1894 Donnerstag den 4. October Erstes Blatt. Nr. 232 Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren. Ncdactiou, Expedition, und Druckerei: Zchulstraße Kr.7^ Fernsprecher 51. Die Gießener Ilamtktenvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de« MontagS. vierteljähriger Aßonnftnrntsprrt»: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Gießener Anzeiger Keneral'-Mnzeiger. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Aintlicher Theil. Gießen, am 2. October 1894. 4 Betr.: Den Nundgang der Feldgeschworenen. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir empfehlen Ihnen, die Feldgeschworenen zu veranlassen, nach § 20 der Instruction vom 23. Februar 1833 (Regierungsblatt S. 105) im Laufe dieses Monats die Gemarkungen zu begehen, um sich von dem Zustande der Grenzen zu unterrichten und über den Befund in ihr Tagebuch ein Protocoll aufzunehmen. Wir machen dabei darauf aufmerksam, daß zwar zu einem Steinsatze wenigstens drei Feld- geschworene beisammen sein müssen, daß aber an den Rund- gangen, wenn dabei nicht zugleich Steine gesetzt werden sollen, nur zwei Feldgeschworene theilzunehmen haben. Wegen Beseitigung der Vorgefundenen Mängel wollen Sie das Geeignete veranlassen, wobei namentlich die Aufräumung, Geraderichtung und Erneuerung der Grenzsteine ins Auge zu fasten ist. An den Dreiecks-, Gemarkungs-, Flur- und Gewann-Grenzsteinen darf jedoch keine Veränderung ohne Mitwirkung eines Geometers 1. Klasse vorgenommen werden. Die Wahl und Zuziehung desselben bleibt Ihnen überlasten; doch wollen Sie da, wo es sich um Grenzsteine mehrerer Gemarkungen handelt, sich unter einander desfalls benehmen. Für die Erhal- tung der Parzellengrenzsteine des Gemeindeeigenthums ist auf Gemeindekosten von Ihnen Sorge zu tragen. Wo noch keine Aussteinung des Gemeinde Eigenthums stattgefunden hat, beauftragen wir Sie, den Gemeinderath desfalls zu vernehmen und dessen Beschluß zu vollziehen. Die an den Parzellen- grenzsteinen der Privaten vorgefundenen Mängel sind den Betheiligten zur Beseitigung zu eröffnen. Im Uebrigen verweisen wir Sie auf das Gesetz vom 23. October 1830 (Neg.- Bl S. 463) und die vorgenannte Instruction vom 23. Februar 1833 (Neg.-Bl. S. 105), wegen der Kostenverzeichnisse auf die Bekanntmachung vom 18. December 1874 (Reg.-Bl. S. 784) und auf unser Ausschreiben vom 29. Januar 1885 (Anzeiger Nr. 27.) Zu Ende laufenden Monats sind uns Abschriften der in die Tagebücher der Feldgeschworenen aufgenommenen Proto- colle mit Bericht über Ihre desfalls getroffenen Anordnungen jammt den Kostenverzeichnissen von Ihnen vorzulegen. v. Gagern. Bekanntmachung. Die untern 15. September l. I. angeordnete Sperre de« Schiffenbergerweges wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 2. October 1894. Großherzogliches Polheiamt Gießen. Fresenius. Bekanntmachung. Die unterm 15. September l. I. angeordnete Sperrung der Wieseckbrücke wird hiermit bezüglich der Fahrbahn aufgehoben. Die Fußwege bleiben noch 14 Tage unbenutzbar. Gießen, den 1. October 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutscher Reich. Berlin, 2. October. Der Kaiser erfreut sich in Rominten fortgesetzt des besten Wohlbefindens, sein Jagdaufenthalt daieibst erweist sich als ungemein von Waid- mannsglück begünstigt. Die ferneren Dispositionen, wonach der Kaiser sich von Romintcn direct noch Schloß Hubertus- stack begiebt und von hier aus im Laufe des 13. October wieder im Neuen Palais bei Potsdam einzutreffen gedenkt, dürften als feststehende zu betrachten sein. — Die Vorläufer deS herannahenden parlamentarischen WinterlebenS zunächst im Reiche zeigen sich illmählig. Für diesen Donnerstag wurde der Wieder- zusammentritt des Bundesrathes zu seinen regelmäßigen Sitzungen erwartet und Mitte October wird auch der Colonialrath zusammentreten, um über den nächsten Colonialetat zu berathen. Was den Zeitpunkt der Eröffnung der nächsten Iieichstagssession selbst anbelangt, so ist hierüber allerdings »och immer nichts Bestimmtes bekannt- es heißt da lediglich, der Reichstag werde im Laufe der zweiten Novemberhälfte etuberufen werden. Nur gilt jetzt als gewiß, daß der Reichstag sich gleich im neuen Parlamentsgebäude versammeln wird, welches von Mitte November ab für seine Zwecke bereit- ratisöeitage: Gießener Iamilienölatt stehen würde. Von einer Abschiedsfeier in dem bisherigen ReichStagShause ist angeblich keine Rede. Doch muß trotzdem noch abgewartet werden, ob die parlamentarischen Vertreter der Nation aus ihrem bisherigen Heim wirklich so ohne Sang und Klang scheiden, man sollte wenigstens meinen, daß das alte ReichStagSgebäude, in welchem sich so viele historische Ereigniste und für das deutsche Volk bedeutsamen Acte ab- gespielt haben, doch wohl einer selbst nur schlichten AbschtedS- festlichkeit werth wäre! __________________________________________ Neueste Nachrichten. Wolff» telegraphische« Correspondeuz- Bureau. Berlin, 2. October. Der „Reichsanzeiger" meldet den in der Nacht zum 1. October in Luzern erfolgten Tod des Unterstaatssecretärs Hom eher. Der das Andenken des Verstorbenen in wärmsten Worten ehrende Nachruf schließt mit dem Satz: „König und Vaterland verlieren in ihm einen ihrer treuesten Diener." Parts, 2. October. Die Blättermeldung, zwischen dem Wiederzusammentritt der Kammern und der Mada- gaskar-Angelegenheit bestehe ein Zusammenhang, ist unbegründet. Lemire de VilerS, der gestern Zanzibar passtrte, trifft nicht vor 12 Tagen in Tamatave ein und erst nach Eröffnung der Kammertagung in Antananarivo. Die Regierung faßt keinerlei Entschluß, ehe sie nicht das Resultat seiner Schritte kennt. Marseille, 2. October. Ueber Einzelheiten der angeb- ltchen Verschwörung gegen den italienischen Eon,- sul verlautet, M von den Verhafteten einer wirklich Anarchist ist- daß die übrigen eS sind, ist nicht erwiesen. Von einer Verschwörung ist bisher keine Spur entdeckt, die Untersuchung wird eifrig weitergeführt. Dem Justizminister, welcher Nachts Marseille passtrte, wurde über die Angelegenheit Bericht erstattet. London, 2. October. Nach einer Meldung des Reuter- schen Bureaus aus Tientsin von heute verlautet dort, daß eine japanische Flotte am 28. September 10 Meilen von Shan-Hai-Kwan, daö etwa 200 Meilen von Peking entfernt liegt, gesehen worden sei. Große chinesische Streitkräfte seien in diesen Tagen dorthin gesandt, um eine Landung zu verhindern. Nach einer amtlichen Depesche sind fünftausend Japaner in der Nähe der Poffiet-Bay an der russischen Grenze angekommen. Athen, 2. October. Meldung des Bureau Reuter. Nach einer authentischen Nachricht aus Konstantinopel ist daselbst die CH o le r a ausgebrochen. ES sind bereits mehrere Todesfälle vorgekommen. Newyork, 2. October. Nach einer Depesche des „World" auS Caracas sind in Valencia durch die Wasserhose 150 Personen getödtet worden. Der Schaden werde auf 400,000 Dollars geschätzt. Washington, 2. October. Dem Vernehmen nach übergab der deutsche Botschafter am 28. August dem Staatssecretär Gresham eine Protestnote gegen die Tarisklausel, durch die ein Extrazoll von Vio Cents per Pfund auf Zucker aus den Ausfuhrprämien zahlenden Ländern gelegt wird. Die Note stützt sich darauf, daß die Tarisklausel, weil sie eine Differenzirung enthalte, eine Verletzung des bestehenden Ver- tragsverhältniffes sei. Die Angelegenheit bildet den Gegen» stand von Verhandlungen zwischen dem Staatssecretär und dem deutschen Vertreter. Shanghai, 2. October. Reuter-Meldung. Die fremdenfeindliche Stimmung in Peking nimmt zu. Die kaiserlichen Behörden finden eS schwierig, den Ausbruch von Unruhen zu verhindern. Die leitenden Persönlichkeiten in Peking fürchten, die Stadt werde im Falle des Vorrückens der Japaner eingenommen werden, da den Soldaten infolge der Unzufriedenheit mit dem bestehenden Regime nicht zu trauen ist. Yokohama, 2. October. Reuter-Meldung. Nach den letzten Berichten ist die japanische Armee in Korea, welche nach der Schlacht bei Pingyang nordwärts marschrrte, in Antsju eingetroffen. Die erste Colonne rückte bis Congju und Kusong vor, die dritte und fünfte Division wurden in Pingyang zurückgelaffen. Darnach ist das Gerücht von einer Niederlage der Japaner bei Antsju unbegründet. WB. London, 3. October. Reuter-Meldung. Der Minifterrath wurde für morgen plötzlich einberufen. ES verlautet, Harcourt und der Kriegsminister, welche kürzlich nach Paris abreisten, seien zurückberufen, Rosebery aus Schottland zurückgekehrt. Einigen Blättern zufolge wären Meinungsverschiedenheiten mit Frankreich die Ursache, was jedoch noch unbestätigt ist. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes ndjmtn Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Depeschen der Bureau .Herold'. Berlin, 2. October. Heute ist Reichskanzler Gras Caprivi nach beendetem Urlaub wieder in Berlin eingetroffen. Berlin, 2. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet zur Krankheit deS Czaren, daß in hier eingelaufenen zuverlässigen Berichten der Behauptung, die Krankheit deS Czaren trage einen bcsorgnlßerregenden Character, widersprochen wird. Berlin, 2. October. Die Fahrt der Ostpreußen zum Fürsten Bismarck nach Varzin ist auf daS Jahr 1895 verschoben worden. DaS Comito bleibt bestehen. Berlin, 2. October. Die „Post" schreibt zu den Der- Haftungen der Oberfeuerwerkerschüler, daß es sich thatsächlich nur um einen unüberlegten Streich handelt, welcher allerdings sehr streng bestraft werden dürfte. Sie bedauert, daß die „Kreuzzeitung" gestern aufgebauschte Dar- stellungeu über diesen Fall veröffentlichte, welche völlig werthloö sind, so lange nicht durch die Untersuchung volle Klarheit geschaffen ist. Das Ergebniß der Untersuchung soll veröffentlicht werden. Berlin, 2. October. Auf die vom Magistrat in Stettin an den Kaiser ergangene Einladung, der Enthüllung deS Kaiser Wilhelm I.