im Uebrigen äußern die fortschreitenden Erfolge der Japaner in dem Kriege mit China insofern eine recht bedenkliche Rückwirkung im letzteren Lande, als sich der fanatische Fremdenhaß der Chinesen immer besorgnißerregender Luft macht. Die Fremdencolonien in Peking, Nanking und anderen chinesischen Großstädten müssen nach den neuesten Nachrichten als direct bedroht durch die erregten chinesischen Votksmassen betrachtet werden, so daß in, dieser Beziehung vielleicht blutige Katastrophen unoenntluna) find, wenn die fremden Mächte nicht ungesäumt energische Maßnahmen zum kräftigen Schutze ihrer Untertanen aus chinesischem Boden treffen. Deutscher Reich. Berlin, 4. October. Wie die „B. B.-Zig." zuverlässig erfährt, wird die kaiserliche Familie auch in diesem Winter einige Wochen iu Abbazi a zubrtngen. Der Kaiser wird von dort aus mit dem Schulschiff „Stein" einen Ausflug nach Venedig unternehmen. Berlin, 4. October. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den General der Cavalleri: z. D. Grafen von Wartensleben, ferner die Verleihung der Krone zum Rothen Adlerorden zweiter Klaffe mit Eichenlaub und Schwertern und mit dem Stern an den Admiral Knorr, Chef der Marinestation, sowie die Verleihung des Rothen Adlerordens zweiter Klaffe mt Eichenlaub an den Contreadmiral Aschenborn, Jn- specteur der 1. Marine Jnspection. Berlin, 4. October. Die Untersuchung gegen die verhafteten 476 Schüler der O berfeuer w e lkerschule ist bereits am Montag in Magdeburg von dem CorpSauditeur eröffnet worden. Bis gestern waren erst 18 der verhafteten Unteroffiziere vernommen worden. Entlassungen der Verhafteten sind noch nicht erfolgt. Berlin, 4. October. In der gestrigen ersten Sitzung der Commission zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, die unter Vorsitz des Directors Rothe im Reichsamt des Innern stattgefunden hat, hielt der Staats- secreiär im Reichsamt des Innern, Dr. v. Bötticher, die eingehende Eröffnungsrede. Er ging auf die Vorgeschichte der geplanten Maßregeln im Schooße der verbündeten Regierungen und tm Reichstage ein und entwickelte den Standpunkt der verbündeten Regierungen. Diese bezeugten den ernsten Willen und Eifer, den erhobenen Klagen und Beschwerden Rechnung zu tragen und die zu Tage getretenen Mißstände zu beseitigen. In der Sitzung entwickelte sich eine lebhafte Debatte. Heute Vormittag schritt die Commission zur zweiten Sitzung. Die Berathungen wurden heute beendet. Aus Elsaß Lothringen, 4. October. Die Zahl der in Elsaß-Lothringen geborenen französischen Offiziere ist immer noch erheblich. Nach einer im „Courrier de Metz" veröffentlichten Statistik zählt die französische Armee zur Zeit fünf commandirende Generäle, die in Elsaß-Lothringen geboren sind. Es sind dies d'Aubigny aus Diedenhofen, Caillot aus Straßburg, Pierron aus Moyenvic, Zur Linden aus Colmar und Larchey, der Commandeur des 18. Armeecorps. Jnsgesammt sind in Frankreich 124 aus Elsaß Lothringen gebürtigte Generäle am Leben, in Activität 21 DivisianS- und 37 Brigadegeneräle, außer Dienst 21 DivifionS- und 45 Brigadegeneräle. vermischtes. * Graudeoz, 2. October. Die Altsitzer Goyerschen Eheleute, welche in einer einsamen Käthe der Ortschaft EngelS- felde bei Nitzwalde wohnten, sind in der Nacht ermordet worden. Der Ehemann stand im 79., die Ehefrau im 59.'Lebensjahre. Beiden ist mit einem stumpfen Instrumente mit furchtbarer Gewalt der Schädel eingeschlagen worden, sodaß die Wände mit Blut bespritzt sind. Alles lag in der Wohnstube wüst durcheinander, die Möbel waren geöffnet, sodaß Raubmord wahrscheinlich ist. Viel Beute scheint dem Mörder, der bis jetzt noch nicht ermittelt ist, aber nicht in die Hände gefallen zu sein. * Gneseu, 4. October. Das Schwurgericht verurtheilte den Stellmacher Studzinskt zum Tode. Derselbe hatte in Ossowiec ein Ehepaar ermordet und beraubt, sodann das Haus angezündet und später Wahnsinn simulirt. * Arnsberg, 4. October. Ein drolliger Brief eines Kartoffellieferanten auf eine Reclamation wegen gelieferter fauler Kartoffeln dürfte in der gegenwärtigen Zeit der Wochendrirfe aus drr Residenz. (Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".) Z. Darmstadt, 4. October. Der Meßmontag. — Vom Richard Wagner.Zweigvereiu. Biel geklagt wurde von den Meßfremden über den schlechten Verlauf der diesjährigen Herbstmesse. Das wäre im Großen und Ganzen ja nicht so schlimm, könnte man meinen, denn was gehen uns schließlich die wenigen wandernden Händler an, die die hiesige Meffe besuchen? Niemandem ist es übel zu nehmen, wenn er darin etwas egoistisch denkt: was jene nicht mitnehmen, bleibt in der Stadt und kommt unseren hier ansässigen Geschäftsleuten zu gut. Ja wenn cs wirklich so wäre. Aber