Nr. 284 Der Kiekener -«zeiget erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener A«mtkie« b kälter werden dem Anzeiger wdchmtlich dreimal beigelegt. Erstes Blatt. Dienstag den 4. Deeember________________ Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. 1894 Vierteljähriger Avonnemeutspreisr 2 Marl 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Pfg. Redaction, Sxpcditior und Druckerei: SchukstraßeAr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt för den Kreis Gietzen. chratisbeitage: Hießener Kamilienbkätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Aste Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlichen Theil. Gießen, den 28. November 1894. Betr.: Ausnahmebestimmungen von der Vorschrift des $ 137 Abs. 1 der Gewerbeordnung zu Gunsten von Molkereien. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises und an Gr. Polizeiamt Gießen. Nach § 137 Abs. 1 der Gewerbeordnung dürfen Arbeiterinnen in Fabriken nicht in der Nachtzeit von achteinhalb Uhr Abends bis fünfeinhalb Uhr Morgens und am Sonnabend sowie an Vorabenden der Festtage nicht nach fünfeinhalb Uhr Nachmittags beschäftigt werden. Neuerdings sollen Erhebungen darüber angestellt werden, ob und inwieweit für Molkereien die Zulassung von Ausnahmen von den Vorschriften des vorangeführten Paragra- phen der Gewerbeordnung erforderlich sei. Wir bemerken hiezu, daß als den Bestimmungen der Gewerbeordnung nicht unterliegend diejenigen Molkereien angesehen werden, welche im Zusammenhänge mit der Land- wirthschaft betrieben werden und welche nur selbstgewonuene Milch verarbeiten. Dagegen fallen Genossenschaftsmolkereien, auch wenn sie nur die von Genossen gewonnene Milch verarbeiten, unter die Vorschriften der Gewerbeordnung, wenn die Genossenschaft eingetragen ist, also eigene Rechtspersönlichkeit besitzt. Unter Berücksichtigung des Vorstehenden beauftragen wir Sie, bis spätestens zum 7. Deeember a. c. an uns zu berichten: . m ,, 1) Wie groß ist die Anzahl der unter die Vorschriften der Gewerbeordnung fallenden Molkereien in Ihrer Gemeinde? , 2) Wie groß ist die Anzahl der in denselben beschäf- tigten männlichen und weiblichen, erwachsenen und jugend- licheri' Arbeiter? 3) Sind nach Ihrer Ansicht Ausnahmebestimmungen von § 137 Abs. 1 der Gewerbeordnung erforderlich und wie groß ist die Zahl der an dem Erlaß von Ausnahmebestimmungen interessierten Arbeiterinnen? Soweit Molkereien, welche unter die Vorschriften der Gewerbeordnung fallen, in Ihrer Gemeinde nicht bestehen, ist dies gleichfalls mit Innehaltung des vorgenannten Ter- mines hierher zu berichten. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend Gesuch des ComitoS für Gründung einer Kleinkinderschule zu Altenburg um Genehmigung zur Veranstaltung einer Verloosung. Das Comite für Gründung einer Kleinkinderschule zu Altenburg beabsichtigt eine Verloosung zu veranstalten, um die Mittel zur Beschaffung eines geeigneten Locals zur Unterbringung derselben zu gewinnen. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die'nachgeiuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10000 Loose zu 0,40 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 45 Procent des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find. Der Vertrieb der Loose ist in den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach gestattet. Gießen, den 30. November 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bckanntmachmlg, betreffend die Veranstaltung einer landwirthschaftlichm Verloosung zu Butzbach während des dortigen Frühjahrsfaselmarktes in 1895. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die Genehmigung zur Vornahme einer, mit dem am 21. März k. IS. stattfindenden Frühjahrsfaselmarkte in Butzbach zu verbindenden Verloosung von Faseln, Rindern, Schweinen, Geflügel und landwirthschaftlichen Geräthen unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 13 000 Loose ä 1 Mk. ausgegeben werden dürfen und (abzüglich eines Betrags von 350 Mk. zur Prämiirung) mindestens 65 Procent des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenftänden zu verwenden sind. Der Vertrieb der Loose ist in der Provinz Oberheffen gestattet. Gießen, den 30. November 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 1. Deeember. Die jüngste, auf Erkältung beruhende' Unpäßlichkeit des Kaisers,\ welche den hohen Herrn veranlaßte, den Beisetzungsfeierlichkeiten in Weimar fernzubleiben und weiter auch auf den geplanten Jagdausflug nach Oberschlesien zu verzichten, ist wieder völlig beseitigt. Der Kaiser gedenkt darum der an diesem Montag in Kiel