1894 Nr. 205 Erstes Blatt. Sonntag den 2. September Der Hießeuer A«,eiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AamilieuVtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. vierteljähriger Avonncmentspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redactivn, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Zlints- und Anzeigeblatt für den Nreir Gieren. chratisöeikage: Hießener Jamikienölätter kehr Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Alle Annonccn-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. solche Huldigungen als Antwort nur den Hinweis auf die unerhörte Tapferkeit der Truppen, die Meisterschaft ihrer Führer und den Segen deS allmächtigen Gottes. In solcher Fürstengröße zeigt unS die Geschichte unseren unvergeßlichen Kaiser Wilhelm, den Siegreichen, am Tage von Sedan! Ist es da ein Wunder, wenn diese Wundermär die Herzen bis in den tiefsten Grund erschütterte, so daß man sich unter Thränen umarmte und daS „Nun danket Alle Gott" auf dem Schlachtfelde im Vaterlande ein allgemeines Echo fand und das ganze Volk mit seinem Herrscher wie Ein Mann Gon die Ehre gab, daß die vom Heere improvifirte Illumination um Sedan zu einer großen allgemeinen, bis in die höchsten Berge hinaufgetragenen, in Stadt und Land wurde. Und wenn nun auch mit dem Tage von Sedan daS Schlachtenfieber noch nicht gedämpft war, wenn es noch heftige Zuckungen und gewaltiges Ringen um Setne-Babrl gab, wenn die endliche Ueberwindung des wahnsinnigen Feinde« auch noch die schwersten und blutigsten Opfer forderte, die Krisis hatte der 2. September bei Sedan gebracht. Und wenn Parts auch eingenommen wurde und die Zahl der Siege und SiegeStage sich noch verdreifachte, die Krone aller Stege Gefunden: 1 Portemonnaie ohne Inhalt, 1 Uhr- kettchen, 1 Münze, 1 Zwicker, 1 Federhalter, 1 Spazierstock, 1 Metermaß, 1 Kette, 2 Schirme, 1 Schürze, 2 Umlegkragen, 1 Brodbeutel und 1 Weste. Zugeflogerr: 1 Kanarienvogel. Gteßen, den 1. September 1894. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Sedan! Wer hatte vor dem 2. September 1870 je den Namen dieser unbedeutenden Maasfestung nennen gehört? Im wetten deutschen Varerlavde war der Name Sedan unbe> kannter als das kleinste Dörflein in dem verborgensten Winkel eines abgelegenen GebirgSthales. Und von diesem Tage an und heute? — Auf der ganzen Erde ist kein Name, der in der neueren Weltgeschichte eine größere Bedeutung und einen helleren Klang unter allen Völkern bis ins ferne Asten und in den stillen Ocean erlangt hat, als der Name Sedan. Wie die Feuersäule aus einem bisher stummen Vulcan, stieg dieser Name hoch am Himmel der ganzen Welt sichtbar em« por, von unsichtbarer Hand geschrieben, ein Mene tekel für den übermüthigen Feind, ein Victoria für den demüthigen Sieger. In rascher Aufeinanderfolge waren schon sieben große und blutige Schlachten, die ebenso viele Niederlagen des mächtigen Feindes wie von großen Erfolgen gekrönten Stege der deutschen Heere bedeutetin, geschlagen. Da geschah das Unerhörte: Napoleon mit achtzigtausend Mann gefangen bei'Sedan! Die Nachricht wirkte wie ein dröhnender, sinnverwirrender Blitzschlag auf die über erlogene Siege soeben im Taumel sich bewegende Menge der Feinde, die in gottvergessenem Frevel den Krieg ertrotzt und nun beim Anblick der Feuerzeichen von Sedan in rasende Wuth geriethen und den Kaiserthron im Nu zertrümmerten. Dem edlen, frommen, großherzigen Sieger aber, der mit seinem Heere in Buße und Glauben, mit Gotteswort und Sacrament den hingeworfcnen Fehdehandschuh hatte aufnehmen müßen, wurde in demselben Feuer von Sedan die Kaiserkrone des Deutschen Reiches geschmiedet von echtem Golde deutscher Treue. Eine großartige weltgeschichtliche Illustration zu dem Bibelworte: „Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebt er Gnade", und dem andern: „Wer mich ehret, den will ich wieder ehren!" Mit dem Tage von Sedan, der den Namen Napoleons in den Staub legte, stieg der Name Kaiser Wilhelms, als vom höchsten Gott mit Ruhm und Ehren ohne Gleichen gekrönt, nicht nur in den Herzen seines Volkes, sondern aller Völker, selbst der Feinde, zu einer beispiellosen Höhe empor, und die ihm dargebrachte Liebe und Verehrung kannte keine Grenzen. Und solchen Erfolgen gegenüber hatte er selbst nur das demüthige Bekenntniß: ES ist Gottes Fügung! und auf alle blieb der Tag von Sedan. Den Sedantag hat unser deutsches Volk nur einmal erlebt. Heute sind seitdem 24 Jahre verflossen, die Reihen Derer, die ihn gesehen, lichten sich von Jahr zu Jahr, und bald wird das Geschlecht vergangen sein, das die Erinnerung daran noch in dankbarem Gedächtniß trägt. Ein andere« Geschlecht wächst schon heran, das der großen Thaten Gotte« zu vergessen droht. DaS verpflichtet alle Zeitgenoffen jener großen Zeit, daS nachkommende Geschlecht mit jeder Wieder- des Sedantages aufzurufeu zum Dank gegen „Den Gott, der groß und wunderbar Nach langer Schande Nacht uns Allen Amtliche* Theil. __________ \ Nr. 36 des Reichsgesetzblatts, ausgegeben den 29. v. M., enthält: . m (Nr. 2193.) Verordnung wegen Ergänzung der Verordnung vom 16. August 1876, betr. die Cautionen der ber der Militär- und Marineverwaltung angestellten Beamten. Vom 31. Juli 1894. (Nr. 2194.) Verordnung wegen Abänderung der Verordnung vom 23. April 1879, betr. den Urlaub der gesandt- schaftlichen und Consularbeamten und deren Stellvertretung. Vom 17. August 1894. Gießen, am 1. September 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ____________ I. V.: Dr. Melior.