Freitag den 7. September Nr. 209 Der tWwer Aazeiger erscheint täglich, ■mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener Aamttienvtälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Meßmer Anzeig er Aeneral-Mnzeiger. Vierteljähriger Abonncmcutspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren. «nn°hm.°°nAnz-ig-nz>. b.t N°chm,„°g- pr b« | ^ratisöeikaqe: chießener Jamilienökätter. folgenden Tag erscheinenden Nummer bi3 Borm. 10 Uhr. I c? D ig ö Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Aintlicher Theil. Bekanntmachung. Nach den hier eingegangenen neueren Nachrichten sind einige, wenn auch leichte neue Erkrankungen an asiatischer Cholera in dem Dorfe Bürgeln vorgekommen. Da unter den gegebenen Umständen die Möglichkeit vorhanden ist, daß von den Krankheitsfällen Jnfectionsstoff in die Lahn gelangt ist, so sehen wir uns veranlaßt, vor dem Baden in der Lahn, dem Spülen der Wäsche in derselben, wie überhaupt vor jeder Benutzung deS Lahnwassers, bei welcher Theile desselben in den Mund gelangen können, bis auf Weiteres dringend zu warnen. Gießen, 5. September 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Melior. Gießen, am 6. September 1894. Betr.: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 5. September 1893 — Gieß. Anz. Nr. 210 — sehen wir der alsbaldigen Vorlage der Reoisionsberichte bezüglich derjenigen Bauten entgegen, an denen die Rauhbaurevision ftattgefunden hat (vgl. § 101 Abs. 4 der Ausführ. V. O. v. 1. Febr. 1882). I. V.: Dr. W ü st. Bekanntmachung. Nach Beschluß des Ausschusies des landwirthschaftl. Bezirksvereins soll in diesem Herbst der Bezug von Beselers Weizen durch den landwirthschaftl. Bezirksverein vermittelt werden. Von diesem Weizen sind von Herrn O. Beseler auf Klostergut Weende dem landwirthschaftl. Bezirksverein 100 Kilogramm. . . . zu 23 Mk. 1000 Kilogramm. . . . zu 200 Mk. angeboten und bei Bestellung von 5000 Kilogramm eine weitere Preisermäßigung in Aussicht gestellt werden. Es wird dies unter dem ergebenen Anfügen zur Kenntniß der Herren Landwirthe gebracht: 1. daß in dem Voranschläge des landwirthschaftl. Bezirksvereins 1894/95 — 200 Mark — zur Deckung der Transportkosten für Saatfrucht in Ausgabe vorgesehen sind und daß bei Bestellungen von Mitgliedern des landwirthschaftl. Bezirksvereins die Kosten des Transportes der Saatfrucht bis zur Eisenbahnstation Gießen, Lang-Göns, Hungen und Grünberg auf die Bezirks- vereinskasie übernommen werden; 2. daß Bestellungen von Landwirthen, welche nicht Mitglieder des landwirthschaftl. Bezirksvereins sind, ebenfalls ausgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn sie nicht vorher noch Mitglieder des landwirthschaftl. Bezirksoereins werden und sich zu diesem Behufe bei dem Unterzeichneten anmelden sollten, den vollen Kostenbetrag für Ausführung ihrer Bestellungen zu vergüten; 3. daß die Herrn Landwirthe, welche diesen Weizen durch Vermittlung des landwirthschaftl. Vereins zu beziehen wünschen, ihre Anmeldungen längstens bis zum 20. d. M. bei dem Unterzeichneten einzureichen haben; 4. daß die Zahlung des Kaufpreises bei Empfang der Saatfrucht alsbald zu erfolgen hat; 5. daß irgend eine Garantie von Seiten des landwirthschaftl. Bezirksvereins selbstverständlich nicht übernommen wird. Die Angebote der Saatstelle der deutschen Landwirth- schafts'Gesellschaft zu Berlin sind ebenfalls eingelaufen und können bei dem Unterzeichneten von den Herren Landwirthen eingesehen werden. Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, vorstehende Bekanntmachung in Ihren Gemeinden veröffentlichen zu lasten, Anmeldungen entgegenzunehmen und solche bis zum 20. v. M. einzusenden. Gießen, den 3. September 1894. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins. Carl Jost. Deutsches Reich. Berlin, 5. September. Die Angaben über den Zeitpunkt des Beginnes der parlamentarischen Wintersessionen im Reiche und in Preußen lauten noch immer schwankend. Neuerdings weiß die „Nationalzeitung" zu melden, daß die Einberufung des preußischen Landtages für Mitte Januar zu erwarten stünde. Sollten sich diese Angaben bestätigen, so würde der Zusammentritt des Reichs- Parlamentes auch diesmal wieder verhältnißmäßig spät im Jahre erfolgen, es scheint nun einmal, als ob eine frühere Einberufung des Reichstages, etwa Ende October, nicht zu ermöglichen wäre. Offenbar befinden sich die nöthigen Vorarbeiten für die nächste Reichstagssession noch einigermaßen im Rückstand, was namentlich auch von den im Reichsschatz- amte in Ausarbeitung befindlichen Steuervorlagen gilt, denn dieselben sollen noch keineswegs so gut wie fertiggestellt sein, wie von manchen Seiten bereits berichtet worden ist. Daher ist denn auch von einem baldigen Zusammentritte des Bundesrathes noch keine Rede, jedenfalls wird der Bundesrath seine Berathungen nicht am 16. September wieder aufnehmen, wie verschiedene