Nr. 283 Der Hteßeuer Auzeiger «rscheint täglich, mit Ausnahme br« Montags. Die Gießener Irxmitiendkäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt. Erstes Blatt. Sonntag den 2. December 1894 Gießener Anzeiger General-Anzeiger. vierteljährig« Akounemextspreiar 2 Mark 20 Pfg. mir Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, speditiv» und Druckerei: Kchurstraß«Dr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieszen Gratisbeilage: Gießener Jamilienötälter Arntlicher Theil Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Feuilleton. Wochenbriefe aus der Refideu). (Originalbericht des „Gießener Anzeiger".) Z. Darmstadt, 30. November. Großherzogs Geburtstag. — HochzeitSgescheuk der fünf größeren Städte au das Grobherzogliche Paar. Einen viel stilleren Character, als die Festlichkeiten unseres Grobherzoglichen Hauses sonst tragen, zeigte die Feier des diesjährigen Geburtsfestes des hohen l Fürstenpaares. Schon der Tag, das Todtenseft der evangelischen Kirche, war nicht dazu angethan, freudigen ®e- »hlen allzu vielen Raum zu lasten. Dazu kam die Trauer um den verstorbenen Kaiser von Rußland, wegen der auch die festlichen Veranstaltungen der Truppen, die sonst an diesem Tage stattfinden, unterblieben- schließlich mag die Abwesenheit Sr. König!. Hoheit des GroßherzogS, die durch die Hochzeit am russischen Hose bedingt war, wohl auch einige Schuld an der Stille des Tages haben. Die einzelnen Schulen hielten am Samstag Morgen dem Feste entsprechende Acte. Krieger- und Militärvereine hatten am Abend des Tages Feierlichkeiten arrangtrt, die Behörden am Mittag ihre Bureaus geschlossen. Das althergebrachte Festessen der Darmstädter Bürger wurde am gleichen Tage im städtischen Saalbau unter großer Betheiligung — eö waren saft 300 Gedecke — abgehalten. Bet demselben hielt Seine Hxcellenz Herr Staatsminister Finger die Festrede, die in ein begeistert aufgenommenes dreimaliges Hoch auf Ihre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Großherzogin auSklang. Am Montag Morgen hatte die Stadt reichen Flaggenschmuck angelegt. Hessische, coburgische und deutsche Fahnen zierten fast sämmtliche Häuser in den Straßen. Im Großherzoglichen Neuen Palais lagen zwei Listen auf, eine für Se. Königl. Hoheit den Großherzog und eine für besten Hohe Gemahlin, in die sich die Bürger der Stadt einzetch- neten, um auf diese Weise ihre Glückwünsche darzubrtngen. Die Hofchargen wurden von Ihrer König!. Hoheit der Groß« Herzogin in besonderer Audienz einzeln zu dem gleichen Zwecke empfangen. Am Abend fand im Großh. Hoftheater Fest- $ ' Rom, 30. November. Das Amtsblatt veröffentlicht Decrete', durch die die Organisation der Armee, die Eintheilung der Militärbezirke und die Bezahlung der Zuschüsse an Osfiziere und Soldaten abgeandert wird, ferner werden zwei Decrete über die Organisation der Central-KriegSverwaltung veröffentlicht. Unter den beschlossenen Reformen sind die hauptsächlichsten die Aufhebung mehrerer Generalsposten, die Umwandlung von sechs Feldbatterien in Gebirgsbatterien, Auflösung von fünf I Feftungs-Artillerie-Regimentern, Aufhebung von 14 Tern- abgehalten werden. „ er. Die weiteren Mittheilungen über bie Eröffnungssitzung erfolgen in dem Bureau des Reichstags, Leipztgerstraße 4, am 4. December in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und am 5. December von 8 Uhr Vormittags ab. In diesem Bureau werden auch die Legitimationskarten für die Eröffnungssitzung auSgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen gemacht werden. , - Wegen des beschränkten Raumes tm Rittersaale und I Festungs des Mangels an Tribünen können Zuschauer zu dem Er- öffnungsacte nicht zugelasten werden. Berlin, den 27. November 1894. Der Stellvertreter des Reichskanzlers, v. Boetttcher. Au8 