IM« Donnerßiaq den 6. September Erstes Blatt. Rr 208 Der Hiltner Auzeigtt erscheint täglich, mit Ausnahme de« MontagS. Die Gießmer A«»ttie«vkätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Vierteljähriger KSouncmeutspreiF r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezoge«- 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: SLulSratze Hlr.7. Fernsprecher 51. Gießener Anzeiger Kemrak-Wnzeiger. 2lmts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen chratisöeikage: Hießener Kamittenbkätter. | zwei Preise ä zusammen 8 Preise — 250 JL Rinder und Kühe: 70 Jt 35 30 25 20 15 10 ff n n 25 20 60 50 40 30 50 tt ft u ti n ff n n tf ä ä ä ä ä ä ii u fünf tf Gießen, den 4. September 1894. Betr.: Die Einrichtung der Fortbildungsschulen. Die stoffes anzusehen sei und daß man schon vollkommen geschützt sei, wenn man nur untadelhaftes Wasser oder nur gekochtes gedruckte Belehrung über das Wesen der Cholera und das während der Cholerazeit zu beobachtende Verhalten hierdurch zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Gießen, 5. September 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Melior. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. I. Belehrung über das Wesen der Cholera und das während der Cholerazeit zu beobachtende Verhalten. 1) Der Anfteckungsftoff der Cholera befindet sich in den Ausleerungen der Kranken, kann mit diesen auf und in andere Personen und die mannigfachsten Gegenstände gerathen und mit denselben verschleppt werden. Solche Gegenstände sind beispielsweise Wäsche, Kleider, Speisen, Waffer, Milch und andere Getränke; mit ihnen allen kann, auch wenn an oder in ihnen nur die geringsten, für die natürlichen Sinne nicht wahrnehmbaren Spuren der Ausleerungen vorhanden sind, die Seuche weiter verbreitet werden. 2) Die Ausbreitung nach anderen Orten geschieht daher leicht zunächst dadurch, daß Cholerakranke oder krank gewesene Personen oder solche, welche mit denselben in Berührung gekommen sind, den bisherigen Aufenthaltsort verlassen, um vermeintlich der an ihm herrschenden Gefahr zu entgehen. Hiervor ist um so mehr zu warnen, als man bei dem Verlaßen bereits angesteckt sein kann und man andererseits durch eine geeignete Lebensweise und Befolgung der nachstehenden Vorsichtsmaßregeln besser in der gewohnten Häuslichkeit, als in der Fremde und zumal als auf der Reise, sich zu schützen vermag. L r 3) Jeder, der sich nicht der Gefahr aussetzen will, daß die Krankheit in sein Haus eingeschleppt wird, hüte sich, Menschen, die aus Choleraorten kommen, bei sich aufzunehmen. Schon nach dem Auftreten der ersten Cholerafälle in einem Ort sind die von daher kommenden Personen als solche anzusehen, welche möglicherweise den Krankheitskeim mit sich führen. 4) In Cholerazeiten soll man eine möglichst geregelte Lebensweise führen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß alle Störungen der Verdauung die Erkrankung an Cholera vorzugsweise begünstigen. Man hüte sich deswegen vor Allem, was Verdauungsstörungen Hervorrufen kann, wie Uebermaß von Effen und Trinken, Genuß von schwerver- baulichen Speisen. Ganz besonders ist alles zu melden, was Durchfall verursacht oder den Magen verdirbt. Tritt dennoch Durchfall ein, dann ist so früh wie möglich ärztlicher Rath einzuholen. 5) Man genieße keine Nahrungsmittel, welche aus einem Hause stammen, in welchem Cholera herrscht. Solche Nahrungsmittel, durch welche die Krankheit leicht übertragen werden kann, z. B. Obst, Gemüse, Milch, Butter, frischer Käse, sind zu vermeiden, oder nur in gekochtem Zustande zu genießen. Insbesondere wird vor dem Gebrauch ungekochter Milch gewarnt. 6) Alles Wasser, welches durch Koth, Urin, Küchen- abgänge oder sonstige Schmutzstoffe verunreinigt sein könnte, ist strengstens zu vermeiden. Verdächtig ist Waffer, welches aus dem Untergründe bewohnter Orte entnommen wird, ferner aus Sümpfen, Teichen, Wafferläufen, Flüffen, weil sie in der Regel unreine Zuflüsse haben. Als besonders gefährlich gilt Wasser, das durch Auswurfsstoffe von Cholera- kranken in irgend einer Weise verunreinigt ist. In Bezug hierauf ist die Aufmerksamkeit vorzugsweise dahin zu richten, daß die vom Reinigen der Gefäße und beschmutzter Wäsche herrührenden Spülwässer nicht in die Brunnen und Gewässer, auch nicht einmal in deren Nähe gelangen. Den besten Schutz gegen Verunreinigung des Brunnenwassers gewähren eiserne Röhrenbrunnen, welche direct in den Erdboden und in nicht zu geringe Tiefe desselben getrieben sind (abessinische Brunnen). 7) Ist es nicht möglich, sich ein unverdächtiges Wasser zu beschaffen, dann ist es erforderlich, das Waffer zu kochen und nur gekochtes Wasser zu genießen. 8) Was hier vom Waffer gesagt ist, gilt aber nicht allein vom Trinkwaffer, sondern auch von allem zum 2. SLmmllich- ausMellende Thiere sind bis Morgens 9 Uhr auf dem Viehmarktplatze (Grassee) zu Hungen aufzutreiben und von den Besitzern auf den ihnen von der Commission angewiesenen Ständen aufzustellen. Nur preiswürdige Thiere werden prämiirt und zwar: a. Bullen im Alter von 1—2V2 Jahren, b. Rinder, welche sichtbar trächtig und c. Kühe, die sichtbar trächtig sind oder fnfch gekalbt haben. 