- und Kriegerdenkmals beizu- wohnen, hat der Monarch sein Erscheinen zugesagt und die Einweihung auf den 1. November festgesetzt. Berlin, 2. October. In der heutigen Verhandlung gegen den Chefredacteur der „National-Zeitung", Köbner, und den Redacteur des „Vorwärts", Pötzsch, wurden beide Angeklagte wegen Beleidigung deS LandgerichtSdirectors Brause- Wetter, begangen in Berichten über den sogen. Gummischlauch' Proceß, zu je 600 Mark Geldstrafe verurtheilt. Berlin, 2. October. Der Assistent des Hygienischen Instituts in Hamburg, Dr. Oertel, soll an asiatischer Cholera gestorben sein. Der junge Arzt führte Experimente mit verseuchtem Wetchselwaffer, welches zahlreiche Cholerabacillen enthielt, aus. Ein Tropfen soll ihm dabei auf die Lippen gespritzt sein. Sofort angewendete DestnfectionS- mittel erwiesen sich als vergebens. Kurz nach der Erkrankung fiel Oertel der Seuche zum Opfer. Frankfurt a. M., 2. October. Die „Franks. Ztg." hört von durchaus zuverlässiger Seite, daß der Czar auf seinen Wunsch hin von der Natur seines Leidens unterrichtet worden sei. Der Czar sei zwar sehr von Kräften gekommen, jedoch nicht in dem Maße, wie vielfach angenommen werde. Köln, 2. October. Der „Köln. Ztg." wird zu den Verhaftungen in der Berliner Oberfeuerwerker, schule von unterrichteter Seite gemeldet, daß sich schon früher in dem Corps der Oberfeuerwerkerschule widerspenstige Elemente zeigten, welche auf den Geist der jüngeren Schüler einen üblen Einfluß ausübten. Der Vorfall werde vielleicht dazu führen, mir der Centralisirung der militärischen Institute in Berlin zu brechen. Die Untersuchung soll übrigens rasch zu Ende geführt werden. Dortmund, 2. October. Gegen 9 Uhr fand hier ein heftiger Erdstoß in den westlichen Sradttheilen statt. Die Zechen und Hütten erlitten hierdurch keinen Schaden. Graz, 2. October. In der Ortschaft Gösting wurde durch Hochwasser großer Schaden angerichtet. Sämmt- liche Brücken, Stege, Dämme und Schleusen wurden zerstört. Die Häuser stehen unter Wasser- das Elend ist groß. Belgrad, 2. Oclober. Während der Abwesenheit des Königs übernimmt die Gesammtregierung die Regentschaft- eine diesbezügliche Proclamation wird demnächst erscheinen. Antwerpen, 2. October. Heute Nachmittag um 2 Uhr erschienen der König und die Minister in der Weitaus- stellung, um die Preise zu vertheilen. Nach einer Rede des Handelsministers wurden die Namen der preisgekrönten Aussteller verlesen. Zuerst kamen die Deutschen. Die 727 deutschen Aussteller erhielten insgesammt 706 Preise, davon 27 große Preise, 10 hors concours, 52 Ehrendiplome, 182 goldene Medaillen, 205 silberne Medaillen, 167 broncene Medaillen, 63 lobende Erwähnungen. Die 271 englischen Aussteller erhielten 333 Preise (Einzelziffern in der eben angegebenen Reihenfolge: 21—2—42—105—79—46—38), die 214 österreichischen Aussteller 168 Preise, 167 ungarische Aussteller 48 Preise, 4134 Belgier 2470, 3559 französische Aussteller 2783, 153 Italiener 157, 372 russische Aussteller 232, 40 türkische 37, 14 Schweizer 12, 386 Holländer 328, 266 amerikanische Aussteller 122 Preise. London, 2. October. Nach einer Mittheilung der „Central News" herrscht eine grenzenlose Verwirrung in all«n chinesischen Departements. Nicht nur, daß den Truppen Bekleidung, Waffen und Munition fehlen, auch die DlSciplin ist in Gefahr. Selbst blc vielen Hinrichtungen, die täglich statt- finden, schüchtern blc Truppen nicht ein. In traurigem Zustande ist ber Rest ber bei Ping Uang zersprengten Armee in Mnkbcn eingetrvsten. Gerüchtweise verlautet, baß 36000 Japaner zwischen Tientsin nnb dem Hoangho gelandet sind. Monbon, 2. October. Auö Tokio wirb gemeldet: 29 Kolonnen ber siegreichen japanischen Armee baden aus ihrem Marsche nach dem Norben alle festen Plätze an ber Grenze besetzt, ohne baß ihnen irgendwelcher Widerstand entgegengetreten wäre. Das Gros folgt den Borposten ziemlich rasch, trotzdem da- Borwärt-dringen wegen der Ber- proviautirung und he« Transportes der Artillerie mit vielen Schwierigkeiten verknüpft ist. Die Japaner sanden auf ihrem Wege keine fliehenden Chinesen, doch viele fortgeworfene Massen nnb eine Anzahl völlig niedergebranuter Dörfer. Welches sind die erzieherischen Ergebnisse des Handfertigkeits-Unterrichts im Besonderen? 