Asaß-Lothriugen, 29. November. Bekanntlich verweigerten die sozialistischen Kreistagsabgeordneten B u eb und Doppler-Mülhausen die Leistung des verfas ungsmaß g vorgeschriebenen Eides, weshalb sie ihres Mandats verlustig erklärt wurden. Die erforderliche Ersatzwahl sind et nun am 8. und 9. Dezember statt. Wie verlautet, werden Bueb unb Doppler abermals candidiren, schwerlich aber wieder gewählt werden._________ ___ Neueste Nachrichten. Wolff» telegraphische» Eorrefpondem- Bureau- Berlin, 30 November. In Gegenwart der Kaiserin und des Hofstaates, der Gräfin von Oriola vom Homaate der verstorbenen Kaiserin Augusta, deS HauSrninisters Wedel, des Ministers Delbrück u. A. fanD heute Nachmittag di- Seiet des Mährigen Bestehens deS Augusta-Hospitals Lt Festpredigt statt. Die Kaiserin stiftet- Summe behuss Gründung eines Fonds für in den Ruhe stand tretende Schwestern; der Grobherzog b°n Baden and ° eine gleiche Summe. — Der Cultusminister Bosse richtete an den Berliner Magistrat ein Schreiben, in dem er den Gemeindebehörden seine Anerkennung ausspricht für dr- be wiesen- Liberalität bei der Festsetzung der L-hr-rg-halt-r. Kiel. 30. November. Die Prinzessin Louise von Glücksburg, Schwester des König» von D-nemark, Aebtissin des adeligen Convent» Itzehoe, ist heute Morgen tortal-Artill-rie-Dir-ction-n, Errichtung 12 local" »t tHret« CommaudoS, bestehend aus je einem technischen Ossi,in Geschütz und sonstiges Material und aus zwei oder mehreren Brigaden Kästen, oder F-stungSartilleri-- f'™" ’ der FestungSartillerie um acht Compagnien und B-rminderu , der fünfzehn artilleristischen EtabllsiementS ausi zehn, Bildung eine« fünften Genieregiment» Mineure, Aufhebung Cad-ttenanftalt-n, Aushebung von fünf Militärgerichten Reformen sichern -in- Ersparnih von 7,500,000 grätig Die Decrete werden eingeleitet durch einen Berich Kriegsministers, der versichert, die Armee werde durch Reformen nur verstärkt- eS ergebe sich daraus e sackuna des Dienstes, eine Vermehrung der OsfizierSsteueu in^dei? Regimentern, -in- Verstärkung der SrieWi™ der Compagnien und besiere Krieg-Vorbereitung,.ferner eine i-stere Organisation der Milizen und rascheret Mobil firung. Glasgow, 30.November. In der heutigen Dele gtrt -» Versammlung der schottischenBerg. -ut-wurd- bekannt gegeben, sämmtliche Grubenbesitzer hatten die Lohn ausbesierung um 6 Pence °bg-l-hnt, die Arbeiter seien tnd-b einem neuen Strike abgeneigt. Die Delegtrten beschloss , zu Gunsten der Forderung einer fünftägigen Arbeitszeit tu. bet Woche einzutreten und das Verlangen der Lohnerhöhung b l der e sten Gelegenheit zu wiederholen. Eine R-soln ion ward anaenommen" durch die der Seeretär angewiesen wird, die Grubenbesitzer aufzufordern, mit Arbeitervertretern d e Bildung eines Versöhnungsamtes zu besprechen. E-ttinj-, 30. November. Nach hier eingelaufenen Mel- düngen zog die türkische Regierung beträchtliche Truppen' muffe° in Albanien zusammen. Man glaubt, es Handl- sich um Entwaffnung der Albanesen. ,ri_. ?°li°, 30. November. Der Zolldirector ® I trat feine Rückreise nach Shanghai an, nachdem die^jap^ nifche Regierung -« ab gelehnt hat, mit h $ handeln. '_____________ WB. Varzin, 1. December. DaS Befinden Bismarck» ist befriedigend. Schweninger reist heute ab. Depefchm bei Bure« »Herold^ Berlin, 30. November. Der „Retchsanzeiger bestärkt, daß am 5. D-c-mber, Nachmittags um 1 Uhr, unter Be- theiiignng des Kaiserpaares, des Kronprinzen, der Prinzen Vorstellung statt. Prächtig nahm sich der Zuschauerraum aus, ein Meer von Licht durchfluthete den weiten Raum, in dem die glänzenden Galauniformen und Orden der Herren und die reichen Toiletten und Geschmeide der Damen ein Bild verschwenderischer Pracht boten. Als Festoper gab man, tote schon kurz berichtet, Anton