NK. 258 Zweites Blatt. Samstag den 3. November Der Hießener Aazeiger rrschrint täglich, mit Ausnahme beß Montags. Die Gießener A»««ttienöta l ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchulllraße Kr.7. Fernsprecher 51. Viertesläbriger AvonnemeutspreiBr 2 Mark 20 Psg. um Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg. Gießener Anzeiger Kmerat-Mnzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen. | A°mi»-n°wL ] Sitzung -er Stadtverordneten am 1. November 1894. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Grüneberg und Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Emmelius, Faber, Flett, Jughardt, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Helfrich, Hetz, Heyltgen- staedt, Homberger, Keller, Löber, Orbig, Dr. Ploch, Scheel, Schmoll, Bogt und Wallenfels. DaS Gesuch des Herrn Jac. Klingelhösfer um Erlaubniß zur Errichtung einer Bretterhalle auf seinem Holzlagerplatz am Schwarzlachweg wird auf Widerruf befürwortet. Das Gesuch des Herrn Commerzienrath W. Gail um Erlaubniß zur Bornahme von Erweiterungsbauten am srüher Koch schen Thonwerk wird nach Maßgabe der bei der ur- sprüngltchen Anlage des Werkes berücksichtigten Gründe befür- .wartet. Bezüglich deS Gesuches des Herrn Ehr. Weeg um Erlaubniß zur Bornahme von Bauveränderungen anläßlich der Bereinigung seines Hauses mit demjenigen der Th. LooS Erben beschloß die Versammlung Befürwortung des DiS- penseS von den Bestimmungen der Bauordnung, welche die Errichtung Massiver Wände (hier der Frontwand) vorschreibt. Ueber das Gesuch deS Herrn Th. GetlfuS um Erlaubniß zum Bauen in der Marktstraße wurde nicht verhandelt, weil den Anständen, die in der vorigen Sitzung erhoben wurden, Seitens des GesuchSstellers inzwischen Rechnung getragen worden ist. — DaS weitere Gesuch desielben um Erlaubniß zur Erbauung eines Comptoir-Gebäudes in der Westanlage soll, da es gegen die Bestimmungen der §§ 16, 25 und 26 deS Ortsbaustatuts verstößt, nur auf Widerruf befürwortet werden. DaS Gesuch des Herrn Gärtner Gerhardt um Er- laubniß zur Bornahme von Bauveränderungen an seinem am Nahrungsberge belegenen Hause soll beanstandet werden und zwar auf Grund des § 5 deS Ortsbaustatuts, sowie mit Hinweis auf die Tiefe des Fußbodens in den geplanten Anbauten, deren dünne UmfangSwände und die geringe Höhe bis zur Dachtraufe. Die Rechnung der Vorschule des Ghmasiums für 1893/94, welche nach stattgehabter Prüfung nochmals vor- gelegt worden, wurde nicht beanstandet, der städtische Zuschuß von 934 Mk. endgiltig decretirt. Die vierteljährliche Rechnung über Gebühren des O r t S g e r t ch t S aus Geländeerwerbungsoerträgen zwischen der Stadt und Privaten im Betrage von Mk. 86,82 wurde nicht beanstandet. Auf Grund eines im Jahre 1890 gefaßten Beschlusses, denjenigen städtisschen Taglohn-Arbeitern, welche auch während der Sommermonate in städtischen Diensten bleiben, eine Gratisication je bis zu 20 Psg. per Arbeitstag zu bewilligen, erfolgt die Genehmigung zur Anweisung von 1532 Mk. 30 Pfg. als Gratisication für 9001 im Sommer 1894 gearbeitete Lohntage. In dem seit Eröffnung des Schlachthauses eingeführten Schlachtgebühren-Tarif fehlte bisher noch eine besondere Position für Stoppelkälber, obwohl für dieselben Octroi- fätze normirt sind. DaS Bedürfniß nach Festsetzung einer Gebühr für diese infolge deS Schlachtviehmangels mehr wie früher zur Schlachtung kommende Viehgattung hat sich heraus- gestellt, und wird im Einvernehmen mit der Schlachthausdeputation beschloffen, für Stoppelkälber, als welche Thiere bis zu 150 Kilo Lebendgewicht zu betrachten sind, 1 Mk. 30 Pfg. als Schlachtgebühr festzusetzen. Der