stattfindenden Vereidigung der Marine-Rekruten beizuwohnen und alSdann an der Einweihung der gewaltigen Brücke über den Nord Ostsee-Canal bei Levensau Theil zu nehmen. Für Dienstag ist ein Flottenmanöver in der Kieler Bucht unter dem Oberbefehl des Kaisers in Aussicht genommen. Am Mittwoch wird der Monarch wieder in Berlin zurück sein, um hier im Königlichen Residenzschlosse Mittags den Reichstag zu eröffnen. — Am Mittwoch wird also die neue Session des Reichsparlamentes, die dritte der gegenwärtigen Legislaturperiode, beginnen, die an Wichtigkeit und an Umfang ihrer Geschäfte den vorausgegangenen Sessionen nicht das Mindeste nachzugeben verspricht, ja, dieselben eher noch übertreffen dürste. Schon hieraus erklärt sich das allgemeine Interesse, mit dem man in Deutschland überall der anhebenden neuen Session des Reichstages entgegenblickt. Dasselbe erfährt aber dadurch noch eine Erhöhung, daß dem Zusammentritte des obersten Parlamentes diesmal der Regierungswechsel vorangegangen ist,, welcher im Reiche wie in Preußen den Fürsten Hohenlohe an die Spitze der politischen Geschäfte brachte. Jetzt werden sich das neue Regime und der Reichstag zum ersten Male näher treten und es hat sich nunmehr bald zu zeigen, ob und wie Regierung und Volksvertretung mit einander auskommen werden. Jedenfalls sind die Schwierigkeiten der neuen Lage nicht gering, namentlich, wenn man erwägt, daß gerade gegenüber den beiden wichtigsten Vorlagen, dem sogenannten „Umsturz- gesetz" und dem Tabakfabrikatsteuer-Gesetzentwurfe, eine lebhafte Opposition seitens eines erheblichen Theiles des Reichstages zu erwarten steht. Es wird offenbar von Setten der neuen Regierung wie des Parlamentes aufrichtigen Entgegenkommens und einer gewiffen Nachgiebigkeit bedürfen, sollen beide maßgebenden Factoren zu einerlVerständigung mit einander in diesen ebenso schwierigen wie bedeutsamen Fragen gelangen, andernfalls müßte allerdings wohl ernstlich mit einer abermaligen Reichstags-Auflösung gerechnet werden. — Im Uebrigen harrt des Reichstages wiederum ein recht stattliches Arbeitsprogramm. Außer den beiden oben genannten wichtigsten Vorlagen wird es von anderen hervorragenderen Sachen noch umfaffen den Etat und die mit letzterem stets zusammenhängenden Gesetzentwürfe, ferner den Gesetzentwurf über die Bestrafung von Sclaven- raub und Sclavenhandel, die Börsenreform-Vorlage, welche soeben vom preußischen Staatsministerium gutgeheißen worden ist, sowie die Entwürfe, welche sich auf die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes und die Reform des Hausirhandels beziehen. Ob dem Reichstage später noch wettere wichtige BerathungSstoffe, spectrll der die Einbeziehung deS Handwerkes unter die staatliche Unfallversicherung bezweckende Gesetzentwurf, zugehen werden, läßt sich zur Zeit noch nicht beurtheilen. Dafür wird aber an verschiedenen Vorlagen auch dritten und vierten Ranges, an Initiativanträgen u. s. w. diesmal ebenfalls kein Mangel sein, es gilt also für den Reichstag, ein besonders iuhaltschweres und reichhaltiges ArbeitSprogramm zu erledigen. Möge ihm die Bewältigung dieses Arbeitspensums gelingen, ohne daß eS hierüber zu schweren und verhängnißvollen Conflicten zwischen Parlament und Regierung kommt! — An die feierliche Eröffnung deS Reichstages, welche diesmal im Rittersaals des Berliner Residenz- schloffes, anstatt im historischen Weißen Saale, erfolgt, wird sich nach einer kurzen Pause die Schlußsteinlegung deS neuen Reichstagsgebäudes und hiermit deffen feierliche Einweihung anreihen- der solenne Act findet unter Theilnahme des Kaiserpaares, des deutschen Kronprinzen, der Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses, der höchsten Reichs- und Staatswürdeuträger, der Generalität u. s. w., ! sowie selbstverständlich auch der BundesrathSmitglieder und der Abgeordneten statt und wird sich im Rahmen des hierzu schon bekannt gegebenen Ceremoniells vollziehen. Um 8 Uhr । Abends folgt ein Banket im neuen Reichstagsgebäude. — Fürst Bismarck befindet sich, nachdem er den ersten großen Schmerz über das Htuscheiden seiner Gattin überwunden, verhältnißmäßig wohl, wie man aus Varzia meldet. Er wird bis aus Weiteres noch in Varztn verweilen und daselbst auch das Weihnachtsfest verleben. Zur Einweihung deS neuen Reichstagsgebäudes, zu welcher Fürst Bismarck aus spectellen Befehl des Kaisers eingelade« worden war und bei welcher er einen Ehrenplatz erhalten sollte, wird er nicht erscheinen. Ganz außerordentlich groß ist die Zahl der dem Alt-Reichskanzler anläßlich des Ablebens seiner Gemahlin übermittelten