Rubinsteins „Der Dämon . Wenn ich offen sein soll, so muß ich Ihnen sagen,^eigentlich hatte ich mehr erwartet. Die Oper an sich ist nicht überall leicht verständlich und feffelt, im Ganzen betrachtet, wohl viel auch infolge der verschwommenen Characterzetchnung einzelner Figuren, den Hörer nicht dauernd. Auch der Aus- gang — Tamara wird selig, weil sie „geliebt und gelitten hat — ist genau genommen recht unbefriedigend. Einige ©eenen, besonders im zweiten Acte, sind von wunderbarer Klangschönheit und boten vor allem dem Vertreter der Titelrolle, Herrn Weber, Gelegenheit, sein prachtvolles Organ voll und ganz zu hervorragender Geltung zu bringen. Seine Partnerin, Fräulein Borchers, erntete für ihre „Tamara ebenfalls große Triumphe. Ueberhaupt kann die Aufführung, besonders da auch die kleineren Rollen sämmtlich mit den ersten Opernkräften besetzt waren, als wirklich musterhaft bezeichnet werden. Auch der Ausstattung und Jnscenirung war eine geradezu peinliche Sorgfalt zugewandt worden. Den neugemalten Couliffen des Herrn ©chwedler, ebenso wie den Tänzen und chorischen Arrangements, die Herr StemS mit dem Corps de ballet einstudirt hatte, gebührte die allergrößte Anerkennung. Der zur Feier deS Tages gedichtete scenische Prolog von Otto Roquette, welcher der Oper vorausging, fand ebenfalls eine sehr dankbare Aufnahme. Die Handlung desselben spielt in einer Darmstädter Wirths- stube. Ein Schullehrer aus dem Odenwalde befindet sich mit einigen jungen Bauern und Bäuerinnen aus seiner Heimath und aus dem Coburger Lande in dem mit den Bildern des hessischen FürftenpaareS geschmückten Locale und hält barm mit jenen, die im Begriffe stehen, zum Schlöffe zu gehen, um ihre Glückwünsche darzubringen, die letzte Hauptprobe ab. Das Ganze ist in leicht fließenden Versen geschrieben und eine überaus sinnige Huldigung an die hohen Geburtstag- Feiernden. Der Vorstellung wohnten Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin, bei deren Eintritt in, die Hofloge Herr Beigeordneter Köhler ein dreimaliges Hoch auf unser all' verehrtes Fürstenpaar ausbrachte, und sämmtliche hier an "‘'‘"sag St?9te ä"ff“in °ll-r P°si°n'°n der Wilhelmine», straße erregt eben daS in den Schaufenstern der Silberwaaren- abrik von L. Vietor dahier ausgestellte H°^eitsgeschenk Lr £iinc oröhten hessischen Städte an das Großherzogltche kwÄ te drei mächtigen silbernen Terrinen kus getriebener Arbeit. Die größte darunter hat einen Längsdurchmeffer von beinahe einem Meter, die beiden kleineren von ca. einem halben Meter. Alle drei sind vollständig gleich anSgesührl, nut in b-rscheden-n Masten. Aus eiet breiten Fützen ruht ein bauchiger, mit zwei Henkeln v-tlebenet Mel, auf desien Aust-nf-ite die Wappen der Städtt und in der Mitte der Vorder- und Rückseite das Alliunc-wapp-n de» H-fsifch°n und C°burger Fürstenhauses inmitten reicher Verzierungen sichtbar sind. Ueber den beiden Alliancewappen ist eint gegossene Sllb-rkron- angebracht. Gekrönt wird da» Ganze von einem prunkvoll gehaltenen silbernen Deckel. Die beiden kleineren Terrtnen stehen in bis auf die Ränder und das in der Milte befindliche Alltane-' Wappen glatt gehaltenen Silb-rschal-n, di- grast- ruht ans einem massiven, reich mit silbernen Ornamenten geschmückten Eb-nholzsust, desien Vorderanficht ein Schild tragt mit der Aufschrift „Ihren Königlichen Hoheiten dem Grosth-rzo, Ernst Ludwig und der Grobherzogin Blctona M-ttta J« Allerhöchst Ihrem Hochzeitstage in tiefer Ehrerbietung gewidmet von den Städten Darmstadt, Mainz, Glesten, Offenbach, Worms, am 19. April 1894.» Da- wundervolle Kunstwerk ist in Roccocoform glätten, in feigem Siber unsgeführt und repräfentirt einen Werth von ca. 25,000 Mt. Bekanntlich ging die General-Jdee de- Werkes von Aller- böchfter