Nr 285 Der Oiekrner Auzeiger erscheint täglich, mit Au-nahme deS Montag-. Die Gießener A««trlenvtältex werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt. Erstes Blatt. Mittwoch den 5. December Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. 1894 Vierteljähriger ASonncmeutspretsr 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Psg. Redactikm, ikxpebitioft und Druckerei: KchnkstratzeVr.7. Fernsprecher Dl. Aints- und Anzeigeblutt für den Tlveis Gieren. ! Gratisbeilage: Gießener Aamilienblätter. Amtlichem Theil. Gießen, den 5. December 1894. Bet'r.: Das Landgestüt; insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschüler in 1895. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir sehen Ihrem Berichte binnen 14 Tagen darüber entgegen, wie viele Scheine Sie im Jahre 1895 für zum Bedecken zu bringende Stuten bedürfen. v. Gagern. * Bekanntmachung. Betr.: Das chemische Untersuchungsamt für die Provinz Oberhessen. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 28. v. M. zu Nr. M. I. 33096 ist das chemische Untersuchungsamt für die Provinz Ober- Hessen auf Grund des § 16 Ziffer 4 der Vorschriften betreffend die Prüfung der Nahrungsmittel-Chemiker, den staatlichen Anstalten zur technischen Untersuchung von Nahrung»- und Genußmitteln gleichgestellt worden. Gießen, den 1. December 1894. Großh. Provinzial-Direction Oberheffen. v. G.agern. Deutsches Reich. Berlin, 3. December. Mit großerSpannung sieht man überall im deutschen Vaterlande der neuen Reichstagssession entgegen, die an diesem Mittwoch anhebt. Der Reichstag befindet sich bet seinem diesmaligen Zusammentritte in einer ganz neuen Situation, welche ihr Gepräge durch den stattgefundenen Regierungswechsel erhält. Es gilt jetzt für Regierung und Parlament, sich kennen zu lernen und zu prüfen, wie weit sie wohl mit einander auszukommen vermögen. Freilich, allzugünstig stehen da die Zeichen nicht, denn gerade in den Hauptfragen, welche den Reichstag beschäftigen werden, muß eine scharfe Opposition befürchtet werden, und selbst wenn dieselbe nicht die Mehrheit des Hauses umfassen sollte, so würden doch auf jeden Fall große Schwierigkeiten zu überwinden sein. Vorerst kann man darum nur hoffen, daß sich zwischen der neuen Regierung und dem Parlamente eine Brücke der Verständigung finden werde und daß beide Factoren bestrebt sein werden, einander Entgegenkommen zu belhätigen, da sonst eine politische Katastrophe schwerlich zu vermeiden wäre. — Die Zeitungsnachricht, daß Fürst Bismarck den kaiserlichen Majestäten das Ableben seiner Gemahlin angezeigt habe, wird jetzt in den „Bert. N. N." als unbegründet bezeichnet. Das genannte Blatt erklärt, der Kaiser habe die Nachricht vom Ableben der Fürstin Bismarck auf dem postalischen Dienstwege erhalten, das erste Beileidstelegramm, welches dem Altreichskanzler zugegangen fei, fei vom Staats- secretär Dr. v. Stephan abgeschickt worden, kurz darauf habe der Fürst die Condolenzdepesche des Kaisers erhalten. Ausland. — König Humbert von Italien hat Emil Zola, den zur Zeit in Rom weilenden französischen Romancier, empfangen und sich hierbei nach verschiedenen Richtungen hin in bemerkenswerther Weise geäußert. Der König beklagte es, daß man in Frankreich weder die Fortschritte Italiens auf allen Gebieten, noch die Thati'ache anerkennen wolle, daß die Italiener nichts wie den Frieden wollten. Als ein großes Glück für Frankreich bezeichnete es der Monarch, daß an der Spitze der Republik ein so friedliebender Mann wie Casimir Perier stünde. Dann fuhr der König fort: „Niemals war Europa so friedlich und ruhig wie heute, niemals war auch der Friede so gesichert. Was Italien anbelangt, so kann eS nur im Frieden leben und gedeihen. Frankreich hat alle guten Eigenschaften, um mit der ganzen Welt in Eintracht zu leben- es ist reich, glücklich, stark und genießt alle Wohlthaten des Fortschritts. Wozu braucht es ^also einen Krieg?" Am Ende des Gespräches nahm König Humbert seinen Premierminister Crispi gegen die Anklage, derselbe sei ein Feind Frankreichs, lebhaft in Schutz. „Man kennt," soll er bemerkt haben, „in Frankreich seine friedlichen Gesinnungen nicht, er liebt Frankreich, hat er doch lange genug dort gewohnt, um es zu lieben und zu schätzen. Es besteht ein Mißverständniß in der französischen Presse über alles, was französisch-italienische Beziehungen betrifft, und das ist sehr bedauerlich." — Die Offenherzigkeit, mit welcher । sich der italienische Herrscher Zola gegenüber speciell Hinsicht- lich des Verhältnisses zwischen Italien und Frankreich aus- । gesprochen hat, verdient alle Anerkennung. Aber trotzdem wird sich an den bestehenden Verhältnissen nichts ändern, die Franzosen können es nun einmal den Italienern nicht ver- zeihen, daß sich dieselben der politischen Vormundschaft Frankreichs entzogen haben und daß sie enge Freundschaft mit den Deutschen halten. — In Italien schwelgt man gegen- wärtig in „Reformen". Auf die königlichen Decrete über die neuen organisatorischen Maßnahmen in der Heeresverwaltung find anderweitige allerhöchste Verfügungen ge- folgt, welche sich auf die Ausführung verfchtedener finanz- und steuerpolitischer Maßregeln beziehen. Die militärischen wie die finanziellen Reformen sind durch das neue Spar- system begründet, welches Crispi ausgeklügelt hat- ob sie Italien wirklich frommen werden, das muß fich allerdings erst noch zeigen. XUudjte Nachrichten. Wolffs telegraphisches Lorrefponden»-Bure«u Berlin, 3. December. Eine von fünfhundert Tabak - interefsenten besuchte Versammlung sprach sich gestern einmüthig gegen die einheitliche Schließung der Läden um 8 Uhr aus. Kiel, 3. December. Der Kaiser traf um 12 Uhr In der Kaserne der Marine-Infanterie ein, schritt mit dem Prinzen Heinrich, dem Reichskanzler und Gefolge die Front der