M. 179 Freitag den 3. August 1894 Der Hietzener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aa mitien vkätler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Vierteljähriger^-^ Avollncmentsprel«5 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogew- 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expcditiorr und Druckerei: Kenerat-Wnzeiger. Schulstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Giefzen. | Hr-tisö-ikagk: Kich-mr AamirimMttcr. Alle Annonccn-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Die Strikes und ihre soften. Die alte Erfahrung, daß die Strikes eine ungemein zweischneidige Waffe sind, welche die Arbeiterschaft wie das „Unternehmerthum" gleich scharf zu treffen pflegt, hat durch den jüngsten großen Ausstand der Eisenbahnarbeiter in Nordamerika erneut ihre Bestätigung erhalten. Zwar steht die Kostensumme des genannten Strikes, der bekanntlich von zahlreichen gewaltthätigen Ausschreitungen Seitens der ausständigen Arbeiter begleitet war, noch nicht völlig fest, aber nach übereinstimmenden Schätzungen amerikanischer Statistiker beläuft sie sich auf allermindestens 100 bis 120 Millionen Mark. Diese gewaltige Verlustsumme setzt sich aus den den Arbeitern entgangenen Löhnen, ferner aus dem Ausfall an Einnahmen der boycottirten Bahnen, weiter aus den Werthen, welche die zerstörten Stationsgebäude, Eisenbahnwagen, Bcücken u. s. w. darstellen, und endlich aus den der Geschäftswelt durch den Strike zugesügten Verlusten zusammen. Die unerfreulichen finanziellen Wirkungen des amerikanischen Eisenbahnstrikes vertheilen sich also sowohl nach der Seite der Arbeiterschaft wie auch nach derjenigen der Eisenbahngesellschaften und schließlich auch des handeltreibenden Publikums hin und hieraus erhellt wiederum, wie weite Kreise durch größere Strikes fast stets benachtheiligt werden und welche Summen hierbei verloren gehen. Selbstverständlich sind es nicht immer die Arbeiter, welche durch Lohnausfall und andere Nachtheile die größte Schädigung bei Strikes erleiden, aber die statistische Wissenschaft lehrt, daß doch bei der Mehrzahl der Ausstände die Verluste für die Arbeiter größer sind, als die von ihnen errungenen Erfolge. Diese Wahrheit scheint aber leider noch immer nicht von der breiten Masse der Arbeiter begriffen worden zu sein, sonst würde ja die Neigung zur Jnscenirung kleinerer wie größerer Ausstände unter den Arbeitern mehr und mehr schwinden, was jedoch bekanntlich nicht der Fall ist. Es muß daher den Arbeitern gegenüber immer und immer wieder darauf hingewiesen werden, daß sie sich durch Arbeits« einstellungen nur ins eigene Fleisch schneiden, ja daß sie selbst bei äußerlich günstig für sie verlaufenden Strikes häufig nicht ihre Rechnung finden. Denn auch in den letzteren Fällen bleiben natürlich die Summen, welche die strikenden Arbeiter durch die ihnen entgehenden Löhne einbüßen, für immer verloren und wenn auf der anderen Seite die Arbeitgeber manchmal noch größere Verluste erleiden, so gleicht das die finanzielle Schädigung des Arbeiterstandes begreiflicher Weise nicht im Mindesten aus. Z. B. betrug der Verlust an Löhnen im Jahre 1892 für die strikende Arbeiterschaft in etwa tausend Etablissements Englands zusammen 77,6 Millionen Mark und weiter erhielten nach den eigenen Angaben der Arbeiter-Verbände 121 357 Arbeiter, welche bei 246 Strikes betheiligt waren, vorher 164 143 Psd. Sterling — 3 282 860 Mark Wochenlohn, nachher aber nur 153 153 Pfund (oder 3 063 060 Mk.). Angesichts dieser emfindlichen Lohnausfälle dürste es sür die Arbeiter wohl nur ein schwacher Trost geBibliotheca Academica et Senkenbergiana. Ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule Gießen. Bon Dr. O. Buchner. (Schluß.) Nach Arnoldis Tod wurde 1735 Ayrmann Bibliothekar mit 40 fl. Gehalt und ihm zugleich die Aufsicht über die früher erwähnte May ' sche Bibliothek übertragen. 1736 hatte Ayrmann wirklich einen Katalog über die Mah'sche Bibliothek aufgestellt und bewilligte ihm der Landgraf für diese Arbeit 100 fl., bestimmte auch weiter, daß jeder neu ankommende Student außer seinem gewöhnlichen Geldbeitrag für die Bibliothek noch 5 Albus pro Bibliothekario entrichten soll. Durch das ganze 17. und 18. bis in unser Jahrhundert hinein zieht sich so die Klage über den Mangel eines Katalogs. Oft genug wird seine Abfassung verlangt, auf dieselbe gedrängt, die Bibliothekare selbst von höchster Stelle mit zarten und derben Worten ermahnt, aber alles ist umsonst. Zwar war bestimmt, daß der Syndikus, der Bibliothekar und der Oe- konom, sowie alle diejenigen, welche vom Rektor noch dazu bestimmt werden, die Bibliothek zu besichtigen, ein Verzeichniß doppelt aufnehmen sollten mit Meldung des Verfassers, des Formats, Drucks, Jahrs und dgl. eins für den Syndikus, das andere für den Bibliothekar, auch jedes Jahr die neu zu- Zekommenen Bücher einzutragen seien, aber es wurde nicht ousgeführt, obgleich der jährliche Zuwachs, besondere größere Schenkungen abgerechnet, außerordentlich gering war. wesen sein, wenn zur selben Zeit die Besitzer von 511 Etablissements, deren Capital auf zusammen 376 Millionen Mark ermittelt war, in Folge des Strikes einen Zinsverlust von co. 25 Millionen Mark verzeichnen mußten. Jedenfalls beweist eben die Geschichte der größeren Arbeitseinstellungen von Anfang an bis herab zu dem total verunglückten Strike der amerikanischen Eisenbahnbediensteten, eine wie zweischneidige Maßregel solche Massenstrikes bedeuten. Erfahrungsmäßig verschmerzen aber Capital und Unternehmerthum ihre in solchen wirthschaftlichen Kriegen erlittenen Verluste gewöhnlich weit eher, als die Arbeiterschaft die ihrigen, es liegt daher im Interesse der Arbeiter, nur in ganz zwingenden Fällen zu einschneidenderen Strikes zu greifen. Man muß um so mehr wünschen, daß die Arbeiter endlich zu dieser Einsicht gelangen, als die wirthschastliche Lage eine den Strikebestrebungen noch immer sehr ungünstige ist und als nach wie vor eine Uebersülle von Arbeitskräften in den allermeisten Branchen vorhanden ist, welche Erscheinung doch wahrlich nicht zu den Grundbedingungen für das Gelingen eines Strikes gezählt werden kann.