Stelle aus, die G-fammteomposition rührt, wie bie Darmst. Ztg.» erfährt, von der Firma L. Vietor dahier her, welche auch zugleich mit den Firmen I. Kn-witz, Jos. oj M Rgck-rt, W. Sau-rw-tn in Mainz, H. Zimmer in Giesten und I. Bohlander in WormS die Ausführung besorgte. ____ «nnahme von Anze'g'N zu ber Nachmittag« für bex fotgtnbrn Tag erschcmenbm Nummer bi« Vorm. 10 Uhr. Sekunden: 1 Brosche, 1 Armband, 1 Mansch etten- fnopf, 1 Dolch, 1 Spazierstock, 1 Mütze, 1 ^ch- l Schleier, 2 Armstauchen und 1 Paar und 3 einzelne Handschuhe. Gießen, den 1. December 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. " i Deutsches Reich. Darmstadt. 30. November. Die Kaiserin Alexandra Feodorowna dankte telegraphisch dem 8Wen 3fen6urg= Büdingen und dem Justizrath Weber in Offenbach, Präsidenten der hessischen Ständekammern, für die Namens der letzteren xm Vermählungstage übermittelten Glückwünsche. Darmstadt. 30. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind mit dem Gefolge gestern Nachmittag 5»/4 Uhr in erwünschtem Wohlsein von Petersburg hierher zuruckgekehrt. November. Mit Bezugnahme auf die in Nr. 41 des Reichs-Gesetzblatts verkündete Kaiserliche Der. ordnung vom 2. b. M., burch welche der Reichstag berufen st, am 5. December b. I. in Berlin zusammenzutreten, wirb hierdurch bekannt gemacht, baß Eröffnung des Reichstags an diesem Tage um 11V« Uhr Mittags im Nittersaale bes hiesigen Resibenzschloffes ftattfinben wirb. Huvor wirb ein GotteSbienst unb zwar für die Mitglieder ber evangelischen Kirche in ber Dom'Jnterimskirche (Monbijou) um 10^ Uhr, für bie Mitglieber ber katholischen Kirche m der Sr. HedwigSkirche um 11 Uhr und Prinzessinnen die Schlußsteinlegung für das ReichStagögebäude stattfindet. Unter den geladenen Personen führt auch der „Reichßanzeiger" den Fürsten Bismarck auf. — DaS StaatSminifterium ist heute Mittag zu einer Sitzung zusammengetreten, in welcher dem Vernehmen nach die Börsenreformvorlage berathen wurde. Berlin, 30. November. Heute früh um 7 Uhr wurde der soctaldemokratische Reichstagsabgeordnete Stadthagen von zwei Criminalbeamten aus seiner Wohnung geholt und nach Plötzensee zur Verbüßung einer vterüionatlichen Gefängniß- strafe gebracht. Berlin, 30. November. Wie aus Petersburg gemeldet wird, find die in auswärtigen Blättern verbreiteten beunruhigenden Nachrichten über das Befinden des Großfürsten- Thronfolgers unbegründet. Barzi», 30. November. Fürst Bismarck hatte eine gute Nacht und befindet sich den Verhältnissen entsprechend wohl. Die Zahl der Beileidstelegramme beläuft fich auf etwa 1100. Kol«, 30. November. Die „Köln. Ztg." meldet, eß stehe eine Reorganisation der offictösen Presse bevor. Minister v. Köller handle dabei im vollen Einver- ständniß mit dem Reichskanzler. Der RegterungSaffeffor Sachs, der bisher im literarischen Bureau deS Ministeriums für Elsaß Lothringen beschäftigt war und nach Berlin berufen w»rde, sei zur Ausführung der betr. Pläne ausersehen. Wien, 30. November. Der berühmte Photograph Prof. Fritz Luckhardt ist heute gestorben. Rom, 30. November. Nach Ankündigung, daß in Mailand ein revolutionäres Manifest an das italienische Volk eircultre, hat CriSpi Befehl gegeben, alle Wohnungen ver« dächtiger Persönlichkeiten abzusuchen und deren Papiere in Beschlag zu nehmen. Mehrere Verhaftungen sind vorgenommen worden. Die Stadt ist in großer Aufregung. Paris, 30. November. Heute wurden zwei wettere Di- rectoren hiesiger Spielhäuser in Haft genommen. Madrid, 30. November. In den Cortes rief der Republikaner Salmeron einen heftigen Zwischenfall durch die Aeußerung hervor, „das ganze parlamentarische Regiment sei verdorben und bestechlich, sodaß die Republikaner gewaltsame Mittel anwenden müssen, um ihre Ideale zu verwirklichen." Salmeron