1. Die Handarbeit entwickelt neben den Turnen blc körperliche Kraft, Gewandtheit und Anstelligkeit deö Knaben I und macht ihn durch heilsamen Wechsel der Thätigkeit widerstandsfähiger gegen die rein geistigen Anstrengungen. Sic beeinflußt die physische Entwickelung ber Zöglinge insofern, als sie mannigfaltige s körperliche Bewegung fordert und im Gegensatz zu der Gehirnarbeit eine vielseitige Muökelthätig- kett hervorruft. — 2. Der Arbeit« Unterricht entwickelt durch vielseitige Schulung in der geschickten Führung der gebräuchlichsten Werkzeuge die allgemeine Handgeschicklichkeit. — 3. Er erzieht, indem er ihren häusigeu Gebrauch fordert, die Sinne des Kindes, vornehmlich entwickelt er zusammen mit dem Zeichenunterrichte die Fähigkeit des AugeS, scharf und richtig zu sehen. Er bildet die Anschauung, lehrt da« Kind beobachten und gibt ihm Gelegenheit, eigene Erfahrungen zu machen. Hiernach ist der ArbeitS-Uuterricht am nächsten mit bem Turnen, Zeichnen und mit dem eigentlichen Anschauungsunterricht verwandt. Durch ihn wirb aber die von Pestalozzi geforderte Anschauung intensiver gestaltet, sie wird bis zu ber mit jeder practischcn Arbeit ««trennbar verbundenen Erfahrung weitergeführt. Der ArbeitS-Unterricht ist gleichsam ein gesteigerter Anschauungsunterricht- bei ihm kommt daS Kind vom Beobachten nicht loS, denn die praktische Arbeit ist ohne Sehen, ohne stetes Beobachten ganz unmöglich- er erzieht also nicht durch da« Wort, souderu durch die That. 4. Der ArbeitS»Unterricht entwickelt dcn Formensinn und daS Wohlgefallen am Schönen, er legt den Grund zur Bildung des Geschmacks. — 5. Er bient aber auch uumittelbar ber geistigen Ausbildung. Da er nämlich Einsicht und klares Berständniß für blc zu lösenden Aufgaben unerläßlich macht, so schärft er die Aufmerksamkeit und übt im folgerichtigen Denken. Er- erweitert durch mannigfache Erfahrungen immciit- Uch die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse deS Schülers und entwickelt blc Fähigkeit, praktische Dinge zu becirtheileu. Auch insofern steht die erziehliche Hanbarbeit im Dienste ber Geistesbildung, als sie manche unklaren Borstellungen, welche vom theoretischen Unterricht her geblieben sinb, aufhcllt. Dies geschieht namentlich dann, wenn solche praktische Arbeiten hergestellt werden, welche mit bem Schulunterrichte in Beziehung stehen, indem sic die im Unterrichte entwickelten Begriffe praktisch darzustellen nöthigen. (Beziehungen zur Planimetrie, Stereometrie, zum Rechnen, Zeichnen, Anschauungsunterricht, zur Culturgeschichte, Naturbeschreibung, Geographie, Physik und Chemie). tt. Die Handarbeit leitet den SchasienStrieb in richtige Bahnen, führt zur Freude am Arbeiten und über daS Gearbeitete, gewöhnt zu sorgfältigem Ausführen der ArbeltS- aufgaben mib erzieht dadurch zum Fleiß und anderen »vlrth- fchaftlichen Tugenden. So schult sie die WilleuSkraft für daS Handeln und bient ber Entwicklung fester Eharaetere. Indem der Arbeits-Unterricht den Knaben nllthlgt, physische Schwierigkeiten zu überwinden, fordert er seine Willen»- krast heraus und entwickelt sic durch die stusenmäßige Bewältigung aller nacheinander auftretenden Hindernisse, blö blc Anspannung der Energie durch die schließliche Erreichung des Zieles, der fertigen Arbeit, Ihre glückliche Lösung findet. In der Leitung deö kindlichen ThätigkeitStriebeS und in ber Erziehung des Willens ist die wesentlichste Eigenschaft und die vornehmlichste Bedeutung deS ArbcitS-UnterrichtS gegeben. Höchstens könnte ihm hierin das Turnen an die Seite gesetzt werden. Während aber das letztere die Willen»» euergie auf kurzdauernde Leistungen zusaunnenrasit, sie gleichsam zur explosiven Wirkung bringt, verlangt der Arbeit» Nnterricht die Anipanuung des Willens auf längere Dauer - bei ihm schließt sich ein WlllenSact an den anderen und dadurch wird die Stetigkeit, die nicht zu erschlassende Zähigkeit des Willens hervorgerufeu. Jede vollendete Arbeit ist aber daun ein Sporn zu neuem kräftigem Streben. Mit dem Können wächst die Freude am Schaffen, damit aber entwickelt sich die Thal- kraft, die characterfeste Selbständigkeit. Niemals kann ein fester Wille durch Worte ausgeredet werden, er vermag sich nur durch daS Handelu zu entwickeln. Deswegen muß ber Arbeit» Unterricht allein schon wegen der Dienste, die er der Wlllendblldung lelftel, gefordert und gefördert werben. Cocafc* tttr- Heovittzlelles. Meßen, den 3. Oktober 1894. ** Ernennung. Seine Königliche Hoheit der G roß- Herzog haben Allergnädlgst geruht, am 23. September den Weinbaulehrer Emmerich Mayer aus Berneastel a. d. Mosel zum Direktor ber Wein- und Obstbauschule 311 Oppenheim, mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. au, zu ernennen. - Sitzung beb Schwurgerichts der Provinz Oderheffeu am 2. Oktober 1894. (Schluß). Charakteristisch waren die , Aussagen der Ehefrau Hof und b et Wittwe Schadt. Ihnen | gegenüber hatte nämlich Frau V-rodcvcndt am Tage der Straskammerverhandluug nach ber.i Schlüsse derselben mit» getheilt, die K»,stein (d. i. die Fra u Pohl) kann jetzt auv- reiben, sie hat drei Tage und die Moftcu gekriegt, die hätte« ihr sechs Woche« gegeben, weun sie gekonnt hätte« und wenn „wir" nicht gewesen wären." Die Ehefrau Hof gewann hieraus