__________________________ Deutsches Reich. Berlin, 1. August. Auf dem Felde der inneren Politik herrscht im Allgemeinen fortgesetzt hochsommerliche Stille. Wenigstens fehlt eß gänzlich an actuellen Ereigniffen von größerer Wichtigkeit, höchstens, daß die zwischen dem Reichsamte des Innern und dem Reichsversicherungsamte eingetretene Spannung einigermaßen von sich reden macht. Dieselbe soll in jüngster Zeit namentlich dadurch verschärft worden fein, daß die neuen Entwürfe über die Ausdehnung des Unfallversicherungsgesetzes im Reichsamte des Innern ausgearbeitet worden sind, ohne daß angeblich das doch sachverständige Reichsversicherungsamt überhaupt um seine Meinung in dieser wichtigen Frage angegangen worden ist. Falls sich diese Version bestätigt, so wäre es allerdings hohe Zeit, daß endlich das untergeordnete Verhältniß des Reichsversicherungs- amtes zum Reichsamt des Innern gelöst und ersteres Reichsamt ebenfalls zu einer durchaus selbstständigen Behörde erhoben würde. Sonst könnten wir im Deutschen Reiche bei weiteren Conflieten zwischen den beiden hohen amtlichen Stellen noch zu ganz unleidlichen und unhaltbaren Zuständen in unserer socialpolitischen Gesetzgebung gelangen. — Major v. Wißmann will, entgegenstehend früheren Angaben, nach Ablauf seines gegenwärtigen Urlaubs in der deutschen Heimath wieder nach Afrika zurückkehren. Alle Colonialfreunde werden diesen Entschluß des Herrn v. Wißmann gewiß nur mit Genugthuung begrüßen, denn solche Männer kann Deutschland bei seinen colonialpolitischen Bestrebungen im „dunkeln Continent" wahrlich noch lange nicht entbehren. ___________________________________ Ausland. — Vor dem Lyoner Schwurgericht beginnt an diesem Frcirag der Prozeß gegen Caserio, den Mörder Bei der großen Visitation 1715 wurde der Bibliothekar abermals angewiesen, einen neuen Katalog sordersamst zu errichten, die Bibliothek zu Zeiten zu öffnen und was nach und nach drein erkauft wird ordentlich einzutragen. Anno 1727 befehlen Serenissimus, daß aus denen Rechnungen ein 25jähriger Extract derer die Zeit über erkaufter Bücher, und ob solche insgesammt in der Bibliothek befindlich, angefertigt und solcher eingeschickt, auch keine Bücher ohne Revers weggelehnt werden sollten. Aber schon 1736 ergeht wieder ein strenges Schreiben des Landgrafen: „So habt Ihr der Zeit Bibliothekarius vermöge geleisteten Eids und Pflichten die ausgelehnten Bücher, welche niemalen ohne Schein über den Empfang zu verabfolgen sind, nicht nur fleißig zurückzufordern, sondern auch, dafern solches ein und das anderemal ohne Frucht geschieht, dem jedesmaligen Rektor die Anzeige daran zu thun und wenn wider Verhofsen auch das umsonst wäre, solches an Uns selbst zu Höchstgemüßigtem ernstem Einsehen ohnverzüglich gelangen zu lassen." Trotz diesen und zahlreichen anderen wohlmeinenden Vorschriften war am Ende des Jahrhunderts die Bibliothek in kläglichstem Zustand. Zwar war schon 1697 einmal der Fürstl. Amtsverwalter Fink zu Battenberg wegen einiger unter dem Bibliothekar Professor Phasian aus der Bibliothek entkommenen Bücher rechtlich belangt worden, aber es bedurfte nicht langer Zeit, um das zu vergessen. Gerade 100 Jahre später wurden durch den französischen Kommiffär Keil nicht wenige Bücher geraubt und noch viel.mehr wären entkommen, wenn nicht dem General Hoche deren Erhaltung zu danken gewesen wäre. An Carnots. Die Verhandlung dürfte schwerlich bis in die nächste Woche hinein dauern, da ja die Sache an sich klar genug liegt, höchstens dürfte die Frage nach den anarchistifchen Verbindungen Caserios noch näher aufzuklären fein. Entgegen anderen Meldungen soll das neue französische Anarchistengesetz bereits auf den Prozeß Caserio Anwendung finden, es würden demnach die gejammten Verhandlungen in demselben mit dem Verbote der Veröffentlichung zu belegen sein. Neueste Nachrichten» Wolff« telegraphisches Correspondmz-Bureau. Berlin, 1. August. Zu Ehren des nationalliberalen Abgeordneten Ho brecht, der nächstens seinen 70. Geburtstag feiert, soll am 14. August am Wohnsitz des Jubilars, in Großlichterfelde, ein Gartenfest stattfinden. Rom, 1. August. Einer Meldung der „Agenzia Stefani" aus Tokio zufolge legte der Minister des Auswärtigen in einer Note an die Vertreter der Mächte die Lage zwischen China und Japan bar und schließt mit der Versicherung, die japanische Regierung sei jederzeit bereit, eine Erörterung friedlicher Propositionen zuzulaffen, die mit der wirklichen Lage und der Würde Japans vereinbar seien. Tokio, 1. August. Die japanische Regierung insormirte die Vertreter der auswärtigen Mächte, daß Kriegszustand zwischen Japan und China bestehe. Depeschen bei Bureau .Herold*. Berlin, 1. August. Die Choleracommission hat heute ihre Thätigkeit wieder