in der Thar verhält sich die Geschichte ganz anders. ES giebt nämlich eine große Anzahl Darmstädter Bürger und zwar ist dies besonders die ärmere und weitaus größte Klasse unserer Bevölkerung, welche bestimmte für die Haushaltung nöthige Dinge nur auf der Meffe kaufen. Dahin gehören vor ollem Steingut- und Thonwaaren, ferner viele Erzeugnisse des Spenglerhand- werkS rc. — Falsch war indessen, wenn man glaubte, die kalte und feuchte Witterung der letzten Woche habe das Geschäft auch der Herbstmesse verdorben. Der wahre Grund liegt ganz wo anders, das konnte man am Meßmontag deutlich sehen. In früheren Jahren fiel cs keinem Arbeiter ein, an jenem Tage auch nur einen Finger der Arbeit wegen krumm zu machen. Auch hätte sich fein Meister erlaubt, an diesem durch die Länge her Zeit sanktionierten „NickelcheS- tag", wie der terminus technicus lautet, die geringste Dienstleistung von seinen Untergebenen zu verlangen. Es ist noch gar nicht so lange her, daß dieser Zustand herrschte — und heute? Am vergangenen Meßmontag konnte man des Abends um 5 Uhr noch, obwohl das Wetter zum Gehen recht angenehm war, an einer Menge von Arbeitsstätten arbeiten sehen, einfach deshalb, weil die Leute bet den hohen Preisen der Lebensmittel für Extraausgaben auf der Meffe kein Geld haben. Die Großh. Bürgermeisterei hatte, weil das Meßgeschäft so schlecht gegangen war, während der vorhergegangenen regnerischen Tage, die Dauer der Herbstmeffe um zwei Tage verlängert, ein Act der Gerechtigkeit gegen die ihr Standgeld zahlenden Meßfremden, den jeder billig Denkende gutheißen wird, ich glaube aber nicht, daß in den zwei letzten vom Wetter besser begünstigten Tagen ein besonders schwunghaftes Geschäft stattgefunden hat. Die Darmstädter Concertsaison 1894/95 wurde am vergangenen Montag durch eine musikalische Veranstaltung größeren Stils des hiesigen Richard Wagner-Zweigvereins eröffnet. Als vor nunmehr fünf Jahren dieser Verein in unserer Stadt gegründet wurde, hatte man besonders das eine große Ziel im Auge, möglichst viel dazu beizutragen, daß die Bayreuther Bühnenfestspiele erhalten bleiben. Jetzt aber hat, wie von Seiten des genannten Vereines in den hiesigen Tagesblättern geschrieben wird, „der Verlauf der diesjährigen Bayreuther Festspiele und das Ergebniß der letzten Generalversammlung des Allgemeinen Richard Wagner- Vereins mehr noch als frühere Ereignisse dargethan, daß eines der Hauptziele dieses großen Vereines mit der Zeit mehr und mehr illusorisch zu werden droht." Mit Recht wandte deshalb die Leitung des Vereines ihr Augenmerk einer anderen Aufgabe zu, deren gewissenhafte Lösung für unser Darmstädter Publikum jedenfalls von der allerweittragendsten Bedeutung ist. Der Verein glaubte nämlich dadurch, daß er den Besuchern seiner Veranstaltungen die Bekanntschaft mit Künstlern, Sängern und Componisten vermittelte, die bei Wagner in die Schule gegangen sind, nicht weniger verdienstvoll zu wirken, als durch Verfolgung seines anfänglichen Zieles. Und in der That, wenn der Erfolg als Maßstab für die Vortrefflichkeit einer Sache angelegt werden darf, dann hat der hiesige Richard Wagner-Zweigverein mit seinem neuen Zwecke einen geschickten Wurf ge- than. Schon zu Anfang dieses Jahres berichtete ich Ihnen an dieser Stelle von einem glänzend verlaufenen Hugo Wolf- Abend, der durch den genannten Verein zu Stande gebracht worden war und heute bin ich in der angenehmen Lage über die zweite derartige Veranstaltung des Vereins genau dasselbe sagen zu können. Einem recht zahlreichen und äußerst diftinguirten Publikum brachte der Hamburger Componist Hermann Behn am letzten Montag im „Hütel zur Traube" eine Reihe seiner Werke zu Gehör, die der eingehenderen Beachtung wohl werth find. Lieder nennt der Meister seine Compositionen, obwohl die gewöhnliche Liedform eigentlich bet keinem zu finden ist. Indessen dies nur nebenbei - die 15 von dem Künstler selbst auf dem Klavier begleiteten Tonstücke zeigten, daß er nicht ausschließlich Wagnerianer ist, sondern auch von anderen, Aelteren und Jüngeren vieles gelernt hat, ein eigentliches Characteristikum ihres Schöpfers ließen indessen die Lieder vermiffen. Feines musikalisches Gefühl und tiefe GemüthSwätme besitzt der Autor in hohem Maße, was jedoch nicht hindert, daß auf der anderen Seite der allzu oft wlederkehrende elegische Ton mit der Zeit eben monoton wirkt. Die geradezu glänzende Wiedergabe der Lieder durch die Mitglieder unserer Hofoper, Frl. Egli und Neurneyer und Herrn Weber erntete rauschenden Beifall und trug viel zum Gelingen der Veranstaltung bei. Reparatur an dem Sattel vorzunehmen und ein in der Nähe des Palais wohnender Sattler, der die laufenden Arbeiten des prinzlichen