3. Diese Thiere müssen selbstgezüchtet oder zum Zweck der Zucht mindestens 2 Monate vor der PrerSvertheüung erworben sein und 4. folgenden Rassen angehoren: a. der reinen Vogelsberger Rasse; Mutterthiere, welche eine weiße Färbung am Euter zeigen, werden erst in zweiter Linie prämiirt, b. der Simmenthaler Rasse und zwar dürfen aa. Bullennurder reinenSimmenthalerRaffe angehören, bb. dagegen können Mutterthiere auch dann prämiirt werden, wenn solche wenigstens ausgesprochen des Simmenthaler Großh Kreis-Schulcommisfion Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir erinnern Sie daran, daß die Schülerlisten in rubr. Betr. bis Ende des Monats an uns einzusenden sind. Zugleich machen wir Sie darauf aufmerksam, daß nach £ 6 pos. 2 a. b. c. d. des Ministerialausschreibens vom 13. Juli 1875 in die Liste alle schulpflichtigen Schüler einzutragen sind und bei von auswärts Eintretenden die Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslände« nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 8. Für 1. 2. 3. 4. 5. 6. 1. 2. ' 3. 4. 5. 6. zwei Preise Zusammen 15 Preise — 300 JL von der Stadt Hungen zur Ausfüh- n . »f ein Preis a II. Bezüglich der t-.. — -----,- rung der Viehpreisvertheilung zur Disposition gestellten 200 M. Typus sind. 5. Unter solchen gleichen Verhältniffen erhalten selbstgezüchtete Thiere bei der Prämiirung den Vorzug. 6. Hinsichtlich der Bullen Simmenthaler Raffe '.st urkundlich nachzuweisen, daß solche entweder direct aus dem Simmenthal eingeführt worden sind oder daß drefelven aus einer Reinzucht stammen. j 7 An Preisen werden aus Vereinsmitteln gewahrt: ' für den schönsten Bullen, Simmenth. Raffe 4o JL Vogelsberger „ 45 30 50 40 // a _ . Hausgebrauch dienenden Wasser, weil im Wasser TyeU. befindliche Krankheitsftoffe auch durch das zum Spülen der ---- Küchengeräthe, zum Reinigen und Kochen der Speisen, zum Bekanntmachung ! Waschen, Baden u. s. w. dienende Wasser dem menschlichen Das Austrtekn bet asiatischen CH°I-ra i" der Umgegend Körp» zugefuhrt werbe^iönnen. “"LWÄ’ hb 6-6nl«a6unb bas ! daß bas Trinkwasser allem als der Träger des Krankheils- „ a laufe u. s. w. gelangen. 14) Alle mit dem Kranken in Berührung gekommenen I Gegenstände, welche nicht vernichtet oder desinficirt werden | können, müssen in besonderen DeSinfectionsanstalten ver- I mittels heißer Dämpfe unschädlich gemacht oder mindestens I sechs Tage lang außer Gebrauch gesetzt und an einem I trockenen, möglichst sonnigen, luftigen Ort aufbewahrt werben. | 15) Diejenigen, welche mit dem Cholerakranken oder | dessen Bett und Bekleidung in Berührung gekommen sind, sollen die Hände alsbald desinficiren (B. 2 der DeSmfections- Anweisung). Ganz besonders ist dies erforderlich, wenn eine Verunreinigung mit den Ausleerungen des Kranken stattgefunden . hat. Ausdrücklich wird noch gewarnt, mit ungereinigten Händen Speisen zu berühren oder Gegen-| stände in den Mund zubringen, welche im Kr ankenraum , verunreinigt sein können, z. B. Eß-und Trinkgeschirr, Cigarren. 16) Wenn ein Todesfall eintritt, ist die Leiche sobald als irgend möglich aus der Behausung zu entfernen und in ein Leichenhaus zu bringen. Kann das Waschen der Leiche nicht im Leichenhause vorgenommen werden, dann soll es überhaupt unterbleiben. . Das Leichenbegängniß ist so einfach als möglich einzurichten. Das Gefolge betrete das Sterbehaus nicht und man betheilige sich nicht an Leichenfestlichkeiten. 17) Kleidungsstücke, Wäsche und sonstige Gebrauchsgegenstände von Cholerakranken oder Leichen dürfen unter keinen Umständen in Benutzung genommen oder an Andere abgegeben werden, ehe sie desinficirt sind. Namentlich dürfen sie nicht undesinficirt nach anderen Orten verschickt werden. Den Empfängern von Sendungen, welche derartige Gegenstände aus Choleraorten enthalten, wird dringend gerathen, dieselben sofort womöglich einer Desinfections- anstatt zu übergeben, oder unter den nöthigen Vorsichtsmaßregeln selbst zu desinficiren. Cholerawäsche soll nur dann zur Reinigung angenommen werden, wenn dieselbe zuvor desinficirt ist. 18) Andere Schutzmittel gegen Cholera, als die hier genannten, kennt man nicht und es wird vom Gebrauch der in Cholerazeiten regelmäßig angepriesenen mebv camentösen Schutzmittel (Choleraschnaps rc.) abgerathen. Gießen, am 4. September 1894. Betr.: Die Herbstübungen der 21. Division. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die ®r»66. Bteetrwdftet** M «rett««. Mit Bezug auf unser Ausschrerben vom 10. v. Mts. — Anzeiger Nr. 189 — theilen wir Ihnen mit, daß die Truppen der Division gestern den Rückmarsch nach den Garnisonen angetreten haben und daher die färnmtlichen in Aussicht genommenen Quartiere in Wegfall kommen. I. V.: Dr. Melior. Wasser trinkt. 9) Jeder Cholerakranke kann der Ausgangspunkt für die weitere Ausbreitung der Krankheit ■ — amuaeben ist. werden, und es ist deswegen rathsam, ^ Kranken, soweit I • qu§ Ihren Gemeinden in andere Gemeinden über* es irgend angängig ist, nicht im Hause zu pflegen, sondern I Schüler sind getrennt von den anderen aufzufuhren einem Kranken Hause zu übergeben. Ist dies mcht aus- I . , - . u bescheinigen, daß die nöthige Mit- führbar, dann halte man wenigstens jeben unnötigen Ver- I an be„ Schulvorstanb der betr. Gemeinben erfolgt kehr von bem Kranken fern. , . mcf. _ I in 2 c 10) Es besuche Niernanb, ben nicht seine Pflicht I • p ' Verzeichnisse sinb nicht, wie vereinzelt geschehen, bahin führt, ein Cholerahaus. I b x bie aet)rer fonbern burch bie Vorsitzenden der Schul- Ebenso besuche man zur Cholerazeit keine Dtte, iroo I $ . .f Beqleitbericht an uns einzusenden. größereAnhäufiingen von Menschen stattfinden I Vorstände mit 3Relior. (Jahrmärkte, größere Lustbarkeiten u. s. w.). I ___—— ■——" 11) In Räumlichkeiten, in welchen sich Cholera- I Mrfnttttfma&ttttn kranke befinden, soll man keine Speisen ober Ge- I «WlUnHUllUuJUlUb tränke zu sich nehmen, auch im eigenen Interesse nicht I Der lanbwirthschaftliche Bezirksverein bes Kreises Gießen rauchen. „ , . . I wirb _ , , 12) Da bie Ausleerungen ber Cholerakranken besonders I Montag, den 17. September 1S91 gefährlich sind, so sind bie bamit beschmutzten Kleiber I bem Viehmarktplatze (Grassee) zu Hungen eine Aus- unb die Wäsche entweber sofort zu verbrennen ober in der I ' J^vieh, verbunden mit einer Viehpreisver- Weise, wie es in der gleichzeitig veröffentlichten ^eEfections- I veranstalten.für welche d!e nachstehenden Bestimmungen Anweisung (B. 3 u. 4) angegeben ist, zu desinf iciren. I ' - . 