sofort den Eindruck, als ob blc Frau Grodcvenbt damit sagen wolle, sie habe der Frau Pohl durch eine falsche Aussage herauSgeholfcn. — Die Geschworene« (Obmann Herr L)r. A«gust Trapp) ko»,Uten sich von der Schuld btt Angeklagten nicht überzeugen, woraus auf ihr „Nichlfchuldig" Freisprechung der Angeklagten erfolgte. *• Sitzung de« Schwurgericht« der Provinz Oberheffeu am «. Oktober 1894. Zur Berhandlung kam heute hie Strafsache gegen Ea6par Berk von Stockhausen Wege»» Verbrechens wider die Sittlichkeit. Die Anklage vertrat der Grvßh. Staatsanwalt Sch Illing-Trygopyvrus. Die Bertheldigung des Angeklagten führte Herr RechtSanivalt Ile. Schwarz. Als Geschworene wurden anSgeloost die Herren: Johannes Heinrich Jhring, Jacob Wilhelm Lemp, Wilhelm Schwenk 111., Philipp Blecher 11., Wilhelm Reichert I., Kreutzer Hl., Wilhelm Grieb !!., Simon Bieber, EaSpar Kalbfleisch II., Oberförster Bücking, Anton Romps VH. und Heinrich Schmalbach IV. Der 28jährige Dieustkuecht Caspar Berk von Stockhausen ist eine« Verbrechens im Sinne deö § ' 77 deö Strafgesetzbuchs augeklagt. Die Verhandlung sand unter Ausschluß der Ocsfentlichkeit statt. Nachdem die Geschivorenen (Obmaun: Herr Obersörster Bücking) daö Gchiildlg bezüglich Verliichö deö Verbrechens im Sinne bcü § 177 deS Strafgesetzbuchs ausgesprochen, wurde Angeklagter in eine Gesängntßstrase von neun Monaten vcrnrthellt. H. Neue« Theater. Vor schwach besetztem Hause gab man gestern Abend Steillemanuö Schwank „Medicinische Citren". Ein harmloses Stück, das gerade so gut jeden beliebigen andere»» Titel führen könnte, erfüllte eü seinen Zweck, einen Abend angenehm atlözufüllen, vollkommen. Mit der Wiedergabe waren wir im Allgemeinen recht zufrieden. Wenn eine neue Trtippe zusammengetrete», ist, bedarf eS erst einiger Zeit, ehe sich die einzelnen Mitglieder „auseinander eingespielt haben", wie man zu sagen pflegt. Das war auch heute ein wenig fühlbar - aber mir sind weit davon entfernt, Regie oder Mttwlrkelideu hieraus einen Vorwurf mache»» zu wollen, denn wir sind überzeugt, daß bei den fluten Anlagen, die wir bemerkt haben, in kürzester Zelt ein flottes Zusammenspiel 311 Stande kommen wird. Die Leistungen im Einzelne»» Ware»» zwar nicht immer einwandfrei, doch »nüsie»» wir auch hier bei» neuen Verhältnisse» Rechnung trage»«. Herr und Fran RcinerS sinb unS ja längst keine Fremden mehr- wir freuen UNS, feststellen z»» können, daß sie sich die guten Elgclischasen bewahrt haben, blc Ihne»» so schnell blc Gunst be« Publikums errungcu. Herr Retnerö war in MaSke und Spiel mit seinem warnlei« voi» Herzen koimnenden Hillnor ein trefflicher Gutsbesitzer Matteuklott und Frau R ei nerS entzückte wie immer burd) Ihr frisches Spiel - sie war heute ein reizeuder Backfisch. Von bei» übrigen Mtt- wirkeuden müssen iviv besonders Herrn Hacke r als Caudidat Flügge lobend erwähnen. Alle anderen Rollen waren in fluten Händen, doch wäre im Allgemeinen langsameres und deutlicheres Spielen oft sehr z»» wünschen gewesen. Dem Souffleur müssen wir noch a»«S Herz legen, nicht zu „vorlaut" zu sein. Für heute niögen diese allge»neiue»» Bemerkungen genüge»,, wir werde», im Laufe deS Winters Gelegenheit haben, a»»f die Leistungen der einzelnen Glieder des EnseuibleS näher etuzugehen. Dem Gießener Publikum aber möchten wir schon jetzt die llnterstützung des ReincrS'schen lluternehmenS warm empfehlen. Wir gla»iben versichern zu dürfen, daß wir einer genußreichen Spielzeit entgcgengehe«. ♦* DaS Kruse fche Streichquartett, welches am Donnerstag Abend (4. Oclbr.) feine letzte Ouartctt-Soiree auf dem Lahustein eröffnet, erntete in verfloffener Woche in Wetzlar, woselbst es tm dortigen „Casino" spielte, reichen Beifall. Die „Wetzl. Nachr." berichten darüber u. A.: Kein geringerer als Beethoven eröffnete mit seinem F-dur-CUmrtett die Reihe der Tonstücke. Die Wiedergabe dieses echt Beethovcn'schc»» Geist athmenden Werkes war ohne jede Einschränkung eine ausgezeichnete. Daö kurze, rhythmisch eigenartige Thema, auS deut sich der erste Satz aufbaut, hob sich in allen Stimmen klar und scharf begrenzt hervor, ebenso wurde das Adagio sehr innig und gesühlvoll vorgetragen, namentlich leistete hier das Cello Vorzügliches, indem eS die eigenthüm' llchen Durchguerungcn und Gegensätze zu den gesaugreiche»» Viollneu wirksam und edel markierte. Auch daS neckische Scherzo und der feurige Allegro-Schlußsatz nmvbc»» von den Küustier»» knapp und markig aus iesührt. Eine glänzende Blrtuosenleiftung bildete das Cello-Solo: 0 Cara memoria von Servals, den» der Vortragende eine ebensolche, Schweizer» lied von C. Coßmaun, auf Verlangen als Zugabe folgen ließ. DaS Vtollnsolo: Concert Nr. 8 von Spohr, mit seiner süßen Cantileuc fand gleichfalls beifällige Aufnahme und hatte als Zugabe ein Nocluruo von Chopin im Gefolge. ES dürfte somit allen Liebhabern