1894 Nr. 1. Erstes Blatt. P Gratisbeilage: Gießener Aamikienökätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Mittwoch den 3. Januar Alle AnnonceN'Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Redaction, Expedition und Druckerei: Schulllraße Mr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Äbonnemcntspreis: 2 Mart 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. nnd Zlirzeigebl^tt für den Avers Giefzen Die Gießener Aamikien btälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. ießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Anntliche»^ Theil. Bekanntmachung, betreffend das Ersatz-Geschäft für 1894. Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden alle im Jahre 1874 geborenen Militärpflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten. Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirth- schaftSbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lchrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder ihn ähnlicher Eigenschaft»sich aufhalten, hiermit aufgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar l. I. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden und dabei, wenn sie an diesem Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein und wenn sie sich bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs-Schein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden. Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet. Die Großhcrzoglichen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, am 2. Januar 1894. Der Civilvorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission Gießen. Dr. Melior. Deutsches Reich. Berlin, 31. December. Ueber die nächsten Kaiser« m an^ver schreibt der „B. L.-A.": Obgleich die Vorarbeiten für die nächsten Kaisermanöver noch nicht abgeschlossen sind, so steht es doch schon, wie wir aus gut unterrichteten militärischen Kreisen hören, unbedingt fest, daß das erste und siebzehnte Armeecorps Manöver vor dem Kaiser haben werden. Wie wir weiter vernehmen, wird jedem Armeecorps eine Cavallerie-Division zugetheilt werden; diese werden außerdem zeitweise zu einem Cavalleriecorps vereinigt werden. Es soll ein ganz besonderes Augenmerk auf die strategische Verwendung der Cavallerie gerichtet werden- die Manöver bei Metz haben in dieser Hinsicht nicht ganz auf der Höhe gestanden, und wer möchte wohl bestreiten, daß wir im nächsten Kriege für die Ausklärungsthätigkeit unserer Cavallerie viel schwierigeren Verhältnissen gegenüberstehen werden als früher? — Gegen die geplante Tabakfabrikatfteuer sind neuerdings wieder beachtenswerthe Kundgebungen erfolgt. So hat sich die Posener Handelskammer entschieden gegen die Steuer erklärt und beschlossen, eine in diesem Sinne gehaltene Petition an den Reichstag zu richten. In Speyer fand am Mittwoch eine von dem Comits der pfälzischen Tabokbauer einberufene Versammlung statt, die von Bürgermeistern und Delegirten der tabakbauenden Orte sehr zahlreich besucht war und sich einstimmig gegen die Tabaksteuervorlage aussprach. Lucke - Pattershausen, als Vertreter des Bundes der Landwirthe, gab die osficielle Erklärung ab, daß sämmt- liche Mitglieder des Bundes deutscher Landwirthe im Reichstage gegen die Tabaksteuer stimmen würden, welche den Jnlandsbau nickt genügend schütze. Große Massenkundgebungen sind in Aussicht genommen. — Die Handelskammer für Karlsruhe-Baden beschloß eine Denkschrift gegen die Tabakfabrikatsteuer mit einer Petition, sowie eine solche gegen die geplanten Reichssteuern. — Zur Landtagseröffnung macht der Minister des Innern Graf zu Eulenburg mit Bezug auf die Verordnung des Königs vom 26. December, durch welche die beiden Häuser deS Landtags der Monarchie auf den 16. Januar zusammenberufen worden sind, im „Staatsanzeiger" bekannt, daß die besondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bureau des Herrenhauses und in dem Bureau des Hauses der Abgeordneten am 15. Januar in den Stunden von 8 Uhr früh bis 8 Uhr Abends und am 16. Januar in den Morgenstunden von 8 Uhr ab offen liegen wird. In diesen Bureaus werden auch die Legitimationskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen gemacht werden. Berlin, 30. December. Der „Reichsanzeiger" bringt aus Anlaß seines 75jährigen Bestehens einen Rückblick auf seinen Entwicklungsgang, sowie Mittheilungen über die inneren Einrichtungen und äußeren Verhältnisse des Blattes. Berlin, 30. December. Das Präsidium des deutschen Handelstages ladet für den 12. und 13. Januar zu einer Plenarversammlung ein. Berlin, 30. December. Die Meldungen einzelner Blätter, daß die Reichssteuerreform auf eine spätere Session vertagt sei, erklären die „Berliner Politischen Nachrichten" für unbegründet. Berlin, 30. December. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Der Austausch der Ratificationen des deutsch-serbischen Handelsvertrags ist heute im Auswärtigen Amte durch den Staatssecretär Frhrn. v. Marschall und den serbischen Geschäftsträger erfolgt. Der Termin für das Inkrafttreten ist auf den 1. Januar 1894 festgesetzt. Die in dem deutsch- rumänischen Handelsverträge verabredeten Zollsätze werden vom 1. Januar ab thatsächlich in Anwendung kommen, vorbehaltlich der durch die Genehmigung des Handelsvertrags Seitens der rumänischen Kammer und durch den alsdann erst möglichen Ratificationsaustausch bedingten formellen Inkraftsetzung. — Zwischen Deutschland und Spanien ist ein weiteres Provisorium beabsichtigt, wonach vom 1. bis 31. Januar gegen die volle Meistbegünstigung der spanischen Ausfuhr in Deutschland die deutsche Einfuhr in Spanien neben dem Minimaltarif auch die allein spanischerseits einem dritten Lande eiugeräumten Zollvergünstigungen mitgenießen wird. Eine entsprechende Erklärung wird sofort in Madrid vollzogen werden. Berlin, 31. December. Aus den deutschen Schutzgebieten sind in letzter Zeit mancherlei unerfreuliche Meldungen eingegangen. Am bedenklicksten von ihnen nimmt sich aber wohl ote Meldung über die Meuterei der schwarzen Schutz- und Polizeitruppe in Kamerun aus. Zwar liegt über diesen Vorgang bis jetzt nur eine kurze und ungenaue Mittheilung vor, trotzdem klingt sie ernst genug. Denn die schwarzen Polizisten haben sich mit den Waffen in der Hand gegen das Gouvernement aufgelehnt und sogar das Regierungsgebäude in Joßlatte geplündert. Mannschaften des vor Kamerun stationirten Kanonenbootes „Hyäne" mußten landen und die Meuterer aus dem Gebäude wieder vertreiben, wobei es nicht nur Verwundete, sondern auch Todte gegeben haben soll. Ob die Meuterei eine größere Bedeutung besitzt, läßt sich augenblicklich noch nicht beurtheilen- offenbar ist aber der Zwischenfall in Hinblick auf die verschiedenen anderen aus den deutschen Colonieen seit einiger Zeit eingelaufenen ungünstigen Nachrichten unliebsam genug. Berlin, 31. December. Ueber die in Aussicht genommenen Wintermanöver des Gardecorps verlautet zuverlässig, daß dieselben nur bei wirklichem Winterwetter, also bei strengem Frost und Schnee, abgehalten werden sollen. Erst in dem gegebenen Moment ergeht an sämmtliche Gardetruppen der Befehl zum Ausrücken. Alle Dispositionen werden erst in letzter Stunde bekannt gegeben. Als Uebungsgebiete sind auch die Havelseen in Aussicht genommen. Dresden, 31. December. Prinzessin Friedrich August ist heute Nachmittag von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Glatz, 30. December. Auf höheren Befehl wurde die Wache be. den zwei wegen Spionage verurteilten fran- zösischenOffizieren verstärkt. Jeglicher Verkehr mit der Außenwelt ist denselben verboten. Kiel, 30. December. Heute Vormittag reisten der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen wieder ab. Der Kaiser besichtigte mit dem Prinzen Heinrich, dem Großherzog von Hessen und dem Admiral Knorr die neuerbaute Brücke bei Levensau, sowie die Schleusenanlagen bei Holtenau. Gegen 1 Uhr kehrte der Monarch nach Kiel zurück, von wo aus er sodann die Reise nach Potsdam antrat. Leipzig, 30. December. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" sind auf Grund zuverlässigster Informationen in der Lage, alle Gerüchte über eine Wendung in dem Befinden des Fürsten Bismarck, wie die Combinationen, die an die Reise des Grafen Wilhelm von Bismarck und des Professors Schweninger nach 'Friedrichsruh geknüpft wurden, als Erfindung bezeichnen zu können. Der Fürst befinde sich so wohl, daß der Leibarzt schon unmittelbar nach dem Weihnachtsfeste Friedrichsruh wieder verlaffen und gestern eine Reise nach Süddeutschland antreten konnte, von der er erst am Neujahrstage in die Umgebung des Fürsten, der seine Auöfahrien täglich fortsetzt, zurückkehrt. Karlsruhe, 30. December. Die Erbgroßherzogin von Baden, welche gegenwärtig in Freiburg weilt, ist an der Influenza ernstlich erkrankt. Anstand. Wien, 30. December. Die „Neue Freie Presie" bespricht die innere politische Lage Preußens und die in Berlin umlaufenden Krisengerüchte. Das Blatt schließt den betreffenden Artikel mit den Worten: „Caprivi wird der gegen ihn mit allen Waffen kämpfenden Conservativen nicht eher Herr werden, als dis er den alten Zuruf beherzigen wird : „Landgraf werde hart!" Ueber diese Gegner könne man nur drohend Hinwegschreiten oder unterliegen. Dieselben wüßten nichts von |ber Treue, nichts vom Gemeingefühl, wenn ihre Standesinteressen und ihr Klassenhochmuth int Spiele seiL Wien, 30. December. Zu Ehren der deutschen Militär- Deputation fand gestern Abend im Marmorsaale der Hofburg ein Diner beim Kaiser statt, welchem sämmtliche Mitglieder der Deputation, der Erzherzog Albrecht, der deutsche Botschafter und die deutschen Militär-Attaches beiwohnten. Prag, 30. December. Der Kohlenträger V o i t e ch, der Quarttergeber der wegen Ermordung Mrvas verhafteten Individuen, ist dem Strafgerichte eingeliefert worden. Die Wohnung Mrvas wurde neuerdings gerichtlich untersucht. Prag, 30. December. .Der durch seine Vorurtheilung wegen des Ueberfalles Deutscher Besucher der böhmischen Landesausstellung bekannte Secretär des jungczechischen Abgeordnetenclubs, Cizek, sowie der Candidat der Medicin Dutka wurden unter dem Verdachte, die Zwecke des Geheimbundes „Omladina" gefördert zu haben, verhaftet und dem Strafgerichte eingeliefert- in ihren Wohnungen wurde mel belastendes Material gefunden. H. v. St. Brüssel, 30. December. Ueber die projectirte Gründung einer deutschen Hand elskammer am hiesigen Platze wird der in Antwerpen erscheinenden „Deutschen Zeitung für Belgien und Holland" von hier aus geschrieben: Hier ist ein erbitterter Streit unter den Mitgliedern unserer deutschen Colonie ausgebrochen. Eine Anzahl derselben war nämlich auf die Idee gerathen, in Brüssel eine deutsche Handelskammer nach dem Muster der französischen ins Leben zu rufen, hatte aber weder bei der deutschen Regierung noch bei der Gesammtheit der hiesigen Deutschen mit diesem Einfall Beifall gefunden. Die erstere ließ die betreffenden Projecteure wissen, daß sie nicht daran dächten, jenen Plan zu unterstützen, daß