13) Man wache auch auf das sorgfältigste darüber, daß I J : ^^züalich ber von bem lanbwirthschaftlichen Bezirks- Cholera^usleerungen nicht in bie Nähe der I ; ' Ausführung ber Viehpreisvertheilung zur Vrrfüg- Brunnen ober ber zur Wasserentnahme dienenden Fluß- | u e^eUten 550 Mk.: 1. An der Ausstellung können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter, Viehhändler ausgenommen, de- gelten ebenfalls vorstehende Bedingungen, jedoch sollen aus diesen Mitteln auch nicht im Kreise Gießen wohnende Züchter bei Vorführung von preiswürdigem Vieh mit Prämie bedacht werden. ''''-WWßÄ III. Es bleibt dem Ermessen der Prämiirungs-Commission überlassen, die bestimmten Preise innerhalb des Gesammt- betrages je nach der Güte der ausgestellten Thiere jeder Gattung auch zu übertragen. Gießen, den 9. August 1894. Der Vorstand des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Carl Jost, Rechtsanwalt. Bekanntmachung. Nach Beschluß des Ausschusses des landwirthschaftl. Bezirksvereins soll in diesem Herbst der Bezug von Beselers Weizen durch den landwirthschaftl. Bezirksverein vermittelt werden. Von diesem Weizen sind von Herrn O. Beseler auf Klostergut Weende dem landwirthschaftl. Bezirksverein 100 Kilogramm. . . . zu 23 Mk. 1000 Kilogramm. ... zu 200 Mk. angeboten und bei Bestellung von 5000 Kilogramm eine weitere Preisermäßigung in Aussicht gestellt werden. Es wird dies unter dem ergebenen Anfügen zur Kenntniß der Herren Landwirthe gebracht: 1. daß in dem Voranschlags des landwirthschaftl. Bezirksvereins 1894/95 — 200 Mark — zur Deckung der Transportkosten für Saatfrucht in Ausgabe vorgesehen sind und daß bei Bestellungen von Mitgliedern des landwirthschaftl. Bezirksvereins die Kosten des Transportes der Saatfrucht bis zur Eisenbahnstation Gießen, Lang-Göns, Hungen und Grünberg auf die Bezirks- vereinskaffe übernommen werden; 2. daß Bestellungen vpn Landwirthen, welche nicht Mitglieder des landwirthschaftl. Bezirksvereins sind, ebenfalls ausgeführt werden. ■. - .^>A Dieselben haben aber, wenn sie nicht vorher noch Mitglieder des landwirthschaftl. Bezirksvereins werden und sich zu diesem Behufe bei dem Unterzeichneten anmelden sollten, den vollen Kostenbetrag für Ausführung ihrer Bestellungen zu vergüten; 3. daß die Herrn Landwirthe, welche diesen Weizen durch Vermittlung des landwirthschaftl. Vereins zu beziehen wünschen, ihre Anmeldungen längstens bis zum 20. d. M. bei dem Unterzeichneten einzureichen haben; 4. daß die Zahlung des Kaufpreises bei Empfang der Saatfrucht alsbald zu erfolgen hat; 5. daß irgend eine Garantie von Seiten des landwirthschaftl. Bezirksvereins selbstverständlich nicht übernommen wird. Die Angebote der Saatstelle der deutschen Landwirth- schafts'Gesellschaft zu Berlin sind ebenfalls eingelaufen und können bei dem Unterzeichneten von den Herren Landwirthen eingesehen werden. Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, vorstehende Bekanntmachung in Ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen, Anmeldungen entgegenzunehmen und solche bis zum 20. d. M. einzusenden. Gießen, den 3. September 1894. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins. ________ Carl Jost. Gießen, den 4. September 1894. ■Betr.: Die Abhaltung landwirthschaftl. Vorträge in den Gemeinden des Kreises Gießen. Der Director des landw. Bezirkstiereins Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. In dem Voranschläge des landwirthschaftl. Bezirksvereins Greßen für 1894/95 sind 200 Mark zur Bestreitung der Kosten der Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge in den Ezelnen Gemeinden des Kreises in Ausgabe vorgesehen Die Diäten der Herren Wanderlehrer, sowie die Transportkosten derselben auf der Bahn werden auf die Bezirksvereinskasse übernommen. Gemeinden, welche nicht an einer Eisenbahnstation liegen, haben den Herrn Wanderlehrer auf ihre Kosten von der nächsten Bahnstation per Wagen abholen und dahin zurück- bringen zu laffen. Ach ersuche Sie um baldgefällige Mittheilung, ob Sie Enschen, daß in Ihrer Gemeinde Vorträge über landwirth- schaftliche Fragen gehalten werden und zwar: 1. an welchen Tagen (Sonntagen oder Werktagen); zu welcher Stunde; 3. in welchen Localen und 4. über welche Themata? Carl Jost. Deutscher Reich. Darmstadt, 4. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog begaben sich gestern Nachmittag in Begleitung des Großh. Oberstallmeisters Fretherrn b. Rtedesel nach Homburg und kehrten am Abend wieder nach Wolfsgarten zurück. — Seine Majestät der Kaiser haben dem General- lteutenant z. D. Patrunkh zu Lindhetm in Oberhessen, zu- letzt Commandant von Metz, die Erlaubniß zur Anlegung des Großcomthurkreuzes des königl. bayerischen Militär-Verdienst- ordens allergnädtgst zu ertheilen geruht. nrafcöeran' September. Die Zett der alljährlichen Herbstübungen der deutschen Armee ^wte erum angebrochen und in den verschiedensten Theilen «L3*1?' c??? 1" Bereiche der einzelnen Armeecorps der tnfccntrL Am meisten ziehen die Stuf» Arm -^»- bU Katsermanöver des 1. (ostpreußtschen) rJ?6 baß 17' (westpreußische) Armeecorps auf sich, welche in der Gegend von Königsberg nächster Tage