aufgenommen. Den Vorsitz führt der Director des Reichsgesundheitsamts, Köhler. Berlin, 1. August. Der Reichskanzler Graf Caprivi begibt sich heute nach Wilhelmshaven, um dem Kaiser Vortrag zu halten. Auf beffen persönliche Einlabung wirb er Juäfjrenb beS Aufenthalts in Wilhelmshaven auf der „Hohen- zollern" Wohnung nehmen. Wilhelmshaven, 1. August. Bei der Mittags erfolgten Ankunft wurde der Kaiser, welcher mit dem Prinzen Heinrich auf dem Verdeck des „Hohenzollern" stand, von dem zahlreichen Publikum sehr herzlich begrüßt. Der Kaiser sah sehr wohl aus. Nachmittags fand Festesien statt. Der Kaiser gedenkt bis zum Sonntag in Wilhelmshaven zu verweilen und während dieser Zeit an Bord der „Hohenzollern^ zu wohnen. Am Sonntag Vormittag erfolgt die Abreise nach Cowes, wo der Kaiser voraussichtlich am Montag Nachmittag eintreffen wird. Wien, 1. August. Wie verlautet, verständigte China sowohl die russische wie englische Regierung davon, daß es ihm an Geld für die Kriegführung fehle und daher in Europa oder Amerika eine Anleihe aufzunehmen wahrscheinlich ge- nöthigt sei. In japanischen Kreisen verlautet ferner, Japan wolle, bevor es China formell den Krieg erkläre, noch ein Ultimatum nach Peking richten. einer anderen Stelle*) habe ich ausführlicher über diese traurig Zeit Bericht erstattet. Aber immerhin war durch diese französischen Diebstähle die Möglichkeit gegeben, alles Fehlende, das sich bei der ersten großen und gewissenhaften Revision der Bibliothek zu Beginn unseres Jahrhunderts ergab, dem Kommissär Keil in die Schuhe zu schieben. Und es sehlie in der That sehr 'viel. Einzelne Professoren hatten Hunderte von Büchern mit und ohne Schein entliehen, Crome z. B. hatte, deren über 350 auf einmal, ohne daß er über deren Verbleib Auskunft zu geben wußte. Gegen den Nachlaß des Professor Hezel wurde selbst wegen fehlender Bücher Proceß eingeleitet. Auffallend war auch, daß fast alle lateinischen Klassiker in Taschenformat fehlten, ohne daß wahrscheinlich war, daß and) diese der Kommissär Keil entführt habe. Zwar hatte er sich einiger der Bücher aus der May'schen Bibliothek bemächtigt, anderes aber, und gerade die Manuscripte und die in den Schränken verschlossenen Bücher waren theils von den Mäusen zerfressen, theils mit Schimmel bedeckt. Don der kleinen Münzsammlung, die May der Hochschule vermacht hatte, fehlten die meisten aus edlem Metall, alle goldene. Die Verluste sind jetzt verschmerzt und hat sich die Gießener Universitäts - Bibliothek in unserem Jahrhundert unter einer wohlwollenden Regierung und einer gewissenhaften und sorgfältigen, dabei aber höchst zuvorkommenden Verwaltung zu einem besonders nützlichen Theil der Hochschule entwickelt. *) Buchner, Aus Gießens Vergangenheit S. 163. Rom, 1. August. Der König unterzeichnete ein Decret, wodurch der Belagerungszustand über Sicilien aufgehoben wird. Paris, 1. August. Casimir-Perier kommt am Samstag hierher, um einem Ministerrath zu präsidiren, der den Urlaub der einzelnen Minister feftsetzt und die Stellvertreter bezeichnet. — Am 22. September beginnt die extraparlamentarische Marineuntersuchungscommission ihre Rundreise durch die Arsenale, mit Cherbourg anfangend. Loudon, 1. August. Die Nachricht von einem neuen Seegefecht, das mit dem Verlust des chinesischen Dampfers „Chen Yuen" geendet haben sollte, bestätigt sich nicht. Nach neueren Meldungen soll auch Hauptmann Hanneken gerettet worden sein. Loudon, 1. August. Die „Times" meldet aus Peking, daß die chinesische Regierung durch die Zerstörung des chinesischen Transportschiffes aufs Aeußerste erbittert ist und in Folge besten wenig versöhnlich gegen Japan ist. Loudon, 1. August. Nach einer Meldung aus Hongkong ist dort seit drei Tagen keine Erkrankung an der Pest mehr vorgekommen. London, 1. August. Von der Insel Kreta wird gemeldet, daß auf den Gouverneur, als er beim Finanzminister zum Besuch war, von außen durchs Fenster ein Schuß abgegeben wurde, der ihn am Kopf verletzte. Vom Thäter fehlt noch jede Spur; ebenso ist noch unbekannt, ob es sich um ein politisches Verbrechen oder einen persönlichen Racheact handelt. Madrid, 1. August. Wolkenbrüche richteten in der Nähe der Stadt Teruel großen Schaden an. Washington, 1. August. Meldungen aus China besagen, daß in den südlichen Provinzen Chinas eine gefährliche Agitation gegen die Fremden ausgebrochen ist. Die europäischen Missionen sind besonders bedroht. Mehrere katholische Kirchen wurden zerstört. Es ist noch unbekannt, ob sich unter den Ermordeten europäische Missionare befinden. Die Missionen konnten nur durch das Eingreifen chinesischer Truppen vor Ueberfällen geschützt werden. Lsealer «n- provinzielle». Gießen, den 2. August 1894. * * Von der Universität. Der „Saalezeitung" zufolge ist der Director des Hygienischen Instituts hierselbst, Herr Professor Dr. Gaffky, zur Leitung des Instituts in Halle berufen worden und hat den Ruf angenommen. * * Laudtagswahl. Bei der Nachwahl im 15. Hessischen Laudtagswahlbezirk wurde nach zwei resultatlosen Wahlen der Socialdemokrat Cramer durchs Loos wiedergewählt. * * Omnibus-Fahrten. Der Passagierverkehr bei den gestrigen Fahrten war namentlich am Nachmittag ein sehr starker. Es fuhren etwa 1350 Personen. Die Fahrgästezahl wäre entschieden eine größere geworden, wenn nicht ein großer Theil derselben zu ihrem Vergnügen die vollen Strecken, namentlich die der Marburger Straße—Bahnhof, voll ausnutzten und infolge dessen in verschiedenen Fällen