__________ Lehrer-Conferenz des Confererizbezirks Grünberg Mittwoch den 5. September ds. Mts. 10 Uhr in Grünberg. Lieder: 190, 175, 59; des Conferenzbezirks Lich—Hungen Donnerstag den 6. September ds. 2Uts. 10 Uhr in Lich. Lieder: 34, 2, 37. Gießen, den 31. August 1894. _______________Büchner, Schulrath.________________ Bekanntmachung. Die mit Bekanntmachung vom 19. Juli l. I. angeordnete Sperre der Hollergaffe für den Fuhrwerksverkehr wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 1. September 1894. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. In Flammen aufgegangen war; — Der unsrer Feinde Trotz zerblitzet, Der unsre Kraft so schön erneut Und über Sterne waltend sitzet Von Ewigkeit zu Ewigkeit!" Deutscher Reich. Berlin, 31. August. Aus Süddeutschland berichten versch ebene Meldungen übereinstimmend, daß daselbst seit 1870 noch niemals so viele Vergnügungsreisende au« Ferrilletsn. Wochcnbriefk «ns her Residenz. (Originalbericht für ben „Gießener Anzeiger".) Z. Darmstadt, 31. August. Lndwigstag. — Geflügelausstellnug. — Vom Hoftheater. — Verschiedenes. Der letzte Tag der vergangenen Woche, der 25. August, der als der Namenstag unseres Landesherren in der Residenz stets gefeiert wird, hat uns diesmal eine Jubiläumsfeier gebracht, eine Jubiläumsfeier, die keiner Person galt, sondern einem allbekannten Darmstädter Denkmal, das nun schon seit -50 Jahren als eine Art Wahrzeichen unserer aufblühenden Residenzstadt galt, wir meinen die Ludwigssäule auf dem Louisenplatz, oder, wie die Darmstädter schlechtweg sagen, das Monument. Ein halb Jahrhundert steht es nun schon mitten auf der Rheinstraße und innerhalb dieses Zeitraumes hat sich in Darmstadt viel Wichtiges und Bedeutungsvolles vollzogen. Da dürfte es angebracht sein, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Denkmales zu werfen. Am Louisenplatz endete noch in den siebenziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Residenz. Hier lag ein großer Exerzierplatz, der sich nach dem ehemaligen Mainthor am oberen Ende der jetzigen Frankfurterstraße hinzog. Im Jahre 1777 wurde auf diesem Exerzierplätze das heutige Ministerium, die sog. „Canzlet" erbaut, gegenüber stand das Haus eines Postmeisters Brand, das dann später in eine Reiterkaserne verwandelt wurde, bis au seiner Stelle das jetzige „Alte Palais" errichtet wurde. Zwischen diesem alten Palais und dem Gebäude des Ministeriums erhebt sich seit dem Lndwigstag 1844 das Monument. Schon kurz nach dem Heimgänge des großen Großherzogs Ludwigs I. hatte man in Darmstadt, das ihm so viel verdankte, daran gedacht, ein außergewöhnliches Denkmal zum Gedächtniß an den Landesheren zu errichten. Nach langen Debatten wurde damals endlich der Entschluß gefaßt, eine mächtige Säule aufzurichten, die mit der Coloffalfigur des Großherzogs gekrönt werden sollte. Der Plan fand Beifall und wurde rasch ausgeführt. Der berühmte Darmstädter Baukünstler Moller übernahm den Bau der Säule und der unsterbliche Meister Schwanthaler in München die Ausführung der Statue. Wie das Werk ausgefallen, davon kann sich noch heute Jedermann überzeugen. Mit vielem Interesse las man vor wenig Tagen die Berichte über die großen Festlichkeiten, die seinerzeit Ml ganz Hessenland zur Feier der Denkmalsenthüllung in Darmstadt veranstaltet wurden. Aus allen größeren Städten, auch aus Gießen, trafen damals die Gesangvereine ein, um alle mitzuhelfen. Prächtig verlief die Enthüllungsfeier. Ein großes Gesangfeft im Walde und eine Festvorstellung im Hoftheater folgte an den nächsten Tagen. Seitdem besitzen wir in Darmstadt unser Monument. An ihm vorbei zogen im Jahre 1871 die siegreichen Truppen in Darmstadt ein und noch jüngst beim Einzug unseres neuvermählten jungen Herrscherpaares war es zum Mittelpunkt der grandiosen Festdecoratton des Louisenplatzes auSerwählt. Möge es unsere Residenz noch lange überschauen und stets auf eine friedliche, aber rasch vorwärts schreitende Entwickelung unserer Stadt herabblicken, bis zum hundertjährigen Gedächtniß- tag seiner Enthüllung und darüber hinaus. Am Ludwigstag wurde im Orangeriehaus des Beffunger Herrengartens die große Herbstausstellung des Darmstädter Geflügelzuchtvereins eröffnet. Die Ausstellung war sehr umfangreich und zeigte den Freunden der Geflügelzucht eine große Anzahl von Gruppen der seltensten und theuersten Hühner- und Taubenarten. Neben einigen bedeutenden Darmstädter Züchtern gewann bet der Preis- vertheilung vor allen Herr Schwan