Mittwoch den 3 October 1894 Nr. 23 t Erstes Blatt. Der Hleßener An»elger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener I-amicienVtätter werden dem Anzeiger «vöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Vierteljähriger -Vonaeme«lspretM r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kenerat-Zcnzeiger. Kchutstraße Kr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblntt für den Tireis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Hratisbeitage: Hieß euer Kamitienbkätter. Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtliche*' Theil. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Chauffirungsarbeiten muß der Theil der Bahnhofstraße längs des Anatomiegebäudes jeweils in halber Breite abgesperrt werden, so daß nur eine Fahrbahn von 3,50 m Breite verbleibt. Die dortselbst verkehrenden Fuhrwerke haben daher diese schmale Strecke „im Schritt" zu befahren bei Meidung der int § 36610 St. G. B. angedrohten Strafe. Die Zu- und Abfahrt zum Bahnhof darf nur von der Liebigstraße und nicht von der Bahnhofstraße aus erfolgen. Gießen, den 2. October 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Verhaftung von Schülern der Oberfeuerwerkerschule. Am Sonntag hat in Berlin eine Mastenverhaftung stattgefunden, die durch die Kreise, zu denen die Betheiligten gehören, das größte Aufsehen über die Grenzen Deutschlands erregen wird. Es sind in der Nacht vom Samstag zum Sonntag über 180 Schüler der Oberfeuerwerkerschule unter militärischem Aufgebot verhaftet und nach Magdeburg übergeführt worden. Natürlich muß dieses Eretgniß, das in der Geschichte der preußischen Armee nur in dem bekannten Graudenzer Vorfall aus dem Anfang der 60er Jahre ein Gegenstück hat, auf das Peinlichste berühren. In Berlin durchschwtrren die abenteuerlichsten Gerüchte die Luft, eS ift daher unmöglich, sich für irgend eins bestimmt zu entscheiden, man muß die Mittheilungen von maßgebender Stelle abwarten. Der „Berliner Localanzetger" meldet: Es sind auf Allerhöchsten Befehl 183 Schüler der Oberfeuerwerkerschule in der Frühe des gestrigen Sonntags verhaftet und von Berlin nach der Cttadelle in Magdeburg unter starker militärischer Bedeckung tranSportirt worden. Es handelt sich um ein schweres Vergehen gegen die DiSciplin und zwar gegen «inen Offizier der Anstalt. Es sollen dem Vernehmen nach sehr häßliche Rufe auSgeftoßen worden sein, als einige Unteroffiziere gelegentlich eines Trinkgelages, daS sie in der Kaserne abhielten, von den Vorgesetzten zurechtgewi'.sen worden sind. Der Urheber der betreffenden Rufe konnte nicht ermittelt werden. ES wurde eine Untersuchung eingeleitet, von welcher der Director der Anstalt seiner vorgesetzten Behörde Bericht erstattete. Dieselbe verfügte hiernach die Mastenverhaftung. Die Verhaftung der Oberfeuerwerker war von langer Hand vorbereitet. Bereits am Freitag war in aller Stille ein innerhalb der Citadelle in Magdeburg belegeneS Kasernement geräumt und für die Ankunft der Arrestanten vorbereitet worden. Ebenso hatte das Eisenbahn-BetriebSamt Berlin- Magdeburg seitens des Ministers Weisung erhalten, einen Sonderzug für die Nacht zum Sonntag zu stellen; zu welchem Zweck, blieb freilich den Bahnbehörden bis zum letzten Augenblick unbekannt. Gegen 1 Uhr Nachts wurde das 2. Bataillon des 4. Garde-Regiments z. F, besten Kaserne unweit der Oberfeuerwerkerschule liegt, durch einen Regimentsadjutanteu alarmirt. Als daS Bataillon angetreten war, wurde es mit scharfen Patronen versehen. Jeder Mann erhielt 15 Patronen zugezählt. Unter dem Commando eines Majors rückte die Mannschaft in größter Stille nach der Oberfeuerwerkerschule ab. Nach der Ankunft daselbst besetzten die Truppen alle AuSgänge des umfangreichen Grundstücks, so daß dieses vollständig von einer Postenkette eingeschlosten war. Während diese Maßnahmen getroffen wurden, lagen die Schüler der Oberfeuerwerkerschule in tiefem Schlafe. Als die Aufstellung beendet war, erstattete der commaudirende Offizier dem Director der Schule Meldung. Dieser ließ sofort die Ober- seuerwerkerschule alarmiren und auf d-n Mannschaftsstuben den Sergeanten und Unteroffizieren des älteren Jahrganges mittheilen, daß sie im Tuchanzuge ohne Seitengewehr auf dem Hofe antreten sollten. Als sie daselbst erschienen waren, wurde die Mannschaftsliste verlesen; cö fehlten zuerst drei Mann, die sich jedoch nachträglich zur Stelle meldeten. Als die Zahl der Anwesenden genau festgestellt war, hielt der Dtrector der Schule, Major v. Stetten, etwa folgende Anrede: „Sie haben sich von diesem Augenblick an als Unter- suchungögefangene zu betrachten. Wer sich den Transporteuren widersetzt, den treffen die schweren Folgen." — Die Begleitungsmannschaften halten Befehl erhalten, sofort auf jeden zu schießen, der etwa einen Fluchtversuch machen würde. Die Transporteure, welche daS Seitengewehr aufgepflanzt hatten, nahmen hiernach die Arrestanten, deren Zahl, wie schon oben erwähnt, 183 betrug, in die Mitte und geleiteten dieselben nach dem Potsdamer Güterbahnhof, wo ein Sonderzug bereit stand; derselbe wurde sofort von den Verhafteten und ihren Transporteuren bestiegen, diese halten den strengsten Befehl erhalten, mit keinem der Verhafteten ein Wort zu wechseln. Um 3 Uhr Morgens setzte sich der Sonderzug in Bewegung und langte gegen 4^2 Uhr Morgens in Magdeburg an. Dort wurden die Arrestanten von zwei Compagnien der Magdeburger Garnison in Empfang genommen und nach der Citadelle übergeführt. Die Arrestanten, denen auch jede Unterhaltung mikeivander aufs Strengste verboten war, befanden sich angeblich in dem Zustande großer Bestürzung. Nach dem „Kl. Journ." bildete folgender Vorgang die Veranlaffung