Fahrlufttge bet den zahlreichen Haltestellen auf den Omnibussen keine Aufnahme mehr finden konnten. Wie wir erfahren, geht man mit dem Plane um, auch Schaffner anzustellen, denn es hat sich herausgestellt, daß dieselben zur Bequemlichkeit des fahrenden Publikums nolhwendig sind. Leider vernehmen wir Wetter, daß von bekannter Seite aus gegen den Omnibusverkehr Machinationen stattgefunden haben, um den Passagieren durch ungezogenes Benehmen jedenfalls dazu engagirter schlecht gekleideter Fahrgäste das Fahren zu vergällen. Einige Excedenten mußten mit Gewalt aus dem Wagen entfernt werden. Sollten sich derartige Manöver wiederholen, so werden wir keinen Anstand nehmen, die Handlungsweise der Anstifter hierzu öffentlich an dieser Stelle zu besprechen. * * Gefährliche Lage. Am vorigen Freitag wollte ein Fuhrknecht seinen Wagen in der Lahn waschen und fuhr unterhalb des unteren Wehrs in dieselbe. Er hatte jedoch die seichte Stelle verfehlt und gerieth in einen tiefen Kessel, sodaß Pferd und Wagen zu schwimmen begannen. Der Fuhrknecht befand sich auf dem Wagen und war des Schwimmens unkundig, weshalb er um Hilfertef. Student Kölle, welcher im Männerbad badete, begab sich zunächst mit einem Nachen an die Stelle, schwamm dann an den Wagen, tauchte unter und löste das Pferdegeschirr, sodaß das Pferd frei wurde, auf dieses bugsirte er dann den zu Tode erschrockenen Knecht und brachte ihn mit dem Pferd ans Ufer, während der Wagen, welcher umgeschlagen war, erst am andern Tage aus der Lahn geschafft wurde. Student Kölle hatte sich bei der Rertungsarbeit einige Hautabschürfungen zugezogen. * * Die gestern entlaufene geisteskranke' Frauensperson wurde in verflossener Nacht von Arbeitern zwischen Wteseck und Alten-Buseck betroffen und wieder hierher verbracht. * * Der falsche Geheimpolizist. Ein herumziehender Arbeiter, welcher sich gestern und vorgestern am Bahnhofe als „Geheimpolizist" aufspielte, wurde verhaftet. Das Geschäft wird ihm auf einige Tage gelegt sein. * * Militärdievstnachrichten. Ehrich, Sec. - Lt. vom 1. Aufgebot des 3. Garde-Landw.-Regts. (Worms), v. Löhr, Sec.-Lt. von der Res. des 2. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Leib - Drag. - Regts.) Nr. 24 (IV. Berlin), Weißflog, Sec.-Lt. von der Res. des Großh. Hess. Train-Bats. Nr. 25 (Gera), Matthaei, Sec.-Lt. von der Res. des Jnf-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 (Kiel), Klinker, Sec.-Lt. von der Res. des 1. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Garde-Drag.-Rgts.) Nr. 23 (I. Darmstadt) zu Pr.-Lts., Mornewe g, Pr. - Lt. von der Cav. 1. Aufgebots des Landw.-Bezirks I. Darmstadt, v. Herget, Pr.-Lt. von der Cav. 2. Aufgebots desselben Landw.-Bezirks, zu Rittmeistern, Weyell, Sec.-Lt. von der Inf. 1. Aufgebots des Landw. Bezirks Gießen, Wallau, Sec.-Lt. von der Res. des 2. Bad. Drag.-Regts. Nr. 21 (Mainz), Stoltz, Schott, Sec.-Lts. von der Inf. 1. Aufgebots des Landw.-Bezirks Mainz, Schmidt, Sec.--Lt. von der Cav. 2. Aufgebots des Landw.-Bezirks Worms, S ch uchardt, Sec - Lt. vom Train 1. Aufgebots des Landw. - Bezirks I. Darmstadt, zu Pr.-Lts., Sieben, Pr.-Lt. vom Train 2. Aufgebots des Landw.-Bezirks Worms, zum Rittmeister — befördert. * * Die Manöver - Postsendungen werden bald beginnen, und es dürfte ein Hinweis auf dieselben willkommen sein. Die Sendungen an Manövertruppen bedürfen, damit sie auf schnellstem Wege in die Hände des Empfängers gelangen, einer genauen Aufschrift, welche Dienstgrade und Namen desselben, die Benennung des Truppenthetls (Regiment, Bataillon, Compagnie, Escadron, Batterie, Collonne u. s. w.) enthält- aber von besonderer Wichtigkeit ist dabei die Bezeichnung des festen Garnisonsortes des Adressaten. Der Garnisonsort muß angegeben werden, um eine präcise Beförderung zu bewirken. Es ist also die Adresse so zu halten, als ob Adressat sich in seiner ständigen Garnison befindet. Die vielfach übliche Angabe „im Manöverterrain" oder eines Marschortes als Bestimmungsplatz muß vermieden werden. Auch aus dem Garnisonorte stammende Postsachen müssen die Bezeichnung des letzteren enthalten. * * An der neu zu errichtenden Großherzoglichen Wein- uud Obstbaufchule zu Oppenheim kommt im Herbst d. I. die Stelle eines Directors und gleichzeitigen Lehrers für Wein- und Obstbau, ferner im Frühjahr 1895 die Stelle eines Lehrers für Naturwissenschaften zur Besetzung. Das budgetmäßige Diensteinkommen beträgt: a. für den Director 3500—4500 Mk. nebst freier Wohnung im Anstaltsgebäude; b. für den Lehrer für Naturwissenschaften 3000 Mk. Bewerbungen sind bis zum 20. l. I. an die Großherzogltche Obere landwirthschaftliche Behörde in Darmstadt zu richten. Seligenstadt, 31. Juli. Das neunjährige Töchterchen hiesiger Bürgersleute verzehrte am Sonntag eine größere Anzahl Pflaumen und trank dann ein starkes Quantum Wasser dazu. Nach einigen Stunden qualvollen Leidens war das bedauernswerthe Kind eine Leiche. Babenhausen, 31. Juli. Der etwa 60jährige Peter Gohr aus Seligenstadt ließ sich heute Mittag bei der Gemarkung Zell Hausen von dem nach Seligenstadt abgelassenen Güterzuge überfahren. Der Unglückliche hinterläßt eine Wittwe und mehrere erwachsene Kinder in geordneten Verhältnissen. Vermischtes. * Berlin, 1. August. Ueber den Beweggrund, der die Familienkatastrophe in der Swtnemünderstraße veranlaßt hat, gibt der folgende Brief Aufschluß, den Pätsch owsky an die Polizei gerichtet hat. Er lautet: „Um Ihnen die Recherchen zu erleichtern, theile