verweigerte auf die Bemerkung des Präsidenten, ob er die von ihm ausgesprochenen Drohungen gegen die Monarchie weiter ausspinnen wolle, die Antwort. Der Minister Abarzuza sandte Salmeron seine Zeugen. London, 30. November. Die Polizei hat nunmehr entdeckt, daß der Urheber des Bomben-Attentats in Tilmhstreet nach dem Continent entfloh; sie glaubt auf seiner Spur zu sein. London, 30. November. Hier eingetroffene Privattelegramme bestätigen, daß Japan auf 50 Millionen Krtegs- kosten-Entschädigung besteht. London, 30. November. Nach einem Telegramm der „Central News" sollen die Chinesen den Fenshin-Paß bis zur Verzweiflung vertheidigt haben. Den Japanern gelang eS erst nach einer sehr heftigen Beschießung, die chinesische Stellung am Passe zu erstürmen. London, 30. November. Der „Standard" veröffentlicht einen Aufsehen erregenden Artikel, betreffend dievonJapan geforderte Kriegsentschädigung. Es wäre möglich, sagt das Blatt, daß Japan durch die Abtretung einiger Inseln zufriedenzustellen ist, wodurch die Integrität Chinas nicht verletzt werde. Die Idee einer enormen Kriegsentschädigung sei lächerlich, weil China dieselbe nicht bezahlen könne und die europäticheu Börsen unter den gegenwärtigen Umständen China kein Geld vorschießen. Man muß das von allen Mächten angenommene Prtncip anerkennen, daß, obgleich die chinesische Regierung ihre Unfähigkeit bezahlen müsse, die Existenz des chinesischen Kaiserreiches keinesfalls bedroht werden darf. Loudon, 30. November. Wie aus Shanghai gemeldet wird, soll die chinesische Regierung beschlossen haben, den Hafen von Nanking und den Landungsplatz Hanoi dem Welthandel zu öffnen. Cocaie« wnb Provinztelle». Bietzen, den 1. December 1894. *• Der 300 jährige Geburtstag Gustav Adolfs wird, wie überall in evangelischen Landen, so auch in unsrer Gemeinde am Sonntag den 9. December festlich begangen werden. Am Vormittage finden sowohl in der Johannes- wie in der Stadtkirche Festgottesdienste statt, wobei die Bedeutung des Tages zur Geltung kommt, und am Abend wird eine vom Evangelischen Bund veranstaltete Feier in Steins Garten abgehalten werden, wobei Herr Professor D. Krüger die Festrede halten und der Ktrchengesangverein mitwirken wird. •• Gießener Omnibus Gesellschaft. Mit dem heutigen Tage werden die von uns schon kürzlich erwähnten Abonne- «ent-Fahrschein-Hefte der Gießener Omnibusgesellschaft dem Verkehr übergeben. Jedes Heft enthält 50 Fahrscheine, welche bis zum 1. Juli 1895, also über ein halbes Jahr, gültig sind. Die Fahrscheine sind nicht etwa nur persönlich gültig, sondern können beliebig für verschiedene Personen verwandt werden. Die Schaffner reißen die Scheine aus dem Heft heraus, markiren dieselben und geben sie dem Fahrgast als Legitimatton bei stattfindender Controlle zurück. Um unsere Leser vor Schaden zu bewahren, machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, daß einzelne bezw. aus dem Heft bereits losgetrennte Fahrscheine ungültig sind. — S. a. Jnseratentheil. ** Das Personal BestandS-Berzeichniß der Universität ist soeben erschienen und zum Preise von 20 Pfg. bet Herrn E»rt von Münchow zu haben. ♦♦ Tod auf der Reise. Heute Morgen verstarb im Dartesaal des hiesigen BahahofS ein fünf Jahre alter Waisenknabe aus Alsfeld, welcher unter Aussicht eines Verwandten in eine Heilanstalt nach Darmstadt gebracht werden sollte. *♦ DaS Panorama in den Renen Bäuen wird von heute ab eine Serie ausftellen, welche des besonderen Interesses gewiß ist. Die Ansichten stellen die Schlösser Herrenchiemsee, Neuschwanstein, Linderhof, Hohenschwangau und Berg dar. Die photographischen Aufnahmen des Panoramas sind in plastischer Klarheit hergestellt, der Glanz des Marmors, sowie der Schimmer der Farben bei den Teppichen, Wänden und Gemälden