sie vielmehr die Herren dringend ersuchen müsse, Alles ■ zu vermeiden, was das Publikum auf den Gedanken bringen könnte, als handle es sich bei dem vorliegenden Projecte um etwas Anderes, als um ein rein privates Unternehmen. Ein großer Theil der hiesigen Deutschen dagegen ist dem Unternehmen aus dem Grunde feindlich gesinnt, weil sie vor allem dessen Nothwendigkeit und Nützlichkeit bezweifeln, ja sogar glauben, daß bei der gegenwärtigen Lage der Dinge eine Deutsche Handelskammer den Interessen der Gesammtheit der Brüssels Deutschen insofern nachtheilig werden könnte, als diese Handelskammer wahrscheinlich in Versuchung gerathen würde, lediglich die Interessen ihrer Mitglieder zum Schaden der übrigen Deutschen in Brüssel zu vertreten. So liegt für den Augenblick diese Angelegenheit, der gegenüber Stellung zu nehmen wir vorläufig nicht für gut befunden haben. Die Freunde wie die Feinde des Unternehmens befinden sich in einem Zustande wachsender Aufregung und möglicherweise werden die erbitterten Gemitther nochmals heftig aufeinander platzen, womit dann eine kleine Abwechslung in das behagliche, aber etwas langweilige Stillleben unser deutschen Colonie gebracht werden würde. Madrid, 30. December. In Sevilla verhaftete die Polizei einen aus Amerika eingetroffenen Anarchisten. Bei der Visitation fand man hochwichtige Papiere und große Geldbeträge vor. Paris, 30. December. Wie der „Temps" aus Madrid meldet, haben die in Barcelona inhaftirten anarchistischen Rädelsführer Selbstmordversuche gemacht. Codina habe sich mit einem Glasstück die Pulsadern aufgeschnitten. Paris, 30. December. DaS „Journal officiell" veröffentlicht eine Verordnung, durch welche die Einfuhr und Durchfuhr von Rindvieh, Hammeln, Ziegen und Schweinen aus der Schweiz untersagt wird und die Zollämter an der Schweizer Grenze für die Einfuhr solcher Thiere zeitweise geichlossen werden. Ausgenommen sind nur aus Deutschland und Oesterreich kommende und nach dem Schlachthaus in La Billette bestimmte Hammel. Paris, 31. December. Nur einige Morgenblätter besprechen das freisprechende Berdict in dem Prozesse gegen die wegen der Ruhestörung in Aigues -Mortes Angeklagten. Der Correspondrnt des „Figaro" findet dasselbe verblüffend und meint, es würde von allen unparteiischen Gemüthern verdammt werden. „Libre Parole" und „Jn- transigeant" billigen dagegen die Freisprechung, welche das „Journal des Debats" damit erklärt, daß die Geschworenen ungewiß darüber gewesen seien, ob sie die wahren Schuldigen °vor sich hätten. — Der „Matin" meint, die Anwesenheit des italienischen Generalconsuls bei dem Prozesse in Angouleme habe gewiß wesentlich zu der Entscheidung der Geschworenen beigetragen. — Der socialistische boulangtstische Deputirte Mery hat eine Liga zum Schutze der nationalen Arbeit gegründet mit der Devise: „Keine fremden Arbeiter in unseren Werkstätten, keine fremden Erzeugnisse in unseren Geschäften." Loudon, 29. December. Alpheus Morton reichte dem Unterhaus einen Antrag ein, in welchem die Königin ersucht wird, den Theil des Gesetzes vom Jahre 1873 zu annulliren, in welchem dem Herzog von Sachsen-Coburg- Gotha eine jährliche Apanage von 10000 Pfund Sterling gewährt wird. Angoulöme, 30. December. Sämmtliche wegen der Ruhestörung in Aigues - Mortes Angeklagten sind frei- gesprochen worden. Barcelona, 30. December. Ein Italiener, Namens Daccherini, ist verhaftet worden, bei dem Papiere vorgefunden wurden, aus welchen desien Mitschuld an dem Attentat in dem Teatro Liceo hervorgeht. Rom, 29. December. Der' preußische Gesandte beim Vatican, v. Bülow, brachte heute dem Papste Glückwünsche zum Jahreswechsel dar. Trapani (Sicilien), 31. December. Arbeiter, welche an der neuen Vicinalstraße von Castelvetrano arbeiteten, griffen gestern die militärischen Posten und zwei Posten vor dem Steuerhäuschen an, und steckten die Wachthäuser in Brand. Hierauf legten sie Feuer an das Centralsteuer-Bureau, an das Bureau des Steuereinnehmers, an das Kataster-Bureau ; und an das Bureau des Friedensrichters. Den Soldaten ! gelang es, das Feuer zu löschen. Die Ruhestörer befreiten I sodann die Gefangenen, welche seit mehreren TcWen in Haft gehalten wurden. Das Rathhaus, das Bankgebäude, sowie Post- und Telegraphengebäude konnten vor den Ruhestörern geschützt werden. Letztere trugen vor den Soldaten die Bilder des Königs und der Königin her und acclamirten dieselben. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Nach Castelvetrano, wohin sich auch der Präfect und der Staatsanwalt begaben, sind Verstärkungen gesandt worden. Athen, 30. December. Auf die Terrasse der Deputaten- kammer wurde heute ein mit Erplosivstoff, dessen Zusammensetzung noch nicht bekannt ist, gefüllter Behälter geschleudert und explodirte- die Kammer setzte indessen ihre Sitzung fort. Die später vorgenommene Untersuchung ergab, daß der Inhalt des geschleuderten Gegenstandes wenig gefährlich war. Athen, 31. December. Die auf die Terraffe der Deputirtenkammer geschleuderte Bombe enthielt Dynamit, jedoch nur in geringer Menge. Cocalt* nnb provinzielle-. Sietzeu, 2. Januar 1894 ** Die diesmalige Neujahrsnacht gehörte wohl zu den lebhaftesten, die Gießen je erlebt hat. Das trockene, nicht allzukalte Wetter war der Ansammlung größerer Menschen- maffen günstig und diese bewegten sich denn auch, als der Zeiger der Scheidestunde des alten Jahres näher rückte, im Mittelpunkte der Stadt, zwischen dem Kreuz- und Lindenplatze in sehr geräuschvoller Weise. Daß es dabei