TheilnahmSbezeugungen, ebenso diejenige der Spenden, welche für die Beisetzung der Fürstin etngegange« waren. Berlin, 1. Deeember. DaS erste offizielle Gespräch mittels Telephons zwischen Berlin und Wien ist heute Vormittag zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef ausgetauschr worden. Berlin, 1. Deeember. Der Wortlaut der Thronrede zur Eröffnung deS Reichstages ist sicherem Vernehme» nach festgestellt. In derselben wird die Nothwendigkeit betont, gegen die Umfturzbewegungen die Schärfe des Gesetzes anzuwenden, und die Zuversicht ausgesprochen, daß der Reichstag die Hand bieten werde, die Regierungen in diesem Kampfe zu unterstützen. Ferner wird Bezug genommen auf de» erneuten Versuch, den Finanzen des Reiches eine festere Regelung zu verleihen und auf die geplanten Reformen i» der Rechtspflege und dem socialen Versicherungswesen hin- gewiesen. Berlin, 1. Deeember. In der letzten Sitzung deS Bundesraths wurde auch über die Resolution des Reichstages, betreffend den Gewerbebetrieb der Militärmufiker, Beschluß gefaßt. Berlin, 1. Deeember. Die deutsch-conservattve Fraction hält am Dienstag den 4. Deeember, AbendS 8 Uhr, im Zimmer 5 des alten ReichStagSgebäudeS ihre erste Sitzung ab. Berlin, 1. Deeember. Der „Reichsanzeiger" veröffent- licht die Bekanntmachung, daß am 3. Deeember der Verkehr auf der Fernsprechlinie zwischen Berlin und Frankfurt a. M. eröffnet wird. An dem Verkehr werden auch die in die Linie einbezogenen Stadt Fernsprecheinrichtunge» in Nordhausen und Kaffel theilnehmen. Die Gebühr für das gewöhnliche Gespräch bis zur Dauer von drei Minute» beträgt 1 Mk. Berlin, 1. Deeember. Die Enthüllung des Mitscherlich-Denkmals fand heute Nachmittag in Gegenwart der Angehörigen Mitscherlichs und zahlreicher Vertreter der hiesigen Universität, hiesiger und auswärtiger akademischer Würdenträger und studentischer Deputationen statt. Der Kaiser entschuldigte sein Fernbleiben in einem huldvolle» Schreiben an das Denkmalcomitö. Berlin, 1. Deeember. In einer gestern Abend ftatt- gehabten, zahlreich besuchten Versammlung der Christlich- Socialen sprach Stöcker über das Thema: „Conservattv oder Antisemitisch?" Stöcker mißbilligte energisch den Radau- antisemitismus, welcher nie zum Ziele führen könne. Mit dem Rufe „Nieder mit den Juden" treibe man keine practische Politik, wenngleich man die Juden auf das Schärfste be- kämpfen müsse. Zwischen dem guten Antisemitismus und den Conservativen seien viele Berührungspunkte. Die Versammlung ging nach unwesentlicher Discussion Nachts um halb 12 Uhr auseinander, ohne Beschlüffe gefaßt zu haben. Köln, 1. Deeember. Die „Köln. Zeitung" tritt a» leitender Stelle energisch den socialifttschen, fortschrittlichen und ultramontanen Forderungen auf Ermäßigung des HeereSbudgets entgegen und sagt: Deutschland müsse auf eine ungeschwächte Erhaltung seines MilttärstandeS Bedacht nehmen. Als lehrreiches Beispiel bei etwaiger Er- sparniß an den Heeresausgaben verweist die „Köln. Ztg." aus England, dessen Heer, vom Standpunkte der europäischen Verhältniffe auS betrachtet, kaum noch ernst genommen werden könnte. Deutschland habe noch auf Jahrzehnte hinaus alle Ursache, daS Schwert scharf und den Schild kräftig zu erhalten. Ausland. Paris, 1. Deeember. In der heutigen Nummer des „Figaro" befindet sich eine officiöse Note, die besagt, daß der deutsche Botschafter nur sein Bedauern darüber ausgedrückt, daß man in Frankreich nicht begreife, daß Offiziere im Dienst stets zu respectiren seien. Die Minister entschuldigen sich mit der absoluten Preßfreiheit und überlaffen den Blättern die Verantwortung. Kein Mitglied der Regierung habe mit den bekannten Artikeln etwas zu thun. Die seit einigen Monaten zwischen beiden Regierungen herrschenden ausgezeichneten Beziehungen seien in keiner Weise getrübt. London, 1. December. Wie die „Times" telegraphisch aus Kobe melden, ist die japanische Nation zur Fortsetzung des Krieges entschlossen. Es werden Vorkehrungen für den Winterfeldzug getroffen. Die Einnahme von Port Arthur hat in ganz Japan großen Jubel hervorgerusin. Petersburg, 1. December. Der liberale Graf Jgna- tieff ist behufs Uebernahme deS Portefeuilles des Innern auS Kiew hier eingetroffen. Neueste Nachrichten» Depeschen der Bureua »Herold*. Berlin, 2. December. In einer öffentlichen Tabak - arbetter - Versammlung sprach heute Bebel über die beabsichtigte Mehrbelastung des deutschen Volkes durch die drohende Tabakfabrikatsteuer. Der Redner wieS darauf hin, daß durch die letztere tausende von kleineren Existenzen ver« nichtet würden und die Arbeitslosigkeit sich