Blätter berichtet hatten, sondern erst zu einem spätem Zeitpunkte, lieber den Stand der Frage einer Beschränkung des Vereins- und Bersammlungs- rechtes liegt nichts wesentlich Neues vor,- inwiefern die Muthmaßung zutrifft, wonach die am letzten Sonntag stattgefundene längere Conferenz des Kaisers mit dem Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg sich auf diese Angelegenheit bezogen habe, zutreffend ist, bleibt abzuwarten. — Die Untersuchun g gegen Kanzler Leist und Assessor Wehlau wegen der diese beiden Colonialbeamten bclastenden Vorgänge in Kamerun ist in letzter Zeit eifrig gesördert worden. Es soll sich hierbei soviel belastendes Material ergeben haben, daß die Erhebung der sörmltchen Anklage gegen Leist und Wehlau vor dem kaiserlichen Dtsciplinar- gerichtshof bestimmt zu erwarten steht. Au-land. — Am Dienstag fand tif®enf die Eröffnung des internationalen Orientaliften-Congresses, auf welchem auch 14 Regierungen und 97 Universitäten vertreten sind, statt, und am gleichen Tage wurde in Haag die interparlamentarische Frtedensconferenz eröffnet. Letzere ist das Gegenstück zu dem jüngst in Antwerpen stattgefundenen internationalen Friedenscongreste, sie wird aber wohl ebensowenig etwas practisches Verwerthbares zu Stande bringen, als dies der Antwerpener Congreß zu thun vermochte. — Im griechischen Heere müssen recht seltsame Zustände herrschen. Hiervon zeugen namentlich die wahrhaft vandalischen Ausschreitungen, welche Offiziere und Mannschaften der Athener Garnison in den Bureaux der Zeitung „Akropolis" begangen haben, angeblich, weil von letzterer ein abfälliger Artikel gegen das Heer gebracht worden war. Die griechische Regierung nimmt diesen allerdings auch unerhörten Vorgang sehr ernst, sie hat eine strenge Untersuchung wider die Schuldigen eingeleitet und den General KaraiSkakt zur Disposition gestellt, den Platzcommandanten von Athen aber bestraft, weil Beide die Haltung der in die Affaire verwickelten Offiziere gebilligt hatten. Infolge dieses strengen Auftretens der Regierung gtebt sich im Athener Offiziercorps große Erregung kund. Neueste Nachrichten» Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau. Berlin, 5. September. Nach der Veröffentlichung des Kaiserlichen Gesundheitsamts sind in Deutschland in der Zeit vom 27. August bis zum 3. September Mittags 53 Erkrankungen und 21 Todesfälle an Cholera vorgekommen. Davon entfallen auf die Provinz Ostpreußen 6 Erkrankungen und ein Todesfall, auf das Weichselgebiet 24 bezw. 11, auf das Netze- und Warthegebiet 7 bezw. 3, auf das Odergebiet 2 bezw. 2, auf Oberschlesien 1 bezw. 1, auf Hessen-Nassau 12 bezw. 3, auf die Rheinprovinz eine Erkrankung. Königsberg, 5. September. Die heutige Parade ist glänzend verlaufen. Nach der Ankunft auf dem Paradefelde ritt der Kaiser die beiden Treffen ab und zwar das zweite in schnellerer Gangart. Bei den beiden Vorbeimärschen führte der Kaiser dem Könige von Sachsen und der Kaiserin daS Feuilleton. HochsommerM in Berlin. Briese aus der RetchShauptftadt für den „Gießener Anzeiger". n. Gemäldeausstellung. Dr. M. Die große Kunstausstellung dieses Jahres bietet zu hitzigen Discussionen, überschwänglichem Enthusiasmus und übertriebenem Verketzern wenig Anlaß- sie steht nicht im Zeichen deS Kampfes, sie gewährt auch keinen Maßstab für den inneren Werdeproceß der bildenden Künste in der Gegenwart, weil das überraschend Kühne, das verblüffend Neue und Extreme von ihr so ziemlich ausgeschlossen geblieben ist. Aber dennoch geht man entschieden fehl, wenn man ihr deß- halb den Character deS Mittelmäßigen und der Durchschnitts- manier zusprechen möchte. Der hervorstechendste Zug in dieser Berliner Ausstellung ist der auffallende Reichthum an Werken ausgeglichener, harmonischer Künstler schäft. Fast auf allen Gebieten find solche zu verzeichnen, wenn auch meines Erachtens daS Portrait die feinsten und vielseitigsten Talente aufweist. Vier, fünf Stunden find eine gar kurze Frist, um die Haupt- und Nebensäle dieser Ausstellung zu durchwandern. Aber auch schon die erste, flüchtige Uebersicht dürfte zu einigen Betrachtungen allgemeiner Natur führen. Der Deutsche, wie der Ausländer muß auS den Motiven, die hier von .Malern und Bildhauern zur Verarbeitung gelangt find, sofort die Anschauung gewinnen, daß wir eine Nation sind, die nicht minder stolz auf die Errungenschaften des Krieges, wie die des Friedens ist, und daß alles, was ihr als historisch merkwürdig und der Verewigung werth erscheint, am liebsten die Gestalt des sieghaften Feldherrn, des Sieges- denkmalS, des Schlachtenbildes aunimmt. DaS für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal zu Stettin ausgestellte Modell von Karl HilgerS erinnert an Michel Angelo'sche Idealvorstellungen. In dem Standbild Kaiser Friedrichs ÜI. von Fritz Heinemann ist das Characteristische der Persönlichkeit stark betont. Nicht weniger