ohne mancherlei Unfug nicht abging, ist angesichts der sich am Abend vieler Krakehlgeister bemächtigenden gehobenen Stimmung nicht zu verwundern. Zunächst war es das widerliche Schießen, welches zur Vermehrung des Scandals beitrug. Gegen 26 Personen wurde Anzeige erhoben, die geschossen, Feuerwerkskörper abgebrannt und sonstigen Unfug verübt hatten. Einen Hauptunfug bildete auch das „Froschwerfen" in den verschiedenen Wirthschaftslocalitäten; manche der Wirths- ftuben glichen mehr einer explodirten Pulverkammer als einem anständigen Gastzimmer. Daß man sich als Wirth solche Rohheiten bieten lassen kann? Die unvermeidlichen verschiedenen Holzereien blieben auch diesmal nicht aus, Chatten jedoch keine üblen Folgen. ** Neues Theater. Wir machen an dieser Stelle noch* mals auf das heute Dienstag Abend stattfindende zweite und letzte Gastspiel des Herrn Hofschauspielers Leon Rese- mann aufmerksam. Herr Resemann wird in „Die Journalisten" den „Konrad Bolz" verkörpern. Möge recht zahlreicher Besuch die hier schon zur Evidenz bewiesenen künstlerischen Leistungen des Herrn Resemann lohnen, zumal der geschätzte Künstler heute zum letzten Male hier aufttitt. ** Weihnachtsbescheerung. Die „Gießener Freiw. Feuerwehr" hielt gestern Abend in den Räumen des „Concerthaus Lahnstein" ihre Weihnachtsbescheerung ab. Erfreulich war es, daß die Kameraden sich zahlreich eingefunden hatten. Der Hauptmann des Corps, Herr Grün, begrüßte die Anwesenden, indem er u. A. bemerkte, daß der Christbaum schon seit Jahrhunderten in jeder Corporation und in jeder christlichen Familie brenne. Es sei auch unter den Kameraden ein Bedürfniß geworden, sich unter dem brennenden Christbaume, dem Symbole des Friedens, zusammenzufinden. Der Chriftbaum solle uns die Lasten und Schicksalsschläge des vergangenen Jahres vergessen lassen, er solle uns aber auch für das kommende Jahr mahnen, daß wir keine Ungerechtigkeit an unseren Nebenmenschen verüben sollten. Er hoffe, daß auch unter den Kameraden Ruhe und Frieden herrschen möge, denn bei einer Feuerwehr sei es um so nöthiger, da doch einer des anderen Lebensretter sei, zu allem j diesen möge der Friedensbaum, unter dem sich heute die Kameraden mit ihren Familien vereinigten, beiträgen. Herr Wie g a n d sprach hierauf einen schönen Prolog, nach welchem das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen wurde. Hieran schloß sich die Verloosung der Geschenke. Die Versteigerung des Christbaumes trug die Summe von ca. 34 Mk. ein. I Unter Concert-Vorträgen des Herrn Kruse verflossen allzurasch die schönen Stunden. * * Jubiläum. In diesen Tagen sind es 25 Jahre, daß Fräulein Johanna Koch ihre Wirksamkeit als Lehrerin an der höheren Töchterschule unserer Stadt begann. Sie hat während dieses Zeitraums und durch die Liebenswürdigkeit ihres Wesens sich allgemeine Anerkennung und Liebe erworben. Möge es der verdienten Lehrerin noch lange vergönnt sein, ihre Kraft der genannten Schule zu widmen! * * Das gestrige Militär Concert in „Steins Garten" war von einem sehr zahlreichen Publikum besucht. Die einzelnen Nummern des reichhaltigen Programms wurden mit großem Beifall ausgenommen und wußten verschiedene Stücke, u. A. „Historische Märsche", „Das erste Herzklopfen" 2C. wiederholt werden. Hoffentlich sind unsere tüchtigen Musiker, sowie Herr Stein für das Gebotene reichlich entschädigt worden. * * Explosion. Gestern Abend explodirte in einem Restaurant der Wallthorstraße das Gas, wobei der Wirth an Gesicht und Händen verletzt wurde. Der Wirth hatte in -einem kleinen Raum den Gashahnen offen gelassen und später in dem Raum ein Streichholz angezündet und so die Explosion herbeigeführt'. Außer den übrigens geringen Verletzungen des Wirths ist weiterer Schaden nicht entstanden. * * Ein roher Act von Thierquälerei wurde gestern zur Anzeige gebracht. Ein Arbeiter, der in einem Hose in der Schloßgasse von dem an der Kette liegenden Hofhund angebellt wurde, ergriff das Messer, stach dem Hund ins Maul und verletzte ihn schwer. ♦ * Die Gelegenheit des Neujahrstrubels haben wahrscheinlich wieder dieselben rohen Burschen benützt, um das Wetterhäuschen in der Südanlage abermals zu erbrechen und den darin befindlichen Barometer zu zertrümmern. * * Verhaftung. In verflossener Nacht wurden zwei junge Leute wegen Trunkenheit und Ruhestörung verhaftet. * * Unsere Damenwelt, so schreibt das „W. T.", machen wir darauf aufmerksam, bei Frostwetter keinen Schleier zu tragen. Der warme Hauch, der dem Munde entströmt, wird durch den Schleier gewissermaßen gefesselt, der eisige Wind krystallisirt ihn und die Nase hat den Schaden davon - man kann sich nämlich auf diese Weise die Nase erfrieren, ohne daß man es merkt. Zum Schutz gegen Staub und Luft mag man den Schleier tragen, nicht aber bei Frostwetter. * * Ein Schützeugruß soll eingeführt werden, ähnlich dem „Gut Heil" der Turner. Von ernsthaften Vorschlägen kommen besonders in Frage: „Gut Ziel" und „Halt fest". — Die Zahl der scherzhaften Vorschläge ist weit größer als die der ernstgemeinten. K. Stockheim, 1. Januar. In der Neujahrsnacht ist der einzige Sohn des Pachters Holzmann auf Hof Leustadt aus Unvorsichtigkeit von einem Freunde desselben erschossen worden. -e. Neu - Ulrichstein , 1. Januar. Monatsbericht der Arbeiter-Colo nie pro December 1893. Ende December 1893 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 128 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 36, Regierungsbezirk Kassel 21, Regierungsbezirk Wiesbaden 