feiuste»! klassischen Kammer styl» in dem Kammerumsikabend der Familie Kruse em Kuustgeliuß seltener Art geboten worden fein. ** Gebrauchsmuster - Eintragung. BentllationSa»ilage für Wohngebäude re., gekennzeichnet durch Lnftkauäte an den Zwticheudecken, mit burchbrocheneu Wänden, Ludwig Sculiug. Gießen, 25. .Juli 1891 ** Sonntagsruhe in den Anwaltbnreaur. Auf der Tagesordnung der nm 6. d. in Darmstadt ftaitfiudendeu Jahre»- Versammlung der Anwalikatntner steht außer der Berichterstattung über Verlauf nnb Beschlüsfe deS AnwalttageS zu Stuttgart die Einführung der Sonntagsruhe für die Anwalt- Bureaux. ** Für 0 Züge mit tarifmätziger Plahgebühr. Sv lautet j letzt der Aufdruck auf den Fahrkarte«, die bisher nur mit dem Vermerk „Giltig für alle Züge" versehen waren und die auf de», Strecke», beiiutzt werden, aus denen D-(Har- monlka-)Züge verkehren. Damit ist der Streit auö der Welt geschafft, ob blc bisherigen Fahrkarten mit dem Aufdruck „Giltia für alle Züge" auch zur Benutzung der Durch- gangSzüge ohne Zahlung der Platzgebühr berechtigten. Die Eisenbahnverwaltung fordert bekanntlich Platzgebühren, und blc Gerichte, die über diese Anordnung der Verwaltung in Anspruch genommen wurden, entschieden theilS für, theilS gegen die Kläger. Vo», jetzt ab brauchen sich die Gerichte mit dieser „Doctorsrage" nicht mehr zu beschästlgeu, denn die Karten mit obigem Vermerk verpflichte», natürlich tarifgemäß zur Zahlung ber Platzgebühr. ** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Dlenstknca^ Jakob Graf auö Alteubach wegen Diebstahls vom AmtSann,'alt Zwingenberg - Taglöhner Johanne- Schneider aus Dorf-c^^ wegc», Betrugs vom Amtsanwalt Gießen, Holzschneider Vlcto? Sief ert aus Oberst»,kcnbach wegen Körperverletzung und y^chard Weiß, Dienstknecht aus Hohenstein, wegen Körperletzung/ beide von der Staatsanwaltschaft Darmstadt. ** Da« Bundesamt für bad' Hkimathwesen hat in mehreren am 29. September b. I. verhandc '"en Streitsachen über die auch tu der Presse mehrfach erörterte Frage entschiedeu : ob den Vorschriften der Novelle zum lt 'llerstUtzmigSwohnsitz- Gesetz, durch welche die Altersgrenze für ^en Erwerb und Verlust deS UuterstützungSivohusitzeS von, au' oas 18. Lebensjahr herabgesetzt worden, rückwirkende' zulegcn sei? Daö Bundesamt hat die Frage ii?1 ^tinclp bejaht, jedoch mit der Einschränkung: daß, insoweit e6 nm vor bem 1. April 1894 (dem Tage, an welche»,^ Novelle in Kraft getreten ist) gewährte Unterstützung^ hmidelt, das alte Recht zur Anwendung kommt. Dasselbe gilt für alle vor dem 1. April 1894 begonnenen und über diesen Zeitpunkt hinaus fortgesetzte», Pflegesällc. Im übrige», dagegen, b. h. bei allen erst nach bept 1. April 1894 eingetretenen Untcrstützungöfällc7,, für blc Frage beS Unterstützungswohnsitzes der Aufenthalt oder die Abweseuheit uach volle»,detern 1/3. Lebensjahre auch insoweit in Betracht zu ziehen, al» der Aufenthalt oder die Abwesenheit vor bei, 1. April 1894 stattgefunden hat, eS sei beim, baß Aufenthalt ober Abwesenheit in blesem Zeitpunkt nicht mehr bestand. ** Zur Warnung. Ein langwieriger Proceß^ seit 1890 spielend, ist jetzt zu Eude geführt worben. Ein tu der 9cähc Weimars »vohnenber Rittergutsbesitzer hatte von einem Großhändler „keimfähige»' Samen" gekauft, jedoch er wleü sich derselbe alö nicht kelmsähig, indeu, nicht ein Korn aufging. Vo», dein Gericht, bei dein Käufer Klage crhobeir halte, Ist jetzt daS Handllmgöhauö zu bcu Kosten und zu einem Schadenersatz von 1800 Mark vcrnrthellt worden. Ma», steht hieraus, wie nothwendig eS ist, die Samenproben bei einer landwirthschaftlichen Versuchsstation untersuchen zu laffeu l ** Blumeupflege in Ar-riterfamilieu. In Darmstadt werden alljährlich eine größere Anzahl Pflanzen an Arbeiter- famlllen auögegeben, denen dann je nach ber von ihnen auf die Pflege ber Blumen verwendete», Sorgfalt Prämie», gc- flebc« werben. Die bleöjährige Ausstellung der im Juni auSgegebeneu Pflanzen sand am 30. September in der KnabenarbeitSanstalt dortseldst statt. ES waren von 900 auSgegebenen Pflanzen je 3 Stück an eine Familie — 1 Aputilon, 1 Begonia und 1 Fuchsie — 314 Pflanzen vow 72 Aussteller», abgeliefert worden und waren dieselbe», mit wenig Ausnahmen im Ganzen gut gepflegt. Von den Herren Preisrichtern konnten 14 mit ersten und 20 mit zwelien Preisen prämiirt werden, während die anderen für ihre Mühe mit einem Blumcnprcife belohnt wurden. Die ganze Einrichtung hat sich wiederum als eine sehr schöne erwiesen, und dürfte dieselbe allgemeiner Verbreitung zu empfehlen sein. ♦* Die Zeltausrüstung der Iufauterie hat sich in den Manöver« wieder ausgezeichnet bewährt. Die aus braunem wasserdichtem Stoff bestehenden Zelte sind nicht spitz, sondern haben ungefähr daS Aussehen eines Planes über einen Wagen und werden für gewöhnlich so gebaut, daß jeder Zug einer