ist ungemein natürlich. Dieser Cyclus ist neu angefertigt und wird hier zum ersten Mal ausgestellt. Vom^ 1. December ab wird die Gewichtsgrenze für Postpackete im Verkehr mit Großbritannien und Irland, o wte mit einer großen Anzahl britischer Colonien von 3 Kilo- gramm auf 5 Kilogramm erhöht. Die Taxe für Postpackete nach Großbritannien und Irland beträgt vom gleichen Zeitpunkte ab einheitlich für alle Packete bis zum Gewicht von 5 Kilogramm auf dem directen Wege über Hamburg oder Bremen und zur See 1 Mk. 50 Pfg., dagegen bei der Leitung über Belgien 1 Mk. 70 Pfg. lieber die Einzelheiten der im Packetverkehr mit den britischen Colonien ein- tretenden Aenderungen ertheilen die Postanstalten auf Verlangen Auskunft. Ferner wird vom gedachten Zeitpunkte ab daß Porto für Postpackete nach Mexiko von 3 Mk. auf 2 Mk. 40 Pfg. für jedeß Packet herabgesetzt, ohne daß in den sonstigen Versendungß - Bedingungen Aenderungen eintreten. • * Der Getreidemarkt. (Berichtßwoche vom 22. biß 28. November.) Auf dem deutschen Getreidemarkte machte sich vorwiegend Lustlosigkeit und matte Tendenz geltend, die wieder etwas besser lautenden Berichte aus Nordamerika sind auf den deutschen Getreidemarkt fast ganz ohne Einfluß geblieben. Im Weizen wie Roggen war der Verkehr äußerst träge, die Preise blieben im Allgemeinen dieselben wie in der Vorwoche. Auch in Hafer war das Geschäft nur ein höchst beschränktes. Preisnotirungen an der Berliner Pro- ductenbörse: Wetzen (per 1000 Ktlogr.) von 121—138 Mk., Roggen von 111—116 Mk., Hafer von 108—142 Mk., Gerste von 92—180 Mk. A Mucke, 30. November. Ein Einwohner von Ober- Ohmen, der früher in guten VermögenSverhältniffen gelebt, aus dem aber durch das Uebermaß des BranntweingenusseS ein Rückwärts geworden, kehrte vorgestern Abend in eine hiesige Wirthschaft ein. Da derselbe stark bezecht, verbrachte man ihn zur Nachtruhe in einen Stall. Als man am Morgen nach ihm sah, lag er entseelt da. Heute wurde seine Leiche nach Ober-Ohmen verbracht. § AuS Oberheffeu, 30. November. Wie sehr Groß- herzogliche Sta atSregierun g darauf bedacht ist, den Landleuten, die durch den vorjährigen Futternothstand schweren wirthschaftlichen Schaden erlitten, helfend beizutreten, geht wiederum daraus hervor, daß dieselbe eine Stundung der fälligen , Beträge für von den Nothstandscommissionen bezogenen Waaren bis zum December 1895 gegen die geringe Vergütung von zwei Procent gewährt hat. Zweifellos wird von dieser Gewährung vielfach Gebrauch gemacht, da die Einnahmequellen im landwirthschaftlichen Betriebe sowohl durch den decimirten Viehstand, als auch die außerordentlich niedrigen Fruchtpresse zurückgegangen sind. Hierzu kommt aber weiter noch die fällig gewordene Bezahlung für bezogenes Streulaub aus den Domanial- und Gemeindewaldungen. Zu welch hohem Betrage sich dieser massenhafte Bezug von Laub trotz der billigen Abgabe beläuft, erhellt daraus, daß manche Gemeinden eine Summe von über 2000 Mk. für Streulaub zu berichtigen haben. A Mainz, 30. November. Als Finale des elften deutschen Bundesschießens fand gestern Abend die Schlußabrechnung sowie die Beschlußfassung über die Verwendung des sich auf mehr als Mk. 50 000 belaufenden Ueberschusses statt. Bezüglich des letzteren beschloß man einstimmig, denselben folgendermaßen zu vertheilen: Mk. 34000 an die Mainzer Schützengesellschaft, Mk. 500 an den Aerzte- Verein, Mk. 300 an den Altceveretn, Mk. 500 an das Comite für das Herzog Ernst-Denkmal in Coburg, Mk. 500 an die Deputation für Armenpflege Mk., 500 an das Comttö für das Großherzog Ludwig IV. Denkmal in Darmstadt, Mk. 100 an die Gesellschaft zur Rettung von Schiffbrüchigen, Mk. 500 an den Elisabethen Verein, Mk. 800 an den evangelischen Hilfsverein, Mk. 1000 an den Verein für