Marstalles besorgte, ward gerufen, um Aus- kunft zu geben, ob er die Reparatur übernehmen könne oder ob es sich empfehle, den Sattel nach London zu schicken. „Wenn Königliche Hoheit gestatten", sagte der Meister, zog sein Taschenmesser, trennte an einer Stelle eine Naht und brachte zum Erstaunen des Prinzen — seine eigene — Ge- schäftSkarte hervor. Der vorzüglich gearbeitete Sattel war — made in Germany. * Die Gefahr des Etseubahu-Fahreus. Anläßlich des letzten großen Eisenbahn Unglücks von Apilly hat die Pariser „Revue scientifique" auf Grund umfassenden Materials eine Statistik aufgestellt, der wir- Folgendes entnehmen: Es sind in Frankreich bei Eisenbahnunfällen ums Leben gekommen: 1887: 0, 1888: 9, 1889: 6, 1890: 3, 1891: 54 (Saint. Mende) und 1892: 0. England weist für die gleichen Jahre folgende Ziffern auf: 25, 12, 88 (Armagh), 10, 5 und 21 - die Vereinigten Staaten die folgenden: 207, 168, 310, 285, 177 und 114. Die Zahl der von den Eisenbahnen beförderten Reisenden betrug in den nämlichen sechs Jahren (1887 bis 1892) in Frankreich 217, 224, 243, 241, 255 und 290 Millionen,- in England 733, 742, 774 819, 845 und 865 Millionen- in den Vereinigten Staaten 428, 451, 475, 492, 556 und 575 Millionen. Es kommt also in England ein ge- tödteter Eisenbahn Reisender auf 28 Millionen Reisende, in Frankreich einer auf 19 Millionen, in den Vereinigten Staaten auf 2—3 Millionen. Die entsprechenden Ziffern für einige andere Länder sind die folgenden: in Deutschland ein Ge- tödteter auf 10 Millionen Reisende, in Italien einer auf 6 Millionen, in Rußland einer auf 1 Million. Ist diese Statistik richtig, so ist das Reisen am wenigsten gefährlich in England- dann kommt Frankreich und danach Deutschland. In Italien ist das Reisen fast noch einmal so gefährlich wie in. Deutschland, in den Vereinigten Staaten 4—5 Mal und in Rußland sogar 10 Mal gefährlicher als in Deutschland. In Rußland ist also das Fahren mit der Eisenbahn am gefährlichsten. Bis jetzt hat man die Vereinigten Staaten in diesem Verdacht gehabt. * Die Geheimnisse des Wursthaudels bei großen Volksfesten in großen Städten enthüllt folgende Bekanntmachung des Amtsvorstehers in Kalkberge-Rüdersdorf: „Die von den Händlern am Rüdesdorfer Knappschaftsfeste entnommenen 29 Wurstproben haben durch chemische Untersuchung ergeben, daß nur eine Wurst rein und gut war, und zwar die des Gastwirths B. zu Rüdersdorf. Die übrigen Proben wurden theils verdächtig, theils von Pferdefleisch herrührend befunden." * Der Pariser Universitätsprofessor Paul Aubry, der in Monte Carlo 200000 Frcs. verloren hatte, jagte sich am Meereöftrande eine Revolverkugel in die Schläfe und war soforc tobt. In den Taschen des Unglücklichen fand man ein an den Polizeidirector gerichtetes Schreiben, in dem er seinen Leichnam dem Pariser anatomatischen Institut vermacht. * Der Portier des Brüsseler Rathhauses starb vor einigen Tagen mit Htnterlaffung eines bedeutenden Vermögens, welches er sich müheloser Weise, nämlich dadurch erworben hatte, daß er den Fremden und Reisenden die Sehens« Würdigkeiten des RathhauseS zeigte. Man schätzte sein jährliches Einkommen auf 25,000 Francs. Unter den Bewerbern um den freigewordenen Posten figuriren, wie die Brüsseler Journale berichten, 33 Advocaten, 21 Ingenieure, drei Chemiker und ein — Astronom. * Heilserum als Mittel gegen Diphtherie. Größtes Aufsehen in der medictnischen Welt wie in den Kreisen der Laien rufen die auf dem Congreß deutscher Aerzte und Naturforscher in Wien gemachten Mittheilungen über ein Heil-(Blut)-serum als Mittel zur Bekämpfung der Diphtherie hervor. Seit Kochs Tuberkulin hat es eine so große Erregung, ein so großes Aufsehen auf diesem Gebiete nicht gegeben. Praktische Erfolge, die auch von dem Leibarzt der Kaiserin von Oesterreich, Hofrath Widerhofer, rückhaltslos bewundernd constatirt worden sind, lasten jeden Zweifel an der Wirksamkeit der Heilserum verstummen. Bering, Ehrlich und Wassermann, der Schüler und Assistent des Geh. Raths Robert Koch, ernteten ungeheueren Beifall und laute Bewunderung. Insbesondere wurde die Versicherung Behrings jubelnd ausgenommen, daß es lediglich eine Frage der Zeit sei, daß man auch andere Krankheiten, wie Cholera, Pneumonie, Typhus, vielleicht auch Tuberculose, auf diese Art heilen werde. Die Hauptschwierigkeit für die Anwendung des an Thieren erprobten Serums bei den Menschen habe in der Unmöglichkeit bestanden, das Mittel in genügender Heilstärke zu gewinnen. Behring gab einen historischen Ueberblick über die von ihm entdeckte Serumtherapie. Er constatirte, daß ihre Erfolge jetzt allseitig anerkannt seien, und wies statistisch nach, daß bei richtiger und frühzeitiger Anwendung des von Meister, Lucius