vermehre. Es fei Pflicht der Tabakarbeiter, gegen die Tabaksteuer zu pro- testiren. Sie könnten dann auf die Unterstützung der socia- listischen Abgeordneten im Reichstage rechnen. Die Versammlung nahm eine Resolution an, worin gegen jede Vermehrung der indirccten Steuern, insbesondere gegen b#e projectirte Tabakfabrikatsteuer protestirt wird. Dresden, 2. December. Heute Mittag fand die Nagelung der Fahnen für die vierten Bataillone statt. Der König hielt eine Ansprache bei der Uebernahme der Fahnen. toeafc# nn6 prsvknztelle». Gießen, den 3. December 1884. * * Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 1. December u. A. den Hauptmann Goldmonn vom Infanterie Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, den Reichsgerichtsrath Dr. Gilmer, den Landrichter Best von Gießen, den Rechnungsralh Wimmenauer. * * Au8 dem Zustizdienst. Se. König!. Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht, am 30. November den OberlandesgerichtSrath Dr. Karl Gilmer unter Anerkennung seiner seitherigen treuen und guten Dienstführung, mit Wirkung vom 1. December l. I., auf sein Nachsuchen seines Diensies zu entlassen. * * Der Entwurf eines neuen TabakstenergefeheS ist nun« mehr, wie die „Poft" hört, festgesetzt und wird dem Bundesrath in diesen Tagen zugehen. Wie bereits jetzt verlautet, ist für C garren und Cigarrctten eine Steuer von 25 pCt., für Kau- und Schnupftabak eine solche von 40 pCt. und für Rauchtabak eine solche von 50 pCt. in diesem Entwurf in Aussicht genommen. Die Steuer soll erhoben werden, sowie die in den bestimmten Räumen hergestellten Waaren diese verlassen- zur Zahlung der Steuer soll jeder Fabrikant verpflichtet sein. * * Zum Schutz des einheimischen Gewerbes hat der Ortsgewerbeverein von Darmstadt vor Kurzem unter den sämmt- lichen Ortsgewerbevereinen des Landes eine Enquete darüber veranstaltet, ob und in wie weit nachgewiesenermaßen hessische Gewerbetreibende bei Vergebung von Staatsarbeiten durch auswärtige Concurrenz verdrängt worden sind. Dieses Vorgehen hat jetzt bereits seine Wirkung gezeigt, indem die oberste Baubehörde in Darmstadt den KretSbauämtern mittelst Rundschreiben ausgegeben hat, dafür zu sorgen, daß bei Vergebung staatlicher Bauarbeiten soweit thuulrch nur hessische Gewerbetreibende in Betracht gezogen werden. * * DaS Leicheubegängniß des am Donnerstag durch Sturz vom Pferde verunglückten Premierlieutenants und Bataillonsadjutanten v. Klipstein sand gestern Nachmittag 3 Uhr statt. Das Zusammentreffen dieser großen, vorwiegend militärischen Characier tragenden Trauerfeter mit einem Sonntag trug dazu bei, daß in den Straßen, die der Trauerzug nahm, besonders aber am Friedhof ein zahlreiches Zuschauerpublikum sich aufgestellt hatte. Der Friedhof selbst blieb für das Publikum bis nach Beendigung der Feier geschloffen. Den Zug eröffneten das Musikcorps und die Spielleute des Regiments, abwechselnd die Chopin- schen und Beethoven'schen Trauermärsche blasend. Der Musik folgte die zur Abgabe des Ehrensaluts bestimmte Compagnie, hinter welcher das Pferd des Verstorbenen geführt wurde. Vor, neben und hinter dem mit Blumen bedeckten Leichenwagen schritten Unteroffiziere, welche Kränze trugen, dem Wagen folgten die Leidtragenden, das gesammte Osfiziercorps des Regiments, die Offiziere des Beurlaubtenstandes, sowie eine Deputation des Marburger JägerbataillonS; hinter den nun folgenden Leidtragenden in Civil und Uniform schloffen die Mannschaften des Kaiser Wilhelm-Regiments, die in der ungefähren Stärke eines Bataillons freiwillig an der Feier theilnahmen, den Zug. Die Grabrede hielt Herr Pfarrer Dingeldey. Nach der Einsegnung spielte das Musikcorps einen Choral, worauf die dazu befohlene Compagnie die Ehrensalven abgab. * * Versicherung gegen Wasserschaden. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung des städtischen Gas- und Wasserwerks, betr. den Anschluß und die Inbetriebnahme des Queckborner WafferwerkS, verfehlen wir nicht, darauf hin- zuweisen, daß die bei jeder Wasierleitungsanlage bestehende Gefahr der Rohrbrüche und Wasserschäden infolge deS gesteigerten Druckes eine bedeutend größere geworden ist. Vorsicht und genaue Befolgung der bekannten Vorschriften sind deshalb doppelt nöthig. — Die Hausbesitzer speciell machen wir darauf aufmerksam, daß ihnen Gelegenheit geboten ist, sich gegen die Folgen etwaiger Katastrophen durch Versicherung zu deck n, und verweisen wir dieserhalb auf das . Inserat der Frankfurter Versicherungs Gesellschaft „Neptun" ' in heutiger Nummer. * * Neue» Theater. Morgen (Dienstag) Abend gelangt auf vielseitigen