16. Königreich Preußen: Provinz Rheinlande 7, Provinz Westfalen 5, Provinz Hannover 1, Provinz Sachsen 2, Provinz Brandenburg 4, Berlin 2, Provinz Schlesien 5, Provinz Posen 1, Provinz Pommern 2 - Thüringische Staaten 4- Königreich Bayern 8, Königreich Württemberg 1 , Königreich Sachsen 4. Großherzogthum Baden 4, Großherzogthum Sachsen-Altenburg 2. Fürstenthum Reutz 1. Ausland: Luxemburg 1, Böhmen 1. Hiervon waren: Arbeiter 62, Anstreicher 3, Barbier 1, Bäcker 4, Bauzeichner 1, Bergmann 1, Brauer 1, Brenner 1, Buchbinder 2, Conditor 1, Färber 1, Hasenhaarschneider 1, Heizer 1, Kaufleute 5, Kesselschmiede 1-, Maurer 3, Mechaniker 1, Metalldrücker 1, Metzger 1, Porzellanmaler 1, Sattler 1, Schiffer 1, Schlosser 7, Schmiede 1, Schneider 6, Spengler 1, Schreiner 2, Schriftsetzer 1, Schreiber 1, Steindrucker 1, Steinhauer 1, Stuckateur 1, Schuhmacher 1, Tuchscheerer 1, Tüncher 3, Vermessungsgehilfe 1, Wagner 1, Weber 1, Zimmermann 3. Gearbeitet wurde an 2859 Tagen, hierunter an 212 Tagen für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Colonie an 3733 Tagen. Im Monat December wurden entlassen 7 Mann, und zwar auf eigenen Wunsch 5, in die Familie zurück 1, wegen Contractbruchs 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2414, dagegen abgegangen im Ganzen 2286 Mann, bleibt Bestand am 31. December 1893 128 Mann. A Mainz, 1. Januar. Welchen bedeutenden Einfluß die geplante Weinsteuer jetzt schon auf das gesammte Weingeschäft ausübt, läßt sich sehr deutlich aus den eben bekannt gegebenen officiellen Zahlen über die Einfuhr inländischer Weine in hiesige Stadt im verflossenen Monat November erkennen. Nach diesen Angaben wurden in dem bezeichneten Monat nämlich nur 9346 Hectoliter Wein hier eingeführt, während in dem gleichen Monat im Jahre 1892, obwohl der Herbstertrag bekanntlich ein viel geringerer war, die Einfuhr 16,435 Hectoliter, also nahezu das Doppelte betrug. Diese Zahlen sind sehr bezeichnend. — In einer größeren Versammlung hiesiger Kaufleute, welche am letzten December hier stattfand, wurde beschlossen, wegen der in Aussicht stehenden Quittungs- und Frachtbriefsteuer eine dringende Eingabe um Ablehnung an den Reichstag zu richten. Zur Unterstützung der Agitation soll mit der Handelskammer in Verbindung getreten und in allen Kreisen der Handel-, der Industrie- und der Gewerbetreibenden die Petition zur Unterzeichnung in Circulation gesetzt werden. — Seit gestern bringt der Main starkes Treibeis und "zwar in solcher Masse, daß sich viele Schiffe schon in die SicherhettShäfen geflüchtet haben. Verflossene Nacht und am heutigen Morgen hatten wir hier leichten Schneefall. — Mit dem heutigen Tag ist Mainz osficiell in das Zeichen deS Carnevals getreten. Mit großem Umzug wurde, wie üblich, die „Kasse" der „Narrhalla" in den Straßen der Stadt herumgefahren und später fand das erste carnevalistische Concert in der närrisch decorirten „Stadthalle" statt. Vermischtes. * Gladenbach, 29. December. Ein imposanter Leichenzug bewegte sich gestern durch die Straßen unserer Stadt. Es galt, dem allbeliebten, im 83. Lebensjahre verstorbenen Kreisphysikus a. D. Sanitäts-Rath Dr. Stirn die letzte Ehre zu geben. Philipp Christian Ludwig Stirn war geboren zu Biedenkopf im Jahre 1810. Im Jahre 1835 ließ er sich in seiner Vaterstadt als practischer Arzt nieder und zwar zunächst als Allopath, um dann später zur Homöopathie überzugehen. Im Jahre 1866 wurde er kurz vor Ausbruch des Krieges als großherzoglich hessischer Kreisarzt nach Gladenbach versetzt, woselbst er auch nach der Einverleibung unseres Kreises in das Königreich Preußen als Königl. preußischer Kreiswundarzt verblieb. * Berlin, 30. December. Die Kutscher der Taxameterdroschken haben in einer in der vergangenen Nacht abgehaltenen Versammlung beschlossen, die weißen Hüte, welche das Königliche Polizeipräsidium vom 1. Januar 1894 vorschreibt, nicht zu tragen und so lange zu striken, bis diese Verfügung wieder zurückgenommen ist. Die übrigen Kutscher Berlins haben den Strikenden materielle Unterstützung zugesagt. * Elberfeld, 30. December. Der Solinger Mädchenmörder Bläsing gestand gestern dem StaqZsanwalt die That ein, er will dieselbe jedoch ohne Ueberlegung ausgeführt haben. * Zweimal Soldat. In Würzburg ereignete sich der wohl seltene und deßhalb erwähnenswerthe Fall, daß ein junger Mann zweimal Soldat werden muß und zwar in zwei verschiedenen Armeen. Ein Schriftsetzer Triltsch wurde, im September d. I. nach einer zweijährigen Dienstzeit im dortigen 9. Infanterie-Regiment zur Disposition entlassener glaubte damit seiner Pflicht Genüge gethan zu haben. Die Sache sollte aber anders kommen. Der Vater des jungen Mannes, ein einfacher Taglöhner, ist österreichischer Nationalität; er wußte natürlich nicht, daß er dies bei der damaligen Aushebung seines Sohnes Seitens der deutschen Behörde hätte geltend machen müssen. Vor einiger Zeit nun schrieb der Vater an seine österreichische Heimathsgemeinde, daß er von ihr zur Erledigung einer Familienangelegenheit Papiere brauchte. In Oesterreich erinnerte man sich nun, daß dieser Mann bereits einen gestellungspflichtigen Sohn haben müsse. Diese Erinnerung wurde für den Sohn sehr unangenehm, denn er erhielt eine Gestellungsordre von Eger, die ihn auf vier Jahre zu einem österreichischen Artillerie- Regiment berief. Die Proteste des jungen Mannes halfen nichts, und es wurde ihm sogar mit dem „Abschube" gedroht. Er ließ nun durch einen Rechtsanwalt ein Gnadengesuch an den