und Brüning in Höchst am Main zu beziehenden Mittels allein in den nächsten 10 Jahren in Deutschland und Oesterreich l'/z Millionen Kinder gerettet werden können. Den Worten des Redners folgte stürmischer Beifall. Ehrlich- Berlin sprach über die im ElisabethkrankenhauS und in der Charite mit dem Diphtheriemittel erzielten glänzenden Erfolge. Von den an den ersten beiden Krankheitstagen in Behandlung genommenen 82 Fällen starben 2! Mit Abrechnung der schon agonalen, also beim Eintritt unrettbaren Fälle beträgt die Gesammtsterblichkeit nur 8 Procent. Der Redner constatirte, daß das Mittel von Meister, Lucius und Brüning in Höchst doppelt so stark und um das vierfache billiger ist, als davon Schewing in den Handel gebrachte. Besonderen Nachdruck legte der Redner nach den in Berlin gemachten Erfahrungen darauf, daß in Anbetracht der fast absolut sicheren und ganz unschädlichen Wirkungen des Mittels bei frischen Fällen Eltern und Aerzte die Kinder möglichst bald der Behandlung zuführen. Schrffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 5. October. sPer transatlantischen Telegraph.! Der Postdamvser Dresden, Capilän A. v. Collen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. September von Bremen abgegangen war, Ist gestern, 8 Uhr Morgens, wohlbehalten tn Baltimore angekommen. Univevfitäts - Nachrichten. Rostock, 5. October. Der Professor der deutschen Literatur Reinhold Bechstein ist heute gestorben. Technische Fortschritte. — Verbrennung von Abföllen «nd Kehricht. Der Abfall aus Haushallungen, von Märkten, sowie auch aus Fabriken wird in England vielfach dadurch besetltgt, daß man ihn in eigenen Oef-n zur Verbrennung bringt, wozu dieser Kehricht meist selbst brennbare Stoffe in genügender Menge enthält. Diese Einrichtungen haben auch bet uns tn letzterer Zett einiges Interesse erweckt; es werden auf Grund eines Reiseberichts des Stadtrathes Bohm und des Rcgterungsbaumetsters Grohn in Berlin nunmehr VersuchSöfen verschiedener Constructton errichtet, um die Frage der Brauchbarkeit für unsere Verhältnisse, sowie die geeignete Ofenconstructton zu ermitteln. Es empfiehlt sich auch sicher für manche Fabrikation, von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen. Eingesandt. H. Gießen, 6. October. Daß neben der erhöhten Taxe, welche bem-Unternebmer für die Tonnenabfuhr zugeftanden worden ist, jetzt auch eine öftere Ab- holung der Tonnen vorgenommen wild, belastet den Hautzeigen- thümer ganz wesentlich mehr. Einsender dieses bezahlte früher im Ganzen 17.28 Mark daS Jahr und muß jetzt bei der gleichen Bewohnerzahl des Hruses fall das Doppelte, näolltch 31.20 Mark bezahlen. Dieser Betrag ist selbst für ein mittelgroßes Haus mit drei Familien jedenfalls zu hoch. Sollte diese Klage allgemein empfunden werden, so wäre es doch nothwendtg, daß von Seiten der Interessenten gemeinsame Schritte geschähen, um diese außerordentliche Mehrbelastung auf das richtige Maß zurückzusühren. Briefkasten. Herrn A. B. Das Mittel ist noch zu neu und bedarf wohl erst reiflicher Eiplobung, als daß man eben schon das große Publikum hierüber aufregt. Wir würden dem ärztlichen Stand, fpectell der KlinikS-Directton, den denkbar schlechtesten Dienst leisten, wollten wir eben schon anfangen, in der von Ihnen gewünschten Form zu moniren. Red. Kartoffelernte das Jntereffe der Leser finden und geben wir demselben nachstehend Raum:.....6. November 1893. Werthes Fräulein! Aus ihren mir zugesandten zwei Postkarten ersehe ich, daß der Schaden mit der Kartoffelfäulniß auch Ihren Keller nicht verschont hat gleich dem Würg Engel in Egipten welcher auch nicht ein Haus verschonte. Daß Sie aber Ersatz verlangen, daß ist mir doch ein wenig hart als wenn ich der Uebelthäter wäre, der die Fäulniß hervorgerufen hätte, oder habe ich Ihnen wohl Vollkomme Kartoffeln verkauft die gegen alle Weltliche Geschicke gepanzert wäre. Ihre Kartoffeln sind vom Felde in die Tenne geschüttet worden, haben dort etliche Tage gelegen und dann sorgfältig gelesen sodaß mit Fleiß oder Wissen keine beschädigte oder faule dabei gekommen ist- hätten Sie bei der Lieferung faule Kartoffeln gefunden, dieselbe hätte ich allerdings wieder zurückgenommen, aber jetzt das thue ich nicht stelle es Ihnen aber frei sich anderweitig zu beschweren oder gar Klage zu führen, und wenn Sie Genuß dabei haben, werde ich auch beschwerde führen denn ich glaube durch die Fäulniß mehr Schaden zu leiden als Sie. ES sind von hier vielleicht 5—6 .hundert Cemner Kartoffeln nach . . . gekommen sind aber noch keine Anträge auf Ersatz laut geworden ohne Sie, oder glauben Sie wohl andere . . . Leute faulten ihre Kartoffeln nicht? Hochachtungsvoll H. A. C. * Wie man der „Täglichen