aus Gießen für die ihm gehörigen Thiere eine ganze Anzahl von Preisen. Am Dienstag sollte die Ausstellung bereits wieder geschlossen werden, doch entschloß man sich, auch noch denMittwoch vergehen zu lasten, ehe man die große Schlußverloosung begann, da Se. Königl. Hoheit der Großherzog seinen Besuch für den Mittwoch angekündigt hatte. Gegen halb 10 Uhr erschien denn der hohe Herr auch, direct von der Bahn kommend, im Ausstellungsraum und besichtigte die ganze Ausstellung sehr eingehend. Auch das Publikum bewies ein großes Interesse an den Bestrebungen des Vereins durch zahlreichen Besuch, wie denn auch die fachmännischen Preßberichte das Arrangement des Ganzen nur loben und den Verein zu seiner letzten Leistung nur beglückwünschen konnten. Vom Stiftungsfest deS beliebten Darmstädter Zitherclubs, das am Samstag im Saalbau gehalten wurde, bleibt zu berichten, daß dasselbe nach den vorliegenden Berichten sehr animiert verlief und den künstlerischen Leistungen des Vereins große Anerkennung brachte. Der kommende Sonntag bringt nun die Eröffnung des Hoftheaters unter seiner neuen Leitung. Dem in der hiesigen Presse mitgetheilten Spielplan nach dürfen wir uns auf ganz besondere künstlerische Genüsse freuen. Der erste Abend bringt „Lohengrin" mit dem neuen Heldentenor Herrn Ludwig Hausschild vom Hoftheater in Stuttgart als Gast, dann wird am Dienstag Shakespeares „Wintermärchen" gegeben, am Mittwoch „Figaros Hochzeit" mit Herrn Hartmann von Chemnitz als Gast, der zum Ersatz für Herrn Kammersänger Eilers auserwählt wurde, am Donnerstag Brülls melodiöse Oper „Das goldene Kreuz u. s. w. Die erste große Neuheit im Schauspiel ist dann, wie es scheint, Sardous „Madame Sans Gone", ein historisches Lustspiel, das überall großes Aussehen gemacht hat. In der Oper ist Sanstanas „Verkaufte Braut" als erste Neuheit bestimmt, dieser sollen dann noch mehrere folgen. Ueber den Verlauf der ersten Spielwoche werden Ihre Leser an dieser Stelle Bericht erhalten. Uebrigens werden die Darmstädter sich künftig auch des Besitzes einer ständigen Sommerbühne erfreuen. Die Direction des Badetheaters in Nauheim hat daS Sommertheater im Saalbau übernommen, das nun eine schöne Bühne erhalten hat. In einem regenreichen Sommer, wie ihn uns das laufende Jahr brachte, kann die Direction, die freilich mit ihrem Spielplan nicht mit dem Hoftheater concurrieren darf, am Ende ganz gute Erfolge erzielen, wie seinerzeit Herr Director Reiners aus Gießen. Außer den zahlreichen Militärconcerten ist ja auch im Sornrn:r hier nicht allzuviel geboten, da wird die Errichtung eines ständigen Sommertheaters gemäß Manchem willkommen sein. Frankreich gesehen worden seien, wie in diesem Jahre. In dieser Thatsache erblicken die betreffenden Meldungen weiter eine Folge der in letzter Zeit wiederholt und namentlich von allerhöchster Seite im Reiche bekundeten versöhnlichen Ge- finnungen Deutschlands gegenüber Frankreich. Ob diese Bekundungen in der That die gemeldete Vermehrung des Zuflusses französischer Touristen nach Deutschland bewirkt haben, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls ist aber letztere Erscheinung als ein günstiges Anzeichen zu bezeichnen, daß jenseits der Vogesen die in den letzten zwanzig Jahren gegen den deutschen Nachbar gehegten Vorurtheile doch allmälig schwinden. Arrrland. Loudon, 31. August. Das Gerücht von einem gegen die Königin Victoria, als sie auf ihrer Reise nach Schottland Birmingham pasfirte, auf dem dortigen Snow- Hill- Bahnhofe beabsichtigt gewesenen anarchistischen Attentate hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Der vermeintliche Attentäter hat sich als ein betrunkener Arbeiter entpuppt, der in die abgeschlossene Bahnhofshalle eindrtngen wollte und die ihn hieran hindernden Polizisten mit einem Revolver bedrohte. Bon einem Mordanschlage auf die Königin Victoria soll keine Rede sein. — Der monatelange große Ausstand der schottischen Bergarbeiter hat mit einer Niederlage der Strtkenden geendet. In einer zu Glasgow stattgefundenen Versammlung der strikenden Bergleute wurde mit 25 417 gegen 20942 Stimmen der Beschluß gefaßt, daß die Arbeit bei einer Lohnherabsetzung von sechs Pence wieder aufzunehmen sei. Petersburg, 31. August. Der Czar hat in Begleitung der Czartn, sowie des Großfürsten-Thronfolgers, des Großfürsten Michael Alexandrowttsch und der Großfürstin Olga Alexan- drowna am Donnerstag Peterhof verlassen, um den ihm vom Prof. Sacharjin angerathenen Erholungsaufenthalt in dem kaiserlichen Jagdschlösse im Forste von Biakowosch zu nehmen. DaS osficiöse „Wiener Fremdenblatt" versichert auf Grund authentischer Petersburger Informationen, daß das Befinden Kaiser Alexanders zu keinerlei ernsten Besorgnissen Anlaß geben. Die Krankheit des Monarchen sei eine Folge wiederholter Influenza-Anfälle, die vollständige Genesung des Monarchen bei consequenter Ruhe und Enthaltung von anstrengender Arbeit stehe baldigst zu erwarten. — Von Jagden des Czaren im Forste von Biakowosch