Ehrencompagnie ab. Sodann wurden im Exercierhaufe die Rekruten vereidigt. Nach den Ansprachen der Militär- geiftlichkeit ermahnte der Kaiser die Rekruten, ihrem Eide im Inland und Ausland treu zu fein. Um 12^ Uhr war Frühstück im Marine Offizier-Casino. Prag, 3. December. Als heute der in der Brentano- Affaire mehrfach genannte Profeffor Marty nach mehrtägigem Unwohlsein den Hörsaal betrat, wurde er von einem ungewöhnlich zahlreichen Audidorium mit stürmischen Prostt- rusen empfangen. Marty dankte für die freundliche Kundgebung, die sich auf feinen verehrten Lehrer Brentano beziehe, „der nun leider von uns scheiden wird." Hierauf folgte wieder stürmischer Applaus. Rom, 3. December. Der König eröffnete um 11 Uhr Vormittags das Parlament im Beisein der Königin, des Prinzen von Neapel, der Herzoge von Aosta und Genua und des Grafen von Turin, der Minister und des diplomatischen CorpS. Die Tribünen waren von einem zahlreichen Publikum und vielen Damen überfüllt. Der Saal bot einen prächtigen Anblick. Das Königspaar wurde auf der ganzen Fahrt zum Parlament, beim Eintritt und beim Verlassen des Saales in lebhaftester Weise begrüßt. Die Thronrede wurde von häufigem Beifall unterbrochen, besonders an den Stellen über die Armee, den finanziellen Theil und den europäischen Frieden. Rom, 3. December. Nach einer Meldung der „Agencia Stefani" aus Belgrad hat König Alexander die Absicht kundgegeben, den König von Italien tm nächsten Frühjahre in Rom zu besuchen. Washington, 3. December. Die Botschaft des Präfidenten Cleveland an den Congreß hebt hervor, die von Belgien der Einfuhr gewisser Nahrungsmittel aus- erlegten Beschränkungen seien unnöthig. Die strenge Ueber- wachung in Amerika biete einen genügenden Schutz gegen die Ausfuhr kranken Viehes und Fleisches. Ferner wird der vernichtende Krieg zwischen den mächtigsten Nationen des Ostens beklagt. Der Präsident würde nicht zögern, irgend welcher Andeutung Gehör zu geben, daß der freundliche Beistand der Union zu einer ehrenvollen Beendigung der Feindseligkeiten für beide Kriegführenden annehmbar wäre. Er weist auf die Fortschritte Japans hin und dessen lobens- werthe Bemühungen, die vollständige Autonomie in den inneren Angelegenheiten und vollkommene Gleichheit in der Familie der Nation zu erhalten. Die deutscheRegierung habe gegen die Bestimmung der Tarifgesetze protestirt, die einen Differentialzoll von 1/10 Cent auf Zucker aus den Ausfuhrprämien zahlenden Ländern legt, und habe erklärt, die Maßregel laufe den Artikeln 5 und 9 des Vertrags von 1828 mit Preußen zuwider. Im Interesse des Handels beider Länder und um selbst die Beschuldigung' einer Vertragsverletzung zu vermeiden, empfiehlt Cleveland die Aushebung desjenigen Theiles des Gesetzes, welcher jenen Differentialzoll auserlegt. Der Präsident befürwortet noch immer entschieden die Zollfreiheit für Kohlen und Eisen, und spricht sich für Beseitigung jedweden Differentialzolles auf rasfinirten Zucker aus. Washington, 3. December. Der Staatssecretär Gresha« erklärte den Inhalt einer gestern in Newyork veröffentlichte« angeblichen Depesche des amerikanischen Gesandten in Peking, wonach dort sehr beunruhigende Zustände herrschen sollen, sür durchaus unbegründet. Er habe ein Telegramm dieser oder ähnlicher Art nicht erhalten- amtlicherseits wird behauptet, daß Japan auf die durch Vermittelung deS amerikanischen Gesandten in Peking gemachten FriedenS- vorschläge Chinas eine günstige Antwort ertheilt habe. Aber China werde den Beweis liefern müssen, daß es de« Willen und die Macht habe, feine Anerbietungen zu erfüllen. Yokohama, 3. December. Meldung des Reuter'schen Bureaus. Im Hauptquartier von Hiroshima ist Folgendes durch Anschlag bekannt gemacht worden: Am 28. vor. Mts. telegraphirte der Gouverneur von Hiogo, der chinesische Zollcommissar Detrin g wünsche eine Unterredung mit dem Premierminister Grasen Ito und überbringe ei« Schreiben Li Hung TschangS. Der Secretär des Grasen Ito begab sich daraus nach Kobe und benachrichtigte Detring, daß der Premierminister die gewünschte Unterredung verweigere, wenn Detring nicht gehörig accrebittrt sei. Außerdem wurde das von Detring überbrachte Schreiben mit der Bemerkung retournirt, die Verhandlungen könnten nur durch einen berufenen Gesandten gesührt werden. Detring stellte darauf in einem Privatschreiben an den Premierminister in Abrede, daß er von Li Hung Tschang gesandt sei. Depeschen de« Bureau „Herold*. Berlin, 3. December. Die „Nordd. Allgem. 3tg/ dementirt die Meldung eines Hamburger Blattes, nach welcher der deutsche Botschafter Graf Münster anläßlich der bet der französischen Regierung erhobenen ernsten Vorstellung mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen gedroht haben soll. Berlin, 3. December. Nach dem „Reichsanzeiger" wurde der oldenburgische Minister Jahnsen zum Bevollmächtigte« beim Bundesrath ernannt. Berlin, 3. December. Der Großherzog von Sachsen-Weimar hat dem Präsidenten Casimir Perier als Dank für die an der Bahre des ErbgroßherzogS in Frankreich erwiesene Theilnahme das Großkreuz deS Falkenordens verliehen. Berlin, 8. December. Wie verlautet, werden die social- demokratischen Mitglieder deS Reichstages fich weder an der Schlußsteinlegung des neuen Reichstagsgebäude» noch an dem am 5. December stattfindenden Abgeordneten-Banket im alten Reichstagsgebäude betheiligen. Berlin, 3. December. In der heutigen Sitzung des Ausschusses des Bundes der Landwirthe wurde beschlossen, beim Kaiser eine Audienz nachzusuchen. Berlin, 3. December. König Christian von Dänemark wird morgen früh auf der Durchreise von Petersburg nach Kopenhagen Berlin passiren. Den beabsichtigten Besuch am hiesigen Hose hat der König infolge des Todes seiner Schwester aufgegeben. Berlin, 3. December. Zu der morgen in Itzehoe stattfindenden Beisetzung der verstorbenen Prinzessin Luise von Schleswig-Holstein-Sonderburg - Glücksburg wird die Kaiserin dort eintreffen. Berlin, 3. December. Die Denkschrift über die deutschen Schutzgebiete, die dem Reichstage bei seinem Zusammentritt gleichzeitig mit dem Etat für 1895/96 zugehe« sollte, wird demselben, wie die „Poft" hört, zu dem gedachte« Termine noch nicht vorgelegt werden können. Berlin, 3. December. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, die Heeresverwaltung sei seit Jahren eifrig bemüht, die einheimische landwirth schaftliche Production nach besten Kräften zu unterstützen, doch müsse man sich hierin an die vorgeschriebenen Bedingungen halten. In vereinzelte« Fällen seien Verstöße, auch Seitens der Subalternbeamten, vorgekommen, doch habe der jetzige Chef der Heeresverwaltung von Beginn seiner Amtsführung ab darauf gesehen, daß die einheimische Production berücksichtigt werde. Kiel, 3. December. Der „Nordostseeztg." zufolge ist der japanische Prinz Yamashina, der bis zum Ausbruch des chinesisch japanischen Krieges Unterlieutenant in der deutschen Marine war, bei dem Sturm auf Port Arthur gefallen. Der Prinz war bekanntlich vor seiner Abreise auS Deutschland vom Kaiser in Stettin empfangen worden. Wien, 3. December. Wie polnische Blätter aus Petersburg melden, hat der Minister des Innern an alle Generalgouverneure in Rußland ein Circularschreiben gerichtet, in welchem bestimmt wird, daß das Gesetz vom 3. Mai 1882, betreffend das Verbot der Erwerbung von Grundbesitz durch die Juden und der Errichtung von Etabliffe- ments Seitens derselben mit voller Strenge zu handhaben sei. Alle Pachtverträge über derartigen unbeweglichen Besitz seien aufzulösen und für ungiltig zu erklären, weil sie gegen das Gesetz verstoßen. Loudon, 3. December. Nach einer Nachricht der „Times" aus Hiroshima soll die Ntedermetzelung der Chinesen dadurch veranlaßt worden sein, daß die letzteren aus den Wohnhäusern auf die Japaner schaffen. Die japanischen Befehlshaber ließen hierauf die Truppen schonungslos vorgehen. — Die auf Veranlassung des chinesischen Comman- bauten von Hiroshima ausgehobenen waffenfähigen Bürger find von den Japanern gefangen genommen worden. Washington, 3. December. Bet der Congreßeröff- »>n g wird Cleveland einen Wunsch der Regierung ausdrücken, wonach die letztere nicht gezwungen werden solle, die in Circulation befindlichen Banknoten zurückzukausen, sondern der Regierung die Einziehung oder Vernichtung derselben zu überlassen. Außerdem wird auf dem Congreß die Zolltarif- Politik, der Krieg in Ostasien und die Lage Nicaraguas behandelt werden. Saloutchi, 3. December. In Cavalle brannte in der Nacht das Zollamt vollständig nieder. Der Schaden ist enorm. totales uttO provinzielles Gießen, den 3. December 1894. ** Dank-Telegramm. Finanzminister Weber gratulirte unserer Prinzessin Alix zugleich im Namen der Beamten der Finanzverwaltung zur Vermählung und erhielt folgendes liebenswürdiges Danksagungs Telegramm: Der Kaiser und ich senden unseren herzlichsten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche und bitten Sie denselben auch den Beamten des Finanzressoits aussprechen zu wollen, gez. Alix. ** Ausführung von Universitäts-Neubauten in Gießen betreffeud. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben zu genehmigen geruht, daß zur Leitung der Universitäts- Neubauten in Gießen eine besondere Baubehörde mit dem Amtssitze in Gießen und mit der amtlichen Bezeichnung „Großherzogliche Baubehörde für die Universitäts-Neubauten in Gießen" vorübergehend errichtet und die Leitung derselben dem Bauinspector Gustav Reuting mit Wirkung vom 1. April 1895 übertragen werde. * * Einberufung der 5. ordentlichen Landessynode der evangelischen Kirche des Großherzogthums. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben zu beschließen geruht, daß die 5. ordentliche Landessynode der evangelischen Kirche des Großherzogthums Mittwoch den 12. December 1894 zu Darmstadt zusammentreten und au dem genannten Tage nach Einleitung durch öffentlichen Gottesdienst eröffnet werden soll. * * Provinzialausschuß-Sitzung. Samstag den 8. December d. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Klage des Ortsarmenverbandes zu Frankfurt a. M. gegen den Ortsarmenverband Utphe wegen Unterstützung der Dienstmagd Sophie Storck aus Utphe. 2. Die Beanstandung von Beschlüssen des Gemeinderaths von Butzbach durch den Großh. Bürgermeister Joutz daselbst. 3. Den Gerbereibetrieb des A. W. Küchel zu Butzbach- hier Recurs gegen den Polizeibefehl des Großh. Kreisamts Friedberg vom 22. August d. I. 4. Gesuch des Gerhard Bötz in Gießen um Ertheilung der Erlaubniß zum Branntweinverkauf über die Straße. * * Organisation der Baubeamten. Mit Genehmigung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs werden in dem Geschäftskreis der Kreisbauämter die Geschäfte nach den Fachrichtungen des Hochbau- und Bauingenieurwesens getrennt und je besonderen Aemtern, welche die Bezeichnung „Hochbauämter- bezw. „Straßenbauämter" tragen, übertragen. Im Groß- herzogthum werden danach sieben Hochbauämter und fünf Straßenbauämter errichtet, erstere mit dem Sitz in Darmstadt, Bensheim, Dieburg, Gießen, Alsfeld, Friedberg, Mainz, letztere mit dem Sitz in Darmstadt, Erbach, Grünberg, Nidda, Alzey. Das Hochbauamt Gießen umfaßt särnrnt- liche 95 Gemarkungen des Kreises Gießen, die bezüglich des Straßenbauamts auf die Straßenbauämter Grünberg und Nidda vertheilt sind.