der Verhaftung: Als am SamStag Nachmittag kurz nach dem Appell der Dtrector der Oberfeuerwerkerschule, Major v. S etten, mit einigen Offizieren im Hofe der An- stalr stand und mehrere der Schüler in strengem Tone zur Rede stellte, wurde plötzlich ein Fenster des zweiten Stockwerkes geöffnet und von einem bisher nicht ermittelten Schüler mit lauter Stimme in den Hof gerufen: „Es lebe die Anarchie!" In der kurz darauf folgenden Unterrichtsstunde deS älteren Jahrganges wurden die Schüler über die festgesetzte Zeit hinaus in den einzelnen Sälen festgehalten und inzwischen eine eingehende Revision der Mannschaftsstuben vorgenommen. DaS Ergebniß derselben wurde sosort dem Generalcommando zugestellt und von diesem telegraphisch dem Kaiser nach Rominten mitgetheilt. Von dort aus erfolgte auf dem Drahtwege der Befehl des Kaisers, die Verhaftung des gesammten CötuS vorzunehmen. Zur Vorgeschichte der Verhaftung wurde dem „Kt. Journ." aus zuverlässiger Quelle mitgetheilt, daß zwischen den Schülern der Oberfeuerwerkerschule und der Leitung derselben seit Langem ein wenig erfreuliches Verhältniß besteht. Die hauptsächlichste Veranlaffung zur Unzufriedenheit dürfte in der Verpflegung seitens des Oeconomen Wollermann zu suchen sein. Die Feindschaft gegen diesen ging so weit, daß die Schüler sich darauf beschränkten, nur Speisen bei ihm einzunehmen, sich aber gegenseitig verpflichteten, sämmtliche Getränke von auswärts zu beziehen. Da die Boten der liefernden Händler den Mannschaften nichts in das Kasernementsgebäude liefern dürfen, ließen die Schüler die Bierwagen der Brauereien vor dem Portal halten und nahmen ihren Bedarf kastenweise von den Wagen herunter. Wegen der Anstiftung zu diesem Boycott wurden seinerzeit bereits vier bis fünf der Rädelsführer bestraft. Außerdem glaubte die Mannschaft Veranlassung zu haben, sich über die strenge Handhabung der Hausdisciplin und namentlich über die Beschränkung der Urlaubszeit zu beklagen. Bet der Abführung der 183 Unteroffiziere der Oberfeuerwerkerschule handelt es sich nach einer Meldung des Wolff'schen Bureaus lediglich um ein DtSciplinarvergehen, keineswegs um hochverrätherische Umtriebe oder um eine politische, insbesondere socialdemokratische oder anarchistische Bewegung. Das Vorgehen bestand iv einer Demonstration gegen eine Revision, welche behufs Controle der Lebensführung nothwendig erschien. Um die Rädelsführer und Theilnehmer an der Ausschreitung zu ermitteln, erschien die Jnternirung deS ganzen Jahrganges als die zweckmäßigste Maßregel. Deutsches Reich. Berlin, 1. October. Nach der Heimkehr des Kaisers von seinen jüngsten Manöver- und Jagdreisen dürfte es sich vielleicht auch zeigen, welche practischen Wirkungen seine bekannte Thorner Kundgebung etwa haben wird. Bis jetzt hat sich nach außen noch nicht der Schatten eines Vorganges gezeigt, welcher auf eine schärfere Schwenkung in der bisherigen Polenpolitik der maßgebenden Berliner Kreise hindeutete. Inwieweit nun die zu erwartenden persönlichen Vorträge der Minister beim Kaiser und König in Betreff der Polenfrage eine solche Wendung herbeiführen werden, daS bleibt allerdings noch abzuwarten. Möglicher Weise haben diejenigen Conjecturalpolitiker Recht, welche behaupten, der Kaiser habe durch seine Thorner Rede vorläufig nur eine persönliche Warnung, und nichts Anderes, an die Adreffe des Polenthums bezweckt, und daß vermuthlich zunächst das fernere Verhalten der Polen abgewartet werden solle. Unter diesen Umständen werden die Deutschen in den Ost- marken des Reiches gut thun, nicht allzuviel auf die Regierungshilfe in.ihrem Kampfe mit dem übermüthigen Polen- thum zu bauen, sondern mehr nach dem Grundsätze zu handeln: „Selbst ift der Mann!" Mit Genugthuung kann daher auch nur die jetzt stattgefundene Bildung des Vereins zur Förderung des Deutschtums in den Ostprovinzen, der seinen Sitz in I der Stadt Posen nimmt, begrüßt werden, doch muß man von dem Vereine wünschen, daß er nicht in die Bahnen irgend welcher einseitigen Parteirichtung gerathen möge. — Mit dem Monat October ist die Zeit herangenaht, in welcher die Vorbereitungen für die kommende Wintersession des Reichstages allmählich zum Abschluffe gelangen müssen. Noch im Laufe dieser Woche sollen daher auch die Plenarsitzungen des Bundesrathes wieder ausgenommen werden- unter den Gegenständen der Tagesordnung für die nächsten BundeSrathssitzungen befinden sich, wie verlautet, 8ie Entwürfe, betreffend die Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit in den gewerblichen Anlagen, und betr. die Vornahme einer Berufs- und Gewerbezählung im Jahre 1895. — Die Vorarbeiten zu dem angekündigten Gesetzentwürfe über die Organisation des Handwerkes sind, dem Vernehmen nach, in letzter Zeit derart gefördert worden, daß die Einbringung der betreffenden Vorlage viel- leicht schon in der nächsten Reichstagssession erfolgt. Ausland. Petersburg, 1. October. Allgemeine Thetlnahme weit über die Grenzen Rußlands findet die ernste Erkrankung des Czaren, nachdem an letzterer auf Grund der jüngsten Mittheilungen hierüber nicht mehr gezweifelt werden kann. DaS Hauptleiden des russischen Herrschers besteht in einem Nierenleiden, der sogenannten Brtght'schen Nierenkrankheit, wie von dem zum Czaren berufenen berühmten Berliner Arzt Prof. Lehden in Uebereinstimmung mit dem Professor Sacharjm festgeftellt worden ist. Außerdem soll der Kaiser noch an hochgradiger Nervenschwäche, verbunden mit Blutarmuth, leiden- daß er seelisch lies niedergedrückt ist, erscheint unter den obwaltenden Umständen wohl begreiflich. Jndeffen müffen diejenigen Zeitungsmeldungen, welche den Zustand des Czaren in den dunkelsten Farben malen