dürfte da aber freilich keine Rede sein. Neueste Wolff« telegraphisches Korrespondenz- Bureau. Berlin, 31. August. Wie der „Kölner Zeitung" auS Belgrad gemeldet wird, habe König Alexander den Wunsch ausgesprochen, auch dem Kaiser Wilhelm in Berlin feine persönliche Aufwartung zu machen. Er trifft in Berlin gegen den 20. October ein. Berlin, 31. August. Die gerichtliche Untersuchung gegen die angeblichen Berliner Anarchisten Schäwe und Dräger hat bis jetzt keinen Anhalt dafür gegeben, daß gegen dieselben wegen anarchistischer Umtriebe wird vorgegangen werden können- vielmehr wird gegen beide nur wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und groben Unfuges verhandelt werden. Der weniger stark belastete Arbeiter Dräger wäre sogar schon längst aus der Haft entlassen worden, wenn nicht Fluchtverdacht resp. Verdunklung von Thatsachen vorläge. Dräger hat sein Geständ- niß, er habe mit Schäwe gemeinsam einen Einbruch begehen wollen, um mit der Beute nach Wien zu fahren, wieder zurückgenommen. Danzig, 31. August. Dem Vernehmen nach erließ die russische Regierung an die Zollbehörden an der Weichsel die Weisung, Kähne aus Deutschland bis zum 17. September neuen StylS ohne Zollhinterlegung einzulaffen. Lüttich, 31. August. Der „Gazette de Liege" zufolge sind in T t l l e u r vorgestern Nacht und gestern Vormittag 25 Erkrankungen an C h o l e r a und 24 Todesfälle vorgekommen. Amsterdam, 31. August. Eine dem „Handelsblad" zugegangene, heute Nachmittag 3 Uhr 30 Min. in Batavia aufgegebene Depesche meldet: Lieutenant van Zwaan vom topographischen Dienste ist heute von der Ostküste zurückgekehrt. Zwei in Ampenan ansässige Engländer sind verhaftet worden. Der Feind befestigt Mataram und sendet noch Truppen dorthin, beunruhigt aber Ampenan nicht. Die Depesche giebt nicht an, von wem und weshalb die beiden Engländer verhaftet wurden. Zürich, 31. August. In der heutigen Sitzung des internationalen geologischen CongresseS wurden wissenschaftliche Vorträge gehalten vom Geh. Oberbergrath Hauchecorne (Berlin), Geheimrath v. Zittel (München), Director Levy (Paris) und de Margas (Paris). Nachmittags wird ein Ausflug auf den U e t l i b e r g unternommen. In der morgigen Sitzung wird die Wahl des nächsten CongreßorteS erfolgen. Rom, 31. August. Die Präfectur von Bologna untersagte die Abhaltung des für Anfang September angckündigten Soc lallst en«Congresses in Imola. London, 31. August. Reutermeldung aus Hongkong: Am Canton-Flusse sind 100 Blumenhandel treibende Boote durch Feuer zerstört worden. Gegen 1000 Eingeborene sind dabei umgekommen. London, 31. August. Reutermeldung über Shanghai aus Chefoo: Die japanesischen Truppen griffen Port Arthur wieder an. Das britische Kanonenboot „Repole" wurde gestern dorthin entsandt. — AuS New-Chwang ein- getroffene Dschunken sahen an der Mündung des Tatung- Flusses zahlreiche japanische Leichen schwimmen. Dies wird als Bestätigung der Niederlage der Japaner angesehen. Depeschen bei Bureau »Herold*. Berlin, 31. August. Der Kaiser gedenkt sich morgen in das Manövergelände des Gardecorps zu begeben und im Laufe des Nachmittags von dort nach dem Neuen Palais zurückzukehren. Berlin, 31. August. Am 16. October d. I. wird der Kaiser zur Einweihung des Kaiserdenkmals und zur Eröffnung des neuen Theaters in Wiesbaden eintreffen. Festzug und Festbanket sind abgelehnt worden. Berlin, 31. August. Wie aus Thorn gemeldet wird, werden für den Empfang des Kaisers schon jetzt Vorbereitungen getroffen. Nach Mittheilung der dortigen Com- mandantur wird der Kaiser am 22. September in Thorn eintreffen. Der Einzug in die Stadt findet über den neu- städtischen Markt start und geht bis zum Rathhause, wo der Kaiser einen Ehrentrunk annimmt. Es ist möglich, daß bei der Anwesenheit des Monarchen der Grundstein zu der neu zu errichtenden Garnisonkirche gelegt wird. Berlin, 31. August. Morgen findet die feierliche Einweihung der Sarkophage des verstorbenen Kaisers Wilhelm und der Kaiserin Augusta im Mausoleum zu Char- lottenburg statt. Berlin, 31. August. Politische Blätter machen den Vorschlag, am 16. September, am Tage der Huldigungsfahrt der Posener nach Varzin zum Fürsten Bismarck, eine Feierlichkeit für Kosciusko als Gegendemonstration zu veranstalten. Berlin, 31. August. Der Bundesrath wird Mitte nächsten Monats seine Sitzungen wieder aufnehmen und dann zunächst mit der Tabakfteuervorlage sich beschäftigen. Berlin, 31. August. Es wird neuerdings behauptet, daß ein Entwurf über die Abänderung der Mllitär- Strafproceßordnung dem Kaiser fertig vorliege. Doch soll der Entwurf nicht das öffentliche und mündliche Verfahren enthalten. Die Nachricht wird mit Reserve ausgenommen. Stettin, 31. August. Gestern wurde hier bei einem Bootsmanne asiatische Cholera festgestellt. Myslowitz, 31. August. Nach amtlicher Ermittelung sind seit dem 18. August in dem an der Grenze gelegenen russischen Städtchen Bendzin 160 Cholera-Erkrankungen, darunter zwei Drittel mit tödtlichem Ausgange, vorgekommen. Die