— Zum Bauinspector des Hochbauamtes Gießen wurde Baurath Karl Neuling (Krets- baumeisler des Kreises Offenbach), zum Bauinspector des StraßenbauamkS Grünberg der Kreisbaumeister des Kreis- bauamtS Grünberg EonradSchnitzel, zum Bauinspector für besondere Bauausführungen der Kreisbaumeister des Kreisbauamts Gießen G u st a v Reuting ernannt. Ferner wurden ernannt : der Kreisbauaufseher bei dem Kreisbauamt Gießen Peter Sahlfeld zum Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Gießen, der Kreisbauaufseher bei dem Kreisbauamt Offenbach Philipp Grüni g zum Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Gießen, der Kreisbauaufseher bei dem Kreisbauamt Grünberg Jakob Hoffmann zum Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Dieburg. * * Erinnerungscommers. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß alle 10 Jahre in Darmstadt ein Erinnerungs- commers sämmtlicher Corpsstudenten des Großherzogthums Heffen und der angrenzenden Länder stattfindet. Der nächste wird im Januar 1896 abgehalten. Die „Akademischen Monatshefte" weisen schon jetzt hierauf hin, um einer Häufung von Commersen in den Nachbarstädten in dem erwähnten Jahre nach Möglichkeit vorzubeugen. * * Die gestrige ordentliche Generalversammlung der Spar- und Leihkaffe war außergewöhnlich zahlreich besucht. Die vorliegende Tagesordnung wurde schlank und ohne Anstände erledigt. Der stellvertretende Director, Herr Landgerichts- Director Wiener, sowie die ausscheidenden Ausschuß-Mitglieder Pfarrer S chlofser Gießen, Regierungörath Jost- Girßen, Oberbürgermeister Gnaurh-Gießen, Bürgermeister . Leun -Großen-Linden, Bürgermeister Sommerl a d Wnffeck ; wurden einstimmig wieder- und an Stelle des sein Amt niederlegenden Hofg. - Rath Hofmann Fabrikant Georgi ■ neugewählt. — Aus dem Rechenschaftsbericht werden wir in nächster Nummer noch einiges m.ittheilen. * * Freisinnige Volkspartei. Auf Einladung des hiesigen ! freisinnigen Vereins hatten sich am Sonntag Nachmittag in der Restauration Feidel eine stattliche Zahl Vertrauensmänner aus den drei oberhessischen Wahlkreisen zusammengefunden, um einen Provinzial-Verband der Freisinnigen Volkspartei Oberhessens zu gründen. Der vorgelegte Statut Entwurf fand einmülhige Annahme, und waren die aus ! all n Thetlen der Provinz — aus Stadt und Land.— zahlreich i erschienenen Männer von dem Gedanken beseelt, daß im ! Sinne der Freisinnigen Volkspartei aus diesem engeren Zu- ■ sammenschluß aller gleichgesinnter Männer in der Provinz ! Ersprießliches erwachse. * * Durchgegangene Pferde. Gestern Vormittag ging in i der Südanlage ein Pferd mit einer Kalesche durch. Der im Wagen sitzende Besitzer sprang heraus, ohne Schaden zu nehmen, während sich der Kutscher auf dem Bock hielt und das Pferd in der Bahnhofstraße ohne Unfall wieder zum Stehen brachte. Kurz darauf kam in derselben Straße ein Hostpferd mit Packetwagen ohne Kutscher dahergerannt. Das Pferd war in unbewachtem Moment durchgegangen und wurde von Passanten in der Frankfurterstraße angeholten. * * Schnell besorgt. Der Hausburjche eines hiesigen Geschäfts hatte mehrere hundert Geschäftsempsehlungen zum Austragen erhalten. Auf den guten Rath eines Collegen warf er dieselben in die Lahn- er mußte seinen Dienst sofort quittiren. * * Unterschlagung. Ein Arbeiter aus Wiesmar hatte den Auftrag erhalten, einen verkauften Hund dem Käufer zu überbringen. Ec führte den Auftrag aus, statt aber den Kaufpreis von 6 Mk., der ihm behändigt wurde, dem Verkäufer zu übermitteln, setzte er sich ins Wirthshaus und verzehrte ihn. Er wurde wegen Unterschlagung zur Haft gebracht. * * Gestohlene Hasen. In verflossener Nacht wurde einem Stallhasenbesitzer in der Steinstraße der Stall erbrochen und daraus ein Hase gestohlen und sieben Stück todtgeschlagen. * * Zum Platzwechsel in den Harmonikazügen. Aus verschiedenen Aeußerungen in der Presse geht hervor, daß über den Wechsel der Plätze während der Fahrt mit den D-Zügen irrige Auffassungen bestehen. Sofern ein Reisender in einem D Zuge den von ihm eingenommenen Platz mit einem anderen unbesetzten Platze in demselben oder in einem anderen Coupe für d e Dauer der Fahrt zu vertauschet wünscht, ist nach den bezüglichen Dienstvorschriften dem Wunsche stattzugeben und die gelöste Platzkarte auf den reugewählten Sitz umzuschreiben, sowie das Schild des verlaffenen und neuen Sitzes in die entsprechende Lage zu bringen. Vertauscht dagegen ein Reisender seinen Platz nur vorübergehend mit einem t anderen unbesetzten Platze, so ist eine Umschreibung der Platzkarte nicht vorzunehmen, bei eintrelendem Platzmangel aber der Reisende in höflicher Weise zur Wiedereinnahme des ursprünglichen Platzes zu veranlassen, falls er ihn nicht mit dem neu gewählten Platze dauernd vertauschen will. Danach ist den Reisenden der Wechsel des Platzes, selbstverständlich sofern unbesetzte andere Plätze im Zuge vorhanden sind, in den D-Zügen ebenso wie in anderen Zügen gestattet. V.A. Die im Großherzogthum begonnene Revision der Quittungskarten der uustäudigen Arbeiter hat bis jetzt leider ergeben, daß viele Arbeiter ihre Pflichten, für Verwendung von Marken zu sorgen, nicht erfüllt haben und deshalb in Strafe genommen werden mußten. Dieselben berufen sich vielfach darauf, daß sie dem Arbeiter die Beitragshälfte in Geld gegeben und geglaubt hätten, er klebe die Marke ein. Dies ist, wie schon oft hervorgehoben, keine Entschuldigung, wenn der Arbeiter doch nicht die Marke einklebt. In einem Falle, in welchem ein Arbeiter den Arbeitgeber versichert hatte, daß er die Marken stets eingeklebt habe, obgleich es nicht wahr war, wurde das Strafverfahren wegen Betrugs eingeleitet. Vereinzelt haben sich Arbeiter geweigert, ihre Quittungskarten vorzulegen, oder sich Marken einkleben zu lassen, oder die Beiträge sich am Lohn abziehen zu lassen. Dies kann einmal als Entschuldigung für den Arbeitgeber dienen, aber wiederholen darf es sich nicht. Solche Arbeiter müssen eben zurückge wies en werden. Die Beschaffung von Marken bildet keine Schwierigkeit für die Arbeitgeber, sie sind zu beziehen vom Postamt, Landbriefträger, Rechner