und von der Möglichkeit sprechen, daß eine plötzliche Katastrophe jeden Tag eintreten könne, als entschieden übertrieben bezeichnet werden, da Leyden und Sacharjin dem Kaiser Alexander die weite Reise nach Livadia angerathen haben. Eine andere Frage ist es freilich, ob der Aufenthalt des Czaren in dem milden Klima der Krim die zu wünschende nachhaltige Besserung in seinem Zustande zur Folge haben wird, anscheinend sind sich die behandelnden Aerzte hierüber selber noch nicht klar. Kaiser Wilhelm soll sich über das Befinden des Czaren täglich Bericht erstatten lassen - mit der Krankheit deS Kaisers Alexander wird auch die plötzliche Abreise des deutschen Botschafters am Petersburger Hofe, Generals v. Werder, nach Deutschland in Verbindung gebracht. Neueste Zlad^rid^en. WolffS tclegraphtscheS Corr ei pondenz-Bureau. Berlin, 1. October. Der „Retchsanzetger" weist gegenüber der Kritik der Ankaufsoperationen der Proviantämter auf die Bestimmungen der Proviantsordnung hin, die Verpflegungsmittel, wenn es irgend möglich ist, von den Producenten und nur ausnahmsweise im Auslande zu kaufen. Es sei jedoch zweckmäßig, bei niedrigen Maispreisen einen Theil des Haferbedarfs in Mais sicherzustellen, um den Pferden eine größere Futtermenge zuzuführen, ferner sei die Beschaffung von ausländischem trockenem hartem Roggen zur Herstellung deS Dauermehls, das in feuchten Jahren im Jn- lande nicht zu erhalten sei, nicht zu vermeiden, werde aber auf das äußerste zulässige Maß beschränkt. Berlin, 1. October. Der bekannte Bankier August Sternberg, der wegen zweier Anklagen, einer geschäftlichen und einer privaten, ins Ausland geflohen war, worauf sein Vermögen beschlagnahmt wurde, hat sich nun dem Berliner Gericht gestellt und ist in Untersuchungshaft genommen worden. Dortmund, 1. October. Der „Dortmunder Ztg." wird aus Garnen gemeldet: In der Nacht zum Montag wurde in der Wohnung des Betriebsinspectors der Zeche Monopol ein Packet mit Dynamitpatronen und angebrannter, aber erloschener Zündschnur vorgefunden. Pilsen, 1. October. Gestern Abend um 11 Uhr sand in der Kelleröffnung des Hauses eines gewißen Zniller, deS Mitbesitzers der Pankrazzeche in Nuerschan. eine Explosion statt, vermuthlich mit Dynamtt. Der Thäter ift unbekannt. Der Schaden ist unbedeutend. Paris, 1. October. Heute Nachmittag wurde der internationale sociologtsche Congreß unter dem Vorsitze John Lubbocks eröffnet. Es sind ungefähr 100 Theilnehmer erschienen, darunter Dr. Schaeffle. Chateauduv, 1. October. Mehrere Armee-Fourage- magazine sind niedergebrannt, wobei eine Million Gentner Heu vernichtet worden ift. Loudon, 1. October. Der „Pall Mall Gazette" wird aus Tschifu von heute gemeldet, daß die englische Flotte sich im Golf von Pechili, welcher offen ist, befindet. Wettere ausländische Kriegsschiffe werden erwartet. — Nach in Tschifu eingegangenen Nachrichten ist in der Küstenprovinz Shangtung eine aufständische Bewegung aus* gebrochen. Weitere Einzelheiten fehlen. Koustaotiuopel, 1. October. Mmtral Avellan ist heure Vormittag an Bord eines Kanonenbootes eingetroffen. Nagasaki, 1. October. Meldung des Bureau Reuter. Die Ausbefferung der in der Schlacht an der Dalumündung beschädigten japanischen Schiffe wird eifrig betrieben, alle Werften sind überfüllt. Tokio, 1. October. Meldung des Bureau Reuter. Die japanische Regierung erklärte Blei als Kriegscontre- ba nd e. Depeschen des Bure«, „Herold". Berlin, 1. October. Der General der Cavallerie zur Disposirion v. Rausch, General-Adjutant des Kaisers, erhielt in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mittels sehr gnädiger Cabinetsordre vom 7. Juli d. I. die Büste des Kaisers in Marmor. Berlin, 1. October. Die in verschiedenen Zeitungen verbreitete Nachricht, daß der General-Major Prinz zu Salm- Horsimar, Commandeur der 1. Garde-Cavallerie-Brigade, feinen Abschied nachgesucht habe, ist der „Kreuzztg." zufolge, vollständig unbegründet. Berlin, 1. October. Der Colonialrath tritt Mitte October zusammen behufs Berathung über den Colonialetat und über die Berichte der in der letzten Sitzungsperiode eingesetzten Ausschüffe. Berlin, 1. October. Die „Post" erfährt, der Kaiser von Rußland sei gestern bereits in Livadia angekommen. Berlin, I.October. Zu der V e r h a f t u n g der Schüler der Oberfeuerwerkerschule wird noch gemeldet, daß gestern früh weitere zwanzig und im Laufe des Vormittags noch einige verhaftet wurden. Die Kaserne der Oberfeuerwerkerschule ist seit gestern Abend ziemlich verödet. Berlin, 1. October. Das bekannte Duell zwischen dem Legationsrath v. Kiderlen-Wächter und dem Redacteur des Kladderadatsch Polstorff hatte heute sein gerichtliches Nachspiel. Beide Duellanten erhielten vier Monate Festungshaft. München, 1. October. Die facultative Einführung des achten Schuljahres in München ist von dem Cultus- minister genehmigt worden. Budapest, 1. October. Der ehemalige Abgeordnete Stephan Nillos ist mit Hinterlaffung von 12,000 Gulden Wechselschulden und 600,000 Gulden anderer Schulden nach Amerika geflüchtet. Paris, 1. October. Die Polizei entfernte in vergangener Nacht mehrere an der Elisabethkirche befindliche Mauer- an schlüge, welche die Worte enthielten: „Hoch Caserio! Nieder mit der Bourgerifie!" Paris, 1. October. Wie „Gaulois" meldet, soll der Deutsche Kaiser kürzlich einem Franzosen gegenüber in Berlin geäußert haben: „Wir werden uns auf der Ausstellung in Paris im Jahre 1900 Wiedersehen!" Als der Franzose hierüber sein Erstaunen bekundete, habe der Kaiser gesagt, er kenne den Character der Franzosen und wisse, was er zu thun habe, um nach Paris zu gehen. (?) Loudon, 1. October. Prinz Kung, der Onkel des Kaisers von China (s. Z. in Ungnade gefallen), ist jetzt zum Präsidenten des Auswärtigen, der Admiralität und neben Li-Hung-Tschang zum Mitleiter der Kriegsoperationen ernannt worden. 