unter den Augen des Kaisers und seiner hochsürstltchen Manövergäste stattfinden werden. Aus diesem Anlaß traf bcr Kaiser, begleitet von der Kaiserin, am Dienstag Vor- > mittag in Königsberg ein, wo dem erlauchten Herrscherpaare seitens der Bevölkerung der festlich geschmückten Hauptstadt Ostpreußens ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Im weiteren Verlaufe des Dienstag traf auch der König von Sachsen in Königsberg ein. Am Mittwoch sollte die Besichtigung des 1. Armeecorps durch den Kaiser bet Königsberg erfolgen, während die bei Elbing stattfindende In- spictrung des 17. Armeecorps seitens des allerhöchsten Kriegsherrn auf den 7. September festgesetzt ist. Alsdann manöverirt zunächst jedes Armeecorps für sich, worauf am 10., 11. und 12. September die eigentlichen Kaisermanöver der zwei Corps gegeneinander folgen. — Auf die Kaisermanöver in Ostpreußen werden dann in Anwesenheit des Kaisers unmittelbar die großen Flottenmanöver in den Gewässern vor Swinemünde folgen, in den Tagen des 13. bis 15. September. Die bevorstehenden Herbstmanöver der deutschen Flotte versprechen ein besonders imposantes Schauspiel zu gewähren, denn im Ganzen werden an denSwinemündenerGewässern52Krtegsschtffe, 17 größere und 35 kleinere, mit insgesammt 470 Offizieren, 200 Seecadetten und ca. 9000 Mann an Bord, theilnehmen, eine Flottenmacht, wie sie in solcher gewaltigen Größe in deutschen Gewäffern seit dem Bestehen der kaiserlichen Marine noch niemals zusammengezogen worden ist. Diese ganze Flotte ist in zwei Geschwader zu je zwei Divisionen etngetheilt, das Obercommando über sie führt der commandirende Admiral v. d. Goltz, unter ihm befehligen noch ein Viceadmiral und drei Contreadmirale als Geschwaderchefs, resp. als Divifions- chefs. An die Beendigung der Katsermanöver der Flotte am 15. September werden sich in den nächstfolgenden Tagen noch größere Uebungen in der freien Ostsee anrethen. — Prinz Georg von Sachsen, General-Jn- specteur btt 2. Ärmee-Jnspection, ist behufs Theilnahme an den Manövern des 5. Armeecorps in Posen eingetroffen. — Allseitige Beachtung findet die Conferenz, welche Kaiser Wilhelm am Sonntag Nachmittag mit dem Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg gepflogen hat. Allgemein nimmt man an, daß sich der Monarch hierbei vom Grafen Eulenburg über die schwebende Frage der Ver- I schärfung des Vereins- und Versammlungsgesetzes habe Vortrag halten laffen, über irgend welche Entschließungen des hohen Herrn in dieser so viel erörterten Angelegenheit ist indeffen noch nichts bekannt geworden. Weiter taucht das Gerücht auf, in der Audienz des Ministerpräsidenten sei auch die Frage der Wiedervereinigung des Reichskanzleramtes mit s dem preußischen Ministerpräfidium zur eingehenden Erörterung gelangt und bekunde der Kaiser in dieser Angelegenheit Anschauungen, die auf einen mehrfachen Personenwechsel in hohen Aemtern schließen ließen. Vorerst handelt es sich bei dem erwähnten Gerücht offenbar nur um bloße Vermuthungen. Neueste Depeschen des Bureau »Herold*. Berlin, 4. September. Sämmtliche Linienregimenter, welche seit dem 20. August in Berlin garnisonirt haben, verließen heute früh .wieder die Stadt, um theils mittelst Bahn, theilS in Fußmärschen das für das dritte Armeecorps in der Mark bestimmte Manöverterrain zu erreichen. Berlin, 4. September. Die „Liberale Correspondenz" hält daran fest, daß der ReichSfchstzsecretär Gras v. Pofa- dowsky an den Finanzmintster Miquel einen Bries geschrieben hat, der dessen großes Mißfallen erregte. Allen Ableugnungen gegenüber bleibt die „Ltb. Corr." bei der Behauptung, daß diese Angelegenheit in den verschiedenen Ministerien großes Aufsehen erregt hat. Berlin, 4. September. Prof. Schweninger, welcher gestern in Varzin etntraf, hat sich über den Zustand des Fürsten Bismarck befriedigend ausgesprochen. Berlin, 4. September. Der „Localanzeiger" behauptet, daß von einer für Herrn von Kotze ungünstigen Wendung in der Untersuchung betr. die Briesaffatre, wie die „Voff. Ztg." gestern mttgetheilt hat, nichts bekannt ist. Die Untersuchung geht nach wie vor ihren Gang. Königsberg, 4. September. Der Kaiser und die Kaiserin .trafen mit Gefolge heute Vormittag gegen IO'/, Uhr hier ein. Der Kaiser begab sich zu Pferde, die Kaiserin tm Wagen, begleitet von einer Cavallerie-Escorte, und unter dem Geläute aller Glocken vom Bahnhofe nach dem Denkmalsplatze. An der dort erbauten Ehrenpforte wurde daö Herrfcherpaar von den städtischen Behörden begrüßt. Oberbürgermeister Hoffmann hielt die Festansprache. Auf dem Altstädtischen Ktrchplatze fand dann, kurz nach 11 Uhr, die Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. statt, der der Kaiser und seine Gemahlin beiwohnten. Der Obermarschall im Königreich Preußen, Graf Richard zu Eulenburg- Prassen,' hielt eine längere Rede, auf welche der Kaiser erwiderte, es habe ihn gefreut, wieder einmal nach Königsberg zu kommen, denn er besuche die Hauptstadt Ostpreußens gern, deren winhschastliche Lage er stets mit hohem Interesse versolgt habe. Es gereiche ihm zur Freude, daß jetzt die wirthschastlichen Verhältnisse der Provinz einer Besserung entgegengehen, lieber den Denkmalsbau äußerte sich der Monarch anerkennend. Oppeln, 4. September. Infolge der drohenden Cholera- gefahr würden die Ablaßfeste und Wallfahrten für* den Regierungsbezirk Oppeln Seitens der Regierung verboten. Alle Händler aus choleraverseuchten Orten sind von den Märkten ausgeschlossen. Auf den Grenzbahnhöfen findet eine : strenge ärztliche Untersuchung der aus Rußland und Oesterreich kommenden Reisenden statt. Karlsruhe, 