österreichischen Kaiser anfertigen. Wie es scheint, liegt der Fehler auf Seite der bayerischen Aushebungscommission, die sich zuerst über die Nationalität des Einzustellenden zn vergewissern hatte. * Hochherzige Spende. Die weltbekannten „Fliegenden Blätter" begingen am 29. d. Mts. mit der Ausgabe deS 100. Bandes das Jubiläum ihres fünfzigjährigen Bestehens. Aus Anlaß dieser seltenen Feier hat der Verlag der „Fliegenden Blätter" Kaspar Braun & Jul. Schneider in München der „Pensions - Anstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller", dem „Künstlerunterstützungsverein" und dem „Unterstützungsverein der deutschen Buchhändler und Buchhandlungsgehilfen" in Berlin, die Summe von je 3000 Mk. — zur Förderung ihrer Humanitären Zwecke überwiesen. * Denkstein. Der Großherzog von Baden beabsichtigt, an der Stelle, von welcher weiland Kaiser Wilhelm I. die Schlacht bei Gravelotte leitete, einen künstlerisch ausgearbeiteten Granitstein errichten zu lassen. Der Hofbildhauer H. Kaffenberger in Baden-Baden ist mit der künstlerischen Herstellung des Denksteins beauftragt. * Von der Feier des Weihnachtsfestes in der kaiserliche« Familie berichtet der „Hamb. Corr.": Im Muschelsaale des Neuen Palais stand zwischen den Tischen des Kaisers und der Kaiserin ein herrlicher Weihnachtsbaum. Die ganze Breite der Saalwand nahm eine lange Tafel ein, auf der die Geschenke für die Prinzen und die Prinzessin lagen. Auf jedem Platze stand ein Weihnachtsbaum, die vom Kronprinzen bis zur Prinzessin immer kleiner wurden. Dem Tische des Kaiserpaares gegenüber stand ein Tiich mit einem Baum für die Hofdamen und die Gouvernante der kleinen Prinzessin. Der Tafel der Prinzen gegenüber stand ein Tisch für die Hvfmarschälle, die Kammerherren vom Dienst und die Lehrer der Prinzen. Im rechten Winkel zum Kaisertisch war der Tisch für die Adjutanten und den Chef des Civilcabinets aufgestellt. Um 3 Uhr 15 Min. wurde im blauen Zimmer den Mitgliedern des Leibdienstes bescheert. Die Kaiserin trug die Prinzessin auf dem Arm und die Schaar der Prinzen stand im Kreise um die Mutter. Alle zusammen sangen „Stille Nacht, heiligt Nacht," und dann ging die Kaiserin mit den Prinzen an die Tische und rief die Namen der zu Beschenkenden auf. Nach der Tafel, kurz nach 5 Uhr, wurden die Thüren deS Muschelsaales geöffnet, der im Lichte der zehn Weihnachtsbäume und aller Kronleuchter und Wandarme strahlte. Die Kaiserin sührte die Prinzen hinein, während die Prinzessin getragen wurde, und zeigte ihnen ihre Platze, wobei allgemeiner Jubel ausbrach. Nach einiger Zeit reichte der Kaiser seiner Gemahlin den Arm und führte sie an ihren Tisch, um ihr die Geschenke zu zeigen, die in Kunst- und Gebrauchsgegenständen bestanden. Dann führte die Kaiserin den Kaiser an seinen Tisch und überreichte ihm die von ihr gewählten Angebinde: Bücher, Bilder und mancherlei Kleinigkeiten. Die drei ältesten Prinzen freuten sich besonders über ihre Schneeschuhe und einen Ruderapparat. * Was Alles vergessen werden kann. Man berichtet unlerm 15. d. M. aus Königsberg i. Pr.: Daß bei einer Fahrt zur Taufe der Täutting vergessen werden kann, dieser fast unglaubliche Fall hat sich kürzlich in einem Orte des Samlandes ereignet. Die Mutter des Täuflings hatte mit der schon bejahrten und schwerhörigen Hebamme vorerst das Abkommen getroffen, daß sie selbst den kleinen Weltbürger auf der Fahrt zur Kirche zu sich nehmen werde, dann aber später diese Verabredung rückgängig gemacht und bestimmt, daß die Hebamme den Täufling zu sich nehme. Die alte Frau halte diese zweite Bestimmung der Mutter aber ganz und gar vergessen oder überhört und befand sich in dem Glauben, daß die Mutter das Kind zur Kirche mitnehmen werde. So fuhren denn drei Wagen mit der Mutter, den Taufzeugen und den Gästen zur Kirche ab, in dem vierten Wagen sollte alsdann die Hebamme mit dem Täufling folgen. In Rudau trafen alle vier Wagen zu gleicher Zeit ein, Alles war bei dem feierlichen Acte beisammen, nur die Hauptperson, der Täufling, fehlte zum Entsetzen der Anwesenden- derselbe war zu Hause — vergessen worden und lag in seinem Taufornate auf dem Bette der Mutter im süßesten Schlummer. Nachdem sich der Schreck der Gäste gelegt und eine heitere Stimmung Platz gegriffen hatte, eilte die Mutter in einem Wagen im Galopp nach dem Taufhause zurück und brachte den Täufing noch rechtzeitig an das Taufbecken. Ipidplan öer vereinigten Rrankfnrter Aadttheater. Opernhau». Mittwoch den3.Januar Nachmittags 3«/, Uhr: Dornröschen. Abends 7 Uhr: Gastspiel des Fräulein Franceschtna Pievostt. Neu etnstudirt: Linda von C hamounix. Donnerstag den 4. Januar: Walküre. Freitag den 5. Januar: Wilhelm Tell. Samstag den 6. Januar, Nachmittags 3Ve Uhr: Dornröschen. Abends 7 Ubr: Gastspiel des Fräulein Franceschtna Preoosti. Violetta (la Traviata). Sonntag den 7. Januar, Nachmittags 3«/, Uhr: Dornröschen. Abends 7 Uhr: Der Troubadour. Schauspielhaus. Mittwoch den 3. Januar: Das Heirathsnest. Donnerstag den 4. Januar: Ghorleys Tante. Vorher: Millionär a. D. Freitag den 5. Januar geschlossen. Samstag den 6. Januar: Zum ersten Male: Gyges und sein Ring. Sonntag den 7. Januar, Nachmittags 3V8 Uhr: Charleys Tante. Abends 7 Uhr: Talisman. Montag den 8. Januar: Das Heirathsnest. (Mttgetheilt durch den Agenten des Norddeutschen LloydeS, Herrn Carl Loos in Gießen.) _ , Bremen, 30.December. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Cms, Capt. W. Netmkasten, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 19. December von Bremen und am 20. December von Southampton abgegangen war, ist gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 30. December. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Dampfer Karlsruhe, Capttän F. Keßler, vom Norddeutschen Loyd in Bremen, welcher am 9. December von Bremen abgegangen war, ist am 24. December in Newyork und am 28. December, 9 Uhr Vormittags, wohlbehalten in Baltimore angekommen. Zur Enthebung von Neujahrs-Gratulationsbesuchen haben nachträglich noch folgende Herren und Damen der Klein- ktnder-Bewahranstalt Gaben zugewendet: 65. Bildhauer Emil Kalbfleisch. 66. Kaufmann Rudolf Göbel und Frau. 67. Amtsrichter Dornseiff. 68. Hauptmann Goldmann und Frau. 69. G. Nauheimer und Frau. 70. Stabsund Batatllonsarzt vr. Krieger und Frau. 71. Kaufmann Benner und Krumm. Auch den Vorgenannten sprechen wir für ihre Gaben unfern herzlichsten Dank aus. Gießen, am 2. Januar 1894. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. Dr. Naumann. Holzversteigerung im Gießener Stadlwalde. Montag den 8. Januar 1894 soll im Gießener Stadtwald nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 1) Im District Wanne, , Vormittags 9 Uhr beginnend: 137 Fichten- und Kiefernstämme mit 55,96 fm. 2) daselbst, Bormittags gegen 10 Uhr beginnend: 11 Fichtenderbstangen mit 0,93 fm, 1500 Fichtenreisstangen „ 2,77 „ ! (Bohnenstangen), 16 rm Eichennutzscheit, 20 „ Buchenscheit, 105,5 „ Eichenscheit, 5 „ Nadelscheit, 7 „ Buchenknüppel, 48 „ Eichenknüppel, 15 „ Nadelknüppel, 5 „ Buchenstöcke, 29 „ Eichenstöcke, 4 „ Nadelstöcke, 410 Wellen Buchenreisig, 3220 „ Eichenreisig, 2870 „ Nadelreisig. i Die Zusammenkunft ist an der s. Schneise der Licherftraße. Gießen, den 2. Januar 1894. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ______I. V.: Georgi._____55 Mittwoch, 14. Februar 1894, Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht die den' Karl «Sser zweiter Eheleuten in' Gießen gehörige Hofratthe: Flur 40 Nr. 40a o CD OO TI -n o o 2 Ul cc T> c —I z L1J £ d o mieihen__ 40] Alicestraße 26 ist der erste Stock, 6 Zimmer mit Zubehör, neu bergerichtet, zu vermiethen. Frau Prof- Tasche Wwe. 53] Ludwigsftraße 46 ist der 2. Stock, bestehend aus 6 Zimmern mit Zubehör, zu vermiethen- Näheres daselbst im 4. Stock._________ 16] Schöne Wohnung von 3 Zimmern mit Zubehör, sowie Wohnung von zwei Zimmern zu vermiethen. Asterweg 47 17] Das seither von Frau Eehetmratb Seitz bewohnte Logis, 5—6 Zimmer, ist anderweitig an ruhige Leute zu vermiethen. L. Klinket. Bahnhofstraße 1". 18] Wohnung, 4 Zimmer, auf sofort zu vermiethen.__________Alicestraße 25 19] In meinem Neubau in der Weserstraße find mehrere Logis von je 3 Zimmern mtt Zubehör zu vermiethen- __Lorri- Hellmold. 20] Möblirtes Zimmer zu vermiethen. ___Ehr. Ferrtig, Asterweg 5. 21] Ein möblirtes Zimmer mit Ca- binet zu vermiethen. Kreuwlatz 13. 22] Schön möblirtes Zimmer zu vermiethen. Weidengasse 1 HI, Ecke Neuen Bäue 10455] Möblirtes Zimmer sofort zu vermiethen. Wolfstraße 15, 1. Stock- Mermischte Anzeige». Neues Theater, Giessen. Heute Dienstag, L. Januar: Letztes Gastspiel des Hrn Leon Resemann. Die Journalisten. *0. ö. A. V. Sektion Gießen. Donnerstag, 4. Januar: Versammlung im Vereinslocal: Cafe Ebel ;6<>| V\Teohnikum Mittweida! a V l — Sachaen. — \" R laeohinen-lngenleur-Schule \ \ Werkmeiste r-8ohule \ Bektrotechnlsohee PrektlkCTL \ Pferde zum Schlachten werden stets angekauft. [23 _________Keßler, Roßschlächter. 24] Ein junge§l braves Mädchen sofort gesucht- Marburgerftraße 29. 251 Für einen Mann, der in schriftlichen Arbeiten gewandt und znr Zeit arbeitslos ist, fache ich Be fchäftignng. Pfarrer Dingeldey. öj Für dkn Betrieb einer "~T Bier-Niederlage in der Nähe Gießens wird eine tüchtige geeignete Persönlichkeit gesucht. Offerten unter Nr. 750 an die Exped. dieses Blattes-______ Feuerversicherung. 26] Eine der ältesten und grätzten FenerverstchervngSgesellschaften fucht tüchtige Vertreter gegen höchste Provision. Off sub H. M. 573 an die Exved. d. Bl. ob. a- Haasenstein n. Vogler, A--G, Frankfurt a. M. Nebenverdienst Mark 3600 jährlich festes Gehalt können Personen jeden Standes, welche in ihren freien Stunden sich beschäftigen wollen, verdienen. Offerten unt. Z 5291 an Rudolf Moese, Frankfurt a. M. [28 37] Eine j. kräf. Frau s. Beschäft- im Wasch. u-Putz, a. n. ich Aush o-Monatsft. an- Z. erf «. Ledermann, Neuenweg 42, II. 54] In einem hiesigen Fabrikgeschäft wird Ostern oder früher ein Lehrling gesucht. Offerten unter J. 100 an die Exped- d. Bl. 47) Ein tüchtiges Mädchen für Küche und Hausarbeit gesucht. Neuenweg 39. 4X] Ord. Mädchen sucht leichte Stelle in kl- Haushalt Näh. Koplavsgasse 14. 49] Ein Lanfmädchen oder «Fra» gesucht.___Asterweg 40, III.__ 46] HanSbnrfche gesucht^ ___Wiener Feinbäckerei. 61] Ordentliches Dienstmädchen gesucht^^ H. Kühn, Seltersweg 36. 57] Tüchtige mit guten Zeugniffen verS sehene Mädchen suchen Stellung. Frau Seybicke, Bahnhofstraße 43. 59] Gesunde Amme zum 6. Jas nuar gesucht. _______W. Dittmar, Bad Ems. Zwei Küfergesetten gesucht von Küfermeister Kreiling, Heuchelheim. [36 63 Atelier Emil Giessow Leipzig 1879. 3410 3MP* Sonntags bis 6 Uhr geöffnet. (3 Mitglieder), 3. Statutenänderung, 4. Allgemeine 27] Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. 51 ] Zuveeläsfiger Pferdeknecht auf sofort gesucht. Aoh. Kreiling IX. Wwe., Wieseck. I Als alleiniger Vertreter einer der größten Hypotheken- Hauken vermittele ich die Belechung von Immobilien zu günstige» Bedingungen. 