der Hebstelle und der Krankenkasse. — Oester ist es zweifelhaft, ob ein Arbeiter versicherungspfllchtig ist. Berufsmäßige Lohnarbeiter und Arbeiterinnen sind immer versicherungs- $ Pflichtig. Als solche gelten diejenigen Personen, welche den | Haupttheil ihres Lebensunterhaltes durch Lohnarbeit erwerben. Im Gegensatz dazu stehen: selbstständige Gewerbetreibende, Landwirthe, Capitalisten, solche, welche von Zinsen oder anderen Einkünften leben, Ehefrauen, die nur ihren Haushalt besorgen. Aber auch Personen dieser Art müssen regelmäßig versichert werden, wenn sie gegen Lohn arbeiten- z. B. ein Landwicth arbeitet im Winter hie und da als Taglöhner oder als Holzhauer, die Frau eines Land- wirths oder Arbeiters, die sonst nur mit ihrem Haushalt beschäftigt ist, arbeitet in der Ernte tage-- oder wochenlang gegen den üblichen Lohn bei Landwirthen, oder sie geht öfter zu einer Familie waschen, bügeln, nähen gegen den üblichen Lohn. In solchen Fällen liegt Versicherungspflicht vor. Befreit sind solche Personen nur dann, wenn die Lohnarbeit etwa nur zu gelegentlicher Aushülfe oder nebenher und gegen ein geringfügiges Entgelt erfolgt, welches höchstens ein Drittel des ortsüblichen Tagelohnes beträgt- nebenher, b; h. der Betreffende nimmt den Verdienst noch so mit, ohne daß er daraus angewiesen wäre und einen wesentlichen Theil seines Unterhaltes damit gewinnt. Beispiel: Ein alter Mann, ° der im Einsitz und Auszug bei Kindern lebt, und in deren ! Haushalt mithilst, übt die Schweinehut gegen etwa 60 Mk. jährlich aus. Eine Beschäftigung lediglich gegen freien Unterhalt ist nicht versicherungspflichtig- dazu kann gehören: Kost, Wohnung, Kleidung, Licht und außerdem ein sog. Taschengeld, d. h. Baarbeträge zur Befriedigung kleiner Lcbens- bedürfniffe. Die Bezahlung mit Naturalien steht aber sonst der baaren Löhnung gleich. Dazu gehört z. B.: Löhnung in Frucht, Wolle, aber auch Leistung gegen Gegenleistung in Arbeit, gegen Vornahme von Fuhren, Bestellung des Feldes, gegen Ausrechnung von Schulden u. a. m. — Die Wingerts- teute in Rheinhessen sind saft ausnahmslos als versicherungspflichtige Lohnarbeiter anzusehen. Daß dieselben meistens einen bestimmten Accordlo hn pro Morgen oder im Jahre erhalten, ändert daran nichts und macht sie nicht etwa an sich zu selbstständigen Unternehmern, auch nicht, daß sie die Wingertsbauarbeiten nicht allein besorgen und besorgen können, sondern noch Familienangehörige oder fremde Tagelöhner als Hilfsarbeiter zuziehen, die sie selbst von dem Accordlohn bezahlen. Als selbstständig können solche Wingertsleute ausnahmsweise nur dann gelten, wenn sie den größten Theil ihrer Einkünfte aus eigenem Besitz ziehen, ihrer socialen Stellung nach mehr über den Arbeitern stehen und nur ganz nebenher 1 bis 2 Morgen für andere bauen, sodaß der Verdienst daraus aufs Jahr berechnet ein geringfügiger ist. Die Wingertsleute sind regelmäßig in einem festen Arbeits- verhältniß zu einem oder mehreren Weingutsbesitzern. Die letzteren müssen sie daher bei der Meldestelle zur Jnvalidi- täts- und Altersversicherung anmelden, unter Angabe der Anzahl zu bebauender Morgen Wingeite und des Entgelts. Dem Rechner liegt es dann ob, unter Zugrundelegung der erfahrungsgemäß zur Bebauung eines Morgens im Jahre erforderlichen Arbeitszeit, nach § 100 Abs. 3 des Gesetzes die Anzahl Beitragswochen festzusetzen und die Beiträge dafür einzuziehen und zwar, wenn es sich um mehrere Weingutsbesitzer handelt, die Beiträge auf letztere wochenweise zu Vertheilen. ** Weihnachlssendungen bett. Das Reichspostamt richtet auch in diesem Jahre baß Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtsverfendungen bald zu beginnen, damit die Packetmasfen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in-der Beförderung leidet. Die Packete sind dauerhaft zu verpacken. Dünne Pappkasten, schwache Schachteln, Cigarrenkisten rc. sind nicht zu benutzen. Die Aufschrift der Packete muß deutlich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Kann die Aufschrift nicht in deutlicher Weise auf das Packet gesetzt werden, so empfiehlt sich die Verwendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Bei Fleischsendungen und solchen Gegenständen in Leinwandverpackung, welche Feuchtigkeit, Feit, Blut 2C. abfetzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Am zweckmäßigsten sind gedruckte Aufschriften auf weißem Papier. Dagegen durften Formulare zu Postpacketadressen für Packetaufschriften nicht verwendet werden. Der Name des Bestimmungsorts muß stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Packetausschrift muß sämmtliche Angaben der Begleitadresse enthalten, zutreffendenfalls also den Francovermerk, den Nachnahmkbetrag nebst Namen und Wohnung des Absenders, den Vermerk der Eilbestellung usw., damit im Falle des Verlustes der Begleitadreffe das Packet auch ohne dieselbe dem Empfänger ausgehändigt werden kann. Auf Packeten nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Packeten nach Berlin auch der Buchstabe des Postbezirks (C., W., SO. usw.) anzugeben. Zur Beschleunigung des Betriebes trägt es wesentlich bei, wenn die Packete f rankirt aufgeliefert werden- die Vereinigung mehrerer Packete zw. einer Begleitadresse ist thunlichst zu vermeiden. Okarben, 2. December. Ein bedeutendes römisches Kastell erstreckt sich in seinen Resten unter unserem Dorf und einem Theil der Grabgärten, mit der nördlichen Dorfgrenze abschneidend und südlich noch den Gräfl. Walder- dorf'schen Hof zum Theil etnschließend. Es ergab die Forschung nach römischen Straßen in hiesiger Gegend dieser Tage die Vermuthung, daß hierselbst eine Festungsanlage zu suchen sei, welche Annahme eine eingehende Ortsbesichtigung durch den Buchhändler R. Welcker aus Frankfurt noch wahrscheinlicher machte. Eine daraufhin