Punkt: „Hand- habung der Fleischbeschau, hier Localpolizei- Verordnung," wurde von der Tagesordnung abgesetzt, weil die Schlachthauscommission in ihrer vorgestrigen Sitzung ebenfalls Aussetzung beschlossen hatte, um den Versuch einer Verständigung mit den auf einem ablehnenden Standpunkte stehenden Metzgern zu machen. Für die Beschaffung mehrerer zur Ausübung der Fleischbeschau nothwendigen Apparate, eines MikroscopS, Mikrotoms und bacteriologischer Instrumente wurden 421 Mk. bewilligt. An Stelle einer Fleisch Waage für Großvieh, für welche in voriger Sitzung 60 Mk. bewilligt wurden, soll, weil dieselbe zu schwach, eine zu 100 Mk. angeschafft und die ebenfalls in voriger Sitzung zur Anschaffung vorgesehene fahrbare Häutewaage mit einer Wagner'schen EntlastungS- Vorrichtung versehen werden, wodurch sich der Preis au 102 Mk. erhöht. — DaS im Verwaltungsgebäude deS Schlachthauses für die Berathungen der Meister eingerichtete Zimmer wird wenig benutzt, so daß auf Antrag der Schlachthaus- deputation beschlossen wird, jenes Zimmer dem Schlachthaus- thierarzt zur Vornahme von Untersuchungen zu überweisen, wosllr der bisher der Fleischbeschau dienende Raum links am Eingänge zur Großviehhalle für die Meister eingerichtet | werden soll. Die auf Mk. 84.40 veranschlagten Kosten, worin diejenigen für Einführung besserer Gasbeleuchtung im Verwaltungsbureau einbegriffen sind, werden bewilligt. Die Baugenossenschaft deS evangelischen Arbeitervereins, . welche sich bekanntlich mit der Errichtung von Arbeiter- I Wohnungen zu befassen gedenkt, hat ein Gesuch um Unter- । stützung ihrer Bestrebungen an den Stadtvorstand gerichtet in dem Sinne, daß ihr das nothwendtge Gelände überlasten werde möge. In der Begründung heißt es, daß das Privat- Gelände im Allgemeinen zu theuer sei, es sei Absicht deS Vereins, zunächst Gelände in den Eichgärten zu erwerben, oder zwischen Licher- und Grünbergerstraße, welch letzteres auch schon seitens der Stadt für derartige Zwecke ins Auge gefaßt sei/ der Verein müsse bei der Wahl deS Geländes auch Rücksicht darauf nehmen, daß die Straßenbaukosten nicht o hoch würden. Sogenannte Arbeiterviertel zu errichten, liege nicht in der Absicht des Vereins, man wolle vielmehr ne Arbeiterhäuschen, zunächst einstöckige Doppelhäuser mit Dachstock, in allen Stadttheilen errichten, um Gegensätze, die in der Bebauung der Quartiere zum Ausdruck kommen könnten, zu vermeiden. Das Stadtbauamt hat sich im Allgemeinen für Förderung der VereinSbeftrebungen ausgesprochen und ein Eingehen auf daS Gesuch im Princip empfohlen, ohne bestimmte Angaben über das abzutretende Gelände zu machen. Die Baudeputation hat empfohlen, daS Gelände zwischen Grünberger- und Licherstraße für den gedachten Zweck zu bestimmen derart, daß an den beiden genannten' Straßen selbst die Plätze für größere Privatbauten reservirt bleiben, das Zwischengelände aber mit Anlage von Parallelstraßen zur Wolfstraße für ArbetterhäuSchen bestimmt werde. Die Deputation empfiehlt, zunächst die erste auf die Wolfstraße folgende Querstraße, unter Freilassung der Eckplätze für größere Bauten, dem Verein zu überlasten/ man könne hier, um eine Verminderung der Straßenbaukosten zu erreichen, von der für Hauptstraßen festgesetzten Breite von 12'^ Meter herabgehen auf 8 Meter, schon mit Rücksicht daraus, daß die Häuser nur einstöckig werden. Die Baudeputation empfiehlt, in diesem Sinne Beschluß zu fassen und der Genostenschaft je nach Bedarf daS Gelände zum Preise von 2 Mark pro lU-Mtr. zu überlasten / Bedingung bleibt, daß die Häuschen je 3 Meter breite Vorgärten nach der Straße zu erhalten. Herr