Rundschau" aus Dresden schreibt, hatte sich dieser Tage ein Wucherer allerschlimmster Sorte, der Pferdehändler Ehrlich, vor dem dortigen Landgericht zu verantworten. Derselbe hatte an drei Schüler einer Militärvorbereitungsanstalt 15 000 Mark gegen Wechsel und Ehrenwort geliehen, jedoch nur unter der Bedingung, daß die jungen Leute statt des baaren Geldes drei Pferde und zwei Wagen mit in Zahlung nehmen mußten. Pferde und Wagen, die nur einen wahren Werth von höchstens 5000 Mk. hatten, wurden ihnen mit 10 000 Mk. berechnet, so daß sie nur 5000 Mk. baar erhielten. Später verklagte dec Wucherer einen der jungen Leute auf Zahlung des Wechsels, wurde aber mit seiner Klage zum Theil abgewiesen. Nunmehr wandte er sich an den Beklagten mit dem Ansuchen, er solle ihm für den bei der Klage gehabten Verlust einen Wechsel über 12 700 Mk. ausstellen, dann könne er von ihm wieder Darlehen erhalten. Leichtsinnigerweise ging der junge Mann hierauf ein, erhielt aber später trotz des Wechsels über 12 700 Mk. und zwei weiterer über 1000 und 1600 Mk. nur 200 Mk. baar ausgezahlt. Das Landgericht erkannte gegen Ehrlich (!) auf 8 Monate Gefängniß, 1500 Mk. Geldstrafe und 3 Jahre Ehrverlust. * Wie der „Voss. Ztg." von BreSlau berichtet wird, veranstalteten die Abiturienten eines dortigenstädtischenGym- ""fiums einen Commers, nachdem die Prüfung mit sehr astigen Erfolgen abgeschlossen worden war. Bei dem mmerfe, der trotz des ergangenen Verbotes stattfand, hielt ' „Fuchsmajor" eine humoristische Ansprache, welche sich einzelnen Wendungen gegen die Lehrerschaft gerichtet haben l. Die Lehrerschaft fühlte sich verletzt und beschloß in« gebessert, dem Redner nicht nur das Abgangszeugniß vor- inthalten, sondern ihm auch zu erklären, daß er die Schule i) ein ganzes Jahr zu besuchen und alsdann die Reife- ifung zu wiederholen habe- er sei moralisch nicht für zulässig befunden worden. Die^Veranstalter des Commerses ffelten Carcerstrafe. * Ein Wiedersehen. Ein deutscher Kaufmann in Tong- fing hatte bei einer festlichen Gelegenheit ein prachtvoll gear« beiteteß Tafelzierstück erhalten, das er als Probe chinesischer Kunstfertigkeiten an seinen Vater nach Geislingen in Württemberg sandte. Das sehr schöne Stück fand ungeteilte Anerkennung und Bewunderung - auf einmal aber entdeckte ein findiger Kopf auf der Rückseite einen kleinen Stempel „W. M. F." und bei näherer Untersuchung entpuppte sich die „echt" chinesische Arbeit als gutes Geislinger Fabrikat der Württembergischen Metallwaarenfabrik. Diese Geschichte erinnert an eine niedliche Episode, die der hochselige Kaiser Wilhelm I. als Prinz von Preußen erlebte. Dec Prinz hatte aus London einen vorzüglich gearbeiteten Sattel mitgebracht, der Zeugniß ablegte von der großen Kunstfertigkeit unserer Vettern jenseits des Kanals. Einmal war eine Humoristisches. Vom Ei des Kolumbus. „Ick soll bot Huhn siub, bet bas Ei bes Kolumbus jelegt hat. Ne wissen Se, so 'ne Jemeinheit brauche ick mir nicht zu jefallen zu jelassen, als ob ick überhaupt Eier lejen könnte." Hier würbe ber Schlächtergeselle Friebrich Lehmann, der gegen den Arbeiter Wilhelm Hahn eine Privatklage angestrengt hatte, von dem Vorsitzenden ber 144. Abtheilung bes Berliner Schöffengerichts am Amtsgericht I in seiner Rede unterbrochen und aufgeforbert, den Sachverhalt ohne alle Abschweifungen zu berichten. — Privatkläger: „Soll jeschehen, hoher Herr Jerichtshof- aber Eier jelegt habe ich nun doch enmal nicht. Ick wäre ja jarnich böse, wenn ick et könnte, und meine Olle hätte jewiß ooch nischt jejen, wenn ick ihr auf diese Art in de Wirthschaft unterstützen thäte, aber wat nich is, bet is nicht unb betbrum —" Vorsitzenber: „Nun kommen Sie endlich zur Sache." — Privatkläger: „Na also, et war am Dienstag den 1. Mai, so jejen 9 Uhr Abends - ick wollte noch ’nen Kleenen hinter de Binde jießen und trat deshalb in de Destille an de Ecke von de Wrangelstraße. Da sehe ick nu den Hahn, welcher den 1. Mai bei etliche jroße Weißen feiert, und weil ick ihm kannte, fragte ick ihm, wat bet für ’ne Benehmigung wäre, wo er boch Vater von ’ne Familie is unb Kinber hat, sich hier in be Kneipe herumzutreiben. Er solle sich boch man lieber um seine Kücken kümmern als den 1. Mai feiern. Det wäre schon besser. Dadruf sah er mir nu sehr schief an unb meente so über be Schulter, ick möchte mir doch nich um unjelegte Eier so ufrejen. Na nu hören Se man an, kleene Kinder sind doch kcene unjelegte (Sier! Da lief mir boch meine Jalle en bisken über unb ick erwiderte ihm, so'n Hahn hätte ich ooch noch nich jesehen, der fo wenig für seine Hühnerfamilie sorgte - er wäre ja schonst der reine Rabenhahn. Na, da wurde er aber borschtig. Wüthend rollt er seine Oogen