25000 von Europäern ausgebildete Soldaten sollen zur Deckung nach Peking entsandt werden. Die in Tientsin lebenden Ausländer sind gewarnt worden, nach Peking zu gehen. Der Dolmetscher der britischen Gesandtschaft in Peking ist angegriffen worden. Loudon, 1. October. Ein Telegramm aus Port Said meldet, daß die Unterhandlungen wegen Beendigung des Strikes am Suezkanal gescheitert sind. Der Chefingenieur vom Suezkanal wurde gestern von einem Ausländer durch eine Kugel am Kopfe lebensgefährlich verletzt. Coustautiuopel, 1. October. Der Sultan hat zur Begrüßung des russischen Admirals Avellan die Dacht //Jzzedin", mit dem General Achmed Ali Pascha an Bord, an die Einfahrt in die Dardanellen entsandt. CocoUs tmö Lrovinzrelles. Gießen, den 2. October. ** Ernennung. Se. Königl. Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, am 29. September den Ministe- rialsecretär bei dem Ministerium des Innern und der Justiz Karl Schliephake zum Kreisamtmann bei dem Kreisamte Friedberg mit Wirkung vom 1. October d. I. zu ernennen. ** Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu am 2. Oktober 1894. Zur Verhandlung kam heute die Strafsache gegen Peter Grodevendt Ehefrau von Ilbenstadt wegen Meineids. Die Anklage vertrat der Großh. Erste Staatsanwalt Jöcke l, vertheidigt wurde die Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Dr. Stein. Die Jury bildeten die Herren Andreas Lepper III., Johannes MöbS III., Karl Heil II., Dr. August Trapp, Johann Heinrich Jhring, Johann Heinrich Ortwein,Ludwig Friedrich Harth, Wilhelm Schwenklll., Wilhelm Schudt, Heinrich Schmalbach IV., Anton Rompf VII. und Hermann Kratz. Magdalene Grodevendt, Ehesrau des Dienstknechts Peter Grodevendt von Ilbenstadt, ist angeklagt, daß sie am 18. Mai l. I. den vor der Strafkammer Großh. Landgerichts der Provinz Oberheffen vor ihrer Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein fasches Zeugniß verletzt habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Auf dem Friedhöfe von Ilbenstadt befindet sich etwa 20 Schritte in gerader Richtung vom Eingang entfernt das Grab der Peter Andreas Mahler Ehefrau- dasselbe wurde in früheren Jahren von der Wilhelm Pohl Ehefrau, einer Schwester der Verstorbenen, unterhalten und am Allerheiligentag bestehender Sitte gemäß geschmückt. Im Jahre 1893 wurde dies Seitens der Frau Pohl verabsäumt und übernahmen deshalb die Söhne der Verstorbenen Heinrich und Peter Andreas Mahler beziehungsweise des Letzteren Ehefrau die Schmückung des Grabes am Allerheiligentag. Hiervon erfuhr die Frau Pohl und eilte aufgeregt auf den Friedhof, sprach sehr laut und heftig in zänkischem Tone, rupfte die von den Söhnen der Verstorbenen gesetzten Blumenstöcke aus und beseitigte allen Schmuck. Dieserhalb wurde Frau Pohl wegen 'Beschädigung eines Grabes angeklagt und am 18. Mai 1894 von der Strafkammer Großh. Landgerichts Gießen wegen groben Unfugs mit 3 Tagen Hast bestraft. Zur Hauptverhandlung hatte Frau Pohl die Magdalene Grodevendt als erste Entlastungszeugin geladen. Dieselbe sagte Folgendes aus: „Ich bin am fraglichen Tage, Nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr, auf dem Friedhof gewesen und stand auf dem Weg, etwa drei Schritte vom Eingang, in unmittelbarer Nähe der Frau Reichert, Falk, Lempert und Hof. Die Frau Pohl habe ich nicht in den Friedhof kommen sehen, ich bemerkte sie erst, als sie der Frau Zimmermann zurief, ob sie ihre Gräber zurecht gemacht habe. Als die Unterredung mit Frau Zimmermann beendet war, forderte mich Frau Pohl auf, mit ihr nach dem Grab ihrer Schwester zu gehen. Ich ging etwa 15 bis 20 Schritte mit ihr bis in die Nähe des Grabes des Pfarrers Schneeberger. Dort kehrte ich um und ging nach Hause. Ich hörte die Frau Pohl nicht schimpfen. Als ich etwa 5 Minuten zu Hause war, sah ich die Frau Falk und Frau Mahler durch den Scheerer'fchen Garten nach dem Friedhof gehen." Spätere Ermittelungen ergeben, daß Magdalene Grodevendt sich, als Frau Pohl den Friedhof betrat, überhaupt nicht mehr dorten befand. (Fortsetzung in der nächsten Nummer.) ** Zur gefälligen Beachtung. Wir machen die verehr- lichen Jnjereuten von Vermiethungen, vielfach ausgesprochenem Wunsche nachkommend, darauf aufmerksam, daß wir von morgen ab unter der Rubrik: Wohnungen sürStudirende alle hierauf bezüglichen Vermiethungen aufnehmen. Die unter genannter Rubrik erscheinenden Vermiethungsanzeigen werden täglich in der Aula, im Kanzlei gebäude am Brand, sowie in der alten und neuen Klinik am schwarzen Brett angeschlagen. Expedition des „Gießener Anzeiger". ** Ermäßigung des Wafferpreifes betr. Wie man uns von zuständiger Seite mittheilt, wird, entsprechend dem Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 18. Januar ds. Js. — ungeachtet der noch ausstehenden Vollendung der Erweiterung des Wasserwerks — der Wasser preis doch schon mit dem 1. October ds. Js., bezw. von dem mit der gegenwärtigen Quartalsaufnahme der Wassermeffer beginnenden Vierteljahr an, auf 25 Pfennig für den Cubikmeter ermäßigt. * * Gießener Adreßbuch. Da in den ersten Tagen das Material zum neuen Adreßbuch in Druck gegeben werden soll, gegenwärtig aber noch viele Umzüge stattfinden, ist es zum Zwecke der Richtigstellung des Adreßbuchs erforderlich, daß jeder Umziehende seine neue Wohnung alsbald auf dem Meldebureau des Gr. Polizeiamts angibt. * * Knabenhaudarbeit. Morgen, am 3. October, beginnen im Schulhause an der Schulstraße zwei Unterrichtscurse für erziehliche Knabenhandarbeit. Indem wir die Eltern und