Löber spricht sich gegen daS Gesuch auß, ba eine Noth- wendigkeit zur Errichtung neuer Wohnungen nicht vorliege, eß seien deren genug vorhanden/ mit Genehmigung des Gesuches schädige man die mit hohen Steuern bedachten Hausbesitzer. — Herr Oberbürgermeister Gnauth erklärt, man habe sich in der Baudeputation, wenn auch unausgesprochen, mit der Erwägung beschäftigt, was bester sei, die kleinen Miether in der Altstadt in ihren ungesunden Wohnungen zu belassen ober ihnen Gelegenheit zu geben, sich durch Erwerb eines eigenen Heims außerhalb der Stadt bessere und gesündere Wohnungen zu verschaffen/ es würden höchstens schlechte Wohnungen minderwerthtg und das sei gerade kein Unglück/ man habe in der Armendeputation die Ansicht, daß gerade in den ältesten Quartieren die höchsten Miethen erhoben würden, woran der Umstand nichts ändere, daß die Besitzer solch' alter Häuser öfter Miethsverluste erlitten. — Herr Löber entgegnet, daß die Ausführungen des Herrn Oberbürgermeisters auf größere Städte zuträfen, in Gießen feien die Miethen noch nicht zu hoch. — Herr Heyligen- staed t ist für Genehmigung dcö Gesuches/ eS handle sich um ein gemeinnütziges Unternehmen, die Wohnungsverhältnisse seien schlecht, waS nicht nur die mit der Armenpflege Betrauten wüßten, sondern auch die Arbeitgeber/ er bezeichnet die Offerte der Stadt als annehmbar und findet nur, daß die Plätze etwas zu groß vorgesehen seien, wodurch dieselben im Vergleich zu den Bauten selbst zu hoch kämen, baß Vorgehen der Genostenschaft verdiene alle Anerkennung, es sei Thatsache, daß gerade die kleinen Wohnungen die großen mitbezahlen müßten. — Herr Schmoll begrüßt ebensalls baß Vorgehen ber Genossenschaft wie ben Beschluß der Baubeputation / eß wüste ben mtnber bemittelten Leuten Gelegenheit gegeben werben, sich etwas aus ihren gebrückten Verhältnisten herauszuarbeiten, biese Möglichkeit liege in bem erleichterten Erwerb eine« eigenen Heims. — Herr Heyligenstaebt weist noch auf baS erzieherische Moment hin, welches bie Erwerbung eines eigenen HeimS für bie Arbeiter habe. — Herr Heß befürwortet, bie Plätze nicht zu klein zu nehmen, bamit bei jebem HauS ein Garten angelegt werben könne / bie Möglichkeit ber Beschäftigung ber Arbeiter im Garten habe ben Bauausschuß veranlaßt, größere Plätze zu empfehlen/ 20 Quabratmeter Gelänbe mehr kämen bei ber Bepflanzung wohl in Betracht, ber bafür mehr an zulegende Geländepreis indeß weniger. — Herr Oberbürger meister Gnauth theilt mit, daß die Tiefe der Bauplätze sich aus den Eckhäusern ergebe, wenigstens in der ersten, der Wolfstraße parallel laufenden Häuserreihe. AuS ber Thatsache, baß kleine Beamte und Arbeiter recht hohe Pachtzinsen für Triebviertel zahlten, lasse sich wohl schließen, daß ein Bedürsniß nach Gartenland vorhanden fei, da« zu befriedigen die Erwerber von kleinen Häusern vcranlaste, einen etwas höheren Preis für eigenes Gelände anzulegen. — Herr Habenicht spricht sich dafür auß, daß für baß pro» jectirte BürgerhoSpital, für welches man bie Gegenb bef Lärchenwälbchens vorgesehen habe, noch Raum bleibe/ Her Oberbürgermeister Gnauth bemerkt hierauf, baß zwei Parallelstrasen zur Wolfstraße, bie obere einreihig, angelegt werben könnten, tinb bann noch Raum genügenb für ein BürgerhoSpital nebst Garten bleibe. — Der Antrag beß Bauausschusteß wirb angenommen. Der Zinsenertrag von 800 Mk. ber Wilsonstiftung soll alljährlich am 11. November, bem Hochzeitstage ber Stifter, wohlthätigen Zwecken, über welche ber Stabtvorftanb im Einvernehmen mit einem Mitgliebe ber Wilson'schen Stiftung zu befinden hat, überwiesen werden. Die Armendeputation hat