Compagnie, iu» Frieden 30—40 Mann, geschlossen in einem Zelt liegt- bei einem Aufbau für die drei Zelte der ganzen Compagnie erhält daS Zelt die Form eines nach einer Seite hin offenen Viereck» oder auch eines Kreises, so daß auch bei einem Allarm bei Nacht die Compagnie schnell geschloffen ist. Aeußcrst zweckmäßig ist auch die Einrichtung, baß selbst die kleinste im Borpostendienst biwakirende Abtheilung, ein llnteroffizierposte», von sechs Mann, sich ci», Zelt bauen kann, da zu diese»« nur fünf Zeitstücke nöthig sind, »im für diese sechs Mann ein nach allen Seiten abgeschloffenes Obdach zu geben. Welchen große», Nutzen die Zeltausrüstung für den GeslindheitSzustand von Truppen hat, die längere Zeit zu biwakire», gezwungen sind, liegt auf der Hand- um so mehr werde», sich die Vorthcile Herausstellen, wenn sich die Kriegführung in wenig bevölkerten Gegenden bewegen sollte, in denen die Ortschafte», «»eilenweit zerstreut liege»,. *♦ DaS Kitzeln mit Pfauenfeder», da» sich seit einigen Jahren bei manchen Veranstaltungen breit macht, führte dieser Tage drei Angeklagte vor da» Schöffengericht zu Frankfurt. Auf der Rückkehr vom Forsthause am „WäldcheStag" machte einer der Angeklagten sich den „Scherz", die Frau eines Bockenhelmer Einwohner», der mit seiner Familie nnb zwei befreundeten Mädchen vorbclglng, im Gesicht mit einer Pfauenfeder zu kitzeln. Der Mann schlug ihm mit seinem Stock auf die Hand und es entwickelte sich bald eine Schlägerei, im Verlauf derselben der Bocke»,Heimer Mann verletzt wurde. Da» Gericht sieht bk Schuld ber Angeklagten als erwiesen an. Das Kitzeln mit der Pfauenfeder sei eine grobe Injurie, der Bockenhelmer daher zur Abwehr befugt gewesen. Zwei junge Leute seien unter Annahme mildernder llmstäude wegen ihrer llnbescholtenhcit z« drei Woche», Freiheitsstrafe, einer zu 20 Mark Geldstrafe jx bcYurthcilcn. § «b8 dem Ohwthsl, 2. Oktober. Wenn immer im Herbste sich die l andwirth sch aftli che n A rb eiten stark häufen, so hat diese Anhäufung im jetzigen Herbste einen Grad erreicht, der ihre Erledigung nur bei jetzt anhaltender günstiger Witterung erwarten läßt, ander- aber in Frage stellt. Obwohl die Kornsaat, die sonst um diese Zeit beendigt, un- bedingt in Angriff genommen werden mühte, ist eS dem Landwtrth unmöglich, Korn zu säen, weil die Ackerfelder durch da- fortwährende Regenwetter so aufgeweicht sind, daß man fugtief darauf einflnkt. Selbst auf trockenen Lagen trifft man da- Nasser in Pfützen stehend an. So vermag der Landwirth nur die Stoppelfelder zu pflügen, um nicht ganz zum Feiern verurtheilt zu sein. Auch die Kartoffeln müßten aus der Erde, a-er Niemand kann oder mag sie au- gleichem Grunde auSmach.-n, da zudem ein nasse- Einthun der Kartoffeln in die Keller der Fäulniß der Knollen noch Borschub leistet. Da« Grummet, welches Nachzügler noch auf den Wiesen liegen haben, ist verfault oder nur zur Streu noch verwendbar. Wohl trocknet die seit einigen Tagen wehende Ostluft recht gut, um aber eine solche Bodennäffe, wie sie die letzten Niederschlage wieder herbeigefllhrt, wirksam zu beseitigen, gehört Sonnenschein, und dieser mangelt leider. — Während die Feldarbeit ruhen muß, hat man vollauf mit dem Einernten des Obstes zp thun. Wohin man in die Ortschaften blickt, gewahrt man die Honigkeltern und die Obstdörren in Thätigkeit. Eine solche Menge Honig, wie sie in diesem Herbste in allen Familien berritet wird, herzustellen, ist man selten in der Lage. Daö Obst, wie Birnen und Zwetschen, sind zu einem solch billigen Preise erhältlich, daß eine Familie nur klug handelt, wenn sie sich in Dörrobst und Honig einen Borrath bereitet, der über da- I nächste Jahr hinau-dauert, da jedenfalls in diesem nicht wieder I ein solcher Obstseaen stattfindet. pcrinischte». * «sie», 1. October. Bon dem flüchtigen Postkassirer Robert Graicheo, der 30,000 Mk. Postkaffengelder unter» sch^gen hat, fehlt noch jede Spur. Die kaiserliche Post, direction in Düffeldorf hat die Belohnung auf Ergreifung de- Flüchtling- auf 1500 Mk. erhöht. * «refeld, 29. September. In einem Bauernhöfe in Anrath, zwei Stunden von hier, wurde in vergangener Nacht ein Raubmord verübt. Zwei Personen wurden ge« tödtet, drei schwer verwundet. * Trier, 2. October. Der Ackerer Thielen an-Schönfeld wurde heute vom Schwurgericht wegen Verleitung zum Kindermord zum Tode verurtheilt. * ^berstet», 1. October. Heute früh wurde eine ganze Familie, bestehend au- Frau Anstreicher Brinkmann, ihrem Bater und zwei Kindern, mit (Zyankali vergiftet ge- funden. Der Gatte soll gestern unter Mitnahme von Geldern entflohen sein. * «iSleben, 1. October. Da- am Breitenweg gelegene Haus des Kammmachers Stolze gelangte zur Zwangsversteigerung, eö wurde für 160 Mk. verkauft. Auf dem Hause ruhen 13,000 Mk. Hypotheken. Da die Gericht-, kosten 137 Mk. betragen, so erhält der erste Hypotheken- gläubiger für seine 8000 Mk. ganze 23 Mk. Das Hans war durch die Erderschütterungen vollständig gesprungen. * BreSlau, 2. October. DaS Posener Schwurgericht vcr- urtheilte den Arbeiter Rybak wegen Lustmordes an einem Knaben zum Tode. 1 rcirchlicheAnzeigen-erevang. Gemeinde. Angehörigen der Eonfirmanden auß der Matthiiu«. und J 2 5ln?C werden gebeten ihre Kinder bet dem Geistlichen r* ®iIo9,er' Kirchfir. 