Seuche nimmt immer mehr zu. Krakau, 31. August. In Russisch-Polen wüthet die Cholera längs der galizischen Grenze sehr bedenklich. Die Bevölkerung widersetzt sich jeder ärztlichen Anordnung und flüchtet in die Wälder. Ganze Dörfer sind unbewohnt. Venedig, 31. August. Nach der „Gazetta de Venetia" soll der Papst infolge der großen Hitze außerordentlich abgespannt sein. Paris, 31. August. Die Socialisten beabsichtigen, in der Kammer eine Interpellation einzubringen über die von der Regierung beschlossene Maßregelung der General- räthe, die gegen das Anarchistengesetz proteftirt haben. Paris, 31. August. Den letzten Nachrichten zufolge ist der Zustand des Grafen von Paris hoffnungslos. Der Papst sandte ihm den apostolischen Segen und erbat sich täglich Berichte über das Befinden des Kranken. Der Graf leidet nicht an Krebs, sondern an heftigen Darmschmerzen, die eine Folge einer vor zwei Jahren vollzogenen Magenoperation sind. Bukarest, 31. August. Heute Nachmittag kurz nach 2 Uhr wurden mehrere heftige Erdstöße hier wahrgenommen. Newyork, 31. August. Furchtbare Waldbrände verheerten den Distrtct Victoria aus Britisch Columbien. Die Insel San Juan ist vollständig ausgebrannt, mehrere Menschen sind ums Leben gekommen. £ecaU$ unb provinzielle- Gießen, den 1. September 1894/ * * Von der Nuiverfität. Im August haben zwei Habilitationen an der Landes-Universität stattgefunden. Dr. Ferdinand Schmidt aus Dorpat, bisher Privatdocent an der Universität Königsberg, habilittrte sich hier für das Fach der Zoologie - Dr. Heinrich Walther aus Gießen, bisher Specialarzt in Darmstadt, für Geburtshilfe und Gynäkologie. — Im September wird die Universität Gießen bet dem internationalen Congreß für Hygiene und Demographie in Budapest durch Herrn Professor Bo ssiu s, bei dem internationalen Orientaliften-Congreß in Genf durch Herrn Professor Stade vertreten. — Mit dem 1. October tritt an unserer Universität eine Prüfungs- commission für Nahrungsmittel-Chemiker in Wirksamkeit. Die Commission besteht aus Herrn Regierungsrath Dr. Melior als Vorsitzenden und den Professoren Naumann, Elbs, Hansen und Himstedt. Die Zeugnisse gelten für den Umfang des ganzen Reiches. Die Prüfungsvorschriften, welche vom Bundesrath entworfen sind, werden vom Secretariat der Universität unentgeltlich ausgegeben. Die Chemiker, welche die Vorprüfung und die Hauptprüfung bestehen, sollen vornehmlich bei der öffentlichen Bestellung (§ 36 der Gewerbeordnung) von Sachverständigen für Nahrungsmittel-Chemie, ferner bei der Auswahl von Gutachten für die mit der Handhabung des Nahrungsmittelgesetzes in Verbindung stehenden chemischen Fragen, sowie bei der Auswahl der Arbeitskräfte für die öffentlichen Anstalten zur technischen Untersuchung von Nahrungs- und Genußmitteln (§ 17 des Nahrungsmittelgesetzes) eine vorzugsweise Berücksichtigung finden. Vom 1. October 1894 bis dahin 1895 können Befähigungsausweise auf Grund der Ueber- gangsbestimmungen unter gänzlichem oder theilweisem Verzicht auf die Prüfungen und deren Vorbedingungen ertheilt werden. * * Oeffentliche Anerkennung einer edlen Dhat. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben dem GerichtS- accessisten OLcar Börkel aus Mainz in Anerkennung der von demselben am 1, August mit Muth und Entschlossenheit, sowie eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung beS"- Polytechnikers Werner auS Darmstadt vom Tode des Er- trinkens die Rettungsmedaille zu verleihen geruht. * * SteiuS Garten. Heute Sonntag, zur Feier des Sedsntages, concertirt die Capelle deö 1. Nassauischen Infanterie-Regiments Nr. 87 aus Mainz von Nachmittags 4 Uhr ab im Garten. Die Capelle, unter der tüchtigen Direktion des Herrn Capellmeisters Muschke, wird von diesem persönlich geleitet und bringt ein gediegenes Programm zur Ausführung. * * Truppen - Durchmarsch. Mehrere Schwadronen des' in Bockenheim und Mainz garnisonirenden 13. Husaren- Regiments marschirten heute früh in der Richtung nach Marburg durch die Stadt. • * Brigade - Exerzireu. Unter dem Commando be& commandirenden Generals des 11. Armeecorps Exc. v. Wittichs des DivisionScommandeurs Exc. v. Bülow und des Brigadegenerals v. Oppen fand gestern die Zusammenziehung der 4 9. Jnfanteriebrtgade bei Dudenhofen statt. Nach Abnahme des Parademarsches entwickelte die Brigade gegen den von Artillerie-, Cavallerie- und Jnfanterte- abtheilungen markirten Feind ein Angriffsgefecht. Fahr Vergüustigung auf den Oberhesfischeu Eisenbahnen genießen nach einer Mittheilung der „Darmft. Ztg." Diejenigen, welche aus Oberhessen das vom 10. bis 14. September in Darmstadt stattfindende Gustav-Adolf-Fest besuchen wollen. Die Giltigkeits-Dauer der am 9. September gelösten Fahrscheine erstreckt sich bis zum 15. September. ♦ ♦ Schuldienst Nachrichten. Am 11. August wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Luley aus Trebur eine Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Großen-Buseck, — an demselben Tage wurde dem Schulverwalter Adam