ich Ihnen ergebenst mit, daß ich mich und meine Familie im Einverständntß mit meiner Frau entleibt habe. Grund ist meine schwere Krankheit, Lungenschwindsucht und Wassersucht. Meine Frau war kränklich und meine Kinder waren scrophulös. Ich bitte, mich und die Meinigen in einem gemeinsamen Grabe beerdigen zu lassen. Hochachtungsvoll Max Patschowsky." — Die That muß in der Nacht zum Samstag ausgeführt worden sein, denn am Freitag wurde Frau Patschowsky noch gesehen. Der ausführende Theil scheint die Frau gewesen zu sein, denn der Ehemann war durch Krankheit bereits so geschwächt, daß er den Mord an den beiden Knaben nicht hätte vollbringen können. * Hohenlimburg, 31. Juli. Ein Schachtmeister, der Streit mit einer Wittwe hatte, schoß einem zur Beilegung des Streites herbeigerufenen Arbeiter eine Kugel in den Kopf. Im hiesigen Krankenhause erlag der Getroffene bald der Verletzung. Der Thäter ist verhaftet. * Hamburg, 1. August. In einem Speicher auf der Großen Reichenstraße wüthet seit 4 Uhr Nachmittags ein bedeutender Brand. Große Quantitäten Baumwolle brennen, der furchtbare Qualm erschwert die Löscharbeilen. — Der Sp eicher bran d dauert fort, doch gelingt es jetzt, das Feuer auf den einen, allerdings sehr großen Speicher zu beschränken, wo Baumwolle, Wein, Stückgüter, Pelze und Federn lagern. Der Schaden ist unübersehbar, er wird auf über eine Million geschätzt. Die in dem Nebenspeicher lagernden großen Quantitäten von Maaren haben durch den Rauch bedeutend gelitten. * München, 1. August. Gestern fuhren zwei Knechte mit ihren Fuhrwerken unter der Ludwigsbrücke in die Isar, um die Pferde zu schwemmen. Sie wurden durch das hochgehende Wasser fortgeriffen - einer der Knechte und vier Pferde ertranken, der andere wurde gerettet. * In Uelzeu wurde der seit dem Jahre 1818 dort wohnende Rechtsanwalt Justizrath Carl Stegmann am 28. Juli 100 Jahre alt. Der würdige Greis, am 28. Juli 1794 zu Lüneburg geboren, hat erst vor einigen Jahren seine Praxis völlig eingestellt und seine Wohnung, die er mieth- weise seit Michaelis 1826 in demselben Hause bewohnt, nicht mehr verlassen können, da ihm das Gehen schwer fällt. Geistig rüstig ist der alte Herr noch jetzt, nur hat sich Schwerhörigkeit bei ihm nach und nach eingestellt. Verheiraihet ist Justizrath Stegmann nicht gewesen und Verwandte hat er nicht- er wird von der Familie des jetzigen Eigenthümers des Hauses, das er nun seit 68 Jahren bewohnt, in freundlichster Weise verpflegt. * Die Schlachtfelder um Metz. Aus Metz schreibt man: „Der Besuch auf den Schlachtfeldern ist immer noch ein sehr lebhafter und wird wohl noch viele Jahre hinaus andauern. Die meisten Besucher bedauern es lebhaft, daß von keinem Punkte aus ein Ueberblick auf das sehr unebene, vielfach von Waldungen durchschnittene Gelände möglich ist. Diesem Uebelftande soll nun durch die Erbauung eines Aus- sichtsthurmes abgeholfen werden. An der Spitze des zu diesem Zwecke gebildeten Comitös stehen der commandirende General Graf v. Häseler, der bereits einen geeigneten Platz für den etwa 30 Meter hoch gedachten Thurm ausgesucht hat, Generallieutenant v. Arndt und Bezirksprästdent' v. Hammerstein. Die Sache soll so beschleunigt werden, daß die Einweihung am 18. August 1895, dem 25. Jahrestage der Schlacht von Gravelotte St. Privat, stattfinden kann. Ein Theil der erforderlichen Mittel ist bereits aufgebracht. Am 18. August d. I. wird der in der Nähe des Pachthofes Mogador errichtete Denkstein eingewetht, der die Stelle bezeichnet, bei der Kaiser Wilhelm I. während der Schlacht von Gravelotte mit Granaten beschossen wurde. Am 15. August d. I. veranstaltet ferner die „Vereinigung zur Schmückung und dauernden Unterhaltung der Kriegergräver" wie alljährlich in der Schlucht von Gravelotte eine patriotische Gedenkfeier. * Ein eigeulhümlicher Preis ist durch die letzte Nummer der „Deutschen Fischerei-Zeitung" vom Bayerischen Landes- Fischzuchtverein ausgesetzt worden, nämlich 100 Mk. für jeden männlichen Flußaal, der in einer Länge von 55 bis 60 Ctm. aufgewiesen werden kann. Es ist nämlich ein heftig geführter Streit zwischen Herrn Dr. v. Brunn in Hamburg und dem Fischzüchter Vogel in Lauenbruch bei Harburg ausgebrochen. Ersterer, und mit ihm alle Autoritäten der Fischzucht, behauptet, daß männliche Aale nie länger als 45 Ctm. werden. Vogel kündigt nun an, daß seine aus der Elbe entnommene Fischbrut 55 Ctm. lang würde. Das Schiedsrichteramt hat Dr. Hermes in Berlin übernommen, der dem Dr. v. Brunn in Hamburg (45 Ctm.) vollständig zustimmt. Nur einmal, in der venettanischen Lagune, sei ein 48 Ctm. langer männlicher Aal gefunden worden. * Mädchen • Distanzgehen. Eine emancipationslustige Mädchenschaar in Wien unternahm kürzlich, angestachelt durch den Ruhm, welchen verschiedene männliche Distanzgänger, zuletzt die als Schnelläufer auftretenden Greise in einem salz- burgischen Dorfe, in Sportkreisen geerntet haben, eine Distanztour auf zwölf Kilometer. Die nichts weniger als einladende Temperatur der letzten Tage vermochten den gefaßten Vorsatz nicht zu stören. Um 5 Uhr Morgens stellten sich in der Märzstraße dreißig Diftanzgängerinnen dem als Starter fungitenben Fräulein Hermine Wallner, welches den gruppen* weisen Abmarsch der Concurrentinnen überwachte. Das Ziel war Purkersdorf. In Breitensee, Baumgarten, Hütteldors, Hadersdorf und Ober - Weidlingen waren Controlstationen errichtet. Eine Stunde 37 Minuten betrug die Zeit der ersten, während