von demselben im Auftrag des Streckencommiffärs für die Straßenforschung unternommene systematische Nachgrabung lieferte den Beweis, daß thatsächlich an der Stelle, wo sic vermuthet waren, die 1,10 bis 2,25 Meter breiten Fundamente der römischen Kastellmauer theilweise noch meterhoch erhalten, unter der Ackerkrume verborgen, in einer Länge von nahezu 300 Meter und 200 Meter an den Schmalseiten des rechteckigen Kastells sich hinziehen. Lage und Größe derselben ließen sich danach! mit aller wünschenswerthen Genauigkeit seftstellen und es ist damit für eine spätere eingehende Erforschung dieser bedeutenden Veste die nöthige Grundlage geschaffen. Die Auffindung einer so starken römischen Militäranlage an dieser Stelle dürste geeignet sein, der ferneren Erforschung der Geschichte des römischen Grenzlandes in unserer Wetterau eine ganz neue Wendung zu geben. (O. A.) Nidda, 3. December. Am gestrigen Sonntage wurde der Buchdruckereibesitzer Friedrich Cl oos in Nldda zur letzten Ruhe gebettet. Der Verstorbene, der das hohe Alter von 86 Jahren erreichte, gründete in Nidda am 1. Januar 1843 das Niddaer Anzeigeblatt, welches am 1. Januar sein 50jähriges Jubiläum feierte. Die Buchdruckerei und der Verlag des Anzeigeblattes ist schon seit über 20 Jahren an Herrn Ludwig Cloos, einen Sohn des Verstorbenen, übergegangen. Arheilgen, 2. December. Zu der kürzlich gebrachten, aus einer pädagogischen Zeitung entnommenen Notiz „Wie Kinder Vorerzähltes oft wiedergeben", hat nun auch ein Arheilger Schuljunge unbewußt einen originellen Beitrag geliefert. Er erzählte folgendermaßen: „Lot erwählte sich die Gegend am Flusse Jordan, denn sie war fruchtbar und wasserreich wie der Herrngarten"; (statt: wie ein Garten deS Herrn). Vermifdytes» • Vertin, 3. December. Der 24jährige Schuhmacher Ernst Bischof auS Großenhain in Sachsen verübte gestern Abend im Norden Berlins einen bestialischen Lustmord an einem sechsjährigen Mädchen, Namens Anna Mosler, indem er dem Kinde den Unterleib aufschlitzte. Der Mörder ist verhaftet worden. • Siegen, 30. November. Wie gewonnen, so zerj- rönnen — kann ein hiesiger Bürger klagen. Bor etwa । zwei Jahren gewann derselbe in zwei Lotterten gleich nach' einander zusammen etwa 60,000 Mk. Dem biederen Handwerker, er war als Schlosier in einer Werkstatt beschäftigt, stieg tndesien da- unverhoffte Glück zu Kopfe: flugs gab er seine erlernte Beschäftigung auf und wurde etwas „Höheres". Zunächst warf er seinen altehrwürdigen HauSrath, die stummen Zeugen seitheriger Dürftigkeit, zum Fenster hinaus und raufte sich seine Polstermöbel mit Musikwerken im Innern, die gar lieblich tönten, wenn man sich in die schwellenden . Kiffen fallen ließ. Ferner schaffte der Glückspilz sich für seine schönen Möbel ein schönes HauS an und legte sich schließlich, da die Zinsen von dem Uebriggebliebenen nicht l sehr reichlich waren und doch ein anständiges, standesgemäßes Geschäft betrieben werden mußte, einen ganz famosen, mit f allem Eomfort der Neuzeit eingerichteten Bierwagen zu, den ' zwei muntere Rößlein gar behende durch Siegens buckelige , Straßen zogen. Oben auf dem Bock thronte selbstbewußt der Günstling Fortunas. Heute nun scheint von all den j Schätzen nicht mehr viel übrig zu sein, denn der Besitzer ' derselben bringt soeben sein Häuschen, seine schönen Plüsch- $ fessel, sein Bierwägelchen und die munteren Rößlein öffent- ■ ltch zum Verkauf. Nicht lange mehr wird eS dauern, daß seine nervigen Fäuste auch daS Eisen, das verachtete, wieder bearbeiten. (D. T. A.) * Erfurt, 29. November. Die durch den Erfurter Schwurgerichlsproceß so bekannt gewordene Frau Ger lach gestaltet sich nach den sich mehrenden Erzählungen aus ihrem j früheren Lebenslauf in der Thal zu einer psychologisch räthsel- j haften Persönlichkeit. Es kann nur zur Beleuchtung des . CharacterS dieser Frau, sowie zur noch besseren Begründung | deS Unheils des Schwurgerichts dienen, wenn hier noch < einige Sachen, die die „Thür. Zig." erzählt, mitgetheilt werden. Auf der Heimfahrt von Ilmenau nach Gehren ! kamen einmal die Gerlach'fchen Eheleute in Streit. Auf । Befehl der Frau Oberförsterin sollte G. aus dem Gefährt ' «uSsteigen und zu Fuß den Weg zurücklegen. Als G. dies j nicht sogleich that, riß sie ihm den Hut vom Kopfe und ' warf denselben auf die Straße. Wohl oder übel mußte nun G. auSsteigen, um seinen Hut wieder zu holen. Während- deffen hieb die Frau auf daS Pferd ein und fuhr in gestrecktem Galopp nach Gehren zurück. Gerlach hatte nun natürlich das Nachsehen und muhte zu Fuß seinen Heimweg sortsetzen. — Eines TageS mußte der Oberförster in der Küche walten und kochen. Was jedem unkundigen Koch passiren kann, geschah auch dem G., — er ließ nämlich den Reisbrei anbrennen. Zur Strafe mußte nun der große starke Manu in einen Schweinestall kriechen, welchen die Gattin mit den Worten: „Ach was- Strafe muß sein," sorgfältig verschloß. * Zeih, 3. December. In der hiesigen Correctionsanstalt erdrosselten zwei Lehrlinge einen dritten im Alter von 16 Jahren mittelst eines Hosenträgers. ♦ Wien, 3. December. In einer Dilettanten-Vorstellung in Przemysl wurde der Lebkuchenfabrikant CzYnSki von seinem Partner, dem Diurnisten Solski, auf offener Bühne erdolcht, sodaß er sofort zusammenstürzte. ES entstand eine furchtbare Panik im Publikum. Solski, der untröstlich ist, wurde nach einem Verhör wieder sreigelassen. ♦ Lemberg, 3. December. Heute entleibte sich der Gutsbesitzer und vielfache Millionär Graf Victor Bawo- rowskt, indem er sich den Hals durchschnitt. Graf Bawo- rowski hat Byron ins Polnische übersetzt. Der Verstorbene war 69 Jahre alt und litt an Größenwahn. * Lebende Schellfische für den Markt. Der „Hamburger Corresp." theilt mit: Bisher sind nur tobte Schellfische von den Fischdampfern nach hier an den Markt