27 O.BLataemsteiii« Schillerstr 27. rGEWERBEN IUSSTELLUNÜ LEIPZIG j l i8?a. / 62J Ordentliches Mädchen für Hausarbeit per sofort gesucht. Meyerhoff, Ktrchenplatz 9. (Gebr. Müller Nachfolger) 34 Bahnhofstr. 34 empfiehlt sich zu i Aufnahmen jrbtn Genres I in nur künstlerischer feinster Aus-i führung zu soliden Preisen, bei jeder Witterung, stets mit Moment- Prekgekrfini platten. Für die tieftrauernden Kinder und Verwandten Heinrich Anbei. Giessen, den 2. Januar 1894. Radfahr-V er ein. Generalversammlung: Donnerstag den 4. Januar 1894, Abends Sy3 Uhr, in der Brauerei Röhrle. Tagesordnung: 1. Vereinslocal, 2. Ergänzungswahl des Vorstandes Geschäfts-Eröffnung. Hiermit beehre ich mich, Freunden und Bekannten sowie einer geehrten Einwohnerschaft anzuzeigen, dass ich am heutigen Tage Scllillerstrasse 5 ein Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem Hinscheiden unserer unvergeßlichen Gattin und Mutter Katharina Rau sagen innigsten Dank 38 Heinrich Rau und Kinder. Oaoksagong® Für die Antheilnahme, welche uns bei dem unersetzlichen Verluste unserer lieben Eltern von Seiten des Herrn Oberbürgermeisters, den Herren Stadtverordneten, den Herren Lehrern der hiesigen Schulen, den Schulkindern der höheren und erweiterten Mädchenschule, Verwandten, Freunden und Bekannten durch die zahlreichen Blumenspenden wurde, sowie den hiesigen evangelischen Schwestern, welche uns während der schweren Krankheit unserer lieben Eltern so thatkräftig unterstützten, dem Herrn Pfarrer Schlosser und dem Herrn Director Landmann für die trostreichen Worte am Grabe sagen wir unseren tiefgefühltesten Dank. Holz- und Kohlengeschäfl eröffnet habe. Haben Sie die Güte, meinem Vorhaben Ihre schätzenswerthe Unterstützung zu Theil werden zu lassen, und nehmen Sie die Versicherung entgegen, dass ich demselben durch pünktliche und aufmerksame Bedienung zu entsprechen stets bemüht sein werde. Hochachtungsvoll und ergebenst Gustav Kuppel. NB. Bestellungen werden auch Ludwigstrasse Nr. 30, in der Wohnung meiner Eltern entgegen genommen. 50 Danksagung. Anläßlich unserer Bitte gingen ein: Bei Herrn Heinrich Schnell 179,82 v4L (darunter die baaren Einlagen aus den in den Wirtschaften aufgestellten Sammelbüchsen); 59,15 JL Erlös für Cigarrenabschnitte; bei Gelegenheit der Weihnachtsfeier von den Stammgästen der Wirthschast Bourgeois 15,60 JL, der Wirthschast Heldmann 11,50 «X., der Wirthschast Loth 1,10 der Wirthschast Schnell 3,40 JL"), bei Herr« Carl Keller 23 JL, Emil Kalbfleisch 56 JL, Herm. Döring 30 .Gustav Gerhardt 17,50 «X, Emil Heuser 47,81 X, für welche Gabe« seinen verbindlichsten Dank auszusprechen nicht verfehlt Der Verein Jugendfreund. Süd-Weine und Spirituosen Die Geschäftsräume der J mstizr äthe Dr. V. Schmidt und 8h. Weicker zu Marburg befinden fich von heute an im Hause des Ersteren. Hofstadt Nr. 22, 1. Stock.3 gxxxxxxxxx.xxoxxxxxxxxx O Unseren werthen Kunden, Freunden und Bekannten die X herzlichsten Glückwunsch H zum Jahreswechsel. X 52 J. Bruder und Frau &OCXXXXXXXXXOXXXXXXXXX Alice-Schule. Der Bügel- und Wasch-Cursus beginnt Montag den 8. Januar 1894 und können noch einige Schülerinnen an dem Unterricht theilnehmen. Gießen,.den 2. Januar 1894. 56i_____________________________ Der Vorstand. AllitnMkchbnk KümgenmMckheim. Eigene Import von FRIEDRICH LEO, Giessen. Span. Roth wein Aragon pr. Fl. X Cöteu „ n « Priorato (herb n. mild) „ „ „ „ (Süss) x 1.50 n. „ n „ Portug. Gebirgswein „ „ „ Tarragona w „ „ Valdepennas Malaga Xeres Pajarete Malaga X 2.50 Madeira X 2.50 Portwein Sherry —.95 1. 1.30 1.40 1.20 1.40 1.50 1.50 2.— r 2.— 2.— 2.— Alicante Muscateller Burgunder California (Riesling) Samos Marsala Bordeaux Medoc Chateaux Margeaux Menescher Ausbruch Rüster Ausbruch Tokay er Ausbruch X 8 c. Capwein pr. Fl. X 2.50 » „ » 2.50 . „ „ 1.10 w n » 1-30 • ■ „ 140 n 2-- „ » 60 Franz. Cognac, p. ■/< Literfl. X 3.— u. 4.— I Bata via-Arac, p. */i Literfl. X 3.50 Deutscher Cognac „ •/< „ „ 1.40 „ 2.— | Jamaica-Rum M Vi „ ,, 4.— Ferner empfehle ich mein Lager in [2598 Deutschen und selbstbereiteten Beer en-W einen. ässiasra Comsbericht so« E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frankfurtsr Börse vom 2. Januar 1884. RelchSbank-DiScont 5 pfl>L — Frankfurter Bant-DiLconl 5 pLt. vchLschcourfe 1 Uhr 15 Min. 3% Reichsanleihe Wlo do. 3°/o Preuß. ConsolS 3V«°/o do. 86 30 100.70 86.35 100.80 40/0 Ung. Gold-Rente 50/0 Jtal. Rente 3o/o Portugiesen 40/0 Grtech. Monopol-Anl. 95.40 77.60 19.60 3110 DiSconlo-Somnumb^Äntb. 173 40 Lomb. E^B.-Act. 89.37 Darmstädter Bank-Act. 128 00 Buschtherader E^-B.-Act. 37150 Dresdener Bank-Act. 130.00 Elbthal-Bahn-Act. 202.26 Nordd. Lloyd-Act. 112.70 Gotthard-Bshn-AcL 151.10 Wiener Bankver^Act 102.25 Schweizer Nordost..- 103.60 Oest. Eredit-Aet. 284.25 Mainzer E.-B.-Act. 108.20 Jtal. MMelmeeröah» »et. 82.30 Marienburger E^B.-Act. 7180 Gelfen. Bergw^Act. 146 40| Der. Königs-LLllraH^-Uü. T'Ndrur: fest. 113.00 4.19 4.16 Ruff. Imperiales «ebacttonz «. Scheyda. — Druck «nb Bcrleg der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen. Unseren Herren Rübenlieferanten hiermit zur Nachricht, daß sämmt- Uche Rüben bis incl. 6. Januar 1894 angeliefert sein müssen. Stockheim, den 28. December 1893. [io Der florftnnti -er Actien-MkrDriK Bübingen in Stoöiheim. Geldforte«. Dries Geld 16.16 16.12 Ducaten 16.15 16.11 Engl. Sovereigns 20 Franken-St. 20 do. in Vt Dollars in Gold »rief «-Id 9.60 9.56 fl. 20.32 20.28 16.65 16.68 Aie heutige Dummer umfaßt 6 feiten.