die achtzehnte erst nach zwei Stunden 39 Minuten durch das Ziel ging. Zwölf Teilnehmerinnen hatten in Hütteldors den Wettbewerb aufgegeben und waren mit der Eisenbahn nach Purkersdorf gefahren. Bemerkt sei noch, daß keine Geldpreise ausgesetzt waren, sondern lediglich um den Meisterschaftstitel gerungen wurde. * Zu wenig Sträflinge. Aus Temesvar wird dem „Wiener Fremdenblatt" telegraphiert: Der Justizminister forderte die Strafgerichte dringend auf, die Verurtheilten aus den Kerkern der Bezirksgerichte in die Strafhäuser abzuliefern, da diese beinahe leer stehen! — Die Verordnung dürfte jedoch schwerlich Erfolg haben, da beispielsweise das Temesvarer Gefängniß, in dem sonst 150 Sträflinge untergebracht sind, kaum 30 Gefangene besitzt. — In Ungarn giebt es also zu wenig Sträflinge — kein schlechtes Zeichen! * Die lieblichen Tauben vom Marcusplatz in Venedig, die auf Staatskosten öffentlich gefüttert werden, erlagen am 20. Juli einem grausigen Schicksal. Nach mehrtägigem Sturm entlud sich nämlich an diesem Tage über Venedig ein Hagelwetter. Die Schloßen glichen an Größe wälschen Nüssen und häuften sich auch dermaßen an, daß die Straßen und die Dächer der Häuser noch mehrere Stunden nach dem Aufhören des Unwetters wie nach einem dichten Schneefall aus- sahen. Auf den Lagunen wurden mehrere Botte vom Sturme umgeworfen. Der Blitz schlug in den Thurm der Kirche Santa Maria Formosa und am Lido gelang es den Badegästen nur mit genauer Noth, sich in das Dampfboot zu retten, das den Dienst zwischen der Badeanstalt und der Stadt versieht. Am schlimmsten aber kamen die Tauben der Venetianer bei dem Unwetter weg. Hunderte vom Hagel erschlagene Tauben wurden theils auf dem Marcusplatze, theils weiter aufgelesen und wer weiß, ob durch dieses Unheil nicht die ganze Rasse dieser historischen Tauben vernichtet und Venedig um eines feinet Wahrzeichen ärmer geworden ist. * Die einzige Frau, welche in der englischen Kirche zur Vornahme gottesdienstlicher Handlungen berechtigt ist, ist die Königin Victoria. Die hohe Frau wurde im Jahre 1837 zum „Domherrn" an der St. Davids-Kathedrale ernannt, hat aber niemals das Gehalt eines solchen bezogen, und zwar wahrscheinlich deßhalb nicht, weil sie die Regel nicht erfüllte, nach welcher jeder Domherr eine gewisse Anzahl Gottesdienste im Jahre abzuhalten hat. * Die Geschenke des Czaren an das dänische Kronprinzenpaar anläßlich der silbernen Hochzeit und an die königliche Familie sind von einem Courier des Czaren überbracht worden. Diese bestehen aus den prächtigsten und kostbarsten Seiden- und Sammetstoffen, die die berühmten kaiserlichen Fabriken haben produciren können. Die Stoffe sind mit den feinsten Gold- und Silberstickereien ausgestattet und repräfen* ttren einen ungeheuren Werth. Der Liebling des Czaren, die Prinzessin Marie von Orleans (mit dem Prinzen Waldemar verheirathet), hat eine außerordentlich prachtvolle Seidenrobe mit Silberstickereien erhalten. Alle diese Costüme sollen zur silbernen Hochzeit benutzt werden. — Der Herzog von Cumberland hat seinem Schwager als Festgeschenk ein prächtiges Viergespann mit hannoverschen Vollblutpferden geschickt. * Die Nabobs unter allen Polizeileuteu der Welt sind die Newyorker Poltccrnen. Ein einfacher Patrolman dritter Klaffe bezieht ein Einkommen von circa 4000 Mk., ein Sergeant 6000 Mk. und ein Polizeioffizier gegen 10,000 Mk. Die Bezahlung ist zwar reichlich, allein Geldstrafen sind bet Nachlässigkeiten an der Tagesordnung. Früher konnte in den Straßen Newyorks ein Pferd fallen, ohne daß sich die Polizei um die Wegschaffung des tobten Körpers kümmerte. Dex Cadaver blieb inmitten der Straße liegen. Die Reclame, L>te sich keine Gelegenheit entgehen läßt, beeilte sich, den Pferdeleib mit Annoncen zu bedecken. Heute verfällt ein Polizeiorgan, daS nicht sofort ein todtgeräderteS Hündchen con der Straße entfernt, der Strafe, und zwar Abzug eines zweitägigen Lohnes, und eine noch schärfere Ahndung findet statt, wenn beispielsweise ber Patrolman über e-nem galanten Zwiegespräch mit einem Dienstmädchen seine Obliegenheiten cinen Moment außer Acht läßt. Nebst den uniformirten Poltcemen nehmen die Detectives von Newyork eine anerkannte und bemerkenswerthe Stellung in dem Sicherheitswesen Newyorks ein. Ihre außerordentlichen Leistungen haben fic vielfach zu Romanhelden gemacht. Aus den erprobten Sicherheitsmännern hat der oberste Polizeileiter vierzig Organe ausgesucht, die während ihres Straßendienstes Proben eines großen Spürsinnes abgelegt haben. Diese Patrolmen bilden eine Sicherheitsbrigode, die ihresgleichen nirgends findet. Sie beziehen bis 7600 Mk. jährlich und stehen in beständiger Berührung mit den Verbrechern verschiedenster Kategorien, deren Art zu „opertren" und Lebensgewohnheiten sie studiren und dann im Jntereffe der öffentlichen Sicherheit ver- werthen. • Der Schalk im Znserateutheil. „Erstes großes Brillant- seuerwerk unter persönlicher Abbrennung des Herrn Patzelt." — „Die Fuhre Lehm kostet bei mir 1 Thaler 25 Silber« groschen, wobei der Fuhrmann auck schon mit drin liegt." — „Die berühmte amerikanische Haaressenz, welche allen Haarleidenden radical und schnell ein Ende macht" rr. — „Heute wurde am hiesigen Magistratsgebäude der schwarze Kasten, wohin künftighin die Verlobten, welche zur Ehe übergehen wollen, in gesetzmäßiger Weise aufgehangen werden müffev, befestigt." — „Der Verkauf meiner seligen Frau auf dem Wochenmarkte hat seinen ungestörten