gebracht worden. Auf dem FffchdamPfer „Fock u. Hubert" soll nun der Versuch gemacht werden, diesen Fisch lebend nach hier zu bringen- dann will man ihn auch noch lebend nach den Versandtorten in Deutschland schaffen. Zu diesem Zweck ist der genannte Fischdampfer mit anderen Netzen, als die sonst zum Schellfischsang benutzten, sowie mit einem größeren an Deck untergebrachten Behälter ausgerüstet, worin die lebenden Schellfische nach hier und nach den Binnenstädten befördert werden sollen. Zunächst soll der Versuch gemacht werden, lebende Schellfische nach München zu befördern. Siteratur und Kunft. — „fahrend Volk". Abnormitäten, Kuriositäten'und interessante Vertreter der wandernden Künstlerwelt. Von Signor Saltartno. In Ortginal-Letnenband mit 135 in den Text gedruckten authentischen Abbildungen. Preis 12 Mk. Verlagsbuchhandlung I. I. Weber in Leipzig. Signor Saltartno, der geniale Poet der bunten, glitzernden, romantischen Bonktstenwelt, der „Dichter der Maringotte", wie man jenen grünen Wohnwagen nennt, den wir ja oft die staubige Landstraße im Sonnenschein und in Wettern dah'nztehen sehen, in dem er seine Jugend verlebt, in dem er geliebt und gelitten — Saltartno bat mit „Fahrend Volk" ein Werk schaffm, das in seiner Eigenart einzig in der Literatur aller Länder und Zeiten dasteht. Er Hal diesmal sein ureigenstes Gebiet, den geharkten Sand, verlassen und sich in den Tamtam des Jahrmarktes begeben, hier Alles herausgreifend, was geschickt in körperlichen Fertigkeiten, was kurios und abnorm. In eine fremde, eigenartige, geheimnisvolle Welt führt er uns ein, in eine Gesellschaftsklasse, deren Vertreter theilwetse noch als Parias gelten, die sich systematisch abschlteßen von der bürgerlichen Gcscllfchaft, die noch eigene Satzungen, Zeichen und Gebräuche haben, die da an der Landstraße geboren werden und an der Landstraße sterben. ES sind die „SailimbanqueS", wie fie sich untereinander nennen in ihrem sprachlichen Kauderwelsch, die Akrobaten, Seiltänzer, Riesen, Zwerge und Schwertschlucker, jene poettsch-schmutz'gen Künstler des Feldrains, die Stunde um Stunde das Leben in die Schanze schlagen, die mit dem Tode spielen wie mit einem gereizten Tiger, die Gefahr mit rücksichtsloser Kühnheit herauSfordern, durch die Improvisation einer jeden Minute. Immerdar müssen sie bereit sein, zu sterben, nicht mit einem Genickbruch — das will gar nichts beißen, sondern sterben für die geliebte Kunst, indem die geraden Glieder, Arme und Beine in Atome zerschellen. — Der große Erfolg, den SaltaiinoS Werk „Pauvree Saltimbanques8 gefunden hat, dürfte durch „Fahrend Volk" noch weit übertroffen werden, da sich das erstere hinsichtlich des Inhaltes und der Reichhaltigkeit an Illustrationen mit dem neuesten Buch deS Verfassers nicht messen kann. Dasselbe ist im wahren Sinne detz Wortes eine sensationelle Erscheinung! — Jllustrirte Weltgeschichte fürdaS Bott von J.G. Vogt, Verlag ovnE Wiest, Leipzig. In wöchentlichen Lieferungen AlOf^ffl. zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Colporteure. Lief. 57—63. — Nicht nur die politische Geschichte, sondern auch die Culturgeschichte sowie die Geschichte der wirthschaftlichen und socialen Verhältnisse ist in diesem Werke in überaus anregender und klarer Weise behandelt. ES vertritt die neueste Richtung der Geschichtsforschung, die in England Rogers, in Frankreich Levasseur, in Deutschland Lamprecht zu ihren Hauptträgern zählt. Dieser Vorzug ist umso anerkennenS- werther, als diese Forschungen zunächst aus streng wissenschaftlichem Boden gehalten sind, während die Vogt'sche Geschichte diese Errungenschaften durch eine populäre Wiedergabe den breitesten Kreisen zugänglich macht. Bei dem außerordentlich billigen Preise hat selbst der Unbemittelte Gelegenheit, sich ein Geschichtswerk beizulegen, daS schon seiner oben bezeichneten Tendenz halber einzig in seiner Art dasteht, dem Leser vollständig neue und werthvolle Gesichtspunkte eröffnet, und überdies durch seine reiche und schöne Ausstattung für jede Bücherei ein wahres Prachtwerk abgiebt. Wir können daS Werk unseren Lesern aufs Reue nicht warm genug empfehlen. Verkehr, Land- unb Volkswirthschaft. - Pommersch- Hypotheken Actien Bank» Wie aus dem Jnseratentheile unserer heutigen Zeitung ersichtlich, werden die am 2. Januar tat. Mio en Pfandbrief-CouponS bereits vom 15. Decemder er. ab eingelöst. Seidenstoffe -- direkt aus der Fabrik von V00 Elfen & KSUSSGH, Crefelti, in icdem Maaß zu beziehen. Schwarze, farbige ». weihe Seidenstoffe, Sammle, Plüsche und ÄclvetS Man verlange Muster mit Angabe des Gewünschten. Ladung. Der Steinmetz Philipp Hoff- manu aus Bersrod im Groß- herzogthum Heffen, zuletzt in Kem- penfeldrom bei Horn in Lippe — deffen Aufenthalt unbekannt ist — imb welchem zur Last gelegt wird, innerhalb der letzten drei Jahre in der Mecklenburgischen Lotterie, also einer außerpreußischen Lotterie, die nicht mit Königlicher Genehmigung in Preußen zugelaffen ist, gespielt zu haben — Vergehen gegen § 1 des Ges. vom 29. Juli 1885, betr. da» Spielen in außerpreußischen Iotterien (G.-S. Seite 317) — wird auf Anordnung des Königlichen Amtsgerichts Hierselbst auf den 14. Februar 1895, Bormittags 972 Uhr, »or das Königliche Schöffengericht zu Steinheim zur Hauptverhandlung §eladen. Auch bei unentschuldigtem Ausbleiben wird zur Hauptverhandlung geschritten werden. Meinheim i. Wests., den 27. November 1894. 