Feriencolonien, Mk. 500 an die Franziskanerinnen, Mk. 300 an den vaterländischen Frauenverein, Mk. 200 an den Frauenverein der freireligiösen Gemeinde, Mk. 300 an den israelitischen Waisenverein, Mk. 200 an die Kleinkinderbewahranftalt, Mk. 1000 an den Verein für Volkswohlfahrt, Mk. 300 an die Pensionsanstalt deutscher Journalisten, Mk. 500 an die Unterstützungskasie des Mainzer Journalistenveretns, Mk. 8000 an den Mainzer BerschönerungSverein für ein bleibendes Denkmal, Mk. 500 dem Vincenz - Verein und Mk. 500 an die Waisenkinder für WeihnachtSbescheerung. Fürth i. O., 30. November. Dem Landwtrth K. im benachbarten Scharbach biß voriges Jahr ein Pferd buchstäblich den Daumen ab. Letzte Woche nun hieb sich der Mann beim Holzspalten selbst an der gleichen Hand drei wettere Finger ab, so daß er jetzt nur noch einen Finger an dieser Hand übrig hat. vermischter. * Berlin, 29. November. Dreihundert Nachtwächter processtren gegen die Stadt Berlin wegen Anspruch auf ihren bisherigen Gehalt und Rückzahlung der bisher geleisteten Jnvaliditätsbeiträge. Den Rtesenproceß für die Wächter, von denen jetzt wiederum eine große Zahl, namentlich in der 6. und 7. Polizeihauptmanuschaft, zum 1. Januar 1895 gekündigt find, führt der Rechtsanwalt Dr. Munckel. * Essen, 29. November. Auf der Zeche „Hugo 2" bei Buir erfolgte gestern Abend gegen 10 Uhr eine Gasexplosion im Kohlenlager. Bier Arbeiter wurden getvdtet, sieben schwer verwundet. * Hamburg, 30. November. Vor des Wunder- doctors Hauß in Radbruch verstarb gestern ein Hamburger Feuerwehrmann am Herzschlag, als er sich durch eine Menge Harrender drängte, welche der Schäfer Ast Tags vorher nicht vorgelassen hatte. Dienstag findet vor dem Schöffengericht Winsen die Verhandlung gegen den Wunderdoktor statt, die hoffentlich eine Beendigung beß Unfugs herbeiführt. • Braunschweig, 28. November. Die, wie s. Zt. gemeldet, zum Tode verurtheilten Kindesmörderinnen Sobirey und Pinczak sind vom Regenten zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden. * AuS Thüringen, 28. November. Der Leichen- Verbrennungsofen in Gotha wurde in letzter Zett stark in Anspruch genommen. Im Ganzen wurden bißher 1420 Leichen seit der Eröffnung deß Crematoriumß im Jahre 1878 verbrannt- im ersten Jahre 17, 1891 und 1892 je 162, 1893 152 und in diesem Jahre biß jetzt 118. * Eine Gallerte der Berühmtheiten von heute und ehedem, auß den verschiedensten Ländern und Nationen müßte für jeden Beschauer reizvoll sein. Aber wo sie finden, wie sie bequem beschaffen? Biß heute hätten wir eine solche Frage nicht zu beantworten gewußt, jetzt aber können wirß, nachdem wir gesehen haben, daß in der ihrer Vollendung mit Rresen- schritten entgegengehenden Neuauflage von Joseph Kürschners „Quartlexicon" auch daß Porträt im Anhang in originellster Weise Berücksichtigung gefunden hat, daß man diese Abthei- lung deß practischen Buchs als eine Art „Kaftans Panoptikum u. z. im Buchdruck" bezeichnen kann. Ueber 600 hervorragende Männer, daneben eine Reihe berühmter Vertreterinnen des schönen Geschlechts, treten uns da entgegen, in hübschen Miniaturporträts, jedes einzelne für den besonderen Zweck gezeichnet und alle sorgfältig zum bequemsten Finden alphabetisch aneinander gereiht. Auch was wir von den anderen Illustrationen gesehen haben, ist glücklich gewählt, gut ausgeführt, und höchst amüsant anzufehen, so die mehr als 500 Wappen von Staaten und Städten, die von Vielen so heiß ersehnten Orden, die hier freigebigst dargebracht werden, die Flaggen, mythologische Figuren, Costümbilder, Bauwerke rc. rc. — Demnächst werden wir den Lesern noch eingehender von dem nützlichen Buche berichten, denn unsere neulich angedeuteten Unterhandlungen sind so gut wie zum Abschluß gebracht, und wir werden somit in der