Fortgang." — „Wir werden Jeden, der durch unseren Hos fährt, und wenn es auch Leichen sind, gerichtlich belangen." — „Elf Kleiderschränke für Feldwebel von Kiefernholz sucht die Garnisonsverwaltung in Glogau." — „Fünf Thaler Belohnung Demjenigen, der mir den Verbleib meines am 25. v. MtS. abhanden gekommenen HundeS so anzeigt, daß ich ihn gerichtlich belangen kann." — „Für Geburten sind die Wochentage DienStag und Freitag Morgens 9 bis Nachmittags 2 Uhr festgesetzt. Der Standesbeamte." — „Gute Nähmaschinen, ein Sattler, ein Schneider zu verkaufen." — „Bei der Section eines gelbbraunen Dachshundes hat sich amtliche Wuthkrankheit ergeben." — „Alle, welche noch Acten aus dem Nachlasse meines Mannes beanspruchen, werden auf- gefordert, sich binnen vier Wochen zu melden, widrigenfalls sie eingestampft werden." Sehiffsnaehrichten. Der Postdamvfer „Friesland" der „Red Star Line" in Anl- werpen ist laut Telegramm am 30. Juli wohlbehalten in New- york angekommen. Der Dampfer „Illinois" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 30. Juli wohlbehalten in Philadelphia angekommen. Verkehr, Land- rrnd Volkswirthschaft^ Gieße«, 2. August. Der vorgestern dc.hier abgehaltene Vieh- markt war ziemlich stark befahren. Es waren aufgetrieben: 1604 Stück Rindvieh und 582 Stück Schweine. Trotz des lebhaften Handels machte sich in den Preisen eine wesentliche Veränderung nicht bemerkbar. Nächster Markt Dienstag den 14. und Mittwoch den 15. ds. Mts. Am letzten Tage auch Kcämermarkt. Siwdueg, 1. August. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 12.20, weißer Weizen X 12.10, Korn X 10.20, Gerste X 7 50, Hafer X 7.15. Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemessen am 2. Auaust, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16, Luft 17o. Rübsamen'sche Badeanstalt. Tuch und Buxinstoste ä Mk. 1.75 Pfg. per Meter. EheviotS und MeltonS ä „ 1.95 „ „ „ nadetfertig ca. 140 cm. breit, versendet direct und franco Oettinger & Co., Fankturt a. M., Fabrik-Depot. Modernste Muster derettwilligst franco. 6395 Visitkarteii mit Trauerrand nebst dazu passenden mässigen Preisen Gnauth. 6333] Arbeitsversteigerung 740,80 Pfg. 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Lieferung von Grundbausteinen und Aufsetzen derselben Chaussirarbeit und Lieferung von Decksteinen Lieferung von Sand Herstellung einer Böschungsmauer incl. Lieferung des erforderlichen Materials der Rodhohl, Flur 25 9?r. 159 — 2694 GamStag den 4. August, Bor« mittags 10 Uhr, wird auf dem Hofe des Gastwtrth Jungblut, Rodhetmerstr. 2 1 große Parthie altes Etchen-Bau- holz versteigert. 6378 kommen in gedachter Richtung. Gießen, den 30. Juli 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Nr. 8,2 — 2731 qm Acker selbst, Nr- 9,4 — 2256 qm Acker selbst, Nr. 12 - selbst, Nr. 13 - selbst. auf der Warth, Flur 25 Nr. 42 — 3488 Samstag 4. Aug. d. I., Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Marktplatz 20 dahier: 1 Hobelbank mit verschiedenem Glaser- geschtrr, darunter 20 Diamanten, 12Dutzcnd Goldtassen, 10 große Spiegelgläser, 80 Blumenoasen, ca. 300 Meter Gold- und andere Leisten, mehrere Kaffee-Service, 1 Nähmaschine, 1 russ. Billard, 2 Bilder und verschiedenes Möbel. 6392 Bor«, Gerichtsvollzieher. selbst, Nr. 10 — 1663 selbst, Nr. 11 - 1663 des Landeszuchthauses. 6243] Bornemann. wurde. Karte der Provinz Oberheffen da-1 mit Angabe der Eisenbahnen, Staatsstraßen, Kreisstraßen. Maßstab 1: 80000, Größe 110x110 orn. | Nach amtlichen Quellen bearbeitet von C- Weltzbacher in Darmstadt. | Preis roh in 4 Bl. Mk. 3.50, auf Leinselbst, Flur 18 Nr. 23,5 — 2082 qm Acker daselbst, Flur 18 Nr. 24«/ioo — 1712 qm Acker daselbst, Flur 23 Nr. 149 — 6925 qm Acker auf selbst, Flur 18 Nr. 14 — 3825 qm Acker selbst, Flur 18 Nr. 21 - 3400 qm Acker selbst, Flur 24 Nr. 68 — 3350 qm Acker auf dem Barresgra5en, Flur 24 Nr. 105 - 2819 qm Acker am oalben Zehnten. Flur 24 Nr. 106 - 2525 qm Acker da- Allendorf a. d. Lumda, am 28. Juli 1894. Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lumda Rein. Dienstag, den 7. August I. I., Vormittags IO Uhr, werden folgende Arbeiten in hiesiger Gemeinde wenigftnehmend in Accord veranschlagt zu Freitsg den 14. September Nachmittag« 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Freiherr Victor Hugo von Nor- deck zur Rabenau gehörigen, in der Gemarkung Gießen gelegenen Immobilien: Flur 18 Nr. l^/uo — 206 qm Acker zwischen dem Mittelweg und der Chauffee, Flur 18 Nr. l,87/ioo — 312 qm Acker daselbst, Flur 18 Nr. l.^/iroo — 41 qm Gras- aarim daselbst, Flur 18 Nr. 7,6/iq — 2049 qm Acker daselbst. Stadt. Schlachthaus. Freibank. [6380 Heute und morgen: 8chweineffeisch, nicht ladenrein, per Pfd. 45 Pfg. 18 Nr. 9,«Vic» — 3398 qrn Hofraiihe daselbst, selbst, Flur 18 Nr. 18,7 — 6242 qm Bekanntmachung. I eine Hilfsaufseherin gesucht. Die im Allgemeinen wünschenswerthe, als vorsorgliche Maßnahme Tägliche Vergütung 2 Mk. bei freier gegen die Cholera aber besonders nöthige gründliche Ausspülung der Goffev rc. | Patron. Die Verwendung wirb mit hinreichenden Waffermengen wird im laufenden Sommer in empfind- voraussichtlich mehrereMonate dauern, licher Weise erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht durch den — erst. Bewerbungen unter Beifügung von im Herbst behobenen — Waffermangel in der städtischen Quellwaffer-, Photographie und ZeugNiffen sind Versorgung; der wohlthätige Zweck dieser Maßnahme läßt sich danach hieran die unterzeichnete Direction zur Zeit nur durchführen, wenn dafür, neben den wenig zahlreichen, richten. öffentlichen auch die im Privatbesitz stehenden Pumpbrunnen Marienschloß, 27. Juli 1894. der städtischen Verwaltung insoweit zur Verfügung gestellt werden, als dies I Gr. Direction mit dem eigenen Bedarf der Eigenthümer irgend vereinbar ist. Wir, bitten hierdurch die Einwohner unserer Stadt um thunliches Entgegenselbst, Flur 31 Nr. 90 — 2900 qm Acker 1 der alten Sandkaute, Flur 31 Nr. 91 — 9125 qm Wiese da- der Sandkauie , ... - — öffentlich meistbietend versteigert werden- wand aufgezogen mit lackierten Stäben , Gießen, 2. August 1894. i Mk. 8.