9782 Kloppenburg, Verichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts. Versteigerung. Mittwoch den 5. Dec., Nach mittags 2 Uhr, wird, wegzugshalber, Südanlage Nr. 7, parterre, Folgendes versteigert: 1 Commode, 1 Stehpult, Tische, Stühle, Bettstellen mit Matrazzen, 1 Nachttisch, 1 Kleiderschrank, 1 Waschtisch, Küchenmöbel, 1 Regulator, 1 Handwagen, dreiteiliger, strst neuer Bettschirm, Weißzeug, Bilder, Spiegel, Bücherbänkel, 1 Gummibaum, 175 cm Höhe, u. s. w. Roloff, Gericht!. Taxator. Glaser-Diamanten, größte Auswahl, sowie Anleitung im Schneiden bei 8986 I. Hirz, Seltersweg 22. Bekanntmachung. In der Sache betr. den Nachlaß des Lehrer» Philipp Aubel ist Rechnung gestellt und Großh. Amtsgericht Gießen übergeben. Der ver- ügbare Nachlaß beträgt 152,06 Mk., die Schulden 9222,24 Mk., so daß es den Gläubigern 1,65 % ihrer Forderungen erträgt. 9875___F. Hoffmann. Cachtten neueste, bestsitzende Formen in reicher Auswahl bei billigster Bedienung empfiehlt das Corset - Special- Geschäft von 9859 Frau Anim Wh, Gießen ____30 Neuenweg 30. Billige Spitzen öwie Stickereien und Klöppelspitzen, für Ausstattungen geeignet, sehr paffend zu Weihnachtsgeschenken bei 9783 F. Schmitt, ___________Wolkengasse 26, I Stock. Als Weihnachtsgeschenk 500 Aaar Klllirothk Coiibrifiiikkn, reif. Sänger, P.4M. Feuerrolhe Kardinale, ff Sänger, St. 10 M. Gr. Kardinale mit rother Haube, ff. Sänger, St. 6 M. ÄmeriK. Lpoildroffeln, großartige Schläger, St. 15 a«. . HarjerKanarienoögelmit den edelsten Touren, Tag- und Nachtschläger' St. 6, 8,10, 12, 15 M, je nach Leistung. 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Derselbe hat mich in 2 Monaten vollständig gesund hergestellt, wofür ich dem Herrn Dr. Bolbeding meinen öffentlichen Dank auSspreche. 7054 Frau R. Grober Baroo bei Dortmund, _____________Chausseestr. 37.______________ Reinigen u. Aufstellen von Oefen und Herden aller Art besorgt Carl Busch, Ofensetzer, [9867 Blumenspenden im Sinne des Entschlafenen höfl. verbeten. 9861 9882 9752 Exved. d. Bl. 9678 Löberstratze 2, II. 9808 die Expedition d. Bl. 9864 1887 99.5t MAGGI5 104.20 95.50 10335 102.90 103.80 81.65 100.96 26.25 71.75 34.60 101.20 104.90 4V5% Oesterr. Stlberrente 4% Ung. 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M., Abends 8 Uhr, findck Generalversammlung des Creditvereins zu Heuchelheim, E. G. m. u. H., bei Wirth Georg Volkmann statt. Tagesordnung: I. Regulirung des Controleurgehalts. II. Wahl eines Controleurs. HI. Ergänzungswahl des Aufsichtsraths. Heuchelheim, am 3. December 1894. Special -Vertretung für Gießen: Heinrich Hochreuther 3Va°/o DeutscheReichsanl. 3o/o Preuß. Consols 3V,r°/° Gr. Hessische Obl. 40/0 Stadt Darmstadt v. 1891. 4% „ Worms unk. b. 1901 3|°/0 Oesterr. Staatsbahn v. 1885 3% Jtal. staatsgar. Eisenb. Todes-Anzeige. U Heute Nacht verschied nach langem Leiden unsere innigst geliebte Gattin und Mutter Margarethe Jnderthal. Buckskin-Reste weit unter Preis empfehlen 9773 Louis Treff & Cie. Hoffmann, was tiefbetrübtZanzeigen Todes-Anzeige. (Statt jeder besonderen Anzeige.) Theilnehmenden Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, dass heute Morgen unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter Frau Elise Meyer Wwe., verwittwete Hermes, geb. Noll, nach langem Leiden im Alter von 75 Jahren sanft entschlafen ist. Die tieftrauernden Familien: Ernst Hermes, Joseph Hermes, Otto Hesse. Giessen, Darmstadt, Frankfurt a. M., den 2. December 1894. Lie Beerdigung findet Mittwoch, 5. d. M., Vormittags um 11 Uhr, von der Kapelle des Darmstädter Friedhofs aus, statt. 9862 Cm Student gLXÄ 9734 Ludwigstratze 26 UI. 7000 Mark auf gute zweite Hypothek gesucht. Gest. Offerten unter H. G. an die Welches ist für Männer das praktischste und beliebteste Weihnachtsgeschenk? Ein Kistchen guter Cigarren!! Und mit welche« Cigarre erregt mau die größte Freude f Mit Santa Alk in kl Hülse! FAin tüchtiges Mädchen den ganzen Tag über am 27. Dec. gesucht. Bahnhofstraße 60, 9858 Bel-Etage. ZN -er Alice-Kochschule I beginnt ein 986t Back- und neuer Koch-Cursus. Inbetriebnahme -es Oueikborner Wasserwerks betr. Zur demnächstigen Inbetriebnahme unseres Queckborner Wasserwerks wird von morgen, 1. December, ab mit dem allmählichen Einlasse« des Waffers aus dem Hochdruckbehälter in das Stadtrohrnetz begönne« und damit das letztere sowohl als auch die Hauswafferleitungen einem höhere« Druck als seither ausgesetzt werden. Der seitherige stärkste Druck betrutz Irund Atmosphären, der neue Druck beträgt rund 6 Atmosphäre«, «und wenn auch nur das Hochdrucknetz — alle am linken Wieseckafer liegenden Straßen umfassend — ständig mit diesem höheren Druck versorgt wird, so muß doch auch für vorübergehende Zwecke das Niederdruckuetz — alle am rechten Wieseckufer liegenden Straßen umfassend — dem Hochdruck gewachsen sein. Obgleich alle Straßen- und Hauswasserleitungen bei ihrer Anlage auf einen Druck von IO, seit Ausführung des Queckborner Werks sogar auf 12 Atmosphären geprüft worden sind, so ist es doch denkbar, daß die eine oder andere Leitung in Folge eingetretener Beschädigungen dem verstärkten Druck nicht mehr Widerstand zu bieten vermöchte. Wir empfehlen deshalb, zur Verhütung etwaigen Schadens, allen Betheiligten, in den nächsten 8 Tagen in dieser Beziehung ihren Hauswasserleitungen eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken und bei etwa auftretenden Undichtheiten sofort das am Wafsermesser befindliche Abstell- Ventil zu schließen und alsbald demjenigen Jnftallationsgeschäfth welches die betreffenden Leitungen ausgeführt, erforderlichenfalls uns, Anzeige zu erstatten. Gießen, den 30. November 1894. Die am 2. Januar fut. fälligen Coupons unserer Pfandbriefe werden bereits vom 15. December er. ab an unserer Kasse in Berlin und an den bekannten Zahlstellen eingelöst. 9850 Pommersche Hypotheken-Äctien-Bank. «in junger, 7 Wochen alter, weißer Foxterrier mit schwarzem «opsfleck, entlaufen. Dem Wiederbringer eine gute Belohnung. Bor Ankauf wird gewarnt. 9846 Hotel Kaiserhof. Coursbericht udu J. Kurz Co., Giessen, Kahllhoffiraßk 68. Frankfurter Börse vom 4. December 1894. 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