P und sack zu Abenheim eine Lehrerstelle an der Gemeindschule daselbst, — an demselben Tage wurde dem SchulamtSaspiranten Martin Geißler aus Dorf-Gill eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Beuern übertragen. * * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Höchst a. N., Kreis Büdingen, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- dtenst verbunden. Dem Freiherrn Carl v. Günderode in Frankfurt a. M. steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rohrbach, Kreis Büdingen, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorendienst verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Isenburg - Büdingen steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die zweite mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemetndeschule zu. Ober-Mockstadt, Kreis Büdingen, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu EberShetm, Kreis Mainz, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Treis a. d. Lda., Kreis Gießen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Zwei Lehrerstellen an der evangel. Schule zu Lampertheim, Kreis Bensheim^ mit Gehalten von 1000—1400 Mk., bezw. 1000—1600 Mk. Mit einer der beiden Stellen können gegen eine besondere Vergütung von 300 Mk. die Functionen des Oberlehrers verbunden werden. * * Kirchliche Dienstnachrichten. Am 11. August wurde dem Pfarrverwalter Schütz in Osthofen die katholische Pfarrstelle daselbst, — an demselben Tage wurde dem Pfarrer Haas zu Neckar-Steinach die kath. Pfarrstelle zu Heidesheim, Decanat Ober-Ingelheim, mit Wirkung vom 1. September an, — an demselben Tage wurde dem Pfarrer Bering er zu Vendersheim die katholische Pfarrstelle zu Freimersheim, Decanat Alzey, mit Wirkung vom 1. October an, übertragen. — lieber den Besitz der nach Art. 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchenamtes nothwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Candidaten der evangelischen Theologie: Philipp Aldekamp aus Mainz, Emil Breun- lin aus Darmstadt, Carl Göbel auS Hirschhorn, Fritz Herrmann aus Mainz, Ferdinand Heß aus Crumstadt, Ludwig Heußel aus Langstadt, Friedrich Kunkel auS Rockenberg, August Offenbächer aus Kleestadt, August P r ä t o r i u s aus Gießen, Friedrich Schultheis aus Maulbach und Heinrich Wagner aus Wetterfeld. * * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt r Schreiner Jakob Friedrich Dettinger aus Weil vom Amtsgericht Waldmichelbach wegen Betrugs- Louis Erk auS Ober-Schmitten vom Amtsanwalt in Offenbach wegen Diebstahls- Schreiner I. Geis aus Kirn vom Amtsanwalt in Mainz wegen Diebstahls- Ludwig Hansel aus Wingershausen vom Amtsgericht Schotten wegen Bettelns - Aquisiteur Stegmund Iankau aus Hamsbach oom Amtsgericht Worms wegen Betrugs- Eduard Keller aus Straßburg, zuletzt in Worms, vom Schöffengericht Worms wegen Strafvollzugs; Bäckergeselle Ernst Roetsch aus Duisburg vom Untersuchungsrichter I in Mainz wegen versuchten schweren Diebstahls- Lehrer Phil. Valentin Schuckmann aus Müschen- heim von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Sittlichkeits- Verbrechens- Hausknecht Emil Stein aus Bierftadt in Preußen, zuletzt in Mainz, von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Betrugs- Gärtner Georg Weigandt aus Harxheim, zuletzt in Heppenheim a. d. W., vom Schöffengericht Worms wegen Strafvollzugs- Martin Zahn III. aus Mühlheim von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Diebstahls. * * Der Getreidemarkt. Der Getreidemarkt zeigte während der abgelaufenen Berichtswoche kein wesentlich verändertes Bild im vergleich zur vorangegangenen Woche. Im Allgemeinen blieben die Preise für Roggen und Wetzen gedrückt, was auf umfangreiche Realisationen speciell in ersterem Artikel und auf vermehrte Angebote von inländischem Roggen zurückzu- führen ist. Die wieder bester lautenden Berichte vom amerikanischen Markte und die unsicheren WitterungSverhält- niste haben offenbar nicht vermocht, die flaue Tendenz im deutschen Getreidegeschäft zu durchbrechen. In Hafer zeigte sich einige Besterung in Bezug aus die Preise, der Verkehr blieb aber ziemlich beschränkt. Notirungen vom Berliner Productenmarkte, Alles fier 1000 Kilogramm: Weizen 132 bis 142 M., Roggen 115 bis 121 Mk., Gerste 96 bis 165 Mk., Hafer 120 bis 148 Mk. Bad-Nauheim, 31. August. Sonntag den 2. September, Vormittags 11 Uhr, sinder im Restaurant Burk dahier zur Feier des Sedan festes ein 8. ^.-Frühschoppen mit Musik statt. Angehörige des Köfener 8. O.