glücklich in der Auffassung ist Harro Mag aussen in seiner polychrom behandelten Büste des Fürsten Bismarck. Das Portrait Kaiser Wilhelms II. von Th. Ziegler, welches den Monarchen in der Cürassieruntform zeigt, ist ein flottes Repräsentationsbild. Tiefer gegriffen ist das Bild des Kaisers von der V. Parlaphy, auf welchem der Herrscher die rothe Husarenuniform trägt. Bei einigen Kritikern scheint es Sitte geworden, über die Parlaphy herzufallen, aber das hindert nicht, daß sie auS den künstlerischen Wettkämpfen doch immer mit Lorbeer gekrönt hervorgeht. Ihr Caprivi'Portrait ist vielleicht etwas nüchtern ausgefallen, dagegen zeigt sich ihre ganze Meisterschaft in dem Bildniß deS ErzbtschofS von Gnesen und Posen, auS besten Zügen uns die Intelligenz eines modernen Kirchenfürsten entgegen- leuchtet. Von FranceSca Sindici (Rom) ist ein lebensvolles Reiterbild von König Humbert von Italien ausgestellt. Karl Saltzmann führt Kaiser Wilhelm als Seefahrer vor, an Bord des „Duncan Grcy". Abgesehen von dem exacten WicklichkcitSstudium liegt auch noch Stimmung in dem Bilde. Das Künstler- und Dichterportrait ist besonders reich auf dieser Ausstellung vertreten. In erster Linie kommt da die prächtige Büste des Prosestor KnauS von Otto Lessing. Wir finden ferner die Portraits Sudermanns und FuldaS von Wilh. A über len- ersteres ist etwas zu alt gerathen- der Dichter muß in dastelbe erst hineinwachsen. Rich. Scholz aus Frankfurt a. M. verdient Erwähnung mit seiner markanten Wiedergabe deS Schauspielers Hermann als Shylock. Die Frauen brillieren auf der ganzen Linie mit einer Reihe äußerst gelungener Portraits. Da ist Flora Marcusy (Berlin) mit einem trefflichen Knabenbildniß, Käthe Junker (Dresden) mit einer Kinderstudie, Gräfin Marie von Kalkreuth mit dem Portrait des Profestors Franz von Holtzendorff, Marie Dumftrey, Marie Pinoff, Elisabeth Lüderitz-Poppe mit eleganten Damenportraits, welchen man den Chic der großen Welt anfieht. Ein besonderes Interesse gewähren die Portraits von Bertha Wegmann (Kopenhagen), denen auch ein großer Raum zugebilligt worden ist- sie lassen auf ein sehr selbstständiges Künstlernaturell schließen, auf ein Talent, das Dinge und Menschen auf seine eigene Art beobachtet. (Schluß folgt.) Grenadierregiment König Friedrich III. (1. Ostpreußisches) Nr. 1 vor. Der König von Sachsen führte beide Male das Ostpreußische Dragonerregiment Nr. 10, und Prinz Albrecht das Dragonerregiment Prinz Albrecht von Preußen (LitthanifcheS) Nr. 1 vor. Bei den Vorbeimärschen cotoytrten Prinz Albrecht und die übrigen Jnspecteure. Der Vorbeimarsch fand in entgegengesetzter Richtung als der erste statt. Nach dem zweiten Vorbeimarsch hielt der Kaiser die Kritik ab. Der König von Sachsen stieg in den Wagen der Kaiserin und fuhr mit dieser die Front des Ostpreußtschen Dragoner- RegimentS Nr. 10 ab und dann an den beiden Tribünen vorbei in die Stadt zurück. Nach Beendigung der Kritik ritt der Kaiser die Front der Krtegervereine ab, wobei er mehrere Leute anredete. Hierauf ritt der Kaiser, der die Uniform deS Grenadierregiments König Friedrich III. (1. Ost- preußisches) Nr. 1 trug, an der Spitze der Fahnencompagnie und der StandarteneScadron in die Stadt zurück. Abends 6 Uhr fand im Moökowitersaale des Schlosses Par ade- dtner von 250 Gedecken statt. Die Kaiserin saß zwischen dem Kaiser und dem König von Sachsen, der zur Linken der Kaiserin Platz genommen hatte. Neben dem Kaiser saß Prinz Albrecht, Regent von Braunschweig. Während der Tafel brachte der Kaiser einen Toast auf das erste Armeecorps aus. Sämmtliche anwesenden fremden Militärattaches waren zu dem Diner geladen. Die Tafelmusik wurde von der Capelle des Grenadterregiments König Friedrich III. aus- geführt. Königsberg, 5. September. Der Trtnkfpruch, den der Kaiser bet der Paradetafel auf den König von Sachsen auöbrachtc, lautete: Das erste GlaS trinken wir aus den glorreichen Führer der MaaSarmee, unseren hohen durchlauchtigsten Gast, den letzten Ritter deS Eisernen Kreuzes erster Klasse mit dem Großkreuz, den Ches des ostpreußischen Dragonerregiments Nr. 10. Se. Majestät der König Albert von Sachsen hurrah, burrah, hurrah! König Albert erwiderte : Ich sage Euer Majestät tiefgefühltesten Dank sowohl für die eben gesprochenen Worte, als für die Auszeichnung, die Euer Majestät mir und meinem Regimente heute wieder haben zu Thetl werden lassen. Meine Herren, ich fordere Sie aus, Ihr Glas zu leeren auf das Wohl Seiner Majestät des Kaisers. Er lebe hoch, hoch, hoch! Der Kaiser brachte sodann noch folgendes Hoch auö: Mein zweites GlaS gilt dem 1. ArmeecorpS, das auf der heutigen Parade den Prüfstein seiner Ausbildung im Frieden abgelegt und sich glänzend bewährt hat. Verkörpert ist die Geschichte unseres Landes und Heeres in den altehrwürdigen Regimentern, die heute an uns vorbeigezogen sind. Ruhmvoll ist die Vergangenheit, die sich an die zerriffenen Feldzeichen knüpft. Möge daS Corps stets dieser hohen Geschichte seiner Regimenter eingedenk und stets bestrebt sein, meine Zufriedenheit im Frieden wie im Kriege zu erwerben. DaS erste Armeecorps hurrah! hurrah! hurrah! Depeschen bcB Bureau „Herold". Berlin, 5. September. Der „Reichsanzeiger" meldet die Ernennung des Geheimen Oberpostraths Fritsch in Berlin zum Director im Reichspostamt. Berlin, 5. September. Zur Enthüllung deS Denkmals für Kaiser Wilhelm I. in Königsberg war nach der „Nat.