vorgeschlagen, diesmal die eine Hälfte (400 Mk.) dem Knabenhort zu überweisen, die andere Hälste dem Comite für die Errichtung eines Rasenspielplatzes unter der Bedingung, daß baß Unternehmen bis Frühjahr 1896 zur Verwirklichung kommt. Die Zustimmung der Stifter liegt vor. Herr Wallenfels würde sich für Zuwendung der Summe an ein Mädchenhort, ba« nothwenbiger fei, al« ber Spielplatz, auSfprechen, wenn bie Stifter ihre Zustimmung nicht bereits gegeben hätten. — Herr Oberbürgermeister Gnauth entgegnete, baß bie Errichtung eines Mäbchenhort« weniger Schwierigkeiten biete in Betreff ber aufzubringenben Mittel (bafür habe man einen ziemlich großen DiSpositionS- fonb in ber Armenkaffe), fonbern wegen ber mit ber Leitung zu beauftragenben Personen, wozu boch Frauen genommen werben müßten. — Die Herren Jugharbt unb Scheel sprechen sich gegen bie Uebtrrodfung an baS Spielplatzcomitee aus, ohne bie Nützlichkeit eines Spielrasens zu oerfennen; sie halten es für bebenklich, hierzu Mittel zu verwenben, bie zu milden Zwecken bestimmt sinb. — Herr Oberbürgermeister Gnauth weist barauf hin, baß ber Spielplatz auch Unbemittelten zugänglich gemacht werde. — Herr Hornberger hält bie Errichtung eines Mäbchenhorts für nothwenbiger, ohne gerabe bie Meinung zu vertreten, baß bie Kosten beß Spielplatzes von ben tntereffhten Herren selbst getragen werben müßten. — Herr Dr. Ploch berichtet über den augenblicklichen Stand der Spielrasenangelegenheit und hebt den hohen Werth des Spielrasens für alle Stände hervor. — Herr Sch mall ist dafür, daß in erster Linie an einen Mädchenhort zu denken fei, angesichts der Gefahren, die ge- rabe ben Mäbchen brohen. Der Spielplatz komme erst in zweiter Linie. — Herr Beigeorbneter Georgi bemerkt, eß sei nicht zu empfehlen, Mittel au6 mildthätigen Stiftungen für Spiel- Plätze zu verwenden, so lange noch nothwenbigere Sachen vorlägen, er bitte, ben Versuch zur Errichtung eines Mäbchenhorts zu machen, vielleicht ließen sich bie vom HerrnOberbürgermeifter bezeichneten Schwierigkeiten beseitigen/ man wolle beßhalb Be- schluß barüber auSsetzen, er habe bie Zuversicht, baß auch bie Familie Wilson ber Zuwenbung an einen Mäbchenhort zu- stimmen werbe/ komme berselbe in biesem Winter nicht zu Stanbe, so könne man immer noch über bie Summe verfügen. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, baß die Vertheilung am 11. November stattfinden müsse, eß fei beßhalb nicht mehr möglich, Über einen Mädchenhort zu be- rathen. — Die hieraus vorgenommene Abstimmung fiel zu Gunsten des noch zu gründenden Mäbchenhorts auß. Dom Außschuß für baß 16. Hess. Feuerwehrfest ist ein Gesuch eingegangen, bie Stabt möge bie noch vorhandenen Fahnen unb Decoratlonßgegenftänbe erwerben, wodurch baß Deficit von 800—900 Mk. vermindert werde auf 200—300 Mk., wofür bereit« Deckung durch Private vor- Händen fei. Eß wird beschloffen, 610 Mk. zum Ankauf der Gegenstände zu bewilligen, da dieselben vom Ausschuß für daß nächstjährige mittelrheinische Turnfest wieder übernommen werden würden. Das Gesuch des Herrn Carl Laux um Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über bie Straße in bem früheren Heinrich Sack'schen Hause am Neuenweg soll besür- wortet werben. fflllll'lhilViMit ^^inster Cichorien-Kaffee vLH||UIJIHIh U Aechter Malz-Kaffee empfiehlt Die WZ 4359 Dose mit 25 Cacao-Hcrzen 75 Pfennig, für 25 Tassen, ¥*»zi Jedes Cacao-Horz für 1 Tasse 3 Pfennig» 4 >xti ä Mk. 1,70, 1,80, 1,90 und 2,00 das Pfund, unübertr. in Aroma und Kraft. Zu haben in Gießen bei J. M. Schulhof. Hauptniederlage, L. Kalkhof, Westanlage, Rud. 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