-DerbandeS und Freunde deffelben sind dazu ergebenst eiugeladen. Mainz, 31. August. Der 1 3. deutsche Weinbau- Congreß wird den kommenden Sonntag durch den Prinzen Wilhelm von Hesten feierlichst eröffnet werden und zwar Värmittags um 11 Uhr im Vereinshause der hiesigen „Lieder- täfel". Die feierliche Eröffnung der mit dem Congreß verbundenen Ausstellung von Geräthen und Bedarfsgegenständen für Weinbau und Kellereiwirthschaft findet am Nachmittag desselben Tages durch den Großherzog statt. Nach den Anmeldungen zu schließen, verspricht der Congreß sehr zahlreich besucht zu werden. Seitens der Weinbaustaaien werden dem Congreffe officielle Vertreter beiwohnen. — Ein Soldat des hier garuisouirenden 117. Regiments, ein hoffnungsvoller junger Mann aus dem nahen Gaubickelhetm, ist am ver- floffenen Dienstag bei den Manövern in Groß-Zimmern auf eine schreckliche Art um daS Leben gekommen. Der junge Mann klagte über Verdauungsbeschwerden und wollte ihm daher ein junger Arzt einen Löffel voll Arznei geben. In der Dunkelheit vergriff sich der Arzt und gab dem Manne Carbolsäure. Trotzdem der Jrrthum sofort bemerkt und alle Gegenmittel angewandt wurden, verstarb der Unglückliche nach zwölfstündigen heftigen Schmerzen. Die von dem Regimentsarzt vorgenommene Obduction stellte als Todesursache Carbol- säurevergtftung fest. nn. Mainz. 31. August. Die gestern hier im Saale der Liedertafel abgehaltene General-Versammlung der Mitglieder des Landes gewerb e-Bereins war sehr zahlreich besucht. Den Vorsitz führte Regierungsrath D r. Hesse, der Präsident der Großh. Centralstelle für die Gewerbe. Erschienen waren ferner die Herren Ministerial- räthe Rohde und Emmerling, sowie Oberbürgermeister Dr. Gaßner und Geh. Commerzienrath Michel. Geh. Com- merzienrath Reuleaux begrüßte die erschienenen Handwerksmeister im Namen des Mainzer Vereins und Oberbürgermeister Dr. Gaßner Namens der Stadt Mainz. Er sagte: Oeffentlich und laut spreche er seine Freude aus, daß man Mainz zum Sitz der heutigen General-Versammlung gemacht und es dadurch der Ehre theilhaftig geworden sei, so viele ausgezeichnete Männer hier zu haben. Die Stadt Mainz habe von jeher an den Zielen der Gewerbe- Vereine lebhaften Antheil gehabt und er erinnere nur an die erste im Jahre 1842 abgehaltene Gewerbeausstellung. Auch in Zukunft werde Mainz diese Grundsätze voll und ganz aufrecht erhalten und er wünsche und hoffe, daß die Berathungen zum Segen des Handwerks aussallen möchten. Nunmehr erfolgte eine eingehendere Berichterstattung über die im abgelausencn Vereinsjahr von der Großh. Central- stelle für die Gewebe entfaltete Thätigkeit für Hebung von Industrie und Gewerbe, durch den Präsidenten der Central- stelle, Regierungsrath Dr. Hesse. Daraus war zu entnehmen, daß die Zahl der Ortsgewerbevereine in Hessen auf 58 gestiegen ist mit 5284 Mitgliedern. Geh. Baurath Dr. Müller wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Handwerkerschulen des Landes zum Ehrenmitglied des LandeS- gewerbevereins ernannt. Ferner wurde die Errichtung einer Weberschule zu Lauterbach unter Bewilligung von Staatsmitteln ins Auge gefaßt. Gesellenprüfungen wurden in 8 Gewerbevereinen abgehalten und konnte der Gesellenbrief 160 jungen Leuten zuertheilt werden. Auf Grund ausgezeichneter Gesellenprüfungen und sonstigen vorzüglichenLeistungen I im Gewerbe erhielten auf Grund des § 89 Vic der Wehr- I ordnung etne Anzahl junger Gewerbetreibender die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst, darunter allein 8 von Mainz. Zur Generalversammlung des Verbandes Deutscher Gewerbevereine in Karlsruhe wird der Landesgewerbeverein durch 3 Ausschußwitglieder vertreten sein. 82 Handwerkerschulen mit 39 gewerblichen Fortbildungsschulen und 11 erweiterten Schulen bestehen in Hessen, wofür rund 250,000 Mk. aufgewendet werden. Davon entfallen ca. 120,000 Mk. auf Staatsmittel. — Nunmehr hielt Regierungsrath Dr. Dietz- Darmstadt einen Vortrag über „die Erweiterung der Unfallversicherung" und Herr Hauptlehrer Wenck aus Büdingen über „das Zeichnen des Handwerkers". Zwei Anträge, und zwar deS Ortsgewerbvereins WormS auf Einführung eines Vorrechts für Forderungen der Bauhandwerker, und des RechtSanwaltS Colm an n-Alzey, den Militärdienst der Bauhandwerker betr., werden angenommen und einer Commission überwiesen. — Nach erfolgter Ausschußwahl und Berichterstattung der Handwerkerschul-Commission des Landes wurde als Ort für die nächstjährige Generalversammlung Alsfeld bestimmt. Ein gemeinschaftliches Mittageffen und ein gemüthliches Zusammensein in der „Stadthalle" beschloß die diesjährige Generalversammlung des LandeSgewerbvereins. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertteten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 30. August. fPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Spree, Capitän W. Willigerod, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 21. August von Bremen und am 22. August von Southampton abgegangen war, ist gestern, 3 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, £an6» und Vottswirthsehaft» (Bitten, 1. Sept. Marktbericht- Aus dem heutigen «ochemnartt kostete: Butler Pt. Pfd. X 1,00—1,10, Hühnereier 1 Stück 6-7 4, 2 Stück - Käse pr- St. 4-8 Käsemalle pt. St. 8 H, Erbsen vr- Liter 17 H, Linsen pr. Liter 28 4, Tauben pr. Paar X 0,60-0,70, Hühner pr. Stück x 0.85-1,00, Habnen pr. St X 0,50-0,70, Enten pr. St- X 1.50 bis 1,70, Ochsevfleisch vr. Pfd- 74-78 4- Kub- u. Rindfleisch pr. Pfd.