-Ztg." auch dem Fürsten Bismarck eine Einladung zugegangen, derselbe hatte jedoch dankend abgelehnt. Fürst Bismarck befindet sich wohl und munter, unternimmt täglich Promenaden und längere Ausfahrten. Prof. Schweninger ist wieder abgereist. Die Fürstin BiSmarck ist soweit wieder- hergestellt, daß sie ausfahren kann. Cassel, 5. September. Hier verlautet amtlicherseits, daß wegen der Choleragefahr höherem Befehl zufolge das für Ende September angefetzte CorpSmanöver des 11. ArmeecorpS aufgehoben wird. Pofen, 5. September. In Lodz wurden wegen Nichtbefolgung sanitärer Vorschriften, welche wegen der Cholera angeordnet waren, achtzehn Hausbesitzer zu je vierzehntägigem Arrest verurtheilt. Neuötting, 5. September. Bei dem gestrigen Brigademanöver zwischen Erlbach und Endlkirchen wurde Hauptmann v. Kreß zu Kressen stein vom 16. daher. Infanterie- Regiment durch einen scharfen Schuß getödtet. In der Brigade abgehaltene Visitationen nach scharfen Patronen verliefen resultatlos. Wien, 5. September. Die Abbestellung der in Ostgalizien beabsichtigten Cavalleriemanöver wird bestätigt. Temesvar, 5. September. In dem durch feine Wunderkuren bekannten südungarischen Schlammbade Melencze sind die sämmtlichen bisher so wasserreichen heißenQuellen plötzlich versiegt. Die Badeverwaltung beschloß, geo- logische Sachverständige einzuladen, um die Ursache der Katastrophe zu erforschen und möglichst schnell Abhilfe zu schaffen. Paris, 5. September. Der Graf von Paris liegt im Sterben. Er klagt fortgesetzt über furchtbare Schmerzen. Dem Kranken werden Morphium-Einspritzungen, jedoch sehr sparsam gegeben. Mit seinem Sohne, dem Herzog von Orleans, hat der Graf öfter längere Unterredungen. Marseille, 5. September. Hier sind gestern zwölf ^holerafälle mit tödtlichcm AuSgange constatirt worden. Brüssel, 5. September. Die Negierung hat Denk- münzen sür die belgischen Soldaten, die während deS , r^C0C6 1^70/71 die belgische Grenze besetzt hielten, prägen gelangcri b^en sollen in den nächsten Tagen zur Vcrtheilung Loudoo, 5. September. In Glasgow wurden vergangene Nacht 350 weiterarbeitende Bergleute von den Strikenden mit Steinen beworfen, nur starke Polizeipatrouillen konnten einen blutigen Zusammenstoß verhindern. Loudon, 5. September. Auf eine ihr zugegangene Meldung hin, daß 7 0 Beamte der Niger Gesellschaft von Franzosen* getödtet worden seien, fordert die „Pall Mall Gazette" die Regierung auf, die Sache genau zu untersuchen eventuell die englische Flotte an der afrika- Nischen Küste zu verstärken. WH WA Newyork, 5. September. Die Zahl der bei den Wald- bränden Verunglückten und Vermißten wird auf 1500 angegeben. In den größeren nordamerikanischen Städten werden Sammlungen für die Hinterbliebenen der Opfer veranstaltet. Man glaubt, daß die Wälder in Brand gesteckt worden sind, um den Lagerholzverkauf zu erleichtern. Im Staate Newyork stehen noch einzelne Wälder in Flammen; man befürchtet, daß das Feuer die Petroleumquellen erreichen wird, doch sind von den Behörden alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Cocalt» ttti6 provinzielle». Gießen, den 6. September 1894. * * Au8 dem Gerichtsdieust. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, den Landgerichtsrath bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Gustav Kull mann I. auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand zu versetzen und demselben die Krone zum Ritterkreuz erster Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen - ferner den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I AmtsgerichtSrath Dr. Gustav Güngerich zum LandgerichtS- rath bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen zu ernennen. — Der GerichtSfchreiber bei dem Amtsgericht Ortenberg Heinrich Jöckel wurde aus sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und demselben daS Ritterkreuz ,'zweiter Klaffe des Verdienstordens Philipps deS Großmüthigen verliehen. * * Vorsichtsmaßregeln gegen die Cholera. Wir verweisen auf die im amtlichen Thetle befindliche Bekanntmachung Großh. KreiSgefundheitsamtS, betr. die Benutzung des LahnwafferS zum Baden und Wäschespülen. Q DZ. . • • Der fünfte deutsche Mechanikertag findet vorn 20. bis 22. September in Leipzig statt. a] * * Prämiirung. Gelegentlich der Frühobst-Aus/ stellung des Oberhessischen Obstbauvereins zu Friedberg vom 25.