uf mir und brüllte mir an, ob ick bet Huhn wäre, welchet bet Ei bes Kolumbus jelegt habe. Ne, sagte ick, sowat fiele mir nich im Trome in. Na, meente er, benn sollte ick ihm ben Buckel heraus —. Nun hatte ich aber genug, unb ba ich Eeenen Skanbal machen wollte und mir tief in Hahnen feine Seele schämte, so jing ick still meines Wejes. Aber bat er mir bet Huhn geschumpfen hat, bet bas Ei bes Kolumbus jelegt hat, bet kann ick ihm nich verzeihen. Dabafür muß er eine Lection erhalten." — Der Vorfitzenbe suchte zwischen Lehmann unb Hahn, der während der Verhandlung Widerklage erhoben hatte, eine Einigung zu erzielen und führte dem Ersteren vor Augen, daß er die Beleidigung des Hahn doch selbst hervorgerufen habe. Schließlich kam denn auch ein Vergleich zu Stande, nach welchem jeder Theil die Hälfte der Kosten übernahm. In der Jnterimszeit. „Wat, die letzten drei Tage wollen Sie sich nu ooch vom Dienst drücken?! Nich jenug, det Se man blos een eenzijes Jahr Soldat sind, wovon Se fast be eene Hälfte revierkrank waren und be andere ins Loch saßen —" „Aber, Herr Unteroffizier, die vierundzwanzig Stunden —" „Ach wat, verdividiren Se sich nich noch obenbrin! — Wat haben Se benn nu wieber?" — „Jräßliche Halsschmerzen, Herr Unteroffizier." — „Sehen Se mal an, Sie Pimpeljochen - ick jloobe, Ihnen lüsterts blos nach bet neierfunbene Blut- serjum. — Jrinsen Se nich, sonst laß ick Ihnen noch zu juter Letzt uff eenen Seen stehen, bis be erste Lerche trillert." — „Köhler, wat haben Se benn mit Ihr linkes Pebal jemacht, bet sieht ja janz winbschief aus? — Auswärts b» Quante! — Noch mehr! — Potz Wetter, da is boch irgend wat nich in Orbnung!" „Herr Unteroffizier — ich — ich habe zwei — zwei rechte Stieweln an." — „Drum auch, Sie Schubjack, bet hab ick mir hoch jleich jebacht. — Ruff mit Sie uf be Bube! — Unb wenn Sie in bret Minuten nich in be richtje Verfassung wieber antreten,■ reiß ich Ihnen uff bis ans Kinn! — Ruhe im Beritt, ober ick zwieble Euch Schwefelbanbe, bet Ihr vor Angst Sttewelwichse schwitzt! — Linkes Ohr tiefer! — Rechte Schulter vor! — Bauch zurück, Sie Dickwanst! — Ihnen is wohl Stoob ober sonst wat in8 Jesichte jeflogen? Ihr Doge tatscht ja in eens fort.“ — „Des is'n Naturspiel unb wirb am Enbe noch een Jertschtenkorn werden, Herr Unteroffizier." — „Blödsinn, wat Se ba quasseln! Det sinb be Foljen von be Fettleber. Wenn Se bet besser inthetlen möchten, wat Ihnen Ihr Oller an Speck unb Wurscht zukommen läßt, benn würben Se nich so auSschlagen unb immerzu verpickelt sinb." — — „Wo haben Sie nun so lange mit Ihrer Corporalschast jestochen?" brummte bie Compagniemutter? — „Der Köhler —" „Ach, wat jeht mich ber Köhler an! Uebernehmen Sie bas Com- manbo — unb wenn ber Herr Lieutenant kommt, dann melden Sie ihm, daß ich zum Herrn Haupimann befohlen worden bin — —" „Stilljestanden! — Hensel, S e Quecksilber, ick habe Stilljestanden commanbirt. — Suxborf, bet jilt ooch for Ihnen. Wenn Sie sich noch mal kratzen, bann beantrage ick, bet Ihnen ber persische Jnsectenpuloerorben verliehen wirb." „Ha, ha, ha, ha!" lachte bie ganze Abtheilung. — „Aeh! äh! Onr'roffciäh, weshalb feixen Kerls wie Hamster?! Haben wohl wieder Witzkoller? Blase beisammen ?"! — „Zu Befehl, Herr Lieutenant! —" „Rechts—om! Bataillon — marrrsch!" Bekanntmachung, betreffend die Jnvaliditäts- und Altersversicherung der sog. unständigen Arbeiter (Taglöhner, Wäscherinnen, Büglerinnen, Nähterinnen re.). Die rubr. Versicherten find verpflichtet, innerhalb der letzten 7 Wochentagen eines jeden Monats ihre Quittungskarten zum Zweck der Controls über die richtige Beitragsentrichtung der Hebesielle vorzulegen. Da dieser Vorschrift von einer Anzahl unständiger Arbeiter und Arbeiterinnen immer noch nicht pünktlich nachgekommen wird, bringen wir dieselbe unter dem Anfügen hiermit in Erinnerung, daß Zuwiderhandlungen nach § 126 des Reichsgesetzes vom 22. Juni 1889 mit Geldstrafe bis zu 300 Mark geahndet werden können. Diejenigen Versicherten, welche nachweisen, daß sie die Beiträge für einen oder mehrere Monate im Voraus entrichtet haben, sind von dieser Verpflichtung, für die Dauer dieses Zeitpunktes, ausgenommen. Gießen, den 1. October 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 8121] ______________Gnauth.