4. September. Aus allen Theilen des badischen Oberlandes laufen Nachrichten über furchtbare Hagelwetter ein. Großer Schaden wurde vornehmlich den Weinbergen und dem Tabak zugefügt. Die Ernte wurde 1 thetlweise vernichtet. Paris, 4. September. Der Auflösung des Grasen ! von Paris wird mit Sicherheit entgegengesehen. Heber die Hoffnungslosigkeit seines Zustandes kann auch der Umstand- | nicht hinwegtäuschen, daß der Kranke jetzt etwas Nahrung bei sich behält. Seinem Sohne, dem Herzog Philipp von Orleans, gab er in einer längeren Unterredung eingehende Instructionen. Loudon, 4. September. Die „Times" melden telegraphisch aus Chefoo, daß die japanische Flotte in einem Hasen im südlichen Korea versammelt sei, deffen Einfahrt durch Torpedos geschützt werde. Im Petschili-Golf kreuze die chinesische Flotte von Hasen zu Hafen. Die feindlichen Truppen in Ping-Yang verhalten sich vollständig ruhig. In Chemulpo landete der japanische Marquis Saionje, um den König von Korea zur Erlangung seiner Unabhängigkeit zu beglückwünschen. Die Provinzen Söul und Wanghai, sowie die Gebiete in der Umgebung der Vertragshäfen befinden sich im Besitz der Japaner. Der übrige Theil von Korea ist im Besitz bewaffneter Koreaner und Chinesen. Auf ganz Korea wird die Stimmung gegen die Japaner im höchsten Grade feindselig. Ein Guerillakrieg ist im Entstehen. Petersburg, 4. September. Die „Nowoje Wremja" meldet, in Sofia würde ein Memorandum an sämmtliche Großmächte ausgearbeitet, welches die Anerkennung des Fürsten Ferdinand als gesetzlich regierenden Fürsten anbahnen soll. Das Memorandum wird vorher der Skupschtina vorgelegt. Nach Petersburg wolle man eine besondere Deputation senden. Newyork, 4. September. Im Staate Tenneffee wurden sechs Neger, welche von zwei Polizisten zu Wagen zum Gesängniß gebracht werden sollten, von einer Volksmenge mit Flintenschüffen getödtet. Die Neger erhielten dreißig Kugeln. Die Polizisten, welche den Wagen vorher verlaffen und die Neger der Volksmenge preisgegeben hatten, wurden verhaftet. Newyork, 4. September. In den Staaten Wisconsin und Minnesota wüthen seit zwei Tagen schreckliche Wald- brände. Bereits mehr als 600 Personen sind umgekommen. Der Schaden beträgt ca. 12 Millionen Dollars. Truppen sind abgesandt, um das Feuer einzuschränken. Der „Tribüne" zufolge wurden 20 Städte zerstört.________________________ Ceeale* und provinzielles. Gießen, den 5. September 1894. ** Schwurgericht. Liste der Hauptgeschworenen für die am 25. September beginnende Sitzungsperiode: 1. Wilhelm Schudt in Rockenberg. 2. Wilhelm Schwenk III., Nteder- Eschbach. 3. Johannes Göbel II. in Pfordt. 4. August Trapp in Friedberg. 5. Simon Bieber in Nieder-Eschbach. 6. Wilhelm Grieb II. in Holzheim. 7. Anton Rompf VIII. in Lang-Göns. 8. Dr. Eugen Netto in Gießen. 9. Karl Flach III. in Butzbach. 10. Emanuel Löb in Friedberg. 11. Peter Jacob Möbs III. in Nieder-Mörlen. 12. Karl Heil II. in Butzbach. 13. Hermann Kratz in Laubach. 14. Jacob Wilhelm Lemp in Altenstadt. 15. Johann Heinrich Ortwein in Angersbach. 16. Heinrich Schudt in Fauerbach bei Friedberg. 17. Oberförster Bücking in Romrod. 18. Wilhelm Raab in Selters. 19. Heinrich Emil Schneider in Alsfeld. 20. Heinrich Schmalbach IV. in Crainfeld. 21. Tobias Schlunk in Gambach. 22. Hermann Reitz in Butzbach. 23. Wilhelm Reichert I. in EckartShausen. 24. Philipp Blecher II. in Ober-Rosbach. 25. Heinrich Keutzer III. in Frischborn. 26. Caspar Kalbfleisch II. in Altenburg. 27. Ludwig Friedrich Harth in Nieder-Mockstadt. 28. Johann Heinrich Jhring in Sich. 29. Philipp Kreiling IV. in Heuchelheim. 30. Emil Fischbach in Gießen. ** Die sechs Handelskammern im Großherzogthum wurden gegründet, bezw. traten inS Leben: Mainz am 24. December 1802, Offenbach am 21. Juli 1821, Worms am 1. September 1842, Bingen am 24. Januar 1862, Darmstadt am 11. Juni 1862 und Gießen am 2 0. September 18 72. Diese Datas geben ein Bild der Entwickelung von Handel und Industrie mnerhalb unseres Landes nach Raum und Zeit. ** Turnfahrt. Der Turnverein Gießen wird am kommenden Sonntag eine Turnfahrt durch den Taunus, über Bad Homburg nach Bockenheim, bei günstiger Witterung unternehmen. Näheres über Abfahrt rc. werden wir in einer der nächsten Nummern berichten. ** Die Sperrung der Lahnbadeaustalteu ist für den Kreis Wetzlar verfügt worden; auch soll Seitens der Wetzlarer Kreisbehörde eine Verfügung ergangen sein, wonach in den an der Lahn gelegenen Ortschaften für dieses Jahr die Kirmeßfestlichkeiten untersagt sind. ** Manöver. Die Regimenter Nr. 115 und 116 manöveriren vom 7. bis 11. September im Bezirk Babenhausen, Eggartshausen, Eberstadt, Ober-Beerbach, Ernsthofen, Lichtenberg, Bremsbach, Mümling - Grumbach, Bayerische Grenze. Die Truppen werden am 11. in der Gegend von Gundernhausen—Eberstadt—Erbach untergebracht. Dom 11. bis 13. September beginnt das Divisionsmanöver zwischen Reinheim und Reichelsheim mit Biwaks und dauert bis zum 19. September. ** Die Herbstzeitlose blüht jetzt auf den Wiesen. Sie ist eines unserer giftigsten Gewächse. Frisch wird das Kraut vom Weidevieh nicht gefreffen und muß bei der Grummeternte auSgelesen werden. ** Zn Amerika verstorbene Heffeu. Newyork City, N.-Y.: Anna Klotzbüchler, geb. Keßler, 60 Jahre alt, aus Reinheim. — Buffalo, N.