Wunsch „Der Veilchen fresser" zur Aufführung. Das Stück zählt zu den besten, die Moser geschrieben und fand bei der ersten Wiedergabe hier eine ungetheilt anerkennende Aufnahme. Hoffentlich wird die Wiederholung aufs Neue recht zahlreich die Verehrer Moser- scher Muse vereinigen. * * Turnerisches. Nachdem vor 14 Tagen die Mitglieder des Kreis-Ausschusses die Vorbereitungsarbeiten zum nächstjährigen Mittelrheinischen Kreisfeste dahier mit den beiden hiesigen Turnvereinsvorständen begonnen, tagten gestern in Steins Garten der Gau- und Technische Turn-Ausschuß des Gaues Hessen, um die nothwendigen turnerischen Vorbereit' ungen zum Feste im Gau zu berathen und zu beschließen. Die Gliederung und das Jneinandergreifen des deutschen TurnwesenS und deffen einheitliches Zusammenwirken zur Erreichung des vorgesteckten und erhabenen Zieles der Turnerei gab auch bei dieser Verhandlung die bedingte Richtschnur zu den gemeinsamen und gerade durch das nächstjährige Kreis- fest besondere Anregung erhaltenden Arbeiten. — Der Turn- gau Hessen zählte laut Statistik am 1. Januar 1894 41 Vereine mit 5712 Mitgliedern, darunter 1896 active Turner und ist der zweitgrößte Gau des Mittelrheinkreises. Letzterer hat 17 Gaue mit 49 441 Mitgliedern und 21 696 active Turner. * * Die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr feierte am Samstag im Festlocale des Cafe Leib ihr 39. Stiftungsfest, an welchem der Vorstand der Gießener Freiwilligen Feuerwehr, Herr Branddirector ^tmnnbt, einige Mitglieder der Stadtverordneten > Versammlung (Herr Oberbürgermeister Gnautb war entschuldigt), sowie sonstige geladene Gäste theilnahmen. Das Fest, welches in Theater (ausgesührt von der Gesellschaft Reiners) und Tanzunterhaltung bestand, nahm einen schönen Verlaus. * * Bürger Gesellschaft. Das am Samstag Abend in Steins Garten abgehaltene 30 jährige Stiftungsfest konnte sich in seinem ganzen Verlaufe den früheren, mit vielem Geschick arrangirten Festlichkeiten würdig anreihen. Die ein eifriges Studium verrathenden Gesangsvorträge für gemischten Chor, Solo und Männerchor wurden von den zahlreich anwesenden Mitgliedern und Ehrengästen sehr beifällig ausgenommen- ebenso die nach einem kleinen Theaterspiel erfolgte Ueberreichung einer von den Frauen und Jungfrauen des Vereins gestifteten Fahnenschleife. Den Schluß deS Programms bildete ein lebendes Bild. — Drei dem Verein seit seiner Gründung angehörende Mitglieder, die Herren M. Flett, G. Trän kn er und H. Schelper wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt, und jedem derselben ein prachtvolles Diplom überreicht. Ein Tänzchen beschloß die Feier. * * Zum Capitel: „Wettbewerb" meldete vor Kurzem der „Mainzer Anz.": „Bei der Eröffnung der Submission auf die Bänke für die neuerbaute evangelische Garnisonskirche zu Mainz betrug das Höchstgebot 11,000 Mark, und das niedrigste Gebot 4000 Mark. Es ist also eine Differenz von 7000 Mark zu verzeichnen. * * Platzkarten betr. Von der Königlichen Eisenbahn Dircction Hannover wird uns mitgetheilt, daß die bei Benutzung der D (Durchgangs-)Züge außer den eigentlichen Fahrkarten tarifmäßig zu lösenden Platzkarten, welche gegenwärtig nur auf den Änfangsstationen der D Züge und in den Zügen selbst verabfolgt werden, vom 15. Decemb er ds. Js. ab bei den D-Zügen 73/74 der Strecke Frankfurt a. M.-Hamburg II und 75/76 der Strecke Frankfurt a. M.-Altona auch auf den Haltestationen dieser Züge zur Ausgabe gelangen und zwar in der Weise, daß jedem Reisenden, welcher eine Fahrkarte zu einem der genannten Züge löst, gleichzeitig eine Platzkarte gegen Entrichtung der tarifmäßigen Platzgebühr verabfolgt wird. Die Eintragung der Platznummer in die Karte erfolgt jedoch erst im Zuge. Reisende, welche sich bereits im Besitze der Benutzung der D Züge berechtigenden Fahrtausweise (Zeitkarten, Fahrscheinheft, Rückfahrkarten zc.) befinden, können die tarifmäßig erforderliche Platzkarte entweder am Fahrkartenschalter ober im Zuge lösen. Gebührenfreie Platzkarten werden nur in den Zügen verabfolgt. ** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Johann Ducka aus Ober-Roden vom Gefängntß Darmstadt (nicht von der Zellenstrafanstalt Butzbach) wegen Strafvollzugs- Schuhmacher Karl Wilh. Engel aus Aschersleben vom Amtsanwalt in Friedberg wegen Diebstahls und Unterschlagung- Keffelschmied Martin Gähn aus Frankenthal und Schneider Gottfried Klüber aus Kaiften (Unterfranken) vom Amtsgericht Offenbach wegen Strafvollzugs- Korbmacher Andreas Günther aus Carlsberg vom Amtsgericht Pfeddersheim wegen Strafvollzugs - Taglöhner Peter Hilbert aus Niedernhausen von der Staatsanwaltschaft zu Darmstadt wegen Unterschlagung- Schreinermeister Adam R o t h e r m e l, gebürtig in Merlenbach, wohnhaft in Seligenstadt, von derselben Behörde wegen Contraventlon gegen § 176 pos. 3 des Str.