__ Neubau der Jrrenklinik zu Gießen. Arbeits-Vergebung. Die für vorgenannten Neubau erforderlich werdenden Schreinerarbeiten und zwar vorerst nur für die beiden Gebäude der Pensionäre (bestehend aus ca. 8 äußeren, ca. 62 inneren Thüren, Sockel, Rolladenkasten u. s. w., jedoch ausschließlich Liefern und Verlegen von Fußböden) sollen auf dem Wege öffentlichen Angebots in einem Loose vergeben werden. Die Angebotunterlagen werden von Mittwoch, 19. October l. I. ab auf dem Baubüreau der Jrrenklinik zu Gießen, Franksurterstraße 103, zur Einsicht offen gelegt. Arbeitsbeschreibungen, besondere Bedingungen und Zeichnungen können auch von ebenda bezogen werden. Die Angebote sind bis spätestens Mittwoch, 31. October l. I., Bormittags 10 Uhr, bei vorgenannter Stelle einzureichen, woselbst zu dieser Zeit in Gegenwart etwa erschienener Jntereffenten die Eröffnung erfolgt. Zuschlagsfrist: 3 Wochen. Gießen, 6. October 1894. 8247 Grobherzogliches Kreisbauamt Gießen. Neuling. Bekanntmachung in Gießen bei Frau Rodhetm a.Bieber Frau Herrn trau >erm Eduard Riemer, Wolfstraße. Conrad Roth, Waltthorsttaße. Philipp Stier, Schulstraße. Jacob Hengü, Ltcberstratze 20. Hcinr. Becker, Löwengasse. Gustav Sonntag, Neuen Bäue. Johann Seibel, Franksurterstraße 62. Wilhelm Haas, Bletchstraße. H. A. Sack. Neuenweg 58. Gastwirth Wagner. Anton Dillmann. Wirth Wiesner. Wirth Schmidt. Moses Engel. Kaufmann Fink. Philipp Lenz. Georg Allendörfer III. Wilhelm Balser. Heuser Wittwe. Ludwig Schwarz. Kaufmann Dreyfu ß. Löb Isenberg. A. Jung, Gastwirth. Theodor Hahn, Kaufmann. Konrad Petri, Gastwirth. Theodor Hofmann, Bürgermeister. Kaufmann Karl Krleiltng I. Philipp Rinn Wittwe, Krämer. Philipp Feuser, Gastwirth. Friedrich Pfaff, Gastwirth. Philipp Bechtold, Krämer. Kaufmann Georg Repp. Christian Köhler IV. Hermann Klippstein. Nathan ©tiefe l. Bürge rmeist er Roth. Joh. Gg- Müller, Wittwe. in Allendorf (Lahn) „ Alten-Buseck „ Annerod „ Garbenteich „ Grüningen Hausen „ Klein-Linden „ Lützellinden „ Rödgen „ Steinberg „ Trohe „ Watzenborn „ Beuern (Hessen) „ Großen-Linden Frau Johannes Feller I. Wittwe. Herrn Jacob Bender. „ Johannes Schmidt, Kaufmann. Herrn Jakob Becker I. „ Bürgermeister Böcher. „ Heinrich Schmidt. „ Wilhelm Wagner II. „ Wilhelm Schepp. „ Ludwig Menz. „ Heinrich Seipp VII. „ Kaufmann Liebmann Bär. Gottlieb Jung, Gastwirth. Jacob Waldschmidt V. Philipp Weber, Gastwirth. Theodor Geller, Gastwirth. Bürgermeister Scherer. Kaufmann Isaak Michel. Julius Karl Keßler, Specereihändler. Daniel Schmidt, Gastwirth. Amtliche Verkaufsstellen für Postwerthzeichen bestehen: Frau L. Katkhos Wittwe, Westanlage 2. Herrn Christoph Bieker, Neustadt 55. Zur gefL Beachtung*! Im Interesse der rechtzeitigen Fertigstellung unseres Blattes richten wir an unsere verehr!. Inserenten wiederholt das dringende Ersuchen, Inserate für die Nachmittags erscheinende Nummer bis IO Uhr Bor- Mittags, solche größeren Umfanges, wenn möglich, Tags vorher aufgeben zu wollen. Die (Expedition des „Gießener Anzeiger." Die amtlichen Verkäufer sind vertragsmäßig verpflichtet, stets einen angemessenen Vorrath an Postwerthzeichen zu führen und die einzelnen Marken zu keinem höheren, als dem Betrage ihres Werthes an das Publikum abzulassen. Im Allgemeinen hat der Verkauf während der ganzen Zeit, in welcher das Geschästslocal des Verkäufers geöffnet ist, stattzufinden, jedenfalls aber innerhalb der für den Verkehr mit dem Publikum festgesetzten Dienststunden der Postanstalt. Gießen, 1. October 1894. Kaiserliches Postamt. Ritsert. „ Leihgestern , Hörnsheim ff „ Hochelbeim ff „ Großen-Buseck ff Oppenrod ff „ Heuchelheim ff „ Krofdorf ff „ Gleiberg „ Launsback „ Wißmar ff „ Langgöns ff „ Langsdorf ft ff „ tt „ Birklar ., Muschenheim „ Bettenhausen ff , Reiskirchen „ Bersrod „ Winnerod ff , Bollenbach ff „ Saasen If Lindensttuth Hattenrod ff „ Bieber „ Crumbach „ Fellingshausen ff ff „ Frankenbach „ Königsberg „ Vetzberg „ Steinbach (Hessen) ff „ Albach If ff Ochlltlilhe Aufforderung. Laut Eintrags in dem Hypothekenbuch der Gemeinde Wieseck vom 24. März 1848 hatten die Johannes Kling's Eheleute von Wieseck von Karl Seipp in Gießen 150 Gulden entliehen und ihre in der Gemarkung Wieseck gelegenen Immobilien Fl. I Nr. 68,3, Hofraithe, und Fl. II Nr. 54, Grabgarten, verpfändet. Die Forderung soll längst erloschen sein; die Hypothekurkunde konnte jedoch nicht mehr zur Löschung vorgelegt werden. Auf Antrag der Gemeinde Wieseck als dermaligen Eigenthümerin der fraglichen Hofraithe werden alle Diejenigen, welche Ansprüche aus diesem Hypothekeintrag bilden wollen, aufgefordert, solche binneuLMonaten bei dem unterzeichneten Gericht gel' tend zu machen, als sonst die Löschung des Hypothekeintrags verfügt werden würde. Gießen, am 2. October 1894. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. 