-Y.: I- Adam Lautz, 54 Jahre alt, aus Dieburg. — Hecker, Jll.: Michael Krämer, 73 Jahre alt, aus Michelstadt. — Newport, R. I.: Carl Ph. Färber, 36 Jahre alt, auS Alzey. ** Das Eisenbahn Alter der Kinder. Ein Gericht ber- urtheilte kürzlich einen Reisenden wegen Betruges zu einer längeren Gesängnißstrafe, weil er das Alter eines mitfahrenden KindeS niedriger, als es in Wirklichkeit war, angegeben hatte. Es erscheint daher nicht ganz überflüssig, auf die Bestimmungen des „Deutschen Eisenbahn-Personen- und GcpäcktarifS" über die Fahrpreisermäßigung für Kinder aufmerksam zu machen. Die Bestimmungen lauten: Kinder bom vollendeten 4. bis zum vollendeten 10. Lebensjahre, sowie . -jüngere Kinder, falls für sie ein Platz beansprucht wird, werden bei Lösung von einfachen Fahrkarten, Rückfahrkarten, Rundreisekarten .(auch von SchnellzugS-Zuschlag. und Ergänzungskarten) zu ermäßigten Sätzen in der Weise besördert, daß für ein Kind eine Karte zum halben Preise mit Aufrundung auf 5 Pfg., für zwei Kinder eine Karte zum vollen Preise verabfolgt wird. Kinder, für deren Beförderung bezahlt wird, haben Anspruch auf einen vollen Sitzplatz. ** Ruud 416 000 Postsendungen blieben im Jahre 1892 bei der Reichspostverwaltung endgiltig unbestellbar. An die bei den verschiedenen Ober-Postdirectionen befindlichen Ausschüsse zur Eröffnung unbestellbarer Postsendungen gelangten über eine Million Stück, von welchen es gelang, rund 700000 an die Absender zurllckzugeben. Die 416000 definitiv unbestellbaren Sendungen find mit Ausnahme der wenigen zum Besten der Postunterstützungskasse veräußerten u. s. w. dem Schicksal des sDerbranntwerdens anheimgefallen. Der Grund für die Unbestellbarkeit jener 416 000 Sendungen ist fast ausschließlich in Verabsäumungen Seitens der Briefschreiber zu suchen. Alle Briefsendungen, die am Bestimmungsorte unbestellbar sind und aus deren äußerer Beschaffenheit der Aufgabeort nicht ersichtlich ist, gelangen an den Ausschuß der der Bestimmungspoftanstalt vorgesetzten Ober- Postdirection und lagern hier, falls, der Absender auS dem Inhalte des Briefes nicht ersichtlich ist. P. Mendorf a. d. Lda., 4. September. Dienstag den 11. September findet hier ein Missionsfcst statt, wozu als Redner gewonnen worden sind: für den Vormittag um 10 Uhr Herr Pfarrer Nies von Melbach, für den Nachmittag um 2 Uhr Herr Missionsinspector von Schwartz aus Leipzig. Der Kirchengesangverein wird mitwirken. Zugleich will mit diesem Fest der lutherische Missionsverein für Oberhessen sein Jahresfest verbinden. Hoffentlich wird sich auch nächsten Dienstag eine so große Versammlung einfinden, wie in den letzten Jahren. .■ « j D. Bersrod, 3. September. Ein rechter Festabend mit rechter Feststimmung war es, der 2. September, für die Einwohner des Dorfes Bersrod. Wie ausgestorben war daS Dorf, als der Fackelzug, gebildet aus dem Kriegerverein und den Schülern, auszog auf den höchsten Punkt unserer Gemarkung an das Ehrenfeuer. Bet hochaufloderndem, weithin leuchtendem Feuer sangen der Kriegerverein und die Schüler ein Preis- und Danklied, worauf Herr Pfarrer Röschen von Winnerod, an das Feuer anknüpfend, in schöner Weise auSsührte, daß das Feuer ein Sinnbild sei dessen, was in dieser Feierstunde das Gemüth bewegen soll. Der Herr Festredner führte weiter aus, wie die Flamme zum Himmel aufschlägt, so soll auch aus den Herzen des deutschen Volkes eine heilige Flamme aufschlagen mit dem Bekenntniß: „Der Herr hat Großes an uns gethan." Ja Demuth und dankend soll das deutsche Volk bekennen, wie einst unser hochseliger Kaiser Wilhelm I.: „Welch eine Wendung durch Gottes Fügung." Wie die Flamme weithin leuchtet ins Land hinaus mit Hellem Schein, so soll durch uns und unsere Nachkommen das Gedächtniß aller Derjenigen bewahrt werden für alle kommenden Zeiten, welche kämpften, bluteten, starben und siegten dort auf französischer Erde. Und wie endlich brennt das Feuer in der Tiefe, fo soll auch in unseren Herzen eine heilige Gluth entbrennen, ein heiliges Feuer der Liebe zu unserem Vaterlande, zu Thron und Reich. Es soll eine Gluth in unseren Herzen entbrennen, die nimmer aufhört und die in uns stets sesthält die deutsche Art, die darin besteht, vor Allem treu und wahr, stark, mild und redlich, aufrichtig, schlicht, fest und gottesfürchtig zu sein. Wenn wir in diesen Stücken fest bleiben und also in der That und Wahrheit unsere Liebe zum Vaterlande beweisen, so schloß der Herr Festredner, dann mögen wir gewiß sein, daß auch unser deutsches Vaterland reich gesegnet fei und bleibe durch Gottes Gnade: ein Licht und Segen für viele Völker, ein Hort des Friedens und der Freiheit, ein wahres Land und Volk des Herrn, der Großes an und gethan. In ein dreifaches Hoch stimmte die Versammlung begeistert ein. — Einige Vaterlandslieder, Feuerwerk und bengalische Beleuchtung bildeten den Schluß. Wohlbefriedigt zog man wieder zurück und verblieb unter Reden, Toasten und Gesängen in gemüth- licher Stimmung im Saale des Joh. Hoffmann beisammen bis gegen Mitternacht. X Ruppertenrod, 4 September. Ein junger Mann bestieg gestern hier einen Birnbaum, um Birnen zu schütteln. Hierbei brach der Ast, woran er sich hielt, er stürzte herab und brach den Arm. W. Aus der Wetterau, 4. September. Das Ab mach en des Obstes ist eine Kunst, die viele Leute nicht verstehen. Die Kreisbauämter, welche gegenwärtig das Obst an den Staatsstraßen versteigern, geben den Privatobstproducenten mit gutem Beispiele voran. In den Versteigerungsbedingungen ist festgesetzt: Das Obst muß mit Leitern gebrochen werden - letztere dürfen an die dünnen, schwanken Zweige von jungen Bäumen nicht angelehnt werden, damit die Zweige nicht brechen - bei jungen Bäumchen sind Stellleitern erforderlich. Nur bei solchen Bäumen ist ein Befteigen von Ast zu Ast erlaubt, wo die Aeste stark genug sind und nicht abbrechen. Das Herunterschlagen des Obstes mit Stangen ist strengstens unterlagt; wer einen Baum