Erzieher schulpflichtiger Knaben auf die in voriger Nummer befindliche Bekanntmachung an dieser Stelle aufmerksam machen, empfehlen wir ihnen die Betheiligung ihrer Pflegebefohlenen angelegentlichst. Heber die erzieherischen Ergebnisse des Handfertigkeitsunterrichtes werden wir Näheres in nächster Nummer mittheilen. * * Reuter-Abend. Wie im Vorjahre, wird auch in diesem Jahre wieder der berühmte Reuterdarsteller August Junkermann, dec dem Gießener Publikum von seinem früheren, mit dem größten Beifall aufgenommenen Besuch her noch in guter Erinnerung sein dürfte, einen einmaligen Vortrag halten. Derselbe ist auf den 1. November festgesetzt, und zwar im Saale des Gesellschaftsvereins- die Eintrittskarten werden, wie früher, von der Ferber'schen Universitätsbuchhandlung (C. Koch) ausgegeben werden. Hoffen wir, daß das neue Programm, welches Herr Junkermann für dieses Mal zusammengestellt hat, ihm, wie im Vorjahre, ein volles Haus sichern wird, wie es seine großartigen Leistungen mit Recht verdienen. * * Kruses letzte Streich Quartett-Soiree. Morgen Donnerstag, Abends 8 Uhr, findet auf dem „ConcerthauS Lahnstein" die letzte Streich-Quartett-Soirse start. * * Sachbeschädigung. In der Nacht vom Sonntag auf Montag wurde an dem Pumpbrunnen in der Bahnhofstraße von rohen Händen der Schwengel abgebrochen. * * Verhaftet. Ein früherer Dienstknecht des Oeconomen Kennel, welcher im Verdacht stand, den in voriger Woche abgebrannten Heuschober angezündet zu haben, wurde heute Morgen verhaftet und hat theilweise Geständniß abgelegt. * * Unfall. In verflossener Nacht wollte sich ein Fremder, der einige Glas über den Durst getrunken hatte, nochmals in eine Wirthschaft begeben, wurde aber abgewiesen und stürzte darauf rücklings die Treppe herab. Der Mann verletzte sich hierbei derart am Hinterkopf, daß er In die Klinik gebracht werden mußte. * * Das juristische Staatsexamen hat gestern begonnen. Es unterziehen sich demselben diesmal 18 Herren. * * Falsche Zehnmarkstücke. Gewarnt wird vor Annahme falscher Zehnmarkstücke, die anscheinend aus Blei gefertigt, leicht vergoldet und den ächten Zehnmarkstücken sehr ähnlich sind. Sie tragen das Bildniß des Großherzogs von Hessen und die Jahreszahl 1880. * * Obstmarkt in Friedberg. Wir machen hier nochmals darauf aufmerksam, daß am Mittwoch den 3. Oct ob er im Saalbau zu Friedberg in der Wetterau ein Obstmarkt des Oberhessischen Obstbauvereins stattfinden wird. Bei dem reichen Ostsegen Oberhessens und dem schönen Tafelobst dieses Landstriches wird es einerseits den Landwirthen leicht werden, ihr Obst zu verkaufen, andererseits ist den Händlern Gelegenheit dort geboten, das beste und für sie geeignetste auszusuchen. * * Die besten Schützen des 11. Armeecorps. Die vom Kaiser für jedes Armeecorps gestifteten zwei Schieß- preise sind beim 11. Armeecorps für dieses Jahr nach Hildburghausen an das dort garnisonirende 2. Bataillon des 6. Thüringischen Infanterie - Regiments Nr. 95 gefallen. Premier-Lieutenant v. Lengerke erschoß den Ehrendegen und Sergeant Zeth von der 8. Compagnie die goldene Uhr. * • Der Getreidemarkt. In der bisherigen Stimmung des Getreidemarktes will sich im Allgemeinen noch immer keine Veränderung, resp.j eine Dauer verheißende Wendung zum Besseren zeigen. Trotz mancher Anläufe in dieser Richtung verhinderten in der abgelaufenen Woche umfangreiche Realisationen in Weizen wie Roggen, die an mehreren Hauptplätzen vorgenommen wurden, den erhofften Umschwung und wachte sich in beiden Artikeln immer wieder eine matte Tendenz geltend. Dabei fehlte es fast gänzlich an Anregungen seitens des Auslandes, eher trugen spec'ell die erneuten niedrigen Notirungen vom amerikanischen Markt zur Verstärkung der herrschenden Verstimmung bei. Im Hafer machte sich dagegen einige Nachfrage gellend, was eine gewisse Belebung im Hafergeschäft zur Folge hatte. Preis- notirungen vom Berliner Productenmarkte: Weizen pro 1000 Kilo 120—137 Mk., Roggen 110-121 Mk., Gerste 95—180 Mk., Hafer 107—146 Mk. -e. Neu - Ulrichstein, I.October. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro September 18 9 4. Ende September 1894 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 33 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 8, Regierungsbezirk Kassel 5, Regierungsbezirk Wiesbaden 1. Königreich Preußen: Provinz Rheinlande 2, Provinz Westfalen 1, Provinz Sachsen 2, Provinz Hannover 1, Provinz Brandenburg 1, Provinz Schlesien 2, Provinz Posen 1 , Provinz Ostpreußen 1. Königreich Bayern 1, Königreich Sachsen 2; Thüringische Staaten 4. Ausland: Böhmen 1. Hiervon waren: Arbeiter 12, Bäcker 2, Färber 1, Gärtner 1, Kellner 1, Kaufmann 3, Maurer 1, Maschinenschlosser 1 , Präger 1, Schreiber 2, Schlaffer 1, Schuhmacher 1, Schneider 4, Tüncher 1, Zimmermann 1. Gearbeitet wurde an 1076 Tagen, hierunter 52 Tage für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Colonie an 1216 Tagen. Im Monat September wurden, entlassen 28 Mann, und zwar auf eigenen Wunsch 17, wegen Contractbruch 9, wegen Faulheit 1, wegen schlechten Betragens 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2597, dagegen abgegangen im Ganzen 2564 Mann, bleibt Bestand am 30. September 1894: 33 Mann. M. Herbstein, 28. September. Heute Mittag zog eine ganze Truppe Zigeuner mit vier Wagen dahier ein. Alsbald verbreiteten sich Jung und Alt der Bande in allen Straßen und Gäßchen unserer Stadt, um Einkäufe zu machen, resp. richtiger gesagt, auf Raub ausgehend. Eine Zigeunerin trat in ein Haus, in dem nur eine Frau anwesend war, angeblich um Hafer für die Pferde zu kaufen. Auf diesem Gebiete war nun nichts zu machen, weßhalb die Abenteurerin auf eine andere Art und