-G. B. - der angebliche Taglöhner Nicolaus Kröte aus Breckendorf in Holstein von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls; Gärtner Anton Würzburger aus Kastel von derselben Behörde wegen Betrugs und Unterschlagung- Färber August Rinneberg aus Mühlhausen i. Th., zuletzt in Mainz vom Untersuchungsrichter I daselbst wegen Diebstahls - Taglöhnerin Amalie Auguste Stein aus Oschatz vom Amtsanwalt in Gießen wegen Diebstahls- der rumänische Major der Cavallerie, Basilc Poenaru (etwas kahlköpfig und mit dem rechten Bein leicht hinkend) vom Kreisamt Mainz wegen Unterschlagung von rumänischen Staatsgeidern. * Altenburg, 30. November. Die Verlosung zu Gunsten der Errichtung einer Klein-Kinderschule dahier ist auf Mittwoch den 9. Januar k. I. verschoben worden. -6. Neu-Ulrichstein, 1. December. Monatsbericht j der Arbeiter-Colonie pro November 1894. Ende ' November 1894 sind in der Colonle stellen-, resp. arbeitslos 90 Mann. Dieselben Vertheilen sich auf das Groß-- Herzogtum Hessen 20, Regierungsbezirk Kassel 12, Regierungsbezirk Wiesbaden 6. Königreich Preußen: Provinz Rheinlande 7, Provinz Westfalen 4, Provinz Hannover 1, Provinz, Sachsen 7, Provinz Berlin I , Provinz Brandenburg 1, Provinz Posen 2, Provinz Schlesien 4, Provinz Pommern 1. Königreich Bayern 6, Königreich Sachsen 6, Königreich Württemberg 1- Großherzogthum Baden 2- Sachsen-Altenburg 2, Schwarzburg-Sondershausen 1, Sachsen Meinigen 1, Reichslande 1, Hamburg 2- Ausland: Böhmen 1, Schweiz 1. Hiervon waren: Arbeiter 39, Anstreicher 3, Bäcker 3, Brauer 1, Eisendreher 1, Färber 1, Former 1, Gärtner 1, Graveure 2; Gürtler 1, Kaufmann 4, Lackirer 1, Maurer 5, Metzger 2, Maschinenschlosser 4, Bauschlofser 1, Sattler 1, Schmiede 1, Schneider 8, Schreiber 1, Schuhmacher 3, Schreiner 2, Tüncher 3, Zimmermann 1. Gearbeitet wurde an 1734 Tagen. Verpflegt hat die Colonie an 1990 Tagen. Im Monat November wurden entlassen 14 Mann, und zwar zur Familie 1, wegen Arbeitsunfähigkeit 1, auf eigenen Wunsch 5, wegen Contractbruchs 7. Seit Bestehen der Colonie sind aufgenommen worden im Ganzen 2683, dagegen abgegangen im Ganzen 2593 Manu, bleibt Bestand am 30. November: 90 Mann. Darmstadt, 1. December. Heute fand die feierliche Enthüllung des von der Stadt errichteten Grabdenkmals für den verstorbenen Oberbürgermeister Ohly auf dem hiesigen Friedhof statt. De- Centralausschuß des Odenwald-Clubs schloß wegen eines Denkmals für Ohly in Neunkirchen Verträge mit der Gemeindevertretung und dem Bildhauer Habicht in München ab, wodurch die Errichtung für nächsten Mai gesichert wird. A Mainz, 2. December. Eine Fernsprechverbindung zwischen Mainz und den süddeutschen Städten steht jetzt auch in Aussicht. Der hiesigen Handelskammer wurde nämlich auf ihre diesbezügliche Eingabe an die Oberpost- birection in Darmstadt mitgetheilt, daß nunmehr, nachdem über die Herstellung einer Fernsprechverbindung zwischen Mainz und Mannheim und die Zulaffung des Fernsprechverkehrs zwischen Mainz einerseits und den Städten Karlsruhe und Pforzheim anderseits im Verein mit der Oberpost- blrection in Karlsruhe von Neuem Ermittelungen gepflogen worden sind, dem Reichspostamt in Berlin zur Entscheidung vorgelegt worden ist. Ä Mainz, 2. December. Bei den letzten Manövern hat ein Soldat des hier garnifontrenben 13. Husarenregiments unfern von Hochheim aus Unvorsichtigkeit einen Kameraden erschossen. Der unglückliche Schütze, der über das Unglück, welches er verursachte, vollständig untröstlich war, wurde damals von dem hiesigen Militärgericht zu acht Monaten Ge- fängniß verunhellt, von welcher Strafe, nachdem fünf Monate davon verbüßt, ihm der Rest von dem Kaiser auf dem Gnadenweg geschenkt worden ist. — Die in der letzten Zeit mit wenig Lov vielgenannte deutsche Vtehverficherungs- Anstalt hat die längste Zeit bestanden, indem eine Liquidation unvermeidlich. Eine nochmalige Revision der Bücher und Acten hat wiederum Berge von Unregelmäßigkeiten zu Tage gefördert, wobei sich auch herausstellt, daß der gelammte Verwaltungsrath der Gesellschaft von dem nunmehr entlassenen Director in der schmählichsten Weise dupirt und hintergangen worden ist. Der geschäftsgewandte Director hat mit den meist ländlichen Verwaltungsraths- mltglledern ganz gemacht, was in seinen Belieben stand. Mainz, 30. November. Der Pionier Hechinger des Pionier-Bataillons Nr. 11 in