beschädigt, ist schadenersatzpflichtig. Nun muß man sehen, wie barbarisch die Leute mit ihren Obstbäumen umgehen. Damit sich viele einen richtigen Begriff von der Kunst des Obstabmachens bilden können, haben wir obige Bestimmungen mitgetheilt. Wer sie beherzigt, thut sich selbst den größten Gefallen dadurch. Tübingen, 2. September. Das hiesige Localblatt feierte gestern das Jubiläum seines 100jährigen Bestehens. Das Wochenblatt wurde am 1. September 1794* von dem damaligen Kirchenrathe Keller gegründet. Die RedactionS- geschäfte übernahm zuerst Herr Profeffor Hadermann, ber letzte Asenburgische Rector unserer ehemaligen Lateinschule. K. Daueruheim, 3. September. Ueber den in Nr. 206 bereits erwähnten Diebstahl wird uns noch geschrieben: „Am vergangenen Donnerstag Abend wurde bei einem hiesigen Landwirth ein frecher und verwegener Einbruch verübt. Der Einbrecher hatte das Dach am Wohnhaufe abgedeckt und durch das Dachfenster feinen Eingang bewerkstelligt. Er hat hierauf das Schlafzimmer des Hausherrn, in welchem derselbe mit zwei Kindern schlief, erschlichen, sich daselbst den Schlüffel zum Geldschrank aus den Beinkleidern genommen, die Kaffe geöffnet und daraus 1180 Mk., welche derselbe für ein Paar Ochsen erlöst, an sich genommen und war, ohne daß Jemand etwas gemerkt, damit verschwunden. In einem kleinen abgelegenen Zimmer des Hauses hat er seine Schuhe zurück- gelaffen und dafür die Stieseln des Hausherrn angezogen, hat sich außerdem mit einem Regenschirm und den gehörigen Eßwaaren versehen. Die Schuhe sind nun von hiesigen Leuten, Verwandten von dem bekannten Einbrecher Michel von hier, als diejenigen des Michel erkannt worden. Michel sitzt nun gegenwärtig wegen eines erst unlängst begangenen Einbruchs in Untersuchungshaft,- aller Wahrscheinlichkeit nach ist derselbe daselbst ausgebrochen und hat den hier beschriebenen verübt." § Aus dem Kreise Alsfeld, 4. September. Am vorgestrigen Sonntage wurde der Nestor der Bürgermeister des Kreises, Karl Bast, zu Ilsdorf zu Grabe getragen. Im 87. Lebensjahre stehend, war er der älteste Mann des Kirchspiels. Im vorigen Jahre feierte er mit feiner Gattin die diamantene Hochzeit. Ein großes Trauergefolge gab dem allgemein beliebten und wegen seines derben Humors weit bekannten Manne das letzte Geleit. § Vom höheren Vogelsberg, 2. September. Wie bereits in Nummer 139 dieses Blattes berichtet, schoß Forstwart Strauch in Breungeshain im Juni I. I. ein Wildschwein im Oberwald. Strauch war gestern auf einem Dienstgang in der Nähe des Taufsteins (Oberwald), als plötzlich dessen Hund Klagen laut werden liefe; als Strauch nachsah, fand er, dafe dem Hund die eine Seite von einem Wildschwein auf» gerissen war. Nachdem der Hund zum Schutz seinen Herrn ausgesucht, verfolgte auch das Wildschwein (sogar ein ganzes Rudel) den Hund und besten Herrn. Strauch hatte momentan sein Gewehr nicht geladen, auch hatte er nur noch Patronen in seinem Rucksack. Nur durch Umsichschlagen mit dem Gewehr konnte er sich die Wildschweine vom Leibe halten. Die Wildschweine, welche früher nur aus dem Fürstlich Birkenstein'fchen Saupark bei Völzberg in den Oberwald gekommen sind, haben sich recht vermehrt und besonders in diesem Jahr vielen Schaden in der Gemarkung Sichenhausen angerichtet. A Aus Oberhesseu, 3. September. Wie der vorjährige Jahrgang bezüglich seiner Honigergiebigkeit für den Imker zu einem selten guten zählte, so zählt der diesjährige zu einem selten schlechten Bienenjahr. Nicht immer gilt die Regel: schlechte Bienenjahre — gute Jahre für die Land- wirthschaft und umgekehrt. Das diesjährige abnorm schlechte Bienenjahr kann hinsichtlich des Wetters nicht zu den guten Jahren der Landwirthschast gezählt werden. Nur eine einzige kurze Trachtzeit ergab sich für die Bienen im Frühjahr, hiernach aber haben sie nur wenige Tage ausfliegen können. Das fortwährende Regenwetter bannte sie in ihre Wohnungen, während die Sommerlrachtzeit verstrich. Die Imker hatten ihre Hoffnung auf-den Spätsommer gesetzt, dafe es hierin sich noch etwas bessern möge, aber auch diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Zu der aufeerordentlich schlechten Flugzeit gesellte sich auch eine ungewöhnliche Honigarmuth der Blüthen- es „honigte" nicht, wie der Imker zu sagen pflegt. So stehen die Völker vor der Ueberrotntcrung und fast kein Honigvorrath birgt sich in den Stöcken. Schwärme, die nicht rechtzeitig gefüttert, sind bereits eingegangen. Auch schwache, alte Völker, denen die Nachhilfe nicht gewährt wurde, sind verendet. Der Imker muß jetzt nothgedrungen füttern, sollen anders nicht seine Völker noch vor Eintritt des Winters eingewintert für immer sein. Wie der Honigmarkt im vorigen Jahr überschwemmt mit Honig war, so dürfte er jetzt eine Ebbe vom 1894r Honig zeigen. Wer im bongen Jahr feinen Honig nicht gänzlich abgesetzt, hat um |o besser gethan, je mehr er zurückbehalten. 