-28. August erhielten die Nachverzeichneten Diplome 1. Klasse: a) für schön cultivirteS Frühobst: OrtS- gruppe AlSseld, gesammelt durch Gust. Wadsack in Alsfeld- Hofgärtnerei Affenheim (Hofgärtner Welle)- Stadt Friedberg- Wilh. Keller in Melbach - Gräfl. v. Ortola'sche Gärtnerei in BüdeSheim- Frhrl. v. Rtedesel'sche Gärtnerei in Altenburg (Schloßgärtner Schölt)- Gebr. Siesmayer, Baumschulen in Vilbel (Leiter Fr. Schildknecht)- Heinr. Schütz, Obergärtner in Groß-Karben - Philipp Wehrheim XI. in Rod heim v. d. H.- Adam Wendt, Baumwart in Münzenberg, b) Für 93er Aepfelwein: Wilh. Philippi in Melbach - Wilh. Kreuter in Friedberg- Heinr. Waltz in Friedberg, c) Für Beerenweine: Alb. Söhnge in Ortenberg- Heinr. Ramspeck in Alsfeld- Firma Lenz in Büdingen (In- Haber Josef Thüring)- A. Sturmfels in Frankfurt a. M. (Waldbeerenwein). ** Anträge auf Befreiuug vom Militärdieust müffen in der Regel spälestens im Musterungstermin gestellt werden. In der Wehrordnung existirt jedoch eine Bestimmung, nach welcher bereits ausgehobene Mannschaften, so lange sie noch nicht in die Militärverpflegung ausgenommen worden sind, durch die Ober-Ersatzcommission, welche ^dte Aushebung veranlaßt hat, aus nachträglichen ReclamationSgründen, also auS Gründen, die erst nach dem Aushebungsgeschäfte eingetreten sind, zurückgestellt werden können. Wenn z. B. durch plötzliches Ableben deS Vaters eines zum Militär tüchtig befundenen SohneS derselbe tn die Lage gekommen ist, seine Mutter und Geschwister unterstützen zu müssen, oder wenn in der Zeit nach der Aushebung der Vater eines ausgehobenen Sohnes unfähig geworden ist, seine ökonomische Besitzung oder Pachtung oder sein Handels- oder sonstiges Gewerbe zu sühren oder zu beaufsichtigen und der ausgehobene Sohn die einzige unentbehrliche Stütze zur wirthschaftlichen Erhaltung des Besitzes, der Pachtung oder des Gewerbes ist, so kann der betreffende Vater bei der zuständigen Gemeindebehörde nachträglich Antrag auf Zurückstellung deS Sohnes vom Militär stellen. ______________ Friedberg, 4. September. In Betreff des Besuchs des Gottesdienstes durch die Schüler der hiesigen Hand- werkerschule ist zwischen dem Decanate und dem Vorstande der Schule folgende Einrichtung vereinbart worden: Jeden Sonntag Morgen findet vor Beginn des Unterrichts durch einen Geistlichen eine etwa viertelstündige Andacht statt. Damit wäre den Bestimmungen des Gesetzes Rechnung getragen. * ** Darmstadt, 6. September. Unsere Residenz steht von nun ab unter dem Zeichen Gustav Adolfs, dessen Jubiläumsjahr wir Heuer begehen. Morgen (den 7.) beginnen die Aufführungen des Devrient'schen Festspiels, das am Sonntag (4 Uhr) und Montag (Abends 7 Uhr) wiederholt wird. Von da ab kehren die Gäste deS Gustav-Adolf- Vereins aus ganz Deutschland in großer Zahl in unsere Mauern ein, denen die Festvorstellung vorn Donnerstag den 13. (Abends 6x/a Uhr) gilt und denen ein festlicherer Genuß kaum hätte bereitet werden können. Denn daS Festspiel verspricht, nach der gestrigen Hauptprobe, der uns beizuwohnen vergönnt war, ein äußerst glänzendes zu werden. Die ganze Größe der wundervollen Dichtung, die lebhafte, dramatisch überall bewegte, feffelnde Handlung tn hinreißendem Spiel von einem Schauspieler wie Bassermann und einer gottbegnadeten Künstlerin wie Fräulein Gündel dargestellt, die Einheitlichkeit des Zusammenspiels, die Pracht der styl- volleu Costüme und die Ausstattung rc. werden auf keinen unbefangenen Zuschauer ihrer großartige überall bewährte Wirkung verfehlen. Um den Besuch auch für die weitere Umgebung unserer Stadt zu ermöglichen und den weitesten Kreisen diesen veredelnden und erhebenden Genuß zu ver- , schaffen, ist die SonntagS-Vorstellung aus 4 Uhr Nachm. gelegt, die gegen 8 Uhr Jedem die Rückreise gestattet. Es empfiehlt sich, wenn Männer, denen die Sache des Volks am Herzen liegt, durch geeignete öffentliche Aufforderung die Betheiligung organisiren, Bahnfahrtermäßigung erwirken und die Anmeldungen noch vor Sonntag 12 Uhr an den Vorsitzenden, LandgerichtSrath K ü ch l e r oder Herrn Kaminsky (Markt) gelangen zu laffen, um der bestellten Plätze sicher zu sein, auf die bei dem zu erwartenden großen Andrang sonst nicht mit voller Sicherheit gerechnet werden kenn. Mainz, 4. September. Die Ludwigsbahn bewilligte 240000 Mk. jährlich für Aufbesserung der Gehälter ihrer sämmtlichen Angestellten.