Kastel ist heute Nachmittag bei den Fahrübungen auf dem Rheine ertrunken. Derselbe wollte ein vorbeitreibendes Fahrgeräthe rasch aus dem Waffer holen, verlor das Gleichgewicht und stürzte auS dem Ponton in den Rhein. Obgleich schnellste Hilfe zur Hand war, verschwand er vor den Augen seiner Kameraden. Trotz sofortigen und eifrigsten Suchens konnte seine Leiche nicht gefunden werden. Eine Schuld an dem Unglück kann Niemand beigemeffen werden. Verrnischtes. * Berlin, 1. December. Im Palais der Kaiserin Friedrich brannte eö heute- die kostbaren Oelgemälde und die Mobilien wurden von der Feuerwehr, um sie vor Wasser zu schützen, aus dem Zimmer herausgeschafft. Die Kaiserin Friedrich war mit dem Herzog von Coburg bei dem Brande zugegen. Größere Bedeutung hatte daS Feuer nicht. * Posen, 1. December. In der Colonie Zurawiniec, Kreis Kempen, erstickte, wie die „Posener Zeitung" meldet, in der Nacht ein junges Ehepaar durch Kohlcnoxydgas in Folge der versehentlich geschlossenen Ofenklappe. * Grandenz, 1. December. Nach zweitägiger Verhandlung verurtheilre das Schwurgericht den Arbeiter August Huse aus Nitzwalde wegen Mordes zum Tode. Der Ser* urtheilte hatte am 23. Mai d. I. seine kränkliche Ehefrau mit Phosphorlatwerge vergiftet, um ein Mädchen heirathen zu können, mit dem er schon vor seiner Mordthat den Verlobungsring verabredet hatte. * Lübeck, 25 November. Ein eig en t hü mlicher Strike ist in dem benachbarten Ostseebade Travemünde ausgebrochen. Der dortige Armenarzt hatte einer Wittwe, die Armcnunterstützung bezieht, bis auf Weüeres täglich P/2 Liter lac vaccinum bonum (gute Kuhmilch) verordnet und dieselbe aus her Apotheke beziehen lassen. Die Wittwe hat nun,die Milch drei Monate lang täglich aus der Apotheke erhalten und der Apotheker berechnete für U/z Liter 40 Pfg., in Summa 36.80 Mk. Das Armencollegium weigerte sich nun, diese 36.80 Mk. zu zahlen mit der Begründung, daß diese „Medicin" bet jedem Milchhändler um die Hälfte zu beziehen gewesen sei und daß der Fall, daß Kuhmilch als Arznei aus der Apotheke bezogen werde, wohl einzig dastehe. Der Apotheker hat nunmehr gegen das Armencollegium den Rechtsweg beschritten. • «nl der Pfalz, 30. November. Heber den im vorder- pfälzischen Dorfe Kletn-Bockenheim verübten Mutter- mord wird Folgendes bekannt: Der 34jährige Landwirth Johannes Lauerman, Vater von vier Kindern, gilt in der sehr wohlhabenden Gemeinde als einer der reichsten Besitzer. Seit längerer Zeit hat sich Lanermann dem Trunk ergeben. Am letzten Sonntag war er schon in aller Frühe in daS WirthShau» gegangen, von wo den schwer Berauschten seine Mutter, die bei ihm wohnte, unter heftigen Scheltworten und Vorwürfen nach Hause abholte. Lanermann, wüthend darüber, daß er vor der ganzen Gemeinde so blosgeftellt wurde, ergriff in seiner Wohnung ein geladenes Jagdgewehr und drohte, die alte Frau zu erschießen, wofern sie nicht sofort das Haus verlaffe. Kaum hatte diese, die Gefahr erkennend, die Thür hinter sich zugezogen, so fiel ein Schuß, die Frau brach, in den Unterleib getroffen, zusammen und starb sofort. Ohne sich auch nur im Entferntesten um die Mutter zu bekümmern, legte sich der Mörder auf ein Bett und schlief. Die herbei- g rufenen Gensdarmen mußten ihn erst wecken. Er wurde soiort verhaftet. Der Mörder erklärte, in vollständig betrunkenem Zustande gehandelt zu haben und will sich an nicht« mehr erinnern, was am Sonntag sich zuget agen hat. * Szegedin, 1. December. Heute Morgen bestieg hier ein betrunkener Locomotivsührer eine geheizte Maschine und fuhr in rasender Geschwindigkeit einem vor einer halben Stunde abgeloffenen Personenzuge nach, mit welchem die Locomotive beiVasarhely zusammenstieß. Die Letztere, sowie mehrere Waggons wurden total zertrümmert. Der Lokomotivführer des Personenzuges und ein Reisender wurden schwer verletzt, mehrere andere Paffagiere leicht verwundet. Der Verkehr auf der Strecke ist unterbrochen. * Brüffel, 2. December. Gestern Abend wurde eine in der Nähe der Burg Leopold belegene Sprengstoff- Fabrik durch Explosion gänzlich zerstört. Drei Arbeiter sind tobt, zwanzig schwerverwundet. * Großes Aufsehen erregt in Altona das plötzliche Verschwinden des Inhabers des alten Hamburger Hauses Lübeck & Schildknecht, des Kaufmanns Schildknecht. Der in der Mitte der 30 er Jahre stehende Inhaber hatte nebenbei eine Annahmestelle für Gelder, die für die Sparkasse des Altonaischen Unterstützungs Instituts, eines mit mehreren Millionen arbeitenden Bankinstituts, bestimmt waren. Mit Voi liebe belegten namentlich Helgoländer ihre Gelder bei der erwähnten Sparkaffe und bedienten sich dabei der Schild- knecht'schen Annahmcstklle als Vermittlung. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß Schildknecht nahezu 100000 Mk., anstatt sie zu deponireu, für sich verbraucht uud an der Börse verloren hat. * Die Well im Zeichen des Verkehrs! Auf diese geflügelten Worte unseres Kaiser- kann sich kein anderes der modernen Verkehrsmittel mit gleicher Berechtigung berufen, wie da- Telephonwesen. Welch gewaltigen Aufschwung daffelbe im Laufe der letzten Jahre genommen hat, beweist die Thatsache, daß man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gegenwärtig eine halbe Million Telephonlinien mit 250,000 Abonnenten zahlt. Die Gesammizahl der Apparate beträgt 600,000, von denen jeder etwa 1000 Gespräche pro Jahr übermittelt. — DaS System der Central« Rationen war ein gewaltiger Fortschritt im Telephonwesen, ohne sie würde der Raum der großen Städte nicht auS reichen, um alle Drähte anzubringen. So zählen beispielsweise Newyork und (Stnctnnatt je 1000 Abonnenten- um die Abonnenten dieser Städte durch einzelne Drähte miteinander zu verbinden, hätte man 100 Millionen Drähte nöthig. Wollte man diese Drähte zusammenpacken, so würden dieselben im Querschnitt etwa 2500 Quadratmeter einnehmcn, und wenn man dieselben aufhängen müßte, so würde die Stadt mit einem ganzen Walde von über 100 Meter hohen Telephonftangen bedeckt, was gewiß einen seltsamen Anblick gewähren müßte. Das CentralisationSshstem hat es ermöglicht, die Länge der z. B. in Newyork benutzten Cabel um etwa 400 Kilometer zu verkürzen und das ist gewiß ein hübsches Resultat. Literatur und Aunst. Quellenkunde. Lehre von der Bildung und vom Vorkommen der Quellen und des ©runbmafferä von Professor Dr. Hyppo lyt I. Haas. Mit 45 in den Text gedruckten Abbildungen. Preis 4 Mk. 50 Pfg., in Leinwand gebunden 6 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die „Quellenkunde" von H. HaaS ist seit längerer Zeit wiederum das erste deutsche Buch, das sich unter Berücksichtigung der neuesten diesbezüglichen Forschungen eingehend mit den Quellen und dem Grundwasser in geologischer Beziehung beschäftigt. Vierzehn Jahre sind verflossen, seit Lersch seine „Hydrophystk" schrieb, und welche Fortschritte hat seither gerade die Geologie auf dem Gebiete der Quellenkunde zu verzeichnen gehabt! Das Bestreben des Verfassers, seinen Text allgemein verständlich zu halten, ohne denselben das geringste an Wissenschaftlichkeit einbüßen zu lassen, tritt deutlich hervor. Somit wird das Buch ohne Zweifel auch einem größeren Leserkreise willkommen sein. Das Buch zerfallt in eine ausführliche Einleitung und fünf gesonderte Abschnitte nebst Beilagen, so über die Quellen im Allgemeinen, über die Thermalquellen, die Mineralquellen, das Grundwasser und über die Kunst, Quellen zu finden. Im letzterwähnten Abschnitt erfährt auch Die Wünschelruthe als Quellensucherin besondere Berücksichtigung. — nSeeseua.H. lOPsd.loseimBeuielnu'achtMk.'co 7830 Bankgeschäft Giessen. Mein 9544 Markt8t r. 4 An- und Verkauf von Effecten. Einlösung sämmtlicher Coupons. Bevorschussung von Werthpapieren. Conto - Corrent - Verkehr. Mittwoch den 5. 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Cr.Bk. 103.20 102.80 4 104.20 104.20 Oest.Crd.-Anst. 321 Vs 319 — 5 101.15 101.15 Jubustrik-Artien 3 99.— 98.70 Nordd. Lloyd . HöchsterFarbw. 93.— 94.— 2 426.50 448.— 3 104.60 104.40 Bochumer Guß 133.50 131.80 99.80 99.50 Dortm. Union. 56.70 49.20 102.50 102.50 Gelsenk. Brgw. 167.— 167.30 103.— 103.— Harpen. Brgw. 146.60 146.90 101.40 101.30 33er. Königs- u. 104.25 104.25 Laura . . . 123.20 121.50 99.25 99.— Eisenb.-Artieu. 101.55 104.40 101.70 101.55 Heff.Ludwigsb. 119.— 117.90 104.40 99.50 101.70 Csac.-Agram . Oest. Staatsb. ^o.Südb.(Lb). 2146/8 316.- 897/8 214.25 312.25 ■90V8 1 1/12 24./11. Oest.Ndw.läl.R. 1 227V- 227»/« Gotthardbahn. 183.86 182.3t Schwz. Central —.— 137.8® Schwz. Nordost 128.30 130.6® Jtl.Mittelmeer 92.— 91.4® Pr.Henri(Lxb.) 98.50 95.1® Derfiusl. Fasse in Procenlkn. Bad. Th. 100 . 141.90 _ Bayer. Th. 100 145.90 — Donau-Reg. . 112.— 112.— Cöln-Minden. Th. 100 — 136.3® Madrid .... 45.90 44.1® Mein. Th. 100 — 132.9® Oesterr. v. 1860 130.60 129.— Oldenb. Th. 40 126 50 126.9® Raab-Graz 100 93.55 93.7® Türk. frs. 400 —.— 35.3® Kusrsiusl.Fsose per Stück in Mk. Ansbacher fl. 7 43.20 48.2® Augsburg. „ 7 27.95 27.7® Brschw.Thlr20 —.— 104.25 Finnländ. „ 10 56.15 56.3® Freiburg, ss.15 28.- 27.9® Mailänder „ 10 14.40 14.4® Meininger fl. 7 24.80 24.8® Pappenh. „ 7 25.40 25.3® Venediger L. 30 24.55 24.5® Sie heutige Dummer umfaßt 6 Seiten.