--70 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 66-76 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 68-70 -S, Hammelfleisch pr. Pfd. 58—68 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,00-7,00 X, Wemkraut pr. Stück--4, Zwiebeln pr- Eentner 9,00—10,00 X, Milch pr. Ater 16-20 4, Enteneier 2 St. 11 4, Gänseeier 10 4- Auszug cm» den Standesamtsregiftern der Stadt Gietzen. Slnfgebote. August: 30. Georg Karl Wallenfels. Kaufmann dahier, mit Karoltne Wilhelmine Emma Balzer zu Bad-Ems. Ghefchliefinngen* August: 29. Johs. Lang, Bahnarbeiter dahier, mit Margarethe Moos, geb. Pfeffer, Wittwe von Schuhmacher Johs. MooS dahier. 29. Johs. Laub, Taglöhner dahier, mit Emma Btnzel Hierselbst. 29. Georg Jahn, Maschinist dahier, mit Karolina Dusberger von Schwetzingen. SCbotttu« August: 18. Dem Restaurateur Wilhelm Mayer eine Tochter. 21. Dem Schlosser Gustav Tellmann eine Tochter, Adele Friederike Gertrud. 22. Dem Locomotio-Htlfsführer Louis Jung eine Tochter, Meltta Henriette Eltsabethe. 23. Dem Realgymnasiallehrer Heinrich Weyell ein Sohn, Hellmuth Philipp Karl Woldemar Gustav. 24. Dem Gymnasiallehrer Dr. Fran» Friedrich Schmitt ein Sohn. 24. Dem Locomottvsührer Karl Braun eine Tochter, Anna Marie. 25. Dem Privatmann Wilhelm Jochum ein Sohn, Ernst. 25. Dem Kaufmann Carl Stiasny eine Tochter, Margarethe Luise. 26. Dem Metzger Adam Dietz eine Tochter, Minna. 27. Dem Locomotivheizer Johannes Michel eine Tochter, Marie Katharine. 29. Dem Schlosser bet der Main Weser-Bahn Arnold Handloter eine Tochter, Dora Wilhelmine. 29. Dem Feldwebel Peter NicklaS ein Sohn. SeHotbene» August: 24. Anna Käthchen Ottilie Zehsuß, 1 Jahr alt, Tochter von Vicefeldwebel Ludwig Zehfuß dabier. 25. Otto Stumpf, 10 Monate alt, Sohn von Landwtrth Christian Ernst Stumpf zu Grüningen. 25. Emtlie Baur, geb. Soldan, 52 Jahre alt, Ehesrau des practischen ArzteS Dr. Hermann Baur hierseldft. 25. Eberhard Peter Karl fStaubach, 2 Monate alt, Sohn von Stadlpostboten Seraphtn Staubach dahier. 25. Franz Strubel, 33 Jahre alt, Prioatter dahier. 26. Johanna Magnus, 1 Monat alt, Tochter von ' Schuhmachermeister Friedrich Magnus dahier. 26. Nicolaus Götz, 47 Jahre alt, Schuhmacher von Frtschborn. 27. MoseS Korobkoff, 32 Jahre alt, Brennereipächter von Puttwl tn Rußland. 27. Louise NteS, geb. Faust, 52 Jahre alt, Ehefrau von Taglöhner Heinrich NteS zu Laad. 28. Emllie Grog, 18 Jahre alt, ledig, von Ober- RoSbach. 29. Robert Gustav Adols Dornhöfer, 14 Jahre alt, Sohn von Lademetster Friedrich Dornhöfer dahier. 30. Ratmund Walther Wagenschetn, 9 Monate alt, Sobn von Ingenieur Raimund Wagenschein dahier. 31. Dorothea Oswald, geb. Lippe, t, 56 Jahre alt, Wittwe von Spetsewtrth Balthasar OSwald dahier. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Brtftfltfi Matthäusgemetnde. Den 26. August. Karl Haas, Fuhrmann in Gießen, und Katharine Rücker, Tochter deS verstorbenen Schuhmachers Johann Georg Rücker tn Bellersdorf. MarkuSgemetnde. Den 29. August. Johannes Lang, Bahnarbeiter tn Gießen, und Margarethe Mocs, geb. Pfeffer, Wittwe deS Schuhmachers Johannes Moos in Gießen. Lukasgemetnde. Den 29. August. Johannes Laub, Taglöhner zu Gießen, mit Emma Btnzel, Tochter des verstorbenen Taglöhners Philipp Btnzel zu Nieder-Ohmen. Wtiflttfif । Matthäusge meinde. Den 26. August. Dem Knecht Johann Hill eine Tochter, Maria, geboren den 28. Juli. Denselben. Dem Kaufmann Louis Reitz eine Tochter, Helene, geboren den 3. Juli. , Denselben. Dem Buchbindermeister Heinrich Schneider eine Tochter, Adele Martha Elisabeth, geboren den 26. Juli. Markusgemetnde. Den 26. August. Dem Dachdeckermeister KaSpar Muller eine Tochter. Maria, geboren den 18. Juli. Denselben. Dem Taglöhner Adam Ohr ein Sohn, Karl Martin Gustav, geboren den 21. Juli. Den 31. August. Eine uneheliche Tochter, Lina Elisabeth, geboren den 27. Juli. Lukasgemetnde. Den 26. August. Dem Bierbrauer Carl Zimmer eine Tochter, Marie Ottilie, geboren den 27. Juli. Denselben. Dem Gerichtsschretber-Asptrantm Heinrich Rupprl eine Tochter, Lina Katharina Frieda, geboren dm 5. Juli. Johannesgemetnde. Den 26. August. Dem Realgymnasiallehrer Carl Jann eine Tochter, Hertha Käthchen Anna, geboren den 24. Juli. Militärgemetnde. Den 27. August. Dem Büchsenmacher Dietrich Syben eine Tochter, Bertha Dorothea Marte Anna, geboren den 9. August. JohanneSgemeinde. Dm 28. August. Franz Strubel in Gießen, Sohn deS verstorbenen Kreisarztes Dr. Franz Strubel zu Marimschloß, alt 33 Jahre, starb den 19. August. Denselben. Emtlie Baur, geb. Soldan, Ehefrau deß practifchen Arztes Dr. Hermann Baur zu Gießen, alt 52 Jahre, starb den 25‘ ^Den^30. August. Robert Dornbofer, Sohn deS Lademetsters Friedrich Dornhöfer zu Gießen, alt 14 Jahre, starb den 29. August. Amtliche Prüfung der Lichtstärke Le» Leuchtgase,. Vorschriftsmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gasverbrauch 13 bis 15 deutsche Vereins-Paraffinkerzen. Monat August 1894: 14 Kerzen. Buchner. witter»«gra«sfichten am 1. 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