Weise einen Vortheil zu erringen suchte. Sie lenkte das Gespräch geschickt auf Krankheiten. Die Hausbewohnerin klagte auch in ihrer Gutgläubigkeit der Zigeunerin, daß sie öfters mit Kopfschmerzen zu thun habe. Sofort wußte die Zigeunerin ein sicheres Mittel und brachte es unter allerhand faulen Vorspiegelungen dahin, daß die Frau ihr ganzes baares Geld, ca. 50 Mark, der Heilkünstlerin auf die Hand zählte. Unter allerlei HocuspocuS erhielt die Frau ihr Geld zurück, mit der Versicherung, daß ihr Leiden nunmehr gänzlich geheilt sei, während sich die Zigeunerin mit einem Geschenk unter den dernüthigsten Bücklingen empfahl. Unser Patient kam nun doch auf den glücklichen Gedanken, seine Baarschaft einmal nachzuzählen und siehe da, dieselbe hatte sich um ca. 6 Mk. vermindert. Die Frau schrie alsbald um Hülfe und liest nach der Polizei, welche die Haftnahme der wunderbaren Heilkünstlerin veranlaßte. § Bermuthshain, 29. September. Der seit mehreren Jahren hier in Diensten stehende geisteskranke Andreas Gutermnth ist seit 14 Tagen plötzlich von hier verschwunden. Es wird ein Unglücksfall vermuthet. Nidda, 29. September. Wegen der niederen Holzpreise hat das Salzhauser Bergwerk einen wesentlichen Preisabschlag ein treten lassen und kosten 100 Stück Braunkohlenpreßklötze (etwa 1 Ctr.) jetzt nur noch 40 Pfg. Büdingen, 30. September. Unser allverehrtes Fürstenpaar, Fürst Bruno und Gemahlin, feierten heute das Fest der silbernen Hochzeit, welche Feier sich zu einer wahrhaft großartigen Kundgebung gestaltete und den deutlichsten Beweis dafür erbrachte, welcher Verehrung und Hochachtung sich das hohe Paar in den weitesten Kreisen erfreut. Zur Erinnerung an die Feier Ihrer silbernen Hochzeit hat Ihre Durchlaucht die Fürstin für die hiesige evangelische Kirche eine schöne Abendmahlsdecke aus seinem Leineubattist, mit kostbarer breiter Klöppelspitze gestiftet. Die sinnvolle Gabe wurde am vorigen Sonntag zum ersten Male in Gebrauch genommen. § Vom höheren Vogelsberg, 1. October. Seit den letzten Tagen konnte hier infolge Regenwetters an Feldarbeiten nichts gethan werden, obwohl die Arbeiten gegen frühere Jahre bedeutend zurück sind. Mit dem Kornsäen ist nur ein kleiner Anfang gemacht worden, auch liegt noch viel Grummet auf den Wiesen, welches wohl nicht mehr heimgebracht werden kann, da die Witterung schon zu kalt und winterlich, der Erdboden zu naß zum Dörren ist. A Mainz, 1. October. Die heftige Oftwind, der heute den ganzen Tag über tobte, hat um die Mittagsstunde am Rheine hier ein Menschenleben als Opfer gefordert. Tin auS Neuendorf bet Koblenz gebürtiger Matrose des Personendampfers „Ooerstolz" wollte zu dem Reinigen des Verdecks aus dem Strome Wasser mit einem Eimer in die Höhe ziehen, wobei letzterer von dem Sturm erfaßt wurde und zwar derart, daß der Matrose die Straft verlor und mit in das Wasser gerissen wurde. Der des Schwimmens unkundige Matrose verschwand sofort in den hochgehenden Wellen und kam, trotzdem sich mehrere Nachen alsbald zu seiner Rettung in Bewegung setzten, nicht mehr aus dem Wasier zum Vorschein. — Neben der hier bestehenden freiwill. Feuerwehr beabsichtigt unsere städtische Verwaltung eine Berufsseuerwehr zu schaffen. Dieselbe soll nicht sehr zahlreich werden und nur dazu dienen, ständige Feuerwache zu unterhalten. Eine diesbezügliche Vorlage wird demnächst an die Stadtverordnetenversammlung gelangen. — Bei der kürzlich beendigten Gartenbauausstellung hat man dieselben Erfahrungen gemacht, wie bei dem Bundesschießen, indem die die Lieferungen bethätigenden Geschäftsleute derartige Rechnungen gemacht haben, daß trotz der hohen Einnahmen noch ein Defizit resultirte. — Das von hier nach Diez verlegte zweite Bataillon des Regiments Nr. 88 ist gestern nach seiner neuen Garnison abgerückt. — Pfarrer Kneipp von Wörrishofen sprach heute Abend hier. Die große Zahl der Zuhörer, die sich eingefunden hatte, deutet darauf hin, daß dessen Lehre hier viel Anhänger hat. Vermischtes. ♦ Saalfeld, 30. September. In der Nähe von Probstzella ist ein Schieferbruch zusammengestürzt, wodurch 5 Personen getödtet wurden. * Hamburg, 29. September. In dem Proceß gegen den HauSmakler Peters und Genossen, welche beschuldigt waren, gegen völlig werthlose Hypotheken vertrauensvollen Leuten gute Grundstücke abgelockt zu haben, ist heute nach sechS- tägiger Verhandlung das Urtheil gefällt worden. Peters junior wurde zu sechs Jahren Gefängniß und 6000 Mark Geldstrafe verurthetlt, PeterS sen. zu 3 Jahren Gefängniß und 4000 Mark, Hollmann und Hanse zu je 2 Jahren Gefängniß, Schmidt zu 18 Monaten, Neunheuser zu 4, Liebenow und Pagels zu je 2 Monaten Gefängniß. ♦ Der LuxuS in der deutschen Armee. Ueber dieses in der letzten Zeit in den deutschen Blättern viel besprochene sociale Thema veröffentlichen die in Leipzig erscheinenden „Militärisch - Politischen Blätter" einen bemerkenswerthen Aufsatz, in welchem es heißt- „Die Bedeutung des Besitzes, des ReichthumS ist auch in der Armee zusehends gewachsen. Man täusche sich doch nicht! Der Eintritt in den Militärdienst auf Beförderung zum Offizier, die höhere Militär- Carriöre überhaupt, geschweige denn der Eintritt bei der Cavallerie oder auch bei der Garde ist heute für Viele schon zu einer bloßen Geldfrage geworden, und wo das Wagniß bei mangelndem Besitz doch unternommen wird, da liegt demselben in sehr vielen Fällen eine stillschweigende Specu- lation auf eine durch die Uniform später ermöglichte gute Partie zu Grunde. Es muß anders werden! Es muß Abhilfe geschaffen werden, wenn nicht die Armee, wenn nicht mit ihr der Staat, das Vaterland, einen unwiederbringlichen, dauernden Schaden davontragen soll. Mögen hie und