angenehmen Lage fein, unfern Lesern Kürschners neues Lexicon rechtzeitig für die Befriedigung der WethnachtS- bedürfnisse zugänglich machen zu können. Der nunmehr endgiltig festgestellte Preis ist eine Ueberraschung für sich. Sd?iffsnad?rid?tem Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 29. November. (Per transatlanttschen Telegraph.1 Der Schnelldampfer Lahn, Capt. H. HellmerS, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher em 20. November von Bremm und am 21. November von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Berichtigung. Bremen, 29. November. sPer ttansatlantifchen Telegraph.! Der Postdampfer Stuttgart, Capttän D. Köhlenbeck, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. Nooembw von Bremen abgegangen war, ist am 27. November, 11 Uhr Vormittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. Vrodpreise vom 2. Dezember bis 16. Dezember 1894 Der hiesigen Bäcker. 1 Kg (2 Pfd.) Tafelbrod......24 Pfg. bei Carl Wallenfels II......25 „ 2 Kg. (4 Pfd.) Tafelbrod......48 „ bei Carl Wallenfels II.......50 „ 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod......22 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod......44 , 1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrod......20 , „ „ Roggen-Schwarzbrod bei Ernst Muth 19 „ 2 Kg. (4 Pfd.) „ ......40 , „ „ Roggen-Schwarzbrod bei Ernst Muth 38 _ 3 Kg. (6 Pfd.) „ . . ... 60 , Der auswärtigen Bäcker. 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod bei Aug. Deibel von Wieseck 22 Pfg. 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod bei Gg. Ant. Heuser Gr.-Linden 36 „ Aug. Deibel von Wieseck 44 „ 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod b. Gg. A. Heuser Gr.-Linden 34 „ Joh. Kd. Veite v.Kirch-GönS, 36 „ F. Schön v. Ruttershausen 38 „ Aug. Deibel von Wieseck u. W. Steinmüller v. L.-Göns, 40 , 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod b. Balth. Christ Ww. v. Wieseck 60 w Der »rodverkäufer. 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod......22 Pfg 2 Kg. (4 Psd.) Weißbrod......44 , 1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrod......20 , 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod ...... 40 „ 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod......00 , Gießen, den 1. Dezember 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Derfel?r, Canb* unö volkrwirth schäft. Glitzer», 1. Dezember. Marktbericht- Auf dem heutigen Woche nm ar kt kostete: Butter pr. Pfd. X 1.00—1,10, Hühnereier pr. Stück,7-8 4. 2 Stück -4, Käse pr. 6t. 4-84, Käsematte pr. 6t 8 4, Erbsen pr- Liter 16 4, Linsen pr. Liter 28 4, Tauber, pr. Paar X 0,70—0,90, Hühner pr- Stück x 0.85—1 00, Hahnei, pr. St. 0,70—1.20, Enten pr. 6t X 1,40—1,80. Gäusepr-Pfd. 44—55, Ochsenfl. pr. Pfd. 76-80 4, Kuh» u Rindfl pr.Pfd. 46—58 4, Schwein-- fleisch pr. Pfd. 66—76 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 68—70 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 60—70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 3,60—5,00 X. Weißkraut pr. Stück--4, Zwiebeln pr. Centn er 3,00—3,50 X, Milch pr. Liter 16—20 4, Enteneier 2 St — 4, Gänseeier — 4 ArtSMg cms den StandesamtsVegifteU« der Stadt vieste». ««tsevotc. November: 29. Veter Dtttmar, Kutscher zu Giehm, mit Barbara Scheer hterfelbst. 29. Friedrich Wilhelm Bernhard Stegismund Brno AldtnuS LSscbborn, Ltqueuifabrikant zu Okarben, mit Katharina Hechler dahier. 29. Dr. Richard Wilhelm Ernst Martin M1. Ritkcr sehe Bucliliandlung gegen Raten- Zu erfragen 5 Sudanlage 5. 9805 9775 Theod. Vogt Löwengasse. 2 gebrauchte Kippwagen Ein- nnd Zweispänner, in noch gutem Zustande, sind zu verkaufen bei Jamaica-Rum Arrac de Batavia diverse abzugeben. 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