- Zu beziehen durch alle Buch. mrn6c 1 Handlungen, sowie gegen Einsendung des Großh. Or sgericht Gießen. Betrages direct von: I 2- A-. Bogt. 6396 Roth, Verlag, Gießen. dem Weiher, Nr. 43 - ' Bekanntmachung, j Zwei Keller unter dem Schulhause Flur 25 da- Flur 2b da-! i Flur 25 Nr. 52V10 — 3199 qm Acker da- da^; ! Karte am KraKhmagthum fjefftn. Da* i Mit Berücksichtigung der angrenzenden c ' Länder neu bearbeitet von Max Fromann. D“51 25 vermehrte Auflage. . In Karton Mk. 2.80; aufgezogen Mk.4.50. Dtu । Anerkannt beste, auf« genaueste nachgetra- . ' g-ne Karte des GroßberzogthumS. Bei selbst ----------005 dieser neu bearb Aufl. wurden die an- Flur 25 Nr. 149 - 1081 Robert Haas, 18. SelterSweg 18. NB. Extra-Wetten stets am Lager. Soeben erschien: Adressbach d. deutsch. Zeitschriften und der hervorr. polit. Tagesblätter 35. Jahrg. 1894. gr. 8'J. 370 8. In Leinen geb. 4 M. baar. „Unbedingt weitaus das beste aller ähnlichen Werke.“ [Börsenblatt für den Flur 25 Nr. 50 — 3212 qm Flur 25 - 1781 qm Mer auf Deulsohen B-chhandel.] -—r <■ — ' Expedition des Zeitschnften- Dor \ Adressbachs in Leipzig-R. dem Aulweg, binter^ dem Weiher, Flur 23 Nr. 157 — 1950 qm Acker da- :--------------- selbst, । öorsetten. Flur 23 Nr. 158 - 5088 qm Acker da- VW* selbst, j für Damen und Kinder empfi InMülrutf! Säet weissen Senfsaamen! Ihr könnt damit große Massen vorzügliches Herbstfutter erzielen. Aecht und billig zu haben bei 6377 I. M. Schulhof, Marktstr. Carl Bieler, Kreuzplatz. Hch. Bölzel, Wieseck.______ 6372] Alte, rothe, dicke Kartoffel« verkauft E.Fr.Semmler, Walliho rftr. 15. Gr. Schellfische rc. per Pfd. 20 Pfg. 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J. in Giessen stattfindenden sechszehnten Verbandsfestes Hessischer Freiwilliger Feuerwehren erscheint demnächst eine reich ausgestattete, illustrirte Festschrift in einer Auflage von 5000 Exemplaren. Da wir derselben einen Inseraten - Anhang mit Geschäfts - Empfehlungen aller Branchen beigeben, so erlauben wir uns, die verehrlichen Geschäftsinhaber hiesiger Stadt auf dieses wirksame Insertionsmittel nochmals aufmerksam zu machen. Gefl. Aufträge bitten wir an die Adresse des Herrn Curt von Münchow spätestens bis zum 6. August d. J. gelangen zu lassen. Eine ganze Seite mit einer Satzfläche von 170 x 100 m/m stellen wir für den Preis von Mk. • ' - ~ EisseJhraiike mit Zink- und Glas-Wänden Fruchtpressen Messing - Casser ollen ■“ Giessener Zitherclub (Wohlthätigkeitsverein). SMP** Sonntag den 5* August Fchnemkihe ’Ä‘ lOjiilitigrn Stiftunijsfeftc auf der „Schönen Aussicht unter gütiger Mitwirkung mehrerer Gesangvereine von hier. Anfang 3 Uhr. — Die Musik wird ausgeführt von dem Grotzh. Hess. Feld-Artill.-Regt. Nr. 25 (Darmstadt) in Unisorm. — Abends große Illumination des Reftaurationsgebäudes. (Der Festplatz selbst wird mit großen Lampions illumiuirt.) Eintritt ä Person 30 Ifg. — Mier im Klar 3/io Jiter 10 Ufg. ■ Mitglieder haben gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte treten Zutritt, ebenso Kinder in Begleitung Erwachsener. Programme mit Prolog und Tanzordnung an der Kaffe ä 15 Psg. 6258 Der Vorstand. Diese Seife eignet sich in Folge außerordentlicher Waschkraft vorzüglich zum Einweichen und zur Vorwäsche. Der Schmutz löst sich mit Leichtigkeit los; die Wäsche wird blendend weiß und dabei doch nicht im Geringsten angegriffen. (603 P. J. Mobs 4043] Ostanlage 15 ist der 2. Stock, 6 Zimmer u. Zubehör, mit Gartenantheil, zu vermiethen. Näheres daselbst und bet ___Lonib -ellmolb, Steinstraße. 6314] Der 1. und 2. Stock, je 6 Zimmer mit allen Bequemlichkeiten, billigst sofort oder später zu vermiethen- Diezstraße 5. 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Einladung* zur 32. ordentlichen Generalversammlung, welche Samstag den 11. August d. I., Nachmittags 4 Uhr, in dem Saale des Wirths Konrad Brücke! XI. hier abgehalten werden soll und wozu die Genoffenschafter eingeladen werden. Tagesordnung: 1) Mittheilung der Jahresrechnung für 1893 und Geschäfts-Bilanz. 2) Beschlußfaffung über Verkeilung des Geschäftsgewinnes und die dem Vorstand zu ertheilende Decharge. 3) Mittheilung des Berichts des Verbandsrevisors über die am 20. November v. I., vollzogene Revision der Sparkaffe, Erklärung des Aufsichtsraths hierauf und Beschlußfaffung der Generalversammlung. 4) Ausschluß von Genossen. 5) Ergänzungswahl des Aufsichtsraths. Lang-Göns, am 31. Juli 1894. Der Vorstand der Spar- und Leihkasse zu Lang-Göns. Eingetr. Genossenschaft mit unbeschr. Haftpflicht. 6367]_________________A. Henrich, Director._________ Rübsamen sche Bade- und Schwimm Anstalt. Geöffnet ist die Anstalt von Morgens 6 bis Abends 8 Uhr, an Sonntagen nur Vormittags von 6—12 Uhr. Unterrichtsstunden und Badezeit sür die Schuljugend sind an den Wochentagen Vormittags von 10—12 Uhr, Nachmittags von 3—7 Uhr.