____________ Vermiete». * Marburg, 5. September. Aus Bürgeln ist eine Neuerkrankung an Cholera zu melden. Die übrigen Erkrankten befinden sich fortgesetzt auf dem Wege der Besserung. Die Baracke ist heute Mittag in Betrieb gesetzt worden. * Marburg, ' 5. September. Ueber den Stand der Cholera in Bürgeln hat die „Oberheff. Ztg." von com» petentester ©eite Folgendes erfahren: Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß die Seuche auf ihren Herd beschränkt bleibt. Das Befinden der Erkrankten ist durchaus befriedigend- dieselben befinden sich sämmtlich auf dem Wege der Genesung. Neuerdings ist am gestrigen Tage noch eine leichte Erkrankung vorgekommen, bei der die bakteriologische Unter- suchung asiatische Cholera ergeben hat. Alle Behauptungen auswärtiger Blätter, es seien auch außerhalb Bürgelns Cholera- fälle vorgekommen, sind unwahr. * Friedrichsdorf i. T., 28. August. Das Bild des Erfinders des Telephons, Philipp Reis, welcher lange Jahre als Lehrer hier wirkte und auf dem hiesigen Friedhose be- graben liegt, wurde dieser Tage in der Schalterhalle des hiesigen Postamtes angebracht. Das Bild ist auf Veranlassung des Directors im Reichspostamte, Dr. Fischer, welcher kürzlich hier anwesend war, in der Reichsdruckerei zu Berlin hergestellt worden, ist vorzüglich gelungen und bildet in seiner gediegenen Umrahmung und mit entsprechender Inschrift eine Zierde der Schalterhalle. Die Wittwe des Erfinders, welche noch hier lebt, hat, wie der „Rh. K." berichtet, ein gleiches Bild zum Geschenke erhalten. * Berlin, 4. September. Der Hofrath und Rendant der Königlichen Gärten in Potsdam A. Pilch wurde seines Amtes entsetzt, weil er sich allem Anschein nach Unterschlagungen hat zu Schulden kommen laffen. In der von ihm verwalteten Kasse fehlen 15000 Mk. Pichl hatte es vom gemeinen Soldaten zum Hofrath gebracht. * Breslau, 5. September. Die Brechruhr unter der Neiffer Garnison hat bisher 50 Soldaten ergriffen. Im oberfchlesischen Kreise Falkenberg ist die Ruhrepidemie heftig aufgetreten- in Wiersbel sind 21 Erkrankungen und 5 Todesfälle vorgekommen. " Guben, 5. September. Dem „Gubener Tageblatt" zufolge sind in Rießen bei einer in einem Bauerngehöft ausgebrochenen Feuersbrunst zwei Mann des 4. Garde-Regi- ments, die dort im Quartier lagen, verbrannt. * Stuttgart, 3. September. Die Vorarbeiten zur Großen Deutschen Bäckerei-, Conditorei- undKochkunst- AuSstellung, welche vom 9. bis 16. September d. I. in Stuttgart abgehalten wird, verbunden mit dem 3. Central- verbandstage des Freien Deutschen BäckerverbandeS, machen brillante Fortschritte. Bis heute sind über 300 Aussteller angemeldet, und weitere 100 werden wohl noch folgen. Um den Besuch zu einem recht großartigen zu gestalten, hat die Commission Ehrenkarten für verdiente Personen drucken lassen, welche zum großen Theil schon versendet sind. Die Einladungen gehen nicht nur nach ganz Deutschland, sondern auch nach Oesterreich-Ungarn, nach der Schweiz, nach Belgien, Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Rußland, Frankreich, England, Griechenland, Italien, Spanien und Portugal rc. Ehrenpreise sind schon 10 angemeldet. Auch die Reclame ist in keiner Weise vernachlässigt worden. Viele der angesehensten Stuttgarter Hotels haben ihre Betheiligung für die Abtheilung Kochkunst zugesagt, die Maschinen.Abtheilung wird in ganz vorzüglicher Weise besetzt sein und täglich entschließen sich noch bei dem guten Rufe, der der Ausstellung vorangeht und in immer weitere Kreise dringt, größere Firmen zur Beschickung. Daß Gebäcksorten au6 den meisten Culturftaaten ausgestellt sein werden, giebt der Ausstellung einen besonderen Reiz. Eine Anzahl franzö si scher Collegen hat sich dieser Tage persönlich in Stuttgart über den Umfang der Aus- stellung orieniirt und wird in der^Hetmath nach besten Kräften für die Beschickung und den Besuch des Unternehmens wirken. * Der größte „Maikäfer" der Welt ist der jetzt beim Garde-Füsilier-Regiment eingezogene Reservist Unteroffizier Carl Pritschan aus Urdenbach bei Düffeldorf, welcher die stattliche Größe von 2,07 m mißt. Pritschan, der in den Jahren 1892/93 Flügelmann beim 1. Garde-Regimenl z. F. war, wurde im Mai 1892 mit dem jetzigen Kronprinzen Photographin. Einige Tage nach seinem Geburtstage ließ ihm der Kronprinz einen stattlichen Baumkuchen nebst einem Glückwunschschreiben durch einen Diener in der Kaserne überreichen. Es ist das erste Mal, daß das Garde-Füsilier- Regiment seit seinem Bestehen so eine Größe in seinen Stammrollen verzeichnet. Daß P. auö einer großen Familie stammt, geht daraus hervor, daß sein Vater (früher Flügelmann im Garde du Corps-Regiment) die stattliche Größe von 1,94, die Mutter 1,90, die Brüder 1,98, 1,97, 1,92, und die Schwester 1,88 und 1,86 m messen. Gewiß eine Familie, die in der Größe ihres Gleichen suchen dürfte. * WaS einem Gerichtsvollzieher nicht alles zustoßen kann, davon weiß die „S. Ztg." Folgendes zu erzählen: „Vor noch nicht sehr langer Zeit wollte ein Gerichtsvollzieher in dem Dorfe . . . eine Pfändung vornehmen. Der Schuldner, der lieber auf der Bierbank als hinter feiner Arbeit saß, stand mit dem Beamten tn regem Geschäftsverkehr. Endlich wollte er den Verkehr abbrechen und glaubte ein Mittel dazu gefunden zu haben. Als er wieder hinter dem vterglafe saß, bemerkte er plötzlich seinen alten Bekannten von weitem die Straße daherschreiten. Schnell eilte er nach Hause, zog