da Einzelintereffen v i letzt werden, wenn man dem Luxus in der Armee grundsätzlich den Krieg erklärt und die Rückkehr zur Einfachheit erzwingt." Der Verfasser macht dann auch eine Reihe von Vorschlägen, die er für geeignet hält, dem Uebel zu steuern, und richtet fein Augenmerk besonders auf das Gardecorps, indem er schreibt: „Nach Berlin richten sich die Blicke aus dem ganzen Lande- was in Berlin geschieht, waS in Berlin gemacht wird, ist draußen in der Provinz Mode und Muster. Und in der That soll ja das GardecorpS auch nach seiner inneren Bedeutung nicht eine Elitee-, wohl aber eine Mustertruppe sein, an der sich die Provinzialtruppen bilden sollen. Dazu befähigt sie in der That auch das Offizier- und Mannschaftsmaterial, über das sie gebietet. Eine besondere Repräfentationspflicht der Garde- Regimenter vermögen wir beim besten Willen nicht anzuerkennen. Dazu Hot unser Offiziercorps kein Geld. Wird eine solche in kostspieligen Formen ausnahmsweise aus politischen Höflichkeitsgründen höheren Orts für angezeigt gehalten und befohlen, so müssen die Kosten auch aus anderweitigen Fonds bestritten werden und dürfen dem Offiz'ercorps nicht zur Last fallen." Citeratar unb witterrrngraurfichten — Uns geht soeben der III. Ouartalband der im Verlage von Carl Grüninger tn Stuttgart erscheinenden »Neuen Musik- Zeitungs »u. Dieses beliebte Familienblatt, das sich auch in den Kreisen der Fachmufiker außerordenllicher Gunst erfreut, bietet reichen Stoff zur Belehrung und Unterbaltung auf dem Gebiete der Tonkunst in Gestalt von Novellen, Humoresken, fachwissenschaftlichen, muftkgeschichtlichen, kritischen, pädagogischen und biographischen Artikeln; dasselbe bringt Berichte über bedeutende Opern- und Concert-Neu- beiten aus allen größeren Städten (London und Paris mitinbegriffen), Heiteres aus dem Künftlerlebcn, Besprechungen von Büchern, Mustkalien rc. rc. Wer singt, Klavier oder Violine resp. Cello spielt, dem wird die Zugabe der zahlreichen werthvollen Musikbeilagen ebenso willkommen sein als Demjenigen, der in das Wesen der Musik tiefer eindringen will, die Gratisbeilage: William Wolss Musikästhetik, von welchem Werke jedes Vierteljahr zwei Bogen beigesügt werden. Probenummern dieser im VerhSltniß zum Gebotenen überraschend billigen Familienzeitschrift (der Abonnementspreis betragt nur 1 Mk. vierteljährlich) werden von der Verlagshandlung an jede ausgegebene Adresse kostenfrei versandt. — Wie der Vogel Phönix, von dem die Sage erzählt, daß er in einem gewissen Alter sich selbst verbrennt, um au8 seiner eigenen Asche verjüngt und herrlicher als zuvor wieder zu erstehen, so gewähren uns auch einzelne Journale, wenn sie einen Jahrgang vollendet haben, das erfreuliche Schauspiel eines neuen, schöneren Erstehens. Zu diesen Journalen gehört in allere« ster Linie das weitverbreitete und allgemein beliebte Familienblatt »Jllustrirle ®elt* (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), von welchem kürzlich das erste Heft seines 43. Jahrganges erschienen ist. Die Gediegenheit des mannigfaltigen Textes hält mit der wahrhaft künstlerischen Pracht des reichen BilderschmuckeS gleichen Schritt. Zwei größere erzählende Dichtungen eröffnen den neuen Jahrgang, der überaus fesselnde Roman : „Was ist Glück?" von Alexander Römer, dessen Name für sein Werk bürgt, und die tannenduftige, echte Schwarzwaldnooelle: „Auf dem Abtsberg" von A. Steindorf. Eine rührende Geschichte vom „Kleinen dummen Henner" erzählt uns in zu Herzen gehender Schlichtheit M. Herbert. Alexander Kircher schildert tn höchst lebendiger Weise „Da8 Sch!achtschiff in Thätigkeit" und ist in der glücklichen Lage, seine Ausführungen durch vortreffliche, lebenswahre Illustrationen zu veranschaulichen. Es ist nicht möglich, hier die Fülle der unterhaltenden, anregenden und belehrenden Artikel dieses ersten Heftes des neuen Jahrganges der „Jllustrirten Welt" einzeln aufzuführen. Auch alle die ausgezeichneten Illustrationen aufzuzählen, wäre eine vergebliche Mühe, nur der wundervollen Kunstbeilage wollen mir noch kurz Erwähnung thun, es ist eine in Farben auS- gefübrte Wiedergabe des porsieoollen Bildes „Maienlust" von E. Niczky. Die „Jllustririe Welt" wird auch in dem neuen Jahrgang sich als eine Freundin und Beratherin für Familie und Haus erweisen, bei der Jedermann gerne Erholung, Belehrung und Rath suchen und immer finden wird. Das erste wie auch jedes der folgenden Hefte ist durch jede Sortiments- und Colportage-Buchhandlung für den überaus billigen Preis von nur 30 Pfennig zu erhalten. Schrff-nachvichten. Hamburg, 28. September. Der Hamburger Doppelschrauben- Schneudampfer „Fürst Bismarck", Capitän Albers, der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt-Acticn-Gesellschaft, welcher am 21. Sep^ tember von Southampton abgegangen, ist am 27. September, 7 Uhr Abends, wohlbehalten in Ncwyork angekommen. Reisedauer von Hamburg bis Newyork 7 Tage 7 Stunden 45 Min., Oceansahrt von Southampton 6 Tage 9 Stunden 25 Min., von Queenstown aus gerechnet nur 5 Tage 18 Stunden 25 Min. Hamburg, 28. September. Der Hamburger Dampfer „Grimm", Capitän Krech, von der Hamburg-Amerikanischen Packe'.fahrt- Acticn-Gesellschast, ist am 23. September wohlbehalten von Hamburg in Philadelphia angekommen. Hamburg, 28. Septbr. Der Hamburger Dampfer „Prussia", Capitän Karlowa, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Actien Gesellschaft, ist am 28. September, 11 Uhr Morgens, von Hamburg in Newyork angekommen. Verkehr, £an&« unb Volkswirtschaft. Gieße«, 2. Octbr- Marktbericht Aut dem heutigen Wochenmackt kostete: Butter pr. Pfd. X —.90—1,10, Hüdnerece pr Stück 6—7 A, 2 Stück 13-14 H, Käse pr. St. 4-8* Käsemet e pr. Et. 8 * Erbsen vr. Liter 17 * Linsen pr. Liter 28 * Tauber pr Vaar X 0,50—0,75, Hühner pr. Stück .