1. Psarroerw Dr. Wrdn, mVit C nfl°^c t8) ium Eonfirmandenuni,reicht anzmncldcn. An- Meldungen wc>den entgegengenommen Mittwoch den 3. und Donner«. »Attaa? n’n TT.1 ,n d-n Stunden von 111 Uhr Mittag« und 6—7 Uhr Abend« Schlosser, vr Grein «nrnui Angehörigen der Konfirmanden au« der Luka«, und der ^d/^^Ttnde werden gebeten, ihre Kinder am Mittwoch oder am WhÄ fn ler, Aschen H-1 Ubr Mittags oder 6-7 Uhr Abend« in der Pfarrwohnung - Göthefiraße 44 - anzumelden. _____Pfr- Dtngeldey. Schiffsnaehvichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Ker F Loo« und I. M. Schulhof. ' 7 „ lVer transatlantischen Telegrapb.] SiüfrfS? TP!er »be' 6flp,,an K v. Gössel, vom Norft' LuEschm Moyd in Bremen, welcher am 22. September vor' in 2 Ni.September von Southampton abgegangen war, veute 4 Ubr Nachmittag« wohlbehalten in Newyork angekommen. aa 2 Erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck« l? t f 01 g ÄÄÄÄÄ durch AnnontrnWä’sj: » ■ - man sich an die Annoncen expedition BndolffflöMe, Frankfurt a.M., und Mannheim: von dieser Firma werden die zur Erzielung eine« Grfolacü erforderlichen AuSktin te kosten, src, ertheilt, sowie Inseraten Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnet w"°EN lediglich die Oriqmal-Ze,lenpreise der Zeitungen unter Bewtlli. gung höchster Rabatte bei grdheren Aufträgen, so das, durch Benutzung diese« Jnstituteü neben den sonstigen großen «orthetlen eine Crsvarntß an JnseratwnSkosten erreicht wird. Bertreter am htcsigen Platz: Heinrich Wallach, Kaufmann Bekanntmachung, betreffend die Jnvaliditäts- Und Altersversicherung der fog. unständigen Arbeiter (Taglvhuer, Wäscherinnen, Bügle' rinnen, Nähterinnen re.). Die rubr. Versicherten sind verpflichtet, innerhalb der letzten 7 Wochen tagen eine« jeden Monats ihre Quittungükarten zum Zweck der (Son* trole über die richtige Beitragsentrichtung der Hebestelle vorzulegen. Da dieser Vorschrift von einer Anzahl unständiger Arbeiter und Arbeiterinnen immer noch nicht pünktlich nachgekommen wird, bringen wir dieselbe unter dem Anfügen hiermit in Erinnerung, daß Zuwiderhandlungen nach § 126 des Neichsgesetzes vom 22. Juni 1889 mit Geldstrafe bis zu 300 Mark geahndet werden können. Diejenigen Versicherten, welche nachweisen, daß sie die Beiträge für einen oder mehrere Monate im Voraus entrichtet haben, sind von dieser Verpflichtung, für die Dauer dieses Zeitpunktes, ausgenommen. Gießen, den 1. October 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 8121]_________________________Gnauth.______________________________ Ersatzwahl zur Gemeindevertretung der Lukasgemeinde. Die nothwendig gewordene Wahl von fünf Ersatzmännern an Stelle der im Laufe der letzten Zeit weggefallenen Gemeindevertreter soll am Donnerstag, den 4. October, Abends von 6—8 Uhr im Confirmandensaale der Johanneskirche vorgenommen werden. 8036 Wir laden hierzu die stimmberechtigten Mitglieder unsrer Gemeinde ein und weisen bezüglich der Erforderniffe dec Wählbarkeit und Wahlfähig, feit auf die §§ 13 und 18 der Kirchenverfassung hin. Gießen, 29. September 1894. Der KirchkNMstmid der lukasgemeinde: Dingeldey. Frankfurt a. M.—Bbrrhesfi- scher beM. Bberhrssisch— Hessischer Güterverkehr. Untere Bekanntmachung vom 24. v- M-, betreffend ermäßigte Sähe für Petroleum, und Naphta - Sendungen, lwtrd hierdurch dahin berlchtigt, daß diese Sähe nur in der Richtung von GustavSburg, Mainz- Centralbahnhof und Hafen und Kastel -nach Oberhessischen Stationen Geltung haben. Gießen, den 1. October 1894. Großh. Direktion der Oberhessischen 8138__________Eisenbahnen.__________ Köln (linKsrh.)-Bberhksiischer Güterverkehr. Mit dem heutigen Tag tritt der Nachtrag l zum Tarif für vorbezeichneten Verkehr in Kraft. Nähere Auskunft ertheilen die Güterabfertigungen. Gießen, den 1. October 1894. 8137 Großh. Direction der Vberhesfischen Eisenbahnen. Zur Saison! Empfehle garnirte u. nngarnirte Damen- und Kinderhntk sowie das Neueste in Sammeten, Federn und Bändern. 8019 K. Weidig, Seltersweg 59. 8H7] Eine Obstkelter, sowie auch ein .junger Ziegenbock abzugeben bei Frau H «ls» LVtw., Schiffrnbergerweg 52. Damen- nnd Kindkrhntc in neuesten Fatous werden rasch und billigst fa^onnirt. <Ä Aangmann Wwe. 8024 Bahnhofstraße 29. [7808] J Danien-,' Herren- u. Kinder- Was eh e liefert in gediegener Auaführung am beeten und biligeton k die Wäaohefabrlk A tilesRen. 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