die Thürklinke auS der Thüre, machte sie im Ofen glühend und steckte sie wenige Secunden vor dem Erscheinen des Gerichtsvollziehers wieder in die Thüre. Dieser griff fest zu und verbrannte sich die Finger derart, daß er lange Zeit daran heilen mußte. Der Thäter lachte sich hinter der Thür ins Fäustchen, soll sich aber auch die Finger arg verbrannt baden, natürlich auf eine andere Art, so daß er sie im Ge- fängniß heilen mußte. Der Beamte hat aber den Geschäfts« verkehr doch nicht unterbrochen, sondern hat nach wie vor seine Besuche abgestattet- er soll jedoch die Thürklinke auf ihren Wärmegrad streng untersucht haben, ehe er wieder zugriff." • Ein vielversprechender Bürgermeister-Kandidat. Um den Bürgermeifterposten tu Wittenberg sind bisher 44 Bewerber aufgetreten. Die eigenartigste der 44 Meldungen dürfte folgende sein: „Berlin, den 23. Juli 1894. (Straße und Hausnummer.) Hochwohlgeborener Herr! Hochgeehrtester Herr Vertreter des Bürgermeisters in Wittenberg! Die Anzeige von dem Unglück, das die Stadt Wittenberg betroffen, erfüllt mich mit tiefem Schmerze. Laut dieser Anzeige sollen ja sehr Traurige städtische Verhältniffe herrschen! Treue und Glauben ist dahin. Euer Hochwohlgeboren trage ich die gehorsamste Bitte vor, mir umgehend zu benachrichtigen, da ich als Bürgermeister außerordentlich paffe wie bie Verhältniffe da liegen! Ich bringe eine reine Hand, strenge Pflichttreue und eine Ehrlichgefinnung mit: Beweis weine Atteste: Bin früher im Offizterdienst (Bursche) gewesen, Gutsbesitzer, Kaufmann, könne das Leben durch und durch, sowie das Allgemeine Landrecht, Polizeigesetze und Vorschriften. Hätte ich Aussicht, wenn ich mich persönlich vorstelle, gewählt zu werden? Unsere Familie stammt von Luter her,- wollen Sie nicht die Güte haben und mir schreiben, wie der Herr Landrath heißt und wo Er wohnt. Das ganz besondere Jntereffe für die Stadt Wittenberg und die Ver- hältniffe bestimmen mich, mit ganzer Kraft meine Kenntniffe und mein Leben dar zu bringen. Ich habe die Ehre, mich der Gewogenheit Euer Hochwohlgeboren bestens zu empfehlen und verharre mit vollkommenster Hochachtung Euer Hochwohlgeboren N. N." * Doppelte Kreide in Bayreuth. Ein Coburger Herr, der die diesjährigen Aufführungen im Bayreuther Wagner- Theater besucht hat, theilt einem dortigen Blatte mit, daß in einem neuen feinen Restaurant, welches ein Berliner Wirth dort eingerichtet hat, ein Teller Suppe 1 Mk. 50 Pf., zwei Eier 2 Mk., ein Beefsteak 4 Mk., ein Huhn 8 Mk. gekostet habe und daß^dtesen Preisen entsprechend auch die Bier- und Wetnpreise gewesen seien. Von diesem Restaurant, dem die Bayreuther gar bald den bezeichnenden Spottnamen „Unter uns" gegeben haben, wird noch Folgendes erzählt: Ein Bäuerlein habe auf Bestellung dorthin einen Sack Kartoffeln geliefert, und um etwa- zu verzehren, habe er, der natürlich die Preise nicht gekannt, sich einen Teller Suppe und ein GlaS Bier geben laffen. Nachdem er dies genossen, habe er fort gewollt und nach dem (Selbe für seine Kartoffeln ge- sragt. Da habe man ihm geantwortet, jetzt sei er noch 50 Pfg. schuldig. Der Bauer sei mit dieser Ausgleichung selbstverständlich nicht einverstanden gewesen und schließlich zur Polizei gegangen. Was diese ihm für einen Rath gegeben, hat man nicht erfahren. * Huudehalsbäuder mit Diamanten. Im Pusterthal halt sich gegenwärtig der amerikanische Millionär Nennet auf. Derselbe macht keinen großen Aufwand, besitzt aber drei Hunde, deren Halsbänder mit Diamanten besetzt sind. Der Werth der Edelsteine jedes der Halsbänder wird auf 10,000 Francs geschätzt. • Des Bruders Zacke. Lehrer: „Wie, Ernst, schämst Du Dich gar nicht, mit einer so zerrissenen Jacke in die Schule zu kommen?" — Schüler: „Nein, Herr Lehrer, denn es ist ja gar nicht meine, sie gehört ja meinem Bruder!" Schiff-nachrichten. — Der Postdampfer »Belgenland" der „Sieb Star Linie" ta Antwerpen ist laut Telegramm am 1. September wohlbehalten ta Newyork angekommen. — Der Postdampfer „Friesland" der „Red Star Linie" ta Antwerpen ist laut TÄegramm am 3. September wohlbehalten ta Newyork angekommen. Verkehr, Land- unfc VoUrwirthschaft- Limburg , 5. September. Fruchtmarkt. Roth er Weizen, alter, X 12.15, neuer X 11.90, weißer Weizen X 00.00, Korn, neues, X 8.85, Gerste, neue, X 7.50, Hafer, alter, X 7 80, neuer X 590. Stuttgart, 14. August. (Allgemeiner Deutscher Verstcherungs- Verein.) Im Monat Juli 1894 wurden 459 Schadenfälle durch Unfall angemeldet. Von diesen hatten 3 den sofortigen Tod und 3 eine gänzliche oder thetlweise Invalidität der Verletzten zur Folge. Von den Mitgliedern der Sterbekasse starben in diesem Monat 35. Neu abgeschloffen wurden im Monat Juli 4186 Versicherungen. Alle vor dem 1. Mai 1894 der Unfall-Versicherung angemeldeten Schäden tacl. der Todes- und JnvalidttätS-Fälle sind bis auf die von 76 noch nicht genesenen Personen vollständig regulirt. am 