« 0,90—1,20, Hahnen pr.St. X 0,50—0,85, Enten pr. St- X 1,60 bis 1,93, Ochsensteisä pr. Pfd- 74—78 A, Kuh- u. Rindfleisch pr. Psd. —70 A. Schwein«, fletsch pr. Psd. 66-76 A, Kalbfleisch pr. Psd. 68-70 \ Hammrl fletsch pr. M. 58-68 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,00-6,00 X, Weißkraut pr. Stück--«3, Zwiebeln pr. Eentner 3,80—4,00 X, Milch ot. Liter 16 20 A, Enteneier 2 — A, Gänseeier — A, ' Zwetschen pr- Ctr X 2,50—4.00 Grünberg, 29. September. Frachtpreise. Weizen 12 18, Korn X 11,50, Gerste X 10,40, Hafer 9,92, Erbsen X 00,00 Linsen 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 000 Samen X 19,20. Amtliche Prüfung der Lichtstarke des Leuchtgases. Vorschriftsmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gasverbrauch 13 bis 15 deutsche Vereins-Paraffinkerzen. Monat September 1894: 133/4 Kerzen. Buchner. am 2. October Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage). Barometerstand. Thermometer: min. 4- 3* R., mikx. 4- 4o R. Hygrometer: Trocken und schön. ■ roner fni|t DU punktiere Linie bei der Barometerscala gibt ben Stand des vorhergehenden Tage« an. Henneberg-Seide — nur ächt, wenn bittet ab meiner Fabrik bezogen — schwarz, weiß und farbig, von 60 Pf. bisMk. 18.65 per Meter — glatt, gestreift, karrirt, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 versch Q»al und 2000 vei sch. Farben, DesstnS rc.), porto- und steuerfrei Ins Haus. Muster umgehend. 8081 Seiden-Fabrik 6. Henneberg (k. k. ho«.), Zürich. Doerings Seife mit der Eule. Hält im Gebrauch doppelt so lang, als die Füllseifen; ist von ganz besonder« günstiger Wirkung auf Klarheit deü Teints, auf Schönheit der Haut. Für die Kinderstube und Damentotlette ein unentbehrliche« Requisit. Ob varsümirt oder unparfümirt, per Stück ä 40 Pfg. käuflich. 6223 Engros-Verkauf: Benner &. Krumm, Glessen. Wichtig für Hausfrauen! 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Gelegenheit genommen, den auf den hervorragendsten Ausstellungen mit ersten Preisen p'ämiirten Benedictine-LIgueur der Deutschen Beuedietine- Ligueur Fabrik vo« Friedrich L lto.» Waldenburg und Berlin, zu tosten und wie wir höien, stch über denselben höchst belobigend zu äußern- Auch auf dieser Ausstellung hat die genannte Fabrik sich Metrum die böckste Auszeichnung, die goldene Medaille, verdient. — Um daS Geschält zu centtalifiren, findet der Versandt j-hl ausschliehlich von Berlin 0. statt. 16500 Seiten Text 9500 L,_______ , I AbbiIdungen.l 300 Karten. 130 Chromos. | 980 Tafeln. | Brock haus’ Konversations-Lexikon* 14. Auflage. Jubiläums-Ausgabe. F mäetiigen Preisen passenden nebst Visitkarten it Trauerrand Versteigerung. Montag den 8. 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W nfbixaltn lag folgende 3 Gegenüb! wühluog unft het bli natlon daß sie es bei । an sich nicht sie mitgewirkt, Merten Kiasie Dazu find wir wir, daS Noth nationalen, stac Zu eikiem Kam nicht allein des ionbtm in erst Regierung und feiben, weiche b ZurPeori abgeordnete Di In ernst Frühjahr hätte auf die Frage die Gefahr dei eine internatio denkenden Mar ^er Beziehnr unseres Jahrh, darum aber an den 70er A eine Abwehr gr, tt,ar eS anderer/ R Positiven Fö> Eenalliberale( W sociale S ^er RiQf ?«* anderen 1,0' dle Mn, unb einmlithig das tz A üto,; 7'- *hi,S X'Ä SNldit. tt*'* ^°rden fr? * Wfiate ni da/K/nd j »'r L" "'ch »den, '^°kra *M&fc 1 '«ttn Der -ießevtt M erschm"'" «ni w*; fr** Lv w* 8nin Amtlich dm» ' »chl-zt. Statt jeder besonderen Anzeige. Heute Morgen 6 Uhr ist unser lieber Gatte und Vater, der Grossh. Rendant Johannes Fischer an den Folgen eines Schlaganfalls sanft verschieden. Giessen, den 2. October 1894. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Concert-Vereln. Die Berloosung der Sperrsitze findet am Donnerstag, den 4. October, um 8 Uhr Abends, im Gartensaale des Gesellschaftsvereins statt. Neuanmeldungen nimmt Herr Ernst Chall ier entgegen, welcher auch jede gewünschte Auskunft ertheilt. 8084 I Concert Sonntag, den 4. November 1894. Frau Wittich aus Dresden als Gast. Die Beerdigung findet Donnerstag den 4. October, Nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, Löberstrasse 16, aus statt. Blumenspenden dankend abgelehnt. 8106 Wohnungs-Veränderung. Wohne von heute ab 8077 Dammstr. 24, 2 Tr. (im Neubau des Herrn Mühlich). Adolf Arnold, Zitherlehrer. I 8072] Ein anständiger, junger Mann kann Wohnung erhalten Wolkengafse 13. Vermischte Anzeigen. Giessener Festsaal 8083 8027 per sofort zu vermtethen. (Caf6 Leib) 5812) Logis, 1. Stock, 3 Zimmer mit wfferlett. u. s. w., in meinem Hause Wasserleit. u. s. w-, in meinem Hause m . (Weserstraße) zu vermiethen. Näheres bei ^'"'irag: Entree 30 Pfg. 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Nuckstuhl, Steinstr. 63. zu leiden, ich war ganz ohne Luft, konnte 7972] Eine Stube mit Küche an eine kaum ein paar Schlitte gehen, dann hatte einz. Perf. zu verm. CH. Schopbach. ich keinen Athem, arbeiten konnte ich 8028] Zwei Zimmer und Küche zu überhaupt nicht mehr. Alle angewandten vermiethen Ederstraße 6. . Heilmittel blieben erfolglos. ~79nTi Stute, enent.«ul’Ä ob. fpfiter |u oerm. S°nn7nstr 6 111. 6,1 dem hom-.V. A-lt, »r. med. Lovis Hellmold, Steinstraße. । ßAAA rwi. 6007] Eine WoyUUUg, 2. Stock, von Owww AtJLJhL 4 großen Zimmern und allem Zubehör, per Mitte October zu vermiethen. Thüringer Kunstfärberei Königsee Chemische Wäscherei. Etablissement 1. Ranges. IW Peinlichst saubere, unübertroff. Ausführung. "MU Ermäßigte Preise. Hochmoderne Farben. [2151 und portofreie Vermittelung? bei Geschwister Heerz, Gießen. MAGGI5