8142 Langermann. Vergebung. Für das Großh. Provinzial-Arrest- haus dahier soll die Lieferung nachstehend verzeichneter Verzehrungs- und Verbrauchsgegenstände: ca. 10- bis 12000 Kilo abgetrockneter guter Speisekartoffeln; Brod, Wecke, Eier, Bohnen, Erbsen, Linsen, Reis, Gerste, Gries, Hafergrütze, Salz, Pfeffer, Muskatnuß, Nelken, Kümmel, Lorbeerblätter, Essig, Schweineschmalz, Cocosnuß butter, Ochsenfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch, Frankfurter Würstchen, Mehl, Kaffee, Milch, Petroleum, Zündhölzer, Besen verschiedener Art, Bürsten, Borstenschrupper, Putzlumpen, Seife, Schmierseife, Soda, Putzpulver, Zinksand, weißer Sand, Stroh, Thran, Wichse, Fensterleder, ferner die Reinigung der Feuj- erung sanlag en für die Zeit vom 1. November 1894 bis 31. October 1895 im Submissionswege vergeben werden. Versiegelte Angebote und, soweit thunlich, Proben, sind kostenfrei bis zum Eröffnungstermin: Mittwoch 10. October 1894, Vormittags IO Uhr auf der Kanzlei Gr. Staatsanwaltschaft dahier, Justizgebäude, Zimmer Nro. 43 niederzulegen. Bis zu diesem Termin werden auch Gebote auf die sich im Prooinzial- Arresthause ergebenden Küchenabfälle, Lumpen und das abgängige Lager st roh entgegen genommen. Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerial- erlaß vom 16. Juni 1893, das Verdingungswesen betr., enthaltenen allgemeinen und den von dem Unterzeichneten ausgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der Kanzlei Gr. Staatsanwaltschaft zur Einsicht offen liegen und gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden können. Bezüglich der Cocosnuß- butter kann der Zuschlag erst nach stattgefundener Prüfung der vorzulegenden Proben durch den Anstaltsarzt erfolgen, im Uebrigen bleibt der Zuschlag 3 Tage vorbehalten. Gießen, 20. September 1894. Der Großherzogl. Erste Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberheffen. 7733] Jöckel. Arbeitsvergebung. Die Herstellung von Baumgruben an der Kreisstraße Gießen—Gleiberg im Voran schlagsbetrag von 97 JL wird am Dienstag den 9. October l.Js., Bormittags 9 Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst der Voranschlag zur Einsicht »ffen liegt, im Wege schriftlichen Angebots vergeben. Gießen, den 4. October 1894. Der Kreisingenieur. 8191] Stahl. Versteigerung Montag bett 8. Oktober b. IS, Vormittags 11 Uhr, versteigere ich Wallrhorstraße Nr. 28 ibei HerrnOeconom Flett) dahier: 2 Lhatsettpferde gegen Baarzahlung. Die Versteigerung findet bestimmt statt. 8168________Vor«, Gerichtsvollzieher. ÄL Schlachthaus. Freibank. [8237 Heute und Montag: Ochfensieifch nicht ladenrein, pr. Pfd. 54Pfg. Schweinefleisch, nicht ladenrein, per Pfd. 50 Pfg. Vermischte Anzeigen. 8134] Wohne jetzt Neustadt 31. I. Dietrich, Schuhmacher. Wohnungs-Veränderung. Wohne von heute ab 8077 Dammstr. 24, 2 Tr. (im Neubau des Herrn Mühlich». Adolf Arnold, Zitherlehrer. Veralteten lnngen- uni Kehlkopshuffen heilt brieflich unter Garantie. Billigst Bisher auch nicht annähernd erreicht. 8150 Apotheker Fr. 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Die für heute angesagte Herbstabfahrt nach Staufenberg fällt wegen eingetretener schlechter Witterung bis auf Weiteres aus. 8235__Der Vorstand. Fchtmband Wen-Mr. Dienstag, 9. Oktober, Abends Pünktlich 8 Uhr, 5enera(=üer(amm(ung. im Kaiser Friedrich (2. Stock). Tagesordnung: 1. Vorstandswahl, 2. Verschiedenes. 8209 E. A. V. 8184] 8229 Adolf Bieler. V [1873 Mäusburg. Seifenfabrik. Mäusburg. Der Director: L. Hoffmann. Aug. Kilbinger Z Geschirr- unb Wagenfabrik Giessen, SelterSweg 19 empfieblr Luxus - Wagen und Geschirre aller Art zv den billigsten Preisen. Der Director der Sparkasse: H ofmeyer. Sonntag, den 7. October, Abends 8’/« Uhr: [8205 Mitglieder • Versammlung Vortrag des Herrn Pfarrer Dingeldey über: die chriftlich- sociale Bewegung in England.Der Vorstand. MW 8189____________________________ Zur Anfertigung von MnheMe öielkörrfidjcrungg-^uftalt. Samstag, 13. October l. I., Nachmittags 3 Uhr, Generalversammlung und Ausschuß - Sitzung im Gasthaus znm Solmser Hof in Hungen. Tagesordnung: Rechnungsablage, Vorstandswahl, Berathung von Vereinsangelegenheiten. Einladung Die diesjährige Generalverfammlung der Spar- und Leihkasse zu Nidda soll Montag, den 15. Oktober, Bormittags 10 Uhr im Rath- hanssaale zu Nidda stattfinden, zu welcher sämmtliche Mitglieder derselben hiermit eingeladen werden. Nidda, den 2. October 1894. • Polster- und Kastenmöbeln aller Art. § M Eigene Tapezier- und Schreiner-Werkstätte. A Mein Uelsllhrmgs - §«re«» und Wohnung befinden sich vom 8. October ab Westanlag-e 44, parterre k Carl Stückrath 'jj Möbelfabrik Asterweg 47 und Ederstrasse 8 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Bauplänen, WmMiM etc empfiehlt sich 6737 G. Hamann, Architekt, .Bahnhofstraße 2. FEisMeer riobernfte tml> boruetjrnftc ^albuionatdftbrift in glänzender, farbenreicher Ausstattung und hoch. MnariWmt Inhalt. Romanen erster Autoren k Unübertroffen find die farbigen «uvft. 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