6. September Morgen« 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Sudanlage). Barometerstand ? ff Z! Lahn-Temperatur zwischen 11—12Vorm.: 4-11° R. (ßuft: +12°R.) w fr । Thermometer min. 4- 4° R. max. + 60 R. Hygrometer: Trocken und schön- «moer kung: Pie punktirte Linie bei der Barometerscala gibt den Stand de- vorhergehenden Tage- an. Freitag, 21. September, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Möbelhändler Wilhelm «utzschrad in Gießen gehörige Hofraithe: Flur 1 Nr. 233*/t0 — 74 qm. in der KaplanSgasse öffentlich meistbietend versteigert werden Gießen, 9. August 1894. Großh- Ortsgericht Gießen. I. A.: Bogt. 6568 Acker vor qm Acker da» 2262 qm btt» Acker qm Acker da- qm ftätte) daselbst, | Flur 1 Nr. 974 — 75 qm Hofraithe da- selbst, ba» 3212 qm Acker Flur 25 Nr. 149 - 1081 auf Acker qm Flur 25 da- Acker qm bei Acker bei Flur 31 Flur 31 Flur 2b Nr. bl — selbst, der Rodhohl, Nr. 159 — 2694 selbst, Nr. 90 — 2900 Flur 25 Nr. 52 — 3398 qm Hofraithe daselbst, Flur 18 Nr. 8,2 — 2731 qm Acker daselbst, Flur 18 Nr. 9,< — 2256 qm Acker daselbst, Flur 18 Nr. 10 — 1663 qm Acker daselbst, Flur 18 Nr. 11 — 1663 qm Acker baselbst, Flur 18 Nr. 12 — 1662 qm Acker daselbst, Flur 18 Nr. 13 — 2494 qm Acker daselbst, Flur 18 Str. 16,7 — 2900 qm Acker daselbst, Flur 18 Str. 18,7 — 6242 qm Acker daselbst, Flur 18 Str. 14 — 3825 qm Acker daselbst, Flur 18 Nr. 21 - 3400 qm Acker daselbst, Flur 18 Str. 22‘/io — 2337 qm Acker daselbst, Flur 18 Sir. 23,5 — 2082 qm Acker daselbst, Flur 18 Str. 24,a»/ioo - 1712 qm Acker daselbst, Flur 23 Nr. 149 — 6825 qm Acker auf dem Aulweg, hinter dem Weiher, Flur 23 Str. 157 — 1950 qm Acker da- Flur 23 N?158 — 5088 qm Acker daselbst, Flur 24 Nr. 68 — 3350 qm Acker auf dem Barresgraöen, Flur 24 Nr. 105 — 2819 qm Acker am halben Zehnten, Flur 24 Nr. 106 - 2825 qm Acker da- selbst, Flur 25 Nr. 48 — 3050 qm Acker vor dem Weiher, Flur 25 Nr. 49 - 3213 qm Acker da, selbst. Flur 25 Nr. 50 — 3212 qm Acker daselbst, Grasversteigerung. Montag den 18 ds. Mts., Vormittags 8 Uhr anfangend, soll das Grummetgras von den dem Marienstift Lich zustehenden etwa 100 Morgen Wiesen in den Gemarkungen Lich, Nieder- und Oberbessingen versteigert werden. Der Anfang ist hinter dem Kirchhof an der Straße nach Grünbecg. Lich, 3. September 1894. 7291____________Minheim. Bekanntmachung. Die auf Freitag den 7. September l. I. in hiesiger Gemeinde anbe- beraumte Grummetgras-Versteigerung fällt aus und wird Mittwoch den 12. September, Bormitags um 8 Uhr anfangend, abgehalten. Allendorf a. d. Lda., 5. Sept. 1894. Gr. BürgermeistereiAllendorf a. d. Lda. __Nein.________7292 Bekanntmachung. Montag den 10. September, Vormittags 10 Uhr sollen im Auftrage der Direction der „Grube Friedrich" bei Trais-Horloff 10472 Waggon Briketts auf Grund handelsgesetzlicher Bestimmungen durch den Unterzeichneten versteigert werden. Zusammenkunft um 3/J0 Uhr an der Wirtschaft „Zur Grube Friedrich" in TraiS-Horloff. 7295 Hungen, 4. September 1894. Seipel, Großh. Gerichtsvollzieher in Hungen. Die Grummcternte von zwei Morgen im Heegftrauch und drei Morgen in der Stephansmark ' zu verkaufen. 7228 t Näheres im Hessischen Hof, l.St. Nadelholz-Samen. Aus den Communalwaldungen von Gießen, Annerod, Alten-Buseck, Lollar und Wieseck wird die diesmalige Fichten- und Kiefernsamenernte im Submissionswege vergeben gegen Vorauszahlung unter den seitherigen Bedingungen, welche von den Submittenten nach Einreichung ihrer Offerten als rechtsverbindlich anzuerkennen sind. Die Offerten, mit der Aufschrift: „Submission auf Nadelholzsamen", sind getrennt an die einzelnen Bürgermeistereien bis längstens Dienstag den 18. September einzureichen, woraufhin die Eröffnung am 19. September, Vormittags 11 Uhr, erfolgt. Gießen, den 5. Sept. 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 7307] I. V.: Grüneberg, _____________Beigeordneter._________ Großh. Hessische Staats- Eisenbahnen. Verdingung der Lieferung von Ceulentröhren siir die Aenbanlinie Grimberg—Loudors. Die Lieferung von cira 25 lf. m Cementröhren, 0,25 m weit, nebst 6 Kopfstücken, 230 lf. m Cementröhren, 0,30 m weit, nebst 38 Kopfstücken, 100 lf. m Cementröhren, 0,40 m weit, nebst 8 Kopfstücken, 55 lf. m Cementröhren, 0,50 m weit, nebst 4 Kopfstücken auf den Bahnhof Grünberg soll öffentlich verdungen werben. Die Bedingungen sind im BÜreau der unterzeichneten Behörde in Gießen, Frankfurterstraße 64, einzusehen oder von dort gegen vostfreie Einsendung von 70 Pfg. zu beziehen Angebote sind posifrei und mit entsprechender Aufschrift versehen an die unterzeichnete Behörde bis SamStag den 22. September d. I., Vormittags 10 Uhr einzuretchev, zu welcher Stunde die Eröffnung derselben erfolgt- Zuschlagsfrist 2 Wochen- Großh. Baubehörde für Neben- bahnen i« vberhesten. (7298 Frankfurter 7063 Möbelmagazin 87. 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