0. Aus Oberheffen, 30. August. Ein interessanter Sprachgebrauch. In den Zeitungen berichtete man, dafe man in der Nähe von Saargemünd drei Formen für das Zahlwort „z w e i" hat und zwar je eine männliche, eine weibliche und eine sächliche Form. Der Gebrauch dieser Formen soll in Fleisch und Blut bei den Bewohnern jener Gegend übergegangen sein. Wir brauchen für diese Erscheinungen gar nicht so weit in die Ferne zu schweifen, denn unsere oberhessischen Dialecte weisen die drei Formen auch auf. In vielen Vogelsberger und Wettcrauer Dörfern faßt man z. B. „Zwie Männer"- „zw oo Weiber"- „zwae Kean n". Dieselbe Erscheinung zeigt sich im Odenwalde, besonders im östlichen Theilc des Gebirges, im Müm- lingthale und an dem nördlichen Fuße des Gebirges in der Gegend von Grofe - Umstadt, Kleestadt und Schaafheim. Dort heißen die drei Formen: „Zwäi, zwoo, zwaa", also: Zwäi Männer, zwoo Weiber, zwaa Kinner. Selbstverständlich sind diese Formen unter den Bewohnern jener Gegenden so geläufig, daß sie ohne Zögern und Besinnen gebraucht werden. Es scheint uns, dafe diese Formen auch noch in anderen Gegenden Vorkommen und dafe sie durchaus nicht so selten sind, wie der Herr Berichterstatter aus der Gegend von Saargemünd anzunehmen geneigt ist. Mainz, 2. September. In Anwesenheit des Prinzen Wilhelm von Hessen begann heute Morgen im oberen Saale der Liedertafel der 13. Deutsche Weinbaucongrefe. Nach den üblichen Begrüfeungsreden sprach Koch-Mainz über die Geschichte des Weinbaues und seine älteste Ausbreitung in Deutschland, Nipeiller Kaiserslautern über die Bekämpfung der Reblaus, Nefeler-Karlsruhe über das Filtriren und Schönen des Weins, Kulifch-Geisenheim über die chemische ' Analyse und ihre Bedeutung für das Weingesetz und die Wein- falfchung. Um 3 Uhr Nachmittags eröffnete Prinz Wilhelm die Weinbauausftellung in der Stadthalle, die sehr gut und reich beschickt ist. Um 5 Uhr folgte baß von etwa 300 Gästen besuchte Festmahl in der Liedertafel. Wegeler- Coblenz toastete auf den Kaiser, von Jöden auf Prinz Wilhelm, dieser auf den Congreß, von Bothmann auf baß goldene Mainz und die Solidarität von Production und Handel, Oberbürgermeister Gafener auf den 20. Geburtstag des Weinbauvereins, Ministerialrath v. Bechtold-Darmstadt auf den Vorsitzenden und dieser auf den Generalsecretär Dahlem. Am Abend war Festconcert in der Stadthalle. Mainz, 3. September. Die Generalversammlung freß deutschen W einbauvereins wählte als Ort der nächstjährigen Versammlung Neustadt a. d. Haardt. Mainz, 3. September. Ein entsetzliches Schauspiel bot sich gestern Morgen den ersten Passanten der Strafeenbrücke. Auf dem vorspringenden Gesimse, aufeerhalb beß Geländers des ersten Pfeilcrß vor Castel fanden dieselben gegen ^6 Uhr einen der Kleidung nach dem Arbeiterstande angehörigen etwa 20jährigen schlafenden Mann, welcher sich anscheinend während der Nacht in der Trunkenheit hierher verirrt hatte. Ein Schloffermeister aus Schierstein, der mit dem Frühzuge angekommen war und sich auch unter den Brückenpaffanten befand, warnte die übrigen, den Schlafenden ja nicht zu wecken, biß derselbe mit Seilen, welche er vorn Brückenaufsichtßpersonal beschaffen wollte, befestigt sei- allein während er nach Hilfe eilte, rief ein vorübergehender Bekannter beß Schlafenben denselben doch an und in demselben Augenblicke stürzte der davon Erwachte auf den unteren steinernen Vorsprung des Pfeilers und von da von Stufe zu Stufe ins Wasser, wo er spurlos verschwand. vermachtes. * Marburg, 4. September. In Bürgeln kamen weitere Erkrankungen und Todesfälle an CH olera nicht vor. Die Erkrankten befinden sich auf dem Wege der Befferung. * Marburg, 4. September. Heute Vormittag ist von hier ein' Wagen mit Kücheneinrichtung, Mundvorräthen und Wein sowie Kohlen zur Beheizung der neu anzulegendeu Küche für die Erkrankten nach Bürgeln abgegangen. Die Küche wird von den Diaconissen mitbeforgt. Die von dem Königlichen Generalcommando bewilligte Baracke ist heute früh von Mainz mit der Eisenbahn abgegangen und wird ihre Aufstellung in Bürgeln hoffentlich morgen bewerkstelligt werden. Die Baracke enthält Alles, waß zur Aufnahme der Kranken erforderlich ist, namentlich Bettstellen, Bettzeug, Tische, Wasch- geräthe u. s. w. Aufeerhalb Bürgeln sind auch nach den neuesten Nachrichten Cholerafälle nicht beobachtet. Die Seuche ist bisher auf diesen Ort beschränkt geblieben. O. Z. Wöchentliche Neberstcht der Todesfälle in Gietzm^ 34. Woche. Vom 19. August biß 25. August 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (tncl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitßztffer: 25,88°/« bezw. 14,11 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder Eß starben an: Zusammen: Erwachsene: toi vom l.Lebenßjahr: 2.—15. Jahr: Lungentubercnlose 1 (1) 1 (1) — — Entzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 1 1 __ _ Organ. Erkrankungen des Herzens 4 (2) 3 (2) — 1 Darmeatarrh 2 2 — — Neubildungen 1 (1) 1 (1) — - Sonstige benannte Krankheiten 2 (1) 1 (1) 1 Summa: 11 (5) 9 (5) 1 1 Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle to der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommm. Fragen Sie Ihre Tante, Ihre Nichte, Thita Damq ndor wen Sie wollen, Alle werden Jbnen infu DaS“, Uuvl antworten: Doering* Seife mit der Knie ist das beste Waschmittel der Gegenwart, und unenlbebUtch für die Damen-Toilette, für Personen mit empfindlicher Haut wie für die Mütter zum Waschen und Baden der Säualinge und Kinder. Außerdem ist Doering# Seife mit der Eule, welche auch unpanümirt zu haben ist, für Diejenigen ganz besonders werthvoll, welche Parfüm nicht lieben. Man verlange daher, ganz nach feinem Geschmack parfümirt oder unparfümirt. Sie ist erhältlich für 40 Pfg. Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. [6223 1200 deutsche Professoren und Aerzte haben Apotheker A. 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H Reservefonds 5500.— Conto der Vereinsmilglieder 3175.— Creditoren 76.40 Gewinn- und Verlust-Conto 2611.56 11362.96 11362.96 Gewinn- nnd Doll. AL H AnAbschreibung auf Inventar 30.88 An Zuschreibung zum Reservefonds 63.12 An Reingewinn 2540.— Verlust-Conto. Haben. Per Saldo-Vortrag aus «Al